Organisation des Militärs
Inhaltsverzeichnis
1.
- Zwangsrekrutierungen und Kollaborationen
- Stationäre Grenz- und mobile Einsatztruppen. Das römische Militär in der Spätantike. (Artikel)
1. Zwangsrekrutierungen und Kollaborationen
Ein wichtiges Mittel der Herrschaftssicherung war die Zwangsrekrutierung wehrfähiger Männer aus den unterworfenen Stämmen. Damit wurde diesen die Möglichkeit zu künftigen Aufständen genommen und die römische Armee konnte durch neue Soldaten und die Integration fremder Kampftechniken ihre militärische Schlagkraft verbessern. In Raetien gab es bereits ab 15 v. Chr. solche Zwangsrekrutierungen. In der Folgezeit fanden mindestens vier weitere Aushebungen statt, wobei die Truppen entweder allgemein als cohortes Raetorum oder auch nach dem Stamm der Vindeliker als cohortes Vindelicorum bezeichnet wurden. Die insgesamt fünfzehn verschiedenen Kohorten waren von Britannien bis Kleinasien stationiert. Von den Truppen am Limes weisen die cohors | Raetorum in Schwäbisch Gmünd und die cohors I Helvetiorum in Öhringen auf solche Rekrutierungen hin.
Ab dem 2. Jh.n. Chr. stammten neue Soldaten meist aus dem direkten Umfeld der Stationierungsorte. Mit der materiellen Versorgung, den Aufstiegsmöglichkeiten und der Aussicht auf das römische Bürgerrecht nach 25-jähriger Dienstzeit, war die Armee spätestens ab dieser Zeit zu einer geschätzten Möglichkeit des sozialen Aufstiegs geworden.
Bei den einheimischen Eliten lassen sich verschiedene Formen der Kollaboration nach-weisen. Die Spannbreite reichte von der Einsetzung von Klientelkönigen bis zur Erziehung fremder Fürstensöhne in Rom. Dass ein solches Vorgehen nicht ohne Risiko war, beweist das Beispiel des Cheruskers Arminius, der zunächst im römischen Dienst eine Reitereinheit befehligte und dann den germanischen Aufstand gegen Varus anführte.
Ab dem 1. Jh. n. Chr. entwickelte sich die Aufnahme einheimischer Eliten in den römischen Ritter-stand und ihre Integration durch die Übernahme militärischer und ziviler Amter zu einem festen System der Kollaboration oder besser der Romanisierung der Führungsschichten.
-> vgl.: Kemkes, Martin u. Wötzhel, Judith: Römer, Limes, Welterbe. Das Limesmuseum Aalen, Oppenheim am Rhein 2024., S. 36.
2. Stationäre Grenz- und mobile Einsatztruppen. Das römische Militär in der Spätantike. (Artikel)
Die Krisen des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert n. Chr., die von zahlreichen feindlichen Einfällen im Osten und vor allem an den Grenzen an Rhein und Donau gekennzeichnet waren, machten es unumgänglich, auch das Militäreiner grundlegenden Neuordnung zu unterziehen.
VON THOMAS FISCHER
Die Neuordnung des römischen Militärs erfolgte im Rahmen der allgemeinen Reichsreform unter Diokletian (284–305) und Konstantin I. (307–337), denn die auf Augustus (27 v. Chr.–14 n. Chr.) zurück- gehende militärische Grundordnung Roms, die keine Reserven im Inneren des Reiches vorsah, hatte sich überlebt:Fast die ganze römische Armee stand in der frühen und mittleren Kaiserzeit an den Grenzen aufgereiht, was bei kleineren lokalen Bedrohungen von außen auch genügte. Allerdings wa- ren bei diesem Systemkurzfristige Schwerpunkt- bildungen im Rahmen größerer militärischer Akti- onen nur bedingt möglich: Beigrößer angelegten Feldzügen oder bei der Abwehr schwerer Überfälle musste man ad hoc zusammengestellteHeeres- gruppen (vexillationes) befristet aus den verschiede- nen Provinzheeren herauslösen und zur Erfüllungkonkreter Kampfaufträge zu größeren Verbänden zusammenziehen. Doch ab den Markomannenkrie- gen zeigten sich immer deutlicher die Schwächen dieses Systems, als es größeren feindlichen Gruppen gelang,den Limes zu durchbrechen und in das praktisch unverteidigte Oberitalien vorzustoßen. Solche Einbrüchewiederholten sich dann im 3. Jahrhundert immer wieder. Ein erster Versuch, das Problem durch eine grundlegende Strukturreform in den Griff zu bekommen, war eine von Gallienus (253–268) eingeführte neueElitetruppe, die in Mailand stationierte sogenannte Schlachtenkavallerie. Sie operierte beweglich imHinterland und sollte den Gegner auch dann stellen, wenn er bereits die Grenzverteidigung durchbrochen hatte und weit in das Landesinnere eingedrungen war.
Unter Diokletian und Konstantin erfolgten nun grundlegende Veränderungen im römischen Heer, die auf die Ansätze des Gallienus zurückgingen: Man teilte das Heer in Grenzeinheiten – die limita- nei/riparienses –in den Grenzkastellen und ein bewegliches Einsatzheer im Hinterland, die comitatenses.
LIMITANEI/RIPARIENSES
Von der ehemaligen Grenzarmee in den germanischen Provinzen und Raetien an Rhein und Donau überdauerten nur wenigeEinheiten, darunter die Legionen. Mit der Neueinteilung der Provinzen wurde nun auch das Militär reformiert. Dabei hat man viele der in den beiden Germanien, der Maxi- ma Sequanorum, in den beiden Raetien sowie in Noricum und Pannonien stationiertenEinheiten ganz neu aufgestellt. Die Einheiten an der Donau- Iller-Rhein-Grenze z. B. in den raetischen Provinzen und der Maxima Sequanorum wurden, wie ihre nach den Kaisern der Tetrarchie gewählten Beinamen Valeria oder Herculea nahelegen, vermutlich erst von Valerius Diocletianus oder Maxi- mianus Herculius (286–305) neu geschaffen. Sie er- setzten die Hilfstruppen, die früher imLimesgebiet links der Donau stationiert waren und weitgehend im Zuge der Kämpfe des 3. Jahrhunderts untergegangen waren. Nun wurden an der Grenze neue und wesentlich verkleinerte Einheiten stationiert. Je nach Land- oder Flussgrenze (limites und ripae)wurden sie limitanei oder riparienses genannt. Sie sollten die Routineaufgaben der Grenzkontrolle wahrnehmen, bei größeren feindlichen Einfällen zogen sie sich in ihre wesentlich verstärkten Kastelle zurück und warteten ab, bis Einheiten des Bewegungsheeres die Situation wieder klären konnten.
COMITATENSES
Neben diesen Grenztruppen gab es noch eine stattliche bewegliche Einsatzreserve. Diese nicht standortgebundenen, weitaus angesehenerenVerbände konnten von ihren meist an Schnittpunkten der großen Militärfernwege im Inneren des Reiches ge-legenen Garnisonen je nachaugenblicklichem Be- darf im jeweiligen Kommandobereich verschoben werden. Rangmäßig war dieses mobile, im 4. Jahr- hundert stetig vergrößerte Feldheer gegliedert in Hof- oder Gardetruppen (palatini, abgeleitet von palatium = Palast) und Linienregimenter (comitatenses) und nach ihrer taktischen Bedeutung in
500 Mann starke Reitereinheiten (vexillationes), 1000 Mann zählende Legionen (legiones) sowie Hilfstruppen (auxilia) zu wiederum je 500 Mann. Schließlich kennt man noch als „unechte Linien- truppen“ (pseudocomitatenses) bezeichnete Einhei- ten,die ihrem Wesen nach umstritten sind. Nach den einen sollen sie unter Valentinian I. (zunächst nicht endgültig) zum Feldheerabkommandierte Grenztruppen gewesen sein, nach anderen seien sie zwar wie die Grenzarmee am Limes stationiert, aber nominell dem Feldheer zugerechnet worden. Den Oberbefehl über die gesamte schlagkräftige Bewegungsarmee teilten sich nachKonstantin I. (auch hier gab es verschiedene Entwicklungsstufen) – je nachdem, ob es sich eben um Fuß- oder Reiterverbände handelte – der „gegenwärtige Meister des Fußvolkes“ (magister peditum praesentalis) und der „gegenwärtige Meister derReiterei“ (magister equitum praesentalis).
Für die Militärgeschichte der Spätantike sind die schriftlichen Quellen allgemein viel dürftiger als für die vorangehende Zeit. So geht auch die Zahl der Inschriften generell stark zurück, die vorher die wichtigste Quelle über Organisation und Verteilung der römischen Truppen darstellten. Die politisch-militärische Ordnung des Reiches und auch der Provinzen an Rhein und Donau lässt sich fast nur nach einer höchst problematischen Schrift schlecht und recht rekonstruieren, nach dem „Verzeichnis aller Ämter, sowohl der zivilen wie der militärischen in den westlichen Reichsteilen“ (Notitia dignitatum omnium, tam civilium quam militari-um, in partibus Occidentis), von den Wissenschaft- lern kurz Notitia dignitatum genannt, das allerdings, etwa im Bereich derGermania secunda, Lücken aufweist. Darin sind u. a. die Gliederung der Grenztruppen, ihre Standorte und Kommandobereiche aufgeführt. Leider enthält dieses um 430 entstandene „Staatshandbuch“ auch sehr viele nachweisbar veraltete Angaben.
TRUPPENSTÄRKE
Grundsätzlich kann man sicher sagen, dass mit der tetrarchisch-konstantinischen Heeresreform zwar die absolute Anzahl derTruppeneinheiten vergrößert worden ist, die Mannschaftsstärken dieser Einheiten aber eine stark gegenläufige Tendenz aufwiesen.Darüber sollte auch die Verwendung von älteren Bezeichnungen, wie legio, ala, cohors und numerus nicht hinwegtäuschen. Eine spätanti-ke Legion zum Beispiel war eben nur noch ca. 1000 Mann stark und umfasste nicht mehr ca. 6500 Mann, wie in der frühen und mittlerenKaiserzeit. In konkreten Fällen, wenn Kastellgrößen und Truppen bekannt sind, etwa in Raetien, ergibt sich vielfach die Gewissheit, dass Grenztruppeneinheiten, die in der Notitia dignitatum als ala oder cohors bezeichnet werden, nicht mehr ihre alten Soll- stärken von500 oder 1000 Mann besaßen, sondern gegenüber der mittleren Kaiserzeit ganz erheblich reduziert waren.
GERMANEN IM RÖMISCHEN MILITÄR DER SPÄTANTIKE
In der Spätantike bestand das römische Heer zu- nehmend aus Germanen, die bis in höchste Posten der Armeeführung aufsteigen konnten.Teilweise geben zum Beispiel die Truppennamen in der Notitia dignitatum direkt Informationen zur germanischen Herkunft einer militärischen Einheit der Spätantike, häufig bleiben aber nur archäologische Quellen aus Militäranlagen: Grab- und Siedlungsfunde mit einschlägigem Fundmaterial liefern im- mer wieder Hinweise, die die germanische Herkunft spätrömischer Soldaten und ihrer Angehörigen belegen.
FOEDERATI
Eine Neuerung der ausgehenden Spätantike stellt das Foederatensystem dar: Die römischen Quellen berichten seit dem Ende des 4.Jahrhunderts zuneh- mend von Militäreinheiten, die aus foederati beste- hen. Das bedeutet: Rom ging nun dazu über, nicht einzelne germanische Soldaten für bestehende Traditionseinheiten zu rekrutieren, sondern mit ganzen barbarischen Gefolgschaften Verträge(foedera) einzugehen. Dabei spielten neben Sach- sen, Franken, Alanen und Vandalen vor allem die Westgoten eine wichtige Rolle. DieAngehörigen dieser nichtrömischen Söldnertruppen – denn um nichts anderes handelte es sich – verpflichteten sich zum römischen Militärdienst und erhielten als Ausgleich Geld und Versorgungsgüter.
In der Folge der Schlacht von Adrianopel (9. August 378) schloss Kaiser Theodosius I. 382 ein Abkom- men mit den Westgoten, wobei es als Präzedenzfall zur Ansiedlung der Goten in derrömischen Pro- vinz Thrakien kam. Von nun an ging die Anzahl regulärer römischer Militäreinheiten zugunsten von Foederatenverbänden allmählich zurück. Das Foederatensystem war für die Römer ausgesprochen vorteilhaft – die Kampfkraft der barbarischen Truppen ließ sich zu einem vergleichsweise gerin- gen Preis „einkaufen“. Ein GesetzKaiser Valentini- ans III. (425–455) belegt, dass ein römischer Soldat jährlich mit 30 Solidi zu Buche schlug, während ein Foederatenkämpfer nur 5 Solidi kostete.
Das Problem war nur, dass auf die Loyalität der Foederatentruppen und ihrer Anführer nicht im- mer Verlass war, sie hing vor allem von der Regelmäßigkeit der Soldzahlungen ab. Da die finanziel- len Mittel Westroms infolge sinkender Steuerein- nahmen knapper wurden und die militärische Situation zunehmend schwierig, bot man den foederati anstelle von Soldzahlungen an, sich im rö-mischen Reichsgebiet anzusiedeln und selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. Dies förderte die Bil- dung selbstständiger germanischerReiche auf rö- mischem Boden und damit auch das Ende des west- römischen Reichs.
SPÄTRÖMISCHE KASTELLE UND BURGI
Die Spätantike ab der Tetrarchie (Beginn 293) mit ihrer veränderten Heeresorganisation brachte auch starke Veränderungen inden militärischen und zivilen Festungsbauten mit sich. Das Heer wurde, wie erwähnt, in fest stationierte Grenz- truppen (limitanei, riparienses) und ein Bewe- gungsheer (comitatenses) mit wechselnden Garni- sonen aufgeteilt. Die Größe der Truppenlager wurde reduziert, da ja in der Regel auch die Größe der Limitantruppen wesentlich geringer war als die der vorhergehenden Auxiliareinheiten der mittleren Kaiserzeit. Vielfach sind, gerade im mittleren und unteren Donauraum, diealten La- ger und Kastelle wieder instand gesetzt worden, doch wurden ihre Umwehrungen z. T. erheblich verstärkt. An der Donau und Iller in Raetien, am Oberrhein und an der Donaugrenze in der Provinz Moesia superior mussten die Limesbefestigungen der Spätantike völlig neu errichtet wer- den, da man ja durch die Aufgabe des obergermanisch-raetischen Limesgebietes bzw. der Provinz Dakien auch die weit vorgeschobenen Kastelle verloren hatte. Hier legte man nun bei der Anlage der neuen Kastellkette besonderen Wert auf eine natürliche Schutzlage und erbaute die neuen, stark befestigten Kastelle ähnlich wie die Burgen des Mittelalters auf markanten Höhen. An der Donaugrenze ab Noricum dagegen hat man die Grundform der älteren Lager vielfach auch in der Spätantike beibehalten und diese nur stärker be- festigt, indem man Türme und Tore(Hufeisentür- me und halbrunde Türme) außen an den Mauern anfügte oder die vorhandenen verstärkte und die Mauern entsprechend erhöhte. Oft waren in denwiederhergestellten Mauern der alten Festungen des 3. Jahrhunderts die Truppe und die Zivilbevöl- kerung untergebracht, da man die alten unge- schützten Lagerdörfer aufgegeben hatte. Dabei war das stark reduzierte Militär gelegentlich in ei- nem eigenen Binnenkastell einquartiert, zum Bei- spiel in Eining an der Donau. So entstanden aus den rein militärischenLagern und Kastellen der mittleren Kaiserzeit vielfach die Festungsstädte der Spätantike mit militärischer Besatzung. Eine ähnliche Entwicklung trat auch im Hinterland ein: Städte und vici wurden stark befestigt und erhielten ebenfalls Garnisonen, seltener in Form von fest stationierten Truppen, oft aber in Form von Abteilungen desBewegungsheeres, die in Notfällen oder zum Überwintern in den Städten Quartier bezogen. Schließlich entstanden auch im Hinterland rein militärische Truppengarnisonen, Nachschubbasen oder Wachtturmketten. Die In- nenbebauung war bei vielen spätantiken Kastellen nur nach großflächigen Grabungen zu klären, denn es gab nun keine verbindlichen Muster mehr wie in der frühen und mittleren Kaiserzeit, die auch bei fragmentarischer Erschließung leicht zu ergänzen waren. Fast jedesKastell sah anders aus.
BEWAFFNUNG UND AUSRÜSTUNG
Bewaffnung und Ausrüstung des spätrömischen Soldaten hatten sich zu Beginn des 4. Jahrhunderts im Vergleich zur mittleren Kaiserzeit teilweise stark verändert. Allerdings verfügt die Forschung verglichen mit früheren Phasen der römischen Kaiserzeit über verhältnismäßig wenige Informationen durchOriginalfunde aus Siedlungen oder Gräbern. Zusätzlich ist es dabei oft kaum noch möglich, bei Originalfunden im Einzelnen Unterschiede zwischen Reitern und Fußsoldaten oder gar zwischen limitanei und comitatenses oder Foederaten herauszuarbeiten. Selbst barbarisch-germanische Bewaffnungund die Ausrüstung der oft von Ger- manen gestellten römischen Armee haben sich im- mer mehrangeglichen. Hat man früher zwischen der Bewaffnung der Spätantike und der des frühen Mittelalters schärfere Zäsuren gesehen, so besteht nun in der Forschung zunehmend die Tendenz, hier eine organische Weiterentwicklung festzustellen, wie auch sonst, etwa beim fränkischen Heer, spätantikeWurzeln deutlich sichtbar sind.
Kleidung
Das germanische Kleidungsstück der Hose hatte die römische Armee bereits in der frühen Kaiserzeit in zunehmendem Maße übernommen. Nun wurde die lange Hose Standardkleidung der römischen Soldaten. Eine weitere Neuerung in der Uniform stellt dieÜbernahme einer vorher nur für das pannonische Heer üblichen Pelzmütze, des pilleus Pan- nonicus, durch das gesamte spätantike Heerdar.
Fibeln
In der Spätantike bilden standardisierte militäri- sche Mantelfibeln, die Zwiebelknopffibeln in ihren zeitlich wechselnden Varianten,eine rein römische Entwicklung. Dazu kommen in geringerem Um- fang auch germanische Fibeltypen.
Gürtel
Für die Uniform der Spätantike charakteristisch sind die oft mit auffälligen prächtigen Metallbeschlägen versehenen breiten Ledergürtel. Diese lösen offensichtlich in der Zeit vor 300 ältere Gürteltypen, etwa die Ring- und Rahmenschnallencingula ab. Vorbilder dieser neuen Gürtel sind offenbar nicht im Römischen Reich zu finden, sondern bei Prunkgürteln im germanischen Bereich, etwa in Mitteldeutschland, Norddeutschland und Dänemark, zu suchen. Die Entwicklung dieser Waffengurte, die im weströmischen Gebiet über Gürtel mit Propellerbeschlägen und kerbschnittverzierte Beschläge mit den sogenannten „Einfachen Gürtelgarnituren“ nach H. W. Böhme endet, geht bis in das 5. Jahrhundert hinein weiter.
Helme
Die Kammhelme, die seit der Zeit der Tetrarchie bzw. seit Konstantin I. in der römischen Armee aus- nahmslos üblich waren, hatte man aus dem sassanidischen Bereich übernommen, aber in Details ab- geändert. Die stets aus Eisen bestehende Kalotte war zweiteilig, der Nackenschutz wurde gesondert angesetzt, später trat als neues Element ein Nasenschutz auf. Nach neuesten Erkenntnissen waren fast alle Helme mit einem vergoldeten Silberblech-überzug versehen. Wohl als Rangabzeichen hat man gelegentlich eine hohe Kammscheibe auf den Helm montiert, zu dieser konnte einAbzeichen mit Christogramm treten. Man kann wohl davon aus- gehen, dass diese Helmform im Rahmen einer so- genannten diokletianisch-konstantinischen Heeres- reform aus dem persisch-mesopotamischen Raum übernommen worden ist.
Panzer
Man kennt aus der Spätantike nur wenige Fragmente von Schuppen- und Kettenpanzern. Inwieweit diese sich von älterenModellen unterscheiden, ist unklar. Jedenfalls sind aber die verzierten Schließbleche des 2. und 3. Jahrhunderts in der Spät- antikenicht mehr belegt.
Schilde
Bei den Schilden setzten sich vielfach die germanischen Rundschilde durch. Analog zu den Helmen können die eisernenSchildbuckel mit vergoldetem Silberblech überzogen sein.
Schwerter
Die Hauptangriffswaffe der römischen Armee blieb nach wie vor das Langschwert, die spatha. Sie bildete auch noch im 4. und 5.Jahrhundert und weiter dann im frühen Mittelalter die Hauptwaffe von Reitern und Infanteristen. Mit der Tetrarchie tauchten auch hier Veränderungen auf, die aber weniger die Klingen als vielmehr die Schwertscheiden be- trafen. So wurden die bisher üblichen runden Scheidenabschlussbeschläge, die Dosenortbänder, über Zwischenformen durch gerade endende Metallbeschläge mit Zierknöpfen ersetzt (Ortbänder vom Typ „Gundremmingen“). Am Ende der Ent- wicklung leiten einfache U-förmige Scheidenab- schlüsse aus Metall zu den Schwerttypen des frü- hen Mittelalters über.
Kampfäxte
Die zunehmende Barbarisierung der römischen Armee brachte es mit sich, dass ab dem fortgeschrittenen 4. Jahrhundert untergermanischem Einfluss nun auch Kampfäxte bei der römischen Armee belegt sind. Diese unterscheiden sich allerdings in Details von denen im germanischen Siedlungsgebiet.
Reiterei
Da die Truppen schnell beweglich und zudem zur Abwehr berittener Gegner geeignet sein mussten, war die Reiterei zu immer größerer Bedeutung gekommen. Während sich sonst bei der Bewaffnung der Spätantike kaum spezifische Reiterwaffen identifizieren lassen, kann man wohl die Helme des Typs „Deurne-Berkasovo“ als typische Reiterhelme ansprechen. Häufiger sind nunSporen belegt, die große Ähnlichkeit zu Typen im germanischen Bereich aufweisen.
-> vgl.: Fischer, Thomas: Stationäre Grenz- und mobile Einsatztruppen. Das römische Militär in der Spätantike, in: Der Limes. Nachrichtenblatt der deutschen Limeskommission (14. Jahrgang, Heft 1), Stuttgart 2020, S. 4-9.
Verlinkungen:
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Quellen:
Internetquellen
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Sekundärliteratur
-> Kemkes, Martin u. Wötzhel, Judith: Römer, Limes, Welterbe. Das Limesmuseum Aalen, Oppenheim am Rhein 2024.
-> Fischer, Thomas: Stationäre Grenz- und mobile Einsatztruppen. Das römische Militär in der Spätantike, in: Der Limes. Nachrichtenblatt der deutschen Limeskommission (14. Jahrgang, Heft 1), Stuttgart 2020, S. 4-9.
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