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Die Hanse

Inhaltsverzeichnis

  1. Mittelalter: Die Hanse beherrscht den Norden
  2. Ende eines Handelsbündnisses. Das letzte Treffen der Hanse

1. Mittelalter: Die Hanse beherrscht den Norden

Unter Führung von Kaufleuten aus Lübeck entwickelt sich Ende des 13. Jahrhunderts der Städtebund Hanse. Er verbindet Dutzende Orte und beschert den beteiligten Städten großen Reihtum.

Ende des 13. Jahrhunderts beginnt in Norddeutschland eine wirtschaftliche Blütezeit: die Ära der Hanse. Der Städtebund entwickelt sich aus einer losen Interessengemeinschaft von Kaufleuten. Unter Führung von Lübecker Händlern entsteht daraus ein Netz von Wirtschaftsverbindungen zwischen Hafenstädten an Nord- und Ostsee sowie Handelsstädten im Binnenland. Den Begriff Hanse für den Städtebund verwenden erstmals um 1282 deutsche Kaufleute, die in England arbeiten - ein konkretes Gründungsdatum für die Hanse gibt es nicht.

Vom Kaufmannsbund zum Machtfaktor

Auch Rostock zählte zu den wichtigen Kaufmannsstädten.

Zu ihrer bedeutendsten Zeit gehören der Hanse etwa 200 Städte im Nord- und Ostseeraum an, darunter alle wichtigen Kaufmannsstädte: von Lübeck, Bremen, Hamburg und Rostock über Königsberg und Danzig bis zu Orten im Binnenland wie Duderstadt, Hameln und Uelzen. Die Warenströme fließen meist über die Ostsee. Holz, Felle, Getreide und andere Rohstoffe gelangen nach Westeuropa, fertige Produkte wie Wein und Tuche an die östliche Ostseeküste. Die Organisation wird zu einer wirtschaftlichen Großmacht. Das Netz der Handelswege erstreckt sich im 16. Jahrhundert von Portugal bis nach Russland, von Skandinavien bis nach Süditalien.

Koggen transportieren Ware der Hanse

Das typische Handelsschiff der Hanse ist die Kogge: bauchig, geräumig und schnell zu bauen. Ein einziger Mast mit einem Rechtecksegel treibt die Kogge an. Bis die Handelsgüter im Zielhafen angelandet werden können, kann viel Zeit vergehen. Die Schiffe segeln fast immer in Sichtweite der Küste. Die Seeleute müssen auf günstige Winde warten, denn gegen den Wind kreuzen können Koggen nicht. Die Arbeit an Bord der Koggen ist hart, dort gilt eine strenge Hierarchie. Decksknechte sind der "letzte Mann", der alles machen muss, was den gestandenen Seeleuten zu lästig ist.

Zweiklassengesellschaft: Kaufleute und Tagelöhner

Profiteure des wachsenden Fernhandels sind die Kaufleute in den Hafenstädten. Sie häufen große Reichtümer an. In den Häfen schuften unterdessen Tagelöhner, die meist unter erbärmlichen Verhältnissen in primitiven Holzbehausungen leben. Einzige Lichtquellen sind dort das offene Feuer und ein Loch im Dach. Viele Menschen müssen um jede Mahlzeit kämpfen.

Lübeck: Tor zum Ostseehandel

Das Holstentor in Lübeck war stets auch ein Symbol für den Reichtum der Bürger und die Macht der Hanse.

Lübeck mit seinem direkten Zugang zur Ostsee ist zeitweise einer der Hauptorte der Hanse. Reeder und Seeleute der Stadt, Bürger und Kaufmänner genießen größtes Ansehen. Im Lübecker Rathaus werden von 1356 an viele Ratsversammlungen abgehalten. An diesen sogenannten Hansetagen nehmen etwa 70 Hansestädte teil. Zusätzliches Gewicht gewinnt Lübeck durch seine Zusammenarbeit mit Hamburg. Die Hamburger Warenströme für den Ostseeraum fließen über die Stadt an der Trave. Auf der Nordsee setzt Hamburg eigene Schiffe ein.

Fernhandel versorgt Hansestädte

Die Hansestädte verdienen durch den Handel nicht nur viel Geld. Sie lassen sich auch zunehmend vom Fernhandel versorgen. Die Schiffe und Fuhrwerke der Hanse bringen Felle und Textilien, aber auch Lebensmittel aller Art, auf die die Bevölkerung der wachsenden Städte angewiesen ist. Getreide und Fisch, Salz, Butter und Pökelfleisch gehören ebenso zur Ladung der Hansekoggen wie Wein und Bier. Tonnenweise wird die Nutzlast von Hand an Bord gebracht.

Die Piraten - Raubritter zur See

Finsterer Pirat oder Robin Hood der Hansezeit? Klaus Störtebeker.

Große Gefahr auf den Meeren droht den Handelsschiffen nicht nur durch Stürme, sondern auch durch Piraten. Auf Nord- und Ostsee lauern sie, bis sie ein Hanseschiff entdecken. Und fast nie geben sie auf, bevor sie mit reicher Beute davonsegeln können. Selbst Menschenleben schonen sie nicht.

Seeräuber sind nicht nur Gesindel und Kriminelle. Auch verarmte Adelige finden sich in ihren Reihen. Im 14. Jahrhundert werden die Piraten sogar Kriegspartei, ausgestattet mit Kaperbriefen der Mecklenburgischen Herzöge im Thronstreit mit Dänemark. Die berühmtesten unter den Seeräubern sind die Vitalienbrüder. Man nennt sie auch Likedeeler - das bedeutet: Sie teilen alle Beute gleichmäßig unter sich auf. Im Gegensatz zu der strengen Ordnung, die sonst im Mittelalter herrscht, bilden sie eine Bruderschaft mit gleichen Rechten. Zu den Likedeelern zählt auch der legendäre Klaus Störtebeker.

Hanse geht gegen die Seeräuber vor

Die Hanse ist lange Zeit wehrlos gegen die Seeräuber, doch im April 1400 gehen die Hansestädte vereint gegen sie vor: Elf Koggen, an Bord 950 Mann unter Waffen, laufen von Hamburg aus, um die Vitalienbrüder auszuschalten - mit Erfolg. Im Jahr 1401 gelingt es den Hamburgern, auch Klaus Störtebeker gefangen zu nehmen: Er wird wenig später in Hamburg hingerichtet.

Im 17. Jahrhundert geht es bergab

In den folgenden Jahrhunderten verliert das Bündnis rasch an Bedeutung. Kaufleute aus anderen Ländern mischen erfolgreich im Handel mit, nationale Interessen stehen dem internationalen Bündnis entgegen. So geht der Hansetag des Jahres 1669 als letzter der alten Hanse in die Geschichte ein - mit nur noch neun Teilnehmern.

Eine neue Hanse entsteht

1980 wird im niederländischen Zwolle die Hanse der Neuzeit gegründet: ein Städtebund, der an die Tradition der alten Hanse anknüpfen will. 2025 gehören ihm fast 200 Städte in 16 Ländern an, die meisten sind deutsche Städte. In jedem Jahr veranstaltet die Vereinigung einen Hansetag in einer der Mitgliedsstädte. Die neue Hanse will den Austausch zwischen den Städten auf kulturellem, wissenschaftlichem und sozialem Gebiet fördern und die Wirtschafts- und Handelskontakte der beteiligten Orte stärken.

2. Ende eines Handelsbündnisses. Das letzte Treffen der Hanse.
Der Stahlhof, die Handelsniederlassung der Hanse in der Thames Street in London, Ausschnitt eines historischen Kupferstiches aus dem 17. Jahrhundert, auf dem Bild markiert als Gebäudekomplex Nr. 55
Der „Stalhof“, die Londoner Handelsniederlassung der Hanse, auf einem historischen Kupferstich© picture-alliance / akg-images


Vor 350 Jahren versammelten sich im Lübecker Rathaus die Abgesandten von neun norddeutschen Städten. Sie vertraten die Städte der Hanse, die im späten Mittelalter den Nord- und Ostseeraum beherrschten. Eine Zukunft hatte die Hanse 1669 aber nicht mehr.
Sie hatten eine prall gefüllte Tagesordnung, die Vertreter Hamburgs, Bremens, Danzigs, Rostocks sowie fünf weiterer Hansestädte, die sich am 29. Mai 1669 im Lübecker Rathaus versammelten. Das letzte vergleichbare Treffen lag bereits vier Jahrzehnte zurück. Mittlerweile war der Dreißigjährige Krieg zu Ende gegangen. Die gemeinsame Niederlassung der Hanse in London, der Stalhof mit seinen Geschäfts-, Lager- und Wohnräumen für die deutsche Kaufmannschaft, war 1666 abgebrannt. Zu entscheiden war über den Wiederaufbau, ferner über die Ernennung eines Syndikus als Geschäftsführer der Hanse sowie nach den Worten der Lübecker Historikerin Angela Huang nicht zuletzt über einen neuen Konföderationsvertrag: „Was deutlich wird, ist, dass die vordringlichsten Punkte (…) das Londoner Kontor, also (…) der Stalhof, waren und die Konföderation der Hansestädte, das nimmt den meisten Raum ein neben der Beratung auch von finanziellen Fragen.“

Mehr als 300 Jahre Handelstradition

Nach zähem Feilschen gelang immerhin eine Einigung über den Stalhof. Der englische König hatte Druck gemacht und gedroht, das Ruinengrundstück an der Themse zu enteignen.
„Letzten Endes beschließt man dann aber, dass Hamburg den Stalhof wiederaufbauen soll, allerdings im Namen der Gemeinschaft und ohne dass die Rechte der anderen Städte davon berührt wurden.“
Die Delegierten, die 1669 im Lübecker Rathaus 18 Sitzungen miteinander verbrachten, standen am Ende einer mehr als drei Jahrhunderte zurückreichenden Tradition. Der erste Hansetag hatte 1356 stattgefunden, als das Handelsbündnis der norddeutschen und Ostseestädte im Zenit seiner Macht stand. Zur Debatte stand damals ein Konflikt mit der Grafschaft Flandern, die die Privilegien der Hanse-Kaufleute in Brügge beschneiden wollte. Die Hanse pflegte in solchen Fällen ein Handelsembargo zu verhängen, mit dem sie die jeweils gegnerische Partei in der Regel in die Knie zwang. Auch Brügge gab nach einigen Jahren klein bei. Dem ersten Treffen der hansischen „Ratsendeboten“ folgten in unregelmäßigen Abständen weitere, in der Regel in Lübeck.

Über 170 Hansetage insgesamt

„Wir gehen derzeit davon aus, dass es etwas über 170 Hansetage gab, allerdings mit abnehmender Frequenz. (…) In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts finden sehr viele Hansetage statt. Das nimmt dann im 16. Jahrhundert allmählich ab und wird (…) schließlich im 17. Jahrhundert durch den Dreißigjährigen Krieg auf (…) ganz wenige Tagfahrten reduziert. Zwischen 1629 und 1669 findet dann (…) gar kein Hansetag mehr statt.“
Die Geschichte der Hansetage spiegelte somit das Schicksal des Handelsbündnisses selber. An dessen Anfang standen genossenschaftliche Zusammenschlüsse von Kaufleuten, die auf auswärtigen Märkten, in Russland, Skandinavien, England, Flandern, gemeinsame Interessen schützen und privilegierte Geschäfte treiben wollten. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts war daraus ein Städtebund hervorgegangen, der den gesamten Handel auf der Achse zwischen Nowgorod, Brügge und London kontrollierte und, wenn es sein musste, auch erfolgreich Krieg führte gegen Großmächte seiner Zeit.

Monarchien läuten Niedergang der Hanse ein

Der Niedergang setzte ein, als sich das politische Umfeld änderte. Die Stabilisierung monarchischer Herrschaft in der frühen Neuzeit ging auf Kosten städtischer Autonomie. Das Geschäftsmodell der Hanse, das auf exklusiven Handelsprivilegien beruhte statt auf dem Prinzip eines freien Warenaustauschs, geriet unter Druck. Auch der innere Zusammenhalt des Bündnisses wurde brüchig. Mehr „umbra“ als „res ipsa“, mit anderen Worten, nur noch ein Schatten ihrer selbst sei die Hanse, konstatierten 1669 die Stadtväter von Wismar. War das Ende also absehbar?
„Rückblickend sehen wir natürlich gerne, dass das ja klar war, dass es sich lange angebahnt hat, dass dies der letzte Hansetag sein sollte. Das war den teilnehmenden Delegierten nicht bewusst. Man war sich durchaus bewusst, dass die Hanse nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr in dem Zustand war wie zuvor, dass man also die Hanse wieder aufrichten wollte. (…) Doch werden viele Punkte auch explizit auf einen nächsten Hansetag (…) verschoben. (… ) Insofern wird aus den Protokollen selber (…) sehr klar deutlich, dass man hier keinen Endpunkt gesehen hat.“
Einen weiteren Hansetag hat es dann allerdings nicht mehr gegeben. Für eine neue Konföderation, die Wiederherstellung des alten Glanzes, die Verwirklichung der großen Vorsätze des Delegiertentreffens von 1669 fehlte die Kraft.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Mittelalter: Die Hanse beherrscht den Norden, in: NDR Chronologie, online verfügbar seit 24.10.2025 unter: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Die-Geschichte-des-Staedtebundes-Hanse,hanse30.html, zuletzt geprüft am 19.01.2026.

-> Dollerer, Winfried: Ende eines Handelsbündnisses. Das letzte Treffen der Hanse, in: Deutschlandfunk Kultur, online verfügbar seit 29.05.2019 unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/ende-eines-handelsbuendnisses-das-letzte-treffen-der-hanse-100.html, zuletzt geprüft am 19.01.2026.

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Sekundärliteratur

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