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Persönlichkeiten

Inhaltsverzeichnis

1.

  1. Hannah Arendt

  2. Wolf Biermann

1. Hannah Arendt

1906 – 1975

Philosophin, Publizistin

Hannah Arendt gehört zu den bedeutenden Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Die an deutschen Universitäten ausgebildete, aus Europa in die USA vertriebene Jüdin richtete ihr Bemühen um Verstehen und Erkennen auf das miterlebte Jahrhundert der Weltkriege, Totalitarismen, Verfolgungen und Revolutionen. Sie hinterfragte die Tradition abendländischen Denkens, legte durch mehr als 2000-jährige Geschichte überlagerte Erfahrungen und Gedanken frei und wies der (politischen) Philosophie mit ihrem Beharren auf der Pluralität des Menschen neue Wege. Ihr emphatischer Begriff des Handelns wirkte weltweit inspirierend, so auch ihr Merksatz: „Der Sinn von Politik ist Freiheit“.

Leben

Arendt wuchs in Linden bei Hannover, seit 1910 in Königsberg (Preußen, heute Kaliningrad, Russland) auf und absolvierte hier und kurzzeitig in Berlin-Charlottenburg ihre Schulzeit. Nach der Reifeprüfung 1924 begann sie das Studium der Philosophie mit den Nebenfächern Evangelische Theologie und Griechische Philologie in Marburg. Hier wurde Martin Heidegger (1889–1976) ihr akademischer Lehrer, mit dem sie eine zeitlebens geheim gehaltene Liebesbeziehung verband. Diese fand ein äußeres Ende mit Arendts Studienplatzwechsel nach Heidelberg 1926, wo sie 1928 mit der Arbeit „Der Liebesbegriff bei Augustin. Versuch einer philosophischen Interpretation“ (1929) bei Karl Jaspers (1883–1969) zur Dr. phil. promoviert wurde.

1930 erhielt Arendt ein Stipendium der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft für ihre Forschungsarbeit „über das Problem der deutsch-jüdischen Assimilation, exemplifiziert an dem Leben der Rahel Varnhagen“, deren Ergebnisse sie erst 1958/59 veröffentlichte. Entscheidend für ihren weiteren Lebenslauf wurde damals die Wiederbegegnung mit Kurt Blumenfeld (1884–1963), dem Präsidenten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, in Berlin. Für dessen Organisation hielt Arendt Vorträge und übernahm einen Rechercheauftrag in der Berliner Staatsbibliothek.

Der „Verbreitung von Greuelpropaganda“ verdächtigt, wurde Arendts Wohnung 1933 von der Gestapo durchsucht und sie selbst kurzzeitig inhaftiert. Danach floh sie illegal über die Tschechoslowakei in die Schweiz und weiter nach Paris, wo sich ihr Ehemann Günther (Stern) Anders (1902–1992) bereits aufhielt. Hier engagierte sie sich weiter im Rahmen zionistischer Politik. 1937 nahm Arendt ihre wissenschaftlichen Studien wieder auf, beendete das Rahel-Buch und trieb ihre Recherchen zu einer Geschichte des europäischen Antisemitismus voran. Nach den Pogromen 1938 in Deutschland verlagerte sich das Schwergewicht ihrer Tätigkeit erneut auf die Sozialarbeit, die Hilfe für jüdische Kinder und Erwachsene.

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs kam Arendt im Mai 1940 als „feindliche Ausländerin“ in das Internierungslager Gurs, aus dem sie zu Freunden in Montauban im unbesetzten Frankreich floh und wo sie ihren zweiten Ehemann Heinrich Blücher (1899–1970) wiedertraf. Mithilfe ihres inzwischen in Kalifornien lebenden Ex-Ehemanns erhielten sie und Blücher 1941 Einreisevisen in die USA. Die deutschsprachige Zeitung „Aufbau“ und die Zeitschrift „Jewish Social Studies“ des an der Columbia University lehrenden Historikers Salo W. Baron (1895–1989) boten ihr erste Publikationsmöglichkeiten. Baron besorgte ihr zudem eine Anstellung im Rahmen der jüdischen Kulturrestitution. Für die 1949 gegründete „Jewish Cultural Reconstruction, Inc.“ arbeitete Arendt bis 1952, bevor sie als freiberufliche Autorin und institutionell ungebundene akademische Lehrerin tätig wurde.

Bekanntheit in den USA erwarb Arendt 1951 mit ihrem Buch „The Origins of Totalitarianism“, in dessen Anschluss sie ein Guggenheim-Stipendium (1952/53) mit der Möglichkeit zu freier wissenschaftlicher Arbeit sowie 1953 die Einladung zu einer Vortragsreihe der Christian Gauss Seminars an der Princeton University erhielt. 1955 ging sie als Visiting Full Professor in Political Science für ein Semester an die University of California nach Berkeley. Nach Jahren der jeweils semesterweisen Verpflichtung an weiteren Colleges und Universitäten nahm Arendt 1963 an der University of Chicago eine feste Stelle (mit reduzierter Lehr- und Präsenzpflicht) an und traf 1967 eine vergleichbare Vereinbarung mit der Graduate Faculty der New School for Social Research in New York City, wo sie bis zu ihrem Tod als „University Professor“ wirkte.

Neben ihrer Tätigkeit als akademische Lehrerin arbeitete Arendt weiterhin schriftstellerisch. Dabei bemühte sie sich weiter, die Katastrophen des 20. Jahrhunderts – besonders Totalitarismus und Holocaust – zu verstehen und mischte sich mit Essays etwa über „Little Rock“ (1959), „Civil Disobedience“ (1970) und „Lying in Politics“ (1971) in aktuelle Debatten der US-amerikanischen Politik ein. Höhepunkt ihrer Laufbahn als „Public Intellectual“ wurde ihre Rede zur 200-Jahr-Feier der Unabhängigkeit der USA im Rahmen des Boston Bicentennial Forums, die am 20. Mai 1975 vom National Public Radio ausgestrahlt wurde. In diese Rede brachte sie ihre Erfahrungen mit dem „terrible century“ ihrer Lebenszeit ein und äußerte sich im Angesicht der Niederlage in Vietnam zur Krise der US-amerikanischen Republik.

In Westdeutschland, wohin sie mehrfach zu (Rundfunk-)Vorträgen reiste, wurde Arendt seit 1945 von Jaspers, Dolf Sternberger (1907–1989) und später Klaus Piper (1911–2000) gefördert und 1955 durch die deutsche Übersetzung ihres Totalitarismusbuchs bekannt. Auch wenn sie nicht in den Kreis der bundesrepublikanischen „Medien-Intellektuellen“ aufrückte, erhielt sie zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit durch ihr Buch „Eichmann in Jerusalem“ (1963, deutsch 1964) und die damit verbundenen Auftritte, insbesondere das Gespräch mit Günter Gaus (1929–2004) in der Reihe „Zur Person“ des ZDF 1964.

Werk

Ihren Ruf als politische Theoretikerin und Philosophin verdankt Arendt drei Monografien: „The Origins of Totalitarianism“ (1951), „The Human Condition“ (1958) und „On Revolution“ (1963), die von ihr selbst ins Deutsche übertragen wurden: „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1955), „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ (1960) und „Über die Revolution“ (1965). Die Bücher sind bis heute in beiden Sprachen erhältlich, nach einer je eigenen Veröffentlichungsgeschichte.

Das Totalitarismusbuch mit Beschreibung und Analyse der Systeme des Nationalsozialismus und Bolschewismus in seinem dritten Teil, das Vita-activa-Buch von der menschlichen Bedingtheit mit den Untersuchungen über die drei phänomenologisch unterschiedenen Tätigkeiten des „Arbeitens“, „Herstellens“ und „Handelns“ (Labor, Work, Action) wie das Revolutionsbuch, in dem der Vergleich der beiden großen Revolutionen des 18. Jahrhunderts, der amerikanischen (1775) und der französischen (1789), zur Klärung der grundsätzlichen Frage dient, „was eine Revolution tatsächlich ist“, sind Basistexte der Arendtschen politischen Theorie der menschlichen Pluralität, des Handelns und Urteilens, der republikanischen (partizipatorischen) Demokratie.

In diesen Werken zeigt sich die an Jaspers, Heidegger und Edmund Husserl (1859–1938) geschulte Philosophin mit einem jeweils eigenwilligen geistigen Zugriff, der sich keiner bestimmten Methode und keinem System unmittelbar zurechnen und die Fachdiskussionen weitgehend außer Acht lässt. Das gilt auch für zwei frühe deutschsprachige Arbeiten, in denen die Verwurzelung Arendts in der deutschen (Existenz-)Philosophie noch deutlich zutage tritt: ihre 1929 veröffentlichte Dissertation und die als „post-doctoral“-Projekt begonnene, in Paris fertiggestellte und 1958 veröffentlichte Studie über das Leben der Rahel Varnhagen (1771–1833) unter den Bedingungen der jüdischen Assimilation im Preußen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts mit ihren Erkenntnissen über das Dasein als „Paria“ oder „Parvenü“.

Arendts Bericht über den Eichmann-Prozess, der 1963 in dem Magazin „The New Yorker“, kurz darauf als englische Buchausgabe und 1964 in autorisierter deutscher Übersetzung erschien, wurde ihr meist kommentiertes Werk und löste die sog. Arendt-Kontroverse aus. Obwohl inzwischen häufig widerlegt, halten sich bis in die Gegenwart die gegen den Bericht erhobenen Vorwürfe, v. a. gegen die biografische Darstellung Adolf Eichmanns (1906–1962) als „Funktionär“ eines totalitären Herrschaftsapparates und gegen die Ausführungen über die Rolle der offiziellen jüdischen Vertreter während des Holocaust. In Arendts Gesamtwerk nimmt „Eichmann in Jerusalem“ eine Mittel- (Vermittler-)Stellung zwischen dem frühen Totalitarismusbuch und den späten Reflexionen über das Denken und Urteilen ein. Das dem Erlebnis „Eichmann“ geschuldete, im Untertitel des Buchs erstmals in die Öffentlichkeit gelangte Schlagwort von der „Banalität des Bösen“ wurde zu einer geistigen Herausforderung, der Arendt im erst postum veröffentlichten Spätwerk, dem aus Gifford Lectures hervorgegangenen „The Life of the Mind“ (1978), nachging. Mit „Banalität des Bösen“ meint Arendt: Dieses Böse hat keine Tiefe, ist nicht radikal, nicht dämonisch; aber es ist in seiner Oberflächlichkeit extrem und „fürchterlich“ (fearsome). Die „Banalität des Bösen“ bezeichnet sie als „word-and-thought-defying“, im Grunde versage vor ihr das Wort, und das Denken scheitere an ihr. Umso intensiver müsse das Bemühen sein, diese Wirklichkeit zur Kenntnis zu nehmen, um sich ihr entgegenstellen zu können.

Arendt sah den Essay als besonders geeignete literarische Form für ihre Art des Denkens an und pflegte ihn entsprechend. In Essays stellte sie v. a. „Exercises in Political Thought“ vor, Übungen im politischen Denken etwa zu den Themen „Geschichte“ und „Natur“, zu Begriffen wie „Autorität“, „Freiheit“, „Revolution“, „Macht“ und „Gewalt“ sowie zu Problemfeldern (Erziehung, Kultur, Religion, Wahrheit/Lüge). Sie nutzte den Essay auch, um sich in aktuelle US-amerikanische Debatten einzumischen. Zu Lebzeiten erschienen im englischen Sprachraum die Sammlungen „Between Past and Future“ (1961, erweitert 1968) und „Crises of the Republic“ (1972), zusätzlich die Porträt-Sammlung „Men in Dark Times“ (1968). Postum wurden zahlreiche umfängliche, das Gesamtwerk berücksichtigende englische und deutsche Ausgaben zusammengestellt.

Arendts umfangreiches Briefwerk wurde aus dem Nachlass veröffentlicht. Es unterstreicht das Bild einer breit vernetzten Schriftstellerin, öffentlichen Intellektuellen wie auch Freundin und Korrespondenzpartnerin von Blumenfeld, Heidegger, Karl Jaspers und seiner Ehefrau Gertrud Jaspers (1879–1974), Mary McCarthy (1912–1989), Hermann Broch (1886–1951), Uwe Johnson (1934–1984), Walter Benjamin (1892–1940), Gershom Scholem (1897–1982)und Dolf Sternberger (1907–1989) sowie Anne Weil (1903–1984), Hilde Fränkel (1897–1950), Lotte Beradt (1907–1986), Rose Feitelson (1914–2001) und Helen Wolff (1906–1994).

Wirkung

Arendt wirkte von den 1940er Jahren bis zu ihrem Lebensende in den USA als akademische Lehrerin der „Political Science“, wovon zahlreiche bisher nur teilweise veröffentlichte Vorlesungsmanuskripte in ihrem Nachlass zeugen. Als schulbildend verstand sie diese Tätigkeit nicht, ja wehrte sich ausdrücklich gegen sie, weil sie nicht „indoktrinieren“ wolle. Das bestätigen ihre Studentinnen und Studenten Peter Stern, Jean Yarbrough, Elisabeth Young-Bruehl (1946-2011), Larry May (geb. 1952) und Jerome Kohn (geb. 1931), seit 2000 „Executor“ des Hannah Arendt Bluecher Literary Trust, in ihren Veröffentlichungen.

Wenn nicht schulbildend, so entfaltete Arendt doch besonders in den 1950er und 1960er Jahren eine Wirkung in Wissenschaft und Öffentlichkeit, die sich nach ihrem Tod von etwa Mitte der 1980er Jahre bis in die Gegenwart steigerte. Arendt hielt Distanz zur traditionellen akademischen (politischen) Philosophie und den empirischen Sozialwissenschaften und erwarb sich einen Ruf als streitbare Denkerin. Im deutschen Sprachraum wurde sie nach 1945 als Autorin der Zeitschrift „Die Wandlung“ bekannt. Ihr erster dort erschienener Artikel „Organisierte Schuld“ (1946) stieß auf große Resonanz in und außerhalb der akademischen Welt. Mit „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1955) und dem Essayband „Fragwürdige Traditionsbestände im politischen Denken der Gegenwart“ (1957) wurde sie über die Politikwissenschaft hinaus zur „Klassikerin“ der Totalitarismustheorie – auch deshalb, weil viele Vertreter der sich etablierenden Disziplin transatlantische Kontakte pflegten, so etwa Karl-Dietrich Bracher (1922–2016), Iring Fetscher (1922–2014), Jürgen Habermas (geb. 1929), Peter Graf Kielmannsegg (geb. 1937), Reinhart Koselleck (1923-2006), Peter C. Ludz (1931–1979), Kurt Sontheimer (1928–2005) und Sternberger. Im studentischen, eher linksorientierten Milieu der Bundesrepublik der 1960er und 1970er Jahre wurde sie dagegen weniger zur Kenntnis genommen oder nicht selten als „reaktionär“ angefeindet.

Eine auch „Renaissance“ genannte Rezeption begann in den 1980er Jahren mit Arendt-Lektüren hinter dem erodierenden Eisernen Vorhang (auch in der DDR) und deren internationalen Rückwirkungen. Spätestens seit den 1990er Jahren gilt Arendt jenseits und diesseits des Atlantiks als wichtige politische Denkerin des 20. Jahrhunderts und öffentliche Intellektuelle. Eine Verklärung als Idol blieb nicht aus. Zeitlich parallel lief die Entdeckung ihres Werks durch feministische Wissenschaftlerinnen sowie ihrer Gedanken zur Menschenrechtsproblematik (über „das Recht, Rechte zu haben“). Im Zuge der Herausgabe von Briefwechseln aus dem Nachlass weitete sich die Rezeption auf Arendts (privates) Leben aus. Die Veröffentlichung des „Denktagebuchs 1950–1973“ (2002) leitete eine weitere Phase ein. Arendts ungewöhnlicher Denkstil wurde auf neuer Grundlage ebenso thematisiert wie ihr Schreibstil. Mit dem Blick auf „Hannah Arendt und die Dichter“ öffneten sich im 21. Jahrhundert einmal mehr neue Zugänge für die Interpretation ihrer Schriften (literarische Texte als Quelle von Erfahrung und Erkenntnis).

Zahlreiche Institutionen berufen sich heute auf Arendt, so das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der Technischen Universität Dresden (gegründet 1992), die ungarische Hannah-Arendt-Gesellschaft (1997), die Forschungsstelle Hannah-Arendt-Zentrum (mit Archiv) an der Universität Oldenburg (1999), das Hannah Arendt Center at the New School University, New York (2000) und das mit dem wöchentlichen Online-Newsletter „Amor Mundi“ international präsente The Hannah Arendt Center for Politics and Humanities am Bard College in Annandale-on-Hudson (2009). Auch in Südamerika gibt es Arendt-Forschungsinstitute, so an der Universität von São Paulo, an der katholischen Universität PUC in Rio de Janeiro und in Venezuela das Observatorium Hannah Arendt.

Mehrere internationale Periodika widmen sich der Verbreitung der Ergebnisse der Arendt-Forschung; mit dem Hannah-Arendt-Preis des Instituts für die Wissenschaft vom Menschen, Wien, und der Körber-Stiftung (verliehen 1995–1999) sowie dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken e.V., der seit 1995 von der Stadt Bremen und der Heinrich-Böll-Stiftung jährlich vergeben wird, wurden und werden ihr Denken, ihr Werk und deren bemerkenswerte Aktualität gewürdigt.

2. Wolf Biermann

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Wolf Biermann siedelte bereits als Jugendlicher auf eigenen Wunsch in die DDR über und begann ab den frühen 1960er Jahren, Lieder und Gedichte zu schreiben, die sich auch kritisch mit der politischen und gesellschaftlichen Situation im sozialistischen Ostdeutschland befassten. Aus diesem Grund fand sich der Künstler zunehmend behördlichen Restriktionen ausgesetzt. 1963 wurde erstmals ein vorübergehendes Auftrittsverbot gegen ihn verhängt, nach der Veröffentlichung des Lyrikbandes Die Drahtharfe(1965) durfte Biermann ab Dezember 1965 weder öffentlich auftreten noch publizieren. 1968 veröffentlichte er seine erste Langspielplatte Chausseestraße 131 deshalb in der Bundesrepublik. Der Fall Biermann entwickelte sich zusehends zu einem Politikum, mit dem sich schließlich auch die oberste Staatsführung befasste.  

Nach einem öffentlich vielbeachteten Konzertauftritt des Künstlers in Köln erfolgte seine Ausbürgerung durch einen Beschluss des SED-Politbüros. Dieser Schritt führte zu weitreichenden Protesten zahlreicher Künstlerkollegen, von denen viele in der Folge ebenfalls die DDR verließen. Wolf Biermann, der sich bislang trotz aller Kritik als solidarischer Sozialist verstanden hatte, reagierte auf die Maßnahme bestürzt. Er ließ sich in seiner Geburtsstadt Hamburg nieder und veröffentlichte dort weiter Gedichte und Lieder, die sich immer wieder auch mit dem Thema der deutsch-deutschen Beziehungen auseinandersetzten. Nach dem Fall der Berliner Mauer reiste er am 1. Dezember 1989 erstmalig wieder in die DDR und gab dort am gleichen Tag ein Konzert in Leipzig. Biermann erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Fontane-Preis der Stadt Berlin (1969), den Georg-Büchner-Preis (1991) und das Große Bundesverdienstkreuz (2006).

 


 

 

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Ludz, Ursula, „Arendt, Hannah“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/11850391X.html#dbocontent, zuletzt geprüft am 11.08.2025.

-> Wolf Biermann, in: Künste im Exil, online verfügbar unter: https://kuenste-im-exil.de/KIE/Content/DE/Personen/biermann-wolf.html, zuletzt geprüft am 11.08.2025.

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Sekundärliteratur

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