# Prozess der Teilung Deutschlands



# Die Währungsreform 1948

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Kleine Ereignisgeschichte der Währungsreform 1948

##### 1. Kleine Ereignisgeschichte der Währungsreform 1948

Die westdeutsche Währungsreform 1948 nahm auf wirtschaftlichem Gebiet die politische Teilung vorweg und schuf zwei Währungszonen in Deutschland. Damit trug sie wesentlich zur Eskalation des Kalten Krieges bei und mündete in die Teilung Deutschlands.

Ab dem 20. Juni 1948 wurde in einem Teil Deutschlands die alte Reichsmark (RM) als Währung abgeschafft und die Deutsche Mark (DM) eingeführt. Dies geschah in den drei westlichen Besatzungszonen – der US-amerikanischen, der britischen und der französischen Zone –, nicht jedoch in Berlin und in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). In der Geschichte der Bundesrepublik gilt diese Währungsreform als der Zeitpunkt, mit dem in Westdeutschland die Marktwirtschaft (wieder)eingeführt wurde und das sogenannte Wirtschaftswunder begann. Gleichzeitig verschärften sich anlässlich dieses Ereignisses jedoch die Auseinandersetzungen zwischen den vier Siegermächten um die politische Zukunft Deutschlands. Sie leistete einen wesentlichen Beitrag zum Beginn des Kalten Krieges und mündete letztlich in die Teilung Deutschlands.

**Wirtschaftliche Ausgangslage**

Der Nationalsozialismus und sein "Drittes Reich" hatten außer einem weithin zerstörten Land große Mengen Geld und eine geringe Güterproduktion hinterlassen. Die Produktion und die Güterverteilung waren ab 1936 staatlich kontrolliert und die Preise auf relativ niedrigem Niveau festgeschrieben worden. Am Ende des Krieges war sehr viel mehr Geld im Umlauf, als gebraucht wurde, um bei herkömmlicher Umlaufgeschwindigkeit des Geldes die geringe Menge produzierter Güter zu den Festpreisen zu kaufen. Dieser enorme Geldüberhang als Ergebnis einer "gestauten Inflation" hing auch mit der Frage der Verschuldung des deutschen Staates zusammen. Die straffe Preiskontrolle und Rationierung der Konsumgüter während des Zweiten Weltkrieges sorgte dafür, dass die privaten Einkommen nicht konsumiert wurden, sondern auf Sparkonten gelangten, die das NS-Regime wiederum zur "geräuschlosen Kriegsfinanzierung" verwendete. Die Finanzierung des Krieges war zudem eng an das Wachstum der Geldmenge geknüpft: Waren 1939 noch knapp zwölf Milliarden RM als Banknoten im Umlauf, waren es 1945 56 Milliarden RM. Und die Reichsverschuldung belief sich schon 1943/44 auf das Dreifache des im Deutschen Reich erwirtschafteten Sozialprodukts.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[1\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-1)

Gleichzeitig erwiesen sich die Bewirtschaftungsmaßnahmen als Zwangskorsett für die Wirtschaft. Die alliierten Besatzungsbehörden übernahmen sowohl die Güterbewirtschaftung als auch die amtliche Preisbildung und die niedrigen Preise aus der NS-Zeit. Somit trat die amtliche Güterbewirtschaftung weiterhin an die Stelle des stillgelegten Preismechanismus auf freien Märkten. Eine Preisfreigabe kam für die Alliierten nicht infrage, da sonst die Preise enorm gestiegen wären. In der Folge entstanden schwarze Märkte mit horrenden Preisen für Konsumgüter,[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[2\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-2) der Naturaltausch entfaltete sich jenseits der staatlichen Pläne und Lenkungsmaßnahmen, Rohstoffe und Zwischenprodukte wurden von den Unternehmen gehortet, und die Produktion blieb wegen der knappen Ressourcen gehemmt.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[3\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-3)

Angesichts dieser wirtschaftlichen Ausgangslage herrschte sowohl bei westdeutschen Ökonomen und Politikern wie bei den westlichen Besatzungsmächten weitgehende Einigkeit, dass eine Rückkehr zu marktwirtschaftlichen Verfahren nötig sei und dass dies eine Beseitigung der Überliquidität voraussetze. Doch welche Maßnahmen hierzu ergriffen werden sollten, war umstritten. Wie zu zeigen sein wird, sollte die Währungsreform mit einer Wirtschaftsreform verbunden werden. Während erstere überwiegend von den alliierten Besatzungsmächten ins Werk gesetzt und organisiert wurde, war letztere auch auf deutsche Initiativen zurückzuführen.

**Akteure und frühe Konzepte**

Von deutscher Seite wurden teilweise schon im Verlauf des Krieges Pläne für eine als notwendig erachtete Währungsreform in der Nachkriegszeit entwickelt. Hier sind eine von Ludwig Erhard und Günter Keiser im Frühjahr 1944 vorgelegte Denkschrift und das "Detmolder Memorandum" von November 1945 zu nennen. Beide schlugen eine Stilllegung von Kaufkraft, einen Währungsschnitt mittels der Vernichtung oder Blockierung eines großen Teils der Geldmenge sowie eine Reduzierung der Reichsschuld vor.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[4\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-4)

Die französische und die sowjetische Besatzungsmacht zeigten anfangs wenig Interesse an einer Währungsreform. Die Franzosen und Russen hatten einen hohen Geldbedarf für die Versorgung ihrer Truppen aus ihrer jeweiligen Zone. Daher wurde von ihnen in großem Umfang alliierte Militärmark, die der RM gesetzlich gleichgestellt war, in Umlauf gesetzt. Die Verknappung des Geldumlaufs lag nicht in ihrem Interesse.

<div id="bkmrk-"><div class="text-content spacer-horizontal__inset-narrow title2margin"><a id="bkmrk--1"></a></div></div>Die US-Amerikaner lebten andererseits in viel geringerem Ausmaß von den Ressourcen ihres Besatzungsgebietes und waren seit 1947 an einer Stärkung der deutschen Wirtschaft und der Verbreitung des Konzepts der freien Marktwirtschaft interessiert. Sie entwickelten 1945 den ersten und 1946 den zweiten alliierten Plan für eine Währungsreform, die sie jeweils im Alliierten Kontrollrat vorlegten. Letzterer wurde als "Colm-Dodge-Goldsmith-Plan" maßgeblich für die weiteren gemeinsamen Planungen aller vier Besatzungsmächte. Dabei argumentierte der Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone, Lucius Clay, eine Reform sei nötig, um ein Klima zu schaffen, das der Demokratie und einem freien Unternehmertum förderlich sei. Die Briten sahen ein Gleichgewicht der öffentlichen Haushalte aller Regionen als Vorbedingung einer Währungsreform. Ein solches war zu diesem Zeitpunkt längst nicht erreicht. Trotz der unterschiedlichen Auffassungen und Problemlagen in den Zonen kamen die Alliierten überein, dass durch die Währungsreform 70 Prozent des Geldumlaufs gestrichen, 20 Prozent blockiert – also erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung zu stehen habe – und zehn Prozent in neues Geld umgetauscht werden sollten.

Stein des Anstoßes wurde allerdings die Frage, wo die neuen Banknoten herzustellen waren. Die Sowjetunion plädierte für Leipzig als Druckort, während die Vereinigten Staaten Berlin präferierten, da diese Stadt als einzige unter der Kontrolle aller vier Besatzungsmächte stand. Nachdem diese Frage wegen zunehmender ideologischer Bedenken der USA gegenüber der Sowjetunion lange nicht gelöst werden konnte, entschieden sich die US-Behörden eigenmächtig und ohne Rücksprache mit den Briten oder der Sowjetischen Militäradministration (SMAD), das Geld in den USA herstellen zu lassen. Dort wurden sie im Auftrag des US-Außenministeriums von der American Bank Note Company Ende 1947 bis März 1948 gedruckt. Deshalb sahen die ersten Banknoten der D-Mark Dollarscheinen viel ähnlicher als den vorherigen Reichsmarkscheinen – auch wenn sie blau und nicht grün gefärbt waren. Sie waren aus einfachem Papier, ohne Wasserzeichen. Als Motive dienten provisorisch Gravurplatten von Eisenbahn-Pfandbriefen und Ölquellen-Anteilen.

Im Frühjahr 1948 verschiffte die amerikanische Militärverwaltung die insgesamt 5,7 Milliarden DM in 23.000 nicht gekennzeichneten Stahlkisten nach Bremerhaven, von wo aus sie nach Frankfurt am Main in den Keller des alten Reichsbankgebäudes gebracht und dort für den "Tag X" verwahrt wurden.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[5\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-5) Nachdem am 18. Juni 1948 der Beginn der Währungsreform auf den 20. Juni festgelegt und dieses Datum nach langer Geheimhaltung nun öffentlich verkündet worden war, begann die Verteilung des Geldes an die Landeszentralbanken und von dort an die Umtauschstellen. Als solche wurden die Kartenstellen der Ernährungsämter in den drei Westzonen benutzt, die zu Kontrollzwecken die Karten zur Lebensmittelrationierung aller Verbraucherinnen und Verbraucher heranzogen.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[6\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-6)

Auch bei den übrigen Fragen erwiesen sich die amerikanischen Vorstellungen für eine Währungsreform als ausschlaggebend für die spätere Umsetzung. Als zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt, Ende April 1948, auch deutsche Sachverständige, unter ihnen Erhard, auf dem Konklave von Rothwesten bei Kassel in die konkrete Vorbereitung der Währungsreform miteinbezogen wurden, blieben die wichtigsten Punkte des Colm-Dodge-Goldsmith-Plan letztlich Kernbereiche, obwohl die Deutschen im sogenannten Homburger Plan von April 1948 zum Teil abweichende Ziele formuliert hatten. Ziel waren nun neben der bereits genannten Umwandlung der alten in die neue Währung im Verhältnis 10:1 vor allem die Annullierung der Reichsschuld, die Umstellung privater Schulden im Verhältnis 1:1 und die Übertragung der Zuständigkeit für Gesetze über den Lastenausgleich in deutsche Hände.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[7\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-7) So lässt sich festhalten, dass deutsche Ökonomen und Politiker zwar Vorschläge zu einer Währungsreform gemacht hatten. Doch letztlich waren unter den Besatzungsmächten vor allem die US-Amerikaner die treibende Kraft dahinter und bestimmten den Zeitpunkt und die eigentlichen Kernmaßnahmen der Währungsreform.

Im westdeutschen Gründungsmythos hat Ludwig Erhard zwar die Rolle als "Vater des Wirtschaftswunders" eingenommen. Doch der Anteil des deutschen Politikers und Wirtschaftsexperten bei der Konzeption der Währungsreform war eher gering. Tatsächlich war der Sonderfinanzberater in Lucius Clays Wirtschaftsabteilung, Edward Tenenbaum, der Hauptverantwortliche für deren Gestaltung und Umsetzung in Westdeutschland.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[8\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-8) Als solcher hat er in Deutschland allerdings nie offiziell eine Würdigung erfahren.

Im März 1948 war Erhard zum neuen Direktor der Verwaltung für Wirtschaft ernannt worden. Er plädierte für eine Freigabe der Preise zeitgleich mit der Währungsreform und vertrat damit die Position, dass mit ihr auch eine Wirtschaftsreform einhergehen müsse. Diese setzte er auch durch. Erhard war im Juni 1948 für die unmittelbare Abschaffung der Bewirtschaftungsmaßnahmen verantwortlich; und zwar durchaus gegen die Richtlinien der Amerikaner. Doch konnte er sich der Zustimmung von Militärgouverneur Clay sicher sein, die er im Nachhinein einholte.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[9\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-9) Im sogenannten Leitsätzegesetz vom 18. Juni 1948, also unmittelbar vor der Währungsreform, wurde als Grundsatz der künftigen Wirtschaftspolitik in der Bizone – der zusammengelegten britischen und amerikanischen Besatzungszone – festgelegt, dass der Preisfreigabe vor der weiteren Preisbindung der Vorzug zu geben sei.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[10\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-10) Gleichzeitig legte das Gesetz Bereiche fest, in denen die Preise "zum Schutz der wirtschaftlich Schwächeren" weiter gebunden sein sollten. Dies waren die Bereiche Ernährung, Rohstoffe, Mieten und Verkehr. Bereits am Tag der Währungsreform ließ Erhard im Rundfunk öffentlich die Freigabe eines Großteils der Preise verkünden. Danach galten Höchstpreise nur noch für einige Grundnahrungsmittel sowie für Kohle, Elektrizität, Gas und Wasser. Neben dem Verbraucherschutz zielten diese Maßnahmen auch darauf, die Löhne zu stabilisieren und die Produktion anzukurbeln.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[11\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-11)

**Maßnahmen der Währungsreform**

Nachdem seit 1924 im Deutschen Reich die RM offizielles Zahlungsmittel gewesen war, wurde sie ab dem 21. Juni 1948 durch die D-Mark als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel der drei Westzonen abgelöst. Tags zuvor, am 20. Juni, erhielt jede Bewohnerin und jeder Bewohner der drei westlichen Besatzungszonen als sogenannte Kopfquote 40 DM im Umtausch gegen 40 RM. Neben den alten Reichsmarkscheinen wurden in dieser Höhe auch die älteren und alternativen Währungen (Rentenmark, Goldmark, alliierte Militärmark) im Verhältnis 1:1 in DM umgetauscht. Ein zweiter Teil der Kopfquote in Höhe von 20 DM für 20 RM war im September einlösbar. Alle Löhne und Gehälter wurden frühestens am nächsten Monatsanfang in DM ausbezahlt. Die Mieten waren im Verhältnis 1:1 umzustellen und der Mietpreisstopp von 1936 wurde verlängert. Die Preise für Verkehrsmittel ließ Erhard im Juli 1948 senken.

Zum 20. Juni fand zudem ein Währungsschnitt von Sparguthaben statt: Aus 10 RM, ob in Form von Bargeld, Sparguthaben oder Schulden, wurden 1 DM. Die auf ein Zehntel zusammengeschmolzenen DM-Guthaben waren zu einer Hälfte zum sofortigen Gebrauch freigegeben, die andere Hälfte wurde auf einem Festkonto eingefroren, von dem am 4. Oktober 1948 sieben Zehntel gestrichen, zwei Zehntel freigegeben sowie ein Zehntel zum Sparen oder zum Kauf von Wertpapieren festgelegt werden musste. Am Ende wurden also aus 1.000 RM 65 DM. Aber die Bewirtschaftung für viele Güter war aufgehoben. Viele Hersteller und Händler verkauften nun ihre vorher gehorteten Waren. Dies führte am Tag nach dem Umtausch zu einer ungewohnten Warenvielfalt in Schaufenstern, die als prägende Erfahrung vieler Deutscher lange die Erinnerung an die Währungsreform dominierte.

<div id="bkmrk--2"><div class="text-content spacer-horizontal__inset-narrow title2margin"><a id="bkmrk--3"></a></div></div>**Folgen der Währungsreform**

Die Zeit von 1948 bis etwa 1952 galt als Bewährungsprobe der Marktwirtschaft in den Westsektoren, wo die Währungsreform umgesetzt worden war. Dabei war sie anfangs alles andere als sozial: Die Lebenshaltungskosten erhöhten sich im zweiten Halbjahr 1948 um 17 Prozent. Der Währungsschnitt fiel erheblich schärfer aus, als geplant war, und bedeutete eine große soziale Ungerechtigkeit, da er einseitig die Sparer traf und die Sachwertbesitzer schonte. Ein entsprechendes Lastenausgleichsgesetz kam erst 1952 zustande und zeigte die Schwierigkeit, hier eine angemessene Lösung zu finden.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[12\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-12)

Die Preisentwicklung war in dieser Zeit von starken Schwankungen bestimmt: Ab Juni 1948 stiegen die Preise dramatisch, wobei die Preissteigerungen die ärmeren Teile der Bevölkerung besonders hart trafen. Teilweise konnten sie von ihrem Einkommen nicht einmal ihre gesamten Lebensmittelrationen erwerben. Die Zuteilungen von Fleisch, Fett und Brot stiegen in der zweiten Jahreshälfte 1948 zwar an, doch schien die "Rationierung durch den Preis" die Rationierung der Waren ersetzt zu haben.

Insgesamt wich die erste Begeisterung über die Warenfülle in den Schaufenstern der Enttäuschung über die nun hohen Preise. Die allgemeine Stimmungslage entwickelte sich daher nach der Währungsreform alles andere als optimistisch.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[13\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-13) Zwar verschwanden bald die schwarzen Märkte. Doch die Löhne der Arbeitnehmer blieben bis November 1948 eingefroren, und gleichzeitig waren die Sparrücklagen der arbeitenden Bevölkerung auf ein Minimum geschrumpft. Zudem stieg die Arbeitslosigkeit: Bis Jahresende verdoppelte sie sich auf eine Million Erwerbstätige, im Herbst 1949 waren schließlich erstmals wieder über zehn Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung erwerbslos. Anfang 1950 waren dies über zwei Millionen Menschen.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[14\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-14) Noch im April 1948 hatten bei Meinungsumfragen in der amerikanischen Zone 54 Prozent der Befragten angeben, die Ernährung sei eine ihrer Hauptsorgen. 40 Prozent nannten Kleidung und Schuhe. Nur zwölf Prozent führten das Fehlen finanzieller Mittel, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, an. Im August 1948 waren es nur noch weniger als zehn Prozent der Befragten, die als Hauptsorge die Grundversorgung nannten. 59 Prozent dagegen plagten nun Geldsorgen.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[15\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-15)

Angesichts der massiven Teuerungen hielten viele das Experiment mit der Marktwirtschaft für gescheitert. Sogar der bizonale Länderrat stellte am 18. November 1948 fest, dass eine Änderung der Preispolitik unbedingt nötig sei: "Der Versuch, eine funktionierende Marktwirtschaft bei kritischen Mangelwaren einzuführen, ist gescheitert", ließ er verlautbaren.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[16\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-16) Erhard beteuerte zwar, dass die Preise bald eine normale, ausgeglichenere Entwicklung nehmen würden, doch die Lebensverhältnisse der Lohnabhängigen verschlechterten sich weiter. Die Gewerkschaften forderten eine Totalrevision von Erhards Wirtschaftspolitik und kämpften außerdem darum, ihre wirtschaftsdemokratischen Vorstellungen im Grundgesetz zu verankern, dessen Beratung in vollem Gange war. Sie riefen am 12. November 1948 zu einem auf 24 Stunden befristeten Generalstreik gegen die "Wirtschaftspolitik der Volksausbeutung" auf. Sie forderten unter anderem die Wiedereinführung von Preiskontrollen und eines Bewirtschaftungssystems im Nahrungsbereich sowie die Sozialisierung und Mitbestimmung in den Grundstoffindustrien.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[17\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-17)Tatsächlich legten in der Bizone am festgesetzten Tag 9,25 Millionen Beschäftigte die Arbeit nieder. Man verlangte eine gerechtere Verteilung der Kriegsfolgelasten und einen gerechteren Anteil an den produzierten Gütern; sei es über niedrigere Preise oder höhere Löhne. Erhard und die Wirtschaftsverwaltung jedoch hielten weiter an ihrem Kurs fest, und auch im Parlamentarischen Rat wurden die gewerkschaftlichen Positionen allenfalls taktisch zeitweilig aufgegriffen. Der Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes forderte jedoch von der Wirtschaftsverwaltung Maßnahmen gegen den weiteren Preisauftrieb.

Als Wirtschaftspolitiker, der seine Berufskarriere in den 1930er Jahren in der gerade entstehenden Konsumforschung begonnen hatte, war Erhard in Fragen des Zusammenhangs von Lebensstandard, Warenqualität und Konsumgüterversorgung für seine Zeit ungewöhnlich aufgeschlossen. Er griff zu einer spezifischen Maßnahme der Standardisierung von Konsumgütern, um die Versorgung zu verbessern und gleichzeitig auf marktwirtschaftlichem Wege die Preise zu senken: dem sogenannten Jedermann-Programm nach britischem Vorbild. Viele Unternehmer sahen aber selbst diese staatlichen Regulierungsmaßnahmen als Eingriff in ihre Entscheidungsautonomie. Der Staat sollte auf solche autoritären Methoden endgültig verzichten und die Eingriffe in die Wirtschaft möglichst begrenzen. Ab Anfang 1949 begann sich jedoch die wirtschaftliche Lage generell zu stabilisieren.

**Blockade und Luftbrücke**

<div id="bkmrk--4"><div class="text-content spacer-horizontal__inset-narrow title2margin"><a id="bkmrk--5"></a></div></div>Neben den unmittelbar wirtschaftlichen Auswirkungen hatte die Währungsreform jedoch auch weitreichende politische Folgen. Dies zeigte sich in der deutschen Hauptstadt Berlin, wo die Machtblöcke des beginnenden Kalten Krieges zu dieser Zeit so direkt aufeinandertrafen wie nirgends sonst. Die westlichen Besatzungsmächte und die Sowjetunion verfolgten mit der Politik in ihren jeweiligen Besatzungssektoren der Stadt strategische Ziele, die von ihrer Bedeutung her weit über die Stadt und über Deutschland hinausreichten. Auslöser der internationalen Spannungen, die als die erste Berlinkrise bezeichnet wird, war der Beschluss der Westalliierten, in ihren Besatzungszonen die Währungsreform allein und nicht gesamtdeutsch durchzusetzen, wie dies immer noch die SMAD anstrebte.

In den ersten Nachkriegsjahren hatte Berlin noch eine gemeinsame Stadtverwaltung – trotz Einteilung in vier Sektoren unter Kontrolle der vier Siegermächte. Groß-Berlin war eine offene Stadt, in der sich die Bewohner frei zwischen den Sektoren bewegen konnten. Dort galten die neuen Währungsvorschriften zunächst nicht. Das Stadtgebiet war unter Hinweis auf den Vier-Mächte-Status der Stadt von der Währungsumstellung ausgenommen. Am 18. Juni 1948 gaben die Westmächte die bevorstehende Währungsreform in ihren Besatzungszonen bekannt. Am folgenden Tag deklarierte die Sowjetische Militäradministration, das neue Geld sei in der SBZ und in Groß-Berlin nicht zugelassen. Diese Maßnahme wurde als notwendig angesehen, um die SBZ vor einer Flut entwerteten Geldes aus den Westzonen zu schützen.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[18\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-18) Es setzten scharfe Kontrollen ein. Am 22. Juni kündigte der Leiter der Sowjetischen Militäradministration, Wassilij Sokolowski, den Westmächten an, die Sowjetunion sei gezwungen, aufgrund der schwierigen Lage jetzt in ihrer Zone und in Groß-Berlin auch eine Währungsreform durchzuführen.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[19\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-19) Am gleichen Tag erörterten Finanzexperten der vier Mächte die Auswirkungen getrennter Währungen auf Berlin. Mit dem sowjetischen Vorschlag, die Ost-Währung in ganz Berlin einzuführen, erklärte sich nur der französische Vertreter einverstanden, während er von den angelsächsischen Mächten abgelehnt wurde. Als es zu keiner Einigung kam, verfügten die Sowjets die Gültigkeit ihrer Währung auch in den Westsektoren.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[20\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-20)

Am 24. Juni 1948 fand schließlich auch in der SBZ eine Währungsreform statt. Da der Befehl Sokolowskis sich nicht nur auf die SBZ erstreckte, sondern Berlin mit einschloss, und hier die Sowjetunion hoheitliche Rechte in einem Gebiet in Anspruch nahm, das der obersten Gewalt der vier Mächte gemeinsam unterstand, erklärten die Westmächte daraufhin den sowjetischen Währungsbefehl in ihrem Gebiet für aufgehoben und ordneten ihrerseits am 24. Juni 1948 für den nächsten Tag die Einführung der D-Mark in den Westsektoren der Stadt an. Diesen Schritt nahm wiederum die Sowjetunion zum Anlass, über die gelegentlichen Beschränkungen des Verkehrs von und nach Berlin hinauszugehen und die Westsektoren und ihre Bewohner mit einer ausgedehnten Blockade zu belegen.

Neben Sperrungen des Straßenverkehrs unterbrach die sowjetische Seite allmählich alle Land-, Schienen- und Wasserwege zwischen West-Berlin und den drei westlichen Zonen. Die Stromlieferungen nach West-Berlin wurden gestoppt. Lediglich die Luftkorridore, die 1945/46 im Air Agreement zum gemeinsamen Hoheitsgebiet erklärt worden waren, waren nicht betroffen. Deshalb starteten die drei Westmächte eine Luftbrücke nach Berlin. Diese sollte die Stadt und ihre rund zwei Millionen Bewohner aus der Luft versorgen. Ein ehrgeiziger Plan, der in dieser Größenordnung noch nie unternommen worden war und von dem unklar war, ob er überhaupt funktionieren würde.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[21\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-21)

Die Blockade bestand vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949. Mehr als zwei Millionen Menschen mussten in dieser Zeit mit Lebensmitteln und Energie, also Kohle, versorgt werden. Dies geschah in einer gemeinsamen, militärischen Aktion der amerikanischen und britischen Luftstreitkräfte wie auch privater Luftfrachtgesellschaften. Mit Großbritannien unternahm ein Land, das selbst bis 1954 noch seine Lebensmittel und andere Konsumgüter rationieren musste, größte Anstrengungen, um Berlin, die Hauptstadt des ehemaligen Kriegsgegners, zu versorgen. Die Luftbrücke umfasste schließlich insgesamt rund 213.000 Flüge und 175 Millionen zurückgelegte Flugkilometer. Die Maschinen transportierten insgesamt rund 1,7 Millionen Tonnen Material, darunter auch einige Maschinenteile für den Bau von Kraftwerken in West-Berlin. Diese sollten den Versorgungsengpass mit Elektrizität beseitigen, der seit Beginn der Blockade ebenfalls in den Westsektoren bestand. Dabei wurden an manchen Tagen bis zu 40.000 Starts durchgeführt.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[22\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-22)Um neben den bereits bestehenden Flughäfen Tempelhof und Gatow mehr Start- und Landekapazitäten zu schaffen, wurde im französischen Sektor ab Oktober 1948 der Flughafen Berlin-Tegel neu gebaut.

Die Blockade traf die einfachen Menschen in Berlin ganz existenziell: Lebensmittel sowie Heiz- und Kochenergie waren nur eingeschränkt erhältlich. Die Stromlieferung an Privathaushalte wurde rationiert und zeitlich begrenzt auf zwei Stunden am Tag und manchmal zwei in der Nacht. Am 5. Mai 1949 wurde schließlich von den Vereinten Nationen in New York von allen vier Besatzungsmächten ein Kommuniqué zur Aufhebung der Blockade verabschiedet. Sie endete am 12. Mai.

**Spaltung besiegelt**

Im Frühjahr 1949 einigten sich die drei Westmächte auch auf eine Bereinigung der überaus schwierigen Währungsverhältnisse. Am 20. März 1949 erklärten die drei Westmächte die D-Mark zum alleinigen gesetzlichen Zahlungsmittel der drei Berliner Westsektoren. Dieses Datum markierte einen Wendepunkt in der Berliner Nachkriegsgeschichte. Westsektoren und Westzonen waren fortan durch eine gemeinsame Währung fest miteinander verbunden. Somit wurde noch vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland mit der Verabschiedung des Grundgesetzes im Mai 1949 die Eingliederung der Berliner Westsektoren in das politische und wirtschaftliche System der späteren Bundesrepublik eingeleitet. Die Währungsreform in den drei Westsektoren Berlins vom 20. März 1949 muss somit auch als der Tag angesehen werden, an dem die Spaltung der Stadt besiegelt wurde.[<span class="a-visually-hidden"><span class="" lang="de">Zur Auflösung der Fußnote</span></span>\[23\]](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/#footnote-target-23) Diese Teilung der ehemaligen Hauptstadt leitete die Teilung Deutschlands ein und mündete schließlich in die "doppelte Staatsgründung" der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Sudrow, Anne: Kleine Ereignisgeschichte der Währungsreform 1948, in: bpb.de, online verfügbar seit 29.06.2018 unter: [https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/271679/kleine-ereignisgeschichte-der-waehrungsreform-1948/), zuletzt geprüft am 09.12.2025.

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**Sekundärliteratur**

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# Die Entstehung der Bundesrepublik Deutschland

#### Inhaltsverzeichnis

1. Die Mütter des Grundgesetzes
2. Zwei Staatsgründungen auf deutschem Boden

##### 1. Die Mütter des Grundgesetzes

Nur vier Frauen arbeiteten mit am Grundgesetz – für die Gleichberechtigung in Deutschland haben sie aber viel erreicht.

<div class="component component--container-small" id="bkmrk-%C2%A9-bestand-erna-wagne"><div class="component__inner"><div class="image-container"><figure class="figure"><div class="image-container__img-wrapper"><picture><source media="all and (max-width: 767.98px) and (min-width: 576px)" srcset="https://www.deutschland.de/sites/default/files/styles/image_carousel_mobile/public/media/image/87_1_32.jpg?h=d8cdc27d&itok=tNd58gVu%201x" type="image/jpeg"><source media="all and (min-width: 768px)" srcset="https://www.deutschland.de/sites/default/files/styles/image_container/public/media/image/87_1_32.jpg?h=c2490eb1&itok=LPwwhUMX%201x" type="image/jpeg">![Bild](https://www.deutschland.de/sites/default/files/styles/image_carousel_mobile/public/media/image/87_1_32.jpg?h=d8cdc27d&itok=tNd58gVu "Bild")</source></source></picture></div><figcaption class="figure__caption "><span class="figure__copyright-text">© Bestand Erna Wagner-Hehmke, Stiftung Haus der Geschichte </span></figcaption></figure></div></div></div>Nur vier Frauen gehörten zum Parlamentarischen Rat, der ab 1948 das deutsche [Grundgesetz](https://www.deutschland.de/de/topic/politik/deutsches-grundgesetz-die-wichtigsten-fakten) erarbeite. Doch dieser Anteil entsprach dem Zeitgeist. Zwar hatten sich die Frauen während des [Zweiten Weltkriegs](https://www.deutschland.de/de/usa/weltkriege) um die Familien gekümmert und als „Trümmerfrauen“ das Land wieder in Schwung gebracht. Die Rückkehr der Männer brachte die alte Rollenverteilung jedoch zurück. Die Frauen hatten sich wieder einzugliedern in eine patriarchalische Gesellschaft, in der sie weder ein Bankkonto eröffnen noch einen Arbeitsvertrag unterzeichnen durften und in der das letzte Wort in Familienangelegenheiten stets der Ehemann hatte.

<div class="component component--container-small" id="bkmrk-m%C3%A4nner-und-frauen-si"><div class="component__inner"><div class="quote"><figure class="quote__figure">> Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

<figcaption class="quote__author">Grundgesetz, Artikel 3, Absatz 2</figcaption></figure><div class="quote__sharing-wrapper"><div class="social-sharing-button social-sharing-button--inline-colorful" data-target-text="" data-target-title="Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Grundgesetz, Artikel 3, Absatz 2" data-target-url="https://www.deutschland.de/de/topic/politik/deutschland-grundgesetz-frauen-und-gleichberechtigung#48176">[Teilen](https://www.deutschland.de/de/topic/politik/deutschland-grundgesetz-frauen-und-gleichberechtigung)</div></div></div></div></div>Umso wichtiger war das Engagement der Frauen, die einen historischen Satz in das am 23. Mai 1949 verkündete Grundgesetz brachten: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Ohne Dr. Elisabeth Selbert (SPD), Friederike Nadig (SPD), Helene Weber (CDU) und Helene Wessel (Zentrumspartei) gäbe es diese entscheidende Passage nicht. Allerdings mussten sie für ihr Anliegen hart kämpfen. Die vier saßen nämlich zwischen 61 Männern, denen andere Themen relevanter erschienen. Auf sogenannte Frauenthemen reagierten sie dem Protokoll zufolge gern mit „Heiterkeit“.

Auch waren sich die vier Frauen anfänglich selbst nicht einig über den richtigen Kurs. Die Initiative ging von der Juristin Elisabeth Selbert aus. Zunächst überzeugte sie ihre Parteigenossin Friederike Nadig, später die beiden anderen Frauen, die es ursprünglich gerne bei einer Formulierung aus der Weimarer Verfassung belassen hätten: „Männer und Frauen haben dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.“

Selberts Antrag wurde mehrfach abgelehnt. Daraufhin initiierte sie öffentlichen Protest, waschkörbeweise trudelte Post in Bonn ein, wo der Rat tagte. Dem konnten sich auch die Männer nicht entziehen – der Gleichheitsgrundsatz wurde schließlich einstimmig angenommen. Selbert sprach später von einer „Sternstunde“ ihres Lebens. Sie war zweifellos die kämpferischste unter den vier Frauen, die aus verschiedenen politischen Lagern kamen – am Ende aber einen gemeinsamen Nenner fanden.<a> </a>

**Elisabeth Selbert (1896 bis 1986) – die Vorkämpferin**

Geboren als Martha Elisabeth Rohde heiratete sie mit Anfang 20 den Sozialdemokraten und Buchdrucker Adam Selbert, der sie dazu ermunterte, das Abitur nachzuholen. Die Mutter von zwei Kindern absolvierte ein Jurastudium und promovierte mit einer Arbeit über die „Ehezerrüttung als Scheidungsgrund“. Anschließend eröffnete sie eine Anwaltskanzlei in Kassel, mit der sie die Familie durch die Zeit des [Nationalsozialismus](https://www.deutschland.de/de/deutsche-geschichte-bis-1945) brachte. Später wurde sie für die SPD zunächst in die Verfassungsberatende Landesversammlung für Groß-Hessen, dann in den Parlamentarischen Rat gewählt. Nach der Arbeit dort strebte sie ein Bundestagsmandat an, jedoch ohne Erfolg. Stattdessen war sie bis 1958 Mitglied im Hessischen Landtag, zog sich danach aus der Politik zurück und arbeitete bis ins hohe Alter als Rechtsanwältin.

**Friederike Nadig (1897 bis 1970) – die Umsetzerin**

Auch „Frieda“ Nadig gehörte der SPD an. Sie trat der Partei bereits mit Anfang 20 bei. In Berlin besuchte sie die Soziale Frauenschule und absolvierte dort das Examen der Wohlfahrtspflegerin. In der Nazi-Zeit wurde sie mit einem Berufsverbot belegt. Nach dem Krieg arbeitete sie bei der Arbeiterwohlfahrt, zog 1947 in den nordrhein-westfälischen Landtag ein. Von dort wurde sie in den Parlamentarischen Rat gewählt. Nach anfänglicher Zurückhaltung kämpfte sie bald Seite an Seite mit Elisabeth Selbert für den Gleichheitsartikel. Nadig saß von 1949 bis 1961 im [Bundestag](https://www.tatsachen-ueber-deutschland.de/de/politik-deutschland/parlament-parteien). Dort machte sie sich für die weitere gesetzliche Ausgestaltung und Umsetzung von Artikel 3 des Grundgesetzes stark.

**Helene Weber (1881 bis 1962) – die Katholikin**

Sie wurde in eine politische Familie hineingeboren, die der Zentrumspartei anhing. Weber trat ihr bald bei. Sie studierte Romanistik und Volkswirtschaft und war zunächst als Oberlehrerin tätig. Die engagierte Katholikin wurde unter den Nazis in den Ruhestand versetzt, arbeitete dann in der freien Wohlfahrtspflege. Nach dem Krieg gehörte sie bis 1962 für die CDU dem Bundestag an.

**Helene Wessel (1889 bis 1969) – die Unbequeme**

Helene Wessel trat früh der Zentrumspartei bei und saß zwischen 1928 und 1933 im Preußischen Landtag. Zuvor hatte sie eine Ausbildung als Jugend- und Wirtschaftsfürsorgerin abgeschlossen. In der Nazi-Zeit arbeitete die überzeugte Katholikin in verschiedenen Positionen bei der Kirche. Nach dem Krieg knüpfte sie wieder an ihre politische Arbeit an und wurde 1946 stellvertretende Vorsitzende der Zentrumspartei. Den Gleichheitsgrundsatz unterstützte sie nach anfänglichem Zögern, verweigerte dem neuen [Grundgesetz](https://www.tatsachen-ueber-deutschland.de/de/politik-deutschland/politisches-system) aber am Ende als eine von zwölf Personen die Zustimmung. Ihrer Meinung nach fehlten Grundrechte, wie etwa Volksabstimmungen. Später saß Wessel im Bundestag erst für die Zentrumspartei, ab 1957 für die SPD.

<div class="component component--container-small" id="bkmrk-der-staat-f%C3%B6rdert-di"><div class="component__inner"><div class="quote"><figure class="quote__figure">> Der Staat fördert die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern.

<figcaption class="quote__author">Grundgesetz Artikel 3, Absatz 2</figcaption></figure><div class="quote__sharing-wrapper"><div class="social-sharing-button social-sharing-button--inline-colorful" data-target-text="" data-target-title="Der Staat fördert die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Grundgesetz Artikel 3, Absatz 2" data-target-url="https://www.deutschland.de/de/topic/politik/deutschland-grundgesetz-frauen-und-gleichberechtigung#48180">[Teilen](https://www.deutschland.de/de/topic/politik/deutschland-grundgesetz-frauen-und-gleichberechtigung)</div><div class="social-sharing-button social-sharing-button--inline-colorful" data-target-text="" data-target-title="Der Staat fördert die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Grundgesetz Artikel 3, Absatz 2" data-target-url="https://www.deutschland.de/de/topic/politik/deutschland-grundgesetz-frauen-und-gleichberechtigung#48180">  
</div></div></div></div></div>**Grundlage für den Wandel**

Diese vier Frauen haben nicht nur Geschichte geschrieben, sondern auch die Grundlage für weitere Reformen gelegt. Dazu gehören das Gleichberechtigungsgesetz (verabschiedet 1957), die Reform des Ehe- und Familienrechts (1976), das Gesetz über die Gleichbehandlung am Arbeitsplatz (1980) und die Erweiterung von Artikel 3 im Grundgesetz. Dort heißt es seit 1994 ergänzend: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Die rechtliche Gleichstellung ist erreicht, an der [Gleichberechtigung](https://www.tatsachen-ueber-deutschland.de/de/leben-deutschland/gezielte-familienfoerderung) im Alltag wird noch gearbeitet – so ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen von Politik und Wirtschaft noch nicht auf Augenhöhe mit dem der Männer. Auch im Bundestag sind derzeit nur 31 Prozent der Abgeordneten Frauen. Doch ohne die Verankerung des Gleichheitsanspruchs im Grundgesetz sähe die Lage womöglich ungünstiger aus. Der andauernde Wandel jedenfalls ist vier mutigen Vorkämpferinnen zu verdanken.

##### 2. Zwei Staatsgründungen auf deutschem Boden 

**Einleitung**

Im Dezember 1947, als die fünfte Außenministerkonferenz der vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs abgebrochen wurde, war offenbar, dass die Großmächte sich über die deutsche Frage nicht einigen konnten. Als Ersatz für die große Lösung eines aus den vier Besatzungszonen bestehenden deutschen Nachkriegsstaats, wie er seit der Potsdamer Konferenz vom Sommer 1945 erstrebt und verheißen war, forcierten seit Frühjahr 1948 Amerikaner und Briten die Errichtung eines Staats auf dem Gebiet der drei westlichen Besatzungszonen.

In langwierigen Verhandlungen der Londoner Sechsmächtekonferenz seit dem 23. Februar 1948 wurden die Franzosen und die drei westlichen Nachbarstaaten Belgien, Niederlande und Luxemburg vom anglo-amerikanischen Konzept überzeugt. Washington und London ging es darum, die drei Westzonen in ein europäisch- atlantisches Staatensystem einzubinden. In Paris bestanden dagegen aber erhebliche Bedenken. Um den französischen Sicherheitsinteressen zu genügen, mussten daher Zugeständnisse, etwa in der Frage der internationalen Kontrolle des Ruhrgebiets, gemacht werden. Dafür nahm Paris Abstriche an seinen extremen Föderalisierungskonzepten hin. Die Franzosen hätten einen möglichst lockeren Bund deutscher Kleinstaaten lieber gesehen als eine mit hinlänglicher Zentralgewalt ausgestattete Bundesrepublik. Das lag jedoch nicht im Interesse von London und Washington, die an der ökonomischen Leistungsfähigkeit des neuen Staats interessiert waren.

**Weichenstellungen für den Weststaat**

Am 7. Juni 1948, zwei Wochen vor der Währungsreform in den drei Westzonen, wurden die "Londoner Empfehlungen" als Kommuniqué der Konferenz veröffentlicht. Sie enthielten die Umrisse des deutschen Weststaats, aber niemand war so recht zufrieden damit. Die Sozialdemokraten meinten, die Empfehlungen seien kaum geeignet, Deutschland bei der politischen und wirtschaftlichen Konsolidierung zu helfen. Noch unzufriedener war zunächst der erste Mann der CDU, Konrad Adenauer, der nicht nur befürchtete, durch die Ruhrkontrolle würden die Deutschen auf Dauer der Verfügung über ihre Wirtschaft und ihren Außenhandel beraubt. Adenauer hielt auch eine Verfassung, die von den alliierten Militärregierungen genehmigt werden müsse, für ein Übel, auf das man wohl mit Verweigerung reagieren müsse. Während der amerikanische und der britische Militärgouverneur auf die Zustimmung des französischen Parlaments zu den Londoner Empfehlungen warteten, versuchten sie, in ihren beiden Besatzungszonen auf die deutschen Politiker, die Ministerpräsidenten und Parteiführer, einzuwirken und die Stimmung für die beabsichtigte Staatsgründung zu verbessern. Wenn der volle Inhalt des Londoner Konzepts erst bekannt sei, würden sich viele Bedenken als gegenstandslos erweisen, hatte Ende Juni 1948 General Robertson, der britische Militärgouverneur, erklärt. Am 1. Juli erfuhren die deutschen Länderchefs im Einzelnen, was geplant war und was sie tun sollten.

**Frankfurter Dokumente**

Die damaligen obersten Repräsentanten der westdeutschen Politik, neun Ministerpräsidenten und die beiden Bürgermeister der Stadtstaaten Hamburg und Bremen, waren für den 1. Juli 1948 nach Frankfurt in das Hauptquartier der Amerikaner, das ehemalige Verwaltungsgebäude der I. G. Farben, bestellt worden. Die drei westlichen Militärgouverneure wollten den Chefs der Länder in den drei Westzonen dort offiziell mitteilen, was über die Gestalt künftiger deutscher Staatlichkeit beschlossen war. Von einer Konferenz zwischen alliierten und deutschen Vertretern kann man eigentlich nicht sprechen, denn wesentliche Elemente einer Konferenz wie partnerschaftliche Diskussion, Austausch von Argumenten, Suche nach Kompromissen fehlten bei der Zusammenkunft. Es handelte sich um die Entgegennahme alliierter Vorstellungen, die den Charakter von Weisungen hatten, wenn man sich nicht einfach verweigern wollte.

Die deutschen Länderchefs waren, ohne Angabe des Raums und der Stunde einbestellt worden. Einzelheiten hatten sie erst nach dreitägigem Herumtelefonieren erfahren. Die Stimmung war, als man um 11.30 Uhr versammelt war, alles andere als euphorisch. Aber das Ereignis gehörte, wie man später erkannte, zu den entscheidenden Daten der Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Die Frankfurter Konferenz bildete den Wendepunkt vom alliierten Kriegsrecht, nach dem Deutschland regiert wurde, zur deutschen Eigenverantwortung. Die Dokumente, die den deutschen Politikern am 1. Juli 1948 überreicht wurden, enthielten in Form des Gründungsauftrags für einen deutschen Nachkriegsstaat die Chance der Selbstständigkeit nach Jahren der Besatzungsherrschaft.

Auf französisches Betreiben geschah die offizielle Übergabe der "Frankfurter Dokumente", wie der Grundriss der westdeutschen Zukunft seither heißt, in zeremonieller Form und frostiger Atmosphäre: Jeder der drei Militärgouverneure verlas in seiner Muttersprache (am Ende der Konferenz erhielten die Deutschen Übersetzungen) eines der drei Dokumente, General Lucius D. Clay das erste, das die verfassungsrechtlichen Bestimmungen enthielt, General Sir Brian Robertson das zweite über die Länderneugliederung, und General Pierre Koenig trug in scharfem Ton das dritte Dokument vor, in dem die Grundzüge eines Besatzungsstatuts fixiert waren.

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Das erste der Frankfurter Dokumente ermächtigte die Ministerpräsidenten, bis zum 1. September 1948 eine Versammlung zur Ausarbeitung einer demokratischen Verfassung einzuberufen, "die für die beteiligten Länder eine Regierungsform des föderalistischen Typs schafft, die am besten geeignet ist, die gegenwärtig zerrissene deutsche Einheit schließlich wiederherzustellen, und die Rechte der beteiligten Länder schützt, eine angemessene Zentralinstanz schafft und die Garantien der individuellen Rechte und Freiheiten enthält".

Im zweiten Dokument war die Neugliederung der deutschen Länder empfohlen. Eine Territorialreform innerhalb der westlichen Besatzungszonen war angesichts der von den Alliierten geschaffenen Gebilde, vor allem im nordwestdeutschen Raum, aber auch bei den drei südwestdeutschen Ländern (Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern, Baden), erwägenswert, aber nicht dringend.

Im dritten Dokument waren die Grundzüge eines Besatzungsstatuts skizziert. Darin wurde deutlich, wie eng der deutsche Spielraum für die Verfassung und für die künftige staatliche Existenz bemessen war. Die Militärgouverneure stellten zwar die Gewährung einiger Befugnisse der Gesetzgebung, Verwaltung und der Rechtsprechung in Aussicht; ausdrücklich ausgenommen blieben aber beispielsweise die Außenbeziehungen des zu gründenden deutschen Weststaats und die Überwachung des deutschen Außenhandels.

Die Besatzungsherrschaft würde also mit der Verabschiedung der Verfassung und der Staatsgründung noch nicht enden, sondern lediglich gelockert und juristisch neu definiert werden. Die Militärgouverneure würden, so hatten die deutschen Ministerpräsidenten in Frankfurt vernommen, "die Ausübung ihrer vollen Machtbefugnisse wieder aufnehmen", und zwar nicht nur bei drohendem Notstand für die Sicherheit, sondern auch, "um nötigenfalls die Beachtung der Verfassung und des Besatzungsstatuts zu sichern".

Die Einstellung in den Westzonen zu den beabsichtigten Änderungen war, quer durch die Parteien, eher positiv: Nach vier Jahren Besatzungsherrschaft, in denen die vier Besatzungszonen unter dem Regiment der Militärgouverneure gefährlich weit auseinandergedriftet waren, in denen die deutschen Politiker hatten einsehen müssen, dass sich die Dinge von allein kaum zum Besseren wandeln würden, war die Neigung stark, wieder zu einer staatlichen Existenz zu gelangen. Das Angebot einer parlamentarischen Vertretung und einer Exekutive wenigstens für die drei Westzonen war verlockend, aber die Politiker scheuten das Odium einer feierlichen Neugründung, die zu einem Staat unter Ausschluss der sowjetischen Besatzungszone führen musste. Der Verlust der nationalen Einheit schien ein zu hoher Preis für den staatlichen Neubeginn.

**Deutsche Vorbehalte**

Vom 8. bis 10. Juli 1948 berieten die Ministerpräsidenten aller Westzonen-Länder ihre Antwort an die Militärgouverneure. Der Tagungsort - das Hotel Rittersturz bei Koblenz - lag in der französischen Zone. Das war eine Premiere, denn bis zum Sommer 1948 hatte das französische Besatzungsgebiet ein abgesondertes Eigenleben geführt, die dortige Militärregierung sah Verbindungen über die Grenzen ihres Einflussgebiets hinaus ungern, ganz im Gegensatz zu den Amerikanern und Briten, die ihre beiden Zonen ab Januar 1947 immer enger zusammenschlossen und das Territorium der "Bizone" allmählich zu einer Art Modellstaat entwickelten. Die Öffentlichkeit nahm, von den ökonomischen und politischen Nachwirkungen der Währungsreform elektrisiert, wenig Notiz von den Ereignissen, die die Staatsgründung einleiteten; die Schlagzeilen blieben der jungen D-Mark und der Luftbrücke ins blockierte Berlin vorbehalten.

Vor und während der Rittersturz-Konferenz hatten sich auch die Parteispitzen mit den Frankfurter Dokumenten beschäftigt. CDU und CSU äußerten sich, bei aller Skepsis, die intern herrschte, einstimmig positiv zu den alliierten Vorschlägen, wogegen sich die SPD reservierter gab. Bei den Sozialdemokraten standen sich zweiRichtungen gegenüber. Die Bürgermeister von Hamburg und Bremen und der hessische Regierungschef begrüßten die Entwicklung, die übrigen SPD-Ministerpräsidenten zeigten sich ebenso wie der Parteivorsitzende Kurt Schumacher abwartend bis ablehnend. Tatsächlich unterschied sich die Stimmung in beiden Parteien aber wenig, CDU und CSU argumentierten lediglich geschmeidiger, während die Haltung der SPD wegen ihrer betonten Prinzipientreue unnachgiebiger wirkte als sie in Wirklichkeit war.

Führende Verfassungsexperten beider Parteien waren sich einig, dass man das Provisorische der ins Auge gefassten Staatsgründung betonen müsse und dass das angekündigte Besatzungsstatut als Ausdruck alliierter Verantwortung für die deutschen Angelegenheiten im Vordergrund stehen müsse. Die Antwort der westdeutschen Ministerpräsidenten an die Alliierten bestand deshalb nach dreitägigem Ringen in Ja und Nein zugleich. Die Vollmachten wollten sie zwar annehmen, aber nicht in der Form, wie sich die Alliierten das gedacht hatten. Der Primat der drei Westmächte sollte deutlich zum Ausdruck kommen, um den Vorwurf der Preisgabe der nationalen Einheit durch die westdeutschen Politiker zu verhindern. Aus dem gleichen Grund wünschten die Westdeutschen, dass das Besatzungsstatut zuerst erlassen werden sollte. Die Ministerpräsidenten lehnten auch eine "Nationalversammlung" zur Beratung und Verabschiedung einer Verfassung ab, die durch Volksabstimmung in Kraft gesetzt werden sollte. Statt dessen sollten die Landtage ein Gremium wählen, das ein provisorisches "Grundgesetz" ausarbeiten würde. Das sollte die Entwicklung offen halten. Man wollte zu größerer Selbstständigkeit kommen, ohne die Ostzone ausdrücklich preiszugeben.

Die Militärgouverneure hatten mit einer solchen Antwort und mit Gegenvorschlägen nicht gerechnet. General Clay war zornig, sein britischer Kollege Robertson nahm es gelassener und der Vertreter Frankreichs, General Koenig, war sogar ganz zufrieden, dass es mit der westdeutschen Staatsgründung nicht so schnell vorwärtsging. Ihre Motive waren unterschiedlich, die Zurückweisung der deutschen Antwort auf die Frankfurter Dokumente durch die drei Militärgouverneure war jedoch einmütig, und die deutschen Ministerpräsidenten mussten sich jetzt, im vollen Bewusstsein ihres begrenzten Handlungsspielraums, abermals entscheiden. Die Alliierten hatten ihnen bedeutet, dass die "Londoner Empfehlungen", die die Grundlage der Frankfurter Dokumente bildeten, als verpflichtende Handlungsanweisungen zu betrachten waren. Die Deutschen konnten sie annehmen oder ablehnen, aber nicht verändern oder deutschen Wünschen anpassen.

**Kompromisssuche**

Die Ministerpräsidenten suchten jetzt nach einer Lösung, die so dicht wie möglich bei ihrer Position liegen, aber auch den alliierten Vorgaben nahe genug sein sollte. Scheitern lassen wollten die Ministerpräsidenten die staatsrechtliche Neuregelung aber auf keinen Fall. Das zeigte sich auch daran, dass sie beschlossen, ein Experten-Kollegium, zusammengesetzt aus Vertretern aller elf Länder der Westzone, als Verfassungsausschuss tagen zu lassen. Der bayerische Ministerpräsident bot dazu einen ebenso idyllischen wie abgeschiedenen Platz, nämlich die Herreninsel im Chiemsee, als Verhandlungsort an. Das war die Geburtsstunde des Herrenchiemseer Verfassungskonvents, der im August 1948 den Grundgesetz-Entwurf erarbeitete.

Am 26. Juli sollte den Militärgouverneuren die endgültige deutsche Antwort unterbreitet werden. Dazu mussten Kompromisse gefunden werden, mit denen man den Alliierten soweit entgegenkam, wie es notwendig war, ohne den grundsätzlichen Vorbehalt gegen die Gründung eines deutschen Teilstaats aufzugeben. Der Begriff"Grundgesetz" musste durchgesetzt werden, und weiter erschien es unverzichtbar, dieses Grundgesetz nicht durch Volksentscheid, sondern durch die Landtage ratifizieren zu lassen: Das waren die Positionen, mit denen das Provisoriumskonzept gestützt wurde. Bestandteil dieses Konzepts war die Vorstellung, dass der auf westdeutschem Gebiet zu errichtende "Kernstaat" stellvertretend für die deutsche Nation als Gesamtheit agieren und dass sich eines Tages die sowjetische Besatzungszone anschließen würde. Die Mehrheit der westdeutschen Politiker vertrat überdies die "Magnettheorie", nach der die steigende ökonomische und politische Attraktivität der Westzonen die sowjetische Besatzungszone geradezu magnetisch anziehen werde. Das war eine kühne Konstruktion, die als Weg zur Wiedervereinigung aber vom CDU-Sprecher Konrad Adenauer ebenso wie vom SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher propagiert wurde.

Bei den Abschlussverhandlungen mit den Militärgouverneuren am 26. Juli zeichnete sich zunächst eine Ablehnung der deutschen Wünsche und ein Scheitern der Verhandlungen ab. Dem Hamburger Bürgermeister Max Brauer (SPD), Bayerns Ministerpräsident Hans Ehard (CSU) und Wilhelm Kaisen, dem sozialdemokratischen Bürgermeister von Bremen, gelang es jedoch durch geschicktes Taktieren, ein alle Beteiligten befriedigendes glückliches Ende der Konferenz zu befördern. Im Namen der drei westlichen Besatzungsmächte gab General Koenig schließlich das offizielle Einverständnis zur Errichtung der Bundesrepublik.

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**Erarbeitung des Grundgesetzes**

Etliche Hürden waren zu nehmen und eine beträchtliche Menge an Kleinarbeit war auf verschiedenen administrativen Ebenen zu erledigen, ehe ein gutes Jahr später im September 1949 der erste deutsche Nachkriegsstaat ins Leben trat. Zunächst mussten die elf Länderparlamente ein gleichlautendes Gesetz beschließen, das die Zusammensetzung des "Parlamentarischen Rats", wie die Verfassunggebende Versammlung nun endgültig hieß, regelte: In indirekter Wahl wurde für jeweils 750 000 Einwohner (mindestens jedoch einer pro Land) ein Abgeordneter von den Landtagen delegiert. Das ergab 65 Mandate, zu denen noch fünf Vertreter Berlins ohne Stimmrecht kamen.

Als Tagungsort wurde die Universitätsstadt Bonn gewählt, beworben hatten sich auch Celle, Düsseldorf, Frankfurt, Karlsruhe und Köln. Die Ministerpräsidenten entschieden sich für Bonn, damit auch die Britische Zone in der Gründerzeit der Nachkriegsrepublik mit einem wichtigen Ort vertreten war. Die Entscheidung über die künftige Hauptstadt sollte damit aber keineswegs vorweggenommen werden. Frankfurt galt wegen seiner verkehrsgünstigen Mittellage, als Sitz des Bizonen-Parlaments und der Bizonen-Administration noch lange Zeit als künftige Bundeshauptstadt. In Bonn wurden in aller Eile Quartiere und Büros für die Abgeordneten geschaffen, und der Neubau der Pädagogischen Akademie - das spätere Bundeshaus am Rheinufer - als Tagungsstätte des Parlamentarischen Rats hergerichtet.

**Herrenchiemseer Verfassungskonvent**

Unterdessen begannen am 10. August auf der Chiemseeinsel die Sachverständigen mit der Beratung eines Verfassungsentwurfs. Der bayerische Minister Anton Pfeiffer führte den Vorsitz, jedes Land hatte einen Experten delegiert, dazu kamen etwa zwanzig weitere Teilnehmer: Rechtsgelehrte, Politiker und Verwaltungsfachleute. Der "Verfassungskonvent" - so hieß das Gremium offiziell - empfand sich als politisch neutral, die großen Parteien CDU/CSU und SPD waren etwa gleichstark vertreten. Dem Verfassungskonvent war die Aufgabe gestellt, "Richtlinien für ein Grundgesetz" zu erarbeiten, also Lösungen für die einzelnen Verfassungsprobleme zu suchen und darzustellen.

Der "Bericht über den Verfassungskonvent", den die Ministerpräsidenten als Ergebnis der Beratungen vom 10. bis 23. August eine Woche später dem Parlamentarischen Rat übergaben, war nicht nur ein imponierendes Kompendium des Verfassungsrechts, gegliedert in eine ausführliche Darstellung der zu lösenden Probleme, den "Entwurf eines Grundgesetzes" mit 149 Artikeln - viele von ihnen in alternativen Versionen formuliert - und schließlich einen Kommentar mit Einzelerläuterungen zu bestimmten Artikeln. Das bescheiden als Tätigkeitsbericht deklarierte Dokument von 95 Druckseiten war für die Debatte der folgenden Monate im Parlamentarischen Rat von kaum zu überschätzender Bedeutung: Die strittigen Probleme von Herrenchiemsee waren wenig später auch die Streitfragen in Bonn. Der Hauptunterschied zwischen Herrenchiemsee und Bonn lag darin, dass hier die Probleme theoretisch erörtert und dargelegt werden konnten, dort aber politische Entscheidungen und Kompromisse gefunden werdenmussten.

**Parlamentarischer Rat**

Die Verfassungsexperten waren sich einig, dass man aus den Konstruktionsfehlern der Weimarer Verfassung, die 1932/33 zum Untergang der ersten Republik erheblich beigetragen hatten, die Nutzanwendung ziehen müsse. Das beherzigten dann auch die Verfassungsmütter und -väter im Parlamentarischen Rat: Die Regierung sollte sich auf das Vertrauen einer arbeitsfähigen Mehrheit des Parlaments stützen, eine arbeitsunfähige Majorität sollte weder eine Regierungsbildung vereiteln noch eine bestehende Regierung stürzen können. Um Präsidialregierungen, wie sie das Ende der Weimarer Zeit bestimmten, zu vereiteln, sollte das Staatsoberhaupt politisch neutral und ohne Macht (also ohne die damaligen Notverordnungsrechte) sein. Von Volksbegehren rieten die Experten dringend ab, Grundgesetzänderungen, "durch die die freiheitliche und demokratische Grundordnung" (diese Formulierung wurde auf der Chiemseeinsel gefunden) beseitigt werden könne, sollten in Zukunft unzulässig sein.

Mit der gebotenen Feierlichkeit trat der Parlamentarische Rat am 1. September 1948 in Bonn zur konstituierenden Sitzung zusammen. Die 65 Abgeordneten - je 27 stellten die Unionsparteien und die SPD, die FDP hatte fünf Sitze, und je zwei Mandate hatten die Deutsche Partei, die Zentrumspartei und die KPD - wählten nach dem Festakt den 72-jährigen CDU-Politiker Konrad Adenauer zum Präsidenten. Vorsitzender des Hauptausschusses, in dem die wesentliche Arbeit geleistet wurde, war Carlo Schmid (SPD). AnfangDezember, nach der ersten Lesung im Hauptausschuss, waren die Konturen des Grundgesetzes sichtbar, aber die Meinungen gingen noch bei vielen Problemen auseinander. Nicht einig, und zwar vielfach quer durch die Fraktionen, war man sich über die Funktion des Staatsoberhauptes, über die zweite Kammer des Parlamentes (Bundesrat oder Senat), über die Verteilung der Steuern zwischen Bund und Ländern, über das Verhältnis von Kirche und Staat und insbesondere über das "Elternrecht" zur Bestimmung der religiösen Erziehung.

Im Februar 1949 war das Grundgesetz im wesentlichen fertig, aber einige Bestimmungen - vor allem die Finanzverwaltung und die Verteilung der Gesetzgebungskompetenzen zwischen Bund und Ländern - missfielen immer noch den Alliierten, von deren Genehmigung das Verfassungswerk letztlich abhing. Weisungsgemäß pochten sie auf den Wortlaut der Frankfurter Dokumente, dem der Grundgesetzentwurf nicht ganz entsprach. Die Länder sollten einflussreicher, die Zentralgewalt etwas schwächer sein. Aber die Zeit war jetzt auf seiten der Deutschen, und der Widerstand - vor allem in den Reihen der SPD-Fraktion - gegen die meisten alliierten Änderungswünsche zahlte sich aus. Ende April einigte sich die Abordnung des Parlamentarischen Rats mit den Militärgouverneuren. Anfang Mai wurde das Grundgesetz abschließend im Hauptausschuss beraten und am 8. Mai - am vierten Jahrestag der Kapitulation - vom Plenum verabschiedet.

Die Militärgouverneure genehmigten am 12. Mai das Verfassungswerk, das in den folgenden Tagen den elf Landtagen zur Ratifizierung vorgelegt wurde. Mit der Ausnahme Bayerns, dessen Parlamentarier sich nach 17-stündiger Debatte mit einer Mehrheit von 101 zu 63 gegen das Grundgesetz aussprachen, wurde die Verfassung in allen Ländern genehmigt. Das bayerische Nein hatte keine Konsequenzen, denn es war nicht in antidemokratischer Absicht gesprochen; man hatte in München lediglich föderalistische Vorbehalte artikulieren wollen und gleichzeitig betont, dass man an der Geltung des Grundgesetzes auch im Freistaat nicht zu rütteln gedächte. Am 23. Mai 1949 konnte daher das Grundgesetz verkündet werden, in einer festlichen Schlusssitzung des Parlamentarischen Rates in Anwesenheit der Ministerpräsidenten, von Vertretern der Militärregierungen und anderen Würdenträgern.

**Entstehung der Bundesrepublik Deutschland**

Das Grundgesetz trat am Tag nach seiner feierlichen Verkündigung in Kraft, am 24. Mai 1949. Mehr als die Verfassung existierte von der Bundesrepublik zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Vielerorts wurde jedoch angestrengt gearbeitet, um den vorerst nur als Idee existenten Staat auch mit Verfassungsorganen und allen nötigen Einrichtungen der Verwaltung auszustatten. Einer der letzten Beschlüsse des Parlamentarischen Rats hatte am 10. Mai 1949 mit knapper Mehrheit und nicht unumstritten Bonn zur vorläufigen Hauptstadt der Bundesrepublik erkoren. Der erste Bundestag bekräftigte im November 1949 den Beschluss des Rates.

Die Besatzungsbürokratie wurde umgebaut. An die Stelle der drei Militärgouverneure sollte mit dem Inkrafttreten des Besatzungsstatuts die Alliierte Hohe Kommission treten, die hoch über Bonn auf dem Petersberg residierte und durch ihren Standort auch das Machtgefälle zwischen den Hohen Kommissaren und der Bundesregierung augenfällig dokumentierte. Denn mit der Konstituierung der Bundesrepublik endete das Besatzungsregime ja noch nicht; die Souveränitätsrechte wurden bis zum Mai 1955 noch auf dem Petersberg verwaltet. Es war freilich kein direktes Besatzungsregime mehr, sondern eine zurückhaltend geübte Kontrolle, die sicherstellen sollte, dass die Westdeutschen auf dem von den Alliierten gewünschten Weg blieben.

Bald nach der Verabschiedung des Grundgesetzes setzte der Wahlkampf ein. Die Schlacht um Wählerstimmen wurde mit knappem Ergebnis ausgefochten zwischen der von Kurt Schumacher geführten SPD und der von Adenauer gelenkten Union aus CDU und CSU, die zusammen mit der FDP den Direktor des Wirtschaftsressorts der Bizone und künftigen Bundesminister Ludwig Erhard zum erstenmal als Wahllokomotive einsetzte. Erhard entschied als Verfechter der Sozialen Marktwirtschaft wesentlich das Ergebnis vom 14. August 1949, das Konrad Adenauer die erste Koalitionsabsprache ermöglichte: Der Vorsitzende der FDP, Theodor Heuss, sollte Bundespräsident werden, er selbst wollte sich um das Amt des Kanzlers bewerben.

Von den 402 Mandaten des ersten Bundestags hatten CDU und CSU 139 (31 Prozent der Wählerstimmen) errungen; die SPD gewann wider Erwarten nur 131 (29,2 Prozent), 52 Abgeordnete stellte die FDP und 17 die konservative Deutsche Partei. Ebenfalls 17 Vertreter hatte die Bayernpartei. Auch kleinere Parteien wie die "Wirtschaftliche Aufbauvereinigung" (WAV - zwölf Sitze) und die katholische Zentrumspartei (zehn Sitze) waren im Parlament vertreten; die Kommunisten waren mit 15 Abgeordneten (5,7 Prozent) präsent. Rechtsradikale gab es auch, und zwar als Parteilose sowie in den Reihen der Deutschen Konservativen Partei/Deutsche Rechtspartei (DKP/DRP -fünf Mandate).

Am 7. September konstituierte sich der erste Deutsche Bundestag, am 12. September wählte die Bundesversammlung Theodor Heuss zum Bundespräsidenten. Am 20. September gab der fünf Tage zuvor gewählte Kanzler Konrad Adenauer seine erste Regierungserklärung ab, nachdem die Bundesregierung vereidigt worden war. Das war juristisch gesehen die Geburtsstunde der Bundesrepublik. Am folgenden Tag machte der Kanzler, begleitet von einigen Ministern, den Antrittsbesuch auf dem Petersberg bei den Hohen Kommissaren, die als letzten Konstituierungsakt das Besatzungsstatut in Kraft setzten.

**Vom "Deutschen Volkskongress" zur DDR**

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Als Reaktion auf die Ende November 1947 bei der Londoner Außenministerkonferenz erkennbare Tendenz der Westmächte, eine westliche Teillösung des Deutschlandproblems zu suchen, wurde in der Ostzone von der SED der "Deutsche Volkskongress für Einheit und gerechten Frieden" als Sammlungsbewegung initiiert. Die SED wollte damit Druck auf die Londoner Verhandlungen ausüben, die Position des sowjetischen Außenministers in London stärken, sich selbst als treibende Kraft zugunsten der deutschen Einheit profilieren, und der westlichen Seite die Schuld an der Spaltung zuweisen. Bei den anderen Parteien der Ostzone, insbesondere bei der CDU, aber auch bei Teilen der LDP, stieß die SED-Initiative auf Ablehnung. Die CDU-Vorsitzenden Jakob Kaiser und Ernst Lemmer betrachteten die Volkskongressbewegung als Propagandamanöver und weigerten sich, mit der Teilnahme an der Bewegung ihre politische Eigenständigkeit aufzugeben. Sie wurden deshalb im Dezember 1947 auf Druck der SMAD abgesetzt und durchden gefügigeren Otto Nuschke ersetzt.

Zum Ersten Deutschen Volkskongress am 6. Dezember lud die SED Vertreter von Parteien und Massenorganisationen, Betriebsräte, Bauernverbände, Künstler und Wissenschaftler aus allen Besatzungszonen nach Berlin. Eine Legitimierung der Delegierten durch Wahl fand nirgendwo statt. Die meisten der 2000 Delegierten kamen aus der SBZ und Berlin, die SED stellte allein 605 Teilnehmer. Die größte Teilnehmergruppe der Westzonen bildeten 244 Vertreter der KPD. Einige wenige andere waren trotz des Verbots durch die Westalliierten nach Berlin gereist. Dem Kongress war die Rolle eines gesamtdeutschen Vorparlaments zugedacht, er forderte von der Londoner Außenministerkonferenz die Vorbereitung eines Friedensvertrags und die Bildung einer gesamtdeutschen Regierung "aus Vertretern aller demokratischen Parteien". Die Außenminister sollten eine Delegation, nämlich die SED-Vorsitzenden Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl sowie den Vorsitzenden der Liberal-Demokratischen Partei, Wilhelm Külz, empfangen undvon ihnen entsprechende Vorschläge entgegennehmen.

Der Zweite Deutsche Volkskongress, der am 17. und 18. März 1948 tagte, und dessen Eröffnung im Zeichen des 100. Jahrestags der Märzrevolution von 1848 stand, protestierte gegen die Diskussion einer Staatsgründung in den Westzonen und beschloss, im Mai/Juni 1948 ein Volksbegehren für die deutsche Einheit in allen vier Zonen durchzuführen, das in den Westzonen aber nicht erlaubt wurde.

Weiterhin bestellte der Volkskongress einen 400 Mitglieder starken "Deutschen Volksrat". Er vertrat den Anspruch, ganz Deutschland zu repräsentieren (300 Delegierte kamen aus der SBZ, 100 Delegierte aus den Westzonen). Sein wichtigster Ausschuss unter der Leitung Otto Grotewohls arbeitete in den folgenden Monaten einen Verfassungsentwurf aus. Ein Ende 1946 von der SED vorgelegtes Modell einer (gesamtdeutschen) "Verfassung für die Deutsche Demokratische Republik" diente als Ausgangspunkt. Der Verfassungstext von 1946 gewährleistete außer den Grundrechten das Privateigentum, sah jedoch die Enteignung von Großgrundbesitz vor, ferner die Sozialisierung von Bodenschätzen und bestimmten Betrieben. Der Wortlaut huldigte dem Prinzip des Parlamentarismus, und zwar soweit, dass der Parlamentspräsident zugleich Staatsoberhaupt sein sollte. Der neue Verfassungsentwurf orientierte sich formal stärker am Modell der Weimarer Reichsverfassung, trug aber den von der SED propagierten gesellschaftspolitischen Zielen Rechnung. Der Verfassungsentwurf des Volksrats wurde Ende Oktober 1948 öffentlich zur Diskussion gestellt.

**Einheitslistenwahl**

Im März 1949, als der Deutsche Volksrat wegen der bevorstehenden Verabschiedung des Bonner Grundgesetzes den "nationalen Notstand" verkündete, sollte ein dritter Volkskongress einberufen werden, um die Verfassung zu bestätigen. Dieser Dritte Deutsche Volkskongress sollte durch Wahlen legalisiert sein. Dazu wurden am 15. und 16. Mai 1949 in der SBZ und in Ost-Berlin Wahlen angesetzt, allerdings nach dem Prinzip der Einheitsliste des "Demokratischen Blocks", in dem Parteien und Massenorganisationen zusammengeschlossen waren. 25 Prozent der Listenplätze bekam die SED, jeweils 15 Prozent erhielten CDU und LDP und entsprechend weniger die anderen Parteien und Massenorganisationen.Die Wahl war mit einer Volksabstimmung über die deutsche Einheit verbunden. Wenn die Auszählung der Stimmen korrekt war (woran viele zweifelten), dann stimmten 66,1 Prozent der 13,5 Millionen Wahlberechtigten für die Einheitsliste.

Der auf dem Dritten Volkskongress (29. und 30. Mai 1949) neu gewählte Zweite Deutsche Volksrat konstituierte sich am 7. Oktober 1949 als Provisorische Volkskammer der DDR und setzte die Verfassung in Kraft.

**Regierungsbildung**

Die 330 Abgeordneten der Provisorischen Volkskammer waren nach politischem Proporz zusammengerufen worden, nicht aus freier Wahl hervorgegangen. Die SED hatte 96 Sitze, Liberaldemokraten und CDU verfügten je über 46, Nationaldemokraten und Demokratischer Bauernbund über 17 bzw. 15, die restlichen Mandate hatten der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund und Massenorganisationen wie die Freie Deutsche Jugend (FDJ) inne. Einstimmig, wie für Abstimmungsergebnisse im System des "demokratischen Zentralismus" üblich, wurde ein "Gesetz über die Provisorische Regierung der DDR" beschlossen und eine Länderkammer (34 Abgeordnete der 5 Landtage) gebildet. Otto Grotewohl, einer der beiden Vorsitzenden der SED, wurde als Ministerpräsident mit der Bildung einer Regierung beauftragt.

Drei Tage später übergab in Berlin-Karlshorst der Chef der Sowjetischen Militäradministration, General Tschuikow, die von der Militärregierung ausgeübten Funktionen an die Regierung der DDR. Die SMAD wurde aufgelöst und (parallel zur Entwicklung im Westen, wo im Sommer 1949 die Militärgouverneure durch Hohe Kommissare ersetzt worden waren) durch eine Sowjetische Kontrollkommission (SKK) abgelöst. Am 11. Oktober wählten Volks- und Länderkammer gemeinsam (und wiederum einstimmig) Wilhelm Pieck, den anderen Vorsitzenden der SED, zum Präsidenten der DDR.

Am folgenden Tag bestätigte die Volkskammer die Regierung und nahm Grotewohls Regierungserklärung entgegen, in der die Freundschaft zur Sowjetunion als Grundlage der Außenpolitik, die Tradition des Antifaschismus als innere Verpflichtung und die Ankündigung von Anstrengungen, in Industrie und Landwirtschaft das Vorkriegsniveau zu erreichen, als Ziel der Wirtschaftsplanung die wichtigsten Punkte bildeten. Zur Sinnstiftung und Rückbindung mit den Werktätigen besuchten am folgenden Tag die Mitglieder der neuen Regierung volkseigene Großbetriebe, um den Arbeitern die Staatsziele zu erläutern und sie zur Gefolgschaft zu verpflichten. Es war der 13. Oktober 1949, der zum ersten Mal als "Tag der Aktivisten" begangen wurde, als Jahrestag der Rekordleistung des Bergmanns Adolf Hennecke, der nach dem Vorbild des sowjetischen Arbeiters Stachanow von 1935 in einer wohl vorbereiteten Hochleistungsschicht mit einer Normüberbietung von 387 Prozent im Kohlebergbau ein sozialpolitisches Signal für den Arbeiter- und Bauernstaat gesetzt hatte.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Bauer Friederike: Die Mütter des Grundgesetzes, in: Deutschland.de, online verfügbar seit 17.05.2023 unter: [https://www.deutschland.de/de/topic/politik/deutschland-grundgesetz-frauen-und-gleichberechtigung](https://www.deutschland.de/de/topic/politik/deutschland-grundgesetz-frauen-und-gleichberechtigung), zuletzt geprüft am 06.01.2026.

-&gt; Benz, Wolfgang: Zwei Staatsgründungen auf deutschem Boden, in: Deutschland 1945-1949 (Informationen zur politischen Bildung Jg. 2005, Heft Nr. 259), Bonn 2005, online verfügbar unter: [https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/deutschland-1945-1949-259/10085/zwei-staatsgruendungen-auf-deutschem-boden/](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/deutschland-1945-1949-259/10085/zwei-staatsgruendungen-auf-deutschem-boden/), zuletzt geprüft am 07.04.2026.

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**Sekundärliteratur**

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