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Persönlichkeiten

Inhaltsverzeichnis

  1. Otto von Bismarck
  2. Bernhard von Bülow
  3. Maximilian Prinz von Baden 
  4. Robert Julius Spies 
  5. August Bebel
  6. Heinrich Mann
  7. Thomas Mann 

1. Otto von Bismarck

Biographie (1815 - 1898)

B. verlebte seine Kindheit in Kniephof (Pommern), wohin seine Eltern übergesiedelt waren. 1823 kam er auf die Plamannsche Erziehungsanstalt in Berlin, 1827 auf das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, anschließend auf das Gymnasium zum Grauen Kloster. 1832 bezog er die Universität Göttingen und trat bei der Hannovera ein, die sich damals noch als Landsmannschaft bezeichnete. Das Korpsleben füllte ihn nicht aus, er hatte einen vielseitigen Verkehr und schloß eine lebenslange Freundschaft mit dem späteren amerikanischen Historiker und Diplomaten →John Lothrop Motley, die sich noch in gemeinsamen Berliner Jahren vertiefte. 1834 ging er für drei Semester nach Berlin und trat 1835 als Auskultator am Berliner Stadtgericht, dann beim Kammergericht ein. 1836 wurde er Regierungsreferendar in Aachen und auf seine Bitte im November 1837 in Potsdam. 1839 schied er aus dem Staatsdienst aus, den er noch nicht ernst genommen hatte: er wollte Musik machen, wie er sie für gut erkenne, oder gar keine. B. übernahm die Bewirtschaftung von Kniephof, später von Schönhausen. Seine angeborene Neigung zu einem unabhängigen Herrenleben, sein tiefes Naturempfinden zogen ihn zum Lande hin. Doch vermochte ihm diese Tätigkeit auf die Dauer nicht zu genügen. Sein überschäumender Lebensdrang trug ihm bei seinen Nachbarn den Ruf des „wilden B.“ ein; er trieb ausgedehnte Lektüre historischer und staatswissenschaftlicher Werke; die Beschäftigung mit der Philosophie, schon bei der Vorbereitung zum Staatsexamen begonnen, darf dagegen nicht überschätzt werden. 1842 unternahm B. Reisen nach England, Frankreich und der Schweiz. Der Versuch, 1844 nochmals als Regierungsreferendar in Potsdam tätig zu sein, scheiterte nach kurzer Zeit an seiner Abneigung gegen die bürokratische Routine.

B. wurde aus dem Zustand innerer Unruhe und Vereinsamung durch die entscheidenden Eindrücke befreit, die er seit 1843 von dem Kreis der pommerschen Pietisten, vor allem von den Familien Thadden und Blankenburg empfing. Im Verkehr mit diesen harmonischen, innerlich gefestigten Menschen überwand er seinen pantheistischen Skeptizismus und gelangte zu dem Glauben an einen persönlichen Gott, der seinem Denken und Handeln Richtung und Ziel gab. Aus diesem Kreise wählte er seine Lebensgefährtin, mit der er eine überaus glückliche Ehe geführt hat. Die Liebe zu ihr trug dazu bei, daß sein Glaube an eine persönliche göttliche Führung sich festigte. Bei ihrem streitbaren Temperament war freilich →Johanna wenig geeignet, im versöhnlichen und ausgleichenden Sinn auf ihren Gatten einzuwirken.

Auf dem Weg über die ständische Selbstverwaltung (seit 1846 war er Deichhauptmann) gelangte B. im folgenden Jahr in den Vereinigten Landtag, mit dem der absolutistische Staat dem Ende zuging, den auch er nicht wollte. Er fiel schon damals durch sein exzentrisches Wesen, durch den unerschütterlichen Mut auf, mit dem er die Rechte des Königtums verteidigte. Die Märzrevolution von 1848 überraschte ihn auf dem Lande; er wäre gemeinsam mit seinen Bauern zu einer sofortigen Gegenaktion bereit gewesen und zog sich die dauernde Abneigung der damaligen Prinzessin von Preußen, der späteren Kaiserin →Augusta, dadurch zu, daß er sich offenbar darum bemüht hat, sie für eine Gegenrevolution im Namen ihres Sohnes zu gewinnen. Im Februar 1849 wurde B. in die zweite Kammer des preußischen Landtages gewählt, nachdem er sich schon vorher mit unbestreitbarer journalistischer Begabung an der Pressepolemik, hauptsächlich in der Kreuzzeitung, beteiligt hatte. In der Abgeordnetenkammer - 1850 gehörte er auch dem Erfurter Parlament an - war er bestrebt, bei realistischer Anerkennung der veränderten Lage für die Monarchie und die ständischen Interessen das noch Mögliche zu retten. Obwohl er noch die Anschauungen seiner christlich-konservativen Freunde teilte, wurde doch bald in seinen Reden ein abweichender Ton vernehmbar: weniger Prinzipien als die Interessen des preußischen Staates standen für ihn im Vordergrund. Von der mächtigen Kamarilla, insbesondere von →Leopold von Gerlach unterstützt, erfolgte am 15.5.1851 seine Ernennung zum Gesandten am Bundestag. In Frankfurt hat B. vielleicht seine glücklichsten Jahre verlebt. Erst jetzt konnte er sich mit seiner Familie dauernd vereinigen; er befand sich in seinen besten Mannesjahren, bewegte sich in einer anregenden Gesellschaft und war in eine Verantwortlichkeit hineingestellt, die seiner Befähigung entsprach, ohne daß die Last der Arbeit an ihm zehrte. In Frankfurt ist er durch die diplomatische Schule gegangen, die ihm noch fehlte; er kam mit den großen Fragen der Politik in unmittelbare Berührung und sah seine Hauptaufgabe darin, die volle Gleichberechtigung Preußens mit Österreich durchzusetzen, schon damals davon überzeugt, daß für zwei Großmächte in Deutschland kein Platz sei. Während des Krimkrieges (1854–56) mehrfach von seinen Freunden nach Berlin gerufen, befürwortete er nachdrücklich die Neutralität Preußens, für die sich dann auch die Regierung →Manteuffel schließlich entschied. In diesen Jahren löste er sich allmählich von der konservativen Parteiideologie und bekannte sich zu einer Interessenpolitik (Briefwechsel mit →Leopold von Gerlach).

Der Beginn der „Neuen Ära“, die der Prinz von Preußen als Regent für seinen erkrankten Bruder einleitete, hatte B.s Abberufung von Frankfurt und seine Ernennung zum Gesandten in Petersburg (23.1.1859) zur Folge. Noch galt er irrtümlich als ultra-konservativ und hatte durch zwei Unterredungen mit →Napoleon III. (1854 und 1857) das Mißtrauen des Prinzen erregt. Die Tätigkeit in Petersburg wurde durch eine zweimalige schwere Erkrankung, die hart am Tode vorbeiführte, für längere Zeit unterbrochen. Immerhin gelang es B., die traditionelle Freundschaft zwischen der russischen und preußischen Herrscherfamilie zu festigen; er lernte einen seiner wichtigsten Gegenspieler auf der politischen Bühne, den Fürsten Gortschakoff, richtig einschätzen und schrieb Berichte über die damalige innere Lage Rußlands, die zu dem Besten gehören, was darüber gesagt worden ist. Den französisch-österreichischen Krieg von 1859 verfolgte B. mit angespannter Aufmerksamkeit. In seinen verwegensten Träumen beschäftigte er sich mit der Möglichkeit, unter skrupelloser Ausnützung der österreichischen Bedrängnis die Verhältnisse in Deutschland zugunsten Preußens von Grund aus umzugestalten. Der Verfassungskonflikt in Preußen wegen der Militärreform machte ihm den Weg zur höchsten Verantwortung frei. Die Ernennung zum Gesandten in Paris am 22.5.1862 war schon als eine Übergangslösung gedacht. Ende Juli nahm er Urlaub. In Biarritz traf er mit dem russischen Diplomaten Fürst Orloff und dessen Gattin →Katharina zusammen; B. fühlte sich von der jungen und temperamentvollen Frau stark angezogen; er erlebte unvergeßliche Tage voller Romantik, unmittelbar bevor die Sorge um den Staat seine Kräfte voll in Anspruch nahm. Von dem preußischen Kriegsminister →Albrecht von Roon nach Berlin gerufen, fand er den →König zum Thronverzicht bereit, weil es ihm nicht gelungen war, die ihm am Herzen liegende Heeresreform gegen den Willen des Abgeordnetenhauses durchzusetzen. Da sich alle Minister verbraucht hatten, war B. die letzte Reserve. Der König mußte bei seinem Pflichtgefühl den Versuch wagen, obgleich ihm B.s dynamisches Wesen unheimlich war. In den Unterredungen vom 22. und 23.9. in Babelsberg hat er den König mit taktischem Geschick dahin gebracht, ihn nicht an ein festes Programm zu binden; er stellte sich unter Preisgabe konstitutioneller Sicherheiten wie ein Vasall dem Landesherrn zur Verfügung. Es war ein ungeschriebener Vertrag auf gegenseitige Treue, der Preußen bzw. Deutschland für fast drei Jahrzehnte eine überlegene politische Führung gab; aber in dieser Situation lag etwas Problematisches: alles war auf dieses einmalige Verhältnis zwischen König und Minister abgestellt, für eine freie konstitutionelle Entwicklung war kein Raum. Am 24.9. wurde B. interimistisch, am 8.10. endgültig zum Ministerpräsidenten und gleichzeitig zum Minister des Auswärtigen ernannt.

B.s Politik bis 1866 steht unter dem beherrschenden Gedanken, dem preußischen Staat diejenige Stellung zu gewinnen, die →Friedrich der Große angestrebt, aber noch nicht voll erreicht hatte: den Rang einer Großmacht, die hinter Österreich in keiner Hinsicht zurückstand. Hierzu bedurfte es eines in sich geschlossenen Staatskörpers; der preußische Staat mußte nach B.s Überzeugung über die Kräfte Norddeutschlands frei verfügen können. Der Verfassungskonflikt, dessen Verschärfung er anfänglich nicht wünschte, zwang ihm eine bestimmte Taktik auf. Er führte den kompromißlosen Kampf für die Rechte der Krone, für die Integrität der historischen Institutionen, er durfte daher dem preußischen bzw. dem deutschen Liberalismus auch auf außenpolitischem Felde keine Vorteile einräumen. Hinzu kam noch das Bestreben, die persönliche Macht zu behaupten, die in den ersten Jahren nicht so sehr vom Abgeordnetenhaus wie von einer Gruppe bedroht war, die, aus Mitgliedern der königlichen Familie mit ihrer internationalen Koburger Verwandtschaft, aus Beamten und Diplomaten bestehend, seine Politik mit Entschiedenheit bekämpfte. Die Bedeutung des Militärkonfliktes für die künftige Entwicklung läßt sich kaum überschätzen. Wieviele Fehler auch immer von der liberalen Opposition gemacht worden sind, wie sehr das Parlament seine Ansprüche übersteigerte, und betont werden muß, daß die Reform der preußischen Armee aus sachlichen Gründen notwendig war; hier stieß der autoritäre Militär- und Beamtenstaat mit den konstitutionellen Anschauungen einer neuen Zeit in erschreckender Deutlichkeit zusammen; das Mißtrauen der Fortschrittspartei, daß die Errungenschaften der Märzrevolution rückgängig gemacht werden sollten, war bei den in der Umgebung des Königs herrschenden Tendenzen durchaus nicht unbegründet. Der Ausgang war nur scheinbar ein Kompromiß, in Wahrheit eine Niederlage der zur Mitverantwortung drängenden bürgerlichen Kräfte, die nicht wieder gutgemacht werden konnte. Es gelang B., der Staatskrise durch seine außenpolitischen Erfolge die Spitze abzubrechen. Ein dämonischer Grundzug in B.s Handeln vor der Reichsgründung ist nicht zu übersehen. Es war eine revolutionäre Politik, die gelegentlich die Grenze überschritt, die dem Staatsmann in einer konservativen Monarchie gesetzt ist. Das wachsende Mißtrauen der auf dem Boden der christlichen Rechtsordnung stehenden Parteifreunde war nicht unberechtigt. Den Zeitgenossen erschien B.s Außenpolitik zunächst wie ein frivoles Spiel. Aber trotz des Risikos, das sie in sich schloß, war sie keinen Augenblick abenteuerlich, die Aussichten wurden von B. sorgfältig abgewogen, er war stets bereit, vor allzu starken Widerständen einen Schritt zurückzugehen. Er wußte, daß er angesichts der vielfachen europäischen Spannungen verhältnismäßig viel wagen konnte, daß er sich zur Durchsetzung preußischer Ziele auf die Krone, die Zuverlässigkeit der Armee und des Beamtentums, auch auf die Treue des flachen Landes zu verlassen vermochte. Bei dem ungestümen Tempo, in dem sich die Ereignisse vollzogen, konnte die Besorgnis des Auslandes gegen Preußen, das man ohnehin durch seinen inneren Konflikt als geschwächt ansah, nicht so rasch ansteigen, um automatisch eine allgemeine Intervention auszulösen.

Die so genannte Konvention Alvensleben vom 8.2.1863, in der B. Rußland unter bestimmten Umständen aktive Unterstützung bei der Niederwerfung des polnischen Aufstandes zusagte, verursachte allerdings erhebliche Beunruhigung in den westeuropäischen Hauptstädten; aber B. lavierte so geschickt, daß sich keine gefährlichen Konsequenzen ergaben, vielmehr ein preußisch-russisches Einverständnis begründet wurde, das sich in der kommenden Zeit noch als sehr nutzbringend erwies. Bei der Lösung der schleswig-holsteinischen Frage (1863–65) bewies B. vielleicht die größte diplomatische Meisterschaft seiner Regierungszeit. Er mußte im wahrsten Sinne des Wortes allein gegen den Strom schwimmen. Nicht nur liberalen, sondern auch konservativen Kreisen mußte es unbegreiflich erscheinen, daß er nicht die einzigartige Gelegenheit ergriff, Preußen an die Spitze der nationalen Bewegung zu stellen, um das tief gesunkene Ansehen dieses Staates wieder zu heben. Unberührt von den komplizierten Rechtsverhältnissen hat er von Anfang an die Angliederung der Herzogtümer an Preußen für das erwünschte Ziel gehalten, dieses aber nur von Etappe zu Etappe durchzusetzen versucht. Er mußte darauf bedacht sein, Preußen nicht wieder in die gefährliche internationale Isolierung hineinzumanövrieren, die 1848-50 bestanden hatte; er wünschte gleichzeitig zu verhindern, daß der deutsche Liberalismus und die deutschen Mittelstaaten einen außenpolitischen Gewinn zu verbuchen hatten. So hielt er zunächst am Londoner Protokoll von 1852 fest, in welchem die Großmächte zwar die Integrität des dänischen Staates garantiert, diesem aber auch gleichzeitig Verpflichtungen den Herzogtümern gegenüber auferlegt hatten. Nur so gelang es ihm, Österreich zum Mitgehen zu bewegen, so daß ihm dieses nicht in den Rücken fallen konnte; nur so war es möglich, den Deutschen Bund bzw. die deutschen Mittelstaaten lahmzulegen. Nachdem am 18.4.1864 preußische Truppen die Düppeler Schanzen erstürmt hatten, ging auf der Londoner Konferenz (Eröffnung 25.4.) B.s Rechnung auf; der dänische Nationalismus trieb ihm Wasser auf die Mühle, B. hatte wenigstens einen Vorwand, das Londoner Protokoll als erledigt zu betrachten, England unter →Palmerston erlitt eine schwere diplomatische Niederlage. Die Feindseligkeiten wurden wieder aufgenommen, der →Augustenburger Herzog schied als Thronkandidat aus, der Wiener Friedensschluß vom 1.8.1864 stellte die Herzogtümer Schleswig und Holstein unter die gemeinsame Verwaltung Preußens und Österreichs. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Besatzungsmächten konnten nur vorläufig im Vertrag von Gastein (14.8.1865) überbrückt werden.

Gleichzeitig drängte die deutsche Frage gebieterisch zu einer Lösung. B. steuerte nicht von vornherein planmäßig auf die bewaffnete Auseinandersetzung hin. Verhandlungen über einen friedlichen Dualismus waren ernst gemeint, ein Zusammengehen zwischen den konservativen deutschen Vormächten mußte ihm zu diesem Punkt erwünscht sein. Jedoch läßt sich die Frage aufwerfen, ob bei dem historisch gegebenen Antagonismus, bei der extremen Verfechtung des preußischen Machtegoismus ein anderer Ausgang wahrscheinlich war. Auf beiden Seiten wären zur endgültigen Befriedung große Zugeständnisse notwendig gewesen. Es standen sich ja nicht nur zwei Großmächte gegenüber; die beiden Wege, die die deutsche Geschichte in der Neuzeit eingeschlagen hatte, die übernationale und die nationale Konzeption, der|mitteleuropäische und der staatliche Gedanke durchkreuzten sich. Auch in der deutschen Angelegenheit hat B. von Anfang an ausschließlich das preußische Interesse vertreten, alle Bundesreformpläne, die von Österreich oder von den Mittelstaaten ausgingen, zu Fall gebracht; mit dem Abschied drohend verhinderte er es, daß König →Wilhelm dem Fürstentag in Frankfurt im August 1863 beiwohnte, so daß dieser zum Scheitern verurteilt war. Am 9.4.1866 legte B. am Bundestag ein Reformprogramm vor, das den liberalen und demokratischen Forderungen der Zeit weit entgegenkam: die künftige Volksvertretung sollte aus dem gleichen und allgemeinen Wahlrecht hervorgehen, eine Forderung, der Österreich als Nationalitätenstaat nicht zustimmen konnte. Am 14.6.1866 wurde der Bundeskrieg gegen Preußen erklärt. Die internationale Lage war soweit geklärt, daß von Rußland nichts zu befürchten war, Frankreich durch vage Versprechungen hingehalten wurde (Biarritzer Unterredungen mit →Napoleon III., Oktober 1865) und im April 1866 das Bündnis mit Italien zustande gekommen war. Bereits die Schlacht bei Königgrätz (3.7.) brachte die Entscheidung, die meisten deutschen Staaten waren trotz der Abneigung gegen Preußen nur zögernd in den Kampf gegangen. Bei den Friedensschlüssen mußte B. starke Widerstände überwinden. Der von Paris sofort einsetzende Druck und die Rücksicht auf die künftige Gestaltung der Beziehungen zu Österreich und Süddeutschland veranlaßten ihn, die vom König und den Militärs ausgehenden Annexionsforderungen abzulehnen. Nur diejenigen Staaten und Gebiete, die in der preußischen Interessensphäre lagen, wurden angegliedert: Hannover, Hessen-Kassel, Nassau, Schleswig-Holstein und Frankfurt. Hierbei zeigten sich allerdings gefährliche Konsequenzen der revolutionären Außenpolitik B.s. Die Beseitigung der alten Welfendynastie war vom monarchischen Standpunkt aus kaum tragbar, der russische Zar empfand das Bedenkliche dieses Schrittes lebhaft. Österreich schied ohne Gebietsverluste aus dem Bund aus, auch Sachsen und die süddeutschen Staaten wurden bewußt geschont. Mit den Friedensschlüssen war gewissermaßen der Höhepunkt, aber auch gleichzeitig der Abschluß der preußischen Geschichte erreicht. Der Weg Preußens hatte zur Vorherrschaft in Norddeutschland hingeführt. Die gesamtdeutsche Einigung ließ dagegen verschiedene Möglichkeiten offen. Hier erst begann die eigentliche Problematik.

Ob die Voraussetzungen, unter denen B. das Reich begründete, den dauernden Interessen Deutschlands und Europas entsprachen, ist daher heute mehr als je umstritten. Es wird die Frage gestellt, ob er den eigentlichen Auftrag der Geschichte begriffen habe. Der Raum, der dem deutschen Volk zum Leben zugeteilt war, schloß die Möglichkeit aus, alle Deutschen in einen Nationalstaat zu vereinigen; der übernationale Charakter des alten Reiches und auch des Deutschen Bundes war kein Zufall, eine föderalistische mitteleuropäische Lösung wäre den komplizierten Verhältnissen im Osten besser angepaßt gewesen. Es wird jedoch zu sagen sein, daß die Tendenzen der Zeit politisch, wirtschaftlich und ideologisch nach einer Konzentration der Kräfte hindeuteten, der nationalstaatliche Gedanke hatte in sich eine Selbstverständlichkeit und Folgerichtigkeit, der den mitteleuropäischen und großdeutschen Bestrebungen abging. Auch ein föderalistisches Gebilde konnte angesichts der liberalen und nationalen Zeitströmung, der industriellen und bevölkerungspolitischen Dynamik unter Umständen eine Kraft entwickeln, die von Deutschlands Nachbarn als eine noch größere Bedrohung emplunden worden wäre. Es war doch wohl so, wie es ein französischer Historiker formuliert hat, daß das kleindeutsche Reich noch gerade für das übrige Europa tragbar war. Eine andere Frage ist es freilich, ob nicht die durch B. angestrebte Überhöhung der preußischen Großmachtstellung bereits ein Anachronismus war und ob sich nicht bei elastischeren Methoden in irgend einer Form der Gedanke Gagerns vom engeren und weiteren Bund hätte entwickeln lassen.

Die Verfassung des Norddeutschen Bundes, an deren Vorbereitung B. starken persönlichen Anteil nahm, führte das allgemeine und gleiche Wahlrecht in einem Bund beschränkt souveräner Staaten ein, war aber deswegen zentralistischer als die Reichsverfassung von 1871, weil die norddeutschen Staaten, die ihm angehörten, keine Möglichkeit hatten, sich gegen das preußische Übergewicht durch Sonderrechte zu schützen. B., seit 14.7.1867 Bundeskanzler, hat den Prozeß der Weiterentwicklung der deutschen Einheit nicht künstlich beschleunigt; die vorwiegend preußischen Interessen waren zunächst befriedigt, Rücksichten auf das Ausland mahnten zur Vorsicht, Süddeutschland sollte Zeit gelassen werden, sich an die vollendeten Tatsachen zu gewöhnen. Aber durch die Aussöhnung mit einem großen Teil der Liberalen (Indemnitätsvorlage, 3.9.1866) sicherte er sich die Unterstützung der zur Einheit drängenden Kräfte. Das deutsch-französische Verhältnis trat in diesen Jahren in sein entscheidendes Stadium. Die preußischen Erfolge hatten das französische Sicherheitsbedürfnis sehr gesteigert. Eine|grundsätzliche Bereinigung der herrschenden Spannungen konnte nur auf dem Weg über große Konzessionen an Frankreich erreicht werden. Eine Zeitlang schien es so, als ob →Napoleon III. und seine Regierung die Verständigung einem für die Dynastie gefährlichen Kriege vorzögen. Auch der Botschafter des Norddeutschen Bundes Graf →Robert von der Goltz trat für den Ausgleich auf das entschiedenste ein. Es läßt sich schwer entscheiden, ob B. jemals ernstlich eine solche Lösung erwogen hat. Kompensierungen durch Belgien und Luxemburg standen zur Debatte. Das Endergebnis war schließlich, daß Frankreich nichts erhielt (Luxemburg-Krise, April 1867).

Spätestens seit 1868 hat B. eine bewaffnete Auseinandersetzung für unvermeidlich gehalten und im Geheimen die Kandidatur eines Hohenzollernprinzen für den spanischen Thron betrieben, die zwar kaum vorsätzlich den Krieg herbeiführen sollte, aber doch auf eine weitere Einengung der französischen Bewegungsfreiheit hinauslief. Die Entwicklung war eine andere als sich B. gedacht hatte. Das vorzeitige Bekanntwerden der Kandidatur, die Abneigung Wilhelms I., es über eine Familienangelegenheit zum Kriege kommen zu lassen, ließen einen diplomatischen Mißerfolg voraussehen. Erst durch weitergehende Forderungen der französischen Regierung kam B. in die Lage, zur Offensive überzugehen und durch die Redigierung der „Emser Depesche“, die nicht als eine Fälschung bezeichnet werden kann, →Napoleon III. unter dem Druck der öffentlichen Meinung zu zwingen, Preußen und damit Deutschland den Krieg zu erklären. B. beherrschte die ständige Sorge vor der Einmischung des Auslandes, als der Krieg gegen die französische Republik sich in die Länge zog. Am 10.5.1871 kam nach dramatischen Verhandlungen der Frankfurter Friede zustande, in dem Frankreich eine Kriegsentschädigung zahlen und auf Elsaß-Lothringen verzichten mußte. Es mag fraglich erscheinen, ob eine solche Forderung ohne die Zustimmung der Bevölkerung zweckmäßig war. Für B. bestimmend war die militärische Sicherheit, die, wie sich bald zeigen sollte, durch Bevölkerungszuwachs weit besser als durch Festungen garantiert wurde; vor allem hat sich der Besitz von Französisch Lothringen als Belastung erwiesen. Jedenfalls wurde ein hoher Preis für den Friedensschluß gezahlt. Niemals wieder sollte die deutsche Politik die volle Handlungsfreiheit zurückgewinnen, die noch Preußen besessen hatte; mit Frankreichs Zugehörigkeit zu einer feindlichen Gruppierung mußte fortan trotz vorübergehender scheinbarer Entspannungen als mit einer feststehenden Tatsache gerechnet werden.

Das Reich, das nach schwierigen Verhandlungen mit Süddeutschland, vor allem mit König →Ludwig II. von Bayern, dem wie Württemberg erhebliche Sonderrechte eingeräumt wurden, durch die Kaiserproklamation vom 18.1.1871 ins Leben trat, verzichtete von Anfang an bewußt auf universale Überlieferungen; die tausendjährige Gemeinschaft mit großen Teilen Österreichs war zerrissen. Als Hauptziel seiner Politik hat B. fortan die Behauptung und Sicherung des Gewonnenen angesehen. Mit Alterserscheinungen hatte das nichts zu tun. Diese Friedenspolitik beruhte vielmehr auf der Erkenntnis des Staatsmannes, daß die äußere wie die innere Situation des Reiches große Vorsicht gebot. Er hatte mit dem tiefen Mißtrauen des Auslandes zu rechnen, das in der Entstehung eines starken Nationalstaates in der Mitte Europas eine Störung des Gleichgewichts erblickte. Mit der Bildung von Koalitionen gegen Deutschland mußte fortan gerechnet werden. Auch aus innenpolitischen Gründen hielt B. eine möglichst lange Dauer des Friedens für unerläßlich. Das deutsche Nationalbewußtsein schien ihm angesichts der partikularistischen und zentrifugalen Strömungen noch nicht genug gesichert zu sein, um einen großen Krieg wagen zu können. Er war auch überzeugt, daß das Reich auch aus einem siegreichen Kampf keinen wirklichen Gewinn davontragen werde, daß es vielmehr nur die Zahl seiner Feinde vermehren und durch die notwendig werdende Übernahme fremdvölkischer Elemente sich selbst schwächen werde. Auch ahnte er den revolutionären Charakter jedes künftigen Krieges voraus. Seine Friedenspolitik war somit grundsätzlicher Natur, sie war keineswegs nur als taktischer Aufstieg gemeint, wenn B. die Möglichkeit eines Konfliktes auch im Auge behielt und sich diplomatisch und militärisch darauf vorbereitete. Der Gedanke eines Präventivkrieges lag ihm fern, da man der Vorsehung nicht in die Karten sehen könne. Nach dem Kissinger Diktat vom 15.7.1877 schwebte ihm eine Gesamtsituation vor, „in welcher alle Mächte außer Frankreich unserer bedürfen und vor Koalitionen gegen uns durch ihre Beziehungen zueinander nach Möglichkeit abgehalten werden“; in den „Gedanken und Erinnerungen“ empfahl er eine Politik, nach der die anderen Staaten allmählich davon überzeugt werden sollten, daß die deutsche Hegemonie erträglicher sein werde, als etwa eine russische oder französische. B. legte daher bewußt dem jungen Reich das Gesetz der Selbstbeschränkung auf, erklärte es für territorial|saturiert, bekämpfte alle irredentistischen Bestrebungen der außerhalb des Staatsverbandes wohnenden deutschen Volksgruppen, vermied jede bloße Prestigepolitik und war bemüht, fremde Interessen so weit wie möglich zu achten. Er hatte kein starres System, er richtete sich nach den Verhältnissen. Auch wer der Meinung ist, daß der Staatsmann sich nicht über Recht und Sittlichkeit erheben darf, wird kaum finden können, daß B., wenigstens in der späteren Epoche, etwas anderes angestrebt hat als die Selbstbehauptung seines Staates, und wird zugeben müssen, daß die Ziele, die er verfolgte, dem Frieden Europas dienten.

Der negative Pol seiner Politik war die Isolierung Frankreichs, die er aber, als es sich im „Krieg in Sicht“-Jahr 1875 zeigte, daß die anderen Mächte keine weitere Schwächung Frankreichs dulden wollten, nur mit politischen Mitteln zu erreichen suchte. In kolonialen Fragen leitete er sogar in den achtziger Jahren unter Ausnützung der englisch-französischen Spannungen ein Zusammengehen ein, ohne daß er sich Illusionen über eine endgültige Befriedung hingab. Ein gutes Verhältnis zu Österreich und Rußland lag ihm in erster Linie am Herzen; es fehlte dabei nicht die Erkenntnis, daß die großen Monarchien ein Bollwerk gegen Umsturzgefahren darstellten. Vor allem war es ihm wichtig, das glimmende Feuer auf dem Balkan unter Kontrolle zu halten (Dreikaiserbündnis 1872). Die orientalische Krise (seit 1876) stellte allerdings die deutsch-russischen Beziehungen auf eine schwere Belastungsprobe; der Berliner Kongreß von 1878, auf dem B. als „ehrlicher Makler“ im Interesse des Friedens zwischen England und Rußland vermittelte, trug ihm keinen Dank ein. Das Bündnis mit Österreich, eine Antwort auf den bedenklichen russischen Stimmungsumschwung, war keine einseitige Option für Österreich, wohl aber die Anerkennung der natürlichen mitteleuropäischen Schicksalsgemeinschaft (1879). Das traditionelle Einvernehmen mit Rußland ließ sich jedoch nicht wieder herstellen. Als eine Erneuerung des Dreikaiserabkommens von 1884 nicht mehr möglich war, schloß B. 1887 mit Rußland den Rückversicherungsvertrag, der kaum die Annäherung des Landes an Frankreich auf die Dauer verhindert hätte, der aber notwendig war, um dem Reich die Abhängigkeit von Österreich zu ersparen und das gespannte österreichisch-russische Verhältnis zu überwachen. Die Kündigung dieses Vertrages im Jahre 1890, kurz nach B.s Abgang, erfolgte ohne zwingende Not und leitete die verhängnisvolle Isolierung nach allen Seiten ein.

Auch auf freundschaftliche Beziehungen zu England war B. stets bedacht, obgleich er für Geist und Wesen der britischen Politik nie ein rechtes Verständnis aufzubringen vermochte. Die Kolonialpolitik, die er nur ungern einleitete (Erwerbungen 1884/85), wurde von ihm unter dem Gesichtspunkt geführt, daraus keine dauernde Belastung für das deutsch-englische Verhältnis entstehen zu lassen. Die Annäherungsversuche an England 1879 und vornehmlich 1889 waren von der Überzeugung getragen, daß das Reich und Großbritannien in erster Linie an der Erhaltung des Friedens interessiert seien; gleichzeitig wollte er wohl damit den Wert der deutschen Freundschaft in den russischen Augen erhöhen. Wie weit B. damit eine grundsätzliche Neuorientierung anbahnte, läßt sich nicht eindeutig feststellen. Weitere Sicherungen wurden ständig eingebaut; 1882 Erweiterung des Zweibundes zum Dreibund mit Italien; 1883 deutsch-österreichisch-rumänischer Vertrag; 1887 Balkandreibund zwischen Österreich, Italien und England mit späterem Anschluß Spaniens; im gleichen Jahr Orient-Dreibund Österreich, Italien und England. Diese Abkommen hatten den ausschließlichen Zweck, durch die Schaffung von Querverbindungen nach Möglichkeit Konflikte auf dem Balkan und am Mittelmeer vorläufig, wenn nicht dauernd zu verhindern. Die Bedenklichkeit des aufsteigenden Nationalismus in allen Ländern hat B. rechtzeitig erkannt. Als er 1890 aus dem Amt schied, hatte das Reich seine Gefahrenzone noch nicht durchschritten; auch wären die auf die Erhaltung des europäischen Gleichgewichts berechneten Methoden B.s im Zeitalter der weltstaatlichen Entwicklung allein nicht mehr ausreichend gewesen. Jedoch hat der Kanzler die Gesamtlage stets überschaut und keine Möglichkeiten für die Zukunft verschüttet. Es war eine im besten Sinne europäische Politik. Er hatte sich in der internationalen Welt ein großes Kapital an Vertrauen erworben, bei seinem Abgang wurde ihm dies in überraschender Einmütigkeit bescheinigt. Grundsätzliche Bedenken lassen sich gegen seine innere Politik geltend machen. Es war doch nicht so, daß diese sich zwangsläufig von der Staatsraison her ergab, aus der gefährlichen Mittellage des Reiches, so daß die Notwendigkeit zur Zusammenfassung aller Kräfte B.s Abneigung gegen durchgreifende Reformen erklärt. Gerade die neuen Aufgaben, in die Deutschland hineinwuchs, verlangten, daß der auf kleinere und engere Verhältnisse berechnete Zuschnitt des innenpolitischen Lebens, vor allem in Preußen, sich der veränderten Welt anpaßte. Weil es|in Deutschland noch vielfach an Staatsgesinnung fehlte, mußte das Gefühl für Mitverantwortung gestärkt werden. In der Innenpolitik traten die Begrenzungen der B.schen Natur deutlicher in Erscheinung als in der Außenpolitik. Sein Machtwille ließ ihn gegen wirkliche und vermeintliche Gegner mit fragwürdigen Mitteln vorgehen. Bei der Behandlung seiner Mitbürger und der politischen Parteien hatte er keine glückliche Hand, da er für ihre Handlungen nur trübe Motive voraussetzte; für Prinzipien- und Überzeugungstreue besaß er kein Organ. In den Anschauungen der patriarchalischen Gutsherrschaft aufgewachsen, waren ihm die anders gearteten Lebensbedingungen in den großen Städten des Westens mit ihrer aufsteigenden Industriearbeiterschaft nicht recht vertraut.

Die Reichsverfassung (B. seit März 1871 Reichskanzler) unterschied sich von derjenigen des Norddeutschen Bundes hauptsächlich durch die Sonderrechte, die Bayern und Württemberg gewährt worden waren. Von einer völligen Gleichberechtigung der Bundesstaaten konnte bei dem Übergewicht Preußens nicht die Rede sein, obwohl B. großes Verständnis für die geschichtlich bedingte Verschiedenheit der Länder besaß. Mit feinem Takt hat er stets vermieden, im Bundesrat die preußische Hegemonie fühlbar werden zu lassen. Das allgemeine gleiche Wahlrecht war ein kühnes Experiment für die damalige Zeit, als Gegengewicht gegen den fürstlichen Partikularismus gedacht. Überdies war B. vom konservativen Grundcharakter der Landbevölkerung überzeugt; die Umwälzung, die sich im Zeitalter der Technik vollzog, stellte er nicht genügend in Rechnung. Die Verfassung war auf die überragende Stellung des Reichskanzlers zugeschnitten, in Personalunion mit dem preußischen Ministerpräsidenten verbunden. Im parlamentarischen Sinne war der Kanzler dem Reichstag nicht verantwortlich, für dessen positive Mitarbeit blieb nicht genügend Raum. Im ersten Jahrzehnt stützte sich B. auf die nationalliberale Partei. Seit 1878 erfolgte indes der große innen- und außenpolitische Umschwung. B. ging zum Schutzzoll über und zog wieder stärker die konservativen Kräfte heran, die bis dahin in grollender Opposition gestanden hatten. Die nationalliberale Partei spaltete sich; unbedenklich trug B. durch seine Taktik dazu bei, das liberale Gedankengut zu diskreditieren. Nach dem Ausscheiden Rudolfs von Delbrück übernahm B. von 1880-90 selbst das preußische Handelsministerium. Seine Leistungen auf diesem Gebiete waren bedeutend, seine persönlichen Erfahrungen als Leiter eines landwirtschaftlichen Großbetriebes kamen ihm dabei sehr zustatten. In der preußischen Verwaltung kam es zu Reformen (Kreisordnung 1871, Provinzialordnung 1875), eine Angleichung an die allgemeinen deutschen Verhältnisse erfolgte nicht, viele ungelöste Probleme blieben der Zukunft aufgespart.

Sobald es B. mit ihm unbekannten Tiefenkräften zu tun hatte, versagten seine Methoden. Die ihm gesetzten Grenzen zeigten sich vor allem im so genannten Kulturkampf (1873–87). B. hat diese Auseinandersetzung nicht mutwillig heraufbeschworen. Das Bedürfnis nach einer Abgrenzung zwischen der staatlichen und kirchlichen Sphäre entsprach dem Zeitgeist. Der Liberalismus hatte den Kampf ideologisch bereits längst begonnen. Den Staatsmann konnte die schwierige Situation in den Grenzgebieten mit Sorge erfüllen. Von konfessionellem Fanatismus war B. durchaus frei; das Staatsinteresse war für ihn allein bestimmend. Die Wege, die er mit der Maigesetzgebung von 1873 einschlug, für die er später nicht mehr verantwortlich zu sein wünschte, zeigten jedoch, daß er sich in Unkenntnis über das innerste Wesen der katholischen Kirche befand, wie er auch ebenso wenig die Eigengesetzlichkeit der evangelischen Kirche zu würdigen wußte, von der er in diesem Konflikt bedingungslose Unterstützung erwartete. Der große Realist brach dann allerdings sofort den Kampf ab, als er die Ausweglosigkeit einsah. Nach dem Tode →Pius' IX., der 1878 durch den friedlich gesinnten →Papst Leo XIII. abgelöst wurde, leitete er die Aussöhnung ein mit dem Ergebnis, daß bis 1887 so gut wie die ganze Kampfgesetzgebung abgebaut wurde. Es war keine Niederlage des Staates, die Grenzen waren genauer abgesteckt worden. Der angerichtete Schaden für den konfessionellen Frieden ließ sich aber sobald nicht wieder gutmachen.

Ebensowenig vermochte B. die soziale Bewegung in die von ihm gewünschte Richtung zu lenken. Das Sozialistengesetz vom 19.10.1879, die Antwort auf zwei Attentate gegen den alten Kaiser, traf die sozialdemokratische Partei zwar schwer, konnte aber ihren kämpferischen Geist nicht brechen. Die seit 1881 eingeleitete Sozialgesetzgebung (Krankenversicherungsgesetz 1883, Unfallversicherung 1884), aus christlichem Verantwortungsgefühl und aus dem Erbe des aufgeklärten Absolutismus erwachsen, war in vieler Hinsicht vorbildlich. Das tiefer liegende Problem, die Einordnung des vierten Standes in den Staat, war damals bei dessen herrschaftlicher Struktur kaum zu lösen. Jedenfalls trat der von B. zunächst erhoffte staatspolitische Nutzen nicht ein, so daß er nicht geneigt war, den Arbeiterschutz noch weiter zu treiben. Hierüber ist es zum Konflikt mit Wilhelm II. und dessen Beratern gekommen. Im großen und ganzen hatte er sich am Ende seiner Regierung innenpolitisch ziemlich festgefahren. Es war ihm nicht geglückt, sich eine tragfähige Parlamentsmehrheit zu sichern, so daß er sich mit dem Gedanken eines legalen Staatsstreiches trug, der das Schwergewicht der Gesetzgebungsarbeit in die Landtage verlegt hätte. Der Aufbau einer berufsständischen Vertretung war in den Anfängen stecken geblieben.

B. hatte die Monarchie so sehr gestärkt, daß der junge Kaiser →Wilhelm II., nach der Tragödie →Friedrichs III. im Juni 1888 unerwartet auf den Thron berufen, nicht mehr willens war, den ihm unbequem gewordenen Minister weiter zu dulden. So mannigfach auch die Gründe waren, die B.s Sturz herbeiführten, die tiefere Ursache lag in einem persönlichen Machtkampf (Entlassung 20.3.1890). Er verlebte seine letzten Jahre in Friedrichsruh in persönlicher Verbitterung gegen den Kaiser (den ihm verliehenen Titel eines Herzogs von Lauenburg hat er nie geführt), in Sorge um den Bestand seines Werkes. Die Kritik am neuen Kurs brachte er in Reden, Gesprächen, vornehmlich aber durch die von ihm inspirierten Artikel in den „Hamburger Nachrichten“ nicht immer mit der notwendigen Zurückhaltung zum Ausdruck. 1894 kam es wenigstens äußerlich in Berlin zwischen dem Kaiser und B. zu einer Aussöhnung.

Es wird schwerlich je gelingen, eine so vielschichtige Persönlichkeit wie B. eindeutig zu erfassen. Vor einer künstlichen Harmonisierung der großen Gegensätze sollte man sich tunlichst hüten. Nichts jedoch ist falscher, als in ihm nur den skrupellosen Machtpolitiker zu sehen, den Mann von „Blut und Eisen“. Der Breite und Tiefe seines Menschentums wird eine so einseitige Beurteilung nicht gerecht. Seine „Briefe an Braut und Gattin“ gehören mit ihrer bildlichen Ausdrucksfähigkeit differenzierter Seelenvorgänge zu den schönsten Selbstzeugnissen, die wir besitzen. Freilich werden auch das dämonische Element, der Machtwille, der Zynismus und die sich immer mehr steigernde Menschenverachtung nicht zu übersehen sein. B. war historisch gründlich gebildet, ein Sprachkünstler von hohem Rang, als Redner und im Gespräch von sprühendem Geist und souveränem Humor; doch war für seine Entwicklung Deutschlands große literarische und philosophische Epoche, die noch in seine Jugend hineinreichte, von keinem bestimmenden Einfluß gewesen. Wenn seine Persönlichkeit trotz aller in seinem Wesen liegenden Widersprüche den Eindruck einer schöpferischen Einheit vermittelt, liegt es nahe, die ausgleichende Mitte in seiner Religion zu suchen. An der Aufrichtigkeit seines Glaubens ist nicht zu zweifeln, wenn dieser auch in den verschiedenen Lebensabschnitten manche Abwandlung erfahren hat. Für sein Selbstbewußtsein, sein Verantwortungsgefühl vor einer höheren Instanz, für sein kämpferisches Ethos war die Religion Voraussetzung und Rechtfertigung; für das volle Begreifen der christlichen Ethik, für Selbstüberwindung, Nächstenliebe und die Anerkennung objektiver Rechtsnormen war allerdings sein subjektiver Wille zu übermächtig. B. lebte jedoch ganz in der abendländischen Überlieferung; als Mitglied der preußischen Großgrundbesitzerschicht blieb er an ihre ideellen und materiellen Interessen gebunden. Seine Liebe zur Landwirtschaft und vor allem zum Walde lehrte ihn die Bedeutung des organischen Wachstums erkennen. Bei seinem angeborenen Herrengefühl wußte er zu viel von der Unbeständigkeit und Eitelkeit aller Dinge, um sich auch auf der Höhe seiner Macht zu Maßlosigkeit und gar Hybris verleiten zu lassen. Nimmt man hinzu, daß der preußische Staatsgedanke ihn in Zucht hielt und er noch überwiegend zur Diplomatie älteren Stiles gehörte, die ungeschriebenen Spielregeln beachtete und gegen alles Irrationale, Unberechenbare in der Politik ein instinktives Mißtrauen hatte, so erklärt sich jene erstaunliche Selbstbeschränkung, deren B. fähig war und die den Staatsmann vom Abenteurer unterscheidet. Obwohl in mancher Hinsicht zeitgebunden, in späteren Jahren sogar rückwärts gewandt, enthielt doch seine Staatskunst allgemein gültige Maximen, die er in großartiger Verdichtung in seinem Vermächtnis an die Nachwelt, in den „Gedanken und Erinnerungen“, niedergelegt hat.

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2. Bernhard von Bülow

B. studierte in Berlin, Göttingen und Kiel. Er trat in dänischen Staatsdienst, war Legationsrat (1842) und Geschäftsträger in den Hansestädten (1847) und 1850 Bundestagsgesandter für Holstein und Lauenburg. 1862 wurde er Staatsminister in Mecklenburg-Strelitz, 1867 Bundesratsbevollmächtigter für beide Mecklenburg, 1873 Staatssekretär des Auswärtigen Amts und 1876 preußischer Staatsminister ohne Geschäftsbereich. Dreimal während seines Berufslebens „Kollege“ →Bismarcks - am Bundestage, im Bundesrat und im Preußischen Staatsministerium -, hat B. ihm auch innerlich nahe gestanden. Als Staatssekretär des Auswärtigen Amts verwirklichte er die Arbeitsgemeinschaft mit dem Kanzler wie sonst nur noch der Sohn Graf Herbert; als er vorzeitig starb, war man wegen der Nachfolge lange in Verlegenheit. Sachlich handelt es sich um die schicksalsvollen Jahre, da es galt, die Stellung der neuen Großmacht im europäischen Konzert zu festigen, vom kürzlich abgeschlossenen Dreikaiserbündnis über die „Kriegsgefahr“ von 1875 und den Berliner Kongreß bis zur Option zwischen Rußland und Österreich-Ungarn. Auf dieser diplomatischen Wegstrecke begegnen wir B. als Stellvertreter des Kanzlers in einer selbständigeren Tätigkeit als dieser sie sonst seinen Mitarbeitern vergönnt hat; besonders während des großen Urlaubs des „Chefs“ 1877 trat B. auch im Immediatverkehr mit Wilhelm I. hervor. 1878 war er zweiter Vertreter des Reichs auf dem Kongreß; das Gemälde A. von Werners zeigt ihn in einer vielleicht zu selbstgefälligen Haltung, jedoch ganz in der ihm eigenen Würde. In dem schweren Ringen um die Ratifikation des Zweibundvortrages durch den aufs äußerste widerstrebenden Monarchen hat auch B. im Sinne →Bismarcks trotz innerer Zweifel einen Beitrag geleistet. Seine Wirksamkeit reichte jedoch weit über das Ressortmäßige hinaus. →Bismarcks Vertrauen beschäftigte und belastete ihn mit einer Fülle von Aufgaben auch der inneren Politik. B.s vermittelnde und ausgleichende Art in Verbindung mit seinem konservativen, streng höfischen Wesen machte ihn geeignet zum Gesandten des Kanzlers bei Wilhelm I., um dessen „Ideen“ zu erkunden und ihm Bismarcksche Ansichten beizubringen. Mehr diplomatischer Techniker als Staatsmann im höheren Sinne, war er doch von großer Einsicht und Klarheit. Keine Kämpfernatur, allem Extremen abgeneigt und, wie der ihn schätzende J. M. von Radowitz bemerkt, nie mit unabänderlichen Überzeugungen beschwert, vielmehr wandlungs- und anpassungsfähig, schritt der durch seine Heirat mit der Hamburger Patriziertochter sehr wohlhabend Gewordene - eine wohlequilibrierte Seele (Bismarck) - in ruhiger Stetigkeit die goldene Mittelstraße. Die Kaiserin Augusta achtete sein politisches und persönliches Treueverhältnis zu →Bismarck, für sie gehörte aber B. mit seiner feinen Art sich zu geben, seiner Kultur, im Grunde auch|seiner Weltanschauung in „ihre“, die Goethezeit. Das Verhältnis zu den Untergebenen war weniger harmonisch. Der Staatssekretär drängte die Vortragenden Räte von der Spitze ab, indem er alle Vortragssachen an sich nahm; besonders eine Persönlichkeit wie L. Bucher hat das schmerzlich empfunden.

3. Maximilian Prinz von Baden

Nach humanistischer Ausbildung wurde M. preuß. Offizier; 1911 nahm er als Generalmajor seinen Abschied. Nach dem Tode des Ghzg. Friedrich von Baden (1907) wurde er designierter Nachfolger seines kinderlosen Vetters Friedrich II. und Präsident der Ersten Bad. Kammer. M. entwickelte lebhaftes Interesse an geistigen wie künstlerischen Strömungen seiner Zeit. Zu dem religiösen Schriftsteller und Erzieher →Johannes Müller, der später auf Schloß Elmau wirkte, trat er in freundschaftliche Beziehung. Nach dem Kriegsausbruch 1914 gehörte M. als Vertreter des Großherzogs dem Stab des Generalkommandos des XIV. Armeekorps an, dem die bad. Truppen unterstanden (zuletzt General d. Kav. à la suite). Die Unzufriedenheit mit seiner Stellung und seine schwache Gesundheit veranlaßten seine baldige Rückkehr in die Heimat. Im Oktober 1914 übernahm er den Ehrenvorsitz des Gesamtvorstandes des Bad. Landesvereins vom Roten Kreuz. Damit begann eine rege Fürsorgetätigkeit zugunsten der Kriegsgefangenen außerhalb wie innerhalb Deutschlands, wobei M. seine engen verwandtschaftlichen Beziehungen zum russ. wie zum schwed. Hof sowie Schweizer Verbindungen zu nutzen wußte und die Bemühungen des Weltbundes der Christl. Vereine Junger Männer (Y M C A) unterstützte, dessen amerikan.-deutscher Kriegsgefangenenhilfe er seit 1916 als Ehrenpräsident vorstand.

Seine Tätigkeit in der Gefangenenfürsorge, die ihn auch mehrmals in das neutrale Schweden führte, sowie sein liebenswürdiges, tolerantes Wesen verschafften M. das Ansehen einer weltgewandten, dem engen Nationalismus und der amtlichen Kriegspolitik distanziert gegenüberstehenden Persönlichkeit von geistigem und moralischem Rang. Dennoch einer breiteren Öffentlichkeit unbekannt, verdankte er seine spätere Ernennung zum Reichskanzler vor allem Kurt Hahn (1886–1974), der seit Frühjahr 1917 in der Militärischen Stelle des Auswärtigen Amtes tätig war. Hahn unterhielt auch Verbindungen zu Staatssekretär Wilh. Solf und einigen Reichstagsabgeordneten, wie dem Sozialdemokraten Eduard David und dem innerhalb der Fortschrittlichen Volkspartei einflußreichen Conrad Haußmann. David wirkte bereits Anfang Juli 1917 zugunsten einer Ernennung M.s zum Reichskanzler. Dieser bot sich – erfolglos – Anfang September 1918 Kaiser Wilhelm II. selbst an und verwies hierbei auf seine Verbindung zur Sozialdemokratie. Als sich Georg Graf v. Hertling zum Rücktritt veranlaßt sah, empfahl er, nach Rücksprache mit Vizekanzler Friedrich v. Payer (Fortschrittliche Volkspartei), M. dem Kaiser gegenüber als seinen Nachfolger. Doch erst auf dringendes Verlangen Haußmanns und auf Drängen des Verbindungsmannes der Obersten Heeresleitung zum Auswärtigen Amt, Oberst v. Haeften, vor allem Ludendorffs, kam die Berufung zum Reichskanzler am 3.10.1918 zustande. M. hatte seinen Parteigängern gegenüber bekannt, daß er eigentlich kein Politiker sei, daß er zwar für die Mitarbeit der Sozialdemokratie eintrete, aber eine fortschreitende Demokratisierung und Parlamentarisierung während des Krieges nicht befürworte. Eine Reform der Reichsverfassung und eine Beseitigung der Monarchie im Deutschen Reich schwebten ihm nicht vor.

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes und die Oberste Heeresleitung hatten inzwischen die Absendung eines Waffenstillstands- und Friedensersuchens an den Präsidenten der Vereinigten Staaten verlangt und beim Kaiser wie im Reichskabinett durchgesetzt. M. bemühte sich um eine die deutschen Interessen wahrende Interpretation der „Vierzehn Punkte“ Präsident Wilsons. Der deutschen Friedensnote an den amerikan. Präsidenten folgten in den nächsten Wochen in den Antwortnoten Bedingungen, die vor Beginn der Waffenstillstandsverhandlungen, die erst am 7. November aufgenommen wurden, erfüllt werden mußten. In diesen 32 Tagen hat M. als Reichskanzler, ständig beraten von Kurt Hahn, dem Geh. Legationsrat Simons und Haußmann, mit den Vertretern der Mehrheitsparteien im Kreise des Kriegskabinetts, dem außer Vizekanzler Payer die aus den Parteien kommenden Staatssekretäre Gröber, Trimborn, Erzberger, Haußmann, Scheidemann und Bauer sowie der Staatssekretär des Auswärtigen, Solf, angehörten, folgenreiche Entscheidungen getroffen, die zu einem Teil durch die amerikan. Noten provoziert wurden, aber auch dem Programm der Mehrheitsparteien entsprachen. Hierzu gehörten die Einführung der parlamentarischen Verantwortlichkeit des Reichskanzlers und der Reichsregierung sowie des preuß.Kriegsministers, die letzte Entscheidung für das allgemeine, gleiche Wahlrecht in Preußen, die Ersetzung des Statthalters von Elsaß-Lothringen durch den aus dem Reichslande kommenden Straßburger Oberbürgermeister Schwander, die Ernennung eines elsäss. Zentrumsabgeordneten zum Staatssekretär für Elsaß-Lothringen und eine Reihe weiterer personeller Veränderungen. Bei der Verabschiedung des preuß. Kriegsministers General Hermann v. Stein und des Chefs des geheimen Zivilkabinetts Frdr. v. Berg am 7. Oktober wie bei der Entlassung des Generalquartiermeisters Ludendorff am 26. Oktober hat M.Zielbewußtsein und klare Einsicht in die Situation bewiesen. Er konnte sich auf die Hilfe Hahns stützen, der auch an der Ausarbeitung der Reden des Reichskanzlers Anteil nahm sowie an der Propagierung einer moralisch fundierten Politik, die als „ethischer Imperialismus“ eine schlagwortartige Bezeichnung fand. Eine umfangreiche Amnestie politisch Verurteilter, die u. a. →Karl Liebknecht die Freiheit wiedergab, wurde auf Verlangen sozialdemokratischer Politiker herbeigeführt. Die Zusammenarbeit von bürokratischen, militärischen und politischen Spitzen des Reiches mit den führenden Männern der größten Parteien und mit den Bundesstaaten war zwar nicht in jedem Punkte reibungslos, funktionierte jedoch, was keine unbedeutende Voraussetzung für den späteren Verlauf der revolutionären Umwälzung bildete.

Das feindliche Ausland hegte Mißtrauen gegenüber M., dem Angehörigen eines deutschen Herrscherhauses, was durch die Veröffentlichung eines Privatbriefes an den in der Schweiz lebenden Prinzen Alexander zu Hohenlohe-Schillingsfürst von Anfang 1918 verstärkt wurde: M. hatte sich kritisch zu einer Parlamentarisierung und ablehnend zur Friedensresolution des Reichstags geäußert. Als durch die dritte amerikan. Note die Abdankung des Kaisers zur Friedensvorbedingung gemacht zu werden schien, wandte sich M. am 1. November an die herrschenden Fürsten mit einer Anfrage, ob sie mit der Abdankung des Kaisers einverstanden seien; der Umsturz in den deutschen Staaten eine Woche später machte eine Antwort überflüssig. M., der auf eine Entscheidung des Kaisers drängte, hat schließlich in später Stunde dessen Abdankung am 8. November bekanntgegeben und gleichzeitig seinen eigenen Rücktritt dergestalt vollzogen, daß er am 9.11. die Obliegenheiten des Reichskanzlers dem Führer der stärksten Reichstagspartei, dem Sozialdemokraten →Friedrich Ebert, übergab, um den Übergang in eine neue Staatsordnung einzuleiten, die auch von den Kriegsgegnern respektiert wurde.

M. ist nicht als starker und entscheidungsmächtiger Reichskanzler in die Geschichte eingegangen. Doch seine verständnisvolle und tolerante Haltung gegenüber den treibenden Kräften hat ihn für einige Wochen, als die Bedeutung des Kaisers zu schwinden begann, zur unentbehrlichen Persönlichkeit an der Spitze der politischen Führung des Reiches werden lassen. Durch ein engeres Zusammenwirken der künftigen tragenden Mehrheit des Reichstags und ihren Parteien mit den militärischen und administrativen Organisationen und Institutionen der Monarchie konnte der Übergang zu einer neuen politischen Ordnung eingeleitet werden.

Nach seinem Rücktritt vom Reichskanzleramt zog sich M. aus der Politik zurück. Auf Schloß Salem widmete er sich nun seinen erzieherischen Idealen.

Zusammen mit Kurt Hahn gründete er die bald weltweit berühmte Schloßschule Salem, die zur Heranbildung einer neuen Elite in Deutschland beitragen sollte. Die Salemer Grundsätze, die auf der Erziehung zur Selbstkontrolle und zur Gemeinschaft basierten, fanden später auch außerhalb Deutschlands Nachahmung. Wie Hahn sah M. eine wichtige Aufgabe der Pädagogik im Bemühen, Fähigkeiten der Kindheit – wie Vitalität, Bewegungsfreude, Neugier und Mitgefühl – über die Pubertät hinaus zu erhalten. Auch an den schriftstellerischen Arbeiten M.s, die schließlich in einem Erinnerungswerk ihren Abschluß fanden, hatte Hahn großen Anteil.

4. Robert Julius Spies

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1819 – 1897

Großkaufmann, Fabrikant

Robert Spies gründete 1847 das Handelshaus Robert Spies, das bis 1914 existierte. Um 1845 hatte er in St. Petersburg den Importhandel mit Indigo und anderen Waren aufgenommen und gehörte von 1857 bis 1863, möglicherweise noch bis Anfang der 1870er Jahre, zu den zehn größten Importeuren in Russland. Nach der Verlegung des Firmensitzes nach Moskau investierte er in großem Stil in die Kiewer Zuckerindustrie, ab 1869 in die Zigaretten- und Textilfarbenindustrie. 1881 liquidierte er seine Firmen und zog sich nach Dresden zurück.

Spies absolvierte nach einer einfachen Schulausbildung seit ca. 1835 eine Lehre bei dem Textilkaufmann Julius Möller in Elberfeld (heute Wuppertal-Elberfeld), dann in der Webschule in Lyon. Seit 1840 war er bei der Seidenweberei Andreae in Mülheim an der Ruhr tätig, für die er durch Europa reiste, und wechselte bald nach Verviers (Provinz Lüttich, Belgien) in das Indigohandelsgeschäft Hermann Peltzer & Söhne, für das er 1845 nach St. Petersburg ging, um Indigo nach Russland zu importieren. 1847 wurde er russischer Staatsbürger und gründete das Handelsunternehmen Robert Spies in Moskau, 1856 mit Wilhelm Stucken (1820–1895)die Firma Stucken & Spies, die auch andere Farbstoffe sowie Baumwolle und Rohzucker nach Russland importierte. 1856 wurde er Mitglied der 1. Gilde, der höchsten der drei Moskauer Kaufmannsgilden. Mitte der 1850er Jahre integrierte sich Spies geschäftlich, gesellschaftlich und familiär in den Kreis der führenden deutschen Kaufleute in Moskau, aus dem u. a. die Familien, Knoop, Wogau, Mark und Rabeneck herausragten. 1866 wurde er Erblicher Ehrenbürger, d. h. Mitglied der noch über der 1. Gilde stehenden höchsten kaufmännischen Steuerklasse. In Moskau und St. Petersburg engagierte er sich für Angelegenheiten der evangelisch-reformierten Kirche, den Deutschen Wohltätigkeits-Verein, den Evangelischen Hilfsverein und den Verein zur Unterstützung mittelloser Deutscher Reichsangehöriger. Er leistete 1868 und 1874/76 drei große Spenden für den Bau des Armenhauses und den Wiederaufbau der Lutherischen Kirche in Moskau.

Spies‘ Firma war im Import- und Exporthandel aktiv und gehörte seit 1855 zu den fünf größten Außenhandelsfirmen Russlands. 1856 betrug der Umsatz 130 000 Rubel, stieg auf 3,2 Millionen Rubel und erreichte 1858 mit 4,3 Millionen Rubel einen Höhepunkt, womit das Unternehmen führender Importeur nach Russland wurde. Bis 1863 lagen die Umsätze konstant zwischen 2 und 4 Millionen Rubel, Hauptimportwaren waren Farbgrundstoffe wie Cochenille, Indigo und Krapp, ferner Rohbaumwolle, Textilien, Rohseide, Tabak und Tee. Im Export überwogen Rohstoffe wie Leinen, Wolle, Pottasche und Hanf, außerdem Nahrungsmittel wie Butter und Getreide; zusätzlich betrieb das Unternehmen russischen Binnenhandel.

Ab Mitte der 1870er Jahre ging der Handelsumsatz zurück, seit Ende der 1860er Jahre wandte Spies sich zunehmend der Industrieproduktion zu: Er errichtete eine Krappmühle in Derbent (Dagestan, Russland) und investierte in die zuckerverarbeitende Industrie in der Ukraine. Bis Ende der 1870er Jahre waren Stucken & Spies dort führend und betrieben fünf große Zuckerraffinerien mit einem jährlichen Umsatz von 2,5 Millionen Rubel. In der zweiten Hälfte der 1870er Jahre verkaufte Spies wegen der sinkenden Konjunktur der Branche seine Anteile. 1868 erwarb er die Gesellschaft der Rotfärbereifabrik Franz Rabeneck in Bolschewo (bei Moskau), 1869 die 1852 von Joseph von Huppmann del Valbella (1814–1897) gegründete Zigarettenfabrik Laferme in St. Petersburg, die er 1870 in eine Aktiengesellschaft umwandelte und die sich zügig zur größten Tabakfabrik Russlands entwickelte. Das Unternehmen hatte Filialen in Warschau, Odessa und Dresden, die Gewinne daraus vergrößerten das Vermögen der Familie beträchtlich. 1870 war Stucken & Spies Mitgründer der Moskauer Diskonto Bank und der Russischen Bank für Auswärtigen Handel. Spies wurde 1870 Vorstandsmitglied des Moskauer Börsenkomitees, gewählter Vertreter der Kaufmannsgesellschaft und Mitglied des Staatsbankkomitees. 1878 schätzte die Londoner Handelsbank Kleinwort & Co. das Unternehmen Stucken & Spies auf 1 Million Rubel Kapital.

1872 wurde Spies deutscher Staatsbürger und deutscher Konsul in Moskau. 1873 nahm er seinen Neffen Ernst Spies (1849–1917) in die Firma auf, der zusammen mit Spies’ ältestem Sohn Leon (1858–1921) das Geschäft mit wenig Erfolg führte. 1881 liquidierten Spies und Stucken ihr Unternehmen, Spies übernahm Stuckens Anteile an den Gesellschaften Laferme und Franz Rabeneck. Er übersiedelte im selben Jahr nach Dresden, wo er sich um die dortige Filiale der Tabakfabrik Laferme kümmerte. Seine Unternehmen wurden von Ernst Spies und ab 1890 zunehmend von seinen Söhnen Albert Spies (1859–1929), Leon und Georg Spies (1861–1926) fortgeführt und ausgebaut. Ernst Spies blieb noch bis 1914 in Moskau, im Ural und in Odessa tätig.

5. August Bebel

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B., als Soldatenkind in einer Festungskasematte geboren, nach dem frühen Tod des Vaters in sehr bedrängten Verhältnissen zu Wetzlar aufgewachsen, erlernte nach dem Besuch der Armen- und Bürgerschule das Drechslerhandwerk. Von schwächlicher Konstitution, aber geistig ungeheuer regsam und lernbegierig, kam B. nach seinen Wanderjahren als Handwerksgeselle, die ihn durch Süddeutschland führten, 1860 fast zufällig nach Leipzig. Das wurde für ihn entscheidend. Diese Stadt war damals eine Mitte der|sich regenden Arbeiterbewegung mit liberalen Vorzeichen und ausgesprochenen Bildungstendenzen: Der junge B. nahm daran lebhaftesten Anteil, ab 1865 als Vorsitzender des Arbeiterbildungsvereins. Der preußische Verfassungskonflikt und Ferdinand Lassalles Auftreten politisierten die Atmosphäre: B.s politischer Beginn steht in der Gegnerschaft zu Lassalle - er vollzieht sich im Rahmen des Verbandes der deutschen Arbeitervereine, einer Schöpfung linksbürgerlicher Politiker, aber er führt dann, in der mit sozialistischer Theoretik und erster sozialpolitischer Praxis erfüllten Zeitspanne (Anfang der gewerkschaftlichen Organisation) zur Verselbständigung. 1867 wird der junge B. in den Norddeutschen Reichstag gewählt, als Vertreter der „Sächsischen Volkspartei“, neben ihm →Wilhelm Liebknecht; diese improvisierte Parteibildung mochte als sächsischer Demokratismus gegen →Bismarcks Militärpolitik erscheinen. Sie war nur kurzer Durchgang. Unter Liebknechts Einfluß vollzog sich B.s Entscheidung für die Marxschen Thesen, die das geistige Fundament der 1869 von B. in Eisenach mitbegründeten Sozialdemokratischen Partei wurden. Er blieb, dem „Intellektuellen“ Liebknecht rednerisch und in der geistigen Elastizität überlegen, bis zu seinem Ende ihr trotz mannigfacher interner Spannungen unbestrittener Führer, zumal im Reichstag, dem er ununterbrochen angehörte: bis 1877 für Glauchau-Meerane, bis 1883 für Dresden, dann für Hamburg. Als Drechslermeister führte er ein mühsames berufliches Leben - jene Zeit kannte noch nicht die Aufwandsentschädigung für Parlamentarier - erst seine späteren schriftstellerischen Arbeiten verhalfen ihm allmählich zu einiger Unabhängigkeit. An politischen Verfolgungen, zumal in der Frühzeit, fehlte es nicht; neben mehrfachen Gefängnisstrafen (Majestätsbeleidigung) steht der berühmt gewordene Hochverratsprozeß aus dem Jahre 1872, der B. und Liebknecht für zwei Jahre in die Festung brachte - er war angestrengt worden wegen des irgendwie greifbaren sozialistischen Broschürenmaterials und brachte B. wegen seiner dürftigen Begründung über seine Anhänger hinaus die Volkstümlichkeit des Märtyrers und zugleich die Muße von einem verhetzten Leben, die er zur ernsthaften Weiterbildung nutzte. Es hat etwas Großartiges und zugleich Rührendes, wie er das Gelernte weiterzugeben und zu gestalten bemüht war, so in den Schriften über den „Bauernkrieg“, über die „Frau und der Sozialismus“. Dieses Buch vor allem, 1883 erschienen, in Zehntausenden aufgelegt, in viele Sprachen übertragen, ist wichtig geworden, weil es, die Gesetze des „historischen Materialismus“ als gegeben nehmend, mit einer im Einzelstück rationalistisch argumentierenden Phantasie doch wieder zur Utopie kommt, die Marx verlassen zu haben glaubte.

B. war mit dem gesprochenen Wort stärker als mit dem geschriebenen, mit seiner metallenen Stimme, die zu dem fast zierlichen kleinen Körper seltsam kontrastierte, eine rednerische Naturbegabung von höchstem Rang. In seinen Schriften steckt die gelegentlich pedantische Heftigkeit des Überredens, doch weicht sie in seinem Erinnerungsbuch einer ruhig gewordenen, manchmal schier behaglichen Gelassenheit. Die Bedeutung des Mannes mit seiner Typen und Gesinnungen bildenden Kraft für die sozialistische deutsche Arbeiterbewegung kann kaum überschätzt werden, im Positiven und im Negativen. Was ihm fehlte, war das Organ für die Kraft des Religiösen oder Metaphysischen, das ihm eben nur, im vereinfachten Schema, als gesellschaftliche Spiegelung erschien, bemerkenswert aber daneben der gegen alle theoretische Ansage wachsende Sinn für realistische Staatlichkeit: Der Soldatensohn lehnte den Militäretat ab, kämpfte aber für verständige Kriegsmonturen. Der Utopist erwartete mit Ungeduld den großen sozusagen gesetzlichen Wandel der Gesellschaft, arbeitete sich aber zugleich mit Geduld in die sozialpolitischen Spezialfragen ein, durch deren legislative Beantwortung die Lebenslage einer Arbeitergruppe gebessert werden könne. Er stellte sich wütend gegen den „Revisionismus“, der, von wichtigen Gewerkschaftsführern sachlich unterstützt, dem „Erfurter Programm“ seine Buchstabengültigkeit rauben wollte, er tat dies, um die Einheit der Partei zu sichern, zugleich aber begegnete er den theoretischen Gegnern in den gemeinsamen Einzelentscheidungen, und seine letzten Jahre waren, aus außenpolitischen Sorgen, gegen den doktrinären Radikalismus gewandt, den die eigene Lebenserfahrung hinter sich gelassen hatte. Persönlich liebenswürdig, uneitel und um seines reinen Menschentums willen auch bei den nicht böswilligen Gegnern geachtet, konnte er in seinen Kampfjahren leidenschaftlich wie ein Vulkan ausbrechen, wo er Unrecht und Gewalt witterte. Darin versank das Dogmatische, das er erlernt und geglaubt hatte.

6. Heinrich Mann

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M.s literarische Begabung zeigte sich auf einer Reise des Dreizehnjährigen nach St. Petersburg 1884, über die er ein Tagebuch führte. 1885 begann er mit erzählerischen, 1887 mit poetischen Versuchen. 1889 verließ er das Lübecker humanistische Gymnasium Katharineum mit dem Zeugnis der Unterprima. Er trat im selben Jahr eine Buchhandelslehre in Dresden an, die er bald abbrach. 1890/91 volontierte er im S. Fischer Verlag, Berlin, und hörte Vorlesungen an der Universität. Prägend wurde für sein Schaffen die Auseinandersetzung mit den literarischen Schulen des Naturalismus und Impressionismus.

Nach dem Tod des Vaters und der von diesem testamentarisch verfügten Liquidierung der Firma Johann Siegmund Mann 1891 begann M. – finanziell unabhängig – seine Laufbahn als freier Schriftsteller. Er veröffentlichte erste Rezensionen in den Zeitschriften „Die Gesellschaft“ und „Die Gegenwart“. Damit war er zu eine Zeit lebhaftester weltanschaulicher Debatten ins literarische Leben eingetreten. Er öffnete sich Hermann Bahrs Kritik am Naturalismus sowie dem Psychologismus Paul Bourgets. Bestimmend für ihn wurden auch erkenntnistheoretische Erörterungen Emil Du Bois-Reymonds, die sich gegen das kausalmechanische Weltbild des Positivismus richteten. 1893 erfolgte die Übersiedlung mit der Mutter und den Geschwistern nach München; M. hat seither seine Vaterstadt nicht wieder besucht. 1892-98 hielt er sich allerdings meist in Italien (vor allem in Rom) auf – 1896-98 mit seinem Bruder →Thomas – und begann seinen ersten, psychologisierenden Roman „In einer Familie“, dessen Druck 1894 die Mutter finanzierte. Die Figurenkonstellation orientiert sich im wesentlichen an der von Goethes „Wahlverwandtschaften“. 1895/96 war M. als Nachfolger →Friedrich Lienhards Herausgeber der konservativen Monatsschrift „Das Zwanzigste Jahrhundert, Blätter für deutsche Art und Wohlfahrt“. Seine eigenen Beiträge darin boten einen Querschnitt offiziöser, ja offizieller Meinungen des kaiserl. Deutschlands. Die Mittelstandspolitik des preuß. Finanzministers →Johs. v. Miquel, →Nietzsches Antisozialismus, →Frdr.Naumanns Rechtfertigung des Krieges durch die christliche Religion, der Antisemitismus des Berliner Hofpredigers →Adolf Stoecker, die völkische Überhebung der „Alldeutschen“ waren in ihr ebenso zu finden wie die Vorstellungen →Heinrich v. Treitschkes, der mit seinem|Eintreten für Hohenzollernverehrung, Militarismus und Antiparlamentarismus, seinem Rassendünkel und seinem irrationalen Schicksalsglauben eine Summe des Ganzen gab. Alle diese Themen hat M. bald als Material der Satire in seinen gesellschaftskritischen Romanen verwandt.

M.s erster Roman war – nach der von Bourget aufgestellten Romantypologie – als „roman de caractère“, der Analyse des Innenlebens, der Moral, der „Décadence“ ausgeführt. Diese Analysen führte M. nicht, wie ursprünglich geplant, weiter. Er richtete vielmehr seine Aufmerksamkeit auf die klassischen Traditionen des franz. Romans: die plastischen Darstellungen Daudets und Maupassants erschienen ihm zuerst als Gegenbeispiele einer nicht durch Reflexion und psychologische Analyse aufgelösten Erzählweise. Flaubert trat hinzu, seit 1896 Balzac und gegen 1900 Anatole France: sie alle sind Vertreter des in der Romantypologie von Bourget sogenannten „roman de moeurs“, des Abbilds der „vie extérieure et sociale“. Diesen Vorbildern schloß sich M. nun an. Nahm er im „Zwanzigsten Jahrhundert“ den franz. „Preßroman“ noch als Beleg für die Machtstellung der „jüdischen Zeitungsbesitzer“ mit dem Bedauern, „daß sich in Deutschland die höhere Erzählkunst noch kaum der Judenfrage angenommen“ habe, so wirkte nun seine Lektüre von Maupassants „Bel Ami“ besonders auf den Entwurf seines zweiten Romans „Im Schlaraffenland, Ein Roman unter feinen Leuten“ (1900) und mag dazu beigetragen haben, daß der Entwurf dieses deutschen „Preßromans“ der älteren Konzeption der „Göttinnen“ (1903) vorgezogen wurde. „Im Schlaraffenland“ ist formal ein Gegenstück zu „In einer Familie“. Mit seiner Fülle von Figuren aus unterschiedlichsten sozialen Milieus ist in ihm zum erstenmal im Werk M.s eine mächtige Gesellschaftspyramide aufgeschichtet. Auch andere Mittel, die seither M.s Erzählkunst bestimmen, sind hier ausgebildet: ein unter den Figuren anwesender Erzähler des Romans, dramatische Szenenführung, scharfe Schnitte zwischen den Szenen, weite Dialogpartien. Inhaltlich wird die „Kritik von rechts“, die M. im „Zwanzigsten Jahrhundert“ an der Gesellschaft geübt hatte, mit den ideologischen Mitteln eines romantischen Antikapitalismus, der sich vornehmlich gegen die jüd. Großbourgeoisie richtet, fortgesetzt. Dabei werden sämtliche Konventionen und Einrichtungen der Gesellschaft satirisch entwertet und verneint; Positionen sind im „Schlaraffenland“ nicht erkennbar. Die Satire umgreift auch Kunst und Literatur und unterzieht sie als Objekte der „feinen Leute“ der Abwertung.

Wesentlich für M.s Entwicklung wurde in diesen Jahren die Lektüre der Schriften von Nietzsche und →Georg Brandes. Nietzsches europäisch gesinnte und speziell anti-preußische, anti-reichsdeutsche Kulturkritik, auf deren politische Akzente er durch Brandes' Vorlesungen und den auf sie folgenden Aufsatz über Nietzsche hingewiesen worden war, bestimmte M.s Kritik am deutschen Bürgertum bald nach Abschluß seines ersten Romans. Diese Kritik umschließt Themen, die er bis in sein Spätwerk in vielen Variationen bearbeitete: die Künstler und Komödianten sowie besonders – vermutlich angeregt durch →Wilhelm II. – die wesenlosen, leeren Nachahmer in Gesellschaft und Geschichte, die „Bösen“ (als solche figurieren im Spätwerk auch Hitler, →Wagner und →Sacha Guitry in „Ein Zeitalter wird besichtigt“, ebenso →Friedrich II. in „Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen“). Auch Nietzsches aus der Ablehnung des Historismus erwachsener Geschichtsrelativismus hat vorübergehend auf M.s Geschichtsbild eingewirkt. Folgenreicher war allerdings für M. die ihm durch Brandes und die Franzosen Bourget und Taine vermittelte Kenntnis von Hegels Geschichtsphilosophie, die, um ihren Idealismus verkürzt und auf ein Triadenschema historischer Entwicklung beschränkt, von Anfang an Nietzsches Einflüssen relativierend entgegentrat und sich auf die Gliederung der Kaiserreich-Romane ausgewirkt hat. M. hatte sich die Bausteine seines Welt- und Menschenbildes vor der Jahrhundertwende angeeignet. Der Entwurf eines radikal demokratisch-republikanischen Gesellschaftsbildes, Grundlage seines späteren literarischen Schaffens und politischen Engagements, stand noch aus. Zunächst arbeitete er die gewonnenen negativen Einsichten in die Gesellschaft mit äußerster Konsequenz durch.

„Vorerst habe ich, wie Sie verstehen werden, die landläufigen Bürger satt“, schrieb M. nach Abschluß des „Schlaraffenlandes“ an seinen Münchner Verleger →Albert Langen (2.12.1900). In der Romantrilogie „Die Göttinnen“ (1903) flüchtete er sich in den Gestus des enttäuschten Romantikers, der der negativ erlebten Gesellschaft sein Ideal als unerfüllbaren Traum entgegenstellt. Angeregt von Bourget, d'Annunzio und Flaubert („Salammbô“) und durch gewisse damals lebendige Vorstellungen des „Renaissancismus“ – einer fragwürdigen gründerzeitlichen|Renovatio aus Sage, Mythos und dekorierter Antike – steigerte M. seine Gesellschaftsfeindlichkeit und Antibürgerlichkeit zum Affekt, der seine Begründung im Ästhetischen suchte. „Bürger“, so bekennt die Hauptfigur der „Göttinnen“, die Herzogin von Assy, „so nenne ich alle, die häßlich empfinden und ihre häßlichen Empfindungen obendrein lügenhaft ausdrücken“. Der in sechs Monaten niedergeschriebene, im selben Jahr erschienene Roman „Die Jagd nach Liebe“ (1903) transponierte den Ästhetizismus in das München der Jahrhundertwende mit seinen Boden- und Bauspekulationen, mit seinen Malerzirkeln der „Schlawiner“ und „Sezessionisten“, mit seinen höfischen Schaustellungen. Allein, das gesamte zeit- und kulturkritisch verwertete Material vermochte dem kärglichen Gehalt einer folgenlosen Liebesgeschichte, die zudem kolportagehaft Erfahrungen der Schwester Carla benutzte, nicht aufzuhelfen. Sein Bruder Thomas war von „dieser Fratzenwelt der krassen Effekte“ abgestoßen und mutmaßte, „die Begierde nach Wirkung“ habe M. „korrumpiert“ (5.12.1903). Der erste große, zu dieser Zeit noch ästhetisch-literarisch begrenzte Konflikt der Brüder war damit ausgebrochen.

Das formstrengste Werk dieser Jahre war M.s Novelle „Pippo Spano“, die Geschichte vom Versagen eines „steckengebliebenen Komödianten“: Die Umwertung von Nietzsches Renaissance-Ideal zum Requisit der Maskerade eines Literaten, der sich als Condottiere empfinden möchte, war ein Ausdruck für M.s einsetzenden Anschauungswandel. Er begann, die Ausweglosigkeit affektiver Negationen zu begreifen. Eine autobiographische Notiz spricht von der völligen Isolation, in der er sich befand und in der er dahin gelangte, „sein Wirkungsbedürfnis einzuengen, es an einem Einzigen auszulassen; wodurch es gewinnt an Heftigkeit“ (1904).

Im Herbst 1904 verfaßte M. den Roman „Professor Unrat oder das Ende eines Tyrannen“ (1905), dessen Filmversion „Der blaue Engel“ ihm 25 Jahre später Weltruhm brachte (Drehbuch →Carl Zuckmayer, Regie →Josef v. Sternberg, mit Marlene Dietrich, →Emil Jannings u. a.). Mit der Schulgeschichte dieses Romans, in der er Schlußpartien der „Buddenbrooks“ über Hanno nutzt, übt M., wie auch →Wedekind, →Musil, →Robert Walser und →Hesse, Kritik am bürgerlichen Schuldrill. Wenn Professor Rat schließlich seine Stimme der SPD gibt, um „den Widerstand einiger in allgemeiner Anarchie zu begraben“, so ist dies eine negative politische Motivation. Dieser Aspekt der „Macht“, den M. später in ausgeschiedenen Passagen seiner Memoiren „Ein Zeitalter wird besichtigt“ (1945) dem Werk als wesentlich zuschreibt und der auch den Untertitel des Romans bestimmt, wird im Film allerdings zugunsten der Liebesgeschichte vernachlässigt. Während M. noch an diesem Roman arbeitete, legte er in einer Zuschrift an →Maximilian Harden, den Herausgeber der Zeitschrift „Die Zukunft“, sein frühestes Bekenntnis zur parlamentarischen Republik ab; gleichzeitig verurteilte er den deutschen Machtstaat: Dieser werde als „geschickte Tyrannei“ zwar „fette Untertanen“, aber „immer nur Untertanen“ hervorbringen. Zwei Jahre später begann er Materialien zu seinem berühmtesten Roman „Der Untertan“ zu sammeln. Mit diesem Begriff der anarchisch zu stürzenden „Macht“ hatte M. sich die eine, die negative Seite seines gegensätzlichen Begriffspaares „Macht/Geist“ geschaffen. Seinem „Geist“-Begriff versuchte er im folgenden Roman „Zwischen den Rassen“ (1907) Gestalt zu geben: Während die „Macht“ stets „das Bestehende“ vertritt, ist ihr Gegensatz, der „Geist“, stets auf die Revolutionierung der bestehenden Verhältnisse gerichtet. „Zwischen den Rassen“ enthält ein glühendes Bekenntnis zu Rousseau und zur „ungeheuren Güte der Demokratie, ihrer Kraft, Würde zu wecken, Menschlichkeit zu zeigen, Frieden zu verbreiten.“ Aber das blieben Absichtserklärungen; die erzählerische Gestaltung der zugrundeliegenden Fabel, einer italienischen Ehetragödie, die 1906 als „Der Fall Murri“ die europäische Presse beschäftigte, ist nicht gelungen. M.s intellektuelle Entwicklung bewegte sich jedoch immer stärker auf die aus dem Gegensatz „Macht/Geist“ zu entwickelnde Synthese zu, die in dem Grundsatz enthalten ist: „So sei der Politiker Geist und der Geistige handle“ (Geist und Tat, 1910).

1909 erschien der Roman „Die kleine Stadt“, ein nicht nur seines demokratischen Gehalts, sondern auch seiner Form wegen in der deutschen Literatur einzig darstehendes Werk. Ein Personal von mehr als hundert Figuren, jede psychologisch und gestisch durch charakteristische Details plastisch gezeichnet, wird im Italien nach dem Risorgimento auf dem engen Raum des Marktes, der Cafés, des Domes und eines alten Palastes der „kleinen Stadt“ – zu der Palestrina südlich von Rom, der Aufenthaltsort von →Heinrich und →Thomas Mann 1896–98, das Modell gab – mit müheloser Sicherheit bewegt. Der|Ablauf der Ereignisse wird nach den klassischen Regeln des Dramas in fünf Kapiteln dem Ausgang zugeführt: Die Stadt erlebt ein Operngastspiel, die Bürger erleben die Kunst. „Die singenden Gestalten waren stärker und reiner als sie, und doch sie selbst. Da waren sie glücklich, Menschen zu sein. Sie liebten einander.“ Die Künstler erfahren die lebendige Wirksamkeit ihres Tuns: „Ich wußte es, wir seien nicht allein; ein Volk höre uns!“ Die Synthese von Kunst und Leben ist hier in der Kunst erreicht. Der folgende Roman „Der Untertan“ (Vorabdruck einzelner Kapitel 1911/12 im „Simplizissimus“, 1914 in „Zeit im Bild“ in Fortsetzungen erschienen, die im August des Jahres abgebrochen wurden, Buchausgabe 1918) stellt ein Gegenbild zum Wilhelminischen Deutschland dar. In einem Brief an seinen franz. Freund, den Literaturprofessor →Félix Bertaux, hat M. 1922 seinen „Untertan“ mit Stendhals „Rot und Schwarz“ verglichen – in dem berechtigten Selbstbewußtsein, den bedeutendsten gesellschaftskritischen Bildungsroman seiner Zeit vorgelegt zu haben. Die Geschichte des Diederich Heßling kann auch als Illustration der Deutung seiner Epoche verstanden werden, die M. bei Erscheinen des Romans, in seinem großen Essay „Kaiserreich und Republik“ (1918), gab: als „Nachahmung“, „Wiederholung“, „Nachäffung“ des „Ludwig Philippschen Königtums der bereicherten Bürger“, des „Kaisertums →Napoleons des Dritten mit seiner blendenden Fassade, inneren Mürbheit, seiner Theaterregie“. M. vereinigte im „Untertan“ den „roman de moeurs“ mit dem „roman de caractère“, den Psychologismus von Bourget und Nietzsche mit der Gesellschaftsdarstellung Balzacs und Zolas.

Seit dem Erscheinen dieser Romane und der politisch-kulturpolitischen Essays „Voltaire – Goethe“, „Geist und Tat“ im Jahr 1910 galt M. der jungen expressionistisch-literarischen Generation als Wortführer des „Aktivismus“. Er gehörte bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu den sehr wenigen europäischen Intellektuellen, die sich gegen die chauvinistische Kriegsbegeisterung wandten. Insbesondere gegen die Haltung seines Bruders Thomas protestierte M. mit seinem Essay „Zola“ (1915). Der weltanschauliche Konflikt der Brüder währte als stillschweigende Trennung bis 1922. Der große Verkaufserfolg des „Untertan“ nach Kriegsende wie auch die zahlreichen Aufführungen seiner im Jahrzehnt bis 1920 geschriebenen Schauspiele befestigten M.s Ansehen in Deutschland. In den ersten Jahren der Weimarer Republik versuchte er den Erfolg des „Untertan“ fortzusetzen. Dem negativen Bildungsroman des imperalistischen Bourgeois fügte er die Darstellungen des Proletariats („Die Armen“, 1917) sowie der Großindustrie, der leitenden Bürokratie und der Diplomatie („Der Kopf“, 1925) an; er begriff diese drei Werke als „die Romane der deutschen Gesellschaft im Zeitalter Wilhelms II.“ und faßte sie unter dem Titel „Das Kaiserreich“ zusammen. Die literarische Wirkung der Fortsetzungen blieb allerdings gering. Bedeutsamer als sein belletristisches war sein publizistisches und essayistisches Werk der 20er Jahre. In ihm setzte er sich für die deutsch-französische Verständigung sowie für eine paneuropäische Bewegung ein.

Nach der Trennung von seiner ersten Frau, mit der er seit 1914 in München gewohnt hatte, übersiedelte M. 1928 nach Berlin. Nach seiner Wahl in das Gründungskapitel der Sektion Dichtkunst der Preuß. Akademie der Künste zu Berlin wurde er 1931 als deren Präsident berufen, doch schon 2 Jahre später unter politischem Druck zum Austritt gezwungen. Unmittelbarer Anlaß war seine mit →Käthe Kollwitz unternommene Unterzeichnung eines Aufrufs des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes zur Einigung von SPD und KPD im Februar 1933. Noch im selben Monat emigrierte M. nach Frankreich, wo er zusammen mit →Nelly Kröger – die er 1939 heiratete – bis 1940 in Nizza lebte. Er war seit der Pariser Gründung der Deutschen Volksfront 1935 deren Präsident. 1936 wurde ihm, dem 1933 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt worden war, die tschechische Staatsbürgerschaft gewährt. – In der franz.Emigration schrieb M. die großangelegten Romane „Die Jugend des Königs Henri Quatre“ (1935) und „Die Vollendung des Königs Henri Quatre“ (1938). Er stellte mit diesem Volkskönig des Toleranzedikts von Nantes einen vorbildlichen humanistischen Politiker dar, der die von ihm selbst propagierte Synthese von „Macht“ und „Geist“ praktizierte. Dieser historische Roman sollte, M.s pragmatischem Geschichtsdenken gemäß, ein „wahres Gleichnis“ für die Gegenwart sein und wurde als solches von Kollegen und Kritikern wie →Thomas Mann, →Arnold Zweig, →Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Hermann Kesten und →Georg Lukács sogleich erkannt und gerühmt.

1940 floh M. zusammen mit →Lion Feuchtwanger, Golo Mann und →Franz Werfel über Spanien und Portugal in die USA. Dort lebte er in Hollywood, dann in einem anderen Stadtteil|von Los Angeles und zuletzt in Santa Monica in äußerst eingeschränkten Verhältnissen. Im amerikan. Exil entstand – in Dialogformen und Struktur z. T. angeregt durch M.s Tätigkeit als Scriptwriter für die Filmgesellschaft Warner Brothers – das bisher weitgehend unbeachtet und unverstanden gebliebene Alterswerk. Mit der Antinazi-Satire „Lidice“ (1943) reagierte M. auf die „Ausmerzung“ des böhm. Dorfes Lidice durch die SSam 9.6.1942. Formal teilte er den Roman in 101 z. T. sehr kurze Szenen mit Perspektiven nach Art des klassischen Films wie „Totale“, „Halbnah“, „Nah“ ein und übernahm auch das Doppelgängermotiv, das gerade in zwei großen Hollywoodfilmen verwandt worden war (Chaplins „The Great Dictator“, 1941, und Ernst Lubitschs „To Be or Not To Be“, 1942). Dieser Dialogroman wurde, nachdem M. befürchtet hatte, „Fehler begangen zu haben, in der Sache oder im Ton und Takt“ (6.12.1943 an C. F. Weiskopf), erst 1984 wiederaufgelegt.

Im Alterswerk M.s verweisen Memoiren sowie Essayistisches und das erzählerische Werk wechselseitig aufeinander: Die Romane „Empfang bei der Welt“ (postum 1956) und „Der Atem“ (1949) sowie das Erinnerungsbuch „Ein Zeitalter wird besichtigt“ (1945) und die Fragment gebliebene „Traurige Geschichte von Friedrich dem Großen“ (postum 1960). Insbesondere die beiden letzten großen Romane reflektieren verschlüsselt autobiographische Erlebnisse: In „Empfang bei der Welt“, einer internationalen Gesellschaftssatire, ersteht das großelterliche Lübecker „Buddenbrook“-Haus noch einmal und beherbergt eine Figur, den Geheimen Rat Balthasar, in dem sich Facetten Goethes, des Senators Mann und M.s selber widerspiegeln; über die Hauptfigur von „Der Atem“, die der österr. Hocharistokratie angehörige Baronin Kovalsky, geborene Gräfin Traun, „de la maison Traun-Montéformoso“, hat M. bekannt, sie sei „eine Übertragung meines eigenen Erlebens“ (14.8.48 an Karl Lemke). Während in den Romanen die Erinnerung an das alte Europa vorherrscht, kommentieren seine programmatische Essayistik und seine Autobiographie den sozialistischen Aufbau im neuen Europa.

1947 wurde M. der philosophische Ehrendoktorgrad der Humboldt-Universität, Berlin, und 1949 der Nationalpreis 1. Klasse für Kunst und Literatur der DDRverliehen. Im selben Jahr nahm er auch die Berufung als Präsident der neu zu gründenden Deutschen Akademie der Künste zu Berlin (Ost) an.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Stolberg-Wernigerode, Otto Graf zu, "Bismarck, Otto Fürst von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 268-277 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11851136X.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 01.09.2025. 

-> Meisner, Heinrich Otto, "Bülow, Bernhard von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 728-729 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117065013.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 01.09.2025. 

-> Schulz, Gerhard, "Maximilian" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 475-477 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732137.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 01.09.2025.

-> Sartor, Wolfgang, „Spies, Robert Julius“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.03.2024, URL: https://www.deutsche-biographie.de/1160043175.html#dbocontent, zuletzt geprüft am 02.09.2025. 

-> Heuss, Theodor, "Bebel, August" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 683-685 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118507893.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 16.10.2025.

-> Schröter, Klaus, "Mann, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 39-43 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118577131.html#ndbcontent, zuletzt abgerufen am 12.11.2025.

Sekundärliteratur

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