# Gesellschaft



# Das Bürgertum

#### Inhaltsverzeichnis

1. Entstehung des bürgerlichen Weihnachtsfestes (Online-Artikel LeMO)
2. Berliner Salons um 1800. Fürstinnen des Geistes.

##### 1. Entstehung des bürgerlichen Weihnachtsfestes (Online-Artikel LeMO)

<section class="container" id="bkmrk-%E2%80%9Eo-du-fr%C3%B6hliche%E2%80%9C-%2818">„O du fröhliche“ (1815), „O Tannenbaum“ (1820) und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ (1835), alle drei Klassiker, die auch heute noch Bestandteil des weihnachtlichen Liedgutes sind, haben wie auch weitere wesentliche Bestandteile und Requisiten des heutigen Weihnachtsfestes ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Zunächst als christliches Fest, das ausschließlich in der Kirche gefeiert wurde, zog das Weihnachtsfest erst mit der Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft in die heimischen Wohnstuben ein. Mit den reformatorischen Ideen Martin Luthers zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatte sich bereits ein Wandel der Gottesdienste und auch weiterer Weihnachtsbräuche der Gemeindemitglieder vollzogen.

</section>Mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert und schließlich im Verlauf des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Weihnachtsfest erst zu dem Ritual bürgerlicher Festkultur, das sich vermehrt in der privaten Intimität der Familie abspielte. Doch noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Weihnachtsfest eines unter vielen kirchlichen Festen. [Industrialisierung](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/reaktionszeit/industrie) und [Urbanisierung](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/alltagsleben/urbanisierung-im-deutschen-reich) führten zu einer zunehmenden Trennung des Alltags in öffentliches und privates Leben. Erst das Bürgertum sollte Weihnachten schließlich zu dem besinnlichen Familienfest machen, das es in breiten Gesellschaftskreisen noch heute ist: Die aufstrebende neue soziale Schicht hatte zwar noch keinen beträchtlichen politischen Einfluss, kulturelle Praktiken hingegen prägte das Bürgertum im 19. Jahrhundert bereits wesentlich, darunter auch, Weihnachten mit festen Ritualen im Kreise der Familie zu feiern.

<section class="container" id="bkmrk-schwebende-engelfigu"><div id="bkmrk-schwebende-engelfigu-1"><div class="photo-with-caption">[![Schwebende Engelfigur, 1846/1855](https://www.dhm.de/lemo/fileadmin/medien/lemo/images/zd025769.jpg "Schwebende Engelfigur, 1846/1855")<span class="image-caption">Schwebende Engelfigur, 1846/1855</span>](https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/schwebende-engelfigur-1846-1855)</div></div></section><section class="container" id="bkmrk-weihnachten-als-b%C3%BCrg"><div class="frame frame-default frame-type-text frame-layout-0"><header>**Weihnachten als bürgerliches Bescherfest**

</header></div></section><section class="container" id="bkmrk-das-ideale-b%C3%BCrgerlic">Das ideale bürgerliche Familienleben des 19. Jahrhunderts – auch als Kontrapunkt zur Sphäre des Erwerbslebens – bestand aus einem gefühlsbetonten Miteinander, einem ausgeprägten Interesse an [kulturellen Hervorbringungen](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/reaktionszeit/kunst-und-kultur) wie Musik oder Dichtkunst sowie der Beschäftigung mit Fragen der Bildung und Erziehung. All diese Werte ließen sich mit dem Weihnachtsfest verknüpfen und verliehen dem Fest eine neue, deutlich säkularere Sinngebung, bei der die Harmonie in der Familie im Vordergrund stand. An Heiligabend, dem 24. Dezember, versammelte sich die Familie zuhause in der Regel um einen geschmückten Weihnachtsbaum. Zu den weihnachtlichen Pflichten der Kinder gehörte es, Gedichte zu rezitieren oder zur festlichen Hausmusik beizutragen. Stets verknüpft mit den elterlich beziehungsweise gesellschaftlich erwünschten Erziehungsprinzipien gehörte zum Heiligen Abend auch die Erfüllung von Wünschen der Kinder. Die Bescherung, insbesondere der Kinder, stellte dabei in der Regel den Höhepunkt der weihnachtlichen Rituale dar.

</section><section class="container" id="bkmrk-eduard-geselschap%3A-w"><div id="bkmrk-eduard-geselschap%3A-w-1"><div class="photo-with-caption">[![Gemälde: Weihnachtsfest von Eduard Geselschap, 1855/1866](https://www.dhm.de/lemo/fileadmin/medien/lemo/images/bi073177.jpg "Gemälde: Weihnachtsfest von Eduard Geselschap, 1855/1866")<span class="image-caption">Eduard Geselschap: Weihnachtsfest, 1855/1866</span>](https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/eduard-geselschap-weihnachtsfest-1855-1860)</div></div></section><header id="bkmrk-beginn-der-kommerzia">**Beginn der Kommerzialisierung**

</header>Mit Äpfeln, Nüssen oder Gebäck geschmückte Tannen sind vereinzelt zwar auch schon bei gesellschaftlichen Anlässen seit dem späten 16. Jahrhundert überliefert, doch zog der Weihnachtsbaum erst im 19. Jahrhundert in die privaten Wohnstuben ein – und wurde zu einem unverzichtbaren Bestandteil der zunehmend ritualisierten Weihnachtsfeier. Dies hatte auch Auswirkungen auf den Schmuck selbst: Bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts interessierten sich bereits breite gesellschaftliche Kreise für Christbaumschmuck. Diese neuartigen (Konsum-)Wünsche an den Weihnachtsbaum ließen einen neuen Industriezweig sowie regelrechte Baumschmuck-Moden entstehen. Eine Kommerzialisierung des Festes hatte begonnen.

Und je stärker sich eine deutsche Feiertradition entwickelte, in der das Zusammenkommen der Familie im Vordergrund stand und je weniger der christlich-theologische Gehalt des Festes, desto attraktiver wurde das Weihnachtsfest in Deutschland auch für den Teil der jüdischen Glaubensgemeinschaft, der weitgehend säkular lebte und sich den deutschen kulturellen Praktiken auch patriotisch verbunden fühlte. So feierten jüdische Familien etwa sowohl Weihnachten als auch das ebenfalls in der dunklen Jahreszeit im November/Dezember/Januar liegende Lichterfest Chanukka – das Fest der Einweihung des Jerusalemer Tempels – oder aber ließen in das Chanukka-Fest Bestandteile des Weihnachtsfestes wie einen geschmückten Baum einfließen.

Mit seiner allmählichen Entfernung von den streng theologisch-spirituellen Ursprüngen verselbstständigte sich das Weihnachtsfest im 19. Jahrhundert also zu einem Fest in der Familie. Und es wurde gleichsam zum Symbol bürgerlicher Werteorientierungen: Der christliche Glaube (protestantisch wie katholisch), Familie, Nächstenliebe und Mildtätigkeit, Freude, Tradition und Nation – mit all diesen Werten ließ sich das Weihnachtsfest verbinden. Der Volkskundler Friedrich August Reimann schrieb Weihnachten in einem Eintrag zum „Christfest“ auch eine dezidierte politische Implikation zu. Das Fest habe das Potential, zu einer Erziehung der Staatsbürgerinnen und -bürger beizutragen. Er stellte 1839 in seinem Buch „Deutsche Volksfeste im 19. Jahrhundert“ fest, dass das Weihnachtsfest „in einer zeitgemäßen Form hergestellt und eingeführt, eines der sichersten und wirksamsten Mittel seyn dürften, den Gemeingeist der Staatsbürger zu wecken, zu beleben und anzufeuern.“ Diese Erkenntnis Reimanns zeigt, dass eine Verknüpfung des Weihnachtsfestes mit politischen Zielen schon vor der [Revolution von 1848/49](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/vormaerz-und-revolution/revolution-1848) als politisch dienlich betrachtet wurde, einer Zeit, in der bürgerlicher Reformwille, der Nationalstaatsgedanke und ebenso gesellschaftliche Gegensätze für Konflikte sorgten. Der [deutsch-französische Krieg 1870/71](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/reich/krieg1870) ist so auch der Beginn einer politischen Vereinnahmung des Weihnachtsfestes. Hier kam wohl erstmals die weihnachtliche Friedensbotschaft mit dezidiert kriegerischen Parolen zusammen. Propagandistische Drucksachen zeichneten Bilder soldatischer Weihnachtsfeiern mit geschmückten Bäumen an der Front und beschworen Heimat- und Familienverbundenheit wie die angebliche deutsche Gemütstiefe. Das Weihnachtsfest eignete sich somit als Instrument patriotischer Durchhalterhetorik während des Krieges und damit psychologischer Kriegsführung.

Aufgrund seiner besonderen sentimental-emotionalen Dimension wurde das „Fest der Liebe“ im 19. und ebenso im 20. Jahrhundert immer wieder für unterschiedliche staatliche beziehungsweise ideologische Ziele benutzt und in den Dienst hetzerischer (Kriegs-)Propaganda gestellt. Die relativ breite Akzeptanz für das Feiern des Weihnachtsfestes war eine Basis für die Anschlussfähigkeit an unterschiedliche politische Strömungen und Ideologien und zugleich Garant dafür, breite Gesellschaftskreise zu erreichen.

Doch nicht nur Militär und die jeweilige Staatsführung setzten die Weihnachtsbotschaft für ihre Ziele ein, auch Akteurinnen und Akteure der Arbeiterbewegung nutzten Weihnachtslieder und dichteten diese für ihre Zwecke um. So wurde um 1900 aus dem 1818 während der Koalitionskriege entstandenen Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ die sozialkritische Parodie „Stille Nacht, traurige Nacht, hast Du Brot mitgebracht?“

Im 19. Jahrhundert wurden Bilder von erwartungsfrohen Kinderaugen, Besinnlich- und Wohltätigkeit sowie allgemeiner familiärer Weihnachtsseligkeit geschaffen, die das Weihnachtsfest bis heute begleiten. Trotz politischer Vereinnahmung und Sozialkritik und dem Ende des patriarchalischen bürgerlichen Familienideals ist das Weihnachtsfest ein christliches Fest, das die deutsche Kulturgeschichte nachhaltig inspiriert und geprägt hat.

##### 2. Berliner Salons um 1800. Fürstinnen des Geistes.

Preußen ist mehr als ein Soldatenstaat. In seiner Kapitale blühen Wissenschaft und Künste – und junge, gebildete Jüdinnen prägen mit literarischen Salons die intellektuelle Avantgarde Berlin ist en vogue. In keiner deutschen Stadt wirken um 1800 mehr Künstler, Schriftsteller und Gelehrte, in keiner gibt es mehr Lesegesellschaften und private Bibliotheken, in keiner entwickelt sich eine vielseitigere Theaterszene.

<div class="frame frame-default frame-type-text frame-layout-0" id="bkmrk--3" style="text-align: justify;"></div>Zu den anregendsten Intellektuellentreffen kommt es aber nicht in Bildungsvereinen oder Akademien, sondern in den Wohnungen junger jüdischer Damen: bei Teegesellschaften, zu denen sich Adelige und Bürger, Christen und Juden, Frauen und Männer einfinden, um gemeinsam die Bildung ihrer Persönlichkeit zu pflegen. Erstaunt schreibt der Dichter Jean Paul 1801 in einem Brief aus Berlin: „Der Ton hier übertrifft an Unbefangenheit weit den Weimarschen. Der Adel vermengt sich mit dem Bürger, nicht wie Fett mit Wasser, auf welchem dieses immer oben schwimmt, sondern sie sind innig vereinigt. Gelehrte, Juden, Offiziere, Geheime Räte, Edelleute, kurz alles was sich an anderen Orten (Weimar ausgenommen) die Hälse bricht, fällt einander um diese, und lebt wenigstens freundlich an Tee- und Esstischen beisammen.“

Nirgendwo im Königreich Preußen gibt es eine größere Freiheit der Gedanken, nirgends einen derart ebenbürtigen Austausch zwischen den Geschlechtern und Konfessionen, einen solch geballten Hunger nach Selbstbildung. Und doch sind die Intellektuellenzirkel in der Beletage nicht viel mehr als Kunstwelten für vielleicht 200 Freigeister. Kunstwelten, die wenig gemein haben mit der gesellschaftlichen Realität, in der es etwa Mädchen nach wie vor nicht möglich ist, auf ein Gymnasium zu gehen oder später die Universität zu besuchen. Bewegt sind die Zeiten, in denen Preußens Kapitale zur Großstadt heranwächst. Die Französische Revolution stellt die Ständegesellschaft in Europa zur Diskussion. Unter dem Einfluss der Aufklärung kämpft in Berlin der jüdische Philosoph Moses Mendelssohn für die politische und soziale Gleichstellung von Juden und Nichtjuden. Preußens König Friedrich II. haben Kriege jahrelang von seiner Hauptstadt fern gehalten. Zudem kümmerte ihn das kulturelle und geistige Leben seiner Untertanen gerade in späten Regierungsjahren wenig. Dadurch erst entstanden jene Freiräume, in denen sich private Aufklärungs- und Lesezirkel entwickeln konnten.

Vielleicht acht Salondamen laden um 1800 in Berlin regelmäßig zu Tee und Schnittchen. *En privé* wird dabei das neue Ideal der gemeinschaftlichen Bildung gepflegt, wie es vor allem der Philosoph und Sprachwissenschaftler Wilhelm von Humboldt 1792 definiert hat: „Der wahre Zweck des Menschen ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen.“ Die Selbstbildung könne jedoch nur im Wechselspiel mit der Umwelt erreicht werden. Jeder Einzelne müsse sich immerfort und zum Guten von Gesellschaft und Nation „den Reichtum des anderen“ zu Eigen machen. Ein Gelehrter, der sein Wissen für sich behält, ist nicht im Sinn des Neuhumanisten. Und so werden die Kreise zu avantgardistischen Laboratorien für die Reformen des Bildungswesens – und auch zu Foren für den Bildungsroman, jener einzigartigen deutschen Literaturform, deren Protagonisten sich mit der gesellschaftlichen Realität auseinander setzen und dadurch fortentwickeln.

In die Runden aufgenommen wird, wer die Kunst der Konversation beherrscht, wer Begabung, Geist und Persönlichkeit besitzt. Ein neuer Gast muss von einem bereits etablierten Mitglied des Zirkels eingeführt werden. Die meisten Gastgeberinnen sind in mehreren Sprachen beredt und Kinder der Sturm-und-Drang-Zeit, in der junge deutsche Literaten wie Johann Wolfgang Goethe oder Johann Gottfried Herder als Gegensatz zur kühlen Vernunft der Aufklärung Gefühl, Volksnähe und „Empfindsamkeit“ gefeiert haben. Den ersten literarischen Salon der Stadt führt Henriette Herz. Zu den Gästen der Professorengattin gehören die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt, der Bildhauer Gottfried Schadow, der Theologe Friedrich Schleiermacher sowie der Schriftsteller und Kritiker Friedrich Schlegel. Während ihr 17 Jahre älterer Mann Marcus Herz Studenten und Gelehrte zu philosophischen und physikalischen Vortragsabenden in seinem Haus empfängt, lädt die erst 16-jährige Henriette ab 1780 zu „ästhetischen Dienstagen“. In diesem Kreis diskutiert sie mit Gleichgesinnten über Literatur, werden neue Romane besprochen.

Auch die berühmteste Berliner Salondame Rahel Levin und ihr späterer Mann, der Schriftsteller Karl August Varnhagen von Ense, verkehren bald bei Henriette Herz. Im Hause Levin in der Jägerstraße 54 treffen sich Prinz Louis Ferdinand von Preußen und dessen Geliebte Pauline Wiesel, dazu die Dichter Jean Paul und Ludwig Tieck sowie der schwedische Diplomat und Poet Karl Gustav von Brinckmann. Neben den Geburtsadel tritt jetzt der Geistesadel. In den Salons wird poetisiert und musiziert, streiten Berliner Spätaufklärer mit Jenaer Frühromantikern, werden die Werke Goethes gefeiert, Theaterstücke kritisiert – aber auch Ehen angebahnt. Weit mehr als die Hälfte aller Salongäste sind unverheiratet, geschieden oder leben in ungeklärten Verhältnissen.

Konservative Kreise empfinden diese *jeunesse dorée* als unbürgerlich und unpreußisch. Tatsächlich schafft die Salonszene die ersten gesellschaftlichen Freiräume, in denen Frauen und Juden, vor allem aber jüdische Frauen sich und ihre literarischen Talente entfalten können. Die Salons bieten Humboldt eine Bühne für sein Bildungsideal; 1809 wird es mit der Gründung einer Berliner Universität etabliert. Erstmals wird dort Forschung und Lehre verbunden und der Austausch zwischen den Fakultäten gefordert – ein Konzept, beeinflusst unter anderem durch die Ideen zur geselligen Selbstbildung Schleiermachers. Politische Orte aber, Zentren der Frauen- oder der Juden- Emanzipation sind die Berliner „Teetische“ um 1800 nicht. Zu gering noch ist ihre Strahlkraft nach draußen.

Nur wenige Salons überdauern die Besatzung Berlins durch Napoleons Truppen 1806 – die schwärmerisch unpolitischen Kreise passen nicht mehr zur neuen Zeit unter dem französischen Joch, passen auch nicht zum aufkommenden Nationalismus. Henriette Herz veranstaltet nach dem Tod ihres Gatten 1803 immer seltener ihre „ästhetischen Tees“. Das gesellige Leben hat das gesamte Vermögen ihres Mannes aufgezehrt. Ihren Lebensunterhalt verdient sie fortan als Fremdsprachenlehrerin für höhere Töchter. Sie stirbt am 22. Oktober 1847.

Der Salon Rahel Levins zerbricht 1806 – in jenem Moment, als auch das alte Preußen untergeht. 1814 konvertiert sie zum Christentum, um den 14 Jahre jüngeren Karl August Varnhagen von Ense zu heiraten. Zur gleichen Zeit finden sich nach den Befreiungskriegen alte und neue Teegesellschaften in Preußens Kapitale zusammen. Von 1819 bis 1833 führt auch Rahel Varnhagen noch einmal einen Salon in Berlin, wo etwa Heinrich Heine und Franz Grillparzer verkehren. Aber die Leichtigkeit des ersten Zirkels ist *perdue*. Rahel Varnhagen stirbt am 7. März 1833. Ihr Mann überlebt sie um 25 Jahre und gibt ihre Briefe heraus. Darunter auch diese Zeilen: „Wo ist unsere Zeit! Wo wir alle zusammenwaren. Sie ist Anno 6 untergegangen. Untergegangen wie ein Schiff: mit den schönsten Lebensgütern, den schönsten Lebensgenuss enthaltend. Und viele teure belebende Freunde mit: 1000 Bekannte, adieu, adieu.“

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Franke, Julia: Entstehung des bürgerlichen Weihnachtsfestes, in: LeMO, online verfügbar seit 14.12.2023 unter: [https://www.dhm.de/lemo/kapitel/reaktionszeit/alltagsleben/entstehung-des-buergerlichen-weihnachtsfestes](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/reaktionszeit/alltagsleben/entstehung-des-buergerlichen-weihnachtsfestes), zuletzt geprüft am 04.08.2025.

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**Sekundärliteratur**

-&gt; Herold, Anja: Berliner Salons um 1800. Fürstinnen des Geistes, in: Preussen 1701-1871 (GEO Epoche Jg. 2006, Heft Nr 23), Hamburg 2006.

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# Die Judenemanzipation im 18. Jahrhundert

#### Inhaltsverzeichnis

1. Haskala / Aufklärung
2. Moses Mendelssohn – Wegbereiter des emanzipierten Judentums<span class="opening-header__subtitle">Wegbereiter des emanzipierten Judentums</span>

##### 1. Haskala / Aufklärung

Der hebräische Begriff Haskala (<span lang="he">השכלה</span>) bezeichnet die jüdische Aufklärung. Seine Wurzel setzt sich aus den Buchstaben Schin (<span lang="he">ש</span>), Kaf (<span lang="he">כ</span>) und Lamed (<span lang="he">ל</span>) zusammen, die für sich genommen das Wort „Verstand“ bilden. So verweist der Begriff selbst auf das Ziel der Haskala: Es galt, das jüdisch-hebräische Erbe zu bewahren – und den Verstand zu respektieren. Es ging um keine geringere Aufgabe, als die Religion mit Philosophie und Wissenschaft zu versöhnen.

Die Haskala entstand als Teil der europäischen Aufklärungsbewegungen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in Berlin und Königsberg. Ihre Anhänger, die Maskilim, wollten der kulturellen und gesellschaftlichen Isolation der jüdischen Gemeinschaft ein Ende setzen. Sie plädierten für die Aneignung von Bildung und weltlichem Wissen – ein Weg, den sie selbst bereits erfolgreich beschritten hatten. Das traditionelle Judentum versuchten sie mit der modernen Kultur ihrer Zeit in Einklang zu bringen. Dabei betonten sie diejenigen Elemente der jüdischen Tradition, die Judentum und Christentum gemeinsam waren: Sie gaben der Bibel und dem biblischen Hebräisch den Vorrang vor dem Talmud.

Die Maskilim gründeten moderne jüdische Schulen. In Büchern und Zeitschriften warben sie unter den Jüdinnen\*Juden in Deutschland und später auch in Osteuropa für ihre Ideen. Einige der Salonièren gehörten zu den ersten jüdischen Frauen überhaupt, die Texte unter ihrem eigenen Namen veröffentlichten. Da sich all diese Schriften zum großen Teil an ein jüdisches Publikum richteten, bedienten sich ihre Autor\*innen oft der hebräischen Sprache. Andere verwandten die deutsche Sprache, um ihre aufklärerischen Ziele zu erreichen. Teilweise wurden diese Schriften in hebräischen Buchstaben gedruckt, da der Mehrheit der jüdischen Bevölkerung diese Schrift vertrauter war.

Ziel der Maskilim war aber auch die Aufklärung der nichtjüdischen Öffentlichkeit: Sie wiesen darauf hin, dass die jüdische Religion mit der modernen Aufklärungsphilosophie nicht in Widerspruch stand und dass Jüdinnen\*Juden den Christ\*innen ebenbürtig seien. Sie kämpften für die Gleichberechtigung und gesellschaftliche Anerkennung der jüdischen Minderheit.

Übergang zum Ausstellungsbereich <cite>Auch Juden werden Deutsche</cite> in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Berlin; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Yves Sucksdorff

Die Symbolfigur der jüdischen Aufklärung war Moses Mendelssohn. Er hielt noch strikt an der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, fest. Doch viele seiner Nachfolger\*innen kritisierten offen die jüdische Tradition. Sie befürworteten eine Reform der jüdischen Religion und die Abschaffung all jener Gebote, die sich mit einem Leben in der Gesellschaft nur schwer vereinbaren ließen. So begann im Zeitalter der Aufklärung die komplizierte Gratwanderung der deutschen Jüdinnen\*Juden zwischen dem Wunsch nach Integration und Bewahrung ihrer religiösen und kulturellen Eigenart.

##### 2. Moses Mendelssohn – Wegbereiter des emanzipierten Judentums<span class="opening-header__subtitle">Wegbereiter des emanzipierten Judentums</span>

Moses Mendelssohn gehörte zu den wichtigsten Intellektuellen Europas, zu den Wegbereitern der jüdischen Aufklärung (der *Haskala*) und war schon zu Lebzeiten weit über die Grenzen Deutschlands hinaus berühmt. Er wurde 1729 in Dessau geboren und wuchs in einem jüdisch-orthodoxen Haushalt auf, seine Muttersprachen waren Jiddisch und Hebräisch. Im Alter von 14 Jahren machte er sich alleine auf den Weg nach Berlin und erklärte den Wachen am Stadttor – so erzählt man sich –, er käme, um "zu lernen". Und das tat er gründlich: <span class="link-preview">[<span class="a-visually-hidden">Interner Link: </span>Mendelssohn](https://www.bpb.de/themen/zeit-kulturgeschichte/geteilte-geschichte/339731/moses-mendelssohns-brille/)</span><span class="Apple-converted-space"> </span>folgte nicht nur seinem Lehrer aus Dessau an die jüdische Religionsschule in Berlin, sondern lernte neben dem Studium der jüdischen Bibel (der<span class="Apple-converted-space"> </span>*Thora*) und der verschiedenen mit ihr zusammenhängenden Bücher, alte und moderne Sprachen, las die Werke der wichtigsten Philosophen seiner Zeit (wie zum Beispiel Spinoza, Hobbes und Locke) und unterrichtete sich eigenständig in Mathematik und Physik. Um nebenbei seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete er sowohl als Privatlehrer der Kinder des Kaufmanns Bernhard Isaak und später als Buchhalter und schließlich Geschäftsführer in dessen Unternehmen.

Die Themen, in denen sich Moses Mendelssohn zu bewegen wusste, reichten von Physik über Philosophie und Literatur bis tief in die jüdische Religionswissenschaft. So entstanden aus seinen vielfältigen Überlegungen ein Reichtum an Texten, publiziert in mehreren Sprachen. Auch den Wettbewerb der Königlichen Akademie zur Fragestellung nach einer *Evidenz in den metaphysischen Wissenschaften* von 1763 konnte er gewinnen – gegen Immanuel Kant. Er war in ständigem schriftlichem Austausch mit vielen wichtigen Persönlichkeiten der Aufklärung und veröffentlichte umfangreiche Publikationen über alle Bereiche der zeitgenössischen Philosophie: Ästhetik, politische Theorie, Semiotik, Philologie und mehr. Sein Haus in der Spandauer Straße 68 im Berliner Nikolaiviertel, wo er mit seiner Frau, der Hamburgerin Fromet Guggenheim, die er 1762 heiratete, und ihren gemeinsamen zehn Kindern lebte, wurde zu einem Treffpunkt für die intellektuelle Elite Berlins und für Besucher aus aller Welt.

All das war alles andere als selbstverständlich <span class="link-preview">[<span class="a-visually-hidden">Link hat Vorschau-Popup</span><span class="a-visually-hidden">Interner Link: </span>in einer Zeit, in der die jüdische Bevölkerung nicht die gleichen Bürgerrechte hatte wie die christliche und kulturell und politisch separat von der Mehrheitsgesellschaft lebte](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/juedisches-leben-in-deutschland-304/7666/1650-1815-territorialstaat-und-schutzjudentum/)</span>

<div aria-live="polite" class="link-preview__popup-wrapper" id="bkmrk-" style="text-align: justify;"><div><div aria-hidden="true" class="link-preview__popup"><div class="link-preview__popup-inner"><div><article aria-label="Linkvorschau" class="teaser-link-preview teaser-link-preview--sm-width-100"><div aria-hidden="true" class="teaser-link-preview__picture-wrapper"><figure class="teaser-link-preview__picture"><picture class="picture is-lazy is-active">![](https://www.bpb.de/cache/images/3/137303_teaser_3x2_400.jpg?ABC44)</picture></figure></div><div class="teaser-link-preview__content"><header class="teaser-link-preview__header">
</header></div></article></div></div></div></div></div>. Doch durch die<span class="Apple-converted-space"> </span>[<span class="a-visually-hidden">Externer Link: </span>europäische Aufklärung](https://www.fluter.de/aufklaerung-0), die bereits seit Anfang des 18. Jahrhunderts gegen Vorurteile und für Toleranz plädierte und im Zuge der mit ihr einhergehenden Diskussionen über die gesellschaftliche (zu dieser Zeit nur männliche) Gleichberechtigung, wurde auch die Gleichstellung der Juden in der deutschen Gesellschaft zu einem wichtigen philosophischen und politischen Thema. Mendelssohn nahm an dieser Debatte aktiv teil, wurde quasi zum Fürsprecher seiner deutschen Glaubensgenossen. Nachdem man ihn aufgefordert hatte, die Gründe für die jüdische Gleichberechtigung doch einmal darzulegen, veröffentlichte er 1783 seinen wichtigsten Aufsatz über das Judentum unter dem Titel "Jerusalem". Diesen langen Essay unterteilte er in zwei Teile: Während er im ersten Teil für die Trennung von Staat und Religion plädiert, erläutert er im zweiten die Vorteile des Judentums als Religion der Vernunft. Jüdinnen und Juden würden die Geschichten der biblischen Texte als historische Wahrheit verstehen und glaubten nicht, wie die Christen, an eine "göttliche Offenbarung". Daraus könne gefolgert werden, dass sich die "jüdische Vernunft auf die ganze Menschheit übertragen" ließe. Dieser Essay stellte nicht nur ein philosophisches Traktat dar, sondern erläuterte erstmalig einer breiten – jüdischen und nichtjüdischen – Öffentlichkeit die zentralen Thesen der<span class="Apple-converted-space"> </span>*Haskala*.

Mendelssohns Essay war eine Sensation. Immanuel Kant etwa lobte ihn – wenn auch nur privat – für seine "Scharfsinnigkeit, Feinheit und Klugheit"; sein Freund Gotthold Ephraim Lessing schrieb das berühmte Theaterstück "Nathan der Weise", das sich mit dem Toleranzgedanken der Aufklärung mit Mendelssohn in der Figur des weisen Nathan beschäftigt. Andere wiederum waren weniger verständnisvoll, reagierten im besten Fall skeptisch oder – wie die meisten, die in der Regel auch gegen die Aufklärung waren – ablehnend, und argumentierten vehement gegen die Gewährung gleicher Rechte für Juden und gegen ihre Integration in die deutsche Gesellschaft.

Auch von seinen Glaubensbrüdern und -schwestern verlangte Mendelssohn ihren Teil an der sogenannten Emanzipation der Jüdinnen und Juden und fordert sie auf, Deutsch zu lernen, die Sprache auch im Alltag zu sprechen, und nicht im Jiddischen und in der "heiligen Sprache" Hebräisch zu verharren. Damit sollten sie nicht nur in der Mehrheitsgesellschaft aufgehen, sondern ihrerseits Toleranz ihren christlichen Mitbürgern gegenüber zeigen. Er selbst ging mit gutem Beispiel voran und übersetzte die Hebräische Bibel des Alten Testaments, in ein "gepflegtes und korrektes Deutsch \[…\] entsprechend dem heutigen Sprachgebrauch".

Die jüdische Gleichstellung wurde zwar in den Jahrzehnten nach der <span class="link-preview">[<span class="a-visually-hidden">Interner Link: </span>Französischen Revolution ](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/info-aktuell/274837/franzoesische-revolution/)</span>nach und nach umgesetzt, aber Mendelssohn erlebte diesen Wendepunkt nicht mehr. Er starb am 4. Januar 1786. Kurz nach seinem Tod wurde sein Leben und Wirken zu einem Mythos, sowohl in der nichtjüdischen Welt der europäischen Aufklärung als auch unter den aufgeklärten Jüdinnen und Juden. Die einen – wie z.B. Isaac Abraham Euchel (1756-1804), einem wichtigen Vertreter der<span class="Apple-converted-space"> </span>*Haskala*<span class="Apple-converted-space"> </span>– lobten seine Person und seine Lehren, doch andere (wie z.B. die Aufklärer Salomon Maimon und Saul Ascher) lehnten seine Thesen vollständig ab und fürchteten den Untergang des Judentums durch Anpassung. Dabei verwiesen sie immer wieder auf die Tatsache, dass einige seiner Kinder sich hatten taufen lassen. Erst die nächste Generation – zu der z.B. der Dichter Heinrich Heine oder der Historiker Heinrich Graetz gehörte – machte Mendelssohn zu einem wichtigen Wegbereiter in der jüdischen Geschichte und sahen ihn als fast sagenumwobenen Führer von der Dunkelheit des Mittelalters ins Licht der Moderne.

In der Welt des <span class="link-preview">[<span class="a-visually-hidden">Interner Link: </span>orthodoxen Judentums](https://www.bpb.de/themen/zeit-kulturgeschichte/juedischesleben/329224/orthodoxes-judentum-in-deutschland/)</span><span class="Apple-converted-space"> </span>– einer Strömung, die im 19. Jahrhundert in Abgrenzung des neu entstandenen Reformjudentum entwickelt wurde und in der die überlieferten Weisungen und Regeln möglichst genau einhalten werden soll(t)en – hingegen, in die die<span class="Apple-converted-space"> </span>*Haskala*<span class="Apple-converted-space"> </span>keinen Einzug hielt, war und ist er bis heute verpönt: Der bekannte Rabbiner Moses Schreiber (1762-1839), Leitfigur der strengen Orthodoxie, warnte seine Gemeindemitglieder sogar, "die Bücher des Rabbi Moses aus Dessau nicht zu berühren". Dieser Streit weitete sich auf ganz Europa, vor allem auf die vielen jüdischen Gemeinden Osteuropas aus. Mendelssohns zentrale Stellung verlor sich vor allem mit dem Aufkommen des<span class="Apple-converted-space"> </span><span class="link-preview">[<span class="a-visually-hidden">Interner Link: </span>Zionismus](https://www.bpb.de/themen/naher-mittlerer-osten/israel/44941/was-ist-zionismus/)</span>, der jüdischen Nationalbewegung, die eine Heimstätte im Land Israel anstrebte. Sein Plädoyer für jüdisches Leben in Deutschland stieß letztlich auf Ablehnung bei Personen, die für jüdische Selbstbestimmung in einem jüdischen, eigenen Staat eintraten. Heute ist Mendelssohn für viele Jüdinnen und Juden in Israel ein deutscher Jude, dessen Leben und Werk zur Assimilation und zum Verlust des Nationalstolzes führten.

Moses Mendelssohns Familie umfasst noch heute über 200 Mitglieder, verstreut über den ganzen Erdball. Viele davon sind ebenfalls Berühmtheiten geworden, wie etwa sein Enkel Felix Mendelssohn-Bartholdy, der berühmte deutsche Komponist, dessen Schwester <span class="link-preview">[<span class="a-visually-hidden">Interner Link: </span>Fanny Hensel](https://www.bpb.de/themen/zeit-kulturgeschichte/geteilte-geschichte/339746/fanny-hensels-kreuz/)</span>, eine der wenigen bekannten Komponistinnen ihrer Zeit, oder seine Tochter Dorothea Schlegel, die Schriftstellerin der Romantik, um nur einige Beispiele zu nennen. Sie alle haben eines gemein: Im Zuge des gesellschaftlichen Drucks der deutschen Mehrheitsgesellschaft sind sie selbst oder sogar schon ihre Eltern zum Christentum übergetreten, um, wie der ebenfalls zum Christentum konvertierte Dichter Heinrich Heine es nannte, "mit dem Taufzettel ein Entreébillet zur europäischen Kultur" zu bekommen. Allerdings ermöglichten es weder die Aufklärung noch die rechtliche Gleichstellung, weder die Taufe noch die später so verzweifelt von den deutschen Jüdinnen und Juden angestrebte Assimilation Mendelssohn und seinen Nachkommen, gleichwertige Mitglieder der deutschen Gesellschaft zu werden.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; [https://www.jmberlin.de/thema-haskala-aufklaerung](https://www.jmberlin.de/thema-haskala-aufklaerung), zuletzt geprüft am 25.01.2026.

-&gt; Stern, Adina: Moses Mendelssohn – Wegbereiter des emanzipierten Judentums<span class="opening-header__subtitle">Wegbereiter des emanzipierten Judentums, in: bpb online, online verfügbar seit 20.05.2021 unter: [https://www.bpb.de/themen/zeit-kulturgeschichte/juedischesleben/juedisches-leben-videos/333299/moses-mendelssohn-wegbereiter-des-emanzipierten-judentums/](https://www.bpb.de/themen/zeit-kulturgeschichte/juedischesleben/juedisches-leben-videos/333299/moses-mendelssohn-wegbereiter-des-emanzipierten-judentums/), zuletzt geprüft am 25.01.2026.</span>

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**Sekundärliteratur**

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# Wissenschaft um 1800

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Eine Frau greift nach den Sternen

##### 1. Eine Frau greift nach den Sternen

[![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-05/scaled-1680-/dbQimage.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-05/dbQimage.jpeg)

*Caroline Herschel, die am 16. März 1750 in Hannover geboren wurde, war eine Pionierin in mehr als einer Hinsicht. Als einer der ersten Frauen erarbeitete sie sich in einer Naturwissenschaft die Ehre und Anerkennung der Fachwelt. Und sie war die erste Wissenschaftlerin, die dafür bezahlt wurde – die erste professionelle Astronomin der Welt!*

Wenn es nach ihrer Mutter gegangen wäre, würde heute kein Mensch mehr ihren Namen kennen. Caroline Lucretia Herschel ist das zweitjüngste der sechs überlebenden Kinder von Isaak und Anne Ilse Herschel und die jüngste Tochter. Ihre älteren Brüder erhalten vom Vater, der als Militärmusiker arbeitet, eine solide musikalische Grundausbildung. Auch Caroline darf Violine lernen und sogar an der Garnisonsschule Lesen und Schreiben lernen (aber kein Rechnen), was damals für Mädchen noch völlig unüblich ist.

Die Mutter sieht in Caroline in erster Linie eine Haushaltshilfe, besonders nachdem ihre ältere Schwester heiratet. Sie soll "ein roher Klotz sein und bleiben, allerdings aber ein nützlicher", so die Mutter. Caroline muss die Familie bekochen, bedienen. Der Vater hätte sie gerne noch auf eine höhere Schule geschickt, aber die Mutter besteht darauf, dass sie bei einer Näherin in die Lehre geht. Sie muss für die Familie Strümpfe, Hauben und Decken nähen, stricken, säumen, sticken.

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**„Aschenputtel“ für immer?**

<div id="bkmrk--3" style="text-align: justify;"><div class="article_img_rec_h">[![Wilhelm (William) Herschel, 1785](https://www.dpma.de/images/gemeinfrei_cc/a_portraits_personen/ba_0113_william_herschel1785_lemuelfrancisabbottpublicdomainviawikimediacommons_klein_hoch.jpg)](https://www.dpma.de/images/gemeinfrei_cc/a_portraits_personen/ba_0113_william_herschel1785_lemuelfrancisabbottpublicdomainviawikimediacommons_lupe.jpg "Klicken für größere Ansicht")</div></div>Wilhelm (William) Herschel, 1785

„Ich vermochte den Gedanken, dass ich ein Aschenputtel oder eine Hausmagd werden sollte, nicht zu ertragen“, erinnert sich Caroline Herschel später. Der Vater betreibt heimlich ihre musikalische Ausbildung weiter und erklärt ihr und den Brüdern den nächtlichen Sternenhimmel. So erwacht bei ihrem zwölf Jahre älteren Bruder Wilhelm und ihr die Begeisterung für die Astronomie.

Als Kind erkrankt sie an Typhus. Das beeinträchtigt ihr Wachstum; sie soll etwa 1,40 Meter klein bleiben. Als sie 17 Jahre alt ist, stirbt der Vater. Ihre Brüder arbeiten mittlerweile alle in England (das damals mit Hannover in Personalunion verbunden ist; der Kurfürst ist zugleich König von Großbritannien). Für ihre Mutter ist sie als Haushaltshilfe unentbehrlich. Ihr Schicksal als „Aschenputtel“ scheint besiegelt.

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**Rettung aus England**

Doch ihr Bruder Wilhelm errettet sie. Er hat es im englischen Bath als Komponist und Orchesterleiter zu Ansehen gebracht und holt Caroline 1772 zu sich. Die Mutter lässt sie freilich erst gehen, als Wilhelm ihr genug Geld zusagt, um ein Hausmädchen als Ersatz für Caroline einzustellen.

Auch für Wilhelm führt Caroline nun den Haushalt – aber eben nicht nur: Sie lernt jetzt mit größtem Eifer Englisch und Mathematik bei ihrem Bruder. Außerdem bildet sie sich als Sängerin aus und hat schließlich einigen Erfolg, etwa als Solistin in Händels „Messias“ unter der Leitung ihres Bruders.

Aber neben der Musik haben beide ein gemeinsames Hobby, das immer mehr Berufung und Profession wird: die Astronomie. Von der „Auszubildenden“, die ihren Bruder buchstäblich füttern muss, weil er fast ununterbrochen arbeitet, wächst Caroline im Lauf der Jahre zur kongenialen Partnerin Wilhelms heran. Die beiden werden ein Team, das Wissenschaftsgeschichte schreibt.

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**Eine Entdeckung verändert das Universum**

<div id="bkmrk--8" style="text-align: justify;"><div class="article_img_rec_h">[![Die Herschels entdecken den Uranus ](https://www.dpma.de/images/gemeinfrei_cc/a_portraits_personen/ba_0113_dieherschelsentdeckendenuranus_paulfouchpublicdomainviawikimediacommons_klein__hoch.jpg)](https://www.dpma.de/images/gemeinfrei_cc/a_portraits_personen/ba_0113_dieherschelsentdeckendenuranus_paulfouchpublicdomainviawikimediacommons_lupe.jpg "Klicken für größere Ansicht")</div></div>Die Herschels entdecken den Uranus

Sie bauen Teleskope, zunächst mit 2.000-bis 6.000facher Vergrößerung, was damals sensationell ist und etwa einen guten Blick auf die Mondkrater erlaubt. Die Teleskope werden bald immer größer und aufwändiger, teils unter Gefahr für Leib und Leben gebaut und teilweise auch verkauft. Die Nächte verbringen sie mit Himmelsbeobachtungen: Wilhelm beobachtet, sie notiert und analysiert die Daten, erstellt Systematiken und Beobachtungspläne.

1777 ziehen sie in ein neues Haus in Bath (19 King Street), das heute als Herschel-Museum besichtigt werden kann. Dort geschieht etwas, das ihrer beider Leben und die Astronomie für immer verändern wird: Am 13. März 1781 entdeckt Friedrich Wilhelm Herschel einen neuen Planeten - den Uranus.

Wilhelm wird dank dieser wissenschaftlichen Sensation praktisch über Nacht berühmt. Von einem Tag auf den anderen wuchs das damals bekannte Sonnensystem um das Achtfache! König George III. bietet Herschel die Stelle eines königlichen Hofastronomen mit dem Jahresgehalt von 200 Pfund an. Endlich kann er seine Leidenschaft zum Beruf machen.

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**Ein Jobangebot von historischer Dimension**

<div id="bkmrk--11" style="text-align: justify;"><div class="article_img_lin_h">[![Nachbau des Uranus-Teleskops im Herschel Museum of Astronomy in Bath](https://www.dpma.de/images/gemeinfrei_cc/b_erfindungen_technik/bb_0851_william_herschel_museum_photographbymikepeelwww.mikepeel.netherschelmuseumofastronomy.ccby-sa_klein_hoch.jpg)](https://www.dpma.de/images/gemeinfrei_cc/b_erfindungen_technik/bb_0851_william_herschel_museum_photographbymikepeelwww.mikepeel.netherschelmuseumofastronomy.ccby-sa_lupe.jpg "Klicken für größere Ansicht")</div></div>Nachbau des Uranus-Teleskops im Herschel Museum of Astronomy in Bath

Auch Caroline entschließt sich, ihre Karriere als Musikerin nicht fortzusetzen und sich gemeinsam mit Wilhelm nun ganz der Wissenschaft zu widmen. Und tatsächlich erhält auch sie ab 1787 als anerkannte wissenschaftliche Mitarbeiterin Wilhelms ein festes Gehalt von 50 Pfund vom Hof. Das macht sie zur ersten beruflichen Astronomin der Welt und wahrscheinlich zur ersten Frau überhaupt, die für eine naturwissenschaftliche Tätigkeit bezahlt wird. Für Caroline bedeutet das sehr viel. Es ist "das erste Geld, das ich in meinem ganzen Leben für mich besaß und nach meinem Belieben verwenden konnte. Damit wurde mir ein sehr unbehagliches Gefühl von der Seele genommen.“

1786 ziehen die beiden nach Slough, wo sie ein 13 Meter langes Teleskop mit einem Durchmesser von 1,5 Metern bauen lassen – eine Attraktion, die viele Besucher anzieht (darunter Joseph Haydn), die manchmal gar von einem „Weltwunder“ sprechen. Caroline forscht nun auch direkt am Teleskop (besonders, wenn ihr Bruder verreist ist).

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**Die Kometenjägerin**

<div id="bkmrk--14" style="text-align: justify;"><div class="article_img_rec_q">[![Herschels aufsehenerregendes "40-Fuß-Teleskop"](https://www.dpma.de/images/gemeinfrei_cc/b_erfindungen_technik/bb_0850_view_of_dr._herschels_forty_feet_telescope_lccn2004669299-bwpopulargraphicartspublicdomainviawikimediacommons_klein.jpg)](https://www.dpma.de/images/gemeinfrei_cc/b_erfindungen_technik/bb_0850_view_of_dr._herschels_forty_feet_telescope_lccn2004669299-bwpopulargraphicartspublicdomainviawikimediacommons_lupe.jpg "Klicken für größere Ansicht")</div></div>Herschels aufsehenerregendes "40-Fuß-Teleskop"

Als Wilhelm 1788 heiratet, gibt Caroline "meinen Posten als Haushälterin" auf und zieht in eine Mietwohnung. Der Schwägerin begegnet sie zunächst mit Misstrauen, aber als ihr Neffe John 1792 geboren wird, zu dem sie ihr Leben lang eine enge Beziehung haben wird, bessert sich das Verhältnis (John wird später ebenfalls ein berühmter Astronom und Universalgelehrter).

Die Geschwister bleiben weiter ein erfolgreiches wissenschaftliches Team. Caroline kann nun immer mehr auch ihre eigenen Forschungen betreiben. Am 1. August 1786 entdeckt Caroline ihren ersten Kometen (35P/Herschel-Rigollet). Soweit bekannt, ist sie die erste Frau überhaupt, der dies gelingt. Ihr Unterstützer Sir Joseph Banks und die Royal Society fördern die Kommunikation der Entdeckung - ihre erste eigene wissenschaftliche Publikation.

Caroline entdeckt insgesamt 8 Kometen, außerdem hunderte von Sternennebeln (Nebulae) und Sternhaufen. 1797 legt sie der Royal Society einen Index und Ergänzungen zu John Flamsteeds Sternenkatalog vor, unter anderem mit einer Liste von 561 Sternen, die darin bis dahin fehlen.

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**Nach einem halben Jahrhundert nach Hause**

<div id="bkmrk--17" style="text-align: justify;"><div class="article_img_rec_h">[![Caroline Herschel im Alter von 92 Jahren](https://www.dpma.de/images/gemeinfrei_cc/a_portraits_personen/ba_0113_herschel_caroline_age_92lithogeorgmueller_publicdomainviawikimediacommons_klein__hoch.jpg)](https://www.dpma.de/images/gemeinfrei_cc/a_portraits_personen/ba_0113_herschel_caroline_age_92lithogeorgmueller_publicdomainviawikimediacommons_lupe.jpg "Klicken für größere Ansicht")</div></div>Caroline Herschel im Alter von 92 Jahren

Als Wilhelm 1822 stirbt, beschließt Caroline, England nach 50 Jahren zu verlassen und nach Hannover zurück zu kehren. Ihren langen Lebensabend verbringt sie bei der Familie ihres Bruders Dietrich. Die kleine alte Dame ist längst eine Berühmtheit in wissenschaftlichen Kreisen und erhält mehrere internationale wissenschaftliche Ehrungen, etwa die Goldmedaille und die Ehrenmitgliedschaft der Royal Astronomical Society (wiederum als erste Frau). Berühmte Wissenschaftler wie Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt besuchen sie.

Caroline Herschel stirbt mit 97 Jahren am 9. Januar 1848 in Hannover. Seit 2022 verleihen die Royal Astronomical Society und die Astronomische Gesellschaft gemeinsam die Caroline-Herschel-Medaille, mit der abwechselnd britische und deutsche Astronominnen geehrt werden.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Potthast, Jan-Björn: Caroline Herschel. Eine Frau greift nach den Sternen, in: dpma.de, online verfügbar unter: [https://www.dpma.de/dpma/veroeffentlichungen/patentefrauen/carolineherschel/index.html](https://www.dpma.de/dpma/veroeffentlichungen/patentefrauen/carolineherschel/index.html), zuletzt geprüft am 07.05.2026.

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**Sekundärliteratur**

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