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Machtkämpfe, Erbfolge und fränkische Diplomatie

Inhaltsverzeichnis

  1. Babenberger Fehde. Franken gegen Franken
  2. Abul Abbas. Das Geschenk des Kalifen
  3. Daten und Fakten. Die Geschichte der Franken

1. Babenberger Fehde. Franken gegen Franken.

Unter den Nachfahren Karls des Großen zerfällt das fränkische Imperium in mehrere Königtümer. Machtkämpfe prägen jene Ära – so auch im östlichen Teilreich, wo sich zwei Adelsfamilien ab Ende des 9. Jahrhunderts eine blutige Fehde liefern

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MIT SCHWER GERÜSTETEN Panzerreitern bekriegen sich östlich des Rheins die Babenberger und die Konradiner (hier und im Folgenden vergleichbare Schlachtendarstellungen aus dem 10. Jh.)

Seit Langem schon gärt Zwietracht in dem sanft gewellten, fruchtbaren Land am Main. Zwei Familien von hohem Adel stehen sich lauernd gegenüber: ein alteingesessenes Geschlecht und eines, das erst seit wenigen Jahrzehnten in das Gebiet zwischen Frankfurt und dem späteren Bayreuth vordringt. Störenfriede, in den Augen ihrer Gegner.

Verbissen beäugen sich die beiden Familien, die man später Babenberger und Konradiner nennen wird. Argwöhnisch beobachten die einen, wie die anderen sie bei der Vergabe von Grafschaften, Landgütern oder Bischofstiteln ausstechen. Und betrachten eifersüchtig deren Einfluss am Hof des Karolingerkönigs Arnulf, der seit 887 das Ostfrankenreich regiert – ein gewaltiges Gebilde, gestreckt von der Nordsee bis zu den Alpen. Einige Jahre schwelt der Konflikt der beiden Sippen, angespannt, aber weitgehend gewaltlos. Bis es zu einer unerhörten Bluttat kommt.

LUDWIG DER FROMME

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KARLS Thronerbe beteiligt seine drei Söhne noch zu Lebzeiten an der Herrschaft über das Reich. Denn allein ist das riesige fränkische Imperium kaum noch zu regieren

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Auslöser für die Fehde zwischen Babenbergern und Konradinern ist ein brutaler Mord: 897 töten die Babenberger einen königlichen Dienstmann, der Land von ihnen einfordert

IN DER GEGEND VON WÜRZBURG, an einem Tag im Jahr 897. Ein Mann namens Trageboto reitet durch eine Ebene nahe dem Main, vorbei an Getreidefeldern, Obstbäumen und Weinstöcken. Er ist, so lässt es sich rekonstruieren, eine Art Verwalter für König Arnulf, wahrscheinlich wird er von einigen bewaffneten Männern begleitet. Denn der Auftrag, den Trageboto von seinem Herrn erhalten hat, ist äußerst heikel: Er soll von den Babenbergern, der älteren der beiden Familien, Ländereien zurück fordern, die ihnen ein früherer Herrscher einst zur Bewirtschaftung überlassen hat.

Für die Babenberger – so benannt nach ihrer Burg auf dem Gebiet des heutigen Bamberg – wäre das ein weiterer schwerer Schlag. Lange Zeit hatten sie großen Einfluss in dem Landstrich. Der Patriarch der Familie, Graf Heinrich, war einst der bedeutendste Militärführer der Karolinger, starb bei Paris im Kampf gegen die von Norden ins Frankenreich einfallenden Wikinger. Nun führen seine drei Söhne den Clan an.

Doch unübersehbar sind die Babenberger ein Geschlecht im Niedergang. Mehrfach schon mussten sie Demütigungen ertragen, haben etwa die Herrschaftsrechte über eine ihrer Grafschaften verloren. Und das prestigeträchtige Bischofsamt von Würzburg, an dem auch die Babenberger Interesse bekundet hatten, hat 892 ausgerechnet ein Vertreter der rivalisierenden Familie übernommen. Denn König Arnulf, Oberherr im Land, ist den Babenbergern durch alte Feindschaft verbunden, hat ihnen bereits etliche Privilegien aberkannt – und fördert die rivalisierende Sippe.

Viel Wut also muss sich bei den Babenbergern angestaut haben, als der königliche Dienstmann Trageboto mit seinen Begleitern an jenem Tag im Jahr 897 auf ihrem Landgut erscheint. Was genau in den folgenden Minuten oder Stunden geschieht, ist nicht überliefert. Doch vermutlich ruft der Gutsleiter der Babenberger seine Landleute zusammen. Stachelt ihren Zorn gegen die vermeintlichen Eindringlinge an, lässt sie mit Stangen, Spießen und Sensen auf den Abgesandten des Königs losgehen – bis Trageboto schließlich tot am Boden liegt.


KAMPF DER ADELSGESCHLECHTER

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DAS RINGEN ZWISCHEN Konradinern und Babenbergern trägt sich in der Gegend um Würzburg und Bamberg zu – der Stadt, die aus dem Stammsitz der Babenberger hervorgehen wird. Das Gebiet zu beiden Seiten des Mains, das später Teil des Heiligen Römischen Reiches wird, entspricht in weiten Teilen der heutigen Region Franken

Eine unerhörte Tat, ein Paukenschlag, der Folgen hat. Der Mord gerät zu einem Fanal für die inneren Konflikte im Reich: Der bislang schwelende Zwist zwischen den Babenbergern und den Konradinern wird in den folgenden Jahren in offenen, unerbittlichen Kampf übergehen.

Verrat, Blutrache, Heimtücke und List – mit allen Mitteln versuchen beide Sippen nun, den jeweils gegnerischen Clan niederzuringen. Stürzen dabei weite Gebiete in Chaos und Krieg. Und erschüttern die Fundamente des Ostfrankenreichs.

Entstanden ist dieses viele Jahrzehnte zuvor in einer Zeit großen Umbruchs. Als im Jahr 814 Karl der Große in seiner Pfalz in Aachen stirbt, sind bereits zwei seiner drei Söhne, die als Erben in Betracht kamen, tot. So bleibt als einziger Thronfolger der 35 Jahre alte Ludwig. Spätere Generationen werden ihn „den Frommen“ nennen, wegen seiner angeblich besonders tiefen religiösen Überzeugungen.

LOTHAR I.

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Seinen ältesten Sohn erhebt Ludwig der Fromme zum Mitkaiser und damit zum künftigen Oberherrscher des Reichs. Zusammen mit seinem Vater regiert Lothar unter anderem die fränkischen Kernlande zwischen Rhein und Loire

LUDWIG DER DEUTSCHE

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DER DRITTÄLTESTE Spross Ludwigs des Frommen erhält die Bayern genannte Herrschaft, der auch Regionen wie Kärnten und Böhmen zugeordnet sind – Gebiete, die später zum Ostfrankenreich gehören werden

Im Frankenreich ist es üblich, beim Tod eines Herrschers dessen Gebiet unter seinen legitimen männlichen Nachkommen aufzuteilen – nun aber gibt es nur einen Erben. Ein gewaltiges Imperium wie das Karls des Großen jedoch ist kaum noch allein zu regieren.

Ludwig der Fromme, der neue Herr der Franken und Erbe des von Karl errungenen Kaisertitels, will deshalb zwar die Einheit des väterlichen Reiches bewahren, zugleich aber seine drei Söhne schon zu seinen Lebzeiten an der Herrschaft beteiligen. 817 erlässt er eine Nachfolgeregelung, die „Ordinatio imperii“, Ordnung des Reiches. Darin teilt er seinen Söhnen Ämter und Gebiete zu: Lothar, seinen Ältesten, erhebt er zum Mitkaiser und damit zum künftigen Oberherrscher des Karolingerreichs; zusammen mit seinem Vater regiert er unter anderem die fränkischen

Kernlande zwischen Rhein und Loire. Den zweitältesten Sohn Pippin setzt er als König von Aquitanien ein, einer großen Region im Südwesten des heutigen Frankreich.

Für seinen jüngsten Spross Ludwig, damals vermutlich erst elf Jahre alt, hat er ein Gebiet namens Bayern vorgesehen (das allerdings nur in Teilen mit dem heutigen Bundesland identisch ist). Ludwig „den Deutschen“ wird man ihn Jahrhunderte später nennen, ein der Überlieferung nach zäher und tatkräftiger Mann, der die entscheidende Rolle bei der Entstehung des Ostfrankenreichs spielen wird.

Der junge Ludwig und sein Bruder Pippin sollen nach den Vorstellungen ihres Vaters auch nach dessen Tod nur Könige mit eingeschränkten Rechten sein. Demnach werden sie weder Kriege beginnen noch Frieden schließen dürfen, ohne den ältesten Bruder, Kaiser Lothar, um Erlaubnis zu bitten.

BALD HERRSCHT STREIT ZWISCHEN KARLS ENKELN

EIN PAAR JAHRE SPÄTER, 823, ereignet sich jedoch etwas, mit dem am Hof niemand gerechnet zu haben scheint: Die zweite Frau von Kaiser Ludwig dem Frommen gebiert einen Sohn und bringt damit das wohlgeordnete Regelwerk der „Ordinatio imperii“ durcheinander. Das gesteht nur den drei Söhnen aus der ersten Ehe des Vaters Gebiete und Titel zu. Für die drei Älteren ist der neue Halbbruder eine Bedrohung ihrer eigenen Ambitionen auf Macht und Ruhm.

Der Nachzügler wird nach seinem Großvater auf den prestigeträchtigen Namen Karl getauft. Er ist erst sechs Jahre alt, als der Kaiser, bedrängt wohl von seiner Gattin, dem Jungen größere Gebiete überträgt (und damit gegen die von ihm selbst gesetzte Regel verstößt): Alemannien im Südwesten des heutigen Deutschland, dazu das Elsass und Teile von Burgund. Zunächst regiert das Kind dort nur nominell, die Amtsgeschäfte führen Berater. Trotzdem existiert auf den fränkischen Territorien nun noch ein weiteres Teilreich.

Die Gebiete für sein jüngstes Kind (später Karl der Kahle genannt) hat Kaiser Ludwig aus jenen Gegenden des Reiches herausgelöst, die er zusammen mit seinem Sohn Lothar regiert. Der verliert so einen Teil seines Erbes an den Halbbruder. Als Lothar dagegen protestiert, lässt Kaiser Ludwig ihn vorübergehend als Mitregenten absetzen und schickt ihn nach Italien.

Doch auch der Zorn der anderen zwei Söhne über die tatsächliche oder vermeintliche Bevorzugung des Jüngsten ist groß, und so wagen die drei Brüder Anfang der 830er Jahre zweimal einen gemeinsamen Aufstand gegen den Vater, der zwischenzeitlich sogar abgesetzt wird. Selbst als Ludwig der Fromme 840 stirbt, enden die Unruhen nicht. Im Gegenteil.

Lothar, nach dem Tod des Vaters nunmehr alleiniger Kaiser, versucht, seine Geschwister, Ludwig und den inzwischen 17-jährigen Karl, unter seine Oberherrschaft zu zwingen (der zweitälteste Bruder Pippin ist bereits verstorben, sein Erbe in Aquitanien zwischen dessen Sohn und Karl umstritten). Die beiden Jüngeren standen sich bislang misstrauisch gegenüber. Doch nun, unter dem Druck Lothars, gehen sie überraschend eine Allianz ein, um sich gegen die Ansprüche ihres älteren Bruders zu stellen und sich selbst ein möglichst großes Stück des Gesamtreichs zu sichern.

Die beiden lösen damit ein Ringen aus, das das Reich im Kern erschüttert: Franken töten Franken, und das zum ersten Mal in schrecklich großer Zahl.

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DER OSTFRÄNKISCHE König Arnulf steht in einer Allianz mit den Konradinern. Mit der Ermordung seines Dienstmannes eskaliert deren schwelender Konflikt mit den Babenbergern zu einem jahrelangen, unerbittlichen Kampf

Am Morgen des 25. Juni 841, nahe dem Dorf Fontenoy in Burgund. In der flachen, von blühenden Wiesen und einem Bach durchzogenen Landschaft stehen sich zwei Armeen gegenüber: das von Kaiser Lothar geführte Heer und die verbündeten Streitkräfte seiner Geschwister Ludwig und Karl – insgesamt wohl mehr als 50 000 Mann. Schwer gerüstete Panzerreiter ziehen übers Feld, dazu marschieren Scharen von Bauern aus allen Landstrichen des Reiches herbei, zum Kriegsdienst einberufen von den Adeligen ihrer Heimatorte.

Die Schlacht zwischen den Brüdern beginnt im Morgengrauen und wird zu einem der fürchterlichsten Gemetzel des Zeitalters. Den Truppen von Ludwig und Karl gelingt es in den folgenden Stunden, Lothars Krieger weiter und weiter zurückzudrängen, viele von ihnen fliehen panisch vom Schlachtfeld. Bald schon liegen Tausende Sterbende und Verwundete auf dem Boden. Noch am nächsten Morgen wimmern Schwerverletzte im Gras; Wölfe und Geier, so berichten Chronisten, machen sich über die Toten her. Lothar und die Überlebenden seiner Armee ziehen sich nach Aachen zurück.

Auch nach den Kämpfen entflammen immer wieder bewaffnete Streitigkeiten zwischen den Brüdern. Ein knappes Jahr dauert es, dann sendet Kaiser Lothar, offenbar der zermürbenden Waffengänge müde, Boten zu seinen Brüdern und bittet um einen Waffenstillstand. Er will endlich eine Lösung des blutigen Streits.

IM HERBST 842 versammeln sich in der Kirche Sankt Kastor in Koblenz 120 Adelige, von denen jeder Bruder ein Drittel ausgewählt hat. Die Edelleute sollen eine Einigung vorbereiten und dafür eine Teilung des Reiches vorschlagen, die in Wert und Größe etwa ebenbürtige Territorien hervorbringt. Um die Gebiete so gerecht wie möglich zu bemessen, werden eigens Emissäre in alle Regionen geschickt, um Siedlungen, Böden und Besitz zu taxieren.

KARL DER KAHLE

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Mit seiner zweiten Frau bekommt Ludwig der Fromme überraschend noch einen Sohn. Für seinen Halbbruder Karl muss Lothar Gebiete abgeben – und entzweit sich so mit seinem Vater

ARNULF VON KÄRNTEN

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DER REGENT des Ostfrankenreichs ist ein außerehelich geborener Enkel Ludwigs des Deutschen. Arnulf gilt damit als Karolinger – doch seine Legitimation als König ist schwach. Umso sorgfältiger muss er seine Allianzen pflegen

Nachdem die Boten zurückgekehrt, deren Berichte ausgewertet worden sind, finden sich die drei Brüder im August 843 in Verdun ein, einer Bischofsstadt an der Maas, und unterzeichnen einen denkwürdigen Vertrag. Er spaltet das Imperium der Karolinger in drei fast unabhängige Königreiche. Kaiser Lothar erhält ein langes, schlauchartiges Gebiet, das sich von der Nordsee bis ans Mittelmeer zieht und für die Karolinger so bedeutsame Orte wie Aachen umfasst; darüber hinaus fällt ihm das gesamte fränkische Italien zu und damit auch die Schutzherrschaft über die heilige Stadt Rom.

Karl der Kahle, der jüngste legitime Sohn, bekommt die westlichen Gebiete mit Städten wie Paris und Reims zugesprochen. Sie erstrecken sich von den Flüssen Rhône und Saône bis zum Atlantik, vom Ärmelkanal bis nach Barcelona.

Der dritte Bruder, Ludwig der Deutsche, kann durch den Vertrag sein Territorium fast verdoppeln: Sein östliches Reich umfasst nun auch Gebiete links des Rheins mit den Bischofsstädten Mainz, Speyer und Worms, zieht sich bis an die Elbe und die Nordsee. Die große Erweiterung soll wohl auch dafür entschädigen, dass zahlreiche Gebiete Ludwigs eher dünn besiedelt sind, wirtschaftlich und kulturell hinter den einstigen römischen Provinzen in Gallien zurückstehen.

NOCH GUT 30 JAHRE herrscht Ludwig der Deutsche im Ostfrankenreich, dem er 870 einen Teil des mittleren Herrschaftsgebiets mit der Stadt Aachen hinzufügen kann. Mit seinen Söhnen kämpft er an Elbe und Saale gegen slawische Völker, hilft aber auch im Westen, Wikinger und aufständische Aquitanier zurückzuschlagen. Nach Ludwigs Tod 876 regiert einige Zeit sein Sohn Karl „der Dicke“. Im Jahr 887 wird der von mächtigen Adeligen abgesetzt. Zum ostfränkischen König lässt sich nun Arnulf von Kärnten erheben, ein unehelich geborener Enkel Ludwigs des Deutschen. Zwar ebenfalls ein Karolinger, muss er als Usurpator seine Machtbasis besonders aufmerksam pflegen.

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NACH UND NACH gewinnen die Konradiner die Oberhand über die Babenberger. Im Jahr 902 belagern sie die Hauptburg des verfeindeten Adelsgeschlechts

Um seine Position zu stärken, stützt er sich bald auf ein aufstrebendes Adelsgeschlecht, mit dem er durch seine Frau verschwägert ist. Ursprünglich aus dem Lahngebiet im heutigen Hessen stammend, haben diese Konradiner (später so benannt nach dem einzigen König, den die Familie hervorbringt) ihren Einfluss bis in den östlichen Teil des Reiches ausgeweitet, greifen dort jetzt nach den Kerngebieten der Babenberger nahe dem Main.

König Arnulf ist das gerade recht: Die Babenberger waren enge Vertraute seines gestürzten Vorgängers. Vermutlich, weil sie ihm die Absetzung weiterhin verübeln, ignoriert er sie bei der Vergabe von Ämtern, beschneidet ihre Macht und alte Vorrechte. Die Konradiner dagegen begünstigt er nach Kräften, teilt ihnen eine Grafschaft im Stammland der Babenberger zu, schließlich den Bischofsstuhl von Würzburg. Und befeuert so den zunehmenden Streit der beiden mächtigen Sippen.

Im Jahr 897 erfährt König Arnulf, der auf seinen Reisen durchs Reich häufig auch in der Gegend um

Würzburg und die Babenburg unterwegs ist, sicher bald von dem brutalen Mord an seinem Dienstmann Trageboto. Es ist ein Anschlag auf die Allianz, die er mit den Konradinern zulasten der Babenberger geformt hat – und damit zugleich auf seine königliche Autorität.

Ob und wie der Herrscher auf die Attacke aus dem Kreis der verbitterten Adelssippe reagiert, ist nicht überliefert. Doch der Gewaltakt scheint das politische Klima weiter zu vergiften. Anfangs noch nahezu unmerklich, wie ein untergründiges Dräuen, dann deutlich spürbar. Bald wohl kommt es immer wieder zu kleinen und größeren Streitigkeiten zwischen Babenbergern und Konradinern, brechen in den folgenden Jahren Scharmützel zwischen Anhängern beider Lager aus, gehen Landleute der Familien mit Stöcken und Spießen aufeinander los und fachen den Hass an – bis die Fehde nach einigen Jahren mit voller Wucht entbrennt.

DAS ENDE EINER ÄRA

BABENBURg, UM 902. Die gut befestigte Anlage erhebt sich auf einem der sieben Hügel der heutigen Stadt Bamberg. Hierher, auf ihren Stammsitz, haben sich die Babenberger zurückgezogen, nachdem sie in den Wochen zuvor im Umland von Würzburg mehrere Landstriche verwüstet haben – wohl noch immer voller Zorn darüber, dass der Bischofsstuhl von Würzburg an einen Konradiner gegangen ist. Die Truppen der verfeindeten Sippe folgen ihnen rasch und belagern die Burg von allen Seiten. Adalbert, einer von drei Brüdern und Anführer der Babenberger, bewaffnet seine Männer mit Schwertern, gibt den Befehl zum Ausbruch. Die Eingeschlossenen strömen durch die Burgtore herab, rücken auf ihre Gegner zu.

Doch statt zu weichen, drängen nun auch die Konradiner nach vorn. Sie durchbrechen die Schlachtreihe der Feinde mit Schwerthieben, strecken alle nieder, die ihnen begegnen. Dabei erschlagen sie auch einen von Adalberts Brüdern, einen weiteren nehmen sie zunächst gefangen. Nachdem die Konradiner unter einem Haufen von Leichen einen schwer versehrten Angehörigen gefunden haben, pflegen sie ihn einige Tage. Als er stirbt, enthaupten sie aus Rache den gefangenen Babenberger.

Das Schicksal wendet sich nun immer heftiger gegen das alteingesessene Geschlecht. Kurz nach der verlorenen Schlacht beruft der König einen Reichstag, eine Versammlung der wichtigsten Adeligen des Landes, in Forchheim ein, mitten in den Stammlanden der Babenberger. An der Spitze des Reichs steht mittlerweile, seit dem Tod Arnulfs von Kärnten im Jahr 899 wohl in Folge eines Schlaganfalls, formell sein zehnjähriger Sohn Ludwig. Tatsächlich aber führen vor allem Berater aus der Familie der Konradiner die Regierung. Die aus allen Teilen des Ostfrankenreichs herbeigeeilten Großen beschließen, den Besitz der beiden getöteten Babenberger einzuziehen und ihn dem Bischof von Würzburg zu überlassen, dem Konradiner Rudolf. Ein großer Verlust für die Babenberger und eine gezielte Demütigung, die ihnen noch einmal bewusst machen dürfte, wie sehr sie an Einfluss und Macht verloren haben.

DREI JAHRE SPÄTER bäumen sie sich trotzdem noch einmal auf. Adalbert schlägt das Heer der Konradiner in einem verlustreichen Gefecht. Zunächst kann er mit großer Beute auf die Babenburg zurückkehren. Doch bald darauf stellt der Königshof gemeinsam mit den Konradinern ein Reichsheer auf und umzingelt den Babenberger auf einer seiner Burgen am Main, gut 40 Kilometer vom Stammsitz entfernt.

KONRAD I.

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DER KONRADINER ist ab 911 der erste nichtkarolingische Herrscher des Ostfrankenreichs. Doch die Regentschaft des kränkelnden Königs bleibt kurz und glanzlos

OTTO I.

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NACH KONRAD übernimmt das sächsische Adelsgeschlecht der Ottonen die Herrschaft über das Ostfrankenreich. Otto I. kann zudem den Königstitel in Italien und die Kaiserwürde erlangen

Die Lage in der Festung spitzt sich zu. Die Übermacht vor den Mauern ist zu groß, um auch diesmal den Kampf zu wagen. Als die Belagerung länger und länger andauert, geht Adalbert daher auf ein Angebot seiner Gegner ein: Gegen das Versprechen auf freies Geleit tritt er mit wenigen Begleitern vor das Burgtor und stellt sich den Königlichen. So hofft er, mit dem Leben davonzukommen. Doch die Konradiner halten sich nicht an die Absprache: Der letzte der drei Babenberger-Brüder wird mit gefesselten Händen vor dem versammelten Heer abgeführt und kurz darauf hingerichtet.

Die Babenberger haben nun keinen Anführer mehr. Die Kämpfe, die eine bedeutende Region des Ostfrankenreichs über Jahre erschüttert haben, gehen zu Ende. Sieger der langen Fehde sind die Konradiner, die in die obersten Zirkel der Macht vorgedrungen sind und weiter zu den wichtigsten Ratgebern des minderjährigen Königs gehören. Ein Geschlecht, das schon bald eine neuerliche Rangerhöhung erlebt.

Denn als der junge, oft kränkelnde Ludwig 911 stirbt, wählen die Großen des Reiches Graf Konrad, den mächtigsten Vertreter seiner Familie, zum König. Es ist das erste Mal, dass kein Karolinger an der Spitze des Ostfrankenreichs steht.

Konrads Herrschaft allerdings ist kurz und glanzlos. Er regiert nur sieben Jahre, die geprägt sind von fast unablässigen Kämpfen gegen die von Osten ein fallenden Ungarn, aber auch von Streitigkeiten mit seinen Herzögen. Er stirbt im Dezember 918.

UND NUN ÜBERNIMMT ein Adelsgeschlecht aus Sachsen die Königswürde: die Liudolfinger, nach ihren bedeutendsten Vertretern auch Ottonen genannt. Unter den neuen Regenten, die aus einer Region stammen, die Karl der Große erst rund 150 Jahre zuvor fränkischer Herrschaft unterworfen hatte, verfestigt sich die Trennung in ein westliches und ein östliches Frankenreich endgültig. (Bereits 880 war die noch für Jahrhunderte weitgehend unverändert geltende Grenze zwischen den beiden Machtbereichen festgelegt worden.)

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MIT DER HINRICHTUNG des letzten Anführers der Babenberger durch die Konradiner endet im Jahr 905 jene Fehde, die das Ostfrankenreich über Jahre erschüttert hat

Die Könige im Osten erlangen in der Folge die Kaiserwürde und die Herrschaft in Italien. Für dieses Gebilde wird sich später der Name „Heiliges Römisches Reich“ etablieren. Er bezieht sich auf das Imperium Romanum, dessen Nachfolge schon Karl der Große beansprucht hatte.

Die ottonischen Herrscher des 10. Jahrhunderts bezeichnen sich selbst noch als Könige der Franken – und suchen bewusst den Anschluss an die Karolinger: Otto I., der glanzvollste König seines Geschlechts (und dessen erster Kaiser), begibt sich für seine Inthronisation nach Aachen; hier, in der Kirche Karls des Großen, wo auch dessen Grab liegt, lässt sich Otto zum König krönen. Während der Zeremonie trägt er fränkische Kleidung – und reiht sich damit ein in die lange Geschichte der Franken und ihrer Herrscher.

Auch im Westen werden die Karolinger endgültig im 10. Jahrhundert von einem anderen Geschlecht abgelöst (siehe Seite 148). Und auch hier bleibt das Erbe der Franken präsent. Der allmählich entstehende Staat Frankreich trägt ihren Namen bis heute.

In jenen östlichen Teilen, die dereinst als „deutsche Lande“, dann als Deutschland bezeichnet werden, finden sich ganz ähnliche Spuren in geografischen Namen. In „Frankfurt“ etwa. Oder in „Franken“, jener Region um Bamberg und Würzburg, in der einst eine blutige Adelsfehde tobte.

2. Abul Abbas. Das Geschenk des Kalifen

Die Beziehungen der Frankenkönige reichen bis in den Nahen Osten. Mehrfach tauscht man mit dem Herrscher des Abbasidenreichs Gesandtschaften aus. Und kostbare Gaben. Die wohl größte ist ein Elefant aus Indien, der am Hof Karls des Großen für Exotik sorgt

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EIN LEIBHAFTIGER ELEFANT gelangt zur Zeit Karls des Großen nach Aachen, als Freundesgabe des Kalifen Harun ar-Raschid an den Kaiser. Das Tier mit dem Namen Abul Abbas (hier die Darstellung eines anderen Elefanten, 13. Jh.) hat da bereits eine Tausende Kilometer lange Reise hinter sich – von Indien über den Nahen Osten, Nordafrika und Italien bis zur Pfalz des Frankenherrschers

Am 20. Juli 802 stampft ein Wesen durch die Straßen von Aachen, wie es die Menschen hier allenfalls aus abenteuerlichen Sagen kennen. Größer ist es als jedes andere Tier, das die Einwohnerinnen und Einwohner bislang gesehen haben. Es hat einen riesigen Schädel mit großen faltigen Ohren, zudem einen Rüssel, aus dem merkwürdige Laute ertönen: ein Elefant. Vorbei an hölzernen Wohnhäusern, Schmieden, Viehställen, Speichern und Werkstätten zieht er zur Lieblingspfalz Karls des Großen (siehe Seite 84).

Viele Reisende hat der eineinhalb Jahre zuvor zum Kaiser gekrönte Frankenherrscher bereits empfangen, wohl keine allerdings mit einer so weiten Anreise. 5000 Kilometer liegen hinter dem Dickhäuter Abul Abbas, den Karl an jenem Sommertag als Geschenk aus dem Morgenland erhält. Seine Begleiter haben das Tier, das jeden Tag 200 Kilogramm Gräser, Blätter und Wurzeln verschlingt sowie 100 Liter Wasser trinkt, durch Täler geführt, entlang von Küstenlinien gelenkt, über das Mittelmeer transportiert und gar die Alpen mit ihm überwunden.

Keine Quelle berichtet davon, wie die Begegnung zwischen Kaiser und Elefant ausfällt. Sicher ist: Das Tier wird bleiben – und es hat eine Mission. Abul Abbas soll die Bande zwischen dem mächtigsten Reich des Abendlandes und jenem der muslimischen Welt, dem Abbasiden-Kalifat, stärken. Eine Freundschaft, die einst Karls Vater angebahnt hat.

Pippin, der erste Karolinger auf dem Frankenthron, setzt auch auf die Kraft der Diplomatie, um die Position seiner Dynastie zu sichern. Denn wer Respekt und Anerkennung durch andere mächtige Herrscher erfährt, wer mit ihnen Geschenke tauscht und so Schätze aus der ganzen Welt vereint, der muss in den Augen der jeweiligen Untertanen wahrhaft königlich sein.

Im Jahr 764 entsendet der König Botschafter zum Kalifen al-Mansur nach Bagdad. Der muslimische Herrscher gebietet über das gewaltige Reich der Abbasiden, eine gleichfalls junge Dynastie, deren Einfluss von Nordafrika bis zum Indus reicht, und revanchiert sich beim Frankenkönig mit kostbaren Geschenken.

Gut 30 Jahre später bringt Pippins Sohn Karl gleichfalls eine Delegation auf den Weg gen Osten. Im Abbasidenreich sitzt mit Harun ar-Raschid inzwischen ein Regent auf dem Thron, der sich seinen Platz mühsam gegen Widersacher erkämpft hat, seither von der Unterstützung durch einflussreiche Militärs abhängig ist und sich immer wieder mit Rebellionen herumschlagen muss. Karls Delegation empfängt er daher wohl nur allzu gern, vermutlich an seinem Hof in Raqqa, knapp 600 Kilometer nordwestlich von Bagdad im heutigen Syrien, das er kurze Zeit zuvor zu seiner neuen Hauptstadt gemacht hat. Und er scheut keine Mühe, die Gunst des aufstrebenden Karolingers durch eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit zu erwidern: einen indischen Elefanten.

Wie Harun ar-Raschid an das Rüsseltier gelangt, ist unbekannt. Vielleicht kam es einst als diplomatisches Geschenk mit Gewürzen, Edelsteinen und anderen Handelsgütern per Schiff aus Indien ins Kalifat. Fest steht: In freier Wildbahn leben in seinem Reich keine Elefanten, am Hof des Kalifen sind die Tiere höchst außergewöhnliche Erscheinungen. Vielleicht auch deshalb trägt das für Karl den Großen vorgesehene Exemplar einen klangvollen Namen: Abul Abbas – vermutlich nach Abu l-Abbas as-Saffah, dem Begründer der Abbasidendynastie.

Wohl im Jahr 800 geht es für den Elefanten auf eine noch viel längere Reise als jene, die ihn einst aus seiner indischen Heimat geführt hat. Denn Karls Delegation leitet Abul Abbas nicht etwa auf kürzestem Weg – über Kleinasien – in Richtung Frankenreich: Weil sich die Abbasiden immer wieder im Krieg mit Ostrom befinden, muss das Tier zunächst gen Mittelmeer laufen, folgt dann der Küstenlinie vorbei an Alexandria weiter gen Westen, stets im Einflussgebiet des Kalifen, bis es vermutlich Tunis erreicht. Spezialisten, die das Tier führen, füttern und pflegen, begleiten den Tross.

Karl, inzwischen zum Kaiser gekrönt, hat vier Jahre nichts von der Delegation gehört, als ihn im Juni 801 während eines Aufenthaltes in Norditalien eine Nachricht erreicht: In Pisa, so berichten ihm Boten, seien Abgesandte von Harun ar-Raschid eingetroffen. Umgehend reist der Kaiser den Ankömmlingen entgegen und erfährt, dass seine fränkischen Gesandten inzwischen ums Leben gekommen sind, ihr Begleiter aber sei mit Helfern und großen Geschenken auf der Rückreise aus dem Kalifat – darunter ein Elefant. Karl lässt daraufhin eine Flotte rüsten, um die gewaltige Gabe von Afrika über das Mittelmeer an die ligurische Küste zu holen und von dort weiter bis in seine Pfalz in Aachen zu transportieren.

Für das Rüsseltier muss eigens ein Schiff angefertigt werden, das auch dann nicht kentert, wenn sich ein bis zu 6,5 Tonnen schweres Tier darauf bewegt. Im Herbst des Jahres läuft es samt dem Elefanten in Porto Venere ein. Sogleich nach Aachen kann die Gruppe jedoch nicht ziehen: Die Alpen sind mit Schnee bedeckt, Abul Abbas überwintert in Norditalien. Erst im Frühsommer 802 überschreitet der Trupp die Berge, rund 1000 Jahre nachdem der legendäre karthagische Feldherr Hannibal mit seinen Elefanten die Alpen in umgekehrter Richtung passiert hatte und in Italien eingefallen war.

Am 20. Juli 802 schließlich erscheint Abul Abbas in Aachen, wo Karl in diesen Jahren die prächtigste Pfalz des Frankenreiches errichtet: eine herrschaftliche Anlage mit der monumentalen Königshalle und der 30 Meter gen Himmel ragenden Marienkirche. Karl ist höchst angetan von dem Präsent aus dem Morgenland, wohl die Krönung seiner Sammlung an aufsehen erregenden Geschenken. (Einer einzelnen Quelle zufolge hat er den Elefanten sogar beim Kalifen bestellt.) Er revanchiert sich beim fernen Herrscher unter anderem mit einer Sendung besonders schneller und furchtloser Hunde für die Löwen- und Tigerjagd. Im Gegenzug erhält er weitere kostbare Präsente aus dem Abbasidenreich, darunter eine Wasseruhr und ein großes, farbenprächtiges Zelt aus Leinen als Symbol der Macht – und antwortet wiederum mit Gold und einem kostbaren Mantel.

Der Kaiser revanchiert sich beim Kalifen für den Elefanten – mit einer Sendung besonders schneller Hunde für die Löwen- und Tigerjagd

Abul Abbas verbringt seine Zeit derweil wohl zumeist in Tiergehegen, in denen sich etwa auch Pfauen tummeln, streift vielleicht durch die Obstgärten der Residenz. Und immer wieder wird er womöglich auf kürzere Reisen gehen, mit dem Frankenherrscher von Quartier zu Quartier ziehen, Eindruck schinden bei den Untertanen und Gegner auf Feldzügen in Angst und Schrecken versetzen.

Im Jahr 810 begleitet Abul Abbas den Kaiser auf einer Kampagne gegen Dänen, die in Friesland eingefallen sind. Karl will den Nordmännern auch mithilfe seines Elefanten Einhalt gebieten. Doch auf dem Weg stirbt Abul Abbas bei einem Ort namens Lippeham am östlichen Rheinufer, mehrere Tagesreisen von Aachen entfernt – „plötzlich“, wie es in einer fränkischen Quelle heißt. Hat er das kühlere Klima im Frankenreich, in dem er acht Jahre seines Lebens verbrachte, nicht vertragen? Litt er an einer Lungenentzündung? Oder war er unzureichend gepflegt worden? Möglich. Wahrscheinlicher aber ist, dass der Elefant einer Rinderseuche zum Opfer fällt, die in jenem Jahr durch das Frankenreich fegt.

Auf jeden Fall bleibt Abul Abbas unvergessen. Chronisten halten die Erinnerung an das wundersame Tier aus dem Orient wach, das die Menschen noch Jahrhunderte später fasziniert. Um 1746 nimmt der westfälische Gelehrte Hermann Jodokus Nünning in seine Altertumssammlung einen Knochen auf, der auf einem Acker am Rheinufer zum Vorschein gekommen war – dort, wo sich womöglich einst der Königshof Lippeham befand. Nünning klassifiziert den 70 Zentimeter langen Knochen sogleich als Überrest des kaiserlichen Elefanten. Im Jahr 1750 ziehen Fischer drei weitere, heute gleichfalls verschollene Skelettteile aus der Lippe, darunter angeblich ein Schienbein. Auch diese schreiben Zeitgenossen Karls Dickhäuter zu – getrieben wohl von der Sehnsucht, Spuren des legendären Elefanten zu finden.

a0d75e13-ae5e-4c20-a1c0-ea38be2fa596.jpgKARL DER GROSSE weiß um die Macht der Inszenierung und genießt offenbar die Faszination des wundersamen Rüsseltieres, das bei Freund und Feind Eindruck macht. Bis es im Jahr 810, als der Kaiser es auf einen Feldzug mitnimmt, plötzlich verstirbt (Buchmalerei, 14. Jahrhundert)


3. Daten und Fakten. Die Geschichte der Franken 

Dort wo lange Rom herrschte, erwächst eine neue Macht: Von Gallien aus errichten fränkische Anführer mit Schwert und Kreuz das größte europäische Reich des frühen Mittelalters. Ein Imperium, das schließlich zerbricht. Aber in seinen Teilen weiterlebt

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EINE ZENTRALE SZENE der fränkischen Historie spielt sich im unteren Drittel dieses um 880 aus Elfenbein geschnitzten Buchdeckels ab: die Taufe von König Chlodwig. Viele aus der Zeit der Merowinger und Karolinger überlieferte Objekte zeugen von höchster Herrschaft und Religion, doch auch ganz Weltliches, Alltägliches hat die Jahrhunderte überdauert

um 250 n. Chr.

In später verfassten Werken antiker Autoren finden sich Berichte von Überfällen germanischer Kämpfer, die lateinisch Franci oder griechisch Frankoi genannt werden. Die Angreifer queren offenbar den Rhein, der die Grenze des Imperium Romanum markiert, und ziehen plündernd durch römisches Territorium in Nordgallien. Die genaue Herkunft dieser Franken (deren Name wohl von einem germanischen Wort für „mutig“ oder „wild“, verwandt mit dem deutschen „frech“, abgeleitet ist) bleibt im Dunkeln. Vermutlich handelt es sich um einen erst in diesen Jahren entstandenen, eher lockeren Verband, womöglich aus kleineren Gruppen, die aus weiter entfernten Gegenden an den Niederrhein gekommen sind oder auf für frühere Zeiten in der Region bezeugte Stämme zurückgehen.

Für ihre Überfälle nutzen die Franken Phasen der Schwäche des Imperiums, das immer wieder von Usurpationen und inneren Machtkämpfen erschüttert wird. Zudem setzen die Kaiser meist einen großen Teil ihrer Truppen im Osten des Reichs ein, wo ihnen mit den persischen Sassaniden ein gefährlicher Gegner erwachsen ist, vernachlässigen darüber den Schutz der Rheingrenze.

288

Maximian, der Augustus der Westhälfte des Römischen Reichs, in dem sich seit einigen Jahren zwei Kaiser die Herrschaft teilen, unternimmt einen Feldzug auf rechtsrheinischem Gebiet. Einer zeitgenössischen Lobrede zufolge unterwirft sich dem Imperator dabei ein Gennobaudes genannter Franke: der erste namentlich bekannte fränkische „König“, tatsächlich wohl ein regionaler Gefolgschaftsführer.

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IM GALOPP prescht der Reiter voran, als Zierde einer Fibel, einer Art Nadelverschluss, die die Kleidung eines Franken zusammenhielt. Nachempfunden ist die Figur wohl einem Nomaden aus den Steppen des Ostens

306

In Britannien stirbt der Westkaiser Constantius, die dortigen Truppen rufen seinen Sohn Konstantin zum neuen Augustus aus. Erneut nutzen fränkische Heerführer die instabile Situation für Überfälle, dringen möglicherweise bis zur Somme im heutigen Nordfrankreich vor. Doch Konstantin (später „der Große“ genannt) wendet sich energisch gegen die Eindringlinge, schlägt auch jenseits des Rheins Verbände der Franken und verwüstet deren Siedlungsgebiet.

355

Franken erobern Köln, um die gleiche Zeit überschreiten Franken und weiter südlich Alemannen auf breiter Front den Rhein und verheeren weite Gebiete auf der römischen Seite des Stroms. Um der Situation Herr zu werden, erhebt Kaiser Constantius II. seinen Cousin Julian zum Mitkaiser und schickt ihn nach Gallien.

MEHRFACH GREIFEN FRANKEN TRIER AN

358

Nach erfolgreichen Feldzügen gegen die Alemannen und der Rückeroberung Kölns von den fränkischen Besatzern wendet sich Julian gegen andere Franken, die in ein Toxandrien genanntes Gebiet (zwischen Rheindelta und Schelde beim heutigen Antwerpen) eingedrungen waren und sich dort bereits niedergelassen haben. Nachdem er sie besiegt hat, erlaubt Julian ihnen, dauerhaft in der Gegend zu bleiben, wofür sie Soldaten für die römischen Truppen stellen müssen. Zudem siedelt Julian wohl auch an Rhein und Mosel Franken auf römischem Boden an. In kleinerem Umfang waren römische Kaiser so vermutlich schon zuvor verfahren. (Die lange von neuzeitlichen Historikern vertretene Ansicht, die in Toxandrien angesiedelten „Salfranken“ seien eine von den „Rheinfranken“ klar abgegrenzte Teilgruppe, gilt inzwischen in der Forschung als überholt.)

392/93

Arbogast, der oberste Armeechef des Westreichs, zieht zu einem Winterfeldzug an den Rhein bei Köln. Zuvor hatten abermals Franken römische Thronwirren für großflächige Überfälle genutzt. Arbogast greift nun fränkisches Gebiet rechts des Rheins an, verwüstet Dörfer und ganze Landstriche. Dabei ist Arbogast selbst Franke: Schon seit Kaiser Konstantin hatten zunehmend fränkische Kämpfer in der römischen Armee gedient, in der Folge waren einzelne bis in höchste Militärränge aufgestiegen.

406/07

Um den Jahreswechsel setzen gewaltige Gruppen von „Barbaren“, darunter Vandalen, Sueben und Alanen, bei Mainz über den Rhein und fallen in Gallien ein. Versuche von am Mittelrhein siedelnden Franken, die Grenze gegen die Invasoren zu verteidigen, waren zuvor gescheitert. In Gallien stoßen die Eindringlinge auf wenig Widerstand und ziehen einige Jahre plündernd durch die Provinzen.

418

Westgoten schließen mit Westrom einen Vertrag: Sie erhalten ein Gebiet im südwestgallischen Aquitanien, um sich daraus zu versorgen, und sollen dafür die Verteidigung gegen weitere Barbareneinfälle stärken. Tatsächlich gründen die Westgoten in Aquitanien ein schnell wachsendes eigenes Reich mit der Hauptstadt Toulouse, dessen Könige bald allenfalls nominell die Oberherrschaft der römischen Kaiser anerkennen.

419/20

Rechtsrheinische Franken erobern und plündern Trier, wohl bereits zum dritten Mal. Wie der zeitweilige Regierungssitz der weströmischen Kaiser, die sich nun aber kaum noch in Gallien aufhalten, sind auch andere Städte Ziel fortgesetzter fränkischer Angriffe von jenseits des Rheins. Derweil verläuft das Zusammenleben der bereits in Nordostgallien ansässigen Franken und der römischen Bevölkerung offenbar weitgehend friedlich, passen sich die Zugewanderten nach und nach der Lebensweise ihrer romanischsprachigen, überwiegend christlichen Nachbarn an.

um 445

Chlodio, gemäß einer der wenigen überlieferten Informationen ein fränkischer „König“, unternimmt Eroberungszüge in die Gegend von Cambrai und Arras, dringt vor bis zur Somme. Zwar wird er von einem römischen Feldherrn geschlagen, darf sich möglicherweise aber – ähnlich wie viele fränkische Truppenführer zuvor – in der Gegend niederlassen.

451

Der Hunnenkönig Attila greift mit einem großen Heer Gallien an. Auf den Katalaunischen Feldern (wohl bei Troyes in der Champagne) kommt es zur Entscheidungsschlacht, auf beiden Seiten kämpfen auch Franken: rechtsrheinische in Attilas Heer, linksrheinische als Teil einer Allianz aus Römern, Westgoten und etlichen weiteren Gruppen. Mit knapper Not gelingt es dieser, die Invasoren zurückzuschlagen. In der Folge jedoch zieht sich die römische Zentralmacht vollständig aus Gallien zurück. Mit den Truppen verlassen auch Teile des Verwaltungsapparats die Provinzen. Dennoch bricht das öffentliche Leben nicht zusammen: Die verbleibenden gallorömischen Eliten organisieren sich nun selbstständig ohne kaiserlichen Oberherrn. Viele Funktionen übernimmt die Kirche, den Bischöfen fällt zusehends die Regierung der Städte samt Umland zu.

um 460

Ein fränkischer „König“ namens Childerich unternimmt Kriegszüge in Gegenden westlich des fränkischen Siedlungsbereichs, bezeugt sind Aktionen in Paris sowie den Loire Städten Orléans und Angers. Unklar bleibt, ob Childerich, angeblich ein Nachkomme Chlodios und der Sohn eines gewissen Merowech, mit seiner Gefolgschaft im Dienst der Römer vorgeht oder auf eigene Rechnung. Möglicherweise ist er zeitweise mit dem Heerführer Aegidius alliiert, der sich 461 von der römischen Führung lossagt und ein unabhängiges Herrschaftsgebiet in Nordgallien errichtet.

476

Der germanischstämmige Heerführer Odoaker setzt den in Italien amtierenden Kaiser des Weströmischen Reiches ab, vier Jahre später stirbt ein in Dalmatien ansässiger, noch vom Ostreich anerkannter Gegenkaiser. Da das Amt im Westen fortan vakant bleibt, ist formal nun der Kaiser in Konstantinopel für das gesamte Reich zuständig. Dessen Oberhoheit gilt damit nominell auch für die Könige germanischer Völkerschaften, die sich in Gallien eigene Reiche geschaffen haben, neben den Westgoten etwa die Burgunder in Südostgallien, hat aber kaum praktische Auswirkungen.

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MIT SOLCHEN Kannen aus Holz und Bronzeblech konnten Vertreter der merowingischen Oberschicht Wasser oder andere Getränke servieren. Dieses Exemplar wurde um 500 zusammen mit einer Trinkschale einem Grab beigegeben

482

Childerich wird in Tournai (heutiges Belgien) beigesetzt. Unter den wertvollen Grabbeigaben sind ein Siegelring, dessen Inschrift ihn als rex bezeichnet, etliche oströmische Goldmünzen und weitere Gegenstände, die eine offizielle Anerkennung durch die Kaiser nahelegen. Die aufwendige Bestattung initiiert hat Childerichs Sohn Chlodwig. Dieser erbt vom Vater offenbar erheblichen Reichtum, als Herrschaftsgebiet jedoch wohl nur die Gegend um Tournai – möglicherweise war Childerich an der Loire mit den Westgoten in Konflikt geraten, die ihr Reich mittlerweile bis dahin ausgedehnt haben, und von diesen zurückgedrängt worden. Chlodwig gelingt es aber wohl schnell, seinen Einflussbereich zu vergrößern, wahrscheinlich unterwirft er manche der benachbarten fränkischen Kleinkönige, schließt mit anderen Bündnisse. Nach Childerichs angeblichem Vater Merowech erhält Chlodwigs Dynastie in späterer Zeit die Bezeichnung Merowinger.

486

Chlodwig zieht gegen das Reich des Syagrius, das dessen Vater Aegidius begründet hatte. Nach gewonnener Schlacht gegen den Römer erobert Chlodwig die Hauptstadt Soissons und macht sie zu seinem Sitz, erweitert in der Folge seinen Herrschaftsraum bis an die Seine und weiter bis zur Loire.

um 498

Samt großem Gefolge tritt Chlodwig in Reims zum christlichen Glauben über. Angeblich hatte er bei einer Schlacht gegen die Alemannen Jesus Christus um Hilfe angerufen und für den Fall des Sieges seine Taufe gelobt. Tatsächlich handelt es sich um einen lang geplanten Schritt, der Chlodwig und der Kirche gegenseitige Unterstützung sichern soll und der Einbindung der galloromanischen Eliten dient.

507

Chlodwig greift die Westgoten in Aquitanien an. Schon mehrfach hatte er Feldzüge gegen deren Reich, das mittlerweile auch große Teile der Iberischen Halbinsel umfasst, gestartet, aber wieder abgebrochen. Nun gewinnt er bei Poitiers eine entscheidende Schlacht, der gegnerische König fällt. In der Folge erobern die Franken fast das gesamte Territorium der Westgoten nördlich der Pyrenäen. Nur durch das Eingreifen des Ostgotenkönigs Theoderich bleibt den Westgoten die Septimanien genannte Region am Mittelmeer. Die östlich benachbarte Provence fügt Theoderich seinem eigenen Reich zu, das Italien und die im Norden und Osten anschließenden römischen Provinzen umfasst.

508

In Tours empfängt Chlodwig ein Diadem und ein Purpurgewand – geschickt vom oströmischen Herrscher Anastasius als Zeichen der offiziellen Anerkennung durch den Kaiser, der in dem Franken einen Verbündeten gegen Theoderich sieht. Hauptstadt seines Reiches, das Chlodwig zwischenzeitlich auch um Gegenden an Main und Oberrhein vergrößern konnte, wird nun Paris.

511

Mit etwa 45 Jahren stirbt Chlodwig. Für seine Nachfolge kommt eine Regelung zum Tragen, die die weitere Geschichte des Frankenreichs maßgeblich prägen wird: Seine vier Söhne – Theuderich, Chlodomer, Childebert und Chlothar – teilen das Reich unter sich auf. Umgehend beginnen Kämpfe um das Erbe, bei denen die Brüder in wechselnden Allianzen ihren Anteil vergrößern oder sogar die Alleinherrschaft erringen wollen.

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DIE KIRCHE SAINT-DENIS bei Paris barg diese aus Gold und Silber gefertigten Beschläge eines ledernen Gürtels. Er gehörte einer fränkischen Königin: Arnegunde, der um 580 verstorbenen Gattin von Chlodwigs Sohn Chlothar

524

Chlodomer stirbt im Kampf gegen die Burgunder. Seine Mutter, Chlodwigs Witwe Chrodechilde, übernimmt die Regentschaft für Chlodomers unmündige Söhne, doch seine Brüder Childebert und Chlothar bringen zwei von ihnen in ihre Gewalt und töten sie, teilen dann Chlodomers Territorium unter sich auf.

um 530

Theuderich unterwirft mit Chlothars Unterstützung das Reich der Thüringer (das vermutlich weit über die heutige Region Thüringen hinausgeht). 532 gelingt den Brüdern dann die schon lange von den Merowingern anvisierte Eroberung des Burgunderreichs in Südostgallien.

533

Theuderich stirbt und hinterlässt als Nachfolger seinen Sohn Theudebert, der Childerichs und Chlothars Versuch, auch dieses Erbe an sich zu reißen, vereiteln kann. Als im Jahr darauf das Burgunderreich geteilt wird, beziehen die Brüder auch ihren Neffen mit ein.

537

Die Merowinger besetzen die Provence und erhalten damit erstmals Zugang zum Mittelmeer. Der Ostgotenkönig hatte ihnen das Gebiet abgetreten, um fränkische Unterstützung im Kampf gegen das Oströmische Reich zu erlangen, das die Rückeroberung Italiens in Angriff genommen hat. Theudebert zieht in den folgenden Jahren mehrfach nach Italien, stellt sich aber auch gegen die Ostgoten und erobert Teile Norditaliens. Zudem können die Merowinger ihrem Reich zuvor ostgotische Gebiete in den Alpen und im nördlichen Vorland angliedern.

555

Der Sohn und Nachfolger Theudeberts stirbt mit nur etwa 18 Jahren, 558 ereilt auch Childebert der Tod. Da sie keine Erben hinterlassen, fallen ihre beiden Teilreiche an Chlothar, der damit das gesamte Merowingerreich wieder in einer Hand vereinigen kann.

561

Mit Chlothars Ableben wird das Frankenreich abermals zwischen vier Söhnen aufgeteilt. Die umgehend ausbrechenden Rivalitäten zwischen den Brüdern und später deren Nachkommen ziehen sich über Jahrzehnte hin. Involviert in das wechselvolle Geschehen, bei dem etliche Merowinger einen gewaltsamen Tod finden, sind auch Fredegunde, die Ehefrau von Chlothars Sohn Chilperich, und Brunichilde, die Gattin von dessen Bruder Sigibert. Letztere führt zeitweise für ihre Söhne, Enkel und sogar noch für einen Urenkel die Regentschaft – bis sich schließlich Chilperichs Sohn Chlothar II. durchsetzen kann, Brunichilde und fast alle verbliebenen Nachkommen töten lässt und ab 613 allein über das Gesamtreich gebietet.

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ALS SCHMUCK, Statussymbol und Halterung zugleich dienen die Fibeln, mit denen fränkische Frauen ihre Gewänder befestigen. Im 6. Jahrhundert sind bunte Varianten mit strahlenartigem Design in Mode

614

Chlothar II. erlässt ein Edikt, das den Adeligen seines Reiches zuvor königliche Machtbefugnisse zugesteht – vermutlich als Gegenleistung für deren Unterstützung in den vorangegangenen Kämpfen. Zwar steht das Merowingerreich von nun an zumeist unter der Herrschaft nur eines Königs, dennoch verfestigt sich die Spaltung in mehrere Teilgebiete mit eigenen, vom jeweiligen Adel getragenen Machtstrukturen: Austrasien mit Reims, Metz und Köln umfasst den Großteil der fränkischen Stammlande in Nordostgallien sowie die Gebiete rechts von Nieder- und Mittelrhein; Neustrien vor allem die ab 486 von Chlodwig eroberten Territorien an der Seine und nördlich der Loire mit Soissons, Paris und Rouen; Burgund schließlich besteht aus dem einstigen Burgunderreich, erweitert um die Provence und Gebiete im Norden mit Orléans. Aquitanien hingegen steht bald nur noch nominell unter merowingischer Oberherrschaft und wird von Herzögen quasi unabhängig regiert, Ähnliches gilt für Alemannien am Ober- und Hochrhein sowie die östlich benachbarte Region zwischen Alpen und Donau, in der das Herzogtum Bayern entsteht.


624/25

Chlothars Sohn Dagobert, vom Vater als Unterkönig in Austrasien eingesetzt, macht den Adeligen Pippin zu seinem „Hausmeier“. Das lateinisch maior domus (etwa „Hausälterer“) genannte Amt war ursprünglich nur das eines Aufsehers am Hofe, dann eines Verwalters des königlichen Besitzes; im 7. Jahrhundert aber steigen die fränkischen Hausmeier, meist einer in jedem Teilreich, zu den wichtigsten Beratern der Herrscher auf und übernehmen immer mehr Regierungsgeschäfte.

Pippin hatte 613 zu den Anführern der austrasischen Adeligen gehört, die sich von ihrem unmündigen König Sigibert II. und dessen Urgroßmutter Brunichilde abwandten und stattdessen Chlothar II., bis dahin König allein von Neustrien, ins Land holten.

629/30

Nach Chlothars Tod folgt ihm Dagobert im Gesamtreich. Pippins Stellung in den folgenden Jahren ist unklar, er erscheint aber nach Dagoberts Ableben 639 erneut als austrasischer Hausmeier, bevor er im folgenden Jahr stirbt.

673

Nach gut 30 Jahren, in denen das Merowingerreich abermals geteilt war, vereinigt Childerich II. die Herrschaft wieder in einer Person. Nur unklar lässt sich das Geschehen um Pippins Sohn Grimoald in der vorangegangenen Zeit ausmachen: Dieser konnte wie der Vater das Amt des austrasischen Hausmeiers erlangen, erregte mit seinem Machtstreben jedoch offenbar den Widerstand der neustrischen Adeligen, die ihn stürzten und hinrichten ließen. Zu neuerlichen Wirren kommt es nun, als 675 Childerich II. ermordet wird und in der Folge verschiedene Hausmeier der Teilreiche gegeneinander vorgehen, dabei Angehörige der Merowinger zusehends nur noch als Galionsfiguren benutzen, um ihre eigene Macht zu legitimieren.

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AUS RÖMISCHER ZEIT stammt die Kunst der Glasherstellung bei den Franken, wenngleich die Formen sich wandeln. Für den täglichen Gebrauch sind einfache Flaschen wie diese bestimmt

679

Einem gleichnamigen Enkel des älteren Pippin, dessen Großvater väterlicherseits, Arnulf von Metz, ebenfalls 613 am Seitenwechsel der austrasischen Großen beteiligt war, gelingt es erneut, Hausmeier in Austrasien zu werden. Pippin „der Mittlere“ kann 687 seinen neustrischen Konkurrenten in einer Schlacht besiegen; als dieser einige Zeit später ermordet wird, vereinigt Pippin das Hausmeieramt in allen Reichsteilen auf sich, formal dem Merowinger Theuderich III. unterstellt.

714

Mit Pippins Tod beginnt das Ringen um seine Nachfolge. Nach einigen Jahren setzt sich der Sohn Karl erst in Austrasien gegen Rivalen aus der eigenen Familie durch, besiegt dann die neustrischen Adeligen, akzeptiert aber den dort installierten Merowingerkönig und wird dessen Hausmeier für das gesamte Reich.

732

Karl schlägt zwischen Tours und Poitiers ein Heer von Muslimen, das von der Iberischen Halbinsel nach Aquitanien vorgestoßen ist (wohl dieser Sieg trägt ihm den späteren Beinamen Martell, „der Hammer“, ein). Zugleich kann er das de facto unabhängig regierte Aquitanien wieder an das Frankenreich angliedern. Zuvor schon hatte er mit ähnlichen Zielen in Bayern und Alemannien interveniert.

737

König Theuderich IV. stirbt. War der nominelle Herrscher zuvor schon wenig mehr als eine Marionette seines Hausmeiers, so verzichtet dieser nun ganz darauf, einen anderen Merowinger als neuen König zu bestellen. Ob Karl dabei anstrebt, selbst den Thron zu besteigen, ist unklar; möglicherweise wird er durch internen Widerstand oder andere Probleme davon abgebracht, bis er 740 schwer erkrankt.

741

Karl Martells Söhne kämpfen nach dessen Tod um die Herrschaft. Bald setzen sich Karlmann und Pippin „der Jüngere“ gegen einen Halbbruder durch und teilen das Reich unter sich auf. Dabei handeln sie bereits wie Könige, doch um ihre Stellung zu legitimieren, heben sie 743 nochmals einen Merowinger als Childerich III. auf den Thron. Karlmann tritt 747 von seinem Amt zurück und wird Mönch, Pippin ist damit alleiniger fränkischer Hausmeier.

751

Nachdem er zuvor die Zustimmung des Papstes eingeholt hat, setzt Pippin Childerich III. ab und lässt sich selbst zum König der Franken proklamieren.

754

In der Abtei Saint-Denis bei Paris salbt Papst Stephan II. persönlich Pippin sowie dessen Söhne Karl und Karlmann, zudem erklärt er den Frankenkönig zum Schutzherrn Roms und der römischen Kirche. Anlass ist die Bedrohung des Papstes durch die Langobarden. Hatte im 6. Jahrhundert zunächst das Oströmische Reich nach langen Kämpfen Italien von den Ostgoten zurückerobert, so waren bereits 568 die germanischen Langobarden in Norditalien eingefallen; nach und nach konnten sie den Oströmern weite Teile der Apenninenhalbinsel abnehmen. Pippin gelobt dem Papst, gegen sie zu Kriege zu ziehen, und erobert in den folgenden zwei Jahren Teile Mittelitaliens, neben Gebieten um die Stadt Rom auch Ravenna und weitere Gegenden an der Adria, und unterstellt sie wie versprochen päpstlicher Herrschaft.

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MEHR ALLZWECKWERKZEUG als lediglich Waffe, konnte der unter den Franken verbreitete, auf einer Seite mit einer scharfen Klinge versehene Scramasax auch in friedlichen Zeiten von Nutzen sein

759

Pippin nimmt Septimanien ein. Der Streifen entlang der Mittelmeerküste war auch nach der fränkischen Eroberung Aquitaniens unter Chlodwig Teil des fortan auf der Iberischen Halbinsel zentrierten Westgotenreichs geblieben, bis dieses ab 711 von Muslimen überrannt wurde. In den folgen den Jahren führt Pippin mehrere Feldzüge in Aquitanien und bringt die Region wieder fest unter königliche Herrschaft.

DER THRON GEHÖRT NUN DEM HAUSMEIER

768

Nach Pippins Tod folgen ihm seine zwei Söhne als Könige, zwischen denen das Reich abermals geteilt wird: Karl (später „der Große“ genannt) erhält den Norden und Westen, Karlmann die anderen Territorien. Dessen früher Tod Ende 771 verhindert, dass zuvor ausgebrochene Spannungen zwischen den Brüdern in einen regelrechten Krieg umschlagen. Umgehend lässt sich Karl von den Großen in Karlmanns Reichsteil huldigen und herrscht fortan als alleiniger König der Franken.

772

Karl unternimmt einen Feldzug ins Gebiet der Sachsen zwischen Rhein, Elbe und Nordsee. Nachdem er einige wichtige Stützpunkte erobert und die Irminsul, eine bedeutende Kultstätte der heidnischen Sachsen, zerstört hat, zieht er sich zurück, in der Annahme vermutlich, das Land seiner Oberherrschaft unterworfen zu haben.

773

Mit einem großen Heer zieht Karl über die Alpen und dringt ins Reich der Langobarden ein. Anlass ist erneut ein Hilferuf des Papstes, doch anders als einst sein Vater legt es Karl jetzt auf eine Eroberung an. In Norditalien stoßen seine Truppen auf wenig Widerstand, König Desiderius zieht sich in seine Hauptstadt Pavia zurück. Als dieser nach monatelanger Belagerung im Frühsommer 774 aufgibt, bricht sein Reich zusammen. Karl nennt sich fortan „König der Franken und Langobarden“, zudem führt er den Titel patricius Romanorum, der ihm bei einem Besuch in Rom vom Papst verliehen wurde und Karl als Schutzherrn Roms und der Kirche ausweist.

775

Karl wendet sich erneut gegen die Sachsen, die zwischenzeitlich fränkische Städte und Klöster angegriffen hatten. Ziel ist nun deren vollständige Unterwerfung und Christianisierung. Tatsächlich unterstellen sich bald mehrere sächsische Anführer Karls Herrschaft, mit Massentaufen wird die Bekehrung zum Christentum vorangetrieben. 777 hält er zu Paderborn, im bis dahin eroberten Sachsengebiet, eine Reichsversammlung ab. Doch hat sich zu dieser Zeit bereits ein Muster gezeigt, das über viele Jahre immer wieder auftreten wird: Sobald sich Karl fern der Region aufhält, etwa bei seinen Zügen nach Italien, flammt unter den Sachsen erneuter Widerstand auf.

778

Auf dem Rückzug von einem erfolglosen Feldzug im muslimischen Spanien wird die Nachhut von Karls Heer am Pass von Roncesvalles in den Pyrenäen von Basken überfallen und vollständig aufgerieben. Karls Abwesenheit und die empfindliche Niederlage befeuern wiederum den Kampf der Sachsen gegen die fränkische Herrschaft, an dessen Spitze nun der adelige Truppenführer Widukind steht. Im folgenden Jahr erneut im Sachsenland, stößt Karl bis zur Elbe vor und beginnt, das eroberte Gebiet zu ordnen, etwa durch die Errichtung von Grafschaften und Bischofssitzen.

782

Sachsen unter Führung von Widukind schlagen in Karls Abwesenheit ein fränkisches Heer. Als Reaktion kehrt der König umgehend in die Region zurück, lässt sich an der Schlacht beteiligte Sachsen ausliefern und diese nahe der Mündung der Aller in die Weser hinrichten. Dem „Blutgericht von Verden“ fallen angeblich 4500 Männer zum Opfer. Zunehmend setzt Karl jetzt auf brutale Gewalt, später auch auf die massenhafte Umsiedlung rebellischer Sachsen.

785

Widukind, der sich fränkischem Zugriff mehrfach durch Flucht nach Dänemark entzogen hatte, unterwirft sich Karl und lässt sich taufen. Auch wenn sein mächtigster Widersacher damit besiegt ist, greift Karl bis 804 noch diverse Male in Sachsen ein, um immer wieder aufkeimende Unruhen niederzuschlagen.

787

Mit militärischer Übermacht zwingt Karl seinen Cousin Herzog Tassilo III. von Bayern zur Unterwerfung. Im folgenden Jahr inszeniert der König eine Art Schauprozess gegen den Herzog, der sein Territorium zuvor weitgehend autonom geführt hatte: Wegen angeblicher Fahnenflucht – Tassilo soll 25 Jahre zuvor Karls Vater Pippin die Heeresfolge verweigert haben – wird er zum Tode verurteilt, von Karl begnadigt und (wie zahlreiche andere Widersacher des Königs) in ein Kloster gezwungen.

791

Von Regensburg aus zieht Karl gegen die Awaren. Das Reitervolk hatte sich um die Mitte des 6. Jahrhunderts im vormals römischen Pannonien (in etwa das heutige Ungarn) angesiedelt und bedroht mit Raubzügen immer wieder auch fränkische Gebiete. Ein entscheidender Schlag bleibt aus, weshalb Karl in Regensburg überwintert und bis zum folgenden Sommer dort bleibt. Dies nutzen unzufriedene Adelige aus der Mainregion und vermutlich auch aus Bayern für eine Rebellion, an deren Spitze sich Karls ältester Sohn Pippin „der Bucklige“ stellen lässt. Bereits 781 hatte Karl zwei Söhne aus einer anderen Ehe vom Papst zu Unterkönigen salben lassen: Ludwig in Aquitanien, Karlmann – der dabei ebenfalls den Namen Pippin annimmt – in Italien. Pippin der Bucklige wurde damit de facto von der Erbfolge ausgeschlossen. Der Aufstand, den er nun wagt, wird schnell niedergeschlagen. Während Karl die Rädelsführer hart bestrafen lässt, muss Pippin in ein Kloster gehen. Den Kampf gegen die Awaren setzen in den folgenden Jahren Karls Feldherren fort, denen schließlich der Durchbruch gelingt, woraufhin auch Pannonien dem Frankenreich angegliedert wird. Die Reste der Awaren erkennen die fränkische Oberherrschaft an, ebenso die meisten der entlang der Ostgrenze von Karls Reich siedelnden slawischen Gruppen.

796

In Aachen wird ein Teil der noch unvollendeten Pfalzkapelle eingeweiht. Das gewaltige Gotteshaus, dessen Gestaltung auf spätantike Vorbilder in Italien zurückgreift, wird der imposante Mittelpunkt der Pfalz, die Karl seit Jahren großzügig ausbauen lässt und in der er sich in Zukunft häufiger aufhalten wird als an jedem anderen Ort seines Reiches.

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OB IHR NAME »Franziska« wirklich von den Franken abgeleitet wurde, ist nicht gesichert. Doch die Wurfaxt zählt, neben Schwert und Schild, zur gängigen Bewaffnung merowingischer Krieger

800

Während einer Messe zum Weihnachtsfest krönt Papst Leo III. Karl, der darauf von den Anwesenden in der Peterskirche zum „Kaiser der Römer“ ausgerufen wird. Mit der vermutlich lange im Voraus geplanten Aktion erhebt Karl den Anspruch, die Nachfolge der römischen Imperatoren im Westen anzutreten. Die Aneignung der Kaiserwürde durch den Franken stößt in Konstantinopel auf entschiedene Ablehnung, die dortigen Kaiser sehen sich als einzige rechtmäßige Träger dieses Titels. 806 kommt es zum Krieg, bei dem die Franken das zu Ostrom gehörende Venedig besetzen. In einem 812 geschlossenen Kompromiss verzichtet Karl auf Venedig, wofür Konstantinopel im Gegenzug seinen Kaisertitel anerkennt, allerdings nicht mit dem Zusatz „der Römer“. Das Verhältnis bleibt gleichwohl nachhaltig gespannt.

801

Nach monatelanger Belagerung kann Karls Sohn Ludwig in Barcelona einziehen, das mit weiteren unter seiner Führung von den Muslimen eroberten Städten Teil der „Spanischen Mark“ wird. In der Folge wird das fränkische Einflussgebiet in Spanien noch bis zum Ebro ausgedehnt.

806

Karl erlässt eine Nachfolgeregelung, derzufolge das Frankenreich nach seinem Tod zwischen den drei erbberechtigten Söhnen aufgeteilt werden soll. Zur Ausführung kommt der Plan jedoch nicht, denn zwei der angedachten Nachfolger sterben schon vor dem Vater, Pippin 810, der ebenfalls Karl genannte Sohn 811.

810

Eine Flotte des Dänenkönigs Göttrik greift zum Frankenreich gehörende friesische Inseln an, dänische Krieger schlagen die Friesen auch auf dem Festland und erpressen Tributzahlungen. Karl macht sich daraufhin mit einem Heer nach Norden auf (wobei ein mitgeführter Elefant, den Karl vom Kalifen des Abbasidenreichs geschenkt bekommen hat, auf dem Weg verendet).

Bereits 804 war es fast zu einer Konfrontation mit Göttrik gekommen, als Karl bei seinem letzten Feldzug gegen die Sachsen ins Gebiet jenseits der Elbe eindrang, bis nahe an die Grenzbefestigung Danewerk. Doch wie damals kommt es nicht zu Kämpfen – dieses Mal, weil Göttrik von einem Gefolgsmann ermordet worden ist. Sein Nachfolger schließt Frieden mit Karl, die dabei vereinbarte Nordgrenze des Frankenreichs folgt dem Flusslauf der Eider und reicht bis an die Kieler Förde.

814

28. Januar. Karl der Große stirbt mit 65 Jahren in Aachen. Sein Sohn Ludwig, vom Vater bereits im Vorjahr zum Mitkaiser gekrönt, tritt die Nachfolge im gesamten Reich an. Bald schon beginnt Ludwig (der in späterer Zeit den Beinamen „der Fromme“ erhält) verschiedene Reformprojekte, ordnet etwa die Klöster in seinem Reich neu und modernisiert das Gerichtswesen.

817

Ludwig beschließt mit den Großen des Reiches eine Nachfolgeregelung, die vom Prinzip der gleichen Teilung abweicht, um die Reichseinheit zu wahren. Lothar, Ludwigs ältester Sohn, wird zum Mitkaiser und Mitregenten erhoben, seine beiden Brüder bekommen eigene, aber vergleichsweise kleine Herrschaftsbereiche zugewiesen. Der Großteil des Reiches soll hingegen nach Ludwigs Tod vollends an Lothar fallen, der zudem als Kaiser die Oberherrschaft über die Königreiche der Brüder ausübt.

818

Ludwigs Neffe Bernhard, noch von Karl dem Großen zum Unterkönig in Italien bestimmt wie zuvor sein Vater Pippin, aber in der Regelung vom Vorjahr nicht bedacht, erhebt sich gegen den Kaiser und lässt die Alpenpässe sperren. Als Ludwig daraufhin mit einem großen Heer nach Süden zieht, unterwirft sich Bernhard kampflos seinem Onkel, der ihn gleichwohl hart bestraft: Ludwig lässt Bernhard blenden, er stirbt kurz darauf an den Folgen. Doch Ludwigs gnadenloses Vorgehen erregt den Widerstand vieler Adeliger, sodass sich der Kaiser vier Jahre später zu einer öffentlichen Buße genötigt sieht. Italien übergibt er im selben Jahr Lothar als Herrschaftsgebiet.

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WOHL EINEM bedeutenden fränkischen Krieger gehörte dieser prächtige Kopfschutz, der im frühen 6. Jahrhundert beim heutigen Bad Kreuznach einem Grab beigegeben wurde. Helme dieses Typs gehörten zur Ausrüstung oströmischer Offiziere, viele Exemplare gelangten aber auch nach Mitteleuropa

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NIEMAND WEISS heute genau, welchen Zweck die Stele aus Kalkstein, die wohl einen von drei Schlangen bedrohten Krieger zeigt, ursprünglich erfüllte. Aber sie gilt als bedeutsames Zeugnis der Bildhauerei der Merowingerzeit

 

823

Ludwigs zweite Ehefrau bringt einen Jungen zur Welt, der den Namen seines Großvaters erhält: Karl (später „der Kahle“ genannt). Einige Jahre darauf versieht der Kaiser auch ihn mit einem eigenen Herrschaftsbereich – auf Kosten Lothars, der dafür Gebiete aus seinem Erbe abgeben muss.

830

Unzufriedene Adelige rebellieren gegen den Kaiser und finden Unterstützung bei dessen Söhnen Pippin und Lothar. Ludwigs Gattin muss in ein Kloster gehen, Lothar übernimmt anstelle des kaltgestellten Vaters die Regierungsgewalt. Bald aber wendet sich die Lage gegen Lothar. Ludwig gelingt die Rückkehr an die Macht, auch die Kaiserin kehrt zu ihm zurück, Lothar aber verliert seine Position als Mitregent. Im folgenden Jahr erlässt Ludwig eine drastisch veränderte Nachfolgeregelung: Lothar bleibt nur noch Italien, alle anderen Gebiete werden zwischen seinem gleichnamigen Sohn, Pippin und Karl aufgeteilt.

833

Die drei Söhne aus erster Ehe erheben sich gemeinsam gegen ihren Vater. Es gelingt ihnen, den von seinen Anhängern verlassenen Kaiser gefangen zu nehmen, Ludwig zur Abdankung zu zwingen und in ein Kloster zu verbannen. Als sich jedoch bald darauf Pippin und sein Bruder Ludwig mit Lothar entzweien, wird der Vater 834 wieder in seine Rechte eingesetzt. In den folgenden Jahren kann Ludwig der Fromme die zurückgewonnene Machtstellung untermauern, doch weiterhin kommt es zu Auseinandersetzungen unter den Söhnen sowie mit ihm. Noch mehrfach ändert Ludwig die Aufteilung des Reichs, unter anderem, als 838 Pippin stirbt.

840

Nach dem Tod Ludwigs des Frommen brechen umgehend neue Streitigkeiten zwischen den Brüdern aus, bei denen zudem noch der gleichnamige Sohn des verstorbenen Pippin, den aquitanische Adelige eigenmächtig zu ihrem König erhoben hatten, eine Rolle spielt. Der nun entbrennende Bürgerkrieg kulminiert in einer blutigen Schlacht beim burgundischen Ort Fontenoy, in der das Aufgebot von Lothar und Pippin II. im Juni 841 auf die vereinten Heere von Ludwig und Karl trifft. Die tragen den Sieg davon, doch Lothar sammelt umgehend neue Anhänger, um den Krieg fortzusetzen.

842

In Straßburg bekräftigen Ludwig (der von späteren Historikern den Beinamen „der Deutsche“ erhält) und Karl der Kahle ihr Bündnis gegen Lothar. Die Brüder schwören sich dabei in der Sprache, die von den Anhängern des jeweils anderen gesprochen wird, gegenseitigen Beistand: Karl in einem Dialekt des Althochdeutschen, Ludwig in einer frühen Form des Altfranzösischen. Diese in einer Chronik überlieferten „Straßburger Eide“ sind ein einzigartiges Zeugnis der zu dieser Zeit im Frankenreich verbreiteten Volkssprachen.

Nach weiteren Kämpfen gegen Lothar kommen Ludwig und Karl im Lauf des Jahres mit ihrem Bruder überein, einen Kompromiss zu suchen und das Reich untereinander aufzuteilen.

843

Im Vertrag von Verdun besiegeln die Söhne Ludwigs des Frommen die anvisierte Reichsteilung. Karl erhält das westliche Drittel; Ludwigs Ostreich umfasst Bayern samt Kärnten, fast alle Gebiete rechts des Rheins sowie ein linksrheinisches Gebiet mit Mainz und Worms; Lothar, bei dem auch die Kaiserwürde verbleibt, erhält den zwischen Karls und Ludwigs Teilreichen gelegenen Streifen sowie Burgund, die Provence und Italien einschließlich der Schutzherrschaft über Rom und die Besitzungen des Papstes. Sein Mittelreich erstreckt sich damit von Friesland bis zu den Abruzzen. Nicht an der Aufteilung beteiligt ist Pippin II., der noch viele Jahre mit Karl dem Kahlen um die Herrschaft in Aquitanien kämpfen wird.

845

Im Westfrankenreich plündern Wikinger Ortschaften an der Seine. Schon seit Jahrzehnten überfallen skandinavische Seekrieger immer wieder fränkische Klöster und Städte, setzen sich teils auch dauerhaft an den Mündungen großer Flüsse fest. Karl der Kahle zieht nun zwar Truppen zusammen, lässt die Angreifer jedoch gewähren – wohl, weil er einen Kampf für aussichtslos hält. In Paris übergibt er angeblich dem Wikingerführer Ragnar sogar 7000 Pfund Silber, damit dieser die Stadt verschone.

855

Kurz vor seinem Tod teilt Lothar das Mittelreich im Vertrag von Prüm unter seinen drei Söhnen auf: Lothar II. erhält das zwischen West- und Ostreich gelegene Gebiet, das nach ihm bald Lotharingien genannt wird; Karl wird König über den Großteil von Burgund und die Provence; Italien und die Kaiserwürde gehen an Ludwig II. Als Karl 863 stirbt, fällt dessen burgundisches Reich zu etwa gleichen Teilen an seine beiden Brüder.

870

Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche teilen im Vertrag von Meerssen Lotharingien auf. Nachdem Lothar II. im Vorjahr gestorben war, hatte sich Karl dort umgehend zum König erheben lassen, Ludwig konnte in der Folge aber Verhandlungen erzwingen, in deren Ergebnis beide einen ungefähr gleich großen Anteil ihren Reichen einverleiben. Als 875 mit Ludwig II. auch der dritte Sohn Lothars I. ohne Erben stirbt, fällt Italien mitsamt der Kaiserwürde an Karl den Kahlen.

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UM BEIM GOTTESDIENST Fliegen von den Speisen des Abendmahls fernzuhalten und sich etwas Abkühlung zu verschaffen, dient Geistlichen im Frankenreich dieser kunstvolle Fächer. Die Elfenbeinplättchen zieren Szenen aus dem Werk des antiken Dichters Vergil (9. Jh.)

876

Mit dem Ableben von Ludwig dem Deutschen wird auch das Ostfrankenreich zwischen drei Söhnen aufgeteilt. Doch die Spaltung währt nur wenige Jahre: Karlmann stirbt 880, zwei Jahre später Ludwig der Jüngere. Somit vereint der Jüngste der drei, Karl „der Dicke“, der zunächst nur Alemannien geerbt hatte, ab 882 das gesamte Ostfrankenreich unter seiner Herrschaft und zudem Italien, das Karlmann nach dem Tod Karls des Kahlen 877 für sich erobert hatte.

 879

In der Provence und Teilen von Burgund, die zwischenzeitlich an das Westfrankenreich gefallen sind, nutzt Boso, Graf von Vienne, die Situation nach dem Tod von Ludwig dem Stammler, des Nachfolgers Karls des Kahlen im West reich, und lässt sich zum König des später Niederburgund genannten Gebiets ausrufen. Boso ist damit der erste König in einem Teil des einstigen fränkischen Großreichs, der nicht zur Dynastie Karls des Großen zählt.

 880

Zwei Söhne Ludwigs des Stammlers, die gemeinsam die Herrschaft im Westfrankenreich übernommen haben, müssen im Vertrag von Ribemont ihren Anteil an Lotharingien der ostfränkischen Seite abtreten, die dafür auf Thronansprüche im Westreich verzichtet. Die so festgelegte Grenze zwischen den Machtbereichen wird über Jahrhunderte weitgehend Bestand haben.

884

Zwei Jahre nach seinem Bruder stirbt auch der zweite Sohn Ludwigs des Stammlers. Darauf wählen die Großen des Westfrankenreichs Karl den Dicken zu ihrem König, der bereits im Ostfrankenreich sowie in Italien regiert und 882 vom Papst zum Kaiser gekrönt wurde. Bis auf Niederburgund herrscht Karl damit in allen fränkischen Teilreichen, die aus dem Großreich seines Urgroßvaters, Karls des Großen, hervorgegangen waren. Zu einer nachhaltigen Vereinigung der Teilreiche kommt es gleichwohl nicht.

885

Nachdem in den Vorjahren schon zahlreiche Städte im West- und Ostfrankenreich von Wikingern verheert worden waren, fährt eine große Flotte der Nordmänner die Seine hinauf und belagert monatelang Paris. Karl der Dicke kann die Feinde im folgenden Jahr nur durch die Zahlung eines gewaltigen Lösegelds zum Abzug bewegen. Aufgrund seines halbherzigen Vorgehens gegen die Wikinger sowie gegen andere äußere Feinde verliert der Kaiser zusehends den Rückhalt der Großen in seinen Reichen.

887

Im November wird Karl der Dicke bei einer ostfränkischen Reichsversammlung abgesetzt. Zu den Drahtziehern des Umsturzes gehört Arnulf, Herzog der ostfränkischen Grenzregion Kärnten, ein außerehelicher Sohn des 880 verstorbenen Karlmann. Ungeachtet seiner nicht zweifelsfrei legitimen Abstammung wird Arnulf noch vor Jahresende zum König im Ostreich erhoben. Der entmachtete, wohl bereits seit Längerem schwer kranke Karl stirbt im folgenden Januar.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

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Sekundärliteratur

-> Fischer, Oliver: Babenberger Fehde. Franken gegen Franken, in: Die Franken. Grossmacht des Mittelalters (GEO Epoche, Jg. 2025, Heft Nr. 125), Hamburg 2025, S. 130-147.

-> Opitz, Manuel: Abul Abbas. Das Geschenk des Kalifen, in: Die Franken. Grossmacht des Mittelalters (GEO Epoche, Jg. 2025, Heft Nr. 125), Hamburg 2025, S. 110-113.

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