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Persönlichkeiten

Inhaltsverzeichnis

  1. Friedrich Ebert
  2. Otto Dix
  3. Karl Liebknecht
  4. Matthias Erzberger
  5. Vicki Baum
  6. Gustav Stresemann
  7. Paul von Hindenburg 

1. Friedrich Ebert 

Als erster Reichspräsident der Weimarer Republik stellte sich Friedrich Ebert der schwierigen Verantwortung, die junge Demokratie nach dem Ersten Weltkrieg durch eine Zeit der Krisen zu führen. Sein Anspruch, nicht als Parteipolitiker, sondern als „Beauftragter des ganzen deutschen Volkes“ zu handeln, wurde dabei zum Grundmotiv einer stets dem Schutz der Republik verpflichteten Gratwanderung.

In der zeitgenössischen Rezeption schwankte das Bild von Ebert zwischen „Vertreter der kleinen Leute“, „Mann des Ausgleichs“ und „Bewahrer der Republik“ einerseits und „Verräter sozialistischer Ideale“, „Novemberbrecher“, „Bundesgenosse des Militärs“ oder „Agent der Bourgeoisie“ andererseits. Die Verdienste des ersten demokratisch gewählten Staatsoberhaupts Deutschlands um die parlamentarische und soziale Demokratie machten ihn zur Zielscheibe sowohl links- als auch rechtsgerichteter Anfeindungen.

Friedrich Ebert wurde am 4. Februar 1871 in Heidelberg geboren. Er begann eine Lehre als Sattler, trat noch während der anschließenden Wanderschaft der späteren SPD bei und war als politischer Redner und Organisator aktiv. Während seiner Zeit in Bremen bewies er als Arbeitersekretär der lokalen SPD ein offenes Ohr für die konkreten Probleme der „einfachen Leute“. Zeit seines Lebens konzentrierte er sich auch vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen eher auf die kurzfristige Lösung akuter Missstände als auf das langwierige Ausfechten programmatischer Auseinandersetzungen. Einem raschen Aufstieg zum überregional bekannten Arbeiterführer und Mitvorsitzenden der SPD folgte 1912 der Einzug in den Reichstag.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs sah Ebert, ganz Realpolitiker, in der Unterstützung der Kriegskredite der Regierung eine Chance zur Durchsetzung wirtschaftlicher, sozialer und politischer Reformen. Er positionierte sich zusehends schärfer gegen den linken Flügel seiner Partei, konnte die im April 1917 vollzogene Spaltung der Sozialdemokratie in die Mehrheitssozialdemokratie (MSPD) und die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD) aber nicht verhindern. Im revolutionären Umfeld der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte er sich als Reichskanzler und Mitglied des Rates der Volksbeauftragten an die Spitze der Übergangsregierung und half maßgeblich mit, die Umsturzversuche in parlamentarische Bahnen zu lenken und möglichst früh Wahlen zur Nationalversammlung durchzuführen.

Am 11. Februar 1919 wurde Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten gewählt. Seine Amtszeit wurde von einer Reihe schwieriger Entscheidungssituationen geprägt, darunter etwa die Auseinandersetzungen um den Versailler Vertrag, der Militärputsch der Generäle Kapp und Lüttwitz im März 1920, der Aufstand der Roten Ruhrarmee, die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen sowie die Hyperinflation. Eberts gesamte Amtszeit war darüber hinaus begleitet von einer Schmutzkampagne von kommunistischen und deutschnationalen Agitatoren. 1924 war Ebert in einen Prozess verwickelt, bei dem das Amtsgericht Magdeburg schließlich ein Urteil sprach, das das demokratiefeindliche Lager in seinem Hass auf die Republik bestätigte. Mit Rücksicht auf den laufenden Prozess hatte Ebert die dringend notwendige Behandlung einer Blinddarmentzündung verzögert.

Am 28. Februar 1925 starb Friedrich Ebert im Alter von nur 54 Jahren nach einer Notoperation.

Friedrich Ebert wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Heidelberger Bergfriedhof beigesetzt. Sein Tod bedeutete eine tiefe Zäsur in der politischen Entwicklung der Weimarer Demokratie. Unter seinem Nachfolger Paul von Hindenburg verschoben sich die politischen Gewichte deutlich nach rechts. In Heidelberg erinnert heute die Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte an den ersten Reichspräsidenten.

2. Otto Dix

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Pseudonyme: Jimmy; Jim; Toy

1891 – 1969

Maler, Grafiker

Otto Dix gehört zu den herausragenden Künstlern der Weimarer Republik. Mit seinem veristischen Stil in Malerei und Grafik etablierte er sich als führender Vertreter der Neuen Sachlichkeit. Seine Porträts und Darstellungen zum Ersten Weltkrieg prägen bis heute das kollektive Bildgedächtnis. Im „Dritten Reich“ wurde der Maler als „entartet“ diffamiert und verlor seine Professur an der Staatlichen Akademie der Künste in Dresden. Nach 1945 malte Dix in einem stärker expressionistischen Stil, konnte aber nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen.

Jugend und Ausbildung

Dix wuchs in einem sozialdemokratisch geprägten Arbeiterhaushalt in Untermhaus bei Gera auf, wo er von 1898 bis 1906 die Volksschule besuchte und als Kind dem Maler Fritz Amann (1878–1969), Cousin seiner Mutter, Modell stand. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler bei der Firma Carl Senff in Gera von 1906 bis 1910 studierte er anschließend bis August 1914 Ornament- und Naturmalerei, Figurenzeichnen und Figürliche Dekorationsmalerei an der Königlichen Kunstgewerbeschule zu Dresden, u. a. bei Richard Guhr (1873–1956). In Dresdner Museen und Galerien lernte er Werke der Alten Meister, Vincent van Goghs (1853–1890) und der lokalen Expressionisten, insbesondere der Künstlergruppe „Brücke“, kennen. Im Ersten Weltkrieg diente Dix als Frontsoldat; seine Kriegserfahrungen verarbeitete er in Zeichnungen und Gouachen, die den Frontalltag, die Kämpfe und zerstörte Landschaften zeigen. Zahlreiche Selbstbildnisse dieser Zeit offenbaren sein künstlerisches Konzept des Stilpluralismus.

Dada und Verismus

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg schuf Dix seine starkfarbigen, expressiv-futuristischen „Kosmischen Bilder“, die ihn in Deutschland berühmt und berüchtigt werden ließen, aber bald dadaistisch-veristischen Arbeiten wichen. Eine besondere Rolle nahmen dabei zwei verlorene lebensgroße Darstellungen von Lustmorden ein, die Dix im Selbstbildnis als Täter (1920) und auf fotografischer Grundlage das aufgeschlitzte Opfer auf einem Bett (1922) darstellen. Die beiden Lustmord-Bilder zeigen den Wandel Dix‘ vom Dadaismus zum Verismus. 1920 nahm er mit dem Hauptwerk „Die Kriegskrüppel“ an der 1. Internationalen Dada-Messe in Berlin teil und studierte bei Max Feldbauer (1869–1948) und Otto Gussmann (1869–1926) als Meisterschüler an der Staatlichen Akademie der Künste in Dresden. Paul Ferdinand Schmidt (1878–1955), Direktor der Städtische Kunstsammlungen Dresden von 1919 bis 1924, förderte ihn, u. a. durch den Ankauf seiner 1914 angefertigten Nietzsche-Büste (heute verschollen).

Rheinland, Berlin und Dresden – Die Neue Sachlichkeit

1922 siedelte Dix nach Düsseldorf über, wo er an der Kunstakademie Meisterschüler von Heinrich Nauen (1880–1940) und Wilhelm Herberholz (1881–1956) wurde. Er schloss sich der Künstlergruppe „Das junge Rheinland“ um die Kunstmäzenin und Galeristin Johanna Ey (1864–1947) an; Karl Nierendorf (1889–1947) wurde sein wichtigster Galerist, seit dem 21. Mai 1926 in Alleinvertretung. In Düsseldorf entstand 1921/23 das großformatige Gemälde „Schützengraben“, das vom Kölner Wallraf-Richartz-Museum erworben und wegen heftiger Kritik an der detailversessenen Darstellung hinter einem Vorhang präsentiert wurde. 1925 wurde es deshalb wieder an Nierendorf zurückgegeben, auf der Internationalen Kunstausstellung in Zürich gezeigt, blieb unverkäuflich, und ist seit 1940 verschollen. 1924 schuf Dix mit der aus fünfzig Blättern bestehenden Grafikmappe „Der Krieg“ ein Hauptwerk der modernen Kunst, das bis heute als Bezugspunkt engagiert-kritischer künstlerischer Tätigkeit dient. Inhaltlich facettenreich und technisch virtuos, stellt es ein Panorama des Kriegs dar, das die Trivialität des Alltags, das Groteske, die Grausamkeit und den Tod ausbreitet.

1925 war Dix mit seiner kühlen zeichnerischen Prägnanz eine zentrale Figur der Mannheimer Ausstellung zur Neuen Sachlichkeit; zahlreiche seiner Porträts zeigen Schlüsselfiguren der Epoche wie Anita Berber (1899–1928), Sylvia von Harden (1894–1963), Alfred Flechtheim (1878–1937) und Theodor Däubler (1876–1934). Expressive und groteske Züge blieben in diesen Werken erhalten, wobei gesteigerte Farbigkeit Dix’ künstlerisches Mittel in Konkurrenz zur Porträtfotografie blieb. Zunehmend setzte er sich mit den Alten Meistern auseinander und malte zwei großformatige Triptychen, „Großstadt“ (1927/28) und „Der Krieg“ (1929/32), Allegorien der Lebensalter, Schwangere, die eigene Familie und sich selbst. 1931 entstand das an Dürer angelehnte programmatische „Selbstbildnis mit Kristallkugel“, das den Maler als Seher interpretiert und auf die sich verschärfende Krise der Weimarer Republik sowie die eigene Kunst – so auf die reduzierte Farbigkeit des Verismus sowie die kreisförmige Komposition des gleichzeitigen Triptychons „Der Krieg“ – anspielt. Seine Werke wurden in bedeutenden internationalen Ausstellungen gezeigt, u. a. der Internationalen Kunstausstellung Dresden (1926), im Carnegie Institute Pittsburgh (1927), im Museum of Modern Art New York City (1931) sowie auf der 16. und 17. Biennale in Venedig (1928/30).

„Drittes Reich“ und Nachkriegszeit

Im April 1933 verlor Dix auf Grundlage des NS-Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums seine Dresdner Professur; seine Kunstwerke galten den Nationalsozialisten als „entartet“. Nach seinem Rückzug aus der Öffentlichkeit scheiterten Versuche der Anpassung, u. a. in der Ausstellung „Zwei deutsche Maler“ mit dem Reichskulturkammer-Funktionär Franz Lenk (1898–1968) bei Nierendorf in Berlin 1935. Politisch kritische Hauptwerke wie die allegorischen „Sieben Todsünden“ (1933), in denen Adolf Hitler (1889–1945) als Neid dargestellt ist, „Triumph des Todes“ (1934), „Flandern“ (1934/36) sowie religiöse Themen („Die Versuchung des Heiligen Antonius“, 1936/37, „Der Heilige Christophorus IV“, 1939) fanden kaum mehr ein Publikum. Seit Januar 1934 Mitglied der Reichskulturkammer, konnte Dix weiterarbeiten, auch vereinzelt ausstellen und verkaufen, doch war er auf private Förderer angewiesen, deren Zeitgeschmack er sich mitunter anpasste. In der Münchner NS-Ausstellung „Entartete Kunst“ im Juli 1937 wurden mehr als 20 seiner Werke gezeigt (einschließlich Blätter der Mappe „Der Krieg“, 1924), ca. 260 seiner Werke wurden beschlagnahmt, wohl mehrere Arbeiten auf Papier im März 1939 im Hof der Berliner Hauptfeuerwache vernichtet. Zudem war er Repressionen ausgesetzt, etwa durch eine kurzzeitige Verhaftung in Dresden im November 1939 im Zusammenhang mit dem Münchner Bürgerbräukeller-Attentat auf Hitler, da er sich auf einer Liste des Reichssicherheitshauptamtes von führenden Persönlichkeiten der „Systemzeit" befand. Das in dieser Zeit von Landschaftsdarstellungen geprägte Werk oszillierte zwischen Anpassung und Widerstand.

Noch vor Ende des Zweiten Weltkriegs gab Dix die altmeisterliche Technik auf und kehrte zum Expressionismus zurück. Die zeitaufwendige und genau zu planende Lasurmalerei wurde von der freieren Alla-Prima-Technik, die langwierige Vorbereitungen und Arbeitsprozesse zugunsten einer spontaneren Malweise vermied, abgelöst. Anspielungen auf die christliche Ikonografie setzte er weiter zur Interpretation der eigenen Zeit ein. Trotz künstlerischer Rehabilitation, etwa auf der documenta I in Kassel 1955, und einzelner Aufträge wie für das große Wandbild „Krieg und Frieden“ für den Rathaussaal in Singen am Hohentwiel (1960), konnte Dix nicht mehr an frühere Erfolge anschließen. In den beiden deutschen Staaten wurde er selektiv rezipiert, wobei in der Bundesrepublik mit der Wiederentdeckung des sog. Epochenstils seit ca. 1960 vornehmlich der neusachliche Künstler der 1920er Jahre wertgeschätzt wurde. In der DDR wurde Dix als Anti-Kriegsmaler wahrgenommen, während man seinen Blick auf das Proletariat, trotz seines Einflusses auf proletarisch-revolutionäre Künstler, als zu wenig positiv kritisierte. Das umfangreiche Spätwerk, das seinen Wunsch zeigt, dem eigenen, an die ‚Goldenen Zwanziger Jahre‘ geknüpften Mythos zu entkommen, fand bislang wenig Beachtung.

3. Karl Liebknecht

L. studierte 1890-93 Rechtswissenschaften und Nationalökonomie in Leipzig und Berlin. 1893/94 leistete er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei den Garde-Pionieren in Berlin, anschließend war er bis 1898 Referendar in Arnsberg und Paderborn. 1897 erfolgte die Promotion zum Dr. iur. et rer. pol. in Würzburg mit der Dissertation „Compensationsvollzug und Compensationsvorbringen nach gemeinem Rechte“. L. eröffnete 1899 in Berlin gemeinsam mit seinem älteren Bruder Theodor eine Rechtsanwaltspraxis. Er trat erst im Aug. 1900 der SPD bei, wurde aber bereits im Nov. 1901 in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt, der er bis 1913 angehörte. 1903 und 1907 als Kandidat für den Reichstagswahlkreis Potsdam-Spandau-Osthavelland unterlegen, konnte er diesen Wahlkreis 1912 für die SPD erobern. L. war Delegierter auf den sozialdemokratischen Parteitagen und wurde 1908 ins Preuß. Abgeordnetenhaus gewählt.

Bekannt wurde L. als politischer Anwalt, vor allem bei der Verteidigung von Funktionären der russ. Arbeiterbewegung. Seit Erscheinen seines Buches „Militarismus und Antimilitarismus unter besonderer Berücksichtigung der internationalen Jugendbewegung“ (1907) trat er als Gegner des Militarismus und als einer der Führer der sozialistischen Jugendbewegung auf. Er war 1907-10 Präsident der sozialistischen Jugendinternationale. Von Okt. 1907 bis Juni 1909 mußte L. wegen seines Militarismus-Buches eine Festungshaft in Glatz absitzen. 1911 unternahm er eine Agitationsreise durch die USA. Im Reichstag wandte sich L. gegen die Geschäftspraktiken der Rüstungsfirmen. Bei Ausbruch des Weltkriegs versuchte L. vergeblich, die sozialdemokratischen Abgeordneten für eine Ablehnung der Kriegskredite zu gewinnen. Nachdem er in der Fraktion gegen die Kredite gestimmt hatte, unterwarf er sich der Parteidisziplin und stimmte am 4.8.1914 im Reichstag für die Bewilligung. L., der vor dem Krieg als radikaler Einzelgänger noch nicht zum Kern der „Linken“ in der SPD um →Rosa Luxemburg, →Franz Mehring und →Julian Marchlewski gezählt hatte, lehnte sich nun eng an diese Gruppe an. Nachdem er am 2.12.1914 als einziger Abgeordneter im Reichstag gegen die Bewilligung der Kriegskredite gestimmt hatte, wurde er zur Symbolfigur der Kriegsgegner. Im Febr. 1915 wurde L. als Armierungssoldat zum Militärdienst eingezogen, bis auf sein Auftreten im Reichstag und Preuß. Abgeordnetenhaus war ihm damit jede politische Betätigung untersagt. Dennoch war er aktiv an|der Bildung der Gruppe „Internationale“, die seit 1916 als Spartakusgruppe bekannt wurde, beteiligt. Im Mai 1915 verfaßte er das Flugblatt „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“. Im April 1916 nahm L. an einer illegalen Tagung der Arbeiterjugend in Jena teil, er organisierte zum 1.5.1916 eine Friedensdemonstration auf dem Potsdamer Platz in Berlin und wurde dort verhaftet. Am 28.6.1916 verurteilte das Kommandanturgericht Berlin L. zu 2½ Jahren Zuchthaus, das Oberkriegsgericht erhöhte die Strafe in der Berufungsinstanz auf 4 Jahre und 1 Monat Zuchthaus. L. kam im Nov. 1916 ins Zuchthaus Luckau. Dort verfaßte er mehrere Schriften, darunter seine philosophischen „Studien über die Bewegungsgesetze der gesellschaftlichen Entwicklung“. Diese zeigen ihn als einen durchaus eigenständigen Denker.

L. wollte zwar die marxistische Theorie als Grundidee des Sozialismus erhalten, er kritisierte aber sowohl die ökonomischen Kategorien von Marx als auch den historischen Materialismus. Er lehnte die These vom Wirken „historischer Gesetze“ ebenso ab wie das Marxsche Schema von ökonomischer Basis und ideologischem Überbau. Philosophisch verstand sich L. als Agnostiker und Universalist. Seine Sozialismus-Vorstellungen beruhten auf der Grundthese von der „Tendenz zur Steigerung der natürlichen und sozialen Solidarität“.

Am 23.10.1918 vorzeitig aus dem Zuchthaus entlassen, wurde L. von seinen Anhängern in Berlin begeistert begrüßt. In der Novemberrevolution führte er gemeinsam mit →Rosa Luxemburg den „Spartakusbund“ und gab dessen Organ, die „Rote Fahne“, heraus. Am 9.11. rief er vom Balkon des Schlosses in Berlin die „freie sozialistische Republik“ aus. Er war nicht bereit, in die Revolutionsregierung einzutreten, und versuchte, die Massen gegen die sozialdemokratischen Volksbeauftragten und für eine Räteherrschaft zu mobilisieren. Auf dem Gründungsparteitag der KPD (30.12.1918 - 1.1.1919) forderte er die Trennung von der USPD und die Bildung der neuen Partei, deren Führer er neben →Rosa Luxemburg wurde. L. neigte einem radikalen, revolutionären Kommunismus zu. Während der Januar-Kämpfe in Berlin erklärt er die Regierung Ebert für „abgesetzt“. Nach den Unruhen wurde L.zusammen mit →Rosa Luxemburg von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützendivision festgenommen und am 15.1.1919 brutal ermordet.

4. Matthias Erzberger

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* 20.09.1875 in Buttenhausen † 26.08.1921 (ermordet) in Bad Griesbach

Auf tragische Weise legte Matthias Erzberger die Zerrissenheit des ausgehenden Kaiserreichs und der jungen Weimarer Republik offen. Auch weil er sich als herausragender Parlamentarier um eine Überwindung politischer wie gesellschaftlicher Spannungen bemühte und an einer umfassenden Reformierung innen- wie außenpolitischer Strukturen arbeitete, wurde er als Repräsentant der Weimarer Demokratie 1921 von rechten Nationalisten ermordet.


Für die Zeit des Kaiserreichs legte der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Matthias Erzberger eine beachtliche politische Karriere hin. Bereits mit 28 Jahren zog er als Abgeordneter des Zentrums in den Reichstag ein und etablierte sich dort schnell als Experte für Haushaltsfragen. Während er zu Beginn des Ersten Weltkriegs durchaus nationalistische, imperialistische Ideen unterstützte und sich unter anderem auch Annexionsforderungen anschloss, wandelte er sich über militärische Rückschläge immer mehr zu einem Befürworter einer Friedens- und Verständigungspolitik. Im Juli 1917 forderte er in einer Rede vor dem Reichstag dazu auf, auf Annexionen zu verzichten und mit einem "Verständigungsfrieden" ein Ende des Krieges herbeizuführen; seine Forderungen wurden schließlich von einer Mehrheit aus Linksliberalen, Sozialdemokraten und Zentrum als Friedensresolution angenommen. Damit bereitete er einer gemeinsamen parlamentarischen Mitte den Weg in die spätere Weimarer Republik, wurde jedoch erstmals auch Hassfigur der nationalistischen Rechten. Als Staatssekretär unter Max von Baden bemühte sich Matthias Erzberger um Verhandlungen eines Waffenstillstands und unterschrieb als Minister in Compiègne 1918 eben jenen Waffenstillstand. Nach seiner Ermordung 1921 erschien diese Unterschrift Weggefährten wie Joseph Wirth wie die Zustimmung zum eigenen Todesurteil.

Als Politiker der Weimarer Republik drängte er im Anschluss weiter auf einen Vorzug der Politik gegenüber dem Militär. Sein Kernanliegen war dabei, die junge Weimarer Demokratie gegen Angriffe von links und rechts zu wappnen und auf eine stabile Handlungsgrundlage zu setzen. Während der Novemberrevolution trat er deshalb als Vertreter des politischen Katholizismus für eine Zusammenarbeit mit Sozialdemokraten und Liberalen ein. Da er als Reichsminister ohne Geschäftsbereich der Regierung von Philipp Scheidemann die Annahme des Versailler Vertrags unterstützte, wurde Erzberger zur prominenten Zielscheibe antirepublikanischer Gegner der Weimarer Republik, die ihn als Vaterlandsverräter und „Erfüllungspolitiker“ beschimpften. Noch mehr Gegner brachte er gegen sich auf, als er 1919 als Reichsfinanzminister eine gerechtere Steuerreform zu Lasten der Besitzenden anstrebte. Durch eine Verleumdungsaktion musste Erzberger bereits 1920 seine Posten räumen; ein Jahr später wurde er am 26. August in Bad Griesbach ermordet.

5. Vicki Baum 

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1888 – 1960

Schriftstellerin, Journalistin, Drehbuchautorin, Harfenistin

Die österreichisch-US-amerikanische Autorin Vicki Baum gehört zu den international kommerziell erfolgreichsten Schriftstellerinnen des deutschsprachigen Raums im 20. Jahrhundert. Ihre in 32 Sprachen übersetzten und vielfach verfilmten Romane verfasste sie seit 1939 auf Englisch. Baums literarisches Hauptwerk ist der Roman „Menschen im Hotel“ (1929).

Leben

Baum wuchs in einem gutbürgerlichen Elternhaus in Wien auf, wo sie das Lehrerpädagogium besuchte. Von 1898 bis 1904 absolvierte sie eine Ausbildung zur Harfenistin am Wiener Konservatorium und erhielt anschließend ein Engagement beim Wiener Concertverein. Nach ihrer Scheidung von dem Journalisten Max Prels (1878–1926) 1913 ging sie als Harfenistin an das Hoftheater Darmstadt, gab aber ihren Beruf 1916 nach der Heirat mit dem Dirigenten Richard Lert (1885–1980) auf und lebte danach in Kiel, Hannover und Mannheim. 1926 übersiedelte sie zunächst allein nach Berlin, wo sie eine Anstellung als Zeitschriftenredakteurin beim Ullstein Verlag erhielt; 1928 folgten ihr ihre Söhne, 1929 der Ehemann. Baums auf der Grundlage ihres Romans „Menschen im Hotel“ (1929) inszeniertes Theaterstück „Grand Hotel“ wurde 1931 am Broadway zu einem Erfolg. Sie reiste noch im selben Jahr nach New York City und emigrierte 1932 mit ihrer Familie nach Los Angeles (Kalifornien, USA). Baums Bücher wurden 1933 im nationalsozialistischen Deutschland verboten und sie 1938 ausgebürgert (US-amerikanische Staatsbürgerin 1938).

In den USA pendelte Baum regelmäßig zwischen ihrem Haus in Los Angeles und ihrer Wohnung in New York City, war weiterhin schriftstellerisch tätig und arbeitete bis 1937 als Drehbuchautorin bei der Filmproduktionsgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). 1935 und 1936 reiste sie nach Japan, China, Indonesien und Europa, um Stoff für neue Romane zu sammeln; im März 1939 führte sie eine Vortragstour nach England. Ihren letzten Aufenthalt in Europa trat sie 1949 an.

Werk

Baum begann um 1905, sich schriftstellerisch zu betätigen. Erste Gedichte und Erzählungen erschienen seit 1908 in Zeitschriften wie „Erdgeist“ (Wien), „Der Merker“ (Wien) und „Jugend“ (München). 1914 legte sie ihren Erstlingsroman „Frühe Schatten. Das Ende einer Kindheit“ vor, der autobiografisch geprägt ist. Thomas Mann (1875–1955) – Baums literarisches Vorbild – sprach ihr als Mitglied bzw. Vorsitzender der Jury bei den Literaturwettbewerben der Zeitschrift „Licht und Schatten“ 1910 und der „Kölnischen Zeitung“ 1924 für ihre Erzählungen „Alter Schloßpark“ (1910) bzw. „Der Weg“ (1924) den ersten Preis zu. Der Ullstein Verlag, in dem ihre Romane seit 1920 erschienen, baute Baum seit 1926 gezielt als Marke und Bestsellerautorin auf.

Baums Hauptwerk ist der 1929 veröffentlichte Roman „Menschen im Hotel“, der in der Originalausgabe den ironischen Untertitel „Ein Kolportageroman mit Hintergründen“ trägt und zunächst in Fortsetzungen in der „Berliner Illustrirten Zeitung“ erschien. Der Schauplatz des Romans ist ein Berliner Luxushotel, in dem innerhalb von fünf Tagen Figuren aus unterschiedlichen sozialen Milieus zusammenkommen, miteinander agieren und wieder auseinandergehen. 1929 von Baum dramatisiert, bildete der Roman die Grundlage für die US-amerikanische Theaterinszenierung sowie die äußerst erfolgreiche Hollywoodverfilmung „Grand Hotel“ (1932) unter der Regie von Edmund Goulding (1891–1959) mit Greta Garbo (1905–1990) in der Hauptrolle. Während deutsche Kritiker „Menschen im Hotel“ als „Romankitsch“ – so Alfred Kerr (1867–1948) – und „Kosmetik“ – so Herbert Ihering (1888–1977) – kritisierten, wurde die englische Übersetzung in Großbritannien begeistert aufgenommen. Graham Greene (1904–1991) beurteilte den Roman als „oberflächlich, melodramatisch, sentimental, aber technisch vollendet“, John B. Priestley (1894–1984) als „eine Art Kinofilm des modernen Lebens“.

Beeinflusst von ihren Weltreisen, legte Baum 1937 und 1939 die Romane „Liebe und Tod auf Bali“ und „Hotel Shanghai“ vor, die den „Puputan“ (Massenselbstmord) der Balinesen in Badung 1906 und den versehentlichen Bombenabwurf chinesischer Flugzeuge auf die Nanking Road in Shanghai 1937 literarisieren. Die Verknüpfung von historischem Hintergrund und atmosphärischen Details in diesen Werken fand international Beachtung.

Nach 1945 konnte Baum, die seit „The Ship and the Shore“ (1941) ausschließlich in englischer Sprache schrieb, in den USA nicht mehr an ihre Erfolge anknüpfen. Auch „The Mustard Seed“ (1953), ein satirischer Roman über die neurotische, von Kommerz und Sex beherrschte US-Gegenwartsgesellschaft, fand wenig Resonanz. In der Bundesrepublik und Europa hingegen wurden ihre Romane, von denen viele auch als Verfilmungen große Popularität erlangten, nach dem Zweiten Weltkrieg wieder veröffentlicht und werden bis heute erfolgreich neu aufgelegt. Baums 1958 begonnene Autobiografie, die „Nicht so wichtig“ heißen sollte, blieb Fragment und wurde postum 1962 von ihrer Schwiegertochter Ruth Lert (1915–1997) unter dem Titel „It was all quite different“ (Es war alles ganz anders) vollendet.

Baums Romane, die sich durch präzis recherchierte Milieuschilderungen und das ironische Spiel mit Formeln und Schemata auszeichnen, galten im deutschsprachigen Raum lange als „Unterhaltungsliteratur“, Baum als Trivialautorin. Im Zuge der Erforschung der literarischen „Neuen Sachlichkeit“ seit den 1980er Jahren wurde v. a. „Menschen im Hotel“ als neusachlicher Zeitroman wiederentdeckt, und Vicki Baum erfuhr eine Neubewertung als „neusachliche Bestsellerautorin“.

6. Gustav Stresemann

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S. entstammte einer Familie des Berliner Kleinbürgertums; im Berliner Südosten betrieben die Eltern einen Flaschenbierhandel mit Gaststube. S. als dem jüngsten ihrer acht Kinder ermöglichten sie den Besuch der höheren Schule (Andreas Realgymnasium, Abitur 1897). Obwohl die persönlichen Neigungen des jungen S. der Geschichte und Literatur galten und ihm eine Laufbahn als Journalist vorschwebte, konzentrierte er sich im Studium (1898–1901 in Berlin u. Leipzig) auf die Nationalökonomie. Gleich nach der Promotion in Leipzig bei Karl Bücher (1901) übernahm er in Dresden die Stelle eines Assistenten beim Verband der Schokoladenfabrikanten und entfaltete eine ideenreiche organisatorische Aktivität: Unter seiner Führung entwickelte sich der 1902 gegründete „Verband sächsischer Industrieller“ (Syndikus bis 1919) zu einem der größten regionalen Wirtschaftsverbände. Parallel zum beruflichen Aufstieg vollzog sich die politische Karriere. In seiner Studentenzeit war S. ein aktives Mitglied in der Reformburschenschaft „Neo Germania“ und schloß sich auch Friedrich Naumanns „Nationalsozialem Verein“ an. Als sich dieser nach dem Debakel bei der Reichstagswahl 1903 auflöste, ging S. allerdings nicht mit Naumann und den meisten seiner Anhänger zur Freisinnigen Vereinigung, sondern trat der Nationalliberalen Partei bei. 1906 wurde er zum Dresdner Stadtverordneten gewählt, 1907 eroberte er bei der Reichstagswahl den Erzgebirgswahlkreis Annaberg. Als jüngstes Reichstagsmitglied war S. ein außerordentlich aktiver und rhetorisch begabter, rasch in der vordersten Reihe agierender Abgeordneter. Maßgeblichen Anteil hatte er am Zustandekommen einer Angestelltenversicherung (1911).

Der steile politische Aufstieg endete abrupt 1912. Bei der Reichstagswahl verlor S. sein Mandat, und Exponenten des rechten Parteiflügels verdrängten ihn aus dem Führungsgremium der Nationalliberalen Partei. S. sah sich auf seine Tätigkeit als Verbandsfunktionär zurückgeworfen. Im Dez. 1914 erneut in den Reichstag gewählt, fiel ihm schnell eine Führungsrolle in der nationalliberalen Fraktion zu. Nach dem Tod Ernst Bassermanns (1854–1917) wurde er im Sept. 1917 zum Fraktionsvorsitzenden und zum stellv. Parteivorsitzenden gewählt.

S.s politisches Agieren während der Kriegsjahre stellt ein besonders problematisches Kapitel seiner Biographie dar. Zwar trat er für innere Reformen ein (Abschaffung des preuß. Dreiklassenwahlrechts, Stärkung des Parlaments), forderte aber im Einklang mit der großen Mehrheit seiner Partei umfangreiche Annexionen sowie den unbeschränkten U-Boot-Krieg und arbeitete auf den Sturz des Reichskanzlers Bethmann Hollweg hin. Kriegsniederlage und Zusammenbruch des Kaiserreichs brachten S. in eine schwierige Lage, die seine führende Position im dt. Liberalismus akut gefährdete. Die Auseinandersetzungen um eine Neuformierung des liberalen Lagers beendeten nicht die Spaltung des dt. Liberalismus in zwei Parteien, was man zu Unrecht häufig S. anlastete. Dieser lehnte wie viele andere Nationalliberale ein Zusammengehen mit der Gruppe um →Theodor Wolff (1868–1943) und →Alfred Weber (1868–1958) ab, die in der Gründungsphase der „Deutschen Demokratischen Partei“ eine maßgebliche Rolle spielte. Am 15. 12. 1918 konstituierte sich unter S.s Führung die „Deutsche Volkspartei“, deren immer wiedergewählter Vorsitzender er bis zu seinem Tode blieb.

In der Nationalversammlung stand die kleine DVP-Fraktion in Opposition zur „Weimarer Koalition“ (SPD, Zentrum, DDP); sie lehnte die Unterzeichnung des Friedensvertrags und die Verfassung ab. Im Gegensatz zu Exponenten des rechten Parteiflügels suchte S. nach 1919 einen Kurs der Mitte zu steuern mit der Bereitschaft, auch eine Koalition mit der SPD einzugehen. Bei der Reichstagswahl 1920 überflügelte die „Stresemann-Partei“|die linksliberale DDPdeutlich. Von nun an war sie an fast allen Reichskabinetten beteiligt. Am 12. 8. 1923, in der kritischsten Phase der Weimarer Republik, wurde S. von Reichspräsident Ebert in das seit langem angestrebte Amt des Reichkanzlers berufen. Die von ihm gebildete „Große Koalition“ (SPD, Zentrum, DDP, DVP) sah sich einer Fülle gravierender Probleme gegenüber: Abbruch des Ruhrkampfes, Sanierung der Währung, separatistische Bestrebungen im Rheinland, Aufstands- und Putschversuche rechts- und linksextremistischer Kreise. In den nur 100 Tagen seiner Kanzlerschaft gelang es, die dramatische Krisensituation im wesentlichen zu bewältigen. Nachdem der Reichstag am 22. 11. 1923 das von S. verlangte Vertrauensvotum abgelehnt hatte, demissionierte das Kabinett, doch behielt S. in der neuen Reichsregierung und in allen weiteren Kabinetten das Amt des Außenministers.

Es war das Feld der Außenpolitik, auf dem S. Epoche gemacht hat. Ziel war der Wiederaufstieg des Dt. Reichs zur souveränen und im internationalen System gleichberechtigten Großmacht. Aber aufgrund der Erfahrungen von 1914–18 legte S. seit 1919 seiner Außenpolitik eine realistische Einschätzung der internationalen Kräfteverhältnisse zugrunde und operierte mit den Mitteln der Verhandlung und Verständigung. Zwei Gesichtspunkte besaßen dabei für ihn axiomatische Bedeutung: Rückkehr des Dt. Reichs in die Weltpolitik über die Weltwirtschaft und Normalisierung des Verhältnisses zu den Westmächten v. a. durch Befriedigung des franz. Sicherheitsbedürfnisses.

Im Grunde bewertete S. alle Stationen seiner Außenpolitik der Jahre 1923–29 (Dawes-Plan 1924, Locarno-Verträge 1925, Berliner Vertrag mit der Sowjetunion 1926, Eintritt in den Völkerbund 1926, Kellogg-Pakt 1928, Young-Plan 1929) als Etappen auf dem Weg zur Wiedergewinnung der dt.Machtstellung. Bei seiner Revisionspolitik vorsichtig agierend, vermied er Konflikte und setzte auf internationale Kooperation. S. erreichte in seinen sechs Amtsjahren die Räumung des Ruhrgebiets und die vorzeitige Beendigung der Rheinlandbesetzung, eine erträgliche Regelung der Reparationsfrage in Verbindung mit einer wirtschaftlichen Stabilisierung in Deutschland, Aufhebung der alliierten Militärkontrolle und Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund. Nicht weniger zählt auch die Tatsache, daß es S. gelang, das seit der Jahrhundertwende gestörte Verhältnis Deutschlands zu seinen Nachbarstaaten weitgehend zu normalisieren und Vertrauen diesseits und jenseits des Atlantiks aufzubauen. Als erster Deutscher wurde er im Dez. 1926 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet (gemeinsam mit seinem franz. Amtskollegen Aristide Briand).

S.s letzte Lebensphase war in vielfacher Weise überschattet: Er litt darunter, daß erhoffte Ergebnisse der Locarno-Politik sich zu langsam einstellten, sein labiler Gesundheitszustand machte ihm immer mehr zu schaffen, v. a. seit einem Zusammenbruch im Frühjahr 1928, und schließlich gestaltete sich das Verhältnis zu seiner eigenen Partei zunehmend prekär. So unbestritten seine Stellung als Parteivorsitzender war, dem von ihm gesteuerten politischen Kurs folgte ein Teil der Partei, insbesondere die Reichstagsfraktion, immer unwilliger. Die Auseinandersetzungen kulminierten 1928/29, als S. durch das Verhalten der Fraktion seine Autorität als Parteiführer in Frage gestellt sah. Als ein bereits vom Tode Gezeichneter erkämpfte er auf der Haager Konferenz im Aug. 1929 die Zusage einer vorzeitigen Rheinlandräumung und hielt im Sept. auf der Völkerbundstagung in Genf eine engagierte Europarede. In der Nacht vom 2./3. 10. 1929 erlag er einem Schlaganfall.

S. ragt unter den Politikern der Weimarer Republik weit heraus. Als Reichskanzler im Krisenjahr 1923 und als langjähriger Außenminister übte er einen so prägenden Einfluß auf die dt. Politik dieser Jahre aus, daß mit Recht von einer „Ära Stresemann“ gesprochen wird. Das Bild S.s in der Nachwelt reicht von affirmativer Erinnerungskultur unmittelbar nach seinem Tod über die Verfemung S.s durch die Nationalsozialisten als „Erfüllungspolitiker“, die Betonung der europ. Perspektive seiner Politik in der Phase der frühen Bundesrepublik bis hin zum ambivalent-differenzierenden Bild der heutigen Forschung, das S.ebenso als kalkulierenden Real- wie als nationalen Machtpolitiker in die Reihe der großen europ. Politiker seiner Zeit einordnet.

7. Paul von Hindenburg

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Nach kurzem Besuch des Gymnasiums in Glogau besuchte H. 1859-66 die Kadettenanstalten in Wahlstatt (Kreis Liegnitz) und Berlin. Die Teilnahme am Feldzug in Böhmen 1866, besonders an der Schlacht von Königgrätz, als Seconde-Leutnant im 3. Garde-Regiment zu Fuß blieb für H. zeitlebens das große Erlebnis eigener Bewährung und preußischen Waffenruhms. Den Krieg 1870/71 machte er als Regiments-Adjutant mit. Anschließend begann eine erfolgreiche Karriere im Wechsel von Truppen- und Generalstabsdienst: 1873-76 Kriegsakademie mit vorzüglichem Abgangszeugnis, 1877 Großer Generalstab mit (1878) Versetzung zum II. Armeekorps in Stettin, 1881 1. Generalstabsoffizier der 1. Division in Königsberg, 1884/85 Kompaniechef im Infanterie-Regiment 58 in Fraustadt (Posen), 1885 Großer Generalstab und Ia des III. Armeekorps in Berlin, dort auch Lehrer an der Kriegsakademie, Beginn enger Anlehnung an Schlieffen und dessen Lehre, 1889 Kriegsministerium, 1893 Kommandeur (Oberst) des Infanterie-Regiment 91 in Oldenburg, 1896 Chef des Stabes des VIII. Armeekorps in Koblenz, 1900 Kommandeur der 28. Division in Karlsruhe, 1903 Kommandierender General des IV. Armeekorps in Magdeburg. Als solcher erhielt er 64jährig 1911 den Abschied. Theoretisch und praktisch hatte er sich als militärischer Führer bewährt. Der Dienst hatte ihn geprägt. Ohne politischen Ehrgeiz und besonderes politisches Interesse, hatte er sich in einer sehr erfolgreichen, wenn auch nicht ungewöhnlichen militärischen Laufbahn bewährt, geradlinig und unkompliziert, in betont königstreu konservativer Tradition sich begreifend.

Bei Kriegsausbruch war für den in Hannover im Ruhestand lebenden H. zunächst keine Verwendung vorgesehen. Als am 21.8.1914 Ludendorff zum Chef des Stabes der 8. Armee in Ostpreußen ernannt wurde, um dort die gefährliche Lage zu meistern, wurde H. Oberbefehlshaber der 8. Armee, weil ihm im Gegensatz zu seinem Vorgänger die überlegene Ruhe des Gewährenlassens gegenüber dem eigenwilligen, energisch kraftvollen neuen Chef zugetraut wurde. Diese Erwartung erwies sich als zutreffend. Ludendorff blieb im Kriege stets der erste Mitarbeiter H.s, überragte ihn aber in der Führungskunst an Entschlußkraft und Arbeitsleistung. Er prägte H. seinen Willen sowohl militärisch wie politisch auf, ohne daß H. dies als Fremdbestimmung empfunden hätte; denn militärisch kamen beide erfahrenen Generalstäbler aus Schlieffens Schule und fanden sich auch politisch in gleicher Gesinnung zusammen. Die beiderseitige Entfremdung und die von Ludendorff betriebene Herabsetzung H.s begannen erst nach dem Kriege. In der Schlacht von Tannenberg, deren Namensgebung in Anknüpfung an 1410 auf H.s Vorschlag beim Kaiser zurückgeht, bewährte sich die gemeinsame Führung von Chef und Oberbefehlshaber zum ersten Mal. Schlieffens „Cannae“ war verwirklicht worden. H. wurde nicht nur zum „Retter Ostpreußens“, sondern zum populären Symbol des deutschen Siegeswillens. Der H.-Mythos begann sogleich nach Tannenberg, steigerte sich während des Krieges und überdauerte die Niederlage in den „vaterländisch“ gesinnten Massen.

Mitte September 1914 übernahmen H. und Ludendorff als Oberbefehlshaber und Chef die in Kongreßpolen operierende 9. Armee, am 1.11.1914 den Oberbefehl über alle deutschen Truppen der Ostfront („Oberbefehlshaber Ost“). Von dieser Stellung aus versuchten sie vergeblich, Wilhelm II. und den Chef des Generalstabs von Falkenhayn dazu zu bewegen, die Ostfront so zu verstärken, daß die schnelle Kriegsentscheidung im Osten erzwungen werden konnte. Der Konflikt zwischen der Obersten Heeresleitung (OHL) und „Ober-Ost“ hielt an, bis nach dem Scheitern der Verdun-Offensive sowie dem Kriegseintritt Rumäniens Falkenhayn entlassen wurde und H. am 29.8.1916 sein Nachfolger – mit Ludendorff als voll mitverantwortlichem „Erstem Generalquartiermeister“ – wurde. Die neue OHL geriet, je stärker der Krieg nicht nur militärisch geführt werden mußte, sondern schwere kriegswirtschaftliche, außen- und innenpolitische Entscheidungsfragen aufwarf, zunehmend in die politischen Auseinandersetzungen hinein und gewann angesichts der Führungsschwäche des Kaisers und seiner Reichskanzler 1917/18 eine Schlüsselstellung. H. handelte auch dabei stets im Einvernehmen mit dem die Entscheidungen maßgeblich bestimmenden Ludendorff, so besonders in der Polenfrage, im Durchsetzen des unbeschränkten U-Bootkrieges und im Drängen auf die Entlassung des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg. Die dem „Vaterländischen Hilfsdienstgesetz“ von 1916 zugrundeliegenden Vorbereitungen deckte H. mit seinem Namen („H.-Programm“).

In den letzten Kriegsmonaten sah sich H. der bisher ungewohnten Belastung ausgesetzt, selbst und unabhängig von Ludendorff Entscheidungen fällen zu müssen. So suchte er im Juli 1918 vorübergehend eine von Ludendorff scharf abweichende Strategie durchzusetzen (Gegenoffensive statt hinhaltender Verteidigung), die freilich durch die Ereignisse schnell überholt wurde. Nach Aussöhnung mit Ludendorff kam es Ende Oktober zur Entfremdung zwischen beiden, als Ludendorff entlassen wurde und H. sein Entlassungsgesuch auf Drängen des Kaisers und des Kriegskabinetts zurückzog. H. begab sich durch sein Bleiben de facto, wenn auch gegen seine eigentliche Absicht und Überzeugung auf den durch die 3. Wilson-Note vom 23. Oktober vorgezeichneten Weg, der zur Abdankung des Kaisers und zur bedingungslosen Annahme des Waffenstillstandsvertrags führte. Am 9.11.1918 riet H. zum Übertritt Wilhelms II. nach Holland, woraus unerquickliche Kontroversen, eine Vertrauenskrise zwischen dem ehemaligen Kaiser und H. sowie ein lebenslanges Trauma H.s folgten.

Im November 1918 hat H., nunmehr beraten und bestimmt durch Ludendorffs Nachfolger General Groener, nolens volens entscheidend dazu beigetragen, daß der Übergang von der Monarchie zur Republik unter den Bedingungen der Niederlage, materieller Not und Revolutionsgefahr verhältnismäßig reibungslos gelang. Denn H. blieb in seinem Amt, geachtet vom größten Teil des Volkes und der Front, und wurde von Ebert und der SPD-Mehrheit für unentbehrlich gehalten. H. drängte am 10. November auf schnelle Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags, stellte sich der neuen Regierung zur Verfügung, um das Frontheer geordnet zurückzuführen und, mit Hilfe der Arbeiter- und Soldatenräte, Ruhe und Ordnung aufrechterhalten zu helfen.

H. betrachtete sich als zum Ausharren in der Verantwortung verpflichtet und ging, bei geschickter Vermittlung des demokratisch gesinnten Generals Groener, bewußt ein Bündnis mit der provisorischen Regierung des Rats der Volksbeauftragten ein, da ihn mit Ebert und Noske die Überzeugung verband, daß Ruhe und Ordnung gegen die weitertreibende Revolution von links unter allen Umständen bewahrt werden sollten. Auf Grund der Schlüsselstellung, die H. und Groener besaßen, gelang es ihnen schnell, die Kommandogewalt im Heer wieder zu festigen und Freiwilligenverbände aufzustellen, die – zuerst im Januar 1919 in Berlin – mit Erfolg gegen linksrevolutionäre Aufständische eingesetzt wurden. Nach Annahme des Friedensvertrags von Versailles durch den Reichstag und die (umgebildete) Reichsregierung nahm H. den Abschied, nachdem Groener vorher mit seinem Einverständnis Ebert gegenüber die Annahme des Friedensvertrags als unausweichlich bezeichnet hatte.

H. zog sich in Hannover in den Ruhestand zurück, ohne die Absicht zu haben, sich öffentlich politisch zu betätigen. Aufsehen erregte sein Auftreten vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung am 18.11.1919 (gemeinsam mit Ludendorff), wo er eine Erklärung im Sinne der damals aufkommenden Dolchstoß-Legende abgab.

Im April 1925 stellte er sich – selbst parteilos – nach einigem Widerstreben zum 2. Wahlgang der Reichspräsidentenwahl als überparteilicher Kandidat der Rechtsparteien einschließlich der Bayerischen Volkspartei zur Verfügung. Er wurde mit der relativen Mehrheit von gut 48% vor Marx (Zentrum) mit 45% und Thälmann (KPD) mit 6% gewählt. Die Wahl wurde entweder als Anzeichen angesehen, daß die restaurativen Kräfte einen für die Zukunft verhängnisvollen Sieg über die Republik errungen hätten, oder sie wurde mit der Hoffnung verbunden, daß die Tradition des Kaiserreichs Aussicht habe, hinfort sich der Republik im Geiste einer „konservativen Demokratie“ anzuverwandeln. In der Tat lagen beide Möglichkeiten in diesem Ereignis beschlossen. Bis 1929 schien die Entwicklung in der zweiten Richtung zu gehen. H. bemühte sich, seiner „Osterbotschaft“ vor der Wahl gemäß, über den Parteien zu stehen sowie trotz seiner inneren Bindung an die Monarchie, getreu seinem Eide, ein loyaler und gerechter Präsident der Republik zu sein. Er befremdete daher viele seiner alten Freunde oder Kameraden von rechts und zerstreute manche Befürchtungen von links. Doch wirkten H.s Enttäuschung über die Labilität der kurzlebigen Kabinette seit 1925 und sein traditionelles Mißtrauen gegen politische Parteien und Parlamentarismus darauf hin, schon in der Regierungskrise um die Jahreswende 1926/27 dem Gedanken eines parlamentarisch unabhängigen Beamtenkabinetts näherzutreten oder Oberst von Schleichers Vorschlag eines Minderheitskampfkabinetts mit dem Notstandsartikel 48 im Hintergrund zu erwägen. Wurden derartige Absichten damals noch zurückgestellt, so traten sie im Frühjahr 1930 in ihr akutes Stadium.

Als gegen Ende des Jahres 1929 die vielberufene „Krise des Parlamentarismus“ und die Entscheidungsschwäche der Regierung gegenüber den drängenden wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen angesichts der beginnenden Wirtschaftskrise und zunehmender rechtsradikaler Aktivität noch stärker als zuvor ins öffentliche Bewußtsein traten, hielt H., bestärkt durch Schleicher und andere Ratgeber, den Zeitpunkt für gekommen, seine Präsidialgewalt für einen richtungweisenden Kurswechsel einzusetzen. Ein „H.-Kabinett“ sollte gebildet und notfalls auch unabhängig von der Parteienmehrheit gehalten werden. Auf jeden Fall sollte von nun an ohne die SPD regiert werden. H. wünschte eine Abkehr vom fragwürdig gewordenen reinen Parlamentarismus, das heißt eine dauerhafte Schwenkung nach rechts, wobei er außer dem allgemeinen „vaterländischen“ Wohl speziell auch eine verstärkte Hilfe für die in der Krise besonders gefährdete ostdeutsche (Groß)-Landwirtschaft im Auge hatte. Wenn auch offensichtlich die Initiative zum „H.-Kabinett“ stärker von Schleicher als von dem auch hier nicht selbst treibenden H. ausgegangen ist, so hat der Reichspräsident doch die Berufung →Brünings zum Reichskanzler (30.3.1930) als Beginn für den erwünschten Kurswechsel angesehen. Daraus folgte, daß H. „seinen“ Kanzler im Juli 1930 mit Hilfe des Artikel 48 der Verfassung und der Reichstagsauflösung gegen die widerstrebende Reichstagsmehrheit deckte, daß er aber zwischen dem Herbst 1930 und dem Frühjahr 1932 in dem Maße sich →Brüning entfremdete, als dieser de facto trotz seiner unpopulären Wirtschaftspolitik immer mehr ein Kanzler der Mitte und der Linken und immer weniger der sich von ihm zunehmend abwendenden Rechten wurde. Auch hier war Schleicher neben andern Einflüssen von rechts politisch entscheidend, schon in der zweiten Hälfte des Jahres 1931, besonders aber im Frühjahr 1932,|als es um die Frage der Amtsverlängerung oder der Wiederwahl H.s ging. Der Reichspräsident lehnte damals →Brünings Plan ab, daß er als Reichsverweser bis zur Einsetzung eines Monarchen weiter im Amt bleiben sollte, da für ihn eine monarchische Restauration nur mit Wilhelm II. als Kaiser in Betracht kommen konnte. Die Wiederwahl wurde unvermeidlich, weil eine verfassungsändernde Mehrheit im Reichstag für eine Amtsverlängerung ohne Wahl nicht erreichbar war. Widerwillig fügte sich H.der Tatsache, daß nur er noch für populär genug gehalten werden konnte, gegen Hitler den Wahlsieg davonzutragen. Daß er, verglichen mit 1925, gleichsam mit verkehrter Front, das heißt von links und der Mitte gegen rechts gewählt wurde, hat H. kaum verwinden können. Nachdem er im 2. Wahlgang mit der absoluten Mehrheit von 53% vor Hitler mit 37% und Thälmann mit 10% gewählt worden war, ließ er seinem Unmut über →Brüning freien Lauf. Den letzten Anstoß gab der Entwurf eines Siedlungsgesetzes, in dem die Aufsiedlung nicht entschuldungsfähiger Güter vorgesehen war. H. gab dem daraufhin einsetzenden Druck des Reichslandbundes und der Deutschnationalen Volkspartei bereitwillig nach und entließ →Brüning, den er ohnehin fallen lassen wollte, am 30.5.1932.

Zu dem von Schleicher vorgeschlagenen Nachfolger Franz von Papen und dessen konservativem Kabinett gewann H. alsbald Sympathie und Vertrauen. Die Grenze dieser engen Beziehung war jedoch durch H.s Treue zur Verfassung gesetzt. Der Reichspräsident lehnte Ende November 1932 eine befristete Diktatur Papens als Ausweg aus der staatspolitischen Krise ab, da die Verfassung einer Suspension des Reichstags widersprach, mochte diese auch nur für ein halbes Jahr vorgesehen sein. H. trennte sich ungern von Papen, hielt es aber für seine Pflicht, Schleicher als Kanzler einen verfassungsgerechten Ausweg aus der Krise finden zu lassen. Als Schleicher damit im Januar 1933 gescheitert oder vorerst stecken geblieben war und nun seinerseits die Diktatur mit suspendiertem Reichstag für ein halbes Jahr forderte, lehnte H. wiederum ab und ließ sich unter dem Druck persönlicher Einflüsse widerstrebend dazu bringen, Hitler als Reichskanzler eines konservativ-nationalsozialistischen Koalitionskabinetts verfassungsgemäß zu berufen (30.1.1933).

In den folgenden 1½ Jahren war H. dem Vorgehen Hitlers aus Mangel an Urteilskraft und Information mehr oder weniger hilflos ausgeliefert. Seine Zustimmung zur nationalen „Erneuerung“ Deutschlands in der Anknüpfung an eine alte geliebte Tradition (Tag von Potsdam, 21.3.1933) wurde durch schwere Sorgen über die nationalsozialistische „Revolution“ überdeckt. Mit Hilfe des Vizekanzlers von Papen suchte H., die von Hitler zunehmend zurückgedrängten konservativen Kräfte wirksam zu erhalten. So lehnte er Anfang 1934 die Ernennung des „zu jugendlichen“ Generals von Reichenau zum Chef der Heeresleitung ab und setzte gegen Hitler und Blomberg die Ernennung des Generals Freiherr von Fritsch durch. In den letzten Lebensmonaten ist H. teils infolge Nachlassens seiner Kraft, teils infolge der von Hitler bewerkstelligten Isolierung schon mehr und mehr ausgeschaltet gewesen. Mit seinem Tode erlosch das Amt des Reichspräsidenten, das auf Grund eines schon vorher verabschiedeten Gesetzes mit dem des Reichskanzlers vereinigt wurde. Der längst erhoffte Tod H.s gab Hitler den Weg noch unbehinderter als zuvor frei.

H.s Bedeutung ist in und nach dem 1. Weltkrieg von einem großen Teil der deutschen Nation überschätzt worden. In der Staats- und Wirtschaftskrise 1930-33 verlor sein Mythos im Kreuzfeuer zwischen „Republik“ und „nationaler Revolution“ an Ausstrahlungskraft. H. war 1916-18 sowie 1925-33 überfordert, als er aus dem militärischen Bereich herauszutreten und eine politische Führungsrolle zu spielen genötigt war. Sein Ausharren im Dienst, inmitten einer weithin fremden, ja zum Teil von ihm mißachteten Umwelt, hat zum Scheitern der demokratischen Republik beigetragen; H.s bei aller Verfassungsloyalität gleichwohl stets lebendiges Wunschziel einer monarchischen Restauration wurde dabei nie aktualisiert. So ist der vor 1914 glänzend aufgestiegene Generalstabsoffizier und der im Kriege gefeierte Feldherr als Greis in eine für ihn ausweglose Tragik verstrickt gewesen.

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Friedrich Ebert, in: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, online verfügbar unter: https://www.hausaufderalb.de/friedrich-ebert, zuletzt geprüft am 11.08.2025.

-> Peters, Olaf, „Dix, Otto“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2024, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118526103.html#dbocontent, zuletzt geprüft am 11.08.2025.

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Sekundärliteratur

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