# Querschnittsthemen

# Wirtschaft



# Handel und kultureller Austausch

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Römer, Germanen und ein goldener Pferdekopf (Artikel)

##### 1. Römer, Germanen und ein goldener Pferdekopf

Archäologische Funde in Hessen lassen auf ein überraschend diplomatisches Verhältnis der alten Römer mit den Germanen schließen.

Nach fast einem Jahrzehnt juristischer Streitigkeiten wurde der Öffentlichkeit nun endlich ein Teil einer wertvollen altrömischen Skulptur präsentiert, die in Deutschland gefunden wurde. Bei dem zwölf Kilogramm schweren Fragment handelt es sich um einen lebensgroßen Pferdekopf aus dem Jahr 1 n. Chr. Er besteht aus vergoldeter Bronze und ist mehr als nur ein spektakuläres Beispiel für römische Kunst.

Der Pferdekopf wurde im Rahmen von Ausgrabungen einer römischen Siedlung in Waldgirmes, einem Ortsteil von Lahnau in der Nähe von Frankfurt, entdeckt und gewährt völlig neue Einblicke in die römischen Eroberungstaktiken, die auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands zum Einsatz kamen.

Jahrhundertelang waren sich Geschichtswissenschaftler einig gewesen, dass die Römer die germanischen Stämme mit militärischer Gewalt unterwerfen wollten, um eine neue Provinz nördlich und östlich des Rheins zu etablieren. Nach einer katastrophalen Schlacht im Jahre 9 n. Chr., bei der die römische Armee 15.000 Soldaten verlor, wurde die Eroberung Deutschlands aufgegeben. Der vernichtende Verlust – die Varusschlacht im Teutoburger Wald – brachte die Römer dazu, ein Netzwerk aus Befestigungsanlagen zu errichten, welches fast 300 Jahre lang die nördliche Grenze des Römischen Reichs darstellte.

Aber der Pferdekopf und andere Funde aus Waldgirmes, die von der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts zwischen 1994 und 2009 ausgegraben wurden, zeugen davon, dass Rom auf mehr als nur militärische Macht gesetzt hatte.

Die etwa acht Hektar große Siedlung hatte zwar eine Verteidigungsmauer, verfügte jedoch nicht über militärische Gebäude. Ihre Existenz zeigt, dass die Römer jahrelang friedlich neben den „Barbaren“ lebten und mit ihnen handelten, bis es zur Varusschlacht kam, wie die Forschungsleiterin Gabriele Rasbach vom [Deutschen Archäologischen Institut](https://www.dainst.org/dai/meldungen) erzählt.

Die meisten Gebäude der Siedlung bestanden aus Holz, und aufgrund der Baumringdatierung glauben die Archäologen, dass sie etwa im Jahr 4 v. Chr. gegründet wurde. Hinter der drei Meter hohen Mauer aus Holz befanden sich Wohngebäude im römischen Stil, Töpfereien, Holzwerkstätten und sogar Spuren sanitärer Anlagen mit Bleirohren.

Ein mehrstöckiges Verwaltungsgebäude bildete das Zentrum der Siedlung. In einer Art Hof oder Forum entdeckten die Archäologen die Sockel von vier lebensgroßen Reiterstatuen auf ihren Pferden. Der vergoldete Pferdekopf gehörte zu einer dieser Statuen, die vermutlich einen römischen Kaiser zeigte.

Sowohl für Archäologen als auch für Geschichtswissenschaftler waren die Entdeckungen von Waldgirmes völlig unerwartet.

„Es war wirklich eine Überraschung, zu sehen, dass es dort Zivilgebäude gab“, erzählt Sebastian Sommer, ein Archäologe des[ Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in München](http://www.blfd.bayern.de/), der an den Ausgrabungen nicht beteiligt war. „Waldgirmes zeigt einen ausschließlich zivilen Ansatz – und womöglich eine falsche Vorstellung der Römer darüber, wie einfach es sein würde, \[die Germanen\] zu besänftigen.“

 **GOLDENES OPFER?**

Mit seinen schimmernden Statuen und seinen Bleileitungen scheint Waldgirmes Teil eines Versuchs gewesen zu sein, die germanischen Stämme für sich zu gewinnen, anstatt sie im Kampf zu vernichten.

„Die Siedlung zeigt, dass dort ein großes Verwaltungszentrum entstehen sollte, vielleicht sogar eine Hauptstadt“, sagt Carsten Amrhein, ein Archäologe und Leiter des [Saalburgmuseums bei Frankfurt](http://www.saalburgmuseum.de/). „Die Pläne der Römer für eine neue Provinz waren deutlich fortgeschrittener, als wir dachten.“

Ein paar Jahre nach der Varusschlacht kam das Leben in der alten Stadt jedoch zum Erliegen. Allerdings finden sich dort keine Anzeichen für einen Kampf oder ein Gemetzel, so Rasbach. Womöglich wurde die Siedlung im Jahre 16 n. Chr. stattdessen friedlich evakuiert, als die römischen Streitkräfte den Befehl erhielten, die Gebiete nördlich und östlich des Rheins aufzugeben.

Nachdem die Siedlung aufgegeben wurde, wurden die Statuen vermutlich absichtlich von germanischen Stämmen zerstört und aufgrund ihres Metallwerts neu verwertet, so Rasbach. Bronzene Bruchstücke – insgesamt 160, hauptsächlich kleine Splitter – wurden über die ganze Stadt verteilt gefunden.

Der Pferdekopf bildet die große Ausnahme. Nicht weit von den Sockeln entfernt, entdeckten die Archäologen einen etwa neun Meter tiefen Brunnen aus der Römerzeit. Der Pferdekopf befand sich am Boden des Brunnens – unter acht schweren Mühlsteinen, Holzeimern, Werkzeuggriffen, Ochsenjochen und anderem Müll.

Rasbach zufolge war der Kopf nicht versehentlich in den Brunnen gefallen. Metall war ein Luxusgut, das zu wertvoll war, um es zu verschwenden. Stattdessen war der Pferdekopf womöglich im Rahmen eines Rituals in den Brunnen geworfen worden: Die Stämme im nördlichen Europa opferten oft Pferde und warfen ihre Leichname dann in Moore oder Flüsse. Womöglich war der bronzene Kopf Teil einer ähnlichen Zeremonie gewesen, bei der die Mühlsteine und andere Gegenstände hinterhergeworfen wurden, um die Opfergabe einzuschließen.

Obwohl der Fund schon 2009 gemacht wurde, blieb der Kopf fast ein Jahrzehnt lang in einem Lager, während ein Landwirt, auf dessen Land der Fund gemacht wurde, sich durch die deutschen Gerichte klagte. Das Landgericht Limburg sprach dem Landwirt schließlich 773.000 Euro als Entschädigung zu. Mittlerweile ist das Artefakt in der Dauerausstellung im Römerkastell Saalburg zu sehen.

Falls Waldgirmes tatsächlich Teil eines römischen Plans war, die Germanen durch Handel und Kultur für sich zu gewinnen, war es womöglich auch nicht der einzige Außenposten, der in der Wildnis erbaut wurde.

„Es muss noch mehr davon geben“, sagt Rasbach. „Meist wurden aber moderne Siedlungen über den alten römischen Stätten errichtet. Bei Waldgirmes hatten wir viel Glück.“

https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2018/08/roemer-germanen-und-ein-goldener-pferdekopf

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-&gt; Curry, Andrew: Römer, Germanen und ein goldener Pferdekopf, in: National Geographic online, online verfügbar seit 20.08.2018 unter: [https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2018/08/roemer-germanen-und-ein-goldener-pferdekopf](https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2018/08/roemer-germanen-und-ein-goldener-pferdekopf), zuletzt geprüft am 09.04.2025.

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Sekundärliteratur

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# Handwerk

#### Inhaltsverzeichnis

1. ,,Unsere Spezialität: tegulae und lateres''. Von römischen Ziegeleien und Ziegelbrennöfen
2. Was Sie schon immer über Terra Sigillata wissen wollten
3. Keramik. Vielfalt in Form, Farbe und Funktion

##### 1. ,,Unsere Spezialität: tegulae und lateres''. Von römischen Ziegeleien und Ziegelbrennöfen

Römische Ziegeleien — oftmals vom Militär betrieben — sind häufig nachgewiesen an militärischen Standorten in den Nordwestprovinzen. Ein Brennofen im Experiment und eine darauf aufbauendeStudie an der Universität zu Köln klären Fragen zur Kapazität eines römischen Ziegelbrennofens und zur Belegschaftsstärke der zugehörigen Ziegelei.

VON HEINZ SPERLING

**RÖMISCHE ZIEGELBRENNÖFEN**

Römische Ziegeleien sind eine nicht gerade selte- ne Befundgattung in den römischen Nordwest- provinzen. Meist vom Militär betrieben, lieferten sie neben Dachpfannen (*tegulae* und *imbrices,* die antiken Formen von Mönch und Nonne) und Zie- gelplatten (*lateres*) auch Rohre und weitere For-men für Hypokausten, Bodenbeläge und Wand- verkleidungen in Lager- und Zivilbauten. Die zu- gehörigen Brennöfen sind, neben vor Ort verbliebenen Ziegeln, die markantesten Befunde dieser Industrieanlagen. Gelegentlich nennen auf- gebrachte Stempel auch die Ziegelproduzenten. Fragen zur Kapazität solcher Öfen und die Anzahl der benötigten Mitarbeiter in einer Ziegelei beant- worten sie jedoch nicht. Es ist lediglich bekannt, dass die Öfen einen viereckigen Grundriss hatten und dass über einer Feuerkammer mit gewölbe- ähnlichem Aufbau die heizgasdurchlässige Loch- tenne lag. Darüber befand sich die eigentliche Brennkammer, in die die Rohziegel eingebracht wurden. Deren Volumen ist die wichtigste Größe, wenn es um die Kapazität einer Ziegelei geht: Was gebrannt werden kann, muss vorher geformt wor- den sein. Erhalten sind jedoch meist nur Teile der Feuerkammer und bestenfalls die Lochtenne. Komplette Brennkammern, bei denen man deren Höhe nachmessen könnte, sind nicht überliefert. Die spannende Frage nach der Menge der Ziegel, die in einem Brennvorgang oder in einem Jahr ge- fertigt werden konnte, musste also anders ange- gangen werden.

**EIN BRENNOFEN IM EXPERIMENT**

2009 wurde dazu auf dem Gelände des LWL-Indus- triemuseums der Ziegelei in Lage (bei Bielefeld) ein solcher Ziegelbrennofen als Experiment nach- gebautund betrieben. Seine Abmessungen und die Bauweise wurden einem Ofen aus der römi- schen Militärziegelei in *Durnomagus* / Dormagen nachempfunden. Dort wurden zwischen 1963 und 1977 sowie 1991 bei Ausgrabungen mehrere Öfen freigelegt. Außerdem lieferten lokale Funde die Abmessungen der mit diesen Öfen hergestellten Waren (*tegulae, imbrices, lateres* etc.).

Aus den Ergebnissen beim Brennen ergaben sich Orientierungspunkte für die ehemalige Höhe der nicht erhaltenen Brennkammer: Nur die Ziegel aus dem Brennkammerbereich bis ca. 2,2 m Höhe konnten nach dem Brennvorgang verwendet wer- den, die aus dem darüberliegenden Bereich dage- gen nicht. Damit liegt es nahe, für annäherungs- weise Berechnungen von 2 m Brennkammerhöhe auszugehen. Bei einer Lochtennenfläche von 3,2 m × 4,1 m, wie beim Dormagener Ofen, ergibt dies dann ein Brennkammervolumen von 26 m3. Für das beim Brennen hindurchströmende Rauch- gas ist außerdem ein Zwischenraum zwischen den Rohlingen freizuhalten; ein Abstand in Zie- gelstärke erschien dabei ausreichend. Der Ofen kann demnach 13 m3 geformte Ziegelrohlinge auf- nehmen;beispielsweise *tegulae* und *imbrices* für 326 m2 Dachfläche oder 351 m2 Bodenbelag mit *la- teres* im Format 35,8 cm × 35,8 cm × 3,7 cm, wie sie in Dormagen gefunden wurden. Soweit die Versu- che am Ofen.

**EIN BETRIEBSMODELL**

Im Rahmen der Dissertation des Verfassers an der Universität zu Köln wurde darauf aufbauend ein Betriebsmodell für die Dormagener Ziegelei ent- wickelt, das Angaben zu Betriebsabläufen, Kapa- zitäten, Personalbedarf etc. liefern kann.

Dazu wurde die Prozesskette mit den einzelnen Stufen der Ziegelproduktion vom Abbau und der Aufbereitung des Lehms über das Formen und Trocknen der Rohlinge bis zum Abtransport nach dem Brennen rekonstruiert. Dieser Ablauf hat sich beim sogenannten Handstrich von Ziegeln nicht zuletzt wegen seiner Einfachheit über die Jahrhunderte bis in die jüngste Vergangenheit na- hezu nicht verändert. So konnte für jeden Schritt die jeweilige Zeitdauer bestimmt werden. Histori- sche Handbücher lieferten hier neben Experimen- ten und daraus abgeleiteten Schätzungen die not- wendigen Daten. Es ließ sich beispielsweise ermit- teln, wie lange das Formen eines Ziegels dauert oder ein Brennvorgang mit Ein- und Ausräumen des Ofens. Summa summarum entstand so ein Re- chenwerk, mit dem sich für den Ofen in Dormagen und auch darüber hinaus für vergleichbare Ziegelbrennöfen Mengenberechnungen vornehmen ließen.

Im Dormagener Ofen konnten demnach in einer Fertigungsperiode bzw. Saison zwischen April und Oktober – im Spätherbst und Winter wird nicht geziegelt – maximal 13 Ofenfüllungen ge- brannt werden; dies sind beispielsweise bei den *tegulae* und *imbrices* mehr als 4000 m2 Dachfläche oder 33 800 Stück *pedales* (Standardformat 1 röm. Fuß, 29,6 cm × 29,6 cm). Sicherlich sind dabei nicht nur Ziegel eines Typs hergestellt worden, sondern es ist mit einem Produktmix zu rechnen. Hierü- ber fehlen uns allerdings Informationen; genauso wie zum Anteil der Gutstücke, die letztlich ver- wendet werden konnten. Angesichts der großen Menge verarbeiteten Lehms (max. 338 Tonnen Lehm/Saison) ist die Anzahl der benötigten Mitar- beiter in der Ziegelei erstaunlicherweise gering: Für das Formen, Brennen, Lehm aufbereiten, Transportieren etc. sind für diesen Ofen je Tag nur ca. 15 Mitarbeiter bei zehn Arbeitsstunden je Arbeitstag der Ziegelei notwendig. Dabei ist denk- bar, dass die zehn Stunden je Tag, wie in der Geschichte der Ziegelherstellung nicht unüblich, von einem Mitarbeiter erbracht wurden. Ein Einsatz von Teilzeitkräften verändert logischerweise die Zahl der erforderlichen Personen. Die tatsächli- chen Verhältnisse in einer römischen Ziegelei kennen wir leider nicht.

Wichtig ist neben der Anzahl der eingesetzten Personen auch deren Qualifikation: Für einen in- dustrieähnlichen Betrieb mit der genannten Pro- duktionskapazität müssen mindestens die For- mer und die Brenner qualifizierte Fachkräfte sein! Bei den anderen Tätigkeiten ist der Einsatz von „angelernten“ Kräften denkbar. Außerdem müssen auch Experten für den Bau und die In- standhaltung des Ofens zur Belegschaft gehört haben.

**IN ANDEREN ZIEGELEIEN**

Der rechteckige, oben offene Schachtofen ist ein „Standardmodell“ für römische Ziegeleien, und auch die Abmessungen dieser Öfen liegen an sehr vielen Standorten nahe an denen aus Dormagen. Deshalb bietet das Betriebsmodell auch die Mög- lichkeit „rückwärts“ zu rechnen: Wenn Anzahl und Typ der in einem Gebäude verbauten Ziegel bekannt sind, kann die zur Herstellung dieser Zie- gel nötige Ziegeleikapazität ermittelt werden.

Da zudem auch die Ziegeleien im italischen Mut- terland zu dieser Zeit den gleichen Ofentyp ver- wendeten – was hätte einen römischen Legionär auch dazu bringen sollen, den von zuhause be- kannten Ofentyp nicht auch in der Provinz einzu- setzen –, konnte so als Beispiel die für die Ziegel der Caracalla-Thermen benötigte Anzahl an Brennöfen berechnet werden: Mindestens 92 gleichzeitig während fünf Jahren mit voller Leis- tungsfähigkeit während der Ziegelsaison laufen-de Öfen mit der Kapazität des Dormagener Ofens waren dazu nötig! Und da bei den Berechnungen keine sinnvollen Minderungen aufgrund von Fehl- bränden und anderen Produktionsproblemen und -verzögerungen berücksichtigt werden können, sind die 92 Öfen nur das unterste Minimum. Summa summarum zeigt das Modell, dass an- schauliche Rekonstruktionen nicht nur für antike Bauten und andere materielle Güter, sondern auch für Herstellungsprozesse möglich sind und plausible, aussagefähige Erkenntnisse über das damalige Betriebsgeschehen im Handwerk liefern können.

##### 2. Was Sie schon immer über Terra Sigillata wissen wollten

**Was ist Terra Sigillata?**

Terra Sigillata ist eine hochwertige römische Keramik mit roter, glänzender Oberfläche. Die unverzierten oder mit Reliefbildern geschmückten Gefäße wurden in Großbetrieben als Massenware hergestellt. Ihre Formen und Größen sind genormt. Terra Sigillata wurde von der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. bis in das 5. Jahrhundert n. Chr. erzeugt.  
Wie die Römer diese Keramik nannten, ist nicht bekannt. Der Begriff Terra Sigillata (lat. mit kleinen Figuren verzierte Erde) stammt aus dem 18. Jahrhundert.

**Wie wurde Terra Sigillata hergestellt?**

Die unverzierte Terra Sigillata wurde auf der Töpferscheibe frei gedreht.  
Zur Herstellung der mit Reliefs verzierten Terra Sigillata mussten Formschüsseln angefertigt werden. Dazu drückte man mit Hilfe von Punzen Verzierungen in die Innenseite von Gefäßen aus noch weichem Ton. Danach wurden die Formschüsseln gebrannt.  
Um ein Reliefgefäß anzufertigen, drehte ein Töpfer als Erstes einen Rohling. Dann zentrierte er eine Formschüssel auf der Töpferscheibe und setzte den zuvor geformten Rohling in sie hinein. Mit einem Werkzeug presste er das weiche Gefäß an die Wand der Formschüssel, sodass alle vertieften Motive vollständig ausgefüllt waren. Schließlich formte er den Rand. Da Ton beim Trocknen schrumpft, konnte das Gefäß nach einiger Zeit aus der Formschüssel gestürzt werden. Zuletzt wurde der Standring angesetzt oder aus dem dicken Boden herausgeschnitten.

[![G3-A1_Formschuessel-Erklaerung.jpg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/scaled-1680-/g3-a1-formschuessel-erklaerung.jpg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/g3-a1-formschuessel-erklaerung.jpg)

In eine Formschüssel werden mit einer Punze Motive gedrückt. | Einsetzen des Rohlings in die Formschüssel. (Grafik: Stadtarchäologie Wien/Christine Ranseder)

Die lederharten Gefäße wurden in einen dünnflüssigen, feinen Brei aus eisenreichem Ton getaucht.  
Der abschließende Brand erfolgte unter Zuführung von Sauerstoff bei einer Temperatur von 950°C in speziellen Töpferöfen.

[![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/scaled-1680-/C9Timage.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/C9Timage.jpeg)

<figure aria-describedby="caption-attachment-6322" class="wp-caption alignnone" id="bkmrk-brennofen.-%28grafik%3A-"><figcaption class="wp-caption-text" id="bkmrk-brennofen.-%28grafik%3A--1">Brennofen. (Grafik: Stadtarchäologie Wien/Gerhard Reichhalter)</figcaption></figure>**Wo wurde Terra Sigillata erzeugt?**

Terra Sigillata wurde nach Vindobona importiert. Italienische Werkstätten begannen in den letzten Jahrzehnten des 1. Jahrhunderts v. Chr. mit der Herstellung von Terra Sigillata. Spitzenprodukte kamen vor allem aus den Töpfereien bei Arezzo in der Toskana und aus den Werkstätten in der Po-Ebene. Um 15 v. Chr. errichteten arretinische Töpfer eine Zweigstelle in Lyon.  
Im ersten Jahrhundert n. Chr. entstanden Betriebe in Südgallien (Montans am Tarn, La Graufesenque, Banassac) und in Mittelgallien (Lezoux). Um die Wege zu den Absatzmärkten im Norden des Römischen Reiches zu verkürzen, wurden schließlich Töpfereien in Ost- und Nordgallien sowie den Rheinlanden errichtet. Um die Mitte des 2. Jahrhunderts begann die Produktion von Terra Sigillata im germanischen Rheinzabern. Die große Nachfrage führte zur Gründung von weiteren Werkstätten in Westerndorf und Pfaffenhofen.

[![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/scaled-1680-/MNKimage.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/MNKimage.jpeg)

<figure aria-describedby="caption-attachment-6325" class="wp-caption alignnone" id="bkmrk-die-standorte-wichti"><figcaption class="wp-caption-text" id="bkmrk-die-standorte-wichti-1">Die Standorte wichtiger Töpfereien, die Terra Sigillata herstellten. (Kartierung: Stadtarchäologie Wien)</figcaption></figure>**Warum ist Terra Sigillata wichtig?**

Terra Sigillata lässt sich gut datieren, weil ihre genormten Formen und Verzierungen wechselnden Moden unterworfen waren.  
Die Hauptformen der Terra Sigillata wurden 1896 erstmals von Hans Dragendorff auf Typentafeln geordnet und mit Nummern versehen publiziert. Bis heute sind zahlreiche weitere, nach Forschern oder Fundorten benannte Typenkataloge veröffentlicht worden. ArchäologInnen verwenden diese international gültigen Verzeichnisse, um Funde zeitlich und geografisch einzuordnen.

[![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/scaled-1680-/wjJimage.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/wjJimage.jpeg)

<figure aria-describedby="caption-attachment-6323" class="wp-caption alignnone" id="bkmrk-hans-dragendorff%2C-te"><figcaption class="wp-caption-text" id="bkmrk-hans-dragendorff%2C-te-1">Hans Dragendorff, Terra sigillata: ein Beitrag zur Geschichte der griechischen und römischen Keramik, Bonner Jahrbücher 96/97, Bonn 1895, Taf. II. | Ein Terra-Sigillata-Schälchen der Form Drag. 27 aus der Schützengasse 24. (Foto: Stadtarchäologie Wien/Christine Ranseder)</figcaption></figure>Mit Terra Sigillata lassen sich die Absatzgebiete einzelner Töpfereien und Handelswege nachweisen. Sowohl die Töpfer als auch die Hersteller der Formschüsseln stempelten die Produkte mit ihren Namen. ArchäologInnen können dank dieser Stempel Informationen zur Organisation des Betriebs, der Produktivität und dem Motivschatz einzelner Handwerker gewinnen.

[![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/scaled-1680-/f39image.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/f39image.jpeg)

<figure aria-describedby="caption-attachment-6327" class="wp-caption alignnone" id="bkmrk-stempel-of-sabini.-t"><figcaption class="wp-caption-text" id="bkmrk-stempel-of-sabini.-t-1">Stempel of sabini. Töpfereiunternehmer mit unterschiedlichem Vertragsverhältnis verwendeten Stempel mit dem Zusatz of(ficina). (Foto: Stadtarchäologie Wien) [![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/scaled-1680-/Tlfimage.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/Tlfimage.jpeg)

</figcaption></figure><div class="site-content" id="bkmrk-stempel-albini-m.-ei"><div class="content-wrapper clear"><div class="content-area" id="bkmrk-stempel-albini-m.-ei-1"><main class="site-main" id="bkmrk-stempel-albini-m.-ei-2" role="main"><article class="post-6319 page type-page status-publish has-post-thumbnail hentry" id="bkmrk-stempel-albini-m.-ei-3"><div class="entry-content"><figure aria-describedby="caption-attachment-6326" class="wp-caption alignnone" id="bkmrk-stempel-albini-m.-ei-4"><figcaption class="wp-caption-text" id="bkmrk-stempel-albini-m.-ei-5">Stempel albini m. Eigenständige Töpfer zeichneten mit dem Zusatz m(anu). (Foto: Stadtarchäologie Wien)</figcaption></figure></div></article></main></div></div></div><div class="footer-widget-area" id="bkmrk--5" role="complementary"><div class="footer-widget-wrapper clear"><div class="footer-widget"><aside class="widget widget_text" id="bkmrk--6"></aside></div></div></div>
##### 3. Keramik. Vielfalt in Form, Farbe und Funktion

Keramik in unterschiedlichsten Formen und Farben stellt nicht nur heute den Großteil der Fundstücke des römischen Alltags, sie spielte auch im römischen Wirtschaftsleben und für die Bevölkerung des römischen Aalens eine große Rolle. Das Warenspektrum der Keramikhändler reichte vom hochwertigen Tafelgeschirr, der rotglänzenden Terra sigillata, über lokale Produkte bis hin zum möglichen Fernhandel mit Amphoren, bei denen es allerdings auf den Inhalt ankam. Die Menschen profitierten von diesem breiten Angebot und hatten somit Anteil am globalen Wirtschaftssystem des römischen Weltreichs.

Als eines der beliebtesten Handelsgüter wurde die sogenannte Terra sigillata reichsweit vertrieben. Das rot glänzende Geschirr wurde als Massenware in spezialisierten Töpfereien in Gallien und am Rhein hergestellt. Das Formenspektrum reicht von einfachen Gefäßen bis hin zu aufwendig verzierten Stücken. Über die Muster und Namensstempel lassen sich einzelne Gefäße bestimmten Produktionszentren zuweisen, wodurch antike Handelswege rekonstruiert werden können. Als Filialbetrieb der großen Töpferei von Rheinzabern beim heutigen Ludwigshafen wurde auch in Waiblingen Terra sigillata hergestellt. Davon zeugen Bruchstücke von Formschüsseln und Punzen zum Eindrücken des Dekors in die Negativformen. Daneben wurde hier vor allem einfache Gebrauchskeramik wie Töpfe, Krüge und Becher sowie Reibschalen produziert und überregional verhandelt.




##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Jäger, Sabine; Ranseder, Christine: Was Sie schon immer über Terra Sigillata wissen wollten, in: Stadtarchäologie Wien, online verfügbar seit 08.06.2018 unter: [https://stadtarchaeologie.at/start/erleben/ausstellungen/tischgespraech/tischgespraech/](https://stadtarchaeologie.at/start/erleben/ausstellungen/tischgespraech/tischgespraech/), zuletzt geprüft am 07.07.2026.

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**Sekundärliteratur**

-&gt; Sperling, Heinz: ,,Unsere Spezialität: tegulae und lateres''. Von römischen Ziegeleien und Ziegelbrennöfen, in: Der Limes. Nachrichtenblatt der deutschen Limeskommission (16. Jahrgang, Heft 1), Stuttgart 2022.

-&gt; Kemkes, Martin u. Wötzel, Judith: Römer, Limes, Welterbe. Das Limesmuseum Aalen, Oppenheim am Rhein 2024, S. 188.

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# Landwirtschaft und Versorgung

#### Inhaltsverzeichnis

1. Militärstandorte und Villa rustica. Getreide für Roms Soldaten.
2. Monte Testaccio. Roms größte Müllhalde.

##### 1. Militärstandorte und Villa rustica. Getreide für Roms Soldaten.

Manche Zusammenhänge, wie z. B. der erhöhte Bedarf an Nahrungsmitteln in einer von Soldatengesicherten Grenzregion, liegen auf der Hand. Doch mitunter ergeben sich erst durch eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema sowie durch hypothetische Kartierungen noch weitere wesentliche Aspekte, die eine Betrachtung aus ganz neuen Blickwinkeln erlauben oder gar erfordern.

**VON CHRISTOF FLÜGEL UND JOHANNES VALENTA**

Die Kastelle und Lagerdörfer am Obergermanisch- Raetischen Limes wurden standortnah von den un- zähligen Gutshöfen *(villae rusticae)* im Hinterland beliefert. Diese landwirtschaftlichen Betriebe be- standen jeweils aus einem 1–5 ha großen Hofareal mit einem repräsentativen Hauptgebäude sowie zahlreichen Nebengebäuden wie Getreidedarren oder Thermen. Geschätzt etwa 15 Bewohner einer *villa rustica* bewirtschafteten mit ihren Sklaven zwischen 50 ha und 100 ha Fläche, um die enormen Getreidemengen, die für die Versorgung der Soldaten im Grenzgebiet notwendig waren, zu erzeugen. Der hohe Bedarf wird eindrücklich durch ein hölzernes Schreibtäfelchen aus dem Kastell *Vindolanda* am Hadrianswall belegt: Der Brief des Geschäftsmannes Octavius erwähnt eine Lieferung von 5000 *modii* Getreide (etwa 4,5 t), für die eine Anzahlung von 300 Denaren geleistet wurde, was in etwa dem Jahresgehalt eines einfachen Soldaten entsprach (VindolandaTablets 343).

Die Konzentration von Reitereinheiten in Nordraetien bedeutete für die Militärverwaltung darüber hinaus eine logistische Herausforderung: Der jährliche Getreidebedarf einer 500 Mann starken *ala quingenaria,* wie sie in Weißenburg stationiert war, betrug für die Soldaten jährlich 308t Weizen, dazu kamen etwa 372t Gerste für die Pferde. Für die *ala miliaria* in Aalen sind dementsprechend jeweils die doppelten Mengen anzusetzen. Zusätzlich mussten aber natürlich auch die Infanterieeinheiten am Raetischen Limes versorgt werden. Allein für die auf dem Weißenburger Militärdiplom für das Jahr 107 n. Chr. genannten Reiter- und Infanterieeinheiten des Heeres in Raetien waren somit jährlich 2931,4 t Gerste und 4976 t Weizen nötig, die es zu erwirtschaften galt.

**NEUE KARTEN FÜR DEN ALTEN LIMES**

Im Hinterland des vorderen Obergermanisch-Raetischen Limes lagen nach bisherigem Wissensstand etwa 4000 *villae rusticae* kleinerer und mittlerer Größe. Obwohl zahlreiche Zusammenstellungen und Monographien zur Archäologie und Geschichte einzelner Gutshöfe existieren, wurde bislang noch nicht der Versuch unternommen, diese in Relation zur heutigen Bodengüte zu setzen. Aus diesem Grund wurde an der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern in Kooperation mit der Stadt Gunzenhausen und ArchIV – Archäologische Informationsverarbeitung Johannes Valenta eine Übersichtskarte entwickelt, welche die Standorte limeszeitlicher *villae rusticae* sowie die germanischen Siedlungen im Vorfeld nach Bodengütewerten differenziert. Eine wesentliche Schwierigkeit dabei bildete die Tatsache, dass die Überblickskarten zur ländlichen Besiedlung in römischer Zeit weder zeitlich differenziert noch georeferenziert sind. Er- gänzend dazu wurde eine Karte zur römischen Reiterei am Limes erstellt. Als Grundlage dienten jeweils kartographische Abbildungen aus einschlägigen archäologischen Publikationen.

**BODENGÜTEKARTEN FÜR DEUTSCHLAND UND ÖSTERREICH**

Die „Kartierung des ackerbaulichen Ertragspotentials der Böden in Deutschland im Maßstab 1:1 000 000“ liegt als georeferenziertes Tiff-Bild (Geotiff) vor und wurde 2014 von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe herausgegeben. Diese Karte zeigt in den Rasterzellen (je 250 m × 250 m) die Werte der Bodengüte (des „Soil Quality Ratings“) für ackerbauliche Standorte in einer Skala von 0 bis 102 Punkten, die in sechs Klassen von äußerst geringem bis sehr hohem Potenzial eingeteilt sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nur ackerbaulich genutzte Standorte bewertet wurden, Grünland-, Wald- und Siedlungsflächen dagegen nicht. Für Österreich liegt eine landesweite Bodennutzungskartierung mit einer Rasterweite von einem Kilometer vor, wobei eine Rasterzelle nach der darin überwiegend vorkommenden Bodenform klassifiziert wird. Im Gegensatz zur oben genannten Kartierung für Deutschland wird hier neben der Eignung der Böden für die ackerbauliche Nutzung auch die Grünlandnutzung bewertet. Die Einteilung der Wertigkeiten erfolgt hier in fünf Klassen von geringwertig bis hochwertig.

Die unterschiedlichen räumlichen Auflösungen der Bodengütekartierungen für Deutschland und Österreich wurden zunächst unverändert übernommen. Die inhaltliche Klassifikation für die acker- bauliche Nutzung hingegen wurde verändert, um den Fokus auf die guten bis sehr guten Bodenertragswerte zu legen.

**DER LIMES: EINE GRENZE FÜR ROM**

Aus dem Verbreitungsbild der *villae rusticae* lassen sich in der Tendenz wesentliche Aspekte für unser Verständnis der römischen Grenze in Obergermanien und Raetien herauslesen, auch wenn wir im Detail nicht immer wissen, wie sich die Landschaft und die Bodenqualitäten seit der Römerzeit durch landwirtschaftliche Nutzung, Bodenerosion oder Überschwemmungen verändert haben.

Nur etwa 5 % der Standorte sind auch aus heutiger Sicht sehr gut für die ackerbauliche Nutzung geeignet. Etwas mehr als ein Drittel der Standorte erzielen aktuell gute oder mittlere Erträge. Etwa ein Viertel erreichen einen geringen oder schlechten Ertrag. Knapp 35 % der Standorte wurden durch die Bodenertragskartierung für ackerbauliche Nutzung nicht erfasst oder nicht bewertet.

Der Verlauf des vorderen Obergermanisch-Raetischen Limes orientiert sich deutlich an der Qualität der für Landwirtschaft zur Verfügung stehenden Flächen und schließt diese in das Imperium ein. Gut erkennbar wird dies am „Limesknick“ in der Wetterau mit überwiegend sehr guten Böden und dem nordraetischen Limesbogen mit mittleren bis guten Bodenwerten. Die große Distanz zu den germanischen Siedlungen im Vorfeld, die sich ihrerseits erst wieder auf Böden schlechter bis mittlerer Qualität im Maindreieck konzentrieren, ist dadurch zu erklären, dass das Limesvorfeld unter landwirtschaftlicher Betrachtungsweise für Rom uninteressant war, aber durchaus der Rohstoffgewinnung dienen konnte.

Die Kartierung der *villae rusticae* verdeutlicht, dass der Obergermanisch-Raetische Limes primär eine innenpolitisch motivierte Grenze für Rom und nicht eine Grenze gegen die Barbaren im Vorfeld war. Die Sicherung der Lebensmittelversorgung war von vitalem Interesse für das Römische Reich.

**REITER FÜR ROM**

Das strategische Konzept zur Sicherung von Obergermanien und Raetien wird durch eine Kartierung der Reitereinheiten *(alae)* und teilberittenen Reitereinheiten *(cohortes equitatae)* deutlich: Basierend auf experimentalarchäologischen Ergebnissen Marcus Junkelmanns sind als maximal mögliche Tagesdistanz eines Reitersoldaten etwa 80 km anzunehmen. Dies entspricht auch den Erfahrungen beim modernen Distanzreiten, denen zufolge fast alle Pferderassen bei gutem Training eine solche Strecke zurücklegen können. Die antike Überlieferung in der Historia Augusta schildert dagegen eine Ausnahmesituation (Historia Augusta, Maxi- mini Duo 25,2): Der Kopf des Usurpators Maximinus Thrax wurde nach dessen Ermordung in Aquileia (im heutigen Friaul in Norditalien) in nur vier Tagen „… unter ständigem Pferdewechsel“ nach Rom gebracht und dort am Forum ausgestellt. Die Distanz zwischen Aquileia und Rom beträgt 640 km, was bei den angegebenen vier Tagen einer doppelten Tagesleistung von 160 km entspricht. Dies ist nur durch den in der Historia Augusta be- sonders betonten Pferdewechsel denkbar.

Für das Gebiet jenseits des Limes wurde aufgrund der schlechteren infrastrukturellen Erschließung hypothetisch ein maximaler Einsatzradius von 40 km angenommen. Das Ergebnis der Kartierung zeigt, dass für die Stationierung der Reitereinheiten am Obergermanisch-Raetischen Limes besonders die Sicherung der für die Versorgung der Provinz notwendigen Kulturlandschaft mit der angesprochenen hohen Konzentration von *villae rusticae* wesentlich war. Gleichzeitig war, wie besonders die sich in der Provinzhauptstadt *Aelia Augusta*/Augsburg überschneidenden maximalen Einsatzradien der nordraetischen Reitertruppen zeigen, die militärische Sicherung der Provinzhauptstadt ausschlaggebend. Die Vorfeldsicherung des Limes deckte außerdem die militärische und wirtschaftliche Einflusszone Roms ab.

Die Kartierung der Reichweiten innerhalb des Römischen Reiches und im Barbaricum sind bislang hypothetisch. Die maximale Reichweite eines Reiters ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Als wesentlichste sind zu nennen:

– die Anzahl der Wechselstationen und deren Abstand zueinander;

– das Ausbaustadium und der Zustand der Straßen und des Straßennetzes;

– die Beschaffenheit des Geländereliefs (Steigung, Bodenbeschaffenheit);

– saisonale Faktoren (Schnee, Eis, Matsch).

Um ein „Römer-Routing“ einigermaßen authentisch modellieren zu können, müssten zunächst Informationen zu den oben genannten Faktoren zusammengetragen bzw. erhoben werden. Dabei bedarf es vor allem einer kritischen Durchsicht der vorhandenen Informationen zum römischen Straßennetz hinsichtlich seiner Güte und Vollständigkeit. Römerzeitliche Verkehrswege im Barbaricum sind bisher ebenfallsschwer zu fassen. Zwar gibt es bereits erste Ansätze, die Reisezeiten auf den gro- ßen Fernstraßen im Römischen Reich zu modellie- ren –auch saisonal –, aber je kleinräumiger der Un- tersuchungsraum gewählt wird, desto unschärfer werden die Datengrundlagen. Abgesehen von den noch vorhandenen Schwierigkeiten bieten die hier gezeigten Kartierungen jedoch eine gute Diskussionsgrundlage für weiterführende Forschungen.

##### 2. Monte Testaccio. Roms größte Müllhalde.

<div class="content__intro" id="bkmrk-im-antiken-rom-lande" style="text-align: justify;">Im antiken Rom landete Verpackungsmüll auf einer riesigen Halde, die noch heute den Stadtteil Testaccio überragt. Was in dem Scherbenberg steckt, verrät einiges über den Bedarf an Olivenöl – und woher die Römer das meiste davon beschafften.</div><div class="content__intro" id="bkmrk-" style="text-align: justify;"></div>Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, wohl aber auf sieben Hügeln. Ob Kapitol, Palatin oder Aventin – auf den Erhebungen standen Tempel, Häuser sowie Kaiserpaläste, und auf ihnen wuchs aus einer bescheidenen Siedlung die Hauptstadt eines Weltreichs. Streng genommen hat Rom jedoch noch einen achten Hügel: den Monte Testaccio. Er liegt zwischen dem Aventin und dem Tiberufer. Auf dieser Erhebung errichteten die Römer keine Bauten; von Bedeutung ist vielmehr, was in seinem Inneren steckt: Der fast 50 Meter hohe Hügel besteht aus Abermillionen Amphorenscherben. Es war die größte Müllhalde des antiken Rom.

<aside class="hide-for-print right sideshow sideshow__300_250" id="bkmrk--1"></aside>Monte Testaccio – Scherbenberg – lautet der moderne Name, der vom lateinischen »testa« (Tonscherbe) abgeleitet ist. Die unzähligen Keramikfragmente stammen nahezu ausschließlich von Amphoren, also hohen Tongefäßen mit zwei Henkeln. In der Antike legte man üppig verzierte Amphoren als Beigabe ins Grab oder sie wurden, mit kostbarem Öl gefüllt, den Siegern sportlicher Wettkämpfe überreicht. Unbemalt und schmucklos dienten sie jedoch als wichtigster Transportbehälter in der antiken Welt – für Massengüter wie Getreide, Wein, Olivenöl, Früchte und Würzsoßen.

Meist waren Amphoren Einwegverpackungen. Leergut zurückzuschicken, lohnte sich schlicht nicht. Die Menschen konnten Getreide- und Weinamphoren zwar als Vorratsgefäß wiederverwenden, aber Ölamphoren ließen sich nach dem Gebrauch nicht vollständig reinigen. Das Olivenöl blieb an der Innenwand haften, sickerte in den Ton und verdarb. Unbrauchbar gewordene Amphoren zerschlug und entsorgte man. Die Folge: In Rom wuchs im Lauf von drei Jahrhunderten ein Scherbenhügel in die Höhe.

<div class="collapse hide-for-print row" id="bkmrk--2" style="text-align: justify;"><div class="columns small-12">  
</div></div>**Auf der Suche nach Kritzeleien**

Im Jahr 1872 kam der Epigrafiker Heinrich Dressel (1845–1920) nach Rom, um für ein Sammelwerk lateinischer Inschriften, das »Corpus Inscriptionum Latinarum«, nach Kritzeleien auf Gegenständen des täglichen Gebrauchs zu suchen. Dabei stieß er auf die Scherben des Monte Testaccio. Zunächst sammelte Dressel Fragmente von der Oberfläche, dann ließ er graben. Auf vielen Amphoren fand er längliche Inschriftenstempel oder mehrzeilige Aufschriften aus schwarzer Tinte, so genannte »tituli picti«.

Dressel erstellte Typentafeln mit den Stempeln und fasste die Aufschriften in langen Listen zusammen, entzifferte sie und versuchte die Bedeutung der Wortfetzen zu erschließen. Er erkannte, dass das Leergewicht einer Amphore, die Menge des transportierten Olivenöls und der Eigentümer des Öls notiert waren. Die Inschriften waren im Grunde antike Frachtbriefe. Und da sie auch den amtierenden Konsul nannten, konnte Dressel das genaue Jahr der Nutzung erschließen: Er schlussfolgerte, dass der Hügel vom 1. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. aufgeschüttet worden war.

Dem Epigrafiker gelang es, die bekannten Amphoren ihrer Form nach zu ordnen und zu zeigen, wie die Töpfer sie im Lauf der Zeit gestalteten. Viele Amphorentypen tragen seitdem seinen Namen. So auch der Typ »Dressel 20«, eine 70 bis 80 Zentimeter hohe, bauchige Amphora. Sie kann ungefähr 70 Liter Öl fassen und wiegt selbst zirka 30 Kilogramm. Die allermeisten Funde vom Monte Testaccio sind Tonbehälter jenes Typs.

<div class="collapse hide-for-print row" id="bkmrk--3" style="text-align: justify;"><div class="columns small-12"><aside></aside>  
</div></div>Heinrich Dressel konnte nachweisen, dass dieser Gefäßtyp und damit auch das darin transportierte Öl aus der römischen Provinz Baetica kamen, dem heutigen Andalusien. [Als der Gelehrte 1899 die Stempel und Aufschriften publizierte](https://arachne.dainst.org/entity/2347286), machte er aus der Müllhalde ein historisches Archiv. Seine langjährigen Forschungen zeigten, wie aufschlussreich die Tonbehälter für die Wirtschaftsgeschichte des Römischen Reichs sein konnten. Dennoch geriet der Hügel nach Dressel wieder in Vergessenheit.

**400 bis 500 Tonnen Fracht pro Schiff**

Wie aber kam es dazu, dass an dieser Stelle im Tiberbogen ein Scherbenberg entstand? Grund war die Wirtschaftsweise Roms. Die Großstadt konnte die Versorgung ihrer Einwohner nicht aus eigener Landwirtschaft sicherstellen. Schon zur Zeit der Republik war Rom daher von der Einfuhr von Nahrungsmitteln abhängig, der so genannten »annona« (Jahresertrag). Den dafür zuständigen Beamten oblag es, Getreide, Wein und Olivenöl zu beschaffen. Das Öl war dabei nicht nur als Lebensmittel wichtig, sondern auch als Brennstoff für Lampen, als Heilmittel und als Bestandteil in kosmetischen Stoffen. Die Lieferungen galten den Einwohnern Roms (»annona civica«) und der Armee (»annona militaris«). Dass die »annona« reibungslos lief, war eine politische Angelegenheit ersten Ranges. Sicherte doch das später auch kostenlose Verteilen der Lebensmittel [den sozialen Frieden in der Stadt und die Loyalität der Legionen](https://books.google.de/books?id=LAStBAAAQBAJ).

Der überwiegende Teil des Fernhandels von den Provinzen in die Hauptstadt erfolgte übers Mittelmeer. Schiffstransporte waren um ein Mehrfaches billiger als jene zu Land. Und: Schiffe konnten große und schwere Warenmengen rascher bewegen. Wie viele Transportamphoren im Bauch der Lastkähne verstaut werden konnten, bezeugen einerseits große Fundmengen in antiken Schiffswracks und andererseits schriftliche Quellen. Denn die Zahl der Amphoren an Bord war namensgebend für den Schiffstyp: »Myriophoros« – er trägt buchstäblich Myriaden – bezeichnete Schiffe mit einer Ladung von zirka 10 000 ineinander- und übereinandergestapelten Amphoren, eine Fracht von etwa 400 bis 500 Tonnen, die für die Annona-Segler nicht ungewöhnlich gewesen sein dürfte.

<div class="collapse hide-for-print row" id="bkmrk--4" style="text-align: justify;"></div>Erst in den 1970er Jahren beschäftigten sich Forscherinnen und Forscher wieder mit den Arbeiten Dressels am Monte Testaccio. Gleichzeitig begannen Archäologen und Historiker, die Produktion von Olivenöl und Amphoren in Spanien zu untersuchen. Sie wollten wissen, welche Rolle beides in Handel und Wirtschaft im Römischen Reich gespielt hatte. Mit der Gründung des [Centro para el Estudio de la Interdependencia Provincial en la Antigüedad Clásica (CEIPAC)](http://ceipac.ub.edu/) 1989 an der Universität Barcelona in Zusammenarbeit mit der Universität La Sapienza in Rom konnten Fachleute um José Remesal Rodríguez ihre Forschungen in der römischen Provinz mit der am Monte Testaccio verbinden.

**Baetica, ein Wirtschaftszentrum für Öl – und Amphoren**

Antike Historiker wie Strabon oder [Plinius der Ältere](https://www.spektrum.de/news/plinius-der-aeltere-er-kam-sah-und-schrieb-und-schrieb/2147292) nennen in den Jahrhunderten um die Zeitenwende Baetica als Herkunftsgebiet von Olivenöl. Die Provinz erlebte seit Kaiser Augustus, der von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr. regierte, einen großen wirtschaftlichen Aufschwung. In dem Gebiet zwischen den Städten Hispalis, dem heutigen Sevilla, Corduba (heute Córdoba) und Astigi – heute als Écija bekannt – [haben Archäologen inzwischen rund 100 römerzeitliche Töpfereien entdeckt](https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/bjb/article/view/43993). Sie lagen am schiffbaren Fluss Baetis, dem heutigen Guadalquivir, und dessen Nebenfluss Singilis, dem Genil, an deren Ufern sich auch die für die Herstellung der Amphoren benötigten Tonlager befanden.

Seit der Zeit von Kaiser Augustus produzierten diese Töpfereien Ölamphoren vom Typ »Dressel 20«. [Die archäologischen Untersuchungen des CEIPAC](https://link.springer.com/referenceworkentry/10.1007/978-3-319-51726-1_3331-1) bestätigten zudem die antiken Schriften. Das fruchtbare Baetis-Tal war ein Herstellungszentrum für Olivenöl, das »oleum Baeticum«. Olivenhaine, Ölpressen und Töpfereien lagen dort dicht beieinander. Auf kleinen Flusskähnen beförderte man die gefüllten Amphoren zur Mündung in den Atlantik. Dort lud man sie auf seetüchtige Schiffe und schickte sie nach Italien – genauer gesagt nach Ostia Antica.

Die Stadt an der Tibermündung diente lange als Haupthafen Roms. Da der Ort jedoch zunehmend versandete, ließ Kaiser Claudius ab dem Jahr 42 n. Chr. weiter nördlich einen neuen Hafen anlegen. Bei Sturm bot das Hafenbecken allerdings wenig Schutz. 64 n. Chr. sanken dort 200 beladene Getreideschiffe. Kaiser Trajan ließ daher unweit davon ab 103 n. Chr. ein riesiges sechseckiges Hafenbecken bauen – dessen Umrisse sind heute noch als Lago di Traiano in der Landschaft sichtbar. Ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. kamen dort die Schiffe mit dem baetischen Öl an, das auf Lastkähne umgeladen und flussaufwärts in die Stadt gebracht wurde. Unterhalb des Aventin neben der heutigen Ponte Sublício war Endstation.

Im dortigen Flusshafen entlud man die Boote und lagerte die Waren in großen Speichergebäuden. Diese zweigeschossigen »horrea« standen dicht an dicht in der Ebene zwischen Tiber und Aventin. Übrig geblieben sind davon nur wenige Ruinen, etwa Bogenelemente der Porticus Aemilia, einer einst 490 auf 60 Meter großen Lagerhalle. Doch die römerzeitliche Bebauung im heutigen Stadtteil Testaccio ist bekannt, weil sie auf mehreren Fragmenten der »Forma Urbis Romae« erhalten ist. Auf diesem großflächigen Stadtplan aus Marmor, der im antiken Rom öffentlich ausgestellt war, sind die »horrea« als aneinandergereihte Bauten abgebildet. Und zwischen ihnen ragte der Monte Testaccio auf.

**Wie der Hügel in die Höhe wuchs**

Um den inneren Aufbau des Hügels zu verstehen, [führten die Experten vom CEIPAC gravimetrische Messungen durch](https://link.springer.com/referenceworkentry/10.1007/978-3-319-51726-1_3331-1). Ihre Daten zeigten, dass der Amphorenberg aus zwei übereinanderliegenden Abschnitten unterschiedlicher Dichte besteht. Der untere Teil im Inneren war weniger dicht gepackt, weil die Keramikbehälter wohl ungeordnet auf die Halde befördert wurden. Das Material darüber war hingegen viel stärker verdichtet. Die langjährigen Grabungen der Arbeitsgruppe zeigten zudem, dass der Monte Testaccio ähnlich wie eine Stufenpyramide in die Höhe wuchs. Man lud die Amphoren über Rampen ab, bis eine steil geböschte Plattform entstanden war, auf der nach innen gerückt dann eine weitere niedrige Stufe aufgeschichtet wurde. Später füllte man die Absätze auf.

<div class="collapse hide-for-print row" id="bkmrk--5"><div class="columns small-12"><aside></aside>  
</div></div>Zunächst türmte man zwei große Plattformen in dieser Art auf, später entstanden noch zwei kleinere Aufschüttungen daneben. Ungefähr vom 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. landeten so Amphoren auf Roms Müllberg.

[Mit Hilfe statistischer Verfahren und ihrer Datenbank](https://www.academia.edu/31131648/Remesal_Rodr%C3%ADguez_J_Epigraf%C3%ADa_Anf%C3%B3rica_Instrumenta_17), die ungefähr 43 000 Einträge umfasst, konnten die Wissenschaftler auch viel genauer, als es Dressel möglich war, die unzähligen Funde bearbeiten und auswerten. Analysen mit Hilfe der Röntgenfluoreszenz und des Rasterelektronenmikroskops bestätigten überdies, dass die Amphoren »Dressel 20« aus Andalusien und die Gefäße dieses Typs vom Monte Testaccio aus demselben Ton und mit derselben Technik hergestellt worden waren. Das Forschungsteam schätzt, dass rund 25 Millionen Amphoren in dem Hügel liegen.

Die statistische Auswertung ergab, dass rund 80 Prozent aller Amphoren zum Typ »Dressel 20« gehörten, aus der Baetica kamen und baetisches Öl transportierten. Zirka 15 Prozent stammten aus Nordafrika, viele waren einst gefüllt mit Öl aus dem heutigen Tunesien und Libyen. Die restlichen Gefäße, das ergaben die archäometrischen Untersuchungen, dienten zur Einfuhr von Wein aus Gallien und für die fischhaltige Würzsoße »garum« aus Spanien.

Viele Erkenntnisse Dressels zu den Stempeln und Aufschriften konnte die Forschungsgruppe des CEIPAC bestätigen, einige sogar präzisieren. Gesichert ist nun: Die Stempel nennen die Namen der Ölproduzenten und Besitzer der Olivenhaine. Bei ihnen handelt es sich um Männer aus der Bürgerschicht Baeticas oder sogar um einheimische Senatoren, die in Rom lebten. Die aufgemalten Inschriften hingegen bringen Remesal Rodríguez und sein Team mit den Namen von Händlern in Verbindung. Und zuletzt gibt es noch Kontrollvermerke, die beim Transport auf die Amphoren geschrieben wurden – stets in einem ähnlichen Wortlaut: »Geprüft, wie viel einer Ware, an welchem Ort, in welchem Büro, durch welchen Beamten, in welchem Jahr \[verladen\].«

Anhand der letzten Angabe konnten die Fachleute des CEIPAC auch genau datieren, wann die Amphoren entsorgt wurden. Die jüngsten Daten fallen in die Jahre 255/257 n. Chr. In jener Zeit endet auch die Herstellung der Amphore »Dressel 20« in der Baetica. Zwar führten die Römer weiterhin baetisches Olivenöl ein, bis ins 5. Jahrhundert n. Chr., dafür kam dann aber eine neue, kleinere Amphore zum Einsatz, »Dressel 23«.

Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. war das Römische Reich in eine existenzielle Krise geraten. In der Folge veränderten sich die Wirtschafts- und Handelsstrukturen. Untersuchungen des internationalen CEIPAC-Teams beweisen, dass nun Amphoren und Öl aus der Baetica verstärkt nach Gallien und Germanien verschifft wurden, um die Truppen am Rheinlimes zu versorgen. Es sind die Vorzeichen einer neuen Zeit: Als Teil seiner Reformen am Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. schlug Kaiser Diokletian dann Spanien zur Präfektur Gallien hinzu. Die Provinz Afrika kam zur Präfektur Italien.

Rom kehrte damit nach langer Zeit wieder zu seinen früheren Hauptlieferanten für Olivenöl zurück, die in Nordafrika produzierten. Wo jene Amphoren in Rom dann fortgeworfen wurden, ist nicht ganz sicher. Auf kleinere Scherbenerhebungen stießen Bauarbeiter im 19. Jahrhundert – im Stadtteil Trastevere und unweit der Engelsburg. Doch was dort genau im Boden schlummert, wissen Archäologen nicht. Einzig dem Monte Testaccio entlockten sie bislang seine Geheimnisse.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Sprafke, Ronald: Monte Testaccio. Roms größte Müllhalde, in: spektrum.de, online verfügbar seit 24.09.2023 unter: [https://www.spektrum.de/news/monte-testaccio-roms-groesste-muellhalde/2182842](https://www.spektrum.de/news/monte-testaccio-roms-groesste-muellhalde/2182842), zuletzt geprüft am 06.07.2026.

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**Sekundärliteratur**

-&gt; Flügel, Christof; Valenta, Johannes: Militärstandorte und Villa rustica. Getreide für Roms Soldaten, in: Nachrichtenblatt der Deutschen Limeskommission (10. Jahrgang 2016, Heft 2), Stuttgart 2026, S. 20-24.

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# Militär



# Waffen und Kriegsgerät

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Antike Schleuder war so tödlich wie eine 44er Magnum (Artikel)

##### 1. Antike Schleuder war so tödlich wie eine 44er Magnum

Eine Ausgrabung in Schottland zeigt, dass römische Soldaten Bleigeschosse mit tödlicher Treffsicherheit einsetzten.

Vor etwa 1.900 Jahren griff eine römische Armee eine Gruppe einheimischer Krieger auf einem befestigten Hügel in Schottland an. Sie verschossen Bleikugeln mit ihren Schleudern, die laut neuen Experimenten etwa die Mannstoppwirkung einer modernen 44er Magnum hatten.

Der Angriff schien mit tödlicher Effektivität erfolgt zu sein, denn die einheimischen Krieger waren nur mit Schwertern und anderen einfachen Waffen ausgerüstet, sagt John Reid. Er ist ein Forscher am Trimontium Trust und einer der Kodirektoren der archäologischen Arbeiten bei Burnswark, südlich von Edinburgh. „Wir sind uns ziemlich sicher, dass man den Einheimischen auf dem Hügel nicht gestattete, weiterzuleben.“

Aber Burnswark war nur die Eröffnungssalve in einem Krieg gegen die widerspenstigen Stämme, die nördlich des Hadrianswalls lebten. Trotz ihrer überlegenen Bewaffnung schienen sich die römischen Soldaten in Schottland jedoch verrannt zu haben, als sie einen zähen und einfallsreichen Feind bekämpften, der sich in die Moore und Hügel zurückziehen konnte. Weniger als zwei Jahrzehnte nach dem römischen Angriff auf Burnswark und auf den besetzten Teil der schottischen Lowlands zogen sie sich auf die südliche Seite des Hadrianswalls zurück. „Das sieht langsam so aus wie das Afghanistan Roms“, sagt Reid.

Mit Schleudern bewaffnete römische Soldaten benutzten diese Bleikugeln, um ihre Gegner niederzumähen. Ein geübter Schleuderer konnte ein Ziel, das kleiner als ein Mensch war, aus einer Entfernung von fast 120 Metern treffen.

Er und sein Kollege Andrew Nicholson, ein Archäologe des Dumfried and Galloway Council, begannen vor fünf Jahren damit, Burnswark zu untersuchen. Sie hofften, dass sie neue Hinweise darauf entdecken könnten, wie sich die Ereignisse an diesem Ort, der auch zwei römische Lager umfasst, abgespielt haben. Zu diesem Zeitpunkt waren schottische Archäologen geteilter Meinung in ihrer Interpretation der Stätte. Manche glaubten, die römische Armee hätte Burnswark als Schießstand oder Trainingscamp genutzt, während andere Forscher die Wallburg als Schauplatz einer längeren Belagerung betrachteten.

Um die Angelegenheit zu klären, beschlossen Reid und Nicholson, Burnswark nach Spuren antiker römischer Munition zu durchkämmen. Amerikanische Archäologen hatten erfolgreich Metalldetektoren am Ort der Schlacht am Little Big Horn eingesetzt, um verborgene Kugeln und Hülsen zu entdecken und die Bewegungen der Soldaten auf dem Schlachtfeld zu kartieren. Also entschlossen sich Reid und Nicholson, etwas Ähnliches bei Burnswark zu versuchen. Zuerst lernten sie, wie man Metalldetektoren so einstellt, dass sie zwischen dem Blei in antiken römischen Schleuderkugeln und anderen Metallgegenständen unterscheiden konnten.

Ausgebildete Metalldetektorgänger durchkämmten dann die Hänge und die Kuppe von Burnswark und fanden über 2.700 Treffer, die Nicholson alle verzeichnete und auf einer Karte markierte. Anschließend verifizierte das Team die Funde, indem es fünf kleine Gräben aushob. Die Ausgrabung förderte mehr als 400 römische Schleuderkugeln zu Tage, genau dort, wo die Metalldetektoren es signalisiert hatten. Außerdem fand man zwei kugelförmige Kalksteingeschosse, die man als Ballistakugeln bezeichnet. Laut den Ergebnissen waren 94 Prozent der Metalldetektorfunde römische Geschosse.

Beeindruckt von den Funden begann das Team mit der Analyse der Orte, an denen die Metalldetektoren angeschlagen hatten, um ein besseres Verständnis für den Hergang zu erhalten. Sie entdeckten eine Konzentration von Bleikugeln entlang des 560 Meter langen, südlichen Befestigungswalls der schottischen Wallburg, direkt über einem der römischen Lager. „Das ist genau das, was wir von einem Belagerungsangriff erwarten würden“, sagt Reid. Eine zweite, geringere Konzentration lag nördlich, wo sich eine erfolglose Fluchtroute der Verteidiger befunden haben könnte.

Die römischen Schleuderschützen hätten einen hohen Tribut gefordert. Kürzlich erfolgte Experimente in Deutschland haben gezeigt, dass eine 50 Gramm schwere römische Kugel, die von einem geübten Schleuderer abgefeuert wird, kaum weniger Mannstoppwirkung aufbringt als ein Projektil, das aus einer 44er Magnum gefeuert wird. Weitere Tests ergaben, dass ein geübter Schleuderer ein Ziel, das kleiner als ein Mensch ist, aus einer Entfernung von fast 120 Metern treffen kann. „Das ist genau die Distanz zwischen dem vorderen Befestigungswall des südlichen \[römischen\] Camps und dem vorderen Befestigungswall der Wallburg“, bemerkt Reid.

**TERRORTAKTIKEN**

Die Römer setzten auch eine zuvor unbekannte Form der psychologischen Kriegsführung ein, um die Schotten in Schrecken zu versetzen und ihren Widerstand zu schwächen. Während sie die Kugeln untersuchten, bemerkten Reid und Nicholson kleine Löcher, die absichtlich in etwa zehn Prozent der Munition gebohrt wurden. Verwirrt goss das Team Repliken und bat geübte Schleuderer, sie zu testen. Die Kugeln mit den Löchern gaben ein „seltsames, Banshee-ähnliches Geheul von sich“, so Nicholson. „Man hört da also diese unweltlichen, unnatürlichen Geräusche, die man noch nie zuvor gehört hat, und links und rechts von einem gehen Leute zu Boden.“

Vergleichsstudien zum isotopischen Zerfall der Kugeln aus Burnswark und anderer, gut datierter Stätten lassen darauf schließen, dass der blutige Angriff um etwa 140 n. Chr. stattgefunden hat, in der frühen Regierungszeit des Kaisers Antoninus Pius. „Er war ein neuer Kaiser, der irgendwo einen militärischen Sieg brauchte“, sagt Reid. Indem er an Burnswark ein gewaltsames Exempel statuierte, hatte sich der Kaiser vielleicht einen schnellen Erfolg und die Unterwerfung der Stämme an der nördlichen Grenze erhofft.

Fraser Hunter, ein Archäologe am Nationalmuseum von Schottland in Edinburgh, bezeichnet die neue Studie als „sehr originell und spannend.“ Und er glaubt, dass Burnswark nun Fragen über die Probleme aufwirft, die sich die Römer vielleicht selbst geschaffen haben, als sie den Hadrianswall errichtet und sich neue Feinde unter den schottischen Stämmen gemacht haben. „Die Parallele zu Afghanistan ist interessant“, sagt Hunter, „weil ein Problem von Kaiserreichen im Umgang mit – wenn man so will – von Kriegsherrn geführten Gesellschaften ist, dass sie oft hereinstolpern und Probleme verursachen, von denen sie gar nicht wissen, dass sie sie verursachen.“

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-&gt; Pringle, Heather: Antike Schleuder war so tödlich wie eine 44er Magnum, in: National Geographic online, online verfügbar seit 09.11.2017 unter: [https://www.nationalgeographic.de/history-and-culture/2017/06/antike-schleuder-war-so-toedlich-wie-eine-44er-magnum](https://www.nationalgeographic.de/history-and-culture/2017/06/antike-schleuder-war-so-toedlich-wie-eine-44er-magnum), zuletzt geprüft am 09.04.2025.

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Sekundärliteratur

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# Organisation des Militärs

#### Inhaltsverzeichnis

1. Zwangsrekrutierungen und Kollaborationen
2. Stationäre Grenz- und mobile Einsatztruppen. Das römische Militär in der Spätantike. (Artikel)

##### 1. Zwangsrekrutierungen und Kollaborationen 

Ein wichtiges Mittel der Herrschaftssicherung war die Zwangsrekrutierung wehrfähiger Männer aus den unterworfenen Stämmen. Damit wurde diesen die Möglichkeit zu künftigen Aufständen genommen und die römische Armee konnte durch neue Soldaten und die Integration fremder Kampftechniken ihre militärische Schlagkraft verbessern. In Raetien gab es bereits ab 15 v. Chr. solche Zwangsrekrutierungen. In der Folgezeit fanden mindestens vier weitere Aushebungen statt, wobei die Truppen entweder allgemein als cohortes Raetorum oder auch nach dem Stamm der Vindeliker als cohortes Vindelicorum bezeichnet wurden. Die insgesamt fünfzehn verschiedenen Kohorten waren von Britannien bis Kleinasien stationiert. Von den Truppen am Limes weisen die cohors | Raetorum in Schwäbisch Gmünd und die cohors I Helvetiorum in Öhringen auf solche Rekrutierungen hin.

Ab dem 2. Jh.n. Chr. stammten neue Soldaten meist aus dem direkten Umfeld der Stationierungsorte. Mit der materiellen Versorgung, den Aufstiegsmöglichkeiten und der Aussicht auf das römische Bürgerrecht nach 25-jähriger Dienstzeit, war die Armee spätestens ab dieser Zeit zu einer geschätzten Möglichkeit des sozialen Aufstiegs geworden.

Bei den einheimischen Eliten lassen sich verschiedene Formen der Kollaboration nach-weisen. Die Spannbreite reichte von der Einsetzung von Klientelkönigen bis zur Erziehung fremder Fürstensöhne in Rom. Dass ein solches Vorgehen nicht ohne Risiko war, beweist das Beispiel des Cheruskers Arminius, der zunächst im römischen Dienst eine Reitereinheit befehligte und dann den germanischen Aufstand gegen Varus anführte.

Ab dem 1. Jh. n. Chr. entwickelte sich die Aufnahme einheimischer Eliten in den römischen Ritter-stand und ihre Integration durch die Übernahme militärischer und ziviler Amter zu einem festen System der Kollaboration oder besser der Romanisierung der Führungsschichten.

-&gt; vgl.: Kemkes, Martin u. Wötzhel, Judith: Römer, Limes, Welterbe. Das Limesmuseum Aalen, Oppenheim am Rhein 2024., S. 36.


##### 2. Stationäre Grenz- und mobile Einsatztruppen. Das römische Militär in der Spätantike. (Artikel)

<span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Krisen</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Römischen</span> <span lang="EN-US">Reiches</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">3.</span> <span lang="EN-US">Jahrhundert</span> <span lang="EN-US">n.</span> <span lang="EN-US">Chr.,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">zahlreichen</span> <span lang="EN-US">feindlichen</span> <span lang="EN-US">Einfällen</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Osten</span> <span lang="EN-US">und </span><span lang="EN-US">vor</span> <span lang="EN-US">allem</span> <span lang="EN-US">an</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Grenzen</span> <span lang="EN-US">an</span> <span lang="EN-US">Rhein</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Donau</span> <span lang="EN-US">gekennzeichnet</span> <span lang="EN-US">waren,</span> <span lang="EN-US">machten</span> <span lang="EN-US">es</span> <span lang="EN-US">unumgänglich,</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">Militär</span><span lang="EN-US">einer</span><span lang="EN-US"> grundlegenden Neuordnung zu unterziehen.</span>

**<span lang="EN-US">VON</span> <span lang="EN-US">THOMAS</span> <span lang="EN-US">FISCHER</span>**

<span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Neuordnung</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">römischen</span> <span lang="EN-US">Militärs</span> <span lang="EN-US">erfolgte</span><span lang="EN-US"> im Rahmen der allgemeinen Reichsreform unter Diokletian (284–305) und Konstantin I. (307–337), denn die auf Augustus (27 v. Chr.–14 n. Chr.) zurück- gehende militärische Grundordnung Roms, die keine Reserven im Inneren des Reiches vorsah, hatte sich überlebt:Fast die ganze römische Armee stand in der frühen und mittleren Kaiserzeit an den Grenzen aufgereiht, was bei kleineren lokalen Bedrohungen von außen auch genügte. Allerdings wa- ren bei diesem Systemkurzfristige Schwerpunkt- bildungen im Rahmen größerer militärischer Akti- onen nur bedingt möglich: Beigrößer angelegten Feldzügen oder bei der Abwehr schwerer Überfälle musste man ad hoc zusammengestellteHeeres- gruppen *(vexillationes)* befristet aus den verschiede- nen Provinzheeren herauslösen und zur Erfüllungkonkreter Kampfaufträge zu größeren Verbänden zusammenziehen. Doch ab den Markomannenkrie- gen zeigten sich immer deutlicher die Schwächen dieses Systems, als es größeren feindlichen Gruppen gelang,den Limes zu durchbrechen und in das praktisch unverteidigte Oberitalien vorzustoßen. Solche Einbrüchewiederholten sich dann im 3. Jahrhundert immer wieder. Ein erster Versuch, das Problem durch eine grundlegende Strukturreform in den Griff zu bekommen, war eine von Gallienus (253–268) eingeführte neueElitetruppe, die in Mailand stationierte sogenannte Schlachtenkavallerie. Sie operierte beweglich imHinterland und sollte den Gegner auch dann stellen, wenn er bereits die Grenzverteidigung durchbrochen hatte und weit in das Landesinnere eingedrungen war.</span>

<span lang="EN-US">Unter</span> <span lang="EN-US">Diokletian</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">und</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Konstantin</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">erfolgten</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">nun</span><span lang="EN-US"> grundlegende Veränderungen im römischen Heer, die auf die Ansätze des Gallienus zurückgingen: Man teilte das Heer in Grenzeinheiten – die *limita- nei/riparienses* –in den Grenzkastellen und ein bewegliches Einsatzheer im Hinterland, die *comitatenses.*</span>

***<span lang="EN-US">L</span><span lang="EN-US">IMITANEI/RIPARIENSES</span>***

<span lang="EN-US">Von</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">ehemaligen</span> <span lang="EN-US">Grenzarmee</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">germani</span><span lang="EN-US">schen Provinzen und Raetien an Rhein und Donau überdauerten nur wenigeEinheiten, darunter die Legionen. Mit der Neueinteilung der Provinzen wurde nun auch das Militär reformiert. Dabei hat man viele der in den beiden Germanien, der Maxi- ma Sequanorum, in den beiden Raetien sowie in Noricum und Pannonien stationiertenEinheiten ganz neu aufgestellt. Die Einheiten an der Donau- Iller-Rhein-Grenze z. B. in den raetischen Provinzen und der Maxima Sequanorum wurden, wie ihre nach den Kaisern der Tetrarchie gewählten Beinamen *Valeria* oder *Herculea* nahelegen, vermutlich erst von Valerius Diocletianus oder Maxi- mianus Herculius (286–305) neu geschaffen. Sie er- setzten die Hilfstruppen, die früher imLimesgebiet links der Donau stationiert waren und weitgehend im Zuge der Kämpfe des 3. Jahrhunderts untergegangen waren. Nun wurden an der Grenze neue und wesentlich verkleinerte Einheiten stationiert. Je nach Land- oder Flussgrenze (*limites* und *ripae*)wurden sie *limitanei* oder *riparienses* genannt. Sie sollten die Routineaufgaben der Grenzkontrolle wahrnehmen, bei größeren feindlichen Einfällen zogen sie sich in ihre wesentlich verstärkten Kastelle zurück und warteten ab, bis Einheiten des Bewegungsheeres die Situation wieder klären konnten.</span>

***<span lang="EN-US">COMITA</span><span lang="EN-US">TENSES</span>***

<span lang="EN-US">Neben diesen Grenztruppen gab es noch eine stattliche bewegliche Einsatzreserve. Diese nicht standortgebundenen, weitaus angesehenerenVerbände konnten von ihren meist an Schnittpunkten der großen Militärfernwege im Inneren des Reiches ge-legenen Garnisonen je nachaugenblicklichem Be- darf im jeweiligen Kommandobereich verschoben werden. Rangmäßig war dieses mobile, im 4. Jahr- hundert stetig vergrößerte Feldheer gegliedert in Hof- oder Gardetruppen (*palatini, abgeleitet von *palatium* = Palast) und Linienregimenter *(comita*</span>*<span lang="EN-US">tenses)</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">ihrer</span> <span lang="EN-US">taktischen</span> <span lang="EN-US">Bedeutung</span> <span lang="EN-US">in</span>

<span lang="EN-US">500</span> <span lang="EN-US">Mann</span> <span lang="EN-US">starke</span> <span lang="EN-US">Reitereinheiten</span> *<span lang="EN-US">(vexillationes),</span> <span lang="EN-US">1000</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Mann</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">zählende</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Legionen</span><span lang="EN-US"> </span>*<span lang="EN-US">(legiones)</span><span lang="EN-US"> </span>*<span lang="EN-US">sowie</span><span lang="EN-US"> Hilfstruppen *(auxilia)* zu wiederum je 500 Mann. Schließlich kennt man noch als „unechte Linien- truppen“ *(pseudocomitatenses)* bezeichnete Einhei- ten,die ihrem Wesen nach umstritten sind. Nach den einen sollen sie unter Valentinian I. (zunächst nicht endgültig) zum Feldheerabkommandierte Grenztruppen gewesen sein, nach anderen seien sie zwar wie die Grenzarmee am Limes stationiert, aber nominell dem Feldheer zugerechnet worden. Den Oberbefehl über die gesamte schlagkräftige Bewegungsarmee teilten sich nachKonstantin I. (auch hier gab es verschiedene Entwicklungsstufen) – je nachdem, ob es sich eben um Fuß- oder Reiterverbände handelte – der „gegenwärtige Meister des Fußvolkes“ *(magister peditum praesentalis)* und der „gegenwärtige Meister derReiterei“ *(magister equitum praesentalis).*</span>

<span lang="EN-US">Für</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Militärgeschichte</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Spätantike</span> <span lang="EN-US">sind</span> <span lang="EN-US">die</span><span lang="EN-US"> schriftlichen Quellen allgemein viel dürftiger als für die vorangehende Zeit. So geht auch die Zahl der Inschriften generell stark zurück, die vorher die wichtigste Quelle über Organisation und Verteilung der römischen Truppen darstellten. Die politisch-militärische Ordnung des Reiches und auch der Provinzen an Rhein und Donau lässt sich fast nur nach einer höchst problematischen Schrift schlecht und recht rekonstruieren, nach dem „Verzeichnis aller Ämter, sowohl der zivilen wie der militärischen in den westlichen Reichsteilen“ *(Notitia dignitatum omnium, tam civilium quam militari-um, in partibus Occidentis),* von den Wissenschaft- lern kurz *Notitia dignitatum* genannt, das allerdings, etwa im Bereich derGermania secunda, Lücken aufweist. Darin sind u. a. die Gliederung der Grenztruppen, ihre Standorte und Kommandobereiche aufgeführt. Leider enthält dieses um 430 entstandene „Staatshandbuch“ auch sehr viele nachweisbar veraltete Angaben.</span>

**<span lang="EN-US">TRUPPE</span><span lang="EN-US">NSTÄRKE</span>**

<span lang="EN-US">Grundsätzlich</span> <span lang="EN-US">kann</span> <span lang="EN-US">man</span> <span lang="EN-US">sicher</span> <span lang="EN-US">sagen,</span> <span lang="EN-US">dass</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> tetrarchisch-konstantinischen Heeresreform zwar die absolute Anzahl derTruppeneinheiten vergrößert worden ist, die Mannschaftsstärken dieser Einheiten aber eine stark gegenläufige Tendenz aufwiesen.Darüber sollte auch die Verwendung von älteren Bezeichnungen, wie *legio, ala, cohors* und *numerus* nicht hinwegtäuschen. Eine spätanti-ke Legion zum Beispiel war eben nur noch ca. 1000 Mann stark und umfasste nicht mehr ca. 6500 Mann, wie in der frühen und mittlerenKaiserzeit. In konkreten Fällen, wenn Kastellgrößen und Truppen bekannt sind, etwa in Raetien, ergibt sich vielfach die Gewissheit, dass Grenztruppeneinheiten, die in der *Notitia dignitatum* als *ala* oder *cohors* bezeichnet werden, nicht mehr ihre alten Soll- stärken von500 oder 1000 Mann besaßen, sondern gegenüber der mittleren Kaiserzeit ganz erheblich reduziert waren.</span>

**<span lang="EN-US">GERMANEN</span> <span lang="EN-US">IM</span> <span lang="EN-US">RÖMISCHEN</span> <span lang="EN-US">MILITÄR</span><span lang="EN-US"> DER SPÄTANTIKE</span>**

<span lang="EN-US">In</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Spätantike</span> <span lang="EN-US">bestand</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">römische</span> <span lang="EN-US">Heer</span> <span lang="EN-US">zu-</span><span lang="EN-US"> nehmend aus Germanen, die bis in höchste Posten der Armeeführung aufsteigen konnten.Teilweise geben zum Beispiel die Truppennamen in der *Notitia dignitatum* direkt Informationen zur germanischen Herkunft einer militärischen Einheit der Spätantike, häufig bleiben aber nur archäologische Quellen aus Militäranlagen: Grab- und Siedlungsfunde mit einschlägigem Fundmaterial liefern im- mer wieder Hinweise, die die germanische Herkunft spätrömischer Soldaten und ihrer Angehörigen belegen.</span>

***<span lang="EN-US">FOED</span><span lang="EN-US">ERATI</span>***

<span lang="EN-US">Eine</span> <span lang="EN-US">Neuerung</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">ausgehenden</span> <span lang="EN-US">Spätantike</span> <span lang="EN-US">stellt</span><span lang="EN-US"> das Foederatensystem dar: Die römischen Quellen berichten seit dem Ende des 4.Jahrhunderts zuneh- mend von Militäreinheiten, die aus *foederati* beste- hen. Das bedeutet: Rom ging nun dazu über, nicht einzelne germanische Soldaten für bestehende Traditionseinheiten zu rekrutieren, sondern mit ganzen barbarischen Gefolgschaften Verträge*(foedera)* einzugehen. Dabei spielten neben Sach- sen, Franken, Alanen und Vandalen vor allem die Westgoten eine wichtige Rolle. DieAngehörigen dieser nichtrömischen Söldnertruppen – denn um nichts anderes handelte es sich – verpflichteten sich zum römischen Militärdienst und erhielten als Ausgleich Geld und Versorgungsgüter.</span>

<span lang="EN-US">In</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Folge</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Schlacht</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Adrianopel</span> <span lang="EN-US">(9.</span> <span lang="EN-US">August </span><span lang="EN-US">378)</span> <span lang="EN-US">schloss</span> <span lang="EN-US">Kaiser</span> <span lang="EN-US">Theodosius</span> <span lang="EN-US">I.</span> <span lang="EN-US">382</span> <span lang="EN-US">ein</span> <span lang="EN-US">Abkom-</span><span lang="EN-US"> men mit den Westgoten, wobei es als Präzedenzfall zur Ansiedlung der Goten in derrömischen Pro- vinz Thrakien kam. Von nun an ging die Anzahl regulärer römischer Militäreinheiten zugunsten von Foederatenverbänden allmählich zurück. Das Foederatensystem war für die Römer ausgespro</span><span lang="EN-US">chen</span> <span lang="EN-US">vorteilhaft</span> <span lang="EN-US">–</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Kampfkraft</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">barbarischen</span><span lang="EN-US"> Truppen ließ sich zu einem vergleichsweise gerin- gen Preis „einkaufen“. Ein GesetzKaiser Valentini- ans III. (425–455) belegt, dass ein römischer Soldat jährlich mit 30 Solidi zu Buche schlug, während ein Foederatenkämpfer nur 5 Solidi kostete.</span>

<span lang="EN-US">Das</span> <span lang="EN-US">Problem</span> <span lang="EN-US">war</span> <span lang="EN-US">nur,</span> <span lang="EN-US">dass</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Loyalität</span> <span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> Foederatentruppen und ihrer Anführer nicht im- mer Verlass war, sie hing vor allem von der Regelmäßigkeit der Soldzahlungen ab. Da die finanziel- len Mittel Westroms infolge sinkender Steuerein- nahmen knapper wurden und die militärische Situation zunehmend schwierig, bot man den *foederati* anstelle von Soldzahlungen an, sich im rö-mischen Reichsgebiet anzusiedeln und selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. Dies förderte die Bil- dung selbstständiger germanischerReiche auf rö- mischem Boden und damit auch das Ende des west- römischen Reichs.</span>

**<span lang="EN-US">SPÄTRÖMISCHE</span> <span lang="EN-US">KASTELLE</span> <span lang="EN-US">UND</span><span lang="EN-US"> *BURGI*</span>**

<span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Spätantike</span> <span lang="EN-US">ab</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Tetrarchie</span> <span lang="EN-US">(Beginn</span> <span lang="EN-US">293)</span> <span lang="EN-US">mit</span><span lang="EN-US"> ihrer veränderten Heeresorganisation brachte auch starke Veränderungen inden militärischen und zivilen Festungsbauten mit sich. Das Heer wurde, wie erwähnt, in fest stationierte Grenz- truppen *(limitanei, riparienses)* und ein Bewe- gungsheer *(comitatenses)* mit wechselnden Garni- sonen aufgeteilt. Die Größe der Truppenlager wurde reduziert, da ja in der Regel auch die Größe der Limitantruppen wesentlich geringer war als die der vorhergehenden Auxiliareinheiten der mittleren Kaiserzeit. Vielfach sind, gerade im mittleren und unteren Donauraum, diealten La- ger und Kastelle wieder instand gesetzt worden, doch wurden ihre Umwehrungen z. T. erheblich verstärkt. An der Donau und Iller in Raetien, am Oberrhein und an der Donaugrenze in der Provinz Moesia superior mussten die Limesbefestigungen der Spätantike völlig neu errichtet wer- den, da man ja durch die Aufgabe des obergermanisch-raetischen Limesgebietes bzw. der Provinz Dakien auch die weit vorgeschobenen Kastelle verloren hatte. Hier legte man nun bei der Anlage der neuen Kastellkette besonderen Wert auf eine natürliche Schutzlage und erbaute die neuen, stark befestigten Kastelle ähnlich wie die Burgen des Mittelalters auf markanten Höhen. An der Donaugrenze ab Noricum dagegen hat man die Grundform der älteren Lager vielfach auch in der Spätantike beibehalten und diese nur stärker be- festigt, indem man Türme und Tore(Hufeisentür- me und halbrunde Türme) außen an den Mauern anfügte oder die vorhandenen verstärkte und die Mauern entsprechend erhöhte. Oft waren in denwiederhergestellten Mauern der alten Festungen des 3. Jahrhunderts die Truppe und die Zivilbevöl- kerung untergebracht, da man die alten unge- schützten Lagerdörfer aufgegeben hatte. Dabei war das stark reduzierte Militär gelegentlich in ei- nem eigenen Binnenkastell einquartiert, zum Bei- spiel in Eining an der Donau. So entstanden aus den rein militärischenLagern und Kastellen der mittleren Kaiserzeit vielfach die Festungsstädte der Spätantike mit militärischer Besatzung. Eine ähnliche Entwicklung trat auch im Hinterland ein: Städte und *vici* wurden stark befestigt und erhielten ebenfalls Garnisonen, seltener in Form von fest stationierten Truppen, oft aber in Form von Abteilungen desBewegungsheeres, die in Notfällen oder zum Überwintern in den Städten Quartier bezogen. Schließlich entstanden auch im Hinterland rein militärische Truppengarnisonen, Nachschubbasen oder Wachtturmketten. Die In- nenbebauung war bei vielen spätantiken Kastellen nur nach großflächigen Grabungen zu klären, denn es gab nun keine verbindlichen Muster mehr wie in der frühen und mittleren Kaiserzeit, die auch bei fragmentarischer Erschließung leicht zu ergänzen waren. Fast jedesKastell sah anders aus.</span>

**<span lang="EN-US">BEWAFFNUNG</span> <span lang="EN-US">UND</span> <span lang="EN-US">AUSRÜSTUNG</span>**

<span lang="EN-US">Bewaffnung</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Ausrüstung</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">spätrömischen</span><span lang="EN-US"> Soldaten hatten sich zu Beginn des 4. Jahrhunderts im Vergleich zur mittleren Kaiserzeit teilweise stark verändert. Allerdings verfügt die Forschung verglichen mit früheren Phasen der römischen Kaiserzeit über verhältnismäßig wenige Informationen durchOriginalfunde aus Siedlungen oder Gräbern. Zusätzlich ist es dabei oft kaum noch möglich, bei Originalfunden im Einzelnen Unterschiede zwischen Reitern und Fußsoldaten oder gar zwischen *limitanei* und *comitatenses* oder Foederaten herauszuarbeiten. Selbst barbarisch-germanische Bewaffnungund die Ausrüstung der oft von Ger- manen gestellten römischen Armee haben sich im- mer mehrangeglichen. Hat man früher zwischen der Bewaffnung der Spätantike und der des frühen Mittelalters schärfere Zäsuren gesehen, so besteht nun in der Forschung zunehmend die Tendenz, hier eine organische Weiterentwicklung festzustellen, wie auch sonst, etwa beim fränkischen Heer, spätantikeWurzeln deutlich sichtbar sind.</span>

**<span lang="EN-US">Kleidu</span><span lang="EN-US">ng</span>**

<span lang="EN-US">Das</span> <span lang="EN-US">germanische</span> <span lang="EN-US">Kleidungsstück</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Hose</span> <span lang="EN-US">hatte</span><span lang="EN-US"> die römische Armee bereits in der frühen Kaiserzeit in zunehmendem Maße übernommen. Nun wurde die lange Hose Standardkleidung der römischen Soldaten. Eine weitere Neuerung in der Uniform stellt dieÜbernahme einer vorher nur für das pannonische Heer üblichen Pelzmütze, des *pilleus Pan- nonicus,* durch das gesamte spätantike Heerdar.</span><span lang="EN-US"> </span>

**<span lang="EN-US">Fib</span><span lang="EN-US">eln</span>**

<span lang="EN-US">In</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Spätantike</span> <span lang="EN-US">bilden</span> <span lang="EN-US">standardisierte</span> <span lang="EN-US">militäri-</span><span lang="EN-US"> sche Mantelfibeln, die Zwiebelknopffibeln in ihren zeitlich wechselnden Varianten,eine rein römische Entwicklung. Dazu kommen in geringerem Um- fang auch germanische Fibeltypen.</span>

**<span lang="EN-US">Gür</span><span lang="EN-US">tel</span>**

<span lang="EN-US">Für</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Uniform</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Spätantike</span> <span lang="EN-US">charakteristisch </span><span lang="EN-US">sind</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">oft</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">auffälligen</span> <span lang="EN-US">prächtigen</span> <span lang="EN-US">Metallbe</span><span lang="EN-US">schlägen</span> <span lang="EN-US">versehenen</span> <span lang="EN-US">breiten</span> <span lang="EN-US">Ledergürtel.</span> <span lang="EN-US">Diese </span><span lang="EN-US">lösen</span> <span lang="EN-US">offensichtlich</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Zeit</span> <span lang="EN-US">vor</span> <span lang="EN-US">300</span> <span lang="EN-US">ältere</span> <span lang="EN-US">Gür</span><span lang="EN-US">teltypen,</span> <span lang="EN-US">etwa</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Ring-</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Rahmenschnallen</span><span lang="EN-US">cingula</span> <span lang="EN-US">ab.</span> <span lang="EN-US">Vorbilder</span> <span lang="EN-US">dieser</span> <span lang="EN-US">neuen</span> <span lang="EN-US">Gürtel</span> <span lang="EN-US">sind</span> <span lang="EN-US">of</span><span lang="EN-US">fenbar</span> <span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Römischen</span> <span lang="EN-US">Reich</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">finden,</span> <span lang="EN-US">son</span><span lang="EN-US">dern</span> <span lang="EN-US">bei</span> <span lang="EN-US">Prunkgürteln</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">germanischen</span> <span lang="EN-US">Bereich, </span><span lang="EN-US">etwa</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Mitteldeutschland,</span> <span lang="EN-US">Norddeutschland</span> <span lang="EN-US">und </span><span lang="EN-US">Dänemark,</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">suchen.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Entwicklung</span> <span lang="EN-US">dieser</span> <span lang="EN-US">Waf</span><span lang="EN-US">fengurte,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">weströmischen</span> <span lang="EN-US">Gebiet</span> <span lang="EN-US">über</span> <span lang="EN-US">Gürtel </span><span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">Propellerbeschlägen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">kerbschnittverzierte </span><span lang="EN-US">Beschläge</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">sogenannten</span> <span lang="EN-US">„Einfachen</span> <span lang="EN-US">Gürtel</span><span lang="EN-US">garnituren“</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">H.</span> <span lang="EN-US">W.</span> <span lang="EN-US">Böhme</span> <span lang="EN-US">endet,</span> <span lang="EN-US">geht</span> <span lang="EN-US">bis</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">das </span><span lang="EN-US">5.</span> <span lang="EN-US">Jahrhundert</span> <span lang="EN-US">hinein</span> <span lang="EN-US">weiter.</span>

**<span lang="EN-US">Hel</span><span lang="EN-US">me</span>**

<span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Kammhelme,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">seit</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Zeit</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Tetrarchie </span><span lang="EN-US">bzw.</span> <span lang="EN-US">seit</span> <span lang="EN-US">Konstantin</span> <span lang="EN-US">I.</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">römischen</span> <span lang="EN-US">Armee</span> <span lang="EN-US">aus-</span><span lang="EN-US"> nahmslos üblich waren, hatte man aus dem sassanidischen Bereich übernommen, aber in Details ab- geändert. Die stets aus Eisen bestehende Kalotte war zweiteilig, der Nackenschutz wurde gesondert angesetzt, später trat als neues Element ein Nasenschutz auf. Nach neuesten Erkenntnissen waren fast alle Helme mit einem vergoldeten Silberblech-überzug versehen. Wohl als Rangabzeichen hat man gelegentlich eine hohe Kammscheibe auf den Helm montiert, zu dieser konnte einAbzeichen mit Christogramm treten. Man kann wohl davon aus- gehen, dass diese Helmform im Rahmen einer so- genannten diokletianisch-konstantinischen Heeres- reform aus dem persisch-mesopotamischen Raum übernommen worden ist.</span>

**<span lang="EN-US">Pan</span><span lang="EN-US">zer</span>**

<span lang="EN-US">Man</span> <span lang="EN-US">kennt</span> <span lang="EN-US">aus</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Spätantike</span> <span lang="EN-US">nur</span> <span lang="EN-US">wenige</span> <span lang="EN-US">Frag</span><span lang="EN-US">mente von Schuppen- und Kettenpanzern. Inwieweit diese sich von älterenModellen unterscheiden, ist unklar. Jedenfalls sind aber die verzierten Schließbleche des 2. und 3. Jahrhunderts in der Spät- antikenicht mehr belegt.</span><span lang="EN-US"> </span>

**<span lang="EN-US">Schil</span><span lang="EN-US">de</span>**

<span lang="EN-US">Bei</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Schilden</span> <span lang="EN-US">setzten</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">vielfach</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">germani</span><span lang="EN-US">schen Rundschilde durch. Analog zu den Helmen können die eisernenSchildbuckel mit vergoldetem Silberblech überzogen sein.</span>

**<span lang="EN-US">Sc</span><span lang="EN-US">hwerter</span>**

<span lang="EN-US">Die</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Hauptangriffswaffe</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">römischen</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Armee</span><span lang="EN-US"> blieb nach wie vor das Langschwert, die *spatha.* Sie bildete auch noch im 4. und 5.Jahrhundert und weiter dann im frühen Mittelalter die Hauptwaffe von Reitern und Infanteristen. Mit der Tetrarchie tauchten auch hier Veränderungen auf, die aber weniger die Klingen als vielmehr die Schwertscheiden be- trafen. So wurden die bisher üblichen runden Scheidenabschlussbeschläge, die Dosenortbänder, über Zwischenformen durch gerade endende Metallbeschläge mit Zierknöpfen ersetzt (Ortbänder vom Typ „Gundremmingen“). Am Ende der Ent- wicklung leiten einfache U-förmige Scheidenab- schlüsse aus Metall zu den Schwerttypen des frü- hen Mittelalters über.</span>

**<span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Kamp</span><span lang="EN-US">fäxte</span>**

<span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">zunehmende</span> <span lang="EN-US">Barbarisierung</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">römischen</span> <span lang="EN-US">Ar</span><span lang="EN-US">mee brachte es mit sich, dass ab dem fortgeschrittenen 4. Jahrhundert untergermanischem Einfluss nun auch Kampfäxte bei der römischen Armee belegt sind. Diese unterscheiden sich allerdings in Details von denen im germanischen Siedlungsgebiet.</span><span lang="EN-US"> </span>

**<span lang="EN-US">Rei</span><span lang="EN-US">terei</span>**

<span lang="EN-US">Da</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Truppen</span> <span lang="EN-US">schnell</span> <span lang="EN-US">beweglich</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">zudem</span> <span lang="EN-US">zur</span><span lang="EN-US"> Abwehr berittener Gegner geeignet sein mussten, war die Reiterei zu immer größerer Bedeutung gekommen. Während sich sonst bei der Bewaffnung der Spätantike kaum spezifische Reiterwaffen identifizieren lassen, kann man wohl die Helme des Typs „Deurne-Berkasovo“ als typische Reiterhelme ansprechen. Häufiger sind nunSporen belegt, die große Ähnlichkeit zu Typen im germanischen Bereich aufweisen.</span>

-&gt; vgl.: Fischer, Thomas: Stationäre Grenz- und mobile Einsatztruppen. Das römische Militär in der Spätantike, in: Der Limes. Nachrichtenblatt der deutschen Limeskommission (14. Jahrgang, Heft 1), Stuttgart 2020, S. 4-9.








##### Verlinkungen:

-&gt;

##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt;

-&gt;

-&gt;

**Sekundärliteratur**

-&gt; Kemkes, Martin u. Wötzhel, Judith: Römer, Limes, Welterbe. Das Limesmuseum Aalen, Oppenheim am Rhein 2024.

-&gt; Fischer, Thomas: Stationäre Grenz- und mobile Einsatztruppen. Das römische Militär in der Spätantike, in: Der Limes. Nachrichtenblatt der deutschen Limeskommission (14. Jahrgang, Heft 1), Stuttgart 2020, S. 4-9.

-&gt;

# Gewalt und Kriegsverbrechen

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Kriegsverbrechen in römischer Zeit (Artikel)

##### 1. Kriegsverbrechen in römischer Zeit 

<span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">musealen</span> <span lang="EN-US">Vermittlung</span> <span lang="EN-US">seit</span> <span lang="EN-US">Jahren</span> <span lang="EN-US">beliebten</span> <span lang="EN-US">Reenactment-Events</span> <span lang="EN-US">bringen</span> <span lang="EN-US">einer</span><span lang="EN-US">interes-</span><span lang="EN-US"> sierten Öffentlichkeit die Faszination des römischen Militärs nahe. Dabei wird aber oftvergessen, dass, abseits von glänzender Ausrüstung und Truppenparaden, die römische Armeeeine hoch- effiziente Kriegsmaschinerie war.</span>

**<span lang="EN-US">VON</span> <span lang="EN-US">MARTINA</span> <span lang="EN-US">MEYR</span> <span lang="EN-US">UND</span> <span lang="EN-US">CHRISTOF</span> <span lang="EN-US">FLÜGEL</span>**

<span lang="EN-US">Die</span><span lang="EN-US"> hohe Wirksamkeit des römischen Militärs wurde von Zeitgenossen wie Flavius Josephus </span><span lang="EN-US">(bellum</span><span lang="EN-US"> Iudaicum 3,245–246)detailliert beschrie- </span><span lang="EN-US">ben,</span> <span lang="EN-US">z.</span> <span lang="EN-US">B.</span> <span lang="EN-US">beim</span> <span lang="EN-US">Einsatz</span> <span lang="EN-US">einer</span> *<span lang="EN-US">ballista</span> <span lang="EN-US">bei</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Bela-</span> <span lang="EN-US">gerung</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Jotapata</span> <span lang="EN-US">67</span> <span lang="EN-US">n.</span> <span lang="EN-US">Chr.:</span> <span lang="EN-US">„Einem</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Män-</span> <span lang="EN-US">ner</span> <span lang="EN-US">auf</span><span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Mauer</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">dabei</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Kopf</span> <span lang="EN-US">weggeris-</span> <span lang="EN-US">sen,</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">drei</span> <span lang="EN-US">Stadien</span> <span lang="EN-US">\[603,5</span> <span lang="EN-US">m\]</span> <span lang="EN-US">weit</span> <span lang="EN-US">wegflog.</span> <span lang="EN-US">Eine</span> <span lang="EN-US">schwangere</span> <span lang="EN-US">Frau</span> <span lang="EN-US">\[…\]</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">den</span><span lang="EN-US">Bauch</span> <span lang="EN-US">getroffen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">ihr</span> <span lang="EN-US">Kind</span> <span lang="EN-US">100</span> <span lang="EN-US">m</span> <span lang="EN-US">weit</span> <span lang="EN-US">geschleudert;</span> <span lang="EN-US">so</span> <span lang="EN-US">groß</span> <span lang="EN-US">war</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Gewalt</span> <span lang="EN-US">der</span> *<span lang="EN-US">ballista</span>*<span lang="EN-US">“.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">hier</span> <span lang="EN-US">beschriebene</span><span lang="EN-US"> riesige Wuchtrömischer Geschütze wird durch </span><span lang="EN-US">ein</span><span lang="EN-US"> Skelett aus Maiden Castle (Großbritannien) be- </span><span lang="EN-US">stätigt,</span> <span lang="EN-US">dessen</span> <span lang="EN-US">Rückgrat</span> <span lang="EN-US">durch</span> <span lang="EN-US">einen</span> <span lang="EN-US">Katapult-</span><span lang="EN-US">bolzen</span> <span lang="EN-US">durchtrennt</span> <span lang="EN-US">worden</span> <span lang="EN-US">war.</span> <span lang="EN-US">Eine</span> <span lang="EN-US">spätantike </span><span lang="EN-US">Quelle</span> <span lang="EN-US">(Prokopios,</span> <span lang="EN-US">bellum</span> <span lang="EN-US">Gothicum</span> <span lang="EN-US">1,23)</span> <span lang="EN-US">berich-</span> <span lang="EN-US">tet,</span><span lang="EN-US">dass die Rüstung eines Goten bei der Belage- rung Romsdurch einen Katapultpfeil durchbohrt </span><span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">er</span> <span lang="EN-US">am</span><span lang="EN-US">dahinterstehenden</span> <span lang="EN-US">Baum</span> <span lang="EN-US">festgeheftet</span> <span lang="EN-US">wur</span><span lang="EN-US">de.</span>

<span lang="EN-US">Darstellungen</span><span lang="EN-US"> auf der Trajans- und der Markus- </span><span lang="EN-US">säule</span> <span lang="EN-US">in</span><span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">zeigen</span> <span lang="EN-US">zahlreiche</span> <span lang="EN-US">Szenen</span> <span lang="EN-US">wie</span> <span lang="EN-US">Hin-</span> <span lang="EN-US">richtungen,</span><span lang="EN-US">Zerstörung von ziviler Infrastruktur </span><span lang="EN-US">oder</span> <span lang="EN-US">Vertreibung</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Bevölkerung,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">heu-</span> <span lang="EN-US">tigen</span><span lang="EN-US"> Maßstäben als Kriegsverbrechen einzustu- </span><span lang="EN-US">fen</span> <span lang="EN-US">wären.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">römische</span> <span lang="EN-US">Kriegsführung</span> <span lang="EN-US">schwank-</span> <span lang="EN-US">te</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">zwischen</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Milde</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">gegenüber</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">den</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Besiegten</span> <span lang="EN-US">(*clementia*)</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">vollkommenen</span> <span lang="EN-US">Vernichtung</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Gegners</span> <span lang="EN-US">(*debellatio;*</span> <span lang="EN-US">exstirpatio</span>*<span lang="EN-US">),</span> <span lang="EN-US">wie</span> <span lang="EN-US">es</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">unter</span> <span lang="EN-US">Kaiser</span> <span lang="EN-US">Augustus</span> <span lang="EN-US">lebende</span><span lang="EN-US">Dichter</span> <span lang="EN-US">Vergil</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">römischen</span> <span lang="EN-US">„Staatsepos“,</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Aeneis,</span> <span lang="EN-US">formulierte,</span> <span lang="EN-US">„die</span><span lang="EN-US"> Unterworfenen schonen und die Hochmüti- </span><span lang="EN-US">gen</span><span lang="EN-US"> niederkämpfen“ (Aeneis 6,847–853). Mitden </span><span lang="EN-US">Grundzügen</span><span lang="EN-US"> des Humanismus und der Aufklä- </span><span lang="EN-US">rung</span> <span lang="EN-US">vertraute,</span> <span lang="EN-US">aber</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">durch</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Erfahrungen</span> <span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts geprägte Rezipientenvon heute können antike Darstellun- </span><span lang="EN-US">gen</span><span lang="EN-US"> daher meist nur bedingt erfassen. So erklärt </span><span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">Phänomen</span> <span lang="EN-US">einer</span> <span lang="EN-US">gewissen</span> <span lang="EN-US">Begeiste-</span> <span lang="EN-US">rung</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">römisches</span><span lang="EN-US">Militär,</span> <span lang="EN-US">was</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">–</span> <span lang="EN-US">sicherlich</span> <span lang="EN-US">auch</span><span lang="EN-US"> befördert durch Comics wie Asterix oder </span><span lang="EN-US">durch</span> <span lang="EN-US">Hollywoodfilme</span> <span lang="EN-US">–</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">gut</span> <span lang="EN-US">besuchten</span> <span lang="EN-US">Römer-</span><span lang="EN-US"> festen und dem Auftreten vonReenactment-Grup- </span><span lang="EN-US">pen</span><span lang="EN-US"> in Museen widerspiegelt. Vergessen wird da</span><span lang="EN-US">bei</span><span lang="EN-US"> aber stets, dass völkerrechtliche Abkommen zum Verhalten der Kriegsparteien in der Antike </span><span lang="EN-US">unbekannt</span> <span lang="EN-US">waren.</span> <span lang="EN-US">Der</span> <span lang="EN-US">Wirkung</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Waffen</span> <span lang="EN-US">wird</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Regel</span><span lang="EN-US">kaum</span> <span lang="EN-US">Beachtung</span> <span lang="EN-US">geschenkt,</span> <span lang="EN-US">stehen</span> <span lang="EN-US">doch</span> <span lang="EN-US">Uniformen,</span> <span lang="EN-US">strategisch-historisches</span> <span lang="EN-US">Interes-</span><span lang="EN-US"> se an Ereignissen und somit die Perspektive sieg- </span><span lang="EN-US">reicher</span><span lang="EN-US"> römischerFeldherren oder auch schlicht </span><span lang="EN-US">typologische</span> <span lang="EN-US">Betrachtungen</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Vordergrund</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Museumsbesuchern</span><span lang="EN-US"> oder Zuschauern von TV- </span><span lang="EN-US">Dokumentationen.</span> <span lang="EN-US">Daher</span><span lang="EN-US">lohnt</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">ein</span> <span lang="EN-US">Blick</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">römische</span><span lang="EN-US"> Schilderungen und bildliche Darstellun- </span><span lang="EN-US">gen</span><span lang="EN-US"> von Krieg, dem Umgang mit Gefangenen, </span><span lang="EN-US">Zivilisten</span><span lang="EN-US"> oder den erobertenGebieten, in dem </span><span lang="EN-US">Bewusstsein,</span><span lang="EN-US"> dass moderne Definitionen nicht </span><span lang="EN-US">ohne</span> <span lang="EN-US">Weiteres</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">antike</span> <span lang="EN-US">Wahrnehmung</span> <span lang="EN-US">über-</span> <span lang="EN-US">tragen</span><span lang="EN-US"> werden können.</span>

**<span lang="EN-US">INTERNATIONALE</span> <span lang="EN-US">ABKOMMEN</span> <span lang="EN-US">DER</span><span lang="EN-US"> NEUZEIT GEGEN KRIEGSVERBRECHEN </span>**

<span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">„Genfer</span> <span lang="EN-US">Konvention</span> <span lang="EN-US">zur</span> <span lang="EN-US">Verbesserung </span><span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Schicksals</span><span lang="EN-US"> der verwundeten Soldaten der Arme- </span><span lang="EN-US">en“</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">am</span> <span lang="EN-US">22.</span> <span lang="EN-US">August</span> <span lang="EN-US">1864</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">zwölf</span> <span lang="EN-US">europäi-</span> <span lang="EN-US">schen</span><span lang="EN-US"> Staaten (Baden, Belgien, Frankreich, Hes- </span><span lang="EN-US">sen,</span><span lang="EN-US">Italien,</span> <span lang="EN-US">Niederlande,</span> <span lang="EN-US">Portugal,</span> <span lang="EN-US">Schweiz,</span> <span lang="EN-US">Spa-</span> <span lang="EN-US">nien,</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Württemberg;</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Norwegen</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">und</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Schweden</span> <span lang="EN-US">kamen</span><span lang="EN-US"> am Jahresende hinzu) angenommen und </span><span lang="EN-US">in</span><span lang="EN-US"> Genfunterzeichnet. Vorausgegangen war die- </span><span lang="EN-US">ser</span><span lang="EN-US"> Vereinbarung die Initiative von Henry Du- </span><span lang="EN-US">nant,</span><span lang="EN-US"> auf den die Gründung des Internationalen </span><span lang="EN-US">Roten</span> <span lang="EN-US">Kreuzes</span><span lang="EN-US">zurückgeht.</span> <span lang="EN-US">Weitere</span> <span lang="EN-US">Abkommen</span> <span lang="EN-US">regelten</span><span lang="EN-US"> den Schutz von Schiffbrüchigen der </span><span lang="EN-US">Streitkräfte</span> <span lang="EN-US">zur</span> <span lang="EN-US">See</span> <span lang="EN-US">(II,</span> <span lang="EN-US">1907),</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Behandlung</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Kriegsgefangenen</span> <span lang="EN-US">(III,</span><span lang="EN-US">1929)</span> <span lang="EN-US">sowie</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Schutz</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Zivilpersonen</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Kriegszeiten</span> <span lang="EN-US">(IV,</span> <span lang="EN-US">1949).</span> <span lang="EN-US">Aktuell</span> <span lang="EN-US">basiert</span><span lang="EN-US"> die Genfer Konvention somit auf insge- </span><span lang="EN-US">samt</span> <span lang="EN-US">vier</span> <span lang="EN-US">Abkommen,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">am</span><span lang="EN-US">12.</span> <span lang="EN-US">8.</span> <span lang="EN-US">1949</span> <span lang="EN-US">verein-</span> <span lang="EN-US">bart</span> <span lang="EN-US">wurden.</span> <span lang="EN-US">Nach</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Zweiten</span> <span lang="EN-US">Weltkrieg</span> <span lang="EN-US">hat</span> <span lang="EN-US">sich</span><span lang="EN-US"> jedoch die Waffentechnik geändert, ebenso </span><span lang="EN-US">wie</span><span lang="EN-US"> die strategische und taktischeKriegsführung. </span><span lang="EN-US">Da</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">„weitgehend</span> <span lang="EN-US">unbemannte</span> <span lang="EN-US">Kriegsführung“ </span><span lang="EN-US">vollkommen</span><span lang="EN-US"> andere Bedrohungsszenarien mit </span><span lang="EN-US">sich</span><span lang="EN-US"> bringt, erweitern drei Zusatzprotokolle seit </span><span lang="EN-US">2005</span><span lang="EN-US"> die Genfer Abkommen. Sie regeln den Schutz </span><span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> Persönlichkeit, der Ehre, Sitten, religiösen </span><span lang="EN-US">Überzeugungen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Rechte</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Familie.</span> <span lang="EN-US">Sie</span> <span lang="EN-US">untersagen</span><span lang="EN-US"> grausame Behandlungen, Vernichtun- </span><span lang="EN-US">gen,</span><span lang="EN-US">Folterungen,</span> <span lang="EN-US">Hinrichtungen</span> <span lang="EN-US">ohne</span> <span lang="EN-US">ordentli-</span> <span lang="EN-US">ches</span> <span lang="EN-US">Gerichtsverfahren,</span> <span lang="EN-US">Verschleppungen,</span> <span lang="EN-US">Plün-</span> <span lang="EN-US">derungen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">ungerechtfertigte</span> <span lang="EN-US">Zerstörung</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">privatem</span><span lang="EN-US">Eigentum.</span>

<span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Haager</span> <span lang="EN-US">Landkriegsordnung</span> <span lang="EN-US">ist</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Anlage</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">während</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">ersten</span> <span lang="EN-US">Friedenskonferenz</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Den</span> <span lang="EN-US">Haag</span> <span lang="EN-US">beschlossenen</span> <span lang="EN-US">zweiten</span> <span lang="EN-US">Haager</span> <span lang="EN-US">Abkom-</span> <span lang="EN-US">men</span> <span lang="EN-US">von</span><span lang="EN-US">1899</span> <span lang="EN-US">„betreffend</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Gesetze</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Ge-</span> <span lang="EN-US">bräuche</span><span lang="EN-US"> des Landkriegs“, das 1907 im Rahmen der </span><span lang="EN-US">Nachfolgekonferenz</span><span lang="EN-US"> als viertes Haager Abkom- </span><span lang="EN-US">men</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">leicht</span><span lang="EN-US">geänderter</span> <span lang="EN-US">Fassung</span> <span lang="EN-US">erneut</span> <span lang="EN-US">ange-</span> <span lang="EN-US">nommen</span> <span lang="EN-US">wurde.</span> <span lang="EN-US">Sie</span> <span lang="EN-US">enthält</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Kriegsfall </span><span lang="EN-US">Festlegungen</span><span lang="EN-US"> zur Definition von Kombattanten, </span><span lang="EN-US">zum</span><span lang="EN-US"> Umgang mit Kriegsgefangenen, zu Beschrän- </span><span lang="EN-US">kungen</span><span lang="EN-US"> bei der Wahl der Mittelzur Kriegsfüh- </span><span lang="EN-US">rung,</span> <span lang="EN-US">zur</span> <span lang="EN-US">Verschonung</span> <span lang="EN-US">bestimmter</span> <span lang="EN-US">Gebäude</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Einrichtungen</span><span lang="EN-US"> von sozialer und gesellschaftlicher </span><span lang="EN-US">Bedeutung,</span> <span lang="EN-US">zum</span><span lang="EN-US">Umgang</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">Spionen,</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">Kapitu-</span> <span lang="EN-US">lationen</span><span lang="EN-US"> und Waffenstillstandsvereinbarungen </span><span lang="EN-US">sowie</span> <span lang="EN-US">zum</span> <span lang="EN-US">Verhalten</span> <span lang="EN-US">einer</span> <span lang="EN-US">Besatzungsmacht</span> <span lang="EN-US">in</span><span lang="EN-US">einem</span><span lang="EN-US"> besetzten Territorium. Zum Umgang mit </span><span lang="EN-US">verletzten</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">erkrankten</span> <span lang="EN-US">Soldaten</span> <span lang="EN-US">verweist</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Haager</span><span lang="EN-US"> Landkriegsordnungwiederum auf die ers- te Genfer Konvention in den Fassungen von 1864 </span><span lang="EN-US">bzw.</span> <span lang="EN-US">1906.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Haager</span> <span lang="EN-US">Landkriegsordnung</span> <span lang="EN-US">wird</span><span lang="EN-US"> juristischauch als Völkergewohnheitsrecht, also </span><span lang="EN-US">allgemein</span><span lang="EN-US"> gültiges internationales Recht, angese- </span><span lang="EN-US">hen.</span><span lang="EN-US"> Das bedeutet, dass sie auch für Staatengilt, </span><span lang="EN-US">die</span><span lang="EN-US"> diese Konvention nicht explizit unterzeichnet </span><span lang="EN-US">h</span><span lang="EN-US">aben.</span>

<span lang="EN-US">Zusammenfassend</span> <span lang="EN-US">kann</span> <span lang="EN-US">man</span> <span lang="EN-US">festhalten,</span> <span lang="EN-US">dass</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">Genfer</span> <span lang="EN-US">Recht,</span> <span lang="EN-US">ausgehend</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">seinen</span> <span lang="EN-US">historischen</span> <span lang="EN-US">Ursprüngen,</span> <span lang="EN-US">vor</span> <span lang="EN-US">allem</span> <span lang="EN-US">den</span><span lang="EN-US">Umgang</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">soge</span><span lang="EN-US">nannten</span><span lang="EN-US"> Nichtkombattanten regelt, also Perso</span><span lang="EN-US">nen,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Fall</span> <span lang="EN-US">eines</span> <span lang="EN-US">bewaffneten</span> <span lang="EN-US">Konflikts</span> <span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">an</span><span lang="EN-US"> den Kampfhandlungen beteiligt sind. Dabei </span><span lang="EN-US">handelt</span> <span lang="EN-US">es</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">um</span><span lang="EN-US">verwundete,</span> <span lang="EN-US">erkrankte</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">ge-</span> <span lang="EN-US">fangengenommene</span> <span lang="EN-US">Soldaten</span> <span lang="EN-US">sowie</span> <span lang="EN-US">Zivilpersonen.</span> <span lang="EN-US">Demgegenüber</span> <span lang="EN-US">enthält</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">Haager</span> <span lang="EN-US">Recht</span><span lang="EN-US">über-</span> <span lang="EN-US">wiegend</span> <span lang="EN-US">Festlegungen</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">zulässigen</span> <span lang="EN-US">Mitteln</span> <span lang="EN-US">und</span><span lang="EN-US"> Methoden der Kriegführung und damit vor allem </span><span lang="EN-US">Regeln</span><span lang="EN-US"> für denUmgang mit den an den Kampf- </span><span lang="EN-US">handlungen</span> <span lang="EN-US">beteiligten</span> <span lang="EN-US">Personen.</span> <span lang="EN-US">Am</span> <span lang="EN-US">Internatio-</span> <span lang="EN-US">nalen</span> <span lang="EN-US">Strafgerichtshof</span> <span lang="EN-US">werden</span> <span lang="EN-US">schließlich</span><span lang="EN-US">Kriegs-</span> <span lang="EN-US">verbrechen</span> <span lang="EN-US">zur</span> <span lang="EN-US">Anzeige</span> <span lang="EN-US">gebracht</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">verhandelt.</span>

**<span lang="EN-US">LEGITIMATION</span> <span lang="EN-US">VON</span> <span lang="EN-US">KRIEG</span>**

<span lang="EN-US">Das</span> <span lang="EN-US">Narrativ</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Feindes</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">„Barbar“</span> <span lang="EN-US">–</span> <span lang="EN-US">roh,</span> <span lang="EN-US">unge-</span> <span lang="EN-US">hobelt</span><span lang="EN-US"> und unzivilisiert – erlaubte es antiken </span><span lang="EN-US">Herrschern</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Regel,</span><span lang="EN-US">Kriege</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">führen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">diese</span> <span lang="EN-US">vor</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Volk,</span> <span lang="EN-US">mitunter</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">vor</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Göt-</span> <span lang="EN-US">tern,</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">rechtfertigen.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Überlegenheit</span> <span lang="EN-US">Roms</span> <span lang="EN-US">über</span><span lang="EN-US">diese als minderwertig angesehenen Völker </span><span lang="EN-US">findet</span><span lang="EN-US"> ihren Ausdruck daher auch in zahlreichen </span><span lang="EN-US">Beispielen</span><span lang="EN-US"> auf Staatsreliefs oderSarkophagen, wo- </span><span lang="EN-US">bei</span> <span lang="EN-US">diese</span> <span lang="EN-US">Bilder</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">standardisierten</span> <span lang="EN-US">Darstellungen</span> <span lang="EN-US">ohne</span> <span lang="EN-US">Bezug</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">aktuellen</span> <span lang="EN-US">Ereignissen</span> <span lang="EN-US">mutierten.</span><span lang="EN-US">Dennoch</span> <span lang="EN-US">konnte</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">römischer</span> <span lang="EN-US">Seite</span> <span lang="EN-US">eine</span> <span lang="EN-US">Kriegs-</span> <span lang="EN-US">erklärung</span> <span lang="EN-US">erst</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">Befragung</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Götter</span> <span lang="EN-US">gemäß</span> <span lang="EN-US">einem</span><span lang="EN-US"> vorgegebenenRitus erfolgen. Diese Aufga- </span><span lang="EN-US">be</span> <span lang="EN-US">übernahmen</span> <span lang="EN-US">spezielle</span> <span lang="EN-US">Priester,</span> <span lang="EN-US">die</span> *<span lang="EN-US">fetiales.</span> <span lang="EN-US">Diesem</span><span lang="EN-US"> aus 20 Mitgliedern bestehenden Priester</span><span lang="EN-US">kollegium</span><span lang="EN-US"> oblag die Einhaltung und Überwa- </span><span lang="EN-US">chung</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">„internationalen</span> <span lang="EN-US">Rechtes“,</span> <span lang="EN-US">wenngleich</span> <span lang="EN-US">dieser</span> <span lang="EN-US">Begriff</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">römischen</span><span lang="EN-US">Antike</span> <span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">modernen</span><span lang="EN-US"> Sinn verwendet wurde. Zudem waren </span><span lang="EN-US">völkerrechtliche</span><span lang="EN-US"> Abkommen wie die oben be- schriebenen inder Antike unbekannt. Die Römer bestimmten den Inhalt des *ius gentium* (im allge- meineren Sinn von „allen Kulturvölkerngemein- sames Recht“) in der Frage, ob bestimmte Ereig- </span><span lang="EN-US">nisse</span> <span lang="EN-US">einen</span> <span lang="EN-US">Kriegsgrund</span> <span lang="EN-US">darstellten</span> <span lang="EN-US">oder</span> <span lang="EN-US">nicht,</span> <span lang="EN-US">und</span><span lang="EN-US"> wahrten dessen Definitionshoheit. Neben </span><span lang="EN-US">dem</span><span lang="EN-US"> Abschluss und der Überwachung völker- </span><span lang="EN-US">rechtlicher</span><span lang="EN-US"> Verträge wurde jeder Krieg offiziell </span><span lang="EN-US">durch</span><span lang="EN-US">einen der genannten Priester erklärt. In der </span><span lang="EN-US">Kaiserzeit</span><span lang="EN-US"> stand dieser nicht mehr wie ursprüng- </span><span lang="EN-US">lich</span> <span lang="EN-US">an</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Grenze</span> <span lang="EN-US">zum</span> <span lang="EN-US">Feindesland</span><span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">warf</span> <span lang="EN-US">eine</span> <span lang="EN-US">Lanze</span> <span lang="EN-US">hinüber,</span> <span lang="EN-US">vielmehr</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">diese</span> <span lang="EN-US">Handlung</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">einem</span> <span lang="EN-US">Stück</span> <span lang="EN-US">Land</span> <span lang="EN-US">beim</span> <span lang="EN-US">Tempel</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Bellona,</span> <span lang="EN-US">das</span><span lang="EN-US"> als „Ausland“deklariert wurde, vollzogen. </span><span lang="EN-US">Formal</span> <span lang="EN-US">konnte</span> <span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">also</span> <span lang="EN-US">keinen</span> <span lang="EN-US">Krieg</span> <span lang="EN-US">beginnen,</span> <span lang="EN-US">ohne</span><span lang="EN-US"> diesen sowohl von göttlicher Seite als auchgleichzeitig durch die Priester auf juristischer </span><span lang="EN-US">Ebene</span><span lang="EN-US"> abzusichern. Zudem bedurfte es eines trif- tigen Kriegsgrundes, einer *iustacausa,* der meist </span><span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Bruch</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Bündnissen</span> <span lang="EN-US">oder</span> <span lang="EN-US">(vermeintlichen)</span> <span lang="EN-US">Überfällen</span> <span lang="EN-US">gefunden</span> <span lang="EN-US">wurde.</span> <span lang="EN-US">Eine</span> <span lang="EN-US">Überwachung</span> <span lang="EN-US">des</span><span lang="EN-US">Kriegsverlaufs</span> <span lang="EN-US">oder</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Verhaltens</span> <span lang="EN-US">einzelner</span> <span lang="EN-US">Truppen</span><span lang="EN-US"> gegenüber der Zivilbevölkerung oder </span><span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">besiegten</span> <span lang="EN-US">Gegner</span> <span lang="EN-US">fand</span> <span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">statt.</span>

**<span lang="EN-US">GEWALT</span> <span lang="EN-US">GEGEN</span> <span lang="EN-US">FEINDLICHE</span><span lang="EN-US"> KOMBATTANTEN</span>**

<span lang="EN-US">Das</span> <span lang="EN-US">Hauptelement</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Kriegen</span> <span lang="EN-US">ist</span> <span lang="EN-US">physische</span> <span lang="EN-US">–</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Folge</span> <span lang="EN-US">sicherlich</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">psychische</span> <span lang="EN-US">–</span> <span lang="EN-US">Ge-</span> <span lang="EN-US">walt.</span><span lang="EN-US"> Eine Diskussion über diese Formen der </span><span lang="EN-US">Gewalt</span> <span lang="EN-US">im</span><span lang="EN-US">Römischen</span> <span lang="EN-US">Reich</span> <span lang="EN-US">fand</span> <span lang="EN-US">bis</span> <span lang="EN-US">vor</span> <span lang="EN-US">wenigen</span> <span lang="EN-US">Jahren</span><span lang="EN-US"> in der Forschung nicht statt und in der </span><span lang="EN-US">Vermittlungsarbeit</span><span lang="EN-US"> wird der Fokus auch heute </span><span lang="EN-US">noch</span> <span lang="EN-US">fast</span> <span lang="EN-US">ausschließlich</span> <span lang="EN-US">auf</span><span lang="EN-US">Ausrüstung,</span> <span lang="EN-US">Taktik</span> <span lang="EN-US">und</span><span lang="EN-US"> historische Ereignisse gerichtet. Auch Dar- </span><span lang="EN-US">stellungen</span><span lang="EN-US"> von Krieg und Gewalt – etwa auf Schlachtensarkophagen – werden nicht inletzter Konsequenz erfasst, sondern ebenfalls meist nur </span><span lang="EN-US">typologisch</span><span lang="EN-US"> und stilistisch betrachtet. Welche Ver- </span><span lang="EN-US">letzungen</span><span lang="EN-US"> durch Schwerter, Lanzen, Speere und</span><span lang="EN-US">sonstige</span> <span lang="EN-US">Waffen</span> <span lang="EN-US">üblich</span> <span lang="EN-US">waren,</span> <span lang="EN-US">wie</span> <span lang="EN-US">gezeichnet</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Soldaten</span> <span lang="EN-US">oft</span> <span lang="EN-US">ihr</span> <span lang="EN-US">gesamtes</span> <span lang="EN-US">Leben</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">wie</span> <span lang="EN-US">hoch</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Anteil</span> <span lang="EN-US">„Kriegsversehrter“</span> <span lang="EN-US">innerhalb</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Zivilbe-</span> <span lang="EN-US">völkerung</span><span lang="EN-US">waren, wird dabei meist bewusst in </span><span lang="EN-US">den</span><span lang="EN-US"> Hintergrund gestellt bzw. komplett ausge- </span><span lang="EN-US">blendet.</span><span lang="EN-US"> Neben fehlenden Gliedmaßen und sicht- baren Narben hatten dieehemaligen Soldaten oft </span><span lang="EN-US">durchtrennte</span><span lang="EN-US"> Sehnen an Händen und Armen. So- </span><span lang="EN-US">fern</span> <span lang="EN-US">sie</span> <span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">mehr</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Dienst</span> <span lang="EN-US">tauglich</span> <span lang="EN-US">waren,</span> <span lang="EN-US">wurden</span><span lang="EN-US"> sie als *bello inutiles facti,* alsodurch </span><span lang="EN-US">Kriegseinwirkung</span> <span lang="EN-US">untauglich</span> <span lang="EN-US">geworden,</span> <span lang="EN-US">entlas-</span> <span lang="EN-US">sen.</span><span lang="EN-US"> Anthropologisch vielerorts an Skeletten </span><span lang="EN-US">nachweisbare</span> <span lang="EN-US">Hiebspuren</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Schwertern,</span> <span lang="EN-US">Ein-</span> <span lang="EN-US">schüsse</span> <span lang="EN-US">von</span><span lang="EN-US">Pfeilen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Katapultbolzen</span> <span lang="EN-US">sowie</span> <span lang="EN-US">ab</span><span lang="EN-US">geschlagene</span> <span lang="EN-US">Köpfe</span> <span lang="EN-US">sind</span> <span lang="EN-US">Beweise</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">Kampfhand-</span> <span lang="EN-US">lungen.</span> <span lang="EN-US">Da</span> <span lang="EN-US">es</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">um</span> <span lang="EN-US">„normale“,</span> <span lang="EN-US">zumeist</span> <span lang="EN-US">tödliche</span> <span lang="EN-US">Verletzungen</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Schlachten</span> <span lang="EN-US">handelt,</span> <span lang="EN-US">ohne</span> <span lang="EN-US">Vor-</span><span lang="EN-US"> liegen des Tatbestands eines „Kriegsverbre- </span><span lang="EN-US">chens“,</span><span lang="EN-US"> wird hier nicht weiter darauf eigegangen. </span><span lang="EN-US">Feindliche</span><span lang="EN-US"> Soldaten wurden in der Schlacht aber </span><span lang="EN-US">nicht</span><span lang="EN-US"> nur getötet,sondern auch bewusst verstüm- </span><span lang="EN-US">melt.</span><span lang="EN-US"> Ein Beispiel dazu findet sich bei Ammian </span><span lang="EN-US">(Res</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">gestae</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">17,13,10)</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">im</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Kontext</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">einer</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Schlacht</span> <span lang="EN-US">Constantius’</span><span lang="EN-US"> II. gegen dieSarmaten: „Neben den </span><span lang="EN-US">Toten</span> <span lang="EN-US">lagen</span> <span lang="EN-US">viele</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">zerschnittenen</span> <span lang="EN-US">Kniekehlen,</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">so</span> <span lang="EN-US">war</span> <span lang="EN-US">ihnen</span> <span lang="EN-US">jede</span> <span lang="EN-US">Aussicht</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">Flucht</span> <span lang="EN-US">genom-</span> <span lang="EN-US">men.</span> <span lang="EN-US">Anderen</span> <span lang="EN-US">war</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Rechte</span><span lang="EN-US">abgeschlagen;</span> <span lang="EN-US">eini-</span> <span lang="EN-US">ge</span> <span lang="EN-US">waren</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">keinem</span> <span lang="EN-US">Stahl</span> <span lang="EN-US">berührt,</span> <span lang="EN-US">aber</span> <span lang="EN-US">vom</span> <span lang="EN-US">Ge-</span> <span lang="EN-US">wicht</span><span lang="EN-US"> derer zermalmt, die über sie hinwegstürz- </span><span lang="EN-US">ten“.</span><span lang="EN-US"> Dies ist aus heutiger Sicht eingrausames </span><span lang="EN-US">Vorgehen,</span> <span lang="EN-US">wohingegen</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">römische</span> <span lang="EN-US">Kriegsrecht</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Sieger</span> <span lang="EN-US">praktisch</span> <span lang="EN-US">keinerlei</span> <span lang="EN-US">Einschränkungen</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Umgang</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Kampf</span> <span lang="EN-US">unterlegenen </span><span lang="EN-US">Sol</span><span lang="EN-US">daten</span><span lang="EN-US"> vorschrieb.</span>

<span lang="EN-US">Der</span> <span lang="EN-US">Sieger</span> <span lang="EN-US">einer</span> <span lang="EN-US">Schlacht</span> <span lang="EN-US">hatte</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Aufgabe,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Toten</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">bestatten,</span> <span lang="EN-US">doch</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">dies</span> <span lang="EN-US">häufig</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Gegner</span> <span lang="EN-US">unterlassen.</span> <span lang="EN-US">So</span> <span lang="EN-US">wird</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">verschiedenen</span><span lang="EN-US">Schriftquellen</span><span lang="EN-US"> von stinkenden Leichenbergen </span><span lang="EN-US">oder</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">durch</span> <span lang="EN-US">Vögel</span> <span lang="EN-US">angefressenen</span> <span lang="EN-US">Toten</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">dem</span><span lang="EN-US"> Schlachtfeld noch viele Tage danach berich- </span><span lang="EN-US">tet</span><span lang="EN-US"> (z. B. Aquae Sextiae 102 v. Chr.: Plutarch, </span><span lang="EN-US">Marius</span> <span lang="EN-US">21;</span> <span lang="EN-US">Mons</span> <span lang="EN-US">Graupius</span> <span lang="EN-US">83</span> <span lang="EN-US">n.</span> <span lang="EN-US">Chr.:</span> <span lang="EN-US">Tacitus,</span> <span lang="EN-US">his-</span> <span lang="EN-US">toriae</span><span lang="EN-US"> 3,35,1). Selbst während des Bürgerkrieges </span><span lang="EN-US">69</span> <span lang="EN-US">n.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span> <span lang="EN-US">wurden</span> <span lang="EN-US">Römer</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">gegnerischen</span> <span lang="EN-US">Partei</span> <span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">bestattet.</span> <span lang="EN-US">Tacitus</span> <span lang="EN-US">(hist.</span> <span lang="EN-US">2,70,1)</span> <span lang="EN-US">berichtet</span> <span lang="EN-US">vom</span> <span lang="EN-US">Besuch</span><span lang="EN-US"> des Schlachtfelds von Cremona durch Vi</span><span lang="EN-US">tellius </span><span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">einem</span> <span lang="EN-US">schrecklichen</span> <span lang="EN-US">Anblick</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Nie-</span> <span lang="EN-US">derlage</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Truppen</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Otho:</span> <span lang="EN-US">„40</span> <span lang="EN-US">Tage</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Schlacht</span><span lang="EN-US"> – zerfetzte Leichen, verstümmelte Glie- </span><span lang="EN-US">der,</span><span lang="EN-US">verwesende</span> <span lang="EN-US">Kadaver</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Männern</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Pfer-</span> <span lang="EN-US">den,</span><span lang="EN-US"> getränkt von Blut und Moder die Erde, nie</span><span lang="EN-US">dergetrampelte</span> <span lang="EN-US">Bäume</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Saaten:</span> <span lang="EN-US">ein</span> <span lang="EN-US">Bild</span> <span lang="EN-US">grau-</span> <span lang="EN-US">siger </span><span lang="EN-US">Verwüstung.“</span>

**<span lang="EN-US">GEWALT</span> <span lang="EN-US">GEGEN</span> <span lang="EN-US">DIE</span><span lang="EN-US"> ZIVILBEVÖLKERUNG</span>**

<span lang="EN-US">Doch</span> <span lang="EN-US">neben</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Gewalt</span> <span lang="EN-US">unter</span> <span lang="EN-US">Soldaten,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">diese</span> <span lang="EN-US">bei</span> <span lang="EN-US">Eintritt</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Armee</span> <span lang="EN-US">wissentlich</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Kauf</span> <span lang="EN-US">nah-</span> <span lang="EN-US">men,</span> <span lang="EN-US">gab</span> <span lang="EN-US">es</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">einen</span> <span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">vernachlässigen-</span> <span lang="EN-US">den</span><span lang="EN-US">Anteil</span> <span lang="EN-US">an</span> <span lang="EN-US">Gewalt</span> <span lang="EN-US">gegenüber</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Zivilbevölke-</span><span lang="EN-US"> rung: Vergewaltigungen, Verkauf in die Sklaverei, </span><span lang="EN-US">Vertreibung</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Tod.</span> <span lang="EN-US">Auf</span> <span lang="EN-US">Kriegsverbrechen</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">modernen</span><span lang="EN-US">Maßstäben</span> <span lang="EN-US">stößt</span> <span lang="EN-US">man</span> <span lang="EN-US">daher</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">antiken</span> <span lang="EN-US">Quellen</span> <span lang="EN-US">allenthalben.</span> <span lang="EN-US">Eine</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">wohl</span> <span lang="EN-US">ein-</span> <span lang="EN-US">drücklichsten</span><span lang="EN-US"> Schilderungen zum brutalen Um- </span><span lang="EN-US">gang</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">Zivilisten</span><span lang="EN-US">findet</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">bei</span> <span lang="EN-US">Flavius</span> <span lang="EN-US">Josephus</span> <span lang="EN-US">über</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Jüdischen</span> <span lang="EN-US">Krieg</span> <span lang="EN-US">(siehe</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Beitrag</span> <span lang="EN-US">S.</span><span lang="EN-US"> 24): „Mit gezogenem Schwert stürmten die Rö- </span><span lang="EN-US">mer</span><span lang="EN-US"> in die Gassen,stießen jeden nieder, der ihnen </span><span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Weg</span> <span lang="EN-US">kam,</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">verbrannten</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Häuser</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">allen,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">darin</span> <span lang="EN-US">Zuflucht</span> <span lang="EN-US">gesucht</span> <span lang="EN-US">hatten.</span> <span lang="EN-US">\[…\]</span> <span lang="EN-US">\[Sie\]</span><span lang="EN-US"> versperrten die engenGassen mit Leichen, so dass </span><span lang="EN-US">manche</span><span lang="EN-US"> Feuersbrunst durch Blut gelöscht wurde. </span><span lang="EN-US">Gegen</span> <span lang="EN-US">Abend</span> <span lang="EN-US">stellten</span> <span lang="EN-US">sie</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">Morden</span> <span lang="EN-US">ein;</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Brand</span> <span lang="EN-US">wütete</span> <span lang="EN-US">aber</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">ganze</span> <span lang="EN-US">Nacht</span><span lang="EN-US">hindurch“</span>

<span lang="EN-US">(bellum</span><span lang="EN-US"> Iudaicum 6,8,5). Die völlige Vernichtung </span><span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Gegners,</span> <span lang="EN-US">darunter</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">Frauen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Kinder,</span> <span lang="EN-US">diente</span><span lang="EN-US"> als Abschreckung undMachtdemonstrati- on: „Den Mut, die Stadt Jerusalem \[während der </span><span lang="EN-US">römischen</span> <span lang="EN-US">Belagerung\]</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">verlassen,</span> <span lang="EN-US">flößte</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Judäern</span> <span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US">Hunger</span> <span lang="EN-US">ein</span> <span lang="EN-US">\[…\].</span> <span lang="EN-US">Sie</span> <span lang="EN-US">wurden</span> <span lang="EN-US">zunächst</span> <span lang="EN-US">gegeißelt</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">allen</span> <span lang="EN-US">möglichen</span> <span lang="EN-US">Foltern</span> <span lang="EN-US">unterwor-</span> <span lang="EN-US">fen,</span> <span lang="EN-US">schließlich</span> <span lang="EN-US">angesichts</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Mauern</span><span lang="EN-US">gekreuzigt</span><span lang="EN-US"> und getötet. Titus hatte Mitleid mit ihrem Schick- </span><span lang="EN-US">sal</span> <span lang="EN-US">\[…\].</span> <span lang="EN-US">Der</span> <span lang="EN-US">Hauptgrund</span> <span lang="EN-US">aber,</span> <span lang="EN-US">weshalb</span> <span lang="EN-US">Titus</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Hinrichtung</span> <span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US">Gefangenen</span> <span lang="EN-US">zuließ,</span> <span lang="EN-US">war</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Hoff-</span> <span lang="EN-US">nung,</span><span lang="EN-US"> der Anblick werde die Belagerten zum </span><span lang="EN-US">Nachgeben</span> <span lang="EN-US">bewegen</span> <span lang="EN-US">\[…\].</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Soldaten</span> <span lang="EN-US">nagelten</span><span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">ihrer</span> <span lang="EN-US">Erbitterung</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Gefangenen</span> <span lang="EN-US">zum</span> <span lang="EN-US">Hohn</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">verschiedensten</span> <span lang="EN-US">Körperlagen</span> <span lang="EN-US">an,</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">da</span> <span lang="EN-US">ih-</span> <span lang="EN-US">rer</span> <span lang="EN-US">so</span> <span lang="EN-US">viele</span> <span lang="EN-US">waren,</span> <span lang="EN-US">fehlte</span> <span lang="EN-US">es</span> <span lang="EN-US">bald</span><span lang="EN-US">an</span> <span lang="EN-US">Raum</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">die</span><span lang="EN-US"> Kreuze und an Kreuzen für die Leiber“ (Jos. bell. </span><span lang="EN-US">Iud.</span><span lang="EN-US"> 5,11,1). „Die Gesamtzahl der in diesem Kriege </span><span lang="EN-US">Gefangenen</span><span lang="EN-US">belief</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">97</span> <span lang="EN-US">000;</span> <span lang="EN-US">ums</span> <span lang="EN-US">Leben</span> <span lang="EN-US">ka-</span> <span lang="EN-US">men</span> <span lang="EN-US">während</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Dauer</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Belagerung</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Jeru-</span> <span lang="EN-US">salem</span><span lang="EN-US"> 1 100 000“ (Jos. bell. Iud. 6,9,3).Auch wenn </span><span lang="EN-US">diese</span><span lang="EN-US"> Zahlenangaben nicht überprüft werden </span><span lang="EN-US">können,</span><span lang="EN-US"> weisen sie doch auf überdurchschnittlich viele Tote unter derZivilbevölkerung.</span>

<span lang="EN-US">Bereits</span><span lang="EN-US"> Caesar hatte 55 v. Chr. an den Usipetern </span><span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Tenkterern</span> <span lang="EN-US">(Caesar,</span> <span lang="EN-US">de</span> <span lang="EN-US">bello</span> <span lang="EN-US">Gallico</span> <span lang="EN-US">4,13–15)</span> <span lang="EN-US">einen</span> <span lang="EN-US">Genozid</span> <span lang="EN-US">verübt:</span> <span lang="EN-US">Nach</span><span lang="EN-US">deren</span> <span lang="EN-US">Ersuchen</span> <span lang="EN-US">um</span> <span lang="EN-US">Siedlungsmöglichkeiten</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">römischem</span> <span lang="EN-US">Territori-</span> <span lang="EN-US">um,</span> <span lang="EN-US">Querelen</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">gallischen</span> <span lang="EN-US">Siedlern</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Ver-</span> <span lang="EN-US">handlungen</span><span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">Caesar</span> <span lang="EN-US">schickte</span> <span lang="EN-US">dieser</span> <span lang="EN-US">acht</span> <span lang="EN-US">Legio-</span> <span lang="EN-US">nen</span><span lang="EN-US"> in das Lager der Germanen. Die fliehenden </span><span lang="EN-US">Frauen,</span><span lang="EN-US"> Kinder und schließlich auchunterlegenen </span><span lang="EN-US">Krieger</span> <span lang="EN-US">wurden</span> <span lang="EN-US">an</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Mündung</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Maas</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Rhein</span> <span lang="EN-US">eingekesselt</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">allesamt</span> <span lang="EN-US">getötet,</span> <span lang="EN-US">wobei</span> <span lang="EN-US">Caesar</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">430</span> <span lang="EN-US">000</span><span lang="EN-US">Toten</span> <span lang="EN-US">spricht,</span> <span lang="EN-US">moderne</span> <span lang="EN-US">Schät-</span> <span lang="EN-US">zungen</span> <span lang="EN-US">aber</span> <span lang="EN-US">immerhin</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Hälfte</span> <span lang="EN-US">ausgehen.</span> <span lang="EN-US">Das</span> <span lang="EN-US">Vorgehen</span> <span lang="EN-US">Caesars</span> <span lang="EN-US">gegen</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">germanischen</span><span lang="EN-US">Einwanderer</span><span lang="EN-US"> wurde im Senat schwer gerügt und </span><span lang="EN-US">Cato</span> <span lang="EN-US">beantragte</span> <span lang="EN-US">sogar,</span> <span lang="EN-US">man</span> <span lang="EN-US">solle</span> <span lang="EN-US">ihn</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">Verräter</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Germanen</span> <span lang="EN-US">ausliefern,</span> <span lang="EN-US">damit</span><span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Zorn</span> <span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> Götter über Rom hereinbreche (Plutarch, </span><span lang="EN-US">Caesar</span> <span lang="EN-US">22).</span> <span lang="EN-US">Auch</span> <span lang="EN-US">wenn</span> <span lang="EN-US">dieser</span> <span lang="EN-US">Antrag</span> <span lang="EN-US">keine</span> <span lang="EN-US">Mehr-</span> <span lang="EN-US">heit</span> <span lang="EN-US">fand</span> <span lang="EN-US">zeigt</span><span lang="EN-US">dies,</span> <span lang="EN-US">dass</span> <span lang="EN-US">hier</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">römische</span> <span lang="EN-US">Ver-</span> <span lang="EN-US">hältnisse</span> <span lang="EN-US">wenngleich</span> <span lang="EN-US">keine</span> <span lang="EN-US">juristische,</span> <span lang="EN-US">so</span> <span lang="EN-US">doch</span> <span lang="EN-US">eine</span> <span lang="EN-US">moralische</span> <span lang="EN-US">Linie</span> <span lang="EN-US">überschritten</span> <span lang="EN-US">worden</span> <span lang="EN-US">war.</span><span lang="EN-US">Das</span><span lang="EN-US"> Unterlassen des Tötens und sichtbaren Ver- </span><span lang="EN-US">stümmelns</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Zivilbevölkerung</span> <span lang="EN-US">geschah</span> <span lang="EN-US">norma-</span><span lang="EN-US"> lerweise nicht aus ethisch-moralischen Überle- </span><span lang="EN-US">gungen,</span> <span lang="EN-US">sondern</span> <span lang="EN-US">aus</span> <span lang="EN-US">ökonomischen,</span> <span lang="EN-US">da</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">gefan-</span> <span lang="EN-US">gen</span> <span lang="EN-US">genommenen</span> <span lang="EN-US">Menschen</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">Sklaven</span> <span lang="EN-US">verkauft</span> <span lang="EN-US">werden</span><span lang="EN-US">konnten. Die große Zahl an Sklaven nach </span><span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> Eroberung Jerusalems ließ wohl sogar die </span><span lang="EN-US">Preise</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Sklavenmarkt</span> <span lang="EN-US">einbrechen.</span><span lang="EN-US">Eine</span> <span lang="EN-US">Szene</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Markussäule</span> <span lang="EN-US">fasst</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Umgang</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Besiegten</span> <span lang="EN-US">exemplarisch</span> <span lang="EN-US">zusammen:</span> <span lang="EN-US">Gezeigt </span><span lang="EN-US">wird</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Vordergrund</span> <span lang="EN-US">ein</span> <span lang="EN-US">Auxiliarsoldat,</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">eine</span> <span lang="EN-US">Frau</span><span lang="EN-US"> mit entblößter Brust, eventuell nach einer </span><span lang="EN-US">vorhergehenden</span> <span lang="EN-US">Vergewaltigung,</span> <span lang="EN-US">an</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Haaren</span> <span lang="EN-US">reißt,</span><span lang="EN-US"> um sie undihr Kind, dessen Hand sie um- </span><span lang="EN-US">klammert,</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Gefangenschaft</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">führen.</span> <span lang="EN-US">Im</span> <span lang="EN-US">Bildhintergrund</span><span lang="EN-US"> ganz rechts stecken weitere </span><span lang="EN-US">Hilfstruppenangehörige</span><span lang="EN-US">einheimische</span> <span lang="EN-US">Hütten</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">Fackeln</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Brand,</span> <span lang="EN-US">während</span> <span lang="EN-US">unten</span> <span lang="EN-US">rechts</span> <span lang="EN-US">ein</span> <span lang="EN-US">Sol-</span> <span lang="EN-US">dat</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">Schwert</span> <span lang="EN-US">zur</span> <span lang="EN-US">Enthauptung</span> <span lang="EN-US">eines</span> <span lang="EN-US">vor</span> <span lang="EN-US">ihm</span> <span lang="EN-US">kauernden</span> <span lang="EN-US">Feindes</span> <span lang="EN-US">erhebt.</span> <span lang="EN-US">Diese</span><span lang="EN-US">Hinrichtung</span> <span lang="EN-US">fin-</span> <span lang="EN-US">det</span><span lang="EN-US"> in Präsenz des stehenden Kaisers Marcus </span><span lang="EN-US">Aurelius</span><span lang="EN-US"> statt. Ähnliche Szenen finden sich be- reits auf der Trajanssäule. Gezeigt werden dort</span><span lang="EN-US">Flucht</span><span lang="EN-US"> und Vertreibung der Zivilbevölkerung (C. </span><span lang="EN-US">Cichorius,</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Die</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Reliefs</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Trajanssäule.</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Berlin</span> <span lang="EN-US">1896,</span> <span lang="EN-US">Taf.</span> <span lang="EN-US">LCCV–LXXVI)</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Fall</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Sarmi-</span><span lang="EN-US">zegethusa</span><span lang="EN-US"> im Ersten Dakischen Krieg oder die </span><span lang="EN-US">Verwüstung</span> <span lang="EN-US">dakischer</span> <span lang="EN-US">Dörfer,</span> <span lang="EN-US">wobei</span> <span lang="EN-US">Auxiliarsol-</span> <span lang="EN-US">daten</span> <span lang="EN-US">Häuser</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Brand</span> <span lang="EN-US">stecken</span> <span lang="EN-US">(Cichorius</span> <span lang="EN-US">Taf.</span> <span lang="EN-US">CLII–CLIII).</span><span lang="EN-US">Auch auf dem Siegesdenkmal Trajans, </span><span lang="EN-US">dem</span> *<span lang="EN-US">Tropaeum</span> <span lang="EN-US">Traiani</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Adamklissi</span> <span lang="EN-US">(Rumäni-</span> <span lang="EN-US">en),</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Figurenschmuck</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Kaiserforen</span> <span lang="EN-US">oder</span> <span lang="EN-US">am</span> <span lang="EN-US">Konstantinsbogen</span> <span lang="EN-US">in</span><span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">finden</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">Darstellun-</span> <span lang="EN-US">gen</span><span lang="EN-US"> gefesselter Kriegsgefangener.</span>

<span lang="EN-US">Einige</span><span lang="EN-US"> Anführer gegnerischer Truppen sowie </span><span lang="EN-US">hochrangige</span><span lang="EN-US"> Familienangehörige wurden als </span>*<span lang="EN-US">High-Value</span> <span lang="EN-US">Targets</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">ihrer</span> <span lang="EN-US">Gefangennahme</span><span lang="EN-US"> nach Romtransportiert und dort beim Triumph- </span><span lang="EN-US">zug</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">siegreichen</span> <span lang="EN-US">Feldherrn</span> <span lang="EN-US">vorgeführt.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">be-</span> <span lang="EN-US">kanntesten</span><span lang="EN-US"> Beispiele dürften Iugurtha und Ver- cingetorix sein, dieanschließend im römischen </span><span lang="EN-US">Staatsgefängnis,</span> <span lang="EN-US">dem</span> *<span lang="EN-US">Carcer</span> <span lang="EN-US">Tullianus,</span> <span lang="EN-US">erdrosselt</span> <span lang="EN-US">wurden.</span> <span lang="EN-US">Auch</span> <span lang="EN-US">Frauen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Kinder</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">gegneri-</span> <span lang="EN-US">schen</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Adelsfamilien</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">wurden</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">gefangen</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">genom-</span> <span lang="EN-US">men.</span><span lang="EN-US">Vermutlich</span> <span lang="EN-US">wurden</span> <span lang="EN-US">sie</span> <span lang="EN-US">zumindest</span> <span lang="EN-US">vor</span> <span lang="EN-US">Ver-</span> <span lang="EN-US">gewaltigung</span><span lang="EN-US"> verschont, da sie mit dem Sieg der </span><span lang="EN-US">Römer</span> <span lang="EN-US">Eigentum</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Römischen</span> <span lang="EN-US">Staates</span> <span lang="EN-US">gewor-</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">waren.</span><span lang="EN-US">Vergewaltigung</span> <span lang="EN-US">ist</span> <span lang="EN-US">ohnehin</span> <span lang="EN-US">ein</span> <span lang="EN-US">mo-</span> <span lang="EN-US">derner</span> <span lang="EN-US">Begriff</span> <span lang="EN-US">ohne</span> <span lang="EN-US">antikes</span> <span lang="EN-US">Pendant</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">impli-</span> <span lang="EN-US">ziert</span><span lang="EN-US"> damit neuzeitliche Ethik und Moral. Die Ver- </span><span lang="EN-US">gewaltigung</span><span lang="EN-US"> von künftigen Sklavinnen wurde </span><span lang="EN-US">jedoch</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">wertmindernd</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">somit</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">Sachbe-</span> <span lang="EN-US">schädigung</span><span lang="EN-US"> eingestuft. Inwiefern sich Soldaten </span><span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Einnahme</span> <span lang="EN-US">einer</span> <span lang="EN-US">Siedlung</span><span lang="EN-US">allerdings</span> <span lang="EN-US">da-</span> <span lang="EN-US">ran</span> <span lang="EN-US">hielten,</span> <span lang="EN-US">Menschen,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">verkauft</span> <span lang="EN-US">werden</span> <span lang="EN-US">soll-</span> <span lang="EN-US">ten,</span><span lang="EN-US"> zu verschonen, ist unklar. Kriegsgefangene </span><span lang="EN-US">wurden</span> <span lang="EN-US">aber</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">geschont,</span> <span lang="EN-US">da</span> <span lang="EN-US">sie</span> <span lang="EN-US">mitunter</span> <span lang="EN-US">als</span><span lang="EN-US">Verhandlungsmasse</span><span lang="EN-US"> eingesetzt wurden und je nach Vertrag vom Gegner gegen Geiseln ausge- </span><span lang="EN-US">tauscht</span><span lang="EN-US"> werden konnten. Dadurch wurde die </span><span lang="EN-US">Überlegenheit</span><span lang="EN-US">Roms</span> <span lang="EN-US">demonstriert</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Feind</span><span lang="EN-US"> gedemütigt.</span>

**<span lang="EN-US">VERSTÜMMELUNGEN,</span> <span lang="EN-US">FOLTER</span> <span lang="EN-US">UND</span><span lang="EN-US"> HINRICHTUNGEN</span>**

<span lang="EN-US">Das</span> <span lang="EN-US">Abschlagen</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Körperextremitäten</span> <span lang="EN-US">unterle-</span> <span lang="EN-US">gener</span> <span lang="EN-US">Gegner</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">Bestrafung</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">Verräter</span> <span lang="EN-US">oder</span><span lang="EN-US"> postmortale Erniedrigung und Warnung an </span><span lang="EN-US">potenzielle</span><span lang="EN-US"> Nachahmer ist nicht auf die römische Welt beschränkt: Bereits König David (1008–</span><span lang="EN-US">965</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.)</span> <span lang="EN-US">hatte</span> <span lang="EN-US">seinen</span> <span lang="EN-US">Männern</span> <span lang="EN-US">befohlen,</span> <span lang="EN-US">Verrä-</span> <span lang="EN-US">ter</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">ihrem</span> <span lang="EN-US">Tod</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">verstümmeln:</span> <span lang="EN-US">„Die</span> <span lang="EN-US">\[jungen</span> <span lang="EN-US">Männer\]</span> <span lang="EN-US">brachten</span> <span lang="EN-US">sie</span> <span lang="EN-US">\[die</span> <span lang="EN-US">Feinde\]</span> <span lang="EN-US">um</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">schlu-</span> <span lang="EN-US">gen</span><span lang="EN-US">ihnen</span> <span lang="EN-US">Hände</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Füße</span> <span lang="EN-US">ab,</span> <span lang="EN-US">hängten</span> <span lang="EN-US">sie</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">am</span> <span lang="EN-US">Teich</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Hebron“</span> <span lang="EN-US">(2.</span> <span lang="EN-US">Buch</span> <span lang="EN-US">Samuel</span> <span lang="EN-US">4,12).</span> <span lang="EN-US">Ein</span> <span lang="EN-US">ar-</span> <span lang="EN-US">chäologischer</span> <span lang="EN-US">Beweis</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">diese</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Nahen</span> <span lang="EN-US">Osten</span> <span lang="EN-US">etablierte</span><span lang="EN-US">Praxis stammt vom Tell el Dab’a in </span><span lang="EN-US">Ägypten.</span><span lang="EN-US"> Das Österreichische Archäologische Ins- </span><span lang="EN-US">titut</span><span lang="EN-US"> entdeckte hier 16 abgehackte rechte Hände, </span><span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">um</span> <span lang="EN-US">1500</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span><span lang="EN-US">datiert</span> <span lang="EN-US">werden. </span><span lang="EN-US">Körperliche</span> <span lang="EN-US">Verstümmelungen</span> <span lang="EN-US">an</span> <span lang="EN-US">Unterlegenen</span> <span lang="EN-US">sind</span><span lang="EN-US"> für die römische Zeit literarisch belegt: </span><span lang="EN-US">„Caesar</span> <span lang="EN-US">wusste,</span> <span lang="EN-US">dass</span> <span lang="EN-US">er</span> <span lang="EN-US">bei</span> <span lang="EN-US">seiner</span> <span lang="EN-US">allgemein</span> <span lang="EN-US">be-</span> <span lang="EN-US">kannten</span><span lang="EN-US">Milde</span> <span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">fürchten</span> <span lang="EN-US">brauchte,</span> <span lang="EN-US">man</span> <span lang="EN-US">werde</span><span lang="EN-US"> ihm ein zu hartes Vorgehen als Grausam- </span><span lang="EN-US">keit</span><span lang="EN-US"> auslegen. \[…\] So ließ er allen Bewohnern von </span>*<span lang="EN-US">Uxellodunum,</span> <span lang="EN-US">die</span><span lang="EN-US">Waffen</span> <span lang="EN-US">getragen</span> <span lang="EN-US">hatten,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Hände</span> <span lang="EN-US">abschlagen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">schenkte</span> <span lang="EN-US">ihnen</span> <span lang="EN-US">dann</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">Leben,</span><span lang="EN-US"> damit die Strafe für ihre Missetat umso </span><span lang="EN-US">sichtbarer</span><span lang="EN-US"> sei“ (Caesar, bell. Gall.8,44,1). Einen ar- </span><span lang="EN-US">chäologischen</span> <span lang="EN-US">Beleg</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">diese</span> <span lang="EN-US">Praxis</span> <span lang="EN-US">bietet</span> <span lang="EN-US">ein</span> <span lang="EN-US">Schwertscheiden-Mundblech</span><span lang="EN-US"> der sogenannten </span><span lang="EN-US">Vindonissa-Edition:</span><span lang="EN-US"> Hier sind neben einemknien- </span><span lang="EN-US">den,</span> <span lang="EN-US">gefesselten</span> <span lang="EN-US">Gallier</span> <span lang="EN-US">zwischen</span> <span lang="EN-US">zwei</span> <span lang="EN-US">Tropaia</span> <span lang="EN-US">zwei</span> <span lang="EN-US">abgehackte</span> <span lang="EN-US">Hände</span> <span lang="EN-US">dargestellt.</span> <span lang="EN-US">Diese</span> <span lang="EN-US">gelten</span> <span lang="EN-US">als</span><span lang="EN-US"> Zeichen der Untreue und des gebrochenen </span><span lang="EN-US">Eides.</span><span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Szene</span> <span lang="EN-US">ist</span> <span lang="EN-US">deshalb</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Kontext</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Sacro-</span> <span lang="EN-US">vir-Aufstandes</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">21</span> <span lang="EN-US">n.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">interpretieren.</span> <span lang="EN-US">Im</span><span lang="EN-US"> anthropologischen Befund lässt sich auch die </span><span lang="EN-US">Folterung</span> <span lang="EN-US">von</span><span lang="EN-US">Kriegsgefangenen</span> <span lang="EN-US">belegen:</span> <span lang="EN-US">Aus</span> <span lang="EN-US">Va-</span> <span lang="EN-US">lencia</span><span lang="EN-US"> stammen 14 menschliche Skelette mit Spu- </span><span lang="EN-US">ren</span><span lang="EN-US"> von Folter, die mit den Bürgerkriegsereignis- sen des Jahres 75 v.Chr. im „Sertorianischen </span><span lang="EN-US">Krieg“</span><span lang="EN-US"> in Verbindung stehen. Viele Skelette zei- </span><span lang="EN-US">gen</span> <span lang="EN-US">Spuren</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Amputationen.</span> <span lang="EN-US">Einem</span> <span lang="EN-US">Mann</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">hinter</span><span lang="EN-US"> dem Rücken gefesseltenHänden war ein Pi- </span><span lang="EN-US">lum</span><span lang="EN-US"> in das Rektum getrieben worden. Massenhin- </span><span lang="EN-US">richtungen</span> <span lang="EN-US">feindlicher</span> <span lang="EN-US">Kombattanten</span> <span lang="EN-US">sind</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> Markussäule wiedergegeben.</span>

**<span lang="EN-US">VERBRANNTE</span> <span lang="EN-US">ERDE</span>**

<span lang="EN-US">Nicht</span><span lang="EN-US"> selten wurden „ethnische Säuberungen" </span><span lang="EN-US">durchgeführt</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">Prinzip</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">verbrannten</span> <span lang="EN-US">Erde</span><span lang="EN-US"> angewendet, wie bei Caesars Bericht zum </span><span lang="EN-US">Jahr</span> <span lang="EN-US">52</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span><span lang="EN-US">deutlich</span> <span lang="EN-US">wird,</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">aus</span> <span lang="EN-US">Wut</span> <span lang="EN-US">über</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">entflohenen</span><span lang="EN-US"> Ambiorix dessen gesamten Besitz </span><span lang="EN-US">verwüsten</span><span lang="EN-US"> ließ: „Caesar selbst rückte aus, um das Land des Ambiorixvollständig zu verwüsten. Da </span><span lang="EN-US">er</span><span lang="EN-US"> nicht mehr damit rechnete, den eingeschüch- </span><span lang="EN-US">terten</span> <span lang="EN-US">Flüchtling</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">seine</span> <span lang="EN-US">Gewalt</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">bekommen,</span> <span lang="EN-US">so</span> <span lang="EN-US">erforderte</span> <span lang="EN-US">es,</span> <span lang="EN-US">wie</span> <span lang="EN-US">er</span> <span lang="EN-US">meinte,</span><span lang="EN-US">seine</span> <span lang="EN-US">Ehre</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">nächstes,</span><span lang="EN-US"> dessen Land durch Vernichtung von </span><span lang="EN-US">Menschen,</span><span lang="EN-US"> Gehöften und Vieh in eine solche Wüs- </span><span lang="EN-US">te</span><span lang="EN-US"> zu verwandeln, dass dem Ambiorix nur der</span><span lang="EN-US">Hass</span><span lang="EN-US"> seiner etwa noch übrig gebliebenen Stam- </span><span lang="EN-US">mesgenossen</span> <span lang="EN-US">wegen</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">so</span> <span lang="EN-US">großen</span> <span lang="EN-US">Unglücks,</span> <span lang="EN-US">in </span><span lang="EN-US">das</span><span lang="EN-US"> er sie gestürzt hatte, jede Rückkehr unmög- </span><span lang="EN-US">lich</span><span lang="EN-US"> machen musste“ (Caesar, bell. Gall. 8,24,4). „So </span><span lang="EN-US">ließ</span><span lang="EN-US"> er \[…\] das ganze Land des Ambiorix teils von </span><span lang="EN-US">den</span><span lang="EN-US"> Legionen, teilsvon den Hilfstruppen, die er </span><span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">allen</span> <span lang="EN-US">Richtungen</span> <span lang="EN-US">entsandte,</span> <span lang="EN-US">durch</span> <span lang="EN-US">Mord,</span><span lang="EN-US"> Brand und Plünderung verwüsten, wobei viele </span><span lang="EN-US">Einwohner</span> <span lang="EN-US">erschlagen</span> <span lang="EN-US">oder</span> <span lang="EN-US">gefangen</span> <span lang="EN-US">genommen</span><span lang="EN-US">wurden“</span><span lang="EN-US"> (Caesar bell. Gall. 8,25,1).</span>

**<span lang="EN-US">PLÜNDERUNGEN</span> <span lang="EN-US">UND</span> <span lang="EN-US">BEUTEKUNST</span>**

 <span lang="EN-US">Für</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Plünderung</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Städten</span> <span lang="EN-US">wurden</span> <span lang="EN-US">geeigne-</span> <span lang="EN-US">te</span> <span lang="EN-US">Soldaten</span> <span lang="EN-US">ausgewählt.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Beute</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">verkauft</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Erlös</span><span lang="EN-US">anschließend</span> <span lang="EN-US">unter</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Truppen</span> <span lang="EN-US">aufgeteilt.</span> <span lang="EN-US">Überwiegend</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Gewinn</span> <span lang="EN-US">aber</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Staatskasse</span> <span lang="EN-US">zugeführt</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">daraus</span> <span lang="EN-US">große</span> <span lang="EN-US">Infra-</span> <span lang="EN-US">strukturprojekte</span><span lang="EN-US"> wie das Trajansforumin Rom fi- </span><span lang="EN-US">nanziert:</span><span lang="EN-US"> Die von Trajan nach Rom geschleppte </span><span lang="EN-US">Kriegsbeute</span><span lang="EN-US"> aus den dakischen Kriegen soll 331 </span><span lang="EN-US">Tonnen</span><span lang="EN-US"> Silber und 165 Tonnen Gold betragen ha- </span><span lang="EN-US">ben.</span> <span lang="EN-US">Eine</span><span lang="EN-US">Szene</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Trajanssäule</span> <span lang="EN-US">(Cichorius</span> <span lang="EN-US">Taf.</span><span lang="EN-US"> CXXXVII–CXXXVIII) beispielsweise zeigt ei- </span><span lang="EN-US">nen</span> <span lang="EN-US">Legionär</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">zwei</span> <span lang="EN-US">Auxiliarsoldaten</span> <span lang="EN-US">beim</span> <span lang="EN-US">Be-</span> <span lang="EN-US">packen</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Mulis</span> <span lang="EN-US">mit</span><span lang="EN-US">erbeutetem</span> <span lang="EN-US">Silbergeschirr,</span> <span lang="EN-US">wahrscheinlich</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Schatz</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Decebal.</span> <span lang="EN-US">Plünde-</span><span lang="EN-US"> rungen füllten die Staatskasse und stellten die be- teiligten Soldaten materiell zufrieden. Beider Si- </span><span lang="EN-US">cherstellung</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Beute</span> <span lang="EN-US">direkt</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Schlacht-</span><span lang="EN-US"> feld waren römische Soldaten mitunter nicht </span><span lang="EN-US">zimperlich.</span> <span lang="EN-US">So</span> <span lang="EN-US">berichtet</span> <span lang="EN-US">Prokop</span> <span lang="EN-US">(bellum</span> <span lang="EN-US">Gothi-</span> <span lang="EN-US">cum</span><span lang="EN-US"> 3,4), dasseinem gefallenen gotischen Stan</span><span lang="EN-US">dartenträger</span> <span lang="EN-US">einfach</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Hand</span> <span lang="EN-US">abgehackt</span> <span lang="EN-US">wurde,</span><span lang="EN-US"> um schneller in den Besitz eines goldenen Arm- </span><span lang="EN-US">reifs</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">gelangen.</span> <span lang="EN-US">Ein</span><span lang="EN-US">frühkaiserzeitliches</span> <span lang="EN-US">Relief</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">einem</span> <span lang="EN-US">Pfeilergrabmal</span> <span lang="EN-US">aus</span> <span lang="EN-US">Bartringen</span> <span lang="EN-US">(Luxem-</span> <span lang="EN-US">burg)</span> <span lang="EN-US">liefert</span> <span lang="EN-US">einen</span> <span lang="EN-US">bildlichen</span> <span lang="EN-US">Beleg</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">postmorta-</span><span lang="EN-US">le</span> <span lang="EN-US">Verstümmelung</span> <span lang="EN-US">zwecks</span> <span lang="EN-US">Erlangung</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Beute:</span> <span lang="EN-US">Ein</span> <span lang="EN-US">römischer</span> <span lang="EN-US">Soldat</span> <span lang="EN-US">packt</span> <span lang="EN-US">einen</span> <span lang="EN-US">enthaupteten</span> <span lang="EN-US">Kelten</span> <span lang="EN-US">am</span> <span lang="EN-US">Haarschopf;</span> <span lang="EN-US">dessen</span>*<span lang="EN-US">torques,</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">er</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">toten</span> <span lang="EN-US">Gegner</span> <span lang="EN-US">vom</span> <span lang="EN-US">Hals</span> <span lang="EN-US">gezogen</span> <span lang="EN-US">hat,</span> <span lang="EN-US">trägt</span> <span lang="EN-US">er</span> <span lang="EN-US">über</span> <span lang="EN-US">seiner</span> <span lang="EN-US">linke</span> <span lang="EN-US">Ellenbogenbeuge,</span> <span lang="EN-US">um</span> <span lang="EN-US">ihn</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Schlacht</span><span lang="EN-US">getümmel</span> <span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">verlieren.</span> <span lang="EN-US">Dies</span> <span lang="EN-US">würde</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">modernen</span><span lang="EN-US"> Gesichtspunkten als nicht „erlaubte“</span>

<span lang="EN-US">Verstümmelung</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Leichen</span> <span lang="EN-US">angesehen</span> <span lang="EN-US">werden.</span> <span lang="EN-US">Daneben</span> <span lang="EN-US">tritt</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">Phänomen</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Beutekunst</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">(siehe</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Beitrag</span> <span lang="EN-US">S.</span> <span lang="EN-US">4),</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">neben</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">materiel-</span> <span lang="EN-US">len</span><span lang="EN-US"> auch einen kulturellen Wert einbrachte. </span><span lang="EN-US">Beutekunst</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">vielen</span> <span lang="EN-US">Tempeln</span> <span lang="EN-US">Roms</span> <span lang="EN-US">zur</span> <span lang="EN-US">Schau</span> <span lang="EN-US">gestellt,</span> <span lang="EN-US">es</span> <span lang="EN-US">existierten</span> <span lang="EN-US">sogar</span> <span lang="EN-US">Inventarlisten</span> <span lang="EN-US">dieser</span><span lang="EN-US"> „Beutekunst-Museen“, etwa für die *Porticus* </span>*<span lang="EN-US">Octaviae</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">einem</span> <span lang="EN-US">Verzeichnis</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Vellei-</span><span lang="EN-US"> us Paterculus (historia Romana 1,11,3–5). Oberhalb </span><span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Bauchnabels</span> <span lang="EN-US">des</span><span lang="EN-US">sogenannten</span> <span lang="EN-US">Thermenherr-</span><span lang="EN-US"> schers, einer lebensgroßen Bronzestatue eines </span><span lang="EN-US">hellenistischen</span><span lang="EN-US"> Herrschers der Mitte des 2. Jahr- </span><span lang="EN-US">hunderts</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span> <span lang="EN-US">vom</span> <span lang="EN-US">Quirinal</span> <span lang="EN-US">in</span><span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">(heute</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Palazzo</span><span lang="EN-US"> Massimo alle Terme, Rom) ist die bereits </span><span lang="EN-US">in</span><span lang="EN-US"> der Antike eingravierte Inventarnummer </span>*<span lang="EN-US">„L.VI.P.L</span> <span lang="EN-US">XXIIX“</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">lesen.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Abkürzung</span> <span lang="EN-US">„L.S.“</span><span lang="EN-US">steht</span><span lang="EN-US"> dabei für *Loco Sexto,* gibt also die Standort- </span><span lang="EN-US">lokalisierung</span><span lang="EN-US"> „an sechster Stelle“ innerhalb der Kunstsammlung an. In der Mehrzahl stammten</span><span lang="EN-US">Beutekunstwerke</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">aus</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Griechenland.</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Pausanias</span> <span lang="EN-US">(7,16)</span> <span lang="EN-US">beschreibt</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">Augenzeuge</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Plünderung</span> <span lang="EN-US">Korinths</span><span lang="EN-US"> 146 v. Chr. und erwähnt explizit den </span><span lang="EN-US">Raub</span><span lang="EN-US">bedeutender</span> <span lang="EN-US">Kunstwerke,</span> <span lang="EN-US">aber</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Weihegeschenken</span> <span lang="EN-US">aus</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">dortigen</span> <span lang="EN-US">Tempeln.</span> <span lang="EN-US">Ein</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Sturm</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Weg</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">Italien</span> <span lang="EN-US">abgetriebener</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">dann</span> <span lang="EN-US">vor</span> <span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US">tunesischen</span> <span lang="EN-US">Küste</span> <span lang="EN-US">bei</span> <span lang="EN-US">Mahdia</span> <span lang="EN-US">am</span> <span lang="EN-US">Cap</span> <span lang="EN-US">Afrique</span> <span lang="EN-US">gesunkener</span> <span lang="EN-US">römischer</span> <span lang="EN-US">Lastenseg-</span> <span lang="EN-US">ler</span> <span lang="EN-US">zeigt,</span> <span lang="EN-US">dass</span> <span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">alle</span> <span lang="EN-US">Kunstwerke</span> <span lang="EN-US">wie</span> <span lang="EN-US">geplant</span> <span lang="EN-US">ankamen.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Ladung</span> <span lang="EN-US">dieses</span><span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">Raubkunst</span> <span lang="EN-US">bela-</span> <span lang="EN-US">denen</span><span lang="EN-US"> Schiffes, das wahrscheinlich in Athen ge- </span><span lang="EN-US">startet</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">war,</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">enthielt</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">griechische</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Marmor-</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Bronzeskulpturen,</span> <span lang="EN-US">Kapitelle</span> <span lang="EN-US">und</span><span lang="EN-US">Säulensegmente,</span> <span lang="EN-US">hochwertige</span> <span lang="EN-US">Möbelbeschläge</span> <span lang="EN-US">sowie</span> <span lang="EN-US">weitere</span> <span lang="EN-US">Aus-</span> <span lang="EN-US">stattungsgegenstände</span><span lang="EN-US"> luxuriöser Privathäuser.</span>

**<span lang="EN-US">SCHLEIFUNG</span> <span lang="EN-US">VON</span> <span lang="EN-US">STÄDTEN</span>**

<span lang="EN-US">Korinth</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Eroberung</span> <span lang="EN-US">146</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span> <span lang="EN-US">völ-</span> <span lang="EN-US">lig</span><span lang="EN-US"> geschleift und das Gebiet größtenteils dem </span>*<span lang="EN-US">ager</span> <span lang="EN-US">publicus</span> <span lang="EN-US">zugeschlagen.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Männer</span> <span lang="EN-US">wurden</span> <span lang="EN-US">allesamt</span><span lang="EN-US">getötet,</span> <span lang="EN-US">Frauen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Kinder</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">Sklaven</span> <span lang="EN-US">verkauft.</span> <span lang="EN-US">Erst</span> <span lang="EN-US">100</span> <span lang="EN-US">Jahre</span> <span lang="EN-US">später</span> <span lang="EN-US">fand</span> <span lang="EN-US">eine</span> <span lang="EN-US">Neube-</span> <span lang="EN-US">siedlung</span> <span lang="EN-US">statt.</span> <span lang="EN-US">Mit</span> <span lang="EN-US">diesem</span> <span lang="EN-US">extremen</span> <span lang="EN-US">Vorgehen</span> <span lang="EN-US">wurde</span><span lang="EN-US"> ein Exempelstatuiert, um alle anderen </span><span lang="EN-US">griechischen</span> <span lang="EN-US">Städte</span> <span lang="EN-US">davon</span> <span lang="EN-US">abzuhalten,</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">gegen</span> <span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">aufzulehnen.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">aus</span> <span lang="EN-US">römischer</span> <span lang="EN-US">Sicht</span> <span lang="EN-US">unbe-</span> <span lang="EN-US">rechenbaren</span><span lang="EN-US"> Demokratien wurden inOligarchien umgewandelt, der Rest Griechenlands verlor sei- </span><span lang="EN-US">ne</span><span lang="EN-US"> Selbstständigkeit und wurde Bestandteil der </span><span lang="EN-US">bereits</span> <span lang="EN-US">168</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span> <span lang="EN-US">gegründete</span> <span lang="EN-US">Provinz</span> <span lang="EN-US">Macedonia.</span><span lang="EN-US">Die</span><span lang="EN-US"> Zerstörung und Plünderung Karthagos, eben- </span><span lang="EN-US">falls</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Jahr</span> <span lang="EN-US">146</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.,</span> <span lang="EN-US">dürfte</span> <span lang="EN-US">wohl</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">bekann-</span> <span lang="EN-US">teste</span> <span lang="EN-US">derartige</span> <span lang="EN-US">Fall</span> <span lang="EN-US">sein.</span> <span lang="EN-US">Polybios</span> <span lang="EN-US">war</span> <span lang="EN-US">Augenzeu-</span> <span lang="EN-US">ge</span><span lang="EN-US"> derZerstörung der Mittelmeermetropole und </span><span lang="EN-US">stand</span> <span lang="EN-US">neben</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">weinenden</span> <span lang="EN-US">Scipio</span> <span lang="EN-US">Africanus,</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Stadt</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">einem</span> <span lang="EN-US">Flammenmeer</span> <span lang="EN-US">unterging.</span> <span lang="EN-US">Der</span> <span lang="EN-US">karthagische</span><span lang="EN-US">Anführer</span> <span lang="EN-US">Hasdrubal</span> <span lang="EN-US">hatte</span> <span lang="EN-US">seiner</span><span lang="EN-US">seits</span> <span lang="EN-US">römische</span> <span lang="EN-US">Soldaten</span> <span lang="EN-US">foltern</span> <span lang="EN-US">lassen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">flüchte-</span> <span lang="EN-US">te</span><span lang="EN-US"> aus Furcht vor der Rache der Römer, wurde spä- </span><span lang="EN-US">ter</span> <span lang="EN-US">gefangen</span> <span lang="EN-US">genommen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">starb</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Italien.</span> <span lang="EN-US">Seine</span> <span lang="EN-US">Frau</span><span lang="EN-US">ermordete</span> <span lang="EN-US">ihre</span> <span lang="EN-US">beiden</span> <span lang="EN-US">Söhne</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">beging</span> <span lang="EN-US">Selbstmord,</span><span lang="EN-US"> indem sie in die Flammen des kartha- </span><span lang="EN-US">gischen</span><span lang="EN-US"> Haupttempels auf dem Stadtberg sprang. </span><span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">50</span> <span lang="EN-US">000</span><span lang="EN-US">überlebenden</span> <span lang="EN-US">Einwohner</span> <span lang="EN-US">wurden</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">Sklaven</span><span lang="EN-US"> verkauft und Karthago bis in die Zeit Cae- </span><span lang="EN-US">sars</span><span lang="EN-US"> nicht mehr besiedelt.</span>

<span lang="EN-US">In</span><span lang="EN-US"> augusteischer Zeit durchsuchten die Römer </span><span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Zerstörungsschutt</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Stadt</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">Baumateri-</span> <span lang="EN-US">alien</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">planierten</span> <span lang="EN-US">diesen</span> <span lang="EN-US">mehrere</span> <span lang="EN-US">Meter</span> <span lang="EN-US">hoch</span> <span lang="EN-US">ein,</span> <span lang="EN-US">um</span> <span lang="EN-US">für</span><span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Gründung</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">neuen</span> <span lang="EN-US">Hauptstadt</span> <span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> Provinz Africa Proconsularis einheitliche </span><span lang="EN-US">Bauniveaus</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">schaffen.</span> <span lang="EN-US">Spuren</span> <span lang="EN-US">davon</span> <span lang="EN-US">lassen</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">archäologisch</span><span lang="EN-US"> durchden infolge der Brandeinwir- </span><span lang="EN-US">kung</span><span lang="EN-US"> intensiv rot gefärbten „Römisch Bewegten </span><span lang="EN-US">Punischen</span> <span lang="EN-US">Schutt“</span> <span lang="EN-US">gut</span> <span lang="EN-US">nachweisen.</span> <span lang="EN-US">Es</span> <span lang="EN-US">handelt</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">dabei</span> <span lang="EN-US">um</span> <span lang="EN-US">eine</span> <span lang="EN-US">karthagische</span><span lang="EN-US">Leitschicht</span> <span lang="EN-US">aus</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">Küstensand</span> <span lang="EN-US">vermischtem,</span> <span lang="EN-US">zerkleinertem</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">gesiebtem</span><span lang="EN-US"> Brandschutt der zerstörten Stadt. Der </span><span lang="EN-US">römische</span> <span lang="EN-US">Senat</span> <span lang="EN-US">hatte</span> <span lang="EN-US">bereits</span> <span lang="EN-US">150</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span> <span lang="EN-US">in</span><span lang="EN-US">einem</span> <span lang="EN-US">geheimen</span> <span lang="EN-US">Beschluss,</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">erst</span> <span lang="EN-US">ein</span> <span lang="EN-US">Jahr</span> <span lang="EN-US">später</span> <span lang="EN-US">veröf-</span> <span lang="EN-US">fentlicht</span><span lang="EN-US"> wurde, die Zerstörung Karthagos festge- </span><span lang="EN-US">legt.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">offizielle</span> <span lang="EN-US">Begründung</span> <span lang="EN-US">waren</span><span lang="EN-US">Sicherheits-</span> <span lang="EN-US">interessen</span><span lang="EN-US"> Roms, da Karthago gegen den Vertrag </span><span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">201</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span> <span lang="EN-US">–</span> <span lang="EN-US">ein</span> <span lang="EN-US">demütigendes</span> <span lang="EN-US">Abkommen</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Zweiten</span> <span lang="EN-US">Römisch-Punischen</span> <span lang="EN-US">Krieg</span> <span lang="EN-US">–</span><span lang="EN-US">verstoßen</span> <span lang="EN-US">hatte.</span> <span lang="EN-US">Daher</span> <span lang="EN-US">war</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Schleifung</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Stadt</span> <span lang="EN-US">kein</span> <span lang="EN-US">spontaner</span> <span lang="EN-US">Akt</span> <span lang="EN-US">eines</span> <span lang="EN-US">siegreichen</span> <span lang="EN-US">Feld-</span> <span lang="EN-US">herrn,</span> <span lang="EN-US">sondern</span> <span lang="EN-US">eine</span> <span lang="EN-US">vom</span> <span lang="EN-US">Senat</span> <span lang="EN-US">gewollte,</span> <span lang="EN-US">vollstän-</span> <span lang="EN-US">dige</span><span lang="EN-US">Auslöschung</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Gegners</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">dessen</span> <span lang="EN-US">gesam-</span> <span lang="EN-US">ter</span><span lang="EN-US"> materieller und immaterieller Kultur, eine Art *damnatio memoriae* für ein ganzes Volk.</span>

**<span lang="EN-US">KRIEGSVERBRECHEN</span> <span lang="EN-US">MIT</span><span lang="EN-US"> STAATLICHER LEGITIMATION</span>**

<span lang="EN-US">Die</span><span lang="EN-US"> Schleifung von Korinth und Karthago gehörte </span><span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">wichtigsten</span> <span lang="EN-US">Etappen</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Weg</span> <span lang="EN-US">Roms</span> <span lang="EN-US">zur</span> <span lang="EN-US">Weltmacht</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">späten</span> <span lang="EN-US">Republik.</span> <span lang="EN-US">Daher</span> <span lang="EN-US">wa-</span> <span lang="EN-US">ren</span><span lang="EN-US">derartige Zerstörungen und die völlige Ver- </span><span lang="EN-US">nichtung</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Städte</span> <span lang="EN-US">keine</span> <span lang="EN-US">militärischen</span> <span lang="EN-US">Spontan-</span> <span lang="EN-US">entscheidungen,</span><span lang="EN-US"> sondern unterlagen einem vor- </span><span lang="EN-US">her</span> <span lang="EN-US">festgelegten</span><span lang="EN-US">Kriegsplan</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Senats.</span> <span lang="EN-US">Auch</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Vernichtung</span> <span lang="EN-US">Judäas</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Zerstörung</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Tem-</span> <span lang="EN-US">pels</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Jerusalem</span> <span lang="EN-US">folgte</span> <span lang="EN-US">einem</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">langer</span> <span lang="EN-US">Hand</span> <span lang="EN-US">vorbereiteten</span> <span lang="EN-US">Plan.</span> *<span lang="EN-US">Iudaea-Capta-</span>*<span lang="EN-US">Prägungen</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">flavischen</span> <span lang="EN-US">Kaiser</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">Darstellung</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">gefesselten</span> <span lang="EN-US">Personifikation</span><span lang="EN-US"> *Iudaea* an einem *Tropaion* unter- </span><span lang="EN-US">streichen</span><span lang="EN-US"> die politische Absicht desVorgehens, </span><span lang="EN-US">das</span><span lang="EN-US"> aus römischer Sicht gerechtfertigt war, und </span><span lang="EN-US">somit</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">jede</span> <span lang="EN-US">Form</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Kriegsverbrechen.</span> <span lang="EN-US">Die-</span> <span lang="EN-US">se</span> <span lang="EN-US">völkerrechtliche</span> <span lang="EN-US">Komponente</span> <span lang="EN-US">darf</span> <span lang="EN-US">nicht</span><span lang="EN-US">außer</span> <span lang="EN-US">Betracht</span><span lang="EN-US"> gelassen werden, wenn es um die Erwei- </span><span lang="EN-US">terung</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Reiches</span> <span lang="EN-US">ging</span> <span lang="EN-US">–</span> <span lang="EN-US">so</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Gallien,</span> <span lang="EN-US">Ger-</span> <span lang="EN-US">manien</span><span lang="EN-US"> oder Dakien. Die römische Sichtweise</span><span lang="EN-US">wird</span><span lang="EN-US"> beispielsweise gut wiedergegeben durch </span><span lang="EN-US">Plinius,</span><span lang="EN-US"> bezogen auf die Wiederherstellung der rö</span><span lang="EN-US">mischen</span><span lang="EN-US"> Militärdominanz unter Trajan: „Aber </span><span lang="EN-US">jetzt</span> <span lang="EN-US">wurden</span> <span lang="EN-US">\[unsere</span> <span lang="EN-US">Feinde\]</span> <span lang="EN-US">wieder</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">einen</span> <span lang="EN-US">Zu-</span> <span lang="EN-US">stand</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Terrors,</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Angst</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Bettelns</span> <span lang="EN-US">ver-</span> <span lang="EN-US">setzt,</span><span lang="EN-US"> umunseren Befehlen zu gehorchen. Sie se- </span><span lang="EN-US">hen</span> <span lang="EN-US">einen</span> <span lang="EN-US">römischen</span> <span lang="EN-US">Feldherrn,</span> <span lang="EN-US">einen</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">alten</span> <span lang="EN-US">Art,</span> <span lang="EN-US">derjenigen,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Imperatoren-Titel</span> <span lang="EN-US">verlie-</span> <span lang="EN-US">hen</span> <span lang="EN-US">bekamen</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">Massaker</span><span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">entlegenen</span> <span lang="EN-US">Schlachtfeld</span><span lang="EN-US"> und auf vom Sieg befleckten Meeren. </span><span lang="EN-US">Wir</span><span lang="EN-US"> nehmen Geiseln, wir kaufen sie nicht \[…\]“</span>

<span lang="EN-US">(Plinius,</span><span lang="EN-US"> Panegyricus 12). Nähere Ausführungen </span><span lang="EN-US">dazu,</span><span lang="EN-US"> inwiefern zum Erreichen der römischen </span><span lang="EN-US">Ziele</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">militärische</span> <span lang="EN-US">„Geheimdienste“</span> <span lang="EN-US">einge-</span> <span lang="EN-US">setzt</span> <span lang="EN-US">wurden</span> <span lang="EN-US">und</span><span lang="EN-US">welche</span> <span lang="EN-US">Verbrechen</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">diesen</span> <span lang="EN-US">begangen</span><span lang="EN-US"> wurden, würden den Rahmen hier </span><span lang="EN-US">sprengen.</span><span lang="EN-US"> Doch der Soldat Tiberius Claudius </span><span lang="EN-US">Maximus</span><span lang="EN-US"> rühmt sich sogar auf seinemGrabstein </span><span lang="EN-US">aus</span><span lang="EN-US"> Philippi in Makedonien (http://lupa.at/19572) </span><span lang="EN-US">damit,</span> <span lang="EN-US">dass</span> <span lang="EN-US">er</span> <span lang="EN-US">so</span> <span lang="EN-US">Decebal</span> <span lang="EN-US">aufspüren</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">dessen</span> <span lang="EN-US">Kopf</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Kaiser</span> <span lang="EN-US">überbringen</span> <span lang="EN-US">konnte.</span>

**<span lang="EN-US">FA</span><span lang="EN-US">ZIT</span>**

<span lang="EN-US">Diese</span> <span lang="EN-US">wenigen</span> <span lang="EN-US">Beispiele</span> <span lang="EN-US">mögen</span> <span lang="EN-US">genügen,</span> <span lang="EN-US">um</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">schillernde</span> <span lang="EN-US">Welt</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Reenactors</span> <span lang="EN-US">sowie</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">meis-</span> <span lang="EN-US">ten</span> <span lang="EN-US">Ausstellungen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">TV-Dokumentatio-</span> <span lang="EN-US">nen</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">ihren</span> <span lang="EN-US">rein</span><span lang="EN-US">historischen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">stilistisch-</span> <span lang="EN-US">typologischen</span><span lang="EN-US"> Darstellungen in einen histori- </span><span lang="EN-US">schen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">funktionalen</span> <span lang="EN-US">Kontext</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">stellen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">damit</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">einem</span> <span lang="EN-US">reflektierten</span> <span lang="EN-US">Umgang</span> <span lang="EN-US">mit</span><span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Ge-</span><span lang="EN-US"> walt und dem nicht vorhandenen Verständnis von </span><span lang="EN-US">Kriegsverbrechen</span><span lang="EN-US"> in der römischen Armee beizu- </span><span lang="EN-US">tragen.</span><span lang="EN-US"> Die Darstellung aller Kriegsgräuel der An- </span><span lang="EN-US">tike</span><span lang="EN-US">wäre</span> <span lang="EN-US">sicherlich</span> <span lang="EN-US">ebenso</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">falsche</span> <span lang="EN-US">Ansatz,</span> <span lang="EN-US">aber</span> <span lang="EN-US">ein</span> <span lang="EN-US">bewussteres</span> <span lang="EN-US">Hinterfragen,</span> <span lang="EN-US">was</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">hin-</span> <span lang="EN-US">ter</span><span lang="EN-US"> manchem Fund und Befund für die damals Be- </span><span lang="EN-US">troffenen</span><span lang="EN-US"> wirklichverbarg und welche Konse- </span><span lang="EN-US">quenzen</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Einsatz</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Waffen</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Gewalt</span> <span lang="EN-US">–</span> <span lang="EN-US">zu-</span> <span lang="EN-US">mal</span><span lang="EN-US"> ohne internationale Abkommen – hatte, wäre </span><span lang="EN-US">wün</span><span lang="EN-US">schenswert.</span>

<span lang="EN-US"> </span>

vgl.: Meyr, Martina; Flügel, Christoph: Kriegsverbrechen in römischer Zeit, in: Der Limes. Nachrichtenblatt der deutschen Limeskommission (16. Jahrgang, Heft 2), Stuttgart 2022, S. 16-23.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

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**Sekundärliteratur**

-&gt; Meyr, Martina; Flügel, Christoph: Kriegsverbrechen in römischer Zeit, in: Der Limes. Nachrichtenblatt der deutschen Limeskommission (16. Jahrgang, Heft 2), Stuttgart 2022, S. 16-23.

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# Zivile Einsatzbereiche

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Mit Axt und Eimer. Die römische Feuerwehr in der Antike

##### 1. Mit Axt und Eimer. Die römische Feuerwehr in der Antike

<div class="custom-container" id="bkmrk-nam-tua-res-agitur%2C-"><figure class="quote-module grid-x grid-margin-x align-center">> Nam tua res agitur, paries cum proximus ardet, et neglecta solent incendia sumere vires. (Denn dein Besitz steht auf dem Spiel, wenn die Nachbarwand brennt, und Feuers Macht pflegt wo man achtlos bleibt, sich auszubreiten.)

<figcaption class="text-center caption">Quintus Flaccus Horaz (65 - 8 v. Chr.)</figcaption></figure></div>Die freiwillige Feuerwehr spielt in unserer heutigen Gesellschaft eine unverzichtbare Rolle, indem sie bei Bränden, Unfällen und Katastrophen schnelle und effektive Hilfe leistet. In der Antike war die Feuergefahr in Carnuntum, wie auch in anderen römischen Städten, außergewöhnlich hoch. Zahllose offene Feuerstellen im Innen- und Außenbereich, Fackeln, Öllampen und ähnliche Wärme- und Lichtquellen konnten jederzeit verheerende Brände verursachen. Dies zeigt sich bei archäologischen Ausgrabungen in vielen Siedlungen, wobei teils große Brandzerstörungen nachgewiesen werden können, die meist auf versehentlich ausgelöste Schadfeuer zurückzuführen sind. Aus diesem Grund waren beispielsweise metallverarbeitende Betriebe und Handwerker eher außerhalb des Zentrums einer Stadt angesiedelt, um die Feuergefahr zu minimieren.

<figure class="image-module custom-container" id="bkmrk-"><div class="grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 cell small-12 medium-10 large-8">[<picture><source media="(min-width: 64em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/c71dc8a8ef3f04781ff522236fab80d3/noeku/804295/rm:fit/h:2200/w:2200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5"><source media="(min-width: 48em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/e82cee5bdeaab4371a5cb31b9af54bb6/noeku/804295/rm:fit/h:1024/w:1024/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5">![Antike römische Öllampe aus Bronze mit Henkel.](https://noeku.on.damlivery.com/s/c1fde017c334f00397683a3ab57e1b0f/noeku/804295/rm:fit/h:400/w:500/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</source></source></picture>](https://noeku.on.damlivery.com/s/2997b831e60f1c137b3a15ea32224e96/noeku/804295/rm:fit/h:3200/w:3200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</div></div><figcaption class="shared-caption text-center"></figcaption><div class="spacer">  
</div></figure>© Landessammlungen NÖ, Archäologischer Park Carnuntum (Foto: N.Gail)

Die Organisation des Brandschutzes war somit schon in der Antike eine wichtige Aufgabe. Auch im Römischen Reich gab es daher eine Art Feuerwehr. Die stadtrömische Berufsfeuerwehr, genannt vigiles, ist ein frühes Beispiel für gut organisierte (militärische) Feuerwehrtruppen, deren Prinzipien der Brandbekämpfung und Gemeinschaftsverantwortung bis heute relevant sind. In den nördlicheren Provinzen wie Pannonien oder Noricum sind in vielen Städten Handwerkervereinigungen (collegia) bezeugt, die auch zur Brandbekämpfung herangezogen wurden. Diese Vereine ähnelten am ehesten der heutigen Freiwilligen Feuerwehr.

Die Organisation des Brandschutzes war in größeren Städten des Römischen Reiches notwendig, während in kleineren Siedlungen oftmals Nachbarschaftshilfe genügte. Der Fokus lag auf der schnellen Bekämpfung kleinerer Brände, die durch offene Feuerstellen entstanden, um deren Ausbreitung zu verhindern. Aufgrund der engen Bebauung gab es ab der Kaiserzeit Bauvorschriften für Sicherheitsabstände. Zur Brandbekämpfung nutzte man Wassereimer (hamae), mit Essig getränkte Decken (centones), Brechäxte (dolabrae) und Feuerspritzen (siphones), die jedoch nur begrenzte Kapazitäten hatten. Wie ein Feuerwehreinsatz im antiken Carnuntum ausgesehen haben könnte, wurde bereits 2017 bei unserem [Fest der Spätantike](https://www.carnuntum.at/de/zeitreise-carnuntum) von dem [Verein Gentes Danubii ](https://www.gentes-danubii.at/)nachgestellt – auch sie konnten erfolgreich unter dem wachsamen Auge der Freiwilligen Feuerwehr Petronell-Carnuntum Brandaus geben.

<figure class="image-module custom-container" id="bkmrk--1"><div class="grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 cell small-12 medium-10 large-8">[<picture><source media="(min-width: 64em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/4f77db8afed6753c25b16aac001eddd7/noeku/804275/rm:fit/h:2200/w:2200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5"><source media="(min-width: 48em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/51ae39194cb687fa4ba9154f4b7587e4/noeku/804275/rm:fit/h:1024/w:1024/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5">![Nachgestellte Szene eines römischen Feuerwehreinsatz, Feuerwehrleute tragen Wasserkübel](https://noeku.on.damlivery.com/s/37b0c038924cacb968f9c234bbcbf2ab/noeku/804275/rm:fit/h:400/w:500/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</source></source></picture>](https://noeku.on.damlivery.com/s/41c5dd11c3bb6dd9e8a371817fa43e58/noeku/804275/rm:fit/h:3200/w:3200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</div></div><figcaption class="shared-caption text-center"></figcaption><div class="spacer">  
</div></figure>*Feuerwehreinsatz der Gentes Danubii - Foto von Hermann Schneider*

Zu den Brandbekämpfern der Antike haben wir heute einige schriftliche Überlieferungen, aber auch, neben den Brandschichten etwaiger Schadfeuer bei Ausgrabungen, den ein oder anderen archäologischen Fund: Einen Beleg für die antike Feuerwehr Carnuntums liefert uns so das Weihemonument des Lucius Octavius Faustinianus (derzeit ausgestellt im [Museum Carnuntinum](https://www.carnuntum.at/de/museumcarnuntinum)), bekannt als Faustinianusaltar. Dieses wurde Ende der 1950er Jahre bei Grabungen in den Großen Thermen der Zivilstadt entdeckt. Faustinianus, ein hochrangiger Magistrat und aus der Stadtaristokratie stammender Ritter, stiftete dem collegium fabrum, einer Art Freiwilligen Feuerwehr, eine Geniusstatuette, wie eine Weiheinschrift auf dem Sockel der Statue bezeugt. Das Monument wurde am Tag der Volcanalien geweiht [(23. August 219 n. Chr.),](https://online.landessammlungen-noe.at/objects/1019099/postament-fur-den-genius-augusti-faustinianusaltar) einem für das collegium fabrum besonders wichtigen Tag, da dieses wie in vielen anderen Städten auch für den Brandschutz zuständig war. Wahrscheinlich war der Weihealtar im Versammlungsraum (schola) dieses Kollegiums in unmittelbarer Nähe der Thermen aufgestellt.

**Text auf der Vorderseite:**

<div class="custom-container" id="bkmrk-genium-%2F-pro-sal%28ute"><figure class="quote-module grid-x grid-margin-x align-center">> Genium / pro sal(ute) Imp(eratoris) \[\[Caes(aris) M(arci) Aur(elii) / Antonini P(ii) F(elicis) Augusti\]\] / \[L(ucius) O\]ct(avius) M(arci) f(ilius) Faustinianus / \[d\]ec(urio) c(oloniae) C(laudiae) A(ugustae) S(avariae) et c(oloniae) S(eptimiae) A(ureliae) A(ntoninianae) K(arnunti) eq(uo) / \[p\]ubl(ico) sacerdotalis / p(rovinciae) P(annoniae) s(uperioris) trib(unus) mil(itum) leg(ionis) / XIII g(eminae) Ant(oninianae) trib(unus) / coh(ortis) II Mattiacor(um) / (milliariae) eq(uitatae) praef(ectus) alae / \[I?\]I Sept(imiae) Suror(um) (milliariae) / \[c\]oll(egio) fabr(um) Karn(untensium) d(onum oder -ono) d(edit)

</figure></div>*"Diese Geniusstatue hat zum Wohl des Imperators Caesar Marcus Aurelius Antoninus Pius Felix Augustus Lucius Octavius Faustinianus, Sohn des Marcus, Decurio der colonia Claudia Augusta Savaria und der colonia Septima Aurelia Antoniniana Karnuntum, römischer Ritter, ehemaliger Priester der Provinz Oberpannonien, Militärtribun der Legio XIII gemina Antoniniana, Tribun der berittenen Cohors II Mattiacorum mit einer Sollstärke von 1000 Mann, dem Feuerwehrverein in Carnuntum zum Geschenk gemacht.“*

<div class="image-list image-list--slider full-width" id="bkmrk--2"><div class="custom-container">  
</div></div>Diese weitreichenden Maßnahmen der antiken Feuerbekämpfung unterstreichen die hohe Bedeutung, die der Brandschutz im Römischen Reich hatte, um Städte vor zerstörerischen Bränden zu bewahren. Die Errungenschaften und Innovationen der römischen Feuerwehren legen den Grundstein für das moderne Feuerwehrwesen, das heute aber noch immer, trotz aller technischen Entwicklungen, wie vor 2.000 Jahren auf den Mut seiner Mitglieder angewiesen ist.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Kirchengast, Nisa-Iduna: Mit Axt und Eimer. Die römische Feuerwehr in der Antike, in: Blog Römerstadt Carnuntum, online verfügbar unter: [https://www.carnuntum.at/de/magazin/mit-axt-und-eimer-die-romische-feuerwehr-in-der-antike/728](https://www.carnuntum.at/de/magazin/mit-axt-und-eimer-die-romische-feuerwehr-in-der-antike/728), zuletzt geprüft am 10.08.2026.

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**Sekundärliteratur**

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# Kultur



# Kosmetik und Körperpflege

<span style="color: rgb(34, 34, 34); font-family: var(--font-heading, var(--font-body)); font-size: 1.666em;">Inhaltsverzeichnis</span>

1\. Wie roch das Parfüm der altem Römer? (Artikel)

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##### 1. Wie roch das Parfüm der alten Römer? 

Forschende haben in einer Höhle in Spanien einen Salbentiegel aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. gefunden. Darin enthalten: Reste eines Parfüms aus dem Alten Rom. Die Rekonstruktion des Duftes zeigt, wie die Römer damals rochen.

Im Jahr 2019 wurde in der Kleinstadt Carmona in Südwestspanien beim Bau eines Swimmingpools der Eingang zu einem altrömischen Grab aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. aufgedeckt. Der hinzugerufene Archäologe Juan Manuel Román von der Universität Pablo de Olavide in Sevilla war der erste, der das seit zweitausend Jahren ungeöffnete Grab untersuchen durfte. Neben menschlichen Überresten fand er auch ein kleines Fläschchen aus Bergkristall – mitsamt Inhalt.

Im Rahmen einer aktuellen [Studie](https://www.mdpi.com/2571-9408/6/6/236#B10-heritage-06-00236) gelang es Román und seinen Kolleg\*innen nun, den Fund als Parfüm zu identifizieren – eine Sensation. Denn die Frage danach, wie die Parfüms der Alten Römer genau zusammengesetzt waren und wie sie rochen, blieb bislang weitgehend unbeantwortet. Bis jetzt. Das Team um Román konnte das Rezept rekonstruieren – und die Hauptkomponente des Duftes identifizieren: Patschuli.

Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlichte das Forschungsteam im Fachmagazin *Heritage*.

**Patschuli-Duft für reiche Römer**

Die Zusammensetzung von altrömischen Parfüms ist bislang hauptsächlich aus schriftlichen Quellen überliefert. So wusste man beispielsweise bereits, dass die Parfüms damals anstatt auf Alkoholbasis auf Basis von Ölen hergestellt wurden, darunter Öle aus Sesam, heißem Rettich oder unreifen Oliven. Auch von der Verwendung von ätherischen Ölen wusste man. Beide Komponenten konnten die Forschenden in der im Laufe der Jahrtausende fest gewordenen Masse in dem Fläschchen aus dem Grab feststellen.

Dass das Parfüm ein ätherisches Öl enthalten haben muss, wurde durch den Fund von Sesquiterpenen in der Masse klar. Sie sind einer der Hauptbestandteile in ätherischen Ölen. Weitere Untersuchungen zeigten: Das Öl muss aus der Pflanzenart *Pogostemon Cablin* gewonnen worden sein, also aus dem Indischen Patschuli.

Getragen wurde das Parfüm wahrscheinlich von einem oder mehreren Mitgliedern der Familie, die in dem Grab bestattet worden war. Das Material, aus dem das kleine Parfümbehältnis gefertigt wurde, lässt darauf schließen, dass die Familie wohlhabend gewesen sein musste – denn Bergkristall galt damals als Luxusmaterial. In der Urne, in der das Fläschen gefunden wurde, befanden sich zusätzlich drei Bernsteinperlen.

**Der Weg des Parfums ins Alte Rom**

Schon in Mesopotamien und im [Alten Ägypten](https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2021/04/wenn-duefte-sichtbar-werden-so-roch-das-alte-aegypten) nutzten die Menschen gerne Parfüms und stellten duftende Öle und Tinkturen her. Damals wurden die Parfüms vor allem rituell genutzt, beispielsweise zur Huldigung von Gottheiten, oder aus medizinischen Gründen. Aber auch der Spaß am Duft selber stand im Vordergrund – dieser war allerdings meist König\*innen und der Oberschicht vorbehalten.

Vom Alten Ägypten fand das Parfüm über das Alte Griechenland schließlich auch den Weg zu den Römern. Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurden Parfüms im Alten Rom benutzt, so die Forschenden. Seither gibt es Aufzeichnungen darüber, wie die Römer die Duftwasser und - tinkturen verwendeten. Laut Román nutzten sie Parfüms nicht nur im täglichen Leben, sondern auch bei besonderen Anlässen wie Beerdigungen oder als Salbe oder zur Einbalsamierung Verstorbener. Auch als Grabbeigabe seien die Parfüms gängig gewesen – je nach Wohlstand der Familie.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-&gt; Lamm, Lisa: Wie roch das Parfüm der alten Römer?, in: National Geographic online, verfügbar seit 09.06.2023 unter: [https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2023/06/wie-roch-das-parfuem-der-alten-roemer](https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2023/06/wie-roch-das-parfuem-der-alten-roemer), zuletzt geprüft am 09.04.2025.

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Sekundärliteratur

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# Romanisierung

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Romanisierung im Rheinland

##### 1. Romanisierung im Rheinland 

Ro­ma­ni­sie­rung ist ein zen­tra­les Kon­zept der al­ter­tums­wis­sen­schaft­li­chen For­schung zur Er­klä­rung der po­li­ti­schen, so­zia­len, kul­tu­rel­len und öko­no­mi­schen Wand­lungs­pro­zes­se in Ita­li­en und den Pro­vin­zen des rö­mi­schen Rei­ches in der Kai­ser­zeit. Der Be­griff wur­de um die Wen­de vom 19. zum 20. Jahr­hun­dert von Theo­dor Momm­sen und Fran­cis Ha­ver­field ge­prägt. Seit­dem hat sich das Ver­ständ­nis der Ent­wick­lun­gen in den Pro­vin­zen al­ler­dings mehr­fach grund­le­gend ge­wan­delt und bis heu­te be­steht kein Kon­sens über die Ur­sa­chen, Trä­ger und Fol­gen der Ro­ma­ni­sie­rung. Tei­le der For­schung leh­nen so­gar die Ver­wen­dung des Be­grif­fes selbst ab. Nichts­des­to­we­ni­ger ge­rät bei den vor­ge­schla­ge­nen Er­satz­be­grif­fen die ent­schei­den­de Macht, näm­lich das [Im­pe­ri­um Ro­ma­num](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/I#term-235), aus dem Blick. Zwar be­trieb Rom kei­ne for­cier­te Kul­tur­po­li­tik, und vie­le Ver­än­de­run­gen sind durch das Be­stre­ben der pro­vin­zia­len Eli­ten nach An­schluss an das im­pe­ria­le Zen­trum er­klär­bar. Den­noch soll­te der Ein­fluss der kai­ser­li­chen Re­prä­sen­ta­ti­on und der rö­mi­schen Ad­mi­nis­tra­ti­on auf die Ver­hält­nis­se in den Pro­vin­zen nicht un­ter­schätzt wer­den. Da­für spricht auch, dass sich an­ti­ke Au­to­ren durch­aus der Ver­än­de­run­gen im Reich be­wusst wa­ren und die­se auf die Wir­kung Roms zu­rück­führ­ten, auch wenn sie da­für kei­nen über­ge­ord­ne­ten Be­griff kann­ten.

Weit­ge­hen­de Ei­nig­keit be­steht heu­te aber hin­sicht­lich der Chro­no­lo­gie der Ro­ma­ni­sie­rung. Um die Zei­ten­wen­de lässt sich näm­lich ei­ne Pha­se grund­le­gen­der Wand­lungs­pro­zes­se er­ken­nen, die gleich­zei­tig Rom, Ita­li­en und die Pro­vin­zen er­fass­te. In die­ser „Ro­man Cul­tu­ral Re­vo­lu­ti­on“ ent­stand ein reichs­wei­tes kul­tu­rel­les und so­zia­les Be­zugs­sys­tem.[<sup>\[4\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/romanisierung-im-rheinland/DE-2086/lido/5b0541652102f3.51051923#footnote-8111) In­so­fern dür­fen die Ver­än­de­run­gen in den Pro­vin­zen nicht ein­fach als Ko­pie haupt­städ­ti­scher Ver­hält­nis­se an­ge­se­hen wer­den, die­se Ent­wick­lun­gen be­din­gen sich viel­mehr. Vor­aus­set­zun­gen für die ver­stärk­te In­te­gra­ti­on der Pro­vin­zen dürf­ten un­ter an­de­rem mit der Eta­blie­rung des rö­mi­schen Kai­ser­tums, den da­mit ein­her­ge­hen­den neu­en For­men der Reichs­ver­wal­tung so­wie der Aus­wan­de­rung und An­sied­lung von Ita­li­kern in den Pro­vin­zen zu­sam­men­hän­gen. Ent­spre­chend den je­wei­li­gen Vor­aus­set­zun­gen in den Pro­vin­zen ge­stal­te­te sich die­se for­ma­ti­ve Pha­se durch­aus un­ter­schied­lich und hat­te nicht über­all die glei­che Dau­er. Im An­schluss an die­se ers­te Pe­ri­ode gro­ßer Ver­än­de­run­gen bil­de­ten sich lang­sam dif­fe­ren­zier­te und durch­aus ei­gen­stän­di­ge rö­mi­sche Pro­vin­zi­al­kul­tu­ren aus – so auch in der Pro­vinz Ger­ma­nia In­fe­ri­or.

2\. Die formative Phase: Von Augustus bis zum Bataveraufstand

2.1 Voraussetzungen und Ansiedlungen

Das Ge­biet der spä­te­ren Pro­vinz [Nie­der­ger­ma­ni­en](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/N#term-368) um­fass­te west­lich be­zie­hungs­wei­se süd­lich des Rheins ge­le­ge­ne Ge­bie­te im heu­ti­gen Deutsch­land, in den Nie­der­lan­den so­wie in Nord­os­ten Bel­gi­ens. Im Sü­den bil­de­te der Vinxt­bach bei Bad Brei­sig die Gren­ze zu Ober­ger­ma­ni­en. In der Zeit vor den gal­li­schen Krie­gen Cae­sar wur­de die Re­gi­on von den [Ebu­ro­nen](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/E#term-118) be­herrscht. Cae­sar (100-44 v. Chr.) zer­schlug die­sen Stam­mes­ver­band, und in der Fol­ge­zeit exis­tier­ten am Nie­der- und Mit­tel­rhein of­fen­bar kei­ne grö­ße­ren po­li­ti­schen Ver­bän­de mehr. Zu­dem ver­füg­te die Re­gi­on we­der über städ­ti­sche Ge­mein­we­sen noch über ei­ne ei­gen­stän­di­ge Schrift­kul­tur. Un­ter Au­gus­tus (63 v.-14 n. Chr., Kai­ser 31v.-14 n. Chr.), als sich die rö­mi­sche Herr­schaft am Rhein in­ten­si­vier­te, wur­de da­her ei­ne ad­mi­nis­tra­ti­ve Neu­or­ga­ni­sa­ti­on des Raums not­wen­dig, zu­mal von hier aus Feld­zü­ge ins rechts­rhei­ni­sche Ge­biet un­ter­nom­men wur­den, um Ger­ma­ni­en bis zur El­be zu er­obern. Dem­entspre­chend wur­den meh­re­re rechts­rhei­ni­sche Stäm­me im ehe­ma­li­gen ebu­ro­ni­schen Ge­biet an­ge­sie­delt. So er­hiel­ten die [Ubier](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/U#term-902) das Ge­biet um Köln; die Cu­ge­ner, ei­ne Ab­spal­tung der Su­gam­brer, sie­del­ten bei Xan­ten, und die Can­ni­nefa­ten und [Ba­ta­ver](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/B#term-30), die sich von den Chat­ten ge­trennt hat­ten, lie­ßen sich im Rhein­del­ta nie­der. Nach dem Vor­bild der *ci­vi­ta­tes* im In­ne­ren Gal­li­ens rich­te­te die rö­mi­sche Ver­wal­tung auch Zen­tra­lor­te für die neu­en Stäm­me ein, die eben­falls als Ver­kehrs­kno­ten­punk­te dien­ten. Als Zen­trum ei­ner ge­plan­ten gro­ß­ger­ma­ni­schen Pro­vinz, die bis zur El­be rei­chen soll­te, soll­te Köln fun­gie­ren, wo auch ein Pro­vin­zi­al­kult ein­ge­rich­tet wur­de.

2.2 Die römische Militärpräsenz und das kriegerische Selbstverständnis der Stämme

Auch wenn die Er­obe­rung der Ger­ma­nia Ma­gna schei­ter­te und zu­nächst auch im Rhein­land kei­ne ei­ge­ne Pro­vinz ein­ge­rich­tet wur­de, son­dern die Re­gi­on mit der Pro­vinz Gal­lia Bel­gi­ca ver­bun­den war, blieb den­noch die star­ke Kon­zen­tra­ti­on rö­mi­schen Mi­li­tärs be­ste­hen, da sich der Fluss nach und nach zur fes­ten Gren­ze ent­wi­ckel­te. Das rö­mi­sche Heer war zu­nächst haupt­säch­li­cher Trä­ger rö­mi­scher Kul­tur im Rhein­land. Auf­grund der Be­dürf­nis­se der Le­gio­nä­re, die zum über­wie­gen­den Teil aus Nord­ita­li­en und Süd­gal­li­en stamm­ten, wur­den zahl­rei­che me­di­ter­ra­ne Kon­sum­gü­ter wie Wein, Oli­ven­öl und Tisch­ge­schirr an den Rhein ge­bracht. Da­ne­ben kam es auch zu ei­nem star­ken Zu­fluss rö­mi­scher Mün­zen, de­rer sich of­fen­bar auch die Ein­hei­mi­schen ger­ne be­dien­ten – zu­min­dest ver­schwan­den äl­te­re Geld­sys­te­me sehr schnell. Die meis­ten In­schrif­ten der ju­lisch-clau­di­schen Zeit wur­den auch von An­ge­hö­ri­gen des Mi­li­tärs ge­setzt, die mit die­sen Mo­nu­men­ten of­fen­bar ih­ren be­son­de­ren Sta­tus in der Pro­vinz deut­lich her­vor­he­ben woll­ten.

Das rö­mi­sche Heer war aber auch der haupt­säch­li­che Mo­tor für die Ro­ma­ni­sie­rung der ger­ma­ni­schen Stäm­me. Im Ge­gen­zug für die Er­laub­nis zur An­sied­lung im rö­mi­schen Reich wa­ren die­se zur Stel­lung von Hilfs­trup­pen ver­pflich­tet, zu­gleich aber von wei­te­ren Ab­ga­ben be­freit. Die Ein­hei­ten wa­ren eth­nisch ein­heit­lich struk­tu­riert und wur­den von Ade­li­gen des Stam­mes ge­führt. Die Be­las­tung für die ger­ma­ni­schen Stäm­me war be­trächt­lich: Die Ba­ta­ver et­wa stell­ten acht oder neun Ko­hor­ten so­wie ei­ne Rei­ter­ein­heit (*ala*), ins­ge­samt al­so 4.500–5.000 Mann. Auch wenn zu ver­mu­ten ist, dass die Ba­ta­ver zu­dem Sol­da­ten bei den be­nach­bar­ten Stäm­men an­war­ben, kann man al­so da­von aus­ge­hen, dass je­de ba­ta­vi­sche Fa­mi­lie von den Re­kru­tie­run­gen be­trof­fen war. Den Ba­ta­vern wur­de so­gar ge­stat­tet, ihr Stam­mes­ge­biet mit der dort sta­tio­nier­ten Rei­te­ra­la selbst zu ver­tei­di­gen. Die Ko­hor­ten, die aus Fuß­sol­da­ten ge­bil­det wur­den, nah­men hin­ge­gen an ver­schie­de­nen aus­wär­ti­gen Ein­sät­zen teil und wa­ren vor al­lem län­ge­re Zeit in Bri­tan­ni­en sta­tio­niert; die Sol­da­ten kehr­ten nach ih­rem Mi­li­tär­dienst aber in die Hei­mat zu­rück.

We­gen ih­res be­son­de­ren An­se­hens wur­den Ba­ta­ver und Ubier auch be­vor­zugt in die kai­ser­li­che Leib­gar­de auf­ge­nom­men. Ar­chäo­lo­gi­sche Fun­de zei­gen zu­dem ei­ne ho­he Dich­te an Mi­li­ta­ria im Sied­lungs­be­reich der Ba­ta­ver. Zen­tra­les Merk­mal der Iden­ti­tät der männ­li­chen Ba­ta­ver war al­so ihr Selbst­ver­ständ­nis als Eli­te­sol­da­ten, das aber in die­ser Form erst in Kon­takt und Aus­tausch mit Rom ge­schaf­fen wur­de. Nichts­des­to­we­ni­ger tru­gen die eth­ni­sche Ge­schlos­sen­heit der Ein­hei­ten und die Füh­rung durch die ei­ge­ne Eli­te zur Ei­gen­stän­dig­keit der Stäm­me bei. Auf der an­de­ren Sei­te wur­den wäh­rend des Hee­res­diens­tes die Sol­da­ten mit rö­mi­schen Kom­man­do­struk­tu­ren und In­sti­tu­tio­nen ver­traut ge­macht. Vor al­lem lern­ten sie die la­tei­ni­sche Spra­che, die sich da­her auch schnell zur Ver­kehrs- und Um­gangs­spra­che im Rhein­land ent­wi­ckel­te. Die häu­fi­gen Fun­de von Sie­gel­kap­seln zeu­gen zu­dem von ei­nem ho­hen Grad an Le­se- und Schreib­fä­hig­keit bei den Stäm­men in der Re­gi­on. Die Aris­to­kra­ten wur­den au­ßer­dem grö­ß­ten­teils mit dem rö­mi­schen Bür­ger­recht aus­ge­zeich­net und so­mit zu­sätz­lich an Rom ge­bun­den.

2.3 Die Schwächen der Integration und der Bataveraufstand

Be­zugs­punk­te des Selbst­ver­ständ­nis­ses der Stäm­me bil­de­ten al­so so­wohl Rom als auch der ei­ge­ne Stamm. So­lan­ge die­se Iden­ti­tä­ten nicht in Wi­der­spruch zu­ein­an­der ge­rie­ten, stan­den die Stäm­me loy­al zum Kai­ser. Die pre­kä­re In­te­gra­ti­on zeig­te sich al­ler­dings im Ba­ta­ver­auf­stand (69/70 n. Chr.).Im Zu­ge der Thron­wir­ren nach Ne­ros (37-68 n. Chr., Kai­ser 54-68 n. Chr.) Selbst­mord woll­te der neue Kai­ser Au­lus Vi­tel­li­us (15-69 n. Chr., Kai­ser April-22.12.69 n. Chr.) Aus­he­bun­gen im ba­ta­vi­schen Ge­biet vor­neh­men (Ja­nu­ar 69 n. Chr.), was in den Au­gen der Ba­ta­ver ei­ne Ver­let­zung der be­ste­hen­den ver­trag­li­chen Ver­hält­nis­se mit Rom bil­de­te. Die Ba­ta­ver be­trach­te­ten sich als pri­vi­le­gier­te Ver­bün­de­te, die Rö­mer sa­hen sie vor al­lem als Un­ter­ta­nen an. Vor der Er­he­bung der Ba­ta­ver war es auch schon zu Un­ru­hen bei den Frie­sen und Can­ni­nefa­ten ge­kom­men und der ba­ta­vi­sche Aris­to­krat Iu­li­us Ci­vi­lis (25-nach 70 n. Chr.), der ei­ni­ge De­mü­ti­gun­gen durch das nie­der­ger­ma­ni­sche Heer hat­te hin­neh­men müs­sen, stell­te sich rasch an die Spit­ze der Auf­stands­be­we­gung. Die Ba­ta­ver er­grif­fen Par­tei für den Thron­prä­ten­den­ten Ves­pa­si­an (9-79 n. Chr., Kai­ser 1.7.69-23.7.79 n. Chr.) und er­hoff­ten sich vom ihm die Be­stä­ti­gung ih­rer be­son­de­ren Stel­lung. Als die Ord­nung am Rhein in­fol­ge der an­hal­ten­den Bür­ger­kriegs­si­tua­ti­on aber weit­ge­hend zu­sam­men­brach, ver­folg­ten die Auf­stän­di­schen, de­nen sich bald auch [Tre­ve­rer](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/T#term-906), Lin­go­nen und so­gar rechts­rhei­ni­sche Stäm­me an­schlos­sen, bald sehr un­ter­schied­li­che, im Ein­zel­nen aber kaum noch zu re­kon­stru­ie­ren­de Zie­le – je­den­falls kam es zur Es­ka­la­ti­on des Kon­flikts.

Als Tei­le der Auf­stän­di­schen dann ent­ge­gen ei­ner eid­li­chen Zu­si­che­rung und ge­gen den Wil­len des Ba­ta­ver und ih­res An­füh­rers Iu­li­us Ci­vi­lis die rö­mi­sche Be­sat­zung des La­gers Ve­te­ra bei Xan­ten mas­sa­krier­ten (März 70 n. Chr.), schick­te Ves­pa­si­an ein gro­ßes Auf­ge­bot un­ter dem Kom­man­do von Quin­tus Pe­til­li­us Ce­ria­lis (ge­bo­ren um 30 n. Chr.) an den Rhein, der den Auf­stand rasch nie­der­schla­gen konn­te (Sep­tem­ber/Ok­to­ber 70 n. Chr.). Die Ba­ta­ver sa­hen sich so­gar ge­zwun­gen, ih­ren Haupt­ort *[op­pi­dum](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/O#term-390) Ba­ta­vo­r­um*bei Nim­we­gen nie­der­zu­bren­nen, was zeigt, dass trotz der Be­mü­hun­gen der rö­mi­schen Ad­mi­nis­tra­ti­on die Stam­me­se­li­ten die Stadt nicht als den wich­tigs­ten Zen­tra­lort des Stam­mes be­trach­te­ten, den es um je­den Preis zu ver­tei­di­gen galt.

Nur wi­der­wil­lig hat­ten sich hin­ge­gen die Ubier dem Auf­stand an­ge­schlos­sen. Ihr Haupt­ort bil­de­te das ad­mi­nis­tra­ti­ve Zen­trum Nie­der­ger­ma­ni­ens und war des­halb schon in au­gustei­scher Zeit re­prä­sen­ta­tiv aus­ge­stal­tet wor­den. Dort hat­te Kai­ser Clau­di­us (10 v.-54 n. Chr., Kai­ser 24.1.41-54 n. Chr.) 50 n. Chr. zu­dem ei­ne Ve­te­ra­nen­ko­lo­nie mit dem Na­men *Co­lo­nia Clau­dia Ara Agrip­pi­nen­si­um* an­ge­legt. Die Ubier ar­ran­gier­ten sich rasch mit den Neu­an­kömm­lin­gen und bis zum En­de des 1. Jahr­hun­derts ver­schwand der Ubi­er­na­me weit­ge­hend – die Ubier wa­ren in der *co­lo­nia* der *Agrip­pi­nen­ses* auf­ge­gan­gen. Da­her wi­der­stan­den die Ubier auch der For­de­rung der Auf­stän­di­schen, al­le Rö­mer in der Stadt um­zu­brin­gen, weil sie schon längst Ehe­ge­mein­schaf­ten mit den an­ge­sie­del­ten Ve­te­ra­nen ge­schlos­sen hät­ten und aus die­sen Ver­bin­dun­gen Kin­der ent­stan­den sei­en, und nutz­ten die ers­te Ge­le­gen­heit, sich wie­der von den Auf­stän­di­schen los­zu­sa­gen.

3\. Ausbildungen einer Provinzialkultur nach dem Bataveraufstand

3.1 Urbanisierung, Munizipalisierung und Gesellschaft

Nach dem Ba­ta­ver­auf­stand lässt sich kei­ne grund­sätz­li­che Ver­än­de­rung der rö­mi­schen Po­li­tik er­ken­nen. Zwar rück­te man nach und nach vom Prin­zip der eth­nisch ein­heit­li­chen mi­li­tä­ri­schen Ein­hei­ten ab, zu­nächst hat­te man aber of­fen­sicht­lich die Pri­vi­le­gi­en der Ba­ta­ver er­neu­ert. Auch ver­leg­te man je­weils ei­ne Le­gi­on in das Ge­biet der Ba­ta­ver bei Nim­we­gen und Lin­go­nen bei Mi­re­beau-sur-Bèze, ins­ge­samt sta­bi­li­sier­te sich die La­ge am Rhein aber sehr schnell und blieb bis zum 3. Jahr­hun­dert auch ru­hig. Die­se lan­ge Frie­dens­pha­se war Vor­aus­set­zung für die Aus­bil­dung ei­ner nie­der­ger­ma­ni­schen Pro­vin­zi­al­kul­tur.

Die im Ba­ta­ver­auf­stand zer­stör­ten Städ­te wur­den wie­der auf- und mo­nu­men­tal aus­ge­baut, und um 85 n. Chr. rich­te­te Kai­ser Do­mi­ti­an (51-96 n. Chr., Kai­ser 81-96 n. Chr.) Nie­der­ger­ma­ni­en und Ober­ger­ma­ni­en als re­gu­lä­re Pro­vin­zen ein. Sein Nach­fol­ger [Tra­jan](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57c9401d5c9ec0.94168988 "Marcus Ulpius Traianus") grün­de­te zu­dem bei Xan­ten ei­ne wei­te­re Ko­lo­nie na­mens *Co­lo­nia Ul­pia Traia­na*. Wie im Fall von Köln wur­den auch hier die ein­hei­mi­schen Cu­ger­ner schnell in­te­griert und bil­de­ten bald zu­sam­men mit den Ve­te­ra­nen den Ver­band der *Traia­n­en­ses*.

In den an­de­ren vier Selbst­ver­wal­tungs­ein­hei­ten (*ci­vi­ta­tes*) der Ba­ta­ver, Can­ni­nefa­ten, Fri­sia­vo­nen und Tungrer, die mög­li­cher­wei­se erst jetzt ei­ne fes­te Form er­hiel­ten, blie­ben die Stam­mes­na­men als Ei­gen­be­zeich­nun­gen be­ste­hen, auch wenn die­se Städ­te im Lau­fe des 2. Jahr­hun­derts ver­schie­de­ne Pri­vi­le­gi­en er­hiel­ten und wohl al­le zu Mu­ni­zi­pi­en er­ho­ben wur­den. Zu­dem er­hiel­ten im­mer mehr Ein­hei­mi­sche das rö­mi­sche Bür­ger­recht, bis Kai­ser Ca­ra­cal­la (188-217, Kai­ser 211-217) im Jah­re 212 es al­len Pro­vin­zia­len ver­lieh.

Wäh­rend die bei­den *co­lo­niae* Köln und Xan­ten und auch Ton­ge­ren (*Atua­tu­ca Tungro­rum*), der Haupt­ort der Tungrer, über ein gro­ßes re­prä­sen­ta­ti­ves Stadt­zen­trum ver­füg­ten, ent­wi­ckel­ten sich die städ­ti­schen Zen­tren im Nor­den der Pro­vinz nur lang­sam und selbst *Ul­pia No­vio­ma­gus Ba­ta­vo­r­um*(Nim­we­gen) wur­den wohl zu kei­ner Zeit zum be­vor­zug­ten Auf­ent­halts­ort der Eli­ten. Der Haupt­ort der Can­ni­nefa­ten (*Fo­rum Ha­dria­ni* beim heu­ti­gen Vo­or­burg-Ar­ents­burg) wuchs so­gar nie­mals über ei­ne Grö­ße von 15 Hekt­ar hin­aus, und der Haupt­ort der Fri­sia­vo­nes bleibt bis heu­te un­be­kannt.

Aber selbst in Köln ent­wi­ckel­te sich an­ders als in den Städ­ten Ita­li­ens, Spa­ni­ens oder Nord­afri­kas we­der ei­ne stadt­bür­ger­li­che Re­prä­sen­ta­ti­ons­e­pi­gra­phik noch ein aus­ge­präg­tes Stif­ter­we­sen. De­men­spre­chend feh­len auch Hin­wei­se auf Eh­ren­mo­nu­men­te für ver­dien­te Bür­ger in den Städ­ten. Die lo­ka­len Eli­ten wa­ren of­fen­bar nicht be­reit, ih­re fi­nan­zi­el­len Mit­tel in die Aus­ge­stal­tung der Stadt zu in­ves­tie­ren. En­ga­ge­ment für die ei­ge­ne Stadt war al­ler­dings ei­ne wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für den Auf­stieg in die Reich­sa­ris­to­kra­tie. Da­her, aber auch we­gen der wei­ter­hin be­ste­hen­den star­ken mi­li­tä­ri­schen Prä­gung der Re­gi­on und ei­ner re­ser­vier­ten Hal­tung der füh­ren­den Krei­se in Rom ge­gen­über den Be­woh­nern der Grenz­pro­vin­zen, las­sen sich so gut wie kei­ne Mit­glie­der der Reich­se­li­te aus den ger­ma­ni­schen Pro­vin­zen nach­wei­sen. Un­klar bleibt, ob die lo­ka­len Eli­ten auf­grund der schlech­ten Kar­rie­re­chan­cen kei­nen An­reiz zur In­ves­ti­ti­on in die Städ­te hat­ten oder ob die füh­ren­den Fa­mi­li­en in Nie­der­ger­ma­ni­en über­haupt we­nig an ei­nem Auf­stieg in die Reich­se­li­te in­ter­es­siert wa­ren. Mög­li­cher­wei­se be­trach­te­ten vie­le Ein­hei­mi­sche auch wei­ter­hin ei­ne Lauf­bahn im Hee­res­dienst als er­stre­bens­wer­ter.

3.2 Religion und Kulte

An­sons­ten be­dien­te man sich im 2. Jahr­hun­dert n. Chr. in zu­neh­men­dem Ma­ße rö­mi­scher For­men, In­sti­tu­tio­nen und Gü­ter. Ins­be­son­de­re im re­li­giö­sen Be­reich ist ein ste­ti­ges Wachs­tum der In­schrif­ten­pro­duk­ti­on zu er­ken­nen. Viel­fach tau­chen nun ein­hei­mi­sche Gott­hei­ten wie die Ma­tro­nen oder spe­zi­el­le For­men wie die Ju­pi­ter­gi­gan­ten­säu­len auf. Auch wenn die meis­ten die­ser Gott­hei­ten und Mo­nu­ment­ty­pen nicht vor der Mit­te des 2. Jahr­hun­derts be­legt sind, hat man es hier nicht mit ei­ner „[Re­nais­sance](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/R#term-608)“ al­ter Kul­te oder gar ei­ner kul­tu­rel­len Wi­der­stands­be­we­gung ge­gen Rom zu tun. Viel­mehr wur­den be­ste­hen­de ein­hei­mi­sche Kul­te nun in rö­mi­schen, reichs­weit ver­ständ­li­chen For­men ge­pflegt, die da­durch ar­chäo­lo­gisch deut­li­cher sicht­bar wer­den. So war der Tem­pel­be­zirk von Net­ters­heim in der Nord­ei­fel schon si­cher län­ge­re Zeit in Be­nut­zung, be­vor hier in der Mit­te des 2. Jahr­hun­derts ein Stein­tem­pel er­rich­tet wur­de und die Kul­t­an­hän­ger mit In­schrif­ten und Re­li­efs ver­se­he­ne Al­tä­re für die auf­a­ni­schen Ma­tro­nen auf­stell­ten.

Die so­zia­le Band­brei­te der Stif­ter von Ma­tro­nen­stei­nen war re­la­tiv groß. Nach Aus­kunft der In­schrif­ten war der Kult nicht nur bei den Ubi­ern, son­dern auch bei Mit­glie­dern der Pro­vinz­ver­wal­tung und bei An­ge­hö­ri­gen des Mi­li­tärs sehr ver­brei­tet, wo­bei al­ler­dings seit dem 2. Jahr­hun­dert oh­ne­hin vie­le Le­gio­nä­re aus der Re­gi­on selbst stamm­ten. Nichts­des­to­we­ni­ger ist der Ma­tro­nen­kult ein deut­li­cher In­di­ka­tor für das Zu­sam­men­wach­sen der un­ter­schied­li­chen Be­völ­ke­rungs­tei­le in der Pro­vinz.

Wäh­rend sich die Hei­lig­tü­mer für Ma­tro­nen grö­ß­ten­teils in länd­li­chen Ge­bie­ten be­fan­den und auf äl­te­re Tra­di­tio­nen zu­rück­gin­gen, be­schränk­te sich die re­gio­na­le Ver­brei­tung von Gott­hei­ten mit rö­mi­schen Na­men auf die städ­ti­schen Zen­tren und Mi­li­tär­la­ger, und die­se Kul­te wur­den dem­entspre­chend auch in ers­ter Li­nie von den Sol­da­ten und den be­son­ders stark ro­ma­ni­sier­ten Stadt­be­woh­nern ge­pflegt. Ein­hei­mi­sche Göt­ter er­hiel­ten je­doch auch rö­mi­sche Na­men und tru­gen da­ne­ben ein­hei­mi­sche Bei­na­men – so et­wa Her­cu­les Ma­gus­a­nus, der Haupt­gott der Ba­ta­ver. In­di­ge­ne Gott­hei­ten wur­den aber auch von hoch­ste­hen­den Per­sön­lich­kei­ten ge­ehrt: Der Prä­to­ria­ner­prä­fek­ten Ti­tus Fla­vi­us Cons­tans et­wa stell­te in Köln der nur in Nie­der­ger­ma­ni­en be­leg­ten Dea Vag­da­ver­cus­tis ei­nen Al­tar auf.

3.3 Alltagskultur

Im­mer mehr Ein­hei­mi­sche er­rich­te­ten im 2. Jahr­hun­dert auch Grab­denk­mä­ler ver­schie­de­ner For­men, die häu­fig mit In­schrif­ten ver­se­hen wa­ren. Die Tex­te sind meist sehr kurz und for­mel­haft, ent­hal­ten aber Ele­men­te wie die An­ru­fung an die Di Ma­nes, die To­ten­göt­ter, oder wei­sen auf die rö­mi­sche Pra­xis hin, sich schon zu Leb­zei­ten um die Er­rich­tung des ei­ge­nen Gra­bes ge­küm­mert zu ha­ben.[<sup>\[29\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/romanisierung-im-rheinland/DE-2086/lido/5b0541652102f3.51051923#footnote-8152) Auf den Grab­denk­mä­lern wa­ren die Ver­stor­be­nen ge­le­gent­lich in Re­li­efs ab­ge­bil­det. Die Por­träts kön­nen da­bei im be­grenz­ten Ma­ße Auf­schluss über die da­mals vor­herr­schen­de Tracht ge­ben. Ei­ni­ge Män­ner lie­ßen sich in ein­hei­mi­scher Klei­dung mit dem kur­zen gal­li­schen Ka­pu­zen­man­tel (*cu­cul­lus*) dar­stel­len, an­de­re mit der rö­mi­schen To­ga, dem Sym­bol des rö­mi­schen Bür­ger­sta­tus. Wäh­rend in der Re­gi­on um Mainz bei den Frau­en die ein­hei­mi­sche Tracht do­mi­nier­te, über­wog im Ge­biet der Ubier in Nie­der­ger­ma­ni­en das rö­mi­sche Ober­ge­wand. Ge­le­gent­lich fin­den sich aber auch Dar­stel­lun­gen von Ubie­rin­nen mit vo­lu­mi­nö­sen Kopf­be­de­ckun­gen, mit de­nen auch die Ma­tronae dar­ge­stellt wur­den. Wie häu­fig wel­che Klei­dung im All­tag ge­tra­gen wur­de und in­wie­fern mit den Klei­dungs­stü­cken ei­ne eth­ni­sche Iden­ti­tät aus­ge­drückt wur­de, lässt sich auf­grund der spär­li­chen Be­fun­de aber kaum klä­ren.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-%C2%A0" style="text-align: justify;"><div class="information-object-paragraph__image"> </div></div>Die Über­nah­me rö­mi­scher Kul­tur­prak­ti­ken lässt sich auch in an­de­ren Be­rei­chen fas­sen. So zei­gen ei­ni­ge Grab­s­te­len auch Ge­la­ge­sze­nen mit Kli­nen; im­por­tier­te Gü­ter wie Oli­ven­öl, Wein und Fisch­so­ße wur­den of­fen­bar von im­mer wei­te­ren Tei­len der Be­völ­ke­rung ge­schätzt. Von der Über­nah­me rö­mi­scher Spei­se­sit­ten zeugt ne­ben der Ver­wen­dung des reichs­weit ver­wen­de­ten rot glän­zen­den Ta­fel­ge­schirrs (Ter­ra Si­gil­la­ta) auch die Ein­füh­rung von Reib­scha­len, in de­nen vor al­lem Würz­so­ßen her­ge­stellt wur­den – ei­ne Prak­tik, die in die­ser Form zu­vor bei den Gal­li­ern und Ger­ma­nen un­be­kannt war. Auch wa­ren ab dem 2. Jahr­hun­dert die Städ­te und Vil­len nicht sel­ten mit be­heiz­ba­ren Ba­de­an­la­gen aus­ge­stat­tet. Zu­min­dest die bei­den *co­lo­niae*und der Haupt­ort der Ba­ta­ver ver­füg­ten zu­dem über ein Am­phi­thea­ter zur Ab­hal­tung von Tier­hat­zen und Gla­dia­to­ren­kämp­fen.

3.4 Wirtschaft und Villenkultur

So­wohl vor als auch nach der rö­mi­schen Er­obe­rung bil­de­te die Land­wirt­schaft die Grund­la­ge der Wirt­schaft. Durch die rö­mi­sche Herr­schaft ver­än­der­ten sich je­doch die Rah­men­be­din­gun­gen der Pro­duk­ti­on er­heb­lich und neue Me­tho­den und Prak­ti­ken wur­den ein­ge­führt, die zu ei­nem Über­gang von der Selbst­ver­sor­gung zur Über­schuss­pro­duk­ti­on führ­ten. Die­se zu­sätz­li­chen Le­bens­mit­tel wa­ren auch zen­tra­le Vor­aus­set­zung für den Un­ter­halt der neu­en Städ­te und vor al­lem des Mi­li­tärs, das enor­me Men­gen an Kon­sum­gü­tern be­nö­tig­te.

Al­ler­dings zei­gen sich deut­li­che re­gio­na­le Un­ter­schie­de. In der frucht­ba­ren Löss­zo­ne im Sü­den der Pro­vinz leg­te man in der ho­hen Kai­ser­zeit zahl­rei­che *vil­lae rusti­cae* an, die un­ter­schied­li­che Grö­ße und For­men an­nah­men und bei de­nen es sich teils um Neu­bau­ten, teils um Um- und Aus­bau­ten be­ste­hen­der Ge­höf­te han­del­te. Meist wa­ren die Haupt­ge­bäu­de ab dem 2. Jahr­hun­dert aber mit Stein­f­un­da­men­ten und ver­putz­ten Fach­werk­wän­den aus­ge­stat­tet, und grö­ße­re Vil­len ver­füg­ten über re­prä­sen­ta­ti­ve Wohn­räu­me mit Mo­sai­ken und Wand­ma­le­rei­en. Durch die Häu­fung an Vil­len be­kam der länd­li­che Raum in die­ser Re­gi­on ei­ne star­ke rö­mi­sche Prä­gung. Hin­ge­gen wur­de in den nörd­li­chen Ge­bie­ten vor al­lem Vieh­zucht be­trie­ben und grö­ße­re Hal­len­häu­ser und ein­fa­che Wohn­stall­häu­ser aus Holz do­mi­nier­ten die Land­schaft. Die her­ge­brach­te Bau­wei­se be­stand hier al­so fort, und rö­mi­sche Ar­chi­tek­tur­for­men gab es fast aus­schlie­ß­lich in den Zen­tra­lor­ten. Ob die ge­rin­ge Ver­brei­tung von Vil­len im Nor­den nur auf die schlech­te­re Bo­den­qua­li­tät in die­ser Re­gi­on zu­rück­zu­füh­ren ist oder ob bei der lo­ka­len Be­völ­ke­rung die rö­mi­sche Vil­len­kul­tur we­ni­ger An­klang fand, bleibt un­klar.

Schon in ju­lisch-clau­di­scher Zeit lässt in der Nä­he der Le­gi­ons­la­ger die Ent­ste­hung ei­nes dif­fe­ren­zier­ten Hand­werks er­ken­nen, das sich an den Be­dürf­nis­sen des Mi­li­tärs ori­en­tier­te. Weil das rö­mi­sche Heer auch sehr schnell ein Sys­tem von Stra­ßen auf­bau­te und vor al­lem die Flüs­se als Ver­kehrs­we­ge ge­nutzt wur­den, konn­ten auch zahl­rei­che Kon­sum­gü­ter aus dem me­di­ter­ra­nen Raum an den Rhein ge­bracht wer­den. Bald wur­den auch hand­werk­li­che Pro­duk­te wie Tisch­ge­schirr nach rö­mi­schem Ge­schmack in Köln und an­de­ren Städ­ten Ger­ma­ni­ens pro­du­ziert. Für den ger­ma­ni­schen Raum ent­wi­ckel­te sich im 2. und 3. Jahr­hun­dert das heu­ti­ge Rheinz­a­bern in Ober­ger­ma­ni­en zum wich­tigs­ten Pro­duk­ti­ons­ort von Ter­ra Si­gil­la­ta-Ke­ra­mik. Köln selbst wur­de in der glei­chen Zeit das be­deu­tends­te Zen­trum der Glas­ma­che­rei im ge­sam­ten Wes­ten des Rei­ches.Die kunst­vol­len Trink­ge­fä­ße wur­den weit­hin ex­por­tiert, so­gar im rechts­rhei­ni­schen Ger­ma­ni­en und in Ägyp­ten hat man Ex­em­pla­re ge­fun­den. Die­se Han­dels­be­zie­hun­gen zei­gen die weit­rei­chen­de In­te­gra­ti­on des Rhein­lan­des in das Aus­tausch­sys­tem des Im­pe­ri­um Ro­ma­num, des­sen Funk­ti­ons­tüch­tig­keit die Vor­aus­set­zung für die Ent­ste­hung so spe­zia­li­sier­ter Hand­werks­be­trie­be war.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-%C2%A0-3" style="text-align: justify;"><div class="information-object-paragraph__image"> </div></div>4\. Ausblick

Um die Mit­te des 3. Jahr­hun­derts kam es im­mer häu­fi­ger zu ger­ma­ni­schen Ein­fäl­len neu­ar­ti­ger Grup­pen in das Ge­biet der Pro­vinz. Die Be­dro­hung durch Fran­ken und Ale­man­nen, die sich aus klei­ne­ren Stäm­men zu grö­ße­ren, aber äu­ßerst mo­bi­len Krie­ger­ver­bän­den zu­sam­men­ge­schlos­sen hat­ten, zwan­gen die Rö­mer zur Re­or­ga­ni­sa­ti­on ih­rer Grenz­ver­tei­di­gung und der Pro­vinz­ver­wal­tung. So wur­den die Städ­te und Sied­lun­gen stär­ker be­fes­tigt und das Wirt­schafts­le­ben wie­der stär­ker an den Be­dürf­nis­sen des Mi­li­tärs und der Ver­wal­tung aus­ge­rich­tet. Wäh­rend die Fran­ken zu­nächst nur Plün­de­rungs­zü­ge un­ter­nah­men, ver­such­ten sie im 4. Jahr­hun­dert im­mer häu­fi­ger, auch Land in Be­sitz zu neh­men. Um die­se Be­we­gun­gen zu kon­trol­lie­ren und zu steu­ern, sie­del­ten ver­schie­de­ne Kai­ser dann auch ge­zielt frän­ki­sche Grup­pen an und ver­pflich­te­ten sie zum Hee­res­dienst.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-" style="text-align: justify;"><div class="information-object-paragraph__image">  
</div></div>Ins­be­son­de­re in den nörd­li­chen Tei­len der Pro­vinz ver­schärf­te sich die Be­dro­hungs­la­ge für die ein­hei­mi­sche Be­völ­ke­rung zu­se­hends, so­dass Nim­we­gen (*Ul­pia No­vio­ma­gus Ba­ta­vo­r­um*) und an­de­re Sied­lun­gen of­fen­bar im spä­te­ren vier­ten und 5. Jahr­hun­dert auf­ge­ge­ben wur­de. Auch die *Co­lo­nia Ul­pia Traia­na*, die zum ers­ten Mal be­reits 275 n. Chr. zer­stört und nur in we­sent­lich klei­ne­rem Ma­ße wie­der­auf­ge­baut wur­de, wur­de En­de des 4. Jahr­hun­derts weit­ge­hend ver­las­sen. Durch den stän­di­gen Zu­zug rechts­rhei­ni­scher Ger­ma­nen und die Flucht von Orts­an­säs­si­gen ver­än­der­te sich auch die Be­völ­ke­rungs­zu­sam­men­set­zung, und die al­ten Stam­mes­na­men tau­chen im 5. Jahr­hun­dert nicht mehr auf. Die Ein­woh­ner ver­stan­den sich im zu­neh­men­den Ma­ße als Fran­ken und spra­chen bald auch ei­ne ger­ma­ni­sche Spra­che. Lang­sa­mer ver­lief die „Fran­ki­sie­run­g“ im Raum von Köln. Die Stadt blieb ein be­deu­ten­des Zen­trum und wur­de ein wich­ti­ger Mit­tel­punkt des Chris­ten­tums. Ent­spre­chend lan­ge las­sen sich hier ro­ma­ni­sche Tra­di­tio­nen fas­sen – nichts­des­to­we­ni­ger ver­schmol­zen letzt­lich auch hier die Ein­hei­mi­schen mit den Neu­an­kömm­lin­gen zur neu­en Ein­heit der Fran­ken, die seit Kö­nig Chlod­wig (cir­ca 481/482–511 n. Chr.) auch in ei­nem Reich ver­eint wa­ren.

5\. Zusammenfassung

Prä­gen­de Fak­to­ren der Ro­ma­ni­sie­rung im Rhein­land wa­ren die Ein­grif­fe der rö­mi­schen Ad­mi­nis­tra­ti­on in au­gustei­scher Zeit, die gro­ße Kon­zen­tra­ti­on von Mi­li­tär so­wie die Grenz­la­ge der Pro­vinz. Un­ter Au­gus­tus wa­ren die rö­mi­schen Macht­ha­ber dar­um be­müht, die Re­gi­on durch ge­ziel­te Um­sied­lun­gen und den Aus­bau ur­ba­ner Zen­tren be­herrsch­bar zu ma­chen und mit­hil­fe der an­ge­sie­del­ten Stäm­me die Re­gi­on zu si­chern. Weil die­sen im Ge­gen­zug um­fang­rei­che Pri­vi­le­gi­en ge­währt wur­den, be­hiel­ten sie ih­re eth­ni­sche Ei­gen­stän­dig­keit und bil­de­ten ein star­kes krie­ge­ri­sches Selbst­be­wusst­sein aus. Die Schwä­chen die­ser mi­li­tä­ri­schen In­te­gra­ti­on zeig­ten sich im Bür­ger­krieg nach dem Tod Ne­ros.

Erst die lan­ge Frie­dens­pha­se nach dem Ba­ta­ver­auf­stand er­mög­lich­te die Aus­bil­dung ei­ner ei­gen­stän­di­gen Pro­vinz­kul­tur. Die Mi­li­tär­prä­senz und die Grenz­la­ge blie­ben prä­gen­de Fak­to­ren, doch ent­wi­ckel­te sich da­ne­ben zu­min­dest im Raum von Köln ei­ne zi­vi­le Stadt- und Vil­len­kul­tur. Ins­be­son­de­re im Nor­den der Pro­vinz wur­de die Stadt aber nie zur be­vor­zug­ten Le­bens­form der Ein­hei­mi­schen und ih­rer Eli­ten, wie auch die schnel­le Auf­ga­be der ur­ba­nen Zen­tren und der grö­ße­ren Sied­lun­gen im vier­ten und frü­hen 5. Jahr­hun­dert zeigt. Nichts­des­to­we­ni­ger be­dien­te man sich in al­len Le­bens­be­rei­chen ab dem 2. Jahr­hun­dert im­mer stär­ker rö­mi­scher For­men, Gü­ter und In­sti­tu­tio­nen. Ent­spre­chend ent­wi­ckel­te sich ein spe­zia­li­sier­tes Hand­werk, des­sen Pro­duk­te zum Teil weit­hin ex­por­tiert wur­den.

Wäh­rend häu­fig ei­ne di­rek­te Über­nah­me oder An­pas­sung rö­mi­scher Ge­pflo­gen­hei­ten an lo­ka­le Ver­hält­nis­se zu er­ken­nen ist, weist ins­be­son­de­re der re­li­giö­se Be­reich ein ei­gen­stän­di­ges Pro­fil auf. Hier wur­den be­ste­hen­de Kul­te nun in rö­mi­schen For­men ze­le­briert, wo­durch ganz neue Mo­nu­m­ent­gat­tun­gen ent­stan­den, die so nur in den ger­ma­ni­schen Pro­vin­zen zu fin­den sind. Ab­seits der Ko­lo­ni­en blie­ben zu­dem die Stam­me­si­den­ti­tä­ten in­takt, auch wenn sich die Stäm­me nun im­mer we­ni­ger als aus­wär­ti­ge Part­ner, son­dern als An­ge­hö­ri­ge des Reichs, al­so als Rö­mer ver­stan­den. Das Rhein­land im 2. und 3. Jahr­hun­dert war fest in­te­griert in das kul­tu­rel­le und öko­no­mi­sche Sys­tem des Im­pe­ri­um Ro­ma­num.

Den­noch lag die Pro­vinz Ger­ma­nia In­fe­ri­or an der äu­ßers­ten Pe­ri­phe­rie des rö­mi­schen Reichs: Aris­to­kra­ten aus der Re­gi­on ge­lang so gut wie nie der Sprung in das Zen­trum der Macht, und den Städ­ten fehl­ten der Glanz und die Mo­nu­men­ta­li­tät der Me­tro­po­len des Mit­tel­meer­raums. Auch war die Re­gi­on in der Spät­an­ti­ke im be­son­de­ren Ma­ße von der sich zu­spit­zen­den äu­ße­ren Be­dro­hung durch neu­ar­ti­ge Stam­mes­ver­bän­de er­fasst und wur­de als ei­ne der ers­ten Pro­vin­zen An­fang des 5. Jahr­hun­derts fak­tisch auf­ge­ge­ben. Dass sich im Rhein­land ei­ne ger­ma­ni­sche und nicht ei­ne ro­ma­ni­sche Spra­che durch­setz­te, liegt aber nicht an ei­ner nur ober­fläch­li­chen Ro­ma­ni­sie­rung der Be­völ­ke­rung, son­dern an ei­nem mas­si­ven Be­völ­ke­rungs­um­bruch in der un­si­che­ren Zeit des spä­ten 4. und 5. Jahr­hun­derts.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Gilhaus, Lennart, Romanisierung im Rheinland, in: Internetportal Rheinische Geschichte, online verfügbar seit 28.08.2017 unter: [https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/romanisierung-im-rheinland/DE-2086/lido/5b0541652102f3.51051923](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/romanisierung-im-rheinland/DE-2086/lido/5b0541652102f3.51051923), zuletzt geprüft am 15.04.2025.

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**Sekundärliteratur**

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# Sport und Spiele

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Tierhetzen

##### 1. Tierhetzen

Die Römer trafen zum ersten Mal 275 v. Chr. auf exotische Tiere, als man Elefanten aus dem Heer des Pyrrhos fing und im Triumphzug nach Rom brachte. Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. bildeten Tierhetzen („venationes“) eine zusätzliche Attraktion der staatlichen Spiele („ludi“), die bislang nur aus [Pferderennen](https://www.phil.uni-mannheim.de/geschichte/lehrstuehle/alte-geschichte/forschung/projekte/mannheimer-forschungen-zum-antiken-sport/publikationen/website-sport-und-spiele-in-der-antike/rom/spiele-und-disziplinen/roemische-pferderennen/) und Theateraufführungen bestanden hatten. Man fing die Tiere bei speziellen Expeditionen in Afrika. Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. wurden die venationes mit den [Gladiatorenspielen](https://www.phil.uni-mannheim.de/geschichte/lehrstuehle/alte-geschichte/forschung/projekte/mannheimer-forschungen-zum-antiken-sport/publikationen/website-sport-und-spiele-in-der-antike/rom/spiele-und-disziplinen/gladiatorenkaempfe/) („munera“) im [Amphitheater](https://www.phil.uni-mannheim.de/geschichte/lehrstuehle/alte-geschichte/forschung/projekte/mannheimer-forschungen-zum-antiken-sport/publikationen/website-sport-und-spiele-in-der-antike/rom/historische-entwicklung/das-amphitheater/) kombiniert.

Solch ein Spektakel im Amphitheater begann am Morgen mit den Tierhetzen, die oft als eine Art Aufwärm­phase für die Gladiatorenkämpfe am Nachmittag gesehen wurden. Die Zuschauer wussten bereits im Vorfeld, welche Tiere kämpfen würden, jedoch nicht, gegen wen, z. B. ein Stier gegen einen Elefanten, ein Löwe gegen einen Leoparden usw. Nach diesen Kämpfen machten gezähmte Tiere Kunststücke als Pausenfüller. Danach kämpften speziell ausgebildete Männer („venatores“ oder „bestiarii“) gegen wilde Tiere, manchmal ein Mann gegen ein Tier, manchmal eine Gruppe Jäger gegen eine ganze Tierherde. Zu bestimmten Anlässen wurden große Mengen an wilden Tieren umgebracht. Beispielsweise brachte man für die Spiele, die Pompeius 55 v. Chr. organisierte, 600 Löwen, 410 Leoparden, viele Affen, ein Rhinozeros und einen Luchs nach Rom.

Nach der Tierhetze fanden um die Mittagszeit öffentliche Hinrichtungen statt. Bürger wurden normalerweise mit dem Schwert getötet, Sklaven und Freigelassene kreuzigte man. Am beeindruckendsten für die Zuschauer war die Hinrichtung derjenigen, die man „den Tieren vorwarf“: Schutz­lose Gefangene wurden wilden und ausgehungerten Tieren vorgesetzt.

Wilde Tierhetzen waren noch bis ins frühe Mittelalter hinein beliebt, länger also als [Gladiatorenkämpfe](https://www.phil.uni-mannheim.de/geschichte/lehrstuehle/alte-geschichte/forschung/projekte/mannheimer-forschungen-zum-antiken-sport/publikationen/website-sport-und-spiele-in-der-antike/rom/spiele-und-disziplinen/gladiatorenkaempfe/), weil es gegen sie keine christlichen Proteste gab. Die spanischen Stierkämpfe gehen zurück auf diese frühmittelalterlichen Tierjagden.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Schiemann, Konstanze: Tierhetzen, online verfügbar unter: [https://www.phil.uni-mannheim.de/geschichte/lehrstuehle/alte-geschichte/forschung/projekte/mannheimer-forschungen-zum-antiken-sport/publikationen/website-sport-und-spiele-in-der-antike/rom/spiele-und-disziplinen/tierhetzen/](https://www.phil.uni-mannheim.de/geschichte/lehrstuehle/alte-geschichte/forschung/projekte/mannheimer-forschungen-zum-antiken-sport/publikationen/website-sport-und-spiele-in-der-antike/rom/spiele-und-disziplinen/tierhetzen/), zuletzt geprüft am 12.05.2025.

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**Sekundärliteratur**

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# Ess- und Trinkkultur

#### Inhaltsverzeichnis

1. Backen wie die Römer: So wird historisches Pompeji-Brot gebacken
2. Antike Handwerkskunst: So schmeckte der Wein der Römer
3. Bier im Römischen Reich

##### 1. Backen wie die Römer: So wird historisches Pompeji-Brot gebacken (Artikel)

Der Vulkanausbruch des Vesuv im Jahr 79 begrub die römische Stadt Pompeji unter Asche - bis hin zum Brot in den Bäckereien. Farrell Monaco, die sich selbst als „kulinarische Archäologin“ bezeichnet, hat das Rezept eines beliebten Brotes rekonstruiert.

**Zutaten für panis quadratus**

• 600 g Dinkelmehl

• 600 g Vollkornmehl

• 700 g lauwarmes Wasser

• 200 g Sauerteig (Starterkultur)

• 2 TL Salz

• grob gemahlenes Mehl oder Weizenkleie zum Bestäuben

**Außerdem**

• Küchenzwirn

• scharfes Messer oder Bäckerklinge

Hinweis: Vor Zubereitungsbeginn sicherstellen, dass der Sauerteig (Starter) 8 Stunden vor dem Mischen gefüttert wurde – [hier findest du Farrell Monacos spezielle Tipps zum Mischen und Füttern von Sauerteig](https://tavolamediterranea.com/2017/09/05/baking-bread-romans-part-ii-panis-quadratus/) (*englische Sprache*).

 **Schritt 1: Mischen und Autolyse**

Wasser und Starter in einer großen Schüssel mischen und vorsichtig mit einem Löffel oder Schneebesen mischen. Mehl und Salz in einer separaten Schüssel mischen und mit den Flüssigkeiten vermengen. Die nassen und trockenen Zutaten von Hand oder in einem Mixer mischen. Abdecken und eine Stunde stehen lassen.

**Schritt 2: Dehnen und Falten**

Den Teig nach einer Stunde Autolyse (anfängliche Mischen-und-Gehen-Phase) herausnehmen und ihn vorsichtig mit den Fingerspitzen auf eine saubere Oberfläche schlagen. Den Teig viermal in Schritten von 30 Minuten dehnen und falten. Dieser Schritt ermöglicht es dem Teig, sich zu festigen und aufzugehen, wenn sich die Glutenstruktur bildet. Mit jedem Dehnen und Falten wird der Teig elastischer. Am besten einen Timer verwenden, um die nächste Stretch-and-Fold-Phase nicht zu verpassen. Den Teig dabei wie ein Quadrat behandeln - eine Seite oder Ecke nehmen und zur gegenüberliegenden Seite ziehen, diesen Schritt für alle vier Ecken oder Seiten des Teigs anwenden. Den Teig nach jedem Dehnen und Falten mit einem sauberen Geschirrtuch oder einer umgestürzten Schüssel abdecken und jeweils 30 Minuten ruhen lassen. Nicht vergessen: Dieser Schritt findet viermal statt!

 **Schritt 3: Teig formen**

Wenn die vier Phasen des Dehnens und Faltens abgeschlossen sind, den Teig zu einer Kugel formen. Dabei versuchen, die Nähte unter dem Laib so zu sammeln, dass die Oberseite des Laibs glatt ist. Den Boden des Blechs oder der Form, in der das Brot gebacken werden soll, mit grob gemahlenem Mehl oder Vollkornkleie bestäuben. Das geformte Brot in den Backbehälter legen.

 **Schritt 4: Schleife binden**

Küchenzwirn abmessen, so dass es das Äußere des gesamten Laibs umfassen kann. Dabei genug Länge lassen, um das Garn zu einer Schleife zu binden. Wenn die Schnur dünn ist, die Länge verdoppeln. Die Schnur nicht zu fest um den Teig binden und ihm etwas Platz geben. Der Teig soll um das Garn herum noch aufgehen und eine definierte seitliche Rille entlang der Seite des Teigs erzeugen können. Wenn die Schnur zur Schleife gebunden ist, das Brot mit einem Geschirrtuch bedecken und an einen warmen Ort legen, damit der Teig gehen kann.

 **Schritt 5: Brot einschneiden**

Die Oberseite des Laibs mit Mehl oder Weizenkleie bestreuen, mit der auch die Form ausgekleidet wurde. Mit dem schärfsten Messer der Küche oder einer Bäckerklinge die Brotoberfläche mit vier linearen Schrägstrichen anschneiden, so dass acht gleichmäßige Abschnitte auf dem Laib entstehen. Tiefer als 1 cm müssen die Schnitte nicht sein, weil der Laib beim ersten Backvorgang wieder etwas aufgeht.

 **Schritt 6: Der Brotstempel**

Mit einem Ausstecher, einem Nudelstempel oder einer sauberen, kreisförmigen, quadratischen oder rechteckigen Form vorsichtig eine Vertiefung in einen der Abschnitte drücken. Die Vertiefung kann – wenn der echte Brotstempel fehlt – auch mit Pinienkernen verziert werden.

 **Schritt 7: Teig gehen lassen**

Den Teig gehen lassen, bis er die doppelte Größe erreicht hat. Wie lange dies dauert, hängt von der Temperatur der Küche und der Luftfeuchtigkeit des Klimas ab – es kann zwei oder vier Stunden dauern. Das Brot dabei mit einem sauberen Geschirrtuch abdecken oder es luftdicht verpacken. Das Brot und die Schnur rund um den Laib im Auge behalten und sicherstellen, dass der Teig nicht zu lange geht und zusammenfällt.

 **Schritt 8: Ofen vorheizen**

Sobald das Brot vollständig aufgegangen ist, den Ofen auf 200°C vorheizen (Gas Stufe 6). Beim Vorheizen etwas Wasser in einer Schüssel in den Ofen stellen und während des gesamten Backvorgangs belassen. Das erzeugt Feuchtigkeit in der Backumgebung und sorgt für eine knusprige Kruste.

 **Schritt 9: Backen**

40 bis 45 Minuten backen, bis die Kruste einen mittelbraunen Farbton hat. Sobald das Brot vollständig gebacken ist, den Laib aus dem Ofen nehmen, eine Stunde lang stehen und abkühlen lassen. Das Brot erst dann anschneiden oder brechen, wenn es bis auf Raumtemperatur abgekühlt ist. Die Schnur kann leicht entfernt werden, wenn die Schleife gelöst wird.

##### 2. Antike Handwerkskunst: So schmeckte der Wein der Römer 

Der Wein im Alten Rom hatte einen charakteristischen Geschmack. Neue Forschungsergebnisse zeigen, welche Prozesse zu seinen außergewöhnlichen Aromen geführt haben.

Wein war bei den Römern beliebt. So sehr, dass er in manch einer opulenten Villa sogar [aus Brunnen sprudelte](https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2023/04/luxus-im-alten-rom-hier-sprudelte-der-wein-in-brunnen-antike-archaologie). Die Popularität des Getränks im Alten Rom ist hinreichend untersucht worden, doch nur wenig Forschung hat sich bisher damit beschäftigt, wie der Lieblingsdrink der Römer schmeckte.

Ein belgisch-polnisches Forschungsteam hat nun die Weinherstellung der Alten Römer genauer untersucht und herausgefunden, welch wichtige Rolle in den Boden eingegrabene Tonfässer dabei spielten. In Ihrer [Studie](https://www.cambridge.org/core/journals/antiquity/article/making-wine-in-earthenware-vessels-a-comparative-approach-to-roman-vinification/21CE9DC73E121EE173E902625E9E559D), die im Fachmagazin *Antiquity* erschienen ist, beschreiben die Forschenden, wie genau diese sogenannten Dolia funktionierten – und wie die im Wein dominierenden Aromen von Äpfeln, Nüssen und Curry zustande kamen.

 **Antike Weinherstellung in Tongefäßen**

Die Idee, die Dolia der Römer genauer zu untersuchen, kam dem Studienautoren Dimitri Van Limbergen, Archäologe an der Universität Gent in Belgien, bei einem Besuch in Georgien. Dort wird Wein bis heute in großem Stil in traditionellen Tongefäßen, die Quevri genannt werden, hergestellt. Diese ähneln den antiken römischen Dolia, von denen man bereits wusste, dass Wein in ihnen gelagert wurde. Die Erkenntnis veranlasste Van Limbergen und seine Mitautorin Paulina Komar von der Universität Warschau in Polen dazu, den Weinherstellungsprozess der antiken Römer genauer zu untersuchen.

Sie verglichen die georgische Technik mit antiken Aufzeichnungen der römischen Weinherstellung und dem Aufbau alter Dolia, die an verschiedenen Fundstellen in Italien entdeckt wurden.

Dabei fanden sie heraus, dass die Dolia-Amphoren eine weitaus größere Rolle bei der Gärung und dem Geschmack des Weines spielten als gedacht. Der Prozess funktionierte so: Die porösen Tonbehälter wurden in den Boden eingegraben und von innen mit einer Mischung aus Harz und Bienenwachs überzogen. Darin ließen die Römer den Most mehrere Monate gären. Weil die Gefäße unten schmal zulaufen, trennten sich dabei die festen Überreste der Trauben nach und nach von der Flüssigkeit und sammelten sich am Boden.

Während dieses Prozesses entwickelten sich an der Oberfläche der Flüssigkeit sogenannte Florhefen, die maßgeblich Geschmack, Textur und Aroma der entstehenden Weine beeinflussen. Wichtig ist dabei, dass die Flüssigkeit ständig in Bewegung bleibt. Das wurde durch den ovalen Aufbau der Gefäße und das bei der Gärung entstehende Kohlendioxid erreicht: Innerhalb der Dolia bildeten sich Strömungen, die den Wein kontinuierlich in Bewegung hielten. Ähnlich funktionieren bis heute auch die Quevri.

 **Geschmack und Aroma der römischen Weine**

Die Erkenntnisse, so Studienautor Van Limbergen, zeugen von einem bisher ungeahnten Fachwissen der Römer. „Durch die Anwendung der von uns beschriebenen Techniken waren die Römer in der Lage, viel bessere, schmackhaftere und stabilere Weine herzustellen, als gemeinhin angenommen wird“, so der Archäologe, der schon lange die Herstellung und Geschichte antiker Weine erforscht.

Der Vergleich des römischen Getränks mit modernen Weinen gestaltet sich allerdings schwierig. „Die Weinfarben wurden beispielsweise nicht standardmäßig in weiß und rot unterteilt (wie es heute der Fall ist), sondern für die Römer gehörten sie zu einem breiten Farbspektrum, das von weiß, gelb, über goldfarben, bernsteinfarben und braun bis hin zu rot und schwarz reichte“, so Van Limbergen.

Nachvollziehen, wie die Weine geschmeckt haben müssen, kann man heute dennoch. Aufgrund des ständigen Kontakts mit dem Ton waren Weine damals komplex, trocken und sehr mineralisch. „Die Bildung von oberirdischen Hefen auf dem Most, die die chemische Verbindung Sotolon produzieren, führten außerdem dazu, dass die Weine würzige, geröstete und brot-ähnliche Aromen sowie Noten von Äpfeln und Curry hatten“, sagt Van Limbergen. Insgesamt, so der Archäologe, sei der Wein extrem genießbar gewesen. Kein Wunder also, dass die Römer ihn liebten.

##### 3. Bier im römischen Reich

Die Römer, auch jene in den Provinzen, bevorzugten Wein statt Bier. Dies ist durch den massiven Import von Wein im ganzen Römischen Reich belegt. Es gibt aber archäologische Quellen für die Herstellung von Bier in den nördlichen Provinzen.

Wieweit die römischen Bewohner dieser Gegend selbst zum Bierkrug statt zum Weinpokal griffen, bleibt allerdings Spekulation. Auch darüber, ob Bier in den nördlichen Provinzen Teil der Militärrationen war (wie etwa in Ägypten), kann nur spekuliert werden, weil kaum schriftliche Quellen darüber bekannt sind – eine Ausnahme ist ein Schreibtäfelchen aus Vindolanda, das eine Nachschublieferung an Bier fordert.

**Bier, der Wein der Armen**

Überliefert ist auch, dass der Preis von Bier in unterschiedlichen Provinzen und zu unterschiedlichen Zeiten stark variierte. So konnte man im 1. Jh. n. Chr. in Vindolanda für einen Sesterz 27.5 Liter, in Hermopolites 72 Liter, in Tebtynis aber nur 8.7 Liter Bier kaufen. Dennoch war der Preis von Bier generell eher niedrig – nämlich zwei- bis viermal niedriger als jener von Wein der schlechtesten Qualität. Deshalb wird Bier oft auch als Wein der Armen bezeichnet.

In flavischer Zeit kam der Import von Weinamphoren ins Rheinland fast zum Erliegen. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die Militäreinheiten am Rhein sukzessive aus nichtrömischen Mannschaften bestanden und so der Markt für Wein infolge einer rückläufigen Nachfrage schrumpfte. Wurde der Wein etwa durch das lokale Bier ersetzt?

Der Archäologe Clive Bridger meint dazu, es sei auch wahrscheinlich, dass nicht die einheimische Bevölkerung ein beliebtes Nahrungsmittel der Besatzungsmacht angenommen hat (Wein), sondern dass die Besatzungsmacht ein lokales Getränk übernahm (Bier).

**Die Römer kannten verschiedene Arten von Bier:**

- ägyptisches (zythum) Gerstenbier
- spanisches (caelia, cerea) Weizenbier
- dalmatisches (camum), Gerstenbier
- sabaia, Gersten- oder Weizenbier
- gallisches (cervesa)

Bridger nennt für das römische Germanien folgende relevanten Begriffe: cerves(i)a / cervis(i)a, camum. In Spanien, Gallien und Norditalien (keltisch) wurde Bier in verschiedenen Sorten gebraut und nahm vermutlich die Stelle des Weins ein. Das Bier wurde ohne Hopfen gebraut. Vor der Entdeckung der Eigenschaften von Hopfen als Konservierungsmittel und als Geschmackszutat für Bier, war es schwierig, Bier lange frisch zu halten, da es normalerweise einen weit niedrigeren Alkoholgehalt als Wein hatte. Plinius der Ältere berichtet, dass die Spanier eine Methode gehabt hätten, Bier länger haltbar zu machen, er erwähnt aber nicht welche.

**Kräuter-Zusätze**

Ohne Hopfen hatte das Bier einen muffigen, säuerlichen oder schlicht uninteressanten Geschmack, weshalb verschiedene Zusätze verwendet wurden. Botanische Nachweise solcher Kräuter gibt es von der niederländischen Küste aus der frühen römischen Periode: Gagel (Myrica gale) ist auf einigen römerzeitlichen Plätzen nachgewiesen worden, sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Limes. Aber auch durch Gagel konnte nicht auf lange Zeit konserviert werden. Man muss also davon ausgehen, dass Bier vor Ort hergestellt und getrunken wurde. Andere Zusätze sind Eichenrinde, Myrte, Mädesüss und Johanniskraut.

Es ist davon auszugehen, dass Bier häufig in Eigenproduktion hergestellt wurde. Das am meisten verwendete Getreide war zuerst Gerste, aber man brauchte auch die Nacktweizenart *triticum*, Hirse, Vogelhirse, Hafer und das Einkorn (*olyra*). Für die Provinzen wird zudem ein Bier erwähnt, das aus Brot hergestellt wurde, also aus Gersten- oder Weizenfladen. Dieser Befund entspricht etwa den Gegebenheiten des alten Ägyptens. Man darf davon ausgehen, dass in den weinarmen Provinzen bedeutend mehr Bier getrunken wurde, als die wenigen archäologischen Nachweise glauben lassen.

**Herstellung des Biers in der Römerzeit**

Man lässt das Getreide (u.a. Weizen, Gerste, Hirse, Hafer oder Einkorn) keimen. Durch die Umwandlung der Stärke des ausgekeimten Getreides in Dextrin, danach in Zucker, entsteht eine Gärung. Die Vergärung des Zuckers unter der Beteiligung von Hefen erzeugt das alkoholische Gebräu. Da bisher Hopfen im Bier der Antike nicht nachgewiesen werden konnte, geht man von obergäriger Brautechnik aus. Die Biere blieben dadurch ohne bitteren Geschmack, jedoch auch wenig stabil.

Darren: Der Keimvorgang wird durch schonendes Erhitzen in einer *Darre* (Vorrichtung zum Dörren) unterbrochen; geht dabei etwas schief, erhält man anstatt des erwünschten Malzes nur verkohlte Getreidekörner. Mehrere Autoren erwähnen, dass das Bierbrauen wie auch das Brotbacken in den ersten Jahrhunderten n. Chr. zu den Aufgaben der Frau gehörte.

##### Quellen:

Internetquellen

-&gt; Lamm, Lisa: So schmeckte der Wein der Römer, in: National Geographic online, online verfügbar seit 11.03.2024 unter: [https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2024/03/antike-handwerkskunst-so-schmeckte-der-wein-der-roemer](https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2024/03/antike-handwerkskunst-so-schmeckte-der-wein-der-roemer), zuletzt geprüft am 09.04.2025.

-&gt; Löcher, Claudia; Pfyl, Roger: Bier im römischen Reich, in: Museumsblog Museum Aargau online verfügbar seit 10.10.2022 unter: [https://www.museumaargau.ch/blog/artikel/bier-in-den-noerdlichen-provinzen-des-roemischen-reiches](https://www.museumaargau.ch/blog/artikel/bier-in-den-noerdlichen-provinzen-des-roemischen-reiches), zuletzt geprüft am 14.07.2025.

-&gt; National Geographic: Backen wie die Römer: So wird historisches Pompeji-Brot gebacken, in: National Geographic online, online verfügbar seit 28.05.2021 unter [https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2021/05/backen-wie-die-roemer-so-wird-historisches-pompeji-brot-gebacken-vulkan-asche-rezept](https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2021/05/backen-wie-die-roemer-so-wird-historisches-pompeji-brot-gebacken-vulkan-asche-rezept), zuletzt geprüft am 05.04.2025.

Sekundärliteratur

-&gt; Kemkes, Martin u. Wötzel, Judith: Römer, Limes, Welterbe. Das Limesmuseum Aalen, Oppenheim am Rhein 2024, S. 188.

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# Religion



# Abweichende Religionen / Kulte / ,,Heidentum''

#### Inhaltsverzeichnis

1. Funde des römischen Mithraskultes in Bingen
2. ,,Orientalische'' Gottheiten im römischen Rheinland

##### 1. Funde des römischen Mithraskultes in Bingen 

Der römische Mithraskult war ein Mysterienkult. Die Eingeweihten waren daher zur Geheimhaltung der Riten verpflichtet. Der Gott Mithras war kein römischer Gott, er hatte seine Ursprünge im heutigen Iran und auch in Indien, wo er [<dfn title="Bischofsmütze.">Mitra</dfn>](https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/glossar/begriffe/eintrag/mitra.html) hieß und seit dem 14. Jahrhundert v. Chr. überliefert ist. Er war in seiner römischen Ausformung der am meisten verehrte, heidnische Gott der Spätantike. In seiner frühen Zeit galt Mithras als Gott des Vertrages und des Bundes, aber auch als Gott der Jagd.In hellenistischer Zeit wurde Mithras mit den griechischen Sonnengöttern Helios und Apollo gleichgesetzt. In seiner römischen Ausformung ist der Kult erst ab dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. archäologisch, epigraphisch und durch Schriftquellen nachweisbar. Eine Aufwertung des Mithras fand bereits statt, bevor die Römer mit ihm in Berührung kamen. Im römischen Kult stand Mithras außerdem für bestimmte ethische Vorstellung wie Wahrheit, Gerechtigkeit und eine reine Lebensführung.

Nach der Etablierung des römischen Mithraskultes in Rom und Italien kam es zu einer schnellen Ausbreitung im gesamten Reichsgebiet. Maßgeblich beteiligt an der Verbreitung des Kultes waren die römischen Soldaten, welche zumindest in jener Zeit die Hauptträger des Kultes waren. Durch die Trägerschaft des Militärs ist der Kult in Grenzgebieten mit hoher Militärpräsenz archäologisch greifbarer als andernorts.Zur Ausbreitung des Kultes trug auch bei, dass verschiedene Kaiser den Kult nicht nur duldeten, sondern sogar förderten. So wurde Mithras oft mit dem römischen Sonnengott Sol Invictus gleichgesetzt, welcher wiederum eng mit dem Kaiserkult in Verbindung stand. Loyalität und Vertragstreue waren zwei Merkmale, für die Mithras und Sol Invictus gleichermaßen standen und den Ansprüchen des Kaisertums entsprachen. Ab Commodus und den severischen Kaisern setzten sich die Herrscher häufig als Repräsentant des Sonnengottes Sol Invictus in Szene und verhalfen somit auch dem römischen Mithraskult zu großer Popularität.

Die Kultstätten des römischen Mithraskultes waren die sogenannten Mithräen. Diese waren immer nach einem gleichen Schema aufgebaut. Sie bestanden aus einem langgestreckten, fensterlosen Kultraum, auch *cella*genannt, der unter den Erdboden gegraben wurde. Flankiert wurde der Raum durch jeweils eine Podienreihe rechts und links, auf denen die Kultteilnehmer sitzen oder liegen konnten. An der Stirnseite eines Mithräums stand immer ein großes Kultbild am Ende des Kultraums. Zumeist handelte sich dabei um ein Relief. Manche Kultbilder waren sogar drehbar und deshalb beidseitig reliefiert. Jedes Mithräum hatte einen oder mehrere Vorräume, welche von einer Straße aus betreten werden konnten. Von diesem führte eine Treppe in den tieferliegenden Kultraum. Der Vorraum war vermutlich durch Türen vom Kultraum abgegrenzt, damit die Kulthandlungen im Geheimen abgehalten werden konnten. Die Mithräen, welche in den germanischen Provinzen gefunden wurden, hatten alle einen Kultraum, der im Durchschnitt sechs Meter breit, und zwölf Meter lang war.

Die Mithräen waren immer dunkel, da sie nach der mithrischen Mythologie die Grotte symbolisieren sollten, in der Mithras den Stier tötete, aus dem alles Leben erschaffen wurde. In der Kultlegende des Mithras nimmt diese Episode der Stiertötung – die Tauroktonie - eine zentrale Rolle ein. Für die großen Kultbilder wurde diese Szene stets verwendet. Laut der Mithraslegende sollte Mithras auf Befehl des Sonnengottes Sol – der den Befehl wiederum vom Gott Saturn bekommen hatte – den Stier, aus dem alles Leben entstehen soll, fangen und töten. Nachdem Mithras den Stier gefangen, ihn in eine Grotte geschleppt und ihn getötet hatte, entstanden durch diese Tötung sowohl die Welt, als auch das Weltall. Nach der Tötung verspeisten Mithras und Sol den Stier bei einem gemeinsamen Mahl. Nach dem Mahl fuhr Mithras zusammen mit Sol auf dessen Sonnenwagen in den Himmel und schützte seitdem von dort seine Anhänger gegen alles Böse.Dieses Mahl wurde wahrscheinlich bei den Kulthandlungen für Mithras nachgeahmt.

Das System der Mithrasmysterien war durch sieben Weihegrade organisiert, die ein Eingeweihter des Kultes durchschreiten konnte. Inschriftlich sind die Weihegrade nur selten bezeugt. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der größere Anteil der Kultanhänger lediglich in die Mysterien eingeweiht war, aber nur wenige die Weihestufen durchschritten. Denn das Durchschreiten der Weihegrade fand nur auf freiwilliger Basis statt. Die mit Abstand am meisten inschriftlich belegten Weihegrade sind der 4. Grad leo und der 7. und höchste Grad pater. Die vergleichsweise häufige Nennung des Weihegrades pater als höchster Weihegrad macht Sinn, da ein Anhänger des Mithraskultes es naturgemäß sicherlich gerne jedem mitteilen mochte, wenn von ihm der höchste Grad erreicht wurde. Der 4. Grad leo ist eventuell ein Übergangsgrad von den niederen zu den höheren Weihegraden, dessen Erreichen ebenfalls gerne mitgeteilt wurde. Die sieben Weihegrade standen in enger Verbindung mit den sieben Planetengöttern. Das Durchlaufen der Weihegrade symbolisierte den Aufstieg durch die Planeten bis hinauf zum Himmel, in dem Mithras wohnte. Die Weihegrade sind entweder durch die Abbildung ihrer Symbole oder durch die Abbildung der Planetengötter auf nahezu jedem Kultbild in Mithräen zu sehen.

##### 2. ,,Orientalische'' Gottheiten im römischen Rheinland

[![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-05/scaled-1680-/tEnimage.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-05/tEnimage.jpeg)

<div class="information-object__top" id="bkmrk-kultbild-mit-darstel"><div class="outer-wrapper"><div class="information-object-mood
                    "><div class="information-object-mood__mood-image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><figcaption class="content-images__caption">Kultbild mit Darstellung des stiertötenden Mithras aus Dormagen, Weihung des C. Amandinius Verus für Mithras, Kalkstein, Höhe 51cm.

</figcaption></figure></div></div></div></div></div><div class="clear" data-reader-unique-id="61" id="bkmrk-1.-einleitung-%E2%80%9Eder-m"><figure data-reader-unique-id="62">**1. Einleitung**

„*Der Man­gel an emo­tio­na­len Ele­men­ten, der im­mer wie­der in der Ge­schich­te der rö­mi­schen Re­li­gi­on zu Neue­run­gen ge­führt hat, be­güns­tig­te* \[…\] *das Auf­kom­men der ori­en­ta­li­schen Kul­te.* \[…\] *In ih­nen war ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­zie­hung zwi­schen der hei­li­gen Ge­schich­te und dem Le­ben des Gläu­bi­gen ge­ge­ben, und ih­re fremd­ar­ti­gen For­men wa­ren eben dar­um ein­drucks­vol­ler als die rö­mi­schen, weil sie bis­her un­ge­kann­te Ge­füh­le ver­mit­tel­ten*.“[<sup>\[1\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5705) Mit die­sen Wor­ten be­schreibt der Alt­his­to­ri­ker Kurt Lat­te in sei­ner „Rö­mi­schen Re­li­gi­ons­ge­schich­te“ das Auf­kom­men und die An­zie­hungs­kraft der so ge­nann­ten ori­en­ta­li­schen Re­li­gio­nen[<sup>\[2\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5704) auf die Men­schen der rö­mi­schen Kai­ser­zeit. Die Rö­mer hat­ten ei­nen Teil die­ser Kul­te be­reits in frü­he­ren Zei­ten ken­nen­ge­lernt, so zum Bei­spiel den Kult der Ma­ter Ma­gna. An­de­re Gott­hei­ten wur­den erst im Lauf der ers­ten Jahr­hun­der­te n. Chr. durch Sol­da­ten und Händ­ler aus dem Os­ten des Rei­ches nach Rom ge­bracht, von der dor­ti­gen Be­völ­ke­rung re­zi­piert und auf ähn­li­chen We­gen wei­ter in den Nor­den und Wes­ten des Im­pe­ri­ums ge­tra­gen. Hier nah­men gro­ße Tei­le der Pro­vinz­be­völ­ke­rung die neu­en Göt­ter an und ver­ehr­ten sie fort­an zu­sam­men mit den rö­mi­schen und ein­hei­mi­schen Gott­hei­ten. Auch im Rhein­land, der Pro­vinz Ger­ma­nia in­fe­ri­or, fan­den die Kul­te aus dem Os­ten des Rei­ches An­hän­ger. Es ver­wun­dert da­her nicht, dass hier auch heu­te noch Re­lik­te der ‚neu­en‘ Re­li­gio­nen bei Aus­gra­bun­gen ans Ta­ges­licht kom­men.

Im Fol­gen­den sol­len ein­zel­ne ori­en­ta­li­sche Gott­hei­ten und de­ren Kul­te mit Fun­den aus dem Rhein­land vor­ge­stellt wer­den. Da­bei wird haupt­säch­lich auf kul­ti­sche Klein­f­un­de und In­schrif­ten als Quel­len zu­rück­ge­grif­fen, da kei­ne Be­le­ge an­ti­ker Au­to­ren zu den ori­en­ta­li­schen Re­li­gio­nen im Rhein­land über­lie­fert sind. Au­ßer­dem wer­den bau­li­che Be­fun­de her­an­ge­zo­gen, um Über­lie­fe­rungs­lü­cken zu schlie­ßen und das Bild der Kul­te so weit wie mög­lich ab­zu­run­den.

**2. Forschungsgeschichte**

Wer sich heu­te mit dem The­ma der ori­en­ta­li­schen Re­li­gio­nen im Rhein­land be­schäf­tigt, kann auf das Stan­dard­werk von Schwert­heim aus dem Jah­re 1974 zu­rück­grei­fen. In „Die Denk­mä­ler ori­en­ta­li­scher Gott­hei­ten im rö­mi­schen Deutsch­lan­d“ be­han­delt er um­fas­send die auf dem ehe­mals rö­mi­schen Ter­ri­to­ri­um in Deutsch­land ge­mach­ten Ent­de­ckun­gen. Er be­schreibt und in­ter­pre­tiert ne­ben In­schrif­ten und kul­ti­schen Fund­stü­cken auch Bau­for­men, Struk­tu­ren und Funk­tio­nen frei­ge­leg­ter Tem­pel­an­la­gen. Er cha­rak­te­ri­siert die nach­ge­wie­se­nen Gott­hei­ten und re­kon­stru­iert – so­weit mög­lich – ih­re Kul­te. [<sup>\[3\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5706) Eben­falls 1974 er­schien ei­ne Un­ter­su­chung von Ris­tow, die sich mit Mi­thras, ei­nem der Haupt­göt­ter der ori­en­ta­li­schen Gott­hei­ten be­schäf­tigt. Dar­in legt der Au­tor Fun­de und Be­fun­de des ur­sprüng­lich ira­nisch-per­si­schen Got­tes aus dem rö­mi­schen Köln vor und ar­bei­tet ih­re Be­deu­tung für die Stadt- wie Re­li­gi­ons­ge­schich­te Kölns her­aus.[<sup>\[4\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5707) Es folg­te ei­ne Rei­he von Ein­zel­pu­bli­ka­tio­nen, die be­deu­ten­de Neu­fun­de ei­ner brei­te­ren Öf­fent­lich­keit vor­stell­ten. 1986 ver­öf­fent­lich­te Schwert­heim ei­ne Zu­sam­men­fas­sung sei­ner 1974 ge­won­ne­nen Er­geb­nis­se, die er un­ter dem Ein­druck aus­ge­wähl­ter Neu­fun­de er­neut auf den Prüf­stand stell­te.[<sup>\[5\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5708) Die­se Ar­beit wur­de 2003 von Bil­ler fort­ge­setzt und ei­ne Er­wei­te­rung des Schwert­heim­schen Ka­ta­logs für die nie­der­ger­ma­ni­sche Pro­vinz vor­legt. [<sup>\[6\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5709)

Den vor­läu­fi­gen Hö­he­punkt der re­li­gi­ons­ge­schicht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit den Gott­hei­ten im Rhein­land bil­det Spi­cker­manns Un­ter­su­chung von 2008 „Ger­ma­nia in­fe­ri­or. Re­li­gi­ons­ge­schich­te des rö­mi­schen Ger­ma­ni­en II“. Dar­in be­han­delt er sämt­li­che nach­ge­wie­se­nen Gott­hei­ten, wo­bei er de­ren In­schrif­ten, kul­ti­schen Fun­de so­wie Tem­pel­an­la­gen in ih­rer Be­deu­tung und zeit­li­chen Stel­lung be­wer­tet. Un­ter an­de­rem legt er ei­nen Schwer­punkt auf die ori­en­ta­li­schen Re­li­gio­nen.[<sup>\[7\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5710)

Schlie­ß­lich sei auf die 2013 und 2014 im Ba­di­schen Lan­des­mu­se­um Karls­ru­he ge­zeig­te Son­der­aus­stel­lung „Im­pe­ri­um der Göt­ter. Isis, Mi­thras, Chris­tus. Kul­te und Re­li­gio­nen im Rö­mi­schen Reich“ ver­wie­sen, die die ori­en­ta­li­schen Re­li­gio­nen im ge­sam­ten Rö­mi­schen Reich the­ma­ti­sier­te und al­te und neue For­schun­gen ei­ner kri­ti­schen Prü­fung un­ter­zog.[<sup>\[8\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5711)

**3. Die orientalischen Religionen**

Un­ter den ori­en­ta­li­schen Re­li­gio­nen sind in ers­ter Li­nie Kul­te zu ver­ste­hen, die ur­sprüng­lich aus dem Os­ten des Rei­ches stamm­ten und über ver­schie­de­ne Trä­ger in den Wes­ten ge­lang­ten. Ein Teil da­von wird in der Wis­sen­schaft auch als „Mys­te­ri­en­re­li­gio­nen“ be­zeich­net, wie bei­spiels­wei­se die Kul­te des Mi­thras oder der Ky­be­le und des At­tis. Die Be­son­der­heit die­ser Ver­eh­rungs­for­men be­stand dar­in, dass sie im Ge­gen­satz zu den öf­fent­li­chen Kul­ten der rö­mi­schen Re­li­gi­on häu­fig im Ver­bor­ge­nen prak­ti­ziert wur­den. So­mit ent­stand ei­ne ge­woll­te Tren­nung der Ein­ge­weih­ten von den Au­ßen­ste­hen­den, durch die ei­ne Be­wah­rung von Kult­ge­heim­nis­sen ge­währ­leis­tet wer­den soll­te. Da­von ab­ge­se­hen ver­spra­chen ei­ni­ge die­ser Kul­te die Er­lö­sung des Men­schen von sei­nen ir­di­schen Sün­den nach dem Tod. Die­se Er­lö­sungs­leh­re, die auch das Chris­ten­tum prägt, um­fasst nicht nur die Lö­sung ir­di­scher Pro­ble­me, son­dern auch das Ver­ge­ben von Schuld bis hin zum Le­ben nach dem Tod. Vor­aus­set­zung war al­ler­dings die Hin­ga­be des Gläu­bi­gen an die Gott­heit und de­ren Lit­ur­gie. So konn­te man bei­spiels­wei­se in­ner­halb ei­ner mi­thrai­schen Ge­mein­de­hier­ar­chie ver­schie­de­ne Rän­ge er­rei­chen, die die An­hän­ger Schritt für Schritt der Er­lö­sung nä­her­brach­ten. Auch die Über­schau­bar­keit der An­hän­ger­grup­pen üb­te auf den Ein­zel­nen ei­nen ge­wis­sen Reiz aus, fühl­te er sich hier­durch ei­ner Ge­mein­schaft zu­ge­hö­rig und mit sei­nen per­sön­li­chen Wün­schen und Pro­ble­men an­ge­nom­men. All dies un­ter­schied die ‚neu­en‘ Re­li­gio­nen von den eta­blier­ten rö­mi­schen und trug zu ih­rer Ver­brei­tung bei. An­de­re ori­en­ta­li­sche Gott­hei­ten, wie Iu­pi­ter Do­li­che­nus, bo­ten kei­ne Er­lö­sungs­ver­spre­chen, son­dern wur­den auf­grund ih­rer Exo­tik oder ih­rer Stär­ke ver­ehrt. Ih­re An­hän­ger­schaft re­kru­tier­te sich zu­meist aus fes­ten so­zia­len Be­rufs­grup­pen und ih­rer wur­de kaum in an­de­ren Kon­tex­ten ge­dacht.

<div class="information-object-paragraph__image"> </div>**4. Mithras**

Nach Cu­mont ist heu­te über den Mi­thras­kult so­viel be­kannt, als stün­den als In­for­ma­ti­ons­quel­len zur Leh­re des Chris­ten­tums le­dig­lich das Al­te Tes­ta­ment und die Res­te mit­tel­al­ter­li­cher Ba­si­li­ken zur Ver­fü­gung. Das zeigt, wie schwie­rig es ist, aus ar­chäo­lo­gi­schen, in­schrift­li­chen und we­ni­gen (vor­rö­mi­schen) li­te­ra­ri­schen Quel­len In­for­ma­tio­nen zu Ent­ste­hung, Lit­ur­gie oder An­hän­ger­schaft des Kul­tes zu ge­win­nen. Denn ob­wohl Mi­thras im ge­sam­ten Rö­mi­schen Reich An­hän­ger hat­te und be­son­ders häu­fig im Wes­ten ver­ehrt wur­de, sind nur Um­ris­se des Kult­ge­sche­hens und der mi­thrai­schen Leh­re zu fas­sen:

Be­reits im 14. Jahr­hun­dert v. Chr. be­geg­net der Gott Mi­tra in ei­nem Ver­trags­text aus Ha­tuša, der Haupt­stadt des He­thi­ter­rei­ches, das sich im 2. Jahr­tau­send v. Chr. über wei­te Tei­le Ana­to­li­ens und Nord­sy­ri­ens er­streck­te. Als al­ti­ra­ni­scher Gott der Freund­schaft, des Rechts und des Ver­trags wird er aus Per­si­en und In­di­en über­lie­fert, wo er in li­te­ra­ri­schen Quel­len, wie den Bü­chern des Aves­ta[<sup>\[9\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5712) und der Ve­den[<sup>\[10\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5713) , er­wähnt wird. Im 1. Jahr­hun­dert v. Chr. wird Mi­thras in Ver­bin­dung mit dem Son­nen­gott He­li­os so­wie Apol­lon und Her­mes zu ei­nem der Haupt­göt­ter Kom­ma­ge­nes, im Os­ten der heu­ti­gen Tür­kei. Sei­ne Ei­gen­schaf­ten als Kämp­fer ge­gen das Bö­se und Ver­kör­pe­rung des Gu­ten führ­ten da­zu, dass er hier ei­ne ex­po­nier­te Stel­lung in­ner­halb des Herr­scher­kul­tes ein­nahm. So taucht er in In­schrif­ten und Re­li­efs oft in Ver­bin­dung mit den hel­le­nis­ti­schen Kö­ni­gen Kom­ma­ge­nes auf, wie An­tio­ch­os I. (69–cir­ca 36 v. Chr.), so zum Bei­spiel auf der Kult­ter­ras­se sei­nes Grab­hü­gels, dem 2.150 Me­ter ho­hen Nem­rud Dag­hı. Auch im Kult­be­zirk des An­tio­ch­os in Ar­sa­meia am Nym­phai­os fan­den sich Re­li­efs und Skulp­tu­ren des Mi­thras, die ihn un­ter an­de­rem im Hand­schlag mit An­tio­ch­os I. zei­gen. Im 1. Jahr­hun­dert n. Chr. er­schien Mi­thras - mit kul­ti­schen Mo­di­fi­ka­tio­nen ver­se­hen - vor al­lem im Wes­ten des Rei­ches. Er wur­de nun in Form ei­ner Mys­te­ri­en­re­li­gi­on ver­ehrt, bei der nur ein­ge­weih­ten Ge­mein­de­mit­glie­dern die Teil­nah­me an den Kult­fei­ern er­laubt war. Die­se tra­fen sich in un­ter­ir­di­schen Räu­men be­zie­hungs­wei­se Höh­len nach­emp­fun­de­nen Ver­samm­lungs­stät­ten zum Got­tes­dienst. Über den Ver­lauf der kul­ti­schen Hand­lun­gen ist kaum et­was über­lie­fert. Das, was heu­te zu re­kon­stru­ie­ren ist, stützt sich in ers­ter Li­nie auf epi­gra­phi­sche so­wie ar­chäo­lo­gi­sche Quel­len.

</figure></div>[![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-05/scaled-1680-/zseimage.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-05/zseimage.jpeg)

<div class="content-images" id="bkmrk-mithrasstele-%28links-"><figure class="content-images__image"><figcaption class="content-images__caption">Mithrasstele (links neben dem Gott wäre Antiochos I. zu rekonstruieren), Arsameia.

</figcaption></figure></div>Eben­so bleibt wei­ter­hin im Un­kla­ren, wann und wie aus dem kom­ma­ge­ni­schen Staats­kult ein rö­mi­scher Mys­te­ri­en­kult wur­de. Die Theo­ri­en über den Ur­sprung des Mi­thras­kul­tes sind da­her viel­fäl­ti­ger Na­tur.[<sup>\[11\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5714)

Ei­nen für die Re­kon­struk­ti­on der kul­ti­schen Ent­wick­lung wich­ti­gen Fund mach­ten Müns­te­ra­ner Al­ter­tums­wis­sen­schaft­ler 1997 und 1998 im an­ti­ken Do­li­che, dem heu­ti­gen Dülük, cir­ca 200 Ki­lo­me­ter süd­west­lich des Nem­rud Dag­hı, in der Nä­he der heu­ti­gen Stadt Ga­zi­an­tep ge­le­gen. Un­ter dem an­ti­ken Sied­lungs­hü­gel ver­steckt fan­den sie zwei Höh­len, in de­nen Res­te von Kult­bil­dern auf zwei Tem­pel des Mi­thras, so ge­nann­ten Mi­thrä­en, hin­deu­te­ten. Bei­de Höh­len wa­ren in an­ti­ker Zeit durch ei­nen ge­mein­sa­men Ein­gang zu­gäng­lich und nach au­ßen durch Mau­ern den Bli­cken der Öf­fent­lich­keit ent­zo­gen. Bis zu ih­rer Ent­de­ckung En­de der 1990er Jah­re war die­ser Zu­gang durch Ero­si­on weit­ge­hend ver­schüt­tet, so dass die Be­fun­de über Jahr­hun­der­te ver­schlos­sen blie­ben. Bei­de Kul­t­räu­me, die in ei­nem an­ti­ken Stein­bruch an­ge­legt wor­den wa­ren, ver­füg­ten über au­ßer­ge­wöhn­li­che Aus­ma­ße[<sup>\[12\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5715) , was auf ei­ne gro­ße Kult­ge­mein­de in­ner­halb Do­li­ches hin­deu­tet. In bei­den Kam­mern be­fand sich an der Stirn­sei­te je­weils ein Kult­re­lief, das von den Mi­thras­an­hän­gern in den Fels ge­mei­ßelt wor­den war.

Dar­ge­stellt war die ka­no­ni­sche Stier­tö­tung des Mi­thras (Tau­roc­to­nie), wel­che zum In­ven­tar ei­nes je­den Mi­th­räums ge­hör­te und der zen­tra­le Be­stand­teil der Kult­le­gen­de war. Die Be­son­der­heit des Do­li­cher Be­fun­des be­stand dar­in, dass die Kult­sze­nen in bei­den Höh­len na­he­zu voll­stän­dig ab­ge­schla­gen wa­ren und sich die Zer­stö­rer in Kul­t­raum A durch das Ein­fü­gen ei­nes Kreu­zes an­stel­le des Kop­fes des Mi­thras als Chris­ten zu er­ken­nen ge­ge­ben hat­ten. Of­fen­sicht­lich wur­den bei­de Höh­len nach ih­rer Nut­zung durch An­hän­ger des christ­li­chen Glau­bens als heid­ni­sche Kult­stät­te ge­äch­tet und die Re­lik­te des Kul­tes un­kennt­lich ge­macht. Dies er­klärt auch, war­um wäh­rend der Aus­gra­bun­gen kei­ne Kult­ge­gen­stän­de zu­ta­ge ge­för­dert wur­den und Res­te des In­ven­tars fehl­ten. Al­ler­dings fan­den die Müns­te­ra­ner For­scher ei­ne Mün­ze des Se­l­euk­iden An­tio­ch­os IX (115-95 v. Chr.) auf dem Bo­den ei­nes der Mi­thrä­en, die ei­nen An­halts­punkt zur Da­tie­rung der An­la­gen lie­fer­te. Die Kul­t­räu­me wer­den dem­nach seit dem ers­ten vor­christ­li­chen Jahr­hun­dert in Be­nut­zung ge­we­sen sein und ei­ne Kult­ge­mein­de be­her­bergt ha­ben, die an die­sem Ort die Mys­te­ri­en­fei­ern des Mi­thras voll­zog.[<sup>\[13\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5716)

[![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-05/scaled-1680-/1NSimage.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-05/1NSimage.jpeg)

<div class="content-images" id="bkmrk-das-erste-mithr%C3%A4um-i"><figure class="content-images__image"><figcaption class="content-images__caption">Das erste Mithräum in Doliche nach seiner touristischen Erschließung. (Doliche &amp; Kommagene - Forschungsstelle Asia Minor)

</figcaption></figure></div>**4.1. Mithras in den germanischen Provinzen**

Ei­ne Zu­sam­men­stel­lung der mi­thrai­schen Be­fun­de im Jahr 2008 er­brach­te acht nach­ge­wie­se­ne Tem­pel auf dem Ge­biet der Ger­ma­nia in­fe­ri­or - ei­ne ge­rin­ge Zahl im Ver­gleich zu Ober­ger­ma­ni­en, wo bis­lang 36 Mi­thrä­en ent­deckt wur­den. Ih­re Ver­tei­lung ori­en­tiert sich in ers­ter Li­nie ent­lang der Rhein­li­nie, an der ent­spre­chen­de Tem­pel in der Nä­he von Kas­tel­len be­zie­hungs­wei­se in­ner­halb der Pro­vinz­haupt­stadt Köln an­ge­legt wur­den. Die­ser Be­fund spricht da­für, dass die Haupt­trä­ger des Kul­tes Sol­da­ten wa­ren, die den Kult im Os­ten des Rei­ches be­zie­hungs­wei­se in Rom ken­nen­lern­ten und ihn bei Ver­le­gung in die Nord­west­pro­vin­zen in die neu­en Ein­satz­ge­bie­te im­por­tier­ten.[<sup>\[14</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5717)

**4.2. Xanten**

Auf dem Ge­biet der im Jahr 98 n. Chr. ge­grün­de­ten Co­lo­nia Ul­pia Traia­na (Xan­ten) wei­sen ins­ge­samt drei Fun­de auf ei­ne Mi­thras-Ver­eh­rung hin. Es han­delt sich um frag­men­ta­risch er­hal­te­ne Wei­hestei­ne, die süd­lich des an­ti­ken Stadt­ge­bie­tes im Be­reich ei­ner Le­gi­ons­zie­ge­lei ge­fun­den wur­den. Die Fund­stü­cke, wel­che zum In­ven­tar ei­nes Mi­th­räums ge­hör­ten, le­gen die Ver­mu­tung na­he, dass sich in rö­mi­scher Zeit in der Nä­he des Fund­or­tes ein Mi­thras-Hei­lig­tum be­fun­den hat. Ne­ben ei­nem Wei­hestein mit der er­hal­te­nen Büs­te des Sol und ei­ner Al­tar­n­eben­s­ei­te, die Cau­tes, ei­nen der Kult­die­ner des Mi­thras, zeigt, ist vor al­lem die voll­stän­dig er­hal­te­ne Wei­hung des Mar­cus Iu­li­us Mar­ti­us her­vor­zu­he­ben. Die­ser stif­te­te dem un­be­sieg­ba­ren Gott Mi­thras (*De­us In­vic­tus Mi­thras*) als Cen­tu­rio der 30. und 22. Le­gi­on ei­nen Wei­hestein im Jahr 189 n. Chr., als die bei­den Si­la­ni Kon­suln wa­ren. Auch wenn beim Auf­fin­den der Stü­cke im Jahr 1877 kei­ne bau­li­chen Struk­tu­ren ge­si­chert wur­den, dürf­te die Auf­stel­lung der Al­tä­re in­ner­halb ei­nes Hei­lig­tums als si­cher gel­ten.

[![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-05/scaled-1680-/Ez1image.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-05/Ez1image.jpeg)

**4.3. Krefeld-Gellep**

Im Jahr 1981 konn­ten bei Aus­gra­bun­gen in der Nä­he des an­ti­ken Kas­tells Gel­du­ba bei Kre­feld-Gel­lep die Res­te ei­nes Mi­th­räums frei­ge­legt wer­den. Die­se Holz-Er­de-Kon­struk­ti­on ver­füg­te, wie für den Grund­riss mi­thrai­scher Tem­pel üb­lich, über ei­nen 2,40 Me­ter brei­ten Mit­tel­gang, der an bei­den Sei­ten von 0,50 Me­ter ho­hen und 2 Me­ter brei­ten Po­di­en flan­kiert wur­de. Auf die­sen Po­di­en la­gen die An­hän­ger des Mi­thras beim Got­tes­dienst und nah­men das Kult­mahl ein. Zwei Holz­pfos­ten­dop­pel­rei­hen tru­gen die Dach­kon­struk­ti­on und mün­de­ten im Os­ten in ei­ne Ap­sis als Raum­ab­schluss. Ver­gleichs­fun­de an­de­rer Mi­thrä­en le­gen die Ver­mu­tung na­he, dass sich hier Al­tä­re be­zie­hungs­wei­se ein Kult­bild be­fan­den, von de­nen al­ler­dings kei­ne Spu­ren ge­si­chert wur­den. Un­ter den ge­bor­gen Ge­gen­stän­den sind Res­te von Ein­hen­kel­krü­gen und Öl­lam­pen so­wie ein Räu­ch­er­kelch­frag­ment her­vor­zu­he­ben. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass es sich hier­bei um Kult­ge­schirr be­zie­hungs­wei­se Kult­ge­gen­stän­de han­delt, die bei der Fei­er des Got­tes­diens­tes in Ge­brauch wa­ren. Die Nut­zungs­zeit des Tem­pels dürf­te im 2. Jahr­hun­dert n. Chr. lie­gen. Im 3. Jahr­hun­dert n.Chr. wur­den die bau­li­chen Res­te als Be­gräb­nis­platz ge­nutzt, wohl um die im Zu­ge von Fran­ken­ein­fäl­len ge­tö­te­ten Be­woh­ner des Kas­tells zeit­nah be­stat­ten zu kön­nen.

**4.4. Dormagen**

Beim Pflü­gen ei­nes Ackers wur­den 1821 bau­li­che Über­res­te ei­nes Mi­thras­tem­pels ge­fun­den. Lei­der wur­den da­mals kei­ne Ver­mes­sun­gen oder Auf­zeich­nun­gen an­ge­fer­tigt, so dass nur gro­be An­ga­ben da­zu über­lie­fert sind. Die Grö­ße des Kult­plat­zes er­streck­te sich auf 11,60 Me­ter Län­ge und 2,90 Me­ter Brei­te mit ei­nem Ge­wöl­be aus Guss­mau­er­werk. Ne­ben zwei in­schrif­ten­lo­sen Al­tä­ren, Ton- und Bron­zelam­pen und meh­re­ren Mün­zen von Ves­pa­si­an bis An­to­ni­nus Pi­us fan­den sich vor al­lem Frag­men­te zwei­er Kult­re­liefs, mit der für die Kult­le­gen­de ka­no­ni­schen Dar­stel­lung der Stier­tö­tung. Ei­nes der bei­den Re­li­efs war ab­ge­se­hen von der lin­ken obe­ren Ecke so­wie des Kop­fes des Got­tes voll­stän­dig er­hal­ten. Es zeigt ei­nen in ori­en­ta­li­scher Tracht auf ei­nem Stier kni­en­den Mi­thras, der mit ei­nem Dolch in sei­ner rech­ten Hand den Stier, den er an sei­nen Nüs­tern nach oben zieht, tö­tet. Die bei­den auf Ver­gleichs­fun­den den Gott be­glei­ten­den Kult­die­ner Cau­tes und Cau­topa­tes feh­len in die­ser Dar­stel­lung. Die er­hal­te­ne Wei­hin­schrift weist C(ai­us) Aman­di­ni­us Ver­us, ei­nen Horn­blä­ser (*bu­ci­na­tor*), als Stif­ter die­ses Kult­bil­des aus.[<sup>\[16\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5719)

**4.5. Köln**

Auf dem Ge­biet der Co­lo­nia Clau­dia Ara Agrip­pi­nen­si­um (CCAA) wur­den bis­lang zwei Tem­pel des Mi­thras er­gra­ben (Rich­mod­stra­ße und Rö­mi­sche Ha­fen­stra­ße). Ein wei­te­rer wird in der Zeug­haus­stra­ße ver­mu­tet, konn­te aber im Jahr 1958 nur an­ge­schnit­ten und nicht voll­stän­dig ge­si­chert wer­den. Das Mi­th­räum in der Rich­mod–/Ecke Brei­te­stra­ße war Ost-West ori­en­tiert und hat­te ei­ne Län­ge von mehr als 10 Me­ter bei ei­ner Brei­te von 7,50 Me­ter. Die Po­di­en wa­ren aus Tuff­mau­er­werk er­rich­tet und 2 Me­ter breit. Ei­ne si­cher öst­lich an­schlie­ßen­de Ap­sis konn­te nicht mehr nach­ge­wie­sen wer­den. In die So­ckel­wän­de der Lie­ge­bän­ke wa­ren ins­ge­samt drei Kult­ni­schen ein­ge­las­sen, die durch ei­nen 0,70 Me­ter x 0,70 Me­ter gro­ßen in den Fuß­bo­den ver­senk­ten Op­fer­kas­ten, wel­cher Asche und Holz­koh­le ent­hielt, er­gänzt wur­den. Die zahl­rei­chen Fun­de, die in der Aus­gra­bung von 1927 ent­deckt wur­den, wei­sen den Bau ein­deu­tig als Mi­th­räum aus.

1968 wur­de in der Nä­he des Süd­por­tals des Köl­ner Doms ein wei­te­res Mi­thras-Hei­lig­tum ge­si­chert. Es be­saß ei­nen Vor­raum, der schma­ler als der Kul­t­raum und über sechs Trep­pen­stu­fen zu er­rei­chen war. Im Os­ten lei­te­te der Vor­raum in den Kul­t­raum über, der ei­ne Län­ge von un­ge­fähr 11 Me­ter und ei­ne Brei­te von et­wa 5,80 Me­ter maß. Die in­ne­ren Ma­ße schwank­ten, da der Bau ver­mut­lich auf ei­nen Vor­gän­ger­bau Rück­sicht nahm. So wie­sen auch die bei­den Po­di­en Brei­ten von 1,20 bis 1,60 Me­ter auf. Auch hier fan­den sich Kult­ni­schen, in de­nen noch klei­ne Al­tä­re be­zie­hungs­wei­se Sta­tu­en­so­ckel stan­den.

Von der gro­ßen Be­deu­tung des Kul­tes in der rö­mi­schen Pro­vinz­haupt­stadt zeu­gen die zahl­rei­chen Fun­de, die der Mi­thras­ver­eh­rung zu­ge­spro­chen wer­den kön­nen. Der Ka­ta­log von Ris­tow zählt al­lein 30 Fun­de aus dem rö­mi­schen Stadt­be­zirk und wei­te­re sie­ben aus der un­mit­tel­ba­ren Um­ge­bung auf. Dar­un­ter sind ne­ben Kult­ge­fä­ßen mit mi­thrai­schen Sym­bo­len und zahl­rei­chen Re­li­efs mit Ab­bil­dun­gen der Mi­thras-My­tho­lo­gie, zum Bei­spiel ei­nes mit der so­ge­nann­ten Fels­ge­burt des Mi­thras, auch ei­ni­ge In­schrif­ten. Die Wei­hung ei­nes Ti­be­ri­us Cl(au­di­us?) Ro­ma­ni­us, der sich als Ve­te­ran zu er­ken­nen gibt, be­fin­det sich auf ei­nem qua­li­tät­vol­len Al­tar, der lei­der un­voll­stän­dig er­hal­ten ist. Die Re­li­ef­dar­stel­lung stellt den Gott Sol dar, ne­ben dem ur­sprüng­lich Mi­thras plat­ziert war, wie die In­schrift ver­mu­ten lässt. Die lin­ke Schmal­sei­te zeigt ei­nen run­den Al­tar, auf dem ein Glo­bus mit ei­nem Son­nen­kreuz liegt. Die rech­te Schmal­sei­te ent­hält kei­ne Dar­stel­lung. Of­fen­sicht­lich war sie in ih­rer ur­sprüng­li­chen Po­si­ti­on im Mi­th­räum nicht ein­seh­bar. Ein wei­te­rer in­schrift­li­cher Hin­weis auf Mi­thras­an­hän­ger be­fin­det sich auf ei­ner Plat­te aus Sand­stein, die in meh­re­ren Frag­men­ten in der Nä­he des Tem­pels in der Rich­mod­stra­ße ge­fun­den wur­de. Es han­delt sich um den Grab­stein des Ex­so­chus, ei­nes rö­mi­schen Wa­gen­len­kers (*es­se­da­ri­us*), den ein Ka­me­rad so­wie des­sen Frau für ihn ge­setzt ha­ben. In­ter­es­san­ter­wei­se wur­de nach­träg­lich das Wort cor\[a\]x hin­zu­ge­fügt. Die Be­zeich­nung „Ra­be“ ent­spricht ei­nem der Wei­he­gra­de der Mi­thras-Mys­ten und dürf­te in Kom­bi­na­ti­on mit dem Fund­ort ei­nen Be­zug zum Mi­thras-Kult her­stel­len.[<sup>\[17\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5720)

[![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-05/scaled-1680-/t86image.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-05/t86image.jpeg)

<div class="content-images" id="bkmrk-felsgeburt-des-mithr"><figure class="content-images__image"><figcaption class="content-images__caption">Felsgeburt des Mithras aus einem Kölner Mithräum, 3. Jh.v.Chr. (Römisch-Germanisches Museum)

</figcaption></figure></div>**4.6. Bornheim-Sechtem**

Im Jahr 1999 wur­de bei Aus­schach­tungs­ar­bei­ten für ein Neu­bau­ge­biet in Born­heim-Sech­tem, west­lich von Bonn, ein Mi­th­räum ent­deckt. Die Grö­ße von 13 Me­ter x 7 Me­ter ent­sprach in et­wa der­je­ni­gen, des Mi­th­räums in Kre­feld-Gel­lep, was auf ei­ne ähn­lich gro­ße An­hän­ger­schaft schlie­ßen lässt. Von ei­nem Vor­raum ge­lang­te man über ei­ne Trep­pe in den un­ter­ir­disch an­ge­leg­ten Kul­t­raum, der über ei­nen Mit­tel­gang und Po­di­en mit ei­ner Ver­blen­dung aus Tuff­mau­er­werk ver­füg­te. In den Mit­tel­gang so­wie in ei­nes der Po­di­en wa­ren Ni­schen ein­ge­las­sen, die Kult­ge­gen­stän­de und Res­te ei­ner Sta­tu­et­te, ver­mut­lich ei­nes Kult­die­ners, ent­hiel­ten. Un­ter die­sen Ge­gen­stän­den be­fan­den sich frag­men­tier­te Res­te senf­gel­ben Kult­ge­schirrs, die Sze­nen der Mi­thras-My­tho­lo­gie zeig­ten. Ne­ben ei­nem Lö­wen und ei­ner Schlan­ge war auch die Fi­gur ei­nes Kult­die­ners, ei­nes Cau­tes, in ori­en­ta­li­scher Tracht und er­ho­be­ner Fa­ckel ab­ge­bil­det. Er­gänzt wer­den könn­ten hier wei­te­re Sze­nen der My­tho­lo­gie wie zum Bei­spiel die Tö­tung des Stie­res durch Mi­thras.

Die bau­li­chen Über­res­te deu­ten dar­auf hin, dass das Mi­th­räum mehr­fach um­ge­baut wur­de und noch im 4. Jahr­hun­dert n. Chr. in Ge­brauch war. In­ter­es­san­ter­wei­se kann die­ser Kult­platz nicht mit der Prä­senz rö­mi­scher Trup­pen am Rhein in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den. Viel­mehr han­delt es sich hier­bei um ei­ne pri­va­te Stif­tung, die zu ei­nem na­he­ge­le­gen Guts­hof (*vil­la rusti­ca*) ge­zählt wer­den muss.[<sup>\[18\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5721)

**4.7. Bonn**

In Bonn wie­sen ar­chäo­lo­gi­sche Un­ter­su­chun­gen des 20. Jahr­hun­derts ein Mi­th­räum im Be­reich des vi­cus, auf dem heu­ti­gen Ge­län­de des Pa­lais Schaum­burg, nach. Schon 1962 wur­de ein zwei­ter Tem­pel des Mi­thras in­ner­halb der La­ger­vor­stadt ver­mu­tet, da in der ehe­ma­li­gen cana­bae le­gio­nis ein Mi­thrasal­tar ent­deckt wor­den war. Bau­li­che Res­te konn­ten da­mals nicht ge­fasst wer­den.[<sup>\[19\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5722) Im Jahr 2014 er­gab sich die Ge­le­gen­heit, im Vor­feld von Ka­nal­bau­ar­bei­ten, in die­sem Be­reich Aus­gra­bun­gen durch­zu­füh­ren. Ne­ben Res­ten der mit­tel­al­ter­li­chen Stadt­mau­er so­wie ei­ner Ufer­mau­er, konn­ten Mit­ar­bei­ter der Bon­ner Fir­ma Ar­chaeo­net, die mit der Un­ter­su­chung be­traut war, auch bau­li­che Über­res­te so­wie Fun­de ber­gen, wel­che die Exis­tenz ei­nes zwei­ten Bon­ner Mi­th­räums an die­ser Stel­le be­le­gen. Zu­nächst fan­den sich un­ter cir­ca 2,00 Me­ter di­cken Pla­nier­schich­ten Ge­bäu­de­res­te, die auf­grund ih­res tie­fen Ni­veaus, gut er­hal­ten wa­ren. Zwei in un­ter­schied­li­cher Tech­nik bis zu 1,10 Me­ter hoch er­hal­te­ne Mau­ern, wie­sen Res­te ei­ner ur­sprüng­li­chen Wand­be­ma­lung auf. Die Be­fun­de wa­ren durch ei­ne spät­an­ti­ke oder mit­tel­al­ter­li­che Stö­rung von­ein­an­der ge­trennt, so­dass ei­ne Re­kon­struk­ti­on des Ge­bäu­des nicht mög­lich war.

Den­noch las­sen die dort ge­si­cher­ten Fun­de dar­auf schlie­ßen, dass wir es hier mit ei­nem, den un­ter­ir­di­schen Höh­len des Mi­thras­kul­tes nach­emp­fun­de­nen, Tem­pel zu tun ha­ben. Von der In­nen­aus­stat­tung ha­ben sich u.a. vier Frag­men­te ei­nes Wei­he­al­tars aus Kalk­stein er­hal­ten, der von ei­nem hoch­ran­gi­gen Zen­tu­rio (PRIM(us) HAST(atus)) der 1. Bon­ner Le­gi­on Mi­ner­via (LEG(io) I Min(er­via)) ge­stif­tet wor­den war. Ne­ben der üb­li­chen Wei­he­schluss­for­mel (V(otum) S(ol­vit) L(ibens) M(eri­to)) ent­hält die In­schrift auch noch den Ge­burts­ort Bri­x­ell(um) des Stif­ters und sei­nen Stimm­be­zirk ARN(en­sis). Auch Res­te des Na­mens ha­ben sich er­hal­ten und kön­nen ver­mut­lich zum Co­gno­men (F)ir­mi­nia­nus er­gänzt wer­den.

Dar­über hin­aus wur­de ein klei­ner Kas­ten aus Kalk­stein ge­bor­gen mit ei­ner Ver­tie­fung an der Ober­sei­te, der dem D(eus) I(nvic­tus) M(ithras) ge­stif­tet war. Die Buch­sta­ben­res­te SEC und FL wer­den ver­mut­lich zum Stif­ter­na­men ge­hö­ren, der aber nicht mit Si­cher­heit zu er­gän­zen ist.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-fragment-eines-senf-"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/23690.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_23690.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Fragment eines senf-gelben Kultgeschirrs mit der Darstellung eines Löwen, 4. Jh.n.Chr.

</figcaption></figure></div> </div></div>Als ei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Fund, ist der be­schä­dig­te Rest ei­nes Ter­ra­kottaal­tars zu nen­nen, der of­fen­sicht­lich noch in sei­ner ur­sprüng­li­chen La­ge an ei­ner der Mau­ern des Mi­th­räums ent­deckt wur­de. Es han­delt sich um ei­nen Al­tar mit ei­ner Grund­flä­che von 0,36 Me­ter x 0,46 Me­ter und ei­ner Hö­he von 0,46 Me­ter. Ne­ben So­ckel und Ge­sims war er mit ei­ner auf­ge­setz­ten Schlan­ge aus Ter­ra­kot­ta ver­ziert, was auf sei­ne Zu­ge­hö­rig­keit zum In­ven­tar ei­nes Mi­th­räums hin­weist.

Auf­fäl­lig sind meh­re­re ster­nen­för­mi­ge Durch­brü­che auf der Front- und Schmal­sei­te, die of­fen­sicht­lich durch ei­ne Licht­quel­le, z.B. ei­ne Ker­ze, im In­ne­ren des Al­tars be­leuch­tet wur­den. Der Leucht­kör­per konn­te durch ei­ne recht­ecki­ge Öff­nung in der Rück­sei­te in die Kis­te hin­ein­ge­stellt wer­den. Wel­che Funk­ti­on die­se De­di­ka­ti­on im Rah­men des Kult­ge­sche­hens aus­üb­te muss vor­erst of­fen blei­ben.[<sup>\[20\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5723)

**5. Iupiter Dolichenus – Der orientalische Gott auf dem Stier**

*Gut Glück! Auf Ge­heiß des bes­ten und grö­ß­ten ewi­gen Ju­pi­ters von Do­li­che, dem Er­hal­ter der ge­sam­ten Welt, und der al­ler­ge­gen­wär­tigs­ten Gott­heit, dem un­be­sieg­ba­ren Er­näh­rer…* (Wei­hein­schrift aus dem 2. Jahr­hun­dert vom Aven­tin in Rom).

Iu­pi­ter Do­li­che­nus ist ei­ne Gott­heit, die Rät­sel auf­gibt: Im 2. und 3. Jahr­hun­dert n. Chr. ge­hör­te er zu den po­pu­lärs­ten Gott­hei­ten des Rö­mi­schen Rei­ches. Zu­vor nur von lo­ka­ler Be­deu­tung, brei­te­te sich der Kult im Rah­men der Wen­de vom 1. zum 2. Jahr­hun­dert n. Chr. bis nach Bri­tan­ni­en und Ger­ma­ni­en aus. Mit der ter­ri­to­ria­len Aus­deh­nung des Im­pe­ri­ums, die un­ter Tra­jan (98-117 n. Chr.) ih­ren Kul­mi­na­ti­ons­punkt er­reich­te, wur­den nicht nur die rö­mi­sche Kul­tur und Wirt­schaft in die er­ober­ten Ge­bie­te hin­ein­ge­tra­gen. Es kam auch zu ei­nem Im­port von Re­li­gio­nen und Kul­tu­ren, al­so ei­nem Trans­fer, meist durch Grup­pie­run­gen wie Sol­da­ten, Händ­lern und Ver­wal­tungs­per­so­nal her­bei­ge­führt.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-dem-mithras-kult-gew"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/23691.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_23691.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Dem Mithras-Kult geweihter Terrakotta-Altar. (LVR-LandesMuseum Bonn)

</figcaption></figure></div> </div></div>Der Kult des Iu­pi­ter Do­li­che­nus geht zu­rück auf den Baal von Do­li­che, ei­ne Berg­gott­heit, de­ren Ver­eh­rung je­doch bis heu­te le­dig­lich in Nord­sy­ri­en nach­ge­wie­sen wer­den konn­te. Iu­pi­ter Do­li­che­nus wur­de in rö­mi­scher Zeit mit dem Haupt­gott des rö­mi­sches Staats­kul­tes, dem blitz­schleu­dern­den Iu­pi­ter gleich­ge­setzt. Cha­rak­te­ris­tisch für die Dar­stel­lung des Got­tes ne­ben sei­ner ste­hen­den Hal­tung auf ei­nem Stier [<sup>\[21\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5724) , sind Dop­pel­axt und Blitz­bün­del, die er je­weils in er­ho­be­nen Hän­den hält. Über re­li­giö­se In­hal­te, wie den Got­tes­dienst, ist nur we­nig be­kannt. Zu ver­wei­sen ist an die­ser Stel­le auf die Gra­bungs­er­geb­nis­se der For­schungs­stel­le Asia Mi­nor der West­fä­li­schen-Wil­helms Uni­ver­si­tät Müns­ter. Seit 1997 un­ter­su­chen die Wis­sen­schaft­ler die Hin­ter­las­sen­schaf­ten der an­ti­ken Stadt Do­li­che. Be­son­ders die For­schungs­bei­trä­ge von Win­ter, die auf jah­re­lan­gen Aus­gra­bun­gen im Haupt­hei­lig­tum in Do­li­che fu­ßen, lie­fern wert­vol­le In­for­ma­tio­nen über Iu­pi­ter Do­li­che­nus.[<sup>\[22\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5725)

Hin­sicht­lich der wei­ten Ver­brei­tung des Kul­tes und der Er­wäh­nung von Sil­ber und Gold an Kult­ge­rä­ten in den über­lie­fer­ten In­schrif­ten, darf man sich ei­nen ein­drucks­vol­len und auf­wen­dig ge­stal­te­ten Got­tes­dienst vor­stel­len. Iu­pi­ter Do­li­che­nus war nicht nur Schüt­zer des Staa­tes und Er­hal­ter der Welt, er schenk­te auch den per­sön­li­chen Wün­schen sei­ner An­hän­ger Ge­hör. Dem­nach rief man ihn zum Bei­spiel für das ei­ge­ne Wohl­er­ge­hen oder das sei­ner An­ge­hö­ri­gen an. Be­son­ders die­se Viel­sei­tig­keit des Got­tes mach­te ihn für wei­te Tei­le der Be­völ­ke­rung at­trak­tiv.

Die gro­ße Aus­brei­tung des Kul­tes und das ge­rin­ge Wis­sen über des­sen re­li­giö­se In­hal­te ste­hen im Wi­der­spruch und wer­fen vie­le Fra­gen auf. Folgt man den kai­ser­li­chen In­schrif­ten, wur­de Iu­pi­ter Do­li­che­nus ge­bo­ren, wo das Ei­sen ent­steht (*na­tus ubi fer­rum na­sci­tur*). Die­se oft dis­ku­tier­te For­mu­lie­rung wird zwar vor al­lem für die An­hän­ger des Do­li­che­nus im Wes­ten des Im­pe­ri­ums ein wich­ti­ger Hin­weis auf des­sen Hei­mat im Ori­ent ge­we­sen sein, doch las­sen sich trotz­dem kei­ne kla­ren Rück­schlüs­se auf die Her­kunft des Got­tes zie­hen. Un­be­strit­ten ist je­doch, auf­grund sei­nes Bei­na­mens „Do­li­che­nus“, dass es sich um den Haupt­gott der Stadt Do­li­che han­delt. Ei­ne Stadt in der an­ti­ken Land­schaft Kom­ma­ge­ne im Süd­os­ten Klein­asi­ens am obe­ren Eu­phrat, die im Jahr 64 n. Chr. durch Pom­pei­us der Pro­vinz Sy­ria ein­ver­leibt wur­de. Der Kult des Iu­pi­ter Do­li­che­nus fand sei­ne grö­ß­te Re­zep­ti­on vor al­lem in Kas­tel­len, al­so mi­li­tä­ri­schen Be­zir­ken. Dies zeigt die gro­ße Be­deu­tung des Hee­res im Hin­blick auf die Ver­eh­rung des Iu­pi­ter als Gott der Waf­fen­schmie­de und sei­ne zü­gi­ge Ex­pan­si­on in wei­te Tei­le des Im­pe­ri­ums. Be­reits im 2. Jahr­hun­dert n. Chr. las­sen sich ers­te da­tier­te Denk­mä­ler in an­de­ren Tei­len des Im­pe­ri­ums auf­fin­den. Auf­fäl­lig ist hier­bei, dass die In­schrif­ten, Re­li­efs und Tem­pel vor­wie­gend in mi­li­tä­risch be­setz­ten Ter­ri­to­ri­en auf­ge­fun­den wur­den. Las­sen sich in Grie­chen­land, der Pro­vinz Asia oder Gal­li­en kei­ne Fun­de nach­wei­sen, so lie­fern die Grenz­pro­vin­zen Bri­tan­ni­en, Sy­ri­en, aber vor al­lem auch die Rhein- und Do­nau­pro­vin­zen zahl­rei­ches Ma­te­ri­al, das die Be­deu­tung des Kul­tes auch dort un­ter­mau­ert.[<sup>\[23\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5726)

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-blick-%C3%BCber-das-grabu"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/23692.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_23692.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Blick über das Grabungsgelände des Heiligtums des Iupiter Dolichenus, 2014. (Doliche &amp; Kommagene - Forschungsstelle Asia Minor)

</figcaption></figure></div> </div></div>**5.1. Xanten**

Bei Frei­le­gungs­ar­bei­ten in­ner­halb ei­nes Ma­tro­nen­hei­lig­tums wur­de ne­ben meh­re­ren an­de­ren sil­ber­nen Ob­jek­ten ein Löf­fel[<sup>\[24\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5727) mit Dar­stel­lung ei­ner Dop­pel­axt zu­ta­ge ge­bracht. Da­tie­ren lässt sich das Fund­ob­jekt auf das 2.-3. Jahr­hun­dert n. Chr. In der Mit­te des Sil­ber­löf­fels aus der In­su­la 20 der Co­lo­nia Ul­pia Traia­na, sind ne­ben der Dop­pel­axt, ei­ne Mu­schel und meh­re­re Blü­ten dar­ge­stellt. Die Blü­ten- und Knos­pen­mo­ti­ve wer­den von der Dop­pel­axt­dar­stel­lung aus­ge­hend, als Blitz­bün­del in­ter­pre­tiert. Dar­über hin­aus gel­ten bei­de Mo­ti­ve als Hin­weis auf den Kult der Iu­pi­ter Do­li­che­nus.

Aus Xan­ten-Bis­lich stammt au­ßer­dem ei­ne Vo­tiv­hand[<sup>\[25\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5728) aus Bron­ze, die eben­falls Iu­pi­ter Do­li­che­nus zu­ge­spro­chen wird. Die Hand weist ei­ne als Vo­gel­hals und –kopf ge­stal­te­te Öse an ih­rem un­te­ren En­de auf. Die Fin­ger der Hand sind leicht ge­beugt. Der Zei­ge­fin­ger, ober­halb des ers­ten Fin­ger­glie­des, ist ab­ge­bro­chen. Die Hand en­det in ei­ner Man­schet­te, die den Un­ter­arm an­deu­tet. Ver­mut­lich fun­gier­te die Hand als At­ta­sche, bei­spiels­wei­se als Auf­satz für ei­nen Stab oder Ähn­li­chem. Da kei­ne In­schrift, wie auf an­de­ren Ver­gleichs­fun­den, vor­han­den ist, lässt sich nicht mit voll­kom­me­ner Si­cher­heit sa­gen, ob es sich bei der Hand, um ein dem Iu­pi­ter Do­li­che­nus ge­weih­tes Fund­ob­jekt han­delt. Al­ler­dings exis­tiert ein Ver­gleichs­fund aus ei­nem La­ger der Bri­tan­ni­schen Flot­te in Do­ver, der eben je­ne The­se stützt: Im Ge­gen­satz zu dem Fund­stück aus Bis­lich, fehlt dem Ver­gleichs­fund aus Do­ver die vor­hin er­wähn­te Öse. Je­doch be­fin­det sich zwi­schen Dau­men und Zei­ge­fin­ger ein Glo­bus, auf dem ein Ad­ler sitzt. Die­se bei­den Sym­bo­le spre­chen für ei­ne Ver­eh­rung der ori­en­ta­li­schen Gott­heit. Ver­gleicht man nun das Fund­ob­jekt aus Bis­lich mit dem aus Do­ver, so ist auf­fäl­lig, dass et­wa an der glei­chen Stel­le Dau­men und Zei­ge­fin­ger be­schä­digt sind, an der die Hand den Glo­bus mit dem dar­auf be­find­li­chen Ad­ler hält. Es ist da­her nicht ab­we­gig, dass auch bei dem Fund­stück aus Bis­lich ein sol­cher Glo­bus zu er­gän­zen ist, was den Fund als ein Denk­mal des Iu­pi­ter Do­li­che­nus aus­wei­sen wür­de.[<sup>\[26\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5729)

**5.2. Köln**

Im Jahr 1895 fand man ei­ne leicht be­schä­dig­te In­schrif­ten­plat­te[<sup>\[27\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5730), wel­che in ei­nem spät­rö­mi­schen Mau­er­werk ver­baut wur­de. Bei dem Fund han­delt es sich um ei­ne Ta­bu­la An­sa­ta, ei­ne Ta­fel, die an Mau­ern be­fes­tigt wur­de. Die In­schrift lässt sich ei­nem ver­fal­le­nen Tem­pel des Iu­pi­ter Do­li­che­nus zu­wei­sen, den L(uci­us) Lu­cei­us Mar­ti­nus, Statt­hal­ter von [Nie­der­ger­ma­ni­en](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/N#term-368), re­stau­rie­ren ließ. Ne­ben der Kon­sul­da­tie­rung, spre­chen auch die Ti­tu­la­tu­ren der ge­nann­ten Kai­ser da­für, dass sich die In­schrif­ten­plat­te auf das Jahr 211 n. Chr. da­tie­ren lässt.[<sup>\[28\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5731)

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-silberl%C3%B6ffel-mit-dar"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image" style="text-align: justify;"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/23693.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_23693.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Silberlöffel mit Darstellung einer Doppelaxt, die auf eine Verbindung zum Iupiter Dolichenus Kult hindeutet, Xanten. (LVR-LandesMuseum Bonn)

</figcaption></figure></div> </div></div>**5.3. Bonn**

In der rö­mi­schen Stadt Cas­tra Bon­nen­sia wur­de ei­ne Sta­tu­et­te[<sup>\[29\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5732) des Iu­pi­ter Do­li­che­nus aus Bron­ze ent­deckt. Die bär­ti­ge Sta­tu­et­te trägt ne­ben ei­nem rö­mi­schen Brust­pan­zer ei­ne phry­gi­sche Müt­ze. In der rech­ten Hand, die vor­ge­streckt ist, hält sie ein ge­dreh­tes Blitz­bün­del. Die er­ho­be­ne lin­ke Hand hielt wohl ur­sprüng­lich ei­ne Dop­pel­axt. Hal­tung und At­tri­bu­te spre­chen da­für, dass es sich bei der Sta­tu­et­te um Iu­pi­ter Do­li­che­nus han­delt. Die klei­nen Zap­fen an den Fü­ßen der Sta­tu­et­te, las­sen ver­mu­ten, dass die­se einst auf ei­ner Stier­sta­tu­et­te be­fes­tigt wur­de.[<sup>\[30\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5733)

**6. Kybele – die Mutter allen Lebens**

Frucht­bar­keits­göt­tin, Stadt­be­schüt­ze­rin, Pro­phe­tin, Mut­ter der Tie­re und Hei­len­de: Ky­be­le (auch Ky­be­be) war ei­ne klein­asia­ti­sche Na­tur­gott­heit, de­ren al­ter Kult­mit­tel­punkt sich in Pes­si­nus im obe­ren Phry­gi­en (heu­ti­ge Tür­kei) be­fand. Sie war die Mut­ter al­len Erd­le­bens. Ihr We­sen galt je­doch nicht nur als müt­ter­lich-freund­lich, viel­mehr wies die­ses auch dro­hen­de, dem Men­schen ge­fähr­lich wer­den­de Zü­ge auf. In den Vor­stel­lun­gen ih­rer An­hän­ger fuhr sie mit ei­nem Lö­wen­ge­spann durch die Lan­de. Be­glei­tet wur­de sie von or­gas­tisch to­ben­den Ko­ry­ban­ten.[<sup>\[31\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5734) Ihr Ge­fol­ge hul­dig­te der Ky­be­le in ek­sta­ti­schen Tän­zen und wil­der Ra­se­rei. Die Sze­ne­rie wur­de von lär­men­der Mu­sik mit Hand­pau­ken und Klap­pern be­glei­tet. In höchs­ter Ek­sta­se wur­den ih­re Die­ner, die auch als *Gal­loi* be­zeich­net wer­den, zur Selbst­gei­ß­lung bis hin zur Ent­man­nung ge­trie­ben. Den männ­li­chen Kult­part­ner der Göt­tin stellt At­tis dar, der schö­ne und jun­ge Ge­lieb­te der Mut­ter­gott­heit, wel­cher in Un­treue von den Göt­tern mit Wahn­sinn ge­schla­gen wird und sich selbst in die­sem Zu­stand ent­mannt. In Fol­ge des­sen ver­stirbt At­tis, laut [My­thos](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/M#term-358), un­ter ei­ner Pi­nie. Ky­be­le bit­tet Zeus, voll Trau­er um ih­ren Liebs­ten, die­sen wie­der­zu­be­le­ben. Nach der Er­zäh­lung des christ­li­chen Au­tors Ar­no­bi­us, ha­ben die Bit­ten der Ky­be­le nur teil­wei­se Er­folg: Nach dem Wil­len des Göt­ter­va­ters ver­west der Kör­per nicht (Ad­ver­sus na­tio­nes 5,5-7).[<sup>\[32\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5735)

Der Kult der Ky­be­le ver­brei­te­te sich zu­neh­mend im gan­zen Mit­tel­meer­raum. Im Jahr 204 v. Chr. wur­de Ky­be­le als Ma­ter Ma­gna (gro­ße Mut­ter) auf Wei­sung der sy­bil­li­schen Bü­cher in Rom ein­ge­führt. Zen­tren der Ver­eh­rung in den ger­ma­ni­schen Ge­bie­ten wa­ren un­ter an­de­rem Köln, Mainz und Trier – die Haupt­städ­te der Pro­vin­zen Ger­ma­nia su­pe­ri­or, in­fe­ri­or und der Bel­gi­ca. Am Li­mes und sei­nen Kas­tel­len las­sen sich ver­hält­nis­mä­ßig we­ni­ge Zeug­nis­se für den Kult der Ky­be­le fin­den. Dar­aus folgt, dass im Ver­gleich zum Kult des Iu­pi­ter Do­li­che­nus oder des Mi­thras kein aus­ge­präg­tes Ver­hält­nis zwi­schen dem Heer und dem Kult der Ky­be­le zu be­ob­ach­ten ist. Be­son­ders häu­fig ist der Kult in Köln und Um­ge­bung vor­zu­fin­den. Hier sa­hen die Men­schen Ma­ter Ma­gna als Göt­tin der Ve­ge­ta­ti­on und des Ent­ste­hens und Ver­ge­hens der Na­tur an. Die­ser As­pekt wur­de eben­falls auf das Le­ben der Men­schen über­tra­gen, so dass Ky­be­le auch als Be­glei­te­rin der mensch­li­chen See­le in die Un­ter­welt an­ge­se­hen wur­de.[<sup>\[33\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5736)

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-statuette-des-iupite"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/23694.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_23694.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Statuette des Iupiter Dolichenus aus Bonn, Bronze.

</figcaption></figure></div> </div></div>**6.1. Xanten**

Aus dem rö­mi­schen Mi­li­tär­la­ger bei Xan­ten (Cas­tra Ve­te­ra) stammt ein Kas­ten­hen­kel aus Bron­ze. Die Göt­ter­mut­ter kommt hier aus ei­nem Blät­ter­kelch her­vor. Auf ih­rem Haupt trägt sie ein Dia­dem. Ne­ben ihr las­sen sich Trau­ben und zwei dro­hen­de Lö­wen er­ken­nen. Wei­ter oben be­fin­den sich zwei Grei­fen. Ge­ra­de die Dar­stel­lung der Ky­be­le in Ver­bin­dung mit Lö­wen ist ty­pisch für die ger­ma­ni­schen Pro­vin­zen be­zie­hungs­wei­se das Rhein­land. Der Lö­we ist das Wap­pen­tier der Ky­be­le und fun­giert als Sym­bol ih­rer Macht als Herr­sche­rin über al­len Le­bens.[<sup>\[34\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5737)

Des Wei­te­ren wur­de ei­ne [Gem­me](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/G#term-182) mit ei­ner Ky­be­le­dar­stel­lung in Xan­ten (Fürs­ten­berg) ent­deckt. Die hoch­o­va­le Gem­me[<sup>\[35\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5738) be­steht aus braun­ro­tem Kar­neol. In ei­ner Drei­vier­tel­an­sicht wird Ky­be­le hier­bei von vor­ne dar­ge­stellt. Sit­zend auf ei­nem Thron wen­det sie den Kopf zur Scha­le in ih­rer rech­ten Hand. Sie trägt ei­nen ge­gür­te­ten Chi­ton so­wie ei­nen Hüft­man­tel. Im rech­ten Arm, wel­cher leicht an­ge­win­kelt ist, hält sie ein Zep­ter. An den Fü­ßen ist der vor­de­re Teil ei­nes Lö­wen zu er­ken­nen.[<sup>\[36\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5739)

**6.2. Aachen**

Im Jahr 1974 wur­de bei städ­ti­schen Bau­maß­nah­men in der Buch­kre­mer­stra­ße ein In­schrif­ten­stein ge­bor­gen. Meh­re­re Jah­re wur­de das Fund­ob­jekt in ei­nem Ver­an­stal­tungs­raum ei­ner Aa­che­ner Buch­hand­lung der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich ge­macht, bis der Be­sit­zer den Aa­che­ner Stadt­ar­chäo­lo­gen Schaub dar­um bat, den In­schriften­text zu ent­zif­fern. Die Bau­maß­nah­men in der Buch­kre­mer­stra­ße hat­ten sei­ner­zeit das Ziel, das ehe­ma­li­ge Ther­mal­bad „Zur Kö­ni­gin von Un­garn“ zu ei­nem „Rö­mer­ba­d“ um­zu­bau­en. Die Erd­ar­bei­ten wur­den von dem Ar­chäo­lo­gen Hu­got be­glei­tet. Ei­ne voll­stän­di­ge Un­ter­su­chung des Ge­biets ver­hin­der­te da­mals al­ler­dings der ho­he Grund- und Quell­was­ser­spie­gel. Des­halb war es Hu­got nicht ver­gönnt, den In­schrif­ten­stein auf­zu­fin­den. Erst wäh­rend der an­schlie­ßen­den Aus­schach­tun­gen trat der Stein ans Licht. Mit Blick auf die rö­mi­sche To­po­gra­phie stammt das Fund­ob­jekt aus dem Zen­trum der rö­mi­schen „Bü­chelther­me“.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-kastenhenkel-mit-kyb"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/23695.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_23695.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Kastenhenkel mit Kybele-Büste aus Bronze zwischen Greifen, Löwen und Pelikanköpfen, Fundort verm. Xanten.

</figcaption></figure></div> </div></div>Die In­schrif­ten­plat­te, wel­che aus Her­zo­gen­ra­ther Sand­stein be­steht und das äl­tes­te er­hal­te­ne Schrift­zeug­nis ist, das von Bau­wer­ken in Aa­chen be­rich­tet, misst cir­ca 0,87 Me­ter in der Brei­te und 0,57 Me­ter in der Hö­he. Die Tie­fe be­trägt et­wa 0,30 Me­ter. Die an der Rück­sei­te be­find­li­chen Mör­tel­res­te wei­sen dar­auf hin, dass der Stein ur­sprüng­lich in ei­ne Mau­er ein­ge­las­sen war. Die In­schrift ist bei­na­he voll­stän­dig er­hal­ten. Le­dig­lich in den letz­ten Zei­len sind grö­ße­re Fehl­stel­len zu ver­zeich­nen. Bei der In­schrift han­delt es sich, wie die nach­fol­gen­de Um­schrift ver­deut­licht, um ei­ne Weih- be­zie­hungs­wei­se Bau­in­schrift, die ei­nen Tem­pel für die Göt­tin­nen Isis (Is­i­di) und Ky­be­le (Ma­ter De­o­rum) er­wähnt.[<sup>\[37\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5740) :  
NVMI­NIBVS  
DI­VOR(um) AVG(usto­rum) IN  
HO­NO­REM DOMVS  
\[D\]IVINAE IVL(ia) TI­BE­RI­NA Q(uin­ti) IVL(ii)  
\[Fl\]AVI VXOR &gt; (cen­tu­rio­nis) L\[e\]G(io­nis) XX Val(er­iae) Vic(tri­cis) AE  
DES MA­TRI DE\[oru\]M ET IS­I­DI EX VO­TO  
D\[E SVA PEC(unia) S(ol­vit)\] L(ibens) M(eri­to)  
„Den Nu­men der ver­gött­lich­ten Kai­ser, zu Eh­ren des gött­li­chen Kai­ser­hau­ses \[hat\] Ju­lia Ti­be­ri­na, die Ehe­frau des Quin­tus Ju­li­us \[Fl\]avus, des Cen­tu­rio der 20. Le­gi­on Va­le­ria Vic­trix für Ma­ter De­o­rum und für Isis ei­nen Tem­pel nach ei­nem Ge­lüb­de aus ei­ge­nen fi­nan­zi­el­len Mit­teln \[er­rich­ten las­sen\]. Das Ge­lüb­de wur­de nach Ge­bühr er­füllt.“[<sup>\[38\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5741)

**6.3. Flerzheim bei Bonn**

Ein Fund deu­tet auf die oben an­ge­spro­che­ne Funk­ti­on der Ky­be­le als Ge­lei­te­rin der To­ten in die Un­ter­welt. In Flerz­heim wur­de in ei­nem Sar­ko­phag ei­ne Fi­gur des At­tis ent­deckt. Der Sar­ko­phag ge­hör­te zu ei­nem Grä­ber­feld ei­ner vil­la rusti­ca, die vom 1. bis 5. Jahr­hun­dert n. Chr. Be­stand hat­te.[<sup>\[39\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5742) Die Sta­tu­et­te aus Ga­gat zeigt At­tis in ei­ner lan­gärm­li­gen und ge­gür­te­ten Tu­ni­ka, Man­tel, phry­gi­scher Müt­ze, Ho­sen so­wie Schu­hen auf ei­nem Fels­block vor ei­ner Pi­nie mit ver­äs­tel­ter Kro­ne sit­zend. Er hält in der lin­ken Hand ei­ne Sy­rinx. Die rech­te Hand ruht auf sei­nem Knie. Be­fes­tigt ist die Fi­gur auf ei­nem ova­len So­ckel mit zwei pro­fi­lier­ten Stand­plat­ten. Die Dar­stel­lung zeigt den Typ des „trau­ern­den At­tis“, der ge­ra­de im To­ten­kult der Rö­mer ei­ne be­son­de­re Rol­le spiel­te.[<sup>\[40\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5743)

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-heiligt%C3%BCmer-f%C3%BCr-kybe"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/23696.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_23696.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Heiligtümer für Kybele und Isis bezeugende Steininschrift, Aachen, Herzogenrather Sandstein.

</figcaption></figure></div> </div></div>**6.4. Köln**

In ei­ne an­de­re Rich­tung deu­tet der Fund ei­nes Ky­be­le-Al­tars in Köln.[<sup>\[41\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5744) Im Nord­flü­gel des Atri­ums von St. Ge­re­on wur­de im Jahr 1982 bei Gra­bungs­ar­bei­ten ein Kalk­stein[<sup>\[42\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5745) ge­bor­gen. Gie­bel und So­ckel des Wei­hesteins sind zum Teil ab­ge­schla­gen. Auf den Schmal­sei­ten las­sen sich kei­ne Dar­stel­lun­gen fin­den. Dar­über hin­aus weist die Vor­der­sei­te mit dem In­schrif­ten­feld ei­ni­ge klei­ne­re Ver­let­zun­gen auf. Die In­schrift lau­tet:  
DEAE MA­TRI APP  
IUS MER­CA­TO  
R AT­TO­NIS (fi­li­us) EQ  
UES COH(or­tis) I LA­TO(bi­co­rum)  
STA­TOR POM­PEI(i)  
HO­NO­RA­TI PR(a)EF(ec­ti) EQ(uitum)  
V(otum) S(ol­vit) L(ibens) M(eri­to).   
„Für die Dea Ma­ter. Ap­pi­us Mer­ca­tor, Sohn des At­to, Rei­ter in der „co­hors I La­to­bi­co­rum“ und Or­do­nanz des Rei­ter­prae­fek­ten Pom­pei­us Ho­no­ra­tus, er­füll­te sein Ge­lüb­de gern und nach Ge­bühr.“ [<sup>\[43\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5746)

Die In­schrift ehrt Ky­be­le hier als Dea Ma­ter. Folgt man der An­nah­me B. und H. Gals­terers und sieht in die­ser Be­zeich­nung ei­ne ab­ge­wan­del­te Schreib­wei­se der Ma­ter Ma­gna De­um,[<sup>\[44\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5747) so lässt sich die Schluss­fol­ge­rung zie­hen, dass je­ne Wei­hung nicht dem Be­reich des To­ten- und Frucht­bar­keits­kul­tes zu­zu­ord­nen ist. Viel­mehr wird Ky­be­le hier als Göt­ter­mut­ter, an­ders als die For­schung es lan­ge Zeit für den Raum Köln an­ge­nom­men hat, ei­ne Schutz­funk­ti­on aus­üben. Auch das Fak­tum, dass der De­di­kant ein Sol­dat aus dem Stab des Statt­hal­ters war, un­ter­stützt die­se Ver­mu­tung. Dass Ky­be­le in der CCAA ei­ne gro­ße An­hän­ger­schaft be­saß, wel­che sie un­ter an­de­rem auch als Schutz­göt­tin der Stadt und der Ge­mein­we­sens ver­ehr­te, zeigt die um­fang­rei­che Pro­duk­ti­on von Ky­be­le-Sta­tu­et­ten des Köl­ner Töp­fers Ser­van­dus, der of­fen­sicht­lich vie­le Ab­neh­mer für sei­ne Wa­ren hat­te.[<sup>\[45\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5748)

**6.5. Düsseldorf/Neuss**

Bei ei­nem im Rhein bei Düs­sel­dorf/Neuss ge­fun­de­nen Ob­jekt han­delt es sich um ein wei­te­res Re­li­ef ei­ner Büs­te der Ky­be­le. Ob­wohl ein Teil des Scho­ßes noch er­hal­ten ist, lässt sich nicht ein­deu­tig be­stim­men, ob es sich bei der Dar­stel­lung ur­sprüng­lich um ei­ne sit­zen­de oder ste­hen­de Fi­gur han­del­te. Die­ses Fund­ob­jekt ist ein­ma­lig un­ter den bis­her be­kann­ten Zeug­nis­sen der Göt­tin. Die Büs­te der Göt­tin wird hier in ei­nem Bil­der­rah­men ge­zeigt. Un­ter die­sem sind ih­re At­tri­bu­te, zwei Flö­ten, ein Tym­panon so­wie ein Schall­be­cken zu er­ken­nen. Auf­fäl­lig ist eben­falls der Ad­ler, wel­cher mit aus­ge­brei­te­ten Flü­geln und ei­nem Blick nach rechts auf der Mau­er­kro­ne sitzt. Die Dar­stel­lungs­form ent­spricht kei­ner ein­hei­mi­schen Vor­stel­lung von der Göt­ter­mut­ter. Sie er­in­nert eher an Dar­stel­lun­gen aus dem Ori­ent. Be­son­ders der Ad­ler mit aus­ge­brei­te­ten Flü­geln kommt als Dar­stel­lungs­form im Os­ten Klein­asi­ens häu­fig vor.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-weihinschrift-%28dea-m"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/23698.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_23698.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Weihinschrift (Dea Mater), Köln, Kalkstein.

</figcaption></figure></div> </div></div>Ein wei­te­rer Fund stellt die *fos­sa san­gui­nis*, ein 1,40 Me­ter tie­fer Tauf­kel­ler[<sup>\[46\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5749) des Ky­be­le-Kul­tes, dar. Der aus dem 4. Jahr­hun­dert n. Chr. stam­men­de Kel­ler, wel­cher im La­ger­dorf (Au­xi­l­i­ar­vi­cus) No­va­e­si­ums von Ha­rald von Pe­tri­ko­vits ent­deckt wur­de, weist ei­nen qua­dra­ti­schen Grund­riss von 1,80 Me­ter Sei­ten­län­ge auf. Sechs Stu­fen füh­ren zur ge­gen­über­lie­gen­den Sei­te des Kel­lers. Der Fuß­bo­den des Tauf­kel­lers be­stand aus ge­stampf­tem Lehm und war mit Die­len aus­ge­legt. In der Ostecke des Kel­lers be­fand sich ein Stein­tisch – ein 0,55 Me­ter ho­her Block aus Bruch­stei­nen mit ei­ner Tisch­flä­che von 1,00 Me­ter x 0,30 Me­ter. Pau­se hin­ter­fragt die In­ter­pre­ta­ti­on des Be­fun­des als Kult­kel­ler der Ky­be­le kri­tisch, in­dem er zu be­den­ken gibt, dass der spät­an­ti­ke Dich­ter Pru­den­ti­us, wel­cher das Tau­ro­bo­li­um des Kul­tes der Ky­be­le be­schreibt, nicht von ei­nem Kel­ler, son­dern von ei­ner in die Er­de ge­gra­be­nen Gru­be be­rich­tet. Dar­über hin­aus han­delt es sich bei der in der Ver­fül­lung des Kel­lers ge­fun­den „Zim­bel“ eher um ei­nen Schild­buckel aus Bron­ze­blech oder ei­ne Pha­le­ra – kei­nes­falls ist der Fund sei­ner An­sicht nach als Klang­in­stru­ment an­zu­se­hen.[<sup>\[47\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5750)

**7. Fazit**

Mi­thras, Iu­pi­ter Do­li­che­nus und Ky­be­le üb­ten auf­grund ih­rer Uni­ver­sa­li­tät ei­ne gro­ße An­zie­hungs­kraft auf die rö­mi­sche Be­völ­ke­rung aus. Ih­re My­tho­lo­gie, die teil­wei­se mit Heils­vor­stel­lun­gen vom Le­ben im Jen­seits ver­bun­den war, brach­te ih­nen ei­nen gro­ßen Zu­lauf im ge­sam­ten Rö­mi­schen Reich ein. Händ­ler, Ori­en­ta­len und Sol­da­ten tru­gen durch Dis­lo­ka­ti­on we­sent­lich zur Aus­brei­tung der Kul­te vom Os­ten in den Wes­ten bei. Wann die Ver­eh­rung der Gott­hei­ten in den ger­ma­ni­schen Pro­vin­zen im Ein­zel­nen be­gann, lässt sich heu­te nicht mehr ex­akt be­stim­men. Den­noch fällt sie ver­mut­lich mit der im 1. Jahr­hun­dert n. Chr. ein­set­zen­den Ro­ma­ni­sa­ti­on der Rhein­lan­de zu­sam­men. In der Mit­te des 3. Jahr­hun­derts n. Chr. zer­stör­te der Sas­sa­niden­kö­nig Sha­pur I. die an­ti­ke Stadt Do­li­che und so­mit das Haupt­hei­lig­tum des Iu­pi­ter Do­li­che­nus. Ei­ne Zer­stö­rung, die auch der Ver­eh­rung des Iu­pi­ter Do­li­che­nus im Wes­ten des Rei­ches ei­nen Dämp­fer ver­setz­te. Ky­be­le, die Mut­ter al­len Er­den­le­bens, konn­te der Ver­drän­gung ih­res Kul­tes im 3. und 4. Jahr­hun­dert n. Chr. durch das Chris­ten­tum eben­so we­nig stand­hal­ten wie Mi­thras. Ei­ni­ge Ele­men­te sei­nes Kul­tes fin­den sich aber auch noch heu­te im Chris­ten­tum wie­der, wie zum Bei­spiel der Ge­burts­tag des Got­tes am 25. De­zem­ber. Die Un­ter­su­chung hat deut­lich ge­macht, dass der stadt­rö­mi­sche Göt­ter­him­mel in den Pro­vin­zen nicht nur durch ein­hei­mi­sche Göt­ter, wie zum Bei­spiel den rhei­ni­schen Ma­tro­nen, an­ge­rei­chert, son­dern auch durch frem­de Göt­ter er­wei­tert wur­de. Die rö­mi­sche Pro­vinz­be­völ­ke­rung ak­zep­tier­te auch für sie frem­de Kul­te, was zu ei­nem Ne­ben­ein­an­der von ein­hei­mi­schen, rö­mi­schen und ori­en­ta­li­schen Gott­hei­ten führ­te. Die Ver­drän­gung des Po­lyt­he­is­mus durch das Chris­ten­tum konn­te letzt­lich je­doch nicht auf­ge­hal­ten wer­den – zu prä­gnant wirk­te die­ses auf die Be­völ­ke­rung. An Stel­le der vie­len Gott­hei­ten aus dem Ori­ent trat nun nur noch ei­ner: Chris­tus, als Ver­kün­der ei­ner neu­en Re­li­gi­on.[<sup>\[48\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#footnote-5751)

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; [https://www.regionalgeschichte.net/rheinhessen/bingen/einzelaspekte/funde-des-roemischen-mithraskultes-in-bingen.html](https://www.regionalgeschichte.net/rheinhessen/bingen/einzelaspekte/funde-des-roemischen-mithraskultes-in-bingen.html)

https://de.wikipedia.org/wiki/Mithraismus#:~:text=Der%20Mithraismus%20oder%20Mithraskult%20war,die%20Gestalt%20des%20Mithras%20stand.

-&gt; [https://de.wikipedia.org/wiki/Mithras](https://de.wikipedia.org/wiki/Mithras)

-&gt; https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168#toc-6

-&gt; Luckhaupt, Lutz: Funde des römischen Mithraskultes in Bingen, in: Regionalgeschichte.net, online verfügbar seit 28.03.2017 unter: [https://www.regionalgeschichte.net/rheinhessen/bingen/einzelaspekte/funde-des-roemischen-mithraskultes-in-bingen.html](https://www.regionalgeschichte.net/rheinhessen/bingen/einzelaspekte/funde-des-roemischen-mithraskultes-in-bingen.html), zuletzt geprüft am 15.04.2025.

-&gt; Biller, Frank, Graw, Jil, „Orientalische“ Gottheiten im römischen Rheinland, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/orientalische-gottheiten-im-roemischen-rheinland/DE-2086/lido/5885c71eafea48.38276168 (abgerufen am 17.05.2026)

<div class="information-object__body" id="bkmrk--6"><div class="information-object-paragraph"><div class="information-object-paragraph__content"><div class="footnotes" id="bkmrk--7"></div></div></div></div><div class="information-object__body" id="bkmrk--8"><div class="information-object-paragraph"><div class="information-object-paragraph__content"><div class="footnotes">  
</div></div></div></div>**Sekundärliteratur**

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# Feste und Riten

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Saturnalia: das wichtigste römische Fest am Jahresende (Blogeintrag)

##### 1. Saturnalia: das wichtigste römische Fest am Jahresende (Blogeintrag)

**Im alten Rom feierte man gegen Jahresende im Zeichen Saturns und anderer Agrar-Gottheiten. Doch was genau hat es mit dem Fest der *saturnalia* auf sich?**

Die s*aturnalia* – zu Deutsch Saturnalien – waren ein römisches Fest, das am 17. Dezember anlässlich des Jahresendes gefeiert wurde. Ursprünglich dauerte es wohl nur einen Tag, über die Jahrhunderte verlängerten sich die Feierlichkeiten aber bis auf fünf Tage unter Kaiser Caracalla (188-217 n. Chr.). Der Blogbeitrag behandelt die Rolle der unterschiedlichen Gottheiten bei den Saturnalien, die soziale Funktion der Festivitäten und wie an unterschiedlichen Orten gefeiert wurde.

**Die Rolle Saturns und anderer Agrar-Gottheiten**

Wie bei jedem Fest der Antike waren nicht nur die Menschen zugegen, sondern auch die Götter – allen voran der namensgebende Saturn, Vater Jupiters und mythischer König aus Roms Vorgeschichte. Die Sichel, die Saturn in den Händen hält, weist ihn als Agrar-Gottheit aus. Unter ihm, so dachte man, herrschten paradiesische Zustände: Frei von Neid und Missgunst gehörte alles allen und auch geackert werden musste nicht: Die Früchte des Feldes und der Bäume gediehen von selbst. Es war ein Zeitalter der Fülle, ein goldenes Zeitalter.

Am Ende des landwirtschaftlichen Jahres, nach der erfolgreichen Aussaat und Einlagerung des Getreides, scheint der Zeitpunkt für die *saturnalia* nur logisch. Wie das Land über den Winter ruht, so darf auch der Bauer von seiner Feldarbeit ruhen.

Waren die Vorratskammern gefüllt, gebührte es sich, den dafür verantwortlichen Gottheiten zu danken. Nebst Saturn waren dies weitere Agrar-Gottheiten wie seine Gemahlin Ops (von lat. *opus* = Werk) und Consus (Etymologie unsicher). Ihnen zu Ehren opferte man, veranstaltete Esel-Rennen und liess die landwirtschaftlich wichtigen Zugtiere schön geschmückt durch die Stadt ziehen. Die Dekorationen im und um die Häuser würden uns nicht ungewöhnlich vorkommen: Nach wie vor sind Kerzen, Stechpalmen und rote Beeren eng mit dem Weihnachtsfest verknüpft.

**Die Saturnalien als Umkehrung der sozialen Ordnung**

In einem Brief an einen Freund kommentiert der Stoiker Seneca der Jüngere das Verhalten der Stadtmenschen in Hinblick auf die Festivitäten:

„Es ist Dezember und der Grossteil der Stadt ist in Aufruhr. Den Leuten werden die Leinen gelockert. Überall ertönen die Geräusche grosser Vorbereitungen, gerade so als ob es einen echten Unterschied gebe zwischen den dem Saturn geweihten Tagen und den gewöhnlichen Werktagen. \[…\] Ob wir uns wie gewöhnlich in die Stadt begeben sollten. Oder ist es besser – um nicht aufzufallen –, wenn wir uns der abendlichen Schlemmerei hingeben und die Toga abwerfen?”

*Epistulae* 18.1-2

Diese Überlegungen widerspiegeln den Stellenwert der Festlichkeiten und tönen auch die soziale Funktion der *saturnalia* an. Nebst der Pflichterfüllung gegenüber den Gottheiten zelebrierte man die einstweilige Fülle durch die Aufhebung der normalen gesellschaftlichen Zustände. Alle, die das Fest begingen, setzten sich einen *pileus* auf, eine konische Filzkappe, die ansonsten nur Freigelassene (ehemalige Gefangene oder Sklaven) trugen.

Unter dem Filzhut der Freiheit waren sich alle gleich. Wer war Herr, wer Sklave? Diese Frage war nun scheinbar bedeutungslos. Sklaven durften ihren Herren beim gemeinsamen Mahl ungestraft die Meinung sagen und wer keinen Rausch hatte, fiel auf. Die Schulen und Gerichte blieben an diesen Tagen geschlossen und sogar das ansonsten untersagte Glücksspiel war erlaubt. Der besonders übermütige *dominus* schlüpfte gar in die Rolle seiner Sklaven und servierte ihnen beim Gastmahl die Speisen.

Doch wie Seneca an anderer Stelle bemerkt: „*Non semper saturnalia erunt*”: „Die Saturnalien werden nicht ewig dauern.” Das Fest bot den Sklaven eine Möglichkeit, Unmut und Frustration zu kompensieren, stellte im Grunde aber ein stabilisierendes Moment für die Institution der Sklaverei dar. Soweit das Treiben in Metropolen wie Rom oder Athen. Doch tauschte ein im fernen *germania superior* stationierter Zenturio seinen mit Helmbusch dekorierten Helm ebenfalls gegen einen Filzhut ein, um sich mit seinen Untergebenen närrischen und zügellosen Aktivitäten hinzugeben?

**Die Feier der Saturnalien im römischen Heer**

Die Forschung weiss um den immensen Kulturaustausch, der durch die Anwesenheit römischer Legionen in den entferntesten Winkeln des Reiches entstand. Eine Quelle dafür ist das *feriale duranum*, der Festtagskalender einer in Dura Europos (Syrien) stationierten römischen Auxiliar-Einheit aus dem 3. Jahrhundert. Für die Monate Januar bis September finden sich darauf 41 Festtage, die übrigen Monate sind nicht erhalten. Abgesehen von seinem Schwerpunkt auf kaiserlichen Feierlichkeiten (Thronbesteigungen, Geburtstage, Siege, etc.) zeigt sich eine starke Übereinstimmung mit den stadt-römischen Festtagskalendern. Dies verwundert kaum, waren Armee und Zivilgesellschaft doch in vielerlei Hinsicht analog gestaltet. Es zeigt zudem die Wichtigkeit religiöser Pflichten gegenüber allem Göttlichen, gerade für die Armee. Nicht zuletzt wurde damit eine Integration der multikulturellen Legionen wie auch der Lokalbevölkerung angestrebt.

Obschon in Vindonissa zahlreiche Funde und Befunde zutage kamen, die Licht auf die religiösen Gepflogenheiten in und um das Legionslager werfen, lässt sich nichts Spezifisches über die örtlichen Feste am Jahresende aussagen. Abhilfe schafft ein kleiner Fund aus Vindolanda (Northumberland, England), einem Hilfstruppen-Kastell am nördlichsten Rand des Imperiums. Wie Vindonissa zeichnet es sich durch zahlreiche Funde von Wachstäfelchen aus, mit denen die Legionäre und die schreibkundige Lokalbevölkerung korrespondierten.

Auf einem Exemplar (Nr. 301) fordert ein Sklave namens Severus einen anderen Sklaven namens Candidus auf, ihm Rettiche für die Saturnalien zu besorgen. Sicherlich keine leichte Aufgabe, wo Rettich doch im milden Mittelmeer-Klima beheimatet ist. Ohne hier näher auf die Motive des Severus eingehen zu können, zeigt das Wachstäfelchen, dass die Saturnalien innerhalb des römischen Heeres durchaus verbreitet sein konnten.

Zahlreiche Beispiele der römischen Geschichte betonen zudem die Wichtigkeit, eine Legion bei Laune zu halten, wollte man keinen Aufstand riskieren. Nun konnte sich nicht die komplette Einheit eines Kastells besaufen, geschweige denn eine ganze Legion. Gleichzeitig steht ausser Frage, dass die Legionäre einem Unterbruch des Wachdiensts oder des Drills nicht abgeneigt waren und ihre Freizeit teilweise mit Nachdruck einforderten. Wie sehr sich Legionäre darauf freuten, zeigen nicht nur die Vielzahl an in Legionslagern gefundenen Spielsteinen und Würfeln, sondern auch ein Brief aus Vindonissa:

„So sollst du erfahren, wo ich das Gastmahl bereite sowie verschiedene Spiele und ein prächtiges Trinkgelage. Morgen, bei den mächtigsten Schutzgeistern des Spiels, werde ich den Würfelbecher wie ein Schwert schwingen. Lebe wohl, treuer Bruder.” (M.A. Speidel, Die röm. Schreibtafeln von Vindonissa, Brugg 1996, Nr. 45)

Ob bei der Familie, bei Freunden, im Bad oder in der Schenke – Möglichkeiten zur Entspannung boten sich den Legionären zur Genüge. Nehmen wir uns an ihnen ein Vorbild und gönnen uns zuweilen eine Ruhepause vom oftmals hektischen Alltag.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Grünig, Luca: Saturnalia: das wichtigste römische Fest am Jahresende, in: Museumsblog Museum Aargau, online verfügbar seit 09.12.2024 unter: [https://www.museumaargau.ch/blog/saturnalia-das-wichtigste-roemische-fest-am-jahresende](https://www.museumaargau.ch/blog/saturnalia-das-wichtigste-roemische-fest-am-jahresende), zuletzt geprüft am 14.07.2025.

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**Sekundärliteratur**

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# Kunst



# Kunstraub und andere Einflüsse

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Machtdemonstration par excellence. Der immense Kunstraub Roms. (Artikel)

##### 1. Machtdemonstration par excellence. Der immense Kunstraub Roms.

<span lang="EN-US">In</span> <span lang="EN-US">einer</span> <span lang="EN-US">Koalition</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Macht</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Religion</span> <span lang="EN-US">inszenierten</span> <span lang="EN-US">römische</span> <span lang="EN-US">Aristokraten</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Triumphzügen</span><span lang="EN-US"> der Republik den größten Kunstraub der Geschichte.</span>

**<span lang="EN-US">VON</span><span lang="EN-US"> ERNST KÜNZL</span>**

<span lang="EN-US">Kunstraub</span> <span lang="EN-US">war</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Geschichte</span> <span lang="EN-US">eine</span> <span lang="EN-US">Demonstra-</span><span lang="EN-US"> tion einseitiger Machtausübung, aber mit ver- schiedenen Motiven und vorwechselnden Hinter- gründen. Wertschätzung von Kunst spielte dabei nicht die erste Rolle. Um Kunst ging es am wenigs- ten, als dieRömer der Republik den griechischen Osten ausplünderten. In den drei letzten Jahrhunderten der römischen Republik vor der Zeit des Octavianus-Augustus (31 v. Chr. – 14 n. Chr.) inszenierten die Feldherren Roms die proportional gesehen größtenKunstraubaktionen der Geschichte. Opfer waren griechische Städte und Staaten. Gigantische Präsentationen in den TriumphzügenRoms zeigten dem Publikum der Hauptstadt die unermessliche Kriegsbeute: Waffen, Statuen, Ge- mälde, Teppiche, Textilien, Edelmetallgefäße, Berge von Gold und Silber. Roms Triumphe waren religiöse Riten und politische Inszenierungen, die Beutekunstdabei ein Element unter vielen.</span>

**<span lang="EN-US">DIE</span> <span lang="EN-US">VORLÄUFER</span> <span lang="EN-US">IM</span> <span lang="EN-US">ORIENT</span>**

<span lang="EN-US">Für</span> <span lang="EN-US">fast</span> <span lang="EN-US">alle</span> <span lang="EN-US">kulturellen</span> <span lang="EN-US">Erscheinungen</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">klassi-</span><span lang="EN-US"> schen Altertums gab es Vorläufer im Nahen Osten, vor allem in Mesopotamien. ObSchrift und Poe- sie, ob Medizin und Astronomie, ob Skulptur und Architektur – das Mittelmeergebiet empfing im- mer wiederentscheidende Anregungen von den großen Königreichen der Bronzezeit an Nil, Euph- rat und Tigris. Wir finden dort auch den ersten </span><span lang="EN-US">Kunstraub</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Geschichte.</span> <span lang="EN-US">Das</span> <span lang="EN-US">Königreich</span> <span lang="EN-US">Elam</span><span lang="EN-US"> entführte Statuen und Reliefs aus Mesopotamien </span><span lang="EN-US">(12.</span> <span lang="EN-US">Jh.</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.),</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Heere</span> <span lang="EN-US">Assyriens</span> <span lang="EN-US">plünderten</span> <span lang="EN-US">das</span><span lang="EN-US"> ägyptische Theben (664/663 v. Chr.), und Baby- lons König Nebukadnezar II.besetzte Jerusalem (597/587 v. Chr.) und brannte Salomons Tempel nieder. Das Tempelinventar wurde nach Babylon gebracht.Um Kunst ging es weder in Elam noch in Assur und Babylon, es ging um die Demonstra- tion von Macht und um die Erhöhungder eige- nen, siegreichen Götter, denen die Beute geweiht wurde. Das war das Generalthema der Kunstraub- aktionen imgesamten Altertum.</span>

<span lang="EN-US">Das</span> <span lang="EN-US">Weltreich</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Perser</span> <span lang="EN-US">folgte</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Vorbildern</span> <span lang="EN-US">Me</span><span lang="EN-US">sopotamiens. In den persischen Feldzügen gegen die Griechen bis 480 v. Chr.entführte man Kunst- werke aus Milet und Athen. Man wollte die Grie- chen demütigen, indem man die Apollonstatue desKanachos aus Didyma bei Milet deportierte. Als die Perser im besetzten Athen die Skulpturen- gruppe der Tyrannenmörderwegbrachten, war das ein politisches Signal: Hippias von Athen, Bru- der des getöteten Hipparchos, lebte im Exil bei den Persern.Knapp 200 Jahre später war es Alexander der Große, der in seiner Rolle als Herrscher über Persien die Restitution von Kunstwerkenals politi- schen Akt erschuf: Er gab demonstrativ den Athe- nern die Tyrannenmördergruppe zurück. Wieder war Kunst einSpielball politischer Interessen.</span>

**<span lang="EN-US">DIE</span> <span lang="EN-US">ARISTOKRATIE</span> <span lang="EN-US">ROMS</span>**

<span lang="EN-US">Nachdem</span> <span lang="EN-US">man</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">etruskischen</span> <span lang="EN-US">Könige</span> <span lang="EN-US">vertrie-</span><span lang="EN-US"> ben hatte, bestimmte über fast ein halbes Jahr- tausend der Senat die Geschicke derStadt Rom. Die römische Nobilität beherrschte die Politik, und sie tat es besonders beim herausragenden rö- mischen Machtritus, dem Triumphzug. Dabei war jeder der siegreichen Adeligen, ob patrizischer oder plebejischer Herkunft, bemüht, seine Verdienste um das Wohl und den Reichtum des römischen Volkes herauszustellen. Es herrschte eine immerwährende Rivalität unter den großensenatorischen Familien Roms um Einfluss und um Ruhm. </span>

<span lang="EN-US">Diese</span> <span lang="EN-US">fortwährende</span> <span lang="EN-US">Konkurrenz</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">führenden</span><span lang="EN-US"> Aristokraten untereinander bildete den Hintergrund für den immensen römischenKunstraub vom 3. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. Der Triumph war ein religiöser wie politischer Akt, er war das wichtigste aller römischenFeste und er war der Höhepunkt jeder aristokratischen Karriere. Jeder Triumphator vertrat nicht allein seine Siege, son- dern er war auchein Mitglied bzw. Stellvertreter seiner Sippe. Der Triumph war ein Ritual für den höchsten Gott Roms, für Iuppiter Optimus Maxi- musCapitolinus, aber er diente auch dem Ruhm des jeweiligen Siegers aus der Senatsaristokratie und seiner Familie.</span>

**<span lang="EN-US">TRIUMP</span><span lang="EN-US">HZÜGE</span>**

<span lang="EN-US">Mehr</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">300</span> <span lang="EN-US">Triumphprozessionen</span> <span lang="EN-US">zogen</span> <span lang="EN-US">durch</span> <span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Jahren</span> <span lang="EN-US">340</span> <span lang="EN-US">bis</span> <span lang="EN-US">19</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.,</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Hochzeit</span> <span lang="EN-US">römischer</span> <span lang="EN-US">Triumphe.</span> <span lang="EN-US">Es</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">erwartet,</span> <span lang="EN-US">dass</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Triumphatoren</span><span lang="EN-US"> aus der Kriegsbeute möglichst viel Gold und Silber an die Staatskasse überwie- </span><span lang="EN-US">sen.</span><span lang="EN-US"> Man setzte auch voraus, dass eroberte Kunst- werke dem römischen Volk auf öffentlichen Plät</span><span lang="EN-US">zen,</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Gebäuden</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Tempeln</span> <span lang="EN-US">zugänglich</span> <span lang="EN-US">ge</span><span lang="EN-US">macht</span><span lang="EN-US"> wurden. Genaue Regeln dafür gab es nicht, </span><span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">Ganze</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">unbürokratisch</span> <span lang="EN-US">gesehen. </span><span lang="EN-US">Seit</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">späten</span> <span lang="EN-US">3.</span> <span lang="EN-US">Jahrhundert</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span> <span lang="EN-US">änderte</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Haltung</span> <span lang="EN-US">Roms</span> <span lang="EN-US">zur</span> <span lang="EN-US">Kunst</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Griechen.</span> <span lang="EN-US">Roms</span><span lang="EN-US"> Eroberungen in Griechenland und dem hellenisti</span><span lang="EN-US">schen</span><span lang="EN-US"> Ostmittelmeerraum zeigten den siegrei</span><span lang="EN-US">chen</span> <span lang="EN-US">Feldherren</span> <span lang="EN-US">eine</span> <span lang="EN-US">neue,</span> <span lang="EN-US">faszinierende</span> <span lang="EN-US">Welt.</span> <span lang="EN-US">Man</span><span lang="EN-US"> lernte, Kunstwerke als Schmuck von Paläs</span><span lang="EN-US">ten,</span><span lang="EN-US"> Plätzen und Tempeln und als Zeichen von </span><span lang="EN-US">Macht</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Glanz</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">verstehen.</span>

<span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Bewunderung</span> <span lang="EN-US">griechischer</span> <span lang="EN-US">Kunst</span> <span lang="EN-US">begann</span> <span lang="EN-US">so</span> <span lang="EN-US">richtig</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Syrakusbeute</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Claudius</span> <span lang="EN-US">Marcel</span><span lang="EN-US">lus</span><span lang="EN-US"> (212 v. Chr.); das bestätigen spätere Historiker </span><span lang="EN-US">wie</span><span lang="EN-US"> Livius undPlutarch. Von da an wurden immer </span><span lang="EN-US">größere</span> <span lang="EN-US">Mengen</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Beutekunst</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Zuschauern</span> <span lang="EN-US">in</span><span lang="EN-US"> Rom vorgeführt. „Am zweiten Tag sah man im </span><span lang="EN-US">Zug</span><span lang="EN-US"> 1000 Talente an Münzen,2200 Talente Silber, </span><span lang="EN-US">eine</span> <span lang="EN-US">Menge</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Trinkgefäßen,</span> <span lang="EN-US">500</span> <span lang="EN-US">Wagen</span> <span lang="EN-US">voll</span> <span lang="EN-US">mit </span><span lang="EN-US">Götterbildern</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Statuen</span> <span lang="EN-US">aller</span> <span lang="EN-US">Art,</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">viele</span> <span lang="EN-US">goldene</span><span lang="EN-US"> Schilde und Weihegemälde“, berichtet </span><span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Historiker</span> <span lang="EN-US">Diodor</span> <span lang="EN-US">(31,7,9–12)</span> <span lang="EN-US">über</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">dreitägi</span><span lang="EN-US">en </span><span lang="EN-US">Triumph</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Lucius</span> <span lang="EN-US">Aemilius</span> <span lang="EN-US">Paullus</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">Rom,</span> <span lang="EN-US">28.–30.</span><span lang="EN-US"> November 167 v. Chr., der den Sieg über </span><span lang="EN-US">Makedonien</span> <span lang="EN-US">feierte. </span><span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Triumphzüge</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Lucullus,</span> <span lang="EN-US">Pompeius</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Caesar</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">1.</span> <span lang="EN-US">Jahrhundert</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span> <span lang="EN-US">waren</span> <span lang="EN-US">darauf</span> <span lang="EN-US">an-</span> <span lang="EN-US">gelegt,</span> <span lang="EN-US">immer</span> <span lang="EN-US">glänzendere</span> <span lang="EN-US">Schauspiele</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">insze</span><span lang="EN-US">nieren,</span><span lang="EN-US"> was diePräsentationen von Beutekunst </span><span lang="EN-US">ein</span><span lang="EN-US">schloss.</span>

**<span lang="EN-US">DIE</span> <span lang="EN-US">STIFTUNGEN</span> <span lang="EN-US">DER</span> <span lang="EN-US">SIEGER</span>**

<span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Beutekunst</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Römern</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Regel</span> <span lang="EN-US">an</span> <span lang="EN-US">öffentlichen</span> <span lang="EN-US">Orten</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Gebäuden</span> <span lang="EN-US">dauerhaft</span> <span lang="EN-US">präsentiert.</span> <span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">durch</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Stiftungen</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Triumphatoren </span><span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">einem</span> <span lang="EN-US">Ort</span> <span lang="EN-US">voller</span> <span lang="EN-US">Triumpherin</span><span lang="EN-US">nerungen,</span><span lang="EN-US"> zu einer ewigen Triumphstadt. </span><span lang="EN-US">In</span> <span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">waren</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">griechischen</span> <span lang="EN-US">Kunstwerke</span> <span lang="EN-US">ih</span><span lang="EN-US">rem</span> <span lang="EN-US">ursprünglichen</span> <span lang="EN-US">Zusammenhang</span> <span lang="EN-US">entrissen.</span> <span lang="EN-US">Sie</span> <span lang="EN-US">erhielten</span> <span lang="EN-US">durch</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Neuaufstellung</span> <span lang="EN-US">einen</span> <span lang="EN-US">neu-</span> <span lang="EN-US">en</span> <span lang="EN-US">religiösen, </span><span lang="EN-US">aber</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">einen</span> <span lang="EN-US">politischen</span> <span lang="EN-US">Inhalt,</span> <span lang="EN-US">politisch</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Sinne,</span> <span lang="EN-US">dass</span> <span lang="EN-US">sie</span> <span lang="EN-US">nun</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">römi-</span> <span lang="EN-US">schen</span> <span lang="EN-US">Volk</span> <span lang="EN-US">zugänglich</span> <span lang="EN-US">waren:</span> <span lang="EN-US">Als</span> <span lang="EN-US">Stiftungen</span> <span lang="EN-US">sieg-</span> <span lang="EN-US">reicher</span><span lang="EN-US"> Triumphatoren waren sie zugleich Sym</span><span lang="EN-US">bole</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">römischen</span> <span lang="EN-US">Kraft</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Stärke,</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Ehre</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">römischen</span> <span lang="EN-US">Waffen.</span>

**<span lang="EN-US">KUNS</span><span lang="EN-US">TVERSTÄNDNIS</span>**

<span lang="EN-US">Das</span> <span lang="EN-US">Kunstverständnis</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">römischen</span> <span lang="EN-US">Oberschicht</span><span lang="EN-US"> hatte sich bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. funda- mental gewandelt. GriechischeKunst wurde zum kanonischen Maßstab. Manche Tempelanlagen wurden geradezu zu Kunstsammlungen. Beson- dersdeutlich kam dieser Gedanke beim *Temp- lum Pacis* zum Ausdruck. Mit der Beute aus dem Jüdischen Krieg finanzierte KaiserVespasian das Heiligtum der Göttin des Friedens, Pax, das er 75 n. Chr. einweihte. Einen großen offenen Platz um- gabenSäulenhallen; Mittelpunkt des Haupttrak- tes war der Kultsaal für die Friedensgöttin, die vermutlich als kolossale Sitzfigurdargestellt war. Mit dem gesamten Programm wollte man die Grö- ße Roms in den Mittelpunkt rücken: die Friedens- göttin Pax, einStadtplan Roms in seiner ganzen Größe als Welthauptstadt (*Forma Urbis*), die Beute aus dem Tempel in Jerusalem als Zeichen desSie- ges der römischen Waffen und schließlich eine ge- waltige Sammlung von Kunstwerken. Schon Zeit- genossen bemerkten, dassman hier ein Panorama der Kunstgeschichte von den Griechen bis zu den Römern sehen könne. Die griechischen Meister- werkeim *Templum Pacis* stammten aus dem Fun- dus von Kunstraubmaterial in Rom und aus Kai- ser Neros Privatbesitz. Die Aufstellungvon Kriegs- beute in einem neu gestifteten Tempel setzte die Tradition der Aristokraten der Republik fort. Ves</span><span lang="EN-US">pasian</span><span lang="EN-US"> stellte sich damit in die Reihe der römi- </span><span lang="EN-US">schen</span><span lang="EN-US"> Senatsnobilität der Republik wie auch der </span><span lang="EN-US">julisch-claudischen</span> <span lang="EN-US">Dynastie.</span>

**<span lang="EN-US">DIE</span> <span lang="EN-US">OBELISKEN</span> <span lang="EN-US">ÄGYPTENS</span>**

<span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Aktivitäten</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">römischen</span> <span lang="EN-US">Kaiser</span> <span lang="EN-US">machten</span> <span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">zur</span> <span lang="EN-US">Hauptstadt</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Obelisken,</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">solche</span> <span lang="EN-US">gilt</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Stadt</span> <span lang="EN-US">bis</span> <span lang="EN-US">heute.</span> <span lang="EN-US">Unter</span><span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Aspekt</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Kunstraubs</span> <span lang="EN-US">sind</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">römischen</span> <span lang="EN-US">Obelisken</span> <span lang="EN-US">aller-</span> <span lang="EN-US">dings</span><span lang="EN-US"> ein Sonderfall. Keiner von ihnen wurde in </span><span lang="EN-US">einer</span><span lang="EN-US"> Schlachterobert und sie wurden erst nach </span><span lang="EN-US">Rom</span><span lang="EN-US"> verpflanzt, als Ägypten bereits römische </span><span lang="EN-US">Provinz</span><span lang="EN-US"> war. Allein Kaiser Augustus brachtevier </span><span lang="EN-US">Obelisken</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">Rom;</span> <span lang="EN-US">unter</span> <span lang="EN-US">ihm</span> <span lang="EN-US">wurden</span> <span lang="EN-US">sie</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">exotischen</span> <span lang="EN-US">Siegessymbolen.</span>

<span lang="EN-US">Im</span> <span lang="EN-US">Laufe</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Zeit</span> <span lang="EN-US">waren</span> <span lang="EN-US">außerdem</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">alten</span> <span lang="EN-US">anti-</span> <span lang="EN-US">ägyptischen</span><span lang="EN-US"> Vorbehalte aus dem Kampf gegen </span><span lang="EN-US">Kleopatra</span> <span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">mehr</span> <span lang="EN-US">wirksam.</span><span lang="EN-US">Im</span> <span lang="EN-US">Gegenteil,</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Römerreich</span> <span lang="EN-US">entstand</span> <span lang="EN-US">bald</span> <span lang="EN-US">eine</span> <span lang="EN-US">regelrechte</span> <span lang="EN-US">Ägypt</span><span lang="EN-US">enbegeisterung.</span> <span lang="EN-US">Zu</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">Atmosphärenwechsel</span> <span lang="EN-US">trug</span> <span lang="EN-US">auch</span><span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">römische</span> <span lang="EN-US">Tourismus</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">Ägypten</span> <span lang="EN-US">bei,</span> <span lang="EN-US">speziell</span> <span lang="EN-US">zu</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Pyramiden</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Memnon-</span> <span lang="EN-US">kolossen.</span> <span lang="EN-US">In</span> <span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">stehen</span> <span lang="EN-US">heute</span> <span lang="EN-US">noch</span><span lang="EN-US">13</span> <span lang="EN-US">Obelisken,</span> <span lang="EN-US">davon</span> <span lang="EN-US">zehn</span> <span lang="EN-US">aus</span> <span lang="EN-US">dem</span> <span lang="EN-US">pharaonischen</span> <span lang="EN-US">Ägypten</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Jahre</span><span lang="EN-US"> zwischen 1490 und 570 v. Chr.</span>

**<span lang="EN-US">KONSTANTIN</span> <span lang="EN-US">PLÜNDERT</span> <span lang="EN-US">DAS</span> <span lang="EN-US">EIGENE</span><span lang="EN-US"> REICH AUS</span>**

<span lang="EN-US">In</span><span lang="EN-US"> der Spätantike jedoch wurde Rom entthront, </span><span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">Kaiser</span> <span lang="EN-US">Konstantin</span> <span lang="EN-US">verlegte</span> <span lang="EN-US">324</span> <span lang="EN-US">n.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span> <span lang="EN-US">seine</span> <span lang="EN-US">Residenz</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">„Neue</span> <span lang="EN-US">Rom“,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Stadt</span> <span lang="EN-US">Byzanz,</span> <span lang="EN-US">das</span><span lang="EN-US"> spätereKonstantinopel. </span><span lang="EN-US">Dafür</span><span lang="EN-US"> ließ der Kaiser zahlreiche Statuen aus dem </span><span lang="EN-US">Ostteil</span><span lang="EN-US"> des Reiches nach Byzanz schaffen. Der Un</span><span lang="EN-US">terschied</span> <span lang="EN-US">zum</span> <span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Republik</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">frühen</span> <span lang="EN-US">Kaiserzeit </span><span lang="EN-US">lag</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Hand:</span> <span lang="EN-US">Rom</span> <span lang="EN-US">hatte</span> <span lang="EN-US">damals</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Kunstwerke</span> <span lang="EN-US">unterlegener</span> <span lang="EN-US">Völker</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">eroberter</span> <span lang="EN-US">Städte</span><span lang="EN-US"> konfisziert; die Kaiser seit Konstantin da- </span><span lang="EN-US">gegen</span><span lang="EN-US"> sammeltenKunstwerke im eigenen Reich </span><span lang="EN-US">ein</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">beraubten</span> <span lang="EN-US">damit</span> <span lang="EN-US">ihre</span> <span lang="EN-US">eigenen</span> <span lang="EN-US">Unterta</span><span lang="EN-US">nen.</span> <span lang="EN-US">Aber</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">welchen</span> <span lang="EN-US">auswärtigen</span> <span lang="EN-US">Gegnern</span> <span lang="EN-US">hät-</span> <span lang="EN-US">te</span><span lang="EN-US"> man sich auch Kunstwerkeholen können, die </span><span lang="EN-US">römischem</span><span lang="EN-US"> Geschmack entsprachen? Der christli- </span><span lang="EN-US">che</span> <span lang="EN-US">Schriftsteller</span> <span lang="EN-US">Hieronymus</span> <span lang="EN-US">(†</span> <span lang="EN-US">420</span> <span lang="EN-US">n.</span> <span lang="EN-US">Chr.)</span> <span lang="EN-US">be-</span> <span lang="EN-US">merkte</span><span lang="EN-US"> dazu lakonisch, dass zum Ruhm und </span><span lang="EN-US">Schmuck</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Konstantinopels</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">fast</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">alle</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Städte</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">ent-</span> <span lang="EN-US">blößt</span><span lang="EN-US"> wurden. </span><span lang="EN-US">Zwei</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">translozierten</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">Denkmäler</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">haben</span><span lang="EN-US"> </span><span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Zeitläufte</span> <span lang="EN-US">seither</span> <span lang="EN-US">überlebt.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Schlangensäule</span> <span lang="EN-US">aus</span><span lang="EN-US"> Delphi war ursprünglich ein Siegesdenkmal </span><span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> Griechen für einen Sieg über die Perser </span><span lang="EN-US">479</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.;</span> <span lang="EN-US">sie</span> <span lang="EN-US">steht</span> <span lang="EN-US">bis</span> <span lang="EN-US">heute</span> <span lang="EN-US">im</span> <span lang="EN-US">Hippodrom</span> <span lang="EN-US">Kon-</span> <span lang="EN-US">stantinopels,</span><span lang="EN-US"> weil sie bei den Türken Istanbuls später als Talisman gegen Schlangenbisse galt </span><span lang="EN-US">und</span><span lang="EN-US"> deshalbnicht eingeschmolzen wurde. </span><span lang="EN-US">Besonders</span> <span lang="EN-US">bewegt</span> <span lang="EN-US">ist</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Geschichte</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">vier</span> <span lang="EN-US">Pfer-</span> <span lang="EN-US">de</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">San</span> <span lang="EN-US">Marco.</span> <span lang="EN-US">Die</span> <span lang="EN-US">Quadriga</span> <span lang="EN-US">stand</span> <span lang="EN-US">zuerst</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">ei-</span> <span lang="EN-US">nem</span> <span lang="EN-US">griechischen</span><span lang="EN-US">Heiligtum,</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">wo</span> <span lang="EN-US">aus</span> <span lang="EN-US">man</span> <span lang="EN-US">sie</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Spätantike</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">Konstantinopel</span> <span lang="EN-US">brachte</span> <span lang="EN-US">und</span><span lang="EN-US"> am Hippodrom aufstellte. Die Venezianer </span><span lang="EN-US">schafften</span> <span lang="EN-US">sie</span> <span lang="EN-US">1204</span> <span lang="EN-US">mit</span> <span lang="EN-US">ihrer</span><span lang="EN-US">Beute</span> <span lang="EN-US">aus</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Plünde</span><span lang="EN-US">rung</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Stadt</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">Venedig.</span> <span lang="EN-US">Von</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Franzosen</span> <span lang="EN-US">1797</span> <span lang="EN-US">konfisziert,</span> <span lang="EN-US">wurde</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Gruppe</span> <span lang="EN-US">1815</span> <span lang="EN-US">nach</span> <span lang="EN-US">Na</span><span lang="EN-US">poleons</span> <span lang="EN-US">Ende</span> <span lang="EN-US">den</span> <span lang="EN-US">Venezianern </span><span lang="EN-US">vom</span> <span lang="EN-US">österreichi</span><span lang="EN-US">schen</span> <span lang="EN-US">Kaiser</span> <span lang="EN-US">Franz</span> <span lang="EN-US">I.</span> <span lang="EN-US">zurückgegeben.</span>

**<span lang="EN-US">RESTITUTIO</span><span lang="EN-US">NEN</span>**

<span lang="EN-US">Restitutionen</span><span lang="EN-US"> waren im Altertum ein seltener </span><span lang="EN-US">Vorgang.</span> <span lang="EN-US">Der</span> <span lang="EN-US">große</span> <span lang="EN-US">Neuerer</span> <span lang="EN-US">Alexander</span> <span lang="EN-US">von</span> <span lang="EN-US">Ma</span><span lang="EN-US">kedonien</span> <span lang="EN-US">ging</span> <span lang="EN-US">auch</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">diesem</span> <span lang="EN-US">Gebiet</span> <span lang="EN-US">voran:</span> <span lang="EN-US">Er</span><span lang="EN-US"> gab 323 v.Chr. die von den Persern geraubte ar</span><span lang="EN-US">chaische</span><span lang="EN-US"> Tyrannenmördergruppe an Athen und </span><span lang="EN-US">an</span> <span lang="EN-US">andere</span> <span lang="EN-US">griechische</span> <span lang="EN-US">Städte</span> <span lang="EN-US">ebenfalls</span> <span lang="EN-US">persische</span> <span lang="EN-US">Beutekunst</span> <span lang="EN-US">zurück.</span> <span lang="EN-US">Die</span><span lang="EN-US">Motive</span> <span lang="EN-US">waren</span> <span lang="EN-US">bei</span> <span lang="EN-US">Alexan-</span> <span lang="EN-US">der</span><span lang="EN-US"> dem Großen politisch, und sie waren es auch </span><span lang="EN-US">in</span><span lang="EN-US"> der Römerzeit. Nach dem Fall Karthagos </span><span lang="EN-US">146</span> <span lang="EN-US">v.</span> <span lang="EN-US">Chr.</span> <span lang="EN-US">sammelte</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Sieger</span> <span lang="EN-US">Scipio</span> <span lang="EN-US">Aemilianus</span> <span lang="EN-US">dort</span> <span lang="EN-US">sakrale</span> <span lang="EN-US">Werke</span> <span lang="EN-US">aus</span> <span lang="EN-US">Sizilien</span> <span lang="EN-US">ein,</span> <span lang="EN-US">welche</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Karthager</span><span lang="EN-US"> geraubt hatten; Scipio gab sie den Städ</span><span lang="EN-US">ten</span><span lang="EN-US"> Gela,Segesta, Thermae (Himera) und Agrigent </span><span lang="EN-US">zurück,</span> <span lang="EN-US">was</span> <span lang="EN-US">positiv</span> <span lang="EN-US">vermerkt</span> <span lang="EN-US">wurde.</span> <span lang="EN-US">Erwähnenswert</span> <span lang="EN-US">ist</span> <span lang="EN-US">danach</span> <span lang="EN-US">nur</span> <span lang="EN-US">noch</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Restituti</span><span lang="EN-US">onsaktion</span> <span lang="EN-US">des</span> <span lang="EN-US">Augustus,</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">er</span><span lang="EN-US">selbst</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">seinem</span> <span lang="EN-US">Rechenschaftsbericht</span> <span lang="EN-US">festhielt</span> <span lang="EN-US">(Res</span> <span lang="EN-US">gestae</span> <span lang="EN-US">24):</span> <span lang="EN-US">„In</span> <span lang="EN-US">den</span><span lang="EN-US"> Tempeln aller Städte der Provinz Asia habe </span><span lang="EN-US">ich</span> <span lang="EN-US">als</span> <span lang="EN-US">Sieger</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Kostbarkeiten</span> <span lang="EN-US">wieder</span> <span lang="EN-US">aufstellen </span><span lang="EN-US">lassen,</span><span lang="EN-US"> die derjenige, mit dem ich Krieg führte, </span><span lang="EN-US">durch</span><span lang="EN-US"> Plünderung dieser Heiligtümer in seinen </span><span lang="EN-US">persönlichen</span><span lang="EN-US"> Besitz gebracht hatte“. Das von Au- </span><span lang="EN-US">gustus</span><span lang="EN-US">zurückerstattete Gut war als privates Die- besgut des besiegten Marcus Antonius deklariert </span><span lang="EN-US">worden,</span> <span lang="EN-US">soweit</span> <span lang="EN-US">es</span> <span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">um</span> <span lang="EN-US">sakrales</span> <span lang="EN-US">Tempelgut</span> <span lang="EN-US">handelte.</span> <span lang="EN-US">Augustus</span> <span lang="EN-US">bezieht</span><span lang="EN-US">sich</span> <span lang="EN-US">nicht</span> <span lang="EN-US">auf</span> <span lang="EN-US">Beute-</span> <span lang="EN-US">gut,</span> <span lang="EN-US">das</span> <span lang="EN-US">die</span> <span lang="EN-US">Römer</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">ihren</span> <span lang="EN-US">Kriegen</span> <span lang="EN-US">erbeuteten</span> <span lang="EN-US">–</span> <span lang="EN-US">und</span> <span lang="EN-US">diese</span> <span lang="EN-US">hielten</span> <span lang="EN-US">sie</span> <span lang="EN-US">in</span> <span lang="EN-US">der</span> <span lang="EN-US">Regel</span> <span lang="EN-US">für</span> <span lang="EN-US">gerechtfer-</span> <span lang="EN-US">tigt.</span><span lang="EN-US"> Insgesamt gesehen spielten Restitutionenim Altertum keine nennenswerte Rolle.</span>

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

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**Sekundärliteratur**

-&gt; Künz, Ernst: Machtdemonstration par excellence. Der immense Kunstraub Roms, in: Der Limes. Nachrichtenblatt der deutschen Limeskommission (16. Jahrgang, Heft 2), Stuttgart 2022.

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# Bauwerke und Baukunst



# Baumaterialien und Techniken der Römer

##### Inhaltsverzeichnis:

1. Jahrtausendealter Superbeton: Warum die Gebäude der Römer bis heute stehen (Artikel)
2. Römische Infrastruktur: Wohlstand entlang antiker Straßen hält bis heute an (Artikel)

##### 1. Jahrtausendealter Superbeton: Warum die Gebäude der Römer bis heute stehen (Artikel  


Moderne Häuser halten bei guter Wartung rund einhundert Jahre. Antike Gebäude aus der Römerzeit scheinen dagegen für die Ewigkeit gebaut zu sein. Liegen könnte das an einem besonderen Baumaterial.

Bis heute sind die Spuren des [Römischen Reichs](https://www.nationalgeographic.de/themenkomplex/themen/geschichte-und-zivilisation/alte-geschichte/antike-zivilisation/altes-rom) an vielen Orten in Europa sichtbar. Bade- und Bürgerhäuser, Amphitheater und andere imposante Bauwerke stehen teilweise seit über 2.000 Jahren an Ort und Stelle – und sind oft [erstaunlich gut erhalten](https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2022/11/alte-technik-romische-fussbodenheizung-in-bonn-entdeckt-alte-romer-kaiserzeit).

Während vielen modernen Häusern eine geschätzte Lebensdauer von im Schnitt etwa 100 Jahren attestiert wird, sind die antiken Bauten auch nach Jahrtausenden noch intakt. Archäologinnen und Archäologen versuchen seit einiger Zeit herauszufinden, warum das so ist. Ein internationales Forschungsteam hat nun eine Antwort gefunden – und lenkt den Blick auf die Selbstheilungskräfte des römischen Betons.

**Geheimformel des römischen Betons**

Der Unterschied zwischen unserem modernen Beton und dem Beton der Alten Römer liegt hauptsächlich in der Zusammensetzung. In dem Beton, der heute beim Bauen zum Einsatz kommt, ist sogenannter Portlandzement aus Kalkstein, Ton, Sand und Kreide enthalten. Der römische Baustoff bestand hingegen vor allem aus vulkanischem Tuffgestein, Vulkanasche und kleinen mineralischen Anteilen in Form von Kalkklumpen.

**Selbstheilender Baustoff?**

Bei der Betonherstellung nutzten die Römer Calciumoxid, also Branntkalk – laut Masic „Kalk in seiner reaktionsfreudigen Form”. Dieser wurde ohne Zugabe von Wasser direkt mit den vulkanischen Bestandteilen vermengt, was chemische Reaktionen auslöste, die die Mischung erhitzten. Wasser wurde erst im letzten Schritt beigemischt. Aufgrund der hohen Temperatur während des Herstellungsprozesses war der Wasseranteil dieser Art von Beton niedriger als in unserem modernen Beton.

Laut Masic verleiht dieser Umstand dem Beton eine Art Selbstheilungskraft: Dringt Wasser in ihn ein, beginnen chemische Reaktionen, bei denen Kalziumkarbonat entsteht. Dieses reagiert anschließend mit den anderen Bestandteilen des Betons und verschließt entstandene Risse.

Die Studienautoren hoffen, dass ihre Erkenntnisse dazu beitragen können, die Beständigkeit moderner Bauten in Zukunft zu erhöhen. „Im Gegensatz zu ihren modernen Pendants blieben die antiken römischen Mörtel und Betone in einer Vielzahl von Klimazonen, Erdbebengebieten und sogar in direktem Kontakt mit Meerwasser beständig”, heißt es in der Studie. Von diesen Eigenschaften könnten die Menschen vor allem in Anbetracht zunehmender Naturkatastrophen und [Ressourcenknappheit](https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2022/04/der-sand-wird-knapp-minenrueckstaende-koennten-als-alternative-dienen) profitieren.

##### 2. Römische Infrastruktur: Wohlstand entlang antiker Straßen hält bis heute an 

Die Römer erschufen einst ein Straßennetz von gigantischem Ausmaß. Eine schwedische Studie zeigt nun: Die Städte entlang dieser Wege sind bis heute überdurchschnittlich reich.

Vor mehr als 2.000 Jahren begannen die Römer damit, ein weitreichendes Straßennetz zu errichten. Einst für den schnellen Transport ihrer Truppen zu Legionsstützpunkten erbaut, dauerte es nicht lange, bis die Straßen auch als Handelswege genutzt wurden.

Über Jahrhunderte hinweg und bis in die heutige Zeit stehen diese ehemals 80.000 Kilometer umfassenden Verkehrswege in direkter Verbindung mit wachsendem oder schwindendem Wohlstand.

Diesen Zusammenhang beweist eine neue Studie aus Schweden. Die Forschenden der Universitäten Kopenhagen und Göteborg sowie des Dänischen Wirtschaftsrats veröffentlichten ihre Ergebnisse nun im [*Journal of Comparative Economics*](https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0147596722000269#aep-article-footnote-id1).

**Nächtliche Satellitenbilder und antike Verkehrsrouten**

Um ihrer These nachzugehen, verglichen die Forschenden zunächst die alten Römerstraßen mit dem heutigen Straßennetz. Dazu nutzten sie aktuelle nächtliche Satellitenbilder und Kartierungen des antiken Straßennetzes des Römischen Reiches und fanden heraus: die Verläufe ähneln sich. Dort, wo heutzutage besonders viele Straßen ausgeleuchtet sind, befanden sich in vielen Fällen auch alte Wegstrecken der Römer.

Aber damit nicht genug: Für präzisere Erkenntnisse nutzten die Forschenden ein Raster, mit dem sie das ehemalige Römische Reich auf den Karten in gleich große Quadrate aufteilten. Bei genauer Betrachtung der einzelnen Kästchen fällt auf: Heutzutage befinden sich größere Straßennetze, Verkehrsknotenpunkte und Städte hauptsächlich entlang der ehemaligen Truppen- und Handelswege.

„Es ist bemerkenswert, \[...\] dass die Römerstraßen zur Konzentration von Städten und wirtschaftlichen Aktivitäten beigetragen haben, obwohl sie verschwunden und von neuen Straßen bedeckt sind“, sagt Ola Olsson, Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Göteborg.

**Was war zuerst da – die Straßen oder der Wohlstand?**

Dieser Fakt führt zu einer der Hauptfragestellungen der Studie: Haben die Römer ihre Wegstrecken entlang besonders wirtschaftsstarker Regionen geplant – oder brachten erst ihre ausgebauten Straßen ein dementsprechendes wirtschaftliches Wachstum in diesen Gebieten hervor?

Laut Ola Olsson zählt diese Frage weiterhin zu den großen Herausforderungen des Forschungsgebiets: „Was diese Studie besonders interessant macht, ist die Tatsache, dass die Straßen selbst verschwunden sind.“ Dennoch seien die Verkehrsnetze größtenteils immer noch in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Zwar wäre das Chaos in Westeuropa nach dem Untergang des Römischen Reiches eine Gelegenheit gewesen, die wirtschaftlichen Strukturen neu auszurichten – doch „trotzdem ist das urbane Muster geblieben“, so Olsson.

Als Beispiel für die Grundsatzfrage nennt die Studie die Stadt Lugdunum – das heutige Lyon. Lugdunum wurde aufgrund mehrerer Aspekte zum wichtigen Knotenpunkt für die Römer. Neben dem geografisch nützlichen Standort nahe den Flüssen Rhone und Saône war vor allem die Römerfeindlichkeit der eigentlich viel bedeutenderen Stadt Vienne ein Grund, weshalb sich die Römer auf die Gründung einer neuen Schlüsselstadt fokussierten.

Während das römische Lugdunum zur drittgrößten und nach wie vor bedeutenden Großstadt heranwuchs, verblieb Vienne im Schatten der einst neu erschlossenen Kolonie. Daraus schloss das Team, dass der römische Straßenbau nicht auf dem „bereits bestehenden Netzwerk wohlhabender Städte in der Gegend basierte“.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-&gt; Lamm, Lisa: Jahrtausendealter Superbeton: Warum die Gebäude der Römer bis heute stehen, in National Geographic online, verfügbar unter: [https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2023/01/jahrtausendealter-superbeton-warum-die-gebaeude-der-roemer-bis-heute-stehen-altes-rom-beton](https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2023/01/jahrtausendealter-superbeton-warum-die-gebaeude-der-roemer-bis-heute-stehen-altes-rom-beton), seit 18.01.2023, zuletzt geprüft am 02.04.2025.

-&gt; Weishaupt, Marina: Römische Infrastruktur: Wohlstand entlang antiker Straßen hält bis heute an, in National Geographic online, verfügbar seit 05.12.2022 unter: [https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2022/12/roemische-infrastruktur-wohlstand-entlang-antiker-strassen-haelt-bis-heute-an](https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2022/12/roemische-infrastruktur-wohlstand-entlang-antiker-strassen-haelt-bis-heute-an), zuletzt geprüft am 09.04.2025.

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Sekundärliteratur

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# Der Limes

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Rom: Das ruinierte Imperium

##### 1. Rom: Das ruinierte Imperium

Wie sich das römische Reich vor den Barbaren zu schützen versuchte – und dennoch unterging. Archäologen deuten die Geschichte des Limes neu. Mit einem überraschendem Fazit ... Claus-Michael Hüssen späht aufmerksam auf die Baumreihe zu seiner Linken. Er sucht nach einer vertrauten Landmarke im Wald. Dann hält er plötzlich sein Auto an, steigt aus, stopft seine Pfeife und entfaltet eine Vermessungskarte. «Hier sind wir richtig», sagt er und läuft los.

Nach etwa 50 Metern bleibt der Forscher der [Römisch-Germanischen Kommission](https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misch-Germanische_Kommission) (RGK, Teil des Deutschen Archäologischen Instituts) im Unterholz vor einem flachen, etwa einen Meter hohen und sechs Meter breiten Erdwall stehen. Fast hätte er ihn übersehen. Die Erhebung ist mit weißen Steinen bedeckt und verläuft in einer ungewöhnlich geraden Linie. Vor 2000 Jahren war dies die Grenzlinie, die das Römische Reich vom Rest der Welt trennte. Der flache Wall ist der unscheinbare Überrest einer einzigartigen, ehemals gut drei Meter hohen Mauer, die sich über Hunderte Kilometer erstreckte und von römischen Soldaten in Wachtürmen kontrolliert wurde.

Er war mit Sicherheit ein aufrüttelnder Anblick in dieser gottverlassenen Wildnis, Hunderte Kilometer nördlich des prachtvollen Rom. «Der Wall war verputzt und farbig bemalt», meint Hüssen. «Alles war präzise und im rechten Winkel angelegt. Die Römer hatten offenbar eine genaue Vorstellung, wie ihre Bauwerke aussehen mussten.» Studenten, die einen anderen Limes-Abschnitt vermaßen, stellten auf einer Strecke von 50 Kilometern eine Abweichung von nur 92 Zentimetern von der Geraden fest. Hüssen schaut nach Norden. 200 Meter entfernt, jenseits einer von Wildschweinen zerwühlten Wiese und eines plätschernden Bachs, erhebt sich der nächste Hügel. «Das ist der weitere Grenzverlauf», sagt der Forscher. «Von der anderen Seite hat man einen wunderbaren Blick auf das – Nichts.»

Was immer die Römer dort einst vorhatten, sie wollten ihr Schicksal keinesfalls dem Zufall überlassen. Die Außengrenzen des Römischen Reichs erstreckten sich über erstaunliche 7700 Kilometer. Sie waren mit Mauern, Wachtürmen und durch Flussläufe gesichert. Auf dem Höhepunkt der römischen Macht bewachten die Soldaten eine Linie, die sich von der Irischen See bis zum Schwarzen Meer, vom Nahen Osten quer durch Nordafrika erstreckte. Teile der Befestigungen sind noch erhalten, in England und in den Niederlanden, in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich, in Kroatien, Rumänien, im Irak, von Syrien bis nach Marokko. Der Hadrianswall in England wurde 1987 zum Unesco-Welterbe erklärt, 2005 auch der 550 Kilometer lange Limes zwischen Rhein und Donau. Denkmalschützer erhoffen sich das auch für Überreste in 16 weiteren Ländern.

**Archäologen und Historiker in ganz Europa betrachten die römischen Grenzanlagen inzwischen nicht mehr als Ansammlung einzelner Stätten, sondern in ihrer Gesamtheit**. Und sie hoffen, so weitere Antworten auf viele Fragen zu finden: Wurden die Wälle, Palisaden, Mauern angelegt, um das Imperium vor all den Völkern und Stämmen ohne römische Bildung – den Barbaren – zu schützen? Oder sollten sie nur markieren, wo das Reich der Römer begann? Warum grenzten sich die Römer, eine von Eroberung und Expansion besessene Kultur, so martialisch von ihren Nachbarn ab?

Es sind Fragen, die hochaktuell sind. Die Festlegung und Verteidigung von Grenzen sorgt immer wieder für Debatten. Die hitzigen Diskussionen über die Sicherung der Grenze zwischen den USA und Mexiko und die Truppenkonzentration an der verminten Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea zeigen, dass sich die Probleme der römischen Kaiser im Prinzip auch heute noch stellen. Deshalb ist die Frage, weshalb sich die Römer so intensiv um ihre Grenzen kümmerten und den Untergang ihres Reichs dennoch nicht abwenden konnten, von mehr als nur historischem Interesse.

Moderne Großmächte können von der Politik der Römer in mehrfacher Hinsicht lernen: Eine Fixierung auf Mauern und Stacheldraht deutet nie darauf hin, dass eine Macht aufsteigt. Starke Staaten haben ihren Einflussbereich seit je ausgedehnt. Amerikanische Politiker sind zu- nehmend in der Vorstellung gefangen, dass sie die Grenze zu Mexiko abriegeln müssen – als die Wirtschaft ihres Landes boomte, war das noch kein Thema. Die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland wurde gebaut, um die DDR zusammenzuhalten und die Bürger an der Ausreise zu hindern – nicht, um Invasoren abzuhalten. Die Geschichte wird womöglich zeigen, dass die heutige Obsession für die Sicherung unserer Grenzen in Wirklichkeit ein Symptom für Unsicherheit ist: der erste Schritt in den Niedergang.

**Für Rom bedeutete jedenfalls die Befestigung seiner Grenzen den Anfang vom Ende.** Das Reich war auf dem Höhepunkt seiner Macht angelangt, und die neuen Sicherheitswälle waren Ausdruck dafür, dass es weder den Wunsch noch die Mittel hatte, sich weiter auszudehnen. «Wenn man einmal Barrieren errichtet, ist es nicht mehr so leicht, sich zu bewegen», sagt C. Sebastian Sommer, Chefarchäologe beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München.

Etwa vom Jahr 500 v. Chr. an entwickelte sich Rom sechs Jahrhunderte lang kontinuierlich von einem kleinen Stadtstaat in Italien zum größten Reich in der europäischen Geschichte. Die Römer ehrten den Sieg in Gestalt der Göttin Victoria, und politisch konnte nur etwas werden, wer Ruhm auf dem Schlachtfeld erworben hatte. 241 v. Chr. war Italien erobert. Griechenland, Spanien und Nordafrika folgten. Zwischen 50 und 58 v. Chr. kam, sah und siegte Julius Caesar in Gallien, das ungefähr dem heutigen Frankreich und Gebieten bis zum Rhein entsprach. Sein Neffe Octavian übernahm die Macht in Ägypten und drang weit nach Nordeuropa vor. Ein knappes Jahrhundert später, 43 n. Chr., marschierte Kaiser Claudius auf der Britischen Insel ein. Sie war so weit von Rom entfernt, dass sie vielen Menschen dort beinahe als mythischer Ort galt. Kaiser Trajan setzte die Expansion fort. Zwischen 101 und 117 führte er Eroberungskriege im heutigen Rumänien, Armenien, Iran und Irak. Er unterdrückte jüdische Revolten in Judäa. Römische Münzen rühmten seine Eroberungen und Triumphe.

Als Trajan im Jahre 117 starb, erstreckte sich das Römische Reich vom Persischen Golf bis nach Schottland. Sein Adoptivsohn Publius Aelius Hadrianus, ein 41 Jahre alter Senator in Spanien, selbsternannter Poet und Baumeister, trat Tajans Erbe an. Der neue Imperator erkannte, dass sich das Herrschaftsgebiet in dieser Größe nicht mehr kontrollieren ließ. Andere Politiker und Generäle drängten ihn, in die Fußstapfen seines Adoptivvaters zu treten, doch Hadrian schreckte zurück. «Seine erste Entscheidung war, die neuen Provinzen aufzugeben und so die Verluste zu begrenzen», sagt der englische Archäologe Anthony Birley. «Hadrian war so klug zu erkennen, dass sich sein Vorgänger übernommen hatte.» Die Politik des neuen Kaisers missfiel einem Heer, das daran gewöhnt war anzugreifen und zu kämpfen. Schlimmer noch: Sie widersprach dem Selbstverständnis Roms. Das Imperium sah sich dazu berufen, die Welt zu beherrschen. Wie sollte es akzeptieren, dass irgendwelche Gebiete nun außerhalb seiner Reichweite lagen?

Hadrian war sich womöglich schlicht bewusst geworden, dass Roms unersättlicher Appetit immer weniger Rendite einbrachte. In den einträglichsten Provinzen wie Gallien und in Spanien, wo der Kaiser geboren war, gab es viele Städte und ertragreiche Landwirtschaft. Aber Schottland wie auch der Norden des heutigen Deutschland waren dünn besiedelt. Es gab keine nennenswerten Straßen oder Ansiedlungen und als Produkte allenfalls wilden Honig, Ochsenhäute und Holz. «Wirtschaftlich und strategisch war es gewiss richtig, Germanien zu meiden», sagt Michael Meyer, Archäologe an der Freien Universität Berlin. «In der Regel will man gute Ergebnisse bei geringem Aufwand. Im Barbaricum gab es keinerlei Infrastruktur – auf welchen Straßen hätten die Truppen marschieren sollen?»

Selbst Zeitgenossen Hadrians wussten, dass sich mancher Einsatz einfach nicht lohnte. «Sie hatten bereits die besten Gebiete zu Land und Wasser», notierte der Geschichtsschreiber Appian. «So ging es ihnen darum, ihr Reich durch Umsicht zu bewahren, anstatt ihren Einfluss endlos unbegrenzt auf verarmte und ertraglose Barbarenstämme auszudehnen.» Hadrian profitierte davon, dass sein Heer ihm großen Respekt zollte. Zum Kaiser ernannt, ließ sich der ehemalige Soldat einen Bart stehen, wie er bei den Streitkräften üblich war.

Damit war er als erster römischer Kaiser auch auf offiziellen Porträts zu sehen. Mehr als die Hälfte seiner 21-jährigen Herrschaft verbrachte er in den Provinzen. In dieser Zeit wurden große Gebiete aufgegeben. Das Heer verschanzte sich hinter neuen, zurückverlagerten Grenzen. Wo immer Hadrian war, wurden Mauern errichtet. «Eine klare Botschaft», befindet Birley: «Es wird keine weiteren Eroberungskriege geben.» Als der rastlose Hadrian im Jahr 138 starb, war aus dem Netzwerk von Kastellen, Lagern und Straßen eine sich über Tausende Kilometer erstreckende Grenzanlage geworden. «Ein in befestigten Stellungen stationiertes Heer umschließt wie ein Bollwerk die zivilisierte Welt», schrieb der griechische Redner Aelius Aristides nicht lange nach Hadrians Tod.

Im Norden Englands ließ Hadrian den Grenzwall errichten, der seither seinen Namen trägt: eine mächtige Anlage aus Stein und Erde, Britannien in zwei Teile zerschnitt. Es kann sein, dass Hadrian sie im Jahr 122 bei einem Besuch selber entwarf. Der Hadrianswall war der ultimative Ausdruck seines Versuchs, die Grenzen des Imperiums neu zu definieren. Heute ist die 118 Kilometer lange Befestigung einer der am besten erhaltenen und dokumentierten Grenzabschnitte Roms. Er verläuft durch Salzmarschen und Schafweiden, über saftig grüne Hügel und in Newcastle entlang einer vierspurigen Straße.

An den meisten Stellen war der Wall 4,5 Meter hoch und 3 Meter breit. Noch heute sind Spuren eines 3 Meter tiefen Grabens zu sehen, der ihn flankierte. In den vergangenen Jahrzehnten wurden bei Ausgrabungen Gruben mit angespitzten Pfählen gefunden, die zwischen dem Graben und dem Wall angelegt waren und als weiteres Hindernis Eindringlinge abhalten sollten. Eine eigens für Truppenbewegungen angelegte Straße ermöglichte es den Soldaten, rasch auf Bedrohungen zu reagieren. In regelmäßigen Abständen von 500 Metern gab es Tore und Wachtürme.

Ähnlich wie der Limes in Deutschland vermittelt der Hadrianswall ein Gefühl von Inflexibilität – als ob Hindernisse im Gelände keine Rolle gespielt hätten. Schon die Idee, eine solche Befestigung zu bauen, grenzt an Arroganz. Im 19. Jahrhundert berechnete ein Ingenieur, dass mehr als 1,7 Millionen Tonnen Stein, Mörtel und Wasser benötigt wurden, um die Mauer zu errichten. Alles Material musste von Hand oder mit Ochsenkarren herbeigeschafft werden. Anders als die Ägypter beim Bau der Pyramiden konnten die Römer nicht auf Arbeitskräfte der Region und auf Sklaven zurückzugreifen. Die Legionäre mussten selber schuften.

Einige Kilometer hinter dem Wall lag anfänglich eine Kette von Kastellen, jeweils einen halben Tagesmarsch voneinander entfernt. In jedem waren zwischen 500 und 1000 Mann kaserniert. Eines dieser Kastelle war Vindolanda. Als Arbeiter dort 1973 einen Entwässerungsgraben anlegten, stießen sie unter einer Lehmschicht auf eine Fülle römischer Artefakte: 1900 Jahre altes Holz, Tuch, Kämme, Lederschuhe und sogar Hundekot. Der Lehm hatte Sauerstoff ferngehalten und alles konserviert. Weiter unten lagen Hunderte dünne Holzplatten mit lateinischen Schriftzeichen: Arbeitsanweisungen, Dienstpläne, Nachschuborder und persönliche Briefe. Sie vermitteln uns ein detailliertes Bild vom Alltag am Hadrianswall. Sogar die Geburtstagseinladung einer Offiziersfrau an eine andere ist dabei: der älteste handschriftliche lateinische Text einer Frau.

Diese Tafeln zeigen, dass das Beaufsichtigen der «elenden kleinen Briten», wie jemand aus Vindolanda die Leute der Region bezeichnete, wohl kein Kinderspiel, aber auch keine Strafe war. Einige Soldaten lebten dort mit ihren Familien; unter den erhaltenen Fußbekleidungen fanden sich Dutzende Kinder- und Säuglingsschuhe. Vor allem die Offiziere waren zudem gut ernährt. Auf dem Speiseplan standen Speck und Schinken, Wild und Huhn, Austern, Äpfel, Eier, Honig, Bier und Wein. Heimwehkranke Soldaten erhielten Care-Pakete: «Ich habe dir ... Socken ... zwei Paar Sandalen und zwei Paar Unterhosen geschickt», heißt es besorgt in einem Brief.

Wissenschaftler stellen heute eine Schlüsselfrage, die trotz einiger Annehmlichkeiten auch manchem Soldat durch den Kopf gegangen sein mag, wenn er stundenlang im englischen Regen Wache stand: Was machten sie da eigentlich? Der Wall, die Befestigungen und Straßen wirken so, als hätten die Römer einem todbringendem Feind gegenübergestanden. Außer vereinzelten Hinweisen (wie dem Grabstein des glücklosen Hauptmanns Titus Annius, der «im Krieg gefallen» war) gibt es jedoch keinerlei direkte Anzeichen für Kämpfe an dieser Grenze.

Was war der Zweck solcher Befestigungen? Die Pläne für eine multinationale Unesco-Welterbestätte könnten helfen, eine Antwort zu liefern, denn sie richten den Blick auf die gewaltige Gesamtheit der römischen Außengrenzen. Nach der ersten wissenschaftlichen Grabung am Hadrianswall durch britische Altertumsforscher vor mehr als 100 Jahren nahmen Historiker und Archäologen lange Zeit an, dass Roms Grenzanlagen militärischen Zwecken diente, um die barbarischen Krieger und feindselige Eindringlinge abzuwehren. Im Ersten Weltkrieg wurden Parallelen zwischen den römischen Grenzwällen und den massiven Befestigungen und Wehranlagen überall in Europa gezogen.

Jahrzehntelang debattierte man vor allem über taktische Details. Standen die Soldaten oben auf dem Wall, um mit Speeren und Pfeilen Angreifer abzuwehren? Oder stürmten sie voran, um sich dem Gegner schon weit draußen im Feld entgegenzustellen? Später verbot der Eiserne Vorhang in Europa eine neue Sichtweise. «Bei dieser massiven, unüberwindlich scheinen- den Grenze ging es nur um hier und drüben, Freund und Feind», sagt C. Sebastian Sommer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. So prägte unsere jüngere Geschichte auch die Erforschung der Römer. Heute schaut eine neue Generation von Archäologen mit anderen Augen auf den Hadrianswall, den Limes und andere römische Grenzbefestigungen. Denn sie hatten womöglich einen ganz anderen Zweck als bisher gedacht.

Auf dem Kontinent nutzten die Römer die Flussläufe von Rhein und Donau und andere natürliche Barrieren, die sie mit Schiffen oder berittenen Truppen bewachen konnten. In Nordafrika und den Ostprovinzen Syriens, Judäas und Arabiens stellte die Wüste eine natürliche Grenze dar. Militärstützpunkte wurden dort errichtet, wo Gewässer, Oasen oder wesentliche Nachschubrouten kontrolliert werden konnten. Das lateinische Wort für Grenze, limes, stand ursprünglich für eine bewachte Flurgrenze. Das Wort hat sich erhalten: Wenn wir „bis ans Limit“ gehen, klingt darin der Plural limites, Grenzen, an. Wo es solche natürlichen Grenzen nicht gab, mussten Wälle und Mauern her. Der Limes ist ein perfektes Beispiel. An seinen Anfängen um 100 n. Chr. stand eine Reihe von kleinen Stützpunkten, die den Handel in den Provinzen sichern sollten. Daraus entstanden im Lauf eines Jahrhunderts Wachtürme, die zunächst mit einem hölzernen Palisadenzaun und später mit Mauern und Verteidigungsgräben befestigt wurden. Öfters wurde der Verlauf des Limes korrigiert, um das Reisen zu erleichtern.

Der Münchener Archäologe C. Sebastian Sommer vertritt die Ansicht, dass der Limes auch eine Art PR-Funktion hatte. Dabei verweist er auf die Marc-Aurel-Säule (Markussäule) auf der Piazza Colonna in Rom. Sie wurde zu Ehren des Siegs dieses Kaisers über die Germanen in den Markomannenkriegen um 176 gestaltet. Auf ihr sind in den Krieg ziehende Soldaten dargestellt. Aufmerksame Betrachter sehen zudem turmartige Bauwerke und einen langen, ununterbrochenen Palisadenzaun. Er ähnelt jener befestigten Barriere, die Marc Aurel zu Beginn seiner Feldzüge quer durch Germanien bauen ließ. Doch zu dieser Zeit befanden sich die nächsten germanischen Siedlungen 100 Kilometer weiter nördlich. Ließ Marc Aurel die Barriere errichten, um sich seinem Volk als vorausschauender Politiker zu zeigen? Wollte er den Römern zeigen, dass er es ernst meinte mit der Grenzsicherung?

Sommer sieht viele Parallelen zur heutigen Politik. Als Beispiel nennt er die Auseinandersetzung um neue Kontrollen an der deutsch- dänischen Grenze im vergangenen Jahr. «Dänemark wurde ja nicht gerade von Wirtschaftsflüchtlingen aus Deutschland überrannt. Die Debatte diente nur dazu, um im dänischen Wahlkampf Stimmen zu gewinnen», sagt er. «Möglicherweise lag dem Bau des Limes ein ähnliches Motiv zugrunde. Vielleicht diente er gar nicht zur Verteidigung – sondern sollte die Bürger Roms in Sicherheit wiegen.»

Viele Jahrhunderte lang verließen sich Roms Herrscher auf eine Kombination von Drohung, Abschreckung und Bestechung, um den Frieden – ihre Pax Romana – zu sichern. Ihre Abgesandten verhandelten fortwährend mit Stämmen und anderen Gruppen jenseits der Grenzen. Durch diese Diplomatie entstand eine Pufferzone, beherrscht von Vasallenkönigen und loyalen Clanführern, die feindliche Stämme aus der weiteren Umgebung von der Grenze fernhielten. Wohlgesinnte Gruppen erhielten das Recht, diese nach Belieben zu überqueren. Andere durften ihre Waren nur mit bewaffneter Begleitung auf römische Märkte bringen. Die Römer handelten mit ihren Nachbarn eine antike Version der heutigen Visa-Abkommen aus. Im Jahr 70 v. Chr. beklagte sich ein germanischer Stamm, seine Mitglieder dürften Köln, schon damals eine Stadt am Rhein, nur unbewaffnet, unter schwerer Bewachung und praktisch nackt betreten. Der römische Historiker Tacitus merkte hingegen an, dass ein anderer germanischer Stamm, die Hermunduren, das Recht hatte, nicht nur an den Ufern der Donau, sondern auch in Kolonien Roms ohne Bewachung Handel zu treiben.

Loyale Verbündete wurden mit Geschenken, Waffen, militärischer Unterstützung und Ausbildung belohnt. Im Gegenzug wurde von ihnen erwartet, für die Sicherheit in der Pufferzone zu sorgen. Doch nicht immer war auf sie Verlass. «Die Heerführer kontrollierten das Barbaricum für die Römer, damit es keine Angriffe auf diese gab», sagt Professor Moosbauer. «Man kann es mit Saddam Hussein vergleichen. Der wurde im ersten Golfkrieg gegen den Iran von den USA unterstützt, und später war er in zwei Kriegen ihr Gegner.» Alliierte Barbaren, die im römischen Heer kämpften, gingen nach 25 Dienstjahren als Bürger Roms in den Ruhestand und konnten sich überall im Reich ansiedeln. «Die Römer heuerten oft Leute mit besonderen Kenntnissen in bestimmten Kampfdisziplinen an, etwa Bogenschützen oder Kavalleriesoldaten», sagt Ulla Lund Hansen, Archäologin an der Universität Kopenhagen. Einige nahmen ihre Waffen und ihr Silber später mit nach Hause.

Belege dafür fanden sich in Mooren in Norddeutschland, Dänemark und Polen: Tausende zerbrochene Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Artefakte, die Germanen ihren Göttern darbrachten. Die Schwerter hatten sich die Krieger durch ihren Dienst in der römischen Armee erworben oder aber im Kampf gegen römische Truppen erobert. Inschriften auf Grabsteinen und Denkmälern in England vermitteln uns einen Eindruck davon, woher Rom seine Soldaten rekrutierte. Allein in Vindolanda waren Männer aus dem heutigen Nordspanien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden stationiert. Irakische Schiffsleute segelten unter Roms Flagge, syrische Bogenschützen bewachten die trostlose Leere des Landes.

**Ein weiteres Werkzeug der Außenpolitik war die Diplomatie.** Die Römisch-Germanische Kommission in Frankfurt führt eine Datenbank mit mehr als 10000 römischen Objekten, die jenseits des Limes gefunden wurden. «Wir haben hier unterschiedlichste Handwerkserzeugnisse: Münzen und Keramik, Waffen, Broschen und Glas», sagt David Wigg-Wolf, der für die Organisation des Archivs mitverantwortlich ist. Die Gegenstände allein verraten zunächst noch nicht viel über ihren Weg in das Barbaricum, ihre schiere Menge schon. Die Analyse zeigt, wie die Römer mit den Stämmen auf der anderen Seite des Limes umgingen. «Die zentrale Frage dreht sich darum, welchen Charakter die Kontakte zwischen dem römischen Kaiser und den Menschen jenseits der Grenze hatten», sagt Wigg-Wolf. «Ging es um Handelsbeziehungen, oder ging es um Politik?» Silbermünzen scheinen zum Beispiel auch noch Jahrzehnte nach dem Bau des Limes in den Norden gelangt zu sein. Als Kaiser Septimius Severus 193 n. Chr. die Macht übernahm, kam der Nachschub aber abrupt zum Erliegen. «Das deutet darauf hin, dass Silber nicht als Tauschmittel über die Grenze gelangte, sondern als Zuwendung, um den Frieden zu sichern», sagt Wigg-Wolf. «Septimius Severus entschied offenbar, dieses Verfahren zu beenden.»

Römische Außenpolitik bestand nicht nur aus Wohltaten, auch aus Krieg und Vergeltung. Sieben Jahre brachten die Römer allein damit zu, sich für die verheerende Niederlage gegen die Germanen in der Varusschlacht des Jahres 9 n. Chr. zu rächen. Mit einer riesigen Streitmacht übte Germanicus blutige Vergeltung. Der Geschichtsschreiber Tacitus berichtet, dass der Feldherr nach einer Schlacht «seinen Helm vom Kopf nahm und seine Leute ersuchte, mit dem Abschlachten nicht aufzuhören, denn er wünsche keine Gefangenen, und nichts als die völlige Zerstörung der Nation könne den Krieg beenden.» Auch Hadrian ging gegen aufrührerische Völker vor. In Judäa schlug er eine jüdische Revolte nieder; ein römischer Historiker berichtet von einer halben Million getöteter Juden. Der Name der Provinz wurde in Syria-Palaestina geändert, um alle Spuren der Rebellion zu tilgen.

Wenn die Situation es erforderte, zögerten die Römer nicht, weit jenseits ihrer Grenze militärisch einzugreifen. Vor wenigen Jahren wurden am Harzhorn, einem Bergsporn südlich des heutigen Hannover, Hinweise auf eine große Schlacht zwischen Römern und Germanen gefunden. Wahrscheinlich waren römische Truppen aus dem Rückweg von einer Strafexpedition an die Elbe dort um 235 n. Chr. in einen Hinterhalt der Germanen geraten – 350 Marschkilometer von der nächsten damaligen Garnison entfernt. Für die Römer war der Kampf unabdingbar, um die Sicherheit ihres Imperiums zu gewährleisten.

«Die Pax Romana wurde nicht durch mehrere Schlachten gesichert», sagt Ian Haynes, ein Archäologe der Universität Newcastle. «Eher musste sie immer wieder neu und auf brutale Weise bestätigt werden.» Der Hadrianswall war über Jahrzehnte die wohl massivste Grenze Roms. Die aufgegebene Festung Dura Europos am Euphrat gilt hingegen als Symbol für die Phase, in der die Grenzen des Imperiums zu fallen begannen.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-&gt; Curry, Andrew: Rom: Das ruinierte Imperium, in: National Geographic online, online verfügbar seit 2012 unter: https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/rom-das-ruinierte-imperium, zuletzt geprüft am 09.04.2025.

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Sekundärliteratur

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# Aquädukte und Wasserwirtschaft

#### Inhaltsverzeichnis

1. Der erste Aquädukt. Wasser für Rom.
2. Abwasserentsorgung im römischen Köln
3. Frischwasser für gut situierte Römer in der Wetterau
4. Römer-Quellen: Wasserversorgung in der Antike
5. Der Rhein im Denken der Römer
6. Die Eifelwasserleitung nach Köln
7. Das stille Örtchen. Toiletten in der Antike.
8. Fortschritt mit Nebenwirkungen - Wie Blei die Antike veränderte
9. Thermenwesen I - Bautypen römischer Thermen
10. Thermenwesen II - Die soziale Komponente römischer Thermen

##### 1. Der erste Aquädukt. Wasser für Rom.

**Ihren wichtigsten Kampf führen die Römer nicht gegen die Heere ihrer Gegner – sondern gegen die Natur. Denn nur wenn es ihnen gelingt, Rom mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen, kann die Stadt weiter wachsen. Und so über brücken römische Ingenieure Täler und Ebenen, durchbrechen Wälder und Berge, um über Aquädukte das kostbare Nass selbst aus entlegenen Quellen in ihre Kapitale zu leiten.**

Rom hat keinen bedeutenden Hafen, liegt weder an einem großen See noch am Meer – und doch ist Wasser das Geheimnis seiner Größe. Denn Wasser lässt die Stadt wachsen, als die natürlichen Grenzen ihrer Ausdehnung längst erreicht sind. Ohne Wasser hätten die Römer ihre Stadt nicht zur mächtigsten Metropole der Welt ausbauen können. Hunderte Mil lio nen Liter sind für diesen einzigartigen Aufstieg nötig, glasklares Nass, jeden Tag.

Die unmittelbare Umgebung der Stadt bietet diese unverzichtbare Ressource nicht in ausreichender Menge. Um sie dennoch zu bekommen, müssen die Bewohner die Natur besiegen. Und so bestreiten die Römer ihren bedeutendsten Kampf nicht gegen die Armeen ihrer Feinde, sondern gegen die Täler und Berge, die Sümpfe und Wälder, die ihre Stadt umgeben.

Nur so können sie sicher stellen, dass das Wachstum ihrer Stadt nicht im Chaos endet. Es ist ein Kampf, der jahrhundertelang andauert und der Roms Ingenieure immer wieder vor scheinbar unlösbare Probleme stellt. Und der doch dazu führt, dass Bauwerke entstehen, die zu den beein druckendsten der Geschichte gehören: Roms Aquädukte. *Aqua* bedeutet im Lateini schen „Wasser“, *ductus* „Leitung“. Die Römer versuchen also, das Wasser zu leiten, es zu beherrschen. Zwar bauen schon die Griechen Wasserleitungen, um ihren Bedarf an Trinkwasser zu decken, auch die As - syrer sowie die Etrusker in Norditalien. Doch niemand perfektioniert die Technik so sehr wie die Ingenieure aus der Tiberstadt.

Als die Republik im Jahr 27 v. Chr. endet, transportieren fünf gigantische Fernwasserleitungen jeden Tag mehr als 200 Millionen Liter Wasser in die Stadt. Die Aquädukte verlaufen insgesamt über mehr als 200 Kilometer Länge, über winden Täler, Berge und Flüsse. In Rom ergießen sich die Aquädukte in Reservoire. Von dort aus leiten Tausende Blei- und Tonrohre das Wasser in die verschiedenen Bezirke, speisen Brunnen, öffentliche Bäder und bringen das Nass sogar direkt in Häuser wohl habender Römer. Die gewaltigen Mengen an Schmutzwasser, die täglich anfallen, nehmen mächtige, unterirdi sche Kanäle auf und führen sie in den Tiber.

Es ist ein System, in seiner Vollkommenheit typisch für die Römer. Sie mögen keine großen Erfinder sein, doch sobald sie bei anderen Völkern eine Technik entdecken, die ihnen nützlich erscheint, bringen sie die Idee der anderen zur Vollendung. Sie konstruieren nicht die ersten Katapulte, stellen aber bald die durchschlagkräftigsten her; sie bauen nicht die ersten Wassermühlen, aber sehr wahrscheinlich die größten. Und sie errichten auch nicht die ersten Fernwasserleitungen – aber die besten. Allein: Gegen Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. bleibt ihnen keine andere Wahl mehr.

**LANGE ZEIT DECKEN** die Römer ihren Wasserbedarf ohne Leitungen. Die ersten Siedler, die auf Hügeln nahe einer Furt über den Tiber in Lehmhütten hausen, schöpfen ihr Wasser aus dem Tiber sowie aus nahen Bächen und kleinen Quellen. Als Rom im Laufe der Jahrhunderte allmählich zur ländlichen Kleinstadt heranwächst, heben seine Bewohner mehr und mehr Brunnen aus und legen Zisternen an, von denen manche Zehntausende Liter Wasser fassen. Das reicht aus, um die Stadt zu versorgen.

Vom 4. Jahrhundert v. Chr. an aber triumphiert Rom zunehmend über die benachbarten Völker und Gemeinwesen, erobert nach und nach die etruskischen Stadtstaaten, zwingt Latiner in ein Bündnis, später auch Samniten. Immer mehr Menschen siedeln am Tiber, die in der Metropole eine Chance zum wirtschaftlichen Aufstieg sehen. Gegen Ende des Jahrhunderts zählt Rom bereits etwa 75 000 Einwohner. Und wächst weiter.

Die Neuankömmlinge brauchen sauberes Trinkwasser. Ihre Abfälle, feste wie flüssige, müssen entsorgt werden, sonst drohen Krankheiten. Nur mit Brunnen, Zisternen und Kanälen sind diese Probleme nicht mehr zu bewäl tigen. Doch als der Zensor Appius Claudius – in seinem Amt unter anderem für Roms öffentliche Bauten zuständig – 312 v. Chr. den Bau der ersten Fernwasserleitung in der römischen Geschichte plant, sind viele Mitglieder des Senats gegen das Projekt. Ver mutlich empfinden sie das Vorhaben als zu groß, zu teuer und zu risikoreich. Und womöglich verdächtigen sie Appius auch, mit dem epochalen Bau vor allem persönliche Ziele zu verfolgen.

Denn obwohl der Politiker aus einem traditionsreichen römischen Adelsclan stammt, sind in den Jahrzehnten zuvor nur wenige seiner Familienmitglieder in be deutende Ämter auf gestiegen. Und so könnte Appius die Fernwasserleitung dazu nutzen, sich bei seiner weiteren politischen Karriere die Unterstützung der ärmeren Bevölkerung zu sichern – denn es sind vor allem die vielen Bewohner der engen und verdreckten Mietshäuser, die von einer besseren Wasserversorgung profitieren würden. Ist der erste Aquädukt Roms also nichts anderes als ein vorzeitiges Wahlkampfgeschenk? Das verwegene Pres tigeprojekt eines ehrgeizigen Politikers?

Tatsächlich ist der Plan des Appius Claudius, von Osten her eine mehr als 16 Kilometer lange, zumeist unterirdische Wasserleitung an die Stadt heranführen zu lassen, ein waghalsiges Unternehmen. Und mit der von Claudius zeitgleich geplanten Via Appia – einer knapp 200 Kilometer langen Straße in den Süden – Teil eines der größten Bauprogramme der römischen Geschichte: ein Projekt, das viele Millionen Sesterzen verschlingt und Roms Ingenieure vor extrem komplexe technische Herausforderungen stellt.

Doch so sehr die Senatoren an diesem Großvorhaben auch zweifeln mögen – verhindern können sie es nicht: Zu drückend ist der Mangel an sauberem Wasser in der wachsenden Metropole. Wie die Römer nach und nach die Wasserversorgung ihrer Stadt perfektionieren, davon berichten der Architekt Vitruv sowie der Senator Frontin, später Leiter der Wasserbehörde. Obwohl der Baumeister zur Zeit Caesars lebt und der Politiker in der Kaiserzeit, gelten etliche ihrer Ausführun gen auch für die republikanische Epoche, denn die Grund sätze der Konstruktion bleiben die gleichen.

**SO STEHT AM BEGINN** des Baus jedes Aquädukts die Suche nach ergiebigen Quellen, geeigneten Seen oder Flussläufen. Dazu erforschen Experten gezielt das Umland, achten dabei unter anderem auf Zeichen, die auf Grundwasserquellen hinweisen – sie suchen nach bestimmten Pflanzen, Weiden etwa, Erlen, Binsen. Legen sich flach auf den Bauch, stützen ihr Kinn auf den Boden und achten auf Verdunstungen, die aus dem Erdreich aufsteigen.

Haben sie eine vielversprechende Stelle ausgemacht, entscheidet sich oft wohl schon nach dem ersten Spatenstich, ob es lohnt, weiterzugraben: Ist der Boden lehmig oder grobkörnig, suchen die Männer anderswo, denn das Wasser unter diesen Böden wird im besten Falle „nicht wohlschmeckend“ sein, wie Vitruv schreibt, und im schlimmsten sogar „schlammig trübe“. Am reinsten, so der Architekt, sei das Wasser meist am Fuß von Bergen: kühl „und der Gesundheit zuträglich“.

Für den Bau der Aqua Appia entdecken die Römer um 312 v. Chr. am Rande der Sabiner Berge nordöstlich ihrer Stadt Quellen von bester Qualität. Doch ob die als Startpunkt ihres Aquädukts taugen, wissen sie damit noch lange nicht. Denn entscheidend beim Wassertransport ist die Schwerkraft: Die Aquädukte müssen ein Gefälle haben, andernfalls erreicht kein ein ziger Tropfen die Stadt. Deshalb müssen die Ingenieure vor dem Bau eines Kanals nicht nur seinen Start-, sondern auch den exakten Endpunkt festlegen. Sie müssen bestimmen, wo genau die Wasserleitung in Rom ankommen soll und welche Höhe sie dort noch hat, damit das Wasser in der Stadt möglichst viele Bezirke erreicht.

Von dem Punkt in der Stadt aus, den sie für günstig halten, laufen sie dann zurück zur Quelle, notieren die Lage von Hügeln, schätzen die Tiefe von Tälern, achten während des Weges auf jeden Höhen unterschied. Sie „lesen“ also den Verlauf der Landschaft, erwägen unterschiedliche Strecken, machen Umwege. Erst dann stecken Arbeiter Holzpfähle in den Boden, markieren so den Weg, den der Aquädukt nehmen soll.

Anschließend bringen Männer einen Chorobat zur Quelle: ein Gerät zum Messen von Höhenunterschieden. Sie stellen die schmale, knapp sechs Meter lange Platte, als deren Beine hüfthohe Hölzer dienen, auf den markierten Verlauf des Aquädukts. Vermutlich haben sie Holzkeile, Balken und Steine dabei, die sie so unter die Beine schieben, dass die Apparatur waagerecht steht. Sie können sich dabei an vier Bleiloten orientieren, die von der Platte herabhängen und mit senkrechten Markierungen an den Streben übereinstimmen, sobald die Apparatur horizontal ausgerichtet ist (siehe Illustration Seite 47).

Wenn bei starkem Wind die Lote nicht zur Ruhe kommen, füllt ein Arbeiter eine Mulde in der Mitte der Holzplatte mit Wasser. Reicht die Flüssigkeit an allen Stellen bis zum Rand der Mulde, ohne überzulaufen, wissen sie, dass ihr Gerät ebenmäßig steht. Sobald der Chorobat exakt waagerecht steht, stecken Landvermesser zwei Latten vor und hinter dem Gerät in den Boden, jeweils ein paar Meter entfernt. Ein dritter geht am Gerät in die Hocke, sodass seine Augen genau auf der Höhe der waagerechten Platte des Chorobats sind, und visiert die Messlatten über die Platte an. Anhand der Markierungen an den Latten kann er die Höhenunterschiede zwischen ihren Positionen berechnen – und so das Gefälle zwischen den beiden Messpunkten bestimmen.

Mithilfe des Chorobats vermessen die Männer so die Strecke des Aquädukts, notieren akribisch jede Änderung des Gefälles. Meist benutzen sie dazu wohl die Messlatten; in Streckenabschnitten aber, die recht ebenmäßig sind, bestimmen sie das Gefälle wahrscheinlich direkt am Chorobat, indem sie die Höhe der Holzbalken fest halten, die sie brauchen, um das Gerät in die Waagerechte zu bringen. Nach jeder Messung drehen sie das Gerät um 180 Grad – bewegen es also wie einen Stechzirkel vorwärts. Denn die Landvermesser sind sich sehr wohl bewusst, dass selbst ein sorgfältig gearbeiteter Chorobat nicht immer exakt gleich lange Beine hat, dass sich die Platte verziehen kann, etwa nach einem Regenschauer. Und auch wenn die Ungenauigkeiten nur minimal sind, würden sie sich bei der Vielzahl der Messungen zu einem gravierenden Fehler summieren.

Deshalb ermitteln die Landvermesser den Höhenunterschied regelmäßig an beiden Enden ihres Geräts – und gleichen die Unzulänglichkeit ihres Materials dadurch aus, dass sie zweimal „falsch“ messen, in der Summe aber das richtige Ergebnis erhalten.

Bis sie an Roms Stadtgrenze angekommen sind, haben sie den Chorobat mehrere Tausend Male akribisch in die Waagerechte gebracht, die Messstäbe anvisiert, die Ergebnisse auf Schreibtafeln zusammengestellt und an den Bauleiter über geben. Der kann nun seinen Arbeitertrupps genau sagen, wie sie das Gelände in ihrem jeweiligen Abschnitt nivellieren müssen, damit die Leitung eine möglichst einheitliche Neigung hat – die Römer bauen einen Aquädukt nicht vom Start zum Ziel, sondern teilen die Strecke, um Zeit zu sparen, in viele Einzelabschnitte auf. Die Arbeiter kennen nur das Gefälle in ihrem Bereich; sie wissen beispielsweise, dass ihre Trasse pro Kilometer fünf Meter an Höhe verlieren soll.

Mit dieser Vorgabe beginnen sie zu graben, schlagen Schneisen in die Pinienwälder der Umgebung. Denn die Aquädukte verlaufen zumeist unterirdisch – unter anderem deshalb, weil sie so geschützt sind: vor Feinden, die sie zerstören oder das Wasser vergiften könnten; vor Wasserdieben, die die Leitungen anzapfen. Die Aqua Appia etwa verläuft nur auf einem Teilstück von rund 100 Metern über der Erde. Die junge, von Konkurrenten umgebene Republik will ihre erste Lebens ader so gut wie möglich verstecken.

Und so heben Hunderte Arbeiter einen kilometerlangen Graben aus, der genug Platz lässt für den Bau der etwa 80 Zentimeter breiten und doppelt so hohen Wasserleitung. Um sicherzugehen, dass sie beim Ausheben der Trasse das vorgegebene Gefälle einhalten, hat jeder Bautrupp drei T-förmige Hölzer dabei. Die, etwa brusthoch, haben erfahrene Tischler mit exakt den gleichen Abmessungen gefertigt. Am Beginn ihres Trassenabschnitts stecken Landvermesser zwei der Hölzer entlang der Strecke in die Erde. Diese Fixpunkte, einige Meter voneinander entfernt, haben sie per Chorobat so eingerichtet, dass ihr Höhenunterschied genau dem Gefälle entspricht, das der Bauleiter bestimmt hat.

Nun stellt sich ein Arbeiter mit dem dritten T-Holz weiter unten im Trassenverlauf auf. Oben geht der Ingenieur vor dem ersten T-Holz in die Knie, blickt genau über dessen Oberkante, kneift ein Auge zu und peilt das zweite Holz an, sodass sich die Oberkanten der Hölzer decken.

Aus diesem Blickwinkel weist er den Arbeiter mit dem dritten Holz so lange ein, bis sich auch die Oberkante des dritten Holzes auf einer Linie mit den ersten beiden befindet. Dieser Punkt wird wie die beiden ersten mit Holz pflöcken für den Bautrupp markiert. Das T-Holz am Start der Trasse ist jetzt frei, um es weiter unten wieder aufzustellen und mit ihm einen vierten Punkt abzu stecken, den ein Arbeiter bestimmt, indem er vom zweiten über das dritte T-Holz peilt. So geht es weiter. Bei jedem Durchgang markieren die Arbeiter den neu gefundenen Fixpunkt mit einem kleinen Holzpflock, bis zum Ende ihres Trassenabschnitts. Mit den T-Hölzern heben die Arbeiter die gewünschte Gefälle linie sozusagen vom Boden auf Augenhöhe – so können sie das Gefälle Stück für Stück überprüfen, schnell und ohne gro ßen Aufwand.

´Allerdings hat die Methode einen Nachteil. Da die Arbeiter stets in einer geraden Linie über die Oberkanten der Hölzer blicken, lässt sie die Erdkrümmung außer Acht: Die Arbeiter kommen mit den T-Hölzern auf ihrem Abschnitt stets ein wenig *über* dem gewünschten Endpunkt an. Die Ab weichung wird größer, je länger die Strecke ist. Die Ingenieure entscheiden deshalb, die einzelnen Abschnitte der Trasse immer von oben nach unten fest zulegen, also von der Quelle in Richtung Stadt. Denn auf diese Weise können sie darauf vertrauen, dass sie den jeweils anschließenden Streckenabschnitt niemals zu tief, sondern stets ein wenig zu hoch erreichen – ein Fehler, der sicherstellt, dass der Aquädukt immer aus rei chen des Gefälle hat und den die Arbeiter ausgleichen können, indem sie die beiden Kanal abschnitte durch ein kurzes, steileres Stück verbinden.

Auf diese Weise folgt die Trasse dem Bodenprofil und verliert in der Regel pro Kilometer zwischen anderthalb und drei Metern an Höhe.

**WÄHREND HUNDERTE** Arbeiter entlang der Trasse Bäume fällen, Tonnen von Erde be wegen und durch Tausende Messungen dieses stetige Gefälle garantieren, schuften mindestens ebenso viele in den staatseigenen Tuff- und Kalksteinbrüchen östlich von Rom. Hilfsarbeiter trennen dort rie sige Steinquader aus den Felswänden, benutzen meterlange, zahnlose Sägeblätter, die den Stein mithilfe jenes scharfkantigen Sandes durchdringen, den die Arbeiter in die Schnittkerbe streuen. Oder sie schlagen Spalten in den Fels, treiben in bestimmten Abständen eiserne Keile hinein und sprengen so das Gestein von der Felswand ab.

Aus den Blöcken meißeln Steinmetze gleichmäßige Quader. Mit zweioder vierrädrigen Gespannen bringen Kutscher das Baumaterial zur Trasse.

Roms Zensoren schreiben jedes größere Bauvorhaben öffentlich aus und be auftragen dann die Unternehmer, die den besten Preis bieten. Dennoch kostet jeder Aquädukt die Republik gewaltige Ressourcen an Material und Arbeitskräften. Und gehört ein Stück Land, über das die Wasserleitung ver laufen soll, einem Privatmann, muss der Staat es ihm teuer abkaufen, denn enteignen würde er seine Bürger nicht. So belastet allein die Aqua Marcia, die dritte von Roms Fernwasserleitungen, die Staatskasse mit wohl 180 Millionen Sesterzen (der Jahressold einer Legion von 5000 Soldaten beträgt zu jener Zeit etwa 2,4 Millionen Sesterzen). Kein Wunder also, dass Beamte die Bauarbeiten penibel überwachen und jeden Mangel sofort beanstanden. Sie wissen: Das Wasser ist ein gnadenloser Gegner – kraftvoll und gegenüber dem Material schonungslos.

Um es zu bändigen, heben die Arbeiter an der Quelle sehr wahrscheinlich eine Grube aus und bauen darin ein großes Auffangbecken aus *opus caementi cium* , einem Gussbeton aus Kalkmörtel, in den Vulkanerde und Gesteinsbruch gemengt werden. Opus caementicium ist robuster als andere Baustoffe – und noch wichtiger: Es härtet auch unter Wasser aus.

Im unteren Bereich der Beckenwände lassen die Arbeiter kleine Schlitze zum Erdreich; durch sie kann das Quellwasser eindringen. An einer großen Öffnung weiter oben wird später die Wasserleitung angeschlossen. Sie wird zumeist aus Stein gemauert. Von innen verputzen Arbeiter die Leitung mit Opus caementicium, und – wohl ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. – einer dünnen Schicht *opus signium* , einem ebenfalls undurchlässigen Material, das das Wasser in seinem Fluss kaum bremst. Den U-förmigen Kanal verschließen sie anschließend mit großen Steinplatten, oder sie mauern als Dach einen Bogen darüber. So nimmt die Leitung nach und nach Form an, immer mehr Trassenabschnitte werden verbunden, und endet einer von ihnen am Abgrund eines tiefen Tals, steht dort oft schon eine Brücke, über die der Kanal die andere Seite erreichen kann.

**DENN NACHDEM** der Bauleiter die Trasse des Aquädukts festgelegt hat, sind auch Brückenbauer losgezogen. Mit Steinquadern haben sie die Außenwand der Brückenpfeiler gemauert, die Fundamente tief im Erdreich verankert. Ab einer gewissen Höhe haben sie die Steine mit Kränen angehoben, deren Zugseile über eine Welle mit einem großen hölzernen Rad verbunden waren, in dem mehrere Sklaven liefen und dem Flaschenzug des Krans so genügend Hubkraft verliehen.

In die fertig gemauerten Pfeiler, noch hohl, haben sie Opus caementicium gefüllt: Der Gussbeton soll die mächtigen Stützen stabilisieren, die für die relativ geringe Last, die sie tragen sollen, eigentlich zu groß sind – aber so Jahrhunderte überdauern. Von Pfeiler zu Pfeiler haben die Brückenbauer große Bögen gemauert. Durch die Bogentechnik sparen sie viele Tonnen an Material, können die Brücken auch über längere Strecken bauen. Schon die Etrusker und Ägypter errichteten Bögen, doch die Römer entwickeln die Methode weiter, setzen bei ihren Aquäduktbrücken mehrere Bogenreihen übereinander und schaffen schließlich Bauwerke von fast 50 Meter Höhe.

Die letzte, entscheidende Ebene, auf der die Wasserleitung entlanglaufen soll, errichtet der Bautrupp wahrscheinlich erst, wenn die Arbeiten an dem Trassen abschnitt vor dem Aquädukt fast beendet sind. Denn obwohl die Planer den Anfangs- und Endpunkt der Brücke per Chorobat bestimmt haben, wissen sie erst, wenn der Kanal in Sicht ist, wie hoch die Brücke tatsächlich sein muss. Bei besonders tiefen Tälern entscheiden die Ingenieure (vor allem in der Kaiserzeit), nur eine kleine Brücke am Talboden zu bauen und die Wasserleitung an den Hängen herab- und wieder hinaufzuführen. Die Rohre für diese steilen Strecken gießen Handwerker aus Blei, denn die Leitungen, die einen geringeren Durchmesser haben als das steinerne Aquädukt, müssen dem hohen Druck des Wassers standhalten.

Am Ausgangspunkt des steilen Abschnitts bauen Arbeiter ein offenes Becken. Hier sammelt sich später das Wasser, bevor es in die Bleirohre schwappt, die vom oberen Ende des Bassins abzweigen. Auf der anderen Seite des Tales errichtet ein weiterer Bautrupp am Anfang des nächsten Leitungsstücks ein zweites Sammelbecken – allerdings einige Meter tiefer als das Gegenüber liegende: So kann das Wasser später gemäß dem Gesetz kommunizierender Röhren die Steigung überwinden. Die größte Herausforderung für die Ingenieure sind aber nicht die Täler – sondern die Berge. Wann immer möglich, umgehen die Planer Erhebungen, nehmen auch Umwege in Kauf.

Doch nicht immer hilft diese Lösung; denn wird die Strecke des Aquädukts zu lang, reicht das Gefälle nicht mehr aus, um das Wasser bis nach Rom zu bringen. Und so bleibt den Römern manchmal nichts anderes übrig, als das Wasser durch einen Berg hindurchzuführen. Mit dem Chorobat bestimmen Spezialis ten wahrscheinlich die Lage von Ein- und Ausgang des Tunnels und stecken von dort aus den geplanten Tunnelverlauf über den Höhenzug ab. Entlang dieser Linie graben Arbeiter mit Schaufeln, eisernen Keilen und Hämmern senkrechte Schächte aus. Dann treiben Arbeitertrupps Verbindungsstollen zwischen den Schächten durch den Berg. Damit der Tunnel am Ende das vom Bauleiter vorgegebene Gefälle hat, orientieren sich die Arbeiter an Bleiloten, die in jedem Schacht hängen und mit den Holzlatten an der Oberfläche auf einer Linie sind.

Muss ein Aquädukt jedoch durch einen besonders hohen Hügel geführt werden, ist die Schacht-Methode zu aufwendig; dann entscheiden Ingenieure, den Tunnel von beiden Seiten durch die Anhöhe zu treiben. So können zumindest zwei Trupps aufeinander zu arbeiten, sparen damit die Hälfte der Bauzeit. Doch nicht immer stoßen die beiden Grabungstrupps präzise aufeinander. Zwar stecken die Ingenieure vor beiden Tunneleingängen Holzstäbe in die Erde, die sie mit den anderen Stäben, die über den Hügel den Verlauf des Tunnels anzeigen, in Flucht gebracht haben. So wissen die Arbeiter, dass sie auf dem richtigen Weg sind, solange sie den Stab vom Stollen aus sehen können.

Aber dennoch kommt es vor, dass sich die beiden Trupps nicht treffen, sei es wegen falsch vermessener Stolleneingänge oder Schlamperei der Tunnelarbeiter. Aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. überliefert eine Inschrift sogar den Fall, dass Arbeiter bei einem Aquäduktbau im heutigen Algerien so lange aneinander vorbeigraben, bis jeder Trupp fast den ganzen Hügel durchstoßen hat. Erst der Landvermesser – der die Baustelle in der Zwischenzeit verlassen hatte – bringt die eifrigen Gräber wieder auf Kurs. Doch meist überprüfen Arbeiter die bereits gebaute Strecke regelmäßig anhand der Fluchtstäbe, nehmen, wann immer nötig, kleine Korrekturen vor und schaffen es so, den anderen Bautrupp zu treffen.

Wenn nach monatelanger Arbeit schließ lich alle Hügel durchtunnelt, alle Täler überbrückt und alle Bauabschnitte vollendet sind, lassen die Ingenieure an der Quelle das Wasser erstmals in den Aquädukt fließen. Zumindest an den Druckleitungen werden sie an diesem Tag Arbeiter postiert haben, um sie zur Not rasch zu reparieren. Denn die Biegungen, in der die Leitungen von schrägen Abhängen auf die waagerechten Talbrücken übergehen, sind Schwachstellen der Konstruktion: Baut sich der Druck zu schnell auf, bersten die Rohre.

Einige Stunden dauert es, bis das Wasser Roms Stadtmauer passiert und ein gewaltiges Reservoir erreicht. Von diesem *castellum* gehen mehrere große Blei- oder Tonrohre ab, durch die das Wasser zu Verteilerbecken in den Stadtbezirken gelangt (137 dieser Becken verteilen sich am Ende der Republik über die Stadt). Dort setzen sich auch Sandkörner und andere Verunreinigungen des Wassers am Boden ab. Von diesen Verteilerbecken führen Rohre zu öffentlichen Brunnen und Bädern sowie zu den Häusern wohlhabender Bürger. Roms Einwohner dürfen kostenlos Wasser zum Trinken und Kochen aus den Brunnen schöpfen, sich in Badehäusern – für die sie Eintritt zahlen – waschen und in öffentli chen Latrinen mit dem Sitznachbarn plaudern, während die Kanäle unter den Toiletten sitzen pausenlos durch gespült werden. Doch nur Roms Oberschicht kann all die Annehmlichkeiten, die das Wasser bringt, auch im eigenen Wohnhaus genießen.

Die Höhe des Wassergeldes, das Wohlhabende für diesen Luxus zu entrichten haben, richtet sich nach dem Durchmesser der Zu leitung. 25 verschiedene Normgrößen verwendet die Wasserbehörde, die im 1. Jahrhundert n. Chr. zeitweise 250 000 Sesterzen pro Jahr von den Hausbesitzern kassiert. Im Haus selbst zwei gen von der Zuleitung häufig mehrere Rohre ab, die das Wasser in die Küche und den Waschraum bringen. Für stets gleichmäßigen Druck in den Leitungen sorgen die Castella, die – vergleichbar einem Wasserturm – einige Meter über dem Straßenniveau liegen.

Mit Wasserhähnen können die Privilegierten zwischen kaltem und heißem Nass wählen, denn nicht nur in öffentlichen Dampfbädern, sondern auch in manchem Privathaus münden einige der Rohre in einem durch glühende Holzkohlen erhitzten Kessel. Die Armaturen an den Leitungsenden erlauben es, den Wasserfluss zu stoppen, doch meist lassen die Haus besitzer das Nass einfach laufen, Tag und Nacht; schließlich haben sie dafür bezahlt, und seit es die Aquädukte gibt, erscheinen die Reserven schier unerschöpflich.

Aus den Häusern sowie den öffentlichen Bädern und Latrinen fließt das einst so rare Wasser in die Kanalisation, die unter Roms Straßen verläuft. Dort münden viele der kleineren Abwasser bäche in Hauptleitungen. Die wichtigste, die *cloaca maxima* , haben die Römer bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. ausgehoben, um das Sumpfland, auf dem bald das Forum Romanum entstand, zu entwässern. Zunächst war die Cloaca nicht mehr als ein offener Graben, der in den Tiber mündete. Doch nach und nach verbesserten die Römer den Kanal, überdachten und isolierten ihn teilweise mit Opus signium.

Gegen Ende der Republik ist die Cloaca so groß, dass Inspektoren sie mit dem Boot durchfahren können, und droht sie zu verstopfen, leiten die Verantwortli chen überschüssiges Wasser zu, um sie durchzuspülen. In der Zeit der Aquädukte entsorgt der Kanal jeden Tag Millionen Liter von Schmutz- und Regenwasser in den Tiber – und hilft so, Roms System des ewig fließenden Wassers zu vollenden.

**AUCH DANK IHRER** am Ende bis zu 91 Kilometer langen Fernwasserleitungen wächst die Stadt schneller als je zuvor und hat um die Zeitenwende fast eine Million Einwohner. Immer höher führen die Römer die Aquädukte auf ihre Stadt zu, damit das Wasser auch die Bezirke auf den Hügeln der Metropole erreichen kann.

Und bald ziehen sich Aquäduktbögen mitten durch Roms Häuserschluchten, überspannen mit bis zu 37 Meter hohen Brücken das Gewimmel in den Straßen. Stolz sind die Römer auf ihre Wasserbrücken, errichten sie auch außerhalb ihrer Kapitale: In zahlrei che Provinzen, die die Legionen er obert haben, bringen Ingenieure erstmals Wasserleitungen. So lernen viele der Unterworfenen neben den Togen und Zirkusspielen auch den Luxus fließenden Wassers kennen.

Verstecken müssen die Römer ihre Aquädukte nun nicht mehr – längst sind sie zu Symbolen ihrer Macht geworden, sei es in Gallien oder in Nordafrika. „Mit diesen so vielen und so notwendigen Wasserbauten“, schreibt der Leiter der städtischen Wasserverwaltung selbst bewusst, „kannst du natürlich die überflüssigen Pyramiden oder die übrigen nutzlosen, weithin gerühmten Werke der Griechen vergleichen.“ Und tatsächlich: Wie kein anderes Bauwerk der Antike entsprechen Roms Wasserleitungen den grundlegenden Bedürfnissen der Bevölkerung: Sie löschen den Durst Zehntausender, verbessern die Hygiene, machen den Alltag in der Metropole erträglich.

Es sind die Triumphe auf dem Schlachtfeld, die Roms Aufstieg vorantreiben; aber erst die Fernwasserleitungen ermög lichen es der Stadt, über Jahrhunderte groß zu bleiben, Kriege und Machtwechsel zu überstehen. Und so wurde, was der Zensor Appius Claudius im Jahr 312 v. Chr. mit seiner nur wenige Kilometer langen Leitung begann, zum vielleicht wichtigsten Faktor von Roms einzigartigem Erfolg.

##### 2. Abwasserentsorgung im römischen Köln

Immer seltener bietet sich in Köln die Gelegenheit, größere, seit Kriegsende unbebaute Flächen innerhalb der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA) archäologisch zu untersuchen. Im Rahmen der Generalsanierung von Opern- und Schauspielhaus war dies vor kurzem jedoch möglich, wodurch unter anderem neue Erkenntnisse zur Abwasserentsorgung der Römerstadt gewonnen werden konnten.

  
**GRABUNGEN IM OPERNQUARTIER 2012 / 2013**

Die Sanierung der Kölner Bühnen umfasste auch den Neubau einer Kinderoper und weiterer Räum lichkeiten unter dem sogenannten Kleinen Offenbachplatz. Im Rahmen dieser Maßnahme konnte das Römisch-Germanische Museum zwischen Oktober 2012 und Juni 2013 südlich des Opern- und östlich des Schauspielhauses eine Fläche von etwa 2600 m2 untersuchen. Vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich an dieser Stelle die seit dem Mittelalter nachweisbare Straßenkreuzung Kreuzgasse/  
Streitzeuggasse, was vor allem im Bereich des ehemaligen Straßenlandes eine gute Befunderhaltung versprach. Entsprechend fanden sich neben antiken Überresten auch mittelalterliche Mauern, die unter anderem zu Wirtschaftsgebäuden des nahe  
gelegenen Kreuzbrüderklosters gehörten, sowie mit Kriegsschutt verfüllte Keller gründerzeitlicher Bürgerhäuser. Römische Laufhorizonte waren dagegen nur noch in Ausnahmefällen erhalten, aufgehendes Mauerwerk nirgends. Dennoch erlaubten die unterirdischen Befunde eine Fülle von Aussagen zum städtischen Kanalisationssystem und der Straßenrandbebauung im Zentrum der CCAA.

Bezogen auf die römische Topographie lag der Gra bungsbereich nordwestlich des Forums im Umfeld einer Straßenkreuzung, die allerdings nicht deckungsgleich mit der mittelalterlichen war. Bei der hier verlaufenden Ost-West-Straße handelte es sich  
um den ersten decumanus nördlich des decumanus maximus, der heutigen Schildergasse. Ob dieser eine Kiesoberfläche besaß oder mit Steinplatten gepflastert war, ließ sich nicht mehr feststellen; die Straße konnte nur noch indirekt durch die drei darunter verlaufenden Abwasserkanäle sowie die von Norden und Süden einmündenden Zuleitungen nachgewiesen werden.

**HOLZKANÄLE UNTER DER STRASSE**

Die beiden äußeren Straßenkanäle waren als Spitzgräben, der mittlere als kastenförmiger Sohlgraben in den anstehenden Hochflutlehm eingetieft. Ihr Gefälle verlief nach Osten in Richtung Rhein. Im weiteren Verlauf ging die holzverschalte Kanalisation auf Höhe des Forums in den steinernen Hauptsammler über, der an der Südseite des Prätoriums vorbeiführte und wenig später durch die Stadtmauer in den Fluss entwässerte. Die in der Zeichnung rekonstruierte lineare Ausrichtung der Kanäle besitzt einen vorläufigen Charakter, da sie nur in Ausschnitten untersucht worden sind. Sie waren an der Oberkante noch zwischen 1,20 m und 1,70 m breit, 64–86 cm tief und konnten auf einer Länge von bis zu 42 m nachgewiesen werden. Das Gefälle betrug auf dieser Strecke etwas über einen Meter. Alle drei Kanäle waren ursprünglich mit Holzbohlen verschalt und abgedeckt, worauf eine große Zahl von senkrechten Pfostenlöchern in den Wandungen und auf den Sohlen hindeutet. Sie hatten Durchmesser von 8–16 cm und waren noch bis zu 45 cm tief. Dichte Ansammlungen an manchen Stellen lassen auf eine regelmäßige Instandhaltung der Leitungen schließen. Aus einem der Löcher konnte der Rest eines angespitzten Eichenholzpfostens geborgen werden, der dendrochronologisch in die Zeit um 63 n. Chr. datiert werden konnte.

Die Keramikfragmente aus den Verfüllungen deuten nach einer ersten, vorläufigen Sichtung ebenfalls darauf hin, dass alle drei Gräben spätestens seit der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in Betrieb waren. Vereinzelt ist allerdings auch früheres Fundmaterial (u. a. oberitalische Sigillaten) belegt, so dass eine Verwendung bereits in augusteisch-tiberischer Zeit nicht auszuschließen ist. Bei der Nutzungsdauer allerdings zeigten sich Unterschiede: Zumindest der nördliche Kanal (möglicherweise auch der südliche) geriet im Laufe des 2. Jahrhunderts außer Funktion, während aus dem mittleren noch Keramik mindestens des späten 3. Jahrhunderts stammt. Im 4. Jahrhundert wurde dann auch dieser aufgegeben, wie entsprechende Funde kleinformatiger Münzen aus den darüberliegenden Schichten beweisen.

[![Bildschirmfoto 2026-07-07 um 17.44.30.png](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/scaled-1680-/bildschirmfoto-2026-07-07-um-17-44-30.png)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/bildschirmfoto-2026-07-07-um-17-44-30.png)

Stadtplan des römischen Köln in der mittleren Kaiserzeit. Das Grabungsareal von 2012/2013 befand sich nordwestlich des zentral gelegenen Forums.

**DIE „HAUSANSCHLÜSSE“**

Dass von einer unterschiedlich langen Nutzungsdauer der holzverschalten Kanäle auszugehen ist, bestätigten auch die von beiden Seiten rechtwinklig einmündenden Zuläufe aus Ziegeln. Oft wurden nämlich ältere Ziegelkanäle nach einiger Zeit mit neuen überbaut. Diese entwässerten allerdings nicht mehr wie ihre Vorgänger in die äußeren Sammler, sondern zogen darüber hinweg bis zum mittleren. Möglicherweise wurden die äußeren Spitzgräben sogar etwas früher als der mittige Sohlgraben angelegt. Insgesamt wurden 16 Zubringerkanäle aus nördlicher und acht aus südlicher Richtung dokumentiert. Die meisten von ihnen waren in sehr ähnlicher Weise konstruiert. Ihre Gesamtbreite betrug zwischen 66 cm und 89 cm; die Kanalwangen bestanden aus lagenweise vermauerten, großteiligen Fragmenten von Dachziegeln (tegulae), die mit den Leisten nach oben und zur Kanalinnenseite hin verlegt wurden. Es waren bis zu vier Ziegellagen erhalten, was einer erhaltenen Innenhöhe von maximal 33 cm entsprach. Als Abdeckung dienten vermutlich Holzbretter, Ziegel- oder Steinplatten, die allerdings bei der Grabung nirgends nachgewiesen werden konnten. Die Sohlen der Kanalrinnen (lichte Weite 25–38 cm) wurden aus sorgfältig längs verlegten tegulae oder Ziegelplatten gebildet, deren Ränder in das Mauerwerk der Kanalwangen einbanden. Auf den Rinnensohlen konnten oft Kalksinterablagerungen dokumentiert werden, deren Dicke bis zu 1 cm betrug. So sehr sich ihre Bauweise im oberen Teil glich, so sehr unterschieden sich die Kanäle hinsichtlich ihres Unterbaus. Mal fand sich nur eine dünne Mörtelschicht, anderswo bis zu 28 cm dickes opus caementicium-Mauerwerk unter Verwendung von Grauwacke- und Tuffbrocken sowie Ziegelbruch. Die im Detail unterschiedliche Bauausführung der Zubringerkanäle lässt auf die Errichtung durch einzelne Anlieger schließen. Die Abwasserkanäle im Straßenland dürften hingegen auf eine öffentlich-städtische Gesamtplanung zurückgehen.

[![Bildschirmfoto 2026-07-07 um 17.48.43.png](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/scaled-1680-/bildschirmfoto-2026-07-07-um-17-48-43.png)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-07/bildschirmfoto-2026-07-07-um-17-48-43.png)

Die Verfüllung der Kanäle war recht einheitlich, unabhängig von ihrer Bauweise oder davon, ob sie zeitlich früher oder später erbaut wurden. Es handelte sich durchweg um schwarzbraunen, manchmal grünstichigen, stark humosen Sand. Aus dem Fundmaterial ragen insgesamt 16 Münzen sowie mehrere Nadeln aus Bronze und Bein, ein Bronzebeschlag, eine Bronzefibel, Spielsteine sowie eine Terrakottafigur heraus. Eine Besonderheit stellt eine Kette aus Melonenperlen und Metallanhängern dar. Mit Sicherheit dienten die Kanäle unterschiedlichen Zwecken. Einige setzten auf Höhe einer Reihe von Punktfundamenten an, die zu einem straßenbegleitenden Laubengang (porticus) gehörten, womit es sich um Traufwasserkanäle gehandelt haben wird. In den anderen floss dagegen das Abwasser von Haushalten oder Gewerbebetrieben. Dem System der Traufwasserkanäle ging am nördlichen Straßenrand zeitlich ein west-östlich orientierter, breiter und flacher Sickergraben voraus, der aber nach Ausweis des Fundmaterials kaum länger als bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in Funktion war.

**HÄUSER NÖRDLICH DER STRASSE**

Der decumanus wurde an den Längsseiten von Portiken begleitet, wie sie auch schon an verschiedenen anderen Stellen in der CCAA nachgewiesen werden konnten. Im Norden des Untersuchungsbereichs ergab sich ein recht klares Bild der zugehörigen rückwärtigen Insulabebauung. Anhand von etwa 80 cm breiten und stellenweise über 1,50 m tiefen Ausbruchgräben, in denen sich Grauwackegussfundamente befanden, lassen sich am ehesten giebelständige Häuser mit einem Obergeschoss rekonstruieren, vergleichbar mit Gebäuden, wie sie jüngst für die Capitolsinsula der Colonia Ulpia Traiana in Xanten erschlossen worden sind. In unserem Fall handelte es sich um zwei benachbarte Häuser mit einem Durchgang dazwischen; unterhalb von diesem verlief der mit über 14,50 m längste dokumentierte Ziegelkanal bis zu seiner Mündung in den nördlichen Entwässerungsgraben unter der Straße. In den beiden straßenseitigen Räumen des westlichen Hauses wurde je ein Werkplatz mit einer verziegelten Arbeitsfläche und einem daneben in den Boden eingegrabenen Vorratsgefäß nachgewiesen.

Die neuen Ausgrabungen im Opernquartier ergänzen auf das Beste die Ergebnisse von einige Jahre zurückliegenden Untersuchungen in Köln, darunter die des Nord-Süd-Hauptsammlers unterhalb der Hohe Straße (also des cardo maximus der römischen Stadt) sowie von Kanalauslässen im Bereich Unter Taschenmacher/Kleine Budengasse. Insgesamt verfügen wir damit nun über solide Grundlagen für eine – noch zu schreibende – Gesamtdarstellung des Kanalisationssystems der CCAA.

##### 3. Frischwasser für gut situierte Römer in der Wetterau

Die erfolgreiche Bewirtschaftung der im Hinterland gelegenen villae rusticae war grundlegend für die Versorgung der römischen Soldaten in den Kastellen entlang des Limes. Für die Besitzer der Landgüter war die Frischwassergewinnung essenziell und teilweise mit hohem Aufwand verbunden, wie unlängst in Karben-Petterweil (Wetteraukreis) anhand der dort genutzten Qanat-Technik nachgewiesen werden konnte.

**EINE GRABUNG OHNE VORAHNUNG**

In Karben-Petterweil (Wetteraukreis, Hessen) wurden im Vorfeld der Erschließung eines Neubaugebietes in der Flur „Nördlich der Fuchslöcher“ 2019 zuerst geophysikalische Untersuchungen durchgeführt. Diese erschienen notwendig, da von dem zu einem kleinen Bachlauf geneigten, mit Lösslehm bedeckten Gelände am heutigen östlichen Ortsrand einige vorgeschichtliche Lesefunde bekannt waren. Zu diesem Zeitpunkt konnte allerdings noch niemand ahnen, dass nicht etwa die zu erwartenden vorgeschichtlichen Siedlungsreste im Mittelpunkt der Untersuchung stehen würden, sondern eine überaus spannende versorgungstechnische Konstruktion der Antike, die unter den in den letzten Jahren freigelegten römischen Relikten aus der Wetterau eine außergewöhnliche Entdeckung darstellt.

Im Messbild der geomagnetischen Untersuchung der Firma Eastern Atlas GmbH &amp; Co. KG zeichneten sich wenige auffällige, meist als „Siedlungsgruben“ zu deutende Anomalien ab. Unter der Leitung von Silke Hesemann wurden daher durch die Grabungsfirma AAB-Archäologie Suchschnitte durch das insgesamt ca. 3,5 ha große zukünftige Baugebiet gelegt. Neben kegelstumpfförmigen Vorratsgruben bildete eine „schiffsförmige“ Aneinanderreihung von zahlreichen rundlichen Anomalien einen Schwerpunkt der Grabung. In Profilschnitten konnten diese zunächst bis auf 3 m unter Geländeoberkante verfolgt werden. Sie zeichneten sich als senkrechte Schächte ab, was zu einer ersten Interpretation als Bergbaurelikte führte. Doch was hätte im Löss abgebaut werden sollen? Erst ein in 3 m Tiefe angelegtes Zwischenplanum ließ einen die Schächte verbindenden Stollen erkennen, an dessen Sohle ein aus Taunusquarzit gesetzter Kanal verlief. Damit konnte das Befundensemble als Rest einer Bewässerungsanlage nach Art des Qanat-Verfahrens erkannt werden.

**DIE KONSTRUKTION EINES QANAT**

Unter der arabischen Bezeichnung Qanāt oder Kanat wird eine ursprünglich aus dem Gebiet des heutigen Iran stammende Technik von Tunnelbauten zur Erschließung von Grundwasser verstanden. Bis heute ist diese traditionelle Form der Frischwasserförderung in ariden bis semiariden Gebieten Nordafrikas und Vorderasiens verbreitet. Hierbei wird jeweils ausgehend von einem gebirgig bzw. höher gelegenen Brunnen Grundwasser angezapft und über einen unterirdisch verlaufenden Kanal mit geringem Gefälle, der von zahlreichen vertikalen Zugangsschächten aus erbaut und bewirtschaftet wird, zum Verbrauchsort geleitet (siehe Infokasten).

**DIE QANAT-RELIKTE VON PETTERWEIL**

In Petterweil kamen in 4–5 m Tiefe mehrere unterirdische Leitungsgräben zum Vorschein, die mit einem Gefälle nach Osten in einen Kanal mündeten und ursprünglich das Wasser in ein Becken außerhalb des Grabungsareals leiteten. Die einzelnen Leitungsstränge wurden nacheinander angelegt und ausgebaut, wobei nicht auszuschließen ist, dass sie auch gleichzeitig Wasser führten und so der Durchfluss erhöht wurde. Während Leitung 1 durch eine regelmäßige Reihe aus 2–5 mauseinander liegenden Pingen von etwa 1,2 m Durchmesser an der ehemaligen Oberfläche gekennzeichnet war, deuteten die ausgebrochenen Schächte des nördlichen Leitungsabschnittes 2 auf mehrmalige Einstürze und Ausbauten hin. Diese Annahme bestätigten die Profile, in denen auch der Versturz des Wartungsstollens auf knapp 64 m Länge zu erkennen war.

In Petterweil waren eine Aufschlüsselung des gesamten, aus mehreren Wasserführungen bestehenden Quanat-Systems sowie eine Bestimmung der Bauzeiten während der Grabung nur bedingt möglich. Zu Beginn der Untersuchungen wurden die Eingriffstiefen noch mit Blick auf die spätere Bebauung gering gehalten, so dass nicht alle Befunde vollständig ausgegraben werden konnten. Auch mittels Geomagnetik sind die Qanat-Pingen nicht eindeutig zu lokalisieren, da im gesamten Gelände auch Befunde anderer Epochen mit ähnlichen Abmessungen liegen.

In der ersten Bauphase wird es sich wohl um einen Holzbau gehandelt haben, der sich im Westen in etwa 4 m Tiefe mit Resten von drei Holzplanken zwischen 1,48 m und 1,93 m Länge sowie etwa 16 cm Breite und 2 cm Dicke zu erkennen gab. Die Holzstücke deckten an der Sohle des hier kaum nachweisbaren Stollens eine flach gerundete Rinne aus stark tonigem Schluff ab. Sie war durch den Bodendruck derart stark verpresst, dass eine Kanalstärke nicht berechnet werden kann. Weitere Bruchhölzer lagen unregelmäßig verteilt im Bereich einer breit eingebrochenen Schachtpinge, hinter der die Leitung dann schräg nach Nordosten weiterverlief. Im nächsten Schnitt wurden nur noch verräumte Holzreste angetroffen, wohingegen die Wasserrinne nun aber in Stein ausgebaut war. Nach nur wenigen Dezimetern mündete der Leitungsabschnitt gemeinsam mit Leitung 3 in eine T-förmige Kreuzung zu Leitung 2. Ob die Kreuzung und die ebenfalls frühe Leitung 2 ursprünglich vollständig auf die Holzbauphase zurückgehen bzw. mit dieser gleichzeitig erbaut wurden, ist nicht mehr zu beantworten, da hier die eigentlichen Kanäle nur an den zwei kleinen Schnittstellen aufgedeckt werden konnten. Es ist jedoch angesichts der vielen Pingenverstürze in diesem Bereich eine lange Nutzungsdauer anzunehmen, wobei zwei Ausbauphasen durchaus möglich erscheinen.

Betrachtet man nun den Abschluss der Holzleitung im Westen, so bricht diese deutlich vor dem in ihrer Flucht gelegenen steinernen Wassersammler von Leitung 1 ab. Berücksichtigt man, dass Holzerhaltung im Löss eher die Ausnahme darstellt, ist nicht auszuschließen, dass die Leitung noch etwas weiter in Richtung auf den später in Stein ausgebauten Wassersammler zulief oder direkt am jetzt erhaltenen Ende auf Lössniveau ein solcher aus Holz angesetzt war.

Es bleibt jedoch festzustellen, dass der Strang der Holzleitung – bis auf die Einmündung in Leitung 2 – nicht in Stein ausgebaut und sein Versiegen vielleicht in Kauf genommen wurde. Leitung 2 hingegen war durch Leitung 3 in westlicher Richtung verlängert, was mit einem weiteren Wassersammler einhergegangen sein wird und den Wasserdurchfluss erhöhte. Leider konnte diese Situation nicht vollständig geklärt werden.

Um einen noch höheren oder konstanteren Durchfluss zu erzielen, wurde südlich von Leitung 2 und 3 in einem entgegengesetzt geschwungenen Bogen die Leitung 1 angelegt. Ihr Anfang lag nahe dem vermuteten Wassersammler der alten Holzleitung. Sie verfügte über sehr regelmäßig gesetzte und noch gut erhaltene Pingen und wies nur kurz vor dem Zusammentreffen mit Leitung 2 einen Versturz auf. An dieser Stelle ließ sich deutlich die nachträglich in die ältere Leitung 2 eingesetzte Mündung von Kanal 1 erkennen.

Leitung 1 wies am eindruckvollsten die nebeneinander aufgereihten, senkrecht in den Löss eingegrabenen Schächte mit Abmessungen von 1,1 m bis 1,5 m Breite auf. Zwischen den Schächten verlief in 4–5 m Tiefe ein zumeist verstürzter Stollen, dessen Deckenhöhe bei Erhaltung noch etwa 1,0 m maß. Die Sohle des Stollens reichte bis auf eine Wasser stauende Schicht. Hier lag die etwa 60 cm breite steinerne Leitung auf, bestehend aus grob gehauenem Taunusquarzit, Cerithienkalk und Buntsandsteinen. Seitlich setzten die Steine, schräg nach außen gestellt, auf dem anstehenden Boden auf. Oben deckten dann mehrere Lagen plattig gebrochener Steine den Hohlraum U-förmig ab. Der durchschnittlich 46 cm hohe Kanal hatte innen eine Leitungsbreite von 15–18 cm. Neben dem Mutter- bzw. Anfangsschacht im Westen wurde die anscheinend schon zuvor genutzte Wasserader mit einem Wassersammler – einem bis zu 31 cm hohen, brunnenartig gesetzten Steinkreis von 1,18 m Durchmesser – angezapft. Auch dieser war sorgfältig mit plattigen Steinen abgedeckt und, wie auch der Steinkanal, mit einer tonig-schluffigen Schicht sauber verschlossen. Zwischen den Schächten mäandrierte der Leitungsverlauf etwas, da die Bauabschnitte nicht immer geradlinig aufeinander zuliefen. Um sich bei Reparatur- und Bewirtschaftungsarbeiten des Kanals nicht auf dem aufgeweichten tonigen Erdauftrag bewegen zu müssen, hatte man Stroh und Einstreu aus sonstigen Pflanzenhalmen aufgebracht, die sich eingetreten auf der Decke des Steinkanals bis heute erhalten haben. Entsprechende Bodenbedeckungen fanden bis in die frühe Neuzeit auch im Bergbau Verwendung, da die niedrigen Stollen kein aufrechtes Gehen, sondern nur eine Fortbewegung auf Knien erlaubten. Mit einem geringen Gefälle zwischen 0,5 und 0,7 Prozent wurde das Wasser schließlich in einem Steinkanal zusammengeführt und in östliche Richtung weitergeleitet.

**ANTIKE BEISPIELE AUS DEM RAUM NÖRDLICH DER ALPEN**

Auch die Römer verstanden sich auf die Errichtung von Qanat-Bewässerungsanlagen. Eine beachtliche Menge solcher Tunnelbauten ist in Deutschland aus dem Trierer Land bzw. dem Eifel-Saar-Mosel-Raum bekannt. Die mit 1660 m längste und bis 26 m tief liegende Wasserleitung, der Drover-Berg-Tunnel, liegt bei Düren am Rande der Eifel. Nur der Raschpëtzertunnel in Walferdange (Großherzogtum Luxemburg) übertrifft diesen mit einer Tiefe von bis zu 35 m.

Im Trierer Land bot sich für die Wasserversorgung der vielköpfigen Stadtbevölkerung sowie der Bewohner der Gutshöfe, die flächenhaft den ländlichen Raum bewirtschafteten, neben Aquädukten eine unterirdische Wasserführung an. Unterirdische Wasserleitungen – wie z. B. die bekannte Ruwertal-Fernwasserleitung von der Ruwer nach Trier – sind insgesamt häufiger aus römischer Zeit nachgewiesen als Qanats, die Wasser nicht nur unterirdisch leiten, sondern explizit gewinnen. Die beste Parallele findet sich derzeit in dem Qanat von Polch (Kreis Mayen-Koblenz), bei dem die bergmännischen Spuren ebenso in mit Bims durchsetztem Löss angetroffen wurden und hervorragend dokumentiert werden konnten.

**FÜR WEN WURDE DIE AUFWENDIGE WASSERLEITUNG ERSTELLT?**

Ausgehend von einer römischen Datierung und unter Einbeziehung der lokalen Topografie und der Laufrichtung des Qanats, kommen mehrere Zielpunkte für das so gewonnene Wasser in Frage – zum einen mehrere ländliche, wohl zivile Siedungen östlich der Fundstelle und zum anderen der Kastellort Okarben (Stadt Karben).

Dendrochronologische Untersuchungen grenzen den Datierungsansatz durch Fälldaten zwischen 144 und 164 n. Chr. weiter ein, so dass von einer Erbauung des Qanats in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. – wohl kurz nach der Mitte der 160er Jahre – ausgegangen werden kann. Nach der Verlegung der Truppen hatte nach gängiger Lehrmeinung der 2 km entfernt gelegene Kastellvicus von Okarben zu dieser Zeit seine Bedeutung bereits weitgehend verloren.

Die im Umfeld liegenden Gutshöfe dürften an der positiven wirtschaftlichen Entwicklung der germanischen Provinzen in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr., einer insgesamt weitgehend friedlichen Zeit, teilgehabt haben, und sie waren auch wesentlich für die Versorgung der Truppen entlang der neuen Kastelllinie. Eine Errichtung des Qanats durch wohlhabende Gutsbesitzer liegt also durchaus im Rahmen des Möglichen.

Die nächste ländliche Siedlung im Umfeld des Qanats liegt nur knapp 200 m östlich des dokumentierten Kanals. Leider existieren weder von dieser noch von weiteren Siedlungsstellen aus dem direkten Umfeld konkrete archäologische Kenntnisse, so dass keine präzisere Datierung der Fundstellen als in die mittlere Römische Kaiserzeit möglich ist. Am wahrscheinlichsten handelte es sich bei diesen um ehemalige landwirtschaftliche Betriebe, sogenannte villae rusticae. Diese besaßen im Bereich der civitas Taunensium zwar nicht die Ausdehnung der aus Gallien oder dem linksrheinischen Obergermanien bekannten Landgüter, konnten aber mit bis über 3 ha großen ummauerten Hofarealen ein beeindruckendes Ausmaß erreichen. In einzelnen dieser Anlagen sind separate Badegebäude oder in das Hauptgebäude integrierte Badetrakte nachgewiesen, z. B. in Friedberg „Pfingstweide“ und Wölfersheim-Wohnbach „Kieselberg“ (beide Wetteraukreis).

**FAZIT**

Nicht auszuschließen ist, dass in der Umgebung noch weitere, vielleicht auch ältere Bewässerungsanlagen dieser Art ihrer Entdeckung harren. So würde der doch recht aufwendige Bau eines Qanats zu den bekannten Bauleistungen des römischen Militärs passen und sich zur Versorgung des Kastellortes Okarben mit fließendem Wasser anbieten. Auch im Hinblick auf die Klärung der Frage nach der Frischwasserversorgung der Kastelle mit den zugehörigen Bädern im Bereich der civitas Taunensium würde man sich die Entdeckung weiterer Qanate, vielleicht auch die Überlieferung eines Holzaquäduktes, wünschen. Wie schwierig sich allerdings der Nachweis der Bewässerungsanlagen durch Prospektion und Grabung gestalten kann, haben gerade die Geländeuntersuchungen in Petterweil gezeigt. Die im oberen Bereich nur schwach verfärbten Schachtverfüllungen und Verstürze ließen sich nur schwer bestimmen bzw. deuten. Außerdem ist es im Rahmen einer Ausgrabung aus statischen Gründen generell nicht üblich, senkrechte Gruben bis in eine Tiefe von weit mehr als 3 m auszuheben. Abgesehen von dem Beleg aus Petterweil gibt es noch einen Nachweis aus Frankfurt a. M.-Eschborn, wo ein Befundkomplex als römisches Qanat-System gedeutet wurde. Damit liegt ein weiteres Indiz für die Anwendung der Qanat-Technik in römischer Zeit abseits des Eifel-Saar-Mosel-Raumes und jenseits des Rheins vor. Die beiden Befunde lassen darauf schließen, dass sich auch im Rhein-Main-Gebiet ansässige Villenbesitzer oder dort stationierte Militäreinheiten hochspezialisierte Ingenieure für den Bau solch kostspieliger Anlagen leisten konnten.

##### 4. Römer-Quellen: Wasserversorgung in der Antike 

<div class="custom-container" id="bkmrk--2"><div class="grid-x grid-margin-x align-center"><figure class="small-12"><span class="">![Antikes Ziegelrohr einer Wasserleitung, rundes Rohr ](https://noeku.on.damlivery.com/s/d253870bf17dc427546668d89c73fc8d/noeku/806680/rm:fit/h:1080/w:1920/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</span></figure></div></div><div class="spacer" id="bkmrk--3">  
</div>*Wasserleitungsrohr aus Ton © Landessammlungen NÖ, Archäologischer Park Carnuntum (Photo: N.Gail)*

Die Wasserversorgung antiker Städte war ein wesentlicher Bestandteil ihrer Infrastruktur. Tausende Menschen mussten täglich mit frischem Trinkwasser versorgt werden, um das römische Leben in seiner damaligen Form zu ermöglichen. Wasserleitungen (lateinisch: aquae ductus) wurden genutzt, um frisches Wasser aus Quellen und Brunnen, sowohl oberirdisch als auch unterirdisch, von außerhalb in die Siedlungen zu bringen. Diese Leitungen wurden sorgfältig geplant und gebaut, um den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden und gleichzeitig kapazitätstechnische und hygienische Anforderungen zu erfüllen. Um Wasser über weite Strecken zu befördern, wurden sie oft unterirdisch verlegt, um sie vor Eingriffen oder Verschmutzung zu schützen, war doch ein Angriff auf die Wasserversorgung oft das einfachste und effektivste Druckmittel für feindliche Armeen.

Die Durchführung brachte mitunter die beeindruckendsten Werke römischer Baukunst hervor: Das technische Know-how umfasste Zuführen, Speichern und Verteilen von Wasser, oft unter erheblichem baulichem und organisatorischem Aufwand. Für die Zufuhr von Frischwasser (bzw. die Ableitung von Abwasser) mussten Gefälle, Wasserdruck und Wassermenge stets berücksichtigt werden. Die technischen Details und der Bau von Aquädukten, wie etwa der berühmte oberirdisch verlaufende Pont du Gard in Südfrankreich, sind ausführlich bei den römischen Schriftstellern Vitruvius und Frontinus beschrieben.

<div id="bkmrk--4"><div class="grid-x align-center" data-fetch-key="magazine-detail-727-container-editable"><div class="small-12"><div class="section__container grid-x"><div class="section__column cell small-12"><div class="custom-container"><div class="text-module body grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 medium-10 large-8"><div class="text-module__content" style="text-align: justify;">  
</div><div class="spacer">  
</div></div></div></div><figure class="image-module custom-container"><div class="grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 cell small-12 medium-10 large-8">[<picture><source media="(min-width: 64em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/69d3bf20613642075057a861d75fcf74/noeku/806700/rm:fit/h:2200/w:2200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5"><source media="(min-width: 48em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/235260de03166801d14960ebc9c03add/noeku/806700/rm:fit/h:1024/w:1024/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5">![Detailansicht eines antik aussehenden Wasserhahnes von welchem Wasser in das rote Becken der Therme plätschert. ](https://noeku.on.damlivery.com/s/9759ebd4f0ca4cced07669ecf7e545f9/noeku/806700/rm:fit/h:400/w:500/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</source></source></picture>](https://noeku.on.damlivery.com/s/64b23bb194fc6b89cfcc24e1030ecb41/noeku/806700/rm:fit/h:3200/w:3200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</div></div><figcaption class="shared-caption text-center"></figcaption><div class="spacer">  
</div></figure><div class="custom-container"><div class="text-module body grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 medium-10 large-8"><div class="text-module__content">  
</div></div></div></div></div></div></div></div></div>Zur Nivellierung der Wasserleitungen wurde der Chorobat eingesetzt, eine Art große Wasserwaage aus Holz. Dieses Instrument half ein gleichmäßiges Gefälle der Wasserleitungen zu berechnen, um eine konstante Wasserströmung zu gewährleisten. Die Speicherung und Verteilung des Wassers innerhalb der Städte erfolgte über komplexe Systeme aus Zisternen und Verteilertürmen.

In Carnuntum und anderen Städten war das Wasserversorgungssystem so ausgelegt, dass es auch bei einem Ausfall einzelner Zuflüsse funktionierte. Mehrere Frischwasserleitungen führten durch die Stadtmauer in das Innere der Stadt. Die Straßen enthielten eingebaute Frischwasser- und Abwasserleitungen aus Ton-, Holz- und Steinrohren. Die Wasserentnahme aus öffentlichen Brunnen, welche somit zu wichtigen sozialen Treffpunkten wurden, war kostenlos und unbegrenzt, was auf eine gut organisierte öffentliche Versorgung der Bevölkerung hinweist. Neben der Entnahme als Trinkwasser wurde das in die Stadt geleitete Wasser auch [für Badeanlagen ](https://www.carnuntum.at/de/thermenwesen-teil-2)und handwerkliche Betriebe wie Walkereien (fullonicae) genutzt.

<div id="bkmrk--5"><div class="grid-x align-center" data-fetch-key="magazine-detail-727-container-editable"><div class="small-12"><div class="section__container grid-x"><div class="section__column cell small-12"><div class="custom-container"><div class="text-module body grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 medium-10 large-8"><div class="text-module__content">  
</div><div class="spacer">  
</div></div></div></div><figure class="image-module custom-container"><div class="grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 cell small-12 medium-10 large-8">[<picture><source media="(min-width: 64em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/c95bcb05f117f3f9502988d92bb5fe55/noeku/806066/rm:fit/h:2200/w:2200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5"><source media="(min-width: 48em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/eb06ee07b0d9a08b6b7e60ac084013de/noeku/806066/rm:fit/h:1024/w:1024/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5">![Innenansicht des Warmwasserbeckens der Therme. Das Wasserbecken ist in Rot gehalten, die Wandmalerie im runden Gewölbe darüber zieren Fischzeichnungen. ](https://noeku.on.damlivery.com/s/424e6386d6a596d56a959ae4482b5741/noeku/806066/rm:fit/h:400/w:500/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</source></source></picture>](https://noeku.on.damlivery.com/s/c4ab2308aacabd8c91c4328447f96c19/noeku/806066/rm:fit/h:3200/w:3200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</div></div><figcaption class="shared-caption text-center"></figcaption><div class="spacer">  
</div></figure><div class="custom-container"><div class="text-module body grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 medium-10 large-8"><div class="text-module__content">  
</div></div></div></div></div></div></div></div></div>In Carnuntum wurde Wasser durch gemauerte unterirdische Kanäle von entfernten Quellen in die Stadt geleitet. Diese Kanäle bestanden teilweise aus recyceltem Material, vor allem aus wiederverbauten Bauteilen (sogenannten Spolien), wie beispielsweise bei Ausgrabungen südlich der Zivilstadt entdeckt wurde. Dort wurde ein 170 Meter langer Wasserleitungskanal freigelegt, dessen Abdeckung aus Altmaterial bestand. Innerhalb der Stadt wurden Bleirohre (fistulae) wegen ihrer leichten Bearbeitbarkeit und Dichtheit häufig zur Wasserverteilung verwendet. Auch Ziegelplattenkanäle für die Frischwasserzufuhr sind für die Zivilstadt belegt, wie die Ausgrabungen im Südbereich der Villa Urbana zeigten.

<div id="bkmrk--6"><div class="grid-x align-center" data-fetch-key="magazine-detail-727-container-editable"><div class="small-12"><div class="section__container grid-x"><div class="section__column cell small-12"><div class="custom-container"><div class="text-module body grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 medium-10 large-8"><div class="text-module__content">  
</div><div class="spacer">  
</div></div></div></div><figure class="image-module custom-container"><div class="grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 cell small-12 medium-10 large-8">[<picture><source media="(min-width: 64em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/acb1370efa68088e5136149642eaf43a/noeku/806681/rm:fit/h:2200/w:2200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5"><source media="(min-width: 48em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/b98c9916ea4e5aef27b91f884b1a7121/noeku/806681/rm:fit/h:1024/w:1024/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5">![Antike Wasserleitungen, rundes Keramikrohr und Bleirohre](https://noeku.on.damlivery.com/s/eda057839667158e3e5cf3743b2fbbcc/noeku/806681/rm:fit/h:400/w:500/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</source></source></picture>](https://noeku.on.damlivery.com/s/d0be205ed1175ccb950ada55f164a36d/noeku/806681/rm:fit/h:3200/w:3200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</div></div><figcaption class="shared-caption text-center"></figcaption><div class="spacer">  
</div></figure><div class="custom-container"><div class="text-module body grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 medium-10 large-8"><div class="text-module__content">  
</div></div></div></div></div></div></div></div></div>*Wasserleitungsrohre aus Ton und Blei © Landessammlungen NÖ, Archäologischer Park Carnuntum (Foto: N.Gail)*

In den letzten Jahren rückten die [Untersuchungen zur Wasserversorgung Carnuntums](https://noe.orf.at/v2/news/stories/2860082/) erneut in den Fokus der Forschung. Bei Grabungsarbeiten für ein Projekt der EVN-Wasser in Petronell-Carnuntum wurde im Jahr 2017 in etwa sieben Metern Tiefe eine antike römische Wasserleitung entdeckt. Die 14 km lange Leitung, gebaut in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts, versorgte die römische Stadt Carnuntum mit Trinkwasser und ist auch heute noch funktionsfähig. Im Zuge des [Forschungsprojektes 'Wasserleitung Abensperg-Traun'](https://www.carnuntum.at/de/diewasserleitung)wurde 2019 und 2020 durch die Gesellschaft der Freunde Carnuntums und das Land Niederösterreich in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt eine intakte Leitung in der westlichen Vorstadt Carnuntums untersucht. Da sich die Wasserleitung als sanierungsbedürftig erwies, wurde der mit Flachziegel abgedeckte und mit einem Gewölbe ausgestatteten Kanal dokumentiert und repariert. Die Leitung verläuft in bis zu sechs Metern Tiefe und ist sogar begehbar.

##### 5. Der Rhein im Denken der Römer 

[![image.jpeg](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/scaled-1680-/fCJimage.jpeg)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/fCJimage.jpeg)

<div id="bkmrk-darstellung-des-%27rhe"><div class="grid-x align-center" data-fetch-key="magazine-detail-727-container-editable"><div class="small-12"><div class="section__container grid-x"><div class="section__column cell small-12"><div class="custom-container"><div class="text-module body grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 medium-10 large-8"><div class="text-module__content"><div class="information-object__top"><div class="outer-wrapper"><div class="information-object-mood
                    "><div class="information-object-mood__mood-image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><figcaption class="content-images__caption">Darstellung des 'Rhenus bicornis', Teil eines Grabmals aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., Original im LVR-LandesMuseum Bonn. (LVR-LandesMuseum Bonn, Foto: Jürgen Vogel)

</figcaption></figure></div></div></div></div></div><div class="outer-wrapper"><article class="grid-row">**1. Einleitung**

„Va­ter Rhein“ ist ei­ne bis heu­te gän­gi­ge Be­zeich­nung für den be­deu­tends­ten Strom im west­li­chen Mit­tel­eu­ro­pa. Die mit die­ser Per­so­ni­fi­ka­ti­on ver­bun­de­ne Vor­stel­lung drückt ei­ne emo­tio­na­le Nah­be­zie­hung zu ei­ner gleich­sam über­ge­ord­ne­ten In­stanz aus; sie rührt von Men­schen her, die an, mit und von die­sem Fluss le­ben, sich von ihm ab­hän­gig füh­len und ihn da­her ge­wo­gen stim­men wol­len. Eben­so wie der – heu­te sich nicht mehr selbst er­klä­ren­de – Aus­druck „zwei­fach ge­hörn­ter Rhein“ geht die Be­nen­nung „Va­ter Rhein“ auf die rö­mi­sche An­ti­ke zu­rück. Zu­schrei­bun­gen die­ser Art las­sen er­ken­nen, dass der Fluss für die Rö­mer ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung hat­te. Er spiel­te ei­ne Rol­le in ih­rem Welt­bild. Die Funk­ti­on des Rheins für die Rö­mer steht nicht zu­letzt in en­gem Zu­sam­men­hang mit der Ex­pan­si­on Roms und der Bil­dung ei­nes Welt­rei­ches, das ne­ben dem ge­sam­ten Mit­tel­meer­raum auch gro­ße Tei­le West­eu­ro­pas bis zum Rhein um­fass­te. Den ent­schei­den­den Schritt hier­zu leis­te­te Cae­sar (100–44 v. Chr.) mit der Un­ter­wer­fung Gal­li­ens und der Ab­gren­zung sei­ner Er­obe­run­gen durch den Rhein­strom. Die Be­deu­tung, die die­ser Fluss seit dem 1. Jahr­hun­dert v. Chr. für Rom ge­wann, geht weit über rein po­li­tisch-mi­li­tä­ri­sche Er­wä­gun­gen hin­aus.

Schrift- und Sach­quel­len – rö­mi­sche Ge­schichts­schrei­bung, Dich­tung, In­schrif­ten, Mün­zen, Bild­wer­ke – spre­chen ei­ne deut­li­che Spra­che. Die Rö­mer sa­hen den Rhein mit ih­ren Au­gen und in­te­grier­ten ihn in ih­re Welt. Sie ga­ben ihm als Fluss­gott mit zwei Hör­nern ein rö­mi­sches Ge­wand. Da­mit wur­de aus dem Rhein ein rö­mi­scher Strom und ein rö­mi­scher Gott. Wie kam es da­zu, dass die Rö­mer den Rhein in ih­rem Den­ken ver­ein­nahm­ten? Was re­prä­sen­tier­te er für sie? Rö­mi­sche Au­to­ren und Bild­quel­len ver­mit­teln hier­zu Ein­drü­cke mit sta­bi­len und ver­än­der­li­chen Ele­men­ten. An ih­nen lässt sich die rö­mi­sche Sicht auf den Rhein aus­ma­chen. Die fol­gen­den Aus­füh­run­gen die­nen da­her dem Ziel, an­hand über­lie­fer­ter Zeug­nis­se das Bild der Rö­mer vom Rhein in sei­nen ver­schie­de­nen, im Lau­fe der rö­mi­schen Herr­schaft sich teil­wei­se wan­deln­den Fa­cet­ten vor­zu­stel­len.

**2. Der Rhein als Grenze**

Mit der Un­ter­wer­fung Gal­li­ens durch Cae­sar in den Jah­ren 58–51 v. Chr. trat der Rhein ins Be­wusst­sein der Rö­mer. Der Er­obe­rer woll­te dem Ge­biet, das er zur rö­mi­schen Pro­vinz mach­te, kla­re geo­stra­te­gi­sche Gren­zen zu­wei­sen. Da­her zog er ei­nen Tren­nungs­strich zwi­schen links­rhei­ni­schen Gal­li­ern und rechts­rhei­ni­schen Ger­ma­nen. Der Fluss fun­gier­te als Grenz­schei­de zwi­schen Bar­ba­ren, die er für zi­vi­li­sie­rungs­fä­hig hielt, und sol­chen, de­nen er das Ro­ma­ni­sie­rungs­po­ten­ti­al ab­sprach. So si­cher­te er sei­ne Er­obe­rung vor dem mit­tel­eu­ro­päi­schen Raum ab, der den Rö­mern weit­ge­hend un­be­kannt war. Be­reits in der Ein­lei­tung sei­ner Schrift über den Gal­li­schen Krieg grenzt Cae­sar die Gal­li­er mit ih­ren Teil­stäm­men und die Ger­ma­nen klar von­ein­an­der ab. Die Bel­ger gal­ten durch ih­re stän­di­ge Kon­fron­ta­ti­on mit rechts­rhei­ni­schen Ger­ma­nen als die tap­fers­ten Ein­woh­ner Gal­li­ens. So setz­te Cae­sar ei­ne prä­zi­se Un­ter­schei­dung zwi­schen Gal­li­ern und Ger­ma­nen vor­aus, die ih­re geo­gra­phi­sche Be­stä­ti­gung in der Fluss­gren­ze fin­den soll­te. Den Rhein er­wähnt er in die­sem Zu­sam­men­hang aber gar nicht. Sei­ne Funk­ti­on als Gren­ze leg­te er den­noch na­he, in­dem er den gal­li­schen Teil­stäm­men Flüs­se als Ter­ri­to­ri­ums­gren­zen zu­wies, wie die Ga­ron­ne zwi­schen Gal­li­ern und Aqui­ta­ni­ern oder die Mar­ne und die Sei­ne zwi­schen Gal­li­ern und Bel­gern.[<sup>\[1\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12868)

**2.1 Germanen links und rechts des Rheins**

Cae­sar brach­te sei­ne Vor­stel­lung vom Rhein als Gren­ze erst­mals in den Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Ario­vist (ge­stor­ben um 54 v. Chr.), dem Fürs­ten der Su­e­ben, zum Aus­druck. Die­ser hat­te als An­füh­rer ger­ma­ni­scher Krie­ger den Rhein über­schrit­ten, war in das gal­li­sche und jetzt von Cae­sar für Rom be­an­spruch­te Ter­ri­to­ri­um ein­ge­drun­gen und hat­te sich in Strei­tig­kei­ten zwi­schen gal­li­schen Stäm­men ein­ge­mischt. Da­her sah Cae­sar in ihm ei­nen Kon­kur­ren­ten um die Herr­schaft in Gal­li­en. Die Ver­hand­lun­gen mit Ario­vist blie­ben er­geb­nis­los, so dass die Ent­schei­dung in der Schlacht fiel. Nur we­ni­ge Ger­ma­nen konn­ten sich vor den Rö­mern zu­rück über den Rhein ret­ten. Die Vor­stel­lung vom Rhein als Gren­ze er­wuchs bei Cae­sar aus po­li­tisch-mi­li­tä­ri­schem Nütz­lich­keits­den­ken. Sie er­laub­te ihm, Mi­li­tär­ak­tio­nen ge­gen Ger­ma­nen, die in links­rhei­ni­sches Ge­biet vor­dran­gen, nach Be­lie­ben zu recht­fer­ti­gen. So wies er auf die Ge­fah­ren hin, die den Rö­mern von rechts des Rheins dro­hen könn­ten, soll­te die Ab­wehr nicht funk­tio­nie­ren.[<sup>\[2\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12869)

Gleich­zei­tig schloss die­ser An­spruch auf die rö­mi­sche Herr­schaft links des Rheins nicht aus, dass Cae­sar das Recht in An­spruch nahm, bei Be­darf auch öst­lich des Flus­ses in sei­nem Sin­ne Ord­nung zu schaf­fen. Al­ler­dings woll­te er hier, an­ders als in Gal­li­en, kei­ne rö­mi­sche Ver­wal­tung eta­blie­ren. So ließ Cae­sar in sei­nen Be­rich­ten die rechts­rhei­ni­schen Su­gam­brer aus Angst vor ei­ner rö­mi­schen Straf­ak­ti­on auf den Rhein als Gren­ze des rö­mi­schen Herr­schafts­be­reichs hin­wei­sen und da­mit sei­ne ei­ge­nen Raum­ord­nungs­vor­stel­lun­gen for­mu­lie­ren. Sie mach­ten gel­tend, an die­se Gren­ze ha­be sich auch der rö­mi­sche Feld­herr zu hal­ten. Cae­sar aber sah die Ge­bie­te öst­lich des Rheins als Vor­feld zur Ab­si­che­rung der bis an den Rhein rei­chen­den rö­mi­schen Herr­schaft an. Zu­gleich ver­ban­den an­de­re, den Rö­mern ver­trag­lich ver­bun­de­ne rechts­rhei­ni­sche Ger­ma­nen wie die [Ubier](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/U#term-902) mit rö­mi­schen Ex­pe­di­tio­nen öst­lich des Rheins die Hoff­nung, ihr ei­ge­nes Ter­ri­to­ri­um vor kon­kur­rie­ren­den Stäm­men zu schüt­zen.[<sup>\[3\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12870) Die rö­mi­sche Ord­nungs­macht wur­de al­so auf nicht­rö­mi­schem Ge­biet von be­stimm­ten hier an­säs­si­gen Stäm­men ge­schätzt – oder aber ge­fürch­tet, je nach­dem, wel­ches Ver­hält­nis zu Rom sie hat­ten. Auf die­se Wei­se brach­te Cae­sar den Rö­mern die Auf­fas­sung vom Rhein als Gren­ze ih­res Herr­schafts­be­reichs na­he.

Al­ler­dings las­sen Cae­sars Be­rich­te er­ken­nen, dass trotz der von ihm pos­tu­lier­ten Fluss­gren­ze die gal­li­schen Stäm­me auch links des Rheins ger­ma­ni­schen Ein­flüs­sen aus­ge­setzt wa­ren. Der Strom bil­de­te eben ei­ne von dem rö­mi­schen Statt­hal­ter in Gal­li­en nur be­wusst in­sze­nier­te Gren­ze und ge­währ­leis­te­te in Wirk­lich­keit kei­nes­wegs die kon­se­quen­te Tren­nung zwi­schen links­rhei­ni­schen Gal­li­ern und rechts­rhei­ni­schen Ger­ma­nen. So weist Cae­sar auf die Kampf­ge­mein­schaft zwi­schen be­stimm­ten Grup­pen der Bel­ger und sol­chen Ger­ma­nen hin, die links des Rhei­nes wohn­ten; er pos­tu­liert gar ei­ne Ab­stam­mung der Bel­ger von Ger­ma­nen.[<sup>\[4\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12871) Auch im Zu­sam­men­hang mit den Un­ru­hen, die von den im Mo­sel­land le­ben­den Tre­ver­ern aus­gin­gen, nennt er „links­rhei­ni­sche Ger­ma­nen“ als Ver­bün­de­te im Auf­stand ge­gen Rom.[<sup>\[5\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12872) Wie die Bel­ger wa­ren die [Tre­ve­rer](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/T#term-906) ein kel­tisch-ger­ma­ni­sches Misch­volk, das sich im­mer wie­der sei­ner be­son­de­ren „ger­ma­ni­schen“ Ei­gen­schaf­ten rühm­te.[<sup>\[6\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12873)Das war auch Cae­sar be­wusst, wenn er ih­nen trotz ih­res Sied­lungs­ge­biets in Gal­li­en ein be­son­de­res Auf­ruhr­po­ten­ti­al zu­schrieb, das er un­ter an­de­rem in den gu­ten Kon­tak­ten zwi­schen Tre­ver­ern und Ger­ma­nen an­ge­legt sah.[<sup>\[7\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12874)

Die Exis­tenz von ger­ma­nisch-gal­li­schen Misch­völ­kern und vor al­lem von links­rhei­ni­schen Ger­ma­nen[<sup>\[8\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12875) kon­ter­ka­riert Cae­sars Vor­stel­lung von ei­ner sau­ber zu zie­hen­den Fluss­gren­ze. Viel­mehr lie­ßen die eth­ni­sche Ver­wandt­schaft, die räum­li­che Ent­fer­nung zur Mit­tel­meer­kul­tur, die des­we­gen we­nig fort­ge­schrit­te­ne Ro­ma­ni­sie­rung und die da­durch er­hal­ten ge­blie­be­ne ur­sprüng­li­che Tap­fer­keit die rhein­na­hen Gal­li­er den rhei­ni­schen Ger­ma­nen recht ähn­lich er­schei­nen. Cae­sar mach­te mit dem von ihm ent­wor­fe­nen Ger­ma­nen­bild und der Nei­gung die­ser „Bar­ba­ren“, sich links des Rheins ein­zu­mi­schen und gar an­zu­sie­deln, dar­auf auf­merk­sam, der­ar­ti­gen Ge­fah­ren für Roms Herr­schaft müs­se man ent­schie­den ent­ge­gen­tre­ten. So er­füll­ten auch die „links­rhei­ni­schen Ger­ma­nen“ ih­re Funk­ti­on, oh­ne dass der Rhein als Grenz­li­nie aus dem Blick­feld ge­riet.

An­de­rer­seits wa­ren Kon­tak­te über den Rhein nicht ge­ne­rell aus­ge­schlos­sen. Ein Bei­spiel hier­für bie­ten die rechts­rhei­ni­schen Ubier. Cae­sars Ur­teil über die­sen Stamm ist ver­gleichs­wei­se mil­de: Er hielt sie für et­was zi­vi­li­sier­ter als die an­de­ren Ger­ma­nen, weil sie in Rhein­nä­he wohn­ten, rö­mi­sche Kauf­leu­te zu ih­nen ka­men und sie sich als Nach­barn der Gal­li­er de­ren Sit­ten an­ge­wöhnt hat­ten.[<sup>\[9\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12876) Die zi­vi­li­sa­to­ri­sche Wir­kung der Rö­mer auf die Gal­li­er strahl­te dem­nach über den Rhein hin­aus. So rück­te ei­ne Kul­ti­vie­rung auch der öst­li­chen Uferan­rai­ner nä­her, selbst wenn es sich um Ger­ma­nen han­del­te. Ne­ben der rei­nen Nach­bar­schaft tru­gen da­zu be­son­ders die Wirt­schafts­kon­tak­te bei. Dar­an, dass der Rhein die Ver­mitt­lung rö­mi­scher Kul­tur und Zi­vi­li­sa­ti­on in den rechts­rhei­ni­schen Raum er­mög­lich­te, wer­den die Ein­be­zie­hung des Flus­ses in die rö­mi­sche Vor­stel­lungs­welt und bald auch des­sen Ver­ein­nah­mung im rö­mi­schen Den­ken sicht­bar.

**2.2 Versuch einer Grenzkorrektur?**

Doch ist auch der um­ge­kehr­te Weg denk­bar, die Aus­glie­de­rung des Rheins aus der rö­mi­schen Welt. Der Ge­schichts­schrei­ber Ta­ci­tus (um 56–um 120 n. Chr.) stellt in den „An­na­len“, die die Ge­schich­te des rö­mi­schen Rei­ches von 14 bis 68 n. Chr. be­han­deln, den Ver­lauf des Flus­ses vor[<sup>\[10\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12877) und er­wähnt des­sen Tei­lung in zwei Haupt­ar­me, zwi­schen de­nen das Sied­lungs­ge­biet der von den Rö­mern ab­hän­gi­gen ger­ma­ni­schen [Ba­ta­ver](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/B#term-30) lag. Der nörd­li­che Rhein­arm, der die Gren­ze des rö­mi­schen Herr­schafts­rau­mes zu den nicht un­ter­wor­fe­nen Ger­ma­nen­stäm­men mar­kier­te, hat­te ei­nen un­ge­stüm-wil­den Ver­lauf. Die­ser Be­fund spie­gelt das un­zi­vi­li­sier­te, wil­de Ger­ma­ni­en an den nörd­li­chen Ufern des Stro­mes wi­der. Der süd­li­che Fluss­arm, die Waal, floss durch gal­li­sches und da­mit rö­mi­sches Ge­biet, er war da­her ru­hi­ger und strö­mungs­är­mer. Ta­ci­tus legt al­so na­he, der ge­mäch­lich-fried­li­che Lauf der Waal sei auf die zi­vi­li­sa­to­ri­sche Wir­kung der Ro­ma­ni­sie­rung zu­rück­zu­füh­ren.

Tat­säch­lich hat­ten die Rö­mer den Fluss durch die An­la­ge von Damm­bau­ten re­gu­liert, um für den nörd­li­chen Haupt­arm ei­ne aus­rei­chen­de Was­ser­ver­sor­gung und da­mit die Schiff­bar­keit si­cher­zu­stel­len. Wie Ta­ci­tus in den zeit­lich an die „An­na­len“ an­schlie­ßen­den „His­to­ri­en“ be­rich­tet, durch­sta­chen die Ba­ta­ver die­sen Damm im Auf­stand ge­gen Rom 70 n. Chr. und lei­te­ten so ei­nen Gro­ß­teil des mit Hil­fe die­ses Wehrs im nörd­li­chen Haupt­arm des Rheins ge­hal­te­nen Was­sers nach Süd­wes­ten, Rich­tung Waal, ab.[<sup>\[11\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12878) Der so nach Gal­li­en ge­lenk­te und jetzt un­ge­hin­dert gro­ße Was­ser­mas­sen mit sich füh­ren­de Strom sorg­te nun für ei­ne leb­haf­te­ren Ver­lauf des süd­li­chen Fluss­ar­mes, wäh­rend das nörd­li­che Fluss­bett schmal wur­de. Zwar war die­se Ak­ti­on ein tak­ti­sches Ma­nö­ver im Krieg, doch ge­winnt man aus den Wor­ten des Ta­ci­tus den Ein­druck, als hät­ten die auf­stän­di­schen Ba­ta­ver die Gren­ze des rö­mi­schen Macht­be­reichs vom nörd­li­chen Mün­dungs­arm des Rheins zum süd­li­chen Fluss­arm ver­la­gert und ihr ei­ge­nes, zwi­schen den bei­den Haupt­ar­men lie­gen­des Sied­lungs­land dem rö­mi­schen Zu­griff ent­zo­gen, es da­mit al­so wie­der dem nicht­rö­mi­schen, bar­ba­risch-wil­den Ger­ma­ni­en zu­ge­schla­gen. Dies schien ja ih­rem Wil­len zu ent­spre­chen, sich mit dem Auf­stand aus der rö­mi­schen Herr­schaft zu be­frei­en.

**3. Der doppelt gehörnte Rhein**

We­ni­ge Jahr­zehn­te nach Cae­sar soll­te die Vor­stel­lung vom Rhein als Gren­ze des rö­mi­schen Rei­ches der zu­neh­men­den Ver­ein­nah­mung des Flus­ses in die rö­mi­sche Welt wei­chen. Dies zeig­te sich an der in­fra­struk­tu­rel­len Auf­wer­tung des links­rhei­ni­schen Ge­biets und in den Ver­su­chen der Rö­mer zur Zeit des Kai­sers Au­gus­tus (27 v. Chr.–14 n. Chr.), auch rechts des Rheins Fuß zu fas­sen. Die mi­li­tä­ri­sche, wirt­schaft­li­che und zi­vi­li­sa­to­ri­sche Durch­drin­gung des west­li­chen Rhein­ufers be­wirk­te auch ei­ne Ver­än­de­rung des Ver­hält­nis­ses der Rö­mer zum Rhein selbst. Er war nicht mehr nur der Grenz­fluss des rö­mi­schen Rei­ches im Nord­wes­ten, son­dern wur­de auch die wich­tigs­te Wirt­schafts­ader zur Er­schlie­ßung die­ser Re­gi­on. Die Ein­be­zie­hung des Rheins in die Vor­stel­lungs­welt der Rö­mer sorg­te da­für, dass der Strom ei­nen Platz in ih­rer Re­li­gi­on und bild­li­chen Dar­stel­lung er­hielt und als rö­mi­scher Fluss­gott ver­stan­den wur­de.

Flüs­se wur­den als Göt­ter mit Hör­nern dar­ge­stellt. Die­se Sicht­wei­se lei­tet der Geo­graph Stra­bon (um 64 v. Chr.–nach 23 n. Chr.) my­tho­lo­gisch aus dem Kampf des He­ra­kles mit dem stier­ge­stal­ti­gen Fluss­gott Ache­loos her. Als Zei­chen sei­nes Sie­ges brach He­ra­kles die­sem ei­nes sei­ner bei­den Hör­ner ab. Von der Stier­ge­stalt des Ache­loos, so be­rich­tet Stra­bon, schlie­ße man gern auf das Er­schei­nungs­bild des gleich­na­mi­gen grie­chi­schen Flus­ses: Die von der Strö­mung ver­ur­sach­ten Ge­räu­sche er­in­ner­ten an das Ge­brüll des Stie­res, die ge­bo­ge­nen Fluss­schlei­fen an des­sen Hör­ner.[<sup>\[12\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12879) An­ti­kes Den­ken über­trug die für den Ache­loos ge­präg­te bild­li­che Vor­stel­lung auf an­de­re Strö­me als Fluss­göt­ter: Sie nah­men mensch­li­che Ge­stalt an und hat­ten Hör­ner. Auch bild­li­che Dar­stel­lun­gen des per­so­ni­fi­zier­ten Rheins wei­sen Hör­ner auf. Ein Re­li­ef des 2. Jahr­hun­derts n. Chr. aus Bonn zeigt den Kopf des Rheins voll­bär­tig mit of­fe­nem Mund und zwei Hör­nern. Bart und Haa­re ge­hen in die Wel­len des Flus­ses über.[<sup>\[13\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12880) Aus dem ab­ge­bro­che­nen Horn des Ache­loos soll­te sich in der Fol­ge das Füll­horn als ein ty­pi­sches At­tri­but der Dar­stel­lung ei­nes Fluss­got­tes ent­wi­ckeln.[<sup>\[14\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12881) Der Stier, das Was­ser und das Füll­horn ste­hen al­le für die le­bens­spen­den­de Frucht­bar­keit, die der Fluss dem Land bringt, das er durch­strömt.

Der rö­mi­sche Dich­ter Ver­gil (70–19 v. Chr.) hat das Bild des dop­pelt ge­hörn­ten Rheins in sei­nem Epos „Aen­eis“ erst­mals li­te­ra­risch ver­ar­bei­tet. Im Zu­ge der Be­schrei­bung des Schil­des, den die Göt­tin Ve­nus ih­rem Sohn Ae­ne­as, dem Ahn­herrn des rö­mi­schen Welt­rei­ches, über­gab[<sup>\[15\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12882), steckt der Dich­ter die Gren­zen der in der Zeit des Au­gus­tus be­kann­ten Welt ab. Ver­gil ent­wi­ckelt hier ei­ne Vi­si­on, in der er durch Nen­nung aus­ge­wähl­ter frem­der Völ­ker und geo­gra­phi­scher An­halts­punk­te die­sen Raum skiz­ziert. Als sol­che die­nen ihm un­ter an­de­rem die Flüs­se Nil, Eu­phrat und Rhein.[<sup>\[16\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12883) Von Rom aus be­trach­tet, ste­hen sie für ver­schie­de­ne fer­ne Welt­ge­gen­den, an de­nen Au­gus­tus Un­ter­wer­fungs- und Ro­ma­ni­sie­rungs­er­fol­ge gel­tend mach­te. Den Nor­den re­prä­sen­tiert *Rhe­nus bi­cor­nis*[<sup>\[17\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12884) , der dop­pelt ge­hörn­te Rhein. Ver­gil be­greift ihn wie die an­de­ren Strö­me als Fluss­gott und ver­sieht ihn mit sei­nen ty­pi­schen At­tri­bu­ten, den bei­den Hör­nern. Die­se In­te­gra­ti­on in fes­te my­tho­lo­gi­sche Vor­stel­lun­gen si­gna­li­siert die rö­mi­sche Ver­ein­nah­mung des Flus­ses. Ei­ne er­gän­zen­de Deu­tung bie­tet der spät­an­ti­ke Ver­gil-Kom­men­tar des Ser­vi­us. Die­ser be­zieht sich auf die bei­den gro­ßen Mün­dungs­ar­me des Rheins, die auch Ta­ci­tus er­wähnt[<sup>\[18\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12885), und lei­tet aus die­ser Be­son­der­heit die Be­zeich­nung des Rheins als „dop­pelt ge­hörn­t“ ab. Die geo­gra­phi­sche Deu­tung der zwei Hör­ner des Rheins er­schlie­ßt sich aus dem Text Ver­gils al­ler­dings nicht selbst­ver­ständ­lich: Hier mag man an­ge­sichts des Er­zähl­zu­sam­men­hangs eher an men­schen­ähn­li­che Fluss­gott­ge­stal­ten den­ken.[<sup>\[19\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12886) Auch wenn bei­de Deu­tungs­va­ri­an­ten gut ne­ben­ein­an­der be­ste­hen kön­nen, hat sich die Er­klä­rung des Ser­vi­us viel­fach durch­ge­setzt.[<sup>\[20\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12887)

In den „Tris­ti­en“ be­schwört der Dich­ter Ovid (43 v. Chr.–et­wa 17 n. Chr.) die er­folg­rei­chen rö­mi­schen Feld­zü­ge in Ger­ma­ni­en her­auf, die Dru­sus (38–9 v. Chr.) und Ti­be­ri­us (42 v. Chr.–37 n. Chr.), die Stief­söh­ne des Au­gus­tus, so­wie Ger­ma­ni­cus (15 v. Chr.–19 n. Chr.), Dru­sus’ Sohn, wäh­rend der Herr­schaft des Au­gus­tus und in den ers­ten Re­gie­rungs­jah­ren des Ti­be­ri­us un­ter­nom­men ha­ben. Da­bei er­in­nert der Dich­ter an den „klei­nen“ Tri­umph­zug, die *ova­tio*, des Dru­sus 11 v. Chr. nach des­sen Er­fol­gen in Ger­ma­ni­en. Mit an­schau­li­chen Wor­ten be­schreibt Ovid die bei die­ser Ge­le­gen­heit mit­ge­führ­te Sta­tue des be­sieg­ten Rheins: Er weist auf die ab­ge­bro­che­nen Hör­ner des Fluss­got­tes hin, die dürf­ti­ge Be­klei­dung mit Schilf­gras, die Ver­fär­bung des Was­sers mit sei­nem Blut.[<sup>\[21\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12888) Das ge­bro­che­ne Horn ver­sinn­bild­licht die ge­walt­sa­me Un­ter­wer­fung un­ter die rö­mi­sche Herr­schaft. Nun stand der „Ro­ma­ni­sie­run­g“ des Rheins nichts mehr im We­ge. Er war ge­zähmt und be­reit, sich der rö­mi­schen Kul­tur zu öff­nen. Oh­ne es aus­zu­spre­chen, ver­gleicht Ovid die Leis­tung des Dru­sus am Rhein und in Ger­ma­ni­en mit der des He­ra­kles im Kampf mit dem Ache­loos. In den fol­gen­den Ver­sen wech­selt der Dich­ter zum Tri­umph­zug des Jah­res 17 n. Chr. und stellt als Pen­dant zum Rhein die Sta­tue der ge­fes­sel­ten Ger­ma­nia vor.[<sup>\[22\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12889) Mit dem Sieg über Ger­ma­ni­en war al­so die mi­li­tä­risch-stra­te­gi­sche und ideo­lo­gi­sche Ver­ein­nah­mung des Rheins ver­bun­den. Da­her ver­kör­pert der un­ter­wor­fe­ne Rhein gleich­zei­tig das be­sieg­te Ger­ma­ni­en. Mit der Un­ter­wer­fung des Flus­ses hat­ten die Rö­mer Ger­ma­ni­en für ih­ren Macht­be­reich er­schlos­sen.[<sup>\[23\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12890) Ovid zeich­net das Bild ei­nes Fluss­got­tes in mensch­li­cher Ge­stalt, der, be­siegt, die mi­li­tä­ri­schen Er­fol­ge Roms in Ger­ma­ni­en ver­an­schau­licht.

**4. Der umkämpfte Rhein**

Mit der Zeit und nicht zu­letzt mit den rechts­rhei­ni­schen Er­obe­run­gen Roms zur Zeit der fla­vi­schen Kai­ser (69–96 n. Chr.) ver­lor sich im Den­ken der Rö­mer die Qua­li­tät des Rheins als Gren­ze zwi­schen Gal­li­ern und Ger­ma­nen und zwi­schen dem rö­mi­schen Herr­schafts­be­reich links und dem „bar­ba­ri­schen“ Ger­ma­ni­en rechts des Flus­ses. Auch öst­lich des Rheins er­kann­ten ger­ma­ni­sche Völ­ker die rö­mi­sche Herr­schaft an. Eben­so selbst­ver­ständ­lich be­weg­ten sich Ger­ma­nen auf dem lin­ken, schon lan­ge rö­misch ver­ein­nahm­ten Rhein­ufer.[<sup>\[24\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12891) Im mi­li­tä­ri­schen Kon­flikt­fall je­doch hat­te man zu­vor stets das al­te Grenz­den­ken ak­ti­viert. Der Rhein galt nach die­sem Ver­ständ­nis als die äu­ßers­te Rück­zugs­li­nie und durf­te von den Rö­mern nicht auf­ge­ge­ben wer­den.[<sup>\[25\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12892) Da­bei konn­te schon Nied­rig­was­ser die Rö­mer in ih­rem Si­cher­heits­den­ken be­un­ru­hi­gen und an­ge­sichts der hier­durch ge­fähr­de­ten Rhein­gren­ze an gött­li­chen Zorn den­ken las­sen.

Ge­nau­so wie die Rö­mer bei­de Ufer des Stroms als ih­ren Macht­be­reich für sich in An­spruch nah­men, ver­such­ten auf­stän­di­sche Ger­ma­nen 70 n. Chr. die Köl­ner für ihr An­lie­gen zu über­zeu­gen, je­der­mann sol­le wie in der Zeit vor der rö­mi­schen Herr­schaft an bei­den Sei­ten des Rheins woh­nen kön­nen.[<sup>\[26\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12893) In ei­ner An­spra­che an sei­ne Kämp­fer be­schwor Ci­vi­lis, der An­füh­rer im Ba­ta­ver­auf­stand, den Rhein und die Göt­ter Ger­ma­ni­ens in ei­nem Atem­zug.[<sup>\[27\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12894) Der An­spruch ger­ma­ni­scher Stäm­me auf die Be­sitz­rech­te an bei­den Ufern des Stroms war ei­ne Re­ak­ti­on auf die Herr­schafts­aus­übung der Rö­mer. Da­bei mach­ten die ein­hei­mi­schen Stäm­me äl­te­re Rech­te gel­tend. Ta­ci­tus legt ei­nen Kampf zwi­schen un­ter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen na­he, die den Rhein je­weils für sich re­kla­mier­ten. Die­se Aus­ein­an­der­set­zung wuss­ten die Rö­mer frei­lich zu ih­ren Guns­ten zu ent­schei­den.

Mit dem ger­ma­ni­schen Tri­umph Kai­ser Do­mi­ti­ans (81–96 n. Chr.) im Jah­re 83 und dem Sieg über den mit Ger­ma­nen ver­bün­de­ten rö­mi­schen [Usur­pa­tor](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/U#term-889)und ober­ger­ma­ni­schen Statt­hal­ter Sa­turn­i­nus im Jah­re 89 war Ger­ma­ni­en nach rö­mi­scher Auf­fas­sung end­gül­tig un­ter­wor­fen. Der Dich­ter Sta­ti­us (um 40–um 96 n. Chr.) be­schreibt in den „Sil­ven“ das Rei­ter­stand­bild Do­mi­ti­ans auf dem Fo­rum in Rom: Un­ter dem er­ho­be­nen Vor­der­huf des kai­ser­li­chen Pfer­des be­fand sich ei­ne Per­so­ni­fi­ka­ti­on des „ge­fan­ge­nen“ Rheins, ge­wiss in tra­di­tio­nel­ler Fluss­gott­dar­stel­lung.[<sup>\[28\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12895) Die­se Sze­ne­rie spielt auf die mit den Sie­gen von 83 und 89 gleich­ge­setz­te Un­ter­wer­fung Ger­ma­ni­ens durch Do­mi­ti­an an.[<sup>\[29\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12896) An an­de­rer Stel­le rückt Sta­ti­us den Rhein in ei­nen Zu­sam­men­hang, der die Gren­zen der Welt und da­mit die un­ter Do­mi­ti­an er­reich­te Aus­deh­nung des rö­mi­schen Rei­ches vor Au­gen führt.[<sup>\[30\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12897) Da­bei steht der Rhein für den kal­ten Nor­den, des­sen Eis auf­ge­bro­chen wer­den muss, be­vor man in ihm schwim­men kann. Mit dem Sieg über die wi­der­spens­ti­ge Na­tur er­in­nert Sta­ti­us zu­gleich an den ge­bro­che­nen Wi­der­stand der Ger­ma­nen, die der Fluss­gott Rhein re­prä­sen­tiert, dem die Hör­ner „ab­ge­bro­chen“ wur­den.[<sup>\[31\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12898) In ei­nem ähn­li­chen Ge­dan­ken­gang ver­bin­det der Dich­ter Mar­ti­al (40–102/104 n. Chr.) Do­mi­ti­ans Sie­ges­bei­na­men *Ger­ma­ni­cus* mit der Über­win­dung des Rheins.

Il­lus­triert wird der An­spruch Do­mi­ti­ans auch in der rö­mi­schen Münz­prä­gung. Ein Ses­terz des Kai­sers von et­wa 85 n. Chr.[<sup>\[32\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12899) zeigt auf der Rück­sei­te den auf­recht ste­hen­den und nach links ge­rich­te­ten Kai­ser Do­mi­ti­an in mi­li­tä­ri­schem Ge­wand. Zu sei­nen Fü­ßen ist der Rhein, nach rechts bli­ckend, dar­ge­stellt. In der Po­se ei­nes Fluss­got­tes stützt er sei­nen rech­ten Un­ter­arm auf ei­ne Quell­ur­ne und hält in der Lin­ken ei­nen Schilfhalm. Do­mi­ti­ans lin­ker Fuß steht auf dem Ge­wan­den­de des Fluss­got­tes. So wird die Un­ter­wer­fung des Rheins und da­mit Ger­ma­ni­ens un­ter die Herr­schaft Do­mi­ti­ans ver­an­schau­licht. Die Iden­ti­fi­ka­ti­on des Fluss­got­tes mit dem Rhein ist je­doch nur durch die Ein­ord­nung der Mün­ze in den his­to­risch-po­li­ti­schen Zu­sam­men­hang mög­lich.[<sup>\[33\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12900)

An der La­ge in Ger­ma­ni­en än­der­te sich auch nach dem An­tritt der Kai­ser­herr­schaft durch Tra­jan (98–117 n. Chr.) zu­nächst nichts. Als der neue Kai­ser sein Amt über­nahm, be­fand er sich oh­ne­hin in Ger­ma­ni­en. Er hielt sich hier so­gar noch län­ge­re Zeit auf, und die rö­mi­sche Be­völ­ke­rung er­war­te­te un­ge­dul­dig die Rück­kehr ih­res neu­en Kai­sers nach Ita­li­en. Die­se Si­tua­ti­on er­fasst Mar­ti­al in ei­nem Ge­dicht, das als Bit­te an den Rhein for­mu­liert ist, Tra­jan zu­rück­keh­ren zu las­sen. Der Fluss er­scheint hier als Va­ter der Nym­phen und sei­ner Ne­ben­flüs­se[<sup>\[34\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12901) und wird so als Wah­rer rö­mi­scher In­ter­es­sen vor­ge­stellt. Der Strom ist „ro­ma­ni­sier­t“, wenn man ihm wünscht, er sol­le sich nicht durch Rhein­über­gän­ge der Ger­ma­nen bei zu­ge­fro­re­nem Fluss quä­len las­sen.[<sup>\[35\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12902) Gleich­zei­tig the­ma­ti­siert Mar­ti­al die Be­frie­dung Ger­ma­ni­ens durch Tra­jan am Bei­spiel des Rheins, dem er jetzt – na­tür­lich un­ver­sehr­te – „gol­de­ne Hör­ner“ zu­er­kennt und den er als „rö­mi­sch“ be­zeich­net, und zwar „an bei­den Ufer­n“. Da­mit scheint der Rhein voll­stän­dig in die rö­mi­sche Welt ein­be­zo­gen zu sein. Un­ter­stri­chen wird dies da­durch, dass der – für Rom ste­hen­de – Ti­ber die Funk­ti­on des Be­fehls­ha­bers ein­nimmt und vom Rhein die Rück­kehr Tra­jans ein­for­dert.

Bei der Dar­stel­lung des Rheins in der Dich­tung wie auch im Bild­pro­gramm der Mün­zen wird in der Zeit Tra­jans ei­ne be­mer­kens­wer­te Fort­ent­wick­lung der rö­mi­schen Auf­fas­sung vom Rhein deut­lich. Un­ter Do­mi­ti­an stand die Un­ter­wer­fung des Rheins im Vor­der­grund, un­ter Tra­jan die In­te­gra­ti­on die­ses Flus­ses in die rö­mi­sche Welt. Tra­jan hob nun die zi­vi­le Struk­tur des ger­ma­ni­schen Rau­mes her­vor. Dies ge­schah bei­spiels­wei­se durch den Ab­zug mi­li­tä­ri­scher Ein­hei­ten vom Rhein und die Er­he­bung der Sied­lung am Le­gi­ons­la­ger *Ve­te­ra cas­tra II* zur *Co­lo­nia Ul­pia Traia­na* (Xan­ten). Der Rhein und da­mit Ger­ma­ni­en wur­den nun we­ni­ger durch mi­li­tä­ri­schen Zwang un­ter­drückt als durch Ur­ba­ni­sie­rung und Ro­ma­ni­sie­rung auf­ge­wer­tet. Ge­gen­über der von Do­mi­ti­an als des­sen Ver­dienst be­an­spruch­ten Un­ter­wer­fung stell­te die Ger­ma­ni­en­po­li­tik Tra­jans un­ter neu­en po­li­ti­schen Leit­li­ni­en die Zu­ge­hö­rig­keit die­ser Re­gio­nen zum rö­mi­schen Reich her­aus.

Die­sen Un­ter­schied ver­an­schau­licht die Münz­prä­gung: Ei­ne Gold­mün­ze Do­mi­ti­ans von 90 n. Chr. zeigt die be­sieg­te Ger­ma­nia, trau­ernd auf ei­nem Schild am Bo­den sit­zend, mit zer­bro­che­nem Speer[<sup>\[36\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12903), und ei­ne Gold­mün­ze Tra­jans aus dem Jah­re 98 bil­det die per­so­ni­fi­zier­te Ger­ma­nia mit ei­nem Öl­zweig, dem At­tri­but der Frie­dens­göt­tin, in der rech­ten Hand ab; sie sitzt auf ei­nem Waf­fen­hau­fen und stützt sich mit dem lin­ken Un­ter­arm auf ei­nen Schild.[<sup>\[37\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12904) Die ger­ma­ni­schen Pro­vin­zen soll­ten al­so nicht län­ger als müh­sam un­ter­wor­fe­nes rö­mi­sches Un­ter­ta­nen­ge­biet im Be­wusst­sein ver­an­kert blei­ben. Statt­des­sen soll­te man sich Ger­ma­ni­en als fried­li­chen und si­che­ren Le­bens­raum für die Be­woh­ner, Ein­hei­mi­sche wie auch rö­mi­sche Bür­ger, vor­stel­len. Ger­ma­ni­en und dem Rhein wur­de so ein – rö­mi­sches – Ei­gen­le­ben und Ei­gen­ge­wicht zu­ge­stan­den.

</article></div></div></div></div></div></div></div></div></div></div>**5. Der vereinnahmte Rhein**

Ver­mut­lich aus der Zeit Kai­ser Ha­dri­ans (117–138 n. Chr.) stammt ein 1968 in Straß­burg ge­fun­de­ner Al­tar, den Op­pi­us Se­ver­us als Kom­man­deur der hier sta­tio­nier­ten ach­ten Le­gi­on dem „Va­ter Rhein“ wid­me­te.[<sup>\[38\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12905) Die­se Wei­hung ei­nes Al­tars an den Rhein in des­sen Ei­gen­schaft als „Va­ter“ zeigt an, dass der Fluss­gott aus der Sicht des Stif­ters ei­ne ge­wis­se Au­to­ri­tät dar­stell­te. Die Wid­mung kann durch das sub­jek­ti­ve Emp­fin­den des Op­pi­us eben­so wie durch die ob­jek­ti­ve Ab­hän­gig­keit der Le­gi­on und der Ein­woh­ner des Sta­tio­nie­rungs­or­tes mo­ti­viert sein, die auf die Le­bens­ader des Flus­ses an­ge­wie­sen wa­ren. Die Be­zeich­nung als „Va­ter“ legt ein Un­ter­ord­nungs- und ein ge­wis­ses Ver­trau­ens­ver­hält­nis na­he. Gleich­zei­tig hoff­te man so, den Fluss­gott für die Be­lan­ge der am Strom le­ben­den Be­völ­ke­rung gnä­dig zu stim­men. Ganz Ähn­li­ches ist ei­ner in Eschenz am Hoch­rhein ge­fun­de­nen In­schrift zu ent­neh­men. In ihr ver­bin­det Spi­ci­us Ce­ria­lis, Statt­hal­ter der Pro­vinz Rae­ti­en in den Jah­ren 181–184, sein per­sön­li­ches Wohl­er­ge­hen mit dem Rhein.[<sup>\[39\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12906)

Die gro­ße Be­deu­tung des Rheins für das Le­ben in den ger­ma­ni­schen Pro­vin­zen ver­deut­li­chen zwei Wei­hin­schrif­ten aus Ve­ch­ten im Rhein­del­ta. In ei­ner hier­ar­chisch ge­ord­ne­ten Auf­lis­tung von Göt­tern er­scheint nach dem obers­ten rö­mi­schen Staats­gott Ju­pi­ter, den sum­ma­risch auf­ge­führ­ten va­ter­län­di­schen Göt­tern und Lo­kal­gott­hei­ten so­wie Ocea­nus auch der Rhein.[<sup>\[40\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12907) Die­sem Fluss wird al­so ei­ne be­acht­li­che Po­si­ti­on im Krei­se tra­di­tio­nel­ler rö­mi­scher Gott­hei­ten zu­ge­wie­sen. Gleich­zei­tig ori­en­tier­te sich die Wei­hung an lo­ka­len Ge­ge­ben­hei­ten, die die La­ge Ve­ch­tens am Fluss und in Mee­res­nä­he be­rück­sich­tig­ten. Ähn­li­che Ge­dan­ken be­zeu­gen zwei In­schrif­ten aus Re­ma­gen. Auch hier wird der Rhein nach Ju­pi­ter und der lo­ka­len Schutz­gott­heit auf­ge­führt.[<sup>\[41\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12908) Die ge­son­der­te Nen­nung des Rheins zeigt im­mer wie­der des­sen Be­deu­tung für die Men­schen an, die an sei­nem Ufer leb­ten. Aus den ver­schie­dent­li­chen Er­wäh­nun­gen des Rheins zu­sam­men mit Ocea­nus lässt sich die Über­tra­gung der Be­zeich­nung „Va­ter“ vom Ocea­nus auf den Rhein­strom gut er­klä­ren. Ur­sprüng­lich galt das Meer als Va­ter der Flüs­se[<sup>\[42\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12909); da lag es na­he, in dem mäch­ti­gen Rhein mit Hil­fe des Ge­dan­kens an die Frucht­bar­keit, die er mit sich bringt, ei­nen Va­ter für sei­ne Ne­ben­flüs­se und die An­rai­ner zu se­hen.

**5.1 Zeugnisse aus dem 3. Jahrhundert n. Chr.**

Den Um­gang der Rö­mer mit dem Rhein il­lus­triert auch ei­ne Rei­he von Münz­ab­bil­dun­gen aus dem 3. Jahr­hun­dert. Die Rück­sei­te ei­nes Bron­ze­me­dail­lons aus dem Jah­re 235 zeigt ei­ne Schiffs­brü­cke, über die der Kai­ser Se­ver­us Alex­an­der (222–235) schrei­tet. Ihm vor­an be­wegt sich ei­ne ge­flü­gel­te Sie­ges­göt­tin mit ei­nem Kranz in der rech­ten Hand. Hin­ter dem Kai­ser sind meh­re­re Sol­da­ten zu er­ken­nen. Un­ter­halb der Grup­pe be­fin­det sich ein nach links ge­la­ger­ter Fluss­gott, des­sen Iden­ti­fi­ka­ti­on über die­se Ab­bil­dung al­lein nicht mög­lich ist. Im Lau­fe des Jah­res 234 zog Se­ver­us Alex­an­der nach Ober­ger­ma­ni­en und nahm in Mainz Quar­tier, um ge­gen Ger­ma­nen vor­zu­ge­hen, die im Vor­jahr den ober­ger­ma­nisch-rä­ti­schen Li­mes mehr­fach durch­bro­chen hat­ten. Hier­zu ließ er ei­ne Schiffs­brü­cke über den Rhein schla­gen.[<sup>\[43\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12910) Die­se Ak­ti­on hat ih­ren Nie­der­schlag in er­zäh­len­den Quel­len und auch auf Mün­zen ge­fun­den. Auf­grund der po­li­ti­schen Er­eig­nis­se die­ser Jah­re, die den Kai­ser in Ger­ma­ni­en ban­den, kann man den Fluss­gott auf dem Me­dail­lon als Rhein iden­ti­fi­zie­ren.[<sup>\[44\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12911)

Für Pos­tu­mus (260–269), den Herr­scher des Gal­li­schen Son­der­reichs, der in Köln re­si­dier­te, war der Rhein von be­son­de­rer Be­deu­tung. Dies zeigt sich an der Aus­ga­be ei­ner Mün­ze, die auf der Rück­sei­te ei­nen ge­la­ger­ten, nach links bli­cken­den und mit zwei Hör­nern ver­se­he­nen Fluss­gott zeigt. Die­ser stützt sich mit dem lin­ken Arm auf ei­ne Quell­ur­ne und hält ei­nen An­ker im Arm, die rech­te Hand ist auf ei­nen Schiffs­bug ge­legt. Der Fluss­gott ist von der Le­gen­de *sa­lus pro­vin­ciar­um* um­ge­ben, die das Wohl­er­ge­hen der Pro­vin­zen an­spricht.[<sup>\[45\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12912) Der gan­ze Zu­sam­men­hang legt es na­he, in die­sem Fluss­gott den Rhein zu er­ken­nen. Für das Gal­li­sche Son­der­reich stell­te der Rhein ei­ne von Schif­fen be­fah­re­ne, krafts­pen­den­de Le­bens­ader dar, mit der man auf dem Hö­he­punkt der po­li­ti­schen Kri­se des rö­mi­schen Rei­ches nach Mit­te des 3. Jahr­hun­derts das wirt­schaft­li­che Wohl der ger­ma­ni­schen Pro­vin­zen und des gal­li­schen Hin­ter­lan­des zu be­schwö­ren ver­moch­te.

In li­te­ra­ri­schen Quel­len rück­te beim Ge­dan­ken an den Rhein ne­ben der wirt­schaft­li­chen Be­deu­tung des Flus­ses für die an sei­nen Ufern lie­gen­den rö­mi­schen Pro­vin­zen all­mäh­lich die Grenz­funk­ti­on des Stro­mes wie­der mehr in den Vor­der­grund. So spielt ein Trie­rer Lob­red­ner auf Kai­ser Ma­xi­mi­an (286–305) im Jah­re 289 mit der Be­deu­tung des Rheins als Gren­ze des rö­mi­schen Macht­be­reichs. Er be­haup­tet, die au­ßer­or­dent­li­chen mi­li­tä­ri­schen Er­fol­ge des Kai­sers im rechts­rhei­ni­schen Raum hät­ten die­se Funk­ti­on des Flus­ses auf­ge­ho­ben. Auch öst­lich des Stro­mes brei­te sich jetzt rö­mi­sches Land aus; Be­den­ken, die Gren­ze, die der Rhein bil­de, kön­ne nicht hal­ten, sei­en al­so un­be­grün­det.[<sup>\[46\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12913) Die­ser Ge­dan­ke weist aber ge­nau dar­auf hin, dass man sich in die­ser Zeit Sor­gen mach­te, und zwar nicht nur dar­über, den Wohl­stand des rö­mi­schen Ge­biets hin­ter die­ser Fluss­gren­ze zu si­chern, son­dern auch dar­über, der Rhein kön­ne von den Ger­ma­nen über­rannt wer­den. Um zu be­ru­hi­gen, pro­pa­gier­te man die von den Kai­sern ga­ran­tier­te Si­cher­heit des rö­mi­schen Herr­schafts­be­reichs ge­ra­de dort, wo sie be­son­ders ge­fähr­det war.

**5.2 Zeugnisse aus dem 4. Jahrhundert n. Chr.**

Selbst über vie­le Jahr­zehn­te des 4. Jahr­hun­derts er­schien das Ver­hält­nis der Rö­mer zum Rhein noch in­takt. Da­von zeugt Auso­ni­us (um 310–nach 393) in sei­nem wohl 370/371 ent­stan­de­nen Preis­ge­dicht auf die Mo­sel.[<sup>\[47\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12914) Hier fügt der Dich­ter auch ei­ne Pas­sa­ge über den Rhein ein, so­bald er auf die Mün­dung der Mo­sel bei Ko­blenz zu spre­chen kommt. Auso­ni­us macht klar, dass der Ne­ben­fluss Mo­sel dem Rhein kei­nes­wegs un­ter­ge­ord­net ist: Die Gleich­stel­lung der bei­den Flüs­se si­gna­li­siert die Ver­ei­ni­gung ih­rer Ge­wäs­ser zu „brü­der­li­chen Flu­ten“, die nun so­zu­sa­gen ei­nen neu­en Strom aus­ma­chen; die­ser kann den An­for­de­run­gen, die an ihn ge­stellt wer­den, in vol­lem Um­fang ge­recht wer­den.[<sup>\[48\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12915) In der Fol­ge wen­det sich Auso­ni­us an bei­de Flüs­se zu­gleich: „Setzt ihr bei­de ver­ei­nigt (*iunc­ti*) eu­ren Weg fort.“[<sup>\[49\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12916) Da­mit par­al­le­li­siert Auso­ni­us die kurz zu­vor er­wähn­ten „ver­ei­nig­ten Sie­ge“ (*iunc­tos tri­um­phos*) Kai­ser Va­len­ti­ni­ans I. (364–375) und sei­nes Soh­nes Gra­ti­an (367–383) auf­grund ih­rer ge­mein­sa­men Be­mü­hun­gen ge­gen die Ale­man­nen mit der auf der Ver­ei­ni­gung von Rhein und Mo­sel be­ru­hen­den Ver­dop­pe­lung der Kraft des Stro­mes.[<sup>\[50\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12917) Nach­dem der Rhein die Mo­sel auf­ge­nom­men hat, ver­mag der Strom den kai­ser­li­chen An­spruch auf die Re­gio­nen im Nord­wes­ten des rö­mi­schen Rei­ches zu re­prä­sen­tie­ren.[<sup>\[51\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12918) Trotz der Ver­mitt­ler­funk­ti­on der Mo­sel, die ih­ren Auf­trag aus der Kai­ser­re­si­denz Trier be­zieht, an der sie vor­bei­flie­ßt, braucht der Rhein kei­nen Pres­ti­ge­ver­lust zu be­fürch­ten: „Nimm du dei­nen Bru­der an, un­be­sorgt um dei­nen ei­ge­nen Ruhm.“[<sup>\[52\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12919)

Durch den Zu­fluss vor al­lem der Mo­sel ver­grö­ßert der Rhein sein Fluss­bett er­heb­lich und ge­winnt die Macht, ger­ma­ni­sche Stäm­me ab­zu­hal­ten und so ei­nen wahr­haf­ti­gen Grenz­ver­lauf zu mar­kie­ren.[<sup>\[53\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12920) Da­mit recht­fer­tigt Auso­ni­us die Be­zeich­nung des Flus­ses als „dop­pelt ge­hörn­t“, *bi­cor­nis*.[<sup>\[54\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12921) Er fügt den bis­he­ri­gen Deu­tun­gen ei­nen wei­te­ren As­pekt hin­zu: In den Hör­nern des Flus­ses und in des­sen Auf­ga­be, im rö­mi­schen Dienst feind­li­che Stäm­me auf Dis­tanz zu hal­ten, spürt man die Wehr­haf­tig­keit her­aus. Die­se Ei­gen­schaft lei­tet der Dich­ter aus der Ver­ei­ni­gung von Mo­sel und Rhein ab; sie macht den Rhein erst rich­tig stark, sie be­wirkt, dass er mit sei­nen bei­den Hör­nern, *bi­cor­nis*, zu kämp­fen weiß. Dem ver­leiht Auso­ni­us ei­ne be­son­de­re No­te, in­dem er im­mer wie­der die in der Ver­brü­de­rung der Flüs­se lie­gen­de Ver­dop­pe­lung der Kraft des Rheins her­aus­stellt.[<sup>\[55\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12922) Für Auso­ni­us ist der Rhein selbst­ver­ständ­lich ein rö­mi­scher Fluss, der sei­ne Fä­hig­keit zur Fein­des­ab­wehr Rom zur Ver­fü­gung stellt. Das war noch an­ders, als die Rö­mer in der Zeit von Au­gus­tus bis Do­mi­ti­an mit dem Bild des Ab­bre­chens der Hör­ner die he­ra­kles­glei­che Müh­sal der rö­mi­schen Kai­ser be­schrie­ben, den Rhein und da­mit Ger­ma­ni­en zu un­ter­wer­fen. In die­ser Zeit stell­te man sich vor, der Rhein kämp­fe auf Sei­ten der ger­ma­ni­schen Fein­de Roms. Auso­ni­us da­ge­gen ver­ein­nahmt den Rhein voll und ganz für die rö­mi­sche Welt.

Und doch lag ein Schat­ten über die­ser ver­meint­li­chen Idyl­le. Wenn es nö­tig war, dass *Rhe­nus bi­cor­nis* sei­ne Hör­ner ak­tiv für Rom in den Dienst stell­te, um in der Fein­des­ab­wehr sei­ne Funk­ti­on als Gren­ze zu er­fül­len, konn­te die mi­li­tä­ri­sche La­ge in den rhei­ni­schen Lan­den nicht si­cher sein[<sup>\[56\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12923) – ge­ra­de weil das Ge­gen­teil be­haup­tet wird. Auch der rö­mi­sche Se­na­tor Sym­ma­chus (um 342–402/403) be­müh­te im Jah­re 370 in sei­ner Lob­re­de auf Kai­ser Va­len­ti­ni­an I. den „zwei­ge­hörn­ten Nach­bar­n“[<sup>\[57\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12924), und zwar al­lein mit sei­nem be­kann­ten At­tri­but, oh­ne dass er ihn „Rhein“ nen­nen muss­te. Er er­in­ner­te an den Kriegs­zug des Kai­sers ge­gen die Ale­man­nen: Rom las­se sich durch na­tür­li­che Hin­der­nis­se nicht auf­hal­ten, stel­le die­se viel­mehr als Be­fes­ti­gun­gen in sei­nen Dienst, so auch den Rhein, der von Kriegs­schif­fen be­fah­ren und von Brü­cken über­spannt wer­de. Wie­der er­in­nert das na­tür­li­che Hin­der­nis, das der Rhein bil­det, an sei­ne Funk­ti­on, an­ge­sichts der Ge­fah­ren, die von der rech­ten Sei­te des Flus­ses dro­hen, ei­ne ef­fi­zi­en­te Gren­ze zu bil­den. An­ders als bei Auso­ni­us ar­bei­tet der Rhein bei Sym­ma­chus an­schei­nend nicht ganz aus frei­en Stü­cken im rö­mi­schen Dienst, son­dern beugt sich dem rö­mi­schen Wil­len.

Dies gilt noch mehr für den Rhein in ei­ner wei­te­ren Lob­re­de des Sym­ma­chus, dies­mal auf Va­len­ti­ni­ans Sohn Gra­ti­an: Hier „ver­ach­tet der Rhein die rö­mi­schen Be­feh­le nicht mehr \[…\]. Von un­se­ren Al­pen flie­ßt er in un­se­ren Oze­an“.[<sup>\[58\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12925) Zwar er­scheint der Rhein nach wie vor als Be­stand­teil der rö­mi­schen Welt, aber er muss zum Dienst für Rom ge­zwun­gen wer­den, da­mit der rö­mi­sche Herr­schafts­an­spruch in die­sen Lan­den si­cher­ge­stellt bleibt. Er gilt hier wie­der als be­siegt und un­ter­wor­fen, wie in frü­he­rer Zeit, als die Rö­mer noch mit der Ab­si­che­rung ih­rer Herr­schaft am Rhein be­schäf­tigt wa­ren.

En­de des 4. Jahr­hun­derts war der Druck von au­ßen auf das rö­mi­sche Reich und da­mit auf den Rhein be­trächt­lich an­ge­stie­gen. Dies spie­gelt sich in ent­spre­chen­den Funk­ti­ons­zu­schrei­bun­gen für den Fluss: Der Mai­län­der Bi­schof [Am­bro­si­us](https://rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57a9e401693e63.12814344 "Ambrosius von Mailand") nennt den Rhein ei­nen „Schutz­wall des rö­mi­schen Rei­ches ge­gen die wil­den Völ­ker­stäm­me“, der Ge­schichts­schrei­ber Am­mia­nus Mar­cel­li­nus (um 330–um 395), sein Zeit­ge­nos­se, be­tont die na­tür­li­che Schutz­funk­ti­on des Rheins für das rö­mi­sche Gal­li­en.[<sup>\[59\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12926) An­ge­sichts der be­droh­li­chen La­ge am Rhein wur­de, wie einst von Cae­sar und Ta­ci­tus, die Si­cher­heit be­schwo­ren, die der Fluss als Gren­ze Rom zu bie­ten ver­moch­te.

**6. Der ferne Rhein**

Nach dem To­de des Kai­sers Theo­dosi­us (379–395) wur­de die in­nen- und au­ßen­po­li­ti­sche La­ge des rö­mi­schen Rei­ches brü­chi­ger. Im Jah­re 396 reis­te der [Heer­meis­ter](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/H#term-221) Sti­li­cho (um 365–408) da­her an den Rhein, um Ver­trä­ge mit ger­ma­ni­schen Stäm­men zu er­neu­ern und Sol­da­ten zu re­kru­tie­ren.[<sup>\[60\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12927) Die­se Rei­se ver­ar­bei­te­te der Dich­ter Clau­di­an (um 370–nach 404) we­nig spä­ter in sei­nem Lob­ge­dicht auf Sti­li­cho. Nach der Dar­stel­lung Clau­di­ans konn­te Sti­li­cho dem Rhein „durch das Ab­bre­chen sei­ner Hör­ner“ die be­droh­li­che Wir­kung neh­men und ihn al­lein durch Ver­hand­lun­gen mit ger­ma­ni­schen Stäm­men zäh­men.[<sup>\[61\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12928) Da­durch stimm­te er den Fluss so nach­gie­big und un­ter­wür­fig, dass die Ger­ma­nen das Schwert ge­gen die Si­chel ein­tausch­ten und fried­lich Land­wirt­schaft be­trie­ben. Rhein und Ger­ma­nen wer­den von Clau­di­an als eins be­trach­tet. Sie beu­gen sich dem Druck Roms. Clau­di­an krönt die­se Vor­stel­lung mit der voll­stän­di­gen In­te­gra­ti­on des Rheins und sei­ner bei­den Ufer in die rö­mi­sche Welt. Da­bei scheint er das rö­mi­sche Ein­fluss­ge­biet wie in der Zeit des Au­gus­tus über den ger­ma­ni­schen Raum bis zur El­be und dar­über hin­aus aus­zu­deh­nen.[<sup>\[62\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12929) Den­noch schwebt ihm in ers­ter Li­nie die land­wirt­schaft­li­che Nut­zung ei­nes Ge­bie­tes vor, das im We­sent­li­chen in Rhein­nä­he zu fin­den ist. Das gilt auch für die El­be, un­ter der sich Clau­di­an wohl ei­nen seich­ten Ne­ben­fluss des Rheins vor­stellt.[<sup>\[63\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604#footnote-12930)

Die un­ge­nau­en geo­gra­phi­schen An­ga­ben Clau­di­ans zei­gen an, dass dem Dich­ter der nord­west­li­che Raum des rö­mi­schen Rei­ches und das öst­li­che Vor­feld des Rhein­stroms gar nicht mehr ge­nau be­kannt wa­ren, selbst wenn er bei­de Sei­ten des Rheins als rö­misch aus­gab. Da­mit lässt er zu­gleich er­ken­nen, dass die Rö­mer zum rechts­rhei­ni­schen Ge­biet kei­nen wirk­li­chen Zu­gang mehr hat­ten. Die­ser Raum be­gann ih­nen fremd zu wer­den. Das hat­te auf Dau­er auch Aus­wir­kun­gen auf das Ver­hält­nis der Rö­mer zum Rhein und auf ih­re Auf­fas­sung von der Zu­ge­hö­rig­keit des Flus­ses zum rö­mi­schen Reich. Wie we­nig das von Clau­di­an ent­wor­fe­ne Bild vom fried­li­chen rö­mi­schen Rhein­land noch mit der po­li­ti­schen Rea­li­tät die­ser Zeit zu tun hat­te, zeig­te der Zu­sam­men­bruch der Rhein­gren­ze we­ni­ge Jah­re spä­ter, als um die Jah­res­wen­de 406/407 gro­ße ger­ma­ni­sche Ver­bän­de nach Gal­li­en ein­dran­gen.

**7. Schluss**

Mit der Ein­ord­nung des Rheins in ih­re Vor­stel­lun­gen vom vä­ter­li­chen Fluss­gott *Rhe­nus bi­cor­nis* in­te­grier­ten die Rö­mer den Strom in ihr Den­ken und mach­ten ihn so zu ei­nem rö­mi­schen Fluss. Bei der Ein­be­zie­hung des Rheins in die rö­mi­sche Welt war es nicht re­le­vant, ob der Rhein als Gren­ze oder als Be­stand­teil ih­res ei­ge­nen Herr­schafts­raums galt. Zu­nächst spiel­te der Rhein bei der Fest­le­gung der rö­mi­schen Gren­ze im Nor­den ei­ne Rol­le. Bald wur­de der Fluss mehr und mehr mit ei­nem Ger­ma­ni­en gleich­ge­setzt, das Ziel rö­mi­scher Ex­pan­si­on war, auch wenn die­se Reich­ser­wei­te­rung nur an­satz­wei­se ver­wirk­licht wur­de. Der Ver­ein­nah­mungs­pro­zess fand mehr im rö­mi­schen Selbst­ver­ständ­nis als in der Um­set­zung rea­ler Macht­po­li­tik statt. Da­bei woll­te man an­ge­sichts des rö­mi­schen Welt­herr­schafts­an­spruchs häu­fig zwi­schen der Rhein­re­gi­on als Be­stand­teil des rö­mi­schen Rei­ches und dem nicht un­ter­wor­fe­nen Ger­ma­ni­en öst­lich des Rheins kei­nen son­der­li­chen Un­ter­schied se­hen.

In Grenz­be­schrei­bun­gen des rö­mi­schen Rei­ches wur­den in al­len Him­mels­rich­tun­gen selbst­be­wusst vom Zen­trum Rom weit ent­fern­te Welt­ge­gen­den auf­ge­führt; den Nor­den re­prä­sen­tiert hier der Rhein. Die Brü­chig­keit die­ses Den­kens zeigt sich dar­in, dass auch die Rhein­gren­ze von Bar­ba­ren­stäm­men be­drängt wur­de und so zu­gleich für die Ge­fah­ren ste­hen kann, de­nen das rö­mi­sche Reich aus­ge­setzt war. Im Lau­fe der Spät­an­ti­ke trat an die­se Stel­le so­gar die Exis­tenz­be­dro­hung des Rei­ches. Den­noch ver­such­ten die Rö­mer zu al­len Zei­ten im­mer wie­der, ih­re ideo­lo­gi­schen Vor­stel­lun­gen vom in­tak­ten Reich mit der Er­eig­nis­ge­schich­te in Ein­klang zu brin­gen. Da­her war das Ver­hält­nis der Rö­mer zum Rhein von ge­ziel­ter In­stru­men­ta­li­sie­rung be­stimmt. Wenn die Be­dro­hung des rö­mi­schen Reichs­ge­biets im Nor­den kei­ne son­der­li­che Rol­le spiel­te, ho­ben die Rö­mer gern den Strom als Le­bens­ader für rö­mi­sches Pro­vin­zi­al­ge­biet her­vor. So wur­de die Ein­be­zie­hung die­ser Re­gi­on in die rö­mi­sche Welt her­aus­ge­stellt. Dies dien­te dem ge­ziel­ten Ver­wi­schen mög­li­cher Wi­der­sprü­che zwi­schen Wunsch, po­li­ti­schem Er­for­der­nis und Wirk­lich­keit, um den Ein­druck von der Sta­bi­li­tät rö­mi­scher Herr­schaft zu er­hö­hen. In­so­fern be­steht im Ver­hält­nis der Rö­mer zum Rhein zwi­schen welt­an­schau­li­cher Kon­zep­ti­on und po­li­ti­scher Rea­li­tät ei­ne span­nungs­rei­che, gleich­sam dia­lek­ti­sche Be­zie­hung.

##### 6. Die Eifelwasserleitung nach Köln

<div class="align-left" id="bkmrk--8"><div class="grid-x align-center" data-fetch-key="magazine-detail-727-container-editable"><div class="small-12"><div class="section__container grid-x"><div class="section__column cell small-12"><div class="image-list image-list--slider full-width"><div class="custom-container"><div id="bkmrk--9"></div><a name="section-1982208"></a><div>[![Stück eines überdachten Kanals](https://bodendenkmalpflege.lvr.de/media/bodendenkmalpflege/aktuelles/bilder/presse/2018/roemerkanal_projekt_huerth/Restaurierung_-_Leitung_fertig_restauriert_mit_ergaenztem_Gewoelbe_textbild_klein.jpg)](https://bodendenkmalpflege.lvr.de/media/bodendenkmalpflege/aktuelles/bilder/presse/2018/roemerkanal_projekt_huerth/Restaurierung_-_Leitung_fertig_restauriert_mit_ergaenztem_Gewoelbe.jpg)</div></div></div></div></div></div></div></div>Ein Stück Eifelwasserleitung fertig restauriert. Wegen des Steinraubs im Mittelelter erhielt sie ein originalgetreues Gewölbe mit Steinen aus dem gleichen Steinbruch. Foto: Thomas Sieverding, Restaurator

<div class="align-left" id="bkmrk--10"><div class="grid-x align-center" data-fetch-key="magazine-detail-727-container-editable"><div class="small-12"><div class="section__container grid-x"><div class="section__column cell small-12"><div class="image-list image-list--slider full-width"><div class="custom-container"><div>[![Ein alter Mann und zwei junge Männer an einem Tunnel](https://bodendenkmalpflege.lvr.de/media/bodendenkmalpflege/aktuelles/bilder/presse/2018/roemerkanal_projekt_huerth/PK_roem_Wasserleitung_Koeln_2265_medium_textbild_klein.jpg)](https://bodendenkmalpflege.lvr.de/media/bodendenkmalpflege/aktuelles/bilder/presse/2018/roemerkanal_projekt_huerth/PK_roem_Wasserleitung_Koeln_2265_medium.jpg "Professor Klaus Grewe, Experte für die Wasserleitung, mit zwei Auszubildenden nach der Restaurierung. Foto: M. Zanjani, LVR-ABR")</div></div></div></div></div></div></div></div>Professor Klaus Grewe, Experte für die Wasserleitung, mit zwei Auszubildenden nach der Restaurierung. Foto: M. Zanjani, LVR-ABR

<div class="align-left" id="bkmrk--11"><div class="grid-x align-center" data-fetch-key="magazine-detail-727-container-editable"><div class="small-12"><div class="section__container grid-x"><div class="section__column cell small-12"><div class="image-list image-list--slider full-width"><div class="custom-container"><div id="bkmrk--12"></div></div></div></div></div></div></div></div>Die römische Wasserleitung von der Eifel nach Köln ist das bedeutendste technische Denkmal der Antike nördlich der Alpen – zugleich das längste. Ihre Gesamtlänge beträgt 95 Kilometer – inklusive aller Zuleitungen etwa 130 Kilometer. Sie ist damit die drittlängste im gesamten römischen Imperium. Der „Römerkanal“, wie er in der Region genannt wird, gehört zu den großen Ingenieurleistungen der Antike. Bauweise und Vermessungstechnik lassen Laien wie Fachleute staunen. Er ist ein archäologisches Denkmal von internationalem Rang – auch deshalb, weil wichtige Teile erhalten sind.

**Täglich 20 Millionen Liter Wasser für die *Colonia***

Bekanntlich legte die römische Bevölkerung am Niederrhein Wert auf die Beibehaltung ihres Lebensstils. Dazu gehörte auch einwandfreies, frisches Trinkwasser. Bei einem Durchfluss von 250 Litern pro Sekunde lieferte die Eifelleitung täglich bis zu 20 Millionen Liter Wasser in die Provinzhauptstadt – so die Berechnungen von Prof. Dr. Klaus Grewe, der als Archäologe und Vermessungsingenieur beim LVR die Leitung über viele Jahre erforschte.

**Trassenführung**

Der "Römerkanal" funktionierte als reine Gefälleleitung. Zur Überbrückung von Tälern gab es einige Aquäduktbrücken. Um die Leitung zum Schutz vor dem Frost weitgehend unterirdisch führen zu können, folgt die Trasse vorhandenen Höhenzügen, Umwege wurden in Kauf genommen. In der Regel wies sie eine Überdeckung von 90 Zentimetern Erdreich auf. Das gewünschte Gefälle konnten die Baumeister dadurch bestimmen, dass sie den Kanal in den Hang eines Höhenzuges legten. Der Erdaushub für die Rinne diente dabei als Arbeitsterrasse und Zuweg. Bei Meckenheim sowie zwischen Hürth und Köln war die Leitung als Hochleitung angelegt, von Bogenstützen getragen. Die römische Vermessungstechnik überließ nichts dem Zufall. Das Gefälle der Leitung beträgt teilweise nur ein Promille. Die Leitung gliederte sich in viele Baulose, wie man an unterschiedlichen Gefälleabschnitten erkennen kann.

**Bauweise**

Die gute Erhaltung der Leitung ist vor allem auf ihre bestens ausgeklügelte und äußerst aufwendige Bauweise zurückzuführen. Die Römer kannten bereits den Beton (*opus caementitium*) und verfügten recht früh über wasserdichten Zement. Der Kanal liegt auf einer Packlage aus senkrecht gestellten Fundamentsteinen. Er besteht zunächst aus einer U-förmigen Rinne, die als Beton gegossen oder gemauert war. Die Wangen sind etwa 35 Zentimeter stark, die Innenmaße der Rinne betragen gut 70 Zentimeter in Breite und Höhe. Außen war die Rinne verputzt und in feuchter Umgebung zusätzlich mit einer Drainage versehen, um das Eindringen von Oberflächenwasser zu unterbinden. Besonders wichtig war der rötliche, wasserdichte Innenputz (*opus signinum*). Er gewährleistete die Abdichtung der Rinne im Inneren, also gegen das allgegenwärtige Wasser, und ist auch heute noch gut zu erkennen. Oberhalb der Rinne errichteten die Römer ein Gewölbe, um den Kanal unterirdisch führen und das wertvolle Wasser vor Verunreinigungen schützen zu können. Das Gewölbe war baulich ohne Verbindung auf die Rinne gesetzt, quasi mit Sollbruchstelle. Diese Vorkehrung trafen die Baumeister, damit bei einer Beschädigung des Gewölbes ein Bersten der Rinne möglichst vermieden wird.

**Wartung**

Die Forscher entdeckten Absetzbecken und Brunnenstuben sowie zahlreiche Revisionsschächte, die einen Einstieg in die Leitung ermöglichten. Neben der ingenieurtechnischen Leistung des Wasserleitungsbaus sind Wartung und Bauunterhalt der Leitung über mindestens 190 Jahre als administrative Leistung nicht zu unterschätzen: Man geht aufgrund der Absetzbecken für Schlamm sowie den Einstiegen davon aus, dass das Bauwerk durch mehrere Kanalmeistereien fortlaufend gereinigt und gewartet wurde und so der dauerhafte Betrieb gewährleistet wurde.

**Steinbruch**

Der Einzugsbreich der Eifelleitung liegt in der aus der Sötenicher Kalkmulde. Das Wasser war recht kalkhaltig. Ob die Römer dieses Wasser wegen des Geschmacks bevorzugten, ist nicht belegt. Ein wichtiger Vorteil des kalkhaltigen Wassers bestand jedenfalls in der automatischen Abdichtung der giftigen Bleileitungen in den antiken Haushalten, die in Köln ihr Wasser aus der Eifel bezogen. Dass Blei ungesund ist, war den Römern bereits bekannt.

In den rund 190 Jahren seines Betriebs entstanden im Inneren des Kanals Kalkablagerungen mit einer Dicke von bis zu 40 Zentimetern. Poliert wirkt dieser Kalksinter wie geflammter Marmor. Er eignete sich hervorragend für Säulen und Platten und wurde daher im Mittelalter an vielen Stellen aus dem nicht mehr verwendeten Kanal herausgebrochen, um ihn als bauliches Schmuckelement zu verwenden. "Eifelmarmor" findet sich in vielen Kirchen, so in allen romanischen Kirchen in Köln, den Domen von Paderborn und Hildesheim, sogar in Dalby und Roskilde/Dänemark ist er zu finden.

Insbesondere auf den längeren Strecken und an den meisten Aquädukten wurde der Römerkanal ab dem Mittelalter als Steinbruch genutzt. An einigen Stellen ist er nur noch durch die ursprüngliche Baugrube nachweisbar; die Steine sind an manchen Bauwerken zu sehen – darunter Hexenturm und Stadtmauer in Rheinbach.

**Vermittlung**

Auf Initiative von Klaus Grewe wurde bereits 1988 der Römerkanal-Wanderweg mit Wanderführer und Informationstafeln eingerichtet und der Verein "Freundeskreis Römerkanal e.V." gegründet. In Rheinbach ist ein Informationszentrum zur Eifelwasserleitung im Bau, es soll im Sommer 2019 eröffnet werden. Gefördert wird es durch das Land, die NRW-Stiftung und den Landschaftsverband Rheinland.  
Text: Uwe Steinkrüger

##### 7. Das stille Örtchen. Toiletten in der Antike.

[![image.png](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/scaled-1680-/JvEimage.png)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/JvEimage.png)

Anlässlich des Welttoilettentages am 19. November lohnt sich ein Blick zurück auf die Entwicklung der sanitären Anlagen – und dabei besonders auf die römische Antike. Während die hygienischen Standards der Römer nicht mit heutigen Maßstäben vergleichbar sind, erreichten Errungenschaften wie Bäder, Wassertoiletten und Kanalisationssysteme erst in der Neuzeit wieder ein ähnliches Niveau.

Die Römer kannten zwei Haupttypen von Toiletten: Gemeinschaftslatrinen mit Wasserspülung, die vor allem in Militärlagern und städtischen Zentren vorkamen, und einfache Grubenlatrinen, welche etwa heutigen Plumpsklos entsprachen. Während die Wasserspülung hygienische Vorteile bot, erschwerte sie die Konservierung archäologischer Funde. Nicht geleerte Grubenlatrinen hingegen sind heute wahre Fundgruben und bieten vielfältige Einblicke in die römische Lebensweise. So wurden in den Latrinen botanische und zoologische Überreste entdeckt, die ein Bild der römischen Ernährung zeichnen. Ein besonderer Fundkomplex betrifft den Nachweis von Parasiten, deren Eier in den Latrinen gefunden wurden und auf weit verbreitete Gesundheitsprobleme hinweisen. In römischen Städten waren öffentliche Toiletten weit verbreitet und befanden sich oft in der Nähe der Thermen. Diese Latrinen variierten architektonisch, wobei rechteckige, quadratische und apsidiale Formen vorkamen. In den größeren Anlagen gab es meist Sitzreihen aus Holz oder Stein, und die Nutzung dieser Gemeinschaftslatrinen bot Gelegenheit für soziale Kontakte und Austausch – ein in der heutigen Zeit ungewohnter Aspekt der Toilettenkultur.

Neben diesen großen Gemeinschaftslatrinen, die teils gebührenpflichtig waren, existierten auch einfachere, einsitzige Latrinen entlang der Straßen. So führten in Carnuntum hölzerne Kanäle das Abwasser in größere Sammelsysteme, wobei Sichtschutz oder Sitzpolsterungen meist fehlten. Auf dem Land fand man hingegen meist die einfachen Grubenlatrinen. Ausgrabungen in der Zivilstadt von Carnuntum zeigen, dass private Häuser selten über eigene Toiletten verfügten. Wo diese vorhanden waren, lagen sie oft in einem abgetrennten Bereich der Küche – eine für heutige Vorstellungen ungewöhnliche Kombination, die jedoch dem Zugang zur Abwasserentsorgung geschuldet war.

**Nachttöpfe für jung und alt**

Der Nachttopf war in römischen Haushalten ein unverzichtbarer Gebrauchsgegenstand, da die meisten Wohnungen und Häuser keine eigenen Toiletten besaßen. Archäologische Funde von Nachttöpfen entlang der sogenannten Weststraße in Carnuntum, heute Teil des römischen Stadtviertels im Archäologischen Park , zeugen von deren Alltagsnutzung. Viele Fragmente und einige vollständig erhaltene Nachttöpfe fanden sich in antiken Abwasserkanälen und Straßenschüttungen, oft in direktem Zusammenhang mit Fäkalien- und Abfallschichten. Einige dieser Funde wurden nahe einer Therme entdeckt, was auf die vielseitige Nutzung der Gefäße in unmittelbarer Nähe von Wohn- und Arbeitsbereichen hindeutet. Die Analyse der Nachttöpfe unterscheidet zwei Haupttypen: die konischen „lasani“ ohne Henkel, die bis zu 11 Liter fassen konnten, und die flachen „trullae“ mit Griffen, die möglicherweise zum Urinieren einiger Entfernung dienten.

<figure class="image-module custom-container" id="bkmrk--14"><div class="grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 cell small-12 medium-10 large-8">[<picture><source media="(min-width: 64em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/efb36ea109f3270e55068e104e639fd9/noeku/818550/rm:fit/h:2200/w:2200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5"><source media="(min-width: 48em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/02c4f7fb92ed684ccfbc49dad416e8ea/noeku/818550/rm:fit/h:1024/w:1024/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5">![Römischer Nachttopf aus Keramik, Topfform, helle Keramik](https://noeku.on.damlivery.com/s/d71250d8e91cf332ce6319ba7404a965/noeku/818550/rm:fit/h:400/w:500/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</source></source></picture>](https://noeku.on.damlivery.com/s/0fecb606ed5f15fbf4d42026e8bebbda/noeku/818550/rm:fit/h:3200/w:3200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</div></div><figcaption class="shared-caption text-center"></figcaption><div class="spacer">  
</div></figure>*Nachttopf (lasanum) aus dem Abwasserkanal 5 der Weststraße (Zivilstadt von Carnuntum*) *© Landessammlungen NÖ, Archäologischer Park Carnuntum (Foto: N.Gail)*

Römische Autoren wie Martial und Juvenal schildern den alltäglichen Gebrauch dieser Gefäße oft humorvoll. Martial etwa beschreibt, wie Nachttöpfe bei Gelagen genutzt wurden, um den Raum nicht verlassen zu müssen. Während die Oberschicht Nachttöpfe aus wertvollen Materialien wie Gold oder Silber besaß, waren einfache Tongefäße weit verbreitet (Mart. 14, 119). Morgens wurden die Nachttöpfe in die nächstgelegene Latrine oder in ein Urinfass an einer Straßenecke entleert. Urin wurde als Rohstoff auch von Gerbern und Textilverarbeitern geschätzt, was Kaiser Vespasian dazu veranlasste, eine Urinsteuer einzuführen – Grundlage seines berühmten Ausspruchs „pecunia non olet“ („Geld stinkt nicht“). Man durfte zwar den Nachttopf bzw. seinen Inhalt nicht aus dem Fenster schütten, es gibt aber viele Belege für solche Vorkommnisse in Rom, wie Juvenal (Juv. 6, 264) berichtet:

<figure class="image-module custom-container" id="bkmrk--15"><div class="grid-x grid-margin-x align-center"><div class="cell small-12 cell small-12 medium-10 large-8">[<picture><source media="(min-width: 64em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/1be816d387a1077fe6cca27e0a61b4b2/noeku/819564/rm:fit/h:2200/w:2200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5"><source media="(min-width: 48em)" srcset="https://noeku.on.damlivery.com/s/ec66a9648d1076d589745940ab9289c4/noeku/819564/rm:fit/h:1024/w:1024/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5">![Färberei im RSV, gefärbte Stoffe hängen an Balken zum Trocknen](https://noeku.on.damlivery.com/s/779dcc9ebb9fb7b778134fbfefab0fec/noeku/819564/rm:fit/h:400/w:500/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</source></source></picture>](https://noeku.on.damlivery.com/s/451008d4522b9fa6fb9c91e46a1ca088/noeku/819564/rm:fit/h:3200/w:3200/q:90/rs:originalSizePng/f:webp/g:fp:0.5:0.5)</div></div><figcaption class="shared-caption text-center"></figcaption></figure>##### 8. Fortschritt mit Nebenwirkungen - Wie Blei die Antike veränderte 

[![image.png](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/scaled-1680-/wo2image.png)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/wo2image.png)

Kleiner bikonischer Körper aus Blei mit Öse. - © Niederösterreichische Landessammlungen

 „Wie Blei an den Füßen“ oder „schwer wie Blei“ – Redensarten, die das Metall Blei mit Schwere und Last assoziieren, spiegeln bis heute seinen besonderen Charakter wider. Doch war Blei in der Antike weit mehr als eine Metapher: Es prägte den Alltag und die Infrastruktur, stand für Fortschritt und Innovation, war aber auch ein Gesundheitsrisiko.

Blei wurde in Form großer Barren aus den Bergbaugebieten in die Provinzen des Römischen Reiches transportiert. In römischer Zeit wurde der Rohstoff in zahlreichen Regionen abgebaut, wie auf dem Balkan, in Griechenland, Kleinasien, Spanien, Britannien und Germanien. In Britannien etwa setzte die industrielle Bleigewinnung unmittelbar nach der römischen Eroberung durch Kaiser Claudius (43 n. Chr.) ein. Ursprünglich eng mit der Silbergewinnung verbunden, entwickelte sich Blei im Laufe der Zeit selbst zu einem wichtigen Rohstoff, der durch bereits fortschrittliche Verfahren zu einem vielseitigen Werkstoff verarbeitet wurde.

Blei fand Einsatz im Bauwesen, etwa zur Verklammerung von Steinblöcken – bei der Porta Nigra in Trier wurden schätzungsweise sieben Tonnen Blei verbaut. Im Schiffbau schützte Blei die Holzrümpfe vor Schädlingen, während es in der [**Wasserversorgung** ](https://www.carnuntum.at/de/magazin/romer-quellen-wasserversorgung-in-der-antike/727)für die Herstellung der berühmten Bleirohre (sogenannte *fistulae*) genutzt wurde. Insbesondere in urbanen Zentren wie Pompeji spielte dieses Material eine Schlüsselrolle bei der Verteilung von Trinkwasser. Für komplexe Druckleitungen, die Täler überbrückten, wurden bis zu zwölf parallel verlaufende Bleirohre verwendet. Die Schätzungen für solche Projekte, wie die Wasserleitung von Lugdunum (Lyon), belaufen sich auf einen Bedarf von bis zu 40.000 Tonnen Blei.

Neben seinen architektonischen und infrastrukturellen Anwendungen wurde Blei auch für Gewichte, Amulette, Erkennungsmarken (*tesserae*) oder Fluchtafeln (lat.: defixiones; mit Inschriften versehene Bleibleche, die mit vermeintlichen Schadenszaubern versehen sind) verwendet. Blei nimmt in diesem Zusammenhang eine außergewöhnliche Rolle ein. Zum einen ist es weich genug, um mit einem Metallgriffel leicht beschrieben zu werden, wobei die Schrift durch Ausklopfen ebenso einfach entfernt werden kann. Zum anderen zeichnet es sich durch seine Schwere, dunkle Farbe und giftige Eigenschaften aus – Merkmale, die bereits in der Antike bekannt waren und dem Metall eine symbolische Verbindung zu den Göttern verliehen. Im Militär wurden kleine Bleigeschosse, sogenannte „Schleuderbleie“, eingesetzt. Auch aus Carnuntum stammen zahlreiche Bleifunde, wie etwa bleierne Wasserohre, Bleigewichte oder -tafeln. Der Bedarf an Blei war so hoch, dass ein reger Handel über weite Strecken betrieben wurde. Römische Bleibarren, die oft über 80 kg wogen und Inschriften zur Herkunft und Datierung trugen, sind heute wertvolle Quellen für die Erforschung antiker Handelsrouten.

[![image.png](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/scaled-1680-/ldjimage.png)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/ldjimage.png)

Fluchtäfelchen, ursprünglich um einen dreikantigen Nagel gewickelt; unregelmäßige Form; Inschrift in lateinischer Sprache mit griechischen Textteilen verfasst. - © NÖ Landessammlungen

**Der gesundheitliche Preis des Fortschritts**

Die römische Bleiverarbeitung hinterließ jedoch nicht nur wirtschaftliche Spuren, sondern auch langfristige Umweltfolgen. Eiskernanalysen aus Grönland belegen zwischen dem 5. Jahrhundert v. Chr. und dem 3. Jahrhundert n. Chr. einen deutlichen Anstieg des atmosphärischen Bleigehalts, der durch den Bergbau und die Verhüttung verursacht wurde. Neben seiner vielfältigen Verwendungsmöglichkeit war Blei nicht ungefährlich. Bereits Vitruv und später Plinius beschrieben die giftigen Dämpfe, die bei der Verarbeitung des Metalls entstanden. Moderne Forschungen belegen, dass die breite Verwendung von Blei im römischen Alltag – von Wasserleitungen über Kochgeschirr bis hin zur Weinveredelung und -süßung mit sogenanntem „Bleizucker“ (lat. *sapa*) – zu erheblichen gesundheitlichen Schäden führte. Auch archäologische und geologische Untersuchungen zeigen erhöhte Bleikonzentrationen in Sedimenten und fossilen Böden, die auf eine weitreichende Umweltverschmutzung hinweisen.

<div class="custom-container" id="bkmrk-exemplar-autem-ab-ar"><figure class="quote-module grid-x grid-margin-x align-center" style="text-align: justify;">> exemplar autem ab artificibus plumbariis possumus accipere, quod palloribus occupatos habent corporis colores. namque cum fundendo plumbum flatur, vapor ex eo insidens corporis artus et in diem exurens eripit ex membris eorum sanguinis virtutes. itaque minime fistulis plumbeis aqua duci videtur, si volumus eam habere salubrem. saporemque meliorem ex tubulis esse cotidianus potest indicare victus, quod omnes structas cum habeant vasorum argenteorum mensas, tamen propter saporis integritatem fictilibus utuntur. (Vitruv 8,6,11)

</figure></div><section class="section-module full-width text-center" id="bkmrk-%E2%80%9Edies-l%C3%A4sst-sich-dur">*„Dies lässt sich durch die Beobachtung der Arbeiter in der Bleiverarbeitung überprüfen, die eine blasse Gesichtsfarbe aufweisen; denn beim Gießen von Blei setzen sich die Dämpfe des Metalls an den verschiedenen Körperteilen ab und verbrennen sie täglich, wodurch die Lebenskraft des Blutes zerstört wird. Wasser sollte daher unter keinen Umständen durch Bleirohre geleitet werden, wenn wir darauf bedacht sind, dass es gesund bleibt. Dass der Geschmack von Wasser, das durch Tonrohre geleitet wird, besser ist, zeigt sich bei unseren täglichen Mahlzeiten: Denn alle, die silberne Gefäße auf ihren Tafeln verwenden, greifen dennoch zu solchen aus Ton, da bei diesen die Reinheit des Geschmacks erhalten bleibt.“*

</section>Chronische Bleivergiftungen hatten vor allem neurologische Auswirkungen. [Neuere Studien](https://medienportal.univie.ac.at/media/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/bleiverschmutzung-fuehrte-zu-iq-rueckgang-bei-menschen-im-roemischen-reich/)legen nahe, dass die Bleibelastung den durchschnittlichen Intelligenzquotienten der Bevölkerung um bis zu drei Punkte senkte. Insbesondere Kinder waren betroffen, was nicht nur individuelle, sondern auch gesellschaftliche Konsequenzen hatte: Die Leistungsfähigkeit und Kreativität der römischen Gesellschaft könnten durch diese kognitiven Beeinträchtigungen erheblich eingeschränkt worden sein. Hinzu kamen physische Beschwerden wie Nierenschäden, Bluthochdruck und ein geschwächtes Immunsystem, die möglicherweise auch die Lebenserwartung und die Effizienz der Arbeitskräfte reduzierten.

##### 9. Thermenwesen I - Bautypen römischer Thermen 

[![image.png](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/scaled-1680-/J1bimage.png)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/J1bimage.png)

Die Bezeichnung Thermae stammt vom griechischen Adjektiv qermóς / thermós "warm". Üblicherweise waren in der römischen Antike damit öffentliche Bäder gemeint, die neben einer Vielzahl von Baderäumen auch Garderoben, Palästren zur Körperertüchtigung, Bibliotheken und andere Aufenthaltsbereiche wie zum Beispiel Gaststätten beinhalteten.

Beim einfachsten Bautyp, dem Reihentyp, der etwa in der wieder errichteten Therme in der Römerstadt Carnuntum vorliegt, wurden die notwendigen Räume aneinandergereiht: vor dem Eingang befanden sich die Latrinae – also die gemeinschaftlichen WC-Anlagen. Im Apodyterium, der Garderobe, legte man sodann die Straßenkleidung ab, gelangte in das Frigidarium (Kaltbad) und über das Tepidarium (Warmbad) in ein Sudatorum (Sauna oder Schwitzbad) oder in ein Caldarium (Heißbad). Von hier aus konnte man in den Freibereich, die sogenannte Palästra, gehen und sich mit Ballspielen, Ringen oder anderweitig körperlich ertüchtigen.

[![image.png](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/scaled-1680-/8gFimage.png)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/8gFimage.png)

Dem Prinzip, die einzelnen Räume mit ansteigenden Temperaturen der Reihe nach zu benützen, konnte hier also ganz einfach gefolgt werden. Man musste jedoch am Rückweg aus der Therme nochmals alle Baderäume durchschreiten. Beim aufwendigeren Ringtyp wurde das vermieden. Auch hier fanden sich Eingangsbereich, Apodyterium, Frigidarium, Tepidarium, Sudatorium und Caldarium sowie eine Palästra allerdings ringförmig aneinandergereiht. Dieser Typus findet sich etwa bei der großen Forumstherme, im Volksmund auch Palastruine genannt, die gleich neben dem römischen Stadtviertel in Petronell-Carnuntum besichtigt werden kann.

Der dritte belegte Haupttypus ist der sogenannte Kaisertyp, der eigentlich ein Hauptring mit zwei umlaufenden Ringen war. Diese Bauart findet sich zum Beispiel bei den bekannten Stabianerthermen in Pompeji. Die Entwicklung des opus caementitium (Gussbeton) sowie des sog. Hypokaustum, einer ausgeklügelten Fußbodenheizung, führte dazu, dass Thermen in Rom und den römischen Provinzen in jeder größeren Siedlung zu finden waren, so natürlich auch in Carnuntum. Für die Römerstadt sind neben kleineren Privatbädern mehrere größere Thermenanlagen durch die neuesten Forschungsergebnisse belegt.

##### 10. Thermenwesen II - Die soziale Komponente römischer Thermen 

[![image.png](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/scaled-1680-/NRJimage.png)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/NRJimage.png)

*© Land NÖ, Archäologischer Park Carnuntum - Therme Grabungen 1965*

Neben der Körperreinigung hatten Thermen auch eine große gesellschaftliche Bedeutung, denn hier traf man sich auch, um Neuigkeiten auszutauschen.

Thermen galten als ein sichtbares Zeichen römischer Zivilisation und spielten eine wichtige Rolle bei der Romanisierung der Provinzen: Wandmalereien, Marmorverkleidungen und Mosaiken gehörten zur Grundausstattung von Thermenbauten auch in kleineren Siedlungen. Häufig finden sich auch Kuppeln mit Glasmosaiken oder Stuckverzierungen sowie reicher Skulpturenschmuck. Häufig waren es auch Mitglieder der Stadtelite, die dem städtischen Gemeinwohl Thermen und andere große öffentliche Gebäude stifteten.

[![image.png](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/scaled-1680-/LKBimage.png)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/LKBimage.png)

Der Eintritt in eine Therme wurde bewusst niedrig gehalten, sodass sich auch einfachere, sozial niedriger gestellte Bürger einen regelmäßigen Besuch im Bad leisten konnten. Männer und Frauen war es nicht erlaubt, sich zur selben Zeit in der Therme aufzuhalten, außer es gab bauliche Vorkehrungen, sodass einander die beiden Geschlechter nicht begegneten. An manchen Tagen waren Thermen auch den Sklaven zugänglich. Ihre Besitzer achteten mit dieser Maßnahme darauf, dass die Sklaven gesund blieben und somit ihre Arbeit so lange wie möglich verrichten konnten. Aus demselben Grund standen Sklaven übrigens auch Weinrationen zu.

Nach dem Ablegen der Straßenkleidung, für die es in manchen Thermen eigene Aufpasser gab, denn Kleidung war extrem teuer, begab man sich mit einem Leinentuch und Holzschlapfen in die Baderäume. Die Abfolge war von der Temperatur her zwar vorgegeben, doch nicht zwingend zu befolgen. Die Becken scheinen nach heutigem Ermessen klein, eher mit einem Whirlpool vergleichbar als mit einem Badebecken. Die sog. Strigilis, ein metallenes Werkzeug, das man in die Therme mitbrachte, diente zum Abschaben von Öl, Sand und abgestorbener Haut. Nach dem Badegang rieb man sich mit Öl ein und kleidete sich an. Seife in der uns bekannten Form war in der römischen Antike nicht gebräuchlich.

[![image.png](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/scaled-1680-/kngimage.png)](https://wiki.pickablue.info/uploads/images/gallery/2026-08/kngimage.png)

© Landessammlungen NÖ, Archäologischer Park Carnuntum (Foto: N. Gail)

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Kirchengast, Nisa-Iduna: Römer-Quellen. Wasserversorgung in der Antike, in: Römerstadt Carnuntum Blog, online verfügbar unter: [https://www.carnuntum.at/de/magazin/romer-quellen-wasserversorgung-in-der-antike/727](https://www.carnuntum.at/de/magazin/romer-quellen-wasserversorgung-in-der-antike/727), zuletzt geprüft am 10.08.2026.

-&gt; Lambrecht, Ulrich, Der Rhein im Denken der Römer, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604 (abgerufen am 11.08.2026)

-&gt; Die Eifelwasserleitung nach Köln, in: bodendenkmalpflege.lvr.de, online verfügbar unter: [https://bodendenkmalpflege.lvr.de/de/aktuelles/presse/2018\_1/2018\_11\_20\_2.html](https://bodendenkmalpflege.lvr.de/de/aktuelles/presse/2018_1/2018_11_20_2.html), zuletzt geprüft am 11.08.2026.

-&gt; Kirchengast, Nisa-Iduna: Das stille Örtchen – Toiletten in der Antike, in: Römerstadt Carnuntum Blog, online verfügbar unter: [https://www.carnuntum.at/de/magazin/toilets-in-antiquity/896](https://www.carnuntum.at/de/magazin/toilets-in-antiquity/896), zuletzt geprüft am 11.08.2026.

-&gt; Kirchengast, Nisa-Iduna: Fortschritt mit Nebenwirkungen. Wie Blei die Antike veränderte, in: Römerstadt Carnuntum Blog, online verfügbar unter: [https://www.carnuntum.at/de/magazin/fortschritt-mit-nebenwirkungen-wie-blei-die-antike-veranderte/1021](https://www.carnuntum.at/de/magazin/fortschritt-mit-nebenwirkungen-wie-blei-die-antike-veranderte/1021), zuletzt geprüft am 22.08.2026.

-&gt; Kirchengast, Nisa-Iduna: Thermenwesen I. Bautypen römischer Thermen, in: Römerstadt Carnuntum Blog, online verfügbar unter: [https://www.carnuntum.at/de/magazin/thermenwesen-i-bautypen-romischer-thermen/778](https://www.carnuntum.at/de/magazin/thermenwesen-i-bautypen-romischer-thermen/778), zuletzt geprüft am 22.08.2026.

-&gt; Kirchengast, Nisa-Iduna: Thermenwesen II. Die soziale Komponente römischer Thermen, in: Römerstadt Carnuntum Blog, online verfügbar unter: [https://www.carnuntum.at/de/magazin/thermenwesen-ii-die-soziale-komponente-romischer-thermen/776](https://www.carnuntum.at/de/magazin/thermenwesen-ii-die-soziale-komponente-romischer-thermen/776), zuletzt geprüft am 22.08.2026.

**Sekundärliteratur**

-&gt; Schneider, Johannes: Der erste Aquädukt, in: Rom. Die Geschichte der Republik (GEO Epoche Jg. 2011, Heft Nr. 50), Hamburg 2011.

-&gt; Wieland Martin u. Schäfer, Alfred: Abwasserentsorgung im römischen Köln, in: Nachrichtenblatt der deutschen Limeskommission (9. Jg., Heft Nr. 1), Bad Homburg 2015, S. 12-15.

-&gt; Schade-Lindig; Lindenthal, Jörg: Frischwasser für gut situierte Römer in der Wetterau, in: Nachrichtenblatt der deutschen Limeskommission (16. Jg., Heft Nr. 1), Bad Homburg 2022, S. 24-29.

# Medizin und Gesundheit



# Krankheiten und ungesunder Lebensstil

#### Übersicht/Zusammenfassung

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Blei machte schon die Römer dümmer (Artikel)

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##### 1. Blei machte schon die Römer dümmer 

Eine neue Eiskernstudie aus der Arktis zeigt: Bereits vor 2000 Jahren vergiftete sich die Menschheit flächendeckend mit Blei und reduzierte so ihren IQ – auf der Suche nach Reichtümern

Schon geringe Mengen reichen, um Menschen ernsthaft krank zu machen: Blei kann zu Unfruchtbarkeit, Anämie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs führen. Besonders bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern wirkt sich das giftige Schwermetall fatal aus: Es kann das Nervensystem schädigen, die Blutbildung beinträchtigen – und der Intelligenzentwicklung schaden.

Blei ist überall: in der Atemluft, im Boden, in der Nahrung, im Trinkwasser, sogar in der Muttermilch. Es steckt etwa in alten Farben, im Tabakrauch, in uralten Bleileitungen und lange Zeit in Autoabgasen aus verbleitem Benzin. Im Körper lagert es sich mitunter in Knochen, Muskeln und im Gehirn ab und wird dort über Jahre gespeichert und allmählich freigesetzt.

Forscher des Desert Research Institute (DRI) in Nevada haben nun in einer aktuellen Studie nachgewiesen, dass bereits zur Zeit der Römischen Republik die Bleibelastung so hoch war, dass sie den IQ-Wert der europäischen Bevölkerung um mindestens zwei bis drei Punkte verringerte. "Das hört sich nicht nach viel an, aber wenn man das auf die gesamte europäische Bevölkerung anwendet, ist es eine ziemlich große Sache", so Studienmitautor Nathan Chellman, Assistenzprofessor am DRI.

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler mehrere Eiskernproben aus der Arktis, die Rückschlüsse auf die Zeit zwischen 500 vor und 600 nach Christus zulassen. Diese Epoche umspannt den Aufstieg der Römischen Republik bis zum Fall des Römischen Reichs; die Studie konzentrierte sich auf die etwa 200-jährige Blütezeit, die "Pax Romana" (ca. 27 v. Chr. bis etwa 200 n. Chr.).

Verursacher der damaligen Bleibelastung in der Atmosphäre waren Bergbau- und Verhüttungsbetriebe in ganz Europa. Vor allem im Silberbergbau wurde das bleihaltige Mineral Galenit eingeschmolzen, um so das enthaltene Silber zu gewinnen. Für jede gewonnene Unze Silber, so die Forscher um Studienleiter Joe McConnell, fielen bei diesem Prozess Tausende Unzen Blei an, von denen große Teile in die Atmosphäre gelangten.

Die Studie ergab außerdem, dass die Bleiverschmutzung der Atmosphäre bereits während der Eisenzeit begann, dann im späten 2. Jahrhundert v. Chr., während der Krise der Römischen Republik, stark zurückging, bevor sie um 15 v. Chr. mit dem Aufstieg des Römischen Reiches wieder anstieg.

Die Bleibelastung blieb bis zur Antoninischen Pest von 165 bis 180 n. Chr. hoch, mutmaßlich eine Pockeninfektion, die ein jahrelanges Massensterben auslöste und das Römische Reich schwer in Mitleidenschaft zog. Erst im Hochmittelalter, zu Beginn des zweiten Jahrtausends n. Chr., überstieg die Bleiverschmutzung in der Arktis die anhaltend hohen Werte des Römischen Reiches.

Die Hunderte Meter langen Eisbohrkerne, die Professor McConnell und sein Team für ihre Studie untersuchten, fungierten wie "Postkarten aus der Vergangenheit", so die Forscher. Gut dokumentierte Vulkanausbrüche etwa hatten ihre Spuren im Eis hinterlassen und halfen so bei der Datierung anderer Ereignisse. Im Eis eingeschlossene Gasblasen gaben Aufschluss über die Atmosphäre vergangener Epochen.

<div data-reader-unique-id="76" id="bkmrk-von-wegen-erhaben%3A-d" style="text-align: justify;"><article data-reader-unique-id="77">Von wegen erhaben: Die meisten Römerinnen und Römer erleben ihre Metropole als Moloch mit einsturzgefährdeten Hochhäusern, engen Gassen und stinkenden Kloaken, in denen ein makabrer Handel blüht

</article></div>Und so zeigen die Eiskerndaten auch, dass die Bleibelastung in der Arktis in den frühen 1970er-Jahren ihren historischen Höchststand erreichte. Damals lag sie 40-mal höher als zur Zeit des Römischen Reichs – und stammte hauptsächlich aus den Emissionen von Fahrzeugen, die mit verbleitem Benzin fuhren.

Eine Erkenntnis, die zeigt, wie "der Mensch seine Gesundheit seit Tausenden von Jahren durch industrielle Aktivitäten beeinflusst hat", sagt McConnell.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-&gt; Bertrand Kirsten: Bis zu drei IQ-Punkte weniger: Blei machte schon die alten Römer dümmer, in: GEO, online verfügbar seit 06.01.2025, unter: [https://www.geo.de/wissen/weltgeschichte/blei-machte-schon-die-alten-roemer-duemmer-35358714.html](https://www.geo.de/wissen/weltgeschichte/blei-machte-schon-die-alten-roemer-duemmer-35358714.html), zuletzt geprüft am 05.04.2025.

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Sekundärliteratur

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# Gesellschaft und Staatsaufbau



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#### Übersicht/Zusammenfassung

#### Inhaltsverzeichnis

1\.

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3\.

4\.

5\.

##### Inhalt

1\.

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4\.

5\.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

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Sekundärliteratur

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# Sexualität

#### Übersicht/Zusammenfassung

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Sexualgeschichte: Männersex im alten Rom (Artikel und Podcast)

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##### 1. Sexualgeschichte: Männersex im alten Rom (Artikel)

Im antiken Rom dachte man anders über Sexualität nach als heute. Der Unterschied zwischen Homosexualität und Heterosexualität war viel weniger wichtig als die Frage, wer beim Sex der aktive und wer der passive Partner ist. Ein Vortrag des Historikers Jan Meister.

Der römische Dichter Catull scheute sich nicht vor sexuell expliziten Versen. In einem Schmähgedicht droht er zwei Kritikern eine Vergewaltigung an: "Ich fick' euch in Hintern und Mund!" So übersetzt der Historiker [Jan Meister](https://www.hist.unibe.ch/ueber_uns/personen/meister_jan_b/index_ger.html) eine Zeile dieses Gedichts, mit dem er seinen Vortrag beginnt.

> "Der Blick auf die antike Sexualität hat eine emanzipatorische Funktion für die Gegenwart. Die normativen Kategorien von Homo- und Heterosexualität erscheinen nicht mehr als biologische Konstanten sondern als historisch wandelbare soziale Konstrukte."

Jan Meister ist Althistoriker und lehrt an der Universität Bern. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören kulturelle Anthropologie und Körpergeschichte. In seinem Vortrag erzählt er, wie sich die Auffassung von männlicher Sexualität im Laufe des Römischen Reiches gewandelt hat. Dabei geht es nicht in erster Linie um Homosexualität. Denn das ist eine Kategorie, die für die Römer zunächst gar nicht so wichtig war.

> "Der sexuelle Akt ist eng mit Hierarchie und Macht assoziiert. Wobei der aktive penetrierende Partner dominant und männlich erscheint, während der passiv penetrierte Partner als machtlos und unmännlich diffamiert wird."

Beim Sex spielten andere Unterscheidungen eine viel größere Rolle: Wer ist der aktive, penetrierende Partner? Dieser Part wurde mit Stärke, Macht und Männlichkeit assoziiert.

**Gender des Partners: Ob Mann oder Frau spielte kaum eine Rolle**

Ob der passive Sexualpartner eine Frau oder ein Mann war, spielte dabei kaum eine Rolle. Der, der sich penetrieren lässt, galt hingegen als weich und weiblich. Und wer sich gar darum bemühte, seinen Körper attraktiv für andere zu machen, der wurde verspottet.

> "Ein Mann konnte nicht wahllos alles penetrieren, sondern hatte sich am Status des jeweiligen Partners zu orientieren. Freie römische Männer und schutzlose Knaben waren Tabu. \[...\] Mit neuzeitlichen Verboten von Homosexualität hat das nur bedingt etwas zu tun. Denn derselbe Akt mit einem Sklaven oder Nicht-Bürger stellte für die Römer kein Problem dar, solange der Sklave die passive Rolle einnahm."

Auch die Frage, welchem sozialen Stand die Sexualpartner angehörten, war wichtig. Wenn ein freier Bürger Sex mit einem männlichen Sklaven hatte, dann war das kein Problem, solange der Sklave der passive Partner war. Sich als freier Mann penetrieren zu lassen, aber galt als verwerflich.

> "Die Kategorien von aktiv Penetrierenden und passiv Penetrierten funktionieren ganz anders als die modernen Konzeptionen von Homo- und Heterosexualität."

<div class="entryBlock entry--quote" id="bkmrk-"><div class="quote__origin">  
</div></div>Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-&gt; Meister, Jan: Sexualgeschichte: Männersex im alten Rom, in: Deutschlandfunk Nova online, verfügbar seit 24.03.2022 unter: [https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/sexualgeschichte-homosexualitaet-und-maennlichkeit-im-antiken-rom](https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/sexualgeschichte-homosexualitaet-und-maennlichkeit-im-antiken-rom), zuletzt geprüft am 05.05.2025.

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Sekundärliteratur

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# Familien und Kinder

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Spielen, Lernen, Aufwachsen - Kinderleben im und ums Legionslager Vindonissa

##### 1. Spielen, Lernen, Aufwachsen - Kinderleben im und ums Legionslager Vindonissa

> Funde belegen, dass in Vindonissa im 1. Jahrhundert n. Chr. auch Kinder gelebt haben. Doch wie sah deren Alltag aus? Wie wuchsen sie inmitten tausender Legionäre auf? Und womit spielte man im und um das Legionslager?Im Boden von [Vindonissa](https://www.museumaargau.ch/vindonissa) stiessen Archäologen und Archäologinnen auf faszinierende Funde, die Einblicke in das Leben vor 2000 Jahren im einzigen Legionslager in der heutigen Schweiz geben. Darunter sind mehrere Objekte, die einst Kindern gehörten.Eines der spannendsten Stücke ist eine Tonrassel in Form eines Hahns, die heute im [Vindonissa Museum](https://www.museumaargau.ch/vindonissa-museum) ausgestellt ist. Solche Tonfiguren von Tieren waren im Römischen Reich weit verbreitet. Sie waren mit kleinen Steinchen gefüllt und sollten sowohl beruhigend auf Säuglinge wirken als auch vor bösen Geistern schützen.
> 
> **Uneheliche Kinder von Legionären in Vindonissa**
> 
> Dass eine Rassel in einem Legionslager gefunden wurde, mag auf den ersten Blick überraschen. Schliesslich war es den Legionären nach geltendem Recht verboten, während ihrer Dienstzeit eine Ehefrau und Kinder zu haben. Es sei denn, sie gehörten zu den höheren Dienstgraden und genossen besondere Privilegien.Dies hielt die Legionäre jedoch nicht davon ab, während ihrer Dienstzeit Beziehungen zu Frauen ohne römisches Bürgerrecht aus der provinzialen Bevölkerung einzugehen. Aus diesen als Konkubinat (*concubinatus*) bezeichneten Beziehungen gingen häufig Kinder hervor, die rechtlich gesehen als unehelich galten.In Vindonissa lebten die unehelichen Kinder nicht im Legionslager selbst, sondern in der umliegenden Zivilsiedlung.Hohe Offiziere lebten mit der FamilieFür höhere Offiziere und den Legionskommandanten galten jedoch andere Regeln. Sie durften rechtsgültige Ehen mit römischen Bürgerinnen eingehen. Die ranghöheren Legionsangehörigen lebten daher mit ihren Familien innerhalb des Legionslagers. Funde aus Vindonissa belegen dies eindrucksvoll: etwa zwei Gräber mit den Überresten von drei Neugeborenen, die 2003 im Haus eines *centurio* entdeckt wurden.
> 
> **Kindheit im Imperium Romanum**
> 
> Ein Neugeborenes erhielt erst einige Tage nach der Geburt einen Namen. Dies lag vermutlich daran, dass die Kindersterblichkeit hoch war und man zunächst abwarten wollte, ob das Kind überlebensfähig war. Zum Schutz vor Unheil trugen Kinder Amulett-Halsbänder.Im Römischen Reich wurden Kinder in der Regel bis zum sechsten oder siebten Lebensjahr von ihrer Mutter, einer Amme oder einer Sklavin aufgezogen.
> 
> **Römische Elementarschule**
> 
> Ab dem siebten und etwa bis zum zwölften Lebensjahr besuchten die Kinder vermögender Eltern eine Art Elementarschule. Dort lernten sie Rechnen, Lesen und Schreiben. Es war nur eine rudimentäre Ausbildung, in der das Nötigste für den Alltag gelernt wurde, um Rechnungen, Belege und kurze Briefe schreiben zu können. Die grosse Mehrheit der Kinder kam nie über die Elementarschule hinaus und viele konnten auch gar nicht lesen und schreiben.Nur den gut situierten Jungen stand im Alter von 13 oder 14 Jahren ein Studium griechischer und lateinischer Literatur offen, wo sie je nachdem auch in die Kunst der Rhetorik eingeführt wurden. Mädchen hingegen wurden meist früh verheiratet und besuchten – wenn überhaupt – nur die Elementarschule.Die Schulbildung damals lässt sich keinesfalls mit heute vergleichen. Eine Schulpflicht existierte nicht. Es gab auch keine staatlichen Schulen oder Schulstoff, der Staat kümmerte sich nicht ums Schulwesen. Eine Schule gründen durfte jeder zum Lehren befähigte Mann.Wie die Schulbildung in Vindonissa konkret organisiert war, ist nicht bekannt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass sie ähnlich wie an anderen Orten im Imperium Romanum ablief. Somit dürften die *centuriones*, die mit ihren Familien im Legionslager lebten, grossen Wert auf eine gute Ausbildung ihrer Söhne gelegt haben.
> 
> **Spiele und Spielzeug zur Römerzeit**
> 
> Dank Ausgrabungen ist es möglich, ein ungefähres Bild der Spielzeuge zu erhalten, mit denen die Kinder in Vindonissa spielten. Beispielsweise fanden Archäologinnen und Archäologen im Boden drei gedrechselte Holzkreisel. Solche waren im römischen Reich ein überaus beliebtes Spielzeug.
> 
> **Bälle**
> 
> Ebenfalls sehr verbreitet waren Bälle, nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen. Bälle waren meist aus Tuch oder Leder genäht und mit Haaren, Federn, Filz oder Ähnlichem befüllt. Anstelle von Bällen spielten Kinder auch gerne mit Reifen aus Holz, die sie durch die Strassen und über freie Plätze trieben.
> 
> **Würfel- und Brettspiele**
> 
> Ein weiteres beliebtes Spielzeug in der Römerzeit waren Würfel- und Brettspiele. Archäologinnen und Archäologen fanden in Vindonissa zahlreiche Spielsteine und Würfel.Schwarze und weisse Glassteine wie die abgebildeten aus Vindonissa waren am häufigsten, aber es gab auch farbige. Bei verschiedenen Brettspielen spielte die eine Person mit den hellen, die andere mit dunklen Steinen.Knöchelchen aus Sprunggelenken von Ziegen, Schafen und Rindern, *astragali* genannt, wurden von Kindern für Geschicklichkeitsspiele verwendet. Die Seiten der *astragali* hatten nämlich wie bei einem "normalen" Würfel unterschiedliche Werte. Von ihnen gab es Nachbildungen aus Bronze, Ton, Gold und anderen Materialien. Nüsse wurden ebenfalls häufig zum Spielen verwendet, wie antike Literatur und Funde verdeutlichen. Genauso gut könnten auch – wie bei heutigen Kindern - Äste, Steine, Erde, zerbrochene Gefässe etc. als Spielzeug gedient haben. **Als Kind in Vindonissa**
> 
> Wie genau der Alltag und die Schulbildung der Kinder im und ums Legionslager Vindonissa wirklich aussah, kann heute natürlich nicht mehr gesagt werden. Trotzdem ermöglichen Funde teilweise nachzuvollziehen, wie ein Kind aus Vindonissa aufgewachsen ist, womit es gespielt hat und wie es ausgebildet worden ist. Es sind Spuren der Vergangenheit, die uns einen kleinen Einblick in den Alltag eines Kindes im römischen Vindonissa geben.

> Schraner, Simona: Spielen, Lernen, Aufwachsen - Kinderleben im und ums Legionslager Vindonissa, in: Museum Aargau Blog, online verfügbar seit 25.03.2025 unter [https://www.museumaargau.ch/blog/spielen-lernen-aufwachsen-kinderleben-in-und-ums-legionslager-vindonissa](https://www.museumaargau.ch/blog/spielen-lernen-aufwachsen-kinderleben-in-und-ums-legionslager-vindonissa), zuletzt geprüft am 14.07.2025.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Schraner, Simona: Spielen, Lernen, Aufwachsen - Kinderleben im und ums Legionslager Vindonissa, in: Museum Aargau Blog, online verfügbar seit 25.03.2025 unter [https://www.museumaargau.ch/blog/spielen-lernen-aufwachsen-kinderleben-in-und-ums-legionslager-vindonissa](https://www.museumaargau.ch/blog/spielen-lernen-aufwachsen-kinderleben-in-und-ums-legionslager-vindonissa), zuletzt geprüft am 14.07.2025.

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**Sekundärliteratur**

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# Politik



# Außenpolitik und Austausch

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Migration und Integration

##### 1. Migration und Integration 

> Die Gebiete östlich des Rheins und nördlich der Donau waren bis zum Ende des 1. Jh. n. Chr. nur dünn besiedelt. Durch den Bau des Limes und die dauerhafte Stationierung der Truppen an einem Ort kam es zu einem starken Zuzug vor allem aus Gallien, aber auch aus den Donauprovinzen. Diese Migration aus dem keltischen Kulturraum lässt sich in den erhaltenen Inschriften an den Namen und Ortsangaben erkennen.
> 
> Die engen Beziehungen zur römischen Armee waren für die Zuwanderer ein wichtiger Faktor bei der Integration in eine zunehmend romanisierte Gesellschaft. Nicht wenige Soldaten werden schon während ihres aktiven Dienstes eine Familie gegründet haben und die standortnahe Rekrutierung neuer Soldaten förderte die enge Verbindung zwischen Armee und Zivilbevölkerung.
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> Diesem Bild entspricht, dass zahlreiche Militärdiplome, die Entlassungsurkunden der Soldaten, in den Kastelldörfern gefunden wurden. Ein ähnliches Bild zeigen auch Inschriften von Veteranen, die ihre engen Kontakte zu den Einheiten nutzten, um Handel zu treiben oder Dienstleistungen anzubieten. Durch die engen sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen entstand so über die Jahrzehnte eine römisch-keltische Militärgesellschaft.
> 
> Der Großteil der Bevölkerung verfügte dabei zunächst noch nicht über das römische Bürgerrecht. Dieses verbreitete sich primär über die Soldaten, die nach 25 Jahren Dienst bei der Entlassung das Bürgerrecht erhielten. Mit verliehen wurde in der Regel das conu-bium, das Recht, eine nach römischem Recht gültige Ehe mit einer Nichtrömerin einzuge-hen, wodurch auch die Kinder aus dieser Beziehung das Bürgerrecht erhielten. Erst im Jahr 212 n. Chr. verlieh Kaiser Caracalla schließlich allen Provinzbewohnern im Reich unabhängig von ihrer Herkunft das römische Bürgerrecht.
> 
> -&gt; vgl.: Kemkes, Martin u. Wötzhel, Judith: Römer, Limes, Welterbe. Das Limesmuseum Aalen, Oppenheim am Rhein 2024., S. 60.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

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**Sekundärliteratur**

-&gt; Kemkes, Martin u. Wötzhel, Judith: Römer, Limes, Welterbe. Das Limesmuseum Aalen, Oppenheim am Rhein 2024.

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