Höfische Kultur
Inhaltsverzeichnis
- Minnesang
- Jagd
- Am Hofe der Burgunder. Leben in Pracht und Tugend
1. Minnesang
Deutschsprachige höfische Liebesdichtung, entstanden zwischen 1150 und 1350. Zentrale Quelle sind fünf Liederhandschriften. Am Anfang stand der frühe Minnesang. Ab 1170 wurden vor allem im Westen des Römisch-Deutschen Reichs die Troubadour- und Trouvère-Dichtungen rezipiert (Rheinischer Minnesang, Friedrich von Hausen), bis sich um 1190 der klassische Minnesang wieder von den französischen Vorbildern löste. Bedeutende Vertreter dieser Phase waren Reinmar der Alte, Walther von der Vogelweide oder Neidhart. Der späte Minnesang datiert in die Zeit zwischen ca. 1250 und 1350.
Begriffsbestimmung
Als Minnesang bezeichnet man die deutschsprachige höfische Liebeslieddichtung von etwa 1150 bis 1350. Der mittelhochdeutsche Begriff 'minne' ist zwar grundsätzlich sehr weit zu fassen und reicht vom 'freundlichen Gedenken' über 'Zuneigung, Freundschaft, Verehrung' bis hin zur 'Gottesliebe' und schließt auch 'Verlangen' und 'Sehnsucht' mit ein; im Zusammenhang mit der literarischen Form ist Minnesang jedoch durchaus mit Liebeslyrik gleichzusetzen.
Diese im deutschen Sprachraum neue Kunstform war adlige Standesdichtung und Gesellschaftskunst, das heißt, dass Minnesang eng an die Ideale der ritterlichen Standeskultur und des höfischen Lebens gebunden war und geradezu als ritualisierte Vollzugsform höfisch-ritterlichen Lebens gelten kann. Ebenso wie die höfische Epik war Minnesang einem elitären adligen Publikum vorbehalten und repräsentierte (mit der Ausnahme Neidharts [Schaffenszeit etwa 1210-1240]) fast ausschließlich adlige Lebensentwürfe.
Als Vortrags- und Formkunst war Minnesang ein Medium, mit dem sich die Adelswelt über Modelle zwischengeschlechtlicher Liebe zu verständigen versuchte. Entscheidend für das Verständnis dieser literarischen Kunstform ist der Rollencharakter des Minnesangs: Ein repräsentatives lyrisches Ich formuliert vor der Hofgesellschaft allgemeingültige Erfahrungen zum Thema Liebe. Thematisch unterscheidet sich Minnesang damit von der Sangspruchdichtung, die vorwiegend ethische, religiöse und politische Themen gestaltete. Formal unterscheidet sich Minnesang vom dritten mittelalterlichen Lyrik-Genre, der Leichdichtung, dadurch, dass alle Strophen eines Minnelieds eine identische Bauform aufweisen. Allen drei Subgenres gemeinsam ist eine durch ein Metrum strukturierte rhythmisierte Sprache, die einem durchdachten Schema von betonten und unbetonten Silben folgt. Die häufigste Strophenform im Minnesang ist vom Ende des 12. bis ins 14. Jahrhundert die Kanzone, eine äußerst artifizielle Form. Eine Kanzonenstrophe (oder auch Stollenstrophe genannt) setzt sich aus einem Auf- und einem Abgesang zusammen. Der Aufgesang ist in (meist zwei) metrisch identische Stollen unterteilt (Hebungszahl, Kadenz, Reim müssen übereinstimmen). Der Abgesang unterscheidet sich metrisch und vor allem in der Reimgestaltung vom Aufgesang.
Minnesang war Aufführungskunst und keine Leselyrik. Die Lieder wurden (halb-)öffentlich im Rahmen höfischer Geselligkeit vorgetragen oder vorgesungen. Zahlreiche Abbildungen in der handschriftlichen Überlieferung lassen darauf schließen, dass eine instrumentale Begleitung beispielsweise durch Handharfe, Tamburin, Posaune, Trommel oder Fiedel stattgefunden hat. Die Jenaer Liederhandschrift (Mitte 14. Jahrhundert) enthält als einzige mittelalterliche Liederhandschrift zahlreiche Melodiennotationen.
Überlieferung
Überliefert sind rund 1.200 Minnelieder von etwa 110 Autoren. Überlieferungsträger sind vor allem die großen Sammelhandschriften der Zeit um 1300:
- die Kleine Heidelberger Liederhandschrift (A, um 1270; Heidelberg, Universitätsbibliothek, cod. pal. 357)
- die Weingartner Liederhandschrift (B, um 1300; Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, cod. HB XIII.1)
- die Große Heidelberger Liederhandschrift/Codex Manesse (C, 1300/30; Heidelberg, Universitätsbibliothek, cod. pal. germ. 848)
- die Würzburger Liederhandschrift (E, um 1350; München, Universitätsbibliothek, 2° Cod. ms 731), auch bekannt als "Hausbuch des Michael de Leone"
- die Jenaer Liederhandschrift (J, um 1340; Jena, Thüringische Universitäts- und Landesbibliothek, Ms. El. f. 101)
Traditionen und Kontexte
Der mittelhochdeutsche Minnesang steht in einer langen nahöstlichen und mitteleuropäischen Tradition von Liebeslyrik. In der arabischen Liebeslyrik finden sich bereits ab dem 6. Jahrhundert sog. qassîden (= längere Gedichte mit Endreim und Metrum), die Ähnlichkeiten mit dem mittelhochdeutschen Minnesang aufweisen. Darüber hinaus sind Anklänge an die antike Liebesdichtung und ihre Liebestheorien (z. B. Ovid [43 v. Chr. - 17 n. Chr.]) nicht von der Hand zu weisen. Auch viele mittellateinische Liebesgedichte gestalten Stoffe und Motive, die im mittelhochdeutschen Minnesang wiederbegegnen. Das berühmteste Beispiel ist die Textsammlung der Carmina Burana, die neben moralisch-satirischen Dichtungen auch viele Liebeslieder sowie Trink- und Spielerlieder enthält. Von besonderer Bedeutung für den mittelhochdeutschen Minnesang ist die romanische Lyrik. Sowohl formal als auch in stofflich-motivischer Hinsicht liefern die provenzalischen Trobadors und die nordfranzösichen Trouvères den deutschsprachigen Lyrikern zahlreiche Anregungen. Die Vorstellung von der unerreichbaren domna (= mhd. vrouwe, also 'Herrin, Minneherrin'), deren Unnahbarkeit den Mann zu Klageliedern animiert, findet in der mittelhochdeutschen Subgattung des Hohen Minnesangs rege Aufnahme.
Anfänge: Der frühe Minnesang
Die Geschichte des deutschen Minnesangs beginnt in der Mitte des 12. Jahrhunderts. In dieser Frühphase (1150-1170/80) ist der romanische Einfluss noch von untergeordneter Bedeutung. In der Nachfolge des stilgeschichtlich ältesten deutschen Lyrikers, des Kürenbergers (ca. 12. Jh.), prägen Dichter wie der Burggraf von Regensburg (12. Jh.), der Burggraf von Rietenburg, Meinloh von Sevelingen und Dietmar von Aist den frühen Minnesang, der in der älteren Forschung etwas missverständlich oft "donauländischer Minnesang" genannt wird (nicht alle Minnesang-Dichter dieser Phase stammen aus dem Donauraum).
Themen sind Werbung, Liebeserfüllung, Liebessehnsucht von Mann und Frau, Trennung, eine neidische, missgünstige Umwelt. Die meisten Lieder sind einstrophig und in Langzeilen verfasst. Der Anteil an Frauenrollen ist im Gegensatz zum späteren Minnesang relativ hoch. Die Reimtechnik ist noch schlicht (vorwiegend Paarreime), mit vielen Assonanzen (vokalische Halbreime).
Rheinischer Minnesang
In einer zweiten Phase des Minnesangs ab etwa 1170 wurde vor allem im Westen des Reichs die französische Trobador- und Trouvère-Dichtung rezipiert. Dieser sog. Rheinische Minnesang entwickelte sich im Umkreis des staufischen Hofes. Einer seiner Hauptvertreter, Friedrich von Hausen (gest. 1190), war ein angesehener Ministeriale des Stauferhofes, der nach dem "Chronicon Hanoniense" zu den familiares et secretarii des Kaisers zählte. Seine Kreuzlieder zählen zu den ältesten der deutschen Lyrik. Als namengebender Stammsitz gilt das am Zusammenfluss von Rhein und Neckar gelegene Rheinhausen (Stadt Mannheim, Baden-Württemberg). Zu Friedrich von Hausens Dichterkreis ("Hausenschule") zählten neben Kaiser Heinrich VI. (reg. 1190-1197), dem Sohn Friedrichs I. Barbarossas (reg. 1152-1190, als Kaiser ab 1155), auch Bernger von Horheim (12. Jahrhundert), Bligger von Steinach (1135-1196), Ulrich von Gutenburg (gest. ca. 1220) sowie der aus dem Fränkischen stammende Graf Otto von Botenlauben (1175-1254). Weiter südlich gilt Graf Rudolf II. von Neuenburg, bekannt als Rudolf von Fenis (erw. 1158-1192), als weiterer wichtiger Vertreter des Rheinischen Minnesangs.
Formal hat der Rheinische Minnesang an Komplexität gewonnen: Es dominieren mehrstrophige Lieder in Kanzonenform; die Reimschemata werden differenzierter, der reine Reim wird zur Norm. Inhaltlich wird die Dienst-Minne zur Hohen Minne stilisiert. In Anlehnung an die Terminologie des Lehnswesens wird die Frau zur abstrakten Minneherrin erhoben, die über dem Mann steht. Die prinzipiell unerfüllte Minne des Mannes vollzieht sich im von Beständigkeit getragenen Frauendienst. Im Mittelpunkt stehen die Kontrolle der Affekte und die Sublimierung der Erotik. Ebenfalls bedeutsam ist die Verbindung von Minne- und Kreuzzugsthematik, die im Kontext des Dritten Kreuzzuges (1187-92) zu sehen ist. In zahlreichen Kreuzliedern geht es um den Konflikt zwischen Minne und Kreuzzugsteilnahme. Die weltliche Liebe zu einer adligen Dame muss sich an der Gottesminne messen lassen. Nicht selten wird der Heilserwartung durch den Kreuzzug der Vorrang gegeben und damit der weltlichen Liebe eine Absage erteilt.
Klassischer Minnesang
In der dritten Phase des Minnesangs ab etwa 1190, dem sog. Klassischen Minnesang, waren erneut Dichter aus dem schwäbischen und bayerischen und nunmehr auch verstärkt aus dem fränkischen Raum tonangebend. Der deutsche Minnesang löste sich nun wieder von romanischen Vorbildern und baute auf eigenen Traditionen auf. Der Passauer Ministeriale Albrecht von Johansdorf (erw. 1180-1206) ist vor allem für seine Kreuzlieder bekannt, in denen er nach der Vereinbarkeit von Kreuznahme und Frauenminne sucht. Der als Epiker bekannte Hartmann von Aue (Schaffenszeit etwa 1185-1205), der in der Nähe von Freiburg im Breisgau lebte und vermutlich im Dienste der Zähringer stand, erteilt in seinen Kreuzliedern der Hohen Minne eine Absage, ähnlich wie bereits Friedrich von Hausen. Darüber hinaus problematisiert Hartmann in seinen Minneliedern das Konzept der Hohen Minne und fordert - ähnlich dem frühen Minnesang - gegenseitige Liebe.
Als einer der bedeutendsten Minnesänger der Zeit um 1200 gilt Reinmar der Alte, der zeitweise am Wiener Herzogshof tätig war. Seine genaue Herkunft ist ungeklärt. Reinmar führt die Tradition des Rheinischen Minnesangs fort, variiert allerdings das Konzept der Hohen Minne. Das aus der Aussichtslosigkeit des Minnedienstes resultierende Leid wird in kunstvoll gestalteten Minneklagen ästhetisiert.
Ebenfalls dem Klassischen Minnesang zugeordnet wird der bedeutende Epiker Wolfram von Eschenbach (Schaffenszeit etwa 1200-1220). Wenngleich er sich selbst in seinem "Parzival" einen Bayern nennt (wir Beiern, Pz. 121,7), gilt seine Herkunft aus dem fränkischen Eschenbach (seit 1917 Wolframs-Eschenbach) als gesichert. Auch sein erster Gönnerkreis stammte vermutlich aus Franken (Graf Poppo von Wertheim [gest. 1279], die Freiherrn von Dürn), bevor Wolfram an den großen Höfen bekannt wurde (z. B. am Hof des Landgrafen Hermann von Thüringen [reg. 1190-1217]). Von Wolfram sind neun Lieder überliefert; fünf davon sind Tagelieder, in denen er das Motiv des Wächters, der die Liebenden nach gemeinsam verbrachter Nacht zur Trennung mahnt, in die deutsche Literatur einführt.
Der bekannteste mittelhochdeutsche Lieddichter war Walther von der Vogelweide (ca. 1170-1230). Er war fahrender Berufs-Minnesänger, der sich immer wieder an den wohlhabenden staufischen und staufernahen Höfen aufhielt. Seine Herkunft ist nicht gesichert. Sowohl Franken und Bayern als auch Österreich kommen in Betracht. Beeindruckend ist nicht nur der Umfang, sondern auch die Vielfalt seines Œuvres, das sich vor allem auf die Gattungen Minnesang und Sangspruchdichtung erstreckt. Unter seinen Minneliedern finden sich konventionelle Lieder in der Nachfolge Reinmars, Lieder, in denen er sich kritisch mit der Hohen Minne auseinandersetzt, sog. Mädchenlieder, in denen die Liebeserfüllung mit nicht-adligen Mädchen thematisiert wird, sowie "Lieder der neuen hohen Minne", in denen er eine neue Geschlechterkultur fordert. Die Lieder Walthers gelten als Höhepunkt und Überwindung des Hohen Minnesangs. Seine Sangsprüche gingen über die gattungsübliche religiöse, moralische und ständische Belehrung hinaus und erschlossen den Themenbereich Politik für die Lieddichtung.
Der Minnesänger Neidhart, ein Zeitgenosse Walthers, wurde in Bayern geboren und wanderte später nach Österreich ab, wo er von Herzog Friedrich II. dem Streitbaren (reg. als Herzog von Österreich und Steiermark 1230–46) unterstützt wurde. Neidhart begründete Anfang des 13. Jahrhunderts den sog. Gegensang, in dem er die höfischen Elemente der Hohen Minne in ein fiktives Bauernmilieu transponierte. In seinen Sommerliedern setzt ein höfischer Ritter (der Riuwentaler) es sich zum Ziel, einfache Mädchen vom Land zu erobern. Immer wieder gestaltet Neidhart dabei äußerst unterhaltsame Auseinandersetzungen zwischen (liebestollen) Müttern und (mahnenden) Töchtern. In seinen Winterliedern, die häufig in bäuerlichen Gaststuben spielen, rücken Streitereien mit den männlichen Vertretern des Bauernstandes in den Vordergrund. Es wird deutlich, dass Neidhart in seiner Auseinandersetzung mit der literarischen Tradition ganz eigene Akzente setzt.
Der späte Minnesang
Um die Mitte des 13. Jahrhunderts setzt der späte Minnesang ein, der sich bis etwa 1350 erstreckt. Rund zwei Drittel der vorwiegend in der Großen Heidelberger Liederhandschrift (C) überlieferten Minnelieder gehören in diese Phase. Hier wurden neben der Nachahmung Neidharts vor allem konventionelle Ansätze höfischen Minnesangs auf hohem Formniveau variiert und konkretisiert. Es entwickelte sich eine Tendenz zur Lehrhaftigkeit.
Viele der um diese Zeit produktiven Minnesänger stammen aus dem alemannischen Raum. Die neuere Forschung zweifelt indes an der Existenz des lange Zeit als prominent angesehenen sog. spätstaufischen Dichterkreises um Gottfried von Neifen (erw. 1234/55), Burkhard von Hohenfels (erw. 1226) und den aus einem einflussreichen schwäbischen Ministerialengeschlecht stammenden Ulrich von Winterstetten (1225-1280) am Königshof Heinrichs VII. (reg. 1222/28-1235) und Konrads IV. in Schwaben (reg. als Herzog von Schwaben 1235–1254, als römisch-deutscher König 1237-1254). Wo und wann genau diese Dichter ihre Lieder vortrugen, gilt als unsicher. Weitere bedeutsame Minnesänger des 13. Jahrhunderts waren Ulrich von Singenberg, Steinmar (beide 13. Jahrhundert), Johannes Hadlaub (gest. 1340), Konrad von Würzburg (gest. 1287), der fahrende Berufsdichter Tannhäuser (gest. nach 1266), dessen Wurzeln in Thannhausen vermutet werden, sowie der schwäbische Lied- und Spruchdichter der Wilde Alexander (Mitte/Ende 13. Jh.).
Nachwirkung
In den folgenden Jahrhunderten wurde vor allem in Bayern immer wieder an die Tradition des Minnesangs und der Sangspruchdichtung angeknüpft. Im 14. Jahrhundert versuchte Hadamar III. von Laber (14. Jahrhundert) mit seiner Minneallegorie "Die Jagd", den hochmittelalterlichen Liebesdiskurs zu aktualisieren. Auch die Meistersinger des 15.-17. Jahrhunderts, deren Meistergesang vor allem in den süddeutschen Reichsstädten wie Nürnberg und Augsburg verbreitet war, sahen die mittelhochdeutschen Sangspruchdichter als Begründer ihrer Kunst an.
2. Jagd
Jagd, Jagdwesen (Mittelalter)
Die Jagd auf wilde Tiere, die mit den damaligen Wurf- und Stichwaffen nicht ungefährlich war, hat dem Adel das ganze Mittelalter hindurch zur körperlichen Ertüchtigung und als Mutprobe gedient. Dies gilt sowohl für Niederadelige wie für Könige und hochadelige Landesherren, die mit ihrem Gefolge große Jagden veranstalteten, um den Untertanen einen Beweis ihrer persönlichen Tüchtigkeit wie ihrer Macht vor Augen zu führen.
Voraussetzungen in der antiken Kultur
Sowohl in den antiken Hochkulturen des Orients wie in den aristokratisch verfassten Stadtstaaten in der frühen Phase des antiken Griechenland vom Einsetzen der mykenischen Kultur (um 1680/1600 v. Chr.) bis ins 6. Jahrhundert vor Christus inszenierten sich die Könige bzw. die adelige Oberschicht gerne als Jäger, um sich der Masse der Bevölkerung als Beschützer vor den durch wilde Tiere drohenden Gefahren zu präsentieren. Im Römischen Reich dagegen spielte die Jagd für die Selbstdarstellung der Führungsschicht der Republik wie anschließend der Kaiser kaum eine Rolle; in der bildenden Kunst wurden sie in der Regel als Redner oder Heerführer, nicht als Jäger abgebildet. Nach römischem Recht war die Jagd kein Privileg der gesellschaftlichen Oberschicht, sondern jedermann erlaubt, der die erforderliche Ausrüstung besaß. Ähnlich waren die rechtlichen Voraussetzungen bei den germanischen Völkerschaften, doch stand bei diesen die Jagd in hohem Ansehen. Sie wurde darum mit Vorliebe vom Adel ausgeübt, der durch diese körperlich anstrengende und gefährliche Betätigung seine Tüchtigkeit unter Beweis stellen konnte.
Die Jagd im Frühmittelalter
Die Herrscher der Dynastien, die am Ende der Völkerwanderungszeit allmählich aus lockeren Stammesverbänden Königreiche und Herzogtümer formten, benötigten, wenn sie mit ihrem zahlreichen Gefolge von Ort zu Ort zogen, große Mengen an Fleisch. Diese wurden neben der hierfür vorrangigen Viehhaltung auf Königs- und Herzogshöfen auch durch die Jagd beschafft. Gleichzeitig bot diese den Herrschern eine Gelegenheit, ihren Völkern die eigene körperliche Leistungsfähigkeit zu demonstrieren, die als wesentlicher Teil der Regierungsfähigkeit galt. Schon die merowingischen und karolingischen Könige der Franken wie auch die bayerischen Herzöge aus dem Hause der Agilolfinger wiesen daher seit dem 7. Jahrhundert Wälder in der Nähe ihrer Pfalzen als "Forste" aus und behielten sich darin neben dem Holzschlag auch das Jagdrecht selbst vor. Unter den ostfränkischen Karolingern begegnen in Bayern Amtsträger mit Titeln wie "princeps super omnes forestes" (erster unter allen Forstleuten) oder "regis summus venator" (Oberster Jäger des Königs) als Verwalter dieser Königsforste.
Der vom König oder Herzog gebannte Forst unterschied sich damit vom Wald, in dem gemäß den germanischen Volksrechten jeder Freie zur Jagd gehen durfte. Ihre Ausübung war jedoch wegen der Pferde- und Hundehaltung kostspielig und setzte bei den damaligen Jagdwaffen (Spieße, Lanzen, Armbrust, Pfeil und Bogen) ein erhebliches Maß an Geschicklichkeit und somit Übung voraus. Daher dürfte der Bevölkerungsanteil, der sich mit der Hetzjagd abgab, schon damals klein gewesen sein. Bauern werden sich in der Regel mit der gelegentlichen Fallen- und Schlingenjagd auf Kleinwild begnügt haben. Der Anteil von Wildbret an ihrer Ernährung war anders als beim Adel marginal.
Die Entwicklung der Jagd zum Adelsprivileg im Hoch- und Spätmittelalter
Seit Beginn des Hochmittelalters, in Bayern nachweisbar seit Beginn des 11. Jahrhunderts, erteilten die Kaiser und Könige zunächst vor allem Bischöfen und Klöstern Privilegien, durch die denselben in bestimmten Bezirken der Wildbann zuerkannt wurde. Dieser beinhaltete das Recht, selbst zu jagen und die Jagdausübung durch andere zu regeln. Um Schmälerungen dieses Rechts fernzuhalten, konnte damit die Befugnis verbunden sein, Rodungen durch andere Herrschaftsträger zu untersagen. Wildbannprivilegien definierten notwendigerweise Bezirke, innerhalb derer sie gelten sollten, und enthielten damit Grenzbeschreibungen. Nicht wie sonst im Früh- und Hochmittelalter vage definierte Grenzsäume, sondern fixierte Linien umfingen das Gebiet, in dem ein Herrschaftsträger die "Forstliche Obrigkeit" ausübte. Dabei musste man mit einer gewissen Großzügigkeit verfahren, denn für die Abgrenzung von Jagdrevieren sind in der Landschaft leicht erkennbare Merkmale notwendig, da bei der Verfolgung des Wildes keine Zeit bleibt, Grenzsteine aufzusuchen. Kleinteiligkeit verbot sich damit von selbst. Wildbanngrenzen waren darum bestens geeignet, entlang leicht erkennbarer und weithin sichtbarer Landmarken (Flußläufe, Gebirgskämme und Höhenzüge, von Weitem sichtbare natürliche Erhebungen und Gebäude) den Raum abzustecken, innerhalb dessen einer der geistlichen und weltlichen Großen des Reiches nach territorialer Herrschaft strebte und diesen Anspruch durch Jagdausübung augenfällig machen konnte. Diese fand stets mit zahlreichem Gefolge, darunter Berufsjäger und Hundemeute, statt und war somit für jedermann leicht wahrnehmbar. So entwickelte sich die 1059 in einem Privileg Heinrichs IV. (reg. 1053/56-1105, Kaiser ab 1084) festgelegte Grenze des Wildbanns der Augsburger Bischöfe bis zum Ende des Spätmittelalters auf weiten Strecken zur Außengrenze von deren Territorium. Bezeichnenderweise mussten die Bischöfe lediglich im Osten und Südosten gegen konkurrierende Ansprüche der mächtigeren Fürsten von Bayern und Tirol Abstriche an der beanspruchten Grenze entlang des Lechs hinnehmen.
Als in der Zeit von der Mitte des 12. bis zum Ende des 13. Jahrhunderts die Herrschaftskomplexe des hohen Adels und der Institutionen der Reichskirche zu Territorialfürstentümern wurden, entwickelte sich der Wildbann zu einem landesherrlichen Regal. Als Ausfluss des fürstlichen Ranges wurde dieses auch dort in Anspruch genommen, wo, wie meist bei den weltlichen Fürsten, eine königliche Privilegierung nicht nachweisbar ist. In Franken sicherten sich seit dem Ende des 13. Jahrhunderts Grafenhäuser in Konkurrenz zu den großen Territorialherren kleinere Wildbannbezirke als Reichslehen. Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt (reg. 1413-1447) beanspruchte 1435 in einem Streit mit dem Bischof von Passau um Wildbannrechte erstmals das Jagdrecht in seinem ganzen Territorium für sich als Ausfluss seiner Landeshoheit ("wie der wildpann ein solche herlichkeit wer, die in als einem lanndfürsten billich zugehört in seinem lannd", Monumenta Boica 31/2, 280).
Die Hauptkonfliktlinie verlief jedoch nicht zwischen benachbarten Territorialherren, sondern zwischen den jeweiligen Landesherren und den ihnen unterworfenen kleineren adeligen und kirchlichen Grundherren, die das Jagdrecht als Ausfluss ihres Geburtsstandes oder ihres Eigentums an Wäldern ansahen. Diese Streitigkeiten fanden ihre Lösung vereinzelt durch fürstliche Wildbannbelehnungen oder Einräumungen eines "Mitjagens", d. h. der Befugnis zur Ausübung der Jagd mit und neben dem Wildbanninhaber, hauptsächlich aber durch die einsetzende Differenzierung nach jagdbaren Tieren. Dabei wurde die Jagd auf Rot- und Schwarzwild als "hohe Jagd" für den Wildbanninhaber reserviert, während die Grundherren sich mit der "niederen Jagd" auf Füchse, Hasen, Federwild und andere Kleintiere begnügen mussten. In landesherrlichen Einzelprivilegien und allgemeinen Vereinbarungen der Fürsten mit ihren Landständen fanden solche Regeln ihre rechtliche Fixierung.
Die Bauern dagegen gingen mit wenigen Ausnahmen im Zuge dieser Einpassung des Jagdwesens in die Ständegesellschaft des Rechts auf Jagdausübung gänzlich verlustig. Eingesetzt hatte dies schon in der Zeit der späten Karolinger, als immer mehr freie Bauern sich unter dem Druck der auf ihnen lastenden Kriegsdienstpflicht davon freikauften, indem sie ihren eigenen Status minderten und sich als Halbfreie in den Schutz eines adeligen oder kirchlichen Großen begaben. Mehr noch als diese Minderung des persönlichen Standes wirkte sich die immer weiter getriebene Ausweisung ehedem herrenloser Wälder als königliche und insbesondere fürstliche Bannforste aus. Als dritter Faktor kam gegen Ende des Mittelalters die einsetzende landesherrliche Polizeigesetzgebung dazu, die das Recht, in der Öffentlichkeit Waffen zu führen - oft in ständisch abgestufter Weise - beschränkte.
Zu einer Belastung entwickelten sich zudem für die Bauern die Verpflichtung zur Beherbergung der Jäger sowie die Jagdfronen (d. h. die unentgeltliche Unterstützung der Herrschaft bei der Jagd). Besonders stark scheint dies, wie Beschwerdeartikel im Umkreis des Bauernkriegs von 1525 zeigen, in Franken und Schwaben mit ihren vielen kleinen Territorialherrschaften der Fall gewesen zu sein. Klösterliche Grundherren, bei denen das Jagdrecht meist auf den Vogt übergegangen war, suchten mitunter ihre Bauern durch königliche oder landesherrliche Privilegien gegen eine übermäßige Beanspruchung dieser Rechte durch die adeligen Vögte zu schützen.
Die Formen der Jagdausübung
Die im Mittelalter vorherrschende Jagdform war die Pirschjagd, besonders bei geistlichen Jagdrechtsinhabern, denen die persönliche Teilnahme an Treib- oder Hetzjagden vom Kirchenrecht verboten war. Auch die Pirsch wurde jedoch in der Regel nicht von einem einzelnen Jäger, sondern in Gruppen ausgeübt. Als Waffen wurden auf Hirsche die Armbrust sowie Pfeil und Bogen, bei Wildschweinen der Sauspieß eingesetzt, wobei die Hunde das Wild zu hetzen und zu stellen hatten. Vögel wurden mit Netzen und Röhren gefangen. Die Jagd auf Bären oder Wölfe wird in Franken niemals als Bestandteil der Hofjagd erwähnt. Im dünner besiedelten Herzogtum Bayern scheint sie eine gewisse Rolle gespielt zu haben: Ludwig der Bayer (reg. 1314-1347, Kaiser ab 1328) verstarb 1347 während der Bärenjagd bei Fürstenfeld (Stadt Fürstenfeldbruck). Der Starnberger See, dessen Umkreis neben den Forsten nahe München (Ebersberger Forst, Perlacher Forst, Forstenrieder Forst) das bevorzugte Jagdgebiet der Münchner Herzöge war, wurde auch zur Jagd auf Wasservögel genutzt. Eine Sonderform war die Beizjagd mit Hilfe von Greifvögeln. An ihr beteiligten sich auch Frauen.
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Miniatur zur Bärenjagd im Codex Manesse. Bei der dargestellten Person handelt es sich wohl um den Minnesänger Hawardus de Holzwane, der aus Holzschwang bei Günzburg stammte. (Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, Bl. 313r)
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Diese Miniatur aus dem Codex Manesse zeigt den Minnesänger Kol von Nüssen - seine Minnelieder entstanden wohl um 1230 bis 1250 - als Armbrustschützen auf der Beizjagd. (Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, Bl. 396r)
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Jagdszene in der Chronik der Bischöfe von Würzburg des Lorenz Fries (1489/91–1550). (Universitätsbibliothek Würzburg, M.ch.f.760, fol. 86r)
Die landesherrliche Jagdverwaltung in Bayern
Das fürstliche Jagdpersonal war dem Hofstaat zugeordnet. So sind in der niederbayerischen Hofordnung von 1294 ein Jägermeister mit acht Jägern und einem Falkner erwähnt (Rosenthal, Geschichte, 356f.; Störmer, Hofjagd, 307).
Erstmals führte Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut (reg. 1479-1503) 1490 in Bayern eine regional gegliederte Jagd- und Forstverwaltung ein: Das Jägermeisteramt in Landshut benannte er in "Forstmeisteramt" um, wobei der bisherige Jägermeister den Titel "Oberster Forstmeister" erhielt und mit der Oberaufsicht über alle herzoglichen Forste im Viztumamt Landshut betraut wurde. In Burghausen fasste er die beiden dort ansässigen Forstmeisterämter für den Öttinger Forst und den Weilhartforst (Österreich) ebenfalls zum Amtsbereich eines "Obersten Forstmeisters" zusammen. In Ingolstadt blieb es zwar bei der Bezeichnung "Jägermeister", doch scheint auch mit diesem Amt nunmehr die Oberaufsicht über das gesamte Forstwesen im Viztumamt Ingolstadt verbunden worden zu sein. (Ziegler, Staatshaushalt, 97, 128, 195).
Quellenlage
Schon antike Autoren verfassten Lehrbücher zur Jagdausübung. In den frühmittelalterlichen Stammesrechten wird sie mitunter erwähnt; so enthält die Lex Baiuvariorum rechtliche Regelungen über die Jagd mit Hunden und Habichten sowie über den Wert von Jagdhunden. Zwar erst im Hochmittelalter entstanden, aber sicher die frühmittelalterlichen Verhältnisse einigermaßen richtig wiedergebend sind Schilderungen der Jagdausübung durch die agilolfingischen Herzöge von Bayern in den Gründungslegenden der Klöster Kremsmünster (Österreich), Polling und Wessobrunn. Auch Chroniken und Lebensbeschreibunegn von Herrschern erzählen mitunter von großen, von diesen veranstalteten Jagden. Die wittelsbachischen Herzogurbare seit dem 13. Jahrhundert - das älteste stammt von 1230 - lassen zwar die Jagdgerechtigkeiten unerwähnt - was darauf hindeutet, dass ihr wirtschaftlich-finanzieller Ertrag für die fürstliche Kammer bedeutungslos war -, doch wird man davon ausgehen dürfen, dass die darin genannten Forste auch als Jagdgebiete dienten.
Seit dem 13. Jahrhundert entstanden auch wieder, besonders im französischen Sprachraum, hand- und lehrbuchartige Darstellungen der Jagdausübung. Berühmt ist das von Friedrich II. (reg. 1212-1250, Kaiser seit 1220) verfasste Werk über die Falknerei "De arte venandi cum avibus".
3. Am Hofe der Burgunder. Leben in Pracht und Tugend.
Zwar dominieren Ritter um 1450 nicht mehr die Schlachtfelder Europas. Doch sie sind die kulturelle Elite des Kontinents: Ihre Ideale und Regeln bestimmen das Leben an den Fürstenhöfen. Und der prunkvollste von allen befindet sich im Herzogtum Burgund – dessen Herrscher seine Standesgenossen zu einem neuen Kreuzzug aufruft
Welche Stunden des Rausches, prunkvoll, maßlos! Aus einem Brunnen in Frauengestalt strömt gewürzter Wein, feines Orangenwasser rinnt aus den Türmen eines kunstvoll modellierten Schlosses samt Umgebung mit Gräben, Hügeln und Windmühle. Nicht weit davon ragt auf einer Tafel eine meterhohe Pastete empor – so gewaltig, dass in einer Aussparung im Inneren der Speise 28 Musiker Platz finden. Auf ihren Instrumenten spielen sie Kompositionen, die eigens für dieses Fest in Auftrag gegeben worden sind.
Philipp der Gute, Herzog von Burgund, hat an diesem 17. Februar 1454 im großen Saal seiner Residenz in Lille zum Bankett geladen. In seiner bacchantischen Üppigkeit ist dieses Festmahl aber mehr als ein bloßes Essen: Es ist eine Feier seiner Herrschaft, seiner Herrlichkeit – und seines Rittertums. Mit der Organisation der Gala hat der Herrscher seine besten Männer betraut.
Philipp thront an diesem Abend an einer von drei Tafeln, beschirmt von einem Baldachin aus golddurchwirktem Tuch. Um ihn sitzen, nach strenger Ordnung, die Edlen und Wichtigen des burgundischen Reiches. Viele von ihnen sind Ritter, gehüllt in grauen und schwarzen Damast, darunter die gut 30 Mitglieder des Ordens vom Goldenen Vlies, den Philipp vor einigen Jahren gegründet hat.
Zu erkennen sind diese hohen Adeligen am Ordenszeichen, einer Kette mit goldenem Anhänger in Form eines Widderfells. Es soll ein Vlies darstellen, das die Griechen der Sage nach einst erbeuteten. Diener tragen das Mahl auf: mehrere Gänge mit jeweils 48 Speisen, darunter Fisch in Aspik, Dutzende Fleischgerichte, Wild – und viel Geflügel. Denn Tiere, die sich in die Luft erheben, gelten als sehr edel. Daher gibt es gebratene Tauben, Rebhühner, Rohrdommeln, Reiher. Zudem Fasan, bestäubt mit Goldpuder.
Auch die Saucen schimmern golden, sie sind mit Safran gefärbt, von dem ein Pfund so viel kostet wie ein ganzes Pferd. Zum Dessert lässt Philipp Kuchen und eingemachtes Obst kredenzen – vor allem Pflaumen und Kirschen, denn die wachsen so hoch, wie die Vögel fliegen, weit entfernt von den Früchten des Bodens, die dem Volk genügen müssen.
Zwischendurch werden die Anwesenden immer wieder durch spektakuläre Einlagen unterhalten. Ein singender Knabe reitet auf dem Rücken eines weißen Hirsches mit vergoldeten Hörnern durch den Raum. Die Figur eines feuerspeienden Drachens gleitet (vermutlich an einer eigens angebrachten Seilkonstruktion) über die Köpfe der Gäste hinweg. Darsteller führen Szenen aus den Sagen um Jason auf – jenen antiken Helden, der sich einst auf die abenteuerliche Suche nach dem Goldenen Vlies gemacht hat: In Begleitung seiner Getreuen, allein dem guten Ziel verpflichtet, brach er ins sagenhafte Schwarzmeerland Kolchis auf. Die Ritter versuchen solchen Vorbildern nachzueifern; brüderlich, tapfer, von absoluter Moral.
Und wie kaum ein Zweiter hat sich Philipp der Gute diesen Idealen verschrieben. Leben und Streben nach dem Geist des Ritters: Das ist sein Leitbild, der Kern seiner Herrschaft. Am burgundischen Hof, der im späten Mittelalter als Europas prächtigster gilt, folgen die Edlen den traditionellen Umgangsformen der Gepanzerten daher mit besonderer Hingabe.
Sie pflegen ritterliche Tugenden wie Disziplin und Tapferkeit, Gemeinschaft und Gelehrtheit, organisieren wie ihre großen Vorbilder früherer Jahrhunderte regelmäßige Turnierkämpfe. Und setzen auf largesse, Großzügigkeit: Nirgendwo auf dem Kontinent sind die Bankette ausladender, die Inszenierungen üppiger, die Geschenke wertvoller als in Burgund.
DOCH DIESE NACHT in Lille dient einem noch höheren Ziel als der festlichen Freigebigkeit: Plötzlich sind Laute des Erstaunens zu hören, als ein Hüne, als Türke verkleidet, einen Elefanten hereinführt. Auf dessen Rücken steht in Frauenkleidern Philipps Hofmeister als personifizierte Heilige Kirche. Mit einstudierten Worten fleht er eindringlich den Herzog an, der Kirche zu Hilfe zu eilen. Sogleich verstummen alle im Saal.
Jeder der Anwesenden weiß um den Hintergrund des Schauspiels: Kein Jahr zuvor ist Konstantinopel, letzte Bastion der Christenheit im Osten, in die Hände des osmanischen Sultans gefallen. Daraufhin hat der Papst die europäischen Herrscher zum Kampf gegen die Türken aufgerufen.
Tief sitzt in den Köpfen von Fürsten und Rittern die Erinnerung an früheres Versagen: Die meisten Kreuzzüge gegen die Muslime sind gescheitert. Noch die letzte bewaffnete Wallfahrt, an der 1396 auch der burgundische Herzog Johann teilnahm, endete desaströs. Johann wurde gefangen genommen und kam erst nach der Zahlung eines hohen Lösegeldes frei.
Philipp, sein Sohn, kann trotzdem (oder gerade deshalb) nicht von diesem höchsten aller Ritterideale lassen: Jerusalem zu befreien. Denn haben nicht erst die Kreuzzüge aus den berittenen Kriegern edle Ritter gemacht, deren Ideal und ihren Geist geprägt? Der Herzog ist fest entschlossen, diese ritterliche Tradition wiederaufzunehmen und seine Gefolgschaft für diese Idee zu begeistern. Und jetzt sieht er die Zeit dafür gekommen. Daher trägt nun einer der Ordensritter einen Fasan herbei, der an Kolchis erinnern soll, jenen Ort, von dem das Goldene Vlies einst geraubt worden sein soll.
Behutsam legt Philipp seine Hand auf das glänzende Gefieder des Vogels – und schwört mit fester Stimme, einen Kreuzzug gegen die Türken nach Kräften zu unterstützen. Jubel brandet auf.
Gut 100 weitere Ritter legen noch an diesem Abend ihr Gelübde auf den Fasan ab. In den Tagen danach, als Herolde und Boten überall die Kunde eines neuen Kreuzzugs verbreiten, sind es fast noch einmal so viele, die den Eid schwören – als wollten sie sich ihrer Bedeutung vergewissern in einer Zeit, da ihr Stand auf den Schlachtfeldern bedroht ist.
Denn zu Philipps Zeiten gelten die Panzerreiter längst nicht mehr als unumschränkte militärische Elite des Kontinents – wohl aber als kulturelle Führungsschicht: Werte und Regeln ritterlichen Lebens sind über die Jahrhunderte hinweg zum Maßstab der Mächtigen geworden. Vor allem an den großen Herrscherhöfen huldigen und folgen sie ihnen. Und niemand übertrifft darin Philipp den Guten, der den schönsten aller Ritterhöfe führt. So alt die Rittertraditionen auch sind, auf die sich der 57-jährige Herzog von Burgund beruft, seine Dynastie ist noch ziemlich jung – und deren Aufstieg geradezu rasant.
Gut 90 Jahre zuvor hat Frankreichs König seinem vierten Sohn Philipp das Herzogtum Burgund zum Lehen gegeben. Das Land umfasst da, 1363, neben dem Kerngebiet um die Hauptstadt Dijon nur ein spärlich besiedeltes, bäuerliches Gebiet an der Loire.
Doch schon diesem Philipp, genannt der „Kühne“, gelingt es, sein Reich rasch auszuweiten, vor allem durch geschickte Hochzeitspolitik. Er heiratet Margarete, die Erbtochter des Grafen von Flandern, und gewinnt so bedeutende flämische Gebiete hinzu – das europäische Zentrum des Tuchgewerbes, aus dem bald schon üppige Zoll- und Steuereinnahmen an den burgundischen Hof fließen. Das Erbe seiner Frau verschafft Philipp zudem weitere Territorien in den heutigen Niederlanden sowie französische Gebiete und die zum römisch- deutschen Reich gehörende Freigrafschaft Burgund (siehe Karte Seite 144). Durch die neuen Territorien steigt der Herzog zu einem der bedeutendsten europäischen Fürsten auf; er ist nun fast ebenso mächtig wie der französische König, sein durch Kriege geschwächter Lehnsherr.
Die Tuchindustrie verbindet Burgund mit England, das die Wolle für die Produktion liefert. London jedoch steht mit Frankreich im schon lange währenden „Hundertjährigen Krieg“ – und die burgundischen Herzöge nutzen diesen Konflikt für ihre Zwecke. Mehrmals werden sie in den folgenden Jahrzehnten die Seiten wechseln und erlangen so immer größere Eigenständigkeit. Als Philipp der Gute 1419 an die Macht kommt, übernimmt er ein politisch und finanziell starkes Herzogtum. Er wird es in nie gekannte Höhen führen.
BEI SEINEM AMTSANTRITT ist Philipp gerade erst 22 Jahre alt, ein Jüngling noch, groß gewachsen, dichte Brauen. Maler seiner Zeit porträtieren ihn mit Ehrgeiz und Entschlossenheit im Blick. Die Aufgabe ist plötzlich über ihn gekommen: Handlanger des französischen Kronprinzen haben seinen Vater ermordet. Der Prinz fürchtete die Macht und den Einfluss, den der ebenfalls aus der Königsfamilie stammende Burgunder am Hof in Paris ausübte.
DAS SCHWERT IM KAMPF, DIE HARFE AM HOF
Dennoch ist Philipp gut vorbereitet. Er hat eine ritterlichadelige Ausbildung genossen, wie sie mittlerweile Standard ist in den hohen Fürstenhäusern Europas: Sie umfasst den Kampf mit Schwert und Lanze, aber auch den Tanz und das Spiel auf der Harfe. Der Jüngling ist mit antiker und mittelalterlicher Literatur vertraut, beherrscht neben Französisch, der feinen Sprache des Hofes, auch Flämisch und natürlich sämtliche Regeln der höfischen Etikette.
In dieser Zeit gehört das Rittersein längst zum Wesen eines adeligen Herrschers. Romane und Epen feiern die Reiterkämpfer als einzig verbliebene Helden in einer Welt voll Gier, Furcht und Rachsucht. Sie verkörpern alles Geschätzte, das Harte und das Moralische: Sie sind Gewaltund Ehrenmänner, eigensinnig und brüderlich, wissen in der Schlacht ebenso zu glänzen wie in der Philosophie. Um sich selbst noch einmal zu erhöhen, mit dem Nimbus von Stärke und moralischem Glanz zu versehen, richten viele europäische Fürsten ihr Leben am Ideal des vollkommenen Kämpfers aus.
Nach und nach sind Aristokratie und Rittertum so immer weiter verschmolzen. Fürsten lassen ihre Söhne zu Rittern erziehen, schmücken sich mit ritterlichen Titeln, zeichnen Verwandte und Verbündete damit aus. Zugleich aber nimmt die militärische Bedeutung der Panzerreiter ab – auch weil es immer weniger Schlachten gibt, in denen sie gebraucht werden.An den Fürstenhöfen gelten jedoch weiterhin ritterliche Ideale: außerordentliche Großzügigkeit, präzise Benimmregeln, besondere Kleider, eigene Tänze.
Philipp der Gute entspricht perfekt dem Bild des fürstlichen Ritters, da sind sich die Chronisten einig. Kampfeslustig sei er, fast täglich trainiere er. Zugleich beherrsche er aber auch das Duell mit Worten, sei respektvoll, großmütig und loyal. Und wie er tanze, unübertroffen!
Dazu dieser Sinn für alles Schöne, ja Extravagante. Sein Hut, den er bei öffentlichen Auftritten trägt, ist dicht mit Rubinen, Diamanten und Perlen besetzt. Seine Gewänder sind zuweilen so lang und weit, dass sie beim Reiten vom Ross bis auf den Boden reichen. Beim Regieren ist Philipp allerdings weitaus weniger stilvoll, agiert durchtrieben und skrupellos. Sein Ziel: Burgund noch größer und mächtiger zu machen.
Im Jahr 1421 erwirbt der Herzog die Grafschaft Namur. Deren Herrscher ist hoch verschuldet, und Philipp ergreift die Gelegenheit: Für 132.000 Goldkronen (25.000 in bar, den Rest in drei Jahresraten) erhält er das Erbrecht an der Grafschaft. Später fällt ihm unter anderem auch das Herzogtum Brabant mit der wichtigen Stadt Brüssel als eine glückliche Erbschaft zu.
Zuvor schon hat ein Ringen um weitere Gebiete in den heutigen Niederlanden, Belgien sowie Frankreich begonnen: um die Erbschaft der Gräfin Jacqueline von Holland, Seeland und Hennegau, eine Verwandte des Hauses Burgund. Geschickt nutzt Philipp einen familiären Zwist, um zu versuchen, seine Cousine Jacqueline unter seinen Einfluss zu bringen.
DIE RITTER GELTEN ALS DIE LETZTEN HELDEN
Als die Gräfin ihre Unabhängigkeit mit englischer Unterstützung verteidigt, nimmt sich Philipp schließlich mit Gewalt, was er anders nicht erringen kann. Am 13. Januar 1426 greift sein Heer die Hafenstadt Brouwershaven an, in der seeländische und englische Krieger Stellung bezogen haben. Philipps 4000 Mann starke Armee besteht vor allem aus holländischen Einheiten, die sich auf das Kämpfen mit Armbrüsten und schwerer Artillerie verstehen – und nur zum geringen Teil aus gepanzerten Reitern.
Denn so groß seine Ritterbegeisterung auch sein mag: Philipp weiß, dass sich mit Rittern allein kaum mehr eine Schlacht gewinnen lässt. Die zum Teil schwer gepanzerten Kämpfer sind oft zu behäbig – und zu eigensinnig. Daher setzt er neben den Rittern auch Infanteristen und Kanoniere ein. Bald schon gibt es in Burgund die modernste Artillerie des Kontinents mit fahrbaren Lafetten, gar ein stehendes Heer aus regelmäßig übenden Infanteristen – die beweglicher, flexibler, disziplinierter sind als ein Trupp individualistischer Panzerreiter.
Die Macht seines Militärs bekommen nun, in Seeland, auch Philipps frühere englische Verbündete zu spüren. Zwar gelingt es deren Langbogenschützen, die burgundischen Kämpfer nach deren Landung im Hafen in die Defensive zu drängen. Dann aber schlagen Philipp und seine Mannen zurück, geordnet und bestens gerüstet, angetrieben von markerschütternden Tönen aus Hörnern und Trompeten.
Sie treiben die Gegner auf einen Deich hinauf und metzeln sie nieder. Einige der Zurückweichenden ertrinken in einem Graben hinter dem Damm. Der Ausgang der Schlacht ist verheerend für Jacqueline. Zwar leistet sie noch einige Zeit Widerstand. Doch gut zwei Jahre später erkennt sie Philipp als Mitregenten an und setzt ihn als ihren Erben ein, sodass ihm ihre Gebiete nach ihrem Tod 1436 zufallen.
Binnen nicht einmal zwei Jahrzehnten hat der Burgunder sein Reich um mehr als ein Drittel anwachsen lassen. Es ist jetzt eine europäische Mittelmacht von Gewicht, die strategisch exponiert zwischen Frankreich und dem römisch-deutschen Reich liegt.
Philipp aber hegt noch größere Ambitionen. Und dafür benötigt er das Rittertum auf andere Weise wieder umso mehr. Im Jahr 1430 begründet er eine neue Gemeinschaft von Rittern, den Orden vom Goldenen Vlies. Feierlich überreicht er am 10. Januar während der Feier zu seiner dritten Hochzeit (mit der Tochter des portugiesischen Königs) den 24 Gründungsmitgliedern seines Ordens, alles hohe Adelige aus seinem Herrschaftsgebiet, das Zeichen ihres Zusammenschlusses: eine schwere Halskette, an der das goldene Widdervlies prangt.
Das Collier ist ein Werk vollkommener Goldschmiedekunst, voller dunkler Edelsteine – und tiefer Symbolik; so sind die Glieder der Kette derart ineinander verhakt, dass sie nur bei Zug zusammenhalten. Fehlt diese Kraft – fehlt, so das Sinnbild, die Solidarität –, fällt alles auseinander.
Philipp gebietet seinen Ordensbrüdern, das Collier täglich zu tragen, zum Beweis ihres steten Ringens um Zusammengehörigkeit, diesem ritterlichen Ideal. Den Statuten des Ordens nach verpflichten sich die Mitglieder, den christlichen Glauben zu fördern und zu verteidigen. Doch für Philipp selbst ist die Gründung nicht nur Dienst an Gott. Sie ist Politik. Denn der Herzog, der dem Orden vorsitzt, stützt damit seine Autorität, feiert sich als ritterlicher Herrscher und würdiger Nachfolger antiker Helden. Zugleich schmeichelt er den Adeligen und bindet die hohen Herren enger an sich – indem er sie heraushebt, schmückt, auf vielfache Weise verwöhnt.
EINMAL IM JAHR treffen sich die Vliesritter zu einer vornehmen Versammlung, dem Ordenskapitel. Das Treffen ist ein oft wochenlanger Reigen aus Gottesdiensten, Unterredungen und Banketten, der stets mit Gebeten zu Ehren des burgundischen Schutzpatrons beginnt.
In vollem Ordensornat schreiten die Ritter dafür zur Kirche. Gehüllt in lange rote Umhänge, auf ihren Häuptern rote Mützen, an ihren Füßen lederne Schnabelschuhe, deren lange Spitzen das Gehen erschweren (dies ist das typische Schuhwerk des Adels jener Zeit, das auch bei den anderen Ständen immer beliebter wird).
Die Klänge der Hofkapelle flirren durch die Luft, ergreifend verbinden sich die Lauten und Flöten mit den Gesängen der Musiker. Sie intonieren mehrstimmig. Philipp holt immer wieder bedeutende Musiker und Komponisten an seinen Hof, um die Kirchenmusik zu verfeinern – zu Gottes Ehren. Zwischen den diversen Messen tritt der Orden beim Kapitel zu Gesprächen zusammen, ehrt verstorbene Mitglieder, benennt neue, schließt allzu widerspenstige aus.
Die Runde versucht, mögliche Streitfälle zwischen dem Herzog und den anderen Adeligen beizulegen, rügt einzelne Ritter wegen ihrer Lebensführung. Denn die Mitglieder verpflichten sich zu einer gottgefälligen Existenz, das bedeutet auch, die herrscherliche und eheliche Treue zu wahren. Für Philipp selbst allerdings scheinen andere Regeln zu gelten: Er hat, wie viele Herrscher seiner Zeit, bald etliche uneheliche Kinder. Immerhin lässt er täglich Messen lesen und Weihwasser sprenkeln, um sich von dieser Sünde reinzuwaschen.
WÄHREND DER Kapiteltreffen bewirtet der Herzog die Ordensbrüder fürstlich. Philipp weiß, wie wichtig es ist, um die Loyalität seines Adels zu buhlen. Denn so groß sein Reich auf der Landkarte erscheint: Es bleibt ein Flickenteppich einander fremder, oft miteinander konkurrie render großer und kleiner Unterherrschaften und stolzer Städte.
Zwar gelingt es dem Fürsten 1435 auf einer Konferenz, den lange schwelenden Konflikt mit dem französischen König vorerst beizulegen: Er muss dem Monarchen, der einst als Kronprinz den Mord an seinem Vater in Auftrag gegeben hatte und sich nun für die Tat entschuldigt, fortan nicht mehr persönlich einen Lehnseid für die französischen Territorien seines Herrschaftsgebietes leisten.
Doch Ende der 1430er Jahre schaffen Kämpfe und Revolten in weiten Landesteilen ernsthafte Probleme. Im Norden kommt es zu Auseinandersetzungen mit den Engländern, Städte leiden unter den wirtschaftlichen Folgen und begehren gegen den Herzog auf. Und im Süden marodieren arbeitslose Soldaten, die nach dem Friedensschluss zwischen Burgund und Frankreich nicht mehr gebraucht werden. Hat sie der französische König, der in Philipp noch immer einen Gegenspieler sieht, nach Burgund geschickt?
Die Bewohner der betroffenen Regionen jedenfalls geben dem Herzog und seiner Politik die Schuld an diesem Plünderzug. Ständig ist Philipp im Land unterwegs, pendelt zwischen seinen fünf Hauptresidenzen in Dijon, Lille, Brüssel, Brügge und Hesdin im Artois hin und her, um Vertrauen zurückzugewinnen und sich als mächtiger Herrscher zu inszenieren. Als jemand, zu dem man ehrfurchtsvoll aufblickt. Schon der reisende Hof ist ja ein Spektakel: eine Kolonne von 72 Wagen, jeder von fünf oder sechs Pferden gezogen. Zwei Zimmerleute begleiten den Konvoi, um unterwegs gebrochene Wagenräder auszubessern oder mit Holzkonstruktionen allzu holprige oder verschlammte Wege zu überbrücken.
Die Pferdegespanne, deren Anmietung große Summen verschlingt, bergen alles, was die ansonsten beinahe verwaisten Residenzen mit Glanz und Pracht erfüllt. Fünf Wagen allein transportieren die Juwelen und Schätze des Herzogs. Vier weitere Gefährte sind gefüllt mit kunstvollen Wandteppichen, um die angesteuerte Residenz neu zu verzieren. Tapissiers haben antike Heldengeschichten und religiöse Szenen auf die Wandbehänge gebannt. Für jede Residenz, jedes Fest fertigen sie immer neue Sujets an.
Ein weiteres Gefährt transportiert die Instrumente der Hofkapelle. Die Küchenutensilien füllen fünf Karren, der Wein drei weitere Gespanne. Hinzu kommen noch einmal mindestens 15 Karren, in denen Herzogin Isabella Kleider, Schmuck und edle Gewürze verstaut hat. Sogar für Karl, den jungen Sohn des Herrscherpaares, gibt es zwei eigene Wagen, für Kleider und Spielzeug.
Sind der Transportkonvoi und der Herrscher am Ziel angekommen, nehmen rund 300 Höflinge meist adeliger Herkunft sowie ungezählte weitere Bedienstete ihre Arbeit auf – vom Almosenmeister, der während der herzoglichen Reisen den Armen am Wegesrand Geld spendet, bis zum Zeremonialtrompeter.
Nachdem sich der Hof in der neuen Residenz eingerichtet hat – für einige Wochen oder gar Monate –, beginnt ein eindrucksvolles Schauspiel, wie man es im Europa des ausgehenden Mittelalters sonst nirgendwo so erlebt: das höfische Zeremoniell des Alltags. Denn so gut wie nichts am burgundischen Hofe erfolgt zufällig oder aus eigenem Antrieb. Jedes Mitglied, jeder Beteiligte hat sich teils absurd strengen Regeln und Ritualen zu unterwerfen.
Die Idee dahinter: Ritterliche Tugenden wie Disziplin, Respekt und Demut, kombiniert mit Extravaganz und Exklusivität, sollen nicht nur während der großen und prächtigen Feste gepflegt werden, sondern auch im Alltäglichen.
Zugleich aber dient die ritterliche Lebensart bei Hofe noch einem anderen, praktischen Zweck: Sie zähmt das Verhalten mehrerer Hundert Menschen unterschiedlicher Herkunft und mitunter rivalisierender Absichten, die hier auf engem Raum zusammenkommen. Das ritterliche, respektvolle, im Wortsinne „höfliche“ Benehmen mindert das Risiko für Zank oder sogar Handgreiflichkeiten.
Und so durchwaltet in Burgund ein minutiöses Regelwerk das Hofleben bis in die Schlafkammern. Jeden Morgen lässt sich Philipp von zwölf Trompetern vor seinem Fenster wecken. Nur die Träger höchster Ämter (etwa die Kammerherren, die ihn stets begleiten und bewachen) schlafen in jenem Trakt, in dem auch die Gemächer des Herzogs liegen.
Der Herrscher hat alle ranghohen Positionen unter den Höflingen ausschließlich mit Rittern besetzt. Sie sind ihm nahe wie niemand sonst – so darf ihm etwa abends der Erste Kammerherr gar seine Schlafmütze zur Nacht richten, ein großes Privileg. Denn die Nähe zum Herzog drückt dessen Wertschätzung aus, symbolisiert Einfluss und Macht.
DER HERZOG WILL DIE KRONE DES KÖNIGS
Zugleich würden die Amtsträger aber niemals in Erwägung ziehen, etwa Philipps Bett auszuschütteln, wenn er es verlassen hat; es wäre unter ihrer Würde. Solche einfachen Aufgaben haben einfache Bedienstete zu erledigen.
Eine strenge Hierarchie bestimmt das höfische Leben überall: So speisen die meisten Höflinge stets in Gruppen mit ranggleichen Kollegen. Der Erste Kammerherr hat dagegen das Recht, allein zu essen und sich zudem zweimal am Tag mit warmen Mahlzeiten bedienen zu lassen, je einem Teller Fleisch, zwei Vierteln Wein sowie weißem und braunem Brot. Philipps Mahlzeiten gleichen liturgischen Handlungen. Mit fest vorgeschriebenen Handgriffen reichen ihm Mundschenke polierte Krüge und Becher mit Wein und Wasser an, tragen Diener Salz, Brot und delikate Speisen herbei.
Alles ist so geplant, dass die rangniederen Höflinge stets als Erste mit dem Essen fertig sind, um anschließend vor den Herzog treten zu können, der noch an seiner Tafel sitzt, dort niederzufallen und ihm die Ehre zu erweisen. Das Hinknien vor einem Rangoberen ist bei Hof unerlässlich, dies zu missachten eine unverzeihliche Sünde. Treffen in einem Raum mehrere Adelige hohen Ranges aufeinander, führt das mitunter zu hochkomplizierten Kaskaden von Verbeugungen und Ehrerbietungen – ein langwieriges, umständliches Ritual, das aber unter allen Beteiligten als Ausweis von höchster Verfeinerung und Ritterlichkeit gilt.
Doch nicht nur im Alltag, auch bei besonderen Gelegenheiten zelebriert Philipp die ritterliche Kultur, um sich mit der Aura des Erhabenen zu umgeben: Er fördert Turniere. Was in Frankreich vier Jahrhunderte zuvor als blutige Schlacht zweier ritterlicher Mannschaften begonnen hat (siehe Seite 56), ist längst zu einem sorgsam reglementierten Kräftemessen geworden. Mehr noch: Philipps Turniere gleichen bisweilen glanzvollen Theateraufführungen. Im Sommer 1443 etwa lädt Pierre de Bauffremont, ein enger Vertrauter Philipps, zu einem Turnier am Rand von Dijon, das einem bekannten Ritterepos gewidmet ist: dem Rolandslied.
Es erzählt vom tapferen Kampf eines Reiterkriegers gegen Heiden zur Zeit Karls des Großen: wie er mit Gefährten in einen Hinterhalt gerät, in dem er sich letztlich allein behaupten muss; wie er stirbt und für seinen gottgefälligen Heldenmut sogleich in den Himmel aufgenommen wird. Ein gutes Dutzend burgundischer Ritter mimen bei dem Turnier Roland und dessen Getreue, die sich – kühn wie ihr legendäres Vorbild – immer neuen Angreifern stellen (die von angereisten Kriegern aus Italien, Frankreich und Spanien verkörpert werden).
Gekämpft wird wohl, wie inzwischen üblich, mit stumpfen Waffen und prunkvollen Rüstungen, fein geschmiedet, mitunter 30 Kilogramm schwer, in die die Reiterkrieger von ihren Bediensteten beinahe hineingeschraubt werden. Wahrscheinlich studieren manche der Ritter auch Texte ein, die sie während der Wettbewerbe aufsagen, streifen sich besondere, schillernde Kostüme über, greifen zu Requisiten – alles, um der Rahmenhandlung Genüge zu tun.
Insgesamt fünf Wochen dauert das Schauspiel. Immer montags, dienstags und mittwochs treten die Männer hoch zu Ross gegeneinander an, donnerstags, freitags und samstags finden Bodenkämpfe mit Streitaxt und Schwert statt: Auf ein Zeichen hin begeben sich die Ritter in ihre Gefechte, die durchaus als ernster Wettbewerb ausgeführt werden.
Enden die Duelle für den Tag, strömen die Zuschauer – Adelige wie auch einfache Untertanen – zu einem nahe gelegenen Anwesen des Veranstalters, um sich auf dessen Kosten zu stärken. Philipp finanziert den Wettbewerb mit und wohnt ihm zweimal als Kampfrichter bei. Er kann zufrieden sein: Das Turnier zelebriert abermals die Macht und Herrlichkeit der Ritter seines Reiches. Und da Kämpfer und Zuschauer aus vielen Regionen anreisen, eint die Veranstaltung – zumindest eine Zeit lang – seine sonst oft zerstrittenen Untertanen.
DAS VERSEPOS um den tapferen Roland wird den meisten Adeligen schon vor dem Turnier wohlbekannt gewesen sein. Sich in der antiken Sagenwelt auszukennen, mittelalterliche Verse und Lieder rezitieren zu können, ist längst gute ritterliche Pflicht. Nur ein gebildeter Ritter gilt im 15. Jahrhundert als ein vollkommener Ritter. Er muss die Schrift ebenso wertschätzen wie das Schwert.
Dass auch dies am burgundischen Hofe ernst genommen wird, zeigt die herzogliche Bibliothek. Philipp hat bereits in jungen Jahren Schreiber und Buchmaler beschäftigt, die den Bestand der höfischen Büchersammlung über die Jahre um das Doppelte auf rund 850 schwere Folianten haben anwachsen lassen.
Der Herzog zählt zu Europas ersten Herrschern, die einen Hofchronisten beschäftigen, schätzt aber auch Unterhaltungsliteratur: In einem Buch lässt er heitere und erotische Geschichten bündeln, die man sich bei Geselligkeiten erzählt.
Auch andere Künstler und Kunsthandwerker wirbt sein Hof an. Sticker verzieren über Monate hinweg die Prachtkleider und Messgewänder der herzoglichen Familie, der Höflinge und der Mitglieder des Ritterordens mit Gold- und Silberfäden, Perlen und Glassteinen. Bildhauer schaffen detailreiche steinerne Statuen von Heiligen und Herrschern, die Residenzen und Kapellen im Reich zieren. Goldschmiede fertigen Geschirr, Pokale, verziert mit persischen Rubinen, Broschen, Schachspiele mit Figuren aus Bergkristall. Der Maler Jan van Eyck, der bereits seit 1425 als Hofkünstler angestellt ist, bannt biblische Szenen auf hölzerne Leinwände, porträtiert Höflinge und Herrscher.
Van Eyck beherrscht die Ölmalerei, wie sie die Welt bis dahin noch nicht gesehen hat: detailreich, präzise, vielschichtig und von einer Lebendigkeit, die Staunen erzeugt. (Später gilt der Groß-Stanmeister als Begründer der altniederländischen Malerei.)
Künstler wie van Eyck erhalten ein stattliches Gehalt – und zudem viele Aufträge anderer burgundischer Adeliger, Kleriker, Bürgermeister und Kaufleute aus den Städten. Die Kunden wollen dem Herzog nacheifern und ordern daher von den gleichen Malern Kunst für ihre eigenen Gemächer und Kapellen.
Da Philipp 1443 auch Luxemburg erobert hat, ist das Herrschaftsgebiet des Herzogs von Burgund nun so groß und mächtig wie nie zuvor. Und nach einem Sieg über die Stadt Gent in Flandern, die sich jahrelang geweigert hat, bestimmte Steuern zu zahlen, ist die Macht des Herrschers auch im Inneren vorerst unangefochten.
Doch Philipp denkt wohl schon weiter, sehnt sich nach dem Titel eines Königs von Burgund. Der Lehnsherr seiner im römisch-deutschen Reich liegenden Gebiete aber, Kaiser Friedrich III., zögert, das Ansinnen zu unterstützen (ohnehin würden die anderen hohen Fürsten des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation Philipps höchst selbstbewusstem Ansinnen niemals zustimmen).
Bald darauf erreicht den Hof in Dijon die Nachricht vom Fall Konstantinopels. Der Hilferuf des Papstes, der die europäischen Fürsten bittet, erneut Kreuzritter gen Osten zu schicken, um die Stadt von den Türken zu befreien, findet bei Philipp volle Zustimmung: Er, der fromme Christ, der wahre Ritter, ist fest entschlossen, mit seinen Brüdern vom Goldenen Vlies und anderen Adeligen seines Reiches aufzubrechen.
Die Kunde vom pompösen Fasanenfest in Lille, vom Kreuzzugsschwur Philipps und seiner Getreuen, dringt durch ganz Europa – voll im Sinne Philipps: Auf diese Weise will er auf dem Kontinent breite Euphorie für sein Vorhaben entfachen. Und so reist er nur wenig später, im April 1454, nach Regensburg, um dort während eines Reichstages den römisch- deutschen Kaiser und dessen Fürsten für das Vorhaben zu gewinnen. Auch dort spricht er laut das Kreuzzugsgelübde, auch dort gibt es Applaus und das vielfache Versprechen, sich ihm anzuschließen.
Philipp plant, im kommenden Frühjahr aufzubrechen. Kriegsstrategien werden geschmiedet, Standarten und Banner gefertigt, die das burgundische Heer kenntlich machen sollen. Doch es bleibt bei kühnen Plänen und ersten Vorbereitungen. Der Herzog wird nie in den Kampf gegen die Ungläubigen ziehen.
Hat er sich vom türkischen Herrscher einschüchtern lassen, der ihm einen Brief geschickt und ihn darin mit dem Tode gedroht hat, sollte der Burgunder gen Osten ziehen? Verunsichert ihn der Tod des Papstes, der zu dem Kreuzzug aufgefordert hat? Oder will er sein Land nicht allein zurücklassen?
Dafür gäbe es gute Gründe, denn der französische König ist ihm offenbar nach wie vor nicht wohlgesonnen. Womöglich fürchtet Philipp, der Franzose könne seine lange Abwesenheit nutzen, um Burgund anzugreifen.
Zudem gibt es bald innerhalb der fürstlichen Familie Zank. Als Phillips Sohn Karl, mittlerweile 24 Jahre alt, bei der Besetzung eines wichtigen Amtes für seinen eigenen Hofstaat vom Vater übergangen wird, kommt es zum heftigen Streit, der auf beiden Seiten tiefes Misstrauen zurücklässt. Zunehmend begehrt der Thronfolger gegen den Vater auf, kritisiert dessen beschwichtigende Politik gegenüber Frankreich. Karl, der schon als Kind niemals Zweiter sein wollte, nimmt sich schließlich kurzerhand, was ihm der Vater nicht gibt.
Als Philipp im Jahr 1465 schwer erkrankt (woran, ist heute nicht mehr bekannt), hintergeht Karl ihn, ersetzt Getreue seines Vaters am Hof durch eigene Gefolgsleute und lässt sich als Generalstatthalter bevollmächtigen. Damit ist Philipp entmachtet. Jener Herrscher, der seit mehr als vier Jahrzehnten mit Stärke und Strenge Burgund gelenkt, es zu nie da gewesener Macht und Größe gebracht hat, wird in einem seiner wenigen schwachen Momente von der Spitze seines Staates verdrängt – und dann auch noch von dem eigenen Sohn. Philipp zieht sich in den letzten Lebensjahren nach Brüssel zurück. Gelegentlich reist er zu seinem Schloss nach Brügge. Dort stirbt er unerwartet in den Abendstunden des 15. Juni 1467, im Alter von 71 Jahren.
DIE TRAUERFEIERLICHKEITEN, die sechs Tage später beginnen, sind wie alle anderen Feste bei Hofe überbordend, pompös – und minutiös geplant. Als der Leichnam in die Sankt-Donatus-Kirche von Brügge überführt wird, folgt der gesamte Hofstaat, in streng hierarchischer Ordnung, dem Sarg. 1600 Fackelträger säumen den Zug.
Weitere 350 Fackelträger sorgen im Innenraum des Gotteshauses für ein wogendes Lichtermeer. Mehr als 6000 Pfund des teuren Rohstoffs Wachs verbrennen zu Ehren des Verstorbenen. Auch das Volk trauert um den strengen, aber beliebten Herrscher. Viele Menschen weinten, so berichten es Chronisten, als ob die Welt unterginge. Bereits zu Philipps Lebzeiten haben manche am Hof befürchtet, dass nach dem Tode des Herrschers eine andere Zeit anbrechen werde. Und so kommt es nun auch. Denn Philipps Sohn Karl, genannt der „Kühne“, ist von Ehrgeiz und Ungeduld getrieben. Er will den Vater überflügeln, will noch fleißiger, disziplinierter, ritterlicher sein als der.
Auch er fördert die ritterlich-höfische Kultur, auch er versucht die Macht Burgunds weiter zu mehren. Doch anders als seinem Vater fehlt ihm dafür das diplomatische und kriegerische Geschick. Mitte der 1470er Jahre erleidet Karl mehrere militärische Niederlagen und kommt schließlich, nach nur zehnjähriger Regierungszeit, am 5. Januar 1477 in einer Schlacht in Lothringen um. Bald darauf zerfällt das eben noch blühende Burgund: Frankreichs König nimmt sich Territorien zurück, sichert sich auch das Kernland des Herzogtums. Um die niederländischen Regionen entbrennt ein langer, zäher Kampf zwischen Frankreich und den Habsburgern, in deren Königsgeschlecht Karls Tochter Maria eingeheiratet hat.
Zwar kann sich ihr Mann Maximilian zunächst behaupten. Doch vom 16. Jahrhundert an wird sich aus den nördlichen niederländischen Grafschaften ein neuer Staat entwickeln, die späteren Niederlande. Und Burgund wird endgültig untergehen. Etwas aber überdauert: die Hofkultur und jener prächtige Ritterorden, den Philipp gegründet hat. Als Ehemann von Herzogin Maria wird Maximilian zum neuen Großmeister des elitären Zirkels berufen. Und die Habsburger führen dessen Tradition gern weiter.
Auch in anderen europäischen Reichen haben Herrscher Ritterorden gegründet, etwa den Hosenbandorden in England sowie den Drachenorden in Ungarn, dem legendären Drachentöter Sankt Georg gewidmet. Der Ritterorden vom Goldenen Vlies aber überstrahlt sie alle – durch seinen Reichtum, durch die herausragende Stellung der Habsburger in der europäischen Adelswelt und die besonders prachtvolle Aura.
In ihm und in den anderen Zirkeln konservieren sich über viele Generationen hinweg die Ideale des vollkommenen Ritters, jenes großmütigen, glanzvollen Kämpfers und Ehrenmannes. Und so existieren selbstständige Zweige des Ordens vom Goldenen Vlies noch heute in den ehemals habsburgischen Ländern Österreich und Spanien. Als Großmeister der iberischen Ritterschaft nimmt Spaniens König hochrangige Persönlichkeiten für „Verdienste um die Krone“ in den Orden auf. Und im Jahr 2015 die Thronfolgerin Leonor als erstes weibliches Mitglied.
In Österreich führt Karl Habsburg-Lothringen, Enkel des letzten Wiener Kaisers, die 46 ausnahmslos männlichen Ritter des dortigen Zweigs weitgehend gemäß jener Statuten, die Philipp der Gute vor rund 600 Jahren in Burgund hat formulieren lassen. Jedes Jahr um den 30. November, den Tag des Ordenspatrons St. Andreas, treten sie weiterhin zum Kapitel zusammen, darunter der belgische König Philipp, und bestärken ihre Bruderschaft. Das schwere Collier, Zeichen ihres Zusammenhalts, prangt dabei wie damals um ihre Hälse. Manche Ordensritter tragen sogar darüber hinaus ein Vlies an einer Kette. Und zwar täglich.
DAS REICH DER BURGUNDER, 1467

BURGUNDS KERNLAND liegt im Osten von Frankreich. Seine Herzöge vergrößern das Herrschaftsgebiet zwischen 1363 und 1467 durch Heirat, Erbschaft und Krieg. Doch sie schaffen es nicht, alles zu einem zusammenhängenden Territorium zu vereinen
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Quellen:
Internetquellen
-> Sonja Emmerling, Minnesang, publiziert am 19.04.2017, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Minnesang (18.01.2026)
-> Gerhard Immler, Jagd, Jagdwesen (Mittelalter), publiziert am 20.02.2017; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Jagd,_Jagdwesen_(Mittelalter)> (18.01.2026)
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Sekundärliteratur
-> Ruschkowski, Katharina von: Am Hofe der Burgunder. Leben in Pracht und Tugend, in: GEO Epoche (Jg. 2018, Heft Nr. 94).
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