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Persönlichkeiten

Inhaltsverzeichnis

  1. Balduin von Luxemburg
  2. Loretta von Sponheim 

1. Balduin von Luxemburg

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Bal­du­in von Lu­xem­burg war ei­ner der be­deu­tends­ten Erz­bi­schö­fe und Kur­fürs­ten von Trier, gleich­zei­tig ein­fluss­rei­cher Ge­stal­ter der Reichs­po­li­tik in der ers­ten Hälf­te des 14. Jahr­hun­derts.

Der ver­mut­lich 1285 ge­bo­re­ne Bal­du­in war Sohn des im Ju­ni 1288 bei Worrin­gen ge­fal­le­nen Gra­fen Hein­rich VI. von Lu­xem­burg und der Bea­trix von Aves­nes. Bal­du­in war von Ju­gend an für den geist­li­chen Stand be­stimmt und er­hielt ei­ne ent­spre­chen­de Aus­bil­dung. Als durch den Tod Die­ters von Nas­sau die Erz­diö­ze­se Trier va­kant wur­de, er­bat das Dom­ka­pi­tel im De­zem­ber 1307 den zum Stu­di­um in Pa­ris wei­len­den Dom­propst Bal­du­in als Nach­fol­ger. Weil der das kir­chen­recht­lich vor­ge­schrie­be­ne Al­ter von 30 Jah­ren noch nicht er­reicht hat­te, war ei­ne Wahl nicht mög­lich. Der Papst, dem da­her die Ent­schei­dung zu­fiel, er­klär­te im Fe­bru­ar 1308 die Wahl für un­gül­tig, er­nann­te aber den Ge­wähl­ten zum neu­en Erz­bi­schof von Trier und er­teil­te ihm am 11.3.1308 per­sön­lich die Bi­schofs­wei­he.

Als Erz­bi­schof war Bal­du­in, wie im Reich üb­lich, so­wohl Ober­hir­te ei­ner (Erz-) Diö­ze­se als auch Lan­des­herr ei­nes welt­li­chen Ter­ri­to­ri­ums. Die Diö­ze­se, ein­ge­teilt in fünf Ar­ch­idia­ko­na­te (Lon­guyon, Tho­ley, Trier, Kar­den und Diet­kir­chen), er­streck­te sich von der Maas im Wes­ten bis an die mitt­le­re Lahn bei Gie­ßen. Zum welt­li­chen Ter­ri­to­ri­um, dem Erz­stift, ge­hör­ten be­trächt­li­che – al­ler­dings nur zum Teil ge­schlos­se­ne – Ge­biets­kom­ple­xe in Ei­fel, Huns­rück, Wes­ter­wald und Tau­nus, zen­triert um die wich­tigs­ten Städ­te Trier und Ko­blenz.

Den Auf­ga­ben als Ober­hir­te und Lan­des­herr hat er sich mit glei­cher In­ten­si­tät ge­wid­met. Dies gilt für die Auf­sicht über die geist­li­chen In­sti­tu­tio­nen (Klös­ter und Stif­te) eben­so wie für die Wei­he von Kir­chen und Al­tä­ren, die er – an­ders als an­de­re Bi­schö­fe sei­ner Zeit – selbst vor­nahm. Sei­ne per­sön­li­che Fröm­mig­keit do­ku­men­tiert die Grün­dung von Kar­tau­sen in Trier (1330) und Ko­blenz (1331). In der Trie­rer Kar­tau­se wur­de für ihn ei­ne Zel­le vor­ge­hal­ten, in die er sich ge­le­gent­lich zur Me­di­ta­ti­on zu­rück­zog. Aus die­sem Klos­ter stam­men auch die zu Leb­zei­ten Bal­du­ins ent­stan­de­nen Chor­stuhl­wan­gen, die den Erz­bi­schof und sei­nen Bru­der Hein­rich dar­stel­len; Por­trätähn­lich­keit ist da­her an­zu­neh­men.

Die­se Leis­tun­gen des Diö­ze­san­bi­schofs sind des­halb zu be­to­nen, weil Bal­du­in bis heu­te vor al­lem als er­folg­rei­cher Reichs- und Ter­ri­to­ri­al­po­li­ti­ker gilt. Als Po­li­ti­ker auf Reichs­ebe­ne hat er sich be­reits sehr früh pro­fi­lie­ren kön­nen, weil er schon auf dem Rück­weg von der päpst­li­chen Ku­rie nach Trier er­fuhr, dass der rö­mi­sche Kö­nig Al­brecht von Habs­burg er­mor­det wor­den war. Pe­ter von As­pelt, der aus der Graf­schaft Lu­xem­burg stam­men­de Erz­bi­schof von Mainz, konn­te zu­sam­men mit Bal­du­in die Wahl auf des­sen Bru­der len­ken, den Gra­fen Hein­rich VII. von Lu­xem­burg (No­vem­ber 1308). Als ers­ter Kö­nig nach dem Stau­fer Fried­rich II. ließ sich Hein­rich VII. im Ju­ni 1312 in Rom zum Kai­ser krö­nen. Für Bal­du­in, der sei­nen Bru­der be­glei­tet hat­te, stell­te dies oh­ne Zwei­fel ei­nen der Hö­he­punk­te sei­nes Le­bens dar; der frü­he Tod des Bru­ders am 24.8.1313 war für ihn ei­ne Ka­ta­stro­phe.


 

Weil es Hein­rich VII. ge­lun­gen war, sei­nem Sohn Jo­hann 1310 die erb­li­che Kro­ne des Kö­nig­reichs Böh­men zu ver­schaf­fen, üb­te das Haus Lu­xem­burg auch auf die Kö­nigs­wahl im Ok­to­ber 1314 gro­ßen Ein­fluss aus. Den­noch kam es zu ei­ner Dop­pel­wahl, in der die lu­xem­bur­gi­sche Par­tei den Her­zog Lud­wig von Bay­ern un­ter­stüt­ze, der sich in ei­nem bis 1322 wäh­ren­den Thron­streit schlie­ß­lich durch­setz­te. Zwi­schen dem Kö­nig und (seit Ja­nu­ar 1328) Kai­ser und dem in Avi­gnon re­si­die­ren­den Päps­ten kam es in der Fol­ge­zeit zu ei­ner lang­jäh­ri­gen Aus­ein­an­der­set­zung, die für die nicht ei­ner Sei­te an­hän­gen­den Reichs­fürs­ten ei­nen be­trächt­li­chen po­li­ti­schen Spiel­raum schuf. Bal­du­in hat­te er­heb­li­chen An­teil dar­an, dass im Ju­li 1338 die in Rhens ver­sam­mel­ten Kur­fürs­ten ih­ren Rechts­stand­punkt fest­schrie­ben, ein von ih­nen ge­wähl­ter Kö­nig be­dür­fe nicht der Be­stä­ti­gung durch den Papst (Rhen­ser Weis­tum). Dies wur­de vom Kai­ser for­mell, vom Papst de fac­to an­er­kannt. Erst im Mai 1346 kam es zum end­gül­ti­gen Bruch zwi­schen Bal­du­in und dem Kai­ser. Im Sin­ne des Paps­tes wähl­te die von Bal­du­in ge­führ­te lu­xem­bur­gi­sche Par­tei im Kur­kol­le­gi­um im Ju­li den Mark­gra­fen Karl von Mäh­ren, Sohn des Kö­nigs Jo­hann von Böh­men (und so­mit Großn­ef­fen Bal­du­ins) zum rö­mi­schen Kö­nig. Da der Kai­ser im Ok­to­ber 1347 über­ra­schend starb, konn­te sich Kö­nig Karl IV. bald im ge­sam­ten Reich durch­set­zen.

Im Erz­stift Trier hat­te be­reits Erz­bi­schof Hein­rich von Vinstin­gen (ge­stor­ben 1286) ei­ne er­folg­rei­che Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik be­trie­ben, un­ter an­de­rem durch den Bau von Bur­gen und die Ein­rich­tung von Ver­wal­tungs­struk­tu­ren (Äm­tern). Ob­wohl das Erz­stift un­ter sei­nem Vor­gän­ger Die­ter von Nas­sau in ei­ne schwe­re Kri­se ge­ra­ten war, konn­te Bal­du­in auf vor­ge­fun­de­nen Struk­tu­ren auf­bau­en. Er schuf ei­ne flä­chen­de­cken­de Äm­ter­or­ga­ni­sa­ti­on, band ei­nen we­sent­li­chen Teil der Nach­bar­ter­ri­to­ri­en in sei­ne po­li­ti­schen In­itia­ti­ven ein, ver­dich­te­te das Netz der vom Erz­stift lehns­ab­hän­gi­gen Bur­gen und er­rich­te­te neue Lan­des­bur­gen, von de­nen er ei­ni­gen sei­nen Na­men gab (Bal­denau und Bal­du­ins­eck auf dem Huns­rück, Bal­du­in­stein an der Lahn). Weil der Erz­bi­schof ei­nen Sinn für das hat­te, was heu­te Wirt­schafts­för­de­rung hei­ßt, und vor al­lem wuss­te, dass Frie­den und Si­cher­heit die wich­tigs­ten Fak­to­ren für wirt­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Blü­te sind, leg­te er auf die Be­frie­dung des Lan­des be­son­de­ren Wert, un­ter an­de­rem durch Ab­schluss von Land­frie­dens­ver­trä­gen mit den Nach­barn.

In Ein­zel­fäl­len scheu­te Bal­du­in auch nicht vor mi­li­tä­ri­schen Un­ter­neh­mun­gen zu­rück, die al­ler­dings nicht im­mer er­folg­reich ver­lie­fen: Im Ju­li 1328 wur­de der zu Schiff die Mo­sel her­un­ter­fah­ren­de Erz­bi­schof bei En­kirch von Leu­ten der Grä­fin Lo­ret­ta von Spon­heim ge­fan­gen ge­nom­men; im April 1347 wur­den et­li­che im Dienst des Erz­bi­schofs aus­ge­rück­te Bür­ger von Ko­blenz bei Grenzau er­schla­gen. Ei­nen Na­men mach­te sich der Erz­bi­schof da­bei durch den Ein­satz mo­der­ner Kriegs­mit­tel: er bau­te Be­la­ge­rungs­bur­gen (un­ter an­de­rem Trut­zeltz ober­halb der Burg Eltz), setz­te aus Böh­men ge­hol­te Berg­leu­te und Feu­er­waf­fen ein. Frie­den und Si­cher­heit aber er­mög­lich­ten ein Auf­blü­hen der Städ­te, ge­folgt von stei­gen­den Ab­ga­ben der Un­ter­ta­nen, die dem Lan­des­herrn er­heb­li­che po­li­ti­sche, von den Zeit­ge­nos­sen mit Stau­nen be­ob­ach­te­te Hand­lungs­spiel­räu­me er­öff­ne­ten. An die­ser er­folg­rei­chen Fi­nanz­po­li­tik hat­ten die mit dem Erz­bi­schof eng zu­sam­men­ar­bei­ten­den Ju­den ei­nen wich­ti­gen An­teil.

Bal­du­in starb am 21.1.1354 in Trier. Um sei­nen Nach­ruhm hat­te er sich bei­zei­ten ak­tiv ge­küm­mert. Die ers­ten Jah­re sei­nes Pon­ti­fi­kats, das Zu­sam­men­wir­ken mit dem Bru­der und die Teil­nah­me an des­sen Rom­zug, hat er in ei­nem „Bil­der­zy­klus von Kai­ser Hein­richs Rom­fahrt" fest­hal­ten las­sen. Die Schrift­gut­ver­wal­tung sei­nes Ter­ri­to­ri­ums hat er neu or­ga­ni­siert; die wich­tigs­ten Ur­kun­den wur­den in meh­re­ren Hand­schrif­ten (den so ge­nann­ten Bal­duine­en) ab­schrift­lich fest­ge­hal­ten; ein Ex­em­plar hat er stets mit sich ge­führt. Sei­ne Leis­tun­gen (wie er sie ge­se­hen wis­sen woll­te) hat er im Vor­wort die­ser Ur­kun­den­samm­lung und in den sei­ner Re­gie­rungs­zeit ge­wid­me­ten Ka­pi­tel in den „Ges­ta Tre­ver­o­rum" do­ku­men­tie­ren las­sen. Dort wird der Zu­stand von Erz­diö­ze­se und Erz­stift im Jahr 1307 in düs­te­ren Far­ben dar­ge­stellt – um so hel­ler er­strahlt der Ruhm Bal­du­ins, der hier wie­der Ord­nung schuf. Die­se Sicht­wei­se prägt bis heu­te das Bild Bal­du­ins in der his­to­ri­schen For­schung. Selbst wenn bei ge­nau­em Hin­se­hen fest­zu­stel­len ist, dass Bal­du­in auf Leis­tun­gen von Vor­gän­gern (ins­be­son­de­re Hein­rich von Vinstin­gen) auf­bau­en konn­te, wird an der Tat­sa­che, dass er der be­deu­tends­te Trie­rer Erz­bi­schof des Spät­mit­tel­al­ters und ei­ner der füh­ren­den Reichs­po­li­ti­ker sei­ner Zeit war, nichts zu deu­teln sein.

2. Loretta von Sponheim

Lo­ret­ta von Spon­heim nahm als ei­ne von we­ni­gen Frau­en Ein­fluss auf das po­li­ti­sche Ge­sche­hen im spät­mit­tel­al­ter­li­chen Rhein­land. Sie re­gier­te von 1324 bis 1331 er­folg­reich die Hin­te­re Graf­schaft Spon­heim. In die Ge­schich­te ein­ge­gan­gen ist die Grä­fin be­son­ders durch die auf­se­hen­er­re­gen­de Ent­füh­rung ih­res Geg­ners, des Trie­rer Erz­bi­schofs Bal­du­in von Lu­xem­burg.

Lo­ret­ta stamm­te aus dem Ge­schlecht der Gra­fen von Salm in den Vo­ge­sen. Sie wur­de kurz vor 1300 ge­bo­ren. Ih­re El­tern wa­ren Graf Jo­hann I. (be­legt 1275 - 1330) und des­sen fran­zö­si­sche Ehe­frau Jean­ne de Join­ville. So­weit be­kannt ist, hat­te Lo­ret­ta vier Brü­der und ei­ne Schwes­ter. An der deutsch-fran­zö­si­schen Sprach­gren­ze auf­ge­wach­sen, lern­te sie von der Mut­ter ge­wiss Fran­zö­sisch, denn für ihr ers­tes Sie­gel wähl­te sie ei­ne fran­zö­si­sche Um­schrift. Das jun­ge Mäd­chen wur­de 1315 mit dem deut­lich äl­te­ren Jung­gra­fen Hein­rich von Spon­heim zu Star­ken­burg (um 1292 – Ok­to­ber 1323) ver­hei­ra­tet. Zur Hoch­zeit er­hiel­ten die Ehe­leu­te Burg Herrstein im Huns­rück als Wohn­sitz, wo ver­mut­lich ih­re drei Söh­ne zur Welt ka­men. Hein­rich von Spon­heim starb 1323, vor sei­nem Va­ter, den er hät­te be­er­ben sol­len. Er wur­de in der Fa­mi­li­en­grable­ge in der Klos­ter­kir­che von Him­merod bei­ge­setzt. Lo­ret­ta zog mit ih­ren drei Jun­gen auf die Star­ken­burg. Als im Früh­jahr 1324 auch ihr Schwie­ger­va­ter starb, der am­tie­ren­de Graf Jo­hann II. von Spon­heim, fehl­te dem Gra­fen­haus ein mün­di­ger männ­li­cher Nach­fol­ger, denn Lo­ret­t­as äl­tes­ter Sohn zähl­te höchs­tens neun Jah­re. Es war mu­tig und un­ge­wöhn­lich, dass die jun­ge Wit­we in die­ser La­ge kei­nen männ­li­chen Vor­mund be­stimm­te, son­dern selbst die Re­gent­schaft über­nahm.



Ortsansicht von Herrstein mit der gleichnamigen Burg, Foto: Berthold Werner.

 

Die Grä­fin re­gier­te kein Land mit fes­ten Gren­zen, da­mals ent­stan­den die Ter­ri­to­ri­en erst. Ih­re Herr­schaft grün­de­te in Land­be­sitz, Rech­ten und An­sprü­chen, die sich in be­stimm­ten Ge­bie­ten zwi­schen Mo­sel und Na­he kon­zen­trier­ten: von En­kirch bis Trar­bach mit dem Hin­ter­land, im Bir­ken­fel­der Länd­chen um Al­len­bach, Herrstein und Bir­ken­feld so­wie in Win­nin­gen an der un­te­ren Mo­sel. Es galt, die­sen Macht­be­reich ge­gen die kon­kur­rie­ren­den Gra­fen und Her­ren der Re­gi­on zu be­haup­ten; be­son­ders ge­gen Erz­bi­schof Bal­du­in von Trier, der auf dem Huns­rück ei­ne of­fen­si­ve Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik be­trieb. Zum Schutz des Bir­ken­fel­der Länd­chens ließ Lo­ret­ta gleich zu An­fang in ei­nem Sei­ten­tal der Na­he, süd­lich vom heu­ti­gen Idar-Ober­stein, die Frau­en­burg er­rich­ten.

Ei­ne der wirt­schaft­li­chen Grund­la­gen feu­da­ler Herr­schaft bil­de­ten die Ab­ga­ben der Be­völ­ke­rung. Da­her war es wich­tig, die Hin­ter­sas­sen im ei­ge­nen Ter­ri­to­ri­um zu hal­ten. Land­flucht stell­te ein ver­brei­te­tes Pro­blem dar. Die Hin­te­re Graf­schaft Spon­heim war da­von stark be­trof­fen, weil hier nur stadt­ähn­li­che Or­te la­gen, wäh­rend ge­ra­de die Städ­te im Erz­stift Trier die Bau­ern an­zo­gen. Sie er­hoff­ten sich dort bes­se­re wirt­schaft­li­che und recht­li­che Le­bens­be­din­gun­gen. Ab­zu­wan­dern droh­ten auch Män­ner, die über be­son­de­re Kennt­nis­se ver­füg­ten, aber drin­gend in der gräf­li­chen Ver­wal­tung be­nö­tigt wur­den. Lo­ret­ta be­dien­te sich ge­gen die Land­flucht ei­nes mo­der­nen In­stru­ments, in­dem sie sich so­ge­nann­te Nicht­ab­zugs­ver­pflich­tun­gen aus­stel­len ließ. In sol­chen Ur­kun­den ge­lob­ten die Aus­stel­ler, dass sie und ih­re Fa­mi­li­en das Ter­ri­to­ri­um nie­mals ver­las­sen wür­den. Häu­fig muss­ten sie da­für Bür­gen stel­len.

Be­vor es zur Kon­fron­ta­ti­on mit Erz­bi­schof Bal­du­in kam, be­zwang Lo­ret­ta 1327 in ei­ner ers­ten Feh­de den Wild­gra­fen Fried­rich von Kyr­burg (1298-1367). Der hat­te ihr wi­der gel­ten­des Recht spon­hei­mi­sche Ei­gen­leu­te strei­tig ge­macht, die in Wör­res­bach auf wild­gräf­li­chem Grund wohn­ten. Lo­ret­ta ließ Fried­rich und sei­nen Sohn Gott­fried kur­zer­hand über­fal­len und setz­te die bei­den auf der Star­ken­burg ge­fan­gen, bis sie sich ih­ren For­de­run­gen un­ter­war­fen. Sie er­reich­te, dass ein Schieds­ge­richt aus Ver­tre­tern der wich­tigs­ten be­nach­bar­ten Herr­schaf­ten die Wild­gra­fen nicht nur in die Schran­ken ver­wies, son­dern den Vor­rang der Spon­hei­mer im strit­ti­gen Ge­biet an­er­kann­te.

An der Kon­trol­le über das Bir­ken­fel­der Länd­chen ent­zün­de­te sich auch der Kon­flikt mit Erz­bi­schof Bal­du­in. Als die­ser bei Bir­ken­feld, auf Land, mit dem die Gra­fen von Spon­heim be­lehnt wa­ren, ei­ne Burg bau­en ließ, fühl­te sich Lo­ret­ta pro­vo­ziert und be­droht. Die fol­gen­de be­waff­ne­te Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen den Par­tei­en en­de­te mit ei­nem Waf­fen­still­stand. Der In­ter­es­sen­ge­gen­satz mit dem Erz­stift, mit­hin der ei­gent­li­che Grund des Macht­kamp­fes, schwel­te aber wei­ter. Er be­zog sich auf das Krö­ver Reich an der Mit­tel­mo­sel, das ei­nen ter­ri­to­ria­len Rie­gel zwi­schen dem obe­ren und dem nie­de­ren Erz­stift Trier bil­de­te. Die Spon­hei­mer be­sa­ßen die­ses Ge­biet seit 1274 als Reichs­pfand. Erz­bi­schof Bal­du­in ver­folg­te das Ziel, die spon­hei­mi­schen Rech­te im Krö­ver Reich mehr und mehr zu­rück­zu­drän­gen, um es schlie­ß­lich sei­nem ei­ge­nen Ter­ri­to­ri­um ein­zu­ver­lei­ben. Da­ge­gen ver­tei­dig­te sich Lo­ret­ta aus dem Hin­ter­halt: als Erz­bi­schof Bal­du­in im Mai oder Ju­ni 1328 auf der Mo­sel von Trier nach Ko­blenz fuhr, über­fie­len Lehns­män­ner der Grä­fin sein Schiffun­ter­halb der Star­ken­burg, wo bei­de Ufer spon­hei­misch wa­ren. Sie führ­ten den Erz­bi­schof samt Ge­fol­ge als Gei­seln auf die un­ein­nehm­ba­re Burg. Mit der Ge­walt­tat ge­gen den geist­li­chen Ober­hir­ten wa­ren Lo­ret­ta und ih­re Hel­fer au­to­ma­tisch ex­kom­mu­ni­ziert, Trar­bach wur­de mit dem In­ter­dikt be­legt. Trotz­dem ge­lang es Lo­ret­ta, er­folg­reich und po­li­tisch ge­stärkt aus der har­ten Aus­ein­an­der­set­zung her­vor­zu­ge­hen. Ei­ne De­le­ga­ti­on Trie­rer Dom­her­ren be­gann so­fort mit den Ver­hand­lun­gen über die Frei­las­sung des Erz­bi­schofs. Erst nach­dem sich Bal­du­ins Nef­fe, Kö­nig Jo­hann von Böh­men (Re­gie­rungs­zeit 1310-1346), per­sön­lich ein­ge­mischt hat­te, kam An­fang Ju­li ei­ne Ei­ni­gung zu­stan­de. Ne­ben ei­nem Lö­se­geld er­reich­te Lo­ret­ta um­fas­sen­de po­li­ti­sche Zu­ge­ständ­nis­se, die die Un­ab­hän­gig­keit der Graf­schaft Spon­heim vom Erz­stift Trier be­grün­de­ten. Bal­du­in über­gab ihr den Burg­bau bei Bir­ken­feld, sei­ne Herr­schafts­rech­te im Bir­ken­fel­der Länd­chen wur­den stark be­schnit­ten. Dar­über hin­aus si­cher­te er der Grä­fin zu, die in ih­rem Be­sitz be­find­li­che Reichs­pfand­schaft Kröv nicht aus­zu­lö­sen. Ih­re Los­spre­chung vom Kir­chen­bann bahn­te Lo­ret­ta an, in­dem sie den Erz­bi­schof im Süh­ne­ver­trag ver­pflich­te­te, sich bei der Ku­rie für sie zu ver­wen­den. Im Früh­jahr 1330 reis­te die Grä­fin, aus­ge­stat­tet mit ei­nem Emp­feh­lungs­schrei­ben des Erz­bi­schofs, selbst zum Papst nach Avi­gnon. Papst Jo­han­nes XXII. (Pon­ti­fi­kat 1316-1334) leg­te ihr und ih­ren Hel­fern ei­ne Bu­ße auf. Sie muss­ten ei­nen ri­tu­el­len Bu­ßgang in den Trie­rer Dom oder die Haupt­kir­che ei­ner an­de­ren Stadt un­ter­neh­men und ver­schie­de­ne Süh­ne­stif­tun­gen leis­ten. Der Papst ge­währ­te Lo­ret­ta nicht nur die Ab­so­lu­ti­on, für ih­re bei­den jün­ge­ren Söh­ne Gott­fried (ge­stor­ben 1395) und Hein­rich (ge­stor­ben 1375), die der Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on fol­gend Geist­li­che wer­den soll­ten, er­hielt sie die An­wart­schaft auf ein­träg­li­che Pfrün­den.

Be­vor die Mut­ter schlie­ß­lich die Re­gie­rung an den Erb­fol­ger über­ge­ben konn­te, muss­te sie den Sohn noch ver­hei­ra­ten. Sie ver­ein­bar­te ei­ne für das Gra­fen­ge­schlecht sehr pres­ti­ge­träch­ti­ge Ehe mit Mecht­hild (ge­stor­ben 1358), der Schwes­ter der Pfalz­gra­fen Ru­dolf II. und Ru­precht I., ei­ner Nich­te des re­gie­ren­den Kai­sers Lud­wig der Bay­er (Re­gie­rungs­zeit 1314-1347). Am Tag der Hoch­zeit, dem 20.9.1331, trat Lo­ret­t­as äl­tes­ter Sohn Jo­hann (Jo­hann III., Re­gie­rungs­zeit bis 1398) sei­ne Herr­schaft an. Lo­ret­ta zog sich auf die Frau­en­burg zu­rück. Ab 1340 küm­mer­te sie sich um ihr lit­ur­gi­sches To­ten­ge­den­ken in ver­schie­de­nen Kir­chen, un­ter an­de­rem stif­te­te sie an den Dom in Trier. Lo­ret­t­as ge­nau­er To­des­tag ist nicht über­lie­fert, sie ist zwi­schen dem 28.6.1345 und dem 10.2.1346 ge­stor­ben und wur­de in der Zis­ter­zi­en­ser­ab­tei Him­merod be­gra­ben.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Mötsch, Johannes, Balduin von Luxemburg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/balduin-von-luxemburg-/DE-2086/lido/57c5726fe4cd67.53143523 (abgerufen am 19.10.2025)

-> Ostrowitzki, Anja, Loretta von Sponheim, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/loretta-von-sponheim/DE-2086/lido/57c943514e08f1.01768733 (abgerufen am 19.10.2025)

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Sekundärliteratur

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