Persönlichkeiten
Inhaltsverzeichnis
- Hannah Arendt
- Wolf Biermann
- Konrad Adenauer
- Werner Karl Heisenberg
- Loriot
- Erich Honecker
- Andreas Baader
- Beate Uhse
- Ludwig Erhard
- Gerd Müller
- Hildegard Knef
- Christa Wolf
- Elisabeth Selbert
- Joseph Beuys
1. Hannah Arendt
1906 – 1975
Philosophin, Publizistin
Hannah Arendt gehört zu den bedeutenden Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Die an deutschen Universitäten ausgebildete, aus Europa in die USA vertriebene Jüdin richtete ihr Bemühen um Verstehen und Erkennen auf das miterlebte Jahrhundert der Weltkriege, Totalitarismen, Verfolgungen und Revolutionen. Sie hinterfragte die Tradition abendländischen Denkens, legte durch mehr als 2000-jährige Geschichte überlagerte Erfahrungen und Gedanken frei und wies der (politischen) Philosophie mit ihrem Beharren auf der Pluralität des Menschen neue Wege. Ihr emphatischer Begriff des Handelns wirkte weltweit inspirierend, so auch ihr Merksatz: „Der Sinn von Politik ist Freiheit“.
Leben
Arendt wuchs in Linden bei Hannover, seit 1910 in Königsberg (Preußen, heute Kaliningrad, Russland) auf und absolvierte hier und kurzzeitig in Berlin-Charlottenburg ihre Schulzeit. Nach der Reifeprüfung 1924 begann sie das Studium der Philosophie mit den Nebenfächern Evangelische Theologie und Griechische Philologie in Marburg. Hier wurde Martin Heidegger (1889–1976) ihr akademischer Lehrer, mit dem sie eine zeitlebens geheim gehaltene Liebesbeziehung verband. Diese fand ein äußeres Ende mit Arendts Studienplatzwechsel nach Heidelberg 1926, wo sie 1928 mit der Arbeit „Der Liebesbegriff bei Augustin. Versuch einer philosophischen Interpretation“ (1929) bei Karl Jaspers (1883–1969) zur Dr. phil. promoviert wurde.
1930 erhielt Arendt ein Stipendium der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft für ihre Forschungsarbeit „über das Problem der deutsch-jüdischen Assimilation, exemplifiziert an dem Leben der Rahel Varnhagen“, deren Ergebnisse sie erst 1958/59 veröffentlichte. Entscheidend für ihren weiteren Lebenslauf wurde damals die Wiederbegegnung mit Kurt Blumenfeld (1884–1963), dem Präsidenten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, in Berlin. Für dessen Organisation hielt Arendt Vorträge und übernahm einen Rechercheauftrag in der Berliner Staatsbibliothek.
Der „Verbreitung von Greuelpropaganda“ verdächtigt, wurde Arendts Wohnung 1933 von der Gestapo durchsucht und sie selbst kurzzeitig inhaftiert. Danach floh sie illegal über die Tschechoslowakei in die Schweiz und weiter nach Paris, wo sich ihr Ehemann Günther (Stern) Anders (1902–1992) bereits aufhielt. Hier engagierte sie sich weiter im Rahmen zionistischer Politik. 1937 nahm Arendt ihre wissenschaftlichen Studien wieder auf, beendete das Rahel-Buch und trieb ihre Recherchen zu einer Geschichte des europäischen Antisemitismus voran. Nach den Pogromen 1938 in Deutschland verlagerte sich das Schwergewicht ihrer Tätigkeit erneut auf die Sozialarbeit, die Hilfe für jüdische Kinder und Erwachsene.
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs kam Arendt im Mai 1940 als „feindliche Ausländerin“ in das Internierungslager Gurs, aus dem sie zu Freunden in Montauban im unbesetzten Frankreich floh und wo sie ihren zweiten Ehemann Heinrich Blücher (1899–1970) wiedertraf. Mithilfe ihres inzwischen in Kalifornien lebenden Ex-Ehemanns erhielten sie und Blücher 1941 Einreisevisen in die USA. Die deutschsprachige Zeitung „Aufbau“ und die Zeitschrift „Jewish Social Studies“ des an der Columbia University lehrenden Historikers Salo W. Baron (1895–1989) boten ihr erste Publikationsmöglichkeiten. Baron besorgte ihr zudem eine Anstellung im Rahmen der jüdischen Kulturrestitution. Für die 1949 gegründete „Jewish Cultural Reconstruction, Inc.“ arbeitete Arendt bis 1952, bevor sie als freiberufliche Autorin und institutionell ungebundene akademische Lehrerin tätig wurde.
Bekanntheit in den USA erwarb Arendt 1951 mit ihrem Buch „The Origins of Totalitarianism“, in dessen Anschluss sie ein Guggenheim-Stipendium (1952/53) mit der Möglichkeit zu freier wissenschaftlicher Arbeit sowie 1953 die Einladung zu einer Vortragsreihe der Christian Gauss Seminars an der Princeton University erhielt. 1955 ging sie als Visiting Full Professor in Political Science für ein Semester an die University of California nach Berkeley. Nach Jahren der jeweils semesterweisen Verpflichtung an weiteren Colleges und Universitäten nahm Arendt 1963 an der University of Chicago eine feste Stelle (mit reduzierter Lehr- und Präsenzpflicht) an und traf 1967 eine vergleichbare Vereinbarung mit der Graduate Faculty der New School for Social Research in New York City, wo sie bis zu ihrem Tod als „University Professor“ wirkte.
Neben ihrer Tätigkeit als akademische Lehrerin arbeitete Arendt weiterhin schriftstellerisch. Dabei bemühte sie sich weiter, die Katastrophen des 20. Jahrhunderts – besonders Totalitarismus und Holocaust – zu verstehen und mischte sich mit Essays etwa über „Little Rock“ (1959), „Civil Disobedience“ (1970) und „Lying in Politics“ (1971) in aktuelle Debatten der US-amerikanischen Politik ein. Höhepunkt ihrer Laufbahn als „Public Intellectual“ wurde ihre Rede zur 200-Jahr-Feier der Unabhängigkeit der USA im Rahmen des Boston Bicentennial Forums, die am 20. Mai 1975 vom National Public Radio ausgestrahlt wurde. In diese Rede brachte sie ihre Erfahrungen mit dem „terrible century“ ihrer Lebenszeit ein und äußerte sich im Angesicht der Niederlage in Vietnam zur Krise der US-amerikanischen Republik.
In Westdeutschland, wohin sie mehrfach zu (Rundfunk-)Vorträgen reiste, wurde Arendt seit 1945 von Jaspers, Dolf Sternberger (1907–1989) und später Klaus Piper (1911–2000) gefördert und 1955 durch die deutsche Übersetzung ihres Totalitarismusbuchs bekannt. Auch wenn sie nicht in den Kreis der bundesrepublikanischen „Medien-Intellektuellen“ aufrückte, erhielt sie zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit durch ihr Buch „Eichmann in Jerusalem“ (1963, deutsch 1964) und die damit verbundenen Auftritte, insbesondere das Gespräch mit Günter Gaus (1929–2004) in der Reihe „Zur Person“ des ZDF 1964.
Werk
Ihren Ruf als politische Theoretikerin und Philosophin verdankt Arendt drei Monografien: „The Origins of Totalitarianism“ (1951), „The Human Condition“ (1958) und „On Revolution“ (1963), die von ihr selbst ins Deutsche übertragen wurden: „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1955), „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ (1960) und „Über die Revolution“ (1965). Die Bücher sind bis heute in beiden Sprachen erhältlich, nach einer je eigenen Veröffentlichungsgeschichte.
Das Totalitarismusbuch mit Beschreibung und Analyse der Systeme des Nationalsozialismus und Bolschewismus in seinem dritten Teil, das Vita-activa-Buch von der menschlichen Bedingtheit mit den Untersuchungen über die drei phänomenologisch unterschiedenen Tätigkeiten des „Arbeitens“, „Herstellens“ und „Handelns“ (Labor, Work, Action) wie das Revolutionsbuch, in dem der Vergleich der beiden großen Revolutionen des 18. Jahrhunderts, der amerikanischen (1775) und der französischen (1789), zur Klärung der grundsätzlichen Frage dient, „was eine Revolution tatsächlich ist“, sind Basistexte der Arendtschen politischen Theorie der menschlichen Pluralität, des Handelns und Urteilens, der republikanischen (partizipatorischen) Demokratie.
In diesen Werken zeigt sich die an Jaspers, Heidegger und Edmund Husserl (1859–1938) geschulte Philosophin mit einem jeweils eigenwilligen geistigen Zugriff, der sich keiner bestimmten Methode und keinem System unmittelbar zurechnen und die Fachdiskussionen weitgehend außer Acht lässt. Das gilt auch für zwei frühe deutschsprachige Arbeiten, in denen die Verwurzelung Arendts in der deutschen (Existenz-)Philosophie noch deutlich zutage tritt: ihre 1929 veröffentlichte Dissertation und die als „post-doctoral“-Projekt begonnene, in Paris fertiggestellte und 1958 veröffentlichte Studie über das Leben der Rahel Varnhagen (1771–1833) unter den Bedingungen der jüdischen Assimilation im Preußen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts mit ihren Erkenntnissen über das Dasein als „Paria“ oder „Parvenü“.
Arendts Bericht über den Eichmann-Prozess, der 1963 in dem Magazin „The New Yorker“, kurz darauf als englische Buchausgabe und 1964 in autorisierter deutscher Übersetzung erschien, wurde ihr meist kommentiertes Werk und löste die sog. Arendt-Kontroverse aus. Obwohl inzwischen häufig widerlegt, halten sich bis in die Gegenwart die gegen den Bericht erhobenen Vorwürfe, v. a. gegen die biografische Darstellung Adolf Eichmanns (1906–1962) als „Funktionär“ eines totalitären Herrschaftsapparates und gegen die Ausführungen über die Rolle der offiziellen jüdischen Vertreter während des Holocaust. In Arendts Gesamtwerk nimmt „Eichmann in Jerusalem“ eine Mittel- (Vermittler-)Stellung zwischen dem frühen Totalitarismusbuch und den späten Reflexionen über das Denken und Urteilen ein. Das dem Erlebnis „Eichmann“ geschuldete, im Untertitel des Buchs erstmals in die Öffentlichkeit gelangte Schlagwort von der „Banalität des Bösen“ wurde zu einer geistigen Herausforderung, der Arendt im erst postum veröffentlichten Spätwerk, dem aus Gifford Lectures hervorgegangenen „The Life of the Mind“ (1978), nachging. Mit „Banalität des Bösen“ meint Arendt: Dieses Böse hat keine Tiefe, ist nicht radikal, nicht dämonisch; aber es ist in seiner Oberflächlichkeit extrem und „fürchterlich“ (fearsome). Die „Banalität des Bösen“ bezeichnet sie als „word-and-thought-defying“, im Grunde versage vor ihr das Wort, und das Denken scheitere an ihr. Umso intensiver müsse das Bemühen sein, diese Wirklichkeit zur Kenntnis zu nehmen, um sich ihr entgegenstellen zu können.
Arendt sah den Essay als besonders geeignete literarische Form für ihre Art des Denkens an und pflegte ihn entsprechend. In Essays stellte sie v. a. „Exercises in Political Thought“ vor, Übungen im politischen Denken etwa zu den Themen „Geschichte“ und „Natur“, zu Begriffen wie „Autorität“, „Freiheit“, „Revolution“, „Macht“ und „Gewalt“ sowie zu Problemfeldern (Erziehung, Kultur, Religion, Wahrheit/Lüge). Sie nutzte den Essay auch, um sich in aktuelle US-amerikanische Debatten einzumischen. Zu Lebzeiten erschienen im englischen Sprachraum die Sammlungen „Between Past and Future“ (1961, erweitert 1968) und „Crises of the Republic“ (1972), zusätzlich die Porträt-Sammlung „Men in Dark Times“ (1968). Postum wurden zahlreiche umfängliche, das Gesamtwerk berücksichtigende englische und deutsche Ausgaben zusammengestellt.
Arendts umfangreiches Briefwerk wurde aus dem Nachlass veröffentlicht. Es unterstreicht das Bild einer breit vernetzten Schriftstellerin, öffentlichen Intellektuellen wie auch Freundin und Korrespondenzpartnerin von Blumenfeld, Heidegger, Karl Jaspers und seiner Ehefrau Gertrud Jaspers (1879–1974), Mary McCarthy (1912–1989), Hermann Broch (1886–1951), Uwe Johnson (1934–1984), Walter Benjamin (1892–1940), Gershom Scholem (1897–1982)und Dolf Sternberger (1907–1989) sowie Anne Weil (1903–1984), Hilde Fränkel (1897–1950), Lotte Beradt (1907–1986), Rose Feitelson (1914–2001) und Helen Wolff (1906–1994).
Wirkung
Arendt wirkte von den 1940er Jahren bis zu ihrem Lebensende in den USA als akademische Lehrerin der „Political Science“, wovon zahlreiche bisher nur teilweise veröffentlichte Vorlesungsmanuskripte in ihrem Nachlass zeugen. Als schulbildend verstand sie diese Tätigkeit nicht, ja wehrte sich ausdrücklich gegen sie, weil sie nicht „indoktrinieren“ wolle. Das bestätigen ihre Studentinnen und Studenten Peter Stern, Jean Yarbrough, Elisabeth Young-Bruehl (1946-2011), Larry May (geb. 1952) und Jerome Kohn (geb. 1931), seit 2000 „Executor“ des Hannah Arendt Bluecher Literary Trust, in ihren Veröffentlichungen.
Wenn nicht schulbildend, so entfaltete Arendt doch besonders in den 1950er und 1960er Jahren eine Wirkung in Wissenschaft und Öffentlichkeit, die sich nach ihrem Tod von etwa Mitte der 1980er Jahre bis in die Gegenwart steigerte. Arendt hielt Distanz zur traditionellen akademischen (politischen) Philosophie und den empirischen Sozialwissenschaften und erwarb sich einen Ruf als streitbare Denkerin. Im deutschen Sprachraum wurde sie nach 1945 als Autorin der Zeitschrift „Die Wandlung“ bekannt. Ihr erster dort erschienener Artikel „Organisierte Schuld“ (1946) stieß auf große Resonanz in und außerhalb der akademischen Welt. Mit „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1955) und dem Essayband „Fragwürdige Traditionsbestände im politischen Denken der Gegenwart“ (1957) wurde sie über die Politikwissenschaft hinaus zur „Klassikerin“ der Totalitarismustheorie – auch deshalb, weil viele Vertreter der sich etablierenden Disziplin transatlantische Kontakte pflegten, so etwa Karl-Dietrich Bracher (1922–2016), Iring Fetscher (1922–2014), Jürgen Habermas (geb. 1929), Peter Graf Kielmannsegg (geb. 1937), Reinhart Koselleck (1923-2006), Peter C. Ludz (1931–1979), Kurt Sontheimer (1928–2005) und Sternberger. Im studentischen, eher linksorientierten Milieu der Bundesrepublik der 1960er und 1970er Jahre wurde sie dagegen weniger zur Kenntnis genommen oder nicht selten als „reaktionär“ angefeindet.
Eine auch „Renaissance“ genannte Rezeption begann in den 1980er Jahren mit Arendt-Lektüren hinter dem erodierenden Eisernen Vorhang (auch in der DDR) und deren internationalen Rückwirkungen. Spätestens seit den 1990er Jahren gilt Arendt jenseits und diesseits des Atlantiks als wichtige politische Denkerin des 20. Jahrhunderts und öffentliche Intellektuelle. Eine Verklärung als Idol blieb nicht aus. Zeitlich parallel lief die Entdeckung ihres Werks durch feministische Wissenschaftlerinnen sowie ihrer Gedanken zur Menschenrechtsproblematik (über „das Recht, Rechte zu haben“). Im Zuge der Herausgabe von Briefwechseln aus dem Nachlass weitete sich die Rezeption auf Arendts (privates) Leben aus. Die Veröffentlichung des „Denktagebuchs 1950–1973“ (2002) leitete eine weitere Phase ein. Arendts ungewöhnlicher Denkstil wurde auf neuer Grundlage ebenso thematisiert wie ihr Schreibstil. Mit dem Blick auf „Hannah Arendt und die Dichter“ öffneten sich im 21. Jahrhundert einmal mehr neue Zugänge für die Interpretation ihrer Schriften (literarische Texte als Quelle von Erfahrung und Erkenntnis).
Zahlreiche Institutionen berufen sich heute auf Arendt, so das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der Technischen Universität Dresden (gegründet 1992), die ungarische Hannah-Arendt-Gesellschaft (1997), die Forschungsstelle Hannah-Arendt-Zentrum (mit Archiv) an der Universität Oldenburg (1999), das Hannah Arendt Center at the New School University, New York (2000) und das mit dem wöchentlichen Online-Newsletter „Amor Mundi“ international präsente The Hannah Arendt Center for Politics and Humanities am Bard College in Annandale-on-Hudson (2009). Auch in Südamerika gibt es Arendt-Forschungsinstitute, so an der Universität von São Paulo, an der katholischen Universität PUC in Rio de Janeiro und in Venezuela das Observatorium Hannah Arendt.
Mehrere internationale Periodika widmen sich der Verbreitung der Ergebnisse der Arendt-Forschung; mit dem Hannah-Arendt-Preis des Instituts für die Wissenschaft vom Menschen, Wien, und der Körber-Stiftung (verliehen 1995–1999) sowie dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken e.V., der seit 1995 von der Stadt Bremen und der Heinrich-Böll-Stiftung jährlich vergeben wird, wurden und werden ihr Denken, ihr Werk und deren bemerkenswerte Aktualität gewürdigt.
2. Wolf Biermann
Wolf Biermann siedelte bereits als Jugendlicher auf eigenen Wunsch in die DDR über und begann ab den frühen 1960er Jahren, Lieder und Gedichte zu schreiben, die sich auch kritisch mit der politischen und gesellschaftlichen Situation im sozialistischen Ostdeutschland befassten. Aus diesem Grund fand sich der Künstler zunehmend behördlichen Restriktionen ausgesetzt. 1963 wurde erstmals ein vorübergehendes Auftrittsverbot gegen ihn verhängt, nach der Veröffentlichung des Lyrikbandes Die Drahtharfe(1965) durfte Biermann ab Dezember 1965 weder öffentlich auftreten noch publizieren. 1968 veröffentlichte er seine erste Langspielplatte Chausseestraße 131 deshalb in der Bundesrepublik. Der Fall Biermann entwickelte sich zusehends zu einem Politikum, mit dem sich schließlich auch die oberste Staatsführung befasste.
Nach einem öffentlich vielbeachteten Konzertauftritt des Künstlers in Köln erfolgte seine Ausbürgerung durch einen Beschluss des SED-Politbüros. Dieser Schritt führte zu weitreichenden Protesten zahlreicher Künstlerkollegen, von denen viele in der Folge ebenfalls die DDR verließen. Wolf Biermann, der sich bislang trotz aller Kritik als solidarischer Sozialist verstanden hatte, reagierte auf die Maßnahme bestürzt. Er ließ sich in seiner Geburtsstadt Hamburg nieder und veröffentlichte dort weiter Gedichte und Lieder, die sich immer wieder auch mit dem Thema der deutsch-deutschen Beziehungen auseinandersetzten. Nach dem Fall der Berliner Mauer reiste er am 1. Dezember 1989 erstmalig wieder in die DDR und gab dort am gleichen Tag ein Konzert in Leipzig. Biermann erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Fontane-Preis der Stadt Berlin (1969), den Georg-Büchner-Preis (1991) und das Große Bundesverdienstkreuz (2006).
3. Konrad Adenauer
Adenauer erhielt seine politische und weltanschauliche Prägung in der Wilhelminischen Ära, als er aus kleinen Verhältnissen durch Intelligenz, Talent, harte Arbeit und eine vorteilhafte Heirat in das rheinische Großbürgertum aufstieg. Er legte 1894 am Kölner Apostelgymnasium das Abitur ab. Eine anschließend begonnene Lehre im Bankhaus Seligmann brach er nach zwei Wochen ab und studierte Rechtswissenschaften in Freiburg im Breisgau, München und Bonn, wo er 1897 das Refendarexamen absolvierte; vier Jahre später folgte das Assessorexamen in Berlin. Während seiner Studienzeit war er Mitglied verschiedener katholischer Studentenverbindungen, darunter der KStV Arminia zu Bonn.
Nach kurzer Tätigkeit am Kölner Landgericht 1902/03 kam Adenauer über die Vertretung von Justizrat Hermann Kausen (1851–1917), einem führenden Kölner Zentrumspolitiker, an das dortige Oberlandesgericht. 1904 heiratete er Emma Weyer, Tochter des verstorbenen Direktors der Kölner Rückversicherung, Enkelin eines wohlhabenden Kölner Galeristen und langjährigen Stadtbaumeisters, Nichte des Kölner Oberbürgermeisters und späteren Reichstagspräsidenten Max Wallraf (1859–1941).
Kommunalpolitik in Köln
Durch Kausen eröffnete sich für Adenauer der Weg in die Kölner Kommunalpolitik, indem dieser ihn 1906 für die Stelle eines Beigeordneten im Kölner Stadtrat vorschlug. Drei Jahre später stieg Adenauer zum ersten Beigeordneten und Stellvertreter des Oberbürgermeisters auf. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehörte neben den Wahlangelegenheiten auf der Reichs-, Staats-, Provinzial- und städtischen Ebene die Steuerverwaltung, später auch die Lebensmittelversorgung. Während des Ersten Weltkriegs war dies wegen der britischen Seeblockade eine schwierige Aufgabe, die Adenauer zu lösen versuchte, indem er Vorräte anlegte und sich um Produkte aus Reis, Mais, Graupen und Soja als Ersatz für Kartoffeln und Fleisch kümmerte. Als fähiger Verwaltungsfachmann und geschickter Finanzpolitiker sicherte er seiner Heimatstadt zwischen 1912 und 1918 eine Anleihe von annähernd 80 Millionen Mark, die u. a. zur Verbesserung der kommunalen Infrastruktur wie dem Bau der Deutzer Rhein-Brücke, der Stadterweiterung und des Hafenausbaus genutzt wurde.
Auf diesen Erfolgen aufbauend, wurde Adenauer im September 1917 als Nachfolger des als Staatssekretär ins Reichsamt des Innern wechselnden Wallraf auf zwölf Jahre zum Oberbürgermeister gewählt. Im Alter von 41 Jahren war er das bis dahin jüngste Stadtoberhaupt Kölns und einer preußischen Großstadt überhaupt. Zu Beginn seiner Amtszeit sah er sich mit den Erschütterungen der Novemberrevolution und der bis 1926 andauernden Besatzung durch britische Truppen konfrontiert. Er hatte Kontakte zur Rheinlandbewegung und hielt eine Ausgliederung des Rheinlands aus dem preußischen Staat für denkbar, nicht aber die Abtrennung vom Reich. Sein Pragmatismus hinsichtlich der territorialen Gestalt der deutschen Republik brachte Adenauer damals und später Kritik und den Vorwurf des Separatismus ein.
In der Weimarer Republik erwies sich Adenauer als energischer und ideenreicher Stadtvater. Er zeichnete u. a. für große Projekte des genossenschaftlichen Wohnungsbaus und die Anlage des Grüngürtels auf dem Gelände der geschleiften preußischen Befestigungswerke verantwortlich. Die Ansiedlung der Ford-Werke, die Organisation von Großveranstaltungen wie der internationalen Medienschau „Pressa“ (1928) sowie die Anfänge der Westdeutschen Rundfunk A.G., die 1926 ihren Sendebetrieb in Köln aufnahm, gingen auf ihn zurück. Für die Wiederbegründung der 1798 unter französischer Herrschaft geschlossenen Universität setzte Adenauer sich ebenfalls ein: Am 29. Mai 1919 unterzeichnete er den Staatsvertrag mit Preußen zu deren Neugründung. Als Oberbürgermeister einer der reichsten Metropolen des Landes spielte Adenauer auch in der nationalen Politik eine Rolle: Von 1921 bis 1933 amtierte er, getragen von der Weimarer Koalition aus Zentrum, SPD und DDP, als Präsident des Preußischen Staatsrats. Zweimal war er als möglicher Reichskanzler im Gespräch, wusste aber einen Wechsel auf den Schleudersitz an der Spitze der Reichsregierung jeweils zu verhindern.
Nationalsozialismus
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Adenauer im März 1933 als Oberbürgermeister abgesetzt, im April wurde ein Dienststrafverfahren gegen ihn eingeleitet, im Juli 1933 wurde er förmlich entlassen. Wenig später verlor er auch sein Amt als Präsident des Staatsrats. Zwischenzeitlich musste er fürchten, dass man ihm den Prozess machte. Seine Familie brachte er in diesen Wochen im Kölner Krankenhaus Hohenlind in Sicherheit. Er selbst versteckte sich für ein Jahr in der Abtei Maria Laach (Eifel) bei dem befreundeten Abt Ildefons Herwegen (1874–1946). Im April 1934 zog er in den Potsdamer Vorort Babelsberg, um von dort in einem Gerichtsverfahren für seine Pensionsansprüche zu kämpfen. Im Zuge der Mordaktionen und Verhaftungswellen nach dem „Röhm-Putsch“ stand Adenauer einige Tage unter Arrest und lebte von Ende 1937 bis 1944 zurückgezogen in seinem Haus in Rhöndorf, ohne sich mit dem NS-Regime einzulassen, aber auch ohne intensivere Kontakte zu Widerstandskreisen. Dennoch wurde er nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 in ein Internierungslager in Köln-Deutz, später in ein Gefängnis der Geheimen Staatspolizei in Brauweiler verbracht, wo auch seine Frau inhaftiert war. Auguste Adenauer unternahm in der Haft einen Selbstmordversuch, dessen Folgen wahrscheinlich für ihren frühen Tod mitverantwortlich waren.
Nachkriegszeit: CDU-Parteipolitik und Bundeskanzleramt
Nach Kriegsende wurde Adenauer von der US-amerikanischen Militärregierung im Mai 1945 erneut als Kölner Oberbürgermeister eingesetzt. Die britische Militärregierung enthob ihn jedoch im Oktober wieder seines Amtes, unter etwas verworrenen, für den Betroffenen demütigenden Umständen. In der folgenden Zeit widmete sich Adenauer dem Aufbau der CDU in der britischen Besatzungszone und bereitete seine zweite politische Karriere vor. 1948 wurde er zum Präsidenten des Parlamentarischen Rates gewählt, der mit der Ausarbeitung einer Verfassung für die drei deutschen Westzonen beauftragt war. Er galt jedoch vielen als Mann von vorgestern, der nicht das Deutschland der Nach-Hitler-Generation, sondern der Vor-Hitler-Zeit verkörpere.
In der Folgezeit wurde Adenauer zur prägenden politischen Gestalt der jungen Bundesrepublik. Von 1950 bis 1966 war er Vorsitzender der CDU. Von 1949 bis 1963 amtierte er als erster Bundeskanzler: Bei seiner ersten Wahl erhielt er im Bundestag 202 von 402 möglichen Stimmen – das Minimum für die absolute Mehrheit. Als Regierungschef etablierte er in der jungen Bundesrepublik, was später als „Kanzlerdemokratie“ bezeichnet wurde: Er bestimmte nach Artikel 65 des Grundgesetzes die Richtlinien der Politik, legte den Zuschnitt der Ressorts fest und entschied bei Streitigkeiten zwischen den Ministerien. Adenauers hervorgehobene Position fand ihren Ausdruck im Aufbau eines machtvollen Bundeskanzleramts als Regierungszentrale, das die Ministerien kontrollierte, bei ihrer Personalpolitik mitsprach und in Gesetzesvorhaben direkt eingriff. Dabei ließ der Kanzler auch zu (und profitierte davon), dass der für Auslandsspionage zuständige Bundesnachrichtendienst Adenauers innenpolitische Gegner SPD und FDP ausspähte und auf diese Weise unter ihm zu einem „Herrschaftselement der entfalteten Kanzlerdemokratie“ (Klaus-Dietmar Henke) wurde. Im Verhältnis zu den Siegermächten, die bis zur Aufhebung des Besatzungsstatuts 1955 die oberste Souveränität im Land innehatten und vor jeder wichtigen Entscheidung konsultiert werden mussten, erwies Adenauer sich als verlässlicher und durchsetzungsstarker Partner. Im Umgang mit dem Bundestag pflegte er einen patriarchalisch-obrigkeitlichen Stil.
Unter Adenauer etablierte sich die CDU als bestimmende Kraft in der Politik der Bundesrepublik. Grundlage ihrer Dominanz, die 1953 zum Wahlsieg und 1957 zur absoluten Mehrheit im Bundestag führte, war eine erfolgreiche Integrationspolitik. Mit dem Bemühen um einen Ausgleich zwischen Katholiken und Protestanten profilierte sie sich als überkonfessionelle Sammlungspartei. In ihren Hochburgen im Rheinland knüpfte sie organisatorisch an die Tradition der Zentrumspartei an, distanzierte sich aber zugleich von deren ausschließlich katholischer Ausrichtung und wurde zur politischen Heimat für konservative, liberale und christlich-soziale Kräfte. Zugleich praktizierte die Union unter Adenauer eine wirksame Koalitionspolitik innerhalb des bürgerlich-konservativen Lagers: In der ersten Legislaturperiode stützte sich der Kanzler auf ein Bündnis aus CDU, CSU, FDP und Deutscher Partei (DP), das nach der zweiten Bundestagswahl 1953 noch um den Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) als Interessenvertretung der Flüchtlinge aus dem Osten erweitert wurde. Den Umgang mit der NS-Vergangenheit kennzeichneten während Adenauers Kanzlerschaft ein scharfer ideologischer Bruch einerseits und eine Praxis sozialer Reintegration und rechtlicher Amnestierung andererseits, die ehemalige Mitläufer des Regimes ebenso umfasste wie überzeugte Nationalsozialisten. Sinnbildlich dafür stand Hans Globke (1898–1973), von 1932 bis 1945 Ministerialbeamter im Reichsinnenministerium und dort Mitarbeiter an den Nürnberger Rassegesetzen. Obwohl Adenauer die Vergangenheit Globkes kannte, hielt er gegen teils heftige zeitgenössische Kritik an ihm fest, weil er dessen Kompetenz, Effizienz und Loyalität schätzte.
Als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zur Sozialdemokratie hatte sich schon vor der Gründung der Bundesrepublik die Frage der Wirtschaftsordnung herauskristallisiert. Diese wurde von Adenauer und seinem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (1897–1977) auf die Formel „bürokratische Planwirtschaft gegen soziale Marktwirtschaft“ zugespitzt. Bei der Ausgestaltung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung blieb Adenauer auf sozialen Ausgleich bedacht, wie sich 1951 beim Mitbestimmungsgesetz in der Montanindustrie und 1952 beim Lastenausgleich zeigte: Im ersten Fall stimmte er zu, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber in den Aufsichtsräten der Ruhrkonzerne paritätisch vertreten waren, im zweiten Fall machte er sich für Abgaben auf Vermögen, Hypotheken- und Kreditgewinne stark, die den Opfern von Kriegsschäden und Vertreibung zugutekommen sollten.
Außenpolitik
In den Außenbeziehungen der jungen Bundesrepublik hielt Adenauer US-amerikanische Unterstützung für die Grundvoraussetzung erfolgreicher Politik. Er akzeptierte die Machtlosigkeit der Deutschen als Ausgangsbasis seiner Politik und sah in der Konstellation des Ost-West-Konflikts eine Chance, diese Position zu verbessern. Während die SPD unter Kurt Schumacher (1895–1952) alliiertes Entgegenkommen erwartete, ehe eine Zusammenarbeit für sie infrage kam, war Adenauer bereit, Diskriminierungen in Kauf zu nehmen und selbst Vorleistungen zu erbringen, um stückweise auf dem Weg zur Gleichberechtigung voranzukommen, die Fesseln des Besatzungsstatuts abzustreifen und möglichst viel staatliche Souveränität für die Bundesrepublik zu gewinnen. Seine Regierung erreichte auf diesem Wege sowohl die Pariser Verträge zur Beendigung des Besatzungsregimes (23.10.1954) und den Beitritt der Bundesrepublik zur NATO (6.5.1955) als auch die Zustimmung der Westalliierten zum Aufbau der Bundeswehr, deren erste Rekruten im November 1955 vereidigt wurden.
Die europäische Einigung bildete die zweite Säule von Adenauers Außenpolitik. Die Wirtschaftskraft der Bundesrepublik sollte in europäische Institutionen eingebunden werden, um sie mit den Interessenlagen Frankreichs und anderer europäischer Staaten in Einklang zu bringen. Auf dem Feld der Verteidigung misslang dies, als die Europäische Verteidigungsgemeinschaft in der französischen Nationalversammlung Ende August 1954 am vereinigten Widerstand von Kommunisten und Gaullisten scheiterte. Es glückte jedoch auf dem Gebiet der Schwerindustrie mit dem sog. Schuman-Plan vom 9.5.1950. Die Vergemeinschaftung von Kohle und Stahl sollte dazu dienen, künftige Kriege zu verhindern und insbesondere französische Sicherheitsbedürfnisse zu befriedigen. Der im April 1951 unterzeichnete Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), dem neben Frankreich und der Bundesrepublik auch Italien und die Benelux-Staaten beitraten, diente als Vorbild für ähnlich strukturierte Einigungen in der Atomwirtschaft (Europäische Atomgemeinschaft, EURATOM) und beim Handel in einer Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG); beide Institutionen wurden in den Römischen Verträgen vom März 1957 festgeschrieben, die zum 1.1.1958 in Kraft traten.
Im Verhältnis zum Osten setzten Adenauers Regierungen auf eine Politik der Stärke: Die Bundesrepublik sollte mit westlicher Hilfe politisch und ökonomisch so potent werden, dass die Sowjetunion von einer weiteren aggressiven Expansion abgehalten und zur Preisgabe ihrer Zone genötigt werden konnte. Die Wiedervereinigung blieb das zentrale Ziel. Adenauer war jedoch überzeugt, die Einheit dürfe nicht um den Preis westdeutscher Freiheit oder der Verankerung im Westen erkauft werden. Daher stand er dem sowjetischen Angebot, durch Neutralisierung ein entmilitarisiertes Gesamtdeutschland zu schaffen, wie es in der Stalin-Note vom März 1952 vorgebracht wurde, ablehnend gegenüber. Unter seiner Führung beharrte die Bundesrepublik darauf, die Rechtsnachfolge des Deutschen Reichs angetreten zu haben, und leitete daraus einen Alleinvertretungsanspruch für ganz Deutschland ab. Um diesen durchzusetzen, formulierte die Regierung 1955 eine nach dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt Walter Hallstein (1901–1982) benannte Doktrin, der zufolge die Aufnahme diplomatischer Beziehungen anderer Staaten zur DDR als „unfreundlicher Akt“ gewertet wurde.
Die Hallstein-Doktrin war notwendig geworden, nachdem die Bundesregierung 1955 diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion aufgenommen hatte und damit Gefahr lief, die von Moskau vertretene „Zwei-Staaten-Theorie“ in Bezug auf Deutschland anzuerkennen. Dennoch reiste Adenauer im September 1955 auf Einladung der Sowjetunion nach Moskau, weil ihm bewusst war, dass ohne die UdSSR keine Fortschritte in der Wiedervereinigungsfrage erzielt werden konnten. Vor allem aber wurden immer noch tausende deutsche Kriegsgefangene und zivile Verschleppte in der Sowjetunion vermisst. Nach zähen Verhandlungen erlaubte die Moskauer Führung nach Adenauers Besuch knapp zehntausend Kriegsgefangenen sowie rund 20 000 Zivilisten die Rückkehr nach Deutschland. Die Zeitgenossen sahen darin den größten Triumph seiner Kanzlerschaft.
Endphase der Kanzlerschaft
Mit dem Bau der Berliner Mauer durch das SED-Regime am 13.8.1961 wurden die Grenzen von Adenauers Politik deutlich. Der Kanzler versuchte, sich vorsichtig an die neuen Gegebenheiten anzupassen, ohne die Grundzüge seiner bisherigen Strategie, v. a. der Nichtanerkennung und politischen Isolierung der DDR, aufzugeben. Die Westpolitik wurde ebenfalls schwieriger. Seit Ende der 1950er Jahre waren bei Adenauer Sorgen über den Kurs der USA gewachsen. Er erkannte, dass in der atomaren Aufrüstung und der gegenseitigen nuklearen Vernichtungskapazität der Supermächte ein Anreiz für eine auf Entspannung gerichtete Politik angelegt war, und hielt diese Tendenzen für bedrohlich. Alarmiert reagierte er auf die neue Nukleardoktrin der Kennedy-Administration, mit der die NATO in die Lage versetzt werden sollte, flexibel auf Angriffe des Ostblocks zu reagieren. Adenauer fürchtete, Deutsche und Westeuropäer sollten künftig die Hauptlast eines konventionell geführten Krieges tragen, während sich die USA jenseits des Atlantiks hinter der Sicherheit ihrer Atomwaffen verschanzten.
Im französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle (1890–1970) erblickte Adenauer einen Verbündeten in seinem Kampf gegen US-amerikanische Entspannungstendenzen. Die Beziehungen zu Frankreich gewannen für ihn auch in dieser Hinsicht entscheidende Bedeutung. Ergebnis war im Januar 1963 der Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit (Élysée-Vertrag), der regelmäßige Konsultationen der Staats- und Regierungschefs sowie ihrer Außen- und Verteidigungsminister zur Koordinierung der politischen Positionen beider Länder vorsah. Innerparteiliche Gegner einer einseitig auf Frankreich ausgerichteten Politik, wie Wirtschaftsminister Erhard oder Außenminister Gerhard Schröder (1910–1989), sorgten jedoch dafür, dass der Bundestag dem Vertrag eine Präambel voranstellte, die explizit auf die enge Partnerschaft zu den USA, eine mögliche Erweiterung der EWG um Großbritannien und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) abhob.
Der Élysée-Vertrag war Adenauers letzte große Errungenschaft. Seit Ende der 1950er Jahre war in der CDU immer vernehmlicher über die Zeit nach ihm diskutiert worden. In der Präsidentschaftskrise 1959 machte er keine gute Figur, als er einen Wechsel in das Bundespräsidentenamt öffentlich bekannt gab, dann aber die Ankündigung zurückzog, weil er bemerkte, dass er damit dem ungeliebten Erhard den Weg ins Kanzleramt ebnen würde. Noch höhere Wellen schlug die „Spiegel“-Krise im Herbst 1962, als die Bundesanwaltschaft die Redaktionsräume des Hamburger Nachrichtenmagazins durchsuchen und den Herausgeber Rudolf Augstein (1923–2002) sowie mehrere Redakteure festnehmen ließ. Der Kanzler geriet dabei derart in die Kritik, dass er sich gezwungen sah, seinen Rücktritt für den Herbst des folgenden Jahres anzukündigen.
Am 15.10.1963 schied Adenauer aus dem Amt. In den folgenden Jahren stellte er drei Bände seiner Memoiren fertig, ein weiterer war in Vorbereitung und wurde 1968 postum veröffentlicht. Den Vorsitz der CDU hatte er bis 1966 inne, Bundestagsabgeordneter blieb er bis zu seinem Tod. An dem Staatsbegräbnis nahmen außer dem französischen Staatspräsidenten de Gaulle und dem ehemaligen US-Präsident Dwight D. Eisenhower (1890–1969)zwölf Regierungschefs, zudem Außenminister und Botschafter aus insgesamt 180 Staaten teil.
Bilanz und Nachwirkungen
Als Adenauer aus dem Amt schied, war sein Ansehen auf einem Tiefpunkt. Die Zeitgenossen kritisierten seinen herablassenden Umgang mit dem Bundestag, fehlendes Engagement in der Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie ein unzeitgemäßes Demokratieverständnis, wie es etwa in dem erbittert geführten „Kampf ums Kanzleramt“ (Daniel Koerfer) gegen seinen Nachfolger Erhard zum Ausdruck kam. Jüngeren Generationen erschienen die 1950er Jahre nun als „bleierne Zeit“ konservativer Restauration, gegen deren obrigkeitsstaatliche Überhänge Willy Brandt (1913–1992) und seine sozial-liberale Koalition „mehr Demokratie wagen“ wollten.
Das Prestige des ersten Bundeskanzlers blieb jedoch nicht lange auf dem schlechten Stand der 1960er und frühen 1970er Jahre. Anlässlich seines hundertsten Geburtstags galt er 1976 weitgehend unumstritten als wichtigster Gründungsvater der westdeutschen Republik. Auch ein großer Teil der politischen Linken machte postum ihren Frieden mit ihm. Nach dem Umbruch 1989/90 sahen Kritiker der Wiedervereinigung in Adenauer den Verfechter einer dezidiert anti-nationalen Politik, die der Westbindung und der europäischen Integration Vorrang vor der deutschen Einheit eingeräumt habe. Andere behaupteten hingegen, der Zusammenbruch des Ostblocks und die bedingungslose Angliederung der DDR an die Bundesrepublik habe genau jener Politik der Stärke entsprochen, auf die Adenauers Deutschlandpolitik vertraut hatte.
Die drei Jahrzehnte nach 1989/90 brachten eine gewisse Relativierung der Bedeutung Adenauers durch die zeitliche Entfernung von der Phase der bipolaren Welt und des geteilten Deutschland sowie durch die Expansion der Europäischen Union weit über das karolingische Westeuropa hinaus, das Adenauer vorgeschwebt hatte. Gleichzeitig wuchs die Distanz zu den USA, das atlantische Bündnis verlor zwischenzeitlich an Substanz. Auch im Innern gab es größere Veränderungen u. a. durch den Beitritt der DDR, durch steigende Arbeitslosigkeit und den Umbau des Sozialstaats, der in der Adenauer-Ära ausgebaut worden war, mit den Arbeitsmarkt- und Sozialreformen der rot-grünen Koalition nach 1998.
Seit einigen Jahren erfolgt wieder eine Relativierung dieser geschrumpften Bedeutung Adenauers: Der deutsche Sozialstaat suchte durch die Agenda 2010 teilweise Eigenschaften wie Lohnzurückhaltung und Arbeitsbereitschaft einzufordern, die sich mit dem wirtschaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands in der Ära Adenauer verbanden. Die russische Invasion in die Ukraine im Februar 2022 hat das transatlantische Bündnis wiederbelebt und lässt einen neuen Kalten Krieg und eine neuerliche Spaltung Europas mit einem neuen Eisernen Vorhang einige hundert Kilometer weiter östlich möglich erscheinen.
4. Werner Karl Heisenberg
1901 – 1976
Theoretischer Physiker
Werner Heisenberg war einer der wichtigsten Physiker des 20. Jahrhunderts. 1925 begründete er die Quantenmechanik und trug mit seiner Unschärferelation (1927) wesentlich zur Deutung dieser Theorie bei. Er war einer der Begründer der Quantenfeldtheorie und der Kernphysik. Während des Zweiten Weltkriegs leitete er die Kernforschung im nationalsozialistischen Deutschland. Nach 1945 war er als Wissenschaftsorganisator führend beim Wiederaufbau der Wissenschaften in der Bundesrepublik.
Ausbildung
1910 zog Heisenberg mit seiner Familie nach München, wo er das von seinem Großvater geleitete Maximiliansgymnasium besuchte. Für den Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg zu jung, beteiligte er sich 1919 als Freiwilliger an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik, ohne an Kampfhandlungen teilzunehmen.
Nach dem Abitur 1920 studierte Heisenberg Physik an der Universität München und wurde hier 1923 bei Arnold Sommerfeld (1868–1951) mit einer Dissertation, die sich mit dem Problem der Turbulenz beschäftigte, zum Dr. phil. promoviert. Im Herbst 1923 trat er eine Stelle als Assistent bei Max Born (1882–1970) an der Universität Göttingen an, habilitierte sich im Sommer 1924 mit einer Arbeit zum Zeeman-Effekt für Theoretische Physik und erhielt nach einem kurzen Besuch im Frühjahr 1924 von Niels Bohr (1885–1962) das Angebot, mit einem Stipendium nach Kopenhagen zu kommen. Von Born freigestellt, blieb Heisenberg von September 1924 bis April 1925 an Bohrs Institut.
Heisenberg in Göttingen, Kopenhagen und Leipzig
Zurück in Göttingen, beschäftigte sich Heisenberg mit der Berechnung von spektralen Intensitäten, eine Fragestellung, die ihn zur Quantenmechanik führte. Anfang Juni 1925 brach er zu der legendenumwobenen Reise nach Helgoland auf, während der er weitere Durchbrüche auf dem Weg zur Quantenmechanik erzielte. Am 9. Juli vollendete Heisenberg, wieder in Göttingen, das Manuskript „Über quantentheoretische Umdeutung kinematischer und mechanischer Beziehungen“ (publiziert im September 1925), mit dem die Quantenmechanik begründet wurde.
In der rasanten Entwicklung der Quantenmechanik zwischen 1925 und 1927 spielte Heisenberg eine zentrale Rolle. Noch 1925 verfasste er mit Born und Pascual Jordan (1902–1980) die sog. Dreimännerarbeit, in der die von Born und Jordan auf Grundlage von Heisenbergs Umdeutung entwickelte Matrizenmechanik zu einer allgemeineren Theorie weiterentwickelt wurde, mit der sich im Prinzip beliebig komplizierte mechanische Systeme quantentheoretisch behandeln ließen. Im Frühjahr 1926 trat Heisenberg auf Einladung Bohrs eine Stelle in Kopenhagen an. Hier schrieb er grundlegende Arbeiten zur Anwendung der Quantenmechanik auf Mehrkörperprobleme, wie das Helium-Atom. Aus der quantenmechanischen Analogie zwischen den Zweielektronensystemen Helium-Atom und Wasserstoff-Molekül schloss Heisenberg, dass es nicht nur Ortho- und Parahelium, sondern auch Ortho- und Para-Wasserstoff-Moleküle gebe. Diese 1929 bestätigte Vorhersage allotroper Formen des Wasserstoffs lieferte die offizielle Begründung für die Zuerkennung des Nobelpreises für Physik 1933 nachträglich für das Jahr 1932. Heisenberg war in Kopenhagen zentral an der Debatte über die Interpretation der Quantenmechanik beteiligt, die sich in der Auseinandersetzung mit Erwin Schrödingers (1887–1961) Wellenmechanik ergab. Heisenbergs wichtigster Beitrag hierzu waren die Unbestimmtheitsrelationen, die er Anfang 1927 aufstellte (auch als Unschärferelationen oder Unschärferelation bekannt).
Im November 1927 nahm Heisenberg einen Ruf als ordentlicher Professor für Theoretische Physik an die Universität Leipzig an. Mit grundlegenden Beiträgen zu Quantenfeldtheorie und Kernphysik etablierte er, mit dem 1929 dorthin berufenen Friedrich Hund (1896–1997), Leipzig als neues Zentrum quantentheoretischer Forschung. Sein erster Doktorand war 1928 der spätere Nobelpreisträger Felix Bloch (1905–1983). Zu weiteren Schülern zählen Edward Teller (1908–2003) und Carl Friedrich von Weizsäcker (1912–2007).
Heisenberg in der Zeit des Nationalsozialismus
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme setzte sich Heisenberg gegen die Entlassungen von Physikprofessoren im Rahmen des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ und gegen die Übernahme wichtiger Posten durch Vertreter der „Deutschen Physik“ ein. Ansonsten hielt er sich von politischen Fragen fern. Eine Berufung an die Universität München wurde durch die politisch motivierte Ablehnung der Theoretischen Physik verhindert; Angebote für Professuren in den USA, wo er im Sommer 1939 auf Vortragsreise war, lehnte er ab. Im Kontext des Münchner Berufungsverfahrens im Juli 1937 wurde Heisenberg von Vertretern der „Deutschen Physik“ in der Wochenzeitung der SS „Schwarzer Korps“ als Vertreter der Physik Albert Einsteins (1879–1955) scharf angegriffen. Nach einem Brief Heisenbergs an Heinrich Himmler (1900–1945) erfolgte eine langwierige Untersuchung durch die SS, in deren Rahmen Heisenberg im Gestapo-Hauptquartier verhört und am Ende als unpolitischer Akademiker eingestuft wurde. Himmler unterband weitere Angriffe auf ihn. Heisenberg wurde nahegelegt, in der Lehre die Nennung Einsteins Namen und anderer jüdischer Physiker zu unterlassen.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Heisenberg zum unter der Ägide des Heereswaffenamts stehenden „Uranverein“ abkommandiert. Bereits im Winter 1939/40 verfasste er zwei Geheimberichte mit Beiträgen zur Theorie des Kernreaktors und Bemerkungen zu Kernwaffen. In den folgenden Jahren betreute er experimentelle Reaktorforschung in Leipzig, später am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik in Berlin, an das er als Direktor zum Juli 1942 berufen wurde. Es wurde kein funktionierender Reaktor fertiggestellt. In den letzten Kriegsjahren schrieb Heisenberg grundlegende theoretische Arbeiten zur Streutheorie, die mit Kernspaltung nichts zu tun hatten.
Heisenbergs Arbeit während des Kriegs wird in der Forschung kontrovers diskutiert. Mark Walker (geb. 1959) vertritt die Ansicht, dass eine Atombombe für das Deutsche Reich außer Reichweite gewesen wäre; in dieser Gewissheit hätten die Physiker um Heisenberg ohne weitere moralische Skrupel zur Kernspaltung geforscht. Andere argumentieren, dass die Fertigstellung einer Atombombe durchaus möglich gewesen wäre, aber dass Heisenberg vor 1945 die Physik der Atombombe nicht durchdrungen hätte. Doch auch hier herrscht Uneinigkeit über die Ursachen von Heisenbergs Ahnungslosigkeit: Paul Rose (geb. 1944) führt diese auf Inkompetenz und Überheblichkeit zurück, Manfred Popp (geb. 1941) auf Heisenbergs Unwillen, die Bombe zu bauen.
Wegen der Bombardierung Berlins zog das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik seit Ende 1943 schrittweise nach Hechingen auf der Schwäbischen Alb um. Im April 1945 floh Heisenberg nach Urfeld (Oberbayern), wo sich seine Familie aufhielt. Anfang Mai wurde er, als einer der letzten führenden deutschen Kernphysiker, im Rahmen der US-amerikanischen Alsos-Mission verhaftet und nach zwei Monaten an verschiedenen Internierungsorten in Frankreich und Belgien mit Kollegen an den britischen Geheimdienst übergeben, der sie im Landsitz Farm Hall in Cambridgeshire unterbrachte. Hier wurden die Gespräche der zehn Internierten systematisch abgehört. In Farm Hall erfuhren diese auch vom Abwurf der Atombombe auf Hiroshima, womit offensichtlich wurde, dass die US-amerikanischen Forscher viel weiter gekommen waren als der Uranverein.
Heisenberg in der Bundesrepublik
Anfang 1946 wurden Heisenberg und seine Kollegen in die britische Besatzungszone geflogen und freigelassen. Das Kaiser-Wilhelm-Institut (bald darauf: Max-Planck-Institut für Physik) wurde mit Heisenberg als Direktor in Göttingen wiederaufgebaut. In den folgenden Jahrzehnten widmete er sich seiner nicht-linearen Spinortheorie, die eine vereinheitlichte Theorie der Elementarteilchen sein sollte und von den Medien als „Weltformel“ bezeichnet wurde. Dieser Versuch gilt als gescheitert, antizipierte jedoch einige Ideen des späteren Standardmodells der Teilchenphysik, wie spontane Symmetriebrechung oder Confinement.
Obwohl Heisenberg wissenschaftlich nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen konnte, wurde er zu einer der wichtigsten Personen der Wissenschaftspolitik der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik, z. B. 1949 als Vorsitzender des Deutschen Forschungsrats, einem der Vorläufer der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Als Gründungspräsident der Alexander von Humboldt-Stiftung (1953) machte er sich um die Internationalisierung der bundesdeutschen Physik verdient. 1957 war Heisenberg Mitunterzeichner der „Göttinger Erklärung“, mit der führende Wissenschaftler erfolgreich gegen die atomare Aufrüstung der Bundesrepublik protestierten.
1958 zog das Max-Planck-Institut für Physik auf Heisenbergs Betreiben nach München um, wo er bis 1970 als Professor für Physik an der Universität wirkte. 1969 veröffentlichte er die Autobiografie „Der Teil und das Ganze“, die zu einem Bestseller wurde. Heisenberg war einer der bedeutendsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Er war nicht nur an der Entstehung der Quantenmechanik zentral beteiligt, sondern prägte ihre Weiterentwicklung und Interpretation über Jahrzehnte. Auch seine philosophischen Betrachtungen, in denen er die Quantenmechanik mit altgriechischer Naturphilosophie und einer Kritik der Moderne verband, stießen v. a. in der Bundesrepublik auf große Resonanz.
5. Loriot (eigentlich Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow)
1923 – 2011
Humorist, Zeichner, Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur
Loriot ist einer der bedeutendsten deutschen Humoristen des 20. Jahrhunderts. Sein Werk gilt als satirischer Spiegel der Alltagskultur der Bundesrepublik. In der Nachkriegszeit als Zeichner tätig, wurde er seit den 1960er Jahren als Moderator, Schauspieler, Regisseur und Autor von Sketchen einem breiten Fernsehpublikum bekannt. Seine größten Erfolge waren die Fernsehserien „Cartoon“ (1967–1972) und „Loriot“ (1976–1978) sowie die Kinofilme „Ödipussi“ (1988) und „Pappa ante portas“ (1991).
Kindheit und Kriegsdienst
Loriot, geboren als Vicco von Bülow in Brandenburg an der Havel, wuchs seit 1927 bei seiner Großmutter und seit 1933 bei seinem Vater in Berlin auf, wo er das humanistische Gymnasium (heute Schadow-Gymnasium) in Zehlendorf besuchte. 1938 zog die Familie nach Stuttgart, wo Loriot 1941 das Notabitur ablegte. Im August 1941 trat er in die Wehrmacht ein und schlug, der Familientradition entsprechend, eine Offizierslaufbahn ein, die ihn während des Zweiten Weltkriegs bis in den Rang eines Oberleutnants in einem Panzergrenadierregiment an der Ostfront führte. Nach Kriegsende arbeitete er als Holzfäller in Einbeck (Harz) und in Markoldendorf bei Northeim, ehe er am Gymnasium Corvinianum in Northeim das reguläre Abitur nachholte.
Anfänge als Cartoonist
Seit 1947 studierte Loriot Kunst an der Landeskunstschule (heute Hochschule für Bildende Künste) in Hamburg, wo Willem Grimm (1904–1986) und Alfred Mahlau (1894–1967) seine Lehrer waren. 1948 publizierte er erste grafische Arbeiten; 1949 verließ er die Kunstschule und nahm sein berühmtes Pseudonym Loriot an, das auf den Wappenvogel der Familie von Bülow, den Pirol (franz. „Loriot“), verweist.
Nach dem Studium fertigte Loriot zum Broterwerb Werbegrafiken und kleine Illustrationen für Zeitungen und Zeitschriften an. Humoristische Zeichnungen erschienen seit 1950 in der Zeitschrift „Die Straße“ und dem Wochenmagazin „Stern“. Die frühen Arbeiten für den „Stern“ sowie die auf dem Verkehrte-Welt-Prinzip beruhenden Cartoons der Serie „Auf den Hund gekommen“ zeigen Hunde, die menschliche Handlungen vollführen, während den Menschen tierisches Verhalten zugeschrieben wurde. Dieses satirische Rollenspiel trug ihm heftige Proteste aus der Leserschaft ein, weil die Darstellungen, wie es u. a. hieß, geschmacklos und menschenunwürdig seien, woraufhin die Serie 1953 eingestellt wurde. Für die Kinderseite des „Stern“ erfand Loriot den Comicstrip „Reinhold das Nashorn“. Die Texte zu dieser beliebten, 17 Jahre lang gedruckten Serie schrieb Wolf Uecker (1921–1999). Loriots grafische Erfolge mündeten 1954 in einer lebenslangen publizistischen Verbindung mit dem Verleger Daniel Keel (1930–2011) und dessen Diogenes Verlag. 1954 wechselte Loriot zu dem von Theodor Martens (1897–1973) 1948 gegründeten Verlag Th. Martens & Co. Seitdem publizierte er erfolgreiche humoristische Zeichnungsserien in den Zeitschriften „Weltbild“ und „Quick“ und wandte sich auch wieder der Werbegrafik zu.
Loriot in Film und Fernsehen
1957 verpflichtete der Süddeutsche Rundfunk Loriot für kleine Fernsehengagements und -auftritte in verschiedenen Shows. Auch Nebenrollen in Kinofilmen nahm er an. Seit 1967 präsentierte Loriot in der Fernsehserie „Cartoon“ des Süddeutschen Rundfunks Zeichentrickfilme aus aller Welt, später flossen eigene Cartoon-Sketche und sog. Realfilme ein, womit Loriot zum Zeichner, Regisseur und Darsteller der Serie wurde. Nach einer einzelnen Folge der Sendung „Loriots Telecabinet“ (1974) produzierte er mit Radio Bremen die Serie „Loriot“, die von 1976 bis 1978 in der ARD ausgestrahlt wurde. In Evelyn Hamann (1942–2007) fand der Humorist für dieses Format die ideale Filmpartnerin und Ko-Moderatorin auf dem ikonisch gewordenen grünen Sofa.
Loriots erfolgreiche Kinofilme „Ödipussi“ (1988) und „Pappa ante portas“ (1991) setzten seine Sketche im Filmformat fort. Sie vereinten Hamann und Loriot als Protagonisten, die sich in ihrem bürgerlichen Alltag eingerichtet zu haben scheinen, aber durch eine biografische Veränderung vor Herausforderungen mit überspitzt-komischen Konsequenzen gestellt werden: Paul Winkelmann, genannt Pussi, lernt in „Ödipussi“ die Liebe in Gestalt der Psychologin Margarethe Tietze kennen. In „Pappa ante portas“ findet sich Heinrich Lohse unversehens im Ruhestand wieder und stellt das Leben seiner Familie auf den Kopf. Die Filme orientieren sich an der episodischen Komödien-Struktur einer Romantic Comedy und sezieren ironisierend den kleinbürgerlichen Alltag. Weitere populäre Fernsehereignisse waren Loriots Sendungen zu seinen runden und halbrunden Geburtstagen, die seit 1983 mit einer gerahmten Sketch-Revue begangen wurden.
Operninszenierungen und Sachbücher
Nachdem Loriot sich mit „Der Karneval der Tiere“ (1975) und „Peter und der Wolf“ (1982) eigene Adaptionen klassischer Musik erarbeitet hatte, wandte er sich zum Ende der Fernseh-Sketche in den 1980er Jahren dem Operngenre zu. Er inszenierte Friedrich von Flotows (1812–1883) „Martha“ am Staatstheater Stuttgart (1986), Carl Maria von Webers (1786–1826) „Freischütz“ im Schlosstheater Ludwigsburg (1988) und entwarf eine komisch-kommentierende Version von Richard Wagners (1813–1883) „Ring“ (1992). Ein weiterer Bestandteil von Loriots Werk sind zahlreiche Ratgeber-Bücher, die er seit den 1950er Jahren publizierte. Darin werden auf humorvolle Weise Benimmregeln und Alltagstipps in Wort und Bild zusammengestellt.
Summe des Lebenswerks
Seit Anfang der 2000er Jahre befasste sich Loriot mit der Sammlung und Herausgabe seines Gesamtwerks. Die „Vollständige Fernsehedition“ (2007) vereinte mit wenigen Ausnahmen sein gesamtes Fernsehwerk, Sketche, Cartoons und Moderationen. Texte versammelt der Band „Gesammelte Prosa“ (2006), einen Überblick über das Cartoonwerk bieten die „Gesammelte Bildergeschichten“ (2008).
Loriots Werk blieb in der Bundesrepublik v. a. in den wiederholt ausgestrahlten Fernseh- und Kinofilmen und Sketchen, in Neuauflagen seiner Bücher und durch eine unübersehbare Menge von Merchandise-Produkten mit den charakteristischen Knollennasenmenschen präsent. Darüber hinaus gingen zwei Arten von Verweisen auf sein Werk in die mündliche und schriftliche Alltagskultur ein. Einerseits sind dies einzelne, unauffällig scheinende Zitate wie „Ach was“, „Früher war mehr Lametta“ und „Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein“. Solche charakteristischen Phrasen werden von der situativen Begegnung zwischen zwei Unbekannten bis in das Feuilleton als Loriot-Verweise verwendet und verstanden. Andererseits findet sich auch die Diagnose verbreitet, etwas sei „wie bei Loriot“ oder „loriothaft“.
Loriots Wirken in die Alltagskultur wird auch an der Reihe der berühmten Tiere aus allen von ihm bespielten Disziplinen deutlich: Waren die menschlichen Hunde in der Bundesrepublik der 1950er Jahre noch ein Grund für harsche Kritik, so sind „Reinhold das Nashorn“, Wum und Wendelin, seine Adaption der Suite „Der Karneval der Tiere“, die Cartoon-Ente des Dr. Klöbner, die versteckte Steinlaus im medizinischen Wörterbuch „Pschyrembel“ und nicht zuletzt Loriots Möpse unvergessen.
6. Erich Honecker
Erich Honecker war von 1971 bis 1976 Erster Sekretär und von 1976-1989 schließlich Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Zugleich war er Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates und von 1976 bis 1989 Vorsitzender des Staatsrates der DDR.
Geboren wurde Erich Honecker in Wiebelskirchen (Neunkirchen) am 25.8.1912 als Sohn des Bergmanns Wilhelm Honecker (1881-1969) und dessen Frau Caroline Weidenhof (1883-1969). Sein Vater, zunächst Parteimitglied der SPD, gehörte seit 1919 der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an. Eine bürgerliche Schulausbildung erhielt Erich Honecker allein in der Volksschule, die er nach acht Jahren 1926 abschloss. Er durchlief jedoch seit seinem zehnten Lebensjahr eine kommunistische Erziehung, indem er der Kindergruppe des Jungspartakus, später dem Pionierverband in Wiebelskirchen angehörte, ehe er von 1926 an knapp zwei Jahre als Landarbeiter in Pommern und ab 1928 als Dachdecker arbeitete. Während dieser Zeit gehörte er dem Holzarbeiterverband an.
Honecker widmete von seinem 18. Lebensjahr an sein gesamtes Leben der politischen Arbeit. Zunächst durchlief er Stationen des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschland (KJVD), wo er politischer Leiter der Ortsgruppe Wiebelskirchen war, die Bezirksschule des Verbandes besuchte und von 1930 an hauptamtlicher Funktionär des KJVD war. 1930 trat er der KPD bei und besuchte einen Lehrgang an der Internationalen Leninschule in Moskau. Dort trug er den Namen „Fritz Malter". Von 1931 an war er in der Bezirksleitung des KJVD im Saargebiet als Agitations- und Propaganda-Sekretär aktiv und gehörte auch dem Sekretariat der Bezirksleitung der KPD an.
Während der Herrschaft der Nationalsozialisten war er illegal tätig. Bis 1934 wirkte er als Instrukteur „Herbert" der Partei im Ruhrgebiet. In Essen kurzzeitig inhaftiert, floh er in die Niederlande. Von dort aus war er für die KJVD-Bezirke in der Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg verantwortlich. Im Herbst 1934 warb er mit seiner Partei vergeblich gegen den Anschluss des Saargebietes an das Deutsche Reich. Die Bedeutung des 22-jährigen für den Jugendverband wird daran deutlich, dass er in das Zentralkomitee (ZK) des KJVD kooptiert wurde. Nach der verlorenen Saargebiets-Abstimmung 1935 floh er nach Paris, wurde dann Instrukteur „Marten Tjaden" in Berlin und während seiner politischen Arbeit im Dezember 1935 verhaftet. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn zu zehn Jahren Zuchthaus, die er ab 1937 überwiegend als Kalfaktor im Zuchthaus Brandenburg, ab 1943 in einer Baukolonne im Frauengefängnis in Berlin verbrachte. Im März 1945 floh er aus dem Gefängnis und versteckte sich bei der Gefängnisaufseherin Lotte Grund (gestorben 1947), bevor er im April in die Arbeitskolonne zurückkehrte.
Unmittelbar nach Kriegsende setzte er sein politisches Engagement fort. Er war Jugendsekretär beim ZK der KPD und erheblich beim Aufbau einer antifaschistischen Jugendorganisation eingebunden, deren Vorsitz er innehatte. Diese Funktion übernahm er auch bei der daraus entstandenen Freien Deutschen Jugend (FDJ), der er bis 1955 vorstand. Die herausgehobene Bedeutung im Jugendverband fand ihre Entsprechung in der SED, dem 1946 erfolgten Zusammenschluss von SPD und KPD, deren Parteivorstand und Zentralkomitee er ab 1946 beziehungsweise 1949 angehörte. Zusätzlich war er von 1950 bis 1958 zunächst Kandidat des Politbüros, später dessen Vollmitglied. Im „parlamentarischen" Raum gehörte er 1948 dem Präsidium des Deutschen Volksrates an, aus dem 1949 die Volkskammer hervorging. Eine erste politische Krise durchlebte Honecker im Juni 1953, als allgemein Einverständnis über seine unzureichenden Qualifikationen herrschte. Erst ein 1955/ 1956 absolvierter Besuch der Parteihochschule des ZK der KPdSU in Moskau sollte dies mildern.
Nach seiner Rückkehr nach Berlin übernahm er die Leitung der im Machtgefüge der DDR bedeutenden „Sicherheitskommission", die wesentlich an der Unterdrückung innerparteilich kritischer Stimmen beteiligt war. Entsprechend wurde er im Februar 1958 als Sekretär des ZK der SED eingesetzt, wo er für Sicherheits- und Kaderfragen sowie die „Leitenden Parteiorgane" verantwortlich war. Mit dieser Machtfülle war Honecker, der von 1960 bis 1971 auch Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates war, nach dem Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht (Amtszeit 1960-1971) der zweitmächtigste Mann in der DDR. Mit seinem Ziehvater kam es jedoch zu Spannungen. Nach einem späten Anflug von Reformwillen, der insbesondere auf die „technische Intelligenz" setzte und damit den Einflussbereich Honeckers beschnitt, ging Honecker zunehmend auf Distanz zu Ulbricht. Mithin untergrub er die Reformpläne und die von Ulbricht angestoßenen deutsch-deutschen Annäherungsversuche. Mit Rückendeckung aus Moskau stürzte er Walter Ulbricht im März 1971 und trat dessen Nachfolge an.
Fortan verfügte Honecker bis zu seinem eigenen Sturz im Oktober 1989 über alle relevanten Machtfunktionen in der DDR: Er war Erster, dann Generalsekretär der SED sowie Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates.
Mit seinem 1971 erfolgten Machtantritt deutete er anfangs eine relative Liberalisierung, überwiegend in Kunst und Kultur, an. Doch entfiel diese spätestens mit der Ausbürgerung des kritischen Barden Wolf Biermann (geboren 1936), einer wieder intensivierten Unterdrückung oppositioneller Gruppen und einem erheblichen Ausbau der innerdeutschen Staatsgrenze sowie des Repressionsapparates. Dies gilt vor allem für das Ministerium für Staatssicherheit, dessen Anzahl an hauptamtlichen und inoffiziellen Mitarbeitern sich während seiner Amtszeit verdoppelte. Das auf ihn zurückgehende ehrgeizige sozialpolitische Programm der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" überforderte die ökonomischen Möglichkeiten, die auch durch eine zunehmende Verstaatlichung nicht in den Griff zu bekommen war.
Schließlich war die DDR auf Milliardenkredite der Bundesrepublik Deutschland angewiesen. Gleichwohl setzte mit dem Grundlagenvertrag eine Welle internationaler Anerkennung der DDR ein, die ihren Höhepunkt für Honecker im Empfang durch den Bundeskanzler Helmut Kohl (Amtszeit 1982-1998) im September 1987 in Bonn und bei einem Staatsbesuch ein Jahr später in Paris erreichte. Allerdings vermochte er sich die Perestroika-Politik des sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow (Amtszeit 1985-1991) nicht zu Eigen machen, womit die Anzahl kritischer Stimmen in der Gesellschaft und in der eigenen Partei so sehr zunahm, dass sein Rücktritt von allen Ämtern im Oktober 1989 allseits erwartet wurde.
Kurz nach seiner Demissionierung ermittelte der Generalstaatsanwalt der DDR gegen ihn folgenlos wegen Amtsmissbrauch und Korruption, im Dezember 1989 schloss ihn seine eigene Partei aus. Er trat jedoch der wieder gegründeten KPD bei. Aus der Untersuchungshaft, in der er sich ab Januar 1990 aufhielt, wurde er wegen Haftunfähigkeit entlassen. Er fand Unterkunft in einem Pfarrhaus in Lobetal.
Angesichts seiner bereits im Sommer angegriffenen Gesundheit kam er ins Spital der Sowjetarmee in Beelitz, wo ihn im November 1990 ein Haftbefehl erreichte. Im März 1991 floh er nach Moskau und hielt sich ab Dezember 1991 in der dortigen chilenischen Botschaft auf, kehrte aber im Juli 1992 nach Berlin zurück, wo er bis Januar 1993 in Untersuchungshaft genommen wurde. Das Landgericht Berlin hob angesichts seines Gesundheitszustandes den Haftbefehl auf, womit er ungehindert gemeinsam mit seiner Ehefrau Margot (1927-2016) nach Chile reisen konnte. Dort verstarb er am 27.5.1994.
Erich Honecker war dreimal verheiratet: Seine erste Ehefrau war 1946/1947 die Gefängnisaufseherin Charlotte Schanuel, 1949 heiratete er Edith Baumann und schließlich 1953 Margot Feist. Die beiden Letzteren waren Funktionärinnen in der FDJ, Margot Honecker von 1963 bis 1989 Volksbildungsministerin. Seine 1952 geborene Tochter Sonja stammt von seiner dritten Ehefrau.
7. Andreas Baader
1943 – 1977
Mitgründer der Roten Armee Fraktion (RAF), Terrorist
Andreas Baader, nach dem die erste Generation der Roten Armee Fraktion (RAF) mitbenannt wurde, war von allen RAF-Terroristen am wenigsten ideologisch orientiert. Erst mit der Studentenbewegung der 1960er Jahre setzte seine Politisierung ein. Mit seiner Partnerin Gudrun Ensslin (1940–1977) verübte er bis zu seiner Inhaftierung 1972 mehrere Terroranschläge in der Bundesrepublik. Aus dem Gefängnis heraus beeinflusste er die Sympathisantenszene und die zweite Generation der RAF. Nach den fehlgeschlagenen Befreiungsversuchen im „Deutschen Herbst“ 1977 verübte er am 18. Oktober 1977, Fremdeinwirkung vortäuschend, Suizid.
Baader wuchs von 1943 an bei seiner Großmutter in Saalfeld an der Saale auf, ab 1949 bei seiner Mutter und deren Schwiegermutter in München. Nach mehreren Schulwechseln, auch wegen disziplinarischer Probleme, verließ er 1961 mit der Mittleren Reife das Gymnasium. Er beendete keine Ausbildung und ging wechselnden Tätigkeiten nach, u. a. als Bauarbeiter. Im Juni 1962 nahm er an den sog. Schwabinger Krawallen teil, 1963 übersiedelte er nach Berlin-West, wohl um sich dem Wehrdienst zu entziehen. Auch hier führte er ein Leben mit zahlreichen kleineren Straftaten sowie in einer Dreiecksbeziehung mit dem Malerehepaar Manfred Henkel (1936–1988) und Ellinor Michel (1939–2007).
Baader, der in Bohème-Kreisen verkehrte, interessierte sich bis zur Studentenbewegung nicht für Politik. Durch Gudrun Ensslin (1940–1977), mit der er seit Februar 1968 zusammenlebte, schloss Baader sich gewaltbereiter revolutionärer Ideologie an. Mit Thorwald Proll (geb. 1941) und Horst Söhnlein (1942–2023) plante und organisierte das Paar zwei Brandanschläge auf Kaufhäuser in Frankfurt am Main, die sie am 2. April 1968 ausführten. Die schnell gefassten und im Oktober 1968 zu drei Jahren Haft verurteilten Täter kamen im Juni 1969 aufgrund der Revision auf freien Fuß und engagierten sich in einem sozialen Projekt, der sog. Heimkampagne, um Fürsorgezöglinge für den revolutionären Kampf zu gewinnen. Nach der im November 1969 verworfenen Revision tauchten Baader und Ensslin im Ausland, im Februar 1970 in Berlin-West in der Wohnung Ulrike Meinhofs (1934–1976) unter. Auf Hinweis eines V-Mannes nahm die Polizei Baader im April 1970 fest.
Am 14. Mai 1970 wurde Baader bei einem Ausgang in einem Universitätsgebäude befreit, wobei ein dortiger Angestellter eine schwere Verletzung erlitt. Er ging mit Ensslin, Horst Mahler (1936–2025), seinem Verteidiger im Frankfurter Prozess 1968, sowie Meinhof, die an seiner Befreiung beteiligt war, in den Untergrund. Dies gilt als Gründungsdatum der Roten Armee Fraktion (RAF).
Im August 1970 kehrte die Gruppe aus einem jordanischen Palästinenserlager zurück, in dem sie eine Kampfausbildung absolviert hatte, überfiel Banken und verübte in der sog. Mai-Offensive 1972 Sprengstoffanschläge in Frankfurt am Main, wobei vier Menschen ums Leben kamen. Am 1. Juni 1972 nahm die Polizei den angeschossenen Baader mit Holger Meins (1941–1974) und Jan-Carl Raspe (1944–1977) in Frankfurt am Main fest. Der Terrorismus der RAF setzte sich dennoch fort, da Baader mit Ensslin aus dem Gefängnis Stuttgart-Stammheim heraus eine Sympathisantenszene zu gewaltsamen Aktionen bewegen konnte, u. a. durch mehrfache Hungerstreiks. Auch das Schlagwort der „Isolationsfolter“, das auf eine Aussage des Philosophen Jean-Paul Sartre (1905–1980) nach seinem Besuch bei Baader in einem Besucherraum des Gefängnisses Stuttgart-Stammheim am 4. Dezember 1974 zurückging, aber den tatsächlichen Haftbedingungen nicht entsprach, führte neben anderen Faktoren zur Formierung der zweiten Generation der RAF. Um Baader entwickelte sich, maßgeblich durch Ensslin provoziert, ein zunehmender Personenkult.
Der Prozess gegen Baader und die anderen Inhaftierten begann am 21. Mai 1975, die Wahlverteidiger Baaders, Claus Croissant (1931–2002), Kurt Groenewold (geb. 1937) und Hans Christian Ströbele (1939–2022), wurden wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung vor Prozessbeginn vom Verfahren ausgeschlossen und später angeklagt. Der Prozess wurde verzögert durch von den Verteidigern aufgebrachte Verfahrensfragen; das Gericht hörte widerrechtlich Anwälte ab. Das Urteil vom 28. April 1977 verhängte lebenslange Haft wegen vierfachen Mordes und vielfachen Mordversuchs, des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Nach einem ersten vergeblichen Versuch mit einer Geiselnahme ins Stockholm 1975 unternahmen RAF-Mitglieder am 5. September 1977 erneut eine Aktion zur Freipressung Baaders und seiner Mithäftlinge durch die Entführung des Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Hanns Martin Schleyer (1915–1977). Am 13. Oktober 1977 entführten palästinensische Terroristen in einer koordinierten Aktion die Lufthansa-Maschine Landshut nach Mogadischu, sie forderten ebenfalls die Freilassung der RAF-Gefangenen. Unmittelbar nach der Befreiung dieser Geiseln durch eine Spezialeinheit der Bundespolizei (GSG 9) am 18. Oktober 1977 begingen Baader, Ensslin und Raspe Suizid, Baader und Raspe mit Pistolen, die durch Anwälte in das Gefängnis gelangt waren. Schleyer wurde am folgenden Tag ermordet aufgefunden. Eine Beteiligung Dritter am Tod der drei RAF-Terroristen ist widerlegt.
8. Beate Uhse
U. wuchs auf dem Gut ihrer Eltern in Ostpreußen auf, besuchte die höhere Schule auf der Insel Juist, dann das Internat der Odenwaldschule (Heppenheim, Bergstraße). Im Alter von 17 Jahren machte sie den Pilotenschein, nahm erfolgreich an Flugwettbewerben teil, wurde Einfliegerin bei der „Bücker Flugzeugbau GmbH“ in Rangsdorf b. Berlin, seit 1942 bei dem Flugzeugreparaturwerk Alfred Friedrich in Strausberg, und trat 1943 in den Dienst der Wehrmacht (1944 Hptm. d. Luftwaffe). Als Mitglied eines Überführungsgeschwaders flog sie Flugzeuge an die Front. Zu Kriegsende floh U. aus Berlin, geriet für einige Wochen in brit. Kriegsgefangenschaft und ließ sich danach mit ihrem Sohn Klaus in dem Dorf Braderup (b. Niederbüll, Schleswig-Holstein) nieder. Sie verkaufte dort im Wandergewerbe Spielzeug, Knöpfe und Haushaltswaren. Dabei kam sie mit vielen Frauen in Kontakt, denen sie Ratschläge für die Schwangerschaftsverhütung gab. 1947 verbreitete sie ihre „Schrift X“, hektographierte Blätter über den weiblichen Fruchtbarkeitszyklus mitsamt einer Tabelle zur Berechnung der unfruchtbaren Tage. Daß es sich dabei um die seit langem bekannte Knaus-Ogino-Methode handelte, verschwieg sie allerdings. Sie verschickte ihre Werbezettel als Postwurfsendung in den Städten und größeren Ortschaften der Umgebung und hatte damit umgehend Erfolg. Noch 1947 gründete U. den „Betu-Vertrieb“. Mit Bestellungen der „Schrift X“ schickten ihr Kunden auch Anfragen nach Sexualaufklärungsschriften, Aktbildern, potenzanregenden Mitteln und Kondomen. U. erweiterte daher ihren Vertrieb, den sie anfangs nur mit ihrem Mann zusammen unterhielt. Das Ehepaar zog nach Flensburg, und U. nannte ihre Firma „Versandhaus für Ehehygiene“. Der Katalog-Versandhandel wurde zur Basis ihres rasch wachsenden Unternehmens.
1951 gründete U. das „Versandhaus Beate Uhse“, hatte bald mehrere Angestellte und Mitte der 1950er Jahre bereits 200 000 Kunden; sie machte einen Umsatz von 500 000 Mark. Ihr Erfolg hielt an: Mitte der 1960er Jahre war sie Chefin von Europas größtem Erotikkonzern mit ca. zwei Mio. Kunden und 265 Mitarbeitern; 1969 betrug der Umsatz 35 Mio. Mark. Zahlreiche Strafanzeigen, in den 1940er Jahren noch wegen Betrugs und Wuchers, später wegen der Verbreitung unzüchtiger Schriften, zwangen sie bis in die 1970er Jahre viele Male vor Gericht; verurteilt wurde sie jedoch nie. Von ihrem Stammsitz Flensburg aus, im Volksmund „Sex-Eck“ genannt, eröffnete U. im Laufe der späten 1960er und der 1970er Jahre Filialen in allen westdt. Großstädten, v. a.in den neugeschaffenen Fußgängerzonen. 1979 übernahm sie die Sex-Shop-Kette des Konkurrenzunternehmens „Dr. Müller“, 1983 stieg sie ins Pornofilmgeschäft ein und war mit ihrem Unternehmen auch in den USA präsent. 1981 wurde eine Aktiengesellschaft gegründet und der Konzern geteilt: U.s Söhne Dirk Rotermund und Klaus Uhse leiteten den „Orion Versand“, U. lenkte gemeinsam mit ihrem Sohn Ulrich die „Beate Uhse AG“, zu der die Ladenkette und das Filmgeschäft zählten. 1984 machte U. mit insgesamt 30 Geschäften und 14 Kinos in der Bundesrepublik Deutschland und 450 Mitarbeitern einen Umsatz von 64 Mio. Mark. Im Sommer 1990 trieb sie die Expansion ihres Unternehmens in Ostdeutschland voran; ihr Umsatz stieg erneut beträchtlich (1989: 89 Mio. Mark, 1990: 115 Mio. Mark). Seit Anfang der 1990er Jahre expandierte das Unternehmen auch nach Österreich und in die Schweiz, ferner nach Ungarn, Spanien, Portugal sowie in andere Länder. 1999 ging die „Beate Uhse AG“ an die Börse. Nach dem Tod der Firmengründerin 2001 hielt der unternehmerische Erfolg zunächst an, 2005 geriet der Konzern jedoch in Turbulenzen, die seither anhalten.
U. setzte sich nach dem Vorbild des amerik. Sexualforschers →Alfred C. Kinsey (1894–1956) die Liberalisierung des Umgangs mit Sexualität in der Bundesrepublik Deutschland zum Ziel. Im Kontext der sog. Sexwellen in den bundesdt. Medien, die bereits bald nach der Währungsreform 1948 einsetzten, verstand sie es, Sex und Erotik zu einem großen Geschäft zu machen. Die öffentliche Debatte um Sexualität löste in der frühen Bundesrepublik heftige gesellschaftliche Auseinandersetzungen aus; dabei bestanden Bezüge zu ähnlichen Konflikten um die Jahrhundertwende und am Ende der Weimarer Republik. In der Jugendbewegung von 1968 galt U. nicht als Ikone der Liberalisierung, vielmehr wurde sie wegen der Kommerzialisierung von Sex und Erotik höchst kritisch gesehen, ebenso von der seit den 1970er Jahren aktiven Frauenbewegung.
9. Ludwig Erhard
Herkunft und Ausbildung
Erhard wuchs in Fürth auf, wo sein Vater ein Bekleidungsgeschäft aufgebaut hatte. Der Lebenszuschnitt war geprägt von kleinbürgerlichem Wohlstand in einem liberalen Klima. Die Eltern lebten in konfessioneller Mischehe und tendierten politisch zur Freisinnigen Partei, danach zur Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Erhard schien für die berufliche Nachfolge des Vaters vorausbestimmt und absolvierte von 1907 bis 1916 eine Gewerbeschule und eine Kaufmannslehre. Die Erfahrungen der folgenden Jahre waren einschneidend: seine Teilnahme am Ersten Weltkrieg, in dessen Verlauf sein älterer Bruder fiel und er selbst 1918 vor Ypern schwer verwundet wurde, die Revolution 1918/19 sowie die Krisen der Weimarer Zeit, die das väterliche Geschäft vernichteten und für Erhard bis 1945 eine beengte materielle Lage definierten, und schließlich der Aufstieg der NSDAP, die sich mit überproportionalem Stimmenanteil auch in Fürth etablierte.
Statt Einzelhändler zu werden, studierte Erhard von 1919 bis 1922 Betriebswirtschaftslehre an der Handelshochschule Nürnberg u. a. bei Wilhelm Rieger (1878–1971) und seit 1922 Volkswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt am Main, wo er 1925 mit einer Dissertation bei Franz Oppenheimer (1864–1943) zum Dr. rer. pol. promoviert wurde. Oppenheimer, der einen soziologisch inspirierten Ansatz der Nationalökonomie verfolgte, trug dazu bei, dass Erhard nicht nur die Wirtschaft als Teil einer umfassenderen Gesellschaftswissenschaft verstand, sondern auch die demokratische Staatsform bejahte.
Berufstätigkeit bis 1945
Nachdem Erhard die Jahre nach seinem Studium bis 1928 ohne große innere Überzeugung, sondern eher aus Pflicht als Geschäftsführer des väterlichen Betriebs tätig gewesen war, wechselte er 1929 in den Bereich der angewandten Forschung und arbeitete von 1929 bis 1942 als leitender Angestellter an dem von Wilhelm Vershofen (1878–1960) geführten Nürnberger Marktforschungsinstitut für Beobachtung der deutschen Fertigware, das mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) verbunden war. Seit 1942 war er am Institut für Industrieforschung tätig, einer von ihm gegründeten, in Nürnberg und Bayreuth angesiedelten industrienahen Ein-Mann-Unternehmensberatung, die von der Reichsgruppe Industrie (RI) finanziert wurde, vermittelt von Erhards Schwager, dem RI-Hauptgeschäftsführer Karl Guth (1889–1971). Erhards Rolle während des „Dritten Reichs“ war ambivalent: Einerseits wahrte er Distanz zum Regime, trat nicht in die NSDAP ein, äußerte sich seit 1942/43 in einigen Nachkriegsplanungen auch systemkritisch und kam hier in den weiteren Umkreis Carl Goerdelers (1884–1945); bekannt ist v. a. seine u. a. an Goerdeler gesandte Denkschrift „Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung“ (1943/44). Nach 1945 galt er den US-Amerikanern daher als unbelasteter Wirtschaftsexperte, auf den man für Aufbauarbeiten zurückgriff (u. a. als bayerischer Wirtschaftsminister). Andererseits gab es bei Erhard mehr Berührungspunkte mit dem Regime, als das die spätere Stilisierung zum Widerständigen offenlegt: Er lavierte sich nicht selten durch, propagierte einen „starken Staat“ und trat in engeren Kontakt mit NS-Stellen (u. a. mit Otto Ohlendorf, 1907–1951), für die er Marktforschungen und Wirtschaftsplanungen (z. B. für den Ostraum) anfertigte. Dennoch setzten sich seine längerfristigen Wirtschafts- und Gesellschaftsideen in prinzipiellen Punkten vom NS-System ab und konnten unter den demokratischen Auspizien nach 1945 produktiv aufgegriffen werden.
Idee der „Sozialen Marktwirtschaft“
Erhards Ideen stellten kein konzises Konzept dar, sondern waren eher eine Kombination aus verschiedenen Elementen, die persönliche Erfahrungen und Anregungen des sog. Ordo- und Neoliberalismus aufnahmen. Dazu gehörte die Prämisse, dass weder der Laissez-Faire-Liberalismus noch der Staatsinterventionismus der Weimarer und NS-Zeit die ökonomischen Verwerfungen beseitigen würden. Erhard und seine Ideengeber wie Walter Eucken (1891–1950), Wilhelm Röpke (1899–1966) und Alexander Rüstow (1885–1963) forderten stattdessen eine Mischung aus marktorientierter Wettbewerbswirtschaft mit selbstverantwortlichen Unternehmern und Konsumenten sowie einem Staat, der sich seiner gesellschaftlichen Rolle bewusst war und sich auf „marktkonforme“ Weise ordnungspolitisch engagierte. Kennzeichnend war außerdem eine ausgeprägte Inflationsfurcht, die die Wahrung der Geldwertstabilität zu einem Angelpunkt ordoliberaler Wirtschaftspolitik machte. Schließlich wurden die nationalökonomischen Forderungen mit gesellschaftsethischen Ansätzen verbunden. Diese „Soziale Marktwirtschaft“ sollte nie nur ein wirtschaftstechnisches System sein, sondern immer ein „sozialer Lebensstil“, wie es der Schöpfer des Begriffs, Alfred Müller-Armack (1901–1978), formulierte.
Politische Tätigkeit nach 1945
Erhards Fähigkeiten lagen weniger in wissenschaftlicher Originalität oder theoretischer Fundierung als in der tragfähigen Kompilation, der politischen Umsetzung und dem Geschick zur rhetorischen Vermarktung. Seine entscheidende Zeit kam nach 1945 in seiner Karriere als politischer Seiteneinsteiger: 1945/46 wurde er parteiloser bayerischer Wirtschaftsminister im Kabinett Wilhelm Hoegners (1887–1980), 1947 Leiter der „Sonderstelle Geld und Kredit“ bei der bizonalen Verwaltung der Finanzen in Bad Homburg, 1948/49 Direktor der Verwaltung für Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebiets in Frankfurt am Main. Von 1949 bis 1963 war er Bundeswirtschaftsminister in den Kabinetten Konrad Adenauers (1876–1967) und von 1963 bis 1966 Bundeskanzler; Mitglied des Bundestags war er für die CDU von 1949 bis 1977, schließlich 1966/67 CDU-Bundesvorsitzender.
Erhard erwarb sich politisches Ansehen v. a. als reformfreudiger Direktor der Verwaltung für Wirtschaft und als Bundeswirtschaftsminister. Sein Renommee wurzelte in seiner Mitwirkung bei der Einführung einer neuen Währung und der Liberalisierung der Wirtschaft in den Reformen von 1948 (Leitsätzegesetz mit der Beseitigung staatlicher Bewirtschaftungsvorschriften und der Freigabe vieler Preise im Konsumgütersegment, Währungsreform), die gegen manche Widerstände etwa seitens der Gewerkschaften und der SPD, aber auch nicht weniger liberalismuskritischer Sozial- oder Agrarpolitiker von CDU/CSU durchgesetzt wurden und Adenauer früh Erhards Potenzial als „Wahlkampfmaschine“ erkennen ließen. Nach 1949/50 engagierte er sich v. a. auf den Feldern der institutionellen Sicherung der D-Mark durch eine starke Zentralbank (Bundesbankgesetz 1957) und ihrer Konvertibilisierung (1958), der Liberalisierung und Dynamisierung des Außenhandels (vornehmlich im globalen Rahmen und nicht begrenzt auf den EWG-Markt) sowie der ordnungspolitischen Absicherung des Wettbewerbs (Wettbewerbsgesetz 1957) und damit der Stabilisierung der jungen Demokratie: Durch Wohlstand und ökonomische Verteilungsressourcen wurden hier viele ehedem republikfeindliche Schichten pazifiziert. Dazu trugen wesentlich Anziehungskraft, Anpassungsfähigkeit und öffentliche Verankerung der „Sozialen Marktwirtschaft“ bei. Erhard stand im Zentrum einer modernen Öffentlichkeitsarbeit, wirkte mit Reden und populären Publikationen wie „Wohlstand für alle“ (1957) und wurde früh zur Legende verklärt (Vater der D-Mark, Wirtschaftswunder, Deutschlands Talisman).
Dies geschah, obwohl Erhard im politischen Tagesgeschäft wie in manchen seiner konzeptionellen Ausrichtungen keineswegs unumstritten war und sich nicht immer durchsetzen konnte. Besonders bekannt sind seine heftigen Auseinandersetzungen mit Adenauer in Fragen der Europa- und Frankreichpolitik, wo er den institutionell-kleineuropäischen Weg zugunsten einer weltwirtschaftlichen Ausrichtung ablehnte („Atlantiker“ versus „Gaullisten“). Auch die Einführung der Dynamischen Rente und des Wiedergutmachungsgesetzes schätzte er aus ökonomischen Erwägungen viel skeptischer ein als Adenauer. In der Wettbewerbsgesetzgebung hätte Erhard eine deutlich striktere Linie des Verbots von Kartellen verfolgt und musste hier der Industrieverbändelobby nachgeben. Während seiner Kanzlerschaft kam es zu erheblichen Devisenkonflikten mit den USA, zu Missstimmungen mit Frankreich (wegen de Gaulles Intergouvernementalismus und großbritannienkritischer Haltung), zu Inkonsistenzen in der Deutschlandpolitik (langsamer Abschied von der „Hallstein“-Doktrin ohne letzte Konsequenz) und zu manchen innenpolitischen Ungeschicklichkeiten und Problemen (diffamierende Wahlkampfäußerungen 1965, Koalitionsstreit mit der FDP). Nach dem Ausscheiden der FDP-Minister seines Kabinetts und dem Bruch der Koalition Ende Oktober 1966 musste Erhard am 1. Dezember 1966 als Kanzler zurücktreten, blieb aber bis zu seinem Tod CDU-Ehrenvorsitzender und MdB.
Einordnung und Nachwirkung
Die tatsächliche Wirkkraft der sozialmarktwirtschaftlichen Politik Erhards ist wirtschaftshistorisch umstritten. Viele Bedingungsvariablen lagen jenseits nationalstaatlicher Ordnungspolitik. Die Einführung der D-Mark war das Werk der Alliierten, und der Nachkriegsboom erklärt sich vornehmlich aus den Eigendynamiken eines Rekonstruktionsaufschwungs, der bis ca. 1975 ganz Westeuropa und die USA umgriff, auch Staaten mit planifikatorischen oder klientelistischen Regimen (Frankreich, Italien) – abgesehen davon, dass auch der deutsche Weg erhebliche staatlich-korporative Elemente aufwies. Hinzu kamen Grenzen der Durchsetzungsfähigkeit in Erhards Politik und deren konjunkturpolitische „Lenkungslücken und soziale Defizite“ mit Blick auf die Einkommens- und Vermögensverteilung (Abelshauser). Irritierend für viele Kollegen war überdies Erhards Verwaltungsführung, die schon 1947 einen Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags provoziert hatte und auch für seine Bonner Zeit oft als unzuverlässig betrachtet wurde (u. a. von Adenauer). Schließlich wird stets Erhards kompliziertes Verhältnis zu Parteien ambivalent beurteilt: Bei den Bundestagswahlen trat er im württembergischen Wahlkreis Ulm-Heidenheim als Direktkandidat für die CDU an, jedoch ist nicht sicher, wann er formal Parteimitglied geworden ist, vermutlich erst kurz vor seiner Kanzlerschaft. Erhard stand dem partei- und interessenpolitischen Betrieb insgesamt reserviert gegenüber. Seine Alternativkonzepte eines überparteilichen „Volkskanzlers“ und einer „Formierten Gesellschaft“ konnten nicht überzeugen, seine Kanzlerschaft wird kritisch bewertet. Neben den diffusen Gesellschaftsvorstellungen hat dies mit den erwähnten innen- wie außenpolitischen Konfliktfeldern zu tun, ferner damit, dass Erhard mit seiner barocken Art zunehmend aus der Zeit gefallen erschien und seine mediale Wirkung verblasste.
Im Rückblick auf Erhard ist nicht immer klar zu scheiden zwischen persönlichem Verdienst und apologetischer Inszenierung, sowohl zeitgenössisch als auch durch das erinnerungspolitische Wirken von Institutionen wie der „Ludwig-Erhard-Stiftung“ oder der „Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft“. Hinzu kommt die Vereinnahmung des Schlagworts „Soziale Marktwirtschaft“ durch fast jede politische Richtung, womit Erhard zwar zu einem Bestandteil bundesdeutscher Staatsräson wurde, aber auch immer weniger konkret greifbar ist.
10. Gerd Müller
1945– 2021
Fußballsportler, Fußballtrainer
Gerd Müller war einer der erfolgreichsten deutschen Fußballsportler des 20. Jahrhunderts. Als einer der besten Stürmer aller Zeiten gewann er mit dem FC Bayern München um Franz Beckenbauer (1945–2024) und Sepp Maier (geb. 1944) je vier Mal die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal, drei Mal den Europapokal der Landesmeister sowie je einmal den Europapokal der Pokalsieger und den Weltpokal. Im Trikot der Nationalmannschaft, das er 62 Mal trug, wurde er 1972 Europameister und 1974 Weltmeister. Bis heute ist Müller mit 365 Treffern in 427 Partien Rekordtorschütze der Bundesliga.
Müller wuchs in Nördlingen (Bayerisch Schwaben) in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem Besuch der dortigen Volksschule bis 1960 begann er eine Lehre als Weber, ehe er als Schweißer arbeitete. Von Kind an fußballbegeistert, schloss er sich 1958 dem TSV 1861 Nördlingen an. Müller wurde aufgrund seiner herausragenden Qualitäten als Stürmer rasch bekannt, in die Jugendauswahl des Bayerischen Fußball-Verbands berufen und von großen Profimannschaften aus München, Stuttgart und Nürnberg umworben. 1964 unterschrieb er einen Vertrag beim FC Bayern München, der über eine ehrgeizige Vereinsführung und eine junge vielversprechende Mannschaft um Franz Beckenbauer (1945–2024) und Sepp Maier (geb. 1944) verfügte, die nach dem Aufstieg aus der Regionalliga Süd in die Bundesliga 1965 nicht zuletzt wegen Müllers enormer Trefferquote zahlreiche nationale und internationale Erfolge erzielte.
1966 erstmals in die bundesdeutsche Nationalmannschaft berufen, erhielt Müller aufgrund seiner Erfolge bald den Spitznamen „Bomber der Nation“. Er erzielte 68 Tore in 62 Länderspielen, wurde Torschützenkönig der Weltmeisterschaft in Mexiko 1970 und der Europameisterschaft in Belgien 1972. Beim Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 1974 gegen die Niederlande in München schoss er das entscheidende Tor zum 2:1-Sieg. Müller wurde sieben Mal Torschützenkönig in der Bundesliga, weshalb die Redewendung „es müllert“ in dieser Zeit als Synonym für ein von ihm geschossenes Tor populär wurde.
Trotz dieser Erfolgsserie und seines Aufstiegs zum Weltstar war Müllers Verhältnis zum FC Bayern München zwiespältig: Er stand im Verein und in der Nationalmannschaft in Beckenbauers Schatten und sah sich wegen seiner Herkunft aus kleinen Verhältnissen und Bildungsferne häufig Sticheleien in der Mannschaft und in der Münchner Gesellschaft ausgesetzt. Ein Wechsel nach Barcelona scheiterte 1973 am Veto des Deutschen Fußball-Bunds, eine Kompensation dafür boten lukrative Verdienstmöglichkeiten beim FC Bayern München und üppige Einkünfte aus Werbegeschäften, die aufgrund vertraulicher Absprachen zwischen Verein, beteiligten Spielern und führenden CSU-Politikern (Finanzminister Ludwig Huber, 1928–2003, Staatssekretär Erich Kiesl, 1930–2013, und CSU-Vorsitzender Franz Josef Strauß, 1915–1988) nicht ordnungsgemäß versteuert wurden. Als diese illegalen Praktiken von den Finanzbehörden aufgedeckt wurden, stand der FC Bayern München vor der Pleite, während Stars wie Beckenbauer und Müller empfindliche Steuernachzahlungen leisten mussten, juristisch aber nicht belangt wurden.
Ende der 1970er Jahre wurden die sportlichen Erfolge Müllers, der die Mannschaft des FC Bayern München von 1977 bis 1979 als Kapitän anführte, weniger. Mangelnde körperliche Fitness und Alkoholprobleme führten 1979 zu einem Zerwürfnis mit Trainer Pál Csernai (1932–2013), zum Abschied im Zorn vom FC Bayern München und zum Wechsel in die US-amerikanische Profiliga. Bei den Fort Lauderdale Strikers (Florida, USA) feierte Müller noch einmal beeindruckende Erfolge als Torschütze. 1982 beendete er seine Karriere und stieg mit einer befreundeten Familie aus Bayern in den USA in das Gastronomiegeschäft ein.
1985 kehrte Müller alkoholsüchtig und voll finanzieller Sorgen mit seiner Familie nach Bayern zurück. 1991 überredeten ihn Freunde und ehemalige Mitspieler wie Beckenbauer und Uli Hoeneß (geb. 1952) zu einer Entziehungskur und boten ihm eine berufliche Perspektive im Trainerstab des FC Bayern, wo Müller v. a. als Co-Trainer in der Jugendabteilung und bei den Amateuren arbeitete, ehe er Mitte der 2000er Jahre an Demenz erkrankte. Trotz seiner Erkrankung blieb er Teil der „Bayern-Familie“, die sich neben seiner Ehefrau bis zu Müllers Tod in einem Pflegeheim in Wolfratshausen intensiv um ihn kümmerte.
11. Hildegard Knef
Das Phänomen ihrer anhaltenden Karriere war ebenso unvergleichlich wie erstaunlich. Über 50 Jahre bewegte sie ihre Mitmenschen. Sie war neben Marlene Dietrich und Romy Schneider der einzige deutsche Filmstar von Weltformat: Hildegard Knef. Die deutsche Schauspielerin und Sängerin, die zu den populärsten Vertreterinnen des deutschen Kinos der 50er und 60er Jahre gehörte, hat mit ihren Filmen, Büchern und Songs internationales Aufsehen erregt und zahlreiche Preise errungen.
Hildegard Knef wurde am 28. Dezember 1925 in Ulm als Tochter einer Kaufmannsfamilie geboren. Ihr Vater starb 1926, und die Mutter zog mit ihr nach Berlin. Dort erhielt Hilde bereits als 15-jährige den ersten Schauspielunterricht. Nach einer Ausbildung zur Trickzeichnerin besuchte sie ab 1942 die Filmhochschule in Babelsberg. Nach Kriegsende trat sie zunächst an Berliner Bühnen auf.
Ihre erste Hauptrolle spielte sie 1946 in Wolfgang Staudtes „Die Mörder sind unter uns“. Der Film inmitten der Berliner Kraterlandschaft machte sie über Nacht berühmt. Erzählt wird die Geschichte des Chirurgen Hans Mertens, der nach schweren Kriegsjahren desillusioniert und hoffnungslos in das zerstörte Berlin zurückkehrt. Da erfährt er, dass sein ehemaliger Kompaniechef, der in Polen unschuldige Geiseln erschießen ließ, nun als aufstrebender Geschäftsmann in Berlin lebt. Hildegard Knef in der Rolle einer ehemaligen KZ-Insassin hält ihren Freund Mertens schließlich davon ab, den unentdeckten Nazi-Schergen zu richten. Der Streifen war ein erster Versuch, sich mit der NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen.
1948 wurde Hildegard Knef bei den Filmfestspielen in Locarno als „beste weibliche Hauptdarstellerin“ für ihre Rolle in „Film ohne Titel“ ausgezeichnet. Nach einem kurzen Intermezzo in den USA kehrte die 24-jährige nach Deutschland zurück. Hier übernahm sie 1950 die Hauptrolle in dem Film „Die Sünderin“ von Willi Forst, der das Schicksal einer durch Kriegs- und Nachkriegsereignisse zur Prostituierten gewordenen jungen Frau darstellte. Eine kurze Nacktszene machte den Film zum handfesten Skandalfall des deutschen Nachkriegsfilms. Schon vor der Premiere kam es zu Demonstrationen und Boykottmaßnahmen; vor allem Kirchenvertreter schürten die Stimmung und Geistliche warfen in den Kinos Stinkbomben. Der Skandal steigerte aber ihren Bekanntheitsgrad noch.
Im selben Jahr spielte sie in dem Film „Entscheidung vor Morgengrauen“, der auch in Amerika ein großer Erfolg wurde. Das verhalf ihr zu einigen Rollen in Hollywood-Produktionen wie in der Hemingway-Verfilmung von „Schnee am Kilimandscharo“ (1952) an der Seite von Gregory Peck. Der entscheidende internationale Durchbruch gelang Hildegard Knef, als sie 1954 bis 1956 in 675 Aufführungen als Ninotschka in Cole Porters Musical „Seidenstrümpfe“ am Broadway gastierte. Das Showbusiness interessierte sie jedoch weniger und so kehrte sie nach diesem Bühnentriumph nach Deutschland zurück. Hier warteten weitere Rollen in „Die Dreigroschenoper“ und „Wartezimmer zum Jenseits“ auf sie, die sie schnell zum Ufa-Star Nummer Eins machten.
1963 startete sie mit großem Erfolg eine zweite Karriere als Chansonsängerin. Sie begann, ihre eigenen Chansontexte zu schreiben und benutzte dabei Jazz- und Swing-Elemente. Die rauchige Stimme wurde ihr Markenzeichen. Unzählige Texte wurden zu Hits und machten sie zur erfolgreichsten deutschen Chanson-Interpretin zwischen 1963 und 1975. „Sie ist die größte Sängerin ohne Stimme“, urteilte die amerikanische Jazzsängerin Ella Fitzgerald.
1970 debütierte Hildegard Knef mit ihrer Autobiografie „Der geschenkte Gaul“ als Autorin. Hier erzählte sie erfrischend ehrlich die Geschichte ihres Lebens, die Geschichte von Kriegserlebnissen, von großen Pleiten und Erfolgen. Das Buch wurde eine literarische Sensation und erreichte eine Weltauflage von über drei Millionen Exemplaren. Ihre Popularität war grenzenlos: „Unser Hildchen“ nannte man sie oder respektvoll „Die Knef“.
Aufsehen erregte ebenfalls ihr drittes Buch „Das Urteil“ (1975), in dem sie minuziös und in großer Offenheit über ihre Brustkrebserkrankung schrieb. Trotz weiterer Operationen und Drogenabhängigkeit trat sie in den nächsten Jahren immer wieder in Filmen auf, z.B. in der Fallada-Verfilmung „Jeder stirbt für sich allein“. In den 80er und 90er Jahren war sie verstärkt in TV-Produktionen zu sehen. Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte sie 2001 bei der Berlinale. Am 1. Februar 2002 starb Hildegard Knef im Alter von 76 Jahren in Berlin.
Hildegard Knef wurde verehrt und verrissen, geliebt und gehasst. Doch was bleibt: sie war eine Charakterdarstellerin und Chansonsängerin von Weltrang. Wie schrieb doch die „New York Times“ einst: „Die Knef gehört zum Besten, das je aus Deutschland gekommen ist“.
(Text von 2020)
12. Christa Wolf
W. flüchtete 1945 mit ihren Eltern vor der Roten Armee aus Landsberg/Warthe nach Mecklenburg. Ihre Schulzeit an der Oberschule in Schwerin seit 1946 wurde durch einen monatelangen Aufenthalt in einem Lungensanatorium unterbrochen; 1947 übersiedelte die Familie nach Bad Frankenhausen (Thür.), wo W. 1949 das Abitur ablegte und in die SED eintrat. Ihr Germanistikstudium seit 1949 in Jena, seit 1951 in Leipzig, u. a. bei →Hans Mayer (1907–2001), schloß sie 1953 mit einer Diplomarbeit über „Probleme des Realismus im Werk Hans Falladas“ ab. 1953–55 arbeitete W. als wiss. Mitarbeiterin beim Schriftstellerverband der DDR in Berlin, 1956 als Cheflektorin des Verlags „Neues Leben“ und 1958/59 als Redakteurin der Zeitschrift „Neue Deutsche Literatur“. 1960 folgte sie dem kulturpolitischen Aufruf des „Bitterfelder Wegs“ und übernahm einen Zirkel schreibender Arbeiter im „Waggonwerk Ammendorf“ in Halle/Saale. Als Kandidatin des ZK der SED (1963–67) sprach sich die überzeugte Sozialistin W. auf dem 11. Plenum des ZK 1965 gegen die restriktive Kulturpolitik der SED aus.
Ihr literarisches Debüt gab W. 1961 mit der „Moskauer Novelle“. Mit der Erzählung „Der geteilte Himmel“, die vom durch die dt. Teilung besiegelten Scheitern einer Liebe handelt, wurde sie auch international als neues Talent dt. Gegenwartsliteratur wahrgenommen (1963; Spielfilm, Regie: →Konrad Wolf, 1964). Seitdem als freie Schriftstellerin tätig, legte W. 1967 die Erzählung „Juninachmittag“ vor, in der sich ihr neuer Erzählstil ankündigte, den sie in der Essaysammlung „Le|sen und Schreiben“ (1972) als „subjektive Authentizität“ beschrieb. Erinnern und Nachdenken über die sozialen und mentalen Strukturen des Gedächtnisses waren fortan Schlüsselbegriffe ihres poetischen Konzepts.
Den internationalen Durchbruch brachte „Nachdenken über Christa T.“ (1969). In der Erzählung thematisierte W. den Konflikt zwischen der historischen Entwicklung der als sozialistisch behaupteten Gesellschaft und dem Anspruch der Protagonistin auf individuelle Selbstverwirklichung. W.s meist weibliche Hauptfiguren sind häufig Identitätskrisen ausgesetzt: So reflektierte W. in „Kindheitsmuster“ (1976) die Geschichte ihrer Generation in der NS-Zeit, um die Wurzeln gegenwärtiger Verhaltens- und Denkmuster aufpzudecken. 1976 übersiedelte W. mit ihrer Familie von Kleinmachnow nach Ost-Berlin. Nach der Ausbürgerung →Wolf Biermanns (* 1936) gehörten sie und ihr Ehemann zu den Verfassern der Protesterklärung. 1977 trat W. aus dem Schriftstellerverband der DDR aus. Literarischen Niederschlag fanden W.s Erfahrungen in einer patriarchalischen, von technischer Rationalität geprägten Gesellschaft und im Geschlechterkonflikt 1979 in der Erzählung „Kein Ort. Nirgends“ (Hörspiel 1982), in der sie eine fiktive Begegnung zwischen →Heinrich v. Kleist und Karoline v. Günderode imaginierte. Eine Reise nach Griechenland 1980 nahm W. zum Ausgangspunkt der Erzählung „Kassandra“ (1983, Hörspiel 1985 u. 1987), in der sie im Rückgriff auf den antiken Mythos die patriarchalisch fundierten Kriege und die Notwendigkeit weiblichen Widerstands thematisierte und in die sie mit 1982 an der Univ. Frankfurt/M. gehaltenen Vorlesungen einleitete (Voraussetzungen e. Erz., Kassandra, Frankfurter Poetik-Vorlesungen, 1983); 1986 folgten weitere Betrachtungen zur Literatur (Die Dimension d. Autors, Essays u. Aufss., Reden u. Gespräche). 1985 war W. zur Gedenkveranstaltung für →Heinrich Böll (1917–1985) in Köln erneut in die Bundesrepublik gereist, wo ihre Bücher seit 1964 parallel zu den Ausgaben im Aufbau-Verlag im Luchterhand Verlag herausgegeben wurden. 1987, nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, erschien „Störfall, Nachrichten eines Tages“ (Hörspiel 1988), eine systemübergreifende Reflexion von Umweltproblemen, die internationale Resonanz hervorrief. Im Jahr darauf erkrankte W.schwer und wurde mehrfach operiert. Ihre im ostdt. PEN eingebrachte Protestresolution gegen die Inhaftierung des tschech. Schriftstellers und Bürgerrechtlers Václav Havel wurde auf der Tagung in Berlin 1989 nicht verabschiedet. Zu ihrem 60. Geburtstag erschien „Sommerstück“, ein Buch über die Bedeutung von Freundschaften in einer Zeit vorausgeahnter Umbrüche und Abschiede. Im Juni 1989 trat W. wegen unvereinbarer Widersprüche aus der SED aus; im Oktober plädierte sie vor einer halben Million Demonstranten auf dem Berliner Alexanderplatz für einen Gewinn demokratischen Selbstvertrauens. Im Dezember zählte sie zu den Verfassern des Aufrufs „Für unser Land“.
W.s 1979 entstandene Erzählung „Was bleibt“ löste 1990 in der dt. Öffentlichkeit eine kontroverse Debatte über das Verhalten von Intellektuellen zur politischen Macht aus. Die heftigen Angriffe in einem Teil des dt. Feuilletons weiteten sich zu einem „Literaturstreit“ um die „kulturelle Definitionsmacht im Lande“ (W. Emmerich) aus, der W. mit Begriffen wie „Staatsdichterin“ (U. Greiner, Mangel an Feingefühl, in: Die Zeit v. 1.6.1990) bzw. „Repräsentantin des Systems“ (F. Schirrmacher, Abschied v. d. Lit. d. Bundesrep., in: FAZ v. 2.10.1990) belegte. Dagegen plädierten →Günter Grass (1927–2015), →Volker Hage (* 1949) und →Walter Jens (1923–2013) für mehr Verständnis für die Autorin.
Einen Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Umbruch und der Erfahrung körperlichen Zusammenbruchs stellte W. 2002 in ihrer autobiographischen Erzählung „Leibhaftig“ her. Am 21.1.1993 gab sie in dem Artikel „Auskunft“ der „Berliner Zeitung“ bekannt, daß sie 1959–62 als „IM Margarete“ beim Ministerium für Staatssicherheit der DDR geführt worden war. In ihrem letzten Buch „Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud“ (2010) setzte sie sich intensiv damit auseinander, daß sie diesen Vorgang vergessen bzw. verdrängt habe. Die Wolfs wurden seit 1968 als „operativer Vorgang“ „Doppelzüngler“ überwacht. 1996 erschien W.s Roman „Medea, Stimmen“ (Hörspiel 1997), in dem sie ihre grundsätzliche Kritik an der Ausgrenzung des Fremden vortrug. Eine Bilanz der Zeit seit 1989 zog W. 1999 in den Sammlungen von Reden, Aufsätzen und Erzählungen „Hierzulande-Andernorts“ und „Wüstenfahrt“. Mit anderen Autorinnen und Autoren solidarisierte sie sich im Nov. 2001 gegen eine dt. Beteiligung am Krieg in Afghanistan und 2003 im Irak.
W.s subjektive, Authentizität betonende Art zu schreiben, wurde hochverehrt und kontrovers diskutiert. Mit ihrem Engagement für Umwelt, Friedens- und frauenrechtliche Bewegungen war W. sowohl eine literarische In|stanz als auch – nach dem Ende der DDR – eine ideologische Reizfigur. Mit ihren in 35 Sprachen übersetzten Büchern zählt sie – auch international – zu den anerkannten Autorinnen der dt.sprachigen Literatur an der Wende zum 21. Jh.
13. Elisabeth Selbert
Aufgewachsen in einem kleinbürgerlichen, christlich geprägten Elternhaus, besuchte S. seit 1912 die Gewerbe- und Handelsschule des Frauenbildungsvereins in Kassel. Ihr Ziel, Lehrerin zu werden, konnte sie aus finanziellen Gründen nicht verwirklichen; daher arbeitete sie zunächst als Auslandskorrespondentin, später als Postgehilfin im Telegraphendienst. Hier lernte sie ihren späteren Mann, den „roten Funktionär“ Adam Selbert kennen, der ihr politisches Interesse weckte; 1918 trat sie in die SPD ein. Durch →Philipp Scheidemann (1865–1939), den späteren Oberbürgermeister von Kassel, ermutigt, begann sie, sich publizistisch und als Vortragsrednerin für die politische Bildung von Frauen und für die Gleichberechtigung zu engagieren. 1919 kandidierte S. erfolgreich für einen Sitz im Gemeindeparlament von Niederzwehren; im Okt. 1920 nahm sie als Delegierte an der Reichsfrauenkonferenz in Kassel teil.
Nach ihrer Heirat und den Geburten zweier Söhne bewältigte S. 1926 extern das Abitur an der Kasseler Luisenschule und anschließend in sechs Semestern bis 1929 ein Jurastudium an den Univ. Marburg und Göttingen. Dem 1. Staatsexamen folgte im Frühjahr 1930 die Promotion, in der sie die „Ehezerrüttung als Scheidungsgrund“ behandelte. Aufgegeben wurde das Schuldprinzip indes erst 1977 im Rahmen der damaligen Eherechtsreform.
Als S.s Ehemann 1933 als stellv. Bürgermeister von Niederzwehren zwangsweise in den Ruhestand versetzt und im Konzentrationslager Breitenau inhaftiert wurde, erwirkte S. mit juristischen Argumenten seine Freilassung. 1934 legte sie in Berlin das 2. Staatsexamen ab und erreichte gegen den Willen |des NS-Juristenbundes die Zulassung zur Anwaltschaft. Da ihr Mann nur eine kleine Rente erhielt, mußte S., die 1934 die Kanzlei zweier jüd.Rechtsanwälte übernommen hatte, bis 1945 nahezu vollständig für den Unterhalt der Familie aufkommen.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde S. von der amerik. Militärregierung beauftragt, am Wiederaufbau von Justiz und Verwaltung mitzuarbeiten. Aufgrund ihrer Englischkenntnisse war sie als Strafverteidigerin bei Militärgerichten tätig und bei der Wiederbegründung der SPD. Politisch zunächst im „Überparteilichen Ausschuß“ der Stadt Kassel aktiv, wirkte sie seit 1946 als Stadtverordnete sowie als Mitglied im Bezirks- und Parteivorstand der SPD und der Verfassungberatenden Landesversammlung Groß-Hessen in Wiesbaden; 1948/49 war sie Mitglied im Parlamentarischen Rat, der das Grundgesetz für die künftige Bundesrepublik Deutschland ausarbeitete. Hier gelang es ihr, den aus der Weimarer Verfassung stammenden Passus „Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten“ entscheidend zu verändern. Gegen anfänglich heftigen Widerstand konnte sie Frauen aller gesellschaftlichen Schichten und Gruppierungen in einer spektakulären Kampagne zu außerparlamentarischem Protest bewegen. Unterstützt durch ihre Parteigenossin →Friederike (Frieda) Nadig (1897–1970), erreichte sie die Aufnahme der Formulierung: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ (Artikel 3, Absatz 2, Satz 1 GG) in den Verfassungstext (18.1.1949). Mit diesem Erfolg schuf sie die Grundlage für gesetzliche Regelungen, die z. T. erst Jahrzehnte später umgesetzt wurden, und stellte somit die Weichen für bis in die Gegenwart wirkende gesellschaftliche und soziale Veränderungen.
Darüber hinaus setzte sich S. – v. a. auch aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen mit dem NS-Gerichtswesen – im Rechtspflegeausschuß für die Gründung eines Bundesverfassungsgerichts zum Schutz der Demokratie und die Unabhängigkeit der Richter ein. Mitglied des Hess. Landtags seit 1946, scheiterte sie im Aug. 1949 jedoch knapp in dem Bemühen um einen Sitz im 1. Dt. Bundestag. Auch ihre Kandidaturen für ein Richteramt am Bundesverfassungs- und später am Bundessozialgericht blieben erfolglos – nicht zuletzt infolge mangelnder Unterstützung seitens ihrer Parteigenossen. Nach ihrem Ausscheiden als Abgeordnete aus dem Hess. Landtag 1958 war S. wieder als Rechtsanwältin tätig (bis 1981). Für längere Zeit in Vergessenheit geraten, wurde sie Mitte der 1970er Jahre von Vertreterinnen der Neuen Frauenbewegung wiederentdeckt; heute ist ihre außergewöhnliche Leistung als „Anwältin der Gleichberechtigung“ allgemein anerkannt.
14. Joseph Beuys
Joseph Beuys war eine herausragende Künstlerpersönlichkeit, dessen Werk bis heute von intensiven und oftmals hitzig geführten Debatten begleitet wird. Sein Einfluss auf die Kunstwelt der letzten fünfzig Jahre kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Joseph Beuys wurde 1921 in Krefeld geboren, wuchs aber im nahegelegenen Kleve an der niederländischen Grenze auf. Im Zweiten Weltkrieg absolvierte er eine Ausbildung zum Funker in einem Kampfflugzeug.1 1944 wurde er über der Krim abgeschossen und erlitt dabei Verletzungen, von denen er sich nie mehr ganz erholte.
Nach dem Krieg wandte sich Beuys bald der Kunst zu: 1947 schrieb er sich an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf ein und studierte dort bis 1953 bei dem Bildhauer Ewald Mataré – einem namhaften deutschen Künstler, der vor allem für seine Tierskulpturen und Auftragsarbeiten für Kirchen bekannt ist. Charakteristisch für Mataré ist ein auf das Wesentliche reduzierter zeichnerischer Stil, mit dem er über die bloße Erscheinung hinaus zum wahren Kern der dahinterliegenden Wirklichkeit vordringen wollte. Die metaphysische Qualität dieser Werke spiegelt sich in den ersten zeichnerischen und plastischen Arbeiten von Beuys wider, die noch deutlich von Mataré beeinflusst sind.2
Nach und nach emanzipierte sich Beuys jedoch von seinem Lehrer und entwickelte eine eigene Ästhetik mit einer subjektiven, mit komplexer Bedeutung aufgeladenen Ikonographie, die für sein gesamtes Werk bestimmend blieb.
Einen wichtigen Katalysator stellte für Beuys die anthroposophische Lehre Rudolf Steiners dar.3 Steiner sah im Rationalismus eine Folge des materialistisch geprägten Denkens der modernen Gesellschaft, dem er durch die Förderung geistiger Fähigkeiten wie der Imagination, der Inspiration und Intuition entgegentreten wollte. Auf diese Weise sollte die Gesellschaft wieder ihr Gleichgewicht finden und sich nach humanitären Prinzipien weiterentwickeln,4 wobei der Kunst aus Steiners Sicht eine zentrale Bedeutung zukam.5 Beuys teilte diese Überzeugung und sah sich in der Rolle desjenigen, der für eine solche geistige Erneuerung eintreten wollte.6
1961 übernahm Beuys die Professur für Bildhauerei an der Düsseldorfer Akademie von Sepp Mages. Im Umfeld der Fluxus-Bewegung begann er in den folgenden Jahren, seine Aktionskunst zu entwickeln, in der bis dato kunstfremde Materialien wie Kupfer, Fett, Filz und Honig Verwendung fanden. Diese Materialien waren ebenso wie seine Handlungen mit komplexen symbolischen Bedeutungen aufgeladen, für deren Verständnis Beuys auf die intuitiven Fähigkeiten setzte, die dem rationalen Denken nicht zugänglich sind.7
Durch seine Umtriebigkeit und seine vielfältigen künstlerischen und politischen Aktivitäten wurde er in den Folgejahren schnell bekannt, war aber nicht unumstritten. Während sich seine Befürworter von der Unmittelbarkeit seiner Ästhetik und den komplexen Bedeutungsebenen seiner Materialien angesprochen fühlten, brandmarkten Kritiker ihn als Scharlatan, der sich eines obskuren und irrationalen Mystizismus’ bediene. Beuys selbst sah sich als einen Schamanen, der mit den Mitteln der Kunst zur Heilung der Gesellschaft beitragen könne.8 In diese Richtung weist auch seine Beschäftigung mit den Multiples, die in dieser Zeit begann. Er hoffte, dass sie ihren Weg über die engen Grenzen der Museen, Galerien und exklusiven Privatsammlungen hinaus in zahlreiche deutsche und internationale Sammlungen finden und so als Vehikel seiner Kunst dienen konnten, um deren Intentionen einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.
In den frühen 1970er Jahren intensivierte Beuys sein gesellschaftspolitisches Engagement. Wie in der Produktion seiner Multiples bereits deutlich wurde, intendierte er eine Erweiterung seiner künstlerischen Praxis, die ihn zu seinem „erweiterten Kunstbegriff“ führte. Beuys erkannte das kreative Potenzial, das in öffentlichen Auftritten wie Vorträgen, Lehrveranstaltungen und politischen Debatten steckt, und begann, die Gesellschaft als eine „soziale Plastik“ zu sehen, die durch die kollektive Mitwirkung ihrer Mitglieder geformt wird. Indem er jede Form menschlicher Kreativität als künstlerischen Akt sah, wollte er die kreativen Fähigkeiten jedes Einzelnen nutzbar machen. Entsprechend setzte er sich für die Gründung verschiedener Organisationen – darunter eine Universität, eine landwirtschaftliche Stiftung und eine politische Partei – ein. Im Zuge seiner zahlreichen politischen Projekte erlangte insbesondere sein Versuch zur Demokratisierung der Hochschule große Bekanntheit. Dafür öffnete er seine Düsseldorfer Klasse für alle Bewerber, was 1972 zu seiner fristlosen Kündigung führte, die allerdings sechs Jahre später vom Bundesarbeitsgericht für ungültig erklärt wurde. In den folgenden Jahren unternahm Beuys zahlreiche Reisen, unter anderem in die USA, nach Australien, Japan und Italien, um seine künstlerischen Ideen durch Installationen, Ausstellungen und Aktionen weiterzuverbreiten, und setzte seinen Weg gegen alle Widerstände unbeirrt fort, bis ihn Mitte der 1980er Jahre sein schlechter werdender Gesundheitszustand dazu zwang, sein Arbeitspensum zu reduzieren.

„Die Kunst ist nach meiner Meinung die einzige evolutionäre Kraft. Das heißt, nur aus der Kreativität des Menschen heraus können sich die Verhältnisse ändern. Und ich glaube, viele Menschen spüren, daß das Menschliche, also dieser menschliche Punkt, in der Kunst am meisten weiterentwickelt werden kann.“
Als Beuys 1986 starb, war er längst zu einem der wichtigsten Künstler seiner Zeit avanciert. Die Wertschätzung galt dabei nicht nur den eigentlichen künstlerischen Werken, er erfuhr auch große Anerkennung dafür, dass er die soziale Rolle der Kunst ins öffentliche Bewusstsein gerufen hatte. Zudem wurden durch viele seiner Schüler, die sich inzwischen selbst zu international erfolgreichen Künstlern entwickelt hatten, schließlich auch seine besonderen Fähigkeiten als Lehrer anerkannt.
In den folgenden Jahren gewann sein künstlerisches Vermächtnis zunehmend an Bedeutung – insbesondere im Bereich der sozialen Plastik. Seine Vorstellung von einem Kunstwerk als Produkt eines gesellschaftlichen Prozesses wurde nunmehr von vielen Künstlern der jüngeren Generation aufgegriffen und führte zu einer nachhaltigen Veränderung der zeitgenössischen Kunst der 1990er und 2000er Jahre. Allen Kontroversen zum Trotz, denen er sich zu Lebzeiten ausgesetzt sah, hat Joseph Beuys damit tiefe Spuren hinterlassen, die zu einem grundlegend neuen Verständnis des Kunstbegriffs geführt haben.
Verlinkungen:
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Quellen:
Internetquellen
-> Ludz, Ursula, „Arendt, Hannah“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/11850391X.html#dbocontent, zuletzt geprüft am 11.08.2025.
-> Wolf Biermann, in: Künste im Exil, online verfügbar unter: https://kuenste-im-exil.de/KIE/Content/DE/Personen/biermann-wolf.html, zuletzt geprüft am 11.08.2025.
-> Geppert, Dominik, „Adenauer, Konrad“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/11850066X.html#dbocontent, zuletzt geprüft am 01.09.2025.
-> Alexander S. Blum / Emily Philippi, „Heisenberg, Werner“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2024, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118548670.html#dbocontent, zuletzt geprüft am 01.09.2025.
-> Bers, Anna, „Loriot“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2025, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118729101.html#dbocontent, zuletzt geprüft am 01.09.2025.
-> Müller-Enbergs, Helmut, Erich Honecker, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/erich-honecker/DE-2086/lido/57c8334c3c01a5.50200302 (abgerufen am 16.10.2025).
-> Jesse, Eckhard, „Baader, Andreas“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2025, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11850536X.html#dbocontent, zuletzt geprüft am 22.10.2025.
-> Steinbacher, Sybille, "Uhse, Beate" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 553-554 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11889045X.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 29.11.2025.
-> Löffler, Bernhard, „Erhard, Ludwig“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.02.2022, zuletzt geändert am 23.05.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118530755.html#dbocontent, zuletzt geprüft am 29.11.2025.
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-> https://pinakothek-beuys-multiples.de/joseph-beuys-biographie/?lang=de
Sekundärliteratur
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