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Gesellschaft des Vormärz

Inhaltsverzeichnis

1.

  1. Der schlesische Weberaufstand 1844 (Artikel)

  2. 2.

  3. Weberaufstand vor 175 Jahren. Verzweifelter Aufruhr gegen den Frühkapitalismus (Artikel)

  4. 3. Der Pauperismus (Artikel)

  5. 4.

  6. Vor 190 Jahren: Hambacher Fest

1. Der schlesische Weberaufstand 1844 

Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts unterlagen immer mehr Kleinproduzenten der Konkurrenz der effektiver und preiswerter produzierenden Fabriken. Aufgrund des sich ausdehnenden europaweiten Handels wurden ausländische Produkte auf dem heimischen Markt nicht nur kostengünstiger angeboten, sie waren oft auch von besserer Qualität als die in mühseliger Heimarbeit hergestellten Waren. Die wirtschaftlichen Veränderungen sprengten das soziale Gefüge der Gesellschaft, da die maschinell hergestellten Waren dauerhaft handwerkliche Strukturen und Einnahmequellen untergruben. Vom Wettbewerb mit der Maschinenproduktion am härtesten betroffen waren die Weber, die von ihren Verlegern immer weniger Geld für ihre handgewebten Produkte erhielten. Trotz gesteigerter Arbeitszeit oft bis zur sprichwörtlichen Erschöpfung und der Mitarbeit sämtlicher Angehöriger lebten insbesondere die schlesischen Weberfamilien in wachsender Armut. 

Da in der preußischen Provinz Schlesien die Bevölkerung von 1815 bis 1844 von rund 1,9 auf knapp 3 Millionen Menschen angewachsen war, hatte sich ein Überangebot an Arbeitskräften herausgebildet. Sinkendes Lohnniveau und steigende Lebensmittelpreise aufgrund von Missernten ließen nicht nur Elend und Verzweifelung gedeihen, sondern auch den Zorn der Weber auf Fabrikanten und Großhändler, die sie für die soziale Not verantwortlich machten. Vom 4. bis 6. Juni 1844 kam es in Peterswaldau und Langenbielau zu einer Revolte von Baumwollwebern, die im Vergleich zu den sehr viel verarmteren Leinenwebern zumeist noch besser gestellt waren: Zu Protest und Aufruhr neigt nicht, wer schon aller Hoffnung beraubt ganz unten ist, sondern wer seine Existenz bedroht sieht und Angst vor weiterem sozialen Abstieg hat.

Den weit über die Grenzen Preußens Aufsehen erregenden Weberaufstand ließ die Regierung mit elf Getöteten unverhältnismäßig blutig niederschlagen. Den politisch Verantwortlichen wie dem aufgeschreckten Bürgertum hatten die schlesischen Weber erstmals in Deutschland das Potential eines gewalttätigen Sozialprotestes vor Augen geführt. Das Medienecho war enorm, im ganzen Deutschen Bund wurde der unorganisierte Aufstand kontrovers diskutiert und verstärkt auf die Not der Weber und das Problem des Pauperismus hingewiesen. Heinrich Heine (1797-1856) veröffentlichte schon einen Monat nach der Niederschlagung des Aufstandes sein Gedicht „Die armen Weber“. Noch 50 Jahre später war das Thema vom Aufruhr verarmter Massen von so großer Brisanz, dass die Aufführung des Dramas „Die Weber“ von Gerhart Hauptmann1892 vom Berliner Polizeipräsidenten verboten wurde. 

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/vormaerz-und-revolution/der-deutsche-bund/weberaufstand-1844

2. Weberaufstand vor 175 Jahren. Verzweifelter Aufruhr gegen den Frühkapitalismus

image.jpegDie Konkurrenz aus England führte im 19. Jahrhundert dazu, dass deutsche Weber extrem niedrige Löhne erhielten. 1844 kam es zum Aufstand. © dpa / akg-images

Der schlesische Weberaufstand von 1844 ist als Akt des Widerstands gegen die frühkapitalistische Ausbeutung ins kollektive Gedächtnis eingegraben. Es gab Weberromane, Weberdramen und Webergedichte zuhauf. Begonnen hatte alles eher harmlos.

Proteste der Heimarbeiter gegen ihre Ausbeutung durch Textilfabrikanten hatte es in Schlesien schon oft gegeben. Doch im Juni 1844 war vieles anders: Diesmal schlugen nicht die bitterarmen Leinenweber, sondern die Baumwollweber Krawall, deren Löhne aufgrund der überlegenen Konkurrenz sächsischer und englischer Großbetriebe beständig sanken. Neu war außerdem die überregionale Resonanz des Konflikts. In Berlin notierte der Schriftsteller Karl August Varnhagen von Ense:
„Traurige Nachrichten aus Schlesien, der Aufstand der Weber im Gebirge nimmt zu, die Truppen sind zurückgedrängt worden, ungeachtet sie scharf geschossen und viele der Gegner getötet oder verwundet hatten. Man hat eiligst Verstärkungen herangezogen. Dass man den Aufstand bewältigt, ist nicht zu bezweifeln, aber welch ein Elend muss geherrscht haben!“

„Ihr fresst der Armen Hab‘ und Gut“

Der Beginn des drei Tage dauernden Aufruhrs war eher harmlos: Am 3. Juni 1844 zog ein Haufen junger Männer im Fabrikdorf Peterswaldau vor die Villa der Fabrikantenfamilie Zwanziger und sang dort ein Schmählied, in dem Lohndrückerei und das neureiche Luxusleben des verhassten Arbeitgebers angeprangert wurden.
„Ihr Schurken all‘/Ihr Satansbrut/Ihr höllischen Dämone/Ihr fresst der Armen Hab‘ und Gut/und Fluch wird Euch zum Lohne“
Zwanzigers Bedienstete vertrieben die Protestierer, von denen einer verhaftet wurde. Empört marschierten daraufhin am Morgen des 4. Juni mehrere 100 Weber zur Zwanziger-Villa, um die Freilassung des Inhaftierten und Lohnerhöhungen zu erwirken. Doch der Fabrikant war geflohen. Die Protestierer erstürmten daraufhin die Geschäftsräume, verwüsteten das Warenlager und zerrissen die Handelsbücher. Der Ortspolizist wurde zur Freilassung des inhaftierten Webers gezwungen.
Anschließend zog die Menge zur Villa des Fabrikanten Wagenknecht, der beliebter und geschmeidiger war als Zwanziger: Er ließ Schnaps verteilen und bezahlte jedem Protestierer einen Silbergroschen aus, woraufhin die Menge zufrieden nach Hause ging. Doch die Ruhe trog.
Am selben Abend setzten Weber aus Nachbargemeinden die Zerstörung der Zwanziger-Villa fort. Der herbeigeeilte Landrat berichtete:
„Ich wurde von einem mir unbekannten Manne von Stube zu Stube geleitet, wo ich viele Menschen von jedem Alter beschäftigt fand, das luxurieuse Ameublement des Haus-Eigenthümers zu vernichten … Es war eine bemerkenswerthe Ruhe vorherrschend, denn außer dem Zerbrechen und Zerschlagen der Zwanzigerschen Effecten und Meubles war nichts hörbar und es erschien, als wenn das Werk der Zerstörung ganz methodisch ausgeführt würde.“

Nachhaltige Wirkungen in der Publizistik

Am nächsten Tag, dem 5. Juni, kam es auch im benachbarten Langenbielau zu Protestaktionen der Weber. Als ein Militärkommandant scharf schießen ließ und elf Arbeiter starben, griffen die aufgebrachten Protestierer die Soldaten an und schlugen sie mit einem Steinhagel in die Flucht.
Doch schon tags darauf konnte das rasch verstärkte Militär Ruhe und Ordnung wieder herstellen. Aus Furcht vor neuerlichen Krawallen erhöhten die Fabrikanten nach dem Aufstand die Löhne. In einem Strafprozess wurden 80 Weber zu Zuchthausstrafen verurteilt. Bis auf drei Rädelsführer wurden sie nach einem Jahr Haft begnadigt.

image.jpegDer Schriftsteller Gerhart Hauptmann widmete dem Weberaufstand ein Theaterstück.© picture alliance / dpa

Nachhaltiger waren die Wirkungen des Aufstands in der Publizistik: Weberromane, Weberdramen, Gedichte und Berichte über die schlesischen Ereignisse erschienen seit 1844 zuhauf.
Die deutschen Republikaner sahen im Weberaufstand einen Vorboten künftiger Umwälzungen. Der junge Kommunist Karl Marx interpretierte ihn sogar als den ersten Ausdruck eines revolutionären Klassenbewusstseins des Proletariats. Ganz auf dieser Linie lag Heinrich Heines „Weberlied“, das den Webern einen dreifachen Fluch auf Gott, König und Vaterland in den Mund legte und mit der düsteren Prophezeiung endete:
„Altdeutschland, wir weben Dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch,
Wir weben, wir weben.“

Keine Folgen für die soziale Ordnung

Doch vom schlesischen Aufstand führte kein direkter Weg zur Revolution von 1848. Der Protest der Weber zielte auf Lohnerhöhungen und die Abstrafung maßloser und ungerechter Fabrikherren. Die soziale Ordnung stellten sie nicht in Frage.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/weberaufstand-vor-175-jahren-verzweifelter-aufruhr-gegen-102.html
3. Der Pauperismus

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren Armut und Hunger in Deutschland weit verbreitet. Das enorme Bevölkerungswachstum nach 1815 konnte durch einen nur sehr geringen Produktivitätsanstieg in der Landwirtschaft und der aufkommenden Industrie noch nicht aufgefangen werden. Wiederkehrende Missernten, Hungersnöte und der Niedergang des Heimgewerbes förderten das Aufkommen von Massenarmut. Die Zeitgenossen beschrieben diese Zustände mit dem Begriff „Pauperismus“, abgeleitet vom lateinischen Begriff pauper,  (dt.: „arm“).

Über die Ursachen des Pauperismus waren sich die Zeitgenossen nicht einig. Ganze Schriften wurden über die möglichen Gründe der Massenarmut verfasst und bildeten den Zweig der „Pauperismusliteratur“. Konservativ-bürgerliche Publizisten sahen die Schuld bei den Armen selbst: Ein Verfall der Sitten, Faulheit und Spielsucht führten aus bürgerlicher Sicht in die Bedürftigkeit. Andere – wie Friedrich Engels -  sahen die Gründe in der aufkommenden Industrialisierung, die die Arbeit mechanisierte und den Arbeitern ihre Beschäftigung und damit ihre Lebensgrundlage entzog. Im Bürgertum war die Angst vor einem sich unkontrolliert ausbreitenden Armenheer sehr ausgeprägt.  Die Bürgerlichen fürchteten die Verbreitung revolutionärer Ideen unter den Mittellosen, die somit  zu einem Träger eines gesellschaftlichen Umsturzes werden könnten.

image.jpeg''Der Notgroschen'', 1840/1860

Die größte Not herrschte in den Gebieten, in denen der Industrialisierungsprozess noch nicht eingesetzt hatte. Südwestdeutschland, Teile Nordwestdeutschlands, Hessen, Preußen und Schlesien waren besonders betroffen und Zentren des Pauperismus. In den zumeist ländlichen Gebieten arbeitete die Bevölkerung nicht in der Fabrik, sondern als Tagelöhner in der Landwirtschaft oder in Heimarbeit. Die Arbeitsbedingungen waren denkbar schlecht: Die Heimarbeiter, auch Frauen und Kinder, produzierten in feuchten, stickigen Kellern mit schlechter Lichtversorgung und unter schlimmsten Hygienebedingungen. Beispielhaft für den Verfall des Heimgewerbes stand der Aufstand der schlesischen Weber, der am 5. Juni 1844 blutig niedergeschlagen wurde.

Missernten und die daraus resultierenden Hungersnöte konnten die Situation der Armen noch erheblich verschärfen. Ein Mangel an Grundnahrungsmitteln trieb deren Preis in die Höhe. Tagelöhner mussten mehr arbeiten um sich zu ernähren, wodurch es zu einem Mehrangebot an Arbeit kam, das wiederum zu einem Verfall der Löhne führte. Viele waren so trotz schwerster körperlicher Arbeit nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen. Auch Krankheit, Unfälle und das Alter konnten die Arbeitsfähigkeit gefährden und die Betroffenen so in die Bedürftigkeit stürzen. In England sprach man von den „labouring poor“, den arbeitenden Armen. Einen Höhepunkt der Armut bildeten die Krisenjahre 1846/1847.

Aus Verzweiflung flüchteten sich viele Arme in die „Notkriminalität“. Durch den Diebstahl von Feldfrüchten und Holz, Wilderei und Schmuggel versuchten die Bedürftigen ihre Situation zu verbessern. Um sich zu betäuben und die Not einen Augenblick zu vergessen, griff die Unterschicht zum Alkohol. In den Zeitungen fanden sich Berichte über die sich ausbreitende „Branntweinwuth“, zur Bekämpfung der Armut forderten die Publizisten eine Beschränkung des Branntweinbrennens. Auch die Zahl der Bettler und sogenannten Landstreicher stieg vor 1850 rasant an.

Waren die letzten Ersparnisse verbraucht, sah man sich gezwungen, den spärlichen Besitz zu verkaufen oder zum Pfandleiher zu bringen, da staatliche Unterstützung nicht ausreichend vorhanden war.  Die in bitterster Armut lebenden Tagelöhner und Landarbeiter verpfändeten Kleidung, Hausrat und Werkzeug, wobei letzteres gegen hohe Gebühren vom Pfandleiher zurückgeliehen werden musste, um der Arbeit weiterhin nachgehen zu können. Wer Geld brauchte, bekam dieses nur zu Wucherzinsen geliehen.

Die deutschen Staaten versuchten der Armut mit Bettlerverordnungen oder Eherechtsbeschränkungen, die das Bevölkerungswachstum kontrollieren sollten, entgegenzuwirken. Vermeintlich arbeitsscheue Individuen sollten per Gesetz zur Arbeitsaufnahme gezwungen werden. Zudem wurde auch die Abwanderung in außerdeutsche Gebiete nach anfänglichem Zögern aktiv unterstützt.

Getrieben durch Armut und Hunger suchten viele Menschen ihr Glück in den Städten, um dort von der voranschreitenden Industrialisierung zu profitieren. Die Städte verzeichneten ein enormes Wachstum: Hatte Berlin 1816 noch 200.000 Einwohner, waren es 1849 bereits 450.000. Die Wohnverhältnisse in den Armenvierteln waren dramatisch: Große, kinderreiche Familien lebten zusammen auf engstem Raum. Schmutz und Gestank waren allgegenwärtig. Die mangelnde Hygiene – viele besaßen keine Wechselkleidung - begünstigte die Ausbreitung von Seuchen und Krankheiten wie Ruhr und Typhus.

Die Städte waren mit der wachsenden Armut überfordert. Während der Hungersnot im Krisenwinter von 1816/1817 lebten in der Stadt Köln 18.000 Almosenempfänger bei etwa 49.000 Einwohnern. Ein Drittel der Bevölkerung war also auf Zuwendungen aus der Armenkasse angewiesen. In den 1840er-Jahren war die Einwohnerschaft vieler deutscher Regionen nicht in der Lage, durch eigene Arbeit für ihren Lebensunterhalt aufzukommen.

Viele suchten ihr Heil außerhalb der deutschen Grenzen. In den 1840er Jahren, dem Höhepunkt der Pauperismuskrise, hatten bereits 418.000 Menschen das Land verlassen. Allein im Jahr 1847 zählte man 80.000 Auswanderer.

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/vormaerz-und-revolution/alltagsleben/pauperismus

4. Vor 190 Jahren: Hambacher Fest

Beim wegweisenden Hambacher Fest 1832 forderten zehntausende Menschen Freiheits- und Bürgerechte sowie einen deutschen Nationalstaat.

Aquarell vom Hambacher Fest am 27. Mai 1832.
Aquarell vom Hambacher Fest am 27. Mai 1832. (© picture-alliance, akg-images)

Es war eine der größten politischen Zusammenkünfte der damaligen Zeit: Am 26. und 27. Mai 1832 versammelten sich zwischen 20.000 und 30.000 Menschen an der Ruine des Hambacher Schlosses in Neustadt an der Weinstraße. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer forderten Freiheits- und Bürgerechte sowie ein geeintes Interner Link: Deutschland

Ein Großteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Hambacher Fests stammte aus der Pfalz. Viele Menschen waren jedoch aus Hessen, Bayern oder dem Elsass angereist, auch Delegationen aus Interner Link: Frankreich und polnische Freiheitskämpfer nahmen teil.

Die Mehrheit der Festteilnehmerinnen und -teilnehmer entstammte dem Bildungs- und Besitzbürgertum. Darunter waren viele Anwälte, Journalisten, Buchhändler und -drucker, sowie kleine Handelsleute. Auch viele Studenten waren anwesend. Sie kämpften bereits seit Jahren für mehr Freiheitsrechte und einen deutschen Nationalstaat. Die Anliegen und Beweggründe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschieden sich: Einige zeigten ihren Unmut über die wirtschaftliche Situation in Folge von Missernten, andere thematisierten die ungeklärte Nationenfrage im deutschsprachigen Raum oder artikulierten den Wunsch nach einer liberalen Verfassung.

Entscheidenden Einfluss hatte der Anfang 1832 gegründete "Deutschen Preß- und Vaterlandsverein". Dieser hatte in kürzester Zeit etwa 5.000 Mitglieder gewonnen. Von den fast drei Dutzend Neustädtern, die zum Gedenken an den 26. Mai, den bayerischen Verfassungstag, zum Fest auf das Hambacher Schloss eingeladen hatten, gehörten viele dem "Preß- und Vaterlandsverein" an. Kurz nach seiner Gründung wurde der Verein verboten. Versuche bayerischer Behörden, das Hambacher Fest zu verbieten, scheiterten jedoch.

Konkrete Forderungen von Rednern und Demonstranten waren nationale Einheit, Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit sowie die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Die Teilnehmer sprachen offen von der "Beseitigung der Fürstenherrschaft", der Schaffung "Vereinigter Freistaaten von Deutschland" und von einem "konföderierten republikanischen Europa“. Während manche Redner sich zur konstitutionellen Monarchie bekannten, warben andere für eine demokratische Regierungsform. Bei den Feierlichkeiten am Abend des 26. Mai und des 27. Mai wehten schwarz-rot-goldene Fahnen, die zum Symbol des deutschen Nationalstaats geworden waren.

Frauen demonstrierten ebenfalls mit, was für die damalige Zeit nicht selbstverständlich war. Als Hymne des Festes gilt das vom liberal-demokratischen Publizisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer verfasste Lied "Hinauf Patrioten zum Schloß, zum Schloß!". Siebenpfeiffer rief dazu auf, dass die Deutschen sich nicht mehr wie Knechte unter das Joch ihrer Fürsten beugen sollten. Auch zahlreiche weitere Redner forderten staatliche Einheit für das deutsche Volk, liberale Bürger- und Freiheitsrechte und zum Teil auch Demokratie ein.

Das Fest markiert den Beginn des Interner Link: Vormärz auf dem Weg zur Revolution 1848/49. In den Jahren 1832 bis 1834 veranlasste das Fest die Bundesversammlung, Maßnahmen zur Eindämmung liberaler Bestrebungen vorzunehmen. Diverse Initiatoren des Hambacher Festes wurden verhaftet oder mussten ins Ausland fliehen.

 

Vorgeschichte

Im Zuge der französischen Revolution und der napoleonischen Kriege wurden die Rechte des Individuums gegenüber dem Staat durch den 1804 eingeführten Code Civil, das im Geiste von Aufklärung und Revolution stehende Bürgerliche Gesetzbuch Frankreichs, in weiten Teilen Deutschlands ausgebaut. Nach dem Sieg deutscher Staaten über das von Napoleon geführte Frankreich und seine Verbündeten setzte in Folge des Wiener Kongresses die historische Phase der sogenannten Restauration ein – die Monarchie blieb intakt, liberale Verfassungen und Bürgerrechte lehnten die Herrschenden strikt ab und vereinbarten ein Gleichgewicht der politischen Mächte in Europa. Die politische Ordnung vor der Französischen Revolution 1789 sollte wiederhergestellt werden.

Das liberale Bürgertum war jedoch nicht gewillt, den anachronistisch erscheinenden Herrschaftsanspruch der Monarchen zu akzeptieren. Auch viele Studenten äußerten ihren Unmut gegen die vorherrschende Kleinstaaterei in Deutschland und die restaurative Politik, wie etwa beim Wartburgfest 1817, bei dem sich anlässlich des vierten Jahrestags der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 hunderte Studenten auf der Wartburg im thüringischen Eisenach versammelten, gegen die Restauration und für einen deutschen Nationalstaat mit Verfassung aussprachen und dabei auch von ihnen als "undeutsch" bezeichnete Bücher verbrannten.

Zunehmend setzte sich das Bildungsbürgertum für Freiheit und Volkssouveränität ein. Es war kein Zufall, dass das Hambacher Fest im heutigen Rheinland-Pfalz, das damals als Kurpfalz zu Bayern gehörte, stattfand. Dort war das napoleonische Erbe in Form weitgehenderer Bürgerrechte bedeutender als anderswo in Deutschland.

Anfang der 1830er-Jahre hatte die Idee eines deutschen Nationalstaates ebenso wie die Forderung nach Bürger- und Freiheitsrechten großen Zulauf. Im Zuge der Julirevolution kam in Paris der Bürgerkönig Louis Philippe auf den Thron. Dies stärkte sowohl nationale, liberale als auch demokratische Kräfte in Europa. Im August 1830 erhielt Frankreich eine neue Verfassung, die sich zur Volkssouveränität bekannte. Im Süden der Vereinigten Niederlande erreichten Katholiken und Liberale 1830 in der Belgischen Revolution die Loslösung Flanderns und Walloniens als selbständiges Königreich Belgien. Im von Russland besetzten Teil Polens versuchten sich polnische Freiheitskämpfer erfolglos gegen die reaktionäre Fremdherrschaft des russischen Zaren zu erheben.

Diese Entwicklungen bestärkten auch im Gebiet des heutigen Deutschlands den Wunsch nach Bürgerrechten. Staaten Mitteldeutschlands wie etwa Kurhessen 1830 sowie ein Jahr darauf Sachsen gaben sich Verfassungen. Diese Entwicklungen wirkten sich auf das Hambacher Fest aus. Auch die damals schlechte wirtschaftliche Situation spielte für dessen Erfolg eine Rolle.

Revolution 1848/49

Erneut von Frankreich ausgehend erfasste 1848 eine Revolutionswelle Europa. Ende Februar 1848 erreichte sie den Südwesten Deutschlands. Vielerorts kämpften in der Folge Aufständische für ein liberaleres politisches System, eine sozialere Wirtschaftsordnung und einen deutschen Nationalstaat.

Nachdem es Interner Link: in Berlin zu heftigen Straßenkämpfen gekommen war, stimmte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. am 21. März 1848 vorgeblich einem deutschen Nationalstaat zu. Um dessen Aufbau zu beschließen, tagte ab dem 18. Mai 1848 die erste relativ frei gewählte deutsche Volksvertretung in der Frankfurter Interner Link: Paulskirche. Gut drei Viertel der männlichen Deutschen waren wahlberechtigt. Auf große Zustimmung in der Nationalversammlung stieß im März 1849 der verabschiedete Grundrechtskatalog: Darin waren etwa die Gleichheit vor dem Gesetz, Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie die Unverletzlichkeit der Person festgeschrieben. Die sogenannte Paulskirchenverfassung wollte einen deutschen Nationalstaat auf Basis einer konstitutionellen Erbmonarchie errichten.

Am 28. März 1849 wählten die Abgeordneten mit knapper Mehrheit König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zum "Kaiser der Deutschen“. Preußen erkannte diese Wahl jedoch ebenso wie Österreich, Bayern, Hannover und Sachsen nicht an. Radikaldemokratische Kräfte versuchten in der Folge, die Reichsverfassung mit gewaltsamen Mitteln durchzusetzen. Im Juli 1849 schlugen preußische und österreichische Truppen die etwa im Südwesten aufgeflammten Aufstände blutig nieder, viele Revolutionäre mussten fliehen.

Rolle des Fests in der Erinnerungskultur

Das Hambacher Fest gilt als wichtiges Ereignis in der deutschen Demokratie- und Nationalstaatsgeschichte. Der spätere Bundespräsident Theodor Heuß nannte es 1932 bei einer Rede anlässlich der Hundertjahrfeier zum Hambacher Fest "die erste politische Volksversammlung der neueren deutschen Geschichte". Für das politische Selbstverständnis sowie die Demokratiegeschichte der Bundesrepublik spielt das Hambacher Fest bis heute eine große Rolle. Jedoch versuchen auch nationalistische, rechtspopulistische oder rechtsextreme Kräfte immer wieder, es für sich in Anspruch zu nehmen.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Scriba, Arnulf: Der schlesische Weberaufstand 1844, in: lemo (Lebendiges Museum Online), online verfügbar seit 10.10.2014 unter: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/vormaerz-und-revolution/der-deutsche-bund/weberaufstand-1844, zuletzt geprüft am 29.05.2025. 

-> https://de.wikipedia.org/wiki/Weberaufstand, zuletzt geprüft am 29.05.2025.

-> Madig, Bert-Oliver: Weberaufstand vor 175 Jahren. Verzweifelter Aufruhr gegen den Frühkapitalismus, in: Deutschlandfunk Kultur, online verfügbar seit 04.04.2019 unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/weberaufstand-vor-175-jahren-verzweifelter-aufruhr-gegen-102.html, zuletzt geprüft am 29.05.2025.

-> https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/pauperismus-verelendung-im-vorindustriellen-deutschland/1788015, zuletzt geprüft am 29.05.2025. 

-> Jütte, Christopher: Der Pauperismus, in: lemo (Lebendiges Museum Online), online verfügbar seit 30.03.2025 unter: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/vormaerz-und-revolution/alltagsleben/pauperismus, zuletzt geprüft am 29.05.2025. 

-> Vor 190 Jahren: Hambacher Fest, in: bpb online, online verfügbar seit 25.05.2022 unter: https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/508682/vor-190-jahren-hambacher-fest/, zuletzt geprüft am 10.11.2025.

Sekundärliteratur

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