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Persönlichkeiten

Inhaltsverzeichnis

  1. Adolf Hitler
  2. Adolf Eichmann
  3. Anne Frank
  4. Georg Elser 
  5. Hans und Sophie Scholl
  6. Klaus Schenk Graf von Stauffenberg 

1. Adolf Hitler

1889 – 1945

Politiker, Reichskanzler

Als Parteivorsitzender der NSDAP, Reichskanzler und oberster Befehlshaber der Wehrmacht prägte Adolf Hitler wie kein Zweiter die deutsche und europäische Geschichte von 1933 bis 1945. Für die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs, dem schätzungsweise über 70 Millionen Menschen zum Opfer fielen, sowie für die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das NS-Regime trägt er die politische Hauptverantwortung.

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Adolf Hitler, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)

Herkunft, Jugend und früher Werdegang in Wien

Hitler wuchs in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen auf und besuchte seit Mai 1895 Volksschulen in Oberösterreich sowie seit September 1900 die Staats-Realschule in Linz. Im September 1904 wechselte er an die Staats-Oberrealschule in Steyr, die er nach einem Jahr aufgrund ungenügender Leistungen verlassen musste. Anschließend bei seiner Mutter in Linz lebend, widmete sich Hitler seinen künstlerischen Neigungen, ohne eine Berufsausbildung zu absolvieren. Im Oktober 1907 scheiterte seine erste Bewerbung zur Aufnahme in die Akademie der bildenden Künste in Wien. Nach dem Tod der Mutter übersiedelte Hitler im Februar 1908 mit seinem Jugendfreund August Kubizek (1888–1956) nach Wien, wo er sich zu einem passionierten Anhänger der Werke Richard Wagners (1812–1883) entwickelte und von der Architektur und den Musiktheatern der Stadt geprägt wurde.

Im September 1908 bewarb sich Hitler erneut an der Akademie der bildenden Künste, durfte jedoch nicht mehr zum Probezeichnen antreten. Anschließend knüpfte er an seinen müßiggängerischen Lebenswandel an, verbrauchte das mütterliche Erbe und lebte seit Februar 1910 in einem Männerheim in Wien-Brigittenau, wo er seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf selbstangefertigter Postkarten und Aquarelle bestritt. Politisch trat Hitler in dieser Zeit nicht hervor; verbürgt sind jedoch starke Aversionen gegen die römisch-katholische Kirche und die Habsburgermonarchie sowie Sympathien für die österreichische Alldeutsche Bewegung um Georg von Schönerer (1842–1921). Für die Behauptung Hitlers in „Mein Kampf“, bereits in Wien einen Weltanschauungsantisemitismus entwickelt zu haben, gibt es keine belastbaren Belege. Jedoch führt von der Begeisterung für Wagner eine Brücke zur späteren politischen Karriere: In Wien entwickelte Hitler ein Gespür für die suggestive Macht wirkungsästhetisch orientierter Aufführungen und legte die Grundlage für eine Ästhetisierung des Politischen, die nach 1918 zu seinem politischen Markenzeichen wurde.

Erster Weltkrieg und politische Karriere bis 1923

Im Mai 1913 übersiedelte Hitler nach München, wo er erneut von dem Verkauf von künstlerischen Gelegenheitsarbeiten lebte. Anfang August 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger zur bayerischen Armee, wurde Ende Oktober als Soldat des 16. Reserve-Infanterie-Regiments bei der Schlacht von Ypern eingesetzt und diente danach bis Kriegsende als Meldegänger des Regimentsstabs. Der Erste Weltkrieg markierte für Hitler insofern eine wichtige Zäsur, als er vier Jahre einem regelmäßigen, militärisch diktierten Lebensrhythmus folgte und durch seine Fronterfahrung symbolisches Kapital gewann, das er für seine politische Karriere nach 1918 zu nutzen verstand. Das Kriegsende erlebte er infolge einer Gasverletzung in einem Lazarett in Pasewalk bei Stettin, aus dem er am 19. November 1918 entlassen wurde.

Seit dem 21. November 1918 zurück in München, wurde Hitler der 7. Kompanie des I. Ersatzbataillons des 2. Infanterie-Regiments zugewiesen und zum Vertrauensmann des Bataillons gewählt. Er opponierte nicht gegen die aus der Novemberrevolution hervorgegangene Regierung Kurt Eisners (1867–1919). Erst nach Zerschlagung der Münchner Räterepublik stellte er sich auf die Seite der Gegenrevolution und wurde u. a. im August 1919 als Teil eines antibolschewistischen „Aufklärungskommandos“ der bayerischen Armee in einem Durchgangslager für Kriegsheimkehrer in Lechfeld bei Augsburg eingesetzt. In dieser Zeit entwickelte Hitler die bis zu seinem Tod unveränderten Grundlagen seiner Ideologie: Ein radikaler Antisemitismus, in dessen letzter Konsequenz die Ermordung von Juden lag, verband sich mit exzessivem Nationalismus, Sozialdarwinismus und Antikapitalismus. Ein zentraler Ideengeber und Mentor dieser Zeit war der Verleger und Publizist Dietrich Eckart (1868–1923). Weitere völkische Autoren, die Hitlers Weltbild prägten, waren v. a. Houston Stewart Chamberlain (1855–1927), Theodor Fritsch (1852–1933) und Hans F. K. Günther (1891–1968).

Im September 1919 schloss sich Hitler in München der von Anton Drexler (1884–1942) geführten Deutschen Arbeiterpartei an, die am 24. Februar 1920 in NSDAP umbenannt wurde. Nach internen Konflikten, in deren Folge er kurzzeitig aus der Partei austrat, wurde Hitler am 29. Juli 1921 zum ersten Parteivorsitzenden gewählt und erhielt diktatorische Vollmachten. Dies gelang ihm v. a., weil er wie kein anderes Parteimitglied die Zuhörer auf politischen Massenveranstaltungen durch seine Redemacht für die NSDAP zu interessieren vermochte. Hitlers oratorische Performanz verschaffte ihm in der in München besonders starken völkisch-nationalistischen Szene ein Alleinstellungsmerkmal. In den ersten Jahren seiner politischen Karriere profitierte er zudem stark von großbürgerlichen Förderern, darunter die Unternehmergattin Helene Bechstein (1876–1951) und die Salonière Elsa Bruckmann (1865–1946).

Sein Ziel, die liberal-demokratische Weimarer Republik zu Fall zu bringen, verfolgte Hitler zunächst nach dem Vorbild Benito Mussolinis (1883–1945) über den Weg eines revolutionären Umsturzes, wobei er bereit war, mit Rivalen aus dem Lager der radikalen Rechten zu kooperieren. Nachdem am 9. November 1923 ein mit Erich Ludendorff (1865–1937) unternommener, unzureichend vorbereiteter Putschversuch durch das Eingreifen der bayerischen Landespolizei niedergeschlagen worden war, wurde Hitler verhaftet, am 1. April 1924 vor dem Volksgericht München I wegen Hochverrats zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt und am selben Tag in die Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech verbracht. Die milden Haftbedingungen nutzte er v. a. dafür, mit der Niederschrift des ersten Bands von „Mein Kampf“ (2 Bde., 1925/26) zu beginnen – einer stark selektiven und stilisierten Autobiografie sowie ideologischen Bekenntnis- und Programmschrift, deren einbändige „Volksausgabe“ seit 1930 zum Bestseller avancierte und die finanzielle Unabhängigkeit Hitlers dauerhaft sicherte. Auf Fürsprache des Leiters der Haftanstalt, Otto Leybold (1868–1933), wurde er am 20. Dezember 1924 auf Bewährung entlassen.

Neugründung der NSDAP und Machtübernahme 1933/34

In der am 27. Februar 1925 neu gegründeten NSDAP übte Hitler – spätestens nach der Bamberger Führertagung vom Februar 1926 – einen weitgehend unangefochtenen Führungsanspruch aus. Allerdings war die NSDAP bis 1933 keine reine Hitler-Partei, zumal die NS-Gauleiter z. T. eigene Ziele verfolgten und Hitler die Professionalisierung des Parteiapparats v. a. dem Reichsorganisationsleiter Gregor Straßer (1892–1934) überließ, der über eine beträchtliche Anhängerschaft in der Partei verfügte. Gleichwohl präsentierte sich die NSDAP nach außen als geschlossene Führerpartei, bestritt moderne, ganz auf Hitler zugeschnittene Wahlkampagnen und stieg 1932 zur weitaus stärksten politischen Kraft in Deutschland auf.

Im März/April 1932 unterlag Hitler bei der Reichspräsidentenwahl gegen Amtsinhaber Paul von Hindenburg (1847–1934), auf dessen Konditionen er sich einlassen musste, um Reichskanzler werden zu können. Als sich Straßer im Dezember 1932 bereit erklärte, als Vizekanzler in die Regierung Kurt von Schleichers (1883–1934) einzutreten, wurde Hitlers Führungsanspruch stärker als je zuvor oder danach infrage gestellt. Hindenburg befreite Hitler aus dieser Lage, indem er ihn am 30. Januar 1933 als Reichskanzler an die Spitze eines „Kabinetts der nationalen Konzentration“ stellte, den Reichstag auflöste und Neuwahlen anberaumte. Hitlers Bündnis mit Hindenburg zahlte sich auf ganzer Linie aus, als der Reichstag durch das „Ermächtigungsgesetz“ am 23. März 1933 der Reichsregierung diktatorische Vollmachen auf Zeit übertrug. Dieses Gesetz war ein freiwilliger Machtverzicht des Reichspräsidenten, der Hitler politisch freie Hand ließ. Als Hitler nach Hindenburgs Tod im August 1934 dessen Amtsbefugnisse übernahm und die Befehlsgewalt über die bewaffnete Macht erlangte, war seine Herrschaft im Innern gefestigt.

Grundlagen und Kennzeichen von Hitlers Herrschaft

Hitler verfügte mit der Idee der „Volksgemeinschaft“ über eine mobilisierende Integrationsofferte, die auf vielen Politikfeldern (u. a. Sozialpolitik und Wohnungsbau) sichtbar wurde, was viele „Volksgenossen“ Hitler als persönliche Leistung anrechneten. Auch die massenhafte Schaffung neuer Arbeitsplätze – resultierend v. a. aus der zu massiver Staatsverschuldung führenden NS-Rüstungspolitik – galt weithin als Hitlers Verdienst. Neben der Zustimmung weiter Bevölkerungskreise beruhte Hitlers Herrschaft auf Terror und gewaltsamer Unterdrückung jeder Opposition: Innerhalb kurzer Zeit entwickelte der NS-Staat ein System von Konzentrationslagern und professionalisierte mit der politischen Polizei und den Apparaten der immer stärker expandierenden SS die „Gegnerbekämpfung“. Hitler übernahm offen die Verantwortung für Mordaktionen, die SS und Gestapo Ende Juni 1934 auf sein Verlangen hin verübten: Er ließ die Führungsspitze der SA um Ernst Röhm (1887–1934), deren Loyalität er nicht mehr gewiss war, exekutieren sowie konservative Oppositionelle und persönliche Kontrahenten töten, darunter Schleicher und Straßer.

Hitler entschied über die Grundlinien der Politik; dem „Führerwort“ kam Gesetzeskraft zu. Er übte keine bürokratisch-rationale Herrschaft aus, für die herrschaftliche Anweisungen der Schriftform genügen mussten, sondern beließ es nach Möglichkeit bei mündlichen Befehlen. Eine Ausnahme ist die auf den 1. September 1939 zurückdatierte Bevollmächtigung, mit der er seinen Leibarzt Karl Brandt (1904–1948) und den Leiter der „Kanzlei des Führers“, Philipp Bouhler (1899–1945), schriftlich mit der Organisation der NS-„Euthanasie“ beauftragte. Ein weiteres Kennzeichen von Hitlers Herrschaft war es, Konflikte und Rivalitäten zwischen Parteidienststellen, Ministerien und Sonderbevollmächtigten mit sich überschneidenden Einflussbereichen zu nutzen, um seine eigene Stellung als letztgültige Entscheidungsinstanz zu festigen.

Hitler stützte sich zugleich auf langjährige getreue Gefolgsmänner wie Joseph Goebbels (1897–1945), der den im NS-Staat allgegenwärtigen Führerkult konzipierte, Reichsführer-SS Heinrich Himmler (1900–1945), Hermann Göring (1893–1946), dem als Reichsbeauftragten für den Vierjahresplan eine zentrale Rolle in der Kriegsvorbereitung zukam, und den „Stellvertreter des Führers“ Rudolf Heß (1894–1987), der Hitlers Politik gegenüber Parteidienststellen und staatlichen Institutionen vertrat. Nachdem Heß im Mai 1941 geheim und eigenmächtig nach Großbritannien geflogen und dort interniert worden war, stieg Martin Bormann (1900–1945) als Privatsekretär und enger Vertrauter Hitlers in eine zentrale Machtposition auf.

Auch Hitlers Politik gegenüber den christlichen Kirchen folgte v. a. taktischen Überlegungen. Innerhalb der NSDAP hatte er bereits 1927 ein Verbot jeglicher Angriffe gegen Religionsgemeinschaften verfügt, um christliche Wählerschichten nicht zu brüskieren. Zwar machte er in vertraulichen Gesprächen keinen Hehl aus seiner Verachtung gegenüber dem christlichen Glauben, mied aber jede öffentliche Konfrontation. Zugleich lehnte Hitler alle neuheidnischen Religionsentwürfe der völkischen Bewegung strikt ab und verzichtete – im Gegensatz zu vielen anderen NS-Spitzenfunktionären – bewusst auf einen Kirchenaustritt. Das 1933 geschlossene, auf deutscher Seite von Franz von Papen (1879–1969) ausgehandelte Reichskonkordat mit dem Vatikan geht auf Hitlers Initiative zurück.

Politische Hauptziele

Innenpolitisch zielte Hitler darauf, die Zustimmung eines Großteils des deutschen Volks zu gewinnen. Nur auf dieser Basis schien eines seiner beiden Hauptziele realisierbar: die kriegerische territoriale Expansion eines von ihm geführten Deutschen Reichs. Bei der Erreichung dieses Ziels wähnte sich Hitler in der Überzeugung, dass es nur zu seinen Lebzeiten erreicht werden könne, unter großem Zeitdruck und bewies taktische Flexibilität. Lange Zeit kaschierte er seine Expansionspolitik mit Erfolg als bloße Revision des Versailler Vertrags inklusive der Einlösung des Selbstbestimmungsrechts der außerhalb der deutschen Staatsgrenzen lebenden Deutschen. Auf diese Weise vollzog er die Wiedereinführung der Wehrpflicht (Mai 1935), den Einmarsch in das entmilitarisierte Rheinland (März 1936), den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich (März 1938) sowie die Errichtung des „Reichsprotektorats Böhmen und Mähren“ (März 1939), ohne militärische Gegenmaßnahmen zu evozieren. Gleichzeitig bereitete Hitler Armee und Wirtschaft auf einen großen Krieg vor. Anfang 1938 nutzte er eine Affäre um den Reichskriegsminister Werner von Blomberg (1878–1946) und den Oberbefehlshaber des Heeres, Werner von Fritsch (1880–1939), um das Reichskriegsministerium aufzulösen und das Oberkommando der Wehrmacht zu gründen, das ihm direkt unterstellt wurde.

Hitlers zweites Hauptziel war die in einer Reichstagsrede vom 30. Januar 1939 als „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ bezeichnete genozidale Umsetzung eines antisemitischen Programms, das in seiner Radikalität beispiellos war. Auch diesem Ziel näherte er sich etappenweise: Hitler initiierte Ende März 1933 erstmals einen Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte, ließ mit den Nürnberger Gesetzen von 1935 die rechtliche Gleichstellung der Juden in Deutschland rückgängig machen und entfesselte im November 1938 ein reichsweites Judenpogrom. Doch erst der mit dem Überfall der Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 begonnene Zweite Weltkrieg schuf die Voraussetzungen für das, was in der NS-Sprache als „Endlösung“ firmierte: die Ermordung möglichst aller in Hitlers Machtbereich lebenden jüdischen Menschen.

Hitler als militärischer Oberbefehlshaber

Um die Westmächte von einer militärischen Intervention zugunsten Polens abzuhalten und die kriegswirtschaftliche Grundlage für einen längeren Krieg zu legen, bewies Hitler erneut taktische Flexibilität und schloss im August 1939 einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion, in dem beide Diktaturen Ostmittel- und Südosteuropa unter sich aufteilten, was eine günstige Ausgangsposition für den Angriff der Wehrmacht auf Polen schuf, den Hitler am 1. September 1939 im Reichstag verkündete. Im Frühsommer 1940 stand Hitler innenpolitisch auf dem Zenit seines Ansehens, nachdem es deutschen Truppen im Mai/Juni 1940 gelungen war, das kontinentale Westeuropa in Besitz zu nehmen. Dieser militärische Erfolg wurde v. a. Hitler zugeschrieben, der die Einheit von politischer und militärischer Führung verbürgte und damit einen kriegsentscheidenden Vorteil zu generieren schien. Doch bereits 1941 zeigte sich, dass die zunehmende Intervention Hitlers in operative Führungsfragen die militärische Lage des „Dritten Reichs“ verschlechterte.

Hitlers Entscheidung zum Angriff auf die Sowjetunion, die er den Spitzen der Wehrmacht Ende Juli 1940 auf seinem Berghof am Obersalzberg mitteilte, belegt, wie eng politisch-strategische und rassenideologische Ziele bei ihm verwoben waren: In strategischer Hinsicht erhoffte sich Hitler von dem am 22. Juni 1941 begonnenen Ostfeldzug einen entscheidenden Effekt, um in einer globalen Auseinandersetzung mit den beiden kapitalistischen Demokratien USA und Großbritannien bestehen zu können. Zugleich sollte ein siegreicher Krieg im Osten den Weg für die Umsetzung seines rassenideologischen Programms ebnen: Weite Teile der westlichen Sowjetunion sollten für „germanische“ Siedler freigemacht werden, was die gewaltsame Vertreibung der Einheimischen implizierte. Schon am 30. März 1941 hatte Hitler die höheren Befehlshaber der Wehrmacht instruiert, den Krieg gegen die Sowjetunion als Vernichtungskrieg zu führen. Vor allem ermöglichte der Ostkrieg eine neue Dynamik des eliminatorischen Antisemitismus: Spezialeinheiten (Einsatztruppen) waren seit Juni 1941 hinter der vorrückenden Front im Einsatz, um die dort lebenden Juden systematisch zu ermorden.

Im Dezember 1941 entließ Hitler Walther von Brauchitsch (1881–1948), übernahm selbst den Oberbefehl des Heeres und ging in der Folgezeit immer mehr in dieser Funktion auf. Er definierte die Kriegsziele und war der einzige politische Führer eines großen kriegführenden Landes, der im Zweiten Weltkrieg die militärische Kommandogewalt aktiv ausübte. Hitlers Alltag wurde nun von militärischen Lagebesprechungen bestimmt und spielte sich fast ausschließlich im Binnenraum des militärischen Hauptquartiers ab. In der Kriegführung versteifte er sich immer mehr auf starre Doktrinen, bei denen das unbedingte Festhalten eroberter Territorien im Vordergrund stand. 1942/43 zeigten sich deutlich die Konsequenzen: Im Februar 1943 kapitulierte in Stalingrad an der Wolga eine ganze deutsche Armee, deren Rückzug Hitler zuvor untersagt hatte, und im Mai 1943 gerieten die in Afrika eingesetzten deutschen Truppen in Gefangenschaft. 1943 offenbarte sich zudem, dass das Deutsche Reich nahezu schutzlos dem alliierten Bombenkrieg preisgegeben war.

Trotz der zunehmend desaströsen militärischen Bilanz Hitlers nahm dessen Herrschaft kaum Schaden, auch wenn er während des Kriegs kaum mehr öffentlich auftrat. Den größten Reputationsverlust erfuhr Hitler bei der militärischen Elite mit Generalstabsausbildung, aus deren Kreisen sich der Kern des militärischen Widerstands rekrutierte, der in dem gescheiterten Bombenattentat vom 20. Juli 1944 durch Claus Graf Schenk von Stauffenberg (1907–1944)gipfelte. Für einen diplomatischen Ausweg aus dem Krieg fehlte Hitler der politische Wille, obgleich die sowjetische Seite lange Zeit Sonderfriedensabsichten signalisiert hatte. Gegen Kriegsende nahm er den Untergang Deutschlands nicht nur billigend in Kauf, sondern beförderte ihn mit der Anweisung zur Zerstörung lebenswichtiger Infrastrukturen („Nero-Befehl“ vom 19. März 1945). Am 30. April 1945 entzog sich Hitler der politischen Verantwortung durch Suizid.

2. Adolf Eichmann

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Decknamen: Adolf Barth; Otto Eckmann; Otto Henninger; Ricardo Klement

1906 – 1962

SS-Offizier, Leiter des „Judenreferats“ im Reichssicherheitshauptamt

Adolf Eichmann, seit 1932 Mitglied der NSDAP und SS, war ein führender NS-Täter. Im Reichssicherheitshauptamt organisierte er die Deportationen von über einer Million europäischer Jüdinnen und Juden in die Vernichtungsstätten im besetzten Polen. 1960 vom israelischen Geheimdienst in Buenos Aires gefasst, wurde er in Jerusalem 1961 vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet.

Werdegang in Österreich und Karriere im Sicherheitsdienst der SS

Eichmann wuchs in Solingen und seit 1914 in Linz auf, wo er die Volks- und Realschule sowie eine Höhere Bundeslehranstalt für Elektrotechnik, Maschinenbau und Hochbau besuchte, die er 1925 ohne Abschluss verließ. Nach einer kaufmännischen Lehre war er bis 1933 als Vertreter in der aufstrebenden Mineralölbranche in Österreich tätig. Von einem völkisch-deutschnationalen Umfeld geprägt, engagierte sich Eichmann in der Jugendorganisation der antisemitischen Deutsch-Österreichischen Frontkämpfer-Vereinigung. Über die Bekanntschaft mit Ernst Kaltenbrunner (1903–1946), der 1943 Chef des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) wurde, trat er 1932 der NSDAP und SS bei.

Nach dem Verbot der österreichischen NSDAP durch Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892–1934) im Juni 1933 floh Eichmann, wie viele andere österreichische Nationalsozialisten, nach Deutschland. Hier gehörte er der „Österreichischen Legion“ des 1. SS-Regiments „Deutschland“ an, bewarb sich beim Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) und ging Ende 1934 in die SD-Zentrale nach Berlin. Zunächst im Referat „Freimaurerei“ tätig, wechselte Eichmann wenig später in das von Herbert Hagen (1913–1999) geführte Referat „Judenangelegenheiten“, wo er den Bereich „Zionismus“ leitete. Eichmann arbeitete sich engagiert in das neue Feld ein, las zionistische Schriften, lernte Jiddisch und wurde „Experte“ für die Vertreibung der Juden aus Deutschland. Ende 1937 unternahm er mit Hagen eine Reise nach Palästina, um – vergeblich – mittels Kontakten zu zionistischen Institutionen die jüdische Emigration aus Deutschland zu forcieren.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs mit einem SD-Kommando nach Wien geschickt, organisierte Eichmann, unterstützt von österreichischen SS-Angehörigen wie Alois Brunner (1912–ca. 2001), Anton Burger (1911–1991) und Franz Novak (1913–1883), mit erpresserischem Druck auf die Jüdische Gemeinde die Zwangsauswanderung zehntausender Wiener Juden in das Ausland. Die „Methode Eichmann“, die notwendigen bürokratischen Verfahren zu zentralisieren und damit zu beschleunigen, wurde in Berlin von Reinhard Heydrich (1904–1942) und Hermann Göring (1893–1946) als vorbildhaft wahrgenommen. In der Folge wurden auch in Berlin, Prag und Amsterdam „Zentralstellen für jüdische Auswanderung“ eingerichtet.

Führender Funktionär im Reichssicherheitshauptamt

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs erhielt Eichmann im Oktober 1939 die Aufgabe, die Deportation von tausenden Juden aus Wien, Mährisch-Ostrau (heute Ostrava, Tschechien) und Kattowitz (Oberschlesien, heute Katowice, Polen) nach Nisko am San, der Grenze zum sowjetisch besetzten Teil Polens, zu organisieren. Zwar wurde die Aktion nach einigen Transporten abgebrochen, weil die SS sich auf die Vertreibungen aus den annektierten westpolnischen Gebieten konzentrierte. Eichmann hatte jedoch erneut bewiesen, dass er Deportationen rasch und systematisch organisieren konnte, woraufhin ihn Heydrich im Dezember 1939 zum „Sonderreferenten“ für die „Räumung der Ostprovinzen“ ernannte. Er wurde Leiter des Referats IV D 4 „Räumung und Auswanderung“ im Amt IV Gestapo des neu geschaffenen RSHA, verantwortlich für die Deportation von hunderttausenden Polen und Juden aus den annektierten polnischen Gebieten in das Generalgouvernement genannte Zentralpolen.

Mit dem Sieg der Wehrmacht über Frankreich, Belgien und die Niederlande weitete sich 1940 Eichmanns Betätigungsfeld aus. Eichmann war an den v. a. von Martin Franz Luther (1895–1945), Leiter der Abteilung Deutschland im Auswärtigen Amt, ausgearbeiteten Plänen maßgeblich beteiligt, die Juden im besetzten Europa nach Madagaskar zu deportieren, was angesichts der überlegenen britischen Seemacht eine Chimäre blieb. Der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion radikalisierte die antisemitische Politik des NS-Regimes zum systematischen Massenmord. Eichmanns Referat, seit dem Frühjahr 1941 in IV B 4 („Judenangelegenheiten, Räumungsangelegenheiten“) umbenannt, wurde zuständig für die gesamten Deportationen von über einer Million jüdischen Menschen aus dem deutschen Machtbereich in West-, Nord- und Südosteuropa in die Vernichtungsstätten in Auschwitz, Bełżec, Sobibór und Treblinka. Eichmann nahm am 20. Januar 1942 an der Wannsee-Konferenz teil, auf der Vertreter verschiedener NS-Instanzen den Massenmord besprachen, und galt als der Deportationsexperte des RSHA. Mit einem Sonderkommando organisierte er im Frühjahr und Sommer 1944 persönlich in Budapest die Deportation von über 430 000 ungarischen Juden nach Auschwitz.

Untertauchen und Flucht nach Argentinien

Im April 1945 setzte sich Eichmann nach Österreich ab, trennte sich von seiner Familie und geriet bei Kriegsende in US-amerikanische Gefangenschaft. Anfang 1946 entkam er mit gefälschten Papieren, die ihm SS-Kameraden beschafften, unter dem Namen Otto Henninger aus einem Internierungslager in Oberdachstetten bei Nürnberg und tauchte in Eversen, einem Ort in der Lüneburger Heide, als Waldarbeiter unter.

1950 gelang Eichmann mithilfe ehemaliger SS-Angehöriger und eines katholischen Hilfskomitees unter Bischof Alois Hudal (1885–1963) die Flucht über Italien nach Argentinien. Dort erhielt er über nationalsozialistische Netzwerke Unterstützung, lebte und arbeitete als Bauarbeiter bei einem Wasserkraftprojekt unter dem Namen Ricardo Klement in Tucumán, seit 1953 als Mechaniker in der Mercedes-Benz-Fabrik in González Catán bei Buenos Aires. 1952 ließ er seine Familie aus Österreich nachkommen und fühlte sich so sicher, dass er sich bei Treffen von Nationalsozialisten und ehemaligen SS-Angehörigen in Buenos Aires offen seiner Verbrechen rühmte.

Festnahme, Entführung und Prozess in Jerusalem

Obwohl per Haftbefehl gesucht, unternahmen bundesdeutsche Stellen wenig, um Eichmann zu fassen. Andere wie Simon Wiesenthal (1908–2005) und der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903–1968) hingegen versuchten, Eichmanns Versteck aufzuspüren. Hinweise auf dessen Aufenthalt v. a. von dem Duisburger Geologen Gerhard Klammer (1921–1983), die Bauer erhielt und an den israelischen Geheimdienst Mossad weiterleitete, führten dazu, dass ein israelisches Kommando Eichmann im Mai 1960 aus Buenos Aires nach Israel entführte. 1961 wurde Eichmann vor dem Jerusalemer Bezirksgericht der Prozess gemacht, des Völkermords für schuldig befunden, zum Tode verurteilt und in der Nacht zum 1. Juni 1962 hingerichtet. Seine Leiche wurde verbrannt, die Asche im Meer verstreut.

Der Eichmann-Prozess war umstritten. Die Philosophin Hannah Arendt (1906–1975) hatte im Vorfeld dafür plädiert, Eichmann vor ein internationales Gericht zu stellen, und kritisierte in ihrem Buch „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen“ (1964), der israelische Generalstaatsanwalt Gideon Hausner (1915–1990) habe Eichmann als Täter dämonisiert. Eichmann selbst stellte sich als unbedeutender Beamter dar, der allein den Befehlen seiner Vorgesetzten gefolgt sei. Dennoch besitzt der Prozess bis heute bleibende Bedeutung: Es war das erste Gerichtsverfahren mit großer internationaler Aufmerksamkeit, in dem der Holocaust im Mittelpunkt stand und in dem zahlreiche Überlebende zum ersten Mal öffentlich über die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das NS-Regime im Zeugenstand sprachen.

3. Anne Frank

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Infolge der beginnenden Judenverfolgungen verließ die Familie im Sommer 1933 Frankfurt; der Vater ging nach Holland und wurde Direktor bei der Firma Traves AG, die in engster Verbindung mit der Firma Kolen & Co. stand. Die Familie folgte im nächsten Jahre nach Amsterdam. F. besuchte 1934-41 den Kindergarten und anschließend den Unterricht an der Montessori-Schule, seit 1941 das jüdische Lyceum. Am 9.7.1942 tauchte die Familie mit anderen Bekannten im Hinterhaus der Prinsengracht 263 unter, wo sich die Kontore der oben genannten holländischen Firmen befanden. Am 4.8.1944 wurde das Versteck, wahrscheinlich von einem Einbrecher verraten, durch die Geheime Staatspolizei entdeckt. F. kam in das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Von der Familie blieb nur der Vater am Leben.

F. hat ihr Tagebuch vom 12.6.1942 bis zum 1.8.1944 geführt. Es wurde gleich nach dem Einfall der Polizei von den holländischen Angestellten gefunden und nach dem Kriege zunächst im holländischen Original, dann in zahlreichen Übersetzungen veröffentlicht. Das nach dem Tagebuch verfaßte Schauspiel ging über viele deutsche und ausländische Bühnen, es wurde sogar in Japan aufgeführt. Auch der Film bemächtigte sich des Stoffes. Die außerordentliche Wirkung, die vom Tagebuch ausging, ist nicht durch eine ganz ungewöhnliche Intelligenz der Verfasserin zu erklären. Es ist ein Zeitdokument von allgemein menschlicher Bedeutung. F. hat es trotz ihrer großen Jugend verstanden, das erschütternde Schicksal von acht Menschen, durch den Zwang der äußeren Verhältnisse zum Zusammenleben auf engstem Raum genötigt, mit allen damit verbundenen Konflikten und Unzulänglichkeiten in ihren Aufzeichnungen festzuhalten, ohne die Krisen ihrer eigenen Entwicklung zu verheimlichen. Bis zuletzt behielt F. ihren Glauben an das Gute im Menschen. Mehrere Schulen und Stiftungen in Europa tragen ihren Namen.

4. Georg Elser

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Am 8. November 1939 verübte Georg Elser im Münchner Bürgerbräukeller einen Bombenanschlag auf Adolf Hitler und nahezu die gesamte NS-Führungsspitze. Das Attentat scheiterte nur knapp. Der gelernte Schreiner und überzeugte Widerstandskämpfer wurde bei seiner Flucht in die Schweiz festgenommen. Die Deutschen glaubten dem Gerücht der NS-Propaganda, der britische Geheimdienst sei verantwortlich für den Anschlag. Nach fünf Jahren Haft in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau wurde Georg Elser am 9. April 1945 im KZ Dachau ermordet, seine Leiche danach verbrannt. Erst spät hat der Einzeltäter seinen Platz in der Geschichte des deutschen Widerstands gegen die NS-Diktatur gefunden.

Johann Georg Elser wurde am 4. Januar 1903 im ostwürttembergischen Hermaringen geboren und wuchs in Königsbronn bei Heidenheim auf. Handwerklich begabt und als Dreher und Schreiner ausgebildet, eignete er sich während einer Anstellung in einer Konstanzer Uhrenfabrik die Grundkenntnisse zum Bau des Zeitzünders an, mit dem er die Bombe präparierte, die Hitler und die NS-Führung töten sollte. Als früher Gegner des Nationalsozialismus verweigerte er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten den Hitlergruß und beobachtete mit steigendem Unmut die Propaganda des NS-Regimes. Schon bald war er der Überzeugung, dass Hitler einen Weltkrieg vorbereite. In seinen weiteren Überlegungen kam er zu der Einsicht, „daß die Verhältnisse in Deutschland nur durch eine Beseitigung der augenblicklichen Führung geändert werden könnten“, so Elser im Gestapo-Verhör im November 1939.

Nach monatelangen und akribischen Vorbereitungen misslang Elsers Attentatsversuch am 8. November 1939, weil Hitler den Münchner Bürgerbräukeller wenige Minuten vor der Detonation der Bombe vorzeitig verlassen hatte. Auf seiner Flucht Richtung Schweiz wurde Georg Elser vom Zollgrenzschutz in Konstanz festgenommen und der Polizei übergeben. Im Rahmen eines mehrtägigen Verhörs in München, bei dem Elser auch gefoltert wurde, gestand er seine Tat und war bis kurz vor Kriegsende in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau in Haft.

Am 9. April 1945 wurde Georg Elser im Alter von nur 42 Jahren im KZ Dachau ermordet. Der Befehl zur Hinrichtung des Schreiners erfolgte per Schnellbrief aus Berlin. Das NS-Regime ließ am selben Tag eine Reihe von Widerstandskämpfern töten, darunter Dietrich Bonhoeffer, Wilhelm Canaris und Hans von Dohnanyi. Die NS-Führung wollte nicht, dass ihre schärfsten Gegner überleben und die Zukunft mitgestalten können. Elsers Leichnam wurde verbrannt, seine Asche verstreut. Keine Grabstätte erinnert an ihn, der fünf Jahre vor Stauffenberg denkbar knapp dem Ziel nahe war, Hitlers Herrschaft ein Ende zu bereiten. Elser lehrt damit alle jene eines Besseren, die auch nach der NS-Diktatur noch sagten, man habe ja doch nichts gegen den NS-Terror tun können. Er macht deutlich, dass auch ein Einzelner den Unrechtscharakter eines Regimes erkennen kann. Elser symbolisiert so die Verantwortung des Einzelnen für Maßstäbe humaner Orientierung und die Verpflichtung, Widerstand zu leisten, wenn keine andere Möglichkeit besteht, einen verbrecherischen Staat zu bekämpfen. Heute bekennt sich das Grundgesetz mit Artikel 20 Absatz 4 zu dem Widerstandsrecht, das Elser für sich in Anspruch nahm.

Lange Zeit als Widerstandskämpfer ignoriert, wurde Elsers Einzeltäterschaft bis in die 1960er-Jahre hinein in Frage gestellt. Heute hat der Einzeltäter seinen Platz in der Geschichte des deutschen Widerstands gegen die NS-Diktatur gefunden. Dazu haben Historiker beigetragen – Peter Steinbach und Johannes Tuchel etwa, die wissenschaftlichen Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, die umfassend zu Elser gearbeitet haben, sowie Lothar Gruchmann, der Elsers Gestapo-Verhörprotokoll 1964 entdeckte. Dafür haben sich aber auch Bürgerinnen und Bürger in besonderer Weise eingesetzt, allen voran die Mitglieder des Georg-Elser-Arbeitskreises Heidenheim, der in den 1980er Jahren gegründet wurde, sowie die Georg-Elser-Gedenkstätte Königsbronn, die sich seit ihrer Einweihung 1998 als aktive Forschungs- und Erinnerungsstätte versteht.

5. Hans und Sophie Scholl

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Hans und Sophie Scholl Biografie

Der 1918 in Ingersheim/Württemberg geborene Hans Scholl wächst mit vier Geschwistern in einem liberalen protestantischen Elternhaus auf und wird stark von der bündischen Jugend beeinflusst. Seit 1933 engagiert sich Hans Scholl in der Hitlerjugend und steigt hier zum "Fähnleinführer" auf. Er wendet sich jedoch bald vom Nationalsozialismus ab und gründet 1936 in Ulm eine Gruppe, die sich an den Lebensformen und Zielen der von den Nationalsozialisten verbotenen "deutschen jungenschaft vom 1.11.1929" (dj.1.11) orientiert. Ende 1937 inhaftiert ihn die Gestapo für zwei Wochen. Nach dem Arbeits- und Wehrdienst studiert Hans Scholl ab dem Sommersemester 1939 in München Medizin. Im Mai 1940 wird er als Sanitäter an der französischen Front eingesetzt. Hans Scholl kann im April 1941 bei der 2. Studentenkompanie der Heeressanitätsstaffel in München sein Studium fortsetzen, wo er im Juni 1941 Alexander Schmorell kennenlernt. Seit Herbst 1941 hält Hans Scholl engen Kontakt zu dem katholischen Publizisten Carl Muth. Im Juni und Juli 1942 verbreiten Hans Scholl und Alexander Schmorell die ersten vier Flugblätter der Weißen Rose. Gemeinsam mit Schmorell und Willi Graf wird Hans Scholl von Ende Juli bis Ende Oktober 1942 zu einer Feldfamulatur" in die Sowjetunion abkommandiert. Nach der Rückkehr an die Münchener Universität setzt er seine Widerstandsaktionen fort. Das fünfte Flugblatt der Gruppe wird von Hans Scholl, seiner Schwester Sophie, Alexander Schmorell und Willi Graf vervielfältigt und verbreitet. Im Februar 1943 schreibt er gemeinsam mit Alexander Schmorell und mit Unterstützung von Willi Graf Parolen wie "Freiheit" und "Nieder mit Hitler" an Münchener Hausfassaden. Das sechste und letzte Flugblatt der Weißen Rose wird von den Geschwistern Scholl am 18. Februar 1943 in der Münchener Universität ausgelegt und auch in den Lichthof geworfen. Sie werden noch in der Universität festgenommen, vier Tage später vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am selben Tag im Strafgefängnis München-Stadelheim ermordet.

Sophie Scholl Biografie

Die 1921 in Forchtenberg/Württemberg geborene Sophie Scholl tritt 1934 in den Bund Deutscher Mädel in der Hitler-Jugend ein, wo sie bis zur Gruppenleiterin aufsteigt. Bereits als Schülerin wird sie 1937 wegen des bündischen Engagements ihres Bruders Hans von der Gestapo vernommen. Seit dieser Zeit distanziert sie sich radikal vom Nationalsozialismus. Nach dem Abitur im März 1940 macht sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin und beginnt nach dem Arbeits- und Kriegshilfsdienst im Mai 1942 in München das Studium der Biologie und Philosophie. Dabei kommt sie durch ihren Bruder Hans auch mit dem katholischen Publizisten Carl Muth zusammen, der beide ebenso beeinflusst wie der Hochschullehrer Kurt Huber. Im August und September 1942 muss Sophie Scholl vier Wochen Kriegshilfsdienst leisten und in einem Ulmer Rüstungsbetrieb arbeiten. Im Januar 1943 wirkt sie an der Herstellung und Verbreitung des fünften Flugblattes der Weißen Rose mit. Das sechste Flugblatt ist nach einem Entwurf von Kurt Huber von ihren Freunden bereits vervielfältigt worden, als sie am 15. Februar 1943 aus Ulm nach München zurückkehrt. Dieses Flugblatt wird von den Geschwistern Scholl am 18. Februar 1943 in der Münchener Universität ausgelegt und auch in den Lichthof geworfen. Sophie und Hans Scholl werden noch in der Universität festgenommen, am 22. Februar 1943 vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tode verurteilt und am selben Tag im Strafgefängnis München-Stadelheim ermordet.

6. Klaus Schenk Graf von Stauffenberg

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Claus Schenk Graf von Stauffenberg und sein Bruder Berthold (* 1905) gelten als die wichtigsten Vertreter des Widerstands gegen Adolf Hitler und die Diktatur der Nationalsozialisten. Doch ihn zum Vorbild eines überzeugten Demokraten zu stilisieren wäre ebenso verfehlt wie der Versuch, seinen persönlichen Mut und seine bündelnde Tatkraft im Rahmen der späten Opposition gegen das NS-Regime zu verkennen: Als eine zentrale Persönlichkeit des militärischen Widerstandes führte er nicht nur das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 aus, sondern er war auch entscheidend an den Planungen des letztlich gescheiterten Staatsstreichs „Operation Walküre“ beteiligt. Die Ziele der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 bestanden vor allem in der Wiederherstellung eines Rechtsstaates sowie der Beendigung des Krieges und der Judenverfolgung. Der Großteil von ihnen stammte aus national-konservativen Kreisen, die sich einer aristokratisch-elitären Haltung verpflichtet sahen. Auch Stauffenberg wies die parlamentarische Demokratie als mögliche künftige Staatsform zurück. Ihren Widerstand gegen Hitler bezahlten die beiden Brüder Stauffenberg mit dem Leben.

Am 15. November 1907 in Jettingen in Bayerisch-Schwaben geboren, entstammte Claus Schenk Graf von Stauffenberg einer traditionsreichen Adelsfamilie. Seine Erziehung und Jugend waren von aristokratischem Ehrendenken und christlich-katholischen Idealen ebenso geprägt wie von humanistischer Bildung und den geistig-elitären, national-aristokratischen Vorstellungen des Dichters Stefan George.

Nach dem Abitur trat Stauffenberg in die Reichswehr ein und wurde 1930 zum Leutnant befördert. Als konservativer Patriot und Soldat hatte er den politischen Kurs Hitlers seit 1933 zunächst als nationalen Aufbruch begrüßt und insbesondere auch die militärischen und revisionistischen Ziele der Nationalsozialisten unterstützt. Seine militärische Karriere schritt rasch voran: Im Januar 1943 wurde er, inzwischen beim Generalstab des Heeres, zum Oberstleutnant befördert. Angesichts des zunehmend deutlicher werdenden verbrecherischen Charakters des NS-Regimes und der militärisch-strategischen Verfehlungen Hitlers wandte sich Stauffenberg jedoch immer entschiedener vom Regime ab. Beim Einsatz in Nordafrika wurde er im Frühjahr 1943 schwer verwundet. Sein Entschluss, aktiven Widerstand zu leisten und Hitlers Herrschaft gewaltsam zu stürzen, verfestigte sich und mündete in die Planung des Attentats vom 20. Juli 1944.

Als Stabschef im Allgemeinen Heeresamt übernahm Stauffenberg eine Schlüsselposition bei den Umsturzplänen, die in der Folgezeit in zunehmender Vernetzung mit anderen Widerstandsgruppen und Regimegegnern ausgearbeitet wurden. Am 20. Juli 1944 deponierte er im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ eine Bombe und verließ den Raum kurz vor der Detonation. Nicht ahnend, dass Hitler das Attentat überlebt hatte, reiste er nach seiner Tat nach Berlin, um die weiterführenden Staatsstreichaktionen zu begleiten. Das zögerliche Anlaufen der Aktionen hatte den führenden Vertretern des NS-Regimes jedoch Zeit für rasche Gegenmaßnahmen verschafft: Der 36-jährige Stauffenberg wurde verhaftet und noch in der Nacht des 20. Juli 1944 im Hof des Berliner Bendlerblocks wegen Hoch- und Landesverrats hingerichtet. Seine Familie kam in Sippenhaft, seine Frau Nina wurde in das Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt und seine Kinder in ein Kinderheim eingewiesen.

Die Anerkennung als Widerstandskämpfer blieb Stauffenberg in der jungen Bundesrepublik lange Zeit verwehrt. Erst in den 1960er-Jahren änderten sich Bewertung und Gedenken an die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 als Symbol des „anderen Deutschlands“, das sich den Verbrechen des Nationalsozialismus entgegenstellte. 2006 wurde im Alten Schloss in Stuttgart eine Erinnerungsstätte an die Brüder Stauffenberg und 2007 zum 100. Geburtstag Stauffenbergs der Gedenkort im Schloss Stauffenberg in Lautlingen eröffnet. Jedes Jahr finden am 20. Juli Gedenkfeierlichkeiten der Bundesregierung und öffentliche Gelöbnisse der Bundeswehr statt.

 

 

 

 
Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Pyta, Wolfram, „Hitler, Adolf“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2024, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118551655.html#dbocontent, zuletzt geprüft am 11.08.2025.

-> Wildt, Michael, „Eichmann, Adolf“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118529447.html#dbocontent, zuletzt geprüft am 11.08.2025.

-> Stolberg-Wernigerode, Otto Graf zu, "Frank, Anne" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 339 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118534734.html#ndbcontent, zuletzt geprüft am 30.11.2025.

-> Georg Elser, in: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg online, online verfügbar unter: https://www.hausaufderalb.de/georg-elser, zuletzt geprüft am 01.12.2025.

-> Hans und Sophie Scholl, in: Gedenkstätte Deutscher Widerstand online, online verfügbar unter: https://www.gdw-berlin.de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/hans-scholl/?no_cache=1, zuletzt geprüft am 01.12.2025.

-> Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907–1944). Aristokrat, Militär und Widerstandskämpfer, in: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg online, online verfügbar unter: https://www.hausaufderalb.de/claus-schenk-graf-von-stauffenberg, zuletzt geprüft am 06.12.2025.

Sekundärliteratur

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