# Die ,Goldenen Zwanziger'

#### Inhaltsverzeichnis

1\. Goldene Zwanziger Jahre

##### 1. Goldene Zwanziger Jahre 

**<span class="mw-page-title-main">Goldene Zwanziger Jahre</span>**

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<div class="clear_both" id="bkmrk--2"></div>Perspektivisch gebundener, erst nach dem Zweiten Weltkrieg etablierter Begriff, der die Zeit der kulturellen und wirtschaftlichen Erfolge in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre umfasst und mit dem seit den 1960er Jahren die als modern und fortschrittlich geltenden Phänomene positiv rezipiert werden (im Amerikanischen "Roaring Twenties"). Eng verbunden ist der Begriff mit moderner Großstadt- und Massenkultur. In Deutschland werden die "Goldenen Zwanziger Jahre" vor allem mit den Entwicklungen in Berlin verbunden. In Bayern und speziell in München lassen sich zwar "moderne" (massen-)kulturelle Phänomene ebenfalls beobachten (z. B. Theater, Film), doch blieb hier die kulturelle Szene stark modernitätskritischen Auffassungen verpflichtet. Der auch dadurch bedingte Abwanderungsprozess von Schriftstellern und Wissenschaftlern nach Berlin führte in München zur "Kunststadtdebatte", die allerdings keinen grundlegenden Wandel herbeiführte. Münchens Kulturleben profilierte sich in den "Goldenen Zwanzigern" daher eher modernitätskritisch-konservativ mit fließendem Übergang zu nationalistisch-völkischen Positionen.

<span id="bkmrk--3"></span>**<span class="mw-headline" id="bkmrk-kultur-der-gro%C3%9Fstadt-1">Kultur der Großstadt</span>**

Der Begriff "Goldene Zwanziger Jahre" ist ein perspektivisch gebundener Begriff, der die Zeit der kulturellen und wirtschaftlichen Erfolge in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre umfasst. Er beschreibt vor allem ein heterogenes Feld kultureller Neuerungen, ohne ein einheitliches Profil abgeben zu können: Er bezieht sich ebenso auf Veränderungen in der Alltags- und Arbeitskultur wie auf Innovationen in [Musik](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44984 "Artikel 44984"), [Kunst](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44530 "Artikel 44530"), [Literatur](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44761 "Artikel 44761"), Architektur und auf die neuen Massenmedien Radio und [Film](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_46143 "Artikel 46143"). Mit ihm verbunden sind Merkmale wie "Kultur der Großstadt", "Angestelltenkultur", "Girl-Kultur" und die veränderte Rolle der [Frau](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_46325 "Artikel 46325"), "american way of life", Tanz, Sport, Kino, Technikbegeisterung, Avantgarde und Reformbewegungen sowie – in der Literatur und den Künsten – Darstellungsweisen, die den dokumentarischen Wert der Künste betonen (["Neue Sachlichkeit"](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44920 "Artikel 44920")).

Mit dem Begriff werden vor allem Aspekte der [Industrialisierung](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44512 "Artikel 44512") und [Urbanisierung](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_46318 "Artikel 46318") in Metropolen wie Berlin oder Paris erfasst. Diese sind, ausgehend von der wirtschaftlichen Stabilisierung zwischen 1924 und 1929, auf die Entwicklung in [München](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ort:ODB_S00008915 "Ort:ODB S00008915") anzupassen - der einzigen Großstadt in Bayern, die den Vergleich mit Berlin sucht. In München sind die "Goldenen Zwanziger" nach der Beendigung des "[Weißen Terrors](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44645 "Artikel 44645")" und der Niederschlagung des [Hitler-Putsches](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44511 "Artikel 44511") 1923 anzusetzen und aus einer besonderen, regional ausgeprägten Urbanität heraus zu beschreiben (was im Folgenden nur exemplarisch geschehen kann).

**<span class="mw-headline" id="bkmrk-kulturgeschichtliche-1">Kulturgeschichtlicher Hintergrund: Von der Jahrhundertwende zur Weimarer Republik</span>**

<div aria-expanded="false" class="mw-bodytext" id="bkmrk-oskar-maria-graf.-%28b" role="article"><div class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de-x-formal"><figure class="mw-default-size">[![](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/images/thumb/d/d8/Artikel_44722_bilder_value_2_goldenezwanziger2.jpg/300px-Artikel_44722_bilder_value_2_goldenezwanziger2.jpg)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Datei:Artikel_44722_bilder_value_2_goldenezwanziger2.jpg)<figcaption>Oskar Maria Graf. (Bayerische Staatsbibliothek, [Bildarchiv port-010561](https://bildarchiv.bsb-muenchen.de/search?id=port-010561&View=bildarchiv))</figcaption></figure></div></div></div>Der süddeutsche Raum wird um 1900 gerne mit dem Deutschland von vor 1870/71 verglichen. Das soziale Leben war von der Industrialisierung nicht in demselben Ausmaß betroffen wie jenes im Norden. [Kunstakademie](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_45875 "Artikel 45875"), Bohemekultur, liberale Strömungen und die Entwicklung Münchens zu einem [Verlags- und Zeitschriftenzentrum](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44966 "Artikel 44966") begünstigten die Entfaltung eines vielfältigen kulturellen Lebens. Erster Weltkrieg und [Revolution](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44332 "Artikel 44332") bewirkten eine Polarisierung auch der kulturpolitischen Situation zwischen Linken und Rechten. Gegen die modernen und liberalen Strömungen der Zeit, die vor 1914 unter dem Stichwort "Münchner Moderne" verbucht werden, setzten konservative Intellektuelle auch nach 1918 auf einen Idealismus, der Region und Religion als Alternative zu zeitgenössischen Lebens- und Anschauungsweisen aufzeigen will. Diese Ansichten blieben nicht unwidersprochen, etwa in [Oskar Maria Grafs](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118541358 "Person:118541358") (1894-1967) Selbstcharakterisierung als "Provinzschriftsteller". Das Stichwort "Provinz" wird hier bewusst gegen ein konservatives Verständnis von Regionalität gesetzt; Provinz kann jedoch auch, wie in [Marieluise Fleißers](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118533886 "Person:118533886") (1901-1974) "Ingolstädter Stücken" (1926 bzw. 1929 in Berlin uraufgeführt), das Gegenteil von Großstadterfahrung meinen.

**<span class="mw-headline" id="bkmrk-zwischen-moderne-und-1">Zwischen Moderne und drohender Provinzialisierung</span>**

Die "Goldenen Zwanziger Jahre" sind in Bayern als Alternative zu bzw. Abgrenzung von Entwicklungen in den Metropolen zu beschreiben. Sie werden von der bürgerlichen Mitte und deren kulturellem Selbstverständnis gestaltet bzw. von den politisch Rechten bedroht.

Bei der Verlagerung der kulturellen "Gewichte" war einerseits ein Generationswechsel wirksam. Zwischen 1918 und 1921 starben u. a. [Lena Christ](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118520555 "Person:118520555") (1881-1920), [Max Dauthendey](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118678973 "Person:118678973") (1867-1918), [Heinrich Lautensack](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118570226 "Person:118570226") (1881-1919), [Georg Queri](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118743139 "Person:118743139") (1879-1919) und [Ludwig Thoma](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118622072 "Person:118622072")(1867-1921). Andererseits ist die Übersiedlung vieler Künstler von München nach Berlin in der ersten Hälfte der 1920er Jahre als ein - wenn auch anders gelagerter - Grund dafür anzuführen. In die Metropole übersiedelten u. a. [Bertolt Brecht](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118514768 "Person:118514768") (1898-1956), [Lion Feuchtwanger](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118532715 "Person:118532715") (1884-1958), Marieluise Fleißer, [Ödön von Horváth](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118553739 "Person:118553739") (1901-1938), [Erich Mühsam](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118584758 "Person:118584758") (1878-1934) und [Ernst Toller](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118623230 "Person:118623230") (1893-1939), später auch [Heinrich Mann](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118577131 "Person:118577131") (1871-1950) (weitere Hinweise bei Prinz, Geschichte Bayerns, 452).

Auch die [Universitäten](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44632 "Artikel 44632") waren von den kulturellen Veränderungen betroffen. [Karl Vossler](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118770411 "Person:118770411") (1872-1949) warnte 1926 anlässlich der 100-Jahres-Feier der Ludwig-Maximilians-Universität vor "Provinzialismus", womit die Professorenschaft und noch stärker die Studentenschaft gemeint war, die sich aufgrund des Kriegsausgangs radikalisierte. In den 1920er Jahren verließen angesehene Wissenschaftler München, so z. B. der Kunsthistoriker [Heinrich Wölfflin](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118634496 "Person:118634496") (1864-1945) und der Historiker [Hermann Oncken](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118589997 "Person:118589997") (1869-1945), während das konservative Umfeld u. a. durch [Karl Alexander von Müller](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118737538 "Person:118737538") (1882-1964), [Karl Haushofer](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118547119 "Person:118547119") (1869-1946) (zu dessen Assistenten [Rudolf Heß](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:11855039X "Person:11855039X") \[1894-1987\] zählte) erstarkte. Vosslers Aussage belegt, wie etwa das Wirken des Theaterwissenschaftlers [Arthur Kutscher](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118725645 "Person:118725645") (1878-1960) und anderer namhafter Gelehrter, neben der Sorge um die Provinzialisierung intakte Strukturen bei der kritischen Analyse der Situation.

Staat und Stadt versäumten es aber, der Abstimmung mit den Füßen entschieden genug entgegenzuwirken. München verfügte über zu wenig Mittel, um den Trend in den Norden Deutschlands zu unterbinden. Für Künstler waren neben Berlin auch Kunstzentren wie Hannover interessant. Die verbliebenen Kreise wie derjenige um [Carl Muths](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118989820 "Person:118989820") (1867-1944) katholisches "[Hochland](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44729 "Artikel 44729")" oder der George-Kreis entwickelten eigene Vorstellungen von der Moderne, die mit den innovativen Impulsen Weimars nur schwer vereinbar waren. Die Anziehungskraft Münchens blieb dennoch für viele Literaten, Künstler und Intellektuelle aus dem bayerischen Raum ungebrochen. München war auch in den 1920er Jahren ein bedeutendes Buch- und Zeitschriftenzentrum.

**<span class="mw-headline" id="bkmrk-alltagskultur-1">Alltagskultur</span>**

<div aria-expanded="false" class="mw-bodytext" id="bkmrk-anzeige-der-piccadil" role="article"><div class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de-x-formal"><figure class="mw-default-size">[![](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/images/thumb/b/b5/Artikel_44722_bilder_value_10_goldenezwanziger10.jpg/300px-Artikel_44722_bilder_value_10_goldenezwanziger10.jpg)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Datei:Artikel_44722_bilder_value_10_goldenezwanziger10.jpg)<figcaption>Anzeige der Piccadilly-Lichtspiele u. a. für Alfred Hitchcocks "Bergadler". (in: Haidhauser Bote 2 \[1927\], Nr. 11, 19.März 1927)</figcaption></figure><figure class="mw-default-size">[![](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/images/thumb/b/b9/Artikel_44722_bilder_value_9_goldenezwanziger9.jpg/300px-Artikel_44722_bilder_value_9_goldenezwanziger9.jpg)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Datei:Artikel_44722_bilder_value_9_goldenezwanziger9.jpg)<figcaption>Das Münchener Vergnügungsprogramm bewarb 1928 die Tänzerin Mella Fortuna als "eine zweite Josefine Baker". [Josefine Baker](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118506099 "Person:118506099")(1906-1975) wurde im Jahr darauf untersagt, in München aufzutreten. (aus: Münchener Vergnügungsprogramm vom 21 Oktober 1928 mit 27. Oktober 1928)</figcaption></figure></div></div></div>Für das kulturelle Leben im München der 1920er Jahre kann man annehmen, was [Thomas Mann](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118577166 "Person:118577166") (1875-1955) anlässlich der Rede zur Eröffnung der "Münchner Gesellschaft 1926" am 2. November 1926 geschrieben hat: "Wir leben in einer Zeit, deren verächtliche Fidelität uns zuweilen ein bisschen auf die Nerven geht, einer Zeit von wahrem Jazz-Band-Charakter, deren Helden der Preisboxer und der Kinostar sind und in der Verrohung und Verflachung ungeahnte Orgien feiert: amüsante Orgien, ich gebe es zu, großartige Orgien, ich gebe es auch zu; es wäre wohl philisterlich und kleinbürgerlich, über die neuen Zeiten zu flennen. Aber als spezifisch deutsch \[…\] erscheint mir doch immer noch der Protest gegen die blöden Wunder dieser Zeit".

Massenkulturelle Phänomene prägten zunehmend das Verhalten der Menschen. So sorgten beispielsweise Film und Radio für neue Unterhaltungsformen und Informationsquellen.

Die ausführlichste Studie zur Entfaltung massenkultureller Phänomene und zu ihrer Einbettung in traditionelle Kulturgebiete in den 1920er Jahren liegt zu [Nürnberg](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ort:ODB_S00000094 "Ort:ODB S00000094") vor. Schmidt spricht diesbezüglich von der "Provinzmoderne" und betont, dass moderne Kulturmuster jeweils in regionale Rahmenbedingungen eingepasst werden mussten, mitunter bis zur Unkenntlichkeit ersterer.

Ausgehend von den regionalen Besonderheiten und unabhängig von der jeweils aktuellen prozentualen Beteiligung einzelner [Parteien](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44562 "Artikel 44562") an der [Regierung](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44427 "Artikel 44427") ist in München ein kulturkonservativer Ansatz vorhanden, der gegen Ende der 1920er Jahre vor allem durch kulturnationale Haltungen infrage gestellt wurde (vgl. zur begrifflichen Abgrenzung: von Saldern, Massenfreizeitkultur). Die [Kaffeehauskultur](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44851 "Artikel 44851") von vor 1914 wurde durch die Bierkellerkultur konterkariert.

Exemplarisch für den schmalen Grad, auf dem sich die "Goldenen Zwanziger Jahre" in München entfalten konnten, ist die Kulturpolitik des von 1925 bis 1933 amtierenden [Oberbürgermeisters](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44782 "Artikel 44782") [Karl Scharnagl](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:117109681 "Person:117109681") ([BVP](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44371 "Artikel 44371"), 1881-1963). Sie blieb von konservativen und christlichen Werten geprägt. Man setzte auf "Veredelung" massenkultureller Phänomene, reagierte aber auch mit verschärften [Zensurbestimmungen](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44961 "Artikel 44961"), beispielsweise beim Film. Aufmerksamkeit erhielten populäre moderne Unterhaltungsformen, wenn sie das Bild Münchens für den [Tourismus](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44714 "Artikel 44714") steigern konnten. So wurde beispielsweise bei Sommerveranstaltungen nach 1930 auf [Sport](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_46277 "Artikel 46277") gesetzt, lange nachdem z. B. die "[Münchner Neuesten Nachrichten](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44551 "Artikel 44551")" einen eigenen Sportteil eingerichtet hatten. Neue Akzente setzte man in der Kulturpolitik u. a. mit der Eröffnung des [Deutschen Museums](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44474 "Artikel 44474") 1925 und der Lenbachgalerie 1929 oder der Einrichtung des Münchner Dichterpreises, der von Oskar Maria Graf mit angeregt wurde (vgl. Mann, Rede, 17f.) und den 1928 erstmals [Hans Carossa](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118519182 "Person:118519182")(1878-1956) erhielt.

**<span class="mw-headline" id="bkmrk-kunststadtdebatte-un-1">Kunststadtdebatte und literarisches Leben</span>**

<div aria-expanded="false" class="mw-bodytext" id="bkmrk-titelblatt-der-publi" role="article"><div class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de-x-formal"><figure class="mw-default-size">[![](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/images/thumb/5/56/Artikel_44722_bilder_value_11_goldenezwanziger11.jpg/300px-Artikel_44722_bilder_value_11_goldenezwanziger11.jpg)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Datei:Artikel_44722_bilder_value_11_goldenezwanziger11.jpg)<figcaption>Titelblatt der Publikation Kampf um München als Kulturzentrum, 1926. (Bayerische Staatsbibliothek, Bavar. 4431w)</figcaption></figure></div></div></div>Hermann (Kulturpolitik, 343) zufolge sind die Jahre 1924 bis 1929 in München von der Kunststadtdebatte geprägt, die jene von Wolf 1919 aufgezeigten Defizite im Vergleich mit dem München von vor 1914 aufgriff und auf den Vergleich mit Berlin ausweitete. Die Selbstverständigungsprozesse der 1920er Jahre können daher exemplarisch an der Kunststadtdebatte aufgezeigt werden. Thomas Mann, Mitte der 1920er Jahre bereits Repräsentant der liberalen bürgerlichen Mitte, hat die Kunststadtdebatte 1926 wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gehoben, nachdem sie seit 1900 immer wieder aufgeflammt war und nach der gescheiterten Revolution neuen Nährboden erhalten hatte. In "Kampf um München als Kulturzentrum" - einer Veranstaltung am 30. November 1926 in der Münchner Tonhalle - wandte sich Thomas Mann mit anderen Intellektuellen und Politikern gegen "den von der Presse gewarteten Vulgär-Faszismus". Kritisiert wurden auch der Einfluss der "Münchner Neuesten Nachrichten" und deren nationalistischer Duktus auf die Öffentlichkeit. Die Versuche, an Entwicklungen vor 1914 anzuknüpfen und München nicht zur "Wiege der Bewegung" werden zu lassen, wurden öffentlich diskutiert.

Gründungen wie diejenige der "Münchner Gesellschaft 1926" oder vorher der "[Argonauten](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44836 "Artikel 44836")", die 1924 von [Ernst Penzoldt](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118739913 "Person:118739913") (1892-1955), [Ludwig Friedrich Barthel](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:11865280X "Person:11865280X") (1898-1962) und [Josef Magnus Wehner](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:117231770 "Person:117231770") (1891-1973) initiiert wurden und schnell einen wichtigen Einfluss auf das kulturelle und literarische Leben der Stadt nahmen, versuchten, neue Impulse zu setzen. Eine repräsentative Umfrage unter wichtigen Kulturschaffenden, welche die Zeitschrift "Der Zwiebelfisch" (Heft 1, 1926/27) veranstaltete, offenbarte jedoch spürbare Defizite im kulturellen Leben der Stadt. Die politische Auseinandersetzung mit Thomas Mann in den "[Süddeutschen Monatsheften](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44812 "Artikel 44812")" (1928) zeigte schließlich einen erheblichen Druck der politisch Rechten an.

In der [Literatur](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44761 "Artikel 44761") waren in Bayern noch die Anfänge der "Neuen Sachlichkeit" verbunden, wie die Werke von Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Marieluise Fleißer, Oskar Maria Graf u. a. verdeutlichen. In der Zeit zwischen der Stabilisierung der Währung sowie der Aufhebung des Ausnahmezustandes im Jahr 1925 und dem Ausbruch der [Weltwirtschaftskrise](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44646 "Artikel 44646") 1929 gewannen Nationalisten, konservative Revolutionäre und [nationalsozialistische Kräfte](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44553 "Artikel 44553") an Einfluss. Exemplarisch für diese Tendenzen sind der Salon von [Elsa Bruckmann](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:116726199 "Person:116726199") (1865-1946), in denen [Adolf Hitler](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118551655 "Person:118551655") (1889-1945) der Zugang zur Mittel- und Oberschicht gelang (vgl. Martynkewicz, Salon Deutschland), und der 1928 von [Alfred Rosenberg](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118602691 "Person:118602691") (1893-1946) gegründete "[Kampfbund für deutsche Kultur](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44897 "Artikel 44897")" (KfdK).

Andererseits entwickelte sich in München eine neue, auch "magischer Realismus" genannte Stilrichtung, die mit den politischen Absichten der "Neuen Sachlichkeit" brach. Aus dem Umkreis der "Argonauten" heraus wurde eine "Neue Klassik" ausgerufen. Sie ist in dem von [Arthur Hübscher](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118554336 "Person:118554336") (1897-1985) 1929 herausgegebenen "Münchner Dichterbuch" beispielhaft dokumentiert. Das Buch versammelt Beiträge u. a. von [Paul Alverdes](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:119552582 "Person:119552582") (1897-1979), [Hans Brandenburg](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118514318 "Person:118514318") (1885-1968), [Georg Britting](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118674196 "Person:118674196") (1891-1964), Hans Carossa, [Hanns Johst](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118712853 "Person:118712853") (1890-1978) und [Gottfried Kölwel](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118724282 "Person:118724282") (1889-1958). Mehrere Autoren dieses Bandes unterschrieben 1933 das "Gelöbnis treuester Gefolgschaft" für Adolf Hitler - neben [Rudolf Binding](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118663291 "Person:118663291") (1867-1938) [Leo Weismantel](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118630431 "Person:118630431") (1888-1964), [Johannes von Guenther](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:11869894X "Person:11869894X") (1886-1973) und Josef Magnus Wehner. Andere - wie Hanns Johst - waren schon vor 1933 Mitglied der [Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44553 "Artikel 44553") (NSDAP).

<span id="bkmrk--4"></span>**<span class="mw-headline" id="bkmrk-staatliche-und-priva-1">Staatliche und private Bühne(n)</span>**

Das [Theater](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44629 "Artikel 44629") der 1920er Jahre in München war durch eine Stilpluralität gekennzeichnet, die in ihren modernen Ausprägungen wiederholt [Zensurmaßnahmen](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44961 "Artikel 44961") nach sich zog. Nicht unterschätzt werden darf der Einfluss der NSDAP-Stadträte. Es muss zwischen staatlichen und privaten Bühnen unterschieden werden.

Von 1920 bis zu seinem Tode wachte Dr. [Karl Zeiß](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:11697088X "Person:11697088X") (1871-1924) als Generalintendant über das Münchner Staatsschauspiel, das sich auf die vier Bühnen des Nationaltheaters, des Prinzregententheaters, des Residenztheaters sowie des Künstlertheaters auf der Theresienhöhe verteilte. Nach dessen Tod übernahm – wieder – [Clemens Freiherr von und zu Franckenstein](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:119049252 "Person:119049252") (1875-1942) die Leitung des Staatsschauspiels, um zu Beginn der 1930er Jahre von [Richard Weichert](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:117234966 "Person:117234966") (1880-1961) beerbt zu werden.

Mit der von Eugen Felber geleiteten "Neuen Bühne" in der Senefelderstraße existierte kurzfristig eine reine Arbeiterbühne, die Oskar Maria Graf als Dramaturg und [Fritz Schaefler](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:11940513X "Person:11940513X") (1888-1954) als Bühnenbildner beschäftigte. Diese musste jedoch bereits 1921, ein Jahr nach Eröffnung, ihren Betrieb einstellen, da sich die Volksbühne weigerte, sie in ihre Besucherorganisation aufzunehmen.

<div aria-expanded="false" class="mw-bodytext" id="bkmrk-otto-falckenberg-%2818" role="article"><div class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de-x-formal"><div align="center">- <div class="thumb">[![Otto Falckenberg (1873-1947), von 1917 bis 1945 Leiter der Münchner Kammerspiele. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv port-011895)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/images/thumb/e/e6/Artikel_44722_bilder_value_1_goldenezwanziger1.jpg/209px-Artikel_44722_bilder_value_1_goldenezwanziger1.jpg)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Datei:Artikel_44722_bilder_value_1_goldenezwanziger1.jpg "Otto Falckenberg (1873-1947), von 1917 bis 1945 Leiter der Münchner Kammerspiele. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv port-011895)")</div><div class="gallerytext">Otto Falckenberg (1873-1947), von 1917 bis 1945 Leiter der Münchner Kammerspiele. (Bayerische Staatsbibliothek, [Bildarchiv port-011895](https://bildarchiv.bsb-muenchen.de/search?id=port-011895&View=bildarchiv))</div>
- <div class="thumb">[![Szenenbild aus der Aufführung der Dreigroschenoper in den Münchner Kammerspielen. (aus: Münchener Vergnügungsprogramm, 2. August 1929)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/images/thumb/4/49/Artikel_44722_bilder_value_5_goldenezwanziger5.jpg/300px-Artikel_44722_bilder_value_5_goldenezwanziger5.jpg)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Datei:Artikel_44722_bilder_value_5_goldenezwanziger5.jpg "Szenenbild aus der Aufführung der Dreigroschenoper in den Münchner Kammerspielen. (aus: Münchener Vergnügungsprogramm, 2. August 1929)")</div><div class="gallerytext">Szenenbild aus der Aufführung der Dreigroschenoper in den Münchner Kammerspielen. (aus: Münchener Vergnügungsprogramm, 2. August 1929)</div>
- <div class="thumb">[![Anzeige für die Aufführung von Frank Wedekinds "Lulu" mit Margarethe Koeppke (1902-1930) als Lulu. (aus: Münchener Vergnügungsprogramm, 4. Januar 1929)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/images/thumb/6/68/Artikel_44722_bilder_value_8_goldenezwanziger8.jpg/300px-Artikel_44722_bilder_value_8_goldenezwanziger8.jpg)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Datei:Artikel_44722_bilder_value_8_goldenezwanziger8.jpg "Anzeige für die Aufführung von Frank Wedekinds "Lulu" mit Margarethe Koeppke (1902-1930) als Lulu. (aus: Münchener Vergnügungsprogramm, 4. Januar 1929)")</div><div class="gallerytext">Anzeige für die Aufführung von Frank Wedekinds "Lulu" mit [Margarethe Koeppke](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:1020866438 "Person:1020866438")(1902-1930) als Lulu. (aus: Münchener Vergnügungsprogramm, 4. Januar 1929)</div>

</div></div></div></div>Im Jahre 1919 übernahm [Hermine Körner](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118713477 "Person:118713477") (1878-1960) bis 1925 die Leitung des Schauspielhauses, der neben den [Kammerspielen](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44373 "Artikel 44373")wichtigsten Privatbühne Münchens. 1926 fusionierten das Schauspielhaus und die Kammerspiele, deren Geschicke seit 1917 von [Otto Falckenberg](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118531832 "Person:118531832") (1873-1947) geleitet wurden. Bertolt Brecht, [Joachim Ringelnatz](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118601121 "Person:118601121") (1883-1934), [Karl Valentin](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118625896 "Person:118625896") (eigentl. Valentin Ludwig Fey, 1882-1948) u. a. beteiligten sich in verschiedensten Funktionen an Aufführungen. Jedoch verschärften sich aufgrund des modernen Spielplans die staatlichen Zensurmaßnahmen, die wirtschaftliche Engpässe sowie künstlerische Konflikte nach sich zogen. Aus Angst vor Restriktionen wurde der Spielplan umgestellt: Statt avantgardistische Stücke aufzuführen, wurde auf beliebte klassische Stoffe zurückgegriffen.

In Hinsicht auf das Theaterleben lässt sich zusammenfassend sagen, dass München zu Unrecht im Schatten der großen Theaterstädte der 1920er Jahre – Berlin und Wien – stand, denn es verfügte über ein höchst abwechslungsreiches, teils exquisites Programm. Vergleichbares ließe sich für Volkssänger wie [Weiß Ferdl](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:11864324X "Person:11864324X") (d. i. Ferdinand Weißheitinger, 1883-1949) annehmen, und auch Varieté und [Cabaret](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44732 "Artikel 44732") lebten zwangsläufig von unterhaltenden und kritischen Impulsen.

<div aria-expanded="false" class="mw-bodytext" id="bkmrk-wei%C3%9F-ferdl%2C-zigarett" role="article"><div class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de-x-formal"><div align="center">- <div class="thumb">[![Weiß Ferdl, Zigarettenbild in Rollenkostüm. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv port-016565)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/images/thumb/4/46/Artikel_44722_bilder_value_4_goldenezwanziger4.jpg/228px-Artikel_44722_bilder_value_4_goldenezwanziger4.jpg)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Datei:Artikel_44722_bilder_value_4_goldenezwanziger4.jpg "Weiß Ferdl, Zigarettenbild in Rollenkostüm. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv port-016565)")</div><div class="gallerytext">Weiß Ferdl, Zigarettenbild in Rollenkostüm. (Bayerische Staatsbibliothek, [Bildarchiv port-016565](https://bildarchiv.bsb-muenchen.de/search?id=port-016565&View=bildarchiv))</div>
- <div class="thumb">[!["Karl Valentin und Lisl Karlstadt wieder in München". (aus: Münchener Vergnügungsprogramm, 17. Juni mit 23. Juni 1928)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/images/thumb/4/4e/Artikel_44722_bilder_value_7_goldenezwanziger7.jpg/300px-Artikel_44722_bilder_value_7_goldenezwanziger7.jpg)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Datei:Artikel_44722_bilder_value_7_goldenezwanziger7.jpg ""Karl Valentin und Lisl Karlstadt wieder in München". (aus: Münchener Vergnügungsprogramm, 17. Juni mit 23. Juni 1928)")</div><div class="gallerytext">"Karl Valentin und Lisl Karlstadt wieder in München". (aus: Münchener Vergnügungsprogramm, 17. Juni mit 23. Juni 1928)</div>

</div></div></div></div><span id="bkmrk--5"></span>**<span class="mw-headline" id="bkmrk-filmstadt-m%C3%BCnchen-1">Filmstadt München</span>**

Der Film konnte sich in Bayern – wie in Deutschland – im Laufe der 1920er Jahre als populäres Massenmedium konsolidieren und etablieren. Pionierarbeit leisteten etwa wichtige Vertreter der filmischen Avantgarde wie [Walter Ruttmann](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:119053500 "Person:119053500") (1887-1941) (1919-21: "Lichtspiel Opus 1") oder [Oskar Fischinger](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:119451107 "Person:119451107") (1900-1967) (1924/25: "Münchner Bilderbogen"). Ein anderer Pionier des bayerischen Films war Karl Valentin, der mit [Liesl Karlstadt](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118560247 "Person:118560247") (eigentlich Elisabeth Wellano, 1892-1960) während der Weimarer Republik zahlreiche Bühnenerfolge feierte, Stumm- und Tonfilme drehte und sich ab 1919 auch an Schallplattenaufnahmen versuchte.

<div aria-expanded="false" class="mw-bodytext" id="bkmrk-anzeige-f%C3%BCr-die-film" role="article"><div class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de-x-formal"><figure class="mw-default-size">[![](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/images/thumb/f/fc/Artikel_44722_bilder_value_6_goldenezwanziger6.jpg/300px-Artikel_44722_bilder_value_6_goldenezwanziger6.jpg)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Datei:Artikel_44722_bilder_value_6_goldenezwanziger6.jpg)<figcaption>Anzeige für die Filmfestwochen 1929. (aus: Münchener Vergnügungsprogramm, 27. Juli 1929 mit 3. August 1929)</figcaption></figure></div></div></div>Die bayerische Filmlandschaft hatte ihren Anteil an jenem "goldenen Zeitalter" des deutschen Films. Bereits am 19. November 1919 widmete sich eine komplette Ausgabe des [Simplicissimus](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44605 "Artikel 44605") (Jg. 24, Nr. 34, 19. November 1919) unter der Überschrift "[Kino](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_46143 "Artikel 46143")" dem aufstrebenden Medium. Im selben Jahr gründete [Peter Ostermayr](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:120251981 "Person:120251981") (1882-1967) in München das Filmgelände in Geiselgasteig, das 1925 vom "Reichsfilmblatt" als "Los Angeles im Isartal" bezeichnet wurde. In dessen "Glashaus" wurden beispielsweise [Alfred Hitchcocks](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118551647 "Person:118551647")(1899-1980) deutsch-englische Gemeinschaftsproduktionen "The Pleasure Garden" (1925) und "The Mountain Eagle" (1926) gedreht. Am 1. Mai 1920 wurde Ostermayrs [Münchner Lichtspielkunst GmbH (MLK)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_44771 "Artikel 44771") als Reaktion auf die noch während des Ersten Weltkrieges 1917 entstandene Universum Film AG (Ufa) zum "Emelka-Konzern", welcher 1932 als [Bavaria Film AG](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_45898 "Artikel 45898") fortbestand. Zur Etablierung des Filmes als Kunstform in Bayern trugen auch die von der Bayerischen Landesfilmbühne unter Vorsitz von Dr. [Johannes Eckhardt](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:116336048 "Person:116336048") (1887-1966) veranstalteten "Film-Festwochen in München" vom 13. Juli bis 23. August 1928 bei. Auf dieser bis dato deutschlandweit einmaligen Veranstaltung wurden "42 Höchstleistungen des europäischen und amerikanischen Filmschaffens" vorgeführt.

<span id="bkmrk--6"></span>**<span class="mw-headline" id="bkmrk-wie-golden-waren-die-1">Wie golden waren die "Goldenen Zwanziger"?</span>**

Die Kultur der "Goldenen Zwanziger Jahre" in München ist ein zaghaftes Pflänzchen, das sich vor allem in den vom bürgerlichen Kunstgeschmack gering geschätzten Bereichen entfaltet hat. Der modernekritische Impetus, der sich nach der Revolution 1918/19 in der Stadt zu verbreitern begann, markiert die Differenz zur Metropole Berlin, dem damaligen Zufluchtsort aller an Innovationen in Literatur, Musik und den Künsten interessierten Beteiligten. Der sich in der Weimarer Zeit ausbildende Typus des Intellektuellen hatte es - so der in Nürnberg geborene [Hermann Kesten](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118561715 "Person:118561715") (1900-1996) - schwer, seinen Kulturbegriff gegen den Zeitgeschmack und - mit fortschreitender Entwicklung - gegen völkische Positionen zu behaupten. Insofern enthält der Begriff der "Goldenen Zwanziger Jahre" für Kesten lediglich ein Element der Hoffnung, ohne dass sie sich hätte realisieren lassen. Die "Goldenen Zwanziger Jahre" sind für ihn ein "Doublé, \[...\] schwach vergoldet".

<div aria-expanded="false" class="mw-bodytext" id="bkmrk-komponist-hans-pfitz" role="article"><div class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de-x-formal"><figure class="mw-default-size">[![](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/images/thumb/a/a5/Artikel_44722_bilder_value_3_goldenezwanziger3.jpg/300px-Artikel_44722_bilder_value_3_goldenezwanziger3.jpg)](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Datei:Artikel_44722_bilder_value_3_goldenezwanziger3.jpg)<figcaption>Komponist Hans Pfitzner (1869-1949). (Bayerische Staatsbibliothek, [Bildarchiv port-011932](https://bildarchiv.bsb-muenchen.de/search?id=port-011932&View=bildarchiv))</figcaption></figure></div></div></div>Thomas Manns Bekenntnis zur Republik und seine Bereitschaft, daraus Konsequenzen für einen zeitgenössischen Kulturbegriff zu ziehen, mag beispielhaft für Hoffnungen liberaler bürgerlicher Haltungen gewesen sein. Der "Protest der Richard-Wagner-Stadt München" hingegen zeigt, wie wenig Manns Ansatz wichtige Repräsentanten des Bürgertums davon hat überzeugen können. Den "Protest" gegen einen 1933 gehaltenen Vortrag von Thomas Mann über Richard Wagner unterschrieb eine Art "Who's who" der Münchner Kulturszene, u. a. [Hans Knappertsbusch](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118723707 "Person:118723707") (1888-1965), [Hans Pfitzner](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:118593625 "Person:118593625") (1869-1949) oder [Richard Strauss](https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Person:11861911X "Person:11861911X")(1864-1949). Es hieß in den "Münchner Neuesten Nachrichten" Nr. 105 vom 16./17. April 1933: "Herr Mann, der das Unglück erlitten hat, seine früher nationale Gesinnung bei der Errichtung der Republik einzubüßen und mit einer kosmopolitisch-demokratischen Auffassung zu vertauschen, hat daraus nicht die Nutzanwendung einer schamhaften Zurückhaltung gezogen, sondern macht im Ausland als Vertreter des deutschen Geistes von sich reden. \[...\] Wir lassen uns solche Herabsetzung unseres großen deutschen Musikgenies von keinem Menschen gefallen, ganz sicher nicht von Herrn Thomas Mann, der sich selbst am besten dadurch kritisiert und offenbart hat, dass er die 'Gedanken eines Unpolitischen' nach seiner Bekehrung zum republikanischen System umgearbeitet und an den wichtigsten Stellen in ihr Gegenteil verkehrt hat. Wer sich selbst als dermaßen unzuverlässig in seinen Werken offenbart hat, hat kein Recht auf Kritik wertbeständiger Geistesriesen." Allein schon die Infragestellung des Rechts auf (Selbst-)Kritik zeigt an, dass der liberale Kulturbegriff in den "Goldenen Zwanziger Jahren" Erosionen ausgesetzt gewesen ist.

##### Verlinkungen:

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##### Quellen:

**Internetquellen**

-&gt; Waldemar Fromm, Goldene Zwanziger Jahre, publiziert am 14.10.2011; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <span class="url">&lt;https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Goldene\_Zwanziger\_Jahre&gt;</span> (23.01.2026)

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**Sekundärliteratur**

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