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Mythen und Sagen

Inhaltsverzeichnis

  1. Sehr verlockend. Ob in der Sage vom Rattenfänger zu Hameln ein wahrer Kern steckt, darüber wird seit Langem spekuliert und geforscht.
  2. Nibelungensage. Ein Epos aus uralten Zeiten.
  3. Siegfried von Xanten. Hauptfigur der Nibelungensage
  4. Mythos Rhein aus Sicht der Deutschen und Rheinländer

1. Sehr verlockend. Ob in der Sage vom Rattenfänger zu Hameln ein wahrer Kern steckt, darüber wird seit Langem spekuliert und geforscht. 

Die Form, in der die Brüder Grimm diese Geschichte 1816 in ihre Sagensammlung aufgenommen haben, wurde ein Welterfolg, jeder kennt sie. Der Rattenfänger von Hameln wurde zur berühmtesten deutschen Sagengestalt mit globaler Ausstrahlung bis in die USA und nach China. Doch schon in der frühen Neuzeit machte die Geschichte vom »Bunting« die Runde, so wird der ominöse Pfeifer in einer Version des 16. Jahrhunderts genannt, der erst Mäuse und Ratten aus der Stadt führt mithilfe magischer Flötentöne und dann die Kinder auf Nimmerwiedersehen fortlockt, weil ihm der Stadtrat seinen Lohn verweigert. Für Hameln jedenfalls ist die Sage ein wirtschaftlicher Segen, denn die Legende lockt alljährlich Abertausende von Touristen aus aller Welt in die kleine Stadt an der Weser, um jenen Ort schaudernd zu besuchen, in dem einst der bunte Rattenfänger sein gutes Werk verrichtete, vor allem aber grausame Rache übte an den wortbrüchigen Hamelnern.

»Anno 1284 am Dage Johannis et Pauli war der 26.Juli / Dorch einen Piper mit Allerley Farve bekledet gewesen CXXX Kinder verledet binnen Hameln geboren / To Calvarie bi den Coppen verloren.« So lautet die Inschrift aus dem 17. Jahrhundert am sogenannten Rattenfängerhaus in Hameln, einem herrlichen Beispiel der Weserrenaissance. Frühere Belege des für die Kindseltern grausamen Geschehens gibt es in der Lüneburger Handschrift von 1430: »Zu vermelden ist ein höchst seltenes Wunderzeichen, das sich in der Stadt Hameln im Jahre des Herr 1284 gerade am Tage des Johannes und Paulus ereignete. Ein Jüngling von dreißig Jahren, schön und überaus wohl gekleidet, trat über die Brücke und durch das Wesertor (in die Stadt) ein. Auf einer silbernen Flöte von wundersamer Form begann er sodann durch die ganze Stadt hin zu pfeifen. Und alle Kinder, die diese Flöte hörten, an Zahl etwa 130, folgten ihm zum Ostertore hinaus zur sogenannten Kalvarien- und Gerichtsstätte. Dort verschwanden und entwichen sie, daß niemand aufspüren konnte, wo eines von ihnen geblieben war. Dieses habe ich in einem alten Buchege funden. Und die Mutter des Herrn Dekans Johann von Lüde sah die Kinder fortziehen.« Immerhin wird hier sogar eine Zeugin benannt, die zur Tatzeit etwa zehn bis vierzehn Jahre alt war. Also gibt es früh eine mündliche Erzähltradition.

Keine Rede ist allerdings in den alten Zeugnissen von Ratten. Dieser Teil der Sage wurde erst 1565 mit dem Hamelner Kinderverlust verbunden. Geschichten von sonstigen Rattenfängern waren damals weit verbreitet. Erst in der kombinierten Form wurde daraus die unsterbliche Legende vom erfolgreichen Rattenfänger von Hameln, der aus Rache zum Kinderentführer wird und in der Rezeptionsfolge rasch Teufelszüge annahm.

Zugleich aber begann die Suche nach einer realen Vorgeschichte ohne mythische Fantasie. Gottfried Wilhelm Leibniz etwa spekulierte, ob der Auszug der 130 Kinder vielleicht auf den Kinderkreuzzug von 1212 hindeute. Andere vermuteten für das Kinderverschwinden eine Pestepidemie oder aus, dass die Hamelner Kinder vielleicht Werbern für die KoIonisation im Osten folgten. Die traten meist in Begleitung eines Trommlers und Pfeifers auf. In der Version der Brüder eines Trommlers und Pfeifers auf. In der Version der Brüder Grimm ist von Siebenbürgen die Rede, wo die Kinder wiederaufgetaucht sein sollen. Andere Forscher wollten anhand von Personennamen die Auswanderer in Mähren vermuten.

Die in dieser Hinsicht haltbarste These hat der Namensforscher Jürgen Udolph entwickelt. Nach seinen Recherchen und Überlegungen sind die Hamelner wohl in die Gegenden nördlich von Berlin in die Prignitz und die Uckermark gezogen. Das beweisen nach Udolph dortige Ortsnamen; Auswanderer würden gerne in der neuen Heimat die alten Ortsbenennungen wieder verwenden. So findet sich etwa in der Wesergegend Hamelspringe, wo die Hamel entspringt und bei Hameln in die Weser mündet. In der Uckermark gibt es Hammelspring, obwohl dort keine Hamelquelle existiert.

Dass es Auswanderer aus dem Weserbergland in diese östlichen Gegenden gezogen hat, gilt als sicher. Das ist trotzdem kein absoluter Beweis für den Grund des Verschwindens. In der Trauer der Eltern schimmert nämlich noch etwas quälend Traumatisches durch, so, als als gäbe es im Hintergrund eine irgendwie düstere Schuld am Verlust der Kinder.

Die schwärzeste These entwickelt Fanny Rostek-Lühmann literaturpsychoanalytisch. Sie sieht in der Sage den Wunsch der Eltern verborgen, die Kinder, im Mittelalter oft hungrige, lästige Mitesser, auf immer loszuwerden. Im Hamelner Messbuch Passionale, der frühesten Überlieferung angeblich aus dem 14. Jahrhundert, gibt es keinen Kinderfänger, sondern nur lateinisch »rei«, Schuldige. Liegt der Sage womöglich ein Unglück, gar eine Untat zugrunde, für die man den Rattenfänger dringend als entlastenden Sündenbock erfinden musste?

2. Nibelungensage. Ein Epos aus uralten Zeiten.

Das Nibelungenlied, um 1200 verfasst, scheint ein grausames Märchen zu sein: ein übermenschlicher Held, das Bad im Drachenblut, eine Tarnkappe. Und doch verbirgt sich hinter der Sage eine wahre Geschichte – vom Untergang zweier Germanenreiche

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1924 verfilmt Fritz Lang die Sage von Siegfried, dessen Frau Kriemhild und dem finsteren Hagen von Tronje. In monumentalen Bildern erzählt er vom Schicksal des jungen Recken Siegfried (hier Paul Richter), der den Schatz des Königs Nibelung raubt, erzählt von Mord, Verrat und ewiger Treue. Das Bad im Blut des Drachen, das Siegfried fast unverwundbar macht, weist möglicherweise auf den realen Kampf der Germanen gegen die Römer
(Foto: picture alliance | Collection Christophel | RnB | UFA)

Uns ist in alten maeren – wunders vil geseit, schreibt vor rund 800 Jahren ein unbekannter Dichter: „Uns wird in alten Geschichten vom Wunderbaren viel erzählt.“ Und dann reiht er Zeile an Zeile. Niemand weiß, wie lange er an seinem Werk arbeitet, Jahre werden es wohl sein. Am Ende sind es mehr als 2300 Strophen: ein Heldenepos über Krieger und Spielleute, Königinnen und Jungfrauen, über Drachen, Zwerge und einen fluchbeladenen Schatz. Eine Geschichte von Treue und Verrat, von Liebeshochzeit und Brudermord, von Festen und Zweikämpfen. Ein Drama, das in Glanz und Abenteuer beginnt, doch in Feuer und Blut endet. Eine Erzählung, deren Wurzeln tief in die germanische Zeit zurückreichen, deren Wirkung aber noch heute spürbar ist: das Nibelungenlied. Das deutsche Nationalepos.

Es ist die Geschichte vom Glück und Verhängnis der Burgunderprinzessin Kriemhild. Ihre Brüder Gunther, Gernot und Giselher herrschen als Könige am Hof der Burgunder in Worms über das Reich am Rhein. Ihr wichtigster Ratgeber ist der finstere Hagen von Tronje. Eines Tages erscheint dort Siegfried, Königssohn aus dem kleinen Reich von Xanten am Niederrhein: ein Held, der von Kriemhilds legendärer Schönheit gehört hat und sie heiraten will. Hagen seinerseits hat bereits von dem Krieger vernommen und berichtet seinen monarchischen Herren warnend von dessen Taten. In einem fernen Land – „gut hundert lange Meilen oder mehr“ von Island entfernt – habe Siegfried die Söhne des Königs Nibelung mit seinem legendären Schwert Balmung erschlagen und deren Schatz geraubt sowie dem Zwerg, der den Schatz bewachte, eine Tarnkappe abgenommen, die unsichtbar macht und übermenschliche Kräfte verleiht. Zudem habe Siegfried einen Drachen erstochen und in dessen Blut gebadet, was seine Haut unverwundbar macht.

Trotzdem wird Siegfried in Worms gastlich aufgenommen. Doch bevor er Kriemhilds Hand erhalten kann, soll er Gunther bei einem Abenteuer beistehen. Schon bald segelt Siegfried mit ihm nach Island, wo Brünhild herrscht – eine Königin mit magischen Kräften, solange sie jungfräulich bleibt. Gunther will sie zur Gemahlin gewinnen. In drei Wettkämpfen muss sich der älteste der Burgunderkönige mit Brünhild messen. Und gewinnt sie nur, weil ihm Siegfried, unsichtbar dank der Tarnkappe, hilft, die Unbesiegbare zu besiegen. Mit Brünhild kehren die Helden zurück nach Worms. Die Isländerin wird Gunthers Gattin, am selben Tag heiratet Siegfried die schöne Kriemhild. Doch in der Nacht hilft er seinem Schwager: Verborgen dank der Tarnkappe, ringt er Brünhild im Schlafgemach des Burgunderkönigs nieder, sodass Gunther ihr die Jungfräulichkeit nehmen kann.

Zehn Jahre vergehen, dann verrät Kriemhild im Streit Brünhild, dass Gunther sie einst nur mithilfe des unsichtbaren Siegfried bezwungen habe. Die tief beleidigte Königin fordert von ihrem Gatten Siegfrieds Tod. Auch Hagen rät zum Mord: Lange schon fürchtet er die Macht des Drachentöters, die sich speist aus dessen Kraft und dem Reichtum des Nibelungenhortes. Listig entlockt er Kriemhild Siegfrieds verwundbare Stelle, denn als der einst im Drachenblut badete, legte sich ein Lindenblatt zwischen seine Schultern. Bei einer Jagd stößt Hagen eine Lanze in jene Stelle und tötet Siegfried. Den Leichnam legt er Kriemhild vor das Schlafgemach. Später versenkt er den Nibelungenhort im Rhein.

Kriemhild, verraten von ihrem Bruder, lebt 13 Jahre lang machtlos in Worms. Dann erscheint dort ein Brautwerber, gesandt vom mächtigen Hunnenkönig Etzel: Der Monarch der wilden Krieger will Kriemhild heiraten. Hagen ist dagegen, doch die Burgunder lassen ihre Schwester ziehen. Noch einmal vergehen 13 Jahre, dann lädt Kriemhild, längst Etzels Gemahlin, ihre Brüder in den Hunnenhof ein. Wieder warnt Hagen vergebens, der eine Falle ahnt: Die Könige und mehr als 1000 Recken ziehen vom Rhein los, die Donau entlang bis zum Palast von Etzel.

Nun, da sie sich auf diese Schicksalsreise begeben, nennt der Dichter die Burgunder fortan „Nibelungen“ – der Schatz hat seinen Besitzern, zuerst den Söhnen König Nibelungs, dann Siegfried, den Tod gebracht. Bald wird sein Fluch auch die Burgunder treffen, der Namenswechsel deutet dies an. Und tatsächlich flammt an Etzels Hof tödlicher Streit auf. In der brennenden Königshalle verschanzen sich die Nibelungen und fechten gegen Hunnen sowie germanische Gefolgsleute Etzels – unter anderem Dietrich von Bern. In einem Blutbad gehen die Recken unter, schließlich leben nur noch zwei: Gunther und Hagen, die beide von Dietrich von Bern bezwungen und gefesselt worden sind.

Kriemhild, außer sich vor Rachsucht, lässt ihren Bruder köpfen. Hagen erschlägt sie mit eigener Hand – ein so unerhörter Akt, dass Dietrichs Waffenmeister wiederum Kriemhild niederstreckt. Alle Burgunder/Nibelungen sind gefallen, Kriemhild ist tot, der Nibelungenschatz für immer im Rhein verschwunden … Wer hat sich diese finstere Geschichte ausgedacht? Seinen Namen hat der Verfasser im Epos nirgendwo genannt, sein Manuskript hat die Zeiten nicht überdauert. Doch 36 mehr oder weniger vollständige mittelalterliche Abschriften sind erhalten geblieben, die älteste entstand wohl zwischen 1200 und 1225.

Diese Manuskripte und der Text selbst verbergen wertvolle Indizien: Das Originalmanuskript wurde wahrscheinlich im bayerischen Dialekt des Mittelhochdeutschen verfasst, der höfischen Sprache um 1200. Auch kennt der Autor den Donauraum besonders gut, nennt etwa Details der Landschaft, während er bei seinen Beschreibungen von Worms oder dem niederrheinischen Xanten vage bleibt. Und schließlich wird die Stadt Passau, wird vor allem der dortige Bischof auffallend häufig und rühmend erwähnt. Von 1191 bis 1204 war Wolfger von Erla Bischof von Passau: ein Adeliger, der Dichter förderte. So ist sein Rechnungsbuch erhalten, das für den 12. November 1203 einen Geldbetrag verzeichnet, den der Bischof dem Minnesänger Walther von der Vogelweide für einen wertvollen Mantel übergab.

Die meisten Forscher vermuten deshalb, dass der anonyme Autor des Nibelungenliedes ein gebildeter Mann am Hof des Passauer Bischofs war und um 1200 sein Meisterwerk vollendete. Eine These sieht in dem Unbekannten niemand anderen als Walther von der Vogelweide selbst. Doch wer es auch gewesen sein mag: Der Verfasser formte Sagen um, die schon seit Jahrhunderten in Mittel- und Nordeuropa erzählt wurden – und die bis in die Germanenzeit zurückreichten. Auf der schwedischen Insel Gotland zeigen Grabsteine, die vor dem Jahr 800 gesetzt wurden, in Reliefs bereits Motive aus der Sage. Und um 800, das belegen erhaltene Totengedenkbücher aus Klöstern, hießen Adelige im Raum Worms und in Bayern auffallend häufig „Siegfried“, „Hagen“, „Kriemhild“ oder nach anderen Gestalten des Epos – beides Indizien dafür, dass bereits zu jener Zeit die Geschichte im Süden Deutschlands wie in Skandinavien populär gewesen sein muss, wahrscheinlich als Lied, das mündlich vorgetragen wurde.

Ab etwa 850 sind dann konkrete Texte erhalten, zunächst aus Skandinavien, später auch aus England und Deutschland. Die Sagen variieren: In manchen Versionen vollbringt Siegfried andere Heldentaten; Hagen ist Gunthers Bruder; Siegfried und Brünhild sind verlobt. Doch von den ältesten skandinavischen Sagen an bleiben manche Dinge auffallend konstant: Stets spielt die Handlung zwischen Rhein und Donau, fast immer dreht sie sich um den Untergang der Burgunder, stets sind die Hunnen dabei präsent.m Deutet dies auf einen historischen Kern der Sage hin? Ist die Geschichte also im geschichtlichen Sinne „wahr“? Reflektiert sie, gleich einem fernen Spiegel, dramatische Ereignisse aus der Zeit der Völkerwanderung? Oder gar Ereignisse noch früherer, antiker Jahrhunderte? Drei epochale Ereignisse, die sich im Lauf zweier Generationen zutrugen, sind vermutlich zur Sage verschmolzen:

1. ATTILA UND DIE HUNNEN

Um etwa 400 eroberte das zentralasiatische Reitervolk ein Reich von der Schwarzmeerküste bis zu den Alpen. Im Jahr 434 bestieg Attila den Herrscherthron – aus seinem Namen wurde im Mittelhochdeutschen „Etzel“. Er brach die Macht der einzelnen Stammesführer und einte so das Reich. Seine Hauptresidenz errichtete er in einer Ebene östlich der Donau – oder vielleicht im heutigen Budapester Stadtteil Obuda, wo im Mittelalter die Festung „Ecilburgu“ stand.

453 starb Attila, angeblich an einem Blutsturz in der Hochzeitsnacht mit seiner neuen, burgundischen Nebenfrau Ildiko. Bald wurde berichtet, die Frau habe den König ermordet, um Verwandte zu rächen. Das germanische Ildiko wiederum bedeutet „Hildchen“, eine Verniedlichung jedes Frauennamens, der mit „Hild“ beginnt oder endet – wie etwa Kriemhild.

2. DER UNTERGANG DER BURGUNDER

Die Burgunder zogen spätestens im 3. Jahrhundert n. Chr. aus ihrer Heimat zwischen Weichsel und Oder in Richtung des römischen Imperiums. Im Jahr 407 gründete ihr König Gundahar am Mittelrhein ein Reich, zu dem auch Worms gehörte. Doch 436 besiegte der römische Heermeister Flavius Aëtius die Burgunder in einer fürchterlichen Schlacht. Gundahar und fast alle seine Adeligen fielen. Zu den Truppen des Aëtius gehörten hunnische Krieger, die damals mit Rom verbündet waren.

Die überlebenden Burgunder siedelte Aëtius in Gallien an, wo sie sich schließlich in jener Region niederließen, die bis heute ihren Namen trägt. Dort herrschten noch fast 100 Jahre lang Könige – einem traditionellen Brauch folgend oft mehrere Brüder gemeinsam. Auch ist für die Burgunder typisch, dass Männer einer Familie ähnliche Vornamen trugen. Eine Rechtssammlung überliefert den König Gibica und dessen Söhne Gundahar, Gislahar und Gundomar.

Die Ähnlichkeit zu den drei Königen des Nibelungenliedes ist stark, auch wenn niemand sagen kann, ob je wirklich drei Brüder mit den Namen aus dem Epos bei den Burgundern regierten.

3. THEODERICH, DER OSTGOTENKÖNIG

Auch die Ostgoten waren schon durch halb Europa gezogen, als um 454 Theoderich aus der adeligen Familie der Amelungen geboren wurde. Der junge Mann musste mehrere Jahre als Geisel in Konstantinopel leben. Später wurde er König der Ostgoten und oströmischer Heerführer – und 488 im Auftrag Ostroms nach Italien entsandt, um dort Germanenstämme zu bekämpfen. In Italien eroberte sich Theoderich, abgesegnet vom Kaiser in Konstantinopel, ein eigenes Reich. Bis zu seinem Tod im Jahr 526 regierte er als einer der mächtigsten Herrscher der Völkerwanderungszeit in seinen Residenzstädten Ravenna und Verona. Aus dem Namen Verona wurde durch Lautverschiebung im Mittelhochdeutschen „Bern“. Und aus Theoderich: „Dietrich“.

Gewaltige Schlachten, Glanz, dann jähe Katastrophe und Erlöschen – dreimal wiederholt sich das Muster. Die Burgunder verlieren nicht nur gegen Aëtius und die Hunnen, ihr Restreich wird im 6. Jahrhundert von den Franken erobert. Das Hunnenreich zerfällt bald nach Attilas Tod, das Ostgotenreich überdauert Theoderichs Dahinscheiden nur um wenige Jahrzehnte. Und so wird wohl schon bald die Geschichte der drei untergegangenen Reiche zur Sage, werden die dramatischsten Ereignisse und bedeutendsten Persönlichkeiten zur Inspiration der Liedersänger, werden Schicksalsstränge der Burgunder, Hunnen und Ostgoten zu einer neuen, dann immer wieder variierten Geschichte verwoben.

Noch andere Motive der Sage deuten auf die Jahrhunderte der Völkerwanderung hin – vor allem der Nibelungenschatz. Der wird meist als „Hort“ bezeichnet, was „verborgener Schatz“ meint. Tatsächlich sind in der Zeit zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert, das belegen heutige Funde, häufig Kostbarkeiten versteckt worden: Gold, Silber, Münzen, Geschirr, Waffen und Schmuck. Mal vergrub man sie aus Angst vor heranrückenden Feinden, mal gingen sie in Flüssen verloren, wenn Plünderer über die Gewässer setzten.

So sind in Neupotz bei Speyer (rund 70 Kilometer südlich von Worms) in einem Altarm des Rheins mehr als 1000 Münzen, Messer, Schalen, Siebe, Teller und andere Metallobjekte gefunden worden: gut 700 Kilogramm insgesamt, die wertvollsten Stücke aus Silber. Wahrscheinlich sind sie um das Jahr 260 von plündernden Germanen im römischen Gallien geraubt worden und bei der Rückkehr über den Rhein verloren gegangen. Legenden von Helden und Schätzen sind zwar nicht Historie im wissenschaftlichen Sinn, sind keine Berichte „so, wie es gewesen ist“. Und Dietrich von Bern alias Theoderich kann ja niemals Etzel alias Attila begegnet sein, da der Hunne bereits tot war, als Theoderich geboren wurde.

Möglich auch, dass niemals exakt bei Worms ein großer Hort im Rhein verschwunden ist – sondern dass Berichte von anderen Desastern am Rhein, wie etwa dem zu Neupotz, aus dramatischen Gründen an den Burgunderhof verlegt worden sind. Die Nibelungensagen gleichen also mehr einem Echo auf jene historischen Umwälzungen des 5. und 6. Jahrhunderts und sind ein Versuch, sie sich immer wieder neu zu erklären. Und womöglich sind sie auch ein Echo eines noch weitaus ferneren Zeitalters: der Antike.

Sicher ist, dass das Nibelungenlied unter einem dünnen christlichen Firnis (Kriemhild und Brünhild etwa streiten auf den Stufen des Wormser Münsters vor dem Kirchgang) uralte heidnische Mythen bewahrt: Siegfried tötet einen Drachen, besitzt magische Waffen, er bezwingt einen Zwerg und setzt ihn zum Hüter des Schatzes ein. Und die jungfräulich-mächtige Brünhild im fernen Island ähnelt den Walküren, jenen weiblichen kriegerischen Geistern, die gefallene Kämpfer vom Schlachtfeld heben. Bewahrt die Sage aber womöglich auch noch Relikte aus den Jahrhunderten zwischen jener mythischen Vorzeit und der Völkerwanderung auf?

Seit etwa 1830 vertreten immer wieder Gelehrte die These, dass Siegfried ebenfalls ein reales Vorbild hat: in Arminius, dem Cheruskerfürsten, der im Jahre 9 n. Chr. die Legionen des Varus vernichtete. Manche Indizien, die für diese Vermutung bemüht wurden, grenzen ans Absurde: So soll der Drache – „Lindwurm“ in den meisten germanischen Sagen – Symbol für die in langen Reihen marschierenden Legionäre sein. Und der Hort des Nibelung sei in Wahrheit der gewaltige Schatz gewesen, den der siegreiche Arminius erbeutet habe.

Andere Indizien hingegen sind nicht so einfach von der Hand zu weisen: Schon die ältesten Versionen der Sage spielen ja an Rhein und Donau – und mithin im antiken Grenzgebiet zwischen Imperium Romanum und freiem Germanien. Siegfried stammt zudem aus Xanten. Dieser Ort war in der Antike ein Legionslager, das in der Nähe des Cheruskergebiets lag. Arminius, der ja lange als Soldat im römischen Heer kämpfte, mag hier einen Teil seiner Dienstzeit verbracht haben. Manche Sagenversionen verbinden den Hirsch mit Siegfried, so erscheint dieses Tier einmal in einem Traum als Symbol für den Recken. „Hiruz“ aber nannten sich die Cherusker selbst, die „Hirschleute“.

Und schließlich ist da noch der Name: „Arminius“ ist lateinisch, nur diesen Namen überliefern antike Geschichtsschreiber für den Cheruskerfürsten. Tacitus immerhin nennt zusätzlich die germanischen Namen von Vater, Schwiegervater und Schwager des Arminius: Alle beginnen mit der Vorsilbe „Sieg“/„Seg“. Immerhin möglich, dass – analog zu den Burgundern und anderen Germanenvölkern – auch der ursprüngliche Name des Arminius im Gleichklang mit denen seiner Verwandten war, also mit „Sieg“ oder „Seg“ begann.

Dennoch bleibt die Verbindung von Sagengestalt zu realer Person letztlich willkürlich. Wie die Figur Siegfried tatsächlich entstanden ist, bleibt bis heute schwer erklärlich – und ebenso sein großer Widersacher Hagen von Tronje. Beide Heroengestalten mögen irgendwie auf echte Krieger zurückgehen, doch bleiben deren Taten wohl für immer im Dunkeln, sind bis zur Unkenntlichkeit im Mythos verändert worden. Zum Mythos aber ist auch das gesamte Nibelungenlied geworden: zu einem modernen, finsteren Mythos.

Im 18. Jahrhundert entdecken Gelehrte mittelalterliche Handschriften der fast vergessenen Sage wieder, 1782 wird sie erstmals vollständig gedruckt – auch wenn der stolze Herausgeber der Verse vom Preußenkönig Friedrich dem Großen mit einem Brief von erlesener Unhöflichkeit bedacht wird: „Meiner Einsicht nach sind solche nicht einen Schuss Pulver wert und verdienen nicht aus dem Staube der Vergessenheit gezogen zu werden.“ Rund zwei Jahrzehnte später jedoch hat sich diese Einschätzung deutlich geändert: Die deutschen Staaten sind von Napoleon besetzt, man kämpft gegen den scheinbar übermächtigen Franzosenkaiser – auch auf dem Feld der Kultur. Nicht mehr höfisch-französisch, am besten nicht einmal romanischrömisch soll das militärisch und politisch gedemütigte Deutschland sein, es soll sich auf eine „eigene“ Kultur und Vergangenheit besinnen.

Ab etwa 1800 verstehen die Menschen in den deutschen Landen daher das Nibelungenlied als Nationalepos: als urdeutsches, uraltes und kämpferisches Werk. Soldaten erhalten Feldausgaben zur Erbauung mit, selbst der Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe zeigt sich vom Text berührt und doziert darüber in Weimar. In mehreren Volksausgaben wird der Stoff populär, der Dramatiker Friedrich Hebbel sowie eine ganze Reihe weniger begabter Theaterautoren bringen die Geschichte in zehn Fassungen auf die Bühne.

Doch niemand erzielt eine größere Wirkung als der Komponist Richard Wagner, der ab 1848 am „Ring des Nibelungen“ arbeitet. Wagner interessiert sich bald vor allem für die mythische, unhistorische Dimension der Geschichte, weshalb er weniger das um 1200 entstandene Nibelungenlied adaptiert als die älteren, nordischen Sagenversionen. So zelebriert seine im Sommer 1876 uraufgeführte Opern-Tetralogie beispielsweise das Walten der Götter und Walküren. Die Wagnersänger in Fellkleidern, Flügelhelmen und mit klobigen Waffen (Kreationen, die der Komponist selbst abscheulich findet) werden auf Jahrzehnte hinaus das Germanenbild der Öffentlichkeit bestimmen.

Als der „Ring des Nibelungen“ uraufgeführt wird, ist das neu gegründete Deutsche Reich gerade fünf Jahre alt. Bismarcks politische Schöpfung ist im Krieg entstanden – und die kämpferischen Tugenden der Sage, das Gewalttätige und Urtümliche der Recken werden gewissermaßen zur Reichsideologie verklärt, Deutschland wird in einem Lobgedicht zum „Nibelungenland“ erhöht. 1909 erklärt Kanzler Bernhard von Bülow im Reichstag Deutschlands „Nibelungentreue“ zu Österreich-Ungarn; damit wird also ein politisches Bündnis zweier moderner Staaten mit einer mythischen Gefolgschaft gleichgesetzt – mit den Burgundern/ Nibelungen nämlich, die in der brennenden Königshalle unbeirrt zusammenstehen.

Dass dies in der Sage zum Untergang führt, scheint weder den Kanzler noch seine Zuhörer sonderlich zu beunruhigen. Und 1914, da nun tatsächlich der Weltenbrand lodert, erhebt ein Reichstagsabgeordneter den „waffengewaltigen, stolzen, grimmen Hagen“ gar zum „Sinnbild Preußen-Deutschlands“. Heute ist es schwer verständlich, dass im deutschen Kaiserreich ausgerechnet die dem Untergang geweihten Nibelungen zu Vorbildern erklärt werden – vor allem der Heldenmörder Hagen, der sein Leben ja als hilflos Gefesselter verliert. Mag sein, dass sich hier eine heimliche Lust an der Apokalypse zeigt, ein uneingestandener Überdruss an der modernen Welt, eine selbstmörderische Sehnsucht, im eigenen Ende die ganze Gemeinschaft mitzureißen.

Als das Beschworene allerdings in gewisser Weise tatsächlich eintritt, als mit dem verlorenen Weltkrieg 1918 zumindest das Kaiserreich untergeht, ist der Nibelungenmythos keineswegs zerstört. Im Gegenteil: Er wandelt sich nur – und Siegfried ersetzt Hagen. Die „Dolchstoßlegende“ kommt auf, die Mär, das im Feld eigentlich unbesiegte deutsche Heer sei in der Heimat von Sozialisten, Kommunisten und Juden entscheidend getroffen worden. Besonders wirkungsvoll wird diese Legende, weil sie der ehemalige Oberbefehlshaber Paul von Hindenburg verkündet – und der vergleicht Deutschlands „ermattete Front“ mit „Siegfried unter dem hinterlistigen Speerwurf des grimmigen Hagen“.

Auch Adolf Hitler schreibt schon 1923 vom „deutschen Siegfried“. Als die Nationalsozialisten zehn Jahre später an die Macht kommen, ist die Nibelungensage längst Teil ihrer Ideologie. So sind die Burgunder, die im Kampf zusammenstehen, in ihren Augen „Volksgenossen“. Und im Januar 1943, da die eingeschlossene 6. Armee in Stalingrad verblutet, spricht Hermann Göring im Radio: „Wir kennen ein gewaltiges, heroisches Lied von einem Kampf ohnegleichen, das hieß ‚Der Kampf der Nibelungen‘. Auch sie standen in einer Halle von Feuer und Brand und löschten den Durst mit eigenem Blut – aber sie kämpften und kämpften bis zum Letzten. Ein solcher Kampf tobt heute dort.“

Selbst als sich 1945 die Apokalypse vollendet, schlimmer wohl, als sie sich der Dichter des Nibelungenliedes je hätte ausmalen können, bleibt der Mythos bestehen. Zwar spricht danach kein ernstzunehmender Politiker mehr von „Nibelungentreue“, zwar sind Siegfried und Hagen als politische Vorbilder verweht. Doch die halb archaische, halb überzeitliche Faszination einer Erzählung von Mut und Treue, Verrat und Mord ist ungebrochen. Nur sechs Jahre nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands wird im stets von Hitler geförderten Bayreuth „Der Ring des Nibelungen“ wieder aufgeführt.

Und die Sagenwelt von Drachen und Zwergen, von heroischen Schwertkämpfen, von langen Zügen weniger Getreuer, von dem fluchbeladenen Schatz ist längst in der Fantasy-Literatur aufgegangen. Der alte Mythos, der in der Germanenzeit wurzelt, ist zum modernen Mythos einer wieder verzauberten Welt geworden: Mittelerde als Gegen-Erde, die all das bietet, was die moderne Zeit nicht mehr zu geben scheint.

Niemand hat die Sagen geschickter verwoben und umgestaltet als der englische Autor J. R. R. Tolkien, einst Gelehrter in Oxford und ein Kenner alter nordischer Mythen. In seinem Roman „Herr der Ringe“ lassen sich unschwer die Helden und Finsterlinge, die Kriegszüge und Zweikämpfe und selbstverständlich der Hort der Nibelungen wiedererkennen. Eigentlich kein Wunder, dass gerade die Deutschen bei einer großen Umfrage 2004 dieses Werk zum „beliebtesten Buch“ überhaupt gewählt haben. Ein Nationalepos, noch immer.

3. Siegfried von Xanten. Hauptfigur der Nibelungensage

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Darstellung Sigurds in einer schwedischen Ausgabe der Liederedda, 1893.

Sieg­fried von Xan­ten ge­hört zu den be­kann­tes­ten Sa­gen­ge­stal­ten des Mit­tel­al­ters und spielt ei­ne zen­tra­le Rol­le im ers­ten Teil des Ni­be­lun­gen­lie­des aus dem 13. Jahr­hun­dert. In sei­ner Per­son ver­schmel­zen meh­re­re his­to­ri­sche Per­sön­lich­kei­ten der Völ­ker­wan­de­rungs­zeit zur Fi­gur ei­nes mit über­mensch­li­chen Kräf­ten aus­ge­stat­te­ten, na­he­zu un­ver­wund­ba­ren Hel­den, der schlie­ß­lich ei­nem heim­tü­cki­schen Ver­rat sei­ner engs­ten Ver­trau­ten zum Op­fer fällt. 

Die ver­schie­de­nen, un­ab­hän­gig von­ein­an­der ent­stan­de­nen Va­ri­an­ten der Ni­be­lun­gen­sa­ge im deut­schen und skan­di­na­vi­schen Sprach­raum da­tie­ren in das aus­ge­hen­de 12. und frü­he 13. Jahr­hun­dert und be­ru­hen ver­mut­lich auf äl­te­ren, da­mals weit ver­brei­te­ten, heu­te je­doch nicht mehr nach­weis­ba­ren schrift­li­chen und münd­li­chen Über­lie­fe­run­gen aus der Zeit der Völ­ker­wan­de­rung und des frü­hen Mit­tel­al­ters. Die Ver­fas­ser der mit­tel­al­ter­li­chen Sa­gen agier­ten je­doch nicht als Ge­schichts­schrei­ber und Chro­nis­ten. Ih­re Wer­ke dien­ten viel­mehr der Un­ter­hal­tung und Be­leh­rung und wei­sen ei­nen star­ken Ge­gen­warts­be­zug zur ge­sell­schaft­li­chen, po­li­ti­schen und hö­fi­schen Ak­tua­li­tät des Hoch­mit­tel­al­ters auf. Auf die­se Wei­se wur­den in der Ni­be­lun­gen­sa­ge ver­schie­de­ne, teil­wei­se his­to­risch be­leg­ba­re, aber zeit­lich weit aus­ein­an­der lie­gen­de Er­eig­nis­se und Per­so­nen des 5. und 6. Jahr­hun­derts zu ei­ner neu­en Ge­samt­ge­schich­te ver­wo­ben und mit my­tho­lo­gi­schen Ele­men­ten an­ge­rei­chert. 

Die be­kann­tes­te Dar­stel­lung der Er­zäh­lung über den Auf­stieg und Fall des Kö­nigs­sohns Sieg­fried fin­det sich im so ge­nann­ten „Ni­be­lun­gen­lied", das ver­mut­lich am En­de des 12. Jahr­hun­derts in Pas­sau nie­der­ge­schrie­ben wur­de. Der an­ony­me Ver­fas­ser ver­or­tet die Her­kunft Sieg­frieds an den Nie­der­rhein. In der ver­mut­lich äl­tes­ten er­hal­te­nen Über­lie­fe­rung des Ni­be­lun­gen­lie­des, der in der Mit­te des 13. Jahr­hun­derts nie­der­ge­schrie­be­nen und 2005 von Her­mann Rei­chert pu­bli­zier­ten St. Gal­ler Hand­schrift, hei­ßt es: 

Dô wûohs in Nie­der­lan­den eins vil ede­len kü­ne­ges kint,

des va­ter, der hiez Si­ge­munt, sîn muo­ter Si­ge­lind,

in ei­ner rîchen bür­ge, wî­ten wol be­kannt,

nide­ne bî dem Rî­ne. diu was ze San­ten ge­nant. 

Der Ger­ma­nist Karl Sim­rock ver­öf­fent­lich­te 1827 die ers­te Über­tra­gung des mit­tel­hoch­deut­schen Ori­gi­nal­tex­tes ins Neu­hoch­deut­sche. Die Pas­sa­ge über Sieg­frieds Ab­stam­mung über­setz­te er wie folgt:  

Es wuchs in Nie­der­lan­den ei­nes edeln Kö­nigs Kind,

sein Va­ter hieß Sieg­mund, sei­ne Mut­ter Sie­ge­lind,

in ei­ner rei­chen Ves­te, fer­ne wohl­be­kannt,

tief un­ten an dem Rhei­ne; sie war Burg San­ten ge­nannt. 

Die­se ge­naue Lo­ka­li­sie­rung fin­det sich in den nor­di­schen Va­ri­an­ten der Sa­ge nicht.  

 

Der Sa­ge fol­gend ver­lässt Sieg­fried, nach­dem er sei­ne Ju­gend in Xan­ten ver­bracht hat, den Hof sei­ner El­tern mit dem Vor­ha­ben, um die bur­gun­di­sche Prin­zes­sin Kriem­hil­de zu wer­ben. Be­vor er je­doch nach Worms an den Hof des Bur­gun­der­kö­nigs Gun­ther, dem Bru­der Kriem­hilds, ge­langt und des­sen Va­sall wird, be­steht Sieg­fried zahl­rei­che Aben­teu­er. So tö­tet er ei­nen Dra­chen, in des­sen Blut er ba­det und mit Aus­nah­me ei­ner Stel­le zwi­schen den Schul­ter­blät­tern, auf die ein Lin­den­blatt fällt, un­ver­wund­bar wird. Au­ßer­dem ge­rät er in den Be­sitz des Schat­zes des Kö­nigs Ni­be­lung, nach­dem er die­sen und des­sen Söh­ne samt ih­rem Ge­fol­ge mit dem Schwert Bal­mung (in der nor­di­schen My­tho­lo­gie: Gram; in der Oper Ri­chard Wag­ners: No­tung) ge­tö­tet und auch den Wäch­ter des Hor­tes, den Zwerg Al­be­rich im Zwei­kampf be­siegt hat. 

Ob­wohl ihm be­reits der Ruf ei­nes un­be­zwing­ba­ren Hel­den vor­aus­eilt, un­ter­wirft sich Sieg­fried Gun­ther, dem wan­kel­mü­ti­gen, leicht be­ein­fluss­ba­ren Herr­scher Bur­gunds und er­weist sich bald als des­sen un­ver­zicht­ba­rer Heer­füh­rer und Be­ra­ter. Nach­dem er Gun­ther auch bei der Braut­wer­bung um die is­län­di­sche Kö­ni­gin Brun­hild ent­schei­dend und lis­ten­reich un­ter­stützt hat, er­hält Sieg­fried Kriem­hild zur Frau, mit der er da­nach meh­re­re Jah­re am Kö­nigs­hof sei­ner El­tern in Xan­ten lebt. 

Wäh­rend ei­nes Auf­ent­halts in Worms ent­brennt ein fol­gen­schwe­rer Macht­kampf zwi­schen Kriem­hild und Brun­hild, den Ha­gen von Tron­je, ein ein­fluss­rei­cher Va­sall und Be­ra­ter Kö­nig Gun­thers, für sei­ne Zwe­cke aus­zu­nut­zen ver­steht. Sieg­fried wird das Op­fer ei­ner Ver­schwö­rung, in die das ge­sam­te bur­gun­di­sche Herr­scher­haus ver­wi­ckelt ist. Ha­gen von Tron­je in­iti­iert den Ver­rat, er­wirbt sich das Ver­trau­en Kriem­hilds und ge­winnt da­durch Kennt­nis über die ver­wund­ba­re Stel­le zwi­schen Sieg­frieds Schul­ter­blät­tern. Die­ses Wis­sen nut­zend, er­mor­det er Sieg­fried, wäh­rend sich die­ser nach ei­ner Jagd an ei­ner Quel­le er­frischt, in­dem er ihn rück­lings mit ei­nem Speer durch­bohrt. Im zwei­ten Teil des Ni­be­lun­gen­lie­des wird die Ra­che Kriem­hilds be­schrie­ben. Sieg­frieds heim­tü­cki­sche Er­mor­dung dient hier als Mo­tiv für die Ver­nich­tung der Bur­gun­der am Hof des Hun­nen­kö­nigs Et­zel. Die­ser zwei­te Ab­schnitt des Ni­be­lun­gen­lie­des geht in sei­nem Kern auf die Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Bur­gun­dern, Hun­nen und Rö­mern in der Mit­te des 5. Jahr­hun­derts zu­rück, die in der Zer­schla­gung des Bur­gun­der­rei­ches im Jahr 436 gip­fel­ten. Dem­ge­gen­über fin­det der ers­te Teil und mit ihm die Ge­schich­te Sieg­frieds sei­nen his­to­ri­schen Ur­sprung in den über Jahr­zehn­te an­dau­ern­den Kon­flik­ten zwi­schen Fran­ken und Bur­gun­dern im aus­ge­hen­den 5. und im 6. Jahr­hun­dert. Ver­mut­lich han­delt es sich bei den bei­den Tei­len des Ni­be­lun­gen­lie­des um zwei ur­sprüng­lich ei­gen­stän­di­ge Er­zäh­lun­gen, de­ren In­hal­te zu ei­ner Ge­samt­ge­schich­te zu­sam­men­ge­fügt wur­den.



Siegfried erweckt Brünnhilde, Stich, um 1892, nach einer Vorlage von Otto Donner von Richter (1828-1911).

 

Ei­ne Iden­ti­fi­ka­ti­on der my­tho­lo­gisch ver­frem­de­ten Sa­gen­ge­stalt Sieg­frieds mit ei­ner ein­zi­gen his­to­ri­schen Per­sön­lich­keit ist aus­zu­schlie­ßen. Viel­mehr ver­eint sie, wie auch an­de­re Fi­gu­ren der Sa­ge, bio­gra­phi­sche Ele­men­te ei­nes Krei­ses von meh­re­ren Per­so­nen. Als be­son­ders auf­schluss­reich er­weist sich bei der Su­che nach dem his­to­ri­schen Sieg­fried die von Gre­gor von Tours (538-594) ver­fass­te Bio­gra­phie des frän­ki­schen Kö­nigs Chlod­wig I. (466-511), der nicht nur als Ei­ner der frän­ki­schen Teil­rei­che, son­dern auch als skru­pel­lo­ser und heim­tü­cki­scher Herr­scher in die Ge­schich­te ein­ge­gan­gen ist. Ob­wohl sich die­se Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten nur schwer mit dem My­thos des Hel­den Sieg­fried ver­ein­ba­ren las­sen, bie­tet Chlod­wigs Le­bens­ge­schich­te zahl­rei­che in­ter­es­san­te Par­al­le­len zu Per­so­nen und Er­eig­nis­sen im Ni­be­lun­gen­epos. So hei­ra­te­te er im Jahr 501 Chro­the­chil­dis (474-544), die Nich­te des Bur­gun­der­kö­nigs Gundo­bad (Re­gie­rungs­zeit 480-516). In ver­gleich­ba­rer Kon­stel­la­ti­on tre­ten Kriem­hil­de und Gun­ther als Haupt­fi­gu­ren mit un­mit­tel­ba­rem ver­wandt­schaft­li­chem Be­zug zu Sieg­fried in der Ni­be­lun­gen­sa­ge auf. Auch der My­thos des Ni­be­lun­gen­schat­zes könn­te auf die zahl­rei­chen er­folg­rei­chen Feld­zü­ge Chlod­wigs zu­rück­zu­füh­ren sein, auf die sich sein sprich­wört­lich ge­wor­de­ner un­er­mess­li­cher Reich­tum grün­de­te. In der Schlacht von Poi­tiers be­sieg­te Chlod­wig 507 den West­go­ten­kö­nig Ala­rich II. (Re­gie­rungs­zeit 484-507), des­sen Na­me in Ver­bin­dung mit dem sa­gen­haf­ten Zwer­gen­kö­nig und Hü­ter des Ni­be­lun­gen­hor­tes Al­be­rich ge­bracht wer­den kann. 

Auch Chlod­wigs En­kel Si­gi­bert (535-575), der als Kö­nig über Au­st­ra­si­enherrsch­te, wird in Ver­bin­dung mit der Sieg­fried­sa­ge ge­bracht. Glei­ches gilt für den Bur­gun­der­kö­nig Si­gis­mund (Re­gie­rungs­zeit 516-524) und für den in Köln re­si­die­ren­den und Tei­le des Rhein­lands be­herr­schen­den frän­ki­schen Herr­scher Si­gi­bert. Letz­te­rer fiel, wie Sieg­fried in der Sa­ge, wäh­rend ei­ner Jagd ei­nem Meu­chel­mord zum Op­fer. 

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Heinrich Gudehus (1845-1909) schmiedet als Siegfried.

Be­reits im frü­hen 19. Jahr­hun­dert wur­de ei­ne Iden­ti­fi­ka­ti­on Sieg­frieds mit dem Che­rus­ker­fürs­ten Ar­mi­ni­us (17 vor Chris­tus - 21 nach Chris­tus) in Er­wä­gung ge­zo­gen. Sieg­frieds le­gen­dä­rer Kampf ge­gen den Dra­chen hät­te nach die­ser The­se in der Ver­nich­tung drei­er rö­mi­scher Le­gio­nen durch das ger­ma­ni­sche Herr des Ar­mi­ni­us im Jahr 9 nach Chris­tus sei­nen Ur­sprung. Der mit dem Nim­bus der Un­be­sieg­bar­keit be­haf­te­te Hee­res­zug un­ter der Füh­rung des rö­mi­schen Statt­hal­ters Pu­bli­us Quinc­ti­li­us Va­rus (47 vor Chris­tus – 9 nach Chris­tus) wä­re dem­nach in der über Jahr­hun­der­te münd­lich wei­ter­ge­ge­be­nen Über­lie­fe­rung zur my­tho­lo­gi­schen Ge­stalt des na­he­zu un­ver­wund­ba­ren Lind­wur­mes sti­li­siert wor­den. Die­se The­se er­leb­te durch die Ent­de­ckung des his­to­ri­schen Schau­plat­zes der Va­rus­schlacht in Kalk­rie­se bei Os­na­brück ei­ne Neu­be­le­bung.  

Da in der Fi­gur Sieg­frieds of­fen­sicht­lich die Bio­gra­phi­en ver­schie­de­ner his­to­ri­scher Per­so­nen ver­schmel­zen, blei­ben auch die An­ga­ben zu sei­ner rhei­ni­schen Her­kunft im Ni­be­lun­gen­lied frag­lich. Al­len­falls ist zu ver­mu­ten, dass ei­ne der his­to­ri­schen Fi­gu­ren, aus der sich die my­tho­lo­gi­sche Sieg­fried­ge­stalt ent­wi­ckel­te, in Ver­bin­dung mit ei­ner am Nie­der­rhein an­säs­si­gen frän­ki­schen Fürs­ten­fa­mi­lie ge­bracht wer­den könn­te. Die prä­zi­se Lo­ka­li­sie­rung sei­nes Ge­burts­or­tes in Xan­ten, die sich in den ver­gleich­ba­ren nor­di­schen Va­ri­an­ten der Sieg­fried­sa­ge nicht fin­det, bie­tet hier­zu al­ler­dings den ein­zi­gen Hin­weis. 

Zu Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts er­lang­te die Ni­be­lun­gen­sa­ge neue Po­pu­la­ri­tät und wur­de, vor dem Hin­ter­grund der na­po­leo­ni­schen Be­frei­ungs­krie­geund der For­de­run­gen nach ei­ner na­tio­na­len Ei­ni­gung der deut­schen Ein­zel­staa­ten, zum deut­schen Na­tio­nal­epos er­ho­ben. Seit die­ser Zeit ist sie auch zum Ge­gen­stand der li­te­ra­ri­schen, his­to­ri­schen und ar­chäo­lo­gi­schen For­schung ge­wor­den. Im Zu­ge die­ser Ent­wick­lung glaub­te Karl Sim­rock den Dra­chen­fels im Sie­ben­ge­bir­ge als Schau­platz des Kamp­fes zwi­schen Sieg­fried und dem Lind­wurm iden­ti­fi­zie­ren zu kön­nen. 

Sim­rocks Lo­ka­li­sie­rung des Dra­chen­kamp­fes mach­te aus Sieg­fried ei­ne der wich­tigs­ten Fi­gu­ren der Rhein­ro­man­tik. Bis in die Ge­gen­wart hat der My­thos um Sieg­fried und die Ni­be­lun­gen, trotz sei­ner ideo­lo­gi­schen und pro­pa­gan­dis­ti­schen Ver­ein­nah­mung durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten, nichts von sei­ner Fas­zi­na­ti­on ein­ge­bü­ßt. 

 

4. Mythos Rhein aus Sicht der Deutschen und Rheinländer

1. „Teutschlands Strom…“ – Kampf um die Rheingrenze

Der Rhein als na­tür­li­che Gren­ze des ei­ge­nen Staa­tes, das ist ei­ne fran­zö­si­sche Idee, de­ren Ur­sprün­ge zu­rück in das 15. Jahr­hun­dert rei­chen. Nach dem En­de des Hun­dert­jäh­ri­gen Krie­ges hat­te das fran­zö­si­sche Kö­nig­reich zwar die Eng­län­der er­folg­reich vom Kon­ti­nent ver­trie­ben, es blieb aber die un­an­ge­neh­me Be­dro­hung be­ste­hen, durch das Haus Habs­burg zwi­schen dem spa­ni­schen Reich und dem deut­schen Reich im Zan­gen­griff ge­hal­ten zu wer­den.

Das Zeit­al­ter der Re­nais­sance brach­te nicht nur die Wie­der­ent­de­ckung der An­ti­ke und der an­ti­ken Schrif­ten wie et­wa „De bel­lo gal­li­co“ von Ju­li­us Cae­sar (110-44 v. Chr.); es kam auch zur Iden­ti­fi­ka­ti­on und Gleich­set­zung Frank­reichs mit dem al­ten Gal­li­en. Der Loth­rin­ger Jean le Bon ver­öf­fent­lich­te 1568 ein Pam­phlet mit dem Ti­tel „Le Rhin au Roy“, das sich mit „Der Rhein ge­hört dem Kö­ni­g“ über­set­zen lässt. In die­sem Werk for­der­te er da­her ganz deut­lich, das fran­zö­si­sche Herr­schafts­ge­biet bis zum Rhein aus­zu­deh­nen, um das gan­ze al­te Gal­li­en wie­der er­ste­hen zu las­sen: „Wenn Pa­ris den Rhein trinkt, hat ganz Gal­li­en sein En­de wie­der“.

Die­se For­de­rung spiel­te fort­an im Ver­hält­nis Frank­reichs zu der Viel­zahl von öst­li­chen Nach­barn ei­ne kei­nes­wegs un­be­deu­ten­de Rol­le. Im 17. Jahr­hun­dert ge­hör­te die fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung der rhei­ni­schen Kur­fürs­ten von Köln, Mainz und Trier zum be­lieb­ten In­stru­ment fran­zö­si­scher Po­li­tik, um das in­ne­re Mäch­te­gleich­ge­wicht des Deut­schen Rei­ches zu be­ein­flus­sen und die Habs­bur­ger nicht all­zu sehr er­star­ken zu las­sen. Frank­reich konn­te mit dem Zu­ge­winn des El­sass die Gren­zen bis an den Ober­rhein vor­schie­ben und so­gar ei­nen kurz­le­bi­gen Rhein­bund ins Le­ben ru­fen. Die fran­zö­si­sche Ex­pan­si­ons- und An­ne­xi­ons­po­li­tik wur­de ganz selbst­ver­ständ­lich als „Re­uni­on“, al­so als „Wie­der­ver­ei­ni­gun­g“ mit Frank­reich, be­zeich­net.

Am An­fang des 17. Jahr­hun­derts war auch erst­mals der Staat zu ter­ri­to­ria­len Be­sit­zun­gen am Rhein ge­kom­men, der spä­ter – no­lens vo­lens – zum gro­ßen Ge­gen­spie­ler Frank­reichs und zur Schutz­macht des Rhein­lan­des wer­den soll­te: das Kur­fürs­ten­tum Bran­den­burg-Preu­ßen. Kur­fürst Jo­hann Si­gis­mund (1572-1619) konn­te im Jü­lisch-Kle­vi­schen-Erb­fol­ge­streit nach dem Tod des kin­der­los ge­blie­be­nen Her­zogs Jo­hann Wil­helm von Jü­lich-Kle­ve-Mark (1562-1609) sei­ne An­sprü­che be­haup­ten und hat­te 1614 im Ver­trag von Xan­ten aus der Erb­mas­se das Her­zog­tum Kle­ve so­wie die Graf­schaf­ten Mark und Ra­vens­burg er­hal­ten. Die gro­ße Be­deu­tung, wel­che die preu­ßi­schen West­pro­vin­zen im 17. Jahr­hun­dert bei der Aus­wei­tung des Staa­tes ge­habt hat­ten, ver­lo­ren sie im 18. Jahr­hun­dert wie­der. Das Haupt­au­gen­merk der preu­ßi­schen Po­li­tik lag wie­der im Os­ten. Kö­nig Fried­rich II. (Re­gie­rungs­zeit 1740-1786) streb­te hier nach Zu­ge­winn und ent­riss Ös­ter­reich in drei Krie­gen ab 1740 Schle­si­en.

In den ers­ten bei­den Krie­gen wa­ren Preu­ßen und Frank­reich noch Ver­bün­de­te ge­gen Ös­ter­reich ge­we­sen. Bei­de hat­te das Be­mü­hen, die Vor­herr­schaft der Habs­bur­ger im Deut­schen Reich zu schwä­chen, ge­eint. Doch der bri­tisch-fran­zö­si­sche Ge­gen­satz in den Ko­lo­ni­en be­wirk­te ab 1754 in Eu­ro­pa ei­ne „Um­keh­rung der Al­li­an­zen“ (Jean-Charles-Léo­nard Si­mon­de de Sis­mon­di - 1773-1842 - be­zie­hungs­wei­se Ri­chard Wad­ding­ton, 1838-1913). Das mit Russ­land in Ab­spra­chen ver­bun­de­ne Groß­bri­tan­ni­en ver­bün­de­te sich mit Preu­ßen, um sein Kur­fürs­ten­tum Han­no­ver zu schüt­zen. Preu­ßen durch­brach da­mit die von Ös­ter­reich zur Rück­ge­win­nung Schle­si­ens an­ge­streb­te au­ßen­po­li­ti­sche Iso­lie­rung. Frank­reich nä­her­te sich Ös­ter­reich an, um den fran­zö­sisch-habs­bur­gi­schen Ge­gen­satz zu ent­schär­fen und ei­nen Zwei­fron­ten­krieg zu ver­mei­den.

Im Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg (1756-1763) kämpf­te Frank­reich da­her erst­mals als Ver­bün­de­ter zu­sam­men mit Ös­ter­reich. Als Fol­ge die­ser neu­en Al­li­anz griff es nach den preu­ßi­schen Pro­vin­zen am Rhein und be­setz­te sie wäh­rend des ge­sam­ten Krie­ges. Preu­ßen hat­te we­der die Macht noch den Wil­len, ei­ne Rück­erobe­rung zu ver­su­chen. Der preu­ßi­sche Kö­nig Fried­rich II. zeig­te so­gar Ver­ständ­nis für die fran­zö­si­sche For­de­rung nach der Rhein­gren­ze, den preu­ßi­schen Ge­bie­ten am Rhein maß er kei­ne gro­ße Be­deu­tung bei.

Als die fran­zö­si­sche Mon­ar­chie un­ter­ging, bra­chen die Prot­ago­nis­ten der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on von 1789 zwar mit vie­len Tra­di­tio­nen, aber bei­lei­be nicht mit al­len. Die au­ßen­po­li­ti­schen In­ter­es­sen Frank­reichs wie­sen ei­ne er­staun­li­che Kon­ti­nui­tät auf: die füh­ren­den Per­sön­lich­kei­ten über­nah­men die al­te For­de­rung nach der Rhein­gren­ze. In der Na­tio­nal­ver­samm­lung leg­ten sich die Ab­ge­ord­ne­ten im De­zem­ber 1791 auf die Gren­zen Frank­reichs fest: „Vom Rhein bis zu den Py­re­nä­en, von den Al­pen bis zum Oze­an“. Da­mit ver­fes­tig­te sich die Rhein­gren­ze als Be­stim­mung und Schick­sal Frank­reichs. Jetzt war es nicht mehr die Idee ei­nes Mon­ar­chen, son­dern des Vol­kes. 1794 be­setz­ten die Re­vo­lu­ti­ons­trup­pen das links­rhei­ni­sche Ge­biet und er­rich­te­ten zu­nächst ei­ne pro­vi­so­ri­sche Ver­wal­tung, die we­ni­ge Jah­re spä­ter in die fran­zö­si­sche Staats­ver­wal­tung über­ging. Die Um­ge­stal­tung der Ver­wal­tung des neu ge­won­nen Ge­bie­tes ging ein­her mit der wirt­schaft­li­chen Um­ver­tei­lung des Be­sit­zes der durch die Sä­ku­la­ri­sa­ti­on seit 1802 ent­eig­ne­ten Stif­te, Klös­ter und Kon­ven­te.

Er­mög­licht wor­den war dies durch den zu­nächst heim­li­chen Ver­zicht auf die links­rhei­ni­schen Ge­bie­te des Deut­schen Rei­ches durch Preu­ßen im Frie­den von Ba­sel 1795 und Ös­ter­reich im Frie­den von Cam­po For­mio 1797. Schlie­ß­lich folg­te die öf­fent­li­che Ab­tre­tung an Frank­reich im Frie­den von Lun­é­vil­le 1801. Tat­säch­lich lag von 1794 bis 1814 die Gren­ze des fran­zö­si­schen Staats­ge­bie­tes am Rhein.

Dar­über hin­aus form­te der fran­zö­si­sche Kai­ser Na­po­le­on Bo­na­par­te (1769-1821) mit dem 1806 ins Le­ben ge­ru­fe­nen „Rhein­bun­d“ ei­nen Gür­tel von deut­schen Sa­tel­li­ten­staa­ten, die nicht nur als fran­zö­si­sches Vor­feld dien­ten, son­dern auch noch Sol­da­ten für sei­ne zahl­rei­chen Feld­zü­ge stell­ten. Zu­dem wa­ren ei­ni­ge eng mit der Fa­mi­lie Na­po­le­ons ver­bun­den: Gro­ßher­zog des neu ge­schaf­fe­nen Gro­ßher­zog­tums Berg war zu­nächst bis 1808 Na­po­le­ons Schwa­ger Joa­chim Mu­rat (1767-1815), dann Na­po­le­ons vier­jäh­ri­ger Nef­fe Na­po­le­on Louis Bo­na­par­te (1803-1831). Für die­sen über­nahm Na­po­le­on selbst die Re­gent­schaft.

In das eben­falls neu er­rich­te­te Kö­nig­reich West­fa­len setz­te Na­po­le­on als Kö­nig sei­nen jüngs­ten Bru­der Jé­rô­me Bo­na­par­te (1784-1860) ein. Bei­de Staa­ten er­hiel­ten ei­ne mo­der­ne Ver­wal­tung und ver­staat­lich­ten die geist­li­chen Be­sitz­tü­mer. Auch Ba­den, Würt­tem­berg und Bay­ern konn­ten sich den Re­form­ide­en nicht ent­zie­hen. Sie er­neu­er­ten eben­falls ih­re Ver­wal­tun­gen und führ­ten die Sä­ku­la­ri­sa­ti­on durch.



Nonnenwerth, Rolandseck und Drachenfels, Gemälde von Arnold Forstmann (1842-1914 oder später), um 1870, Original im Stadtmuseum Bonn.

 

Die fran­zö­si­sche Be­set­zung des Rhein­lan­des und die Vor­herr­schaft der Fran­zo­sen in Eu­ro­pa tra­fen trotz al­ler Mo­der­ni­sie­rung auf zu­neh­men­de Ab­leh­nung. Sie grün­de­te vor al­lem auf den wirt­schaft­li­chen Fes­seln der Zoll­gren­ze am Rhein und der Kon­ti­nen­tal­sper­re so­wie den ste­ti­gen Ein­be­ru­fun­gen von Sol­da­ten. Ideo­lo­gisch wur­de sie auf­ge­la­den durch ei­nen neu er­wach­ten na­tio­na­len Selbst­be­haup­tungs­wil­len. Das 1806 un­ter­ge­gan­ge­ne Deut­sche Reich be­zie­hungs­wei­se des­sen mit­tel­al­ter­li­che Blü­te wur­de ro­man­ti­sie­rend als „gu­te al­te Zeit“ ver­klärt und mit Sehn­süch­ten nach neu­er na­tio­na­ler Grö­ße ver­knüpft.

Die an­ti-na­po­leo­ni­sche Hal­tung zeig­te sich zu­erst bei den In­tel­lek­tu­el­len. Hein­rich von Kleist (1777-1811), der 1793 am Feld­zug ge­gen Frank­reich teil­ge­nom­men hat­te, wand­te sich trotz an­fäng­li­cher Be­geis­te­rung für die Ide­en der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on nach der Be­set­zung Preu­ßens ge­gen die na­po­leo­ni­sche Herr­schaft. Zwi­schen 1806 und 1808 schrieb er das Stück „Die Her­manns­schlach­t“, wel­ches den Kampf zwi­schen dem Ger­ma­nen Ar­mi­ni­us (Deut­sche) und dem In­va­so­ren Va­rus (Fran­zo­sen) be­han­delt. In sei­ner 1809 ent­stan­de­nen Ode „Ger­ma­nia an ih­re Kin­der“ hei­ßt es auf­rüt­telnd:

Die des Mai­nes Re­gio­nen, 
Die der El­be heit­re Aun, 
Die der Do­nau Strand be­woh­nen, 
Die das Oder­tal be­baun, 
An des Rhei­nes Lau­ben sit­zen, 
Von dem duft­gen Mit­tel­meer, 
Von dem Rie­sen­ber­ge Spit­zen, 
Von der Ost und Nord­see her! 
[Chor] 
Hor­chet! – Durch die Nacht, ihr Brü­der, 
welch ein Don­ner­ruf her­nie­der? 
Stehst Du auf, Ger­ma­nia? 
Ist der Tag der Ra­che da?

Wer nicht nur auf den Tag der Ra­che war­ten woll­te, en­ga­gier­te sich ge­gen Na­po­le­on. Al­ler­dings konn­te das Auf­be­geh­ren zur Flucht ins Exil füh­ren. Ernst Mo­ritz Arndt, ge­bo­ren in Groß-Scho­ritz (heu­te Orts­teil von Garz) auf der In­sel Rü­gen, die da­mals noch zu Schwe­den ge­hör­te, war seit 1801 Pri­vat­do­zent und 1806 Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät Greifs­wald ge­we­sen. Auf Grund ei­ner an­ti-na­po­leo­ni­schen Flug­schrift muss­te er nach der Schlacht von Je­na und Au­er­stedt 1806 nach Schwe­den flüch­ten. 1809 kehr­te er nach Deutsch­land zu­rück und ging 1812 auf Ein­la­dung des Hein­rich Fried­rich Karl Reichs­frei­herrn vom und zum Stein (1757-1831) als des­sen Pri­vat­se­kre­tär nach Russ­land. Wäh­rend die bei­den auf po­li­ti­scher Ebe­ne die An­nä­he­rung von Russ­land und Eng­land be­för­der­ten, un­ter­stütz­ten sie gleich­zei­tig den Auf­bau der Rus­sisch-Deut­schen Le­gi­on. Arndt flan­kier­te die Be­mü­hun­gen mit po­li­ti­schen Kampf­schrif­ten in Form von pa­trio­ti­schen Flug­schrif­ten, Ge­dich­ten und Lie­dern.

Der Russ­land­feld­zug Na­po­le­ons 1812 en­de­te mit dem Rück­zug der fran­zö­si­schen Ar­mee und der Hilfs­trup­pen der mit Frank­reich ver­bün­de­ten Staa­ten. Das mi­li­tä­risch von Na­po­le­on ge­de­mü­tig­te und aus sei­nen west­li­chen Ge­bie­ten ver­trie­be­ne Preu­ßen hat­te eben­falls ein Trup­pen­kon­tin­gent ge­stellt. Am 30.12.1812 han­del­te der preu­ßi­sche Ge­ne­ral Jo­hann Da­vid von Yorck (1759-1830) ei­gen­mäch­tig ei­nen Waf­fen­still­stand mit den rus­si­schen Trup­pen aus. In die­ser Kon­ven­ti­on von Tau­rog­gen er­klär­ten sich die preu­ßi­schen Trup­pen für neu­tral. Drei Mo­na­te, im März 1813, mar­kier­te die Kriegs­er­klä­rung des preu­ßi­schen Kö­nigs an Frank­reich end­gül­tig den Über­gang vom Ver­bün­de­ten zum Geg­ner und er­öff­ne­te die so ge­nann­ten „Be­frei­ungs­krie­ge“. Der Ko­ali­ti­on aus Russ­land und Preu­ßen schloss sich Ös­ter­reich an. Hö­he­punkt des Krie­ges war die „Völ­ker­schlach­t“ bei Leip­zig im Ok­to­ber 1813, in der die Al­li­ier­ten Na­po­le­on be­sieg­ten. Die Res­te der ge­schla­ge­nen fran­zö­si­schen Ar­mee zo­gen sich hin­ter den Rhein und da­mit nach Frank­reich zu­rück. Der von Na­po­le­on 1806 ge­schaf­fe­ne Rhein­bund zer­fiel. Die nach­rü­cken­den Al­li­ier­ten er­reich­ten An­fang No­vem­ber den Rhein. Sie be­setz­ten die nörd­li­chen Rhein­bund­staa­ten West­fa­len, Berg und Frank­furt und rich­te­ten dort Über­gangs­ver­wal­tun­gen ein. Die süd­deut­schen Mon­ar­chi­en wie die in Bay­ern, Ba­den und Würt­tem­berg blie­ben von solch ei­ner Auf­lö­sung ver­schont.



Heinrich von Kleist, Gemälde von Peter Friedel, 1801, Zeichnung, Dresden, Original. (Sammlung Otto Krug)

 

Be­reits im Ja­nu­ar 1813 hat­te Arndt mit sei­ner Flug­schrift „Was be­deu­tet Land­sturm und Land­wehr“ die Volks­be­waff­nung emp­foh­len. Nach dem Vor­bild des Land­stur­me­dikts des preu­ßi­schen Kö­nigs vom 21.4.1813 rief im Gro­ßher­zog­tum Berg der In­te­rims­ver­wal­ter Jus­tus Gru­ner (1777-1820) am 13./25. De­zem­ber eben­falls zur Bil­dung ei­nes Land­sturms auf. Er ver­wies da­bei aus­drück­lich auf die Män­ner des Sie­ben­ge­bir­ges. Tat­säch­lich hat­te sich dort vor der of­fi­zi­el­len Auf­stel­lung ei­ne Bür­ger­wehr zu­sam­men­ge­fun­den, die sich nun der „frei­wil­li­ge Land­sturm vom Sie­ben­ge­bir­ge“ nann­te. Die Rhein­län­der ver­sa­hen nun den Vor­pos­ten­dienst an der Rhein­gren­ze.

Wie sehr die­se Rhein­gren­ze be­reits ak­zep­tiert wor­den war, zeigt das Zö­gern der Al­li­ier­ten den Rhein zu über­que­ren. In die­ser Si­tua­ti­on stell­te sie ih­nen die Fra­ge, ob mit der Be­frei­ung Deutsch­lands in den Gren­zen von 1813 ih­re Kriegs­zie­le er­reicht wor­den wa­ren oder nicht. Der ös­ter­rei­chi­sche Au­ßen­mi­nis­ter Cle­mens Wen­zel Lo­thar von Met­ter­nich plä­dier­te im Sin­ne des Gleich­ge­wichts der Kräf­te für den Er­halt Frank­reichs als Gro­ß­macht, um ei­ne Vor­herr­schaft des er­stark­ten Russ­lands zu ver­hin­dern. Mit­te No­vem­ber 1813 bo­ten die Al­li­ier­ten des­halb dem ge­schla­ge­nen Na­po­le­on als Ver­hand­lungs­ba­sis für ei­nen Frie­den an, Frank­reich in sei­nen na­tür­li­chen Gren­zen zu er­hal­ten.

Pu­bli­zis­tisch schal­te­te sich nun Arndt mit ei­ner wei­te­ren Pu­bli­ka­ti­on in die­se De­bat­te ein. Noch 1813 er­schien sei­ne Flug­schrift „Der Rhein, Teutsch­lands Strom, aber nicht Teutsch­lands Grän­ze“. In ihr skiz­zier­te Arndt die Tra­di­ti­on der fran­zö­si­schen Rhein­po­li­tik von ih­ren An­fän­gen bis zu den „Un­ge­heu­er[n] an der Sei­ne vom Jah­re 1790 bis 1800“. Die Na­tur­gren­ze ei­nes Vol­kes ar­gu­men­tier­te Arndt, sei nicht ei­ne na­tür­li­che Ge­ge­ben­heit wie ein Fluss, son­dern viel­mehr der Sprach­raum: „was sind die Na­tur­grän­zen ei­nes Vol­kes? Ich sa­ge: die ein­zi­ge gül­tigs­te Na­tur­grän­ze macht die Spra­che.“ So wie die Spra­che ei­ne Be­son­der­heit sei, so ha­be auch das Volk, die Na­ti­on, die sie spricht, ih­re Be­son­der­hei­ten in der Rechts­auf­fas­sung und in der Po­li­tik. Arndt ver­knüpf­te Deutsch­lands Schick­sal mit dem Rhein, denn: „oh­ne den Rhein kann die teut­sche Frei­heit nicht be­ste­hen.“ Auch das Gleich­ge­wicht der Kräf­te in Eu­ro­pa be­müh­te Arndt, da „Teutsch­lands Selb­stän­dig­keit und Eu­ro­pens Si­cher­heit nicht be­ste­hen kann, wenn die Fran­zo­sen den Rhein und die jen­seits des Rheins lie­gen­den teut­schen Lan­de be­hal­ten.“ Nur ein deut­scher Rhein kön­ne Eu­ro­pa vor der fran­zö­si­schen Vor­herr­schaft be­wah­ren: „Wenn Frank­reich den Rhein­strom mit sei­nen Lan­den be­hält, so be­hält es nicht nur sein al­les Gleich­ge­wicht auf­he­ben­des Über­ge­wicht über Teutsch­land, son­dern auch über das üb­ri­ge Eu­ro­pa.“

Wei­te­re Pu­bli­ka­tio­nen for­der­ten eben­so, dass der Rhein nicht die Gren­ze Deutsch­lands sei. Ei­ne an­ony­me Druck­schrift mit dem Ti­tel „Deutsch­land im rhei­ni­schen Bun­de und nach sei­ner Wie­der­ge­burt; oder: der Frie­de oh­ne Rhein­gren­ze“ von 1813 for­mu­lier­te emo­tio­nal: „Der Rhein sey ein deut­scher Strom, und tren­ne für­der nicht Brü­der von Brü­dern!“

Da­mit stütz­ten Arndt und die an­de­ren Pu­bli­zis­ten das Drän­gen des Frei­herrn vom Stein und der preu­ßi­schen Mi­li­tärs. Sie be­für­wor­te­ten die Fort­set­zung des Krie­ges und das Ein­drin­gen nach Frank­reich, um Na­po­le­ons Macht­ba­sis zu zer­schla­gen. Da Na­po­le­on das An­ge­bot der Al­li­ier­ten igno­rier­te und neue Trup­pen aus­hob, ent­schlos­sen sich die Al­li­ier­ten, die Kampf­hand­lun­gen wie­der auf­zu­neh­men. Den Krieg von 1814 lei­te­te der preu­ßi­sche Ge­ne­ral­feld­mar­schall Ger­hard Le­be­recht von Blü­cher (1742-1819) mit dem Rhein­über­gang bei Kaub in der Neu­jahrs­nacht ein.

Die­ses Er­eig­nis be­grü­ß­ten und be­ju­bel­ten die Zeit­ge­nos­sen. In­spi­riert von Blü­chers Rhein­über­gang er­schien 1814 das Ge­dicht „Lied vom Rhein“ von Max von Schen­ken­dorf (1783-1817), der als Frei­wil­li­ger an den Be­frei­ungs­krie­gen und an der „Völ­ker­schlach­t“ bei Leip­zig teil­ge­nom­men hat­te. Hier­in wur­de der Rhein als „hei­li­g“ über­höht und sei­ne Frei­heit be­schwo­ren, Mo­ti­ve, die fort­an im­mer wie­der­keh­ren soll­ten.

Max von Schen­ken­dorf, Lied vom Rhein (1814)

...

Das ist der heil'ge Rhein
Ein Herr­scher, reich be­gabt
Deß Na­me schon wie Wein,
Die treue See­le labt.
Es re­gen sich in al­len Her­zen
Viel Va­ter­länd'sche Lust und Schmer­zen,
Wenn man das deut­sche Lied be­ginnt
Vom Rhein, dem ho­hen Fel­sen­kind.

...

Wir huld'gen un­serm Herrn,
Wir trin­ken sei­nen Wein.
Die Frei­heit sey der Stern!
Die Lo­sung sey der Rhein!
Wir wol­len ihm auf‘s neue schwö­ren,
Wir müs­sen ihm, er uns ge­hö­ren!
Vom Fel­sen kommt er frei und hehr,
Er flie­ße frei in
 Got­tes Meer!
(2. und 9. Stro­phe)

Das Über­schrei­ten des Rheins be­deu­te­te das Ein­drin­gen nach Frank­reich. Das Hin­ein­tra­gen des Krie­ges nach Frank­reich wur­de mit Ge­nug­tu­ung auf­ge­nom­men und spä­ter als Blü­chers Ver­dienst an­ge­se­hen. Der Rhein­über­gang leg­te den Grund­stein des spä­te­ren Blü­cher-My­thos als „Mar­schall Vor­wärts“. Au­gust Ko­pisch (1799-1853), der Dich­ter der „Hein­zel­männ­chen zu Köln“, mal­te den Mo­ment in dem 1836 er­schie­ne­nen Ge­dicht „Blü­cher am Rhein“ aus:

Au­gust Ko­pisch, Blü­cher am Rhein (1836)



Blüchers Rheinübergang bei Kaub, Gemälde von Wilhelm Camphausen (1818-1885), 1860. (Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Nationalgalerie)

 

Die Hee­re blie­ben am Rhei­ne ste­hen:
Soll man hin­ein nach Frank­reich gehn?
Man dach­te hin und wie­der nach,
Al­lein der al­te Blü­cher sprach:
„Ge­ne­ral­kar­te her!
Nach Frank­reich gehn ist nicht so schwer.
Wo steht der Feind?“ – „Der Feind? – da­hier!“
„Den Fin­ger drauf, den schla­gen wir!
Wo liegt Pa­ris?“ – „Pa­ris? – da­hier!“
„Den Fin­ger drauf, den schla­gen wir!
Nun schlag die Brü­cken übern Rhein!
Ich den­ke, der Cham­pa­gner­wein
Wird, wo er wächst, am bes­ten sein!“

Rhein­über­gän­ge der al­li­ier­ten Trup­pen fan­den al­ler­dings auch bei Mann­heim und Ko­blenz statt. Ei­ner der Or­ga­ni­sa­to­ren des Land­sturms im Rhein­land war der preu­ßi­sche Ma­jor der Gar­de-Jä­ger Fer­di­nand Wil­helm Franz Bols­tern von Bol­tens­tern (1786-1814). Der Land­sturm war nur zur Ver­tei­di­gung der Hei­mat und nicht für Of­fen­siv­ak­tio­nen vor­ge­se­hen, wie Bol­tens­tern sie im Sinn hat­te. An­fang Ja­nu­ar 1814 ver­such­te er im An­schluss an den Rhein­über­gang Blü­chers bei Kaub, ei­nen An­griff bei Mül­heim über den Rhein auf Köln aus­zu­füh­ren. Die un­er­war­te­te hef­ti­ge fran­zö­si­sche Ge­gen­wehr trieb sei­nen Trupp aus preu­ßi­schen Jä­gern, Rus­sen und frisch re­kru­tier­ten ber­gi­schen Trup­pen zu­rück in den Rhein. Bol­tens­tern starb – ver­mut­lich töd­lich ver­wun­det – beim Rück­zug im Rhein. Sein Leich­nam wur­de nie ge­fun­den.

Zur glei­chen Zeit – mög­li­cher­wei­se als Ab­len­kungs­ma­nö­ver ge­dacht – kam es von der In­sel Non­nen­werth aus zu ei­nem Schuss­wech­sel mit fran­zö­si­schen Trup­pen auf der an­de­ren Rhein­sei­te. Da­bei wur­de der Kö­nigs­win­te­rer Stein­hau­er­meis­ter Jo­hann Jo­seph Gen­ger (1774-1814) töd­lich ver­wun­det, so dass er ei­ni­ge Ta­ge spä­ter starb. Da­mit hat­te der Land­sturm im Rhein­land – wenn Bol­tens­tern als Or­ga­ni­sa­tor da­zu ge­zählt wird – zwei Op­fer zu be­kla­gen.

Schon 1814 er­hiel­ten Bol­tens­tern und Gen­ger ein Denk­mal, ge­stif­tet vom Land­sturm. Am Jah­res­tag der Völ­ker­schlacht bei Leip­zig, am 18.10.1814, war die fei­er­li­che Ein­wei­hung des von dem Bau­di­rek­tor des Gro­ßher­zog­tums Berg Adolph von Va­ge­des (1777-1842) ge­stal­te­ten Obe­lis­ken. Im gan­zen Rhein­land fan­den an die­sem Tag Fei­ern statt, die der Be­frei­ung des Rhein­lan­des ge­wid­met wa­ren. Die Idee zu die­sen Fei­ern an die­sem Tag stamm­te von Arndt, der da­mit ein Zei­chen set­zen woll­te: „Hier aber um den hei­li­gen Rhein von den Ber­gen über Düs­sel­dorf bis zu den Ber­gen über Ba­sel und dann auf den Huns­rück und Don­ners­berg sol­len sie un­se­ren ur­al­ten Nei­dern und Wi­der­sa­chern ent­ge­gen­flam­men und mel­den, wel­ches Fest in Teutsch­land be­gan­gen wird.“

Die sieg­rei­chen Al­li­ier­ten be­stimm­ten auf dem Wie­ner Kon­gress 1815 über die ter­ri­to­ria­le Zu­kunft Eu­ro­pas. Den wich­tigs­ten und grö­ß­ten ter­ri­to­ria­len Zu­ge­winn am Rhein er­hielt das an­fangs zö­ger­li­che Kö­nig­reich Preu­ßen: das Rhein­land von der nie­der­län­di­schen Gren­ze bis zur Na­he. Aus die­sem Ge­biet ent­stand als­bald die preu­ßi­sche Rhein­pro­vinz, in der wei­ter­hin der na­po­leo­ni­sche Code Ci­vil als „Rhei­ni­sches Rech­t“ Gel­tung hat­te. Die 1818 vom preu­ßi­schen Kö­nig ge­grün­de­te Bon­ner Uni­ver­si­tät hat­te ei­gens ei­nen Lehr­stuhl da­für ein­ge­rich­tet. Ei­ne Pro­fes­sur er­hielt auch Ernst Mo­ritz Arndt.

Der nicht weit von Bonn ent­fern­te Dra­chen­fels avan­cier­te im 19. Jahr­hun­dert als Ku­lis­se für pa­trio­ti­sche Be­kennt­nis­fei­ern. Die Tur­ner­be­we­gung lud 1818 zur Jah­res­fei­er der Völ­ker­schlacht auf den Berg ein, doch be­reits ein Jahr spä­ter wa­ren sol­che na­tio­nal den­ken­den Grup­pie­run­gen un­ter auf­merk­sa­mer Be­ob­ach­tung und die Bur­schen­schaf­ten ver­bo­ten wor­den. Die Bon­ner Stu­den­ten zo­gen 1819 auf den Bon­ner Kreuz­berg. Hein­rich Hei­ne, der im Win­ter­se­mes­ter 1819/1820 an der ge­ra­de er­öff­ne­ten Bon­ner Uni­ver­si­tät Rechts- und Ka­me­ral­wis­sen­schaf­ten stu­dier­te, nahm dar­an teil, ver­leg­te in sei­nem Ge­dicht aber die Kund­ge­bung auf den Dra­chen­fels, um ei­ne hö­he­re Wir­kung zu er­zie­len. Gleich­wohl hielt er die für ihn ty­pi­sche iro­ni­sche Dis­tanz zum Ge­sche­hen.

Hein­rich Hei­ne, Die Nacht auf dem Dra­chen­fels (Mai 1820)



August Kopisch, Porträt, 1887.

 

Um Mit­ter­nacht war schon die Burg er­stie­gen,
Der Holz­stoß flamm­te auf am Fuß der Mau­ern,
Und wie die Bur­schen lus­tig nie­der­kau­ern,
Er­scholl das Lied von Deutsch­lands heil­gen Sie­gen.

Wir tran­ken Deutsch­lands Wohl aus Rhein­wein­krü­gen,
Wir sahn den Burg­geist auf dem Tur­me lau­ern,
Viel dunk­le Rit­ter­schat­ten uns um­schau­ern,
Viel Ne­bel­fraun bei uns vor­über­flie­gen.

Und aus den Trüm­mern steigt ein tie­fes Äch­zen,
Es klirrt und ras­selt, und die Eu­len kräch­zen;
Da­zwi­schen heult des Nord­sturms Wut­ge­brau­se.

Sieh nun, mein Freund, so ei­ne Nacht durch­wacht ich
Auf ho­hem Dra­chen­fels, doch lei­der bracht ich
Den Schnup­fen und den Hus­ten mit nach Hau­se.

Das Land­sturm-Denk­mal auf dem Dra­chen­fels ver­fiel in den fol­gen­den Jah­ren, so dass 1857 ein neu­es durch den Dom­bau­meis­ter Ernst Fried­rich Zwir­ner in Form ei­ner neu­go­ti­schen Fia­le ge­schaf­fen wur­de, auf dem die Na­men der bei­den To­ten nicht mehr er­schie­nen. 1876 muss­te auch die­ses Denk­mal er­setzt wer­den. Auf Drän­gen der Fa­mi­lie Bol­ten­sterns wur­de 1914 an an­de­rer Stel­le auf dem Dra­chen­fels ein Obe­lisk er­rich­tet, der die Na­men Bol­tens­tern und Gen­ger wie­der auf­wies.



Heinrich Heine, Porträt, Foto eines im Original farbigen Ölgemäldes von Colla, um 1825.

 

2. „Sie sollen ihn nicht haben …“ – Die Rheinkrise 1840

Nach dem En­de der na­po­leo­ni­schen Krie­ge reis­ten vie­le wohl­ha­ben­de Bri­ten auf ih­rer „Gro­ßen Tour“ tra­di­tio­nell von Eng­land nach Ita­li­en und nah­men den Weg den Rhein hin­auf. Die von ih­nen als na­tür­lich und schön emp­fun­de­ne Rhein­land­schaft lös­te Be­geis­te­rung bei den Rei­sen­den aus. Be­rich­te, Brie­fe und vor al­lem Ge­or­ge Gor­don By­rons (1788-1824) Ge­dicht über „The cast­led crag of Dra­chen­fel­s“ sorg­ten zu­nächst für ei­nen ste­tig an­schwel­len­den Strom bri­ti­scher Tou­ris­ten, de­nen bald auch die deut­schen Rei­sen­den folg­ten. Die auf­blü­hen­de Rhein­ro­man­tik ver­wan­del­te den Fluss end­gül­tig in ein – er­reich­ba­res – Ziel der Sehn­sucht. Ma­ler, Dich­ter und Mu­si­ker ver­brei­te­ten ein ver­klär­tes Bild des Rhein­lan­des, Buch­ver­le­ger wie Karl Ba­ede­kermit sei­nen Rei­se­füh­rern und die auf­kom­men­de Dampf­schiff­fahrt tru­gen ih­ren Teil da­zu bei, sehr vie­le Men­schen an den Rhein zu be­för­dern. Sie ge­nos­sen den Aus­flug, den Rhein­wein und die – zu­min­dest zeit­wei­se – Be­frei­ung von den Zwän­gen der Ge­sell­schaft.

Auch das preu­ßi­sche Kö­nigs­haus war „vom Zau­ber des Rheins er­grif­fen“. Die Bur­gen­fans un­ter den Ho­hen­zol­lern er­war­ben Burg­rui­nen wie die von Ro­lands­eck und lie­ßen sich Bur­gen nach­bau­en wie et­wa Schloss Stol­zen­fels.



Karikatur eines englischen Reisenden, aus Richard Doyle, The Foreign Tour of Messrs. Brown, Jones & Robinson, London 1854, Original im Siebengebirgsmuseum.

 

Mit der wach­sen­den Be­deu­tung des Rheins für ei­ne im­mer brei­te­re Öf­fent­lich­keit fand auch sei­ne po­li­ti­sche Auf­la­dung statt. Die Ent­schei­dung des preu­ßi­schen Kö­nigs, im Rhein­land den Bau des Köl­ner Doms zu voll­enden, fand in der Krei­sen der Na­tio­nal­be­we­gung grö­ß­ten Zu­spruch. Der Dom­bau wur­de zur na­tio­na­len Auf­ga­be und der zu voll­enden­de Dom zum Sym­bol für die noch aus­ste­hen­de Voll­endung der deut­schen Ein­heit. Die deut­sche Na­tio­nen­bil­dung hat­te am Rhein ihr sicht­bars­tes Zei­chen er­hal­ten. Die Frei­heit des Ein­zel­nen und die Frei­heit der Na­ti­on wa­ren mit der Frei­heit des Rheins na­he­zu ei­ne Sym­bio­se ein­ge­gan­gen. Da­her be­tra­fen An­grif­fe von fran­zö­si­scher Sei­te auf die­se Frei­heit die gan­ze deut­sche Na­ti­on.

Der deutsch-fran­zö­si­sche Ge­gen­satz fand in der Rhein­kri­se von 1840 ei­nen neu­en Hö­he­punkt. Der fran­zö­si­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Adolph Thiers (1797-1877) hat­te in der Ori­en­ta­li­schen Fra­ge ei­ne di­plo­ma­ti­sche Nie­der­la­ge hin­neh­men müs­sen und such­te ein Ven­til für die Em­pö­rung im Land. Er rich­te­te sie auf das Rhein­land, for­der­te die Re­vi­si­on der Er­geb­nis­se des Wie­ner Kon­gres­ses von 1815 und er­hob den fran­zö­si­schen An­spruch auf das links­rhei­ni­sche Ge­biet. Die po­li­ti­schen Span­nun­gen lie­ßen in Deutsch­land die pa­trio­ti­sche Stim­mung stei­gen und es ent­zün­de­te sich ein Dich­t­er­streit, bei dem die­se mit zahl­rei­chen po­li­ti­schen Lie­dern ein flam­men­des Be­kennt­nis zum deut­schen Rhein ab­leg­ten. Ei­nes der ers­ten und po­pu­lärs­ten Lie­der schrieb der in Bonn ge­bo­re­ne Ni­ko­laus Be­cker. Er hat­te Rechts­wis­sen­schaft stu­diert und war Ge­richts­schrei­ber am Frie­dens­ge­richt in Gei­len­kir­chen als er das „Rhein­lie­d“ dich­te­te. Es er­schien am 18.9.1840 in der „Trie­ri­schen Zei­tun­g“ und des­sen ers­te Zei­len soll­ten schon bald in al­ler Mun­de sein: „Sie sol­len ihn nicht ha­ben, den frei­en, deut­schen Rhein…“

Ni­ko­laus Be­cker, Rhein­lied (Sep­tem­ber 1840)



Der 'rote' Baedeker, Ausgabe aus dem Jahr 1864, Original im Siebengebirgsmuseum, Foto: Original: Siebengebirgsmuseum.

 

Sie sol­len ihn nicht ha­ben
Den frei­en deut­schen Rhein,
Ob sie wie gie­ri­ge Ra­ben
Sich hei­ser da­nach schrei´n,

So lang er ru­hig wal­lend
Sein grü­nes Kleid noch trägt,
So lang ein Ru­der schal­lend
In sei­ne Wo­ge schlägt.

Sie sol­len ihn nicht ha­ben,
Den frei­en, deut­schen Rhein,
So lang sich Her­zen la­ben
An sei­nem Feu­er­wein.

So lang in sei­nem Stro­me
Noch fest die Fel­sen steh´n,
So lang sich ho­he Do­me
In sei­nem Spie­gel seh´n!

Sie sol­len ihn nicht ha­ben,
Den frei­en, deut­schen Rhein,
So lang dort küh­ne Kna­ben
Um schlan­ke Dir­nen frei´n.

So lang die Flos­se he­bet
Ein Fisch auf sei­nem Grund,
So lang ein Lied noch le­bet
In sei­ner Sän­ger Mund.

Sie sol­len ihn nicht ha­ben,
Den frei­en deut­schen Rhein,
Bis sei­ne Flut be­gra­ben
Des letz­ten Manns Ge­bein!

Das Lied war so be­liebt, dass es auf über 70 Ver­to­nun­gen kam. Ernst Mo­ritz Arndt kom­men­tier­te Be­ckers Lied mit ei­nem ei­ge­nen Ge­dicht:

Ernst Mo­ritz Arndt, Das Lied vom Rhein an Ni­k­las Be­cker (1840)

Es klang ein Lied vom Rhein,
Ein Lied aus deut­schem Mun­de,
Und schnell wie Blit­zesschein
Durch­flog's die wei­te Run­de,
Und heiß wie Blit­zesschein
Durch­zuckt es je­de Brust
Mit al­ter We­hen Pein,
Mit jun­ger Freu­den Lust.

Sein hel­ler Wi­der­klang
Vom Sü­den fort zum Nor­den
Ist gleich wie Wehr­ge­sang
Des Va­ter­lands ge­wor­den.
Nun brau­se fröh­lich, Rhein:
Nie soll ob mei­nem Hort
Ein Wel­scher Wäch­ter sein!
Das brau­se fort und fort.

Und stär­k­rer Wi­der­klang
Gleich Pau­ken und Po­sau­nen,
Gleich küh­nem Schlacht­ge­sang
Klingt Welsch­land durch mit Stau­nen –
Es klin­get: Neue Zeit
Und neu­es Volk ist da;
Komm, Hof­fart, willst du Streit!
Ger­ma­nia ist da.

Drum klin­ge, Lied vom Rhein!
Drum klin­get, deut­sche Her­zen!
Neu, jung will al­les sein –
Fort, fort die al­ten Schmer­zen,
Der al­ten Wah­ne Tand!
Al­lei­nig stehn wir da
Fürs gan­ze Va­ter­land,
Jung steht Ger­ma­nia.

Auf der fran­zö­si­schen Sei­te er­folg­te in die­sem Lie­der­streit die Ant­wort durch Al­fred de Mus­set (1810-1857), der un­ter dem Ti­tel „Le Rhin al­le­man­d“ ein Ge­dicht ver­öf­fent­lich­te:

Al­fred de Mus­set, Le Rhin al­le­mand (1840)

Wir ha­ben ihn ge­habt, den deut­schen Rhein.
In un­serm Glas sahn wir ihn fun­keln.
Mit eu­res Schla­gers Prah­ler­ein
Wollt ihr die stol­ze Spur ver­dun­keln,
Die uns­rer Ros­se Huf grub euch ins Blut hin­ein?

...

Ge­hört er euch denn, eu­er deut­scher Rhein,
Wascht die Li­vree dar­in be­schei­den;
Doch mä­ßigt eu­re stol­zes Schrein.
Wie­vie­le Ra­ben, aus­zu­wei­den
Den to­des­wun­den Aar, mögt ihr ge­we­sen sein?

La­ßt fried­lich flie­ßen eu­ern deut­schen Rhein;
Es spie­ge­le sich ge­ruh­sam wi­der
Der Do­me go­ti­sches Ge­stein;
Doch hü­tet euch, durch trunk­ne Lie­der
Von ih­rem blut­gen Schlaf die To­ten zu be­frein.

Hein­rich Hei­ne griff den „li­te­ra­risch-po­li­ti­schen Schlag­ab­tau­sch“ noch ein­mal kri­tisch auf und ließ „Va­ter Rhein“ in sei­nem 1844 ver­öf­fent­lich­ten „Deutsch­land. Ein Win­ter­mähr­chen“ sa­gen:

Zu Bi­be­rich hab ich Stei­ne ver­schluckt,
Wahr­haf­tig, sie schmeck­ten nicht le­cker!
doch schwe­rer lie­gen im Ma­gen mir
die Ver­se von Ni­k­las Be­cker.

Lie­der wie „Der Rhein“ von Alex­an­der Rei­fer­scheid und „Auf dem Rhein“ von Ema­nu­el Gei­bel (1815-1884) sind heu­te kaum noch be­kannt. Eben­so ist es dem „Rhein­wein­lie­d“ von Ge­org Her­wegh (1817-1875) er­gan­gen, in dem sich in ty­pi­scher Wei­se na­tio­na­ler Pa­thos mit Rhein, Weib und Ge­sang ver­bin­den.

Ge­org Her­wegh, Rhein­wein­lied (Ok­to­ber 1840)

Wo solch ein Feu­er noch ge­deiht,
Und solch ein Wein noch Flam­men speit,
Da las­sen wir in Ewig­keit
Uns nim­mer­mehr ver­trei­ben.
Sto­ßt an! Sto­ßt an! Der Rhein,
Und wär's nur um den Wein,
Der Rhein soll deutsch ver­blei­ben.

Her­ab die Büch­sen von der Wand,
Die al­ten Schlä­ger in die Hand,
So­bald der Feind dem wel­schen Land
Den Rhein will ein­ver­lei­ben!
Haut, Brü­der, mu­tig drein!
Der al­te Va­ter Rhein,
Der Rhein soll deutsch ver­blei­ben.

Das Recht' und Link, das Link' und Recht',
Wie klingt es falsch, wie klingt es schlecht!
Kein Trop­fen soll, ein fei­ger Knecht,
Des Franz­manns Müh­le trei­ben.
Sto­ßt an! Sto­ßt an! Der Rhein,
Und wär's nur um den Wein,
Der Rhein soll deutsch ver­blei­ben.

Der ist sein Re­ben­blut nicht wert,
Das deut­sche Weib, den deut­schen Herd,
Der nicht auch freu­dig schwingt sein Schwert,
Die Fein­de auf­zu­rei­ben.
Frisch in die Schlacht hin­ein!
Hin­ein für un­sern Rhein!
Der Rhein soll deutsch ver­blei­ben.

O ed­ler Saft, o lau­ter Gold,
Du bist kein ek­ler Skla­ven­sold!
Und wenn ihr Fran­ken kom­men wollt,
So la­ßt vor­her euch schrei­ben:
Hur­ra! Hur­ra! Der Rhein,
Und wär's nur um den Wein,
Der Rhein soll deutsch ver­blei­ben.

Ei­nes der heu­te noch be­kann­ten Ge­dich­te aus der Zeit der Rhein­kri­se ent­fal­te­te sei­ne vol­le Wirk­sam­keit aber erst gut 30 Jah­re spä­ter. Es ist „Die Wacht am Rhein“ und stammt von dem jun­gen Kauf­mann Max Schne­cken­bur­ger (1819-1849).

Max Schne­cken­bur­ger, Die Wacht am Rhein (No­vem­ber 1840)



Nikolaus Becker, Brustbild, Litographie von August Kneisel. (Universitätsbibliothek Frankfurt am Main)

 

Es braust ein Ruf wie Don­ner­hall,
wie Schwert­ge­klirr und Wo­gen­prall:
Zum Rhein, zum Rhein, zum deut­schen Rhein!
Wer will des Stro­mes Hü­ter sein?
Lieb Va­ter­land, magst ru­hig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

Durch hun­dert­tau­send zuckt es schnell,
Und al­ler Au­gen blit­zen hell:
Der deut­sche Jüng­ling, fromm und stark,
Be­schirmt die heil´ge Lan­des­mark.
Lieb Va­ter­land, magst ru­hig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

Auf blickt er, wo der Him­mel blaut,
Wo Va­ter Her­mann nie­der­schaut,
Und schwört mit stol­zer Kamp­fes­lust:
„Du Rhein, bleibst deutsch, wie mei­ne Brust!“
Lieb Va­ter­land, magst ru­hig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

„Und ob mein Herz im To­de bricht,
Wirst du doch drum ein Wel­scher nicht,
Reich wie an Was­ser dei­ne Flut,
Ist Deutsch­land ja an Hel­den­blut.“
Lieb Va­ter­land, magst ru­hig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

„So­lang ein Tröpf­chen Blut noch glüht,
Noch ei­ne Faust den De­gen zieht,
Und noch ein Arm die Büch­se spannt,
Be­tritt kein Wel­scher dei­nen Strand.“
Lieb Va­ter­land, magst ru­hig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

Der Schwur er­schallt, die Wo­ge rinnt,
Die Fah­nen flat­tern in dem Wind.
Am Rhein, am Rhein, am deut­schen Rhein,
Wir al­le wol­len Hü­ter sein!
Lieb Va­ter­land, magst ru­hig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

Der Text wur­de um­ge­hend von dem aus Darm­stadt stam­men­den Ber­ner Or­ga­nis­ten Jo­hann Ja­kob Men­del (1809-1881) ver­tont. Im De­zem­ber 1840 er­schie­nen Text und No­ten. Im Hau­se des preu­ßi­schen Ge­sand­ten in Bern von Bun­sen vom Ber­ner Mu­sik­di­rek­tor Adolph Me­th­fes­sel (1807-1878) ur­auf­ge­führt, blieb es je­doch weit­ge­hend un­be­ach­tet. Erst als der Kre­fel­der Chor­di­ri­gent Karl Wil­helm (1814-1873) auf den Text auf­merk­sam wur­de und 1854 die heu­te be­kann­te Neu­ver­to­nung am Tag der Sil­ber­hoch­zeit des Prin­zen Wil­helm, des spä­te­ren Kai­sers Wil­helm I. (Re­gent­schaft ab 1858, Kö­nig 1861, Kai­ser 1871-1888), prä­sen­tier­te, nahm die Be­liebt­heit über Sän­ger­fes­te ra­sant zu.

Das bis heu­te be­kann­tes­te und wirk­sams­te Werk aber schuf der Ger­ma­nist Au­gust Hein­rich Hoff­mann von Fal­lers­le­ben (1798-1874). Er schrieb am 26.8.1841 auf Hel­go­land, das da­mals ei­ne bri­ti­sche In­sel war, auf die Me­lo­die des „Kai­ser­lie­des“ („Gott er­hal­te Franz den Kai­ser“) von Jo­seph Haydn (1732-1809) ein Ge­dicht, das das al­te un­ter­ge­gan­ge­ne Reich mit dem neu­en kom­men­den Deutsch­land ver­band und die Ver­la­ge­rung des Schwer­punk­tes von der Mon­ar­chie zur Na­ti­on dar­stell­te.

Au­gust Hein­rich Hoff­mann von Fal­lers­le­ben, Das Lied der Deut­schen (Au­gust 1841)



'Germania auf der Wacht am Rhein', Gemälde von Lorenz Clasen, Öl auf Leinwand.

 

Deutsch­land, Deutsch­land über al­les,
Über al­les in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trut­ze
Brü­der­lich zu­sam­men­hält,
Von der Maas bis an die Me­mel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Deutsch­land, Deutsch­land über al­les,
Über al­les in der Welt!

Deut­sche Frau­en, deut­sche Treue,
Deut­scher Wein und deut­scher Sang
Sol­len in der Welt be­hal­ten
Ih­ren al­ten schö­nen Klang,
Uns zu ed­ler Tat be­geis­tern
Un­ser gan­zes Le­ben lang –
Deut­sche Frau­en, deut­sche Treue,
Deut­scher Wein und deut­scher Sang!

Ei­nig­keit und Recht und Frei­heit
Für das deut­sche Va­ter­land!
Da­nach lasst uns al­le stre­ben
Brü­der­lich mit Herz und Hand!
Ei­nig­keit und Recht und Frei­heit
Sind des Glü­ckes Un­ter­pfand –
Blüh im Glan­ze die­ses Glü­ckes,
Blü­he, deut­sches Va­ter­land!

Der Rhein selbst fin­det im Text kei­ne di­rek­te Er­wäh­nung, da als der west­li­che Grenz­fluss die Maas ge­nannt wird. Die Maas durch­floss das Her­zog­tum Lim­burg, das seit 1839 (mit Aus­nah­me von Maas­tricht und Ven­lo) zum Deut­schen Bund ge­hör­te. Ist die Maas die west­li­che Gren­ze, so liegt das Rhein­land in Deutsch­land und der Rhein bil­det nicht die Gren­ze Deutsch­lands. Das Zu­sam­men­hal­ten der Deut­schen ent­sprach der For­de­rung nach der na­tio­nal­staat­li­chen Ein­heit, da­mit Deutsch­land den fran­zö­si­schen An­sin­nen ge­schlos­sen ge­gen­über tre­ten kön­ne.

3. „Die Wacht am Rhein…“ – Das Kaiserreich und der Rhein

Die For­de­rung nach Ei­nig­keit und ei­nem Na­tio­nal­staat – wenn auch oh­ne Ös­ter­reich - er­füll­te sich gut 30 Jah­re spä­ter. Der sieg­rei­che Krieg ge­gen Frank­reich von 1870/1871 ein­te die Deut­schen. Di­plo­ma­tie, Be­ste­chung und ei­ne lär­men­de Pro­pa­gan­da hal­fen nach, wo es nö­tig war. Schne­cken­bur­gers Lied von der „Wacht am Rhein“ war all­ge­gen­wär­tig. Es ha­be den Wert von meh­re­ren Ar­mee­korps ge­habt, soll Ot­to von Bis­marck (1815-1898) ge­sagt ha­ben. Na­tio­na­le Krei­se for­der­ten die Ab­tre­tung des links­rhei­ni­schen fran­zö­si­schen Staats­ge­bie­tes bis zu den Vo­ge­sen. Beim Frie­dens­schluss be­stä­tig­te Frank­reich den Ver­zicht. Der grö­ß­te Teil der bei­den el­säs­si­schen und Tei­le der loth­rin­gi­schen De­par­te­ments bil­de­ten fort­an das Reichs­land El­sass-Loth­rin­gen im neu­en deut­schen Kai­ser­reich. Nun­mehr war der Rhein nir­gend­wo mehr die Gren­ze zwi­schen deut­schem und fran­zö­si­schem Staats­ge­biet.

Schne­cken­bur­gers „Wacht am Rhein“ in der Ver­to­nung von Karl Wil­helm er­hielt ei­ne na­tio­na­le Be­deu­tung, sie war nicht nur die Be­gleit­mu­sik des 1870er-Krie­ges, son­dern hob sich in der Fol­ge­zeit auch in den Rang ei­ner zwei­ten Na­tio­nal­hym­ne.

Das ge­mein­sa­me Zu­sam­men­ste­hen ge­gen den „Erb­fein­d“ Frank­reich blieb in Deutsch­land stets in Er­in­ne­rung, wur­de pro­pa­gan­dis­tisch wach ge­hal­ten und war im­mer auch Mit­tel zum Zweck für die Po­li­tik des deut­schen Reichs­kanz­lers Bis­marck. Schon vier Jah­re nach dem Krieg, 1875, lös­te er die Krieg-in-Sicht-Kri­se aus. Ein Zei­tungs­ar­ti­kel mit der Über­schrift „Ist Krieg in Sicht?“, der am 8.4.1875 in der re­gie­rungs­na­hen Zei­tung „Pos­t“ er­schie­nen war, spe­ku­lier­te über die fran­zö­si­schen Mi­li­tär­aus­ga­ben. Au­tor war zwar der Jour­na­list Con­stan­tin Rö­ß­ler (1820-1896), aber es war deut­lich, dass Reichs­kanz­ler Bis­marck da­hin­ter stand. Er droh­te Frank­reich mit ei­nem Prä­ven­tiv­krieg im Fal­le wei­te­rer Auf­rüs­tung. Sein Ziel war, die Hal­tung der Gro­ß­mäch­te Russ­land und Groß­bri­tan­ni­en zu er­for­schen. Aber auch in­nen­po­li­tisch wa­ren die Span­nun­gen in den deutsch-fran­zö­si­schen Be­zie­hun­gen von Nut­zen. Als der Ex­po­nent ei­ner auf ei­nen Re­van­che­krieg hin­ar­bei­ten­de Be­we­gung, der fran­zö­si­sche Ge­ne­ral Ge­or­ges Bou­lan­ger (1837-1891), 1886 Kriegs­mi­nis­ter sei­nes Lan­des wur­de und seit­dem die Zahl der Trup­pen er­höh­te, nutz­te Bis­marck dies ge­schickt aus, in­dem er die Ge­fahr hoch­spiel­te, um in­nen­po­li­tisch bei den Wah­len 1887 ei­ne sei­ne Re­gie­rung un­ter­stüt­zen­de Mehr­heit zu er­hal­ten.



Faksimile von Hoffmann von Fallerslebens Manuskript 'Das Lied der Deutschen', Original im Staatsbibliothek zu Berlin, Handschriftenabteilung.

 

Um an die Ei­ni­gung Deutsch­lands zu er­in­nern und die ste­tig be­schwo­re­ne „Wacht am Rhein“ auch sym­bo­lisch zu un­ter­mau­ern, ent­stan­den am Rhein na­tio­na­le und re­gio­na­le Denk­mä­ler. Die ers­te An­re­gung für das Na­tio­nal­denk­mal ober­halb von Rü­des­heim, das so ge­nann­te Nie­der­wald­denk­mal, da­tiert be­reits auf das Jahr 1871. Zwi­schen 1877 und 1883 er­rich­tet, konn­te es am 28.9.1883 ein­ge­weiht wer­den. Der So­ckel des Denk­mals mit der Ger­ma­nia-Fi­gur trägt fünf der sechs Stro­phen des Lie­des von Schne­cken­bur­ger. Im Haupt­re­lief reicht „Va­ter Rhein“ das Wächt­er­horn an die „Toch­ter Mo­sel“ wei­ter, da der Rhein seit 1871 kei­ne Gren­ze mehr war. Das Denk­mal steht in ei­ner Rei­he na­tio­na­ler Denk­mal­gro­ß­pro­jek­te wie der Wal­hal­la in Do­naus­t­auf (1830-1842), dem Her­manns­denk­mal bei Det­mold (1838-1846 und 1863-1875), dem Kai­ser-Wil­helm-Denk­mal auf dem Kyff­häu­ser (1890-1896), dem Bis­marck-Denk­mal in Ham­burg (1901-1906) und dem Völ­ker­schlacht­denk­mal in Leip­zig (1898-1913).

An Deutsch­lands Ei­ni­gung woll­ten auch die Rhein­län­der er­in­nern. Als Dank an Kai­ser Wil­helm I. soll­te nach des­sen Tod 1888 ein Denk­mal der Rhein­pro­vinz er­rich­tet wer­den. Vie­le der ein­ge­reich­ten Ent­wür­fe sa­hen als Stand­ort das Sie­ben­ge­bir­ge vor. Letzt­lich aber über­ließ das Ko­mi­tee die Ent­schei­dung dem Kai­ser­en­kel Wil­helm II. (Re­gent­schaft 1888-1918). Die­ser ent­schied sich 1891 für den Stand­ort Ko­blenz, am Zu­sam­men­fluss von Rhein und Mo­sel. 1897 konn­te das Rei­ter­stand­bild Wil­helms I. am Deut­schen Eck in Ko­blenz ein­ge­weiht wer­den.

In der lan­gen Frie­dens­zeit zwi­schen 1871 und 1914 er­leb­te das Rhein­land den be­gin­nen­den Mas­sen­tou­ris­mus, der bald das wirt­schaft­li­che Pro­fil und das Ge­sicht der Städ­te am Rhein ver­än­der­te. Ei­sen­bahn, Schif­fe und Bus­se schaff­ten Men­schen aus ganz Deutsch­land und al­len Län­dern der Welt an den Rhein, wo zwar wei­ter­hin das na­tio­na­le Pa­thos ge­pflegt wur­de, die Rhein­ro­man­tik aber im­mer mehr ei­ner rühr­se­li­gen (Rhein-) Wein­se­lig­keit wich. Ei­ne re­gel­rech­te Tou­ris­mus­in­dus­trie pro­du­zier­te An­sichts­kar­ten und ein un­über­schau­ba­res An­bot von An­denken, die mil­lio­nen­fach ver­kauft, ver­schickt und mit­ge­nom­men wur­den.

Nach Aus­bruch des Ers­ten Welt­krie­ges im Au­gust 1914 wa­ren pa­trio­ti­sche Lie­der mehr als je zu­vor ge­fragt. Schne­cken­bur­gers „Wacht am Rhein“ und Be­ckers „Das Lied vom Rhein“ ge­hör­ten zum all­ge­mei­nen Lied­gut und wur­den für die ein­set­zen­de Pro­pa­gan­da ger­ne ge­nutzt. Das heu­ti­ge Rhein­land war erst Auf­marsch­ge­biet und dann Hin­ter­land für die West­front. Vom Krieg ist es bis auf ver­ein­zel­te Bom­ben­an­grif­fe ver­schont ge­blie­ben. Das Oberel­sass im Reichs­land El­sass-Loth­rin­gen hin­ge­gen war vier Jah­re lang Schau­platz schwe­rer Kämp­fe.

Verlinkungen:

->

Quellen:

Internetquellen

-> Thomann, Björn, Siegfried von Xanten, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/siegfried-von-xanten/DE-2086/lido/57c94f5fdc5b67.90390949 (abgerufen am 08.06.2026)

-> Klein, Ansgar S., Mythos Rhein aus Sicht der Deutschen und Rheinländer, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/mythos-rhein-aus-sicht-der-deutschen-und-rheinlaender/DE-2086/lido/57d124853b7bd1.35175552 (abgerufen am 03.09.2026)


->

Sekundärliteratur

-> Eggebrecht, Harald: Sehr verlockend. Ob in der Sage vom Rattenfänger zu Hameln ein wahrer Kern steckt, darüber wird seit Langem spekuliert und geforscht, in: Süddeutsche Zeitung u. ders. (Hrsg.): Geheimnisse aus der Geschichte. Erstaunlich, vergessen, sagenhaft: Auf der Spur von Mythen, Rätseln und Skandalen, 2. Auflage, München 2025, S. 153-155.

-> Rademacher, Cay: Nibelungensage. Ein Epos aus uralter Zeit, in: Die Germanen (GEO Epoche Jg. 2008, Heft Nr. 34), Hamburg 2008.