Soziale Frage und Sozialismus

Die deutsche Frauenbewegung

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Anfänge und Entwicklung der Frauenbewegung im 19. Jahrhundert (Interview)
  2. Die deutsche Frauenbewegung

  3. Erste feministische Bestrebungen: Statuten des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (Quelle)
  4. Konservative Kritik am Frauenaktivismus (Quelle)

1. Die Anfänge und Entwicklung der Frauenbewegung im 19. Jahrhundert  

DDF: Wo liegen die Anfänge der Frauenbewegung in Deutschland?

Susanne Schötz: Die Anfänge der Frauenbewegung lagen bekanntlich nicht erst im Kaiserreich. Nach einer Verstärkung frauenemanzipatorischer Aktivitäten im Vormärz und in der Revolution von 1848/49 gilt die Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF) 1865 in Leipzig als Geburtsstunde der organisierten Frauenbewegung Deutschlands. Der ADF unter Vorsitz von Louise Otto-Peters  war die erste gesamtnational ausgerichtete Frauenorganisation, deren Ziel die Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern war, die damals weder in Ehe und Familie, noch in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik existierte. Frauen besaßen auf fast keinem Gebiet die gleichen Rechte wie Männer und lebten zumeist in Abhängigkeit vom männlichen Willen und Letztentscheidungsrecht. Doch aufgrund des deutsch-deutschen Bruderkrieges von 1866, der Schaffung des Norddeutschen Bundes 1867 sowie des deutschen Nationalstaats 1870/71 unter Ausschluss Österreichs geriet der ADF gleich in seiner Anfangszeit in schweres Fahrwasser. Er verlor seine österreichischen Mitglieder und fürchtete in den Kriegswirren um seinen Bestand. Nichtsdestotrotz gelang es ihm nach der Reichsgründung rasch, sich zu konsolidieren, neue Mitglieder zu gewinnen – 1877 sollen es etwa 12.000 gewesen sein – und sich in Deutschland auszubreiten.

Kurz nach dem ADF entstanden in einer ersten Welle zwischen 1866 und 1869 auch andere Vereine, die von Frauen gegründet, geleitet oder dominiert wurden und auf unterschiedlichen Feldern die Lebenssituationen von Frauen verbessern wollten. Einige traten dem ADF als Lokalvereine bei, andere nicht. Sie alle lassen sich zur entstehenden Frauenbewegung zählen.

Wie entwickelte sich die Frauenbewegung nach der Reichsgründung 1871 weiter?

Diese Anfangs- oder Formierungsphase der Frauenbewegung endete zu Beginn der 1890er-Jahre. Zum einen durften sich mit dem Fall des Sozialistengesetzes und einer gewissen Liberalisierung der Innenpolitik jetzt auch sozialdemokratisch ausgerichtete Arbeiterinnenvereine gründen, wenngleich sie weiterhin scharf überwacht wurden. Zum anderen trat nun stärker eine jüngere Frauengeneration hervor, die mit dem entstehenden Frauenvereinswesen bereits aufgewachsen war, mitunter im Ausland studiert hatte, manchmal in Kontakt zu ausländischen oder internationalen Fraueninitiativen stand und von dort Anregungen empfing. Für sie war es selbstverständlicher als noch für die Müttergeneration, am gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen, sich in Vereinen zusammenzuschließen und eigene Interessen zu vertreten.

In der Folge entstand eine Vielzahl von Frauenvereinen mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen, von den Bildungs- und Berufsvereinen über karikative und sozialfürsorgerische Vereine, Mutterschutz- und Sittlichkeitsvereine, Rechtsschutzvereine, Sportvereine, Damenclubs, Hausfrauenvereine, proletarische und sozialdemokratische Frauenvereine, gewerkschaftliche Interessenvertretungen, konfessionelle Frauenvereine, sogenannte Fortschrittliche Frauenvereine bis hin zu patriotisch-nationalistischen und kolonialen Frauenvereinen sowie solchen, die ein eng umrissenes Ziel, wie zum Beispiel die Popularisierung von Reformbekleidung, verfolgten. Als es schließlich 1908 für Frauen reichsweit möglich wurde , in politischen Organisationen Mitglied zu sein, bildeten sich schnell auch Frauenwahlrechtsvereine.

Als gemeinsame Dachorganisation der bürgerlichen Frauenbewegung entstand bereits 1894 unter Führung des ADF der Bund Deutscher Frauenvereine (BDF) in Berlin, dessen Vorsitzende bis 1899 Auguste Schmidt war. Er folgte dem amerikanischen Vorbild und verdeutlicht die beginnende Rezeption und internationale Vernetzung der Frauenbewegungen. Sein Ziel war es, bei aller Vielfalt die Einheit der deutschen Frauenbewegung in grundlegenden Fragen zu stärken. Dem entsprach der Grundsatz, nicht das Trennende, sondern das Verbindende zu betonen und sich als großer Verband für solche Ziele einzusetzen, die mehrheitsfähig waren. Doch immer wieder bröckelte die Einheitsfront, denn es kam zu Richtungskämpfen, Meinungsverschiedenheiten, Abspaltungen. Die unterschiedlichen Auffassungen über zu verfolgende Ziele und einzuschlagende Wege ließen sich in einem Verband, dem entschiedene Verfechterinnen des Frauenstimmrechts ebenso angehörten wie absolute Gegnerinnen, ja in dem es auf nahezu sämtlichen Arbeitsgebieten ‚Radikale‘ und ‚Gemäßigte‘ gab, nur schwer in Einklang zu bringen. Dennoch gingen von den Bundestagungen, Publikationen und den Kommissionen des BDF wichtige Impulse in die Gesellschaft des Kaiserreichs aus, die das wachsende Selbstbewusstsein und die zunehmende Gestaltungskraft der Bewegung verdeutlichten. Spätestens 1904, als die Presse breit über den vom BDF ausgerichteten Internationalen Frauenkongress des Internationalen Frauenbundes ICW (International Council of Women) in Berlin berichtete und international prominente Feministinnen wie Susan B. Anthony von Reichskanzler von Bülow, verschiedenen Ministern und Kaiserin Augusta empfangen wurden, konnte die Frauenbewegung einen bedeutenden Aufmerksamkeits- oder Achtungserfolg verbuchen.  

Welche Ziele verfolgte die Frauenbewegung im Kaiserreich?

Insgesamt erlebte die deutsche Frauenbewegung im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg ihre größte Blüte. Sie verfügte über eine vielfältige Vereinskultur  mit eigenen Publikationsorganen, Vereinshäusern, Beratungsstellen und konkreten Angeboten zur Verbesserung der Situation von Mädchen und Frauen. Ihre Akteurinnen riefen für Frauen beispielsweise Sonntags- und Fortbildungsschulen,  Lesezimmer und Bibliotheken, Haushalts-, Landwirtschafts- und Handelsschulen, Nähmaschinenunterricht, Mägdeherbergen, Speiseanstalten, Stellenvermittlungsbüros, Kindergärten, Kindergärtnerinnenseminare und Mädchenhorte ins Leben. Sie forderten die Öffnung neuer Erwerbsfelder für Frauen durch den Staat und in den Gemeinden, so in Krankenhäusern, Strafanstalten, in der Armenpflege und Kinder- und Jugendfürsorge. Dort, wo sie nicht selbst tätig werden konnten, wandten sie sich auf den Weg von Petitionen an Länderregierungen und Reichstag. Petitionsziele waren zum Beispiel die Anstellung von Frauen im Post- und Telegraphendienst, die Schaffung von Seminaren für Volksschullehrerinnen, die Öffnung der Universitäten für Frauen, die Verbesserung ihrer privatrechtlichen Stellung in Ehe und Familie oder die Abschaffung der reglementierten Prostitution. Darüber hinaus engagierten sich ihre Vertreterinnen in kommunalen Ehrenämtern, beispielsweise Schulausschüssen oder auf dem Gebiet der Armenpflege – diesen Punkt hat unter anderem Kerstin Wolff stark gemacht – und in internationalen Frauenorganisationen, wie dem bereits genannten Internationalen Frauenbund.

Diese zunehmende Einflussnahme im Interesse von Frauen und Mädchen beeindruckte unter anderem den Sozialdemokraten Augst Bebel, der 1910 meinte, dass es keine zweite Bewegung wie die Frauenbewegung gebe, „und zwar die bürgerliche wie die proletarische“, die in so kurzer Zeit so große Fortschritte in allen „Kulturländern“ der Erde erreicht habe. 1913 gehörten dem BDF 2200 Vereine mit zwischen 500.000 und einer Million Mitgliedern an, die bürgerliche Frauenbewegung war zur Massenbewegung geworden. Da das sozialistische Lager im BDF nicht vertreten war, ist die Zahl frauenbewegter Organisationen und Personen im Kaiserreich weitaus größer gewesen. Diese wachsende Bewegung rief natürlich Gegner auf den Plan, deren ‚harter Kern‘ sich 1912 im Deutschen Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation vereinte.

Wie bewerten Sie die erreichten Ziele/den Erfolg der Frauenbewegung?

Im Fazit möchte ich festhalten: Der 1865 in Leipzig von 35 Frauen gegründete ADF setzte nicht weniger als Frauenpolitik in Deutschland in Gang. Über das organisatorische Mittel des Vereins gelang es den Frauen Jahrzehnte vor der Erlangung des allgemeinen Wahlrechts, eigene Anliegen in die öffentliche Diskussion einzubringen und für ihre Durchsetzung zu wirken. So klein mancher Schritt gewesen sein mag − in der Summe erzeugten all diese Schritte eine innovative gesellschaftspolitische Wirkung und veränderten die Gesellschaft des Kaiserreichs nachhaltig. Die ungleichen Rechte der Frauen und die Forderung, dem ein Ende zu machen, wurden ein Thema, das aus der öffentlichen Debatte nicht mehr verschwand. Das revolutionierte jahrtausendealte patriarchale Denktraditionen und Geschlechterbeziehungen.

Erste Erfolge erzielte die Frauenbewegung auf dem Gebiet der sozialen Arbeit für Mädchen und Frauen im kommunalen Raum sowie auf dem Feld der Bildung  und Erwerbsarbeit. Der größte war die schrittweise Öffnung der deutschen Universitäten seit 1900 und die allmähliche Zulassung von Frauen zu akademischen Berufen. Doch nicht mehr das Kaiserreich, sondern erst die Novemberrevolution brachte 1918 das Frauenwahlrecht. Gleiche Rechte in Ehe und Familie aber ließen weitere Jahrzehnte auf sich warten und wurden zuerst in der DDR und etwas später in der Bundesrepublik gewährt.

https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/die-anfaenge-und-entwicklung-der-frauenbewegung-im-19-jahrhundert

2. Die Deutsche Frauenbewegung

Mit der 1865 erfolgten Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF) durch Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt begann die organisierte Form der Frauenbewegung in Deutschland. Frauen hatten bereits mit der Märzrevolution von 1848 Mündigkeit und Selbständigkeit gefordert, wurden aber durch das Versammlungs- und Vereinigungsrecht daran gehindert, sich zusammenzuschließen. Der ADF trat besonders für das Recht auf Bildung und Erwerbsarbeit für bürgerliche Frauen ein. Bis dahin war es Frauen nach Abschluss der Höheren Töchterschule nur möglich, Lehrerin zu werden. Helene Lange gründete dazu verschiedene Ausbildungsinstitute und versuchte über Petitionen, die wissenschaftliche und schulische Ausbildung für Mädchen und Frauen an die der Männer anzugleichen.

Gegen steife Ordnungen in Familie und Gesellschaft formierte sich im wilhelminischen Deutschland eine vielschichtige Reformbewegung. Über Generationen hinweg galt beispielsweise die durch das Korsett hervorgerufene Wespentaille als weibliches Ideal. Seit der Jahrhundertwende bekämpften nun neben Ärzten zumeist Frauenrechtlerinnen das traditionelle Korsett als Gefahr für die Gesundheit, aber auch als Symbol der Unfreiheit der Frauen. Für die meisten Frauen, insbesondere für die Fabrikarbeiterinnen, aber standen wirtschaftliche und soziale Probleme im Vordergrund.

Die Belange der Fabrik- und Lohnarbeiterinnen wurden von der proletarischen Frauenbewegung mit ihrer Führerin Clara Zetkin vertreten. Die proletarische Frauenbewegung war in die internationale sozialistische Arbeiterbewegung eingebettet und wollte daher die volle Frauenemanzipation durch eine Revolution erreichen. Die Frauenerwerbstätigkeit, das "Recht auf Arbeit", war für sie kaum ein Thema. Da die Zahl der Fabrikarbeiterinnen im 19. Jahrhundert kontinuierlich stieg, standen vielmehr die Verbesserung der harten Arbeitsbedingungen und die im Vergleich zu den männlichen Kollegen weitaus schlechtere Bezahlung sowie Arbeiterinnen- und Mutterschutz auf dem Programm.

Zur Vernetzung der vielen unterschiedlichen Frauenvereine wurde 1894 der Bund Deutscher Frauenvereine (BDF) als Dachverband gegründet, der sich außerdem dem "International Council of Women" (ICW) anschloss. Die Vereine der proletarischen Frauenbewegung blieben wegen politischer Differenzen ausgeschlossen.

Im Zuge der Ausarbeitung des Bürgerlichen Gesetzbuchs um die Jahrhundertwende setzten sich die Frauenbewegungen gemeinsam für die Verbesserung der privatrechtlichen Stellung der Frau ein. Der BDF tastete jedoch die bürgerliche Ehe- und Familienform nicht an. Die Diskussion um die Stellung lediger Mütter und den Abtreibungsparagraph 218 StGB führte innerhalb des BDF zu Richtungsstreitigkeiten zwischen dem konservativen Flügel und reformerischen Vereinen, die die Streichung des Paragraphen forderten. Im BDF setzte sich die konservative Richtung unter Gertrud Bäumer durch, was zu einer weiteren Spaltung der Frauenbewegung führte. Diese Spaltung manifestierte sich im Ersten Weltkrieg, als der BDF aus patriotischen Gründen die Teilnahme am Internationalen Frauenfriedenskongreß in Den Haag verweigerte und sich mit einer vaterländischen Gesinnung beispielsweise in dem von Bäumer organisierten "Nationalen Frauendienst" engagierte.

Die bürgerliche Frauenbewegung mit dem BDF kämpfte weiterhin für das Recht auf Bildung, für freie Berufswahl und die Zulassung zum Universitätsstudium. Das Immatrikulationsrecht wurde zwischen 1900 und 1909 in den Ländern durchgesetzt, 1920 erhielten Frauen das Habilitationsrecht, ab 1924 die Möglichkeit, Richterin zu werden. Außerdem trat 1908 die lang umkämpfte Vereinsfreiheit für Frauen in Kraft, die es Frauen ermöglichte, Mitglieder einer Partei zu werden.

Die Forderung nach politischer Gleichberechtigung blieb innerhalb des BDF umstritten. Erst dem 1902 von Mitgliedern des radikalen Flügels wie Anita Augspurg, Lida Gustava Heymann und Minna Cauer gegründete "Verband für Frauenstimmrecht" gelang es, eine Resolution zum Frauenstimmrecht innerhalb des BDF durchzusetzen. Für die proletarische Frauenbewegung war das Frauenwahlrecht schon immer eine zentrale Forderung gewesen.

Mit der Gründung der Weimarer Republik erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht. An den Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung beteiligten sich 78 Prozent der wahlberechtigten Frauen, 9,6 Prozent der Abgeordneten waren weiblich. Frauen blieben aber auch in den zwanziger Jahren in allen Parteien weiterhin unterrepräsentiert und waren kaum in hohen Parteiämtern vertreten.

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler löste sich der BDF auf, um der Gleichschaltung zu entgehen. Dies bedeutete das Ende einer eigenständigen Frauenbewegung in Deutschland und die Loslösung aus internationalen Verflechtungen. Viele der erkämpften Rechte, so das passive Wahlrecht oder der Lohngleichheitsgrundsatz wurden wieder abgeschafft.

Die Tendenz der Zersplitterung setzte sich in der Frauenbewegung in den zwanziger Jahren weiter fort. Der BDF wurde in seiner Ausrichtung konservativer und widmete sich der Bewahrung traditioneller Frauenrollen, während sich die proletarische Frauenbewegung durch die Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands(KPD) weiter zersplitterte. Die Frauen in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands(SPD) gründeten 1919 die "Arbeiterwohlfahrt" (AWO). Die pazifistischen Feministinnen schlossen sich wiederum in der "Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit" (IFFF) zusammen. Helene Stöckers "Bund für Mutterschutz und Sexualreform" setzte sich für Sexualaufklärung ein und kämpfte gegen den das Verbot der Abtreibung. Für Frauen aller politischen Richtungen wurde in der Weimarer Republik Sozialarbeit das wichtigste politische Arbeitsgebiet.

3. Erste feministische Bestrebungen: Statuten des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (1865)

Kurzbeschreibung

Der 1865 gegründete Allgemeine Deutsche Frauenverein bemühte sich vor allem um die Verbesserung der schulischen und der beruflichen Frauenbildung, womit er ihre überkommene Rolle als Hausfrau und Versorgerin der Familie in Frage stellte. Männer und verdiente Frauen aus dem Ausland durften nur Ehrenmitglieder mit Beratungsfunktion sein; finanziert wurde der Verein über Jahresbeiträge, freiwillige Beiträge von Männern und Einkünfte aus verschiedenen Veranstaltungen.

Quelle

STATUTEN DES ALLGEMEINEN DEUTSCHEN FRAUENVEREINS
angenommen am 17.10. 1865 auf der Frauenkonferenz in Leipzig

§ 1. Der Allgemeine deutsche Frauenverein hat die Aufgabe, für die erhöhte Bildung des weiblichen Geschlechts und die Befreiung der weiblichen Arbeit von allen ihrer Entfaltung entgegenstehenden Hindernissen mit vereinten Kräften zu wirken.

§ 2. Frauen und Mädchen, welche die Großjährigkeit erreicht, erlangen die Mitgliedschaft durch Eintrittserklärung, eine einmalige Eintrittsgebühr von 1/2 Thaler und einen jährlichen Beitrag von 2 Thalern. Jüngere Mädchen können gegen einen Jahresbeitrag von 1 Thaler als Zuhörerinnen ohne Stimmrecht zugelassen werden und an allen Vorteilen der Vereinigung teilnehmen. Männer, die sich für die Zwecke des Vereins interessieren und dies bestätigen, können als Ehrenmitglieder mit beratender Stimme aufgenommen werden, ebenso solche Frauen im Auslande, die für die Frauensache in rühmlicher Weise tätig waren.

§ 3. Die Einnahmen bestehen
a) aus den Jahresbeiträgen der Mitglieder,
b) aus den freiwilligen Beiträgen der Männer,
c) aus den Erträgen von Abendunterhaltungen, Concerten, Lotterien usw.

§ 4. Die Mitglieder, welche in einzelnen Orten in größerer Zahl wohnen, sind dringend eingeladen, Lokalvereine zu bilden, welche mit dem Vorstande in regem Verkehr zu bleiben haben.

§ 5. Mit der Leitung wird ein Vorort beauftragt, der jedes Jahr wieder ernannt werden kann.
Am Vororte wird ein Vorstand, der die laufenden Geschäfte zu besorgen hat, aus fünf Mitgliedern bestehend, bestellt.
Der Vorstand kann auch männliche Ehrenmitglieder beiziehen; sie haben beratende Stimme.
Der Vorstand bildet mit zehn auswärtigen Mitgliedern einen weiteren Ausschuß, der in wichtigen Fragen zusammenberufen wird und sich andere Mitglieder kooptieren kann.
Der Vorstand und Ausschuß werden jedes Jahr neu gewählt.

§ 6. Womöglich tritt jedes Jahr ein vom Vororte einberufener Frauentag zusammen; der Sitz desselben wechselt jährlich.
Die Lokalvereine sind gehalten, zu dem Frauentag Vertreter zu schicken.
Doch steht die Teilnahme jedem einzelnen Mitgliede des Allgemeinen deutschen Frauenvereins frei.

§ 7. Eine Revision der Statuten kann, wenn sie wünschenswert erscheint, an jedem Frauentage vorgenommen werden, jedoch sind zu jeder Änderung 3/4 der Stimmen der Anwesenden erforderlich."

 

4. Konservatike Kritik am Frauenaktivismus (Quelle)

Kurzbeschreibung

In diesem Auszug aus seinem Werk Die Familie (1852) übt Wilhelm Heinrich Riehl (1823–1897) scharfe Kritik an „emanzipierten“ Frauen und jeglicher Beteiligung der Frauen am öffentlichen Leben. Unter Hinweis auf die natürlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern fordert er die Frauen auf, neuen Stolz auf ihren „ächten Stand“ als Gattinnen und Hausfrauen zu entwickeln anstatt Frauenvereine zu gründen.

Quelle

[…]

Auch in Deutschland traten Frauen auf und machten Profession aus der Lehre der Entfesselung weiblicher Art und Sitte. Wir sehen nicht bloß in Paris, sondern auch in norddeutschen Städten, namentlich in den Jahren 1842–1848, Damen in Männerrock und Hosen, mit Sporen und Reitpeitsche, die wogende Feder auf dem Hut, die brennende Cigarre im Mund durch die Straßen stolziren und in den Bierkneipen zechen. Wir sehen Luise Aston – vor andern der „öffentliche Charakter“ unter dieser Gruppe – ausgewiesen, eine „Märtyrerin“. Sie wird wegen Preßvergehen angeklagt, weil ihre „wilden Rosen“ als zu stacheligt erschienen waren, und steht mannhaft dem Berliner Polizeipräsidenten, Herrn von Puttkammer, Rede, und entwickelt ihm in großer Geläufigkeit ihre politischen, religiösen und socialen Ansichten, nicht ohne einige theoretische Excurse über die Ehe und die Freigebung der Naturrechte der Frauen. Nachgehends wird sie wieder ein Weib und geht mit in den schleswig-holsteinischen Feldzug, um in den Spitälern zu helfen und die verwundeten Krieger zu pflegen. Und diese vielbesprochene Dame war nicht etwa ein tolles Mädchen oder eine alte Jungfer, sondern eine, wenn auch geschiedene Gattin, eine Mutter. Die Ehe wirkt sonst am tiefsten dahin, das Weib weiblich zu bewahren. Die Ueberweiblichkeit aber begreift den Ernst der Ehe nicht mehr; wie in ihr das Geschlecht schrankenlos in seiner Eigenart sich gehen läßt, so auch das Individuum. Da bleibt kein Raum mehr zur Opferwilligkeit für die große Idee der Familie und des Hauses. Jene emancipirte Frau war die Tochter eines deutschen Landpfarrers, in der Einsamkeit des Dorfes erzogen, von früh auf nur ein schwärmerisches Gemüthsleben führend, dann einem reichen, nüchternen englischen Maschinenfabrikanten angetraut, aus ihrer Einsamkeit plötzlich in die fremde große Welt gestoßen. Da waren alle Vorbedingungen zur Ueberweiblichkeit gegeben.

Wenn Tausende von Männern gegenwärtig aus dem socialen Geleise kommen, weil sie, in zärtlichster Besorgniß um sich selbst, die „rechte Existenz“ und den „rechten Beruf“ verfehlt zu haben wähnen: dann werden Tausende von Frauen irre an der natürlichen Stellung des Weibes, weil sie, bei gleicher Selbstverhätschelung in den falschen Ehebund getreten zu seyn glauben. Gerade für den Ernst der Ehe sind wir im Durchschnitt viel zu sentimental gegenüber unserm werthen Ich, zu zärtlich gegen uns selbst. Das wirkt die Ueberweiblichkeit, die auch Männer weibisch macht. Vordem war man fatalistischer, oder, wenn man will, gottergebener, biß die Zähne zusammen und hielt den einmal erwählten Beruf, die einmal geschlossene Ehe als eine in Gottes Rathschluß vollendete Thatsache fest, und so gab es gar keine communistischen Männer und nur wenige emancipirte Frauen. Das ist ja eben das eigentliche Salz der Ehe, daß man, wenn man einmal Ja gesagt hat, nicht wieder Nein sagen kann.

In solchen Erscheinungen wie Luise Aston sehen wir die Frucht unserer ungesunden literarischen Entwickelungen. Aus Ueberweiblichkeit copirt die Dame die Männer, zeigt aber auch zugleich den Männern, wie weibisch sie geworden sind. Die Frau besitzt einen ungleich mächtigeren Nachahmungstrieb als der Mann. Er muß ihr zum Theil die mindere Schöpfungskraft ersetzen. Die Gier, mit welcher so viele literarische Damen gerade der blasirtesten, zerrissensten, innerlich faulsten Poesie der Zeit nachahmend sich zuwenden, gemahnt mich an die russischen Poeten und Künstler, die auch nur solche Schöpfungen des abendländischen Europa, welche tüchtig von der Verderbniß veräußerlichter Cultur angefressen sind, nachzuahmen pflegen.

Es ist sehr verführerisch, hier eine Parallele zwischen den Slaven und den Frauen zu ziehen. Die Slaven sind ein gemüthliches, häusliches, in der Selbstbeschränkung zufriedenes Volk, ganz nach guter Frauen Art, singen gern und gut und tanzen noch besser, halten fest an väterlicher Sitte und haben viel passive Tapferkeit, wie das alles auch bei guten Frauen seyn soll. Aber es fehlt ihnen der erfinderische und künstlerisch selbstschöpferische Geist. Dafür sind sie wunderbare Virtuosen in der Nachahmung; gerade wie die Frauen. Wenn sie – die Slaven – aber einmal beginnen, fremde Art nachzuahmen, dann werden sie wahrhaft zügellos in der Aufnahme des Ausländischen, vor dem sie sonst spröde sich abschließen. Also: national und conservativ in den Sitten, im ruhenden Seyn und Wesen; fessellos dem Fremden hingegeben in der Productivität. Das ist auch Frauen-Art, und bei diesem Geschlecht so wenig ein innerer Widerspruch wie bei jenem Volk.

Aber nicht bloß bei den sogenannten emancipirten Damen, auch bei Frauen ganz entgegengesetzter Art bricht die Ueberweiblichkeit hervor und steckt uns mit ihrem marklosen Wesen an. Als im vorigen Jahrhundert der Pietismus von einem deutschen Schloß und Herrenhause zum andern zog, waren es vorzugsweise die Gräfinnen und Baronessen, welche die neue weiche, schwärmerische Gemüthsstimmung hegten, dieselbe dann noch weicher und kranker auf die Männer wieder zurück leiteten, den Pfarrer spielten, als seyen sie ordinirt und nach Außen auf‘s trefflichste Propaganda machten für ihre Partei. Das war auch Ueberweiblichkeit, die in‘s Männliche umschlug und unter deren Einfluß die ganze Sache verdarb.

Viele unserer heutigen milden und frommen Frauenvereine zur Heilung von allen möglichen sittlichen und socialen Schäden trifft derselbe Vorwurf. Der rechte Frauenverein ist das Haus. Wenn eine wohlhabende Frau einsam steht, dann soll sie sich vorerst umschauen, ob in ihrer Sippe keine Familie ist, bei der sie als „alte Tante“ einziehen kann und mitarbeiten am Hause. Es ist dieß immer noch ein stolzerer und weiblicherer Wirkungskreis denn Präsidentin mehrerer Frauenvereine zu seyn. Kann sie nicht alte Tante werden, dann gibt es vielleicht ein Kloster, wo sie arme Kinder erziehen und als in einem großen Hause mit den andern Nonnen zusammenleben und wirken kann. Schickt es sich aber auch mit dem Kloster nicht, dann möge sie in Gottes Namen Frauenvereine gründen und leiten. Ich weiß recht wohl, wie viel Frauenmilde, Frauenbarmherzigkeit, Frauenaufopferung in solchen Vereinen als in einem köstlichen Gefäß geborgen liegt. Ich weiß aber auch, daß gar oft das überweibliche Gelüsten die Männer nachzuahmen dahinter spuckt und daß die großartigsten Gedanken umfassender Association zur Hülfe in unsern socialen Nöthen häufig travestirt werden in diesem weiblichen Vereinswesen und dadurch unmöglich gemacht. Es gibt auch viele Frauen, die dadurch ihrem Hause ohne Gewissensbisse zu entschlüpfen wähnen, daß sie in einen milden, frommen Verein gehen. Aber ihr Gewissen wird eines Tages wach werden und wird ihnen sagen, daß eine Frau nicht gerecht werden kann vor dem Herrn, wenn sie nicht vorher gerecht worden ist vor ihrem Hause. Es ist am Ende bloß ein kleiner Unterschied, durch Erziehung und Lebensgewohnheit bedingt, ob man sich dem Hause entzieht, indem man im Verein sich mit Plänen zur Aufhülfe der nothleidenden Klassen unterhält oder im Literatenklubb über Freiheit und Gleichheit räsonnirt.

Ein merkwürdiges Zeugniß, wie ganz und gar der Begriff von dem Ernst und der Würde des Eheberufs in der zimperlichen Ueberweiblichkeit untergegangen ist, liegt darin, daß sich feine Damen am meisten geschmeichelt fühlen, wenn sie Einer gar nicht für Hausfrauen oder Mütter hält. Es ist hier bei dem weiblichen Berufe ganz dieselbe Erscheinung, wie wenn der Schneider sich schämt, ein Schneider zu heißen – ächtes sociales Philisterthum! Wo ist doch der Stolz der Frauen hingekommen auf den Ehestand als den „ächten Stand“, auf den Segen einer zahlreichen Familie und Verwandtschaft, auf das Haus mit allem was dazugehört, auf die selbstgesponnene Leinwand, auf deren Menge die Frauen vordem so ehrgeizig erpicht waren, wie der Bauer auf den größten Misthaufen. Denn beides war das sicherste Wahrzeichen glänzender Wirthschaft.

[…]

 

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Prof. Dr. Susanne Schötz (2024): Die Anfänge und Entwicklung der Frauenbewegung im 19. Jahrhundert , in: Digitales Deutsches Frauenarchiv URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/die-anfaenge-und-entwicklung-der-frauenbewegung-im-19-jahrhundert, zuletzt besucht am: 27.05.2025.

-> https://www.youtube.com/watch?v=vCHVlxqfGv8, zuletzt geprüft am 27.05.2025. 

-> Albrecht, Kai-Britt: Die Deutsche Frauenbewegung, in: LeMO Zeitstrahl (Lebendiges Museum Online), online verfügbar seit 14.09.2024 unter: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/innenpolitik/frauen, zuletzt geprüft am 15.07.2026.

-> Erste feministische Bestrebungen: Statuten des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (1865), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, <https://germanhistorydocs.org/de/vom-vormaerz-bis-zur-preussischen-vorherrschaft-1815-1866/ghdi:document-450> [06.06.2026], zuletzt geprüft am 17.09.2026.

-> Konservative Kritik am Frauenaktivismus (1852), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, <https://germanhistorydocs.org/de/vom-vormaerz-bis-zur-preussischen-vorherrschaft-1815-1866/ghdi:document-447> [06.06.2026], zuletzt geprüft am 17.09.2026.

Sekundärliteratur

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Die Arbeiterbewegung

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Arbeiterbewegung
  2. Rebell im Rheinland. Ferdinand Lassalle, die Revolution 1848/1849 und die Arbeiterbewegung

1. Die Arbeiterbewegung

Für den 1847 in London entstandenen "Bund der Kommunisten" stellten Karl Marx und Friedrich Engels mit dem "Kommunistischen Manifest" von 1848 das erste Grundsatzprogramm der Arbeiterbewegung auf: Sie forderten den Klassenkampf des internationalen Proletariats als Mittel zur Überwindung des Kapitalismus. Das Manifest endet mit den Worten: "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" Diese Losung verdeutlicht das transnationale Leitbild der europäischen Arbeiterbewegung im beginnenden industriellen Zeitalter, eine bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 von den meisten führenden Sozialdemokraten und Sozialisten ernsthaft verfolgte Wunschvorstellung.

Am Anfang der organisierten Arbeiterbewegung standen zumeist Arbeiterbildungsvereine, die Bildungsarbeit mit kulturellen Angeboten und politischen Zielen verbanden. In Deutschland war es maßgeblich Ferdinand Lassalle, der immer wieder demokratische und sozialökonomische Reformen zum Wohl der Arbeiterklasse forderte, die sich mehrheitlich aus lohnabhängigen und zumeist ungelernten Arbeitern, Tagelöhnern und verarmten Handwerkern zusammensetzte. Lassalle gründete als ersten zentralen Verein 1863 in Leipzig den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV), der von dem Grundsatz ausging, dass die Durchsetzung des gleichen und allgemeinen Wahlrechts eine parlamentarische Vertretung der sozialen Interessen der Arbeiter und die Beseitigung der Klassengegensätze ermöglichen würde. Demgegenüber vertrat die 1869 unter Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach gegründete Sozialdemokratische Arbeiterpartei strenger an Marx orientierte revolutionäre Grundsätze.


Die darstellende Kunst bildete mit Gemälden wie "Der Sozialist" eine Bühne zur Formung des Selbstverständnisses der sozialdemokratischen Bewegung nach der Reichseinigung 1871. Neben dem Leipziger "Vorwärts" und dem "Hamburg-Altonaer Volksblatt" gehörte die ab 1876 erscheinende "Berliner freie Presse" zu den drei großen sozialdemokratischen Tageszeitungen im Deutschen Reich. Ihr Titelmotto "Freiheit, Gerechtigkeit" stand allerdings in krassem Widerspruch zur Lebenswirklichkeit politisch engagierter Arbeiter: Hausdurchsuchungen, Verbote, Beschlagnahmungen und Verhaftungen waren auch schon vor Erlass des Sozialistengesetzes 1878 an der Tagesordnung. Sie steigerten die Unzufriedenheit und den Hass vieler Arbeiter und anderer Menschen auf den konservativen Staat und seine Gesellschaftsordnung.


Unter dem Eindruck gemeinsamer politischer Verfolgung durch Reichskanzler Otto von Bismarck hatten sich der ADAV und die Sozialdemokratische Arbeiterpartei 1875 in Gotha trotz programmatischer Differenzen zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) zusammengeschlossen. Aufgrund des Sozialistengesetzes wurde die SAP 1878 verboten, gründete sich aber nach dessen Aufhebung 1890 als Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) neu. Noch immer bestand ein deutlicher Widerspruch zwischen den bei vielen Arbeitern auf Sympathie stoßenden revolutionären Theorien von Marx und den realen Möglichkeiten ihrer Umsetzung. Innerhalb der SPD-Führung setzte sich in den 1890er Jahren die Überzeugung durch, eine "revolutionäre, nicht aber Revolutionen machende Partei" zu sein.


Innerhalb der Arbeiterschaft sah sich die SPD einem starken Gegner in Gestalt der christlichen Gewerkschaften gegenüber. Viele Arbeiter fühlten sich von sozialistischen Ideen angezogen und hatten sich von der Kirche abgewandt. Die Kirchen unternahmen daher Anstrengungen, diesen Tendenzen entgegenzuwirken: Mit Wanderarbeiterstätten, Arbeiterkolonien und karitativer Unterstützung versuchten sie, Arbeiter an sich zu binden. Sozialpolitische Aktivitäten ließen den deutschen Katholizismus nach der Sozialdemokratie zur zweiten großen Kraft innerhalb der Arbeiterbewegung werden. Die ab 1894 gegründeten christlichen Gewerkschaften besaßen annähernd 350.000 Mitglieder. Ihre Hochburgen lagen in den Industriezentren an Rhein, Ruhr und Saar sowie in Schlesien. Aufgrund der starken konfessionellen Bindungen an die Katholische Kirche waren viele dort ansässige Arbeiter auch Mitglied in einem der christlichen Arbeitervereine.

Die Forderungen der Arbeiterbewegung galten vor allem sozialen Maßnahmen, denen häufig auch durch Streiks Nachdruck verliehen wurden. Gegenüber Krankheit, Unfall oder Arbeitslosigkeit waren Arbeiter nicht abgesichert. Sie raubten den Menschen ihre Existenzgrundlage und konnten Familien schnell in den Ruin treiben. Als die Forderungen nach Schutz vor dem Abstieg in die Armut immer lauter wurden, reagierte Bismarck ab 1883 mit der Einführung von Sozialgesetzen. Bismarck hatte erkannt, dass die unübersehbare soziale Not in Deutschland ein staatliches Eingreifen erforderte. Zugleich wollte er mit der Sozialgesetzgebung die Arbeiter der Sozialdemokratie entfremden und an den Staat binden. Ein Hauptziel der Arbeiterschaft war die Einführung des Achtstundentags. Diese Forderung wurde allerdings erst im Zuge der Revolution von 1918/19 verwirklicht.

2. Rebell im Rheinland. Ferdinand Lassalle, die Revolution 1848/1849 und die Arbeiterbewegung

1. Einleitung

An drei be­deu­ten­de Ge­denk­ta­ge er­in­nert die­ser Bei­trag: 165 Jah­re sind seit der Re­vo­lu­ti­on von 1848/1849 mit dem Rhein­land als ei­nem der Zen­tren ver­gan­gen, vor 150 Jah­ren, am 23.5.1863, wur­de in Leip­zig der All­ge­mei­ne Deut­sche Ar­bei­ter­ver­ein (ADAV) ge­grün­det, ein Vor­läu­fer der SPD. Für bei­de Da­ten steht pro­mi­nent Fer­di­nand Las­sal­le, der als An­walt und po­li­ti­scher Agi­ta­tor wäh­rend der 48er Re­vo­lu­ti­on ma­ß­geb­lich im Rhein­land ge­wirkt und den ADAV mit­ge­grün­det hat.[1]  Sein To­des­tag jährt sich am 31.8.2014 zum 150. Mal.

Las­sal­le setz­te sich für tief­grei­fen­de ge­sell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen ein: Als mit­rei­ßen­der Red­ner im Ge­richts­saal und auf den Stra­ßen von Bar­men (heu­te Stadt Wup­per­tal), Duis­burg, Köln, Neuss, Rons­dorf (heu­te Stadt Wup­per­tal), So­lin­gen, Wer­mels­kir­chen, als ei­ner der Füh­rer des Bar­ri­ka­den­baus in Düs­sel­dorf so­wie als füh­ren­des Mit­glied des Düs­sel­dor­fer Volks­klubs. Er hat­te sich in jun­gen Jah­ren die An­er­ken­nung Hein­rich Hei­nes er­wor­ben, stand in en­gem Kon­takt mit Karl Marx, und selbst Bis­marck (1815-1898) zoll­te ihm Re­spekt. Sein po­li­ti­sches En­ga­ge­ment brach­te ihm mehr­fach Haft­zei­ten ein, zu­letzt ei­ne An­kla­ge we­gen Hoch­ver­rats. Zu die­ser Zeit war er be­reits der ers­te Prä­si­dent des ADAV. Sein be­weg­tes Le­ben en­de­te in ei­nem Du­ell.

Dass aus­ge­rech­net der Spross ei­ner gut si­tu­ier­ten jü­di­schen Kauf­manns­fa­mi­lie zu ei­nem Prot­ago­nis­ten der Re­vo­lu­ti­on am Rhein und der Ar­bei­ter­be­we­gung in Deutsch­land wur­de, ist be­zeich­nend. Denn nicht von un­ge­fähr ist die 48er Re­vo­lu­ti­on als „bür­ger­li­ch“ und die Frank­fur­ter Na­tio­nal­ver­samm­lung  als „Aka­de­mi­ker­par­la­men­t“ cha­rak­te­ri­siert wor­den.[2]  Vor die­sem Hin­ter­grund fällt Las­sal­les bio­gra­phi­sches Pro­fil we­ni­ger aus dem Rah­men, als man es bei ei­nem bür­ger­lich-aka­de­mi­schen Füh­rer der Ar­bei­ter­be­we­gung er­war­ten wür­de.

2. Ferdinand Lassalle: Herkunft, Ausbildung, Einflüsse

Las­sal­le, mit blau­en Au­gen, blon­den krau­sen Haa­ren, schlank und mög­li­cher­wei­se kurz­sich­tig, kam aus be­tuch­tem Hau­se: Sein Va­ter Heyman Las­sal (1791-1862) war ein wohl­ha­ben­der Sei­den­händ­ler und Stadt­rat in Bres­lau, sei­ne Mut­ter Ro­sa­lie Heitz­feld (1797-1870) stamm­te aus ei­ner Händ­ler­fa­mi­lie. Der am 11.4.1825 in Bres­lau ge­bo­re­ne Sohn Fer­di­nand folg­te nicht der Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on, son­dern brach den Be­such der Han­dels­schu­le ab und eig­ne­te sich selbst phi­lo­so­phi­sche Kennt­nis­se an, die er 1843 bis 1846 im Stu­di­um in Bres­lau und Ber­lin ver­tief­te. Früh in­ter­es­sier­te er sich für po­li­ti­sche und so­zia­le Fra­gen. Sei­ne Ide­en reich­ten von ei­ner Re­form des Ju­den­tums, um des­sen ge­sell­schaft­li­che Son­der­stel­lung zu be­en­den, bis hin zur De­mo­kra­ti­sie­rung der Ge­samt­ge­sell­schaft. Er selbst maß der Re­li­gi­on of­fen­bar kei­ne über­mä­ßi­ge Be­deu­tung bei.[3]

Ei­ne Rei­se nach Pa­ris 1845/1846 brach­te ihn mit Hein­rich Hei­ne zu­sam­men, der ihm „grö­ß­ten Scharf­sin­n“[4]  be­schei­nig­te, so­wie mit Ge­org Her­wegh (1817-1875), dem spä­te­ren Füh­rer der 48er Re­vo­lu­ti­on in Ba­den. Die­se Be­geg­nun­gen be­rei­te­ten den Weg für Las­sal­les po­li­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten. Aus Be­wun­de­rung für den fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­ons­ge­ne­ral An­toi­ne La Sal­le (1775-1809) än­der­te Fer­di­nand zu­dem sei­nen Nach­na­men 1846 in Las­sal­le. Wäh­rend er Hei­ne bei ei­ner Erb­schaft­saus­ein­an­der­set­zung un­ter­stütz­te, ent­deck­te Las­sal­le die Rechts­ma­te­rie als Mit­tel des ge­sell­schaft­lich-po­li­ti­schen Kamp­fes – ei­nes Kamp­fes, der ihn 1848/1849 wech­sel­wei­se auf die Bar­ri­ka­den und ins Ge­fäng­nis führ­te.

3. Lassalle im revolutionären Rheinland

Zu­nächst führ­te ihn das In­ter­es­se am Recht im Som­mer 1846 nach Düs­sel­dorf, wo er in ei­ner acht Jah­re dau­ern­den Se­rie von Pro­zes­sen die Grä­fin So­phie von Hatz­feldt ver­trat. Das Pri­va­te nahm in der re­vo­lu­tio­nä­ren At­mo­sphä­re rasch po­li­ti­sche Zü­ge an. Da­zu trug Las­sal­le ma­ß­geb­lich bei. Im Schei­dungs­pro­zess ge­gen So­phies Mann Ed­mund (1796-1874) er­kann­te Las­sal­le ei­ne Ge­le­gen­heit, sich – wie er im nach­hin­ein pa­the­tisch schrieb – als jun­ger, macht­lo­ser Ju­de […] ge­gen die Macht des Ran­ges und der gan­zen Aris­to­kra­tie, ge­gen die Macht ei­nes un­be­grenz­ten Reich­tums, ge­gen die Re­gie­rung, […] ge­gen al­le nur mög­li­chen Vor­ur­tei­le[5]  zu en­ga­gie­ren.

Die Auf­se­hen er­re­gen­den Pro­zes­se nutz­te Las­sal­le als Büh­ne für po­li­ti­sche Auf­trit­te. Mit der für ihn ty­pi­schen Selbst­ge­wiss­heit be­rich­te­te er spä­ter, wie er es als ju­ris­ti­scher Laie ge­schafft ha­be, der Grä­fin zum Sieg zu ver­hel­fen: In­dem ich die Pro­zes­se führ­te, wur­de ich selbst Ju­rist; […] und nach zwei Jah­ren [...] über­traf ich sie al­le.[6]  An­de­rer­seits tru­gen ihm die Pro­zes­se nicht ganz von der Hand zu wei­sen­de Be­schul­di­gun­gen we­gen il­le­ga­ler Prak­ti­ken bei der Be­weis­mit­tel­be­schaf­fung ein. Er wur­de vor dem kö­nig­li­chen As­sis­en­hof in Köln als in­tel­lek­tu­el­ler Ur­he­ber ei­nes Dieb­stahls an­ge­klagt und ver­brach­te die ers­te Jah­res­hälf­te 1848 in Un­ter­su­chungs­haft. So konn­te er nicht an der März­re­vo­lu­ti­on teil­neh­men.

Mit ei­ner elo­quen­ten Ver­tei­di­gungs­re­de ge­lang es ihm schlie­ß­lich, die Ge­schwo­re­nen zu über­zeu­gen und im Au­gust 1848 sei­ne Frei­las­sung zu er­rei­chen. Aus der zeit­li­chen Dis­tanz be­ur­teil­te er die­sen ge­won­ne­nen Pro­zess als Mei­len­stein für sei­ne po­li­ti­sche Kar­rie­re: Seit die­sem Tag er­kann­te mich die de­mo­kra­ti­sche Par­tei in der Rhein­pro­vinz als ei­nen ih­rer Haupt­füh­rer an.[7]  Ganz un­recht hat­te er da­mit nicht, wur­de ihm doch am 31. Au­gust der Vor­sitz des Düs­sel­dor­fer Volks­klubs an­ge­tra­gen.[8]  Er lehn­te ihn je­doch ab, um sich dem Ge­biet wid­men zu kön­nen, auf dem er sei­ne grö­ß­te Be­ga­bung sah: der Re­de vor Pu­bli­kum. So trat er am 9. Sep­tem­ber in Neuss bei ei­ner öf­fent­li­chen Ver­samm­lung vor rund 6.000 Men­schen, an­ge­führt von et­wa 200 Mit­glie­dern des Volks­klubs und des de­mo­kra­ti­schen Ver­eins, ge­gen die preu­ßi­sche Re­gie­rung auf.[9]

Als sich im Herbst 1848 die Fron­ten ver­här­te­ten und die re­vo­lu­tio­nä­re Be­we­gung sich wei­ter ra­di­ka­li­sier­te, spie­gel­te sich dies auch im nörd­li­chen Rhein­land und in Las­sal­les En­ga­ge­ment wi­der. Im No­vem­ber un­ter­stütz­te er, ei­nem Vor­schlag sei­nes Freun­des Karl Marx fol­gend, in Düs­sel­dorf ei­nen Auf­ruf an al­le Steu­er­pflich­ti­gen zur Ver­wei­ge­rung der Steu­er­zah­lun­gen.[10]  Die­se Pro­test­form soll­te der Re­gie­rung die fi­nan­zi­el­le Ba­sis ent­zie­hen. Und Las­sal­le ging noch wei­ter: Am 21. No­vem­ber rief er auf ei­ner Volks­ver­samm­lung in Neuss zum be­waff­ne­ten Kampf ge­gen die dro­hen­de Be­la­ge­rung auf.[11]  Dar­auf­hin wur­de er er­neut ver­haf­tet und muss­te sich vor dem Land­ge­richt Düs­sel­dorf ver­ant­wor­ten. Es ge­lang ihm auch dies­mal zu­nächst, sich er­folg­reich zu ver­tei­di­gen. Er wur­de am 6.5.1849 von der An­kla­ge zum Ge­walt­auf­ruf frei­ge­spro­chen, dann aber we­gen Be­lei­di­gung des Ge­ne­ral­pro­ku­ra­tors (Staats­an­walts) in Haft ge­nom­men und am 5. Ju­li des Jah­res zu ei­ner sechs­mo­na­ti­gen Haft­stra­fe ver­ur­teilt.[12]

Auch nach dem Schei­tern der Re­vo­lu­ti­on blieb Las­sal­le sei­nen re­vo­lu­tio­nä­ren Idea­len und der Ar­bei­ter­be­we­gung ver­bun­den, und da­mit auch im Vi­sier der Ob­rig­keit. Ein De­nun­zi­ant be­rich­te­te der Düs­sel­dor­fer Po­li­zei von den po­li­ti­schen Äu­ße­run­gen wäh­rend Las­sal­les Ge­burts­tags­fei­er im April 1853, bei der auch Ar­bei­ter zu­ge­gen wa­ren: Die gan­ze Un­ter­hal­tung dreh­te sich le­dig­lich um Po­li­tik in der kras­ses­ten Be­deu­tung, um Mord­bren­ne­rei und Tot­schlä­ge­rei, na­ment­lich der be­sit­zen­den und re­gie­ren­den Klas­se, und es fand ei­ne leb­haf­te De­bat­te dar­über statt, ob es recht sei die Fürs­ten zu mas­sa­krie­ren? Dies wur­de aber als recht an­er­kannt […].[13]

Nach dem En­de der Pro­zes­se um So­phie von Hatz­feldt zog es Las­sal­le nach Ber­lin. Als sein Auf­ent­halts­ver­bot 1857 auf­ge­ho­ben wur­de, über­sie­del­te er mit So­phie, die sei­ne po­li­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten nach Kräf­ten un­ter­stütz­te, dort­hin. Ob die Be­zie­hung je über ei­ne Ar­beits- und pla­to­ni­sche Freund­schaft hin­aus­ging, ist nicht ge­klärt; für die po­li­ti­sche Ge­schich­te ist dies oh­ne­hin von un­ter­ge­ord­ne­ter Be­deu­tung. Es folg­ten ei­ni­ge Aus­lands­rei­sen in die Schweiz und nach Ita­li­en, wo sich Las­sal­le von Giu­sep­pe Ga­ri­bal­di (1807-1892), dem Kämp­fer für die na­tio­na­le Ei­ni­gung, in­spi­rie­ren ließ. Las­sal­les Un­ter­stüt­zung für die Idee, dass Preu­ßen ei­ne star­ke Stel­lung in­ner­halb ei­nes ge­samt­deut­schen Staa­tes ein­neh­men sol­le, wird die­ser Be­geg­nung mit dem ita­lie­ni­schen Re­vo­lu­tio­när zu­ge­schrie­ben. Zu­rück in Ber­lin trat Las­sal­le mit ei­nem Pro­gramm auf, das ei­ne Ar­bei­ter­par­tei als po­li­ti­sche In­ter­es­sen­ver­tre­tung vor­sah. Sein Ein­tre­ten für ei­ne so­zia­lis­ti­sche Ge­sell­schaft durch Evo­lu­ti­on statt Re­vo­lu­ti­on be­wirk­te zwei­er­lei: die Ab­wen­dung der Mar­xis­ten von ihm und das An­ge­bot aus Leip­zig, ei­nen noch zu grün­den­den deut­schen Ar­bei­ter­ver­ein zu lei­ten. Las­sal­le stell­te in sei­ner Ant­wort auf die­ses An­ge­bot sei­ne Zie­le vor: das all­ge­mei­ne und glei­che Wahl­recht so­wie die Bil­dung von Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten. Am 23.5.1863 er­folg­te dann in Leip­zig die Grün­dung des All­ge­mei­nen Deut­schen Ar­bei­ter­ver­eins und die Wahl Las­sal­les zu des­sen ers­tem Prä­si­den­ten.

In die­ser Funk­ti­on reis­te Las­sal­le noch ein­mal zur Agi­ta­ti­on ins Rhein­land. Als die Po­li­zei ei­ne Ver­samm­lung von et­wa 5.000 Ar­bei­tern in So­lin­gen auf­lös­te, pro­tes­tier­te Las­sal­le in ei­nem Te­le­gramm an Bis­marck.[14]  Tat­säch­lich hat­te es schon zu­vor Kon­tak­te zwi­schen bei­den Po­li­ti­kern ge­ge­ben, trotz ih­rer kon­trä­ren Stand­punk­te: Bis­marck hat­te am 11.5.1863 Las­sal­les Ex­per­ten­mei­nung zur Ar­bei­ter­fra­ge an­ge­fragt.[15]  Die bei­den tra­fen sich seit Sep­tem­ber 1863 mehr­fach im ge­hei­men, um Mög­lich­kei­ten der Ein­fluss­nah­me auf­ein­an­der aus­zu­lo­ten, doch oh­ne nach­hal­ti­ge Fol­gen. Jah­re nach Las­sal­les Tod, 1878, äu­ßer­te sich Bis­marck im Reichs­tag  lo­bend über Las­sal­les In­tel­lekt und die lan­gen in­ter­es­san­ten Ge­sprä­che.[16]

4. Tod und Nachleben

Be­reits ein Jahr nach der Grün­dung des ADAV starb Las­sal­le am 31.8.1864 an den Fol­gen ei­nes Du­ells. Die­ser un­ge­wöhn­li­che Tod für ei­nen Re­vo­lu­tio­när und Ar­bei­ter­füh­rer zeig­te deut­lich, wie sehr er bür­ger­li­chen Wer­ten ver­haf­tet ge­blie­ben war. Er selbst hat­te das Du­ell als über­kom­me­nes Ri­tu­al be­zeich­net und sah sich dar­in von Marx be­stä­tigt. An­lass für die töd­li­che Aus­ein­an­der­set­zung war ein Streit um ei­ne Frau, nicht et­wa die lang­jäh­ri­ge Freun­din So­phie von Hatz­feldt, son­dern He­le­ne von Dön­ni­ges (1843-1911), die Toch­ter ei­nes baye­ri­schen Di­plo­ma­ten. Las­sal­le wur­de auf dem jü­di­schen Fried­hof sei­ner Ge­burts­stadt Bres­lau bei­ge­setzt. Der Lei­chen­zug schlug im Rhein­land noch ein­mal ho­he Wo­gen.

Um das po­li­ti­sche Er­be be­müh­te sich un­ter an­de­rem So­phie von Hatz­feldt; sie er­lang­te je­doch kei­nen ent­schei­den­den Ein­fluss. Der von Las­sal­le ge­führ­te Ar­bei­ter­ver­ein schloss sich 1875 mit der So­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Ar­bei­ter­par­tei zur So­zia­lis­ti­schen Ar­bei­ter­par­tei Deutsch­lands zu­sam­men, die sich 1890 in So­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Par­tei Deutsch­lands  um­be­nann­te.

Las­sal­le blieb mit sei­nen viel­fäl­ti­gen Be­ga­bun­gen und Ak­ti­vi­tä­ten in der Wahr­neh­mung der Nach­welt wohl am ehes­ten so in Er­in­ne­rung wie er sich 1860 selbst be­schrieb, als Mann der Po­li­tik.[17]

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Rogasch, Wilfried; Scriba, Arnulf: Die Arbeiterbewegung, in: Lebendiges Museum Online (lemo), online verfügbar seit 25.08.2014 unter: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/innenpolitik/arbeiterbewegung, zuletzt geprüft am 12.05.2026.

-> Boden, Ragna, Rebell im Rheinland. Ferdinand Lassalle, die Revolution 1848/1849 und die Arbeiterbewegung, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/rebell-im-rheinland.-ferdinand-lassalle-die-revolution-18481849-und-die-arbeiterbewegung/DE-2086/lido/57d12cf49c8909.43544228 (abgerufen am 03.09.2026)


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Sekundärliteratur

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