Skip to main content

Persönlichkeiten

Inhaltsverzeichnis

1.

  1. Johannes Bückler

  2. Ludwig van Beethoven

1. Johannes Bückler

image.jpeg

Räuber (etwa 1780-1803)

Jo­han­nes (Jo­hann) Bück­ler, bes­ser un­ter sei­nem Ruf­na­men Schin­der­han­nes be­kannt, war ein deut­scher Räu­ber, der wäh­rend der Jah­re 1796 und 1802 ge­mein­sam mit sei­nen Spie­ß­ge­sel­len über 130 Straf­ta­ten ver­üb­te, die von Vieh­dieb­stahl bis Mord reich­ten. Trotz­dem bie­tet die Fi­gur des Schin­der­han­nes bis heu­te Stoff für vie­le Ge­schich­ten, die den Räu­ber aus dem Huns­rück meist mehr als ei­nen Ro­bin Hood des So­on­wal­des er­schei­nen las­sen.

Am 21.11.1803 fand Jo­han­nes Bück­ler un­ter der Guil­lo­ti­ne in Mainz den Tod. Es ist nicht be­kannt, wann ge­nau er ge­bo­ren wur­de, doch ist da­von aus­zu­ge­hen, dass er bei sei­nem Tod zwi­schen 20 und 24 Jah­ren alt war. Der Zeit­raum sei­ner Ge­burt wird dem­nach auf die Jah­re 1777-1780 ein­ge­grenzt. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass Bü­cker in Mieh­len bei Na­stät­ten ge­bo­ren wur­de, dem Hei­mat­ort sei­ner Mut­ter.

Jo­han­nes Bück­ler zeigt ei­ne für sei­ne Zeit ty­pi­sche „Kar­rie­re“ als Räu­ber. Die meis­ten Men­schen, die im 18. und frü­hen 19. Jahr­hun­dert in so­ge­nann­ten „Räu­ber­ban­den“ ak­tiv wa­ren, stamm­ten aus sehr ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen. Hin­ter­grund war der ra­sche Be­völ­ke­rungs­an­stieg im 18. Jahr­hun­dert. Vie­le die­ser Men­schen wa­ren nicht sess­haft, son­dern ver­dien­ten ih­ren Le­bens­un­ter­halt, in­dem sie über Land zo­gen. So auch der Va­ter des Jo­han­nes Bück­ler, der sich als Feld­ar­bei­ter und Ta­ge­löh­ner ver­ding­te. Sei­ne Mut­ter, An­na Ma­ria Schmitt, war bei ih­rer Hoch­zeit be­reits schwan­ger. Sei­ne ers­ten Le­bens­ah­re ver­brach­te Jo­han­nes Bück­ler in Mieh­len, doch nach ei­nem Dieb­stahl sei­ner Mut­ter ver­ließ die Fa­mi­lie den Ort über­stürzt. Ei­ni­ge Zeit schloss sich Bück­lers Va­ter als ein­fa­cher Sol­dat dem Mi­li­tär an, dann de­ser­tier­te er und zog mit sei­ner Fa­mi­lie in den Huns­rück. Da der Va­ter nir­gends lan­ge Ar­beit hat­te, zo­gen sie von Ort zu Ort.

Et­wa ein Jahr nach sei­ner Kon­fir­ma­ti­on ver­ließ der da­mals 15-jäh­ri­ge Jo­han­nes sein El­tern­haus, nach­dem er ei­nen Wirt be­stoh­len hat­te. Zu­nächst schlug er sich mehr schlecht als recht mit Vieh­dieb­stäh­len durch, ging dann aber bei ver­schie­de­nen Schin­dern (Ab­de­ckern) in die Leh­re. In die­ser Zeit ent­stand ver­mut­lich der von ihm we­nig ge­lieb­te Ruf­na­me „Schin­der­han­nes“.

Ei­nem sei­ner Meis­ter, dem Ab­de­cker Na­gel in Bä­ren­bach (heu­te Ver­bands­ge­mein­de Kirch­berg/Huns­rück), stahl er sechs Kalbs­fel­le und ei­ne Kuh­haut. Da­für er­hielt er ei­ne öf­fent­li­che Prü­gel­stra­fe, die ihn, wie er spä­ter be­haup­te­te, sehr ge­prägt hat. Vom wei­te­ren Steh­len hielt sie ihn al­ler­dings nicht ab. Ge­mein­sam mit di­ver­sen Ver­bün­de­ten, zum Bei­spiel Ja­kob Fink, der auf Grund sei­ner ro­ten Haa­re als der „ro­te Fin­k“ be­kannt wur­de, un­ter­nahm er ver­mehrt in den Jah­ren 1796/1797 Vieh­dieb­stäh­le. Schlie­ß­lich wur­de Bück­ler in Kirn in­haf­tiert, konn­te aber schon nach ei­nem Tag aus dem Ge­fäng­nis flie­hen.

Das ers­te Ge­walt­ver­bre­chen des Schin­der­han­nes, bei dem ein Mensch sein Le­ben ver­lor, fällt auf das Jah­res­en­de 1797. Ge­mein­sam mit dem ro­ten Fink und ei­ni­gen an­de­ren Kom­pli­zen ver­prü­gel­te er den Land­strei­cher und Pfer­de­dieb Ni­k­las Rau­schen­ber­ger, ge­nannt Pla­cken­k­los, nach­dem die­ser zwei Freun­din­nen Bück­lers be­drängt und be­stoh­len hat­te. Rau­schen­ber­ger er­litt so star­ke Ver­let­zun­gen, dass er die­sen er­lag.

Zu Be­ginn des Jah­res 1798 ist der ers­te be­waff­ne­te Raub­über­fall des Schin­der­han­nes und sei­ner Ban­de be­legt. Auch er for­der­te ein To­des­op­fer. Wei­te­re Über­fäl­le folg­ten, dar­un­ter auf zwei Jü­din­nen. An­sons­ten fan­den in die­ser Zeit wei­ter­hin Vieh­dieb­stäh­le statt. Die Ak­ti­vi­tä­ten der Schin­der­han­nes­ban­de wur­de durch die er­neu­te Fest­nah­me Bück­lers kaum un­ter­bro­chen, da er wie schon zu­vor nach kur­zer Zeit aus dem Ge­fäng­nis in Saar­brü­cken flie­hen konn­te. Im sel­ben Jahr war Jo­han­nes Bück­ler wie­der­um in ei­nen To­des­fall ver­wi­ckelt. Es han­del­te sich um den Ju­den Si­mon Se­lig­mann aus Sei­bers­bach (heu­te Ver­bands­ge­mein­de Strom­berg), der im So­on­wald er­schla­gen wur­de. Schin­der­han­nes gab spä­ter an, nicht an der Tö­tung des Ju­den be­tei­ligt ge­we­sen zu sein. Er schob sei­nem Kom­pli­zen Pe­ter Pe­try, auch als der schwar­ze Pe­ter be­kannt, die Schuld zu, ge­stand aber, dem To­ten Wert­ge­gen­stän­de ent­wen­det zu ha­ben.

Die Ge­gend, in der Schin­der­han­nes und sei­ne Kom­pli­zen tä­tig wa­ren, war wie das ge­sam­te links­rhei­ni­sche Deutsch­land seit 1794 von fran­zö­si­schen Trup­pen be­setzt. Die Fran­zo­sen setz­ten al­les dar­an, ihn und sei­ne Ban­de zu fas­sen. 1799 konn­te die Na­tio­nal­gen­dar­me­rie erst­mals ei­nen wirk­li­chen Er­folg ver­bu­chen. Bei ei­nem Streif­zug wur­de Jo­han­nes Bück­ler in Schnep­pen­bach (heu­te Ver­bands­ge­mein­de Kirn-Land) fest­ge­nom­men und nach ei­ni­gen Ver­hö­ren in den Ge­fäng­nis­turm von Sim­mern ge­bracht. Die­ses Mal ge­lang dem Schin­der­han­nes die Flucht erst nach knapp ei­nem hal­ben Jahr, im Au­gust 1799. Die­se wie­der­hol­ten Ge­fäng­nis­aus­brü­che brach­ten ihm noch zu Leb­zei­ten den Ruf ein, er kön­ne Wun­der voll­brin­gen und sich un­sicht­bar ma­chen. Nach dem Aus­bruch aus dem Turm von Sim­mern be­gann die ei­gent­li­che Hoch­pha­se der Ak­ti­vi­tä­ten des Schin­der­han­nes. Er schar­te wie­der Ge­sel­len um sich. Stra­ßen­raub, Ein­brü­che und Er­pres­sung wa­ren die Fol­ge. Nach ei­ni­ger Zeit war er ne­ben sei­nem Ruf­na­men Schin­der­han­nes auch un­ter dem Na­men „der Kö­nig vom So­on­wal­d“ be­kannt.

Die Ban­de des Schin­der­han­nes ent­sprach al­ler­dings nicht den heu­ti­gen Vor­stel­lun­gen ei­ner „Ban­de“, da es sich da­bei nicht um ei­ne fes­te Grup­pe han­del­te, son­dern um re­la­tiv spon­ta­ne Zu­sam­men­rot­tun­gen, die nach der ver­üb­ten Tat schnell wie­der zer­fie­len. Ei­ne hier­ar­chi­sche Ord­nung be­stand nur wäh­rend der Zeit der Tat, und sie dien­te nur der er­folg­rei­chen Durch­füh­rung. Die Ban­den­mit­glie­der wur­den über­wie­gend aus der va­gie­ren­den Be­völ­ke­rungs­schicht re­kru­tiert und man ver­stän­dig­te sich über ge­hei­me Zei­chen (so­ge­nann­te Zin­ken) und ei­ne ei­ge­ne Ge­heim­spra­che, das so­ge­nann­te „Rot­welsch“. Die­se Form von Räu­ber­ban­den war ty­pisch für das 18. und frü­he 19. Jahr­hun­dert.

Von Ja­nu­ar bis März 1800 hielt sich Jo­han­nes Bück­ler auf der rech­ten Rhein­sei­te auf, kehr­te dann aber wie­der ins Links­rhei­ni­sche zu­rück. Bei Ge­fahr wech­sel­te er al­ler­dings gern zwi­schen den Rhein­sei­ten hin und her, da dies es den fran­zö­si­schen Be­hör­den er­schwer­te, ihn zu fas­sen. Im Lau­fe der Zeit leg­te er sich so­gar ein Pseud­onym für sei­ne Auf­ent­hal­te auf der an­de­ren Rhein­sei­te zu, um dort als fah­ren­der Krä­mer sei­ne Wa­re an­zu­bie­ten, oder Märk­te zu be­su­chen: Ja­kob Ofen­loch von Al­ten­bam­berg. Os­tern 1800 lern­te er auf ei­ner Tanz­ver­an­stal­tung sei­ne zu­künf­ti­ge Le­bens­ge­fähr­tin Ju­lia­na (Jul­chen) Blä­si­us (1781-1851) ken­nen. Die Be­zie­hung zu ihr soll­te ihm spä­ter beim Volk noch ei­nen Sym­pa­thie­bo­nus ver­schaf­fen, da er sich wäh­rend des Pro­zes­ses als lie­be­vol­ler, für­sorg­li­cher Fa­mi­li­en­va­ter prä­sen­tier­te.

1801 ar­bei­te­te er mit ei­ner Grup­pe der so­ge­nann­ten „Nie­der­län­di­schen“ Räu­ber­ban­de zu­sam­men, de­ren Kern über­wie­gend aus Ju­den be­stand. Un­ter dem Ober­be­fehl des nie­der­län­di­schen Räu­bers Abra­ham Pi­cards be­tei­lig­te Jo­hann Bück­ler sich an ei­nem Über­fall auf das Post­haus in Wür­ges (heu­te Stadt Bad Cam­berg im Tau­nus), ent­wen­de­te Pi­card al­ler­dings auch ei­nen Teil von des­sen Beu­te und mach­te sich mit ihr rhein­ab­wärts aus dem Staub. Nach dem Coup in Wür­ges ver­stän­dig­ten sich die Lan­des­o­b­rig­kei­ten auf mehr Zu­sam­men­ar­beit bei der Ver­bre­chens­be­kämp­fung; die Bür­ger wur­den un­ter An­dro­hung von Stra­fe ver­pflich­tet, im Fal­le von Raub­über­fäl­len Alarm zu schla­gen und Hil­fe zu leis­ten. Das er­schwer­te die Ar­beit der Schin­der­han­nes­ban­de er­heb­lich. Im­mer öf­ter muss­ten die Räu­ber flie­hen, oder sie wur­de so­gar nach ei­nem Über­fall von den Dorf­be­woh­nern ver­folgt.

Im Mai 1802 wur­de Schin­der­han­nes durch ei­nen Zu­fall auf der rech­ten Rhein­sei­te ge­fasst, weil er sich nicht aus­wei­sen konn­te. Zu­nächst wur­de er nach Frank­furt ge­bracht und am 15. Ju­ni dem fran­zö­si­schen Na­tio­nal­kom­man­do in Mainz über­ge­ben. Der Pro­zess ge­gen die Ban­de des Schin­der­han­nes be­gann am 24.10.1803 und en­de­te am 20. No­vem­ber des glei­chen Jah­res mit ei­nem To­des­ur­teil für Jo­hann Bück­ler und 19 Mit­an­ge­klag­te, wel­ches am 21. No­vem­ber voll­streckt wur­de. Jul­chen Blä­si­us wur­de zu zwei Jah­ren Zucht­haus ver­ur­teilt, im Ge­fäng­nis ge­bar sie ei­nen ge­mein­sa­men Sohn. Zu­vor hat­te sie schon ein­mal ein Kind von Bück­ler be­kom­men, doch war es kurz nach der Ge­burt ge­stor­ben.

Die Er­zäh­lun­gen, die be­reits zu sei­nen Leb­zei­ten ber den Schin­der­han­nes und sei­ne Ban­de kur­sier­ten, zei­gen kei­nen gro­ben, ge­walt­tä­ti­gen Räu­ber, son­dern sti­li­sie­ren ihn zu ei­ner Art Ro­bin Hood, des­sen Ta­ten, wenn auch ge­set­zes­wid­rig, von ed­len Mo­ti­ven ge­lei­tet wur­den. Drei Haupt­mo­ti­ve sind da­bei ent­schei­dend: Ers­tens An­ti­se­mi­tis­mus, zwei­tens po­li­ti­sche Re­bel­li­on und drit­tens so­zia­les En­ga­ge­ment. Kei­nes die­ser Mo­ti­ve wird tat­säch­lich für den Schin­der­han­nes ei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben, doch kam es ihm na­tür­lich stets zu Gu­te zu wis­sen, dass er ei­ne ge­wis­se Sym­pa­thie im Volk ge­noss, und er mag sich wohl auch dem ent­spre­chend in­sze­niert ha­ben, be­son­ders wäh­rend des Pro­zes­ses. Die Ge­rüch­te mach­ten ihm zum Rä­cher an den bei vie­len ein­fa­chen Men­schen ver­hass­ten Ju­den, ob­wohl er kei­ne Be­rüh­rungs­ängs­te hat­te, mit jü­di­schen Gau­nern zu­sam­men zu ar­bei­ten, sie sti­li­sier­ten ihn zum Frei­heits­kämp­fer ge­gen die Fran­zo­sen, ob­wohl er kei­ne Ten­denz da­zu er­ken­nen lässt, und sie mach­ten ihn zum So­zi­al­re­bel­len, ob­wohl er und sei­ne Ban­de nur auf per­sön­li­che Be­rei­che­rung aus wa­ren. Die Ge­schich­ten ent­spra­chen den heu­te schwer nach­voll­zieh­ba­ren Wün­schen und Sehn­süch­ten der da­ma­li­gen Zeit und nicht der his­to­ri­schen Per­son des Jo­han­nes Bück­ler.

2. Ludwig van Beethoven

Lud­wig van Beet­ho­ven gilt nach Haydn und Mo­zart nicht nur als Voll­ender der Wie­ner Klas­sik, son­dern auch als Weg­be­rei­ter der Mu­sik der Ro­man­tik und des 19. Jahr­hun­derts und wur­de vor al­lem mit sei­nen neun Sym­pho­ni­en zum Vor­bild al­ler nach­ge­bo­re­nen Kom­po­nis­ten und In­be­griff des Klas­si­schen.

Lud­wig van Beet­ho­ven war das zwei­te von sie­ben Kin­dern des kur­k­öl­ni­schenHof­ten­oris­ten Jo­hann van Beet­ho­ven (um 1740-1792) und sei­ner Frau Ma­ria Mag­da­le­na, ge­bo­re­ne Ke­ve­rich (1746-1787). Ne­ben Lud­wig er­reich­ten nur sei­ne zwei jün­ge­ren Brü­der Kas­par Karl (1774-1815) und Ni­ko­laus Jo­hann (1776-1848) das Er­wach­se­nen­al­ter, die üb­ri­gen Ge­schwis­ter star­ben be­reits im Kin­des­al­ter. Lud­wig van Beet­ho­ven wur­de am 17.12.1770 in St. Re­mi­gius in Bonn ge­tauft, ver­mut­lich war er am sel­ben oder am vor­an­ge­gan­ge­nen Tag ge­bo­ren wor­den. Sein Ge­burts­haus, ei­nes der we­ni­gen er­hal­te­nen Bür­ger­häu­ser des 18. Jahr­hun­derts in der Stadt (Bonn­gas­se 20), be­her­bergt heu­te die grö­ß­te Beet­ho­ven-Samm­lung welt­weit.

Die Beet­ho­vens wa­ren ei­ne Fa­mi­lie von kur­fürst­li­chen Hof­mu­si­kern. Gro­ßva­ter Lud­wig van Beet­ho­ven der Äl­te­re (1712-1773) stamm­te aus Me­che­len in Bel­gi­en und kam 1733 als Bass-Sän­ger an den Bon­ner Hof. 1761 avan­cier­te er zum Hof­ka­pell­meis­ter, ei­ne Po­si­ti­on, die auch sein Sohn Jo­hann ger­ne ge­habt, aber nie er­reicht hat.


 

Sei­nen ers­ten Mu­sik­un­ter­richt er­hielt Lud­wig vom Va­ter, der ihn Kla­vier­spie­len lehr­te. Am 26.3.1778 trat Lud­wig erst­mals öf­fent­lich in Köln in ei­nem Kon­zert auf. Um 1779 be­gann er, auch Or­gel zu ler­nen. 1780 er­hielt er sei­nen wohl be­kann­tes­ten Kla­vier­leh­rer, den Lei­ter des kur­k­öl­ni­schen Hof­thea­ters, Chris­ti­an Gott­lob Nee­fe (1748-1798), der das Po­ten­zi­al des jun­gen Mu­si­kers er­kann­te und ihn för­der­te. Bei Nee­fe lern­te Beet­ho­ven die Wer­ke Jo­hann Se­bas­ti­an Bachs (1685-1750) ken­nen (na­ment­lich das Wohl­tem­pe­rier­te Kla­vier).

Die al­ler­ers­te ge­druck­te Kom­po­si­ti­on des Elf­jäh­ri­gen, die „Dress­ler­va­ria­tio­nen" WoO (Wer­ke oh­ne Opus­zahl) 63, er­schie­nen 1782 in dem re­nom­mier­ten Ver­lag Götz in Mann­heim durch die Ver­mitt­lung Nee­fes. Schon im Al­ter von elf Jah­ren hat­te Beet­ho­ven im Got­tes­dienst Or­gel ge­spielt. Ab 1783 spiel­te er auch im Ho­for­ches­ter Cem­ba­lo. Sein ers­tes fes­tes Ge­halt er­hielt er 1784 als stell­ver­tre­ten­der Hof­or­ga­nist.

Mit un­ge­fähr neun Jah­ren hat­te Lud­wig auch Gei­ge spie­len ge­lernt und war ab 1789 im Ho­for­ches­ter ne­ben sei­nem Dienst als Cem­ba­list und Or­ga­nist auch als Brat­scher an­ge­stellt. Im De­zem­ber 1786 brach Beet­ho­ven auf Ver­an­las­sung sei­nes Dienst­herrn, des Kur­fürs­ten und Erz­bi­schofs Ma­xi­mi­li­an Franz von Habs­burg, nach Wien auf, um dort bei Mo­zart (1756-1791) Un­ter­richt zu neh­men. Beet­ho­ven hielt sich je­doch nur we­ni­ge Wo­chen dort auf. Schon auf der Heim­rei­se er­reich­te ihn ei­ne Nach­richt des Va­ters mit der Bit­te um ra­sche Rück­kehr: die Mut­ter sei schwer er­krankt und lie­ge im Ster­ben. Ob Beet­ho­ven Mo­zart in Wien ge­trof­fen hat, ist nicht be­kannt.



Ludwig van Beethoven, 1802. Reproduktion eines Holzschnittes von Alfred Hanf nach der Miniatur von Christian Horneman (1765-1844). (Beethoven-Haus Bonn, Bildstelle)

 

Der Tod der Mut­ter am 17.7.1787 führ­te zum end­gül­ti­gen Ab­sturz des Va­ters. Schon frü­her hat­te Jo­hann van Beet­ho­ven ei­ne aus­ge­präg­te Nei­gung zum Al­ko­hol ge­habt, jetzt wur­de er zum Al­ko­ho­li­ker. Sei­nen Dienst konn­te er nicht mehr ver­se­hen und wur­de sus­pen­diert. Lud­wig muss­te von da ab für die ge­sam­te Fa­mi­lie sor­gen und sie er­näh­ren.

Ei­ne neue emo­tio­na­le Hei­mat fand er bei der Fa­mi­lie Bre­u­ning, wo er be­reits seit un­ge­fähr 1782 Kla­vier­leh­rer der Kin­der Eleo­no­re und Lo­renz war. De­ren Bru­der Ste­phan zog 1801 nach Wien und blieb zeit­le­bens ein en­ger Freund. Auch Eleo­no­re, die den Ju­gend­freund und frü­hen Beet­ho­ven-Bio­gra­phen Franz Ger­hard We­ge­ler (1765-1848) hei­ra­te­te, blieb Beet­ho­ven im­mer ver­bun­den. Der li­be­ra­le Geist im Hau­se Bre­u­ning präg­te ent­schei­dend Beet­ho­vens frei­heit­li­che Ge­sin­nung. Wei­te­re Ein­flüs­se er­hielt er durch die Bon­ner Le­se- und Er­ho­lungs­ge­sell­schaft, die kur­k­öl­ni­sche Lan­des­uni­ver­si­tät in Bonn, an der er sich 1789 im­ma­tri­ku­lier­te, so­wie durch den in­tel­lek­tu­el­len Freun­des­kreis im Lo­kal „Zehr­gar­ten".



Notenblatt. (Beethoven-Haus Bonn, Bildstelle)

 

Hier lern­te er die Ide­en und Grund­sät­ze der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on ken­nen und mach­te sie sich zu ei­gen. Den nur ein Jahr äl­te­ren, in den Re­vo­lu­ti­ons­krie­gen er­folg­rei­chen Na­po­le­on Bo­na­par­te (1769-1821) ver­ehr­te Beet­ho­ven in sei­ner Ju­gend glü­hend. Beet­ho­vens Be­geis­te­rung war aber durch­aus am­bi­va­lent und ebb­te auf dem Hö­he­punkt der Na­po­leo­ni­schen Krie­ge 1809/1810 stark ab, die Kai­ser­krö­nung Na­po­le­ons 1804 ver­ach­te­te er. Sei­ne grund­sätz­li­che Be­wun­de­rung der Na­po­leo­ni­schen Staats­phi­lo­so­phie und Ge­setz­ge­bung hielt der Re­pu­bli­ka­ner Beet­ho­ven in spä­te­ren Jah­ren auf­recht.

1792 er­hielt Beet­ho­ven auf Ver­mitt­lung des Gra­fen Wald­stein vom Kur­fürs­ten er­neut ein Aus­bil­dungs­sti­pen­di­um und reis­te im No­vem­ber aber­mals nach Wien, um bei Jo­seph Haydn (1732-1809) Un­ter­richt zu neh­men. 1794 er­ober­ten fran­zö­si­sche Trup­pen das Rhein­land und lös­ten die kur­k­öl­ni­sche Bon­ner Hof­hal­tung auf. Beet­ho­vens Dienst­stel­le exis­tier­te da­mit nicht mehr. Er blieb in Wien und kehr­te nie nach Bonn zu­rück.



Beethoven-Haus Bonn, Innenansicht. (Beethoven-Haus Bonn, Bildstelle)

 

Ver­mut­lich hat­te Graf Wald­stein ihm Emp­feh­lungs­schrei­ben mit­ge­ge­ben, so dass Beet­ho­ven leicht Zu­tritt zum Wie­ner Hoch­adel er­hielt und von der Aris­to­kra­tie ge­för­dert wur­de. Sein wich­tigs­ter Gön­ner in den ers­ten Wie­ner Jah­ren war Fürst Karl von Lich­now­sky (1756-1814), der ihm die Tü­ren zu den Adels­häu­sern öff­ne­te, Woh­nung stell­te und auch mit Geld un­ter­stütz­te. In kür­zes­ter Zeit er­ober­te der jun­ge Beet­ho­ven Wien als ge­frag­ter Pia­nis­ten und Im­pro­vi­sa­tor.

Auf Ver­an­las­sung Lich­now­skys und – zu­min­dest auf der ers­ten Etap­pe – in sei­ner Be­glei­tung un­ter­nahm Beet­ho­ven 1796 sei­ne ein­zi­ge Kon­zert­tour­née, die ihn nach Prag, Dres­den, Leip­zig und Ber­lin führ­te. Lich­now­sky, der schon Freund und Gön­ner Mo­zarts ge­we­sen war, hat­te sie­ben Jah­re zu­vor mit Mo­zart be­reits die­sel­be Rei­se un­ter­nom­men.

Mit un­ge­fähr 26 Jah­ren müs­sen Beet­ho­vens Ge­hör­pro­ble­me be­gon­nen ha­ben, von de­nen er 1801 erst­mals sei­nem Bon­ner Freund Franz Ger­hard We­ge­ler un­ter dem Sie­gel der Ver­schwie­gen­heit be­rich­te­te. Der Ver­lust der Hör­fä­hig­keit führ­te 1802 zu ei­ner schwe­ren Kri­se, die im so ge­nann­ten Hei­li­gen­städ­ter Tes­ta­ment gip­felt. Mit die­sem Brief an sei­ne bei­den Brü­der re­gel­te Beet­ho­ven nicht nur sei­nen Nach­lass, son­dern ver­such­te, sein ei­ge­nes Bild bei den Men­schen ge­ra­de zu rü­cken und sei­ne Mo­ti­va­tio­nen klar­zu­stel­len. Das Tes­ta­ment ist ein Schrift­stück tie­fer Ver­zweif­lung und Hoff­nungs­lo­sig­keit. Die Kri­se hat Beet­ho­ven schlie­ß­lich über­wun­den; um 1806 be­schloss er so­gar, sei­ne be­gin­nen­de Taub­heit nicht län­ger ge­heim zu hal­ten.



Ludwig van Beethoven, Gemälde von Willibrord Joseph Mähler (1778-1860), 1815. (Beethoven-Haus Bonn, Bildstelle)

 

In­zwi­schen war er ein an­ge­se­he­ner und er­folg­rei­cher Kom­po­nist. 1808 be­kam Beet­ho­ven ein ver­lo­cken­des An­ge­bot von Jé­rô­me Bo­na­par­te (1784-1860), Kö­nig von West­fa­len, an des­sen Hof in Kas­sel Ka­pell­meis­ter zu wer­den. Um ei­ne Ab­wan­de­rung des be­rühm­ten Künst­lers zu ver­hin­dern, ent­schlos­sen sich drei Mit­glie­der der Hoch­a­ris­to­kra­tie, Erz­her­zog Ru­dolph, Fürst Lob­ko­witz und Fürst Kin­s­ky, Beet­ho­ven ei­ne Leib­ren­te von 4.000 Gul­den aus­zu­set­zen, de­ren ein­zi­ge Be­din­gung sein Ver­bleib in Wien war. Die ei­gent­lich statt­li­che Sum­me schmolz aber in­fol­ge der Na­po­leo­ni­schen Krie­ge und der da­mit ver­bun­de­nen Teue­rung schnell da­hin. Zu­dem wur­de Fürst Lob­ko­witz zah­lungs­un­fä­hig. Die Fa­mi­lie Kin­s­ky woll­te nach dem Tod des Fürs­ten 1812 ih­re Zah­lun­gen ganz ein­stel­len. Ein­zig Erz­her­zog Ru­dolph, Beet­ho­vens ein­zi­ger Kom­po­si­ti­ons­schü­ler und sein treu­es­ter Mä­zen, zahl­te zu­ver­läs­sig bis an Beet­ho­vens Le­bens­en­de.

In der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung er­reich­te Beet­ho­ven 1814/1815 mit dem Wie­ner Kon­gress den Hö­he­punkt sei­nes Ruh­mes. Meh­re­re glanz­vol­le Kon­zert­er­eig­nis­se un­ter An­we­sen­heit der ver­sam­mel­ten eu­ro­päi­schen Fürs­ten be­scher­ten ihm ei­ne zu­vor nicht er­leb­te Po­pu­la­ri­tät. Auch das er­star­ken­de Bür­ger­tum, das sein Be­dürf­nis nach öf­fent­li­chem Mu­sik­le­ben in neu ge­grün­de­ten Mu­sik­ver­ei­nen zum Aus­druck brach­te, trug zu Beet­ho­vens wach­sen­dem An­se­hen bei.

Pri­vat war Beet­ho­ven nicht ganz so er­folg­reich. Er war zwar häu­fig ver­liebt, je­doch nie­mals ver­hei­ra­tet, ob­wohl er ei­ni­ge An­läu­fe da­zu un­ter­nom­men hat­te. Als sein Bru­der Kas­par Karl 1815 starb und ei­nen min­der­jäh­ri­gen Sohn hin­ter­ließ, rück­te die Er­fül­lung des Trau­mes ei­ner ei­ge­nen Fa­mi­lie in greif­ba­re Nä­he. Beet­ho­ven wur­de Vor­mund für sei­nen Nef­fen Karl und rich­te­te ei­ne fast er­drü­cken­de Für­sor­ge auf das Kind. Die Mut­ter des Kin­des, sei­ne Schwä­ge­rin, hielt er mo­ra­lisch und cha­rak­ter­lich für un­wür­dig und ver­such­te, sie ganz von der Er­zie­hung aus­zu­schlie­ßen und je­den Kon­takt zwi­schen Mut­ter und Kind zu un­ter­bin­den. Da­ge­gen wehr­te sich die Mut­ter, es folg­te ei­ne län­ge­re Rei­he von amt­li­chen und ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die schlie­ß­lich 1820 zu­guns­ten Beet­ho­vens ent­schie­den wur­den.



Ludwig van Beethoven, um 1817. Lithographie von Carl Fischer, 1822, nach einer Zeichnung von August von Kloeber (1793-1864). (Beethoven-Haus Bonn, Bildstelle)

 

Das letz­te Le­bens­jahr­zehnt Beet­ho­vens war ei­ner­seits ge­prägt von sei­nen mo­nu­men­ta­len Groß­wer­ken Mis­sa so­lem­nis (zur In­thro­ni­sa­ti­on des Erz­her­zogs Ru­dolphs als Bi­schof von Ol­mütz) und der 9. Sym­pho­nie, den letz­ten Kla­vier­so­na­ten und den spä­ten Streich­quar­tet­ten, an­de­rer­seits aber von schwe­ren ge­sund­heit­li­chen Be­schwer­den und na­he­zu völ­li­ger Taub­heit. Zum Ge­spräch mit Be­su­chern und Freun­den be­dien­te er sich ab 1818 klei­ner Hef­te (Kon­ver­sa­ti­ons­hef­te), in die sei­ne Ge­sprächs­part­ner ih­re Bei­trä­ge no­tier­ten. Beet­ho­ven ant­wor­te­te münd­lich. Ab­ge­se­hen von sei­nem schwa­chen Ge­hör wur­de Beet­ho­ven von star­ken Ko­li­ken und Un­ter­leibs­be­schwer­den ge­plagt, die ihn häu­fig ar­beits­un­fä­hig mach­ten. Ur­sa­che da­für wa­ren ei­ne schwe­re Blei­ver­gif­tung und ei­ne Le­ber­zir­rho­se. Die Zir­rho­se so­wie die durch sie ver­ur­sach­te Bauch­was­ser­sucht wa­ren auch die Ur­sa­che sei­nes To­des am 26.3.1827 in Wien.

Beet­ho­vens Lei­chen­be­gäng­nis auf dem Wäh­rin­ger Fried­hof in Wien glich ei­nem Staats­be­gräb­nis. 20.000 Men­schen sol­len dem Sarg ge­folgt sein, dar­un­ter nicht nur die an­ge­se­hens­ten Mu­si­ker der Stadt (Franz Schu­bert war ei­ner der Fa­ckel­trä­ger), son­dern auch Mit­glie­der des Hoch­adels. Der Schau­spie­ler Hein­rich An­schütz hielt am Fried­hofs­ein­gang ei­ne von Franz Grill­par­zer ver­fass­te Re­de, in der er Beet­ho­ven als Künst­ler und Mensch her­vor­hob. „Wenn die Pfor­te des Le­bens hin­ter uns sich schlie­ßt, sprin­gen auf die Pfor­ten zum Tem­pel der Un­sterb­lich­keit. Dort steht er nun bey den Gro­ßen al­ler Zei­ten; un­an­tast­bar für im­mer." Sei­ne letz­te Ru­he­stät­te fand Beet­ho­ven 1888 auf dem be­rühm­ten Wie­ner Zen­tral­fried­hof.

 
 
Verlinkungen:

->

Quellen:

Internetquellen

-> Becker, Lydia, Johannes Bückler, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johannes-bueckler-/DE-2086/lido/57c58a6c1b8fd3.60387402 (abgerufen am 14.10.2025)

-> Ronge, Julia, Ludwig van Beethoven, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/ludwig-van-beethoven-/DE-2086/lido/57c578bad39561.36831967 (abgerufen am 19.10.2025)

->

Sekundärliteratur

->

->

->