# Natur und Klima



# Krisen und Katastrophen

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Das Jahr ohne Sommer: Wie Europa im Klimachaos versank

##### 1. Das Jahr ohne Sommer: Wie Europa im Klimachaos versank

**Wir schreiben das Jahr 1816. Nach den gewaltigen Kriegen und Umwälzungen der napoleonischen Zeit sehnen sich die Menschen in Europa nach Stabilität. Es kommt anders: Der alte Kontinent erlebt eine [Hungersnot](http://www.dhm.de/lemo/kapitel/vormaerz-und-revolution/alltagsleben/die-hungersnot-181617.html) längst vergessenen Ausmaßes, soziale Verwerfungen, Flüchtlingsströme. Schuld ist eine Klimakatastrophe, die Zeitgenossen vor ein Rätsel stellt. Die südwestdeutschen Gebiete trifft das „Jahr ohne Sommer“ besonders schwer.**

Ein monotones Donnern zieht über Oberschwaben auf, wiederholt sich im Crescendo, türmt sich rhythmisch hallend zu einer Schallwand auf. Innerhalb von Augenblicken verschwindet auch der letzte Funken Licht am Himmel, dann senden schwarze Wolken sintflutartige Regenfälle, schließlich Eisregen auf den hoffnungslos durchgeweichten Erdboden hinab. Blitzzacken, den Himmel zerschneidend wie glitzernde Speere, machen das verhängnisvolle Naturspektakel vollkommen.

**KATASTROPHE BIBLISCHEN AUSMASSES**

Erst knappe vier Monate ist das Jahr 1816 alt und schon jetzt droht es für die Einwohner Oberschwabens ein Katastrophenjahr biblischen Ausmaßes zu werden. Seit Wochen ziehen schwere Unwetter über das Land, die Temperaturen bewegen sich kaum über dem Gefrierpunkt. Noch wäre die Ernte wenigstens halbwegs zu retten, der drohende Hunger abzuwenden – wenn doch nur endlich der Frühling kommen würde. Die Oberschwaben hoffen vergeblich: Erbarmungslos regnet und stürmt es auch in den Folgemonaten weiter, auf der Schwäbischen Alb fällt im Juli sogar Schnee. Die Ernte, das wird spätestens jetzt deutlich, wird fast vollständig ausfallen. Die Folgen sind fatal, nicht nur für die Gegend am Rande der Alpen, sondern für ganz Mittel- und Westeuropa.

Die süddeutschen Staaten jedoch – vor allem das Königreich Württemberg, dessen Teil Oberschwaben ist, sowie das benachbarte Großherzogtum Baden – leiden besonders stark. Anders als heute gehören die Regionen Anfang des 19. Jahrhunderts zu den Armenhäusern Europas. Die Missernten der letzten Jahre, Napoleons Kriege sowie die Ausbeutung der Länder unter französischer Herrschaft haben Baden und Württemberg besonders in Mitleidenschaft gezogen. Jetzt also auch noch eine weitere, besonders schlimme Missernte, von der mit Obst, Wein und Getreide alle wichtigen Anbauprodukte betroffen sind.

**HUNGERSNOT UND EXODUS**

Auf den Ernteausfall folgen Hunger und Chaos: Die Getreidepreise steigen dramatisch, Vieh geht ein oder muss notgeschlachtet werden, es kommt zu Plünderungen. Bald bricht die Versorgung völlig zusammen. In ihrem Dilemma versuchen die Menschen aus Stroh und Baumrinde Brot herzustellen, essen Moos und Gras. Die Anzahl der Todesfälle schnellt in die Höhe, in Württemberg gibt es 1816/17 sogar mehr Tote als Neugeborene – für die damalige Zeit extrem ungewöhnlich. Es folgt eine massenhafte Emigration: In Scharen verlassen die Menschen den Südwesten der heutigen Bundesrepublik, vor allem in Richtung Russland und USA. Baden und Württemberg stehen vor dem Exodus.

Über den Grund für den folgenreichen Ausfall des Sommers herrscht derweil völlige Unklarheit. Vor allem die Landbevölkerung bemüht übernatürliche Erklärungsmuster, sieht in den massiven Unwettern eine göttliche Strafe. Dass jedoch eine Naturkatastrophe am anderen Ende der Welt Schuld am miserablen Wetter sein könnte, ahnt niemand. Und doch ist die gewaltige Eruption des Tambora, die sich im April 1815 auf der heute zu Indonesien gehörenden Insel Sumbawa ereignete, der Grund für das aktuelle Dilemma in Europa.

**VULKANAUSBRUCH DER EXTREME**

Die heftigen oberschwäbischen Gewitter des Frühjahrs 1816 dürften verglichen mit dem monumentalen Ausbruch des Tambora ein Jahr zuvor kaum mehr als ein Rascheln des Himmels gewesen sein: Als der Brite Thomas Stamford Raffles, Gouverneur des Inselreichs Java, zu dem Sumbawa damals gehörte, den Ausbruch in seiner extremen Lautstärke vernahm, vermutete er einen Kanonenbeschuss in unmittelbarer Nähe. Dabei war Stamford Raffles zu diesem Zeitpunkt rund 800 Kilometer vom berstenden Tambora entfernt. Mehr als eine Woche versprühte der Vulkan in Form riesiger, bis zu 43 Kilometer hoher Feuersäulen derartige Mengen an Gestein, Magma und Gas, dass er nach dem Ausbruch um die Hälfte seiner einstigen Höhe beraubt war. Heute steht fest: Seine Eruption war eine der größten Vulkanexplosionen der jüngsten Menschheitsgeschichte.

Die Auswirkungen der Naturkatastrophe waren immens: Auf der Insel Sumbawa und dem nahe gelegenen Eiland Lombok starben über 70.000 Menschen. Darüber hinaus verursachte der Ausbruch einen Tsunami, der noch am 10. April die dichtbevölkerte Insel Java erreichte. Geschätzte 100.000 Menschen verloren in den Fluten ihr Leben. Noch einmal die gleiche Zahl an Menschen starb in den anschließenden Monaten der Seuche in ganz Südostasien.

**SCHWEFELGASE ZIEHEN NACH EUROPA**

Nicht zuletzt waren beim Ausbruch des Tambora riesige Mengen an Schwefelgasen freigesetzt worden. Diese gelangten in die Atmosphäre, verbanden sich mit Feuchtigkeit und Schwebeteilchen und zogen als sogenannte Aerosol-Wolken um den Erdball. 1816 erreichten diese die Nordhalbkugel, wo sie sich festsetzten und große Mengen Sonnenlicht absorbierten. In der Folge geriet das europäische Wetter völlig aus den Fugen.

Von alledem ahnten die Badener, die Württemberger und die restlichen Europäer nichts. Zwar war die Kenntnis über den Ausbruch des Tambora durchaus in die höheren Kreise des Kontinents vorgedrungen. Einen Zusammenhang zu dem höchst sonderbaren Wetter in Europa stellte freilich niemand her. Ohnehin gab es drängendere Probleme als die Ursachenforschung: In weiten Teilen des alten Kontinents herrschte Chaos. Die Teuerung nahm weiter zu, viele Menschen verloren Hab und Gut und spätestens ab 1817 zogen immer größere Heerscharen von Bettlern durch die Städte. Auch der Antisemitismus flammte auf: Juden wurden als Getreide hamsternde „Kornjuden“ diffamiert, 1819 kam es vielerorts sogar zu gewaltsamen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung.

Mitunter war die große Hungersnot jedoch auch Ausgangspunkt für Neuanfänge. Nachdem König Wilhelm I. im Oktober 1816 den württembergischen Thron bestiegen hatte, setzte er eine weitreichende Professionalisierung der Landwirtschaft in Gang. Außerdem ließ er eine neue Verfassung erarbeiten, reformierte die Verwaltung und baute die Staatsschulden ab. Die Folge: Württemberg wandelte sich unter Wilhelms Regentschaft zu einem aufstrebenden Staat.

**DIE KUNST DER KATASTROPHE**

Zu den wenigen Lichtblicken der Hungerjahre gehört ebenso, dass im Eindruck des katastrophalen Klimas mitunter große Kunst entstand. So erstrahlt Caspar David Friedrichs in Greifswald gezeichnetes Meisterwerk „Ansicht eines Hafens“ nur deshalb in derart faszinierenden Himmelsfärbungen, da die Eruption des Tambora die Sonnenuntergänge an der Ostsee tatsächlich in ein glühend-gelbes Spektakel verwandelt hatte. Auch die Literatur ist dank der Nachwirkungen des Ausbruchs um einen Klassiker reicher: So verbrachte die Engländerin Mary Shelley den Sommer des Jahres 1816 in der Schweiz. Dort war das Wetter derart niederschlagend, dass sich im Geiste Shelleys eine besonders düstere Handlung entspann – die 1818 unter dem Titel „Frankenstein“ als Roman erschien. Hätten die unweit der Schweiz lebenden Oberschwaben Einblick in Shelleys schaurig-morbide Gedankenwelt gehabt, sie hätten für derartige Ideen sicher vollstes Verständnis gezeigt.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Das Jahr ohne Sommer: Wie Europa im Klimachaos versank, in: DHM-Blog online verfügbar unter: [https://www.dhm.de/blog/2016/12/05/das-jahr-ohne-sommer/](https://www.dhm.de/blog/2016/12/05/das-jahr-ohne-sommer/), zuletzt geprüft am 04.04.2026.

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**Sekundärliteratur**

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# Geschichte des Rheins

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Deutsche, Franzosen und der Rhein

##### 1. Deutsche, Franzosen und der Rhein

**1. Einleitung**

My­then hel­fen, ein kol­lek­ti­ves Ge­dächt­nis her­zu­stel­len und sind Grund­la­ge der Exis­tenz ei­ner Na­ti­on. Der „My­thos Rhein“ kann als solch ein [My­thos](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/M#term-358) be­trach­tet wer­den. Er ver­mit­telt ein Ge­fühl des Wei­ter­le­bens der Ver­gan­gen­heit und be­wies sich als ei­ne Mög­lich­keit, die Er­in­ne­rung an die Ge­schich­te zu be­wah­ren und zu re­ak­ti­vie­ren. Nach Lu­ci­en Feb­v­re ha­be die­ser in sei­ner Ge­schich­te zwei Ge­sich­ter: ei­ner­seits der ver­bin­den­de Rhein als Ver­kehrs­weg zwi­schen den Re­gio­nen Eu­ro­pas, an­de­rer­seits der tren­nen­de Rhein als Gren­ze und Ort der Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen la­tei­nisch und ger­ma­nisch ge­präg­ten Kul­tu­ren. So wur­de er von deut­scher Sei­te als „deut­scher Strom“ von fran­zö­si­scher Sei­te je­doch als „na­tür­li­che Gren­ze“ an­ge­se­hen.

**2. Der Rhein: Teil des Orbis Romanus**

Die Kul­tur­ge­schich­te des Rheins als po­li­tisch be­deut­sa­mer Strom be­gann mit den Gal­li­schen Krie­gen Ju­li­us Cae­sars (100-44 v.Chr.) in den Jah­ren 58-50 v.Chr. Die west­li­chen Ge­bie­te des Rheins stan­den fort­an un­ter rö­mi­scher Ver­wal­tung und blie­ben es bis cir­ca 200 n. Chr.[<sup>\[1\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16358). Dem­entspre­chend wur­de der Rhein als Gren­ze zu den recht­rhei­ni­schen „Bar­ba­ren­völ­ker ger­ma­ni­scher Stäm­me“ wahr­ge­nom­men und die links­rhei­ni­schen Ge­bie­te rück­ten ins Be­wusst­sein der rö­mi­schen Kul­tur[<sup>\[2\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16359). Im stra­te­gi­schen Kon­zept Cae­sars hat­te der Rhein den Cha­rak­ter ei­ner „na­tür­li­chen Gren­ze“ Gal­li­ens und un­ter­mau­er­te den An­spruch Roms auf die nörd­li­chen Pro­vin­zen[<sup>\[3\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16360).

Der Rhein war zu die­ser Zeit ei­ne be­deu­ten­de Han­dels- und Ver­kehrs­ader zwi­schen Nord und Süd. Die Rö­mer nutz­ten ihn seit der Herr­schaft des Ti­be­ri­us (42 v.-37 n. Chr. Kai­ser 14-37 n. Chr.) als „Ba­sis für ih­re Ope­ra­tio­nen nach Ger­ma­ni­en hin­ein und als rück­wär­ti­ge Auf­fang­li­nie“[<sup>\[4\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16361). Als ers­te li­te­ra­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung setz­te Ver­gil (70-19 v. Chr.) die Vor­stel­lung des *rhe­nus bi­cor­nis* durch und lie­fer­te so die Grund­la­ge da­für, den Rhein als Fluss­gott zu be­trach­ten, auf die letzt­lich der My­thos des „Va­ter Rhein“ zu­rück­zu­füh­ren ist[<sup>\[5\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16362). Be­reits zu die­ser Zeit wur­den die ma­jes­tä­ti­sche Schnel­lig­keit und Län­ge des Rheins her­vor­ge­ho­ben.[<sup>\[6\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16363)

Er­obe­rung hieß je­doch zu­gleich Er­rich­tung ei­ner In­fra­struk­tur mit straf­fer rö­mi­scher Ver­wal­tung. So­nach ent­stand ein Netz von Stra­ßen und We­gen, wel­ches un­ter an­de­rem Le­gi­ons­la­ger und Städ­te am Rhein mit­ein­an­der ver­band. Das po­si­ti­ve Bild des Rheins ver­stärk­ten zu­dem der Fisch­reich­tum, die Land­gü­ter, der im mil­den Kli­ma ge­dei­hen­de Wein und die war­men Quel­len[<sup>\[7\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16364). Tüm­mers fasst die Be­deu­tung des Rheins für das rö­mi­sche Reich fol­gen­der­ma­ßen zu­sam­men: „Der Rhein in sei­nen fünf Jahr­hun­der­ten war ein Land­strich mit pul­sie­ren­dem Le­ben, blü­hen­der Kul­tur, Teil des Or­bis Ro­ma­nu­s“.[<sup>\[8\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16365)

**3. Der Rhein: Zentrum des Reiches**

Das En­de der Blü­te­zeit der Rö­mer am Rhein be­gann Mit­te des 3. Jahr­hun­derts n. Chr. im Zu­ge der Völ­ker­wan­de­rung[<sup>\[9\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16366). In der Zeit der Aus­deh­nung der ger­ma­ni­schen Kul­tur von den An­fän­gen Deutsch­lands am Rhein zu spre­chen ist schwer zu recht­fer­ti­gen, da ein Na­tio­nal­be­wusst­sein nicht aus­ge­bil­det war und kul­tu­rel­le, po­li­ti­sche und ge­sell­schaft­li­che Dif­fe­ren­zen nicht zu ne­gie­ren sind[<sup>\[10\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16367). Der Rhein war in das ri­tu­el­le Le­ben der Be­völ­ke­rung ein­ge­bun­den, be­vor zu­nächst die rö­mi­sche Fluss­göt­ter­welt den Rhein auf­nahm und die Ver­eh­rung des Rheins durch die Chris­tia­ni­sie­rung im 3. Jahr­hun­dert n. Chr. ver­drängt wur­de. In Fol­ge der Aus­wei­tung der po­li­ti­schen Macht­be­rei­che über die links­rhei­ni­schen Ge­bie­te hin­aus, ver­lor der Rhein sei­ne Funk­ti­on als Gren­ze und avan­cier­te zu ei­ner Ach­se des Rei­ches[<sup>\[11\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16368).

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-darstellung-des-%27rhe"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/36102.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_36102.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Darstellung des 'Rhenus bicornis', Teil eines Grabmals aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., Original im LVR-LandesMuseum Bonn, Foto: Jürgen Vogel. (LVR-LandesMuseum Bonn)

</figcaption></figure></div> </div></div>Ei­ne ent­schei­den­de Zä­sur war der Be­ginn der Herr­schaft der Ka­ro­lin­ger am En­de des 7. Jahr­hun­derts. Zur Zeit Karls des Gro­ßen war das Rhein­land Zen­trum und der Rhein zen­tra­le Ver­kehrs­ader des Rei­ches[<sup>\[12\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16369). Nach dem Zer­fall des Gro­ß­rei­ches im Zu­ge des To­des Lud­wigs des From­men (778-840, Kö­nig 781/814, Kai­ser 813-840) ei­nig­ten sich sei­ne Söh­ne im Tei­lungs­ver­trag von Ver­dun im Jah­re 843 auf ei­ne Drei­tei­lung des Rei­ches in dem der Rhein teil­wei­se durch das Mit­tel­reichs Lo­thars I. (Kö­nig 840-855, ab 843 Kai­ser) und teil­wei­se das Ost­reichs Lud­wigs des Deut­schen (Kö­nig 843-876) floss[<sup>\[13\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16370). Stel­len­wei­se je­doch war der Rhein zu­dem auch Gren­ze zwi­schen Ost- und Mit­tel­reich[<sup>\[14\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16371). Die­ser Ver­tag wur­de im 19. und 20. Jahr­hun­dert oft als Be­ginn deut­scher Iden­ti­tät ver­stan­den und band das Kon­strukt ei­ner na­tio­na­len Ge­schich­te an das Rhein­land[<sup>\[15\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16372).

Nach der Auf­tei­lung Lo­tha­rin­gi­ens im Ver­trag von Meer­sen 870 und der Zu­wei­sung zum West­fran­ken­reich im Ver­trag von Ri­bé­mont 880, der die Gren­ze mar­kier­te, die spä­ter auf Jahr­hun­der­te West- und Ost­fran­ken­reich, Frank­reich und Deutsch­land trenn­te, fiel die­ses 925 an das Ost­fran­ken­reich Hein­richs I. (Kö­nig 919-936). Zwar wand­te sich Lo­tha­rin­gi­en nach dem Tod Lud­wigs des Kin­des (Kö­nig 900-911) den west­frän­ki­schen Ka­ro­lin­gern zu, doch die Nie­der­la­gen Karls III. (Kö­nig 876-888, ab 881 Kai­ser) führ­ten den­noch da­zu, dass Lo­tha­rin­gi­en 925 er­neut Teil des von Hein­rich I. re­gier­ten Ost­fran­ken­rei­ches wur­de[<sup>\[16\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16373). Auch die­ses Da­tum wur­de im 20. Jahr­hun­dert in­stru­men­ta­li­siert und so wur­den 1925 tau­send Jah­re der rhei­ni­schen Zu­ge­hö­rig­keit zu Deutsch­land ge­fei­ert, wo­bei je­doch miss­ach­tet wur­de, dass die Reichs­tei­lun­gen eth­ni­sche und sprach­li­che Gren­zen nicht be­rück­sich­tig­ten[<sup>\[17\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16374).

Auf­grund der Funk­ti­on von [Aa­chen](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57d11ee6c78f89.85456777 "Stadt Aachen") und Spey­er als Or­te der Krö­nung be­zie­hungs­wei­se Bei­set­zung der Kai­ser, blieb der Rhein lan­ge Zeit Zen­trum des Rei­ches[<sup>\[18\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16376). Erst mit der un­ter Ru­dolf von Habs­burg (rö­misch-deut­scher Kö­nig 1273-1291) be­gin­nen­den Ori­en­tie­rung des Rei­ches gen Os­ten ge­riet das Rhein­land in ei­ne Rand­la­ge und ent­fern­te sich vom Kö­nig­tum[<sup>\[19\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16378). Zu­dem kam es zu Au­to­no­mie­be­we­gun­gen und in grö­ße­ren Städ­ten zur Aus­bil­dung ei­nes kom­mu­na­len Selbst­be­wusst­seins, wel­ches aber auf die Ober­schicht be­grenzt blieb[<sup>\[20\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16379). Das deut­sche Kö­nig­tum ver­lor im Spät­mit­tel­al­ter ste­tig an Macht, wäh­rend Frank­reich zu ei­nem zen­tra­lis­ti­schen Staat her­an­wuchs[<sup>\[21\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16380).

**4. Der Rhein: Grenze zwischen Ost und West**

Fort­an lässt sich ei­ne Öff­nung des Rhein­lands zum Wes­ten fest­stel­len, es wur­de zum Ob­jekt west­eu­ro­päi­scher Bünd­nis­po­li­tik[<sup>\[22\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16381). Ziel war im 9. und 10. Jahr­hun­dert die Ver­schie­bung der Ost­gren­ze und die Wie­der­ge­win­nung Lo­tha­rin­gi­ens. Für Karl den Ein­fäl­ti­gen (Kö­nig 893/898-923) er­streck­te sich das frän­ki­sche Reich von den Py­re­nä­en bis zum Rhein, Ost­fran­ken zähl­te er nicht mehr da­zu. Gro­ße deu­tet dies als ei­nen Ver­such Karls, die ge­samt­frän­ki­sche Tra­di­ti­on für sich al­lein zu be­an­spru­chen[<sup>\[23\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16382). Als his­to­ri­sche Wur­zel stieß der west­frän­ki­sche Mönch Ri­cher (nach 940-nach 998) auf die „Gal­li­a“, die nach Cae­sar von den Py­re­nä­en, den Al­pen und dem Rhein be­grenzt war. Nach sei­ner „His­toire de Fran­ce“ bil­de­te das an­ti­ke Gal­li­en den Raum, in dem sich west­frän­ki­sche Ge­schich­te ab­spiel­te. Die­ser Be­zug blieb im Ge­dächt­nis des west­frän­ki­schen Rei­ches und des spä­te­ren Frank­reichs haf­ten. Es bil­de­te nach Rolf Gro­ße ei­ne Grund­la­ge für das Kon­zept der „na­tür­li­chen Gren­ze“, da in den mit­tel­al­ter­li­chen Quel­len der Gal­li­en­be­griff nicht im­mer ein­heit­lich ge­braucht wird. Ne­ben der aus der An­ti­ke stam­men­den Be­deu­tung von Gal­lia trat ei­ne Gal­lia im en­ge­ren Sin­ne, die nur den tat­säch­li­chen Herr­schafts­be­reich des fran­zö­si­schen Kö­nigs mein­te. Dem­ge­gen­über ori­en­tier­te sich die Kir­che an den spät­rö­mi­schen Ver­wal­tungs­ein­hei­ten, für die der Rhein die Gren­ze zwi­schen Gal­li­en und Ger­ma­ni­en bil­de­te. Den Zeit­ge­nos­sen war so­mit die Vor­stel­lung, Gal­li­en rei­che bis zum Rhein, stets prä­sent und bot seit­her die Mög­lich­keit, po­li­tisch in­stru­men­ta­li­siert zu wer­den[<sup>\[24\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16383).

Lan­ge leb­ten die bei­den Staa­ten oh­ne ernst­haf­te Pro­ble­me ne­ben­ein­an­der, je­doch ent­wi­ckel­ten sich ih­re ge­sell­schaft­li­chen Struk­tu­ren in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen. In Frank­reich er­fuhr die Zen­tral­ge­walt des Kö­nigs ei­ne stän­di­ge Stär­kung, wäh­rend die deut­schen Kö­ni­ge und Kai­ser dar­auf an­ge­wie­sen wa­ren, Prä­senz im gan­zen Reich zu zei­gen[<sup>\[25\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16384). An der Wen­de vom 13. zum 14. Jahr­hun­dert wa­ren Maas und Schel­de, und nicht der Rhein, Ziel der fran­zö­si­schen Po­li­tik[<sup>\[26\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16385). Die­ser rück­te erst im Rah­men der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen den Häu­sern Bour­bon und Habs­burg in die In­ter­es­sensphä­ren der bei­den Mäch­te[<sup>\[27\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16386).

**5. Der Rhein: Dreh- und Angelpunkt der europäischen Politik**

Die Frü­he Neu­zeit zeich­ne­te sich durch Glau­bens- und Erb­fol­ge­krie­ge aus, in de­nen das Rhein­land Kriegs­schau­platz und der Rhein Dreh- und An­gel­punkt reichs­in­ter­ner und eu­ro­päi­scher Po­li­tik wur­de. In der Fol­ge wur­den Tei­le des Rhein­lands ver­wüs­tet und zer­stört[<sup>\[28\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16387). Als Bei­spiel lässt sich der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg an­füh­ren, in dem das Rhein­land durch sta­tio­nier­te Hee­re wirt­schaft­lich ge­schwächt wur­de. Auch der West­fä­li­sche Frie­den ver­moch­te es nicht, die Stel­lung der Rhein­ge­bie­te zu ver­bes­sern, da sie auf­grund ih­rer geo­gra­phi­schen La­ge im­mer wie­der in Kon­flik­te zwi­schen Habs­bur­gern und Bour­bo­nen ver­wi­ckelt wur­den[<sup>\[29\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16388). Letzt­lich führ­te die­se wirt­schaft­li­che Frus­tra­ti­on zu­sam­men mit den Er­geb­nis­sen des West­fä­li­schen Frie­dens zu ei­ner zu­neh­men­den Dis­tan­zie­rung vom Hau­se Habs­burg und trotz re­li­giö­ser Dif­fe­ren­zen zu ei­nem pro-fran­zö­si­schen Kli­ma[<sup>\[30\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16389). Frank­reich be­hielt am En­de des Krie­ges Tei­le des El­sass, er­hielt Metz, Toul und Ver­dun und konn­te so an die Ufer des Rheins vor­drin­gen[<sup>\[31\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16390).

Bis zum An­fang des 17. Jahr­hun­derts konn­te der Rhein noch als Strom der Na­tio­nen be­zeich­net wer­den, der sich als Ach­se zwi­schen Frank­reich und dem Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich Deut­scher Na­ti­on, ge­kenn­zeich­net durch po­li­ti­sche Zer­ris­sen­heit, er­streck­te. Im 17. Jahr­hun­dert war es Ziel des Mi­nis­ters Ri­che­lieu (1585-1642), die na­tür­li­chen Gren­zen Frank­reichs wie­der­zu­ge­win­nen und die­se ge­gen die habs­bur­gisch-spa­ni­sche Ein­krei­sung zu si­chern. In sei­nem Tes­ta­ment un­ter­strich er die­sen An­spruch: „Le but de mon mi­nis­tè­re à été de re­sti­tu­er à la Gaul­le les li­mi­tes que la na­tu­re lui a fi­xées, de fai­re, coïn­ci­der la Gaul­le avec la Fran­ce, et, par­tout, où a exis­té l’an­ci­en­ne Gaul­le, de re­sti­tu­er la nou­vel­le“.[<sup>\[32\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16391)

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-karl-%28links-mit-sein"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/36103.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_36103.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Karl (links mit seinem Sohn Pippin von Italien (rechts)), aus dem Liber legum des Lupus Ferrariensis, Original in der Biblioteca Capitolare in Modena, 10. Jahrhundert.

</figcaption></figure></div> </div></div>Je­doch wur­de der Rhein wäh­rend der Herr­schaft Lud­wigs XIV. (Re­gie­rungs­zeit 1643-1715) zu ei­nem um­kämpf­ten Fluss[<sup>\[33\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16392). Lud­wig ziel­te auf die An­ne­xi­on der Rhein­gren­ze, mach­te sich deut­sche Fürs­ten wie den Erz­bi­schof von Trier durch ein Sys­tem von Pen­si­ons­zah­lun­gen ge­fü­gig und schür­te so das an­ti-habs­bur­gi­sche Kli­ma im Rhein­land. In Ver­bin­dung mit sei­nen Er­obe­rungs­krie­gen „riss \[er\] Stück um Stück aus deut­schem Ter­ri­to­ri­um her­aus“.[<sup>\[34\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16393) Auf­grund ei­nes feh­len­den Na­tio­nal­be­wusst­seins und des Kon­tras­tes zwi­schen ar­chai­schen und mo­der­nen, fran­zö­si­schen Wer­ten war es nicht mög­lich, den Rhein als ver­bin­den­de Ach­se zu eta­blie­ren[<sup>\[35\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16394). Die fran­zö­si­sche Spra­che wur­de Spra­che der Di­plo­ma­tie und Frank­reich zum Vor­bild ei­ner ab­so­lu­tis­ti­schen Mon­ar­chie, was bei­spiels­wei­se an fran­zö­si­schen Bau­wer­ken ent­lang des Rheins sicht­bar ist[<sup>\[36\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16395). So pen­del­te das Rhein­land zur Zeit der Auf­klä­rung zwi­schen den ri­va­li­sie­ren­den Na­tio­nen[<sup>\[37\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16396). Je­doch stell­ten Ku­fer, Guin­au­deau und Pre­mat her­aus, dass der äu­ße­re Schein täusch­te, denn Frank­reich war fi­nan­zi­ell rui­niert und am En­de sei­ner Herr­schaft ha­be Lud­wig XIV. sein Ziel, den Rhein als fran­zö­si­sche Ost­gren­ze zu be­sit­zen, nicht er­reicht[<sup>\[38\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16397): „Der Rhein war Lud­wig XIV. zum Ver­häng­nis ge­wor­den“[<sup>\[39\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16398). So konn­te er in Fol­ge des Pfäl­zi­schen Krie­ges zwar das El­sass be­hal­ten, muss­te je­doch al­le rechts­rhei­ni­schen Be­sit­zun­gen wie­der ab­tre­ten. En­de des 18. Jahr­hun­derts ent­stand je­doch die Idee des schöp­fe­ri­schen Deutsch­tums, ein My­thos, den an­geb­lich das Mit­tel­al­ter - zum Bei­spiel das Rit­ter­tum und die [Go­tik](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/G#term-583) - und die [Mo­der­ne](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/M#term-592) - zum Bei­spiel die Re­for­ma­ti­on - her­vor­ge­bracht ha­ben. Die­ser My­thos, zu dem auch die Idea­li­sie­rung des Rheins ge­hört, ver­dräng­te das Ide­al der fran­zö­si­schen Kul­tur[<sup>\[40\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16399). Die­ser ide­el­le Kon­flikt am Rhein wur­de ein po­li­ti­scher, da der Strom zwi­schen zwei Kul­tur­gren­zen lag, die Zu­ge­hö­rig­keit lan­ge nicht klar de­fi­niert war und sich das wach­sen­de Na­tio­nal­be­wusst­sein der Deut­schen zu­neh­mend durch die Op­po­si­ti­on zu Frank­reich de­fi­nier­te[<sup>\[41\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16400).

**6. Der Rhein: Die natürliche Grenze Frankreichs?**

„Der Rhein ist die na­tür­li­che Gren­ze ei­nes Frei­staa­tes, der \[...\] nur die Na­tio­nen, die sich frei­wil­lig an­schlie­ßen, auf­nimmt...der Rhein wird \[...\] die Gren­ze Frank­reichs blei­ben. Die Na­tur selbst hat den Rhein zur Gren­ze Frank­reichs ge­mach­t“[<sup>\[42\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16401), schrieb [Ge­org Fors­ter](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/5cbefbaf545b21.91761743 "Georg Forster") (1754-1794) am 15.11.1792 über ei­ne mög­li­che An­ne­xi­on des Rheins im Zu­ge der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on. Die­se war von zen­tra­ler Be­deu­tung für die wei­te­re Ent­wick­lung der Rhein­pro­ble­ma­tik. Nach dem Ein­marsch der fran­zö­si­schen Trup­pen in das Rhein­land 1792 ließ As­tol­phe de Cus­ti­ne (1740-1793) ei­ne Be­sat­zungs­herr­schaft im her­kömm­li­chen Sinn er­rich­ten. Sei­ne Pro­kla­ma­ti­on vom 23.10.1792 soll­te da­zu füh­ren, dass die Be­sat­zung in al­len Ge­bie­ten ei­ner dop­pel­ten Be­frei­ung dien­te, ei­ner „for­ma­len“, in­dem sie den Be­setz­ten [Frei­heit](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/F#term-166) bei der Be­stim­mung ih­rer po­li­ti­schen Zu­ge­hö­rig­keit ein­räum­te, und ei­ner „ma­te­ri­el­len“, in­dem sie ih­nen die Rea­li­sie­rung der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­ons­ide­en von Frei­heit, Gleich­heit und Brü­der­lich­keit bot[<sup>\[43\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16402). Zu­nächst er­schie­nen die Fran­zo­sen als „Be­frei­er“ und in Stadt und Land wur­den Frei­heits­bäu­me er­rich­tet. Je­doch muss­ten die Rhein­län­der be­grei­fen, dass Frank­reich un­ter „Be­frei­un­g“ die Aus­brei­tung sei­ner ei­ge­nen Ord­nung ver­stand. Frank­reich wie­der­rum muss­te er­ken­nen, dass sein Be­frei­ungs­an­ge­bot auch re­vo­lu­ti­ons­feind­li­che Kräf­te mo­bi­li­siert hat­te[<sup>\[44\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16403). Erst wäh­rend der Herr­schaft Na­po­le­ons fiel der Rhein mit dem Frie­dens­ver­trag von Lun­é­vil­le 1801 in sei­ner ge­sam­ten Län­ge in fran­zö­si­sche Hand. Na­po­le­on wur­de von den Rhein­län­dern als „Cae­s­ar“ für die Wie­der­be­le­bung des Han­dels und der Re­li­gi­on ge­fei­ert.

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-portr%C3%A4t-des-franz%C3%B6si"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/36104.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_36104.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Porträt des französischen Königs Ludwig XIV (1638-1715), Öl auf Leinwand von Hyacinthe Rigaud (1659-1743), Original im Musée du Louvre, 1702. (public domain)

</figcaption></figure></div> </div></div>Be­reits 1798 be­wirk­te François Jo­seph Rud­ler (1757-1837) im Rah­men sei­ner „gou­ver­ne­men­ta­len Re­vo­lu­ti­on“ die Ein­füh­rung fran­zö­si­schen Rechts, fran­zö­si­scher In­sti­tu­tio­nen und die Glie­de­rung des Lan­des links des Rheins in vier De­par­te­ments (Don­ners­berg, Rhein-Mo­sel, Saar und Ro­er). Per De­kret wur­de die [Ge­wer­be­frei­heit](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/G#term-193) er­klärt und es be­gann der Auf­stieg des Wirt­schafts­bür­ger­tums. Fran­zö­sisch wur­de zur Amts- und Ge­richts­spra­che[<sup>\[45\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16404). Die fran­zö­si­sche Kul­tur­po­li­tik ver­folg­te zu­sätz­lich das Ziel der „Er­zeu­gung und Kräf­ti­gung fran­zö­si­schen Na­tio­nal­ge­fühls im Rhein­lan­d“[<sup>\[46\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16405). 1804 wur­de schlie­ß­lich auch der Code Ci­vil in den Rhein­lan­den ein­ge­führt.

Nach Struck war die Zeit von 1800 bis 1815 ei­ne In­ku­ba­ti­ons­zeit na­tio­na­len Den­kens und der Ein­gren­zung der Na­ti­on, in der Zwi­schen­räu­me wie die Rhein­lan­de, die tra­di­tio­nell von so­wohl fran­zö­si­schen wie auch deut­schen Kul­tur­ein­flüs­sen ge­prägt wa­ren, zu ei­ner Gren­ze, die Deutsch­land und Frank­reich zu­neh­mend trenn­te. Es fan­den ei­ne „Na­tio­na­li­sie­rung der Geo­gra­phie“ und die „Er­fin­dung der na­tio­na­len Gren­ze“ statt[<sup>\[47\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16406).

Fors­ter, der Pu­bli­zist [Jo­seph Gör­res](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57c6c946c50976.22040717 "Joseph Görres") und vie­le Rhein­län­der glaub­ten, das Rhein­land wür­de von ei­ner „Ré­uni­on“ und den Pri­vi­le­gi­en der Re­vo­lu­ti­on pro­fi­tie­ren[<sup>\[48\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16407). Das Kon­zept der na­tür­li­chen Gren­ze eta­blier­te sich in Frank­reich als po­li­ti­sche und mo­ra­li­sche For­de­rung ab 1789 und wur­de schlie­ß­lich in den Er­obe­rungs­krie­gen Na­po­le­ons macht­po­li­tisch in­stru­men­ta­li­siert[<sup>\[49\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16409). Ab April 1792 führ­ten Frank­reich und das Hei­li­ge Rö­mi­sche Reich deut­scher Na­ti­on Krieg, in dem der Rhein schlie­ß­lich fran­zö­sisch wur­de[<sup>\[50\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16410). Die Er­obe­rungs­zü­ge, die am Rhein nicht Halt mach­ten, führ­ten das Ar­gu­ment der na­tür­li­chen Gren­zen selbst ad ab­sur­dum[<sup>\[51\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16411). Die Be­sat­zer mein­ten, dass sie die Rhein­län­der zum An­schluss zwin­gen durf­ten, da sie von Na­tur aus zu Frank­reich ge­hör­ten[<sup>\[52\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16412). Von Be­frei­ung kann al­ler­dings nicht ge­spro­chen wer­den, da es den Be­sat­zern nicht dar­um ging, Frei­heit in das Rhein­land zu brin­gen, son­dern le­dig­lich ih­re ei­ge­ne zu be­wah­ren. So­mit wur­de die Be­sat­zung oft als Fremd­herr­schaft wahr­ge­nom­men[<sup>\[53\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16413). Den­noch führ­te die Re­uni­ons­po­li­tik zu ei­nem Wan­del der rhei­ni­schen Ge­sell­schaft, da un­ter an­de­rem der Code Ci­vil ein­ge­führt wur­de[<sup>\[54\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16414). Durch die neu­ge­won­ne­nen Pri­vi­le­gi­en gab es zu­nächst kaum Wi­der­stand ge­gen die na­po­leo­ni­sche Herr­schaft. Als je­doch Zwangs­re­kru­tie­run­gen und Ab­ga­be­po­li­tik in das Le­ben der Rhein­län­der Ein­zug hiel­ten und sich der Rhein als Zoll­gren­ze eta­blier­te und da­her als wirt­schaft­li­che Schwä­chung er­wies, schlug die Stim­mung um[<sup>\[55\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16415). Die Be­sat­zung führ­te zu­dem zur Ver­tie­fung ei­nes na­tio­na­len Den­kens, so­dass fort­an fran­zö­si­sche Kon­zep­te wie Frei­heit, Selbst­be­stim­mung und die Ein­heit des deut­schen Vol­kes ge­for­dert wur­den[<sup>\[56\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16416). Der Ver­lust der links­rhei­ni­schen Ge­bie­te zei­tig­te ei­nen am Rhein ori­en­tier­ten Pa­trio­tis­mus, in dem der Strom ge­wis­ser­ma­ßen hei­lig und zu ei­nem Sym­bol der Deut­schen in Ab­gren­zung zu den Fran­zo­sen sti­li­siert wur­de[<sup>\[57\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16417). Wenn­gleich hier von idea­lis­ti­schen Vor­stel­lun­gen die Re­de sein kann, wird der Rhein­my­thos durch das na­tio­na­le Den­ken der Deut­schen zum po­li­ti­schen Fak­tor[<sup>\[58\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16418).

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-%C2%A0"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/36106.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_36106.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div></figure></div> </div></div>**7. Der Rhein: Teutschlands Strom, aber nicht Teutschlands Gränze**

Als der 1806 ge­grün­de­te [Rhein­bund](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/R#term-721) auf dem Wie­ner Kon­gress auf­ge­löst wur­de, über­nahm Preu­ßen wi­der­wil­lig die „Wacht am Rhein“. Die Rhein­län­der be­fürch­te­ten, dass dies die Neue­run­gen der fran­zö­si­schen Herr­schaft ge­fähr­den könn­te[<sup>\[59\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16419). Die Hoff­nung auf bür­ger­li­che De­mo­kra­tie und na­tio­na­le Ein­heit, die als Rück­be­sin­nung auf das ro­man­ti­sier­te Mit­tel­al­ter und den fran­zö­si­schen Na­tio­nal­staat ge­wer­tet wer­den kann, wur­de auf­grund der Po­li­tik [Met­ter­nichs](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57c94daf7c4df5.10113364 "Clemens Wenzel Fürst von Metternich-Winneburg") nicht er­füllt[<sup>\[60\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16420). Es wa­ren die­se staats­recht­li­chen Ver­än­de­run­gen, die Schrift­stel­ler da­zu zwan­gen, in der Li­te­ra­tur ih­re Frei­heits­sehn­süch­te aus­zu­le­ben. Die Rhein­re­gi­on eig­ne­te sich be­son­ders für ein ge­schicht­li­ches Kon­strukt, da sie bei Kri­sen­zei­ten oft in ei­nem pro­ble­ma­ti­schen geo­gra­phi­schen Kon­text stand[<sup>\[61\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16422). Rhein­län­der und Preu­ßen wa­ren po­li­tisch und re­li­gi­ös von­ein­an­der ent­fernt und fan­den sich 1815 in ei­ner Zwangs­liai­son wie­der[<sup>\[62\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16423). So zeigt der dem Köl­ner Ban­kier Schaaf­hau­sen zu­ge­schrie­be­ne Aus­spruch (ob ge­tan oder nicht) „Jes­ses, Mar­je, Jo­sef do hie­ro­de mir äv­ver in en ärm Fa­mil­li­ch“, wie skep­tisch die Rhein­län­der den neu­en Herr­schern ge­gen­über­stan­den[<sup>\[63\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16424). Die­se Ab­leh­nung ist je­doch nicht ver­gleich­bar mit der Feind­schaft zu Frank­reich, mit dem das un­ge­lös­te Pro­blem der Rhein­fra­ge be­stand[<sup>\[64\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16428). Die pa­trio­ti­sche Be­geis­te­rung mo­bi­li­sier­te Schrift­stel­ler wie [Ernst Mo­ritz Arndt](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57adb145be6ca9.09940164 "Ernst Moritz Arndt")[<sup>\[65\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16425), der 1813 in sei­ner Schrift „Der Rhein, Teutsch­lands Strom, aber nicht Teutsch­lands Grän­ze“ da­zu auf­rief, auf den Rhein zu bli­cken[<sup>\[66\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16426): „Was se­het ihr? Ihr se­het das Land, das euch an die herr­lichs­ten \[...\] Kämp­fe eu­res Vä­ter mah­net, die \[...\] hei­ligs­ten Er­in­ne­run­gen des Rei­ches der Teut­schen, die Wie­ge eu­rer Bil­dung, die Städ­te, wo eu­re Kai­ser ge­wählt, ge­krönt und ge­salbt wur­den \[er­in­nert\].“[<sup>\[67\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16427)

Bis­lang war der Rhein, wenn­gleich nicht mit Hass­ge­füh­len auf­ge­la­den, ei­ne Gren­ze zwi­schen Frank­reich und den deut­schen Län­dern[<sup>\[68\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16429). Wäh­rend En­de des 18. Jahr­hun­derts das Kon­zept der *fron­tiè­re na­tu­rel­le* nicht kri­ti­siert wur­de, soll­te der Rhein nach 1815 Aus­gangs­punkt deut­scher Kul­tur wer­den und konn­te so­mit kei­ne Gren­ze mehr sein[<sup>\[69\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16430). Arndt sah den Rhein zu­dem als Sym­bol des fran­zö­si­schen Ex­pan­sio­nis­mus[<sup>\[70\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16431). In sei­ner Uto­pie ei­nes rhe­no­zen­tri­schen Deutsch­lands ar­gu­men­tier­te er ge­gen die fran­zö­si­sche Rhein­po­li­tik und wi­der­leg­te sie: „was sind die Na­tur­grän­zen ei­nes Vol­kes? Ich sa­ge: die ein­zi­ge gül­ti­ge Na­tur­grän­ze macht die Spra­che“.[<sup>\[71\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16432) Viel­mehr kön­ne die deut­sche Frei­heit oh­ne den Rhein nicht be­ste­hen[<sup>\[72\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16433). Sei­ne Schrift zün­de­te die na­tio­na­le Be­geis­te­rung für die Be­frei­ung des Rheins, zu der auch Karl Frei­herr vom und zum Stein (1757-1831) und Wil­helm von Hum­boldt (1767-1835) ge­hör­ten[<sup>\[73\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16434). Wie Hein­rich Hei­ne mit sei­ner rhe­to­ri­schen Fra­ge und Ant­wort: „Was liebt er aber? In kei­nem Fall die Preu­ßen“ zu wis­sen schien, nahm die Kri­tik an der preu­ßi­schen Herr­schaft nicht ab[<sup>\[74\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16435). Tüm­mers fasst die Ver­bin­dung der Zeit der Be­frei­ung von Frank­reich mit der Rhein­ro­man­tik mit den Wor­ten: „Die ur­sprüng­lich nur li­te­ra­ri­sche Zu­nei­gung ei­nes klei­nen Krei­ses von Dich­ter zum Rhein wur­de durch die [Be­frei­ungs­krie­ge](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/B#term-35) und die va­ter­län­di­sche Be­geis­te­rung mil­lio­nen­fach ver­stärk­t“ zu­sam­men. Fort­an be­gan­nen die Deut­schen den Rhein als ur­al­ten Deut­schen Strom zu prei­sen[<sup>\[75\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16436) .

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-ernst-moritz-arndt%2C-"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/36107.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_36107.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Ernst Moritz Arndt, Porträt mit Signatur. (Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn)

</figcaption></figure></div> </div></div>**8. Der Rhein: Innbegriff der romantischen Landschaft**

Der Rhein hat­te bis­lang kaum je­man­den zu poe­ti­schen Er­güs­sen sti­mu­liert. Viel­mehr herrsch­te das Bild vom „ei­si­gen Rhein in den un­wirk­li­chen Län­dern des kal­ten Nor­den­s“.[<sup>\[76\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16437) In der Rhein­ro­man­tik fin­gen Dich­ter je­doch an, schwär­mend vom Rhein zu be­rich­ten und lös­ten so das fran­ko­zen­tri­sche Bild Eu­ro­pas durch ein um den Rhein zen­trier­tes ab[<sup>\[77\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16438). In der Fol­ge wur­de der Rhein ver­klärt und der Ant­ago­nis­mus zu Frank­reich war an die west­eu­ro­päi­sche Fo­kus­sie­rung des Rheins ge­bun­den[<sup>\[78\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16439). Im­mer wie­der be­zo­gen sich die Nach­barn auf den Rhein als geo­po­li­ti­sche Mar­kie­rungs­li­nie. Durch die Ro­man­ti­sie­rung des My­thos „Va­ter Rhein“ wur­de die Op­po­si­ti­on ge­gen Na­po­le­on in­ten­si­viert[<sup>\[79\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16440). Als Start­punkt der ro­man­ti­schen Ver­klä­rung des Rheins kön­nen die Be­rich­te Fried­rich Schle­gels (1772-1829) und die Rhein­rei­se von Achim von Ar­nim (1781-1831) und [Cle­mens Bren­ta­no](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57c588b4dd6aa1.09937483 "Clemens Brentano") 1802 be­trach­tet wer­den[<sup>\[80\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16441). In die­sen wird der Rhein zu ei­nem my­thi­schen We­sen sti­li­siert und die Per­so­ni­fi­zie­rung des Flus­ses als „Va­ter Rhein“ wur­de zum In­be­griff der Rhein­ro­man­tik[<sup>\[81\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16443). Be­son­ders die Ur­fas­sung der Lo­re­ley von Bren­ta­no be­grün­de­te ei­nen Rhein­my­thos, der 1823 durch Hei­nes In­ter­pre­ta­ti­on Be­rühmt­heit er­lang­te und bis heu­te nach­wirkt[<sup>\[82\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16444). Schle­gel war 1802 ei­ner der ers­ten, der den Rhein mit den Au­gen ei­nes Ro­man­ti­kers sah und ihn durch die My­thi­sie­rung der Bur­gen zu­gleich na­tio­na­li­sier­te[<sup>\[83\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16445): „so ist er \[der Rhein\] das nur zu treue Bild un­sers Va­ter­lan­des; uns­rer Ge­schich­te“.[<sup>\[84\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16446) Durch die Li­te­ra­tur der Rhein­ro­man­tik wur­de er als sa­gen­um­wo­be­ner und ge­schichts­träch­ti­ger Strom neu ent­deckt, in ein mit­tel­al­ter­li­ches Am­bi­en­te ein­ge­bet­tet und so zum Sinn­bild des Ro­man­ti­schen[<sup>\[85\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16447). In Deutsch­land wur­de der Rhein da­hin­ge­hend um­ge­deu­tet, dass er die Be­sin­nung auf ein ge­mein­sa­mes Er­be zu­ließ und den My­thos ei­nes schöp­fe­ri­schen Deutsch­tums un­ter­stütz­te[<sup>\[86\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16448) . So woll­ten die Rhein­ro­man­ti­ker den Rhein als ur­deut­schen Strom eta­blie­ren und bau­ten da­bei auf der The­se des Deut­schen Stroms von Arndt auf[<sup>\[87\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16449).

Die Rhein­my­then er­wei­sen sich als ei­ne Kol­lek­ti­on poe­ti­scher Me­ta­phern, die al­te Le­gen­den und Mär­chen, wie die Ni­be­lun­gen­sa­ge, neu ent­deck­ten. Es han­delt sich da­bei um Er­zäh­lun­gen mit christ­li­chen, an­ti­ken und nor­disch-ger­ma­ni­schen Mo­ti­ven, die am Rhein lo­ka­li­siert wa­ren, selbst wenn sie es ur­sprüng­lich nicht ta­ten. Bei­spiels­wei­se die Ni­be­lun­gen­sa­gen, an de­nen sich Rhein­ro­man­ti­ker be­dien­ten, wur­den zu ei­nem am Rhein to­po­gra­phisch fi­xier­ten My­thos, der das Spek­trum na­tio­na­lis­ti­scher Ge­füh­le be­dien­te[<sup>\[88\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16450). Die Ro­man­tik ent­warf ei­ne Deu­tung des Rheins, die der sinn­li­chen Wahr­neh­mung ent­spre­chen soll­te[<sup>\[89\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16451). Wenn­gleich die Be­frei­ung und Ro­man­ti­sie­rung des Rheins pa­trio­ti­sche Ge­füh­le weck­ten, gin­gen die­se bald wie­der un­ter und wur­den durch die Po­li­ti­sie­rung der Rhein­li­te­ra­tur zu ei­ner Volks­be­we­gung[<sup>\[90\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16452).

Fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler und In­tel­lek­tu­el­le ent­deck­ten den Rhein erst in den 1830er und 1840er Jah­ren als In­be­griff der ro­man­ti­schen Land­schaft. Sie wa­ren be­geis­tert von dem Zu­sam­men­spiel der Na­tur und der rei­chen Kul­tur- und Ge­schichts­land­schaft mit ih­ren Bau­denk­mä­lern und Burg­rui­nen, die ih­nen das Mit­tel­al­ter vor Au­gen führ­ten[<sup>\[91\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16453).

Al­le re­gime­kri­ti­schen Au­to­rin­nen und Au­to­ren wie Ma­da­me de Staël (1766-1817), die sich früh­ro­man­ti­schen The­men wid­me­ten, wa­ren um 1800 sehr an der deut­schen Li­te­ra­tur in­ter­es­siert. Je­de Be­schäf­ti­gung mit der deut­schen Li­te­ra­tur kön­ne den Fran­zo­sen wich­ti­ge An­re­gun­gen ge­ben. Für Frank­reich wur­de der Rhein als ih­re „na­tür­li­che Gren­ze“ nach We­hin­ger zum „Sym­bol für die men­ta­le, kul­tu­rel­le, emo­tio­na­le Dif­fe­renz, die kom­plex und zwei­deu­tig ist und der­ge­stalt auch zu ei­ner Be­dro­hung wer­den kann, die Ver­lust­ängs­te ver­ur­sach­t“.[<sup>\[92\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16454)

Die Ori­ent­kri­se im Jahr 1840 ge­nüg­te, um na­tio­na­le Lei­den­schaf­ten zu ent­zün­den und den Rhein zum Sym­bol der na­tio­na­len Aus­ein­an­der­set­zung zu ma­chen[<sup>\[93\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16455). Frank­reich wur­de bei Ver­hand­lun­gen der Qua­dru­pel­al­li­anz aus­ge­schlos­sen und der Pre­mier­mi­nis­ter Alp­hon­se Thiers (1797-1877) for­der­te ei­nen In­ter­es­sens­aus­gleich durch Re­ak­ti­vie­rung der vor­he­ri­gen Rhein­plä­ne[<sup>\[94\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16456). Der Rhein wur­de so über Nacht zur bren­nen­den Fra­ge Eu­ro­pas und Stim­men wur­den laut, die ei­nen Krieg for­der­ten[<sup>\[95\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16457). Auch wenn die­ser ver­hin­dert wer­den konn­te, wur­de der po­li­ti­sche Schlag­ab­tausch von Schrift­stel­lern bei­der Sei­ten auf­ge­nom­men. Die­se ver­lie­hen der „Schlacht der Dich­ter“ ei­ne emo­tio­na­le Qua­li­tät[<sup>\[96\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16458).

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-rheinlandschaft%2C-%C3%96l-"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/36108.jpg">![](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_36108.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Rheinlandschaft, Öl auf Papier von Christian Georg Schütz (1718-1791), undatiert,. (public domain)

</figcaption></figure></div> </div></div>Frank­reichs Rhein­an­sprü­che wur­den in der Fol­ge von dem Bon­ner [Ni­ko­laus Be­cker](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57c577157dc4b1.94865755 "Nikolaus Becker") (1809-1845) in sei­nem Lied „Der deut­sche Rhein“, wel­ches an den Schrift­stel­ler Alp­hon­se de La­mar­ti­ne (1790-1869) und die Fran­zo­sen im All­ge­mei­nen ge­rich­tet war, zu­rück­ge­wie­sen[<sup>\[97\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16459). Wäh­rend der Rhein­kri­se stärk­te es die Po­pu­la­ri­tät des Rheins, wur­de po­li­tisch in­stru­men­ta­li­siert und gilt als Start­punkt der Schlacht der Dich­ter[<sup>\[98\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16460). Es er­schien am 18.9.1840 in der „Trie­ri­schen Zei­tun­g“ und wur­de mehr­fach ver­tont[<sup>\[99\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16461). Die „Leip­zi­ger Zei­tun­g“ for­der­te so­gar, es als Na­tio­nal­hym­ne ein­zu­set­zen.[<sup>\[100\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16462) Be­reits der ers­te Vers „Sie sol­len ihn nicht ha­ben, den frei­en deut­schen Rhein“, der durch Wie­der­ho­lung dem Lied ei­ne zum Kampf­lied pas­sen­de Kon­ti­nui­tät ver­leiht, rich­tet sich, aus dem Ent­ste­hungs­zu­sam­men­hang er­sicht­lich, an die Fran­zo­sen[<sup>\[101\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16463). Be­ckers Ge­dicht kann als „In­be­griff kon­tem­po­rä­rer deut­scher chau­vi­nis­ti­scher Ge­sin­nung und Mus­ter­bei­spiel selbst­herr­li­cher Ab­schot­tung zwecks Kon­sti­tu­ie­rung ei­nes na­tio­na­len Selbst­bil­des in der Op­po­si­ti­on zu Frank­reich“[<sup>\[102\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16464) ge­se­hen wer­den. Am En­de ap­pel­liert Be­cker an die po­li­ti­sche Ver­pflich­tung, im to­des­mu­ti­gen He­ro­is­mus den Rhein zu ver­tei­di­gen[<sup>\[103\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16465). Es ist ein Bei­spiel für die Kraft der My­thi­sie­rung, die auch oh­ne Re­fle­xi­on zu ver­lan­gen, Emo­tio­nen aus­zu­lö­sen ver­mag. Der Ak­zent liegt auf der Frei­heit des Stroms, die auf die Be­frei­ung des Rhein­lands zu­rück­geht[<sup>\[104\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16466). Auch wenn Be­ckers Lied nicht im­mer ernst ge­nom­men wur­de, be­sitzt es ei­ne Über­lei­tungs­funk­ti­on durch die Ver­bin­dung ro­man­ti­scher Bild­haf­tig­keit und ak­tua­li­täts­be­zo­ge­ner Dich­tung und lös­te da­durch die neue, po­li­ti­sche Rhein­dich­tung aus[<sup>\[105\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16467). In Frank­reich wur­de das Lied als Pro­vo­ka­ti­on ver­stan­den. La­mar­ti­ne je­doch war der Auf­fas­sung, die Schrift­stel­ler bei­der Sei­ten sol­len sich über na­tio­na­le Vor­ur­tei­le hin­weg­set­zen, zur Ver­söh­nung der Völ­ker bei­tra­gen und das po­li­ti­sche Pro­blem nicht zu ei­nem li­te­ra­ri­schen Klein­krieg aus­ar­ten las­sen[<sup>\[106\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16468).

Als Re­ak­ti­on auf Be­ckers Ge­dicht ver­öf­fent­lich­te er die „Mar­seil­lai­se de la Pai­x“, in der der Rhein, als völ­ker­ver­bin­den­der Strom und Sinn­bild ei­nes dau­er­haf­ten Frie­dens, im Mit­tel­punkt steht[<sup>\[107\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16469). Da die fran­zö­si­sche Ge­sell­schaft mit dem sanf­ten Ton La­mar­ti­nes un­zu­frie­den war, schrieb Al­fred de Mus­set (1810-1857) ei­ne deut­lich ag­gres­si­ve­re Ant­wort mit dem Na­men: „Le Rhin al­le­mand. Ré­pon­se à la chan­son de Be­cker“[<sup>\[108\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16470). Er rief die Deut­schen in der ers­ten Stro­phe da­zu auf, sich zu ver­ge­gen­wär­ti­gen, dass der Rhein schon ein­mal fran­zö­sisch war[<sup>\[109\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16471). Krie­ge­ri­sche Hel­den, fran­zö­si­scher Na­tio­nal­stolz und tri­um­pha­le Ge­schichts­bil­der kenn­zeich­nen Mus­sets poe­tisch-ag­gres­si­ves Ge­dicht. Die letz­ten bei­den Stro­phen ge­ste­hen den Deut­schen den Rhein zu, for­dern je­doch zu Mä­ßi­gung und Zu­rück­nah­me ih­rer an­ti-fran­zö­si­schen Prah­le­rei, da­mit der Rhein fried­lich flie­ßen kann[<sup>\[110\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16472). Zu­dem rät er den Deut­schen, sich trotz ih­rer Schwär­me­rei für den Rhein, nicht im pa­the­ti­schen Pa­trio­tis­mus zu ver­lie­ren, da die Mög­lich­keit ei­ner er­neu­ten An­ne­xi­on der Rhein­ge­bie­te durch die Fran­zo­sen wei­ter­hin be­stün­de[<sup>\[111\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16473). In Frank­reich wur­de er in der Fol­ge, trotz des ver­söhn­li­chen En­des sei­nes Lie­des, als Ver­tei­di­ger der fran­zö­si­schen Rech­te ge­fei­ert[<sup>\[112\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16474).

Im fünf­ten Ca­put sei­nes Ge­dicht­zy­klus „Deutsch­land. Ein Win­ter­mär­chen“ aus dem Jah­re 1844 lässt Hein­rich Hei­ne den „Va­ter Rhein“ zu Wort kom­men[<sup>\[113\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16475). Die­ser be­klagt sich, dass ihm das „dum­me Lie­d“ von Ni­ko­laus Be­cker die ver­gan­ge­nen Jah­re er­schwert ha­be. Fol­gen­schwe­rer sei aber der po­li­ti­sche Scha­den, der ihm aus dem Lied er­wach­sen sei[<sup>\[114\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16476). Jetzt groll­ten ihm näm­lich die Fran­zo­sen, die er ger­ne wie­der an sei­nen Ufern sä­he[<sup>\[115\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16477). Zu­dem fin­det auch Mus­set, der als „keck und frech“ cha­rak­te­ri­siert wird, in Hei­nes Ge­dicht Er­wäh­nung[<sup>\[116\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16478). Das En­de des Ge­dichts ist ge­kenn­zeich­net durch ei­nen po­si­ti­ven Aus­blick auf die Zu­kunft des „Va­ter Rhein“[<sup>\[117\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16479). Die Wer­ke Hei­nes ziel­ten ge­gen die na­tio­nal­re­stau­ra­ti­ven Ten­den­zen und die Eng­stir­nig­keit im zeit­ge­nös­si­schen Deutsch­land, den Fran­zo­sen­hass so­wie die Ver­klä­rung des Mit­tel­al­ters in der Ro­man­tik[<sup>\[118\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16480). Be­ckers Rhein­lied galt Hei­ne als In­be­griff der po­li­ti­schen Dich­tung der 1840er Jah­re, die sich oft durch hoh­les Pa­thos, ge­paart mit va­ter­län­di­scher Ge­sin­nung aus­zeich­ne­te[<sup>\[119\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16481). Sein Ge­dicht ist ein Plä­doy­er für Auf­klä­rung und Pres­se­frei­heit, ei­ne Kri­tik an der ro­man­ti­schen Mit­tel­al­ter­v­er­klä­rung und am Fran­zo­sen­hass. In der Fol­ge wur­de er als „Va­ter­lands­ver­rä­ter“ und „Freund der Fran­zo­sen“ ins Exil nach Frank­reich ge­schickt, da er den Rhein nicht als deut­schen Strom be­ju­bel­te[<sup>\[120\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16482).

Vic­tor Hu­gos (1802-1885) Rei­se­be­richt „Le Rhin“ von 1842 ar­gu­men­tiert noch­mals für die fran­zö­si­sche Sicht­wei­se, in­dem er be­merkt, dass „der Rhein sehr viel fran­zö­si­scher ist, als die Deut­schen glau­ben“[<sup>\[121\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16483). Zwar sei das rech­te Rhein­ufer von der deut­schen Ge­schich­te ge­prägt, das Lin­ke hin­ge­gen von der fran­zö­si­schen[<sup>\[122\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16484). Er hoff­te den­noch auf ei­nen Aus­gleich der zwei Na­tio­nen, in­dem der Rhein Frank­reich und Deutsch­land als na­tür­li­che Part­ner ver­bin­det[<sup>\[123\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16485). Un­ter an­de­rem ge­hör­ten auch das „Lied der Deut­schen“ von Hoff­mann von Fal­lers­le­ben (198-1874), „Die Wacht am Rhein“ von Max Schne­cken­bur­ger (1819-1849) und Ernst Mo­ritz Arndts „Lied vom Rhein an Ni­k­las Be­cker“ zu den li­te­ra­ri­schen Re­ak­tio­nen in den 1840ern Jah­ren[<sup>\[124\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16486).

**9. Schlussbetrachtung**

Zu­sam­men­fas­send muss fest­ge­stellt wer­den, dass zwi­schen den Schrift­stel­lern der zwei Na­tio­nen ein ge­mä­ßig­tes Kli­ma herrsch­te, das we­nig mit der ag­gres­si­ven Hal­tung von 1870/1871 ge­mein hat[<sup>\[125\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16487). Tüm­mers re­sü­miert die neu­ge­won­ne­ne Be­deu­tung des Rheins mit den fol­gen­den Wor­ten: „Die kri­ti­schen Ta­ge des Jah­res 1840 be­fes­ti­gen die Po­pu­la­ri­tät des Rheins im deut­schen Volk. Kein an­de­rer deut­scher Strom kam ihm fort­an in der Schät­zung und Lie­be al­ler Volks­krei­se gleich“.[<sup>\[126\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16488) Trotz der Un­ter­schie­de wur­de das Rhein­land letzt­lich doch deutsch und so­gar preu­ßisch. „Preu­ßen hat­te das Rhein­land in die La­ge ver­setzt, sei­ne po­li­ti­sche Iden­ti­tät zu fin­den, ein Staats­be­wusst­sein zu ent­wi­ckeln und pa­trio­tisch zu emp­fin­den“.[<sup>\[127\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16489)

En­de der 1840er Jah­re bot der Rhein kaum mehr An­lass für va­ter­län­di­sche Be­sin­nung[<sup>\[128\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16490). Es folg­te ei­ne Ära po­li­ti­scher Ent­halt­sam­keit, bis die Ge­mü­ter 1870/1871 er­neut auf­ge­heizt wur­den[<sup>\[129\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16491). Die po­li­ti­sche Rhein­dich­tung, die den Fluss zum deut­schen Na­tio­nal­sym­bol sti­li­sier­te und zum In­be­griff der Frei­heit ver­klär­te, steht in ei­ner Tra­di­ti­on, die bis weit vor Be­cker zu­rück­reicht, denn be­reits 1814 hat­te Ernst Mo­ritz Arndt den Rhein als frei­en deut­schen Strom be­sun­gen[<sup>\[130\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16492).

1870/1871 ent­lud sich auf bei­den Sei­ten ein vor­her un­be­kann­ter Ver­nich­tungs­wil­le und der Rhein war nicht län­ger Ziel ro­man­ti­scher Sehn­sucht[<sup>\[131\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16493). Nach 1871 war der Rhein end­gül­tig zum ge­samt­deut­schen Na­tio­nal­sym­bol ge­wor­den[<sup>\[132\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16494). „Die Wacht am Rhein“ von Max Schne­cken­bur­ger ist ein Bei­spiel für die Ver­än­de­rung der po­li­ti­schen Stim­mung von 1840 bis 1870[<sup>\[133\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16495). Das Lied, wel­ches zwar be­reits 1841 er­schien, je­doch erst im Zu­ge des Deutsch-Fran­zö­si­schen Krie­ges po­pu­lär wur­de, klingt ag­gres­si­ver und we­ni­ger poe­tisch als noch die re­spekt­vol­len Tö­ne Be­ckers[<sup>\[134\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16496). Be­reits zu Zei­ten Lud­wigs XIV. be­schreibt das Mo­tiv der Wacht am Rhein, die Funk­ti­on des Rheins und der Rhein­län­der, als Ver­tei­di­ger ge­gen die mög­li­che In­va­si­on der Fran­zo­sen be­reit­zu­ste­hen[<sup>\[135\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16497). Das Lied han­delt nicht von der Wie­der­her­stel­lung der Frei­heit, son­dern vom pa­the­ti­schen Be­griff des Va­ter­lan­des, der in der kol­lek­ti­ven Men­ta­li­tät des Ers­ten und Zwei­ten Welt­krie­ges auf­ge­nom­men und als rhei­ni­sche Tra­di­ti­on na­tio­na­lis­ti­schen Den­kens fort­ge­setzt wur­de[<sup>\[136\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16498). Dies ist an dem krie­ge­ri­schen Auf­schrei „zum Rhein, zum Rhein, zum deut­schen Rhein“ er­kenn­bar[<sup>\[137\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16499). Die De­mü­ti­gung, die Frank­reich 1870/1871 er­fah­ren muss­te, wur­de erst durch den Ver­sailler Frie­dens­ver­tra­ges und die kurz­wei­li­ge Be­set­zung des lin­ken Rhein­ufers über­wun­den[<sup>\[138\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16500). Cepl-Kauf­mann fasst die neue Auf­ga­be des Rheins mit den Wor­ten: „Er wirk­te für Deutsch­land in­te­grie­rend, in­dem er den Ein­zel­nen \[...\] in das gro­ße Gan­ze hin­auf­ho­b“ zu­sam­men[<sup>\[139\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16501).

Es gibt nicht den ei­nen My­thos vom Rhein. Viel­mehr muss von meh­re­ren My­tho­lo­gi­en ge­spro­chen wer­den, die sich um den Fluss ran­ken. Die­se ha­ben ih­ren Ur­sprung in der Rhein­ro­man­tik, in der al­te Sa­gen und Mär­chen, wie das Ni­be­lun­gen­lied, neu in­ter­pre­tiert wur­den und die den Rhein in ihr Zen­trum rück­ten. Wie ge­zeigt wur­de ver­band der Rhein schon seit der An­ti­ke die Ge­schich­te mit My­then, die den Strom auf­nah­men und ihm ei­ne neue Qua­li­tät ver­lie­hen.

Der Rhein war für Frank­reich ei­ne „na­tür­li­che Gren­ze“. Es sei al­lein die Na­tur, die Frank­reich sei­ne Gren­zen zu­schrei­be. Die For­de­rung der Rhein­gren­ze wur­de zum In­halt des na­tio­na­len My­thos und zähl­te zu den un­ver­äu­ßer­li­chen Be­stand­tei­len der Er­run­gen­schaf­ten der Re­vo­lu­ti­on. Der Rhein wur­de so­mit zu ei­nem Mit­tel und My­thos der na­tio­nal­fran­zö­si­schen Po­li­tik und stand dem Kon­zept des Rheins als „deut­schen Strom“ kon­tras­tiv ent­ge­gen[<sup>\[140\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16502). Ka­ren Den­ni stellt her­aus, dass der My­thos der na­tür­li­chen Gren­ze mit dem Ant­ago­nis­mus der Völ­ker ei­ne Ge­fahr dar­zu­stel­len be­ginnt, da die­se sich auf ih­re Na­tio­na­li­tät und das Kon­zept na­tio­na­ler Gren­zen be­ru­fen. Zu­dem kri­ti­siert sie das Kon­zept der „na­tür­li­chen Gren­ze“, da Gren­zen meist Er­geb­nis jahr­hun­der­te­lan­ger Ent­wick­lun­gen sei­en und nicht na­tur­ge­ge­ben[<sup>\[141\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16503). Das Kon­zept der „na­tür­li­chen Gren­ze“ war so­mit „Be­stand­teil ei­nes weit zu­rück­rei­chen­den po­li­ti­schen Be­wusst­seins, wel­ches sich ge­le­gent­lich als po­li­ti­sche For­de­rung ma­ni­fes­tier­te.“[<sup>\[142\]</sup>](https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900#footnote-16504)

Das Kon­zept des Rheins als Deutsch­lands Strom und nicht Deutsch­lands Gren­ze von Ernst Mo­ritz Arndt be­schreibt zu­gleich den Ur­sprung der Mys­ti­fi­zie­rung. Im Zu­ge der Be­set­zung des Rhein­lands am En­de des 18. Jahr­hun­derts ent­stand ein neu­es Na­tio­nal­be­wusst­sein, das den Rhein in­stru­men­ta­li­sier­te, mit My­then auf­lud und als po­li­ti­sches Sym­bol der stra­te­gi­schen Gren­ze ver­stand. Die Ge­schich­te des Rheins ist durch sei­ne tren­nen­de und ver­bin­den­de Funk­ti­on als am­bi­va­lent zu be­zeich­nen; ihn ei­nen ur­deut­schen Strom zu nen­nen, wird sei­ner Rol­le als eu­ro­päi­scher Fluss nicht ge­recht. Ob­wohl sei­ne ro­man­ti­sche Ver­klä­rung längst Ge­schich­te ist, be­sitzt der Rhein auch heu­te noch et­was My­thi­sches und in­spi­riert, da­mals wie heu­te, Künst­ler und Schrift­stel­ler.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Meier, Julia, Schönbauer, Daniel, Deutsche, Franzosen und der Rhein, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-franzosen-und-der-rhein/DE-2086/lido/5e29a5a27b0150.56971900 (abgerufen am 03.09.2026)

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**Sekundärliteratur**

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