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Kommunikation

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Linie der Optischen Telegrafen der Linie Berlin - Koblenz
  2. Kleine Geschichte der ersten Briefmarke und einer unklugen Farbwahl (Artikel)
  3. Oktober 1861: Die Erfindung des Telefons 
  4. Die Einführung der fünfstelligen Postleitzahl

1. Die Linie der Optischen Telegrafen der Linie Berlin - Koblenz

Die Linie der Optischen Telegrafen der Linie Berlin - Koblenz führt im heutigen Rheinland von von Radevormwald bis Hennef/Sieg. Im Jahr 1832 wurde mit dem Bau der Telegrafenlinie begonnen. Die Entscheidung zur Errichtung einer Linie Optischer Telegrafen zwischen Berlin und Koblenz fiel in einer Zeit äußerer und innerer Bedrohungen für den Staat Preußen.

Wie Dieter Herbarth schreibt (ders. 1978, S. 45f):
„Man hielt es aus militärstrategischen Gesichtspunkten auf dem Hintergrund der geographischen Gegebenheiten und der außenpolitischen Bedingungen für notwendig, den derzeitig langen Informationsfluss und die dadurch bedingten Entscheidungsverzögerungen zwischen dem Rheinland und der Zentrale in Berlin durch das neue Kommunikationsmittel zu beschleunigen [...], um auf diese Weise eine höchste Effizienz kommender militärischer Aktionen zu erreichen. [...]
Die innen- und verwaltungspolitische Notwendigkeit waren mit der Zuweisung der Westprovinzen Rheinland und Westfalen 1815 an Preußen territoriale Streitigkeiten an der Westgrenze für den Augenblick beigelegt und die außenpolitische Ordnung in Europa einigermaßen gefestigt, so regelten diese Beschlüsse innenpolitisch jedoch gar nichts, selbst wenn man in der Wiener Bundesakte von landständischen Verfassungen für alle Länder des deutschen Bundes sprach. [...] Für Preußen ergaben sich in den folgenden Jahren erhebliche verfassungspolitische Probleme, die einmal in der allgemeinen liberalen Strömung, die weitgehend das politische Leben Europas prägte, zum anderen aber aus der heterogenen Zusammensetzung des neuen preußischen Staates resultierten. [...]
Besondere Probleme bargen dabei die Westprovinzen. Unterschiedliche historische Voraussetzungen [...] und eine daraus für den preußischen Staat resultierende unbequeme selbstbewusste Eigenständigkeit führten [...] nicht nur zu spezifischen verfassungs- und verwaltungspolitischen Forderungen, sondern auch zu soziologisch bedingten Auseinandersetzungen innerhalb der Rheinprovinz selbst. [...] Rheinische Liberale [...], der niederrheinische Adel [...] und der rheinisch-katholische Adel [...] bildeten auf der Basis eines landsmannschaftlichen Gemeinschaftsgefühls eine einheitliche Opposition gegenüber der landschaftsfremden Staatsverwaltung, so daß sich hier [...] in den ersten Jahrzehnten nach 1815 [...] ein [...] der Berliner Zentrale entgegengesetztes Selbstbewußtsein manifestierte. [...] Gerade diese Verfassungsbewegung, die sich im Rheinland und in Westfalen kräftig entfaltete, erhielt starken Auftrieb, als im Sommer 1830 durch die Revolution in Frankreich und Belgien eine neue politische Lage geschaffen wurde. [...] Die westfälischen Provinzialstände verhandelten auf dem 3. Provinziallandtag im Winter 1830/31 als erste gesetzlich berufene politische Korporation über ein Verfassungsbegehren. [...]“


Dennoch dauerte es noch bis 1832, ehe mit dem Bau der Telegrafenlinie begonnen wurde. Man entschied sich für ein System der optischen Kommunikation basierend auf sechs Flügeln (Indikatoren), die paarweise an einem ca. 6,30 Meter hohen Mast angebracht waren. Diese konnten durch Seilzüge in verschiedene Positionen gebracht werden (ebd., S. 51).
Die jeweilige Stellung der Flügel entsprach einem (chiffrierten) Buchstaben, einer Zahl oder einem feststehenden Begriff, die mittels eines Fernrohrs am nächsten Standort beobachtet, notiert und in gleicher Weise weiter gegeben werden konnten. Das Weitergeben von Informationen war streng geregelt und in einem Telegrafistenwörterbuch sowie zwei Instruktionsbüchern festgehalten.

„Es kam vor allem auf kurze Ausdrücke und möglichst wenige Zeichen an. Interpunktionszeichen durften nur mitchiffriert werden, wenn sie zum Verständnis notwendig waren. [...] Ein solches Wörterbuch war auf jeder Telegrafenstation vorhanden [...] und [...] enthielt 2250 Zeichen und [...] auf achtzehn Seiten verschiedene Wörter: Hilfsverben, Orts- und Flußnamen, Personennamen, Namen und Titel, Telegrafenteile, Werkzeuge, Materialien, Monate, Wochentage, Stunden, Zahlen, allgemeine Redesätze und Redesätze für das Telegrafieren. [...]
Bei der Übermittlung von Depeschen war eine genaue Aufgabenteilung vorgeschrieben. Nachdem zunächst den beiden Telegrafisten einer Station die Nachbarstation beobachtet hatte, teilte sich das Übermitteln selbst in das Beobachten und Diktieren und in das Stellen der Zeichen auf. [...] Hatte der Telegrafist das Zeichen gestellt, kontrollierte dieser nun seinerseits das Zeichen der nachfolgenden Station. Der zweite Telegrafist verglich das gestellte Zeichen an der Steuerungsmaschine mit dem Vorgänger und trug es in das Journal ein. [...]
Sehr genau festgelegt war die Reihenfolge der Zeichen beim Telegrafieren einer Depesche. Zusätzlich mußte die Zeit des Abgangs und das Datum angegeben werden. Bei den ankommenden Depeschen hatten die Telegrafisten zu unterscheiden zwischen einer normalen ‚Meldung von Stationen Nr ...‘ und einem ‚Citissime! Es wird gemeldet von Station Nr. ...‘, womit eine vorzugsweise zu befördernde Depesche angekündigt wurde. [...]
Um Überschneidungen möglichst zu vermeiden, war auch der Depeschengang genau geregelt. So sollte den ganzen Tag über zu jeder vollen Stunde eine Meldung von der Endstation nach Berlin abgehen. Lag keine Depesche vor, wurde zumindest das Zeichen ‚Nichts Neues‘ telegrafiert. Hiernach hatten die Zwischenstationen sukzessive die Möglichkeit, Meldungen nach Berlin zu senden. War auf diese Weise die nach Berlin zu übermittelnde Korrespondenz erledigt, folgte die Meldung in umgekehrter Richtung. War danach ebenfalls nichts mehr zu berichten, blieb die Linie bis zur nächsten vollen Stunde in Ruhe.“
(ebd., S. 56)

Nimmt man die heutige Grenzziehung der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz als Grundlage, so beginnt der rheinländische Teil der Telegrafenlinie Berlin – Koblenz in der Nähe von Radevormwald, überquert zweimal den Rhein bei Köln und verlässt bei Hennef/Sieg das NRW-Rheinland. Auf dieser Strecke von ca. 90 Kilometern befanden sich in preußischer Zeit insgesamt neun Stationen:

  • Station 46 – Radevormwald
  • Station 47 – Buchholzen auf dem Rattenberg
  • Station 48 – Strasserhof
  • Station 49 – Schlebusch
  • Station 50 – Flittard
  • Station 51 – Köln - Sankt Pantaleon
  • Station 52 – Niederzündorf
  • Station 53 – Spich
  • Station 54 – Söven

https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-245768

2. Kleine Geschichte der ersten Briefmarke und einer unklugen Farbwahl 

Heute sind die ersten Briefmarken Millionen wert, doch einst machten sie den Briefversand erst erschwinglich. Nur die Farbwahl, so unsere Kolumnisten, war nicht immer die klügste. 

In den Weihnachtsferien 1885 durchstöberte Georg Wilhelm Backman, ein damals 14-jähriger Schüler aus Stockholm, den Dachboden seiner Großmutter. Dabei stieß er auf einen Brief, der ihn neugierig machte. Doch nicht der Inhalt des Briefs ließ ihn aufhorchen, sondern ein kleines Stück Papier, das darauf klebte: eine gelbe Briefmarke. Etwa 30 Jahre zuvor hatte sein Großonkel damit das Porto für das Schreiben an Backmans Großmutter bezahlt. Da sie ihrem Enkel den Brief aber nicht überlassen wollte, löste dieser vorsichtig die Marke ab.

Diese Briefmarke war nicht irgendein Postwertzeichen. Es handelt sich um den so genannten Tre-Skilling-Banco-Fehldruck – die wohl wertvollste Briefmarke der Welt. Nur ein einziges Exemplar ist bekannt. Und es ist ihre Farbe, die die Marke so besonders macht: Sie ist gelb. An sich keine ungewöhnliche Farbe, aber Gelb war bei Schwedens erster Briefmarkenserie für die 8-Skilling-Marke vorgesehen, nicht die 3-Skilling. Sie hätte grün sein sollen. Der Fehldruck kam unbemerkt in Umlauf – und erzielte unter Philatelisten schon bald Rekordpreise.

Wer an teure Briefmarken denkt, hat wahrscheinlich nicht den »Tre-Skilling-Banco-Fehldruck« vor Augen, sondern eher die »Blaue Mauritius«, die ab 1847 von der britischen Kronkolonie ausgegeben wurde. Den höchsten Preis allerdings erzielte – Stand Februar 2024 – eine »Rote Mauritius«, die 2021 für mehr als acht Millionen Euro versteigert wurde. Der letztmalige Auktionserlös des »Tre-Skilling-Banco-Fehldrucks« blieb bislang unveröffentlicht, doch die Philatelieszene munkelt, dass der jetzige Eigentümer einen Rekordpreis dafür zahlte.

Anfangs kam ein Stempel auf den Brief

Briefmarken sind das Ergebnis einer radikalen Postreform, die im Jahr 1680 in London begann. Damals wurde noch nicht die erste Briefmarke ausgegeben; aber die Kaufleute William Dockwra und Robert Murray eröffneten die London Penny Post. Das Unternehmen stellte innerhalb Londons Briefe zu – für die geringe Gebühr von nur einem Penny.

Heute unvorstellbar: Dockwra führte stündliche Abholungen ein. Bis zu zehn Lieferungen erfolgten pro Tag in London, mindestens sechs Lieferungen in die Londoner Vororte. Und dabei war garantiert, dass die Post innerhalb von vier Stunden zugestellt werden würde. Die London Penny Post wurde zu einem großen Erfolg und die Portopauschale von einem Penny legendär. Aber für die Erfindung der Briefmarke war eine andere Innovation entscheidend: Die Person, die den Brief verschicken wollte, entrichtete das Porto im Voraus. Zuvor lagen die Kosten nämlich beim Empfänger. Nun markierte ein spezieller Stempel den Brief als bezahlt. Und dieser Stempel war der direkte Vorläufer der Briefmarke.

Als aus dem Stempel eine Marke wurde

Als es dann 1835 darum ging, die marode Royal Mail zu reformieren, die als schlecht verwaltet, verschwenderisch, teuer und langsam galt, nahm sich Rowland Hill (1795–1879) der Sache an und legte ein Konzept vor, das sich an der London Penny Post orientierte. Der ehemalige Schulleiter schlug einen landesweit einheitlichen Postpreis von einem Penny pro halbe Unze Briefgewicht vor. 

Den Penny sollte die Person, die den Brief aufgab, im Voraus bezahlen: indem sie einen vorgedruckten Umschlag oder vorfrankierte Briefbögen verwendete oder die Post mit einer Briefmarke versah. Die britische Regierung nahm Hills Vorschlag an, und so startete am 10. Januar 1840 die Universal Penny Post – allerdings ohne Briefmarken. Die ließen noch ein bisschen auf sich warten. Hill war nämlich der Meinung, dass Menschen lieber vorfrankiertes Papier verwenden würden.

Im Mai 1840 erfolgte dann die erste Ausgabe einer Briefmarke: die »One Penny Black«. Eine Marke in Schwarz mit dem Profil von Queen Victoria. Die ersten Exemplare waren nicht perforiert und mussten aus einem Bogen ausgeschnitten werden. Gleichzeitig kam eine blaue Variante auf den Markt: die »Two Pence Blue« für Briefe mit einem Gewicht von bis zu einer Unze, also etwas mehr als 28 Gramm. Im Februar 2024 versteigerte Sotheby’s in New York den womöglich allerersten Brief, der mit einer Penny Black verschickt wurde. Die Marke wurde am 2. Mai 1840 abgestempelt. Sie ist nicht aufgeklebt, sondern auf das vorfrankierte Kuvert aufgedruckt.

Die »One Penny Black« zählt heute nicht gerade zu den seltensten Briefmarken, auch wenn sie nur kurz auf dem Markt war. Fast 70 Millionen Mal wurde sie gedruckt, aber bereits 1841 durch die »One Penny Red« ersetzt. Denn anfangs entwertete man die schwarze Marke mit einem roten Stempel. Bald stellte sich jedoch heraus, dass die rote Tinte auf dem schwarzen Papierquadrat nicht zu erkennen war und sich noch dazu unauffällig von der Marke entfernen ließ. Also tauschte die Universal Penny Post die Farben – die Marke wurde rot, der Stempel schwarz.


Die »One Penny Red« blieb bis 1879 im Umlauf und genießt heute keinen Seltenheitswert. Schließlich waren davon 21 Milliarden Stück gedruckt worden.

Mit Portosystem und Briefmarke – ging die Post ab

Das Volumen des britischen Briefverkehrs vervielfachte sich durch die Postreform enorm. Sie löste eine regelrechte Kommunikationsrevolution aus, die zudem die viktorianische Gesellschaft prägte, wie die Literaturwissenschaftlerin Catherine Golden vom amerikanischen Skidmore College in ihrem Buch »Posting It: The Victorian Revolution in Letter Writing« erläutert. Briefe schreiben gehörte bald für weite Teile der Gesellschaft zum Alltag, denn eine »One Penny Black« konnten sich so ziemlich alle, nicht nur Reiche, Adlige oder Geschäftsleute leisten.

Mit der Postreform in England etablierte sich bald auch international das noch heute gültige Portosystem. Und Briefmarken kamen in den nächsten Jahrzehnten fast weltweit in Gebrauch.


Die erste deutsche Briefmarke stammt übrigens aus Bayern. Sie war ebenfalls schwarz. Der »Schwarze Einser« mit einem Nominalwert von einem Kreuzer wurde erstmals 1849 ausgegeben. Was die Farbwahl betrifft, hätte es nicht geschadet, wenn die bayerischen Behörden bei der britischen Royal Mail ein paar Erfahrungswerte eingeholt hätten. Denn auch in Bayern stellte sich die schwarze Farbe als unpraktisch heraus – zumal die Stempelfarbe ebenfalls schwarz war. So ersetzten die Bayern die Marke schon bald durch die rosafarbene 1-Kreuzer.

https://www.spektrum.de/kolumne/kleine-geschichte-der-ersten-briefmarke-der-welt/2206345

3. Oktober 1861: Die Erfindung des Telefons

Am 26. Oktober 1861 präsentierte der 27jährige Physiklehrer Philipp Reis (1834-1874) im Physikalischen Verein zu Frankfurt am Main erstmals einen Apparat, der Sprache mit Hilfe des elektrischen Stromes in die Ferne übertragen konnte - er nannte ihn "Telephon". Da die Tonübertragung noch erhebliche Schwankungen aufwies, wurde seine Erfindung zunächst unterschätzt. So meldete 15 Jahre später Alexander Graham Bell (1847-1922) in den USA das erste Telefon zum Patent an. 1881 wurden in Berlin und Mülhausen im Elsass erste Ortsvermittlungsstellen für Telefongespräche eingerichtet.

Zur Veranschaulichung seines Unterrichts baute Reis einfache Modelle für seine Schüler. Der Nachbau einer Ohrmuschel regte ihn zur Erfindung des Telefons an: "Durch meinen Physikunterricht dazu veranlasst, griff ich im Jahre 1860 eine schon früher begonnene Arbeit über die Gehörwerkzeuge wieder auf und hatte bald die Freude, meine Mühen durch Erfolg belohnt zu sehen, indem es mir gelang, einen Apparat zu erfinden, durch welchen es möglich wird, die Funktionen der Gehörwerkzeuge klar und anschaulich zu machen; mit welchem man aber auch Töne aller Art durch den galvanischen Strom in beliebiger Entfernung reproducieren kann. - Ich nannte das Instrument Telephon", berichtete Reis in seinen Lebenserinnerungen. Den Namen "Telephon" leitete er aus den griechischen Begriffen "tele" (deutsch: fern) und "phonae" (deutsch: Ton, Stimme) ab.

Reis gestaltete sein Telefon in Anlehnung an das menschliche Ohr: Über die Ausgangsöffnung einer aus Holz geschnitzten Ohrmuschel spannte er eine Membran aus Schweinsdarm, die als Trommelfell diente. Das auf der Membran befestigte Platinplättchen und ein Platinstift simulierten die Gehörknöchelchen. Dieser Platinkontakt war Teil eines durch eine Batterie betriebenen Stromkreises. Sprach man in dieses Ohr hinein, geriet die Membran in Schwingungen und erzeugte eine Modulation des Stromes. Die so erzeugten akustischen Schwingungen wurden in Stromimpulse übertragen und über eine Spule und einen Stab empfangen. "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat" gilt als erster telefonisch gesprochener Satz von Philipp Reis bei Versuchen in seinem Haus. Mit solch skurrilen spontan gesprochenen Sätzen wollte er dem Verdacht begegnen, die Texte zur Übertragung seien abgesprochen oder auswendig gelernt.

"Über Telephonie durch galvanischen Strom" lautete der Vortrag, den Reis im Oktober 1861 vor dem Physikalischen Verein in Frankfurt am Main hielt und den er auch in der Vereinszeitschrift publizierte. Bei dieser ersten öffentlichen Vorführung seiner Erfindung übertrug er neben Stimmproben den damaligen Gassenhauer "Muss i denn zum Städtele hinaus...", da er bei seinen häuslichen Versuchen festgestellt hatte, dass sich instrumentale Musik wesentlich leichter übertragen ließ als die menschliche Stimme. Dennoch: Der Apparat übertrug zwar einige Töne, aber es traten erhebliche Schwankungen auf. Aufgrund der Unzuverlässigkeit seines Telefons wurde die Erfindung insgesamt unterschätzt und der Apparat mehr oder weniger als Spielzeug betrachtet, das bestenfalls zur Übertragung von Musik geeignet sei. Zwischen 1861 und 1863 verbesserte Reis zwar sein Telefon, und verkaufte nach seinen Entwürfen gefertigte Apparate an Physikalische Sammlungen und Institute in aller Welt. Aber ein durchschlagender Erfolg blieb ihm zu Lebzeiten verwehrt. Am 14. Januar 1874 starb Philipp Reis an Tuberkulose.

Die Weiterentwicklung des Telefons verlagerte sich nach Übersee. Am 14. Februar 1876 meldete der schottische Taubstummenlehrer Bell in Boston seinen Telefonapparat zum Patent an. Am selben Tag, nur zwei Stunden später, ging der Patentanspruch von Elisha Gray (1835-1901) ein, dem leitenden Mitarbeiter und Anteilseigner des größten Herstellers von telegraphischem Gerät in den USA, der Western Electric Manufacturing Company. Bell trug nicht zuletzt deswegen den Sieg bei diesem Wettlauf um das Telefon-Patent davon, weil er fest an die kommerziellen Nutzungsmöglichkeiten der sprachlichen Kommunikation glaubte. Und er sollte recht behalten: Bereits 1879 bestanden weltweit in 20 Städten Fernsprechvermittlungseinrichtungen.

Erst 1881, als in den USA bereits fast alle Städte über 15.000 Einwohner ein Telephonnetz besaßen, wurde in Berlin die erste Fernsprechvermittlungsstelle in Deutschland mit acht Teilnehmern versuchsweise in Betrieb genommen. Von da an ging die Entwicklung auch in Deutschland rasant voran. Im Jahr 1910 waren weltweit 10 Millionen Fernsprecher an die Vermittlungsstellen angeschlossen, davon allein in Deutschland 941.000. 1930 gab es in Deutschland rund 3,2 Millionen Telefonanschlüsse. Das erste schnurlose Mobiltelefon kam im Juni 1983 auf den Markt. Es war über 20cm lang und der Akku nach einer halben Stunde Sprechzeit leer. Heute bestehen allein in Deutschland rund 100 Millionen Handy-Verträge und 39 Millionen Festnetzanschlüsse.

4. Die Einführung der fünfstelligen Postleitzahl

In der Bundesrepublik Deutschland und der DDR gab es bis 1993 zwei getrennte vierstellige Postleitsysteme. Ab dem 1. Juli 1993 mussten sich die Bürger Deutschlands an das neue fünfstellige Postleitsystem gewöhnen.

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Ab dem 1. Juli 1993 mussten sich die Bürger Deutschlands an das neue fünfstellige Postleitsystem gewöhnen, mit dem beabsichtigt wurde, die Postzustellung zu erleichtern. Das neue Postleitsystem sollte für die Bürger übersichtlicher sein und eine rationelle und zuverlässige Bearbeitung ermöglichen. In der Bundesrepublik Deutschland und der DDR gab es bis 1993 zwei getrennte vierstellige Postleitsysteme. Die Wiedervereinigung 1990 hatte zur Folge, dass in den beiden Postleitsystemen rund 800 Dopplungen auftraten. So kam es, dass z. B. Bonn und Weimar – oder auch Hannover und Magdeburg – die gleichen Postleitzahlen besaßen. Bis zu der Reform wurden den Ziffern ein „W“ für West oder ein „O“ für Ost vorangestellt, um die Orte auseinander halten zu können.

Bei dem neuen fünfstelligen System handelt es sich um ein reines Zahlensystem, welches aus fünf Ziffern besteht. Die ersten beiden Ziffern stehen für die genaue geografische Zuordnung. Die dritte bis fünfte Ziffer zeigt an, wo der Empfänger lebt und ob es sich um einen Großkunden oder ein Postfach handelt. Die vierstelligen Postleitzahlen wurden ab dem 1. Juli 1993 ungültig. Um eine reibungslose Umstellung zu gewähren, wurde ein genauer Zeitplan entwickelt, indem bis Ende 1992 die neuen Postleitzahlen zugewiesen, ab Januar 1993 die Postleitzahlen für den Datenabgleich bereitgestellt und ab Mai 1993 die neuen Verzeichnisse den Haushalten zugeliefert wurden, damit am 1. Juli des Jahres die Reform in Kraft treten konnte.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Buchholz, Karl-Heinz: Die Optischen Telegrafen der Linie Berlin-Koblenz, in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital., online verfügbar unter: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-245768, zuletzt geprüft am 21.05.2025.

-> Hammer, Richard; Meßner, Daniel: Kleine Geshiche der ersten Briefmarke und einer unklugen Farbwahl, in: Spektrum.de, online verfügbar seit 07.02.2024 unter: https://www.spektrum.de/kolumne/kleine-geschichte-der-ersten-briefmarke-der-welt/2206345, zuletzt geprüft am 21.05.2025.

-> Blume, Dorlis: Oktober 1861. Die Erfindung des Telefons, in: LeMO (Lebendiges Museum Online), online verfügbar seit 2011 unter: https://www.dhm.de/lemo/rueckblick/lemo-rueckblick-oktober-2011-1861-die-erfindung-des-telefons-vor-150-jahren, zuletzt geprüft am 24.03.2026.

-> Hermani, Lea-Celine: Die Einführung der fünfstelligen Postleitzahl, in: Das Bundesarchiv, online verfügbar unter: https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/dokumente-zur-zeitgeschichte/die-einfuehrung-der-fuenfstelligen-postleitzahlen/, zuletzt geprüft am 09.04.2026.

Sekundärliteratur

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