# Revolutionskriege

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Untergang des Deutschen Reiches. Ende eines Imperiums.

##### 1. Untergang des Deutschen Reiches. Ende eines Imperiums.

Am 6. August 1806 endet nach 844 Jahren die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation – Franz II. dankt ab. Er beugt sich dem Willen eines korsischen Feldherrn, der zum erfolgreichsten General der Revolutionsarmee aufgestiegen ist, halb Europa niedergeworfen und sich selbst zum Kaiser gekrönt hat: Napoleon Bonaparte


Das Heilige Römische Reich deutscher Nation liegt im ungewöhnlich warmen Sommer des Jahres 1806 in Agonie. Franz II. aus dem Geschlecht der Habsburger – der 34. Herrscher, der die Kaiserkrone trägt – regiert formal zwar noch immer dieses riesige Imperium, das sich von Rügen bis zur Adria und von Friesland bis Pommern erstreckt, aber nun zerfällt es. 13 Jahre lang waren die Österreicher fast ununterbrochen im Krieg mit Frankreich: anfangs, um die Familie des Königs vor den Revolutionären zu retten, um die Volksregierung abzusetzen – und um den Anspruch der europäischen Monarchen zu demonstrieren, dass ihnen allein von Gott das Recht zu herrschen verliehen worden ist. Doch Franz II. hat Niederlage um Niederlage erlitten. Die Franzosen haben die Territorien links des Rheins mit Städten wie Bonn und Köln annektiert. Schlimmer noch: Die Könige von Bayern und Württemberg sowie weitere 14 Fürsten sind aus dem Reich ausgeschieden und haben eine Allianz mit Napoleon Bonaparte geschlossen, dem selbst gekrönten Kaiser Frankreichs.

Zudem haben die andauernden Kriegszüge Teile Süd- und Westdeutschlands verheert: Einquartierungen, plündernde Soldaten, Viehseuchen, Typhus. Und immer noch steht dort eine 200 000 Mann starke französische Armee, deren Oberkommando in München residiert. Reisen sind lebensgefährlich. Verarmte Bauern, erwerbslose Handwerker und Deserteure organisieren sich in Räuberbanden. Zudem lauern überall militärische Werber, die für jeden zum Dienst Gepressten eine Prämie kassieren.

Und nun steht der vielfach besiegte Franz II. unter enormem Druck: Napoleon droht, die österreichischen Stammlande anzugreifen, wenn der Habsburger nicht die römischdeutsche Kaiserkrone niederlegt und das Reich auflöst. Der 38-jährige Monarch zögert. Doch vier Tage bevor das Ultimatum abläuft, gibt Franz II. den Kampf um das zerstörte Reich auf. Er unterzeichnet am 6. August eine Urkunde, in der es in umständlicher Kanzleisprache heißt: „Wir erklären demnach durch Gegenwärtiges, dass Wir das Band, welches Uns bis jetzt an den Staatskörper des deutschen Reichs gebunden hat, als gelöst ansehen, dass Wir das reichsoberhauptliche Amt und Würde als erloschen betrachten.“ In einfaches Deutsch übersetzt, ist der Inhalt der Erklärung ebenso leicht verständlich wie ungeheuerlich: Nach fast 850 Jahren hat das Heilige Römische Reich aufgehört zu existieren.

> Der neue Kaiser entmachtet den Erben Roms

**UNERWARTET KOMMT DIESES ENDE** nicht. Denn das Reich, so ein Rechtsgelehrter schon mehr als ein Jahrhundert zuvor, gleicht einem irregulären „Monstrum“ – erstarrt in einer Verfassung, die aus jahrhundertealten Gesetzen besteht.

So regelt die Goldene Bulle von 1356 noch immer die Wahl des Reichsoberhaupts: mitunter ein monatelang andauernder Prozess. Und die Reichskriegsverfassung von 1681 bestimmt, dass im Kriegsfall alle Fürsten Kontingente zu stellen haben – das aber sind in manchen Fällen nur eine Handvoll Infanteristen, und so kann aus dieser zusammengewürfelten Truppe nichts anderes entstehen als eine ohnmächtige Streitkraft, die Zeitgenossen als „Confusions-Armee“ verhöhnen. In Großbritannien, Europas modernster Monarchie, steht ein König mit einem Adelsparlament an der Spitze der Nation, ist die Macht in den Händen einer Zentralregierung konzentriert, gibt es eine Hauptstadt, direkte Steuern und weitgehend einheitliche Gesetze. Das Heilige Römische Reich dagegen zerfällt in mehr als 300 Fürstentümer.

Darunter sind Großmächte wie Österreich, in dem 20 Millionen Deutsche, Niederländer, Böhmen, Slowenen, Italiener leben. Oder Preußen mit einer fast 200 000 Mann starken Armee. Dazu gehören aber auch Ländchen wie die Grafschaft Hohengeroldseck im Schwarzwald mit 4500 Einwohnern.

Andere Staaten im Reich werden zudem von Ausländern regiert – so das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, wo der englische König herrscht. Oder Holstein, das dem dänischen Monarchen untertan ist. Jeder Reichsfürst ist ein Souverän, der Gesetze erlässt, an seinen Grenzen Zölle erhebt und Bündnisse sogar mit ausländischen Mächten schließen darf. Die reale Macht des Kaisers, des Reichsoberhaupts, beschränkt sich weitgehend darauf, Universitätsprivilegien zu erteilen und verdiente Beamte in den Adelsstand zu erheben.

Für fast alles, was darüber hinausgeht, braucht er dagegen das Einverständnis der lokalen Herrscher – etwa für die Vergabe von Zollprivilegien die Zustimmung der Kurfürsten, die auch den Kaiser wählen. Das sind bei der letzten Wahl 1792: die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln; der König von Böhmen; der Markgraf von Brandenburg (zugleich König von Preußen) sowie die Herzöge von Sachsen, Pfalz-Bayern und Braunschweig-Lüneburg. Diese acht Würdenträger lassen sich ihre Stimme von den jeweiligen Aspiranten bezahlen: mit wachsenden Kompetenzen und immer neuen Privilegien.

Über Jahrhunderte waren die Habsburger stets bereit, diesen hohen Preis zu zahlen, um den Kaisertitel in ihrer Familie zu halten – der 1792 gekrönte Franz II. ist der 22. Imperator aus ihrer Dynastie. Es geht den Österreichern vor allem um das Prestige, als Kaiser die Nachfolger der römischen Cäsaren zu sein, Beschützer der katholischen Kirche und, dem Rang nach, die Ersten unter den europäischen Monarchen. Doch es geht ihnen auch um reale Macht. Denn der Kaiser hat ein Privileg: Er darf seine Truppen durch das gesamte Reich marschieren lassen. Die Habsburger besitzen große Ländereien in den südlichen Niederlanden – und der Weg dorthin führt durch das Territorium anderer Reichsfürsten.

> Für den Thron zahlen die Habsburger einen hohen Preis

**DIE BEDEUTENDSTEN** Rechte übt der Kaiser gemeinsam mit dem Reichstag aus: etwa über Krieg oder Frieden zu beschließen, Steuern zu erheben, Gesetze zu erlassen.

Doch die Gesandten der Fürsten und Städte, die für ihren Reichstag seit 1594 im Rathaus von Regensburg tagen, unterliegen derartig komplizierten Verfahrensregeln, dass sie fast nie zu einem Entschluss kommen. Deshalb verabschiedet der Reichstag im gesamten 18. Jahrhundert nur ein wichtiges Gesetz: die Reichshandwerkerordnung von 1731. Ebenso langsam und entscheidungsschwach sind die beiden obersten Gerichtshöfe des Reiches, an denen sich Prozesse oft jahrzehntelang hinziehen. Als am Reichkammergericht in Wetzlar 1654 eine Kommission für liegen gebliebene Revisionsfälle eingesetzt wird, beginnt dieses Gremium erst mehr als 100 Jahre später mit seiner Arbeit.

Die gefährlichste „Teutsche Staats-Kranckheit“, für die zeitgenössische Enzyklopädien sogar einen eigenen Eintrag haben, ist jedoch die Rivalität zwischen Österreich und den Hohenzollern, der preußischen Herrscherdynastie. 1740 wurde daraus offene Feindschaft, als Friedrich der Große die österreichische Provinz Schlesien überfiel und das Recht der Habsburger auf den Kaiserthron bestritt. 39 Jahre lang bekämpften sich die beiden Staaten in vier Kriegen, in denen Hunderttausende Soldaten fielen; seither herrscht ein zerbrechlicher Frieden. Nach der Französischen Revolution von 1789 jedoch nähern sich Habsburger und Hohenzollern wieder an – eine aus der Not geborene Solidarität der Monarchen. Denn schon bald darauf erklären Frankreichs Revolutionäre den Anciens Régimes in Europa den Krieg.

**ANFANGS SIND** die deutschen Staaten durch die Revolution nicht beunruhigt. Im Gegenteil: Österreichs Staatskanzler vermutet, die Anarchie werde Frankreich für lange Zeit schwächen. Zudem scheinen die Aufständischen nur an der Änderung der Verhältnisse im eigenen Land interessiert: Im Mai 1790 verzichtet die Pariser Nationalversammlung feierlich auf Eroberungskriege. Doch das ändert sich rasch. Immer radikalere Gruppen von Revolutionären drängen an die Macht, und auch ihre außenpolitischen Forderungen werden immer extremer. Die Fanatiker wollen den Umsturz exportieren; der Journalist und Abgeordnete Jacques Pierre Brissot etwa verlangt im Dezember 1791 einen „Kreuzzug für die Freiheit der Welt“. Wenige Monate später erklärt Frankreich den Habsburgern den Krieg. Allerdings bleibt der Aufruf zunächst bloße Rhetorik: Ein französischer Vorstoß scheitert – die Revolutionäre verfügen nicht über ausreichend Truppen. Stattdessen fallen umgekehrt im August 1792 die Österreicher in Frankreich ein. An ihrer Seite preußische Einheiten – König Friedrich Wilhelm II. erhofft sich einen schnellen Sieg über Frankreich und Ländereien als leichte Beute.

Eine Fehlkalkulation. Denn am 20. September stoppt der Feldzug. Nach einem Artilleriegefecht rund 100 Kilometer östlich von Paris weicht die durch Hunger und Krankheiten dezimierte Koalitionsarmee hinter die Grenze zurück. Die Franzosen folgen den fliehenden Invasoren und erobern Speyer, Worms und Mainz. Im Jahr darauf reduziert Friedrich Wilhelm II. seine Truppen im Westen um mehr als die Hälfte auf nur noch 20 000 Mann – auch, um Kosten zu sparen. Der Regent des durch Kriegszüge und verschwenderische Hofhaltung praktisch bankrotten Preußen fordert: Wenn der Kaiser in Wien weiterhin eine Beteiligung des Hohenzollern-Staates am Krieg verlange, müsse das Reich dafür zahlen. Franz II. ist empört. Als die Franzosen Sieg um Sieg erringen, schließt Preußens Monarch am 5. April 1795 sogar Frieden mit den Republikanern. Fortan wird die zweitstärkste deutsche Macht mehr als elf Jahre lang im Todeskampf des Reiches neutral bleiben.

**ÖSTERREICH KANN DEN ATTACKEN** der Franzosen nur wenige Monate widerstehen. Die Angreifer sind überlegen, weil sie durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ihre Armee auf 500 000 Mann vergrößert haben. Aber auch dank ihrer jungen Heerführer, etwa dem General Napoleon Bonaparte. Für Österreich kämpfen dagegen vor allem teure Söldner unter dem Kommando oft unfähiger Adeliger. Im Frühling 1797 stößt der 27-jährige Bonaparte auf Wien vor. In die Enge gedrängt, muss Franz II. die Bedingungen der Franzosen akzeptieren: Im Frieden von Campo Formio verzichtet er unter anderem auf die Österreichischen Niederlande und erkennt den Rhein als Reichsgrenze an.

Aber die Waffenruhe hält nicht lange. Bereits zwei Jahre später kämpft Österreich erneut gegen Frankreich, das in Norditalien und der Schweiz eingefallen ist. Wiederum unterliegt Wien. Franz II. muss abermals harte Bedingungen akzeptieren, etwa etliche rechtsrheinische Festungen schleifen und die Bestimmungen des Friedens von Campo Formio – denen auch der Reichstag zustimmt – bestätigen.

Für den Verlust linksrheinischer Territorien sollen die weltlichen Fürsten im Reich mit Ländereien rechts des Stroms entschädigt werden: mit Gebieten, die man ihren geistlichen Herren wegnehmen will. Und fast alle Mächtigen im Reich sind bereit, Herrschaft und Eigentum der Bischöfe, Äbte und Reichspröbste preiszugeben: Die religionsfeindlichen französischen Revolutionäre haben ja bereits 1789 jeglichen Kirchenbesitz zum Nationaleigentum erklärt, und viele deutsche Politiker in den protestantischen Ländern haben das gleiche Ziel; auch die katholischen Mächte Österreich und Bayern planen schon seit Längerem, ihr Gebiet auf Kosten geistlicher Herrschaften zu vergrößern.

All das entspricht der Stimmung vieler Zeitgenossen, die die weltliche Herrschaft von Priestern für ein Relikt aus dem Mittelalter halten. Vor allem aber: Kaum ein Kleriker protestiert – und so wundert sich der päpstliche Nuntius in Wien, freilich mit einem antisemitischen Unterton: „Selbst Juden treten für ihre Rechte ein, nur die Bischöfe schweigen.“ Die geistlichen Regenten haben gute Gründe für ihre Zurückhaltung: Sie sollen von den Landesherren, die ihre Herrschaftsrechte übernehmen, großzügige Pensionen erhalten; bis zu 60 000 Gulden im Jahr bekommt etwa ein Fürstbischof. 1803 setzt ein Fürstenrat den Friedenskontrakt in deutsches Recht um – mit dem Reichsdeputationshauptschluss. Von 65 geistlichen Herrschaften bleiben nur drei übrig: die Territorien zweier Ritterorden und das Erzbistum von Mainz (dessen Erzbischof riesige Bestechungssummen an französische Minister und Beamte gezahlt hat).

Zudem werden die Ländereien von 41 Reichsstädten an die sie umgebenden Staaten verteilt. Insgesamt kommen so fast fünf Millionen Menschen und etwa 45 000 Quadratkilometer Land unter eine neue Herrschaft. Größter Verlierer dieser gewaltigsten Gebietsumverteilungen in der Geschichte des Reichs ist die katholische Kirche: Ihre Landgüter fallen an die weltlichen Staaten, Klöster werden aufgelöst, deren Besitz eingezogen. Die Landesherren versteigern Gemälde, Bibliotheken werden eingestampft, Gebäude niedergerissen, silberne Altarleuchter eingeschmolzen.

Die Nonnen und Mönche aus den aufgelösten Klöstern stehen oft ohne Einkommen da. Viele müssen fortan in „Aussterbeklöstern“ leben. Die größten Profiteure des Reichsdeputationshauptschlusses sind neben Preußen die süddeutschen Mittelmächte: Baden, Bayern sowie Württemberg erweitern ihre Gebiete erheblich und entwickeln sich aus zerstückelten Ländersammlungen zu Staaten mit nahezu geschlossenen Territorien. Ihre Landgewinne verdanken die süddeutschen Fürsten allein Bonaparte. Und sie erhoffen sich weitere Erträge; deshalb werden sie zu treuen Verbündeten des Franzosenherrschers. Genau wie der es geplant hat.

> Napoleon besiegt Österreich – mit deutscher Hilfe

**AM 18. MAI 1804** ernennt sich Napoleon Bonaparte zum Kaiser der Franzosen; die Selbstproklamation ist ein Symbol für die schrankenlose Macht des korsischen Offiziers, der durch einen Staatsstreich die Alleinregierung in Frankreich übernommen hat. Und für das Ende der Revolution, vollzogen von ihrem erfolgreichsten General. In Wien löst die Rangerhöhung Panik aus. Wird Napoleon nun auch nach der römisch-deutschen Krone greifen? Wer sollte Europas mächtigsten Potentaten daran hindern? Franz II., von dem ein französischer Agent schreibt, er lasse sich durch nichts aus seiner natürlichen Apathie bringen, handelt diesmal schnell und kommt dem drohenden Statusverlust zuvor: Keine drei Monate später ernennt er sich zum Kaiser von Österreich – als Franz I.

Dieser Titel ist erblich, bleibt also garantiert in seiner Familie, ganz gleich, welche Absichten Napoleon hat. Noch allerdings hält Franz auch an dem römisch-deutschen Amt fest. In Wirklichkeit will Napoleon, wie er einige Jahre später einem deutschen Minister verraten wird, gar nicht Kaiser des Reichs werden: „Zu allen Zeiten habt ihr eure Kaiser schikaniert. Ich habe kein Interesse daran, euer Oberhaupt zu werden. Ich habe die Hand freier, wenn ich euch fremd bleibe.“

Zudem sind Mittelstaaten wie Bayern und Württemberg ohnehin abhängige Verbündete, die ihm sofort Truppen zur Verfügung stellen, als Österreich 1805 erneut Krieg gegen Frankreich führt. Auch diese Auseinandersetzung endet für Wien in einer Niederlage. Nach dem Sieg dankt Napoleon seinen deutschen Gehilfen: Er nötigt Kaiser Franz II., den Herrscher von Baden zum Großherzog zu erheben und die Fürsten von Württemberg und Bayern zu Königen; Bayern erhält von Österreich zudem unter anderem Tirol und Vorarlberg.

Doch die Belohnung hat ihren Preis. Baden, Bayern und Württemberg sollen sich vom Reich lösen. Napoleon will sie mit 13 weiteren von ihm abhängigen Reichsländern in den Rheinbund zwingen, eine deutsche Föderation unter französischem Protektorat. Dessen Mitglieder haben in Zukunft Zehntausende Soldaten zu stellen, über deren Verwendung allein Bonaparte bestimmt. Und sie sollen ihren Austritt aus dem Reich erklären.

Als die deutschen Monarchen erfahren, was ihren Vertretern in Paris oktroyiert worden ist, sind sie entsetzt. Der bayerische König hätte seinem Gesandten am liebsten eine Kugel durch den Kopf gejagt, schreibt ein Vertrauter später; der Großherzog von Baden lässt eine Urkunde verfassen, in der er seine Loslösung vom Reich für erzwungen erklärt. Dennoch unterzeichnen sie alle – denn Napoleon steht mit 200 000 Soldaten in Südwestdeutschland. Der Franzose fordert zudem das Ende des Reiches. Der Kaiser habe seine römisch-deutsche Krone niederzulegen; wenn nicht, werde er seine Truppen marschieren lassen. Und so unterzeichnet Franz II., „von Gottes Gnaden erwählter römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs“ am 6. August 1806 seine Abdankungsurkunde als Kaiser. 844 Jahre nach der Wahl Ottos des Großen zum ersten Kaiser endet so die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches.

**KAUM EINEN DEUTSCHEN** aber berührt der 6. August 1806 – zu kraftlos ist schon seit Jahrzehnten das Kaisertum. Johann Wolfgang von Goethe etwa notiert in seinem Journal am folgenden Tag, der Streit seiner Kutscher habe ihn mehr aufgeregt als das Ende des Reiches. Die Mitglieder des Reichstags in Regensburg berufen nicht einmal eine Sitzung ein, als die Nachricht vom Rücktritt des Kaisers bekannt wird. Die wenigen Diplomaten, die während der Sommerferien in der Stadt geblieben sind, reisen ab und lassen ihre Wohnungen und das Inventar versteigern; immer wieder erscheinen in den folgenden Wochen Anzeigen im örtlichen „Regierungs- und Intelligenzblatt“, die Auktionen von „sauberen Kleidern“, Bettwäsche, Sesseln, Kommoden und Weinvorräten ankündigen.

Vor allem die zahlreichen Equipagen allerdings sind unverkäuflich. Und wer sollte in dem nun bedeutungslosen Ort eine Residenz wie das Quartier der Gesandtschaft von Hessen-Darmstadt erwerben, das 22 Zimmer und einen Saal umfasst, einen Stall für sechs Pferde, zwei Küchen, drei Böden sowie zwei Keller? Nur zwei ausländische Reichsfürsten protestieren: Gustav IV. Adolf von Schweden, zu dessen Territorium Vorpommern gehört. Und Englands König Georg III., der auch Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg ist und diesen Titel weiterführt.

> Ein Kaiserreich endet in Kanzleideutsch

Das Heilige Römische Reich aber, das am Ende keiner mehr verteidigen wollte, ersteht nicht wieder, auch nicht nach dem Sieg über Napoleon 1814. Aus seinem fast tausendjährigen Erbe wird nach Napoleons Niederlage auf dem Wiener Kongress 1815 der Deutsche Bund, ein lockerer Zusammenschluss souveräner Monarchen und Städte (siehe Seite 82). Dennoch lebt die Rivalität zwischen Österreich und Preußen fort. 1866 wird sie erneut zum Krieg eskalieren. Und erst enden, als 1871 ein deutsches Kaiserreich entsteht, dem der Habsburgerstaat nicht mehr angehört.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

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**Sekundärliteratur**

-&gt; Otto, Frank: Untergang des Deutschen Reiches. Ende eines Imperiums, in: Die Deutsche Romantik (GEO Epoche Jg. 2009, Heft Nr. 6), Hamburg 2009.

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