Die Staufer

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie Barbarossa in den Kyffhäuser kam
  2. Stupor mundi. Das Staunen der Welt und das Ende der Staufer 

1. Wie Barbarossa in den Kyffhäuser kam

Was hat der in Schwaben geborene Herrscher, der sich offiziell Friedrich I. nannte, mit Mitteldeutschland und dem Kyffhäuser gemein? Und warum bietet sein Leben Stoff für Legenden? Eine Spurensuche.

Der Kyffhäuser in Thüringen: Hier soll der Sage nach Kaiser Barbarossa seiner und seines Reiches Wiederkehr harren. Seit 1896 kann man ihn auf den Berg auch sehen, schlafend mit Zottelbart in Stein gehauen. Doch was hat dieser rotbärtige, in Schwaben geborene Herrscher, der sich offiziell Friedrich I. nannte, mit Mitteldeutschland und dem Kyffhäuser gemein?

1152 wird Friedrich von den deutschen Fürsten zum König gewählt. Zu dieser Zeit krönte den Kyffhäuser eine mächtige Burg. Es ist die wichtigste Bastion Barbarossas im Osten seines Reiches. Friedrich ist, wie alle Herrscher des Mittelalters ein Reisekönig. Nur dort, wo er präsent ist, kann er sich auch behaupten. Auch deshalb führt ihn seine erste Reise zum Kyffhäuser und in die von Dauerfehden zerrüttete Reichsprovinz Sachsen, die damals von der Nordsee bis zum Erzgebirge reicht.

,,In dieser Provinz sitzen unheimlich viele Fürsten, gemessen an den andren Gebieten des Reiches: Erzbischöfe, Bischöfe, Herzöge, Markgrafen, Landgrafen, Pfalzgrafen, Grafen usw. Allein schon von dieser Machtzusammenballung her ist es für den König wichtig, in Sachsen geordnete Verhältnisse herzustellen.''Michael Lindner, Historiker (In: "Barbarossa - Die Legende im Kyffhäuser)

Ein Reich - ebenso groß wie zerrissen

Auf dem Hoftag in Merseburg versucht Barbarossa Pfingsten 1152, zwischen den verfeindeten sächsischen Fürsten zu vermitteln. Dabei setzt er vor allem auf Herzog Heinrich den Löwen, den bislang größten Unruhestifter in Sachsen, ohne den mächtigen Welfen wäre seine Wahl zum König kaum zustande gekommen. Mit Gebietsversprechungen kann er Heinrich, der darüber hinaus sein Vetter ist, für seine Politik gewinnen. Auch für die Gegner des Löwen hat Barbarossa ein Angebot: Er macht Wichmann - einen Wettiner - zum Erzbischof von Magdeburg und damit zum mächtigsten geistlichen Fürsten in Mitteldeutschland. So strebt Barbarossa eine Befriedung des zerissenen Reiches an.

,,Seine hauptsächliche Herrscheraufgabe war die Wahrung von Frieden und Recht. Das muss man sehr ernst nehmen, darin bewährte sich ein mittelalterlicher Herrscher. Sofern das gelang, konnte er damit rechnen, dass er im Jenseits dafür auch seinen Lohn dafür erholen würde. Dafür wurde gebetet, das konnte er erhoffen, das war sein Ziel.''Knut Görich, Historiker (In: "Barbarossa - Die Legende im Kyffhäuser

Eine Herkulesaufgabe, denn Friedrichs Reich ist ebenso groß wie politisch zerissen. Neben den Gebieten nördlich der Alpen, wo sich mächtige Fürstengeschlechter heftige Fehden liefern, gehört Oberitalien dazu, wo sich die reichen Städte gegen Barbarossas Herrschaft auflehnen. Sie sind es leid, Jahr für Jahr Unsummen an Steuern und Abgaben an deutschen König abführen zu müssen. Und schließlich gibt es da noch Rom und den Papst. Nachdem Barbarossa 1155 vom Papst die Kaiserkrone aufs Haupt gesetzt wurde, beginnt ein heftiger Streit darüber, wer denn nun von beiden, wem Gehorsam schuldig sei. Denn Barbarossa sieht sich als neuen Herrn der Christenheit.

..Es ging ihm um eine völlig neue Stellung des Kaisers als eine von Gott gegebene Ordnungsmacht, die neben die kirchliche Ordnungsmacht gestellt würde. Und dies findet auch sehr bald Ausdruck, in dem z.B. von der Reichskanzlei verwendeten Begriff des "Sacrum Imperium" - des Heiligen Reiches.''Camilla Kaul, Historikerin (In: "Barbarossa - Die Legende im Kyffhäuser

Wie das Reichsland Pleißen rund um Altenburg entsteht

Lange Zeit glaubten die Historiker, Friedrich Barbarossa hätte sich allein mit dem Schwert an die Lösung all dieser Probleme gemacht. Bis heute hat das Bild des kämpferischen Rotbarts, der mit Gewalt das Reich zusammenschmiedet, überdauert. Dabei war und blieb der König militärisch schwach, ohne Verbündete und diplomatisches Geschick lief nichts. Das zeigen seine wechselvollen Italienzüge.

Bei seiner ersten Heerfahrt muss er sich vor allem auf Heinrich den Löwen stützen. Er dankt es seinem Vetter mit dem Herzogtum Bayern. Die ostsächsischen Fürsten um Wichmann verweigerten die Teilnahme, hatte sich Barbarossa in Merseburg doch als Verbündeter Heinrichs des Löwen gezeigt. Nach dem Italienzug bestraft Barbarossa einzelne Fürsten nun mit Lehenentzug, lässt aber Wichmann gegenüber Milde walten. Er lässt Wichmann und den anderen Fürsten freie Hand, als sie östlich der Elbe zu blutigen Eroberungszügen in die Slawengebiete aufbrechen. 1157 sichert sich Wichmann in Zusammenspiel mit seinem Nachbarn, dem Askanier Albrecht der Bär, die Mark Brandenburg. 1160 erobert Heinrich der Löwe Mecklenburg, vier Jahre später Westpommern. Während seine Fürsten das Reich nach Norden und Osten ausdehnen, zieht es Barbarossa wieder über die Alpen.

Barbarossa und der Italienfeldzug

Diesmal sind alle Großen des Reiches an seiner Seite. Mailand wird beim Italienzug 1162 komplett niedergebrannt. Der "Furor teutonicus" wird in Italien bald sprichwörtlich. Fünf Jahre später zieht Barbarossa wieder los, um Aufstände in Verona und Rom niederzuschlagen. Er triumphiert, lässt nun auch seine Gattin zur Kaiserin krönen - von seinem Papst. Auf dem Gipfel der Macht angekommen, wendet sich das Blatt, als unter den in Rom kampierenden Rittern die Ruhr ausbricht. Barbarossa muss aus Italien flüchten. Auch zuhause sind in seiner Abwesenheit die alten Fehden wieder ausgebrochen. Unter Wichmann zieht eine mächtige Allianz gegen Heinrich den Löwen. Es kommt zum "sächsischen Krieg". Barbarossa beginnt, seine bisherige Politik zu überdenken. Er muss seine Stellung in Sachsen festigen, ehe er wieder nach Italien aufbrechen kann. Urkunden belegen, wie er durch Landkauf oder Tausch versucht, seine übers Land verstreuten Besitzungen zur "terra imperii" zu vereinen. So entsteht um Altenburg herum das Reichsland Pleißen.

,,Er baut dieses mitteldeutsche Reichsterritorium aus, bestückt es mit Burgen, lässt Städte anlegen und setzt in diese Burgen Ritter, die für ihn ein unheimliches militärisches Potenzial sind. Und das ermöglicht ihm eine unabhängigere Politik in dem Raum. Mit der Bildung des Reichsterritoriums Pleißenland hat Barbarossa einen wichtigen Anfang zur Kultivierung dieses Raumes gemacht. Der gesamte Erzgebirgsraum ist erst in dieser Zeit zwischen 1150 und 1200 kultiviert worden. Städte wie Chemnitz, Zwickau, Altenburg beginnen da aufzublühen.''Michael Lindner,
Historiker
(In: "Barbarossa - Die Legende im Kyffhäuser")

Barbarossa barmt um Getreue

Mitteldeutschland und auch die Reichsburg Kyffhausen rücken ins Zentrum europäischer Politik. Im Sommer 1174 wird die Festung und die zu ihren Füßen gelegene Kaiserpfalz Tilleda zum Sammelpunkt deutscher Ritter. Von der Reichsburg Kyffhausen zieht Barbarossas Heer über das Elsass und die Alpen erneut nach Italien. Allerdings fällt es Friedrich schwer, überhaupt noch deutsche Fürsten für die Teilnahme an seiner Heerfahrt zu gewinnen. Von den großen sächsischen Fürsten begleitet einzig Erzbischof Wichmann den Zug des Kaisers. Besonders schmerzlich trifft Barbarossa die Absage seines bislang treuesten Waffengefährten, Heinrichs des Löwen. Sogar mit einem Kniefall soll Barbarossa versucht haben, seinen Vetter doch noch zur Teilnahme zu bewegen. Die Absage wird sich für Heinrich später bitter rächen ...

Der untreue Heinrich wird verbannt

Barbarossa erkennt die Zeichen der Zeit, auf Dauer sind die Italiener nicht mit Waffengewalt im Reichsverband zu halten. Eine neue Strategie muss her. Jetzt schlägt Wichmanns große Stunde, der Papst Alexander III. 1177 zur Aussöhnung mit Barbarossa bewegt. Nun akzeptiert auch der von Mailand geführte Städtebund die kaiserliche Autorität und erhält im Gegenzug weitgehende Autonomie. Mit diplomatischem Geschick hat Barbarossa das Reich vor dem Zerfall gerettet und seinen Ruf als Friedensfürst gemehrt. Danach rechnet Barbarossa 1181 auf dem Reichstag in Erfurt mit Heinrich dem Löwen ab. Seine Besitztümer werden aufgeteilt, er muss in die Verbannung.

Legenden umwobenes Ende auf dem Kreuzzug

Sechs Jahre später wird im fernen Jerusalem das Schlusskapitel der Barbarossavita eingeleitet. Am 2. Oktober 1187 erobert Sultan Saladin die Heilige Stadt. Vier Wochen später ruft der Papst mit der Bulle "Audita tremendi" zum Dritten Kreuzzug auf. Barbarossa schwört, sich am großen Rachefeldzug der Christenheit zu beteiligen. In Altenburg, im Herzen seines neugeschaffenen Reichslandes, bereitet sich der nun bald 70-jährige Kaiser auf den Waffengang vor. 1189 reitet er das letzte Mal am Kyffhäuser vorbei. Am 10. Juni 1190 stirbt er auf dem Weg nach Jerusalem, beim Bad in einem kalten Gebirgsfluss südöstlich von Antalya. Mit dem toten Barbarossa ziehen die Ritter weiter. Die Spur seines Leichnams verliert sich im Wüstensand Palästinas.

,,Die Ungewissheit, was mit seinen leiblichen Überresten passiert ist, war ein ganz wichtiger Punkt, dass sich die Legendenbildung überhaupt an ihn knüpfen konnte. Schon sehr früh ging die Sage um, er wäre gar nicht gestorben, ... , sondern er wäre nur entrückt und würde an unbekannter Stelle darauf warten, wiederzukommen und sein Reich wiederzuerrichten.'' Camilla Kaul, Historikerin (In: "Barbarossa - Die Legende im Kyffhäuser) Barbarossa hatte alles daran gesetzt, als Friedensfürst und gottgefälliger Kaiser in die Geschichte einzugehen. Und er gab dem mitteldeutschen Raum entscheidende Impulse, als er die verstreuten königlichen Besitzungen zu einem Krongebiet vereinte. Kaum verwunderlich also, dass er ausgerechnet hier zur Sagengestalt aufstieg.

 

2. Stupor mundi. Das Staunen der Welt und das Ende der Staufer 

Geschichte fasziniert viele Menschen aus unterschiedlichen Schichten. Im Fernsehprogramm haben historische Dokumentationen einen festen Platz, in manchen Ländern gibt es sogar spezielle TV-Programme wie den History Channel.

In Buchhandlungen finden sich spezielle Tische mit Neuerscheinungen (bei Waterstone auf der Piccadilly in London wartet fast eine ganze Etage auf den an Geschichte Interessierten) sowohl an Sachbüchern als auch an historischen Romanen. Dank der erzählerischen Brillanz von Autoren wie Ken Follet und Rebecca Gablé ist dieses Genre wahrhaft lukrativ geworden. Das auffallendste Zeichen für das große Interesse an der Geschichte und das Vertrauen in einen profitablen Geschäftszweig sind die sich der Historie widmenden Tochterpublikationen von angesehenen Medien wie der Zeit, dem Spiegel oder Geo, um nur einige zu nennen; das renommierte Magazin Damals ist die älteste existierende Zeitschrift dieser Art und erreicht schon seit fünfzig Jahren seine Leserschaft. Und da Sie dieses Buch in Händen halten, gehören Sie zu den Menschen mit einer besonderen Neigung zu Klio, der griechischen Muse der Geschichtsschreibung.

Nicht immer war Geschichte so populär. Ein Ereignis, das eine Trendwende andeutete, wird möglicherweise jeder Zeithistoriker spontan nennen. Es war die baden-württembergische Landesausstellung »Die Staufer« im Jahr 1977. Sie dauerte nur etwas mehr als zwei Monate, zog aber das Mehrfache der vermuteten Besucher an, mehr als 650000 - es war ein Andrang, der zu langen Schlangen vor dem alten Schloss in Stuttgart führte. Eigentlich, so hat man später nachgerechnet, hätte sich während der Öffnungszeiten auf jedem Quadratmeter begehbarer Fläche stets ein Besucher befinden müssen. Die Staufer-Ausstellung war ein Ereignis, das zahlreiche andere vergleichbare Projekte nach sich zog, wie die inzwischen ebenfalls legendäre Preußen-Ausstellung 1981 direkt an der Mauer im damals noch geteilten Berlin.

Zahlreiche Museen bieten heute reiche historische Exponate und wechselnde Ausstellungen, darunter vor allem das Haus der Geschichte in Bonn und Leipzig sowie das Deutsche Historische Museum in Berlin.

Würdigen wir an dieser Stelle die Staufer als Wegbereiter moderner Geschichtsbegeisterung kurz unter pathobiografischen Gesichtspunkten. Das besondere Interesse an diesem aus dem Schwäbischen stammenden Herrschergeschlecht rührt möglicherweise daher, dass es nicht nur für eine uns ferne und dabei faszinierende Epoche steht, sondern dass es auch eine der glanzvolleren Seiten des in der Laienwahrnehmung lange als »finster« geltenden Mittelalters repräsentiert - nachdem exzellente populärwissenschaftliche Bücher dieses Image korrigierten.' Dieses Attribut kann man mit einigem Recht dem frühen Mittelalter, der Zeit nach der Völkerwanderung zubilligen. Das Spätmittelalter andererseits wird mit zahlreichen Krisen assoziiert wie dem Klimawandel ab etwa 1315, vor allem aber dem Schwarzen Tod ab 1348, den wir im vorausgegangenen Kapitel kennengelernt haben. Die Stauferzeit des 12, und 13. Jahrhunderts ist hingegen eine Epoche, die uns zahlreiche Kulturschätze wie die Dichtkunst Walters von der Vogelweide und prächtige Bauwerke hinterlassen hat - wenngleich eines der berühmtesten, der Kölner Dom, erst 600 Jahre später fertiggestellt wurde. Um nicht missverstanden zu werden: Glanz und kulturelle Blüte sind nur ein Teil der Realität gewesen. Auch in der Stauferzeit gab es Kriege, Gewalt, Mord und Folter; auch in dieser von Wirtschaftswachstum und sich ausbreitender Prosperität geprägten Zeit hungerten Menschen, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie in den Epochen zuvor und in manchen der nachfolgenden. Und es starben Menschen an Krankheiten, gegen welche die Heilkundigen der Epoche keine Mittel hatten.

Das galt auch für den vielleicht berühmtesten Staufer, Friedrich II., und für zwei seiner Vorfahren. Der Großvater, Friedrich L., genannt Barbarossa, starb eines für einen König ungewöhnlichen Todes, um den sich zahlreiche Legenden ranken. Einer dieser Legenden zufolge soll er im Berg Kyffhäuser schlafen und irgendwann wieder erwachen, um die Deutschen aus ihrem Elend zu befreien (welcher Art auch immer dies sein mag). Friedrich führte ein Heer von Kreuzfahrern ins Morgenland, als er am 10. Juni 1190 das Lager seiner Streitmacht am Fluss Saleph in der heutigen Türkei dazu nutzen wollte, sich in diesem ein wenig zu erfrischen.

Es war ein brütend heißer Sommertag und das Wasser des aus den Bergen kommenden Flusses verlockend kühl. Der wahrscheinlich 68 Jahre alte Kaiser (das genaue Geburtsdatum ist nicht bekannt) war nach den Vorstellungen seiner Zeit ein Greis, fast ein Methusalem. Den Bitten seiner Gefahrten, nichts ins Wasser zu steigen, folgte er nicht - im Gegensatz zu den meisten seiner Zeitgenossen konnte er schwimmen. Der ausgeprägte Temperaturunterschied zwischen dem kalten Wasser und der flimmernd-heißen Luft indes war zu viel: Friedrich dürfte nicht, wie es vielfach heißt, ertrunken sein, sondern er erlitt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt. Der Umgang mit seiner sterbliche Hülle mag den heutigen Leser erschüttern: Um die schnelle Verwesung in der Hitze zu vermeiden, löste man seine Muskeln und Gewebe durch Kochen vom Skelett.

Wo die derart präparierten Überreste des Herrschers eine letzte Ruhestätte fanden, ist unbekannt. Den Kreuzzug (es war der dritte) führten nach seinem Tod Philipp II. von Frankreich und Richard Löwenherz von England weiter. Während Barbarossa als älterer Herr das Zeitliche segnete, wurde sein Sohn Heinrich VI. unzeitig, im 31. Lebensjahr, abberufen. Der Herrscher verstarb in Messina an einer Geißel, die über Jahrhunderte vor allem im Mittelmeerraum ihre Opfer fand, in Zeiten warmen Klimas aber vorübergehend auch in England und am Rhein grassierte: die Malaria. Wie beinahe bei jedem plötzlichen Herrschertod kamen auch Gerüchte über einen Giftmord auf, an dem Gattin Konstanze beteiligt gewesen sein soll.

Der frühe Tod Heinrichs VI. war nicht ohne Konsequenzen, über deren Auswirkungen man spekulieren kann. Der römisch-deutsche König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war bestrebt, dieses Reich zu einer Erbmonarchie zu machen, und damit unabhängig von den Wahl- und Einflussmöglichkeiten der Fürstenhäuser. Ein erster derartiger Versuch kurz vor seinem Tod scheiterte an deren Widerstand. Wenn ihm, der das Staufergeschlecht auf die Höhe seiner Macht geführt hatte, mehr Zeit verblieben wäre, hätte die deutsche Geschichte möglicherweise einen gänzlich anderen Verlauf genommen: mit einer zentralisierten Macht, ohne die kleinstaatliche Zersplitterung, die bis 1870 vorherrschte. Das Reich wäre dann denselben Weg wie Frankreich, England, Spanien und Schweden gegangen - mithin den der europäischen Normalität.

Friedrich Il schließlich galt als ein so vielfältig begabter Herrscher, als eine ungemein faszinierende und schillernde Persönlichkeit, dass man ihn bald stupor mundi, das Staunen der Welt, nannte. Das überaus positive Image des Kaisers ist vor allem späteren Hagiografien zu verdanken; eine 1927 erschienene Biografie des Historikers Ernst Kantorowicz stilisiert ihn zur idealen Herrscherpersönlichkeit. In der Gegenwart - und vielleicht typisch für diese - versucht man ihn zu entmythologisieren, »nüchterner« zu betrachten. Was ihn heute als beeindruckende Person erscheinen lässt, sind - ebenfalls relativierte und strittig diskutierte - Ansätze einer modern wirkenden Toleranz. An seinem Hof verkehrten jüdische und islamische Gelehrte, in seiner Leibwache dienten Muslime und Soldaten aus Äthiopien. Dass mehrere Päpste seine erbittertsten Gegner waren, ihn mehrfach exkommunizierten und der Vatikan die Nachricht seines Todes mit - überhaupt nicht der christlichen Nächstenliebe entsprechender - Häme und Freudenausbrüchen kommentierte, scheint nicht unbedingt gegen den Charakter des Mannes zu sprechen. Unzweifelhaft ist, dass sein Hof - der Kaiser hielt sich den größten Teil seiner Regierungszeit (1220-1250) in Sizilien auf - ein Mittelpunkt von Kunst, Kultur und einer von Reglementierung weitgehend freien Wissenschaft war.

Dass er in seinem Wissenshunger Kinder in Isolation heranwachsen ließ, um einer vermeintlichen Ursprache des Menschen auf die Spur zu kommen, oder Personen die Bäuche aufschneiden ließ, um Erkenntnisse über den Verdauungsprozess zu gewinnen, sind nur böswillige, von seinen zahlreichen Gegnern in die Welt gesetzte Verleumdungen.Unbestritten ist jedoch seine bedeutende literarische Hinterlassenschaft. Der begeisterte Jäger und Falkner verfasste das Buch De arte venandi cum avibus, Uber die Kunst mit Vögeln zu jagen. Der bibliografische und künstlerische Klassiker hat zahlreiche Auflagen und Übersetzungen erlebt und ist heute in Antiquariaten und im Versandbuchhandel erhältlich - ein über 750 Jahre alter Bestseller.

Die letzte Stunde des vielseitigen Herrschers schlug am

13. Dezember 1250 in seinem Schloss Castel Fiorentino in Apulien. Auch er dürfte einer der damals grassierenden Infektionskrankheiten erlegen sein, die den Verdauungstrakt befallen - wahrscheinlich Typhus oder Paratyphus. Es ist das Jahr, in dem Historiker später die Epochengrenze vom Hochmittelalter zum Spätmittelalter ziehen werden. Die päpstliche Propaganda ließ umgehend wenig appetitliche Details ausstreuen, um Friedrich in seinem Todeskampf unter Brechdurchfällen als Sünder und vom wahren Glauben Abtrünnigen zu zeichnen. Fairer war ein Nachruf des Chronisten Matthäus von Paris, der ungeachtet seines Namens Engländer war und in St. Albans nördlich von London lebte.

Er war es, der den Kaiser 1251 als größten unter den Herrschern der Welt und als ihr Staunen bezeichnete: stupor mundi.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Wie Barbarossa in den Kyffhäuser kam, in: mdr.de, online verfügbar seit 15.06.2021 unter: https://www.mdr.de/geschichte/weitere-epochen/mittelalter/kyffhaeuser-thueringen-friedrich-barbarossa-100.html, zuletzt geprüft am 07.12.2025.

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Sekundärliteratur

-> Ronald D. Gerste: Wie Krankheiten Geschichte machen. Von der Antike bis heute, dritte Auflage, Stuttgart 2021, S. 99-106.

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Revision #5
Created 7 December 2025 08:55:13 by Marlon Zimmermann
Updated 14 April 2026 14:40:14 by Marlon Zimmermann