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Modegeschichte

Inhaltsverzeichnis

  1. Beauty Routine im Rokoko
  2. Mode & Madame de Pompadour

1. Beauty Routine im Rokoko

In der Vogue-Videoserie „Beauty Secrets“ teilen Celebrities ihre Morgenroutine und Schönheitstipps mit Millionen Follower*innen. Die intimen Einblicke in ungeschminkte Gesichter und private Badezimmer erinnern an eine Schönheitspraxis des Rokoko. Im 18. Jahrhundert wurde die morgendliche Körperpflege als Ritual der Repräsentation zelebriert. Die „toilette“ – das Ankleiden und Schminken – wurde keinesfalls nur im Privaten vollzogen, sondern konnte zu einem Event mit Gästen werden, für die sich die Frauen in Szene setzten. Madame de Pompadour, die einflussreiche Mätresse des französischen Königs Ludwig XV., ließ bis zu 60 Personen an ihrer Morgentoilette teilhaben.

Die Morgentoilette

Das intime wie repräsentative Schönheitsritual der Toilette setzte Boucher mit großer Sorgfalt ins Bild. Mit dem Gemälde wie Die Morgentoilette (1742) aus Madrid bewies er einmal mehr, dass er über die Modetrends der Zeit – von der Inneneinrichtung über die Kleidung bis hin zu Make-up und Frisur, genauestens informiert war und sie sorgfältig zu inszenieren wusste. Wie die Mode des 18. Jahrhunderts von Kopf bis Fuß in späteren Zeiten wieder auflebte, zeigt sich an aufgemalten Schönheitsflecken und dem Trendschuh Mule.

Comeback eines It-Schuhs: Mules

Bouchers Protagonistinnen tragen Seidenpantoffeln mit geschwungenen Absätzen. Die im Französischen „mules“ genannten Schuhe waren ein Must-have der französischen Elite. Zwei Jahrhunderte später wurde der Schuh mit den offenen Fersen nicht mehr mit Hofdamen, sondern mit Prostituierten assoziiert. Marilyn Monroe war es schließlich, die dem edlen Pantoffel wieder aufhalf. Nach einem kurzen Revival in Form von Clogs unter Hippies, feierten die Schlappen 2015 ein Comeback, das sie der Luxusmarke Gucci verdanken. Vom französischen Vorbild ist der Name Mules – nun englisch ausgesprochen – und das Erkennungsmerkmal der offenen Ferse geblieben, Absatzhöhe und -form, wie generell das Design variieren und sind bei Modebewussten wieder allseits bekannt.

Vom Mouche zum Madonna-Piercing

Die Google-Suche zu Schönheitspflaster liefert aktuell auch Ergebnisse zu sogenannten Beauty Tapes gegen Schlupflider und Zornesfalten. Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit dem Schönheitspflaster, auch Mouche genannt, ein Beauty Trend künstlich angebrachter Schönheitsflecken gemeint ist, der sich vom 17. Jahrhundert bis in die 1990er Jahre gehalten hat und aktuell mit Faux Freckles wieder einen Anknüpfungspunkt hat.

Die Schönheitspflaster des Rokoko waren aus unterschiedlichen Materialien und in den verschiedensten Formen gefertigt und wurden ins Gesicht oder auf das Dekolletée geklebt. Wie ein Lexikon der Zeit verrät, gab die Platzierung Aufschluss über den Charakter der Träger*in:

  • Leidenschaftlich: Augenwinkel
  • Würdevoll, majestätisch: Mitte der Stirn
  • Verspielt: Rand der Wange
  • Galant: Mitte der Wange
  • Intrigant: Mundwinkel

Dieser Code war in späteren Zeiten nicht mehr geläufig. Der Schönheitsfleck – ob aufgemalt oder natürlich – blieb aber weiterhin mit Attraktivität und Erotik verbunden, was moderne Ikonen wie Marilyn Monroe, Cindy Crawford, Madonna oder Dita von Teese belegen. Mit dem Madonna-Piercing kam in den 1990er Jahren eine weitere Variante des Schönheitsflecks in Mode.

Vornehme Blässe und knalliges Rouge

Die Schönheitspflaster des Rokoko boten mit ihrer dunklen Farbe einen Kontrast zur hellen Haut, die dem damaligen Schönheitsideal entsprach. Der blasse Teint wurde mit Schminke aus Bleiweiß erzielt und sollte jugendlich und makellos wirken. Das genaue Gegenteil war allerdings eine der Nebenwirkungen des arsenhaltigen und somit giftigen Schminkweiß: Das Hautbild konnte für immer zerstört werden – da half auch das ebenfalls populäre Rouge nicht.

Das Auflegen von Rouge war bei Frauen wie Männern der Oberklasse verbreitet und fördert zwei weitere Besonderheiten der Epoche zutage: Zum einen verweist es in der optischen Angleichung von Frauen und Männern auf das Spiel mit Geschlechterrollen, das in Travestien der Theaterunterhaltung bei der französischen Hofgesellschaft beliebt war. Zum anderen wurde das Rouge Ausgangspunkt einer Kritik an der Unnatürlichkeit des Make-ups, das Ausdruck von Eitelkeit sei.

 

2. Mode & Madame de Pompadour

Drohten ihr in den letzten Jahren New York, London, Mailand oder auch Berlin, Los Angeles und Barcelona den Rang abzulaufen – Paris gilt bis heute als die Fashion Metropole.

Bereits im 18. Jahrhundert war Paris das europäische Zentrum der Mode. Das Königshaus unter Ludwig XV. war nicht nur Großmacht in Europa, sondern auch in Sachen Mode stilprägend. Madame de Pompadour, die Mätresse des Königs, würde heute wohl als Influencerin bezeichnet werden: Ihr Geschmack gab den Ton an.

Die Mätresse und ihr märchenhafter Aufstieg

Die Mätresse war nicht nur die Geliebte des Königs, sondern nahm auch eine höfische Stellung ein. Ähnlich wie bei Influencer*innen heute schlossen ein luxuriöser Lifestyle und Dekadenz politisches Gewicht und gesellschaftliche Bedeutung nicht aus, was noch heute den Status der Madame de Pompadour als Ikone erklärt.

Dazu beigetragen haben dürfte auch ihr Werdegang, der sich wie ein Märchen liest: 1721 als Jeanne Poisson in Paris geboren, wurde ihr als Kind von einer Wahrsagerin prophezeit, die Geliebte des französischen Königs zu werden. Tatsächlich weckte sie als junge Frau die Aufmerksamkeit von Ludwig XV. und wurde 1745 zu einem Maskenball eingeladen. Ein fallengelassenes Schnupftuch besiegelte ihr Schicksal.

Sie erarbeitete sich eine einflussreiche Position – nicht nur im Geschmack einer ganzen Ära, in Mode und Kunst, sondern auch in der Diplomatie. In diesem Sinne wurde sie auch für politische Niederlagen Frankreichs verantwortlich gemacht. Der Ausruf „Nach uns die Sintflut“ wird ihr zugeschrieben.

Boucher und Pompadour

François Boucher war Madame de Pompadours Lieblingsmaler. Von dekorativen Malereien über Entwürfe für Wandteppiche bis hin zur Ausstattung ihres Privattheaters war Boucher vielfältig künstlerisch für die Mätresse tätig. Obwohl Boucher nicht als Porträtmaler bekannt war, fertigte er zahlreiche Bildnisse von Madame de Pompadour.

Das opulente Bildnis aus München steht beispielhaft für das Kunstverständnis des Malers, den Geschmack der Dargestellten und als Ausdruck des Rokoko selbst. Es ist eine wohldurchdachte wie kunstvolle Inszenierung, die die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie verschwimmen lässt.

Robe à la française – Fashion Favourite

In dem berühmten Bildnis trägt Madame de Pompadour eine sogenannte robe à la française. Das Kleid war im 18. Jahrhundert überaus beliebt und kleidete in Bouchers Gemälden und Zeichnungen von der Mätresse bis zur Modistin modebewusste Frauen auch jenseits der höfischen Elite.

Noch heute inspiriert die Mode des Rokoko Fashion-Editorials und Red Carpet-Looks. Bisher waren die romantischen oder prunkvollen Neukreationen vielfach im Bereich der luxuriösen Abendgarderobe angesiedelt. Besonders bekannt sind Vivienne Westwoods punkige Beschwörungen des Rokoko.

Eine außergewöhnliche Interpretation präsentierte die Sängerin Rihanna mit ihrer 2016 gelaunchten Streetwear-Collection für eine Sportmarke. Anregung gab der Sängerin wohl ein Foto-Shooting im Schloss Versailles. Rihanna selbst nannte Marie-Antoinette als Inspiration. Der extravagante Streetstyle kombiniert Hoodies mit Korsetten, Basecaps mit Fächern, Sweat mit Tüll und Spitze. Schleifen, Rüschen und Schnürungen krönen die Looks und zeigen, dass die Rokoko-Ästhetik auch in der Sportswear angekommen ist.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Beauty Routine im Rokoko, in: Kunsthalle in a nutshell, online verfügbar unter: https://www.kunsthalle-karlsruhe.de/in-a-nutshell/, zuletzt geprüft am 14.07.2026.

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Sekundärliteratur

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