Machtkämpfe, Erbfolge und fränkische Diplomatie
Inhaltsverzeichnis
1. Babenberger Fehde. Franken gegen Franken
1. Babenberger Fehde. Franken gegen Franken.
Unter den Nachfahren Karls des Großen zerfällt das fränkische Imperium in mehrere Königtümer. Machtkämpfe prägen jene Ära – so auch im östlichen Teilreich, wo sich zwei Adelsfamilien ab Ende des 9. Jahrhunderts eine blutige Fehde liefern
Seit Langem schon gärt Zwietracht in dem sanft gewellten, fruchtbaren Land am Main. Zwei Familien von hohem Adel stehen sich lauernd gegenüber: ein alteingesessenes Geschlecht und eines, das erst seit wenigen Jahrzehnten in das Gebiet zwischen Frankfurt und dem späteren Bayreuth vordringt. Störenfriede, in den Augen ihrer Gegner.
Verbissen beäugen sich die beiden Familien, die man später Babenberger und Konradiner nennen wird. Argwöhnisch beobachten die einen, wie die anderen sie bei der Vergabe von Grafschaften, Landgütern oder Bischofstiteln ausstechen. Und betrachten eifersüchtig deren Einfluss am Hof des Karolingerkönigs Arnulf, der seit 887 das Ostfrankenreich regiert – ein gewaltiges Gebilde, gestreckt von der Nordsee bis zu den Alpen.
Einige Jahre schwelt der Konflikt der beiden Sippen, angespannt, aber weitgehend gewaltlos. Bis es zu einer unerhörten Bluttat kommt.
LUDWIG DER FROMME
IN DER GEGEND VON WÜRZBURG, an einem Tag im Jahr 897. Ein Mann namens Trageboto reitet durch eine Ebene nahe dem Main, vorbei an Getreidefeldern, Obstbäumen und Weinstöcken. Er ist, so lässt es sich rekonstruieren, eine Art Verwalter für König Arnulf, wahrscheinlich wird er von einigen bewaffneten Männern begleitet. Denn der Auftrag, den Trageboto von seinem Herrn erhalten hat, ist äußerst heikel: Er soll von den Babenbergern, der älteren der beiden Familien, Ländereien zurück fordern, die ihnen ein früherer Herrscher einst zur Bewirtschaftung überlassen hat.
Für die Babenberger – so benannt nach ihrer Burg auf dem Gebiet des heutigen Bamberg – wäre das ein weiterer schwerer Schlag. Lange Zeit hatten sie großen Einfluss in dem Landstrich. Der Patriarch der Familie, Graf Heinrich, war einst der bedeutendste Militärführer der Karolinger, starb bei Paris im Kampf gegen die von Norden ins Frankenreich einfallenden Wikinger. Nun führen seine drei Söhne den Clan an.
Doch unübersehbar sind die Babenberger ein Geschlecht im Niedergang. Mehrfach schon mussten sie Demütigungen ertragen, haben etwa die Herrschaftsrechte über eine ihrer Grafschaften verloren. Und das prestigeträchtige Bischofsamt von Würzburg, an dem auch die Babenberger Interesse bekundet hatten, hat 892 ausgerechnet ein Vertreter der rivalisierenden Familie übernommen. Denn König Arnulf, Oberherr im Land, ist den Babenbergern durch alte Feindschaft verbunden, hat ihnen bereits etliche Privilegien aberkannt – und fördert die rivalisierende Sippe.
Viel Wut also muss sich bei den Babenbergern angestaut haben, als der königliche Dienstmann Trageboto mit seinen Begleitern an jenem Tag im Jahr 897 auf ihrem Landgut erscheint. Was genau in den folgenden Minuten oder Stunden geschieht, ist nicht überliefert. Doch vermutlich ruft der Gutsleiter der Babenberger seine Landleute zusammen. Stachelt ihren Zorn gegen die vermeintlichen Eindringlinge an, lässt sie mit Stangen, Spießen und Sensen auf den Abgesandten des Königs losgehen – bis Trageboto schließlich tot am Boden liegt.
KAMPF DER ADELSGESCHLECHTER

DAS RINGEN ZWISCHEN Konradinern und Babenbergern trägt sich in der Gegend um Würzburg und Bamberg zu – der Stadt, die aus dem Stammsitz der Babenberger hervorgehen wird. Das Gebiet zu beiden Seiten des Mains, das später Teil des Heiligen Römischen Reiches wird, entspricht in weiten Teilen der heutigen Region Franken
Eine unerhörte Tat, ein Paukenschlag, der Folgen hat. Der Mord gerät zu einem Fanal für die inneren Konflikte im Reich: Der bislang schwelende Zwist zwischen den Babenbergern und den Konradinern wird in den folgenden Jahren in offenen, unerbittlichen Kampf übergehen.
Verrat, Blutrache, Heimtücke und List – mit allen Mitteln versuchen beide Sippen nun, den jeweils gegnerischen Clan niederzuringen. Stürzen dabei weite Gebiete in Chaos und Krieg. Und erschüttern die Fundamente des Ostfrankenreichs.
Entstanden ist dieses viele Jahrzehnte zuvor in einer Zeit großen Umbruchs. Als im Jahr 814 Karl der Große in seiner Pfalz in Aachen stirbt, sind bereits zwei seiner drei Söhne, die als Erben in Betracht kamen, tot. So bleibt als einziger Thronfolger der 35 Jahre alte Ludwig. Spätere Generationen werden ihn „den Frommen“ nennen, wegen seiner angeblich besonders tiefen religiösen Überzeugungen.
LOTHAR I.
LUDWIG DER DEUTSCHE
Im Frankenreich ist es üblich, beim Tod eines Herrschers dessen Gebiet unter seinen legitimen männlichen Nachkommen aufzuteilen – nun aber gibt es nur einen Erben. Ein gewaltiges Imperium wie das Karls des Großen jedoch ist kaum noch allein zu regieren.
Ludwig der Fromme, der neue Herr der Franken und Erbe des von Karl errungenen Kaisertitels, will deshalb zwar die Einheit des väterlichen Reiches bewahren, zugleich aber seine drei Söhne schon zu seinen Lebzeiten an der Herrschaft beteiligen. 817 erlässt er eine Nachfolgeregelung, die „Ordinatio imperii“, Ordnung des Reiches. Darin teilt er seinen Söhnen Ämter und Gebiete zu: Lothar, seinen Ältesten, erhebt er zum Mitkaiser und damit zum künftigen Oberherrscher des Karolingerreichs; zusammen mit seinem Vater regiert er unter anderem die fränkischen
Kernlande zwischen Rhein und Loire. Den zweitältesten Sohn Pippin setzt er als König von Aquitanien ein, einer großen Region im Südwesten des heutigen Frankreich.
Für seinen jüngsten Spross Ludwig, damals vermutlich erst elf Jahre alt, hat er ein Gebiet namens Bayern vorgesehen (das allerdings nur in Teilen mit dem heutigen Bundesland identisch ist). Ludwig „den Deutschen“ wird man ihn Jahrhunderte später nennen, ein der Überlieferung nach zäher und tatkräftiger Mann, der die entscheidende Rolle bei der Entstehung des Ostfrankenreichs spielen wird.
Der junge Ludwig und sein Bruder Pippin sollen nach den Vorstellungen ihres Vaters auch nach dessen Tod nur Könige mit eingeschränkten Rechten sein. Demnach werden sie weder Kriege beginnen noch Frieden schließen dürfen, ohne den ältesten Bruder, Kaiser Lothar, um Erlaubnis zu bitten.
BALD HERRSCHT STREIT ZWISCHEN KARLS ENKELN
EIN PAAR JAHRE SPÄTER, 823, ereignet sich jedoch etwas, mit dem am Hof niemand gerechnet zu haben scheint: Die zweite Frau von Kaiser Ludwig dem Frommen gebiert einen Sohn und bringt damit das wohlgeordnete Regelwerk der „Ordinatio imperii“ durcheinander. Das gesteht nur den drei Söhnen aus der ersten Ehe des Vaters Gebiete und Titel zu. Für die drei Älteren ist der neue Halbbruder eine Bedrohung ihrer eigenen Ambitionen auf Macht und Ruhm.
Der Nachzügler wird nach seinem Großvater auf den prestigeträchtigen Namen Karl getauft. Er ist erst sechs Jahre alt, als der Kaiser, bedrängt wohl von seiner Gattin, dem Jungen größere Gebiete überträgt (und damit gegen die von ihm selbst gesetzte Regel verstößt): Alemannien im Südwesten des heutigen Deutschland, dazu das Elsass und Teile von Burgund. Zunächst regiert das Kind dort nur nominell, die Amtsgeschäfte führen Berater. Trotzdem existiert auf den fränkischen Territorien nun noch ein weiteres Teilreich.
Die Gebiete für sein jüngstes Kind (später Karl der Kahle genannt) hat Kaiser Ludwig aus jenen Gegenden des Reiches herausgelöst, die er zusammen mit seinem Sohn Lothar regiert. Der verliert so einen Teil seines Erbes an den Halbbruder. Als Lothar dagegen protestiert, lässt Kaiser Ludwig ihn vorübergehend als Mitregenten absetzen und schickt ihn nach Italien.
Doch auch der Zorn der anderen zwei Söhne über die tatsächliche oder vermeintliche Bevorzugung des Jüngsten ist groß, und so wagen die drei Brüder Anfang der 830er Jahre zweimal einen gemeinsamen Aufstand gegen den Vater, der zwischenzeitlich sogar abgesetzt wird. Selbst als Ludwig der Fromme 840 stirbt, enden die Unruhen nicht. Im Gegenteil.
Lothar, nach dem Tod des Vaters nunmehr alleiniger Kaiser, versucht, seine Geschwister, Ludwig und den inzwischen 17-jährigen Karl, unter seine Oberherrschaft zu zwingen (der zweitälteste Bruder Pippin ist bereits verstorben, sein Erbe in Aquitanien zwischen dessen Sohn und Karl umstritten). Die beiden Jüngeren standen sich bislang misstrauisch gegenüber. Doch nun, unter dem Druck Lothars, gehen sie überraschend eine Allianz ein, um sich gegen die Ansprüche ihres älteren Bruders zu stellen und sich selbst ein möglichst großes Stück des Gesamtreichs zu sichern.
Die beiden lösen damit ein Ringen aus, das das Reich im Kern erschüttert: Franken töten Franken, und das zum ersten Mal in schrecklich großer Zahl.
Am Morgen des 25. Juni 841, nahe dem Dorf Fontenoy in Burgund. In der flachen, von blühenden Wiesen und einem Bach durchzogenen Landschaft stehen sich zwei Armeen gegenüber: das von Kaiser Lothar geführte Heer und die verbündeten Streitkräfte seiner Geschwister Ludwig und Karl – insgesamt wohl mehr als 50 000 Mann. Schwer gerüstete Panzerreiter ziehen übers Feld, dazu marschieren Scharen von Bauern aus allen Landstrichen des Reiches herbei, zum Kriegsdienst einberufen von den Adeligen ihrer Heimatorte.
Die Schlacht zwischen den Brüdern beginnt im Morgengrauen und wird zu einem der fürchterlichsten Gemetzel des Zeitalters. Den Truppen von Ludwig und Karl gelingt es in den folgenden Stunden, Lothars Krieger weiter und weiter zurückzudrängen, viele von ihnen fliehen panisch vom Schlachtfeld. Bald schon liegen Tausende Sterbende und Verwundete auf dem Boden. Noch am nächsten Morgen wimmern Schwerverletzte im Gras; Wölfe und Geier, so berichten Chronisten, machen sich über die Toten her. Lothar und die Überlebenden seiner Armee ziehen sich nach Aachen zurück.
Auch nach den Kämpfen entflammen immer wieder bewaffnete Streitigkeiten zwischen den Brüdern. Ein knappes Jahr dauert es, dann sendet Kaiser Lothar, offenbar der zermürbenden Waffengänge müde, Boten zu seinen Brüdern und bittet um einen Waffenstillstand. Er will endlich eine Lösung des blutigen Streits.
IM HERBST 842 versammeln sich in der Kirche Sankt Kastor in Koblenz 120 Adelige, von denen jeder Bruder ein Drittel ausgewählt hat. Die Edelleute sollen eine Einigung vorbereiten und dafür eine Teilung des Reiches vorschlagen, die in Wert und Größe etwa ebenbürtige Territorien hervorbringt. Um die Gebiete so gerecht wie möglich zu bemessen, werden eigens Emissäre in alle Regionen geschickt, um Siedlungen, Böden und Besitz zu taxieren.
KARL DER KAHLE
ARNULF VON KÄRNTEN
Nachdem die Boten zurückgekehrt, deren Berichte ausgewertet worden sind, finden sich die drei Brüder im August 843 in Verdun ein, einer Bischofsstadt an der Maas, und unterzeichnen einen denkwürdigen Vertrag. Er spaltet das Imperium der Karolinger in drei fast unabhängige Königreiche. Kaiser Lothar erhält ein langes, schlauchartiges Gebiet, das sich von der Nordsee bis ans Mittelmeer zieht und für die Karolinger so bedeutsame Orte wie Aachen umfasst; darüber hinaus fällt ihm das gesamte fränkische Italien zu und damit auch die Schutzherrschaft über die heilige Stadt Rom.
Karl der Kahle, der jüngste legitime Sohn, bekommt die westlichen Gebiete mit Städten wie Paris und Reims zugesprochen. Sie erstrecken sich von den Flüssen Rhône und Saône bis zum Atlantik, vom Ärmelkanal bis nach Barcelona.
Der dritte Bruder, Ludwig der Deutsche, kann durch den Vertrag sein Territorium fast verdoppeln: Sein östliches Reich umfasst nun auch Gebiete links des Rheins mit den Bischofsstädten Mainz, Speyer und Worms, zieht sich bis an die Elbe und die Nordsee. Die große Erweiterung soll wohl auch dafür entschädigen, dass zahlreiche Gebiete Ludwigs eher dünn besiedelt sind, wirtschaftlich und kulturell hinter den einstigen römischen Provinzen in Gallien zurückstehen.
NOCH GUT 30 JAHRE herrscht Ludwig der Deutsche im Ostfrankenreich, dem er 870 einen Teil des mittleren Herrschaftsgebiets mit der Stadt Aachen hinzufügen kann. Mit seinen Söhnen kämpft er an Elbe und Saale gegen slawische Völker, hilft aber auch im Westen, Wikinger und aufständische Aquitanier zurückzuschlagen. Nach Ludwigs Tod 876 regiert einige Zeit sein Sohn Karl „der Dicke“. Im Jahr 887 wird der von mächtigen Adeligen abgesetzt. Zum ostfränkischen König lässt sich nun Arnulf von Kärnten erheben, ein unehelich geborener Enkel Ludwigs des Deutschen. Zwar ebenfalls ein Karolinger, muss er als Usurpator seine Machtbasis besonders aufmerksam pflegen.
Um seine Position zu stärken, stützt er sich bald auf ein aufstrebendes Adelsgeschlecht, mit dem er durch seine Frau verschwägert ist. Ursprünglich aus dem Lahngebiet im heutigen Hessen stammend, haben diese Konradiner (später so benannt nach dem einzigen König, den die Familie hervorbringt) ihren Einfluss bis in den östlichen Teil des Reiches ausgeweitet, greifen dort jetzt nach den Kerngebieten der Babenberger nahe dem Main.
König Arnulf ist das gerade recht: Die Babenberger waren enge Vertraute seines gestürzten Vorgängers. Vermutlich, weil sie ihm die Absetzung weiterhin verübeln, ignoriert er sie bei der Vergabe von Ämtern, beschneidet ihre Macht und alte Vorrechte. Die Konradiner dagegen begünstigt er nach Kräften, teilt ihnen eine Grafschaft im Stammland der Babenberger zu, schließlich den Bischofsstuhl von Würzburg. Und befeuert so den zunehmenden Streit der beiden mächtigen Sippen.
Im Jahr 897 erfährt König Arnulf, der auf seinen Reisen durchs Reich häufig auch in der Gegend um
Würzburg und die Babenburg unterwegs ist, sicher bald von dem brutalen Mord an seinem Dienstmann Trageboto. Es ist ein Anschlag auf die Allianz, die er mit den Konradinern zulasten der Babenberger geformt hat – und damit zugleich auf seine königliche Autorität.
Ob und wie der Herrscher auf die Attacke aus dem Kreis der verbitterten Adelssippe reagiert, ist nicht überliefert. Doch der Gewaltakt scheint das politische Klima weiter zu vergiften. Anfangs noch nahezu unmerklich, wie ein untergründiges Dräuen, dann deutlich spürbar. Bald wohl kommt es immer wieder zu kleinen und größeren Streitigkeiten zwischen Babenbergern und Konradinern, brechen in den folgenden Jahren Scharmützel zwischen Anhängern beider Lager aus, gehen Landleute der Familien mit Stöcken und Spießen aufeinander los und fachen den Hass an – bis die Fehde nach einigen Jahren mit voller Wucht entbrennt.
DAS ENDE EINER ÄRA
BABENBURg, UM 902. Die gut befestigte Anlage erhebt sich auf einem der sieben Hügel der heutigen Stadt Bamberg. Hierher, auf ihren Stammsitz, haben sich die Babenberger zurückgezogen, nachdem sie in den Wochen zuvor im Umland von Würzburg mehrere Landstriche verwüstet haben – wohl noch immer voller Zorn darüber, dass der Bischofsstuhl von Würzburg an einen Konradiner gegangen ist.
Die Truppen der verfeindeten Sippe folgen ihnen rasch und belagern die Burg von allen Seiten. Adalbert, einer von drei Brüdern und Anführer der Babenberger, bewaffnet seine Männer mit Schwertern, gibt den Befehl zum Ausbruch. Die Eingeschlossenen strömen durch die Burgtore herab, rücken auf ihre Gegner zu.
Doch statt zu weichen, drängen nun auch die Konradiner nach vorn. Sie durchbrechen die Schlachtreihe der Feinde mit Schwerthieben, strecken alle nieder, die ihnen begegnen. Dabei erschlagen sie auch einen von Adalberts Brüdern, einen weiteren nehmen sie zunächst gefangen.
Nachdem die Konradiner unter einem Haufen von Leichen einen schwer versehrten Angehörigen gefunden haben, pflegen sie ihn einige Tage. Als er stirbt, enthaupten sie aus Rache den gefangenen Babenberger.
Das Schicksal wendet sich nun immer heftiger gegen das alteingesessene Geschlecht. Kurz nach der verlorenen Schlacht beruft der König einen Reichstag, eine Versammlung der wichtigsten Adeligen des Landes, in Forchheim ein, mitten in den Stammlanden der Babenberger. An der Spitze des Reichs steht mittlerweile, seit dem Tod Arnulfs von Kärnten im Jahr 899 wohl in Folge eines Schlaganfalls, formell sein zehnjähriger Sohn Ludwig. Tatsächlich aber führen vor allem Berater aus der Familie der Konradiner die Regierung.
Die aus allen Teilen des Ostfrankenreichs herbeigeeilten Großen beschließen, den Besitz der beiden getöteten Babenberger einzuziehen und ihn dem Bischof von Würzburg zu überlassen, dem Konradiner Rudolf. Ein großer Verlust für die Babenberger und eine gezielte Demütigung, die ihnen noch einmal bewusst machen dürfte, wie sehr sie an Einfluss und Macht verloren haben.
DREI JAHRE SPÄTER bäumen sie sich trotzdem noch einmal auf. Adalbert schlägt das Heer der Konradiner in einem verlustreichen Gefecht. Zunächst kann er mit großer Beute auf die Babenburg zurückkehren. Doch bald darauf stellt der Königshof gemeinsam mit den Konradinern ein Reichsheer auf und umzingelt den Babenberger auf einer seiner Burgen am Main, gut 40 Kilometer vom Stammsitz entfernt.
KONRAD I.
OTTO I.
Die Lage in der Festung spitzt sich zu. Die Übermacht vor den Mauern ist zu groß, um auch diesmal den Kampf zu wagen. Als die Belagerung länger und länger andauert, geht Adalbert daher auf ein Angebot seiner Gegner ein: Gegen das Versprechen auf freies Geleit tritt er mit wenigen Begleitern vor das Burgtor und stellt sich den Königlichen. So hofft er, mit dem Leben davonzukommen. Doch die Konradiner halten sich nicht an die Absprache: Der letzte der drei Babenberger-Brüder wird mit gefesselten Händen vor dem versammelten Heer abgeführt und kurz darauf hingerichtet.
Die Babenberger haben nun keinen Anführer mehr. Die Kämpfe, die eine bedeutende Region des Ostfrankenreichs über Jahre erschüttert haben, gehen zu Ende. Sieger der langen Fehde sind die Konradiner, die in die obersten Zirkel der Macht vorgedrungen sind und weiter zu den wichtigsten Ratgebern des minderjährigen Königs gehören. Ein Geschlecht, das schon bald eine neuerliche Rangerhöhung erlebt.
Denn als der junge, oft kränkelnde Ludwig 911 stirbt, wählen die Großen des Reiches Graf Konrad, den mächtigsten Vertreter seiner Familie, zum König. Es ist das erste Mal, dass kein Karolinger an der Spitze des Ostfrankenreichs steht.
Konrads Herrschaft allerdings ist kurz und glanzlos. Er regiert nur sieben Jahre, die geprägt sind von fast unablässigen Kämpfen gegen die von Osten ein fallenden Ungarn, aber auch von Streitigkeiten mit seinen Herzögen. Er stirbt im Dezember 918.
UND NUN ÜBERNIMMT ein Adelsgeschlecht aus Sachsen die Königswürde: die Liudolfinger, nach ihren bedeutendsten Vertretern auch Ottonen genannt. Unter den neuen Regenten, die aus einer Region stammen, die Karl der Große erst rund 150 Jahre zuvor fränkischer Herrschaft unterworfen hatte, verfestigt sich die Trennung in ein westliches und ein östliches Frankenreich endgültig. (Bereits 880 war die noch für Jahrhunderte weitgehend unverändert geltende Grenze zwischen den beiden Machtbereichen festgelegt worden.)
Die Könige im Osten erlangen in der Folge die Kaiserwürde und die Herrschaft in Italien. Für dieses Gebilde wird sich später der Name „Heiliges Römisches Reich“ etablieren. Er bezieht sich auf das Imperium Romanum, dessen Nachfolge schon Karl der Große beansprucht hatte.
Die ottonischen Herrscher des 10. Jahrhunderts bezeichnen sich selbst noch als Könige der Franken – und suchen bewusst den Anschluss an die Karolinger: Otto I., der glanzvollste König seines Geschlechts (und dessen erster Kaiser), begibt sich für seine Inthronisation nach Aachen; hier, in der Kirche Karls des Großen, wo auch dessen Grab liegt, lässt sich Otto zum König krönen. Während der Zeremonie trägt er fränkische Kleidung – und reiht sich damit ein in die lange Geschichte der Franken und ihrer Herrscher.
Auch im Westen werden die Karolinger endgültig im 10. Jahrhundert von einem anderen Geschlecht abgelöst (siehe Seite 148). Und auch hier bleibt das Erbe der Franken präsent. Der allmählich entstehende Staat Frankreich trägt ihren Namen bis heute.
In jenen östlichen Teilen, die dereinst als „deutsche Lande“, dann als Deutschland bezeichnet werden, finden sich ganz ähnliche Spuren in geografischen Namen. In „Frankfurt“ etwa. Oder in „Franken“, jener Region um Bamberg und Würzburg, in der einst eine blutige Adelsfehde tobte.
Verlinkungen:
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Quellen:
Internetquellen
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Sekundärliteratur
-> Fischer, Oliver: Babenberger Fehde. Franken gegen Franken, in: GEO Epoche (Jg. 2025, Heft Nr. 125).
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