Massenkultur und Vergnügen

Sport und Bewegung
Inhaltsverzeichnis 

 

 Max Schmeling, Sportidol für Generationen 

 Rhönrad 1921. Otto Feick 

 

 

   

 

 

 

 

 1. Max Schmeling, Sportidol für Generationen 

 

 

 

 Max Schmeling ist bis heute der einzige deutsche Box-Weltmeister aller Klassen. Zur Legende machte ihn jedoch ein Sieg in einem Nicht-WM-Kampf: der K.o. gegen den als unbesiegbar geltenden Joe Louis in New York. Am 28. September 1905 wurde er in Klein Luckow geboren. Es gibt viele Geschichten über Max Schmeling, eine aber bleibt immer in Erinnerung: Drei Uhr morgens in Deutschland, doch an jenem 19. Juni 1936 dachte kaum einer ans Schlafen. Gebannt saßen Millionen vor dem Radio und verfolgten die Live-Übertragung vom Boxen im New Yorker Yankeestadion. Mittendrin: die Protagonisten Joe Louis und Max Schmeling. 

 Legendärer Sieg gegen Joe Louis 

 Ersterer ein designierter Weltmeister, der sich bis dahin der Gegner im Schnelldurchgang entledigt hatte. An eine Chance gegen ihn glaubten nur Schmeling und sein Trainer Max Machon. Die Wetten standen zehn zu eins für den US-Amerikaner. Schmeling nutzte seine Chance und landete in der zwölften Runde eine seiner starken Rechten. Louis, der kurz vor der Weltmeisterschaft stand und als unbesiegbar galt, ging K.o. Eine Sensation in der Boxwelt - und für den am 28. September 1905 in Klein Luckow in der Uckermark geborenen Schmeling ein Meilenstein . 

 Einziger deutscher Box-Weltmeister aller Klassen 

 "Das war schon mein bedeutendster Kampf. Ich will nicht sagen, dass es der schwerste Kampf war, aber für mich war es der entscheidendste Kampf meiner Karriere", bilanzierte er rückblickend auf seine 70 Kämpfe, von denen er 56 gewann . Der nicht für möglich gehaltene Sieg machte Schmeling zur deutschen Boxlegende - obwohl es kein WM-Kampf war. 

 Es war ein harter Weg bis dahin. 1906 zog seine Familie nach Hamburg. In Rothenburgsort und in Eilbek ging er zur Schule. Im Alter von 14 Jahren begann Schmeling eine kaufmännische Lehre in einer "Annoncen-Spedition", der Werbeagentur Wilkens. Als 17-Jähriger verließ Schmeling Hamburg. In Düsseldorf arbeitete er bei einer Brunnenbaufirma. Abends boxte er beim Mülheimer Boxclub und startete in seine Amateurlaufbahn. Mit 19 Jahren hatte er den ersten Profikampf, mit 21 Jahren war er bereits deutscher Meister. 

 

 Rekordkampf gegen Walter Neusel in Hamburg-Lokstedt 

 Im Jahr 1927 startete er durch, holte die Europameisterschaft im Halbschwergewicht. Ein Jahr später wechselte er ins Schwergewicht - und holte sich 1930 nach der Disqualifikation seines Gegners Jack Sharkey den WM-Titel. Verteidigen konnte Schmeling den Gürtel allerdings nur einmal gegen Young Stribling. Im Juni 1932 nahm Sharkey erfolgreich Revanche. 

 Schmelings Stern schien zu sinken, von den folgenden vier Kämpfen konnte er nur einen gewinnen. Mit Walter Neusel stand der potenzielle Nachfolger bereit. Am 26. August 1934 trafen die Kontrahenten aufeinander. Offiziell sahen 102.000 Zuschauer auf der Sandbahn in Hamburg-Lokstedt Schmelings Sieg - bis heute Europarekord. Hätte Schmeling diesen Kampf verloren, wären die Duelle gegen Louis wohl nicht zustande gekommen. 

 Schmeling: Bescheiden und großzügig 

 Schmelings Karriere wurde durch den Krieg gestoppt. 1940 wurde der Profiboxer in die Wehrmacht einberufen und zum Fallschirmjäger ausgebildet. Bei der Landung auf Kreta 1941 zog er sich eine Knie- und Rückenverletzung zu, 1943 wurde er entlassen. Schmeling floh 1945 mit seiner Frau aus Pommern und lebte ab 1946 in Hamburg. 

 Im Alter von 42 Jahren stieg er noch einmal in den Ring, um Geld zu verdienen. Die Schmelings hatten im Krieg fast alles verloren. Seinen letzten Kampf bestritt er am 31. Oktober 1948 in Berlin gegen Richard Vogt. 

 Mit der Börse aus den Kämpfen kaufte sich Schmeling 1949 in dem kleinen Ort Wenzendorf bei Hollenstedt ein rund 100.000 Quadratmeter großes Grundstück. Zunächst konnte er sich durch Pelztierzucht und Tabakanbau über Wasser halten. Der große Durchbruch nach seiner Box-Karriere kam für Schmeling in den 50er-Jahren mit Coca-Cola. Er erhielt die Generalvertretung für Produkte des Brauseherstellers und gründete Niederlassungen in Hamburg-Bramfeld und Reutlingen. 

 

 Rückzug aus der Öffentlichkeit 

 Seine ungeheure Popularität hielt auch nach seinem Karriereende an und blieb bis in die Gegenwart ungebrochen. Ansonsten lebte der Sympathieträger sehr zurückgezogen. Ohne Aufhebens verteilte Schmeling sein gesamtes Vermögen, gründete Stiftungen mit einem Kapital von fünf Millionen Euro für wohltätige Zwecke und vererbte sein Anwesen seiner Heimatgemeinde. 

 Er scheute die Medienwelt und jeglichen Rummel um seine Person ("Über mich ist schon alles gesagt und geschrieben worden"). Insbesondere seit dem Tod seiner Frau Anny Ondra 1987 zeigte er sich nur noch selten in der Öffentlichkeit. Schmelings großer Wunsch, 100 Jahre alt zu werden, erfüllte sich nicht: Er starb am 2. Februar 2005 im Alter von 99 Jahren in seinem Haus in Hollenstedt. Zwei Tage später wurde die Boxlegende in ihrem niedersächsischen Wohnort im engsten Freundeskreis beigesetzt. 

 Max Schmeling hat Sportgeschichte geschrieben. Seine Biografie ist voll unvergessener Siege und dramatischer Niederlagen. Die Stationen einer Weltkarriere. 

 Unter den Gästen: Doria Gray, Harry Gondi, Lilli Palmer, Peter van Eyck, Paul Nevermann, Max Schmeling (Ohne Sprecherton) 

 

 

 

 2. 1921. Otto Feick 

 Am 4. Juli 1890 wird in der Heil`schen Schmiede des pfälzischen Dorfes Reichenbach, nahe Kaiserslautern, Otto Feick geboren. Er wächst dort bei seiner Mutter Philippina Heil und den Großeltern auf. Sein Vater Ludwig Feick, ein Schmied lebt im etwa 10 km entfernten Glan-Münchweiler.  Der kleine Junge ist  gerne bei seinem Großvater in der Schmiede. Eines Tages nimmt er sich dort zwei Wagenreifen, verbindet diese miteinander und stellt sich zwischen die beiden Reifen. Nachdem er seine Füße mit einer Schnur festgebunden hat, hält er sich an den Reifen fest und lässt sich den kleinen Hang bei der Schmiede herunterrollen, wobei er sich die Finger quetscht. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Geburtshaus 

 

 

 

 

 Geburtshaus mit Soldaten 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Als seine Mutter 1901 wieder heiratet, zieht er mit ihr nach Kaiserslautern, wo er die Schule besucht und 1903 in der evangelischen Stiftskirche konfirmiert wird. Otto erlernt das Schlosserhandwerk und leistet 1912 in Aschaffenburg seinen Militärdienst ab. Dort lernt er Pauline Schmalz aus dem fränkischen Schönau  kennen und heiratet sie 1914. Das junge Paar zieht nach Ludwigshafen in den gerade neu entstehenden Ortsteil Gartenstadt. Otto Feick arbeitet in Ludwigshafen im Betriebswerk der Deutschen Reichsbahn als Lokomotiv-Schlosser, engagiert sich im Eisenbahner-Verband und wird bald in den Vorstand der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands gewählt. Mit dem Ziel, den durch die Arbeit in der Fabrik wie auch die  beengten Wohnverhältnisse bedingten Belastungen mit Hilfe von Sport zu begegnen, gründet er im Juni 1919 in Ludwigshafen den „Verein für Volksgesundheit“ und wird dessen erster Vorsitzender. Das Sportgelände des Vereins wird direkt an dem kleinen See Blies angelegt. Dieser Verein besteht unter dem Namen „VSK Germania Niederfeld 1919 e.V.“ noch heute. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Stiftskirche Kaiserslautern 

 

 

 

 

 Gartenstadt 

 

 

 

 

 Verein für Volksgesundheit 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wird die Pfalz französisch besetzt. Der Eisenbahnschlosser Otto Feick und viele seiner Kollegen leisten passiven Widerstand. Sie weigern sich, für die Besatzungsmacht zu arbeiten und fertigen keine Güterzüge nach Frankreich mehr ab. Einige Züge entgleisen sogar wie „aus heiterem Himmel“. Daraufhin werden er und mehrere Kollegen 1921 von der französischen Militärpolizei verhaftet. Auch wenn viele Tausend Ludwigshafener dagegen demonstrieren, wird er von einem Militärgericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die er im Militärgefängnis in Mainz verbüßen muss. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Pfalz unter_französische Besatzung 1918-1930 

 

 

 

 

 Eisenbahner der Pfalz 

 

 

 

 

 Otto Feick 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Im Gefängnis erinnert er sich an die Reifen, mit denen er als Kind den Hang vor der Schmiede seines Großvaters hinuntergerollt war und beginnt sich mit Plänen für ein ungewöhnliches Turngerät zu beschäftigen: zwei kreisförmige Stahlreifen von jeweils etwa eineinhalb Metern Durchmesser werden durch sechs gleich lange Sprossen parallel zueinander verbunden. An zwei Sprossen werden Griffe montiert und an zwei weiteren Sprossen Bretter mit gepolsterten Lederriemen zur Aufnahme der Füße. Zusätzlich befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite zwei weitere Haltegriffe. Nach der Entlassung aus der Haft fertigt er ein erstes Modell an und probiert es 1922 auf dem Gelände seines Vereins für Volksgesundheit aus. Das hierbei entstandene Foto verwendet er später für die Patentanmeldung.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Konstruktion 

 

 

 

 

 Vorlage zur Patentzeichnung Rhönrad 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Als die deutsche Reichsregierung 1922 mit der Leistung der im Versailler Vertrag festgesetzten hohen Reparationszahlungen in Verzug gerät, wird im Januar 1923 das Ruhrgebiet von französischen und belgischen Truppen besetzt. Daraufhin ruft die Reichsregierung zum passiven Widerstand auf und weist ihre Beamten an, Anordnungen der Besatzer nicht zu befolgen. Auch wird den Arbeitern der Reichsbahn verboten, Kohle nach Frankreich oder Belgien zu befördern. Die Franzosen antworten darauf mit Ausweisung. 1923 müssen allein in der Pfalz 5.000 Eisenbahner mit ihren Familien binnen 24 Stunden ihre Heimat verlassen, darunter auch Otto Feick. Er zieht mit seiner Familie in den kleinen Ort Schönau an der Brend, dem in der Rhön gelegenen Heimatort seiner Frau. Dort gründet Feick eine Metallwerkstatt, wo er unter anderem Bettgestelle und Spielzeug herstellt und an der Verbesserung seines Turngerätes weiterarbeitet. Zum Dank an seine neue Heimat nennt er es „Rhönrad“.  Im November 1925 wird ihm auf dieses außergewöhnliche Sportgerät ein Patent erteilt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 An das Eisenbahnpersonal 

 

 

 

 

 Schönau an der Brend 

 

 

 

 

 Otto Feick mit 35 Jahren 1925 in seinem Turnrad 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Ab 1926 reist er mit einer kleinen Gruppe von Turnerinnen und Turnern durch Deutschland, um seine Erfindung bekannt zu machen. Dabei kommt er auch nach Ludwigshafen, wo er das Rhönrad auf einer Erfindermesse im neu eröffneten Ebertpark vorstellt. Anschließend bereist er mit seiner Turntruppe fast ganz Europa und 1929 schließlich auch die Vereinigten Staaten. Dort werden die Rhönräder als "German Wheels"  bekannt und  spielen sogar in dem 1929 von Metro Goldwyn Mayer produzierten Film „Dynamit“ bei einem Sportfest eine wichtige Rolle. 

 Anlässlich der Premiere dieses Films in Österreich berichtet das Neue Wiener Tageblatt in seiner Ausgabe vom 24. April 1931, man könne in dem Film ein von Damen bestrittenes Rhönrad-Rennen sehen. Nach einer Vorführung in England werden Rhönräder von Piloten der Royal Air Force zum Training des Gleichgewichtssinns und zur Simulation von Loopings eingesetzt. Um diese kostspieligen Vermarktungstourneen finanzieren zu können,  muss Otto Feick sogar seine Patentrechte verpfänden. Aber die Produktion der Rhönräder, die zwischen 80 und 100 Reichsmark kosten, beginnt schließlich so erfolgreich zu laufen, dass er in Würzburg eine neue Werkstätte eröffnen kann. 

 Bereits im August 1930 findet in Bad Kissingen das erste internationale Rhönrad-Turnier statt. Die Sportler messen sich unter anderem im „Bergab-Mutfahren“,  Wett- und Hindernisrennen.  Und schließlich führen 1936 in einem Rahmenprogramm der Olympischen Spiele in Berlin  120 Turner Rhönräder vor, auch wenn es -bis heute übrigens- keine olympische Disziplin ist. Dieser Auftritt macht das Rhönrad nicht nur schlagartig bekannt, sondern hat auch zur Folge, dass selbst lange nach dem 2. Weltkrieg das Rhönrad noch als „Nazi-Sport“ verpönt ist, obwohl  sich der Gewerkschaftler und überzeugte Demokrat Otto Feick nie von den Nationalsozialisten hat einnehmen lassen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Otto Feick ca. 50 Jahre 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Trotzdem kann Feick keine Rhönräder mehr verkaufen und muss seine Werkstatt schließen. Noch mehr aber macht ihm der Tod seines einzigen Sohnes Fritz zu schaffen,  der 1945 auf der Flucht aus russischer Gefangenschaft erschossen wird.  Feick ist ein gebrochener Mann (20). Erst ab 1953 finden wieder Wettbewerbe im Rhönradturnen statt. Nachdem der Deutsche Turnerbund das Rhönradturnen 1959 offiziell als Turndisziplin anerkennt, wird 1960 in Hannover die erste deutsche Meisterschaft ausgetragen. Erst mehr als 30 Jahre später gibt es eine  Europameisterschaft. Nach Gründung des internationalen Rhönradverbandes 1995 findet noch im gleichen Jahr im niederländischen Den Helder die erste Weltmeisterschaft statt. 

 Geschwindigkeitsrennen spielen keine Rolle mehr. Nun geht es bei den Disziplinen um artistische Übungen im und auf dem Rad. Beim Geradeaus-Turnen rollt das Rad auf beiden Reifen in die durch Gewichtsverlagerung bestimmte Richtung. Beim Spirale-Turnen wird das gekippte Rad auf nur einem Reifen in einem Kreis bewegt. Besonders anspruchsvoll ist der Sprung. Hier springen die  Sportler auf das rollende Rad und dann mit einem Salto oder auch Überschlag wieder herunter. Diese akrobatischen Übungen erfordern nicht nur Ausdauer sowie Arm- und Beinkraft, sondern auch Koordination und einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn. 

 Heute sind die Stahlreifen der Rhönräder mit Hart-PVC beschichtet. Dadurch kann man mit dem Rhönrad nun auch wetterunabhängig in Hallen turnen. Dies hat auch den Vorteil, dass die Turner ihre Übungen langsamer und präziser ausführen und auch größere Räder mit bis zu 2,40 m Durchmesser nutzen können. Solche Rhönräder wiegen bis zu 60 Kilogramm. Auch können die Räder heute zerlegt und dadurch leichter transportiert werden. Dies alles erlebt Feick nicht mehr. Gesundheitlich angeschlagen, lebt er von einer geringen Rente in ärmlichen Verhältnissen. Nach langer Krankheit stirbt er am 17. Oktober 1959 und wird in Schönau an der Brend beigesetzt. Der Otto-Feick-Platz in Reichenbach-Steegen erinnert an ihn. Und nun auch die Tafel der Kurpfälzer Meile der Innovationen, die wir heute einweihen. 

 

 Verlinkungen: 

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 Quellen: 

 Internetquellen 

 -> Max Schmeling. Sportidol für Generationen, in: NDR online, online verfügbar seit 23.09.2025 unter: https://www.ndr.de/sport/legenden/Max-Schmeling-Sportidol-fuer-Generationen,schmeling146.html , zuletzt geprüft am 09.04.2026. 

 -> 1921 Rhönrad Otto Feick, in: Kurpfälzer Meile der Innovationen, online verfügbar unter: https://www.meile-der-innovationen.de/innovationen/rhoenrad-1921 , zuletzt geprüft am 09.04.2026. 

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 Sekundärliteratur 

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