# Wirtschaft und Handel



# Die Schifffahrt

#### Inhaltsverzeichnis

1. Der Kölner Stapel
2. Rheinzölle im Mittelalter

##### 1. Der Kölner Stapel

**1. Einleitung**

Der [Köl­ner](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57cd5d2f2acc68.36305193 "Köln") Sta­pel präg­te über Jahr­hun­der­te die Rhein­schiff­fahrt und die wirt­schaft­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten des Nie­der­rheins. Han­del und Wan­del zwi­schen Mainz und Dor­drecht wa­ren oh­ne ihn nicht denk­bar. Selbst wenn man ihn um­ging oder um­ge­hen woll­te, muss­te man sich an sei­ner Prä­senz und sei­nem Wir­kungs­ra­di­us ori­en­tie­ren. Es wä­re je­doch falsch, sich vor­zu­stel­len, beim Köl­ner Sta­pel ha­be es sich um ein klar um­ris­se­nes Recht ge­han­delt. Viel­mehr han­del­te es sich um ei­ne Samm­lung ver­schie­de­ner, im­mer wie­der er­gänz­ter Rech­te und Pri­vi­le­gi­en, die auch im­mer wie­der neu ge­gen kon­kur­rie­ren­de An­sprü­che oder Miss­brauch durch­ge­setzt wer­den muss­ten. Dar­auf ver­wand­te die Stadt Köln im Lau­fe der Zeit viel En­er­gie - ein Auf­wand, der sich aufs Gan­ze ge­se­hen, für Köln be­zahlt ge­macht hat.

Die Ur­sprün­ge des ei­gent­li­chen Sta­pels las­sen sich bis ins 12. Jahr­hun­dert zu­rück­ver­fol­gen. Die Wur­zeln lie­gen aber noch wei­ter zu­rück. Sie sind im erz­bi­schöf­li­chen Zoll­recht zu su­chen. Die ers­te ge­si­cher­te Nach­richt über ei­nen Zoll stammt aus dem Jah­re 975. Es han­del­te sich aber wahr­schein­lich um ei­nen Zoll auf in Köln zu ver­kau­fen­de Gü­ter, nicht auf sol­che, die die Stadt nur pas­sier­ten. Man kann ver­mu­ten, dass bis in 12. Jahr­hun­dert hin­ein der Köl­ner Markt­han­del den Tran­sit­han­del über­traf. Seit der Mit­te des 12. Jahr­hun­derts sind Ten­den­zen greif­bar, den frei­en Han­del auf dem Rhein zu sei­nen ei­ge­nen Guns­ten nicht nur durch Zöl­le zu be­hin­dern, son­dern die Wa­ren in die Stadt zu zwin­gen. Schon vor 1173 gab es ei­nen Zoll für durch­rei­sen­de Kauf­leu­te. 1178 be­gann man flan­dri­schen Händ­lern, die in den An­bau­ge­bie­ten süd­lich der Stadt Wein er­war­ben und in die Nie­der­lan­de ver­kau­fen woll­ten, Auf­la­gen zu ma­chen. 1203 ist die Re­de da­von, dass Kauf­leu­te aus Di­nant kei­ne Ab­ga­ben zu zah­len brauch­ten, wenn sie ih­re Wa­ren ge­zielt in Köln ver­kauf­ten oder dort zu­min­dest zum Ver­kauf an­bo­ten. Noch tru­gen Erz­bi­schof und Stadt die­se Po­li­tik ge­mein­sam: Der Erz­bi­schof nutz­te sei­ne Zoll­pri­vi­le­gi­en, um die Schif­fe in den Köl­ner Ha­fen zu zwin­gen, die Stadt ver­such­te, ih­ren Bür­gern durch das Vor­kaufs­recht ei­nen Vor­teil zu ver­schaf­fen.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-%C2%A0"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"> </div></div>**2. Das Stapelprivileg vom 7.5.1259**

Et­wa ein Jahr­hun­dert hielt die­se In­ter­es­sen­ko­ali­ti­on. Als sich im 13. Jahr­hun­dert Erz­bi­schof und Stadt­ge­mein­de zu­neh­mend feind­lich ge­gen­über­stan­den, kam es in ei­ner Si­tua­ti­on, in der Erz­bi­schof [Kon­rad von Hoch­sta­den](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57c938272cd249.04014448 "Konrad von Hochstaden") die neu­en, auf­stre­ben­den Kauf­manns­fa­mi­li­en ge­gen die alt­ein­ge­ses­se­nen [Pa­tri­zi­er](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/P#term-407) aus­spie­len und auf sei­ne Sei­te brin­gen woll­te, zu ei­ner Ko­di­fi­zie­rung des Sta­pel­rechts. Am 7.5.1259 ver­brief­te Kon­rad der Stadt un­ter Be­zug auf den ein Jahr zu­vor ab­ge­schlos­se­nen „Gro­ßen Schie­d“, ei­nem Mei­len­stein auf dem Weg zur Un­ab­hän­gig­keit der Stadt Köln von der erz­bi­schöf­li­chen Herr­schaft, ein um­fas­sen­des Sta­pel­recht. Mit die­sem ers­ten sys­te­ma­tisch durch­dach­ten Ver­such ei­ner deut­schen Stadt, den Han­dels­ver­kehr durch Zwangs­maß­nah­men zu ih­ren Guns­ten um­zu­lei­ten, war der Grund­stein für ei­nen Über­gang der ex­klu­si­ven Nut­zung des Sta­pel­rechts durch den Köl­ner Rat ge­legt. Aber auch die­ses Pri­vi­leg bil­de­te kei­nen sys­te­ma­ti­schen Rechts­kor­pus, son­dern wur­de in den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten im­mer wie­der um wei­te­re Rech­te er­gänzt.

Das Sta­pel­pri­vi­leg von 1259 be­stimm­te im Kern, dass Kauf­leu­te mit ih­ren Wa­ren nicht an Köln vor­bei fah­ren durf­ten, oh­ne die­se in Köln zu ent­la­den und ei­ne Zeit lang – spä­ter wur­den drei Ta­ge fest­ge­legt – zum Ver­kauf an­zu­bie­ten. Au­ßer­dem durf­ten Kauf­leu­te von au­ßer­halb nicht di­rekt mit­ein­an­der Han­del trei­ben. Die­ses Ver­bot des Han­dels un­ter Gäs­ten mach­te die Ein­schal­tung ei­nes Köl­ner Agen­ten not­wen­dig. Die­se wur­den Wir­te ge­nannt, weil sie häu­fig ge­nug tat­säch­lich die Wir­te wa­ren, bei de­nen die frem­den Kauf­leu­te un­ter­ge­bracht wa­ren. Aus den Wir­ten be­zie­hungs­wei­se Un­ter­käu­fern ent­wi­ckel­ten sich die spä­te­ren Spe­di­ti­ons­kauf­leu­te.

Zu­nächst wur­den die neu­ge­won­ne­nen Pri­vi­le­gi­en je­doch nicht oder nur in sehr ge­rin­gem Um­fang ge­nutzt. Fast ein Jahr­hun­dert lang gibt es kaum Nach­rich­ten über den Sta­pel und sei­ne Pra­xis. Erst im letz­ten Drit­tel des 14. Jahr­hun­derts in­ten­si­viert sich die Nut­zung. Von nun ab wur­den im­mer wie­der ver­schie­de­ne Rech­te hin­zu­ge­fügt, die das Sta­pel­recht er­gänz­ten, in­ten­si­vier­ten und aus­dehn­ten. Da­zu ge­hör­ten un­ter an­de­rem das Vor­kaufs­recht der Köl­ner Bür­ger. Sie konn­ten sich be­vor­rech­tigt mit den „ge­sta­pel­ten“ und zum Ver­kauf an­ge­bo­te­nen Wa­ren ein­de­cken. Da­bei dach­te man in ers­ter Li­nie nicht an Pri­vat­haus­hal­te, die ih­ren Be­darf in der Re­gel auf dem Wo­chen­markt oder den ent­spre­chen­den Ge­schäf­ten deck­ten, son­dern an den Gro­ßhan­del, Hand­wer­ker oder Ein­zel­händ­ler. Da dies im Grun­de nichts an­de­res war als Zwi­schen­han­del, stell­ten ver­schie­de­ne Re­ge­lun­gen si­cher, dass Wa­ren, de­ren Emp­fän­ger oh­ne­hin in Köln an­säs­sig war, auch di­rekt zu den Käu­fern ge­lang­ten. So wur­den für die Stadt­be­völ­ke­rung un­nö­ti­ge Preis­stei­ge­run­gen ver­hin­dert. Den Kauf­leu­ten und Händ­lern wur­de ver­sucht, der Vor­kauf durch ei­nen Preis­auf­schlag und vor al­lem die Ver­pflich­tung zum Bar­kauf schmack­haft zu ma­chen. Das be­deu­te­te für die­se in­so­fern ei­nen nicht zu ge­ring zu ver­an­schla­gen­den Vor­teil, weil Hand­wer­ker und Ein­zel­händ­ler die ge­kauf­ten Roh­stof­fe oft­mals erst dann be­zahl­ten, wenn sie sie ver­ar­bei­tet und selbst wie­der ver­kauft hat­ten.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-in-k%C3%B6ln-mussten-die-"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/images/Iview/digicult_derivate_00015127%2FLVR_ILR_0000124790.jpg/full/1600/0/default.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/images/Iview/digicult_derivate_00015127%2FLVR_ILR_0000124790.jpg/full/600/0/default.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">In Köln mussten die Waren von den niederländischen auf die oberländischen schiffe umgeschlagen werden. Der Ausschnitt aus dem Prospekt von Anton Woensam zeigt die Hafensituation. Das markierte Gitter trennte die Anlegestellen der ober- von den niederländischen Schiffen.

</figcaption></figure></div> </div></div>**3. Die Stapelgüter**

Seit dem 14. Jahr­hun­dert un­ter­la­gen fol­gen­de Gü­ter des täg­li­chen Be­darfs dem Vor­kaufs­recht: Le­bens­mit­tel, Salz, Vieh, Wein, Pfer­de. Aber auch Mas­sen­gü­ter und Roh­stof­fe wie Holz, Stei­ne, Schie­fer, Kalk, Ei­sen, Blei und an­de­re Me­tal­le, Wol­le, Flachs, Tuch, Lein­wand, Häu­te, Le­der, Lo­he, Teer oder Pech muss­ten zu­nächst Köl­ner Bür­gern an­ge­bo­ten wer­den. Da es in Köln ein be­deu­ten­des Fass­bin­der­ge­wer­be und ei­nen aus­ge­dehn­ten Wein­bau in­ner­halb der Stadt­mau­er gab, galt dies auch für Fass­rei­fen und Wein­berg­pfäh­le. Pro­ble­me mit die­ser Re­ge­lung konn­ten dann auf­tau­chen, wenn die Wa­ren be­reits ei­nen fes­ten Käu­fer jen­seits von Köln hat­ten. Dies kam je­doch an­fäng­lich nicht all­zu oft vor, da die Wa­ren nor­ma­ler­wei­se auf gut Glück auf der Su­che nach ei­nem Käu­fer ver­sandt wur­den.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-nach-der-kontrolle-d"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/images/Iview/digicult_derivate_00015129%2FLVR_ILR_0000124792.jpg/full/1600/0/default.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/images/Iview/digicult_derivate_00015129%2FLVR_ILR_0000124792.jpg/full/600/0/default.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Nach der Kontrolle des Inhalts wurden die Fässer mit dem sog. Brand versehen, also einem Brandzeichen. Es bedeutete, dass Landung und Fass in Ordnung und für den Weitertransport geeignet waren. Hier sind verschiedene der Brandzeichen zu sehen. (KSM)

</figcaption></figure></div> </div></div>**4. Der Zwangsumschlag**

Ei­ne wich­ti­ge Er­gän­zung zum Sta­pel­recht war das Um­schlags­recht be­zie­hungs­wei­se der Zwangs­um­schlag. Er wur­de be­güns­tigt – man könn­te auch sa­gen er­zwun­gen – durch die hy­dro­gra­phi­schen Ver­hält­nis­se süd­lich von Köln. Denn das ei­gent­li­che Pro­blem der Rhein­schiff­fahrt war das Mit­tel­rhein­tal, das den Ver­kehr zwi­schen Köln und Mainz we­gen der ho­hen Flie­ß­ge­schwin­dig­keit und des fel­si­gen Fluss­bet­tes stark be­hin­der­te. Deut­lich wird dies, wenn man sich ver­ge­gen­wär­tigt, dass man um 1800 für den Land­weg von Köln nach Mainz et­wa 36 Stun­den ver­an­schlag­te, für den Was­ser­weg hin­ge­gen vier Ta­ge. Das be­deu­te­te, dass man nicht die glei­chen grö­ße­ren und mit mehr Tief­gang ver­se­he­nen Schif­fe ver­wen­den konn­te wie nörd­lich von Köln auf dem Nie­der­rhein. Al­lein auf­grund die­ser na­tur­räum­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten war es schwie­rig, den Sta­pel in Köln zu um­ge­hen, denn dort stell­te die Stadt ei­ne ent­spre­chen­de In­fra­struk­tur zum Um­la­den auf klei­ne­re „Ober­län­der“ Schif­fe zur Ver­fü­gung. Dar­an än­der­te sich bis zum Auf­kom­men der Dampf­schiff­fahrt nur we­nig, so­dass bis ins 19. Jahr­hun­dert ein Um­schlag nö­tig war. Wirk­sam­keit und Aus­deh­nung des Köl­ner Sta­pels sind dem­nach auf den durch die To­po­gra­phie er­heb­lich un­ter­stütz­ten Zwangs­um­schlag zu­rück­zu­füh­ren, der im Üb­ri­gen erst im Pri­vi­leg Kai­ser Ma­xi­mi­li­ans (Re­gie­rungs­zeit 1486-1519) von 1505 ex­pli­zit be­stä­tigt wur­de. Das wie­der­um er­klärt, war­um Köln das Um­schlags­recht bis zum Schluss zäh ver­tei­dig­te.

Denn au­ßer der Tat­sa­che, dass die Stadt auf die­se Wei­se mit Gü­tern ver­sorgt wur­de – ein As­pekt, auf den noch ein­zu­ge­hen sein wird – wur­den so auch Ein­nah­men für die Stadt­kas­se ge­ne­riert. Der Rat der Stadt Köln fühl­te sich näm­lich zu­stän­dig, die in sei­nem Ein­fluss­be­reich ge­han­del­te Wa­re zu kon­trol­lie­ren, und zwar nicht nur in Be­zug auf die Kor­rekt­heit der Men­gen­an­ga­ben, son­dern auch auf de­ren Qua­li­tät. Seit dem 14. Jahr­hun­dert wur­de ei­ne ent­spre­chen­de In­fra­struk­tur ge­schaf­fen be­zie­hungs­wei­se aus­ge­baut, die die Kon­trol­le vor al­lem der emp­find­li­chen und leicht ver­derb­li­chen „Vent­gü­ter“ er­mög­lich­te. Un­ter „Vent­gü­tern“ sind da­bei He­rin­ge, Stock­fisch, Bück­lin­ge, Schol­len, Ka­bel­jau und sons­ti­ge ge­sal­ze­ne, ge­räu­cher­te oder ge­trock­ne­te See­fi­sche, Rüb- und Lein­öl, But­ter, Talg, Schmalz, Speck, Tran, Teer, Ho­nig und Salz zu ver­ste­hen. Ver­pa­ckun­gen wur­den stich­pro­ben­ar­tig ge­öff­net, ge­prüft und der In­halt ge­ge­be­nen­falls um­sor­tiert und um­ge­packt. Das be­kann­tes­te Bei­spiel für die­se Qua­li­täts­kon­trol­len ist si­cher­lich der He­ring, der in Fäs­sern – den Con­tai­nern der Vor­mo­der­ne – ge­lie­fert wur­de. In Köln wur­den die Fäs­ser ge­öff­net, der He­ring ent­nom­men, in neue Fäs­ser ge­schich­tet, neu ein­ge­sal­zen und die wie­der ver­schlos­se­ne Ton­ne mit ei­nem Brand­zei­chen, den drei Kro­nen, ver­se­hen. Die­ser so­ge­nann­te Köl­ner Brand galt weit­ver­brei­tet als Qua­li­täts­merk­mal für He­ring. Ab­ge­se­hen da­von, dass die­se Qua­li­täts­kon­trol­le auch ein wirk­sa­mes Mit­tel zur Ver­tei­di­gung des Sta­pels war, ge­gen das nicht ein­mal die Sta­pel­geg­ner vor­zu­ge­hen wag­ten, wur­den da­für auch Ge­büh­ren an die Stadt­kas­se fäl­lig. Auch für die Be­nut­zung der zwi­schen vier und sie­ben Krä­ne wur­den Ab­ga­ben fäl­lig, da­ne­ben Ha­fen­ge­bühr, Wie­ge­geld und ei­ne Ge­bühr bei den Kauf­häu­sern, auf die noch wei­ter ein­zu­ge­hen ist. Hin­zu ka­men ver­schie­de­ne Ak­zi­sen, das hei­ßt von der Men­ge ab­hän­gi­ge ver­brauchs- und ver­kehrs­steu­er­ar­ti­ge Ab­ga­ben. Ins­ge­samt ge­wann die Ver­brauchs­be­steue­rung und das im Zu­sam­men­hang mit dem Sta­pel ste­hen­de Ab­ga­ben­sys­tem bei den reichs­städ­ti­schen Fi­nan­zen die Ober­hand über die di­rek­te Be­steue­rung. Schlie­ß­lich soll­te auch der be­schäf­ti­gungs­po­li­ti­sche As­pekt des Sta­pels nicht ver­nach­läs­sigt wer­den, denn im­mer­hin ent­stan­den durch ihn 400-500 Ar­beits­plät­ze im Ha­fen und in den Kauf­häu­sern. Dass es der Stadt mit dem Sta­pel je­doch nicht in ers­ter Li­nie dar­um ging ih­re Fi­nan­zen auf­zu­bes­sern, zeig­te sich 1475. In die­sem Jahr er­hielt man ein Pri­vi­leg für die Er­rich­tung ei­nes Rhein­zolls. Be­reits 1494 gab man ihn je­doch wie­der auf. Die um­lie­gen­den Ter­ri­to­ri­al­fürs­ten sa­bo­tier­ten den Zoll, in­dem sie den Rhein ab Ko­blenz sperr­ten und die Kauf­leu­te zwan­gen, dort zu ent­la­den und Köln auf dem Land­we­ge zu um­fah­ren. Ab Zons durf­te dann wie­der der Was­ser­weg ge­nutzt wer­den. Da­durch ge­lang­ten plötz­lich nur noch we­ni­ge Wa­ren nach Köln, was die Köl­ner Wirt­schaft selbst schä­dig­te. Ge­ne­rell hat­te Köln mit den auf­kom­men­den Ter­ri­to­ri­al­herr­schaf­ten zu kämp­fen, die sich ge­gen den sich recht­lich im­mer wei­ter ver­fes­ti­gen­den Sta­pel wehr­ten. Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen führ­ten bis zu Kla­gen vor dem Reichs­kam­mer­ge­richt.

Er­gänzt wur­de das Sta­pel­recht schlie­ß­lich durch die Ein­be­zie­hung des Stra­ßen­ver­kehrs. Auch Vieh­her­den, die in ei­nem be­stimm­ten Um­kreis an Köln vor­bei­ge­trie­ben wur­den, hat­ten di­rekt in die Stadt zu kom­men. Au­ßer­dem wur­den al­les im Um­kreis von 80 Ki­lo­me­tern ge­won­ne­ne Ei­sen so­wie al­les Le­der in die Stadt ge­zwun­gen. Son­der­lich ef­fek­tiv konn­te Köln sei­nen An­spruch auf dem Land­weg je­doch nicht durch­set­zen. Ei­gent­lich en­de­te die Macht des Köl­ner Ra­tes un­mit­tel­bar jen­seits der Stadt­mau­er. Die zur Um­ge­hung des Sta­pels ge­nutz­te Stra­ße von Bonn nach Dor­ma­gen um­ging die [Reichs­stadt](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/R#term-474) auf der lin­ken Rhein­sei­te im Ab­stand von nur we­ni­gen Ki­lo­me­tern. Nicht bes­ser war es auf dem an­de­ren Rhein­ufer um die Stra­ße zwi­schen Zün­dorf und Mül­heim be­stellt. Sta­pel­bre­cher lu­den dort ih­re Wa­ren vom [Schiff](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/S#term-740) auf den Wa­gen, um sie am Ziel­ort wie­der ein­zu­schif­fen. Die bei­den Or­te, die heu­te zum Köl­ner Stadt­ge­biet ge­hö­ren, er­lang­ten als Um­schlagsor­te für den Sta­pel um­ge­hen­de Wa­ren so­gar ei­nen ge­wis­sen Wohl­stand. Die­se Rou­te war je­den­falls so be­liebt, dass es be­reits 1612 Plä­ne gab, Mül­heim und Zün­dorf mit ei­nem Ka­nal zu ver­bin­den, die je­doch aus fi­nan­zi­el­len Grün­den nicht rea­li­siert wur­den.

Hier zeigt sich das ei­gent­li­che Pro­blem der Stadt Köln: das feh­len­de Ter­ri­to­ri­um. Mit dem Sieg der Bür­ger­schaft über den Erz­bi­schof war der ef­fek­ti­ve Wir­kungs­be­reich der Stadt auf das ei­gent­li­che Stadt­ge­biet, al­so die von der Mau­er klar be­grenz­te Flä­che von et­wa 400 Hekt­ar be­schränkt. Das [Erz­stift](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/E#term-137)stand der Stadt nicht mehr zur Ver­fü­gung und war gleich­sam geg­ne­ri­sches Ter­ri­to­ri­um ge­wor­den. Zwar war Land­wirt­schaft in­ner­halb des Mau­er­rings von 1180 grund­sätz­lich mög­lich und wur­de auch prak­ti­ziert, reich­te aber zur Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung bei wei­tem nicht aus, Roh­stof­fe gab es gar nicht. Die­sem Pro­blem konn­te man durch Ein­füh­rung des Sta­pels be­geg­nen, denn fast al­le Wa­ren des täg­li­chen und ge­ho­be­nen Be­darfs pas­sier­ten Köln auf dem Rhein und na­tür­lich auch den Stra­ßen. Dien­te der Sta­pel noch un­ter den Erz­bi­schö­fen den Zwe­cken der Ver­sor­gung des erz­bi­schöf­li­chen Ho­fes, so muss man ihm erst recht nach­dem er in das städ­ti­sche Re­gi­ment über­ge­gan­gen war, ei­ne ver­sor­gungs­po­li­ti­sche Di­men­si­on zu­er­ken­nen. Denn das Vor­kaufs­recht er­mög­lich­te es Bür­gern und Hand­wer­kern, sich be­vor­rech­tigt mit Roh­stof­fen und Gü­tern des täg­li­chen Be­darfs zu ver­sor­gen. Aus die­sem Grund hat man das Sta­pel­recht auch die „öko­no­mi­sche Bann­mei­le“ Kölns ge­nannt, die das feh­len­de Ter­ri­to­ri­um er­setz­te. Die Stadt griff aber auch selbst in den Han­del ein und kauf­te ge­sta­pel­tes Salz und Ge­trei­de, um es in Not­zei­ten zu ver­träg­li­chen Prei­sen an die Be­völ­ke­rung ab­ge­ben zu kön­nen. Zu­sam­men mit dem Recht des Ra­tes, Prei­se fest­set­zen zu kön­nen, er­gibt sich dar­aus auch ei­ne so­zi­al­po­li­ti­sche Kom­po­nen­te des Sta­pels.

Ins­ge­samt er­reicht der Sta­pel im 18. Jahr­hun­dert ei­ne Aus­deh­nung von et­wa 70-80 Ki­lo­me­tern rhein­ab­wärts und 30 Ki­lo­me­ter rhein­auf­wärts. Die Ein­schrän­kun­gen des Han­dels­ver­kehrs in ei­nem sol­chen Um­kreis hat­ten auch Ein­fluss auf die Ent­wick­lung der um­lie­gen­den Städ­te. So konn­te sich in [Bonn](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57d11f467f2030.53547864 "Bonn") bei­spiels­wei­se kein nen­nens­wer­ter Rhein­han­del ent­wi­ckeln. Ähn­li­ches gilt für [Düs­sel­dorf](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57cd5d070b7153.05336683 "Düsseldorf"). [Duis­burg](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57a1bb8b86e3d8.75533467 "Duisburg") hin­ge­gen, das au­ßer­halb der Köl­ner Ein­fluss­zo­ne lag, pro­fi­tier­te vom Köl­ner Sta­pel, weil die­ser da­für sorg­te, dass kei­ne an­de­ren Hä­fen in Duis­burgs Nä­he auf­kom­men konn­ten. So­mit kann man ihm ei­nen deut­li­chen An­teil am Auf­stieg Duis­burgs zum wich­tigs­ten Ex­port­ha­fen für die ber­gisch-mär­ki­sche In­dus­trie und die links­rhei­ni­schen Ge­wer­be­zen­tren zu­schrei­ben.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-auf-diesem-kupfersti"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/images/Iview/digicult_derivate_00015131%2FLVR_ILR_0000124794.jpg/full/1600/0/default.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/images/Iview/digicult_derivate_00015131%2FLVR_ILR_0000124794.jpg/full/600/0/default.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Auf diesem Kupferstich von Abraham Hogenberg aus der ersten Hälfte des 17. Jh. sind die Endpunkte einer Route markiert, die die Stapelbrecher gerne nutzten, um den Kölner Stapel zu umgehen. Zündorf und Mülheim profitierten wirtschaftlich nicht wenig von diesem Schmuggel.

</figcaption></figure></div> </div></div>**5. Die Kölner Kaufhäuser**

Aber nicht nur auf die Wirt­schaft­s­to­po­gra­phie und -geo­gra­phie des Um­lan­des wirk­te sich der Köl­ner Sta­pel aus. Auch die stadt­köl­ni­sche To­po­gra­phie wur­de we­sent­lich durch ihn be­ein­flusst. Wäh­rend es Ha­fen und Krä­ne auch schon vor Im­ple­men­tie­rung des Sta­pels ge­ge­ben hat­te, sind Bau und Ent­wick­lung der Kauf­häu­ser im Köl­ner Markt­vier­tel eng mit dem Sta­pel ver­bun­den. Zwar geht die Idee, Kauf­häu­ser ein­zu­rich­ten, nicht auf die Stadt Köln zu­rück, son­dern ist Hand­wer­kern zu ver­dan­ken, die den Ab­satz ih­rer Pro­duk­te be­för­dern und be­auf­sich­ti­gen woll­ten. Aber be­reits im 14. Jahr­hun­dert be­gann die Stadt die bis­her ein­ge­rich­te­ten Kauf­häu­ser wohl aus fi­nanz- und so­zi­al­po­li­ti­schen Grün­den zu über­neh­men. Die Kon­zen­tra­ti­on des Han­dels in die­sen Kauf­häu­sern er­laub­te es ihr, den Wa­ren­ver­kehr bes­ser zu über­wa­chen und da­mit auch die fäl­li­gen Ab­ga­ben ef­fek­ti­ver zu er­he­ben. Das wohl be­kann­tes­te Köl­ner Kauf­haus ist der Gür­ze­nich, der 1447 als städ­ti­sches Fest­haus er­rich­tet wor­den war. Er stand je­doch zu­nächst leer und wur­de be­reits En­de des 15. Jahr­hun­derts als Kauf­haus ge­nutzt. Dort wur­den un­ter an­de­rem Me­tall­tei­le, Ei­sen­wa­ren und Ge­wür­ze ge­han­delt. An wei­te­ren Kauf­häu­sern sind zu nen­nen: Das Lein­wand­haus (1247), das Haus Aa­chen (1278) und sein Nach­bar­haus (1322), das zu­nächst den Woll­we­bern ge­hör­te, an des­sen Stel­le die Stadt aber 1373 die gro­ße Fleisch­hal­le er­rich­te­te, das Haus zum Hirz (1355), das Kauf­haus auf dem Malz­bü­chel (1388), das Kauf­haus für die Seid­ma­cher (1395), dem sich im 15. Jahr­hun­dert ein Haus für Bar­chent, auch Sar­tuch ge­nannt (ein Baum­woll-Lei­nen-Misch­ge­we­be), hin­zu­ge­sell­te und das Fisch­kauf­haus oder Sta­pel­haus (1426). Als das kleins­te Köl­ner Kauf­haus muss wohl die städ­ti­sche Woll­kü­che an St. Cä­ci­li­en gel­ten. Trotz ih­res Na­mens wur­de dort kei­ne Wol­le ge­wa­schen.

Die Ein­rich­tung der Kauf­häu­ser muss als die grö­ß­te to­po­gra­phi­sche Ver­än­de­rung des spät­mit­tel­al­ter­li­chen Kölns an­ge­se­hen wer­den. Nicht nur wur­den die Sta­pel- und Ver­kaufs­flä­chen für die zu sta­peln­den Wa­ren vom Rhein­ufer weg in die Stadt ver­legt. Die Kon­zen­tra­ti­on der Märk­te und Kauf­häu­ser in der Rhein­vor­stadt, in der sich dann auch zahl­rei­che Kauf­leu­te und Ge­wer­be­trei­ben­de an­sie­del­ten, gab die­sem Stadt­vier­tel ihr cha­rak­te­ris­ti­sches Ge­prä­ge.

Seit Mit­te des 16. Jahr­hun­derts gab es be­reits Ver­falls­er­schei­nun­gen beim Sta­pel­recht, das hei­ßt im­mer öf­ter muss­te die freie Vor­bei­fahrt ge­stat­tet wer­den. En­de des 18. Jahr­hun­derts kas­sier­te die Stadt le­dig­lich noch fäl­li­ge Ab­ga­ben, und frem­de Kauf­leu­te durf­ten bei Ein­schal­tung ei­nes Köl­ner Spe­di­teurs mit­ein­an­der Ge­schäf­te ma­chen. Über­haupt schwand der Ei­gen­han­del zu­guns­ten des Kom­mis­si­ons- und Spe­di­ti­ons­han­dels, so­dass Köl­ner Kauf­leu­te ei­gent­lich nur noch als Ver­mitt­ler der Wa­ren fun­gier­ten, die auf dem Rhein an der Stadt vor­bei­zo­gen.

Am 16.11.1792 ver­kün­de­te die fran­zö­si­sche Na­tio­nal­ver­samm­lung die freie Rhein­schiff­fahrt und läu­te­te da­mit die Epo­che der in­ten­si­ven Be­mü­hun­gen um die [Frei­heit](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/F#term-166) des Schiffs­ver­kehrs auf dem Rhein ein. Der Be­schluss der Na­tio­nal­ver­samm­lung war je­doch nicht gleich­be­deu­tend mit ei­ner Auf­he­bung des Sta­pelzwangs. Die Städ­te ent­lang des Rheins – al­len vor­an Köln – ver­tei­dig­ten die­ses Pri­vi­leg zäh, da es die Ba­sis des be­son­ders in Köln prak­ti­zier­ten Spe­di­ti­ons- und Kom­mis­si­ons­han­dels war. So be­haup­te­te zum Bei­spiel Dor­drecht sein Sta­pel­recht bis 1795. Köln hielt so­gar noch län­ger am Sta­pel­recht, das sich zu ei­nem rei­nen Um­schlags­recht ent­wi­ckelt hat­te, fest. Es wur­de je­doch seit 1796 fak­tisch nicht mehr aus­ge­übt. Trotz­dem wa­ren die Köl­ner nach wie vor nicht be­reit, es gänz­lich auf­zu­ge­ben.

Mit dem „Rhein­schiff­fahrts-Ok­troi“ vom 15.8.1804, der den un­ter fran­zö­si­scher Herr­schaft ste­hen­den Staa­ten die Re­ge­lung der Ab­ga­ben für die Rhein­schiff­fahrt auf­zwang, wur­de die Grund­la­ge für ei­ne ein­heit­li­che Ge­setz­ge­bung der­sel­ben ge­schaf­fen. Doch auch da­mit wur­de der Köl­ner Sta­pel nicht ab­ge­schafft. Köln und Mainz wur­de auch wei­ter­hin das Um­schlags­recht ga­ran­tiert. Den Köl­nern ge­lang es so­gar ihr Um­schlags­recht ent­ge­gen der Re­ge­lun­gen des Pa­ri­ser Frie­dens­ver­tra­ges vom 30.5.1814 und des Wie­ner Kon­gres­ses zu be­haup­ten.

Der Pa­ri­ser Ver­trag leg­te grund­sätz­lich die freie Rhein­schiff­fahrt fest, es gab in sei­ner Fol­ge je­doch Aus­ein­an­der­set­zun­gen über die Aus­le­gung der For­mu­lie­rung, sie sei frei „jus­qu' à la mer“. Die Nie­der­län­der zo­gen dar­aus den Schluss, dass sie zwar auf dem Rhein kei­ne Ab­ga­ben mehr er­he­ben durf­ten, da­für aber bei der Ein­fahrt ei­nes Schif­fes in die Nord­see und um­ge­kehrt. Köln woll­te da­her sein Um­schlags­recht erst auf­ge­ben, wenn die Nie­der­län­der die­sen Zoll be­sei­tig­ten.

Die vor nicht all­zu lan­ger Zeit ge­grün­de­te Köl­ner Han­dels­kam­mer be­zie­hungs­wei­se de­ren Vor­läu­fer spiel­te ei­ne nicht un­we­sent­li­che Rol­le bei der Ver­tei­di­gung die­ses wirt­schaft­li­chen Pri­vi­legs. Zu ih­ren vor­dring­li­chen han­dels­po­li­ti­schen Zie­len ge­hör­te es, auf der ei­nen Sei­te den Tran­sit­ver­kehr auf dem Rhein zu för­dern, die­sen auf der an­de­ren Sei­te aber dem Um­schlag in Köln zu un­ter­wer­fen. Zu die­sem Zweck nahm die Han­dels­kam­mer noch vor Ab­schluss des Wie­ner Kon­gres­ses Kon­takt mit der preu­ßi­schen Re­gie­rung auf und be­teu­er­te im­mer wie­der die Wich­tig­keit des Wa­ren­um­schlags für die Köl­ner Wirt­schaft. Als im­mer kla­rer wur­de, dass die­se Po­li­tik nicht er­folg­reich sein wür­de, spiel­ten die Köl­ner auf Zeit: Sie ver­such­te die voll­stän­di­ge Auf­he­bung des Sta­pels so lan­ge wie mög­lich zu ver­hin­dern. Soll­te sie aber nicht mehr auf­zu­hal­ten sein, ver­lang­te man vom mitt­ler­wei­le preu­ßi­schen Staat ei­ne an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung. Ein sol­che sag­te der Kö­nig 1829 zu. Erst mit der so­ge­nann­ten Main­zer Rhein­schiff­fahrts­ak­te vom 31.3.1831 und ih­rem In­kraft­tre­ten am 17.7.1831 wur­de das Sta­pel­recht bis auf ei­ni­ge Über­res­te end­gül­tig ab­ge­schafft. Preu­ßen sag­te Köln dar­auf­hin ei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­gleich in Hö­he von 50.000 Ta­lern jähr­lich bis zu ei­ner Ge­samt­hö­he von ei­ner hal­ben Mil­li­on zu. Im­mer­hin er­hielt die Stadt da­von ins­ge­samt 232.000 Ta­ler in bar. Die letz­ten Res­te des Sta­pel- be­zie­hungs­wei­se Um­schlags­rechts ver­schwan­den erst mit der zwei­ten Rhein­schiff­fahrts­ak­te von 1868.

**6. Fazit**

Die Be­deu­tung des Sta­pel­rechts für die Köl­ner Wirt­schafts­ge­schich­te kann kaum über­schätzt wer­den. Er si­cher­te nicht nur die Ver­sor­gung mit güns­ti­gen Wa­ren und vor al­lem Roh­stof­fen, die die Reichs­stadt Köln auf­grund des feh­len­den Ter­ri­to­ri­ums selbst nicht hat­te. Er ver­half dem Hand­werk und der Wirt­schaft all­ge­mein zu ei­nem Auf­schwung und hat­te we­sent­li­chen Ein­fluss auf die städ­ti­schen Fi­nan­zen. Sei­ne Aus­wir­kun­gen reich­ten nicht nur bis weit ins 19. Jahr­hun­dert, son­dern sind auch ein Grund, war­um sich seit dem 13. und bis hin­ein ins 20. Jahr­hun­dert kei­ne über­re­gio­na­len Mes­sen in Köln eta­blier­ten: Man be­nö­tig­te kei­ne, denn die Wa­ren fuh­ren mit dem Schiff an Köln vor­bei.

##### 2. Rheinzölle im Mittelalter

[![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-09/scaled-1680-/FWlimage.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-09/FWlimage.jpeg)

**1. Einleitung**

*Hätt‘ ich den Zoll am Rhein, wer möcht‘ mir gleich sein*[<sup>\[1\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/rheinzoelle-im-mittelalter/DE-2086/lido/62a6fc799b0124.18115382#footnote-24593)

Der Strom, der den Rhein­lan­den den Na­men gibt, war ei­ner der be­deu­tends­ten Ver­kehrs- und Han­dels­we­ge des Mit­tel­al­ters in Eu­ro­pa – und ist es, trotz vie­ler Wand­lun­gen, noch heu­te. Bis zum En­de des Al­ten Reichs und dar­über hin­aus war der Schiffs­ver­kehr auf dem Rhein ho­hen Ab­ga­ben un­ter­wor­fen, die als „Rhein­zöl­le“ sprich­wört­li­che Be­kannt­heit er­lang­ten. Noch heu­te zeu­gen da­von Bur­gen, die man zur Durch­set­zung der Zol­ler­he­bung er­bau­te, wie et­wa die „Pfal­z“ bei Kaub im Mit­tel­rhein.

Für den Han­del stell­ten die Rhein­zöl­le ei­nen be­deu­ten­den, al­ler­dings oft auch über­schätz­ten Kos­ten­fak­tor dar. Für ih­re In­ha­ber, Kö­ni­ge, Fürs­ten, Her­ren, sel­ten auch Städ­te, wa­ren sie von über­ra­gen­der fi­nan­zi­el­ler, mit­un­ter so­gar schick­sal­haf­ter Be­deu­tung, ei­ne Gold­gru­be im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-%C2%A0-4" style="text-align: justify;"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"> </div></div>Die­ser Bei­trag zeigt ei­ni­ge we­sent­li­che Ent­wick­lungs­li­ni­en und Haupt­merk­ma­le des mit­tel­al­ter­li­chen Rhein­zoll­sys­tems auf:  
   
Wer hat seit wann vom Rhein­han­del durch Zol­ler­he­bung pro­fi­tiert?   
Wel­che Be­sitz­struk­tu­ren bil­de­ten sich aus?   
Wer be­stimm­te die Re­geln?   
Wie hat man sich die Zol­ler­he­bung prak­tisch vor­zu­stel­len?

**2. Die Anfänge: 10.−12. Jahrhundert**

Be­reits in frän­ki­scher Zeit, viel­leicht schon seit dem 6. Jahr­hun­dert, wur­den in den Rhein­lan­den Tran­sit­zöl­le er­ho­ben, al­so Ab­ga­ben auf den Trans­port von Han­dels­wa­ren zu Was­ser und zu Land. Die frän­ki­schen Zöl­le hat­ten als In­sti­tu­ti­on ein rö­mi­sches Vor­bild. Es gab aber in den Rhein­lan­den wohl kei­ne di­rek­te Kon­ti­nui­tät, auch ist bis­lang kei­ne rhei­ni­sche Tran­sit­zoll­stät­te aus die­ser Zeit be­kannt. Wo von Zol­ler­he­bung die Re­de ist, wur­de wohl der Markt­han­del be­steu­ert. Erst mit der ers­ten Jahr­tau­send­wen­de ge­langt man auf si­che­ren Bo­den. Die frü­hes­te be­kann­te Tran­sit­zoll-He­be­stel­le der Rhein­lan­de lag in [Ko­blenz](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57d11fd00472a0.61506310 "Stadt Koblenz"), an der Mün­dung der Mo­sel in den Rhein. Aus dem äl­tes­ten, wohl vor 1000 ent­stan­de­nen Ko­blen­zer [Zoll­ta­rif](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/Z#term-567) geht her­vor, dass dort Tran­sit­ab­ga­ben auf den Rhein-, den Mo­sel- und den Land­ver­kehr er­ho­ben wur­den. Auch der Markt­han­del wur­de be­steu­ert, in die­ser Zeit der meist noch vor­herr­schen­de An­satz­punkt der Zol­ler­he­bung. Al­le die­se Ab­ga­ben wa­ren un­ter dem Rechts­ti­tel *t(h)elo­ne­um* zu­sam­men­ge­fasst und ka­men als Zu­be­hör des Kö­nigs­ho­fes Ko­blenz 1018 durch kö­nig­li­che Schen­kung an das [Erz­stift](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/E#term-137) Trier und wei­ter an das bi­schöf­li­che Stift St. Si­me­on in Trier.

Es ist be­zeich­nend, dass die­ser ers­te be­kann­te rhei­ni­sche Zoll im Be­sitz des Kö­nigs war. Zol­ler­he­bung zähl­te zu den Re­ga­li­en, das hei­ßt zu den Rech­ten, die nur mit kö­nig­li­cher Ge­neh­mi­gung aus­ge­übt wer­den durf­ten. An die­sem Prin­zip der kö­nig­li­chen Le­gi­ti­mie­rung, die zum Bei­spiel auch für das Ab­hal­ten von Märk­ten, für Münz­prä­gung und Stadt­grün­dun­gen er­for­der­lich war, hat sich bis zum En­de des An­ci­en Ré­gime nichts ge­än­dert. Auch wenn für vie­le Zöl­le kei­ne ex­pli­zi­te kö­nig­li­che Ver­lei­hung be­kannt ist – und wohl auch nie exis­tiert hat –, und auch wenn im Spät­mit­tel­al­ter ei­ne kö­nig­li­che Zoll­ver­lei­hung nicht au­to­ma­tisch ga­ran­tier­te, dass man den neu­en Zoll tat­säch­lich auch er­he­ben konn­te, so wur­de das Prin­zip an sich nie in Fra­ge ge­stellt. In der zwei­ten Hälf­te des 11. Jahr­hun­derts ka­men wei­te­re Zoll­stät­ten hin­zu: Frank­furt, Bop­pard, Ham­mer­stein, Dort­mund, Gos­lar und An­ge­ren wur­den 1074 als Reich­sor­te be­nannt, an de­nen man von Durch­rei­sen­den ei­ne Ab­ga­be er­hob, die in der *teu­to­ni­ca lin­gua „zol“* hei­ßen. Der deut­sche Be­griff be­zeich­ne­te mit­hin spe­zi­fi­scher als das la­tei­ni­sche Wort *te­lo­ne­um* die Be­steue­rung des Durch­gangs­ver­kehrs.

Seit 1062 ist wei­ter­hin ein Zoll im nie­der­rhei­ni­schen Es­ser­den be­zeugt, der spä­ter im na­he­ge­le­ge­nen Schmit­hau­sen durch das Ut­rech­ter Ma­ri­en­stift er­ho­ben wur­de. Die neu­en Ab­ga­ben wur­den dem­nach vor al­lem am Rhein er­ho­ben: Zwei der neu­en Zöl­le la­gen am Mit­tel­rhein (Bop­pard, Ham­mer­stein), zwei wei­te­re am un­te­ren Nie­der­rhein (Es­ser­den, An­ge­ren). Zu­sam­men mit dem wei­ter be­ste­hen­den Zoll Ko­blenz war da­mit am En­de des 11. Jahr­hun­derts ei­ne durch­aus be­acht­li­che Ket­te von fünf Rhein­zöl­len ent­stan­den.

Auch der Land­ver­kehr be­saß, wie das Dort­mun­der und Gos­la­rer Bei­spiel zei­gen, an man­chen Or­ten be­reits so viel „kri­ti­sche Mas­se“, dass ei­ne Zol­ler­he­bung sich lohn­te. An je­der die­ser Zoll­stät­ten muss­te grund­sätz­lich voll ge­zahlt wer­den. Bis zum En­de des Al­ten Rei­ches be­frei­te die Zah­lung an ei­nem Zoll nicht von der Zah­lung am nächs­ten Zoll, selbst wenn der In­ha­ber der glei­che war. Man hat die­ses Prin­zip als über­mä­ßi­ge Be­las­tung des Han­dels sehr kri­tisch ge­wer­tet; die Fra­ge, wie stark die Ab­ga­ben­last tat­säch­lich war, soll für das Spät­mit­tel­al­ter noch ge­nau­er be­trach­ten wer­den.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-karte-der-transitz%C3%B6l"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image" style="text-align: justify;"><div class="content-images"><figure class="content-images__image" style="text-align: justify;"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/100744.png">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_100744.png)<div class="content-images__image-overlay" style="text-align: justify;">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Karte der Transitzölle an Rhein, Mosel und Saar um 1490. (Entwurf: Friedrich Pfeiffer/Kartographie: Martin Lutz)

</figcaption></figure></div> </div></div>Nach län­ge­rer Pau­se hat erst Kon­rad III. (1093/1094-1152, 1127-1135 [Ge­gen­kö­nig](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/G#term-179), 1138-1152 rö­misch-deut­scher Kö­nig) wie­der neue Zöl­le er­rich­tet und da­mit den rhei­ni­schen Han­dels­ver­kehr für das Kö­nig­tum stär­ker fis­ka­lisch ge­nutzt. Spä­tes­tens seit 1145 wur­de in Nim­we­gen ein Fluss­zoll an der Waal er­ho­ben, der als Pen­dant zu An­ge­ren am Neder-Ri­jn nun auch den Tran­sit­ver­kehr auf dem süd­li­chen Rhein­arm er­fass­te. Et­wa gleich­zei­tig und im glei­chen Raum lie­gen die An­fän­ge der Rhein­zöl­le im [Erz­stift Köln](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57d11a6076c626.53176868 "Erzbistum Köln"), das im Spät­mit­tel­al­ter zum be­deu­tends­ten Zoll­herrn der Rhein­lan­de auf­stieg. Die Bi­schofs­stadt Köln spiel­te in die­sem Zu­sam­men­hang kei­ne er­kenn­ba­re Rol­le. Dort ver­füg­ten die Erz­bi­schö­fe zwar schon seit En­de des 10. Jahr­hun­derts über ei­nen vor­nehm­lich markt­be­zo­ge­nen Zoll, ver­zich­te­ten je­doch dar­auf, den Köl­ner Zoll aus­zu­bau­en, viel­leicht auch we­gen der Kon­flik­te, die sie schon früh, in der Zeit Erz­bi­schof [An­nos II](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57adb0c19ebe38.75500234 "Anno II. von Köln")., mit der ent­ste­hen­den Stadt­ge­mein­de hat­ten.

Fes­ter Kern der köl­ni­schen Rhein­zöl­le wur­de viel­mehr der Zoll Neuss, 1138 erst­mals be­zeugt, 1372 nach Kon­flik­ten mit der Stadt nach Zons ver­legt und dort mit Burg Frie­de­strom ge­si­chert. Spä­tes­tens 1147 trat ein zwei­ter köl­ni­scher Rhein­zoll im [Reich­sort](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/R#term-472) An­der­nach hin­zu, der dort mit kö­nig­li­cher Er­laub­nis er­ho­ben wur­de, aber erst 1167 for­mell in Köl­ner Be­sitz kam. Nach dem Kö­nig und durch den Kö­nig war der Köl­ner Erz­bi­schof da­mit in kur­zer Zeit zum zweit­grö­ß­ten Zoll­in­ha­ber am Rhein auf­ge­stie­gen. Sein Trie­rer Amts­kol­le­ge ver­füg­te (in­di­rekt) über den Ko­blen­zer Zoll, mit dem er 1042 das bi­schöf­li­che Trie­rer Si­me­on­stift aus­ge­stat­tet hat­te, der Main­zer Me­tro­po­lit zähl­te hin­ge­gen vor­erst noch nicht zum ex­klu­si­ven Kreis der Rhein­zoll­in­ha­ber.

In der zwei­ten Hälf­te des 12. Jahr­hun­derts bil­de­ten die Reich­sor­te im nie­der­rhei­ni­schen Raum den Schwer­punkt ei­ner kö­nig­li­chen Po­li­tik in den Rhein­lan­den, die kla­re wirt­schaft­li­che und fis­ka­li­sche Ele­men­te auf­weist. In Fort­füh­rung und In­ten­si­vie­rung von För­de­rungs­maß­nah­men aus spät­sa­li­scher Zeit be­trieb vor al­lem Kai­ser Fried­rich Bar­ba­ros­sa (um 1122-1190, ab 1152 rö­misch-deut­scher Kö­nig, ab 1155 Kai­ser) die ge­ziel­te Stär­kung des Reichs­be­sit­zes am Nie­der­rhein. Da­zu zählt die Er­rich­tung von Märk­ten in [Aa­chen](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57d11ee6c78f89.85456777 "Stadt Aachen") und [Duis­burg](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57a1bb8b86e3d8.75533467 "Stadt Duisburg") in ge­ziel­ter Kon­kur­renz zu den Köl­ner Märk­ten. Hin­zu ka­men zwei neue Zoll­stät­ten am Rhein in Kai­sers­werth (1174) und Duis­burg (1184). Die Zol­ler­he­bung in Kai­sers­werth wur­de als Ver­le­gung des Ti­e­ler Zolls de­kla­riert, doch wur­de dort, wohl un­ter an­de­rem Rechts­ti­tel, wei­ter­hin Zoll er­ho­ben. Bei­de kö­nig­li­chen He­be­stel­len wa­ren er­kenn­bar so plat­ziert, dass der Rhein­han­del zwi­schen Köln und den Nie­der­lan­den be­zie­hungs­wei­se Eng­land zu­sätz­lich ab­ge­schöpft wur­de.

Die als an­tik­öl­nisch ge­wer­te­te (Wirt­schafts-) Po­li­tik der Stauf­er­kö­ni­ge stieß auf er­kenn­ba­ren Wi­der­stand von Stadt und Erz­bi­schof. Sie war mit da­für ver­ant­wort­lich, dass bei­de Ak­teu­re im Thron­streit von 1198 den Wel­fen Ot­to IV. (1175/1176-1218, ab 1198 rö­misch-deut­scher Kö­nig, ab 1209 Kai­ser) ge­gen den Stau­fer Phil­ipp (1177-1208, ab 1198 rö­misch-deut­scher Kö­nig) durch­zu­set­zen ver­such­ten. Als ers­ter Herr­scher über­haupt muss­te Ot­to ei­nem sei­ner Wäh­ler, dem Köl­ner Erz­bi­schof Adolf, als Preis für des­sen Wahl­stim­me be­deu­ten­de zoll­po­li­ti­sche Zu­ge­ständ­nis­se ver­brie­fen: die Auf­he­bung des Kai­sers­wer­t­her Rhein­zolls. Ein­ge­hal­ten hat Ot­to die­se Zu­sa­ge nicht, wich­ti­ger wa­ren dem Kö­nig of­fen­bar die Zoll­ein­nah­men. Eben­so we­nig konn­te der Me­tro­po­lit die Wie­der­er­rich­tung des An­der­nach­er Rhein­zolls er­rei­chen, der ver­mut­lich um 1190 beim vor­über­ge­hen­den Ein­zug An­der­nachs durch das Kö­nig­tum nie­der­ge­legt wor­den war; erst 1234/1235 ist dort der Zoll­be­trieb kurz­zei­tig wie­der be­zeugt. Rhein­zöl­le wa­ren da­mit zu ei­nem kon­tro­ver­sen The­ma der ho­hen Po­li­tik ge­wor­den und er­hiel­ten durch die Ver­knüp­fung von Zoll­fra­gen mit der Kur­stim­me ei­ne grund­le­gen­de ver­fas­sungs­ge­schicht­li­che Be­deu­tung für das spä­te­re Mit­tel­al­ter.

**3. Rheinzölle im 13. und frühen 14. Jahrhundert**

Die Ent­wick­lung des rhei­ni­schen Fluss­zoll­we­sens in der ers­ten Hälf­te des 13. Jahr­hun­derts ist durch ein ein­schnei­den­des, in sei­nen Kon­se­quen­zen noch lan­ge spür­ba­res Er­eig­nis ge­kenn­zeich­net, den 1235 durch Kai­ser Fried­rich II. (1194-1250, ab 1212 rö­misch-deut­scher Kö­nig, ab 1220 Kai­ser) ver­kün­de­ten Main­zer Reichs­land­frie­den. Die­ses Re­gel­werk war die ers­te um­fas­sen­de Nor­mie­rung des Tran­sit­zoll­we­sens im Reich seit ka­ro­lin­gi­scher Zeit. Un­ter an­de­rem wur­den al­le seit dem Tod Hein­richs VI. (1165-1197, ab 1169 rö­misch-deut­scher Kö­nig, ab 1191 Kai­ser) er­rich­te­ten Fluss- und Land­z­öl­le ver­bo­ten, au­ßer man konn­te kon­kret ih­re Recht­mä­ßig­keit vor dem Kai­ser nach­wei­sen. Für drei Rhein­zöl­le ge­lang ein sol­cher Nach­weis nicht, ihr Be­trieb muss­te in­fol­ge des Land­frie­dens ein­ge­stellt wer­den: Zum ei­nen wa­ren dies die kurz zu­vor (wie­der) er­rich­te­ten Köl­ner Zöl­le Rhein­berg und An­der­nach, zum an­de­ren der kat­zeneln­bo­gi­sche Zoll St. Goar, der ver­mut­lich aus der Zeit des Thron­streits (1198–1218) stamm­te. An­de­rer­seits er­hielt der rhei­ni­sche Pfalz­graf für den Zoll Ba­cha­rach, seit 1226 be­zeugt, die er­for­der­li­che kai­ser­li­che Er­laub­nis. Auch die Gra­fen von Gel­dern, seit der Ver­le­gung des Arn­hei­mer Fluss­zolls nach Lo­bith, (vor) 1220 Rhein­zoll­in­ha­ber, be­hiel­ten die­sen Zoll. Glei­ches gilt für den Gra­fen von Kle­ve, der ab 1229 in den Be­sitz des Reichs­zolls Nim­we­gen ge­langt war. Es hing al­so vor al­lem vom po­li­ti­schen Kal­kül des Herr­schers ab, wer sei­nen Zoll be­hal­ten konn­te und wer nicht. In der For­schung hat man, man­gels De­tail­un­ter­su­chun­gen zur Ge­schich­te der ein­zel­nen Zöl­le, die tat­säch­li­che Wirk­sam­keit des Main­zer Reichs­land­frie­dens in die­sem Be­reich lan­ge stark un­ter­schätzt.

Die bür­ger­kriegs­ähn­li­che End­pha­se der stau­fi­schen Herr­schaft in Deutsch­land um die Mit­te des 13. Jahr­hun­derts hat­te auf die Rhein­zöl­le so gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen wie kaum ein an­de­res reichs­po­li­ti­sches Er­eig­nis des Mit­tel­al­ters. Drei Fak­to­ren wirk­ten zu­sam­men, um die Ab­ga­ben­be­las­tung des Rhein­han­dels in­ner­halb kur­zer Zeit auf vor­her nie ge­kann­te Hö­hen zu brin­gen: Kai­ser Fried­rich II. und sein Sohn Kon­rad IV. (1228-1254, ab 1237 rö­misch-deut­scher Kö­nig) stat­te­ten ih­re Par­tei­gän­ger in den Rhein­lan­den mit neu­en Zoll­rech­ten aus. Die Stau­f­er­geg­ner un­ter den Fürs­ten und Her­ren am Rhein leg­ten zur Fi­nan­zie­rung ih­rer Kriegs­an­stren­gun­gen ei­gen­mäch­tig neue Zöl­le auf. Und schlie­ß­lich nutz­ten die füh­ren­den mit­tel­rhei­ni­schen Reichs­mi­nis­te­ria­len aus der Fa­mi­lie Bo­lan­den-Ho­hen­fels-Fal­ken­stein die La­ge, um un­ter dem Schutz der von ih­nen kon­trol­lier­ten Bur­gen am Rhein mehr oder min­der ei­gen­mäch­tig die Er­he­bung von Zöl­len durch­zu­set­zen, sei es zur Fi­nan­zie­rung ei­ner der bei­den Sei­ten, sei es zum Auf­bau ei­ner ei­ge­nen ter­ri­to­ria­len Macht­po­si­ti­on. Die­ser As­pekt dürf­te im Üb­ri­gen auch bei den an­de­ren bei­den Grup­pen ei­ne er­heb­li­che Rol­le ge­spielt ha­ben.

Zur Grup­pe der stau­fi­schen Par­tei­gän­ger ge­hör­ten der Graf von Kle­ve, der 1242 im Nie­der­rhein­ge­biet über Fluss­z­öl­le in Nim­we­gen, Huis­sen (wohl Nach­fol­ger des Reichs­zolls An­ge­ren), Schmit­hau­sen und Or­soy ver­füg­te, so­wie der rhei­ni­sche Pfalz­graf, der seit 1243 am Mit­tel­rhein zu­sätz­lich zu Ba­cha­rach auch in Fürs­ten­berg ei­ne Zoll­stät­te be­trieb. Die zwei­te Grup­pe der Stau­f­er­geg­ner bil­de­ten zu­nächst die drei rhei­ni­schen Erz­bi­schö­fe: Der Köl­ner Me­tro­po­lit er­rich­te­te (vor) 1244/1246 ei­nen neu­en Rhein­zoll in [Bonn](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57d11f467f2030.53547864 "Stadt Bonn"), der Main­zer Erz­bi­schof leg­te ge­gen 1244 neue Zoll­stät­ten am Mit­tel­rhein auf, viel­leicht in Bin­gen und/oder in Ober­lahn­stein, und der Erz­bi­schof von Trier ent­zog dem Trie­rer Si­me­on­stift den Ko­blen­zer Zoll und er­hob dort selbst er­höh­te Ab­ga­ben. Die Wie­der­er­rich­tung des Zolls St. Goar durch den Gra­fen von Kat­zeneln­bo­gen 1245/1252 ge­hört ver­mut­lich eben­so in die­sen Kon­text wie die Ein­rich­tung des Rhein­zolls Brau­bach, den Ge­gen­kö­nig Wil­helm von Hol­land (1228-1256, 1248-1254 Ge­gen­kö­nig, ab 1254 rö­misch-deut­scher Kö­nig) im Jahr 1252 an den Gra­fen von Hen­ne­berg ver­lieh. Zur drit­ten Grup­pe der mehr oder min­der ei­gen­mäch­tig von Reichs­mi­nis­te­ria­len er­rich­te­ten Rhein­zöl­le zäh­len Mainz-Kas­tel (1243), Ster­ren­berg (1247), Ober­we­sel (1253), In­gel­heim (1254).

In die­ser Si­tua­ti­on bil­de­te sich im Früh­som­mer 1254 un­ter Füh­rung der Städ­te Worms und Mainz der Rhei­ni­sche Bund, der sich die Wie­der­her­stel­lung des Frie­dens und die Ab­schaf­fung der in den vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren er­rich­te­ten Zöl­le zum Ziel setz­te. Zwar konn­ten ei­ni­ge be­mer­kens­wer­te Er­fol­ge er­zielt wer­den, doch ver­hin­der­te der kur­ze Be­stand des Bun­des (1254–1256/1257) ei­ne nach­hal­ti­ge Be­rei­ni­gung der Si­tua­ti­on, und auch Kö­nig Ri­chard von Corn­wall (1209-1272, ab 1257 rö­misch-deut­scher Kö­nig) un­ter­nahm zu­nächst kei­ne An­stren­gun­gen zur Ein­däm­mung der aus­ufern­den Ab­ga­ben­be­las­tung des Rhein­han­dels. Es sind dann so­gar neue Zöl­le der Reichs­mi­nis­te­rialen­grup­pe in Kaub (1257) und Trecht­ing­s­hau­sen (1260) so­wie, süd­lich von Mainz, Na­cken­heim (1261) und Fal­ken­au (1266) be­zeugt.

Erst 1269 kam es im Worm­ser [Land­frie­den](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/L#term-795) durch das Zu­sam­men­wir­ken Ri­chards mit dem Main­zer Erz­bi­schof Wer­ner von Eppstein (um 1225-1284, Epis­ko­pat 1259-1284) zu der lan­ge fäl­li­gen grund­le­gen­den Re­vi­si­on des (mit­tel-) rhei­ni­schen Zoll­sys­tems, das der eng­li­sche Chro­nist Tho­mas Wy­kes (1222-um 1292) als fu­rio­sa Teu­to­ni­co­rum in­sa­nia, als „ra­sen­den Wahn­sinn der Deut­schen“ kri­ti­sier­te: Es wur­de die Ab­schaf­fung al­ler „un­rech­ten“ Zöl­le zwi­schen Straß­burg und Köln nicht nur pro­kla­miert, son­dern vom Main­zer Erz­bi­schof auch mit mi­li­tä­ri­scher Ge­walt durch­ge­setzt. Al­le seit um 1250 am Mit­tel­rhein er­rich­te­ten He­be­stel­len wur­den nie­der­ge­legt, die Grup­pe der Reichs­mi­nis­te­ria­len wur­de da­mit auf Dau­er aus dem Kreis der Rhein­zoll­in­ha­ber ver­drängt. Von den In­ha­bern „un­rech­ter“ Zöl­le ge­lang es al­lein dem Gra­fen von Kat­zeneln­bo­gen dank sei­ner gu­ten Be­zie­hun­gen zum Main­zer Erz­bi­schof, den Rhein­zoll St. Goar zu be­haup­ten.

Seit dem letz­ten Vier­tel des 13. Jahr­hun­derts rück­te das Köl­ner Erz­stift in das Zen­trum des Ge­sche­hens am Rhein, denn Erz­bi­schof Sieg­fried von Wes­ter­burg, ei­ner der tat­kräf­tigs­ten mit­tel­al­ter­li­chen Zoll­po­li­ti­ker der Rhein­lan­de, fi­nan­zier­te sei­ne am­bi­tiö­se Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik zu gro­ßen Tei­len durch von ihm neu- be­zie­hungs­wei­se wie­der­er­rich­te­te Zöl­le am Rhein. Am An­fang sei­nes Epis­ko­pats be­saß das Erz­stift le­dig­lich den Rhein­zoll in Neuss, am En­de wa­ren drei wei­te­re He­be­stel­len hin­zu­ge­kom­men: An­der­nach, Bonn (be­fris­tet) und Kai­sers­werth (als Reichs­pfand). Zeit­wei­se hat­te Sieg­fried auch in Uer­din­gen, Worrin­gen und Rhein­berg Tran­sit­ab­ga­ben auf den Rhein­han­del er­ho­ben. Sei­nen Amts­brü­dern im Trie­rer und Main­zer Erz­stift war Sieg­fried da­mit weit vor­aus, sie konn­ten erst im frü­hen 14. Jahr­hun­dert auf­ho­len.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-karte-des-rheins-unt"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image" style="text-align: justify;"><div class="content-images"><figure class="content-images__image" style="text-align: justify;"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/100773.png" style="text-align: justify;">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_100773.png)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Karte des Rheins unterhalb von Emmerich und die Trennung zwischen Rhein und Waal bei Schenkenschans, ein Zollhaus ist links mit "tolhuis" gekennzeichnet, 1605. (Gelders Archive: 0509-297, B. Kempinck, Public Domain Mark 1.0)

</figcaption></figure></div> </div></div>Be­mer­kens­wert an Sieg­frieds in gro­ßem Stil be­trie­be­ner Zoll­po­li­tik sind nicht nur die Er­fol­ge, son­dern auch die Me­tho­den. Zu­nächst er­rich­te­te er neue Zöl­le ei­gen­mäch­tig, ge­gen den zu­neh­men­den Wi­der­stand sei­ner ter­ri­to­ria­len Nach­barn, der Stadt Köln und Kö­nig Ru­dolfs von Habs­burg (1218-1291, ab 1273 rö­misch-deut­scher Kö­nig). Nach der Nie­der­la­ge von Worrin­gen 1288 wech­sel­te er die Stra­te­gie. Wie sein Vor­gän­ger [Adolf I. von Al­te­na](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57a9bf16b1a5b7.50648688 "Adolf I. von Altena") 1198 mach­te auch Sieg­fried die Ver­ga­be sei­ner Kur­stim­me bei der Kö­nigs­wahl von 1292 von der Zu­sa­ge neu­er Zoll­pri­vi­le­gi­en ab­hän­gig. Da­mit wur­de er vor­bild­ge­bend für die Po­li­tik der rhei­ni­schen Erz­bi­schö­fe bei den fol­gen­den Kö­nigs­wah­len. Ih­re Wahl­stim­me hat den rhei­ni­schen Kur­fürs­ten, vor al­lem den Erz­bi­schö­fen, die do­mi­nie­ren­de Rol­le als Rhein­zoll­her­ren ver­schafft und ge­si­chert, die sie bis zum En­de des Al­ten Rei­ches in­ne­hat­ten. Im ers­ten Vier­tel des 14. Jahr­hun­derts bil­de­te sich die Be­sitz­struk­tur der Rhein­zöl­le aus, wie sie bis zum En­de des Al­ten Reichs be­ste­hen soll­te. Die­ser Pro­zess ver­lief nicht oh­ne har­te Kämp­fe und bei wei­tem nicht so grad­li­nig, wie es im Rück­blick er­schei­nen mag. Al­brecht von Habs­burg (1255-1308, ab 1298 rö­misch-deut­scher Kö­nig), 1298 an die Stel­le des von den Kur­fürs­ten ab­ge­setz­ten und im Kampf ge­tö­te­ten Adolfs von Nas­sau (vor 1250-1298, ab 1292 rö­misch-deut­scher Kö­nig) ge­tre­ten, hat­te sei­ne Wahl auch mit Zoll­pri­vi­le­gen zu­guns­ten sei­ner rhei­ni­schen Wäh­ler er­mög­licht. Schon bald woll­ten die­se selbst­be­wuss­ten Kö­nigs­ma­cher aber auch ihn ab­set­zen. Der Main­zer Erz­bi­schof soll ge­prahlt ha­ben, er ha­be noch vie­le Kö­ni­ge im Kö­cher. Al­brecht be­hielt aber die Ober­hand: Er zog die ter­ri­to­ria­len Geg­ner der Kur­fürs­ten und die wich­ti­gen rhei­ni­schen Han­dels­städ­te auf sei­ne Sei­te und traf die kur­fürst­li­che Op­po­si­ti­on an ei­ner ih­rer emp­find­lichs­ten Stel­len, den Rhein­zöl­len, die eben­so er­trag­reich für ih­re In­ha­ber wie un­po­pu­lär in der Öf­fent­lich­keit wa­ren. Der Habs­bur­ger wi­der­rief 1301 al­le seit Kai­ser Fried­rich II. er­teil­ten Zol­ler­he­bungs­pri­vi­le­gi­en, er­mäch­tig­te ver­bün­de­te rhei­ni­sche Städ­te zum be­waff­ne­ten Wi­der­stand ge­gen die nun un­recht­mä­ßi­gen Zöl­le und warf sei­ne Geg­ner in schnel­len Feld­zü­gen nie­der. Har­te Frie­dens­be­din­gun­gen nah­men den drei Erz­bi­schö­fen al­le Rhein­zöl­le, die sie in den letz­ten Jah­ren und Jahr­zehn­ten er­langt hat­ten, wäh­rend der Pfalz­graf ge­schont wur­de. Dem vor­mals so do­mi­nie­ren­den Köl­ner Erz­stift ver­blieb le­dig­lich der Neus­ser Zoll, und zwar nur in al­ter Hö­he. Al­brecht nutz­te nun sei­ne star­ke Macht­po­si­ti­on am Rhein zu ei­ner fun­da­men­ta­len Um­ge­stal­tung der Zoll­struk­tur. Er re­du­zier­te den Zoll­be­sitz der rhei­ni­schen Erz­bi­schö­fe auf ein Mi­ni­mum, über­trug den Kai­sers­wer­t­her Reichs­zoll vom Köl­ner Erz­stift an des­sen ter­ri­to­ria­len Ri­va­len, die Gra­fen von Jü­lich, und er­rich­te­te mit Ham­mer­stein und Eh­ren­fels in ge­ziel­ter stra­te­gi­scher Plat­zie­rung zwei neue Reichs­z­öl­le. Die­se Neu­ord­nung hat­te zwar pro­gram­ma­ti­schen Cha­rak­ter, aber kei­nen dau­er­haf­ten Be­stand. Der frü­he Tod Al­brechts 1308 ver­hin­der­te, dass sich die be­ab­sich­tig­ten Struk­tu­ren ver­fes­ti­gen konn­ten. Es stand nun wie­der ei­ne Kö­nigs­wahl an, die drit­te in­ner­halb von 16 Jah­ren. Sie er­mög­lich­te den rhei­ni­schen Erz­bi­schö­fen, mit dem neu­en Herr­scher ei­ne zu­min­dest teil­wei­se Wie­der­her­stel­lung ih­res Rhein­zoll­be­sit­zes aus­zu­han­deln. Er­geb­nis war die reichs­recht­li­che An­er­ken­nung der köl­ni­schen Zöl­le An­der­nach und Bonn, des main­zi­schen Zolls Ober­lahn­stein und die Über­tra­gung des Eh­ren­fel­ser Reichs­zolls an das Main­zer Erz­stift. Der neue Trie­rer Erz­bi­schof [Bal­du­in von Lu­xem­burg](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57c5726fe4cd67.53143523 "Balduin von Luxemburg") er­hielt von sei­nem Bru­der Hein­rich VII. (1274-1313, ab 1308 rö­misch-deut­scher Kö­nig, ab 1312 Kai­ser) ei­ne Rei­he von Zoll­pri­vi­le­gi­en für den Ko­blen­zer Rhein­zoll, wo­mit die­se He­be­stel­le reichs­recht­lich neu be­grün­det wur­de.

Da­mit ist nicht ge­sagt, dass die Reichs­ge­walt nicht mehr von der Ab­schöp­fung des Rhein­han­dels pro­fi­tie­ren konn­te. Viel­mehr ließ Hein­rich VII. zur Fi­nan­zie­rung sei­ner Herr­schaft sys­te­ma­tisch Reichs­zu­schlä­ge an den be­ste­hen­den Rhein­zöl­len er­he­ben, wo­mit er ein erst­mals un­ter Ru­dolf von Habs­burg prak­ti­zier­tes und von Al­brecht wie­der auf­ge­grif­fe­nes Ver­fah­ren in­sti­tu­tio­na­li­sier­te. Im Ein­zel­fall be­grün­de­ten sol­che Reichs­zu­schlä­ge auch ei­ne neue He­be­stel­le, wie bei der pfalz­gräf­li­chen He­be­stel­le Kaub (seit 1310). Das Kö­nig­tum nutz­te da­mit ge­schickt die be­ste­hen­de Zoll­in­fra­struk­tur, um den Han­del oh­ne nen­nens­wer­ten ei­ge­nen Auf­wand ab­zu­schöp­fen.

Ih­ren Ab­schluss fand der Wie­der­auf­bau des erz­bi­schöf­li­chen Rhein­zoll­be­stan­des nach der Kö­nigs­wahl von 1314. Zwei Kö­ni­ge wur­den ge­wählt, die ih­ren je­wei­li­gen An­hän­gern Zol­ler­he­bungs­pri­vi­le­gi­en aus­stell­ten: Der Köl­ner Erz­bi­schof un­ter­stütz­te den Habs­bur­ger Fried­rich den Schö­nen (1289-1330, ab 1314 rö­misch-deut­scher Kö­nig), der Main­zer und Trie­rer Me­tro­po­lit hin­ge­gen den Wit­tels­ba­cher Lud­wig den Bay­ern (1282/1286-1347, ab 1314 rö­misch-deut­scher Kö­nig, ab 1328 Kai­ser). Fried­rich ge­neh­mig­te den Rhein­ber­ger Zoll für Köln, Lud­wig be­stä­tig­te die Main­zer Zöl­le in Eh­ren­fels und Ober­lahn­stein und über­trug der Trie­rer Kir­che die Reichs­zol­l­an­tei­le in Bop­pard. Da­ge­gen ver­blieb Kai­sers­werth im Pfand­be­sitz der Gra­fen von Jü­lich und konn­te erst 1424 für das Köl­ner Erz­stift an­ge­kauft wer­den.

Die Ab­ga­ben­last des Rhein­han­dels hat­te in die­sen Jah­ren so stark zu­ge­nom­men, dass selbst die Zoll­her­ren drin­gen­den Hand­lungs­be­darf an­er­kann­ten. Im Ba­cha­ra­cher Land­frie­den (1317–1320/1324) ver­such­te Kö­nig Lud­wig der Bay­er zu­sam­men mit den Erz­bi­schö­fen von Mainz und Trier, mit vor­wie­gend nie­der­rhei­ni­schen Dy­nas­ten so­wie un­ter ma­ß­geb­li­cher Be­tei­li­gung der gro­ßen, von Köln an­ge­führ­ten rhei­ni­schen und wet­teraui­schen Han­dels­städ­te, den Rhein­han­del zu­min­dest vor­über­ge­hend zu ent­las­ten. Al­le Rhein­zöl­le zwi­schen Hördt und Köln wur­den nie­der­ge­legt. Le­dig­lich die He­be­stel­len St. Goar, Bop­pard, Ko­blenz, An­der­nach und Bonn be­stan­den in stark re­du­zier­ter Form be­zie­hungs­wei­se als Land­frie­dens­zoll (Ko­blenz) wei­ter. Zur Fi­nan­zie­rung des Land­frie­dens er­rich­te­te man neue Rhein­zöl­le in Re­ma­gen und Köln, an de­ren Ein­künf­ten der Kö­nig und die Gro­ßen zu zwei Drit­teln und die Städ­te zu ei­nem Drit­tel par­ti­zi­pier­ten. Ins­ge­samt kam es zu ei­ner zeit­wei­li­gen Re­du­zie­rung der no­mi­nel­len Ab­ga­ben­last um cir­ca 40–50 Pro­zent. Ein Teil der Ab­sen­kung blieb nach dem En­de des Land­frie­dens er­hal­ten, die Land­frie­dens­he­be­stel­len Köln und Re­ma­gen fie­len hin­ge­gen fort.

Ver­gli­chen mit dem wech­sel­vol­len 13. und dem frü­hen 14. Jahr­hun­dert war die Rhein­zoll­struk­tur da­nach nur noch ge­rin­gen Än­de­run­gen un­ter­wor­fen. Al­le Ver­su­che von au­ßer­halb, in den bis cir­ca 1325 kon­sti­tu­ier­ten Kreis der Zoll­in­ha­ber ein­zu­bre­chen und neue He­be­stel­len am Rhein zu eta­blie­ren, schei­ter­ten mit nur ei­ner Aus­nah­me: Den Gra­fen von Berg ge­lang es, 1374/1377 mit dem Düs­sel­dor­fer Zoll nicht nur ei­nen neu­en Ab­ga­ben­ti­tel, son­dern auch ei­ne neue He­be­stel­le zu be­haup­ten. Die da­bei auf­tre­ten­den star­ken Wi­der­stän­de von Stadt und Erz­stift Köln konn­te man hier noch über­win­den, da­ge­gen ge­lang es Berg trotz kö­nig­li­cher Pri­vi­le­gi­en we­der ober- noch un­ter­halb Kölns, ei­nen zwei­ten Rhein­zoll durch­zu­set­zen.

**4. Zollerträge, Zolltarifierung und die Belastbarkeit des Rheinhandels**

Seit dem zwei­ten Drit­tel des 14. Jahr­hun­derts do­mi­nier­ten die rhei­ni­schen Kur­fürs­ten im­mer kla­rer die Zoll­po­li­tik am Rhein. Sie be­sa­ßen die meis­ten und die wich­tigs­ten Zöl­le und wa­ren da­mit in fis­ka­li­scher Hin­sicht die Haupt­pro­fi­teu­re des Rhein­han­dels. Aus ver­streu­ten Nach­rich­ten las­sen sich Zoll­ein­künf­te in gro­ßer, zum Teil so­gar in enor­mer Hö­he er­schlie­ßen: Mit­te des 13. Jahr­hun­derts be­zif­fer­te man die Er­trä­ge der Rhein­zöl­le in Neuss und Ko­blenz mit bis zu 800–1.200 Mark pro Jahr, was grob ge­rech­net 200–300 Ki­lo­gramm Sil­ber ent­sprach. 1345, al­so et­wa 100 Jah­re spä­ter, konn­te Kur­trier den Ko­blen­zer Zoll für über 13.000 Gul­den pro Jahr ver­pach­ten, was rund 3.250 Mark be­zie­hungs­wei­se 43 Ki­lo­gramm Gold oder über 500 Ki­lo­gramm Sil­ber ent­spricht. Noch ein­mal 20–30 Pro­zent mehr dürf­te in Bonn (Kur­k­öln) und Ober­lahn­stein (Kur­mainz) ein­ge­kom­men sein. Das wa­ren die Grö­ßen­ord­nun­gen der kur­fürst­li­chen Zöl­le zwi­schen Mainz und Köln!

Es liegt auf der Hand, dass die Rhein­zoll­in­ha­ber al­les ta­ten, um die­se Ein­künf­te zu er­hal­ten und an­de­re Kräf­te von die­ser Geld­quel­le fern­zu­hal­ten. Die Kur­fürs­ten ver­bün­de­ten sich erst­mals 1339, nicht zu­fäl­lig bald nach dem [Kur­ver­ein](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/K#term-313) von Rhens (1338), ge­gen die Er­he­bung neu­er Rhein­zoll­ab­ga­ben. Oh­ne dem Kö­nig for­mal das Recht der Zoll­ver­lei­hung zu be­strei­ten, ver­such­ten sie, es von ih­rem Kon­sens ab­hän­gig zu ma­chen. Tat­säch­lich ist ih­nen das lang­fris­tig auch weit­ge­hend ge­lun­gen. Ein Bei­spiel il­lus­triert dies: Drei ver­gleich­bar ho­he Zöl­le ver­lieh Kai­ser Fried­rich III. (1415-1492, ab 1440 rö­misch-deut­scher Kö­nig, ab 1452 Kai­ser) 1475 und 1486 im Köl­ner Raum: 1475 den Köl­ner Zoll der Stadt Köln, im glei­chen Jahr den Lin­zer Zoll dem Erz­bi­schof von Köln und 1486 den Lüls­dor­fer Zoll dem Her­zog von Jü­lich-Berg. Es ist be­zeich­nend für die Macht­struk­tu­ren des Rhein­zoll­we­sens am En­de des Mit­tel­al­ters, dass al­lein der Köl­ner Erz­bi­schof als [Kur­fürst](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/K#term-312) das kai­ser­li­che Zoll­pri­vi­leg dau­er­haft um­set­zen konn­te, wäh­rend die bei­den an­de­ren Be­güns­tig­ten schei­ter­ten.

Das Fern­hal­ten ter­ri­to­ria­ler Kon­kur­ren­ten von ei­ner er­gie­bi­gen Geld­quel­le war aber nicht das ein­zi­ge Mo­tiv in der Ver­hin­de­rung neu­er Zöl­le. Schon früh hat­te man er­kannt, dass der Rhein­han­del nicht be­lie­big ho­he Ab­ga­ben­las­ten tra­gen konn­te. Kam es et­wa zu ei­nem Rück­gang des Han­dels­vo­lu­mens, hat­ten die Haupt­pro­fi­teu­re auch am meis­ten dar­un­ter zu lei­den. Seit 1354 ver­ein­bar­ten die rhei­ni­schen Kur­fürs­ten ge­mein­sa­me Re­geln der Ver­zol­lung, um dem Han­del ei­ne ver­läss­li­che Kal­ku­la­ti­ons­ba­sis auf der „kur­fürst­li­chen Zoll­rou­te“ des Rheins zu ge­ben (ein Be­griff von 1499).

Die Be­rech­nung des Zoll­sat­zes war nicht ganz tri­vi­al: In den ent­spre­chen­den kö­nig­li­chen Pri­vi­le­gi­en war meist nur der Zoll­satz auf Wein ge­nannt, meist aus­ge­drückt in der Zahl der „Tur­no­sen“, der seit 1300 in den Rhein­lan­den po­pu­lä­ren fran­zö­si­schen Sil­ber­mün­ze, pro Fu­der Wein, der Haupt­han­dels­wa­re auf dem Strom. Die Sät­ze auf an­de­re gän­gi­ge Gü­ter wie Fisch, Ge­trei­de, Salz, Holz und But­ter wa­ren dann „im Ver­hält­nis“ zu neh­men. Nach wel­cher Me­tho­de das Ver­hält­nis für die je­wei­li­ge Zoll­stät­te be­rech­net wur­de, be­darf noch ei­ner ge­naue­ren Un­ter­su­chung. Ver­su­che der rhei­ni­schen Kur­fürs­ten (1358), ein ein­heit­li­ches, auf ei­ner Wert­re­la­ti­on ba­sie­ren­des Sys­tem zu eta­blie­ren, blie­ben oh­ne lang­fris­ti­gen Er­folg. So konn­te sich et­wa die Re­la­ti­on zwi­schen Wein- und Ge­trei­de­zoll von He­be­stel­le zu He­be­stel­le in ei­ner gro­ßen Band­brei­te be­we­gen.

Mit „Fu­der“ be­zog man sich da­bei nicht di­rekt auf das Han­dels­maß, das in Köln 6 Ohm zu cir­ca 145,6 Li­ter und da­mit cir­ca 873,6 Li­ter um­fass­te, son­dern ge­meint war das so­ge­nann­te „Zoll­fu­der“, das mit ei­ner hö­he­ren An­zahl von Ohm be­rech­net wur­de. Je mehr Ohm pro Zoll­fu­der ver­an­schlagt wur­den, des­to ge­rin­ger war bei glei­cher Tur­no­sen­zahl fak­tisch der Zoll. Die Be­rech­nung des Zoll­fu­ders war va­ria­bel. Zum ei­nen tra­fen die Rhein­zoll­in­ha­ber ent­spre­chen­de An­ord­nun­gen. Die rhei­ni­schen Kur­fürs­ten ha­ben in ge­mein­sa­men Ver­ein­ba­run­gen meist zwi­schen 10 und 12 Ohm als Grö­ße des Zoll­fu­ders fest­ge­setzt. Hin­zu konn­te ein pau­scha­ler Ra­batt von 10 Pro­zent kom­men, die so­ge­nann­te „Wie­der­ga­be“. Für an­de­re Han­dels­wa­ren ver­fuhr man ent­spre­chend: Ent­we­der rech­ne­te man sie in Zoll­fu­der um oder es wur­den ver­gleich­ba­re Zoll­ma­ße ver­wen­det, wie das „Zoll­hun­der­t‟ (Zent­ner) Korn.

Zum an­de­ren ist die kon­kre­te Pra­xis der Ver­zol­lung zu be­ach­ten. Ein spe­zi­el­ler Zoll­be­diens­te­ter, der Be­se­her, be­gab sich da­zu auf das [Schiff](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/S#term-740), um die La­dung zu ta­xie­ren, das hei­ßt die Zahl der Zoll­fu­der fest­zu­le­gen, nach der sich dann die Zoll­ab­ga­be be­rech­ne­te. Der Be­se­her, oft ein ehe­ma­li­ger Schif­fer, hat­te da­mit ei­ne Schlüs­sel­stel­lung in­ne und war nicht oh­ne Grund der am bes­ten be­zahl­te Zoll­be­diens­te­te. Bei ei­nem voll­be­la­de­nen grö­ße­ren Rhein­schiff war es al­ler­dings kaum mög­lich, die ex­ak­te Art und Men­ge der je­wei­li­gen Wa­ren durch Au­gen­schein selbst zu er­mit­teln, denn der Trans­port­raum wur­de mög­lichst voll­stän­dig aus­ge­nutzt. Zu­dem hat­ten es die Schif­fer ei­lig, denn Zeit war auch da­mals schon Geld.

Der Be­se­her muss­te die La­dung al­so nach bes­tem Wis­sen und auf­grund der An­ga­ben des Schif­fers plau­si­bi­li­sie­ren und schät­zen. Vom Er­geb­nis die­ser Schät­zung hing die Hö­he der Zoll­ab­ga­be und da­mit auch di­rekt der Ge­winn des Schif­fers ab, denn der Händ­ler zahl­te im 15. Jahr­hun­dert für den Trans­port be­reits ei­nen men­gen-, stre­cken- und sai­son­ab­hän­gi­gen Pau­schal­ta­rif, mit dem al­le Zöl­le schon ab­ge­gol­ten wa­ren. Der Schif­fer hat­te dann die Fracht „auf sei­ne Kos­ten und Angst“, wie es in den Quel­len hei­ßt, ver­ein­ba­rungs- und ter­min­ge­mäß ab­zu­lie­fern.

Es über­rascht da­her nicht, dass die Quel­len des 15. und 16. Jahr­hun­derts von sehr kon­tro­ver­sen Dis­kus­sio­nen über die Hö­he der Schät­zung be­rich­ten: Es wur­de ge­jam­mert, ge­pfif­fen und ge­schrien, mit­un­ter gab es so­gar Tät­lich­kei­ten. Im Er­geb­nis war die Ver­an­schla­gung ein Ver­hand­lungs­er­geb­nis. Nur wenn der Schif­fer par­tout nicht ein­ver­stan­den war, soll­te die La­dung am Zoll ent­la­den und ge­nau ta­xiert wer­den, was na­tür­lich ein Ri­si­ko und auf je­den Fall ei­nen im­men­sen Zeit­ver­lust be­deu­te­te. Mit­un­ter wur­de ein Schiff auch fest­ge­setzt, wenn der Schif­fer et­wa Zoll­be­güns­ti­gun­gen, die sein Auf­trag­ge­ber ge­noss, un­zu­läs­sig auf sei­nen ei­ge­nen Teil der La­dung aus­ge­dehnt hat­te oder frem­des Gut als (zoll­be­güns­tig­te) ei­ge­ne Wa­re de­kla­rier­te. Vie­le Schif­fer be­tä­tig­ten sich näm­lich auch als Händ­ler, wenn sie noch Fracht­raum ver­füg­bar hat­ten.

Die Zöll­ner stan­den ih­rer­seits un­ter dem Druck, die ho­hen Er­trags­er­war­tun­gen ih­rer Dienst­her­ren zu er­fül­len, die sehr ner­vös wur­den, wenn die Zoll­ein­künf­te ge­rin­ger aus­fie­len als kal­ku­liert. Im Ver­lauf des 15. Jahr­hun­derts ver­schärf­te sich die po­ten­zi­el­le Dis­kre­panz zwi­schen Er­war­tung und Rea­li­tät, denn die oh­ne­hin stark schwan­ken­den Zol­l­er­trä­ge nah­men ten­den­zi­ell ab, was die Zoll­in­ha­ber wie­der­um auf Ver­säum­nis­se ih­rer Zoll­die­ner, vor al­lem der Be­se­her, zu­rück­führ­ten. Die klas­si­sche Maß­nah­me war ei­ne neue Zoll­ord­nung mit noch de­tail­lier­te­ren Ver­fah­rens­vor­schrif­ten. Kam al­ler­dings Be­trugs­ver­dacht auf, so droh­te dem Zoll­die­ner Haft, Ent­las­sung aus dem Amt und Ver­lust der ho­hen, bei Amts­an­tritt hin­ter­leg­ten Kau­ti­on.

Der lang­fris­ti­ge Rück­gang der Er­trä­ge hat­te ei­ne Viel­zahl von Grün­den, dar­un­ter die Ver­la­ge­rung von Han­dels­rou­ten weg von der Rhei­n­ach­se und ein ab­neh­men­der Han­del mit Rhein­wein. Hin­zu kam, deut­lich er­kenn­bar seit dem 15. Jahr­hun­dert, die zu­neh­men­de Kon­kur­renz des Land­ver­kehrs, der oft ei­ne at­trak­ti­ve Kom­bi­na­ti­on aus Preis- und Zeit­vor­teil bie­ten konn­te. Die Rhein­zoll­in­ha­ber, al­len vor­an die rhei­ni­schen Kur­fürs­ten, die ih­re Zoll­ex­per­ten zu jähr­li­chen Be­ra­tun­gen nach Bop­pard kom­men lie­ßen, konn­ten die­sem Struk­tur­wan­del nicht wirk­lich et­was ent­ge­gen­set­zen, au­ßer die Ent­ste­hung neu­er Zoll­ab­ga­ben mög­lichst zu ver­hin­dern. Dies ist ih­nen im­mer­hin so gut ge­lun­gen, dass die nie­der­rhei­ni­sche Schif­fer­dy­nas­tie „van El­ten“ ihr im 15. Jahr­hun­dert ent­stan­de­nes Ver­zeich­nis der no­mi­na­len Zoll­ab­ga­ben zwi­schen Eh­ren­fels am Mit­tel­rhein und der Mün­dung der Rhein­ar­me in die Nord­see über meh­re­re Ge­ne­ra­tio­nen oh­ne grö­ße­re Än­de­run­gen ver­wen­den konn­te.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-ehrenfels-mit-zollha"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/100741.png">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_100741.png)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Ehrenfels mit Zollhaus unter der Burg, 1646. (Staatliche Bibliothek Regensburg (999/2Hist.pol.619(18/19))/Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek)

</figcaption></figure></div> </div></div>Folgt man die­sem Ver­zeich­nis, so fin­den sich um 1500 zwi­schen der Na­he­mün­dung und der Ga­be­lung des Rheins in Waal und Neder­ri­jn fol­gen­de Zoll­stät­ten: Die Auf­lis­tung be­ginnt mit dem kur­main­zi­sche Zoll Eh­ren­fels ge­gen­über der Na­he­mün­dung, ge­si­chert durch die gleich­na­mi­ge Burg, zu dem mög­li­cher­wei­se auch der be­kann­te Bin­ger „Mäu­se­tur­m“ auf ei­ner Rhein­in­sel ge­hör­te. Mit den Zoll­stät­ten Ba­cha­rach und Kaub, seit 1326/1327 durch die Burg Pfalz­gra­fen­stein auf ei­ner Rhein­in­sel ge­si­chert, folg­ten die fis­ka­lisch wert­volls­ten Be­sit­zun­gen der Pfalz­gra­fen am Mit­tel­rhein. In St. Goar lag die ein­zi­ge nicht-kur­fürst­li­che Zoll­stät­te am Mit­tel­rhein. Sie war im Be­sitz der Gra­fen von Kat­zeneln­bo­gen be­zie­hungs­wei­se ih­rer Er­ben, der Land­gra­fen von Hes­sen, und wur­de ge­schützt durch die Burg „Kat­z“. Auch am al­ten Reichs­zoll Bop­pard hat­te Kat­zeneln­bo­gen seit 1282 ei­nen An­teil, doch den grö­ße­ren Teil ver­ein­nahm­te seit 1314 der Trie­rer Erz­bi­schof. In Ober­lahn­stein folg­te der zwei­te Kur­main­zer Rhein­zoll. Dort wur­den mit über 3 Gul­den pro Zoll­fu­der nicht nur die höchs­ten no­mi­nel­len Ab­ga­ben von al­len mit­tel­rhei­ni­schen Zöl­len er­ho­ben, auch lie­ßen die dor­ti­gen Zöll­ner nur we­nig mit sich han­deln. Den äl­tes­ten Rhein­zoll in Ko­blenz er­ho­ben die Trie­rer Erz­bi­schö­fe im 14. Jahr­hun­dert zu­nächst fluss­auf­wärts in Ka­pel­len, seit 1412 fluss­ab­wärts im rechts­rhei­ni­schen En­gers. In Ko­blenz ver­blieb nur der Mo­sel­zoll. Nach den Kur­k­öl­ner Zöl­len An­der­nach, Linz und Bonn hat­te ein Schif­fer auf dem Weg nach Köln dann end­lich al­le Zoll­stät­ten pas­siert. In der Dom­stadt selbst be­stand der städ­ti­sche Rhein­zoll nur zwi­schen 1475 und 1494. Ein Trans­port, der um 1500 von Köln fluss­ab­wärts in Rich­tung Nie­der­lan­de un­ter­wegs war, hat­te zu­nächst in Zons an Kur­k­öln, dann in Düs­sel­dorf an Berg und in Kai­sers­werth wie­der an Kur­k­öln zu zah­len.

Mit Or­soy ge­lang­te der Schif­fer an den ers­ten Zoll des Her­zogs von Kle­ve, ge­folgt vom Kur­k­öl­ner Zoll Rhein­berg, dem nörd­lichs­ten Rhein­zoll des Erz­stifts. Wei­ter fluss­ab­wärts war der kle­vi­sche Zoll Bü­de­rich an­zu­fah­ren. Die He­be­stel­le Em­me­rich war der Nach­fol­ger des Zolls Es­ser­den/Schmit­hau­sen und wur­de vom Ut­rech­ter Ma­ri­en­stift ver­pach­tet. Der Zoll Lo­bith kon­trol­lier­te die (da­ma­li­gen) Ga­be­lung des Rheins in Waal und Neder­ri­jn, für bei­de Zwei­ge gal­ten un­ter­schied­lich ho­he Ta­ri­fe. Ent­stan­den als gel­dri­scher Zoll kam er 1479 an den Her­zog von Kle­ve. Wähl­te der Schif­fer nach Dor­drecht die po­pu­lä­re­re Waal­rou­te, dann ge­lang­te er als Nächs­tes an den gel­dri­schen Zoll Nim­we­gen, fuhr er hin­ge­gen über den Neder­ri­jn war das kle­vi­sche Huis­sen der nächs­te Stopp zur Zoll­zah­lung. Es folg­ten dann je­weils noch wei­te­re Zoll­stät­ten Gel­derns und Hol­lands, auf der Waal Ti­el, Zalt­bom­mel, Go­rin­chem be­zie­hungs­wei­se auf dem Nederi­jn/Lek Arn­heim, Wi­jk und Schoon­ho­ven.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-auszug-aus-einem-zol" style="text-align: justify;"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/100866.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_100866.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Auszug aus einem Zolltarifbuch des 15. Jahrhunderts mit den Zöllen Ehrenfels, Bacharach und Kaub. (Gelders Archive: 0012-809)

</figcaption></figure></div> </div></div>Die lan­ge Lis­te der Zoll­stät­ten, die zwi­schen Mit­tel­rhein und Nord­see an­ge­steu­ert wer­den muss­ten, lei­tet über zur Schluss­fra­ge: Wie stark ha­ben die Tran­sit­zöl­le den Han­del be­ein­flusst oder gar be­hin­dert? In der äl­te­ren For­schung, ge­prägt von li­be­ra­len Frei­han­dels­vor­stel­lun­gen, hat man ei­nen klar ne­ga­ti­ven Ein­fluss und ei­ne gro­ße Be­hin­de­rung des Han­dels ge­se­hen. Die­se Ein­schät­zung hat sich ge­wan­delt.

Zu­nächst ist es nicht nur ahis­to­risch, son­dern es er­gibt auch sonst we­nig Sinn, ei­nen Fern­han­del oh­ne fis­ka­li­sche Ab­ga­ben­er­he­bung, et­wa nur mit „We­ge­ge­büh­ren‟ zu ima­gi­nie­ren. Im Fern­han­del ge­ra­de hö­her­wer­ti­ger Gü­ter wie Wein und Salz wur­de viel Geld um­ge­setzt und ver­dient. In der Per­spek­ti­ve des spät­mit­tel­al­ter­li­chen-früh­mo­der­nen Ter­ri­to­ri­al­staats mit ei­nem ste­tig wach­sen­den Fi­nanz­be­darf, aber mit ei­ner sehr be­grenz­ten Ver­wal­tung, war es schlicht­weg die ef­fi­zi­en­tes­te Lö­sung, sich auch durch Ab­ga­ben auf den Han­del zu fi­nan­zie­ren.

Auch wenn es bei den Rhein­zöl­len Pha­sen von „Wild­wuchs‟ in po­li­ti­schen Um­bruchs­zei­ten gab, so fand die Zol­ler­he­bung des spä­ten Mit­tel­al­ters in ei­nem recht­lich hoch­re­gu­lier­ten, öf­fent­lich stark be­ob­ach­te­ten Kon­text statt, der auf Dau­er kei­nen Raum für rück­sichts­lo­se Ei­gen­mäch­tig­keit ein­zel­ner auf Kos­ten an­de­rer ließ. Schif­fer und Händ­ler, Städ­te und Zoll­her­ren, Kö­nig und Fürs­ten, – al­le wa­ren sie an ei­nem funk­tio­nie­ren­den Han­del in­ter­es­siert. Die zahl­reich über­lie­fer­ten Kon­flik­te zwi­schen und un­ter die­sen Ak­teu­ren wa­ren Teil ei­nes stän­di­gen, kom­ple­xen Aus­hand­lungs­pro­zes­ses um ei­nen mög­lichst gro­ßen ei­ge­nen An­teil am Ku­chen. Die Viel­zahl der Frik­tio­nen zeigt aber auch ein­deu­tig, dass das Sys­tem als Gan­zes funk­tio­nier­te.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-%C2%A0-5"><div class="information-object-paragraph__image"> </div></div>##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Hillen, Christian, Der Kölner Stapel, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-koelner-stapel/DE-2086/lido/57d11f1ea03797.52066529 (abgerufen am 31.07.2026)

<div class="information-object__body" id="bkmrk--5"><div class="information-object-paragraph"><div class="information-object-paragraph__content"><div class="footnotes" id="bkmrk--6"></div></div></div></div>-&gt; Pfeiffer, Friedrich, Rheinzölle im Mittelalter, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/rheinzoelle-im-mittelalter/DE-2086/lido/62a6fc799b0124.18115382 (abgerufen am 03.09.2026)

<div class="information-object__body" id="bkmrk--7"><div class="information-object-paragraph"><div class="information-object-paragraph__content"><div class="footnotes" id="bkmrk--8"></div></div></div></div><div class="information-object__body" id="bkmrk--9"><div class="information-object-paragraph"><div class="information-object-paragraph__content"><div class="footnotes">  
</div></div></div></div>-&gt;

**Sekundärliteratur**

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