# Karneval, Fasnacht, Fasching etc.

#### Inhaltsverzeichnis

1. <span class="title__headline typo-headline-sc-2xl-alt">Warum wir Weiberfastnacht feiern</span>
2. Die Verteidigung des rheinischen Karnevals und die politische Festkultur im Vormärz

##### 1. <span class="title__headline typo-headline-sc-2xl-alt">Warum wir Weiberfastnacht feiern</span>


<section class="ad-container ad-container--section d-none d-md-flex justify-content-center ad-container--with-margin" id="bkmrk-in-den-1960er-jahren"><section class="ad-container ad-container--section d-none d-md-flex justify-content-center ad-container--with-margin"><section class="ad-container ad-container--section d-md-flex justify-content-center ad-container--with-margin"><div class="article__header">  
</div><div class="article__lead-content"><figure class="image-element image-element--lead-content"><picture class="picture picture--lead-content">![Verkleidete Frauen während des Weiberfastnachtumzuges in Bonn-Beuel](https://image.geo.de/37127718/t/Tb/v5/w1440/r1.7778/-/beuel-weiberfastnacht-065-089.jpg "Verkleidete Frauen während des Weiberfastnachtumzuges in Bonn-Beuel")</picture><figcaption class="image-element__caption"><div class="image-element__description typo-body-compact-sm-medium u-richtext">In den 1960er-Jahren ziehen verkleidete Frauen zur Weiberfastnacht durch Beuel. Die moderne Form des Brauchtums vor der Fastenzeit beruht auf einem Streik aus jenem Bonner-Stadtbezirk, bei dem im 19. Jahrhundert Wäscherinnen ihre Arbeit niederlegten© Unbekannt/Archiv des Alltags im Rheinland/065_089/LVR</div></figcaption></figure></div><div class="article__body"><div class="feature-bar"><div class="feature-bar__items"><div class="feature-bar__item">  
</div></div></div><div class="intro typo-body-md-medium typo-body-xl-medium@lg u-richtext">Am Donnerstag vor Aschermittwoch feiern Frauen deutschlandweit Weiberfastnacht. Der Brauch, der die Geschlechterrollen auf den Kopf stellt, hat eine lange Tradition </div><div class="text-element u-richtext">  
</div></div>Für manch einen Mann ist es der schlimmste Tag des Jahres: Am Donnerstag vor Aschermittwoch stürmen Frauen überall die Rathäuser der Republik – denn an "Altweiber" haben die Frauen das Sagen.

Mit symbolischen Gesten der Machtübernahme der Frauen startet jedes Jahr der Straßenkarneval in Deutschland. Doch woher kommt dieser Brauch eigentlich?

**Ein Gelage unter Weibern**

Schon ein Mythos aus der Antike erzählt von einem Fest, bei dem Greisinnen – also betagte Frauen – Fruchtbarkeits- und Wetterzauber zum Jahresbeginn verübten. Für solche Feierlichkeiten gibt es jedoch keine Beweise. Erst für das Mittelalter existieren Zeugnisse, die über den Ursprung des Brauchtums von Weiberfastnacht berichten.

Dokumente aus dem 14. Jahrhundert beschreiben eine frühe Form dieses Rituals: Am Donnerstag vor Aschermittwoch luden einige Städte im Heiligen Römischen Reich Witwen, Ehefrauen und ihre unverheirateten Töchter zu einem Festmahl ein, die Männer waren ausgeschlossen. Im Laufe der Zeit wurde aus dem Festessen ein wüstes Gelage unter Frauen, bei dem die feiernden Weiber über die abwesenden Männer richteten. Später schwappte diese städtische Sitte auch auf die Bevölkerung auf dem Land über.

**Wenn sogar die frommen Nonnen feiern**

Der Begriff ist eine Kombination aus dem Althochdeutschen "fasta" (Fastenzeit) und "naht" (Vorabend). Ursprünglich meinte "Fastnacht" also den Abend direkt vor Beginn der Fastenzeit. Im späteren Mittelalter war dieser Brauch eng mit dem christlichen Kirchenjahr verwoben: Der Ritus markiert das letzte ausgelassene Feiern, bevor 40 Tage der Besinnung und des Verzichts beginnen. Sogar Nonnen zelebrierten dieses Ritual damals schon ausgelassen.

Das [LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn](https://rheinische-landeskunde.lvr.de/de/institut/institut_kamellebueggel/weiberfastnacht/weiberfastnacht_beitrag.html#!prettyPhoto) kann auf Quellen zum Kloster St. Mauritius in Köln zurückgreifen, in dem Benediktinerinnen in den Nächten vor dem Fasten feierten: "Wir haben die Fastnacht in aller Lust passiert, und seindt alle Geistliche verkleidet gewesen und uns recht lustig gemacht, dann in Tag haben wir gedanzt und sprungen, des Nachts, wenn die Frau Äbtissin schlafen ist gewesen, dann haben wir Thee, Kaﬀe und Chocolade getrunken und mit der Kart gespielt und auf dem Damenbrett gespielt", zitiert das [LVR-Institut](https://rheinische-landeskunde.lvr.de/de/institut/institut_kamellebueggel/weiberfastnacht/weiberfastnacht_beitrag.html#!prettyPhoto) aus einer Schrift.

Derartige Sitten, bei denen Frauen vor dem Fasten noch einmal richtig über die Stränge schlugen, Regeln der Männer brachen oder "verkehrte Welt" spielten, verbreiteten sich Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem im Rheinland und in der Eifel: Chronisten beschreiben, wie 1810 auf dem Alten Markt ein "wildes Treiben" herrschte, bei dem die Händlerinnen den Männern ihre Hüte vom Kopf rissen. Damals war der Karneval noch ein chaotischer, ungeregelter Brauch, der überall anders gefeiert wurde.

In der Eifel erhielten Frauen an Weiberfastnacht ein besonderes Recht: In Gruppen war es ihnen erlaubt, in den Wald zu gehen und dort einen Baum zu fällen, der so dick war, wie die weiteste Taille der korpulentesten Eifelerinnen, so das Baumstammrecht. Danach verkauften die Frauen das Holz, und von dem Geld machten sie sich einen schönen Abend.

Schon immer ging es bei diesem Brauch auch darum, die von Männern geschaffene Weltordnung zu hinterfragen.

**Geburtsstunde der Weiberfastnacht**

1823 wurde der anarchische Karneval schließlich strukturiert: Damals gründeten einige Kölner ein "Festordnendes Komitee". Seitdem gibt es Uniformen, Karnevalsorden und die Narrenkappe sowie Straßenumzüge. Nur ein Jahr später fuhren Männer der Wäscherfamilien aus dem Bonner Stadtteil Beuel am Donnerstag vor Aschermittwoch die saubere Wäsche in Köln aus. Anschließend blieben sie bei den Karnevalisten und feierten mit.

Doch das gefiel den Frauen zu Hause in Beuel gar nicht. Die Wäscherinnen arbeiteten täglich unter härtesten Bedingungen: Bei jedem Wetter standen sie teilweise bis zu den Knien im Rhein, denn nur im fließenden Gewässer wurde die Wäsche sauber. Als die Männer an jenem Donnerstag nicht zurückkehrten, legten auch sie ihre Arbeit nieder. Die Beuelerinnen setzten sich zusammen, tranken Gerstenkaffee und tratschten über die Verstöße ihrer Männer: Sie berichteten einander über Ehebrüche, Alkoholexzesse und andere Eskapaden ihrer Partner. Schließlich gründeten sie ein Damenkomitee, das gegen die Ausbeutung und Drangsalierung von Frauen durch ihre Männer vorgehen sollte. Damit wollten sie alle Herren, "denen es an dem nötigen Verständnis für die den Frauen zumutbare Arbeitsleistung fehlte, zur Besinnung zu bringen", so das LVR-Institut.

Das Damenkomitee ahndete fortan jegliche Verstöße, Beleidigungen, Handgreiflichkeiten oder sonstige Fehltritte der Männer am Donnerstag vor Aschermittwoch mit Fastnachtspielchen. Dieser Brauch breitete sich rasant auch jenseits von Bonn-Beuel aus und entwickelte sich im Laufe der Zeit weiter: Mancherorts schnitten die Frauen ihren Männern die Schlipse ab, anderswo stürmten sie das Rathaus.

Ob Wieverfastelovend, Fettdonnerstag, Altweiber oder Weiberfastnacht: Bis heute feiern Menschen überall in Deutschland den Donnerstag vor Aschermittwoch als einen Tag der Frauen. Um 11.11 Uhr übernehmen sie das Zepter in den deutschen Rathäusern, und der Straßenkarneval beginnt.

</section></section></section>##### 2. Die Verteidigung des rheinischen Karnevals und die politische Festkultur im Vormärz

**1. Der Auftakt**

Am 19.2.1822 fand im Gür­ze­ni­cher Ball­saal ein ful­mi­nan­ter Mas­ken­ball „zum Bes­ten der Ar­men“ statt. Das Fest wur­de von mehr als 3.000 Per­so­nen be­sucht und war ein sol­cher Er­folg, dass sich zahl­rei­che Gast­wir­te über ih­ren Ge­schäfts­aus­fall be­schwer­ten und es nicht wie­der­holt wur­de. Statt­des­sen wur­de ein Jahr spä­ter der ers­te Ro­sen­mon­tags­zug ver­an­stal­tet. Der öf­fent­li­che Mas­ken­zug hat­te kirch­li­che Ele­men­te, reichs­städ­ti­sche Sym­bo­le und ak­tu­el­le po­li­ti­sche An­spie­lun­gen zum In­halt. Die Thron­be­stei­gung des Köl­nisch-Was­ser­fa­bri­kan­ten Ema­nu­el Cio­li­na Za­no­li (1796-1832) als „Kö­nig Kar­ne­val“ stell­te nicht nur den Hö­he­punkt des Fest­tags, son­dern auch ei­nen all­ge­mein­ver­ständ­li­chen An­griff auf die be­ste­hen­de Herr­schafts­ord­nung dar, der im An­schluss der Fei­er­lich­kei­ten ver­bo­ten wur­de. Nur ein Jahr spä­ter war aus dem „Kö­ni­g“ der „Held Kar­ne­val“ und aus cir­ca 10.000 Zu­schau­ern ei­ne Mas­sen­an­samm­lung von 50.000 Kar­ne­vals­tou­ris­ten ge­wor­den. [<sup>\[1\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24909)

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-eintrittskarte-zu-ei"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/102363.jpg">![](https://rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_102363.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Eintrittskarte zu einem Maskenball in Köln, um 1820. (©Rheinisches Bildarchiv Köln/RBA 104 245)

</figcaption></figure></div> </div></div>Der ra­san­te Auf­stieg Kölns zum Ver­gnü­gungs­zen­trum der jun­gen preu­ßi­schen Rhein­pro­vinz ging auf ein­falls­rei­che Wer­be­maß­nah­men der „All­ge­mei­nen Cöl­ni­schen Kar­ne­vals­ge­sell­schaf­t“ (KG), ei­ne auf­wen­di­ge Fest­ge­stal­tung und ei­ne be­gin­nen­de Kom­mer­zia­li­sie­rung des Brauchs zu­rück. Zu Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts mach­ten mehr und mehr Krä­mer, Kauf­leu­te und Han­dels­frau­en ein Ge­schäft aus der Fast­nachts­zeit, in­dem sie Kar­ne­vals­brief­pa­pier, Nar­ren­ta­bak und an­de­re Er­in­ne­rungs­stü­cke auf den Markt brach­ten. Da­bei stell­te die Nar­ren­kap­pe den grö­ß­ten Kas­sen­schla­ger dar. Sie dien­te ei­ner­seits als ob­li­ga­to­ri­sches Er­ken­nungs­zei­chen, das hei­ßt als Ein­tritts­kar­te für die Fest­ver­an­stal­tun­gen, und wur­de an­de­rer­seits zum sicht­ba­ren „Sym­bol für die Gleich­heit und Ein­tracht al­ler Nar­ren“[<sup>\[2\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25277) er­ho­ben. Mit die­ser Be­deu­tung er­in­ner­te das Tra­gen glei­cher Kap­pen an die Idea­le der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on, die wäh­rend der [Fran­zö­si­schen Zeit](https://rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57ab23d29508f8.06009224 "1794 bis 1815 - Aufbruch in die Moderne. Die "Franzosenzeit"") im Rhein­land ver­brei­tet wor­den wa­ren. Ob­wohl die Idee ei­ner glei­chen Staats­bür­ger­ge­sell­schaft kei­nes­wegs der so­zia­len Rea­li­tät ent­sprach, wur­de sie nach dem Über­gang von Frank­reich zu Preu­ßen als Fol­ge des Wie­ner Kon­gres­ses 1815 auf­recht­er­hal­ten. Da­bei wur­de das fran­zö­si­sche Ge­richts­we­sen als Ga­rant des ega­li­tä­ren Ge­sell­schafts­ide­als be­trach­tet und als so­ge­nann­tes „Rhei­ni­sches Rech­t“ ver­tei­digt. Auf der Ba­sis des na­po­leo­ni­schen Code Ci­vil si­cher­te es die Gleich­heit vor dem Ge­setz, die Un­ab­hän­gig­keit der Rich­ter und die bür­ger­lich-li­be­ra­len Ei­gen­tums­rech­te. In Ver­bin­dung mit dem Prin­zip der Öf­fent­lich­keit und der Be­tei­li­gung von Ge­schwo­re­nen stand es dem in Preu­ßen seit 1794 gül­ti­gen All­ge­mei­nen Land­recht, den tra­di­tio­nel­len Vor­rech­ten des Adels und den weit­rei­chen­den Ein­griffs­mög­lich­kei­ten des preu­ßi­schen Staa­tes ent­ge­gen. Spä­tes­tens seit den Karls­ba­der Be­schlüs­sen 1819 avan­cier­te das Rechts­we­sen da­her zu ei­ner Art Er­satz­ver­fas­sung – der Kar­ne­val zu ei­nem Er­satz­fo­rum po­li­ti­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on in­ner­halb aus­ge­spro­chen re­strik­ti­ver po­li­ti­scher Struk­tu­ren.[<sup>\[3\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25278) So be­schwer­te sich der Köl­ner Zen­sor Ge­org Karl Phil­ipp von Stru­en­see (1774-1833) 1829 über die Köl­ner Kar­ne­vals­zei­tung. Das Witz­blatt ent­hielt zahl­rei­che ernst­ge­mein­te An­spie­lun­gen – zu­letzt die For­de­rung nach ei­ner Ver­fas­sung – und war nach ob­jek­ti­ven Ge­sichts­punk­ten nicht zu zen­sie­ren.[<sup>\[4\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25279) Als Po­li­zei­prä­si­dent, des­sen un­be­lieb­te Stel­lung zum be­lieb­ten Kar­ne­vals­re­per­toire ge­hör­te, er­wirk­te er das Ver­bot der Zei­tung und ei­ne un­er­war­te­te Pro­test­ak­ti­on der Re­dak­teu­re. Kar­ne­vals­prä­si­dent Jo­hann Hein­rich von Witt­gen­stein (1797-1869) und das Kar­ne­vals­ko­mi­tee sag­ten den Ro­sen­mon­tags­zug ab, ver­teil­ten To­ten­zet­tel auf den Kar­ne­val und leg­ten Hans­wurst, ei­ne pro­mi­nen­te Fan­ta­sie­fi­gur, in Ket­ten.[<sup>\[5\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25280) Ne­ben sol­chen auf­se­hen­er­re­gen­den Ak­tio­nen lie­ßen sich po­li­ti­sche Im­pli­ka­tio­nen in Büt­ten­re­den, Lie­dern und Ge­dich­ten auf­spü­ren. Sie wur­den auf den Stra­ßen ge­sun­gen, in der über­re­gio­na­len Pres­se dis­ku­tiert und weck­ten das In­ter­es­se des preu­ßi­schen Staats­ober­haupts.[<sup>\[6\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25281)

**2. Die (Neu-)Erfindung**

Am 22.11.1827 er­kun­dig­te sich Kö­nig Fried­rich Wil­helm III. (Re­gent­schaft 1797-1840) per­sön­lich dar­über, „wel­che Be­hör­de in neue­rer Zeit die Er­laub­niß zu die­sen in Deutsch­land nicht üb­li­chen Volks­be­lus­ti­gun­gen ge­ge­ben ha­be?“[<sup>\[7\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24915) Die Ver­wal­tungs­be­hör­den an den Re­gie­rungs­prä­si­di­en in [Aa­chen](https://rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57d11ee6c78f89.85456777 "Stadt Aachen"), [Düs­sel­dorf](https://rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57cd5d070b7153.05336683 "Stadt Düsseldorf"), [Ko­blenz](https://rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57d11fd00472a0.61506310 "Stadt Koblenz"), [Köln](https://rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57cd5d2f2acc68.36305193 "Stadt Köln") und [Trier](https://rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57d126e12fe575.90431255 "Kreis Trier-Saarburg") be­müh­ten sich dar­auf­hin, die Kar­ne­vals­be­lus­ti­gun­gen aus mo­ra­li­scher Sicht als völ­lig un­be­denk­lich aus­zu­wei­sen. [Ober­prä­si­dent](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/O#term-825) [Karl Frei­herr von In­gers­le­ben](https://rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/5b2ba2b62f36b6.15795707 "Karl Freiherr von Ingersleben") hat­te sich da­von per­sön­lich über­zeugt und die ers­te Ein­la­dung zum Köl­ner Mas­ken­fest 1824 so­wie die Eh­ren­mit­glied­schaft im Kar­ne­vals­ver­ein sei­nes Dienst­sit­zes in Ko­blenz 1828 be­reit­wil­lig an­ge­nom­men. Auch sein Stell­ver­tre­ter de­men­tier­te die so­zia­len Span­nun­gen, die in der Kar­ne­vals­zeit auf­ka­men und ein of­fe­nes Ge­heim­nis wa­ren.[<sup>\[8\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24916) Auf­merk­sa­me Zei­tungs­le­ser er­fuh­ren, dass die Re­gie­run­gen in Köln als „schla­fen­des Ver­wal­tungs­kol­le­gi­um“[<sup>\[9\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24917) dar­ge­stellt wur­den und auf ei­nem Mas­ken­ball in Ko­blenz „ein Pro­phet mas­kiert den preu­ßi­schen Be­am­ten ge­reim­te und sehr bei­ßen­de Pro­phe­zei­un­gen aus\[theil­te\].“[<sup>\[10\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24918) Die­sen An­ek­do­ten der aus­wär­ti­gen Pres­se konn­te ent­ge­gen ge­hal­ten wer­den, dass sa­ti­ri­sche Ver­ball­hor­nun­gen auch an­de­re Au­to­ri­tä­ten, zum Bei­spiel die Kir­che, den [Pro­vin­zi­al­land­tag](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/P#term-603) und den Stadt­rat so­wie die Kar­ne­va­lis­ten mit­un­ter selbst, be­tra­fen und „An­grif­fe ge­gen harm­lo­se Men­schen, ge­gen ehr­sa­me Fa­mi­li­en, ge­gen im öf­fent­li­chen Am­te ste­hen­de des all­ge­mei­nen Zu­trau­ens wür­di­ge Per­so­nen“[<sup>\[11\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24919) von den Ver­ant­wort­li­chen stets ver­ur­teilt wur­den.[<sup>\[12\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24920) Dar­über hin­aus wa­ren die In­itia­to­ren der frü­hen Kar­ne­vals­um­zü­ge von der prak­ti­schen Hil­fe des ört­li­chen Mi­li­tärs ab­hän­gig, in­dem sie auf Pfer­de- und Fuhr­wer­ke zu­rück­grif­fen und sich aus dem Fun­dus der fran­zö­si­schen Mi­li­tär­aus­rüs­tun­gen be­dien­ten. Ihr öf­fent­li­ches Auf­tre­ten konn­te da­her so­wohl als po­si­ti­ve Re­mi­nis­zenz an ver­gan­ge­ne Zei­ten oder aber als an­ti­fran­zö­si­sche Sa­ti­re in­ter­pre­tiert wer­den. [<sup>\[13\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24921)

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-simon-meister%2C-der-k"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/102372.jpg">![](https://rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_102372.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Simon Meister, Der Kölner Rosenmontagszug des Jahres 1836. (©Rheinisches Bildarchiv Köln/RBA 008 054)

</figcaption></figure></div> </div></div>Die jähr­lich wech­seln­de Nar­ren­kap­pe brach­te die Mehr­di­men­sio­na­li­tät der kar­ne­va­lis­ti­schen Sym­bol­spra­che bei­spiels­wei­se da­durch zum Aus­druck, dass sie ent­we­der die Form ei­ner Ja­ko­bi­ner­müt­ze oder das Aus­se­hen ei­ner preu­ßi­schen Pi­ckel­hau­be an­nahm.[<sup>\[14\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24922) Die Ro­ten Fun­ken in Köln er­in­ner­ten an die reichs­städ­ti­schen Stadt­sol­da­ten, das hei­ßt an die eins­ti­ge Au­to­no­mie der Stadt, und ga­ben gleich­zei­tig „das Bild ei­ner un­dis­zi­pli­nier­ten nicht mu­ti­gen und nie nüch­ter­nen Trup­pe ab“[<sup>\[15\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24923), das mit dem preu­ßi­schen Mi­li­tär kon­tras­tier­te. Der In­ter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum sol­cher Be­ob­ach­tun­gen war groß und lag im Au­ge des Be­trach­ters, wenn­gleich die „Car­ne­vals-Co­mité-Ge­sell­schaf­t“ laut Stru­en­see „et­wa noch nö­thi­ge In­ter­pre­ta­tio­nen \[…\] im Pu­bli­kum übern\[om­men\]“[<sup>\[16\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24924) ha­be. In die­ser Deu­tungs­of­fen­heit lag die Chan­ce zur po­li­ti­schen Mei­nungs­äu­ße­rung be­grün­det, die im Vor­märz viel­fäl­tig er­grif­fen wur­de. Da­bei wur­den die Ver­tre­ter des preu­ßi­schen Staa­tes vor Ort – eben­so wie stets ih­re fran­zö­si­schen Vor­gän­ger – im ne­ga­ti­ven eben­so wie im po­si­ti­ven Sin­ne in den tra­di­tio­nel­len Brauch in­te­griert und tru­gen mit um­fang­rei­chen Ver­wal­tungs­re­cher­chen zu des­sen Er­halt bei. [<sup>\[17\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24925)

Not­wen­dig war die­se au­ßer­ge­wöhn­li­che Hil­fe da­durch, dass ei­ne [Ka­bi­netts­or­der](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/K#term-763) vom 20.3.1828 be­stimm­te, dass „Fast­nachts­mas­ke­ra­den nur in den grö­ße­ren Städ­ten, und auch in die­sen, nur dann er­laubt sein \[soll­ten\], wenn sie da­selbst von al­ters­her her­kömm­lich statt­ge­fun­den“[<sup>\[18\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25282) hat­ten. Je mehr sich das preu­ßi­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um für die Fes­te am Rhein in­ter­es­sier­te, des­to tie­fer muss­te man in den Ak­ten gra­ben. Wo Be­weis­stü­cke in Form von Zei­tungs­be­rich­ten und Ge­set­zes­tex­ten fehl­ten, wur­den die Er­in­ne­run­gen hoch­be­tag­ter Ein­woh­ner oder – recht prag­ma­tisch – die Ar­men­rech­nun­gen der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te an­ge­führt. Da Ab­ga­ben auf öf­fent­li­che Lust­bar­kei­ten in al­len Städ­ten – wie im Üb­ri­gen auch in Tei­len der öst­li­chen Pro­vin­zen Preu­ßens – gän­gig und ins­be­son­de­re in der Kar­ne­vals­zeit der Düs­sel­dor­fer Re­gie­rung zu­fol­ge „nicht un­be­deu­ten­d“[<sup>\[19\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25283) wa­ren, eig­ne­ten sie sich als Be­weis­stück.[<sup>\[20\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25284) In Aa­chen und in Köln be­tru­gen die­se „Ab­ga­ben von Con­cer­ten, Feu­er­wer­ken, Kunst­aus­stel­lun­gen, Ma­rio­net­ten, Seil­tän­zen, Wachs­fi­gu­ren-Ca­bi­net­ten und Pan­ora­mas \[…\] von den ge­wöhn­li­chen Bäl­len – zehn Pro­zent der Brut­to-Ein­nah­men, von den Mas­quen-Bäl­len fünf und zwan­zig Pro­zent der Brut­to­ein­nah­men.“[<sup>\[21\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25285) Da die füh­ren­den Mit­glie­der der Köl­ner KG die­sem Gre­mi­um (und dem Stadt­rat) an­ge­hör­ten, war es ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass die Ver­gnü­gungs­steu­ern und ein Teil der Fest­ein­nah­men der not­dürf­ti­gen Be­völ­ke­rung zu­gu­te­kam.[<sup>\[22\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25286) Mit die­sen und an­de­ren Ar­gu­men­ten wur­den die Stadt­rä­te Franz Ja­cob von Her­wegh (1773–1848), Jo­seph Clas­sen (1761–1844), Jo­hann Phil­ipp Bier­mann (1767–1850), Ja­cob Her­mann Mo­li­na­ri (1768–1831), Ja­cob Jo­hann Ly­vers­berg (1761–1834) und Fried­rich Si­mons (1764–1834) am 15.4.1830 bei der Re­gie­rung vor­stel­lig. Vor al­lem die Bil­dung ei­nes „fest­ord­nen­den Co­mité­s“[<sup>\[23\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25287), das aus An­ge­hö­ri­gen der Ober­schicht ge­bil­det wur­de und sich für den Ab­lauf der Fei­er­lich­kei­ten ver­ant­wort­lich zeig­te, konn­te dem in Ber­lin vor­herr­schen­den Ein­druck ei­nes un­sitt­li­chen Brau­ches ent­ge­gen­wir­ken. Die dar­auf­hin aus­ge­ar­bei­te­te Fest­ord­nung kann da­her als (Neu-)Er­fin­dung ei­ner Tra­di­ti­on be­wer­tet wer­den, die seit Jahr­hun­der­ten be­stand, und den preu­ßi­schen Herr­schafts­ver­hält­nis­sen an­ge­passt wur­de. Gleich­sam war die­se ge­wünsch­te Ord­nung nach Au­ßen mit ei­ner Struk­tu­rie­rung im In­nern ver­bun­den, die die Herr­schafts­ver­hält­nis­se im ge­schlos­se­nen Ver­eins­le­ben durch par­la­men­ta­ri­sche und pseu­do-mi­li­tä­ri­sche Prak­ti­ken ei­ner­seits imi­tier­te, kon­ter­ka­rier­te und zum Teil de­mo­kra­ti­sier­te.[<sup>\[24\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25288) An­de­rer­seits wi­der­spra­chen be­grenz­te Zu­gangs­mög­lich­kei­ten und die Ver­ga­be von Äm­tern, Ti­teln und Eh­ren­zei­chen dem da­hin­ter­ste­hen­den Gleich­heits­ge­dan­ken, so­dass die „po­li­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on im Kar­ne­val“ spä­tes­tens in den 1840er Jah­ren „zu ei­nem Syn­onym für die po­li­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on im Staa­t“[<sup>\[25\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25289) wur­de.[<sup>\[26\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-25290)

Doch vor­erst blieb das Recht auf öf­fent­li­che Mas­ken­um­zü­ge der Dom­stadt vor­be­hal­ten, was die an­de­ren rhei­ni­schen Städ­te al­ler­dings nicht dar­in hin­der­te, Kar­ne­vals­ver­ei­ne zu grün­den, die das Köl­ner Re­gel­werk ad­ap­tier­ten und die Be­völ­ke­rung in­te­grier­ten. So wur­de aus der An­fahrt der Gäs­te zum städ­ti­schen Mas­ken­ball im Thea­ter von Ko­blenz 1830 ein öf­fent­li­ches Gro­ße­reig­nis, das ei­nem Um­zug na­he­kam und aus der Nar­ren­kap­pe 1834 ei­ne blau-weiß-ro­te Ja­ko­bi­ner­müt­ze, die zum end­gül­ti­gen Mas­ken­ver­bot am Ver­wal­tungs­sitz der Rhein­pro­vinz führ­te. Doch da­für scheint es zu spät ge­we­sen zu sein. Staats­mi­nis­ter Gus­tav von Brenn (1772-1838) hat­te be­reits „das un­ver­bürg­te Ge­rüch­t“ aus Köln ge­hört, dass in­fol­ge des Ver­bots „ei­ne An­zahl Co­blen­zer Ein­woh­ner im Naus­saui­schen Esel ge­mie­thet, und auf die­sen mit Trau­er­flor be­han­gen, nach Co­blenz ha­ben ein­zie­hen wol­len.“ Auch wuss­te er, dass „meh­re­re an­ge­se­he­ne Ein­woh­ner in Co­blenz und selbst Re­gie­rungs­be­am­te zum Car­ne­vals Co­mité ge­hör\[t\]en, letz­te­re aber ih­re Er­klä­rung da­für ge­hal­ten \[hät­ten\], daß für den Fall ei­ne Lis­te sämmt­li­cher Mit­glie­der ein­ge­reicht wer­den soll­te, man ih­re Na­men weg­las­sen möch­te, was ih­nen auch zu­ge­stan­den wor­den sey.“ [<sup>\[27\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24935)

Die­se Be­haup­tung kam nicht von un­ge­fähr, denn kur­ze Zeit spä­ter wur­den elf an­ge­se­he­ne Her­ren vor das Ko­blen­zer Frie­dens­ge­richt ge­la­den. Ih­re An­zahl hat­te Sym­bol­cha­rak­ter, denn sie soll­ten dort „auf Eh­re und Ge­wis­sen“ Aus­sa­gen über die his­to­ri­sche Her­kunft des städ­ti­schen Kar­ne­vals tref­fen und das frag­li­che Ge­wohn­heits­recht nach­wei­sen. In­iti­iert wur­de das Gan­ze von der sechs­köp­fi­gen Kar­ne­vals­di­rek­ti­on, die seit 1824 die Fast­nachts­fei­er­lich­kei­ten nach dem Vor­bild Kölns or­ga­ni­sier­te. Ihr ge­hör­ten zwei Kauf­män­ner und je­weils ein Gast­wirt, ein Gold­ar­bei­ter, ein Ad­vo­ka­t­an­walt und ein Stadt­rat – Satt­ler Con­rad Hass­la­cher (1801–1874), der Bru­der des an­ge­hen­den Aa­che­ner Land­rats Franz Karl Hass­la­cher (1805-1881) – an. Die Zeu­gen re­prä­sen­tier­ten die städ­ti­sche Ober­schicht und die lo­ka­le Be­am­ten­schaft. Es han­del­te sich um den ehe­ma­li­gen Mai­re und preu­ßi­schen Steu­er­di­rek­tor Jo­hann Do­mi­nic Gay­er (1771–1861), den Do­mä­nen­in­spek­tor Gos­win Linz (1774–1841), den Land­wehr­haupt­mann Trap­pet, den kur­trie­ri­schen Hof­rat und eins­ti­gen Steu­er­ein­neh­mer Marx Aloys Pott­gei­ßer (1762–1839), den ehe­ma­li­gen Ho­fin­ge­nieur und Bür­ger­meis­ter von Eh­ren­breit­stein Ja­kob von Kirn (1767–1850) und den Han­dels­ge­richts­prä­si­den­ten, Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten und Bei­ge­ord­ne­ten Ja­kob Reiff (1771–1848). Bä­cker Va­len­tin Ne­bel und die Kauf­leu­te Menn, Col­lig und Mül­ler ka­men hin­zu. Fünf von ih­nen hat­ten zeit ih­res Le­bens ein Stadt­rats­man­dat aus­ge­übt. Der Stadt­rat selbst hat­te be­reits ein schrift­li­ches Gut­ach­ten an das Ober­prä­si­di­um über­mit­telt und sich für den Er­halt des Kar­ne­vals ein­ge­setzt. Vor Ge­richt gab Ma­ler Con­rad Ha­cken­bruch (1773–1837) an, die Mas­ken­zü­ge des letz­ten Trie­rer Kur­fürs­ten „selbst mit­ge­macht, bei­ge­wohnt und sehr da­zu mit­ge­wirk­t“ zu ha­ben. Ein­hel­lig rie­fen sich die üb­ri­gen An­we­sen­den die­se Mas­ke­ra­den ins Ge­dächt­nis und er­klär­ten, dass sie die lan­ge Tra­di­ti­on der Kar­ne­vals­be­lus­ti­gun­gen ih­rer Hei­mat­stadt „je­der­zeit eid­lich zu be­stä­ti­gen be­reit sei­en.“ [<sup>\[28\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24936)

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-roter-funken%2C-1851%2F1"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/102371.jpg">![](https://rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_102371.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Roter Funken, 1851/1875. (©Rheinisches Bildarchiv Köln/RBA C 101520)

</figcaption></figure></div> </div></div>Tat­säch­lich hat­te [Kur­fürst](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Glossar/K#term-312) [Cle­mens Wen­zes­laus von Sach­sen](https://rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57c68d2d367f28.75605388 "Clemens Wenzeslaus von Sachsen") (1739–1812) zu­letzt 1787 ver­ord­net, dass „ein öf­fent­li­cher Mas­quen­ball un­¬­ter ob­rig­keit­li­cher Auff­sicht ge­hal­ten“ wer­den durf­te, „um die Be­lus­ti­gun­gen und öf­fent­li­chen Zu­sam­men­künf­te wäh­rend der Car­ne­vals-Zeit (von 3 Kö­ni­gen Tag bis Ascher­mitt­woch) in den Schran­ken der Ehr­bar­keit zu er­hal­ten, auch vie­le Aer­ger­nis­se und Ru­he­stö­run­gen der Mit­bür­ger zu be­sei­ti­gen.“[<sup>\[29\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24937) Dies konn­te ab­schlie­ßend auch Frie­dens­rich­ter An­selm Jo­seph Bur­ret (1770–1840) als An­ge­hö­ri­ger ei­ner kur­trie­ri­schen Be­am­ten­fa­mi­lie „aus ei­ge­nem Wis­sen“ be­stä­ti­gen und um die Be­ob­ach­tung er­gän­zen, dass „der­glei­chen Volks­be­lus­ti­gun­gen wäh­rend der chur­trie­ri­schen Re­gie­rung gern ge­se­hen; und wäh­rend der fran­zö­si­schen Re­gie­rung von den Be­hör­den durch ge­äu­ßer­te Wün­sche aus Po­li­tik da­zu auf­ge­for­dert wur­de, um das Volk durch sein Le­ben in den frü­he­ren Freu­den mit der Neu­heit der Re­gie­rung aus­zu­söh­nen.“ Sein Ab­schluss­plä­doy­er glich ei­ner Hand­lungs­emp­feh­lung, die schlie­ß­lich be­folgt wur­de. [<sup>\[30\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24938)

<div class="information-object-paragraph" id="bkmrk-kurf%C3%BCrst-clemens-wen"><div class="information-object-paragraph__content">  
</div><div class="information-object-paragraph__image"><div class="content-images"><figure class="content-images__image"><div class="content-images__image-wrapper" data-master-src="/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/102366.jpg">![](https://rheinische-geschichte.lvr.de/sites/default/files/external-resources/entity-resources/images/digicult-web-lvr/5/DISPLAY600_102366.jpg)<div class="content-images__image-overlay">  
</div></div><figcaption class="content-images__caption">Kurfürst Clemens Wenzeslaus nebst Gefolge beim Koblenzer Karneval 1904. Vier Reiter vor dem Kurfürstlichen Schloss. (StAK FA 4,21 Nr. 7 Bild 245)

</figcaption></figure></div> </div></div>**3. Das Nachspiel**

Die kö­nig­li­che Er­laub­nis für öf­fent­li­chen Mas­ke­ra­den in Ko­blenz er­folg­te am 19. Ja­nu­ar 1835 und wur­de in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren auf Düs­sel­dorf, Aa­chen, Trier, Bonn und die üb­ri­gen Städ­te und Dör­fer der Rhein­pro­vinz aus­ge­dehnt. Die Ver­tei­di­gung des rhei­ni­schen Kar­ne­vals war folg­lich mit dem Fort­be­stand des fran­zö­si­schen Jus­tiz­sys­tems und dem so­ge­nann­ten „Kampf um das Rhei­ni­sche Rech­t“ ver­bun­den. [<sup>\[31\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24939)

Fort­an wa­ren sub­ti­le For­men po­li­ti­scher Mei­nungs­äu­ße­rung zu­min­dest ein­mal im Jahr mög­lich und die „Po­li­ti­sie­rung und Po­la­ri­sie­run­g“[<sup>\[32\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24940) des rhei­ni­schen Kar­ne­vals nicht mehr zu leug­nen. In Köln be­fand man sich be­reits 1837 in dem Di­lem­ma, be­rech­tig­te For­de­run­gen, den Kar­ne­val ab­zu­sa­gen, aus sym­bol­po­li­ti­schen Grün­den ab­zu­wei­sen.[<sup>\[33\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24941) Nach der In­haf­tie­rung des Köl­ner Erz­bi­schofs [Cle­mens Au­gust von Dros­te zu Vi­sche­ring](https://rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57c698a86671f9.06491391 "Clemens August von Droste zu Vischering") (1773–1845) am 20.11.1837 be­fürch­te­te man nicht nur kon­fes­sio­nel­le Span­nun­gen und öf­fent­li­che Aus­schrei­tun­gen, son­dern auch die auf­se­hen­er­re­gen­de Wir­kung sol­cher Kar­ne­vals­ver­bo­te. Die Köl­ner Re­gie­rung ach­te­te da­her pe­ni­bel auf die rei­bungs­lo­se Durch­füh­rung der Fei­er­lich­kei­ten, wo­hin­ge­gen der Aa­che­ner Stadt­rat die Thea­ter­räu­me für den all­jähr­li­chen Mas­ken­ball un­ter Ver­schluss hielt. Ob­wohl die of­fi­zi­el­le Kar­ne­vals­er­laub­nis des Kö­nigs noch aus­stand, hat­te der dor­ti­ge Re­gie­rungs­prä­si­dent Ja­cob Chris­toph von Cu­ny (1779–1848) der Flo­res­ei-Kar­ne­vals­ge­sell­schaft be­reits sei­ne per­sön­li­che Zu­stim­mung er­teilt. In der Kon­se­quenz muss­te sich der Rat – dem nach ei­ge­nen Aus­sa­gen vier Pro­tes­tan­ten und ei­ni­ge Mit­glie­der der Kar­ne­vals­ge­sell­schaft an­ge­hör­ten – of­fe­nen An­fein­dun­gen und dem wie­der­hol­ten Vor­wurf des man­geln­den Wohl­tä­tig­keits­sinns stel­len. Auch soll „von meh­rern Sei­ten die Un­ter­stel­lung ins Pu­bli­kum ver­brei­tet \[wor­den sein\], als ha­be die Ver­wei­ge­rungs­hal­tung \[…\] mehr ih­ren Grund in den jetzt ob­wal­ten­den Erz­bi­schöf­li­chen Ver­hält­nis­sen als in der Sor­ge für die Er­hal­tung des Lo­cals.“[<sup>\[34\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24942) Da­ge­gen er­ho­ben 22 Rä­te in ei­ner schrift­li­chen Ein­ga­be bei der Re­gie­rung Ein­spruch und er­hiel­ten die nüch­ter­ne Ant­wort, dass „das Col­le­gi­um des Stadt­raths als Or­gan und Re­prä­sen­tant der Stadt ei­ne zu ho­he und wür­di­ge Stel­lung ein­nimmt, als daß das­sel­be durch An­spie­lun­gen und Wit­ze­lei­en in sei­ner Eh­re und in sei­nem An­se­hen ver­letzt wer­den kön­ne.“ [<sup>\[35\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24943)

Am En­de der 1830er Jah­re kün­dig­te sich das an, was den Kar­ne­val im Vor­feld der Re­vo­lu­ti­on 1848/49 präg­te: ein un­durch­sich­ti­ges Wech­sel­ver­hält­nis zwi­schen kar­ne­va­lis­ti­schen und po­li­ti­schen Aus­drucks- und Re­prä­sen­ta­ti­ons­for­men, das zen­tra­le Par­tei­bil­dungs­pro­zes­se und po­li­ti­sche For­de­run­gen – al­len vor­an je­ne nach der ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­an­ke­rung bür­ger­li­cher Gleich­heits­idea­le – vor­weg­nahm. Oder wie der Bon­ner Pro­fes­sor [Gott­fried Kin­kel](https://rheinische-geschichte.lvr.de/link/DE-2086/lido/57c9346d84d030.44827723 "Gottfried Kinkel") (1815–1882) in ei­ner sei­ner Büt­ten­re­den for­mu­lier­te: „Rufts mit lau­tem Schall! Bür­ger sind wir all!“ [<sup>\[36\]</sup>](https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920#footnote-24944)

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Wegmann, Rebecca: Warum wir Weiberfasnacht feiern, in: geo.de, online verfügbar seit 12.02.2026 unter: [https://www.geo.de/wissen/weltgeschichte/wenn-frauen-die-macht-uebernehmen--der-ursprung-der-weiberfastnacht-37122734.html](https://www.geo.de/wissen/weltgeschichte/wenn-frauen-die-macht-uebernehmen--der-ursprung-der-weiberfastnacht-37122734.html), zuletzt geprüft am 15.02.2026.

-&gt; Thielen, Katharina, Die Verteidigung des rheinischen Karnevals und die politische Festkultur im Vormärz, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-verteidigung-des-rheinischen-karnevals-und-die-politische-festkultur-im-vormaerz/DE-2086/lido/62fcd36c3ee508.45432920 (abgerufen am 15.02.2026)

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**Sekundärliteratur**

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