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Die Kreuzzüge

Inhaltsverzeichnis

  1. Gottfried von Bouillon. Der Kreuzfahrer.
  2. Erster Kreuzzug. Blutige Pilgerfahrt.

1. Gottfried von Bouillon. Der Kreuzfahrer

Als der Papst zum Krieg im Heiligen Land aufruft, verkauft ein tiefgläubiger Aristokrat einen großen Teil seines Besitzes: Herzog Gottfried von Bouillon erobert mit den Kreuzfahrern Jerusalem – und wird von den Zeitgenossen zur Idealfigur des Ritters verklärt

Dieser Mann ist der scheinbar ideale Ritter: tapfer und fromm, hochgewachsen und schön, mit flachsblondem Haar und Bart. Keiner würde sich besser als Symbolfigur für den gottgewollten Kampf der Christen gegen die Ungläubigen eignen als Gottfried von Bouillon. Und genau so einen Mann braucht der Heilige Vater. Denn als Papst Urban II. die Gläubigen 1095 zur Befreiung Jerusalems von den Muslimen aufruft, nimmt er ein großes Risiko auf sich: Geht sein Appell unter, ist seine Autorität dahin; wird der Krieg aber ausgefochten, steigt sein Ansehen enorm – auch unter Europas Mächtigen.

Die (oft militärisch schwachen) Monarchen leiden unter den endlosen Fehden der Ritter, die in ihrer Streitlust mitunter ganze Regionen verheeren. Daher sehen viele Herrscher in dem Kreuzzug eine Chance, die unkontrollierbaren Krieger loszuwerden. Urban II. muss also auf Ritter hoffen, die seinem Aufruf folgen und so andere adelige Kämpfer mit sich ziehen. Auf Ritter wie Gottfried von Bouillon. Der tiefgläubige Herzog von Niederlothringen ist wohl ehrlich entflammt vom Appell des Papstes. Er verkauft oder verpfändet die meisten seiner Burgen und Ländereien und zieht im August 1096 gen Osten. Tausende Männer schließen sich ihm an, darunter viele Ritter; manche mag Gottfrieds Hingabe inspiriert haben, andere hoffen vermutlich eher auf reiche Beute.

In Konstantinopel schließt sich Gottfrieds Tross mit denen weiterer Kreuzfahrer zusammen. Als die Armeen im Mai 1097 über den Bosporus auf muslimisches Gebiet setzen, zählen sie 50.000 Fußsoldaten und 7000 Ritter. Der Kampfkraft dieser Reiterkrieger vor allem ist es zu verdanken, dass die Christen mehrere Schlachten gegen feindliche Heere gewinnen. Denn die mit Schwert und Lanze bewaffneten und gepanzerten Reiter sind den nur leicht geschützten muslimischen Soldaten weit überlegen.

Im Juni des Jahres 1099 erreicht das Kreuzfahrerheer (aufgehalten unter anderem durch die Belagerung der Stadt Antiochia) endlich Jerusalem. Die Verteidiger haben alle Brunnen und Zisternen im Umkreis von zehn Kilometern zugeschüttet oder vergiftet. Entweder gelingt es den Europäern, die Stadt schnell einzunehmen – oder sie werden verdursten.

Gottfried führt einen Großangriff auf die Nordmauer. Die Muslime wehren sich mit Pfeilen und Steinen, einem Ritter direkt neben ihm zerschmettert ein Brocken das Genick. Doch dann lodern Flammen auf der Nordmauer, ausgelöst durch Brandpfeile der lothringischen Bogenschützen. Die Muslime weichen zurück. Über die herabgelassene Außenwand eines Belagerungsturms, die nun als Brücke dient, stürmen die Kreuzfahrer die Stadt, plündern sie und töten Tausende. Manche schlitzen ihren Opfern auf der Suche nach verschluckten Münzen die Bäuche auf. Besonders in den Gotteshäusern machen die Angreifer Beute, reißen allein im reich geschmückten Felsendom tonnenweise Gold, Silber und Diamanten an sich.

Dem Rausch der Eroberung folgt Ratlosigkeit: Urban II. hat nie gesagt, wie es nach der Eroberung Jerusalems weitergehen soll. Nach langen Beratungen versuchen die Anführer des Kreuzfahrerheeres, Gottfried zum König von Jerusalem zu erheben. Der sagt zu, weigert sich aber, die Würde eines Königs anzunehmen, sondern begnügt sich mit dem ungleich demütigeren Titel „Fürst und Verteidiger“ Jerusalems. Am 22. Juli 1099 wird ihm dieser neue Rang offiziell verliehen.

Mit ihm bleiben viele andere Ritter im Nahen Osten, einige als Herrscher von eigens gegründeten Fürstentümern: den neuen Außenposten der Christenheit. Gottfried gebietet nur ein Jahr im Heiligen Land, dann stirbt er, wohl an Typhus. Doch seine Eroberung Jerusalems lebt weiter in Liedern und Chroniken, zugespitzt und überhöht vor allem auf Betreiben der Kirche. Denn sein Triumph ist auch ihr Triumph. Das Volk ist nach dem Sieg gegen die Muslime im christlichen Glauben bestärkt. Und die Mächtigen sind dem Pontifex dankbar, dass Hunderte der unruhestiftenden Ritter auf lange Zeit aus Europa verschwunden sind.

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NACH DER ERSTÜRMUNG Jerusalems im Jahr 1099 erwählen die Kreuzfahrer Gottfried von Bouillon zum Herrscher der eroberten Stadt. Und Europas Chronisten stellen ihn fortan auf eine Stufe mit König Artus und Karl dem Großen

2. Erster Kreuzzug. Blutige Pilgerfahrt

Im Jahr 1095 ruft Papst Urban II. die Christen zu einem Glaubenskampf auf: Sie sollen in einen gottgewollten Krieg gegen die Muslime bis ins Heilige Land ziehen und Jerusalem befreien. Groß ist die Begeisterung, die Urban entgegenschlägt – so stark, dass selbst das Kirchenoberhaupt sie nicht mehr kontrollieren kann. Bald machen sich Ritter und Habenichtse, Bischöfe und entlaufene Nonnen auf einen fast 4000 Kilometer langen Marsch. Doch vier Fünftel von ihnen werden die Stadt Jesu nie erreichen

Mehrfach stellen Muslime die Fremden zum Kampf. Oft sind ihre Armeen größer, doch die Ritter sind gepanzert und kämpfen fanatisch (Bild: Alamy)

Es ist Freitag, der 15. Juli 1099. Vor Jerusalem steht Gottfried von Bouillon auf einem 20 Meter hohen hölzernen Belagerungsturm und gibt seinen Männern Befehle. Ein rotes Kreuz ziert den Umhang des Herzogs aus Lothringen, neben seinem Banner ragt ein goldenes Kruzifix in den Himmel. Pfeile und Steine prasseln gegen die Schutzschilde des Turms, einem Ritter neben Gottfried bricht ein Brocken das Genick.

In den ausgedörrten Hügeln Judäas kämpft unter der Führung Gottfrieds und anderer europäischer Adeliger ein Heer, wie es noch keines gegeben hat: Mehrere Tausend Fußsoldaten, manche gepanzert, andere nur in Lumpen gehüllt, in den Fäusten Spieße, Hämmer und erbeutete Schwerter, stehen neben ein paar Hundert Kriegern in Kettenhemd und Helm, auf den Umhängen aufgenähte rote Kreuze, die Gesichter hager, bärtig, sonnenverbrannt. Hinter ihnen recken Priester in zerschlissenen Kutten Kreuze in den Himmel und singen fromme Lieder. Nahebei liegt ein Lager mit Frauen, Kindern und Kranken, mit Schlachtrössern, die zu Kleppern abgemagert sind, mit räudigen Hunden und schmutzigen Schweinen. Gott allein mag wissen, wie dieser Haufen bis nach Jerusalem gelangt ist.

Al-Quds nennen die muslimischen Verteidiger ihre Stadt, „Heiliger Ort“. Heilig den Juden, denn hier stand ihr Tempel. Heilig den Christen als Ort der Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Und heilig den Muslimen, denn hier, so überliefert es der Koran, ist Mohammed einst gen Himmel aufgestiegen. Die Stadt der Religionen ist seit 462 Jahren in der Hand der Muslime: seit ein Nachfolger Mohammeds die Metropole einnehmen konnte. Bislang hat die lateinische Christenheit nie einen Versuch unternommen, den Ort der Passion ihres Heilands zu erobern. Nicht bis zu diesem heißen Sommer des Jahres 1099. Seit fast sechs Wochen belagert das Heer schon die Heilige Stadt. Und seit den Morgenstunden des Vortags bestürmen die Kämpfer deren Mauer.

Zwei hölzerne Türme haben sie über die Hügel gezogen. Einen bewegen sie nun auf den südlichen Wall der Stadt zu, der andere wird von Kriegern Zentimeter für Zentimeter an die nördliche Befestigung geschoben – es ist jener Turm, auf dem der Herzog aus Lothringen seine Männer anfeuert. „Deus lo volt!“, rufen die Angreifer in verschliffenem Latein: „Gott will es!“ Die Verteidiger legen Brandgeschosse auf ihre Katapulte: wachsgetränkte Reisigbündel, mit Lumpen zusammengebunden, mit Nägeln gespickt. Brennend werden sie hochgeschleudert, um die Türme zu entzünden. Dazu lodernde Strohballen, die Gras und Gebüsch treffen. Die Christen gehen durch Flammen.

MITTAG . Hitze, Rauch, am Himmel Geier und Raben. Der Gestank von Feuer und Pech, Schweiß und Blut. Staub im Mund. Schreie, Kommandos, Gebete. Unter den Schutzschilden die glühende Luft. Das Dröhnen abprallender Steine, das Zittern der hölzernen Konstruktion, das Knistern der Flammen.

Wie lange noch? „Wir hatten große Angst“, notiert später ein christlicher Chronist. Da sirrt ein Brandpfeil in einen der Säcke, mit denen die Muslime ihre Mauer gegen Steine gepolstert haben, und entzündet das Häcksel darin. Schwarzer Qualm zieht über die Zinnen. Die Verteidiger ringen nach Atem. Dann weichen die ersten zurück. Auf der mittleren Etage von Herzog Gottfrieds Belagerungsturm spähen Ritter auf die Mauer: Sie wirkt verlassen. Rauch überall, man kann nur wenige Schritte weit sehen. Eine Falle?

Vorsichtig senken die Kreuzfahrer eine der Außenwände des Belagerungsturms als Fallbrücke hinab. Ein flämischer Ritter wagt den Weg auf die andere Seite, gefolgt von mehreren Mann. Mit dem Schwert in der Faust, keuchend, durstig und erschöpft, sichern sie die kostbaren Zentimeter Mauer. Plötzlich Schemen im Qualm: die Verteidiger. Einer stürzt den Männern entgegen – und wird mit einem Schwerthieb enthauptet. Sein Schädel fliegt vom Zinnenkranz in die Gassen. Gottfried von Bouillon, der nun erst erkennt, dass bereits auf der Mauer gekämpft wird, eilt über die Fallbrücke. Er ist endlich in Jerusalem!

Und so wird der Herzog aus den Ardennen zum Helden eines Krieges, der als Erster Kreuzzug in die Annalen eingeht. Zu einem Idol der Trouba-doure. Zur eisernen Faust des Papstes. Zum Symbol eines epischen Kampfes zwischen Abend- und Morgenland, zwischen Christen und Muslimen: eines mörderischen Zeitalters, das zwei Jahrhunderte währen und das Verhältnis der beiden Weltreligionen noch fast ein Jahrtausend später zerrütten wird. Des Zeitalters der Kreuzzüge.

Die Geschichte des Ersten Kreuzzugs handelt von Rittern und Habenichtsen, von Bischöfen und Eremiten, Männern und Frauen, die auf eine bewaffnete Pilgerfahrt in die Fremde ziehen, Einöden durchqueren und Burgen belagern, mit dem einen großen Ziel: Jerusalem wieder zu einer christlichen Stadt zu machen. Drei Kulturen sind in dieses historische Drama verwickelt: das christliche Abendland, Byzanz sowie die islamischen Mächte des Orients. Sie verkämpfen sich in einem Ringen, in dem es vor allem um den Glauben geht, aber auch um Macht und Land, um Häfen und Handelsrouten.

Das lateinische Christentum dominiert den größten Teil Europas. Im Zentrum des Kontinents erstreckt sich das Heilige Römische Reich von der dänischen Grenze bis nach Italien, von Lothringen bis an den Oberlauf der Donau. Nominell herrscht in diesem Reich der römisch-deutsche Kaiser, de facto aber fechten Herzöge und Ritter, Bischöfe und Äbte in jeder Region um die eigentliche Macht. Nur wenige Städte zählen mehr als 10 000 Einwohner, die Adeligen leben auf Burgen aus Holz und Stein, die Mehrheit des Volkes bilden die Bauern, die in Dörfern hausen – winzigen Inseln der Zivilisation in einem Ozean aus Wald.

Etwas straffer hat der englische Monarch sein Reich organisiert, während der König von Frankreich nur über einen kleinen Teil seines Landes tatsächliche Kontrolle ausübt. Skandinavien und Ungarn sind erst seit einigen Generationen christianisiert, weite Regionen Nordosteuropas gar noch heidnisch. In Konstantinopel regiert seit Jahrhunderten der Kaiser von Byzanz. Der Herrscher, dessen Reich sich von der Ostküste der Adria und der Mündung der Donau bis nach Kleinasien erstreckt, sieht sich in der Tradition der römischen Imperatoren.

Legendär der Wohlstand dieser Monarchie, in der Handelsrouten aus Europa und Asien zusammenlaufen. Legendär die Raffinesse des Hofes mit seinem jahrhundertealten Zeremoniell. Legendär Geschick und Verschlagenheit der byzantinischen Diplomaten. Noch um die Mitte des 11. Jahrhunderts scheint das Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht zu stehen. Doch hinter der stolzen Fassade antiker Größe verfault das Reich langsam. Stets sind die Kaiser durch Hofintrigen bedroht, angezettelt von Adelscliquen. Landstriche sind entvölkert, die Steuereinnahmen gehen zurück, während die Armee sich vor allem aus Söldnern rekrutiert, die immer kostspieliger werden.

Im Jahr 1071 leitet eine verheerende Niederlage gegen die muslimischen Seldschuken den allmählichen Niedergang des Byzantinischen Reiches ein. In den Jahren darauf geht durch die Einwanderung türkisch-muslimischer Nomadenstämme fast ganz Anatolien verloren, sodass sich das Herrschaftsgebiet des Kaisers bald nur noch auf einige kleinasiatische Küstenregionen sowie die Balkanhalbinsel erstreckt.

Die Seldschuken, Angehörige eines nomadischen Turkvolks aus dem Gebiet des Aralsees, sind in diesen Jahrzehnten die aufstrebende Macht innerhalb der islamischen Welt – und die ist riesig. In einem beispiellosen Siegeszug haben sich Mohammeds Erben im 7. und 8. Jahrhundert die Welt von Nordindien bis zu Afrikas Atlantikküste unterworfen und dem Abendland sogar einen Großteil der Iberischen Halbinsel entrissen.

Die Muslime sind selbstbewusst, denn sie sehen sich als Krieger Gottes, ihre Triumphe sind ihnen Beweise für die Gunst ihres Herrn. Sie sind reich, denn in ihrer Welt werden Gewürze, Gold, Elfenbein und Sklaven gehandelt. Sie sind kultiviert, denn sie pflegen das Erbe antiker Wissenschaftler sowie persischer und indischer Gelehrter. Geeint jedoch sind die Muslime am Ende des 11. Jahrhunderts schon lange nicht mehr: Der Kalif in Bagdad, nach seinem eigenen Anspruch noch immer der Herrscher über die gesamte islamische Welt, verfügt kaum noch über tatsächliche Macht.

Dafür gibt es im Mittelmeerraum neben dem Seldschukenreich zwei weitere islamische Imperien: In Spanien und einem Teil Nordafrikas regiert die Dynastie der Almoraviden, in Ägypten herrscht ein fatimidischer Kalif. Syrien und Palästina mit der Heiligen Stadt Jerusalem, die fast ein Jahrhundert lang unter Kontrolle der Fatimiden waren, werden seit 1076 von den Seldschuken beherrscht. Die Jahre unmittelbar vor dem Aufruf Papst Urbans zum Kreuzzug sind eine unruhige Zeit für die islamischen Reiche des Orients: Durch einen historischen Zufall kommen im Jahr 1092 sowohl der seldschukische Sultan als auch dessen wichtigster Beamter ums Leben, zwei Jahre später wiederholt sich dieser Vorgang im Fatimidenreich. Thronstreitigkeiten und Unruhen sind die Folge.

Vielleicht ist es gerade dieser historische Moment der Schwäche – Byzanz in der Krise, die Machtverhältnisse bei Seldschuken wie Fatimiden unklar –, in dem unbekannte Strategen irgendwo im Abendland eine einmalige Gelegenheit erkennen: Befreien wir das Heilige Land von der Herrschaft der Muslime! Pilger wagen sich seit jeher aus Europa zu den biblischen Stätten. Italienische Seefahrer erkunden das östliche Mittelmeer. Gesandte reisen nach Konstantinopel. Es kann also durchaus so sein, dass zumindest an manchen christlichen Höfen eine recht genaue Vorstellung von den Wirrnissen im Morgenland herrscht. Sicher ist: Spätestens 1095 kommt ein neuer Gedanke auf an einem der bestorganisierten und ehrgeizigsten Höfe Europas – der Kurie zu Rom.

IM 9. UND 10. JAHRHUNDERT ist der Papst kaum mehr als der Bischof der heruntergekommenen einstigen Weltmetropole Rom gewesen: nominell zwar das Haupt der Christenheit, doch politisch und spirituell jenseits der Stadtmauern fast machtlos. Erst im 11. Jahrhundert besteigen ehrgeizige Kleriker den Stuhl Petri, die gewillt sind, die Kirche gründlich zu reformieren und das Papsttum an die Spitze des Abendlandes zu stellen. Es sind Oberhirten, die unter anderem versuchen, in der Kirche den Zölibat durchzusetzen und den Handel mit kirchlichen Ämtern zu unterbinden. Und die ab etwa 1070 dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches dessen hergebrachtes Recht entreißen wollen, die Bischöfe und Äbte zu ernennen.

Viele einflussreiche Kleriker dieser Zeit entstammen der französischen Abtei Cluny – so auch ein Mönch, der von diesem Kloster aus als kirchlicher Diplomat zu den Höfen Europas reist: Odo von Châtillon. Dieser französische Prior, der 1088 zum Papst gewählt wird und den Namen Urban II. annimmt, fasst einen kühnen Plan. Er will die Christenheit zu einer bewaffneten Pilgerfahrt aufrufen, um das Heilige Land aus der Hand der Ungläubigen zu befreien.

Urbans Entscheidung gibt Forschern noch fast ein Jahrtausend danach viele Rätsel auf. Wann hat der Papst erstmals diese Idee gefasst: schon vor seiner Wahl zum Oberhirten – oder irgendwann danach? Welche Motive treiben ihn? Und welche Rolle spielt das Verhältnis des Papstes zum Kaiser in Konstantinopel? Byzanz hat im Abendland schon oft Söldner angeworben. Auch Anfang 1095 bat eine Delegation aus Konstantinopel den Papst um Unterstützung, denn Byzanz brauchte dringend Ritter für den Kampf gegen die Seldschuken.

Auch wenn keine direkte Reaktion auf dieses Hilfegesuch überliefert ist, war der Besuch jener byzantinischen Gesandtschaft sicherlich ein Auslöser des Kreuzzuges.* Doch er war vermutlich nur der letzte Anstoß zum Abenteuer. Denn die Idee eines Kreuzzuges – einer bewaffneten Pilgerfahrt ins Heilige Land gegen die Muslime – muss Urban II. schon vorher gekommen sein. Zwar sind keine Einzelheiten überliefert, aber es spricht viel für die These, dass der Papst nach dem Besuch der byzantinischen Delegation Anfang 1095 geglaubt hat, nun endlich könne er jenen Traum wahr werden lassen, den er schon lange gehegt hat. Einen Traum allerdings, der in vielen Details noch höchst unkonkret ist.

Wie groß etwa soll das Territorium sein, das im Heiligen Land erobert wird: nur ein Streifen um Jerusalem – oder der gesamte Nahe Osten? Wie soll es regiert werden: als eine Art Provinz des Heiligen Stuhls, als unabhängiges Fürstentum? Wer soll die Macht ausüben? Niemand kann heute mehr sagen, welche Pläne Urban II. wann schmiedet; Zeugnisse aus der Kurie fehlen. Es bleiben bloß Spekulationen.

Sicher ist, dass gerade die Cluniazenser, zu denen Urban II. zählt, das Pilgerwesen fördern. Die Mönche von Cluny kennen den Weg ins Heilige Land, sie organisieren seit Jahrzehnten Fahrten in die Ferne, ihnen ist Jerusalem nicht bloß ein mythischer Ort, der in der Bibel genannt wird, sondern auch eine konkrete Stadt. Zudem sind die Cluniazenser gebildet und selbstbewusst. Ihre Klöster werden von bedeutenden Fürsten gefördert, sodass die Mönche mit dem Adelsstand und dessen Idealen vertraut sind. Sie bilden einen Orden des Geistes und der Macht, mit guten Verbindungen zur Elite.

Gut möglich also, dass der Plan, Jerusalem zu befreien, in Cluny und den anderen Abteien erstmals Gestalt annimmt: die Idee, jene Stadt zurückzugewinnen, die man als heiligen Ort verehrt und deren Befreiung mit Hilfe der fördernden Ritterfamilien nun möglich erscheint. Papst Urban verfolgt mit seinem Aufruf aber noch ein weiteres Ziel: Er will innere Konflikte nach außen kehren. Denn er ruft mit diesen Worten zum Kampf auf: „Jene, die leichtfertig einen persönlichen Krieg gegen die Gläubigen zu führen pflegen, mögen nun gegen die Ungläubigen in den Krieg ziehen.“

In Europa sind Kaiser und Könige meist schwach; sie verfügen nicht über die Macht, um die Adeligen zu zähmen, die in endlosen Fehden übereinander herfallen. Urban will diese mörderische Energie nun auf ein neues Ziel lenken: Nicht gegeneinander sollen die Ritter fechten, sondern gemeinsam gegen den ungläubigen Feind. Da dieser Feldzug zudem auf Wunsch des Papstes stattfindet, wird er dessen Autorität gegenüber den Monarchen Europas noch weiter erhöhen. Doch widersprechen Kriege und die Tötung von Menschen nicht dem christlichen Gebot der Nächstenliebe?

Tatsächlich ist das Christentum ursprünglich ein Glaube radikaler GewaltPredilosigkeit – doch wandelt sich dies bereits in der Antike: Schon Augustinus, einer der „Kirchenväter“ des lateinischen Christentums, schreibt im 5. Jahrhundert, dass ein Christ auf Befehl Gottes sehr wohl in die Schlacht ziehen mag. Einige Historiker, etwa Prof. Nikolas Jaspert (siehe Interview Seite 156), sind anderer Ansicht: Demnach will Urban II. mit seinem Aufruf anfangs nur ein Kontingent von Rittern zusammentrommeln, das er als Hilfe nach Byzanz senden will. Die Begeisterung im Volk ist jedoch so unerwartet groß, dass erst daraus spontan die Kreuzzugsbewegung entsteht – an deren Spitze sich der Papst dann stellt. Die Redaktion GEOEPOCHE hat sich aber für die andere Lesart entschieden, da sie ihr insgesamt plausibler erscheint.

Papst Leo IV. dekretiert um 850, dass jeder Gläubige, der bei der Verteidigung der Kirche sterbe, himmlische Belohnung erhalte. Einige seiner Nachfolger stellen die Gefallenen solcher Kämpfe gar Märtyrern gleich. Damit ist die Idee eines „heiligen Krieges“ spätestens im 11. Jahrhundert in der abendländischen Welt bekannt – und etabliert eine neue Art der Kriegsrechtfertigung: Wenn Menschen zuvor einander Gewalt antaten, ging es meist um Land und Beute. Nun wird die Religion zum Hauptmotiv von Kriegen.

AM 27. NOVEMBER 1095 predigt Urban II. in Clermont – wo er sich bei einem Konzil mit französischen Geistlichen trifft – vor einer großen Menge über einen heiligen Krieg gegen die Muslime. Einen Krieg, der die Menschen des Abendlandes einen und sie bis zur Befreiung Jerusalems führen soll. Maßlos übertreibend schildert Urban, wie die Muslime die Christen im Osten verfolgen und die heiligen Stätten schänden. Das Volk, so überliefern es Chronisten, reagiert ekstatisch. „Deus lo volt!“ erschallt es zum ersten Mal – ein Schlachtruf, der bald zwei Kontinente erbeben lässt.

Doch Urban verliert die Kontrolle über die Geister, die er rief. Er träumt von einem Kriegszug unter seiner spirituellen Führung, ausgefochten von den Edlen des Abendlandes. Nun aber stellen sich Männer auf die Marktplätze und in die Kirchen, die kein Bischof autorisiert hat. Sie verkünden, was ihnen gefällt – und das entspricht oft nicht dem, was Urban angeordnet hat. Der einflussreichste dieser Agitatoren wird Peter der Einsiedler: ein Wanderprediger aus Amiens und feuriger Redner, umglänzt von einem Charisma, das ihn im Volk zum Heiligen macht. Ende 1095 taucht er zum ersten Mal in der Grafschaft Berry in Zentralfrankreich auf, wo er eine Rede hält. Von dort zieht er weiter ostwärts.

Steckt dahinter Absicht – oder lässt sich Peter vom Zufall treiben? Niemand weiß es. Ostern 1096 erreicht er den Rhein. Und inzwischen ist er längst kein Einsiedler mehr. Überall folgen ihm Anhänger, vor allem Arme, darunter auffallend viele Frauen. Etliche haben alles aufgegeben: Beruf, Familie, Haus. Menschen, die niemals zuvor ihr Dorf verlassen haben, machen sich auf einen Weg, der sie auf einen anderen Kontinent führen soll. Für diese Kreuzfahrer bedeutet der Zug ins Heilige Land ein zweifaches Glücksversprechen.

Papst Urban hat ihnen wie allen bewaffneten Pilgern ein ungeheures spirituelles Glück in Aussicht gestellt: Befreit die heiligen Stätten der Christen, und euch werden die Sünden vergeben! Doch viele verstehen die Worte des Heiligen Vaters sicherlich auch in einem anderen Sinn: Erobert die christlichen Stätten – und bleibt im Heiligen Land! Als Siedler, Handwerker, Beutemacher. Sie erhoffen sich materielles Glück. Denn in Kontinentaleuropa wüten Hungersnöte und Überschwemmungen. In den Jahren 1094 und 1095 sind die Ernten schlecht ausgefallen. Vielerorts essen die Armen Wurzeln aus den Wäldern, um zu überleben. Seuchen und andere Krankheiten plagen die Menschen, etwa das Antoniusfeuer, das durch einen Pilzbefall von Getreide ausgelöst wird. Manche der Erkrankten leiden unter Wahnvorstellungen. Und da erscheint dieser arme Prediger und kündet vom Heiligen Land.

Dies ist die erste der vielen Wundergeschichten, die sich um den Kreuzzug ranken werden: Ein abgerissener Prediger stellt aus dem Nichts eines der größten Heere der Christenheit auf. Denn als Peter der Einsiedler zu Ostern vor Köln eintrifft, folgen ihm, so berichten Chronisten, bereits 15 000 Männer und Frauen – fast so viele, wie die größte deutsche Stadt Einwohner zählt. Inzwischen haben auch die ersten Adeligen das Kreuz genommen, darunter Gottfried von Bouillon, der Herzog von Niederlothringen. Er ist etwa 35 Jahre alt, groß, wohlgestaltet, mit flachsblondem Haupthaar und ebensolchem Bart, fromm und gottesfürchtig, tapfer und kriegserfahren: das Idealbild eines Ritters.

Gottfried ist ein mächtiger Edler im römisch-deutschen Reich und ein treuer Gefolgsmann des Kaisers – der meist gegen den Papst agiert, nicht mit ihm. Doch der Herzog ist sehr gläubig, durchglüht von den Ideen der Cluniazenser, deren Förderer er ist. Und so stellt er sich in den Dienst des Heiligen Vaters. Er verkauft oder verpfändet Burgen und Ländereien aus seinem Besitz an benachbarte Bischöfe. Das bringt ihm ein Vermögen ein. Viele wallonische und lothringische Ritter schließen sich ihm an: sicherlich aus religiöser Begeisterung, vielleicht aber auch, weil sie das Geld Gottfrieds und die Aussicht auf militärischen Ruhm locken.

Ende August 1096 zieht Gottfried mit einigen Tausend Streitern von Lothringen aus los. Ihre Route führt sie zum Rhein, dann die Donau entlang, quer durch Ungarn. Die meisten Kreuzfahrer legen den fast 4000 Kilometer langen Weg bis nach Jerusalem zu Fuß zurück, bepackt mit bis zu 30 Kilogramm Ausrüstung. Die Hälfte des Gewichts machen Rüstung, Waffen und Kleidung aus. Bleiben 15 Kilo für Brot, Getreide und andere Vorräte. Da ein Mann gut 1,5 Kilo Nahrung am Tag braucht, kommt ein Heer aus Fußsoldaten also höchstens zehn Tage voran, dann muss neuer Proviant her.

Einen noch größeren Bedarf verursachen die Reiter – ein Pferd benötigt pro Tag fünfmal so viel Getreide wie ein Mensch. Dieses Futter wird auf Karren transportiert, die mindestens 500 Kilogramm fassen. Die Gefährte werden meistens von Ochsen gezogen, gelegentlich aber auch von Pferden; von Tieren also, die selber einen erheblichen Teil ebenjenes Futters verbrauchen. Unter optimalen Bedingungen – wenn die Straßen trocken sind, das Wetter angenehm ist, wenn keine Feinde drohen – schaffen Fußsoldaten auf Dauer 20 Kilometer am Tag, unter ungünstigen Umständen viel weniger.

Also ist das Kreuzzugsheer zu ewiger, doch quälend langsamer Bewegung verdammt: Niemals kann man irgendwo länger verweilen, denn Pferde und Ochsen fressen binnen weniger Tage alle Weiden leer, die Menschen und wiederum die Pferde verbrauchen die Vorräte. Weiter, nur weiter! Spätestens alle 200 Kilometer muss das Heer alles Lebensnotwendige frisch einkaufen – oder plündern. Und das gilt nun für jeden Tag des langen Marsches bis Jerusalem. Weiter, nur weiter!

Der Zug durch das christliche Königreich Ungarn verläuft ohne größere Probleme. Vorsorglich hat Gottfried mit dem Herrscher verhandelt und die Zusage erhalten, dass die Kreuzfahrer zu günstigen Preisen versorgt werden. Ende November 1096 sind die Kreuzfahrer an der Save, gelangen bei Belgrad auf byzantinisches Gebiet. Vor Niš erreichen Boten des dortigen Statthalters von Byzanz das Heer: Er lässt freundliche Worte des Kaisers in Konstantinopel ausrichten, der sich ja Beistand gegen die Seldschuken erhofft, und bietet Geleitschutz. Weiter! Durch den Balkan. Wälder, Berge, Dörfer.

Mit den byzantinischen Begleittruppen erreichen Gerüchte Gottfrieds Männer: Andere Kreuzfahrer seien bereits in Konstantinopel – doch sie seien vom Kaiser gefangen genommen worden. Nein, ganz im Gegenteil: Sie seien vom Herrscher reich beschenkt worden! Unruhe beim Herzog: Was soll er davon glauben? Unruhe auch im Heer, Goldgier, Ungeduld. Ein paar Ritter setzen sich ab, reiten voraus, wollen die sagenhafte Stadt zwischen den Kontinenten vor den anderen erreichen und dort kaiserliche Geschenke empfangen.

Anfang Dezember quält sich der Heerzug bei der Stadt Selymbria das Marmarameer entlang. Da plötzlich plündern die Soldaten: Sie rauben, marodieren, verwüsten das Umland der Hafenstadt. Wie es dazu kommt, ist bis heute ein Rätsel. Erst nach acht Tagen hört das Plündern auf. Entschuldigungen gegenüber den entsetzten byzantinischen Gesandten, dann marschiert man voran. Weiter, nur weiter! Am 23. Dezember 1096 erreicht Gottfried von Bouillon mit seiner Armee endlich Konstantinopel. Was er dort sieht, wird ihm nicht unbedingt gefallen: verarmte Ritter, entlaufene Nonnen, elende Bauern und Tagelöhner aus Frankreich, Deutschland, Italien. Es ist der letzte Rest jener Massen, die Peter dem Einsiedler gefolgt sind. Den Rhein entlang sind sie gewandert. Sie raubten in Ungarn, sie plünderten im byzantinischen Balkangebiet.

Andere Gruppen dieses „Volkskreuzzuges“, die nicht unter Peters Führung standen, begannen schon in Deutschland damit, vermeintliche Gegner der Christenheit zu bekämpfen. In ihrem religiösen Wahn, euphorisiert durch die Reden Peters und anderer Prediger, sahen sie in den Juden, die seit Jahrhunderten in Gemeinden entlang des Rheins lebten, „Gottesmörder“, die ebenso den Tod verdienten wie die Muslime. Und so töteten sie Hunderte Juden in Köln, Speyer, Mainz und anderen Städten; es waren die ersten Pogrome des christlichen Mittelalters. Bald darauf jedoch ereilte diese mörderischen Glaubenskämpfer ihr Schicksal: In Ungarn ließ der König sie nach Plünderungen bis auf den letzten Mann niedermachen.

Das Heer Peters des Einsiedlers jedoch erreichte Konstantinopel und setzte mit Hilfe des Kaisers auf das jenseitige Ufer des Bosporus über. Dort trafen sie schon bald in heilloser Unordnung auf ein seldschukisches Heer – und wurden bis auf wenige allesamt erschlagen (Peter aber überlebt). Die fliehen konnten, verstärken nun das Heer Gottfrieds: entwurzelte Gestalten, gedemütigt, doch glaubensglühend. In den folgenden Monaten immerhin ziehen weitere gut bewaffnete Heere gen Konstantinopel. Sie kommen über den Donauraum oder durch Italien und über die Adria, und sie werden von Fürsten angeführt: von Normannen sowie Kriegern aus Frankreich und Flandern.

Am 21. April 1097 trifft Raimund von Toulouse in Konstantinopel ein: ein Graf von Mitte fünfzig, mit Narben unter dem grauen Bart und einem ausgeschlagenen Auge. Höflich und zivilisiert, doch auch eitel und starrsinnig. Raimund beherrscht große Teile Südwestfrankreichs. Über seine Gattin ist er mit iberischen Königshäusern verwandt. In Spanien hat er bei der Reconquista mitgekämpft. Und er war schon einmal in Jerusalem, als Pilger. Raimund von Toulouse hat nach der Predigt des Papstes als erster weltlicher Fürst das Kreuz genommen – ist nun aber fast als letzter am Bosporus angelangt, weil seine Vorbereitungen so lange gedauert haben.

Als ältester und mächtigster der Kreuzfahrerfürsten sieht er sich als Anführer des gesamten Unternehmens. Doch Urban II. hat niemals einen Oberbefehlshaber ernannt; jeder Herr befehligt sein eigenes Heer. Mit Raimund von Toulouse marschieren wohl mehr als 10 000 Mann. Niemand kann sich in Geld und Heeresgröße mit ihm messen – nicht einmal Gottfried von Bouillon mit seinen Lothringern. Der Graf aus dem Süden und der Herzog aus dem Norden: Sie werden zu den herausragenden Gestalten des Krieges. Ohne den jeweils anderen kann keiner siegen. Am Ende aber wird nur einer über Jerusalem herrschen können.

ANFANG MAI 1097 setzen die letzten Kreuzfahrer über den Bosporus. Endlich sind sie im Gebiet der Muslime – 18 Monate nach dem Aufruf des Papstes. Ihre Zahl kennt niemand; es sind vermutlich rund 60 000 Kämpfer, darunter wohl 7000 Ritter. Im Tross: Tausende Geistliche, Marketender, Gattinnen der Ritter Belaund Prostituierte, Nonnen und Abenteurerinnen, die der heimischen Enge entflohen sind und durch den Zug gen Osten ihr Seelenheil sichern wollen. Kinder, manche Sprösslinge der Krieger, andere Waisen, schließen sich zu Banden zusammen. Eine gemeinsame Sprache gibt es nicht, mit Ausnahme des Lateins, das die Kleriker sprechen.

Das Land, das sie durchqueren, ist von Kriegen gezeichnet. Die Sultane und Emire der Region – Fürsten im Reich der Seldschuken – befehden einander und verbünden sich nicht gegen die Eindringlinge. Zwar stellen sich den Christen mehrmals muslimische Heere entgegen, zwingen ihnen große Schlachten auf, aber sie sind nie stark genug, um den Fremden standzuhalten. Die Ritter sind im Gefecht den nur leicht geschützten Seldschuken überlegen.

Seine Rüstung macht den Ritter zu einer höchst effektiven Kampfmaschine. Das Haupt verschwindet unter dem aus einem einzigen Eisenstück getriebenen Helm. Eine Nasenschiene schützt oft das Gesicht, Eisenplatten liegen an den Ohren, Kettenringe am Nacken. Die Rüstung am Leib besteht aus ineinandergeflochtenen Eisenringen, über die ein Umhang aus Stoff geworfen wird, auf dessen rechten Schulterbereich die Kämpfer ein rotes Kreuz haben nähen lassen, wie vom Papst gefordert. Eisenschienen schützen Arme und Beine.

Das Schwert des Ritters ist etwa einen Meter lang und 1,5 Kilogramm schwer. Die Lanze ragt in der Schlacht zunächst in den Himmel. Nur zum Angriff wird die drei Meter lange Stoßwaffe gesenkt. Die Schlachtrösser – Hengste oder Wallache, die kräftiger und aggressiver sind als Stuten – werden von Überhängen aus Weidengeflecht oder Leder geschützt. Sie sind so trainiert, dass sie im Galopp mit den rechten Beinen etwas weiter ausgreifen, um bei einem Angriff die ungleichmäßigen Bewegungen des Ritters auszugleichen. Der nämlich muss die rechte Schulter, unter die er die Lanze geklemmt hält, starr halten; die linke Schulter mit dem Schildarm schwingt hingegen vor und zurück. Auf jeden Ritter kommen mehrere Fußsoldaten in Helm und Brustschutz, die mit Spießen, Schwertern, Streitäxten bewaffnet sind.

SCHLIMMER als die Seldschuken setzen den Wallfahrern Hitze und Durst zu. Zerstörte Zisternen am Wegesrand. Kein Baum, keine Wiese, bloß Dornbüsche. Die Europäer kauen deren bittere, harte Blätter in der Hoffnung auf etwas Flüssigkeit. Flirrende Luft. Unerträglich für die Ritter in den Kettenhemden. Irgendwann kollabieren die ersten Pferde – und ihre Reiter müssen nun auf Ochsen oder Maultieren weiterkommen. Sie schnallen ihre Vorräte und Waffen Hammeln, Ziegen, Schweinen und sogar Hunden auf. Vielen Tieren wird der Rücken wund gescheuert. Schwangere Frauen im Tross, dehydriert und erschöpft, gebären ihre Kinder zu früh. Weiter! Mit jedem Kilometer nimmt das Misstrauen im Heer zu: Lothringer und Normannen auf der einen Seite, die Provenzalen auf der anderen. Vorwürfe von Feigheit und Gier, Hohnworte.

Nicht einmal das Ziel Jerusalem bindet noch alle Kämpfer: So schlägt sich der jüngere Bruder Gottfrieds von Bouillon mit einigen lothringischen Abenteurern bis an den Euphrat durch, bringt dort die Stadt Edessa in seinen Besitz – und gründet im syrisch-anatolischen Grenzbereich eine eigene Grafschaft. Es wird das erste jener vier Kreuzfahrerreiche, die Chronisten später „Outremer“ nennen: „Jenseits des Meeres“. Das Hauptkontingent der Kreuzfahrer durchquert Kleinasien, hält sich dann aber acht Monate mit der BelaKilogerung und Eroberung der von den Seldschuken beherrschten Metropole Antiochia im Nordwesten Syriens auf.

Ein weiteres halbes Jahr vergeht, bis die Fürsten sich darauf einigen können, was mit der unterworfenen Stadt und deren Umland geschehen soll. Unter dem Druck des Fußvolkes, das endlich gen Jerusalem ziehen will, entscheiden sie sich dafür, das Territorium fürs Erste in der Hand des Normannenführers Bohemund zu belassen. Im Januar 1099 machen sie sich auf in Richtung Süden. Mai: Endlich erreicht das Heer Palästina, das seit Kurzem zum Reich der von Kairo aus herrschenden Fatimiden gehört. Wie geht es nun weiter? Diskussionen unter den Anführern. Einige halten es für einen Fehler, Jerusalem im Sommer zu belagern: zu heiß, zu trocken. Besser erst nach Ägypten marschieren, die Fatimiden schlagen und im Herbst die Heilige Stadt berennen. Doch die Befürworter eines baldigen Angriffs auf Jerusalem setzen sich durch – vielleicht auch, weil das Fußvolk für den Umweg über Ägypten viel zu ungeduldig ist. Niemand wird diese Glaubenskämpfer mehr aufhalten.

DIENSTAG, 7. JUNI 1099 . Graf Raimund von Toulouse steigt vom Pferd, streift sich die Stiefel ab und geht barfuß die letzten Meter hügelan im Staub. Vor ihm liegt, eingebettet zwischen Bergen, eine mit Zinnen bekrönte Mauer, darüber Dächer und eine große Kuppel: Jerusalem. Die Verteidiger zeigen sich nicht; sie vertrauen auf die Stadtmauern, die sie verstärkt haben, indem sie Kirchen und andere Gebäude niederrissen und deren Steine auf die Wälle schafften. Der fatimidische Statthalter Jerusalems kommandiert große Einheiten sudanesischer Bogenschützen und arabischer Kämpfer. Außerdem unterstehen ihm mehrere Zehntausend Menschen, die in der Stadt ausharren: muslimische Bürger, geflohene Bauern der umliegenden Dörfer sowie einige Tausend Juden in ihrem Viertel im Nordosten (die meisten christlichen Einwohner hat er kurz zuvor vertrieben).

Der Statthalter weiß, dass er zwei Verbündete hat: Hitze und Durst. Alle Brunnen und Zisternen in zehn Kilometer Umkreis haben seine Soldaten zugeschüttet oder vergiftet. Bis auf 40 Grad Celsius werden Sonne und Wüstenwinde die Bergrücken schon bald aufheizen. Ein Ritter in Helm und Kettenhemd braucht pro Tag mindestens fünf Liter Wasser – und ein Schlachtross säuft das Zehnfache. Wo sollen die Christen derartige Mengen hernehmen? Die einzige ergiebige Wasserstelle, die die Kreuzfahrer schnell erreichen können, ist der Schiloach-Teich unterhalb der Mauern Jerusalems, in den sich das Wasser einer nahebei gelegenen Quelle ergießt.

Doch aufgrund der besonderen Beschaffenheit der Quelle füllt sich der Tümpel in der Sommerzeit nur etwa alle drei Tage. Zudem können ihn Pfeile der besten Bogenschützen erreichen. Den Christen wird wohl schnell deutlich, dass die Heilige Stadt für sie zur tödlichen Falle werden könnte. Wie viele mögen es jetzt noch sein? Die Chronisten machen vage Angaben. Höchstens 1300 Ritter, dazu etwa 12 000 Fußsoldaten sowie wohl 8000 Priester, Marketender, Frauen und Kinder.

Die verbliebenen Kreuzfahrer konzentrieren ihre Angriffsbemühungen auf zwei Abschnitte: Gottfried von Bouillon sowie die Normannen und Flamen lagern vor der Nordmauer, Raimund von Toulouse führt seine Provenzalen und die Armen auf den Berg Zion im Südwesten. Dazwischen: Hügel, Schluchten – und Hass. Die Normannen verhöhnen die Provenzalen; die seien gut beim Plündern, aber wann hätte man sie je kämpfen sehen? Die Südfranzosen schmähen die Lothringer als „Dreck“. Es kann nur einen Plan geben: ein Sturmangriff. Dafür aber müssen sie Belagerungstürme errichten. Es wird Wochen dauern, zwei dieser Ungetüme in der Einöde zu zimmern.

Die Gluthitze zerrüttet die Nerven der Europäer. Wer noch kräftig genug ist, kämpft sich zum Rand des Schiloach-Teiches vor, sobald für kurze Zeit klares Wasser aus dem Felsen sprudelt. Den Schwächeren bleibt das verschlammte Restwasser, den Schwächsten nur Betteln. Tote Tiere liegen im Wasser. Blutegel treiben im Tümpel, die sich bei Trinkenden am Hals festsaugen. Die Körper reagieren mit Schwellungen, die die Kehle zudrücken, bis das Opfer erstickt.

Die ersten Abendländler geben auf: Haben sie nicht Jerusalem erblickt? Sie ziehen zum Jordan, lassen sich ein zweites Mal taufen und wandern zur Küstenstadt Jaffa, in der Hoffnung auf ein Schiff nach Europa. Andere sind so verzweifelt, dass sie auf die Mauern Jerusalems zurennen. Mit letzter Kraft erreichen viele ihr Ziel, küssen die Steine des Walls – und werden von herabgeschleuderten Brocken erschlagen. Ihre Leichen verwesen vor den Mauern der Heiligen Stadt.

Erst Mitte Juli vollenden Zimmerleute die zwei Belagerungstürme. Am 14. Juli 1099 lässt Gottfried von Bouillon seinen Turm erstmals gegen die Nordmauer schleppen. Graf Raimund von Toulouse befiehlt die Attacke vom Berg Zion im Südwesten aus. Doch beide Angriffe werden von den Verteidigern mit Pfeilen, Steinen und Brandgeschossen zurückgeworfen. Mit knapper Not können die Christen ihre beschädigten Türme retten und sie außerhalb der Reichweite der muslimischen Schleudern und Bögen zerren. In der Nacht flicken sie die Ungetüme wieder zusammen. Nun soll die Entscheidung am nächsten Morgen fallen.

FREITAG, 15. JULI 1099 . Die Christen sind auf den Mauern Jerusalems! Der fatimidische Statthalter befiehlt seinen Reitern, quer durch Jerusalems Gassen zu galoppieren. Doch die arabischen Krieger kommen zu spät. Chaos an der Nordmauer: tote Verteidiger, erschlagene Einwohner, dazwischen Gottfrieds lothringische Ritter, die Schwerter schwingen. Panisch wendet die Kavallerie des Statthalters, reitet zur einzigen Festung, die den Männern noch sicher zu sein scheint: der Davidsburg. Die Zitadelle im Westen der Stadt ist vom Rest Jerusalems durch Mauer und Graben getrennt. Alles verloren! Der Statthalter befiehlt nun auch den Bogenschützen und Steinschleuderern auf der Mauer den Rückzug. Die Soldaten erreichen ihr Ziel mit knapper Not, nur wenige Augenblicke, ehe die ersten normannischen und lothringischen Ritter nachdrängen.

Die johlenden Christen greifen nach den Araberpferden, die die Reiter vor der Festung haben zurücklassen müssen. Es gibt niemanden mehr, der Jerusalem jetzt noch verteidigt. Die Angreifer fluten in die Gassen, gierig nach Schätzen, nach Rache. Und so wird die Eroberung der Heiligen Stadt an jenem Nachmittag des 15. Juli 1099 durch das entfesselte Kreuzfahrerheer zu einer der brutalsten Plünderungen einer an Brutalitäten reichen Zeit. „Es gab keinen Platz, wo sie unseren Schwertern entgehen konnten“, berichtet ein Augenzeuge.

„Einige unserer Männer – und das war noch gnädig – schlugen den Feinden die Köpfe ab“, überliefert ein weiterer Chronist. „Andere erschossen sie mit Pfeilen, sodass sie von den Türmen stürzten; andere folterten sie länger, indem sie sie lebenden Leibes in die Flammen stießen. Haufen von abgeschlagenen Köpfen, Händen und Füßen waren in den Straßen der Stadt zu sehen.“

Für viele Kreuzfahrer ist die Plünderung die letzte Gelegenheit, zu Reichtum zu kommen. Denn diese Ordnung bleibt erhalten in all der grausigen Unordnung: Wer ein Haus als erster Kämpfer betritt, rammt als Zeichen seines Anspruchs eine Waffe in die Tür und darf hier alles an sich nehmen, niemand wird es ihm streitig machen.Nur einige Hundert reiche Muslime und Juden haben das Glück, an einen Ritter zu geraten, der sie nicht tötet, sondern gefangen nimmt: in der Erwartung, seine Geiseln später gegen Lösegeld freilassen zu können.

Raimund von Toulouse lässt zudem den muslimischen Statthalter abziehen, als der ihm kampflos die schwer befestigte Davidsburg übergibt. Der Statthalter, seine Soldaten und deren Familien dürfen unbeschadet zur Küste ziehen. Viele Juden erreichen noch ihre Synagoge. Doch die Ritter verriegeln deren Pforte, schichten Holz um das Gebäude und brennen das Gotteshaus nieder. Gebete hört man noch aus dem Inneren, dann schreckliche Schreie. In der al-Aqsa-Moschee halten Bewaffnete mehrere Stunden aus, bis gepanzerte Christen die Türen aufhacken. Bald darauf sind die Wände der Moschee rot verschmiert, und auf dem Boden steht das Blut angeblich so hoch, dass es den rasenden Rittern bis zu den Knien schwappt.

JERUSALEM wird zu einer Stadt der Toten

Mancher Angreifer versinkt, kaum hat er endlich die Heilige Stadt betreten, in einen Weinrausch. Andere klammern Kerzenständer aus Messing an sich – im Glauben, sie hätten ein Objekt aus Gold ergattert. Die gierigsten Plünderer schlagen ihren Opfern Finger und Ohren ab, um Ringe und Ohrgehänge zu erbeuten; und sie schlitzen die Eingeweide der Toten aus den Bäuchen auf der Suche nach verschluckten Münzen. (Später werden sie noch die Asche der verbrannten Leichen auf der Suche nach Gold zerwühlen.)

Mit Schwertern in den eisengepanzerten Fäusten stürmen 70 Kämpfer über den Tempelberg. Fürchterlich wüten sie unter den Muslimen, die es bis vor die Kuppel des Felsendoms geschafft haben. Und dann: Gold, Silber, Seide, Brokat, Diamanten, Rubine! Eine 50 Kilogramm schwere Schale aus Gold hängt an silbernen Ketten von der Decke; 40 silberne Lampen erhellen das Innere; silberne Beschläge schmücken die Innenmauern. Edelsteine sind in die Ornamente eingesetzt, kostbare Stoffe flattern im Wind. Allein das Silber, das sie von den Wänden reißen, wiegt etwa 25 Tonnen. Später werden die Plünderer Gottfried von Bouillon einen Anteil geben und einen weiteren den Armen des Heeres spenden, um sich durch diese frommen Almosen das Wohlwollen Gottes zu erkaufen.

SONNTAG, 17. JULI 1099 . Dreieinhalb Jahre sind vergangen, seit Urban II. zum Kreuzzug gerufen hat. Aber so unglaublich das auch klingen mag: Nie hat der Papst erklärt, was eigentlich geschehen soll, wenn Jerusalem erst einmal zurückerobert ist. Deshalb entscheidet sich die Zukunft der Heiligen Stadt nun in der Konkurrenz zwischen den beiden mächtigsten Männern des Kreuzzugs: Raimund von Toulouse und Gottfried von Bouillon. Die zwei erschöpften Fürsten verhandeln an diesem Sonntag in der eroberten Stadt darüber, wie es weitergehen soll mit Jerusalem. Die Diskussionen wogen danach noch mehrere Tage hin und her, ehe die Kämpfer schließlich Graf Raimund die Würde eines Königs von Jerusalem anbieten. Doch der – lehnt ab.

Warum? Verweigert sich Graf Raimund aus Frömmigkeit nicht der Macht , sondern bloß dem Titel ? Weil ein Christ keine Krone tragen soll in jener Stadt, in der Jesus die Dornenkrone trug? Ist es ein taktisches Manöver? Der Provenzale weiß, dass er nicht sonderlich beliebt ist. Lehnt Graf Raimund die Königswürde ab, weil ihn das fromm erscheinen lässt und populärer machen soll? Und weil er glaubt, dass er bloß abwarten muss, bis er noch einmal gefragt wird und er sich doch noch zum König aufschwingen kann?

Ein LOTHRINGER herrscht nun über das Heilige Land

Wenn es so ist, dann unterläuft ihm ein verhängnisvoller Fehler. Denn nun wenden sich die Fürsten an Gottfried von Bouillon, fragen ihn, ob er der Herrscher Jerusalems sein will. Und der Herzog sagt zu. Zwar lehnt auch er die Königswürde in christlicher Demut ab, doch offenbar hat er Helfer, Kleriker wahrscheinlich, die ihm in seiner Antwort einen eleganten Ausweg anbieten: Er wolle als Princeps et Defensor in Jerusalem herrschen, als Fürst und Verteidiger.

Das ist ein Titel, wie es ihn nie zuvor im Abendland gegeben hat, ein Titel zudem, von dem während all der Jahre des Kreuzzuges nie die Rede gewesen ist. Ist dieser Princeps nun ein weltlicher Herrscher? Oder eher eine Art Verwalter im Namen des Papstes? Verschiedene Interpretationen sind möglich. Aber im Moment ist das nur Theorie. Realität ist, dass jener Princeps et Defensor fortan de facto der Herrscher von Jerusalem ist. Graf Raimund fühlt sich überrumpelt, doch fehlen ihm Ritter, die jetzt noch für ihn kämpfen würden – er hat ja die Würde zuvor selbst abgelehnt. Zornbebend zieht er einige Monate später ab in Richtung Konstantinopel (und stirbt 1105 auf einem Kriegszug im Libanon).

„Am achten Tag, nachdem die Stadt gefallen war, wählten sie Herzog Gottfried als ihren Regenten, damit er gegen die Heiden kämpfen und die Christen beschützen könnte“, berichtet später ein anonymer Augenzeuge. Und so geht die Heilige Stadt am 22. Juli 1099 an den Herzog aus Niederlothringen.

DIENSTAG, 18. JULI 1100 . Gut ein Jahr nach der Eroberung Jerusalems stirbt Gottfried von Bouillon, wohl an Typhus. Sein jüngerer Bruder Balduin wird zu seinem Nachfolger. Der herrscht nur noch über etwa 300 Ritter und 2000 Fußsoldaten; alle anderen sind tot, in die Heimat zurückgekehrt oder in die anderen Fürstentümer von Outremer gezogen: nach Edessa oder Antiochia. Zu Balduins Reich gehören Jerusalem und ein Teil des Berglandes, zudem ein Streifen Küste – mehr nicht.

Gegen alle Wahrscheinlichkeit ist die Eroberung Jerusalems gelungen. Die Christen haben über Tausende Kilometer ein Heer entsandt, das nicht einmal geeint und seinen Gegnern zahlenmäßig oft unterlegen war. Doch mit der Kraft ihres Glaubens sowie einer Brutalität und Entschlossenheit, die Seldschuken und Fatimiden – für die die Christen nichts als Barbaren waren – sträflich unterschätzten, kämpften sich die Kreuzfahrer bis in die Mauern Jerusalems vor.

Es ist ein Triumph des Papsttums: Die Eroberung der Heiligen Stadt stärkt das Prestige des Heiligen Stuhles – auch wenn Urban II. davon nichts mehr erfährt; er ist zwei Wochen nach der Eroberung Jerusalems gestorben. Die Heldentat befeuert zum einen die religiöse Begeisterung im Volk. Zum anderen sind nun Tausende kampfdürstende Ritter aus Europa verschwunden. Und manche der Adeligen, die im Abendland sonst vielleicht Fehden oder gar verheerende Eroberungskriege angezettelt hätten, sitzen nun als Fürsten im Nahen Osten.

Fast zwei Jahrhunderte lang werden die Christen Teile des Heiligen Landes beherrschen, zeitweilig gar das gesamte Gebiet kontrollieren. Dennoch bleibt Outremer ein schwacher Außenposten der Christenheit – und eine offene Wunde in der muslimischen Welt. Zwar erschließt sich die volle Bedeutung der Katastrophe zunächst nur wenigen Muslimen. Doch einige Jahrzehnte später werden Herrscher von Kairo bis Bagdad zum Gegenschlag rüsten. Und nur auf eine Gelegenheit warten, um Rache zu nehmen.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

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Sekundärliteratur

-> Teschner, Johannes: Gottfried von Bouillon. Der Kreuzfahrer, in: Die Welt der Ritter (GEO Epoche Jg. 2018, Heft Nr. 94), Hamburg 2018.

-> Radermacher, Cay: Erster Kreuzzug. Blutige Pilgerfahrt, in: Die Zeit der Kreuzritter. 1096-1291. Der Kampf um das Heilige Land (GEO Epoche, Jg. 2013, Heft Nr. 59), Hamburg 2013.

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