Sozialer Protest

Revolten und Widerstand

Inhaltsverzeichnis

1. Die Kartoffelrevolution 1847

2. 1. Mai 1844 - Unruhen in München nach Bierpreiserhöhung 

3. „[Haufen] aus Lehrlingen, Gesellen, Arbeitern, frechen Weibern“
Der Stuttgarter Brotkrawall am 3. Mai 1847

4.

5.

1. Die Kartoffelrevolution 1847

Es war die sogenannte Kartoffelrevolution, die die Berliner Stadtväter veranlasste, über den Bau von Markthallen nachzudenken. Diese Hallen sollten eine breitflächige Versorgung der wachsenden Bevölkerung mit preiswerten Lebensmitteln sicherstellen.

Im April 1847 war es zu Plünderungen und Massenprotesten in Berlin gekommen. Missernten hatten zu einer extremen Verteuerung der Lebensmittel geführt. Für Kartoffeln, das Grundnahrungsmittel der ärmeren Leute, musste der vierfache Preis gezahlt werden. Viele Berliner hungerten. Schließlich wehrten sich auf mehreren Berliner Wochenmärkten Kundinnen gegen die Wucherpreise. Sie warfen die Stände um, zerschnitten die Kartoffelsäcke und bedienten sich, ohne zu zahlen. In den folgenden Tagen plünderten aufgebrachte Demonstranten Bäckereien und Fleischgeschäfte. Erst nach drei Tagen konnte das Militär die Unruhen beenden.

Die Kartoffelrevolution machte deutlich, dass die alten Versorgungsstrukturen für die schnell wachsende Stadt nicht mehr ausreichend waren. Armut und Hunger großer Teile der Bevölkerung waren die Kehrseite des rapiden Wachstums. Doch es bedurfte noch mehrerer Anläufe, bis 1886 in Berlin die erste Markthalle eröffnet wurde, in der Lebensmittel unter hygienischen Bedingungen angeboten wurden. In dieser Zeit verdreifacht sich die Bevölkerung Berlins: 1849 lebten etwa 424.000 Menschen in der Stadt, 1890 hatte sie bereits mehr als 1,5 Millionen Einwohner. Die industrielle Revolution brauchte Arbeiter, für die in Kreuzberg die berühmt-berüchtigten Mietskasernen gebaut wurden.

https://markthalleneun.de/ueber/geschichte

2. 1. Mai 1844 - Unruhen in München nach Bierpreiserhöhung

Die vorerst letzte Revolution in Deutschland löst 1995 die bayerische Staatsregierung aus. Als die Sperrstunde in einem Münchener Biergarten vorverlegt werden soll, ziehen mehr als 20.000 Menschen protestierend durch die Stadt. Nach wochenlangem Tauziehen muss sich Ministerpräsident Edmund Stoiber dem Volkszorn beugen. Die selbsternannte "Bayerische Biergartenrevolution" hat gesiegt.

Wann immer sich die Obrigkeit beim Bier, Bayerns fünftem Element, einmischt, hört für die Münchener traditionsgemäß der Spaß auf. Das bekommt vor 170 Jahren bereits König Ludwig I. zu spüren. Wegen der damals herrschenden Knappheit an Rohstoffen verordnet Majestät den Brauereien eine deutliche Preiserhöhung. Die folgenden Krawalle um den Gerstensaft gehen als Münchener Bierrevolution in die Stadtgeschichte ein.

Kleinholz im Maderbräu

Vor allem die ärmere Bevölkerung trinkt im 19. Jahrhundert Bier nicht allein des Genusses wegen. "Man darf nicht vergessen, dass Trinkwasser damals nicht so sauber war wie heute", erklärt Rainhard Riepertinger vom Haus der Bayerischen Geschichte. "Nicht zuletzt wegen des Reinheitsgebotes war Bier also in der Tat als flüssiges Brot ein sauberes Grundnahrungsmittel." Entsprechend sauer reagiert deshalb der Soldat Korbinian Stiglmayr, als er am 1. Mai 1844 im Wirtshaus Maderbräu für seine Maß statt fünf plötzlich sechseinhalb Kreuzer zahlen soll.

Zum Vergleich: Ein Tagelöhner kommt zu jener Zeit gerade mal auf 40 Kreuzer im Monat. Spontan solidarisieren sich die übrigen Gäste mit dem erbosten Stiglmayr Korbinian, ein Wort gibt das anderes, bis das gesamte Mobiliar des Maderbräu zu Kleinholz verarbeitet ist. Am nächsten Tag bricht sich der Volkszorn richtig Bahn, denn erst kurz zuvor hatte Ludwig I. bereits den Brotpreis empfindlich angehoben. Tausende randalieren in Brauhäusern und Biergärten gegen die neuerliche Teuerung. Die Polizei muss das Militär zur Hilfe rufen, hat aber die Rechnung ohne die durstigen Soldaten gemacht. Die solidarisieren sich mit den Bier-Rebellen.

Bier-Schlacht mit Kavallerie

Nach vier Tagen Krawall in Brauereien und Wirtshäusern sieht sich der König gezwungen, die verordneten Preiserhöhungen zurückzunehmen. Vier Jahre später kommt es im Nachhall der deutschen Märzrevolution von 1848 erneut zu Unruhen ums Bier. Nicht nur in München, auch in anderen Großstädten wie Nürnberg und Bamberg kämpft das Volk dafür, dass das urbayerische Lebensmittel für alle bezahlbar bleibt. Ludwig I. ist da bereits nicht mehr König. Skandale um seine kostspielige Geliebte Lola Montez kosten ihn erst seine Reputation und dann den Thron.

Aller Proteste zum Trotz steigt der Bierpreis in den folgenden Jahrzehnten immer weiter. Nach mehreren kleineren Unruhen artet 1888 das traditionsreiche Starkbierfest auf dem Münchener Nockherberg zur "Salvator-Schlacht" aus. Zivilisten und Soldaten liefern sich im Keller des Brauhauses eine derart wilde Keilerei, dass eine ganze Kavallerie-Einheit mit gezückten Säbeln eingreifen muss, um die Kampfhähne zu trennen. Die letzte Bierschlacht spielt sich 1910 im oberbayerischen Dorfen ab. Nach einer deftigen Erhöhung der Malzsteuer verlangen die Brauereien zwei Pfennig mehr für eine Maß. Als Streiks und Boykottaufrufe nichts fruchten, brennen die wütenden Dorfener zwei Schänken und fünf Bürgerhäuser nieder.

https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag8298.html

3. „[Haufen] aus Lehrlingen, Gesellen, Arbeitern, frechen Weibern“
Der Stuttgarter Brotkrawall am 3. Mai 1847

Wie in vielen anderen Städten kam es auch in Stuttgart im Frühsommer 1847 zu Unruhen, die sich gegen steigende Lebensmittelpreise richteten und von den ärmeren Bevölkerungsschichten getragen wurden. Frauen, die von der Teuerung in besonderem Maße betroffen waren, waren daran maßgeblich beteiligt.„Eine Masse von Menschen zog vorbei (...). Bald darauf hörte ich (...) sagen daß man dem Bäcker Mayer bereits die Fenster einwerfen und das Haus stürmen wolle. (...) Das Lärmen und das Toben (...) wurde immer ärger." So berichtete der Kaufmann Reihlen über den Beginn der Unruhen in Stuttgart am Abend des 3. Mai 1847. Und er sagte weiter, das Militär sei „mit Steinwürfen angegriffen und gräßlich verschimpft und ausgespottet" worden.
Nach den Unruhen in Ulm am 1. Mai 1847 war befürchtet worden, dass es auch in Stuttgart am 4. Mai zu Krawallen kommen würde, falls die Kornpreise auf dem Markt nicht fallen. Aber der Zorn der Bewohner der Esslinger Vorstadt, eines Unterschichtenviertels, brach sich bereits am Vorabend Bahn. Sie zogen vor das Haus des Bäckers Mayer, um ihm eine „Katzenmusik" darzubringen. Denn er hatte schon seit einiger Zeit nicht mehr gebacken, Gerüchten zufolge deshalb, weil er auf weiter steigende Preise wartete.
Das Heranziehen von Militär verschärfte die Situation. Das brutale Vorgehen der Soldaten, die wahllos auf die Menschenmenge einstachen und Gebrauch von Schusswaffen machten, entfachte den Zorn der „Tumultanten" noch mehr. Es kam zu Straßenkämpfen, dem Bau von Barrikaden, Gaslaternen wurden durch Steinwürfe zerstört.
„Katzenmusiken", eine ohrenbetäubende Kakophonie aus Schreien, Pfiffen und Schmährufen, waren eine gängige Form der Unmutsäußerungen der ärmeren Bevölkerungsschichten, die sich gegen ein konkretes Problem richteten. Frauen der Unterschichten beteiligten sich ganz selbstverständlich daran. Sie waren es gewohnt, ihre Stimme in der Öffentlichkeit zu erheben: Die beengten Wohnverhältnisse bedingten es, dass sich das Leben weitgehend auf der Straße abspielte und auch Streitereien öffentlich ausgetragen wurden. Ihre Teilnahme an Krawallen wurde nur von der bürgerlichen Presse, nicht aber von Nachbarn des Viertels verurteilt.
Die helleren Stimmen der Frauen hoben sich aus dem Geschrei der Masse hervor und konnten von den Soldaten identifiziert werden. So fiel dem Feldjäger Humpfer Friederike Eberhard auf, von der er sagte: „diese schrie hauptsächlich". Da aber ihre Nachbarn aussagten, sie habe nur ihren Hund gerufen, konnte ihr die Ordnungsmacht nichts anhaben. Der Leibgardist Friedrich Schlotterbeck sah zwar die Akteur*innen im Dunkeln nicht, aber erkannte an der Stimme, dass eine Frau „auf die gemeinste Weise" auf den König geschimpft hatte.
Nicht nur mit Lärmen und Schreien beteiligten sich Frauen an dem Aufstand. „Weiber" bewarfen aus Hauseingängen heraus die durchreitenden Soldaten mit Steinen und trafen zumindest einen am Oberschenkel. Frauen rannten mit Latten bewaffnet den berittenen Soldaten hinterher und schlugen auf sie ein.
Etwa 130 Personen wurden in der Nacht des 3. Mai und in den darauffolgenden Tagen verhaftet, darunter vier Frauen. Unter den acht Menschen, die zu Haftstrafen verurteilt wurden, befand sich eine Frau.
Zwei Frauen wurden durch ihre sozialen Kontakte gedeckt und freigesprochen. Friederike Calwer hatte ihr ganzes Leben im Viertel gelebt und war in das soziale Gefüge gut eingegliedert. Christine Wüst wurde verhaftet, weil sie geprahlt hatte, sie habe sich an dem Krawall beteiligt und „auch geschmissen". Aber sie war schon einige Jahre in Stuttgart und in fester Anstellung. Ihre Vermieterin sagte zu ihren Gunsten aus.
Anders erging es der Dienstmagd Christine Werner, die erst seit wenigen Tagen in Stuttgart lebte. Sie wurde verhaftet, weil sie sagte „es sey dem Bäcker Mayer recht geschehen, man hätte es ihm noch viel ärger machen sollen". Werner wurde der Stadt verwiesen.
Die Wäscherin Beate Calwer schließlich lebte wie ihre Schwester Friederike schon ihr ganzes Leben im Viertel. Sie hatte drei uneheliche Kinder, für deren Unterhalt der karge Lohn nicht reichte. Beate war verschuldet und lebte deswegen in ständigem Streit mit Nachbarn und Vermietern. Während des Prozesses sagten diese gegen sie aus, sie habe das Militär beschimpft, die Soldaten mit Lattenstücken bedroht, die anderen „Tumultanten" durch Zurufe immer wieder angestachelt. Verurteilt wurde sie wegen „in fortgesetzter Handlung sich erlaubter Beleidigung der Dienst-Ehre von Militärpersonen und Störung der öffentlichen Ruhe" zu vier Wochen Kreisgefängnis.
Am 4. Mai kamen weniger Händler zum Wochenmarkt als üblich. Sie senkten zwar die Kornpreise nicht, hoben sie aber auch nicht weiter an. Stadtrat und Bürgerausschuss fassten bereits am 5. Mai den Beschluss, größere Getreidemengen zu beschaffen und Maßnahmen zu ergreifen, die eine weitere Erhöhung der Brotpreise verhindern sollten.https://frauen-und-geschichte.de/website.php?id=denktag2304051606

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> https://markthalleneun.de/ueber/geschichte, zuletzt geprüft am 27.05.2025.

-> https://de.wikipedia.org/wiki/Kartoffelrevolution#:~:text=Die%20„Kartoffelrevolution“%20war%20eine%20von,Provinzen%20blieben%20davon%20weitgehend%20verschont, zuletzt geprüft am 27.05.2025.

-> https://frauen-und-geschichte.de/website.php?id=denktag2304051606, zuletzt geprüft am 28.05.2025.

-> https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag8298.html, zuletzt geprüft am 29.05.2025. 

-> https://de.wikipedia.org/wiki/Münchner_Bierrevolution, zuletzt geprüft am 29.05.2025. 

-> https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/kalenderblatt/friedrich-engels-berichtet-ueber-die-muenchner-bierkrawalle-102.html, zuletzt geprüft am 29.05.2025. 

Sekundärliteratur

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