# Der Limes



# Der Obergermanisch-Raetische Limes

#### **Inhaltsverzeichnis**

1. Basisinformationen
2. Verlauf und Stationen
3. Leben am Limes
4. Rezeptionsgeschichte
5. Heutige Nutzung
6. Verlinkungen
7. Quellen

##### **1. Basisinformationen**

> Der Obergermanisch-Raetische Limes ist ein Abschnitt der römischen Außengrenze zur Zeit der größten Ausdehnung des Römischen Reiches. 2005 wurde er zum UNESCO-Welterbe ernannt und ist Teil des seriellen, transnationalen Welterbes »Grenzen des Römischen Reiches«. Mit seinen 550 km ist er das längste Bodendenkmal Europas. Die 1.800 Jahre alte Grenzanlage bestand aus Wachttürmen, Palisaden, Grenzmauern, Wällen und Gräben sowie 120 Kastellen. Noch heute sind seine Überreste im Gelände erkennbar.
> 
> Der Obergemanisch-Raetische Limes bildete die Außengrenze zum unbesetzten Germanien. Heute zieht er sich von Rheinbrohl am Rhein durch die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern bis an die Donau bei Eining. Die künstliche Landgrenze führte dabei durch verschiedenste Landschaften wie den Westerwald, entlang des Mains und durch die Hohenloher Ebene. Ihr stellenweise schnurgerader Verlauf bezeugt den fortgeschrittenen Wissensstand der römischen Ingenieure und Landvermesser.
> 
> Die Überwachung des Obergermanisch-Raetischen Limes erfolgte mit ca. 900 Wachttürmen und Kleinkastellen. Im nahen Hinterland befanden sich ca. 120 Kastelle mit fest stationierten Truppen. Die Grenzanlage diente aber nicht als militärisches Bollwerk. Sie war eine überwachte Zone, an der die Ein- bzw. Ausreise kontrolliert und Zölle auf gehandelte Waren erhoben wurden.

[https://www.alm-konstanz.de/welterbe/welterbe-limes](https://www.alm-konstanz.de/welterbe/welterbe-limes)

##### **2. Auswahl Verlauf und Stationen**

**Rheinbrohl und der Vinxtbach (Startpunkt):** Der Vinxtbach bei Rheinbrohl entspringt bei Burg Rheineck und mündet im Rhein. Er stellte in der Römerzeit die natürliche Grenze zwischen Ober- und Niedergermanien dar. Sein Name leitet sich vom lateinischen *ad* *fines* ab, was für ,,an der Grenze‘‘ steht.

**Bad Ems:** Silber- und Bleierzvorkommen sowie der Reichtum an heißen Quellen sorgten womöglich dafür, dass der Limes einen Bogen um Bad Ems machte, um diese Vorkommen zu schützen. 2008 wurde ein Steingebäude freigelegt, welches als Speicher für diese Bodenschätze dienen konnte.

**Kastell Niederbieber:** Zur Zeit des Kaiser Commodus wurde das Steinkastell Niederbieber mit *vicus* in unmittelbarer Nähe zum Limes errichtet. Es war das größte Truppenkastell des nördlichen Limes und beherbergte um die 1.000 Reiter. Zudem gab es im *vicus* Handwerker und Händler, Wirtschaften und Hurenhäuser. Ebenso gab es ein großes Kastellbad in den eigenen Mauern.

**Kohortenkastell Holzhausen**: Das kleinste Kohortenkastell mit 1,4 Hektar liegt inmitten des Waldes und ist heute noch in Teilen erhalten. Mitten im Buchenwald liegt die Ruine, die damals als Außenposten in den Wäldern des Barbaricums genutzt wurde.

**Mainz und Wiesbaden?**: Kampf gegen die Chatten von Mainz aus organisiert. Kontrolle beider Rheinseiten in den vierziger Jahren nach Christus unter Claudius. Im Vierkaiserjahr 69 werden römische Truppen abgezogen und die Chatten erobern die rechtsrheinischen Gebiete und belagern Mainz. Der neue Kaiser Vespasian entsendet wiederum Truppen, um die Gebiete erfolgreich zurückzuerobern.

**Justinusfelsen bei Lindschied**: An der östlichen Seite des Seifenberges befindet sich eine Inschrift auf Tonschiefer, die einem römischen Soldaten namens Ianuarius Iustinus gewidmet ist. Der Grund für die Inschrift ist unklar, allerdings besteht die Vermutung, dass er ein Soldat am Limes war der in unmittelbarer Nähe verläuft.

**Kastell Zugmantel zwischen Taunusstein und Idstein**: Eines der bekanntesten und ältesten Militärlager am Obergermanischen Limes, welches Hinweise auf ein Amphitheater beinhaltet.

**Feldbergkastell**: Mit knapp 700 m. ü. NHN ist das Feldbergkastell das am höchsten gelegene römische Militärlager am Obergermanischen Limes. Zwischen dem Großen und dem Kleinen Feldberg gelegen, konnte von dort aus das Rhein-Main-Gebiet überblickt werden.

**Saalburg**: Die Besonderheit ist der angeordnete Wiederaufbau des Kastells ab 1897 durch das große Interesse für die Römer seitens Wilhelm II. Er war oft zur Kur in Bad Homburg und auf seinen Reisen besuchte er regelmäßig die Ausgrabungsarbeiten. Allerdings verfälschte er die Originalrekonstruktion durch individuelle persönliche Wünsche.

**Kastell Osterburken**: Auch im Kastell Osterburken wurde viel Handel betrieben. Es gibt sogar Nachweise über polizeiähnliche Einheiten, die sogenannten Benefiziarier. Sie kontrollierten den Grenzhandel mit den nahegelegenen germanischen Stämmen.

**Kastell Jagsthausen**: Das Kastell Jagsthausen wurde etwa mit vierhundert Metern Entfernung zum Limes erbaut. Die stationierte Germanenkohorte überwachte das Gebiet der Hohenloher Ebene mit den Flüssen Jagst und Kocher. Zudem wurde reichlich Handel betrieben, was Funde von Töpferöfen, Ziegeleien und anderen metallverarbeitenden Betrieben belegen.

**Reiterkastell Aalen**: In Aalen befand sich das größte Reiterkastell nördlich der Alpen. Untergebracht waren etwa 1.000 Soldaten und es zählte als Aufmarschbasis und als das schlagkräftigste Kastell Raetiens. Die flache Umgebung war ideal für die Sammlung von berittenen Einheiten und Weideflächen für die Pferde.

**Limestor Dalkingen**: Das Limestor in Dalkingen ist die Ruine eines einzigartigen Bauwerks, welches zu Ehren Kaiser Caracallas errichtet wurde. Sein Feldzug gegen die Germanen wurde mit dem Bau eines Triumphbogens geehrt in dem auch bronzene Kaiserstatuen gefunden wurden.

**Römerpark Ruffenhofen**: Neben dem Nachbau von Kastellanlagen gibt es im Römerpark Ruffenhofen die Möglichkeit Gärten nach römischem Vorbild zu besuchen. Die Anlage liegt ungefähr zwei Kilometer hinter der Raetischen Mauer und diente als militärischer Standort einer Kavallerieeinheit. Die Hauptfunktion bestand in der Überwachung der Handelswege Richtung der Provinzhauptstadt Augsburg (lat. *augusta vindelicum*).

**Der Römerschatz von Weißenburg**: Einer der größten Funde römischer Schätze ist aus dem Tempel des Kastells Biriciana, dem heutigen Weißenburg. Entdeckt wurden insgesamt 156 Fundstücke, zu denen elf silberne Votivtafeln gehören und zahlreiche Bronzestatuen und verzierte Alltagsgegenstände.

##### **3. Leben am Limes**

3.1 Limesbau und Konstruktionen

**Bauphasen**: Die Grenzanlage hat mehrere Ausbauphasen. So wurde aus einer Waldschneise gedeckt mit Türmen eine dauerhafte Barriere mit Palisade und später mit Wall-Graben-System bzw. mit Mauer.

**Limeskastelle**: Die Kastelle entlang des Limes dienten den Soldaten nicht nur als Unterkünfte. Auch andere Bereiche des Lebens spielten sich innerhalb der Mauern ab. So waren auch Werkstätten, Vorratsspeicher und Ställe vorhanden. Neben den Mannschaftsbaracken für die Soldaten (lat. *centuriae*) und weiteren Gebäuden wie die Getreidespeicher (lat. *horrea*) gab es auch das Wohnhaus des Kommandanten (lat. *praetorium*).

**Zivilsiedlungen**: An vielen Limeskastellen gab es zivile Siedlungen, die entweder um das Kastell herum oder an dessen Hauptstraße entstanden sind. Im sogenannten vicus kam es zur Ansiedlung von Händlern und Handwerkern und es wurden neben Betrieben wie Schmieden, Töpfereien und Glasmanufakturen auch Bäder und gelegentlich Tempel erbaut. In den meisten Fällen waren die Siedlungen im Gegensatz zum Kastell ungeschützt.

**Ziegelproduktion**: Das Baumaterial für die Wachtürme und die Kastelle am Limes wurde oft von den Soldaten selbst produziert. In einigen Fällen wurden die fertigen Ziegelsteine mit Kürzeln der jeweiligen Einheiten gestempelt. Für die Erforschung der Bewegung der Truppen sind diese Kürzel besonders hilfreich.

3.2 Handel und Transport

**Schiffe**: Ihnen kamen einige Funktionen zu. Sie sicherten den Nachschub mit Rohstoffen, Lebensmitteln und anderen benötigten Materialien. Auch wurden sie zu Zwecken der Kommunikation und Aufklärung genutzt. Hinzu kam der militärische Einsatz bei Kampfeinsätzen oder Landungsunternehmen.

**Germanische Waren**: Der Handel mit den Germanen florierte und so kam es zu einem wechselseitigen Warenaustausch. In germanischen Hofstellen wurden Keramiken, Spiegel, römische Münzen und sogar, trotz Exportverbots, römische Waffen gefunden. Auf der anderen Seite profitierten die Römer von Honig, Pelzen und aus Talg hergestellten Seifen. Besonders beliebt waren lange blonde Frauenhaare, aus denen Perücken für die Römerinnen gefertigt wurden.

3.3 Grenzüberwachung und Schutz

**Wachtürme und Kastelle:** Die Überwachung des Limes erfolgte mit ca. 900 Wachttürmen und Kleinkastellen. Im nahen Hinterland befanden sich ca. 120 Kastelle mit fest stationierten Truppen. Die Grenzanlage diente aber nicht als militärisches Bollwerk. Sie war eine überwachte Zone, an der die Ein- bzw. Ausreise kontrolliert und Zölle auf gehandelte Waren erhoben wurden.

**Kommunikation**: Der Limes war mit Wachtürmen geschützt, die in Sichtkontakt miteinander standen. Bei einem Angriff konnten die Truppen mit einem Hornsignal Alarm schlagen. In der Nacht haben sie v. a. mit Lichtzeichen Kontakt zu den benachbarten Türmen und den Reiterkastellen im Hinterland gehalten. Die Grenzverteidigung funktionierte somit mit einer antiken Form eines Frühwarnsystems.

4.4 Militär

**Provinzialflotten:** Mit den Provinzialflotten wurden die strategisch wichtigen Handelswege über den Rhein und die Donau militärisch abgesichert. Neben den militärischen Anlagen sorgten die Flotten u. a. für die Absicherung der Nebenflüsse, die aus dem Barbaricum kamen.

**Auxiliartruppen:** Die Truppen am Limes waren überwiegend Auxiliarverbände. Diese wurden häufig aus den unterworfenen Stämmen heraus rekrutiert. Nach 25 Jahren in den Diensten des Römischen Reiches erhielten sie das römische Bürgerrecht. Das ermöglichte ihnen eine Heirat und das Erbe des Bürgerrechts auf die Kinder.

3.4 Kultur und Traditionen

**Fahnenheiligtum**: In manchen Kastellen gab es im Stabsgebäude Räumlichkeiten, in denen eine Art religiöses Zentrum für die Soldaten eingerichtet wurde. Im Fahnenheiligtum standen die hoch verehrten Feldzeichen der jeweiligen Truppen, deren Verlust unbedingt vermieden werden sollte. Zu weiteren religiösen Artefakten gehörten Statuen und Altare vor denen Opferzeremonien abgehalten wurden. Außerdem wurde im Keller unter dem Fahnenheiligtum oftmals die Truppenkasse aufbewahrt.

**Statuen**: Viele Kastelle waren mit Statuen von Herrschern ausgestattet. Diese erfüllten gleich mehrere Funktionen. Sie wurden nicht nur zur Würdigung und Erinnerung der jeweiligen Persönlichkeiten erbaut, sondern dienten darüber hinaus als religiöse Stätten und als Zeichen der zivilisatorischen Überlegenheit gegenüber anderen Völkern. Auch sind sie oft Ausdruck politischer Propaganda und imperialen Ansprüchen.

3.5 Kunst und Handwerk

**Krüge und Gefäße**: Zahlreiche Funde am Limes haben dafür gesorgt ein umfangreiches Bild von den Trink- und Gastmahlsitten der Römer zu gewinnen. Zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten oder Gewürzen nutzten die Römer Gefäße und Krüge aus Keramik oder sogar Bronze. Letztere waren oft aufwendig verziert und enthielten Hinweise auf Gottheiten oder Tierbilder.

##### **4. Rezeptionsgeschichte**

##### **5. Heutige Nutzung**

5.1 Museen

-&gt; Rheinbrohl: RömerWelt am Caput Limitis

-&gt; Koblenz: Landesmuseum Koblenz

<span lang="EN-US">-&gt; </span><span lang="EN-US">Bad Ems: Museum Bad Ems</span>

<span lang="EN-US">-&gt; </span><span lang="EN-US">Bad Homburg: Römerkastell Saalburg</span>

-&gt; Butzbach: Museum der Stadt Butzbach

-&gt; Hungen: Limesinformationszentrum Landkreis Gießen

-&gt; Echzell: Museum Echzell

-&gt; Großkrotzenburg: Museum Großkrotzenburg

-&gt; Seligenstadt: RegioMuseum

-&gt; Stockstadt am Main: Heimatmuseum Stockstadt

-&gt; Aschaffenburg: Stiftsmuseum Aschaffenburg

-&gt; Obernburg am Main: Römermuseum Obernburg am Main

-&gt; Wörth am Main: Römerausstellung im Bürgerhaus

-&gt; Miltenberg: Museum Stadt Miltenberg

-&gt; Bürgstadt: Museum Bürgstadt

-&gt; Walldürn: Stadt- und Wallfahrtsmuseum Walldürn

-&gt; Osterburken: Römermusem Osterburken

-&gt; Widdern: Wachthaus Am Limes

-&gt; Jagsthausen: Schlossmuseum Jagsthausen

-&gt; Öhringen: Weygang-Museum Öhringen

-&gt; Mainhardt: Römermuseum Mainhardt

-&gt; Großerlach: Großerlach-Grab – Wachtturm auf dem Heidenbuckel

-&gt; Welzheim: Museum Welzheim

-&gt; Schwäbisch Gmünd: Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd

-&gt; Aalen: Limesmuseum Aalen

-&gt; Rainau-Dalkingen: Limestor Dalkingen

-&gt; Wittelshofen: LIMESEUM und Römerpark Ruffenhofen

-&gt; Gunzenhausen: Archäologisches Museum Gunzenhausen

-&gt; Weißenburg i. Bay.: RömerMuseum Weißenburg

-&gt; Kipfenberg: Römer und Bajuwaren Museum

-&gt; Regensburg: Historisches Museum Regensburg

-&gt; Straubing: Gäubodenmuseum

-&gt; Künzing: Museum Quitana

-&gt; Passau: RömerMuseum Kastell Boiotro

6.2 Kastellbäder/Thermenanlagen

-&gt; Therme des Kastells Marköbel

-&gt; Freilichtmuseum Römerbad Jagsthausen

-&gt; Schwäbisch Gmünd: Kastellbad Schirenhof

-&gt; Theilenhofen Kastellbad

-&gt; Weißenburg: Römische Thermen

-&gt; Limestherme Bad Gögging

##### **6. Verlinkungen**

6.1 Ausbau des Limes (1. bis 2. Jh. n. Chr.)

6.2 [Bataveraufstand (69 bis 70 n. Chr.)](https://wiki.pickablue.info/books/prinzipat-27-v-chr-285-n-chr/page/niederschlagung-des-bataveraufstandes-am-rhein "Niederschlagung des Bataveraufstandes am Rhein")

6.3 Kampf gegen die Chatten (1. Jh. v. Chr. bis 2. Jh. n. Chr.)

6.4 [Markomannenkriege (166-180 n. Chr.)](https://wiki.pickablue.info/books/prinzipat-27-v-chr-285-n-chr/page/markomannenkriege-166-180 "Markomannenkriege (166-180)")

6.5 Alamanneneinfälle im 3. Jahrhundert

6.6 [Limesfall (ca. 250 bis 260 n. Chr.)](https://wiki.pickablue.info/books/prinzipat-27-v-chr-285-n-chr/page/der-limesfall-mitte-des-3-jahrhunderts "Der ,,Limesfall'' (Mitte des 3. Jahrhunderts)")

##### **7. Quellen**

7.1 Internet-Quellen:

[https://www.limesstrasse.de/deutsche-limes-strasse/home/obergermanischer-limes](https://www.limesstrasse.de/deutsche-limes-strasse/home/obergermanischer-limes), zuletzt geprüft am 24.01.25.

[https://www.roemer-welt.de/Limes-Infozentrum/Limes-Informationszentrum/Limes-damals/](https://www.roemer-welt.de/Limes-Infozentrum/Limes-Informationszentrum/Limes-damals/), zuletzt geprüft am 24.01.25.

[https://gdke.rlp.de/kulturerbeonline/lesehaeppchen/landesarchaeologie](https://gdke.rlp.de/kulturerbeonline/lesehaeppchen/landesarchaeologie), zuletzt geprüft am 24.01.25.

[https://www.deutsche-limeskommission.de](https://www.deutsche-limeskommission.de), zuletzt geprüft am 24.01.25.

[https://www.welterbetour.de/limes](https://www.welterbetour.de/limes), zuletzt geprüft am 24.01.25.

Krausse, Dirk: Als die Gallier Römer wurden, in: spektrum.de online verfügbar seit 01.02.2003, unter: https://www.spektrum.de/magazin/als-die-gallier-roemer-wurden/829492, zuletzt geprüft am 14.02.25.

7.2 Literatur:

Graichen, Gisela: Limes. Roms Grenzwall gegen die Barbaren. Frankfurt a. M. 2009.

Reuter, Marcus; Thiel, Andreas: Der Limes. Auf den Spuren der Römer, Darmstadt 2015.

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# Niedergermanischer Limes

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Militärische Basis im Norden des Römischen Reiches. Der Niedergermanische Limes. (Aufsatz Limesreihe)

##### 1. Militärische Basis im Norden des Römischen Reiches. Der Niedergermanische Limes..

> Die UNESCO-Welterbestätten „Grenzen des Römischen Reiches“ haben ein neues „Familienmitglied“:  
> Der Nieder­ germanische Limes wurde am 27. Juni 2021 auf Antrag der Niederlande in die Welterbeliste  
> aufgenommen. Dank einer intensiven niederländisch-deutschen Zusammenarbeit konnte der außer-  
> gewöhnliche universelle Wert von Roms ältester Flussgrenze erfolgreich begründet werden.
> 
> VON STEVE BÖDECKER, MARINUS POLAK UND JENNIFER SCHAMPER
> 
> ##### VON DER ANTIKEN GRENZE ZUM GEMEINSAMEN WELTERBE
> 
> Der Rhein war Roms erste lineare Außengrenze. Doch was heute unter dem Begriff „Grenze“ ver- standen wird, unterscheidet sich in Vielem vom antikenVerständnis, das zudem einer langen Ent- wicklung unterworfen war. Die 450-jährige Ge- schichte des Niedergermanischen Limes (NGL) spiegelt dabei wie kaum ein anderer Grenzab- schnitt des Imperium Romanum diesen komple- xen Prozess wider – vom ersten Garnisonsraum für die Legionen des Augustus über einGrenzsystem aus Kastellen und Wachttürmen noch im 1. Jahr- hundert bis zum Festungsbollwerk unter den spät- antiken Kaisern. All dies spielte sich entlang des Rheinufers ab, auf dem Gebiet der Provinz Germa- nia inferior, Niedergermanien. Heute misst der Rhein vom Vinxtbach bei Bad Breisig bis zur Nord- seeküste beiKatwijk (NL) ziemlich genau 400 mo- derne Flusskilometer. Die Flusslandschaft hat schon römischen Ingenieuren viele Innovationen abverlangt und sorgtgleichzeitig bis heute für her- ausragende organische Erhaltungsbedingungen. Die Besonderheiten dieser Flussgrenze tragen da- bei entscheidend zur Begründung des außerge- wöhnlichen universellen Wertes der UNESCO- Welterbestätte bei.
> 
> Als Niedergermanischen Limes bezeichnet man heute die archäologischen Denkmäler der mili- tärischen Anlagen in diesem Grenzabschnitt. Das Bewusstsein um dieses gemeinsame archäologi- sche Erbe war Anspruch für die Provinzen Zuid- Holland, Utrecht und Gelderland sowie die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, den Weg des Antragsverfahrens gemeinsam zu ge- hen. Somit wirkt die antike Verwaltungseinheit heute verbindend übermoderne Grenzen hinweg. Mit 32 niederländischen und deutschen Kommu- nen ist ein Großteil der Anrainer am heutigen Rheinufer eingebunden. Gemeinsam wählten sie insgesamt 44 archäologische Plätze aus, die nun den Welterbestatus innehaben.
> 
> ##### ROMS ERSTE LINEARE GRENZE
> 
> Caesars Sieg über die Menapier 53 v. Chr. bedeutete einen Meilenstein für die römische Okkupation am nördlichen Rhein. Die Menapier lebten ursprüng- lich beiderseitsdes Niederrheins, waren aber von ihren östlichen Nachbarn nach Westen verdrängt und dort von Caesar geschlagen worden. Damit war Roms Machtanspruch auch amUnterlauf gel- tend gemacht, jedoch gleichzeitig ein erhebliches Machtvakuum geschaffen worden. Augustus nutz- te die Neuordnung der Rheinzone dann für ein gänzlichneues Konzept römischer Außengrenzen. Der Rhein wird für die jetzt zur Berufsarmee refor- mierten Legionen als dauerhafter Garnisonsraum auserkoren. Dies hatte gleich mehrere Vorteile, sowohl außen- als auch innenpolitisch. Bis dato hat- te Rom an seinen Außengrenzen immer nur auf Adhoc-Basis agiert, nun sollten die Truppen aber einen festen Bestandteil der Grenzsicherung bilden, um die Grenzen zu verteidigen oder vorzuschie- ben. Gleichzeitig gelang es damit,die Truppen als Machtfaktor abseits des innenpolitischen Gesche- hens zu halten. Ein Dienstvertrag mit zwanzig-jähriger Laufzeit, staatlich geregelte Besoldung so- wie der allein auf den Princeps geleistete Eid der Soldaten waren wichtige Lehren aus den Bürger- kriegen der Römischen Republik. Das älteste Standlager der Kaiserzeit, 19 v. Chr. auf dem Huner- berg bei Nijmegen errichtet, markiert den Beginn dieser epochalen Entwicklung. Doch Stillstand kannte auch die augusteische Staatsdoktrin vom „Reich ohne Grenze“ (Vergil, Aeneis 1,278–279) nicht. Der Rhein wurde ab 12 v. Chr. Sprungbrett und Versorgungsachse für die Operationen bis zur Elbe. Mit deren Ende9 n. Chr. fiel dem Rhein wie- der die alte Aufgabe als Garnisonsraum zu, die er bis zum 5. Jahrhundert erfüllen sollte. Auf dem Fürstenberg bei Xanten entstand kurz nachder Va- rusniederlage ein vollständig ausgebautes Zwei- legionenlager mit umfangreichen Außenanlagen. Sie sind Anzeichen für einen weiteren Entwicklungsschub: Die Standorte wurden nun zu Siedlungszen- tren, eingebunden in ein reichsweites Netzwerk von Handel und Verkehr. Der Reform der Legionen unterAugustus folgte unter Claudius die feste Ein- gliederung der auch zahlenmäßig aufgestockten Hilfstruppen in die Provinzheere. Das Kohorten- kastell Valkenburg steht stellvertretend für das neue Bild einer dichten Kastellkette, die ihre An- fänge im Rheindelta sogar bereits unter Caligula hatte. Dieser setzte im Jahr 39 n.Chr. von hier aus zur Besetzung Britanniens an, die seinem Nachfol- ger Claudius 43 n. Chr. schließlich gelang. Die sen- sationelle Entdeckung eines großen Standlagers aus dieser Zeit bei Valkenburg unterstreicht die Be- deutung des Rheindeltas als Bindeglied zwischen Rom und Britannien. Die Idee einer raumgreifen- den Überwachung durch kleinere Auxiliarkastelle findet sich dann in Wales wieder. Dendrochronolo- gische Daten belegen auch die frühe Einbindung vonWachttürmen in die Kastellkette im Rheindel- ta, etwa aus Utrecht-Zandveld. Bis in die 60er Jahre des 1. Jahrhunderts war das Bild eines dicht gestaf- feltenGrenzsystems komplett und diente als Blau- pause auch für die Landgrenzen des 2. Jahrhunderts.
> 
> #### DYNAMIK EINER FLUSSLANDSCHAFT
> 
> Der Rhein galt als natürlicher „Schutzgraben gegen die Germanen“, zumindest literarisch, so etwa bei Cicero (In Pisonem 33). Doch bildete der Fluss für Heere keinesfalls eine unüberwindliche Barriere, allenfalls ein Annährungshindernis. Dennoch, die „gewalttätige Strömung“ (Tacitus, Annalen 2,6) war – und ist – real und verlangte von den Militär- ingenieuren innovative Lösungen. Das Flussufer des Rheins eignete sich zwar grundsätzlich zum Anlanden von Schiffen, doch erst Kaianlagen ermöglichten das sichere Be- und Entladen von Schwerlasten wieBausteinen und Ziegeln, dringend benötigten Baustoffen am steinarmen Nieder- rhein. Zudem hatte der Rhein zwei Gesichter: Seine starke Strömung konnte sich in trockenen Som- mern in gefährliches Niedrigwasser wandeln. Mit- ten im Bataveraufstand entbrannte so im Sommer 69 n. Chr.zwischen römischen und germanischen Truppen ein dramatisches Tauziehen um einen auf Grund gelaufenen Getreidetransporter (Tacitus, Historien IV,27). Hydrologische Studien der Univer- sität Bonn lieferten dazu jüngst konkrete Daten: Der antike Wasserstand war im Mittel etwa 2 m niedriger als heute. Dies macht verständlich, wa- rum die mächtigen Kaianlagen der *Colonia Ulpia Traiana*/Xanten ausgerechnet an der erosions- stärksten Position eines Prallhanges lagen – hier war nämlich ein hoher Wasserstand garantiert. Bei *Forum Hadriani* / Voorburg trafen die Wasser zweier Rheinarme aufeinander, und auch hier ent- stand einer derwichtigsten Hafenplätze, und zwar mit gleich doppelter Funktion: Er verknüpfte die Rheinschiene mit einem der aufwendigsten Was- serbauprojekte des Römischen Reiches, dem Cor- bulo-Kanal. Dieser ca. 34 km lange Schiffskanal verband Rhein und Maas. Noch heute sind davon weite Strecken als Bodendenkmal erhalten. Tacitus berichtet von einem Baubeginn 47 n. Chr.; Bauhöl- zer des erst 1989 archäologisch nachgewiesenen Mammutbauprojektes belegen eine Dauer der Bau- maßnahmen zumindest bis ins Jahr 50 n. Chr.
> 
> ##### BANDBREITE UND LANGLEBIGKEIT DER MILITÄRANLANGEN
> 
> Neben den besonderen Eigenarten einer Flussgren- ze gehört ein weiterer Aspekt zum außergewöhnli- chen universellen Wert des Niedergermanischen Li- mes: diegroße Bandbreite an militärischen Einrich- tungen, über die in dieser Zeitschrift schon mehrfach berichtet wurde. Neben Wachttürmen, Kleinkastel- len und Hilfstruppenlagern, den typischen Bestand- teilen römischer Grenzräume, sind am NGL auch die Legionslager und ein Flottenlager direkt in die vor- dere Grenzzoneeingebunden. Zwischen Bonn und Nijmegen bestimmten diese Lager sogar das Bild der vorderen Grenzlinie, während die Hilfstruppen- infanterie bis auf wenigeAusnahmen wie Remagen im nördlichen Abschnitt stationiert war. Eng mit den Standlagern verbunden ist eine Viel- zahl weiterer Einrichtungen, wie etwa Marschla- ger im Raum Bonn und Xanten, die wohl vor allem mit derTruppenausbildung in Verbindung stehen. Die Legionsziegelei von Holdeurn und die Kalk- brennerei der 30. Legion in Iversheim stehen für die Bedeutung derLegionen als Bautruppe, auch für den zivilen öffentlichen Sektor. Schließlich vereinigten sich in den Händen des niedergerma- nischen Statthalters die höchstenzivilen und mili- tärischen Befugnisse eines *legatus Augusti pro praetore.* Nur einem solchen „Gesandten des Kai- sers im Range eines Prätors“ war die Befehlsge- walt über mehrere Legionen und deren Komman- deure gegeben. Sein Dienstsitz, das Praetorium von Köln, zählt dabei zu den am besten erhaltenen des RömischenReiches. Als oberste Schaltzentra- le und Schnittstelle von Militär- und Zivilverwal- tung bildet es einen elementaren Baustein zum Verständnis römischer Grenzorganisation (siehe den Beitrag S. 30). Damit ist am Niedergermani- schen Limes vom Wachtturm bis zum Statthalter- palast die gesamte Bandbreiterömischer Militäreinrichtungen abgebildet. Dieses Schwerpunkt- heft des Nachrichtenblattes zum NGL widmet sich der Spitze derMilitärhierarchie an den römischen Grenzen, den Legionslagern und der Rolle Kölns als Statthaltersitz.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

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**Sekundärliteratur**

-&gt; Der Limes. Nachrichtenblatt der deutschen Limeskommission (15. Jahrgang, Heft 2), Stuttgart 2021.

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