Friedrich II. (Preußen)
Inhaltsverzeichnis
- Friedrich der Große: Feldherr und Philosoph
- Preußenkönig Friedrich der Große. Der erste Untertan
1. Friedrich der Große: Feldherr und Philosoph
Er ist der Sohn des »Soldatenkönigs«, aber dessen Drill will sich Friedrich nicht fügen. Der Kronprinz fürchtet sich vor Geschützlärm, will Künstler sein und Philosoph. Doch dann wendet eine grausame Strafe des Vaters das zarte Gemüt des Hohenzollern. Kaum hat er den Thron 1740 bestiegen, zieht Friedrich II. in den Kampf – »um zu siegen oder zu sterben«. Rücksichtslos schmiedet er Preußen in vier Angriffskriegen zur Großmacht. Er baut die Residenz Potsdam aus und Berlin zur Metropole, fördert Handel und Gewerbe. Und bleibt dennoch Schöngeist: Selbstverliebt korrespondiert er mit Frankreichs Aufklärern, schreibt Gedichte, Flötensonaten und Arien. Doch das wahre Genie Friedrichs des Großen liegt in einer anderen Begabung: in der Maskerade, der Kunst, sich zu verstellen
Verrückt“ nennt ihn der Franzosenkönig Ludwig XV. Ein „Monstrum“, raunt die österreichische Erzherzogin Maria Theresia. „Alles zitterte bei seinem Anblicke“, schreibt ein Adjutant nach Friedrichs Tod. Ein Naturereignis – kurz: ein Genie. Das Genie, so definiert die berühmte „Enzyklopädie“, herausgegeben von den französischen Aufklärern Denis Diderot und Jean Le Rond d’Alembert, Friedrichs langjährigem Brieffreund, ist „wie Blitze in einer langen Nacht“. Es ist eigensinnig und unberechenbar, schert sich nicht um Etikette und Konventionen: „Die Regeln und Gesetze des Geschmacks würden dem Genie Fesseln anlegen; es sprengt sie, um zum Erhabenen, zum Ergreifenden, zum Großen zu fliegen.“
Auch Friedrich II. von Preußen, genannt der Große, will, so scheint es, partout solch eine schöne, freie Seele sein – ein Traumtänzer auf dem kargen Boden Brandenburgs. „Genie“ ist der letzte Schrei, das neue Tier im Bestiarium der Zeit. Erst im 18. Jahrhundert hat le génie von Frankreich her die deutsche Sprache erobert – und die deutsche Kultur. Noch zu Friedrichs Lebzeiten ersetzen die Dichter der „Empfindsamkeit“ die starren Regeln der Poetik durch heißes Gefühl. Feiert der „Sturm und Drang“ den rohen, ungehemmten Ausdruck des Künstlers. Rührt Goethes junger Werther ein Massenpublikum zu Tränen, beginnen selbst Kirchenmänner, ihre Predigten mit Weinen und Schluchzen zu würzen, um Leidenschaft zu zeigen.
„Geniezeit“ heißt die Epoche, die jetzt mit Macht heraufdämmert: „Wie schwatzen und wie schreiben sie / Nach jedem zehnten Wort, auf jedem dritten Blatt / Nur immer vom Genie!“, beschwert sich 1771 der entnervte Poet Friedrich Gottlieb Klopstock. Und es ist, als mühe sich auch Preußens König, Freund alles Französischen, sich so genialisch wie nur möglich zu benehmen. Leidenschaftlich markiert er den Künstler, und kunstvoll spielt er die Leidenschaft. Lange bevor die Romantik erfunden wird, gibt er den romantischen Helden, der sich über Vernunft und Schicklichkeit erhebt. Und mehr als 100 Jahre vor Kaiser Wilhelm II. wird er zum Urbild all jener mörderischen Schwärmer, welche die deutsche Geschichte noch heimsuchen werden.
DIE MONARCHIE als schöne Kunst: Unter tollkühnem Einsatz seines Lebens stürzt er sich in vier Angriffskriege, verbringt elf Jahre im Feld. Er verachtet die Frauen, die Menschheit, das Leben – und komponiert 121 Flötensonaten, vier Flötenkonzerte, dazu eine Hand voll Arien für die Oper. Dichtet, wie der Schriftsteller und Philosoph Voltaire nicht ganz ohne Spott staunt, an die 500 Verse in acht Tagen. Und all das „pour la gloire“, wie der Monarch in seinem geliebten Französisch bekennt, für Ruhm und Gloria. Doch ist es ein Wunder, dass dem jungen Friedrich, der am 24. Januar 1712 in den Schraubstock einer preußischcalvinistischen Familie hineingeboren wird, die Kunst als der einzige Ausweg erscheint? Sein Vater, der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm, ist ein praktischer Mann, der den Sohn statt toter Sprachen und Sagen des Altertums lieber Mathematik, Ökonomie und Geographie pauken lässt. Ein plumper Kerl, dem vier kräftige Männer den gichtsiechen Leib aufs Pferd hieven müssen. Ein Militarist, der in Friedenszeiten 80 Prozent des Staatshaushalts für die Armee ausgibt, der sich mit 2400 „Langen Kerls“ umkränzt, die er für teures Geld nach Größe einkauft: Einmal zahlt Friedrich Wilhelm 9000 Taler, das dreifache Jahresgehalt eines Ministers, für einen 2,16 Meter langen Iren. Er vergnügt sich damit, seine Lieblinge auf mannshohe Kartons zu malen, und am liebsten möchte er sie züchten.
„Das schönste Mädchen“, sagt er, „wäre mir gleichgültig. Aber Soldaten, das ist meine Schwäche.“
Friedrich Wilhelm ist ein Spartaner, der peinliche Sauberkeit hält und seinen Leib jeden Morgen mit kaltem Brunnenwasser schrubbt. Ein Wüterich, der seine Umgebung mit Fäusten, Füßen, Stöcken und Pistolen traktiert, die er mit Salz geladen hat – gleichgültig, ob es sich um Lakaien, seine Kinder oder den britischen Gesandten handelt. Ein Sadist, der seinen Hofnarren Jacob Paul von Gundling zusammen mit einem Bären einschließen, im Winter in Eiswasser tauchen und schließlich in einem Weinfass beerdigen lässt.
Ein Pedant, der seinen Beamtenapparat mit von ihm selbst in einem Zug diktierten Dienstvorschriften in 35 Kapiteln und 297 Paragrafen an der Kandare hält. Ein Patriarch, der müßige Untertanen mit dem Stock zur Arbeit treibt und, wenn sie ihn fliehen, anherrscht: „Lieben sollt ihr mich, ihr Kanaillen, lieben!“ Vierschrötig und ungeschlacht ist er – wie Preußen, jenes raue, formlose Land, das aus weiten Sandflächen besteht, aus endlosen Morästen und Wäldern. Getrennt durch Sprachbarrieren, zerrissen von Grenzen: ein „Königreich der Flicken und Fetzen“, vom Rhein bis zur Memel über die Landkarte verstreut, in dessen Teilen die Menschen Deutsch, Polnisch oder Litauisch sprechen. Es ist eine neugeborene, mittlere Macht, eingeklemmt zwischen der Großmacht Österreich und Schweden, das seine Hegemonie im Ostseeraum zu verteidigen versucht.
Preußens Hauptstadt Berlin im brandenburgischen Kernland ist schlecht gepflastert, schmutzig und von Kloaken durchzogen, geplagt von den Stechmückenschwärmen der umliegenden Seen und den Staubwolken aus der märkischen Heide. Hier herrscht, wie auch Friedrich dereinst feststellen wird, „eine etwas wilde Lebensart“. Eine Lebensart, wie sein Vater sie pflegt. Der liebt Sauhatz und Bier, Tabak und Zoten mehr als die Feinheiten der Zivilisation. Als Friedrich Wilhelm 1713 den Thron des noch jungen Königreichs bestieg, hat er umgehend Kammerjunker und Pagen entlassen, hat die Hofkapelle aufgelöst, die kostbaren Weine aus dem Schlosskeller verkauft, Tafelgeschirr, Möbel und Kronleuchter versteigert. Seinen Sohn will er nicht nur zur Vaterliebe zurichten, sondern zu seinem Ebenbild meißeln. Friedrich ist bereits der dritte Versuch: Zwei Prinzen sind schon kurz nach der Geburt gestorben.
Den zarten Kleinen, der sich vor jedem Geschützlärm fürchtet, drängt er zum Spiel mit Zinnsoldaten, Pistolen und Spielzeugkanonen. Er setzt ihm zwei Offiziere als Erzieher vor, verordnet ihm ein Kasernenregime im Jagdschloss Wusterhausen: Fürs Frühstück sind sieben Minuten vorgesehen. Friedrich aber verdrückt sich ins Schöne, in Tanz und Musik, in ein Leben als Poem. Statt mit kaltem Wasser pflegt er sich mit Puder und Parfum, und während der Vater Hirsche hetzt, flötet er auf einer Lichtung den Vögeln vor. Benommen vor Schönheit, kehrt er von einem Ausflug zum Dresdner Hof des Kurfürsten August des Starken zurück, von den Balletten, den Festen, den Bühnenstücken, den Ahnungen galanter Spiele – „Denke nicht an die Eitelkeit“, mahnt ihn Friedrich Wilhelm, „sondern halte dich an das Reelle.“ Und wirft Bücher, Flöten und Geschriebenes in den Kamin. Friedrich leidet Qualen unter dem „grausamen Hass“ des Vaters. Und der König verzweifelt an diesem „Querpfeifer und Poeten“, diesem „effeminierten Kerl“, der „sich schämt, nicht reiten noch schießen kann, seine Haare wie ein Narr sich frisieret und nicht verschneidet“.
Er prügelt und würgt ihn, schickt noch den Spott hinterher: „Wenn mein Vater mich so behandelt hätte, so hätte ich mich längst umgebracht. Aber du hast keinen Mut und bist ein bloßer Schurke.“
MIT 18 JAHREN denkt Friedrich erstmals an Flucht („Sage nun selbst“, fragt er seine Schwester, „ob mir ein anderes Mittel übrig bleibt?“) – nach Frankreich vielleicht. Oder nach Großbritannien, wo seine Mutter, immerhin eine Schwester König Georgs II., bereits eine Prinzessin als Braut für ihn ausgesucht hat. Nach ihrem Plan soll auch Friedrichs Schwester Wilhelmine die preußischbritischen Familienbande verstärken und den englischen Thronfolger heiraten. Im Sommer 1730, auf einer Reise im Gefolge des Königs an süd- und westdeutsche Höfe, scheint die Gelegenheit günstig. Friedrich weiht seinen Freund, den Leutnant Hans Hermann von Katte, in seine Pläne ein, bestellt seinen Pagen für den 5. August um drei Uhr nachts mit zwei Pferden vor sein Quartier, eine Scheune im badischen Dörfchen Steinsfurt. Doch als er in seinem neuen roten Reiserock auf die Straße tritt, umringt ihn eine Hand voll Offiziere und verhindert die Flucht. Der König hat von den Plänen erfahren; er glaubt an eine britische Verschwörung gegen sein Leben. Der Prinz steht unter Arrest und fährt einige Tage später in einer plombierten Kalesche in die schroffe Festung Küstrin.
Fast sieht es aus, als hätte der sentimentale Prinz sich sein Scheitern gewünscht. Es war von Anfang an ein Vabanquespiel, das nicht zu gewinnen war, ein Drama mit eingebauter Tragik. Hinter doppelt verschlossener Kerkertür und bei einem kleinen Talglicht, das um sieben Uhr abends gelöscht wird, wartet Friedrich monatelang auf das Verdikt: Auf Desertion, wie der König die Eskapade des Prinzen bewertet, steht der Tod. Den Mitwisser Katte verurteilt ein Kriegsgericht zu lebenslanger Festungshaft. Majestät aber reicht das Urteil nicht aus. „Das Kriechgericht“, dekretiert er in herrschaftlicher Orthographie, solle „wieder zusammenkommen und ein anderes sprechen“: Todesstrafe. Aus Rücksicht auf die Familie solle der Fluchthelfer nicht „mit glühenden Zangen zerrissen und aufgehängt“, sondern nur „mit dem Schwert vom Leben zum Tode gebracht“ werden.
Am Morgen des 6. November wird der Kronprinz um fünf Uhr morgens geweckt: In zwei Stunden soll er Kattes Tod mit ansehen, auf dass, so der König, die „Exekution ihm das Herz rühren und weich machen“ möge. Als der Freund in brauner Sträflingskutte an die Richtstätte tritt, wirft Friedrich ihm noch eine Kusshand zu: „Mon cher Katte“, ruft er, „ich bitte Sie tausendmal um Vergebung.“ Katte spricht noch ein Gebet, „welches noch nicht aus war“, wie ein anwesender Major berichtet, „so flog der Kopf weg“. Friedrich aber sinkt, noch bevor das Schwert saust, ohnmächtig zusammen.
Der Tod des Freundes macht Friedrich zum lebensmüden Kämpfer
„Nach solcher Exekution“, vermerkt ein Militärgeistlicher, „hat der Kronprinz die Augen beständig auf den Körper gerichtet, bis nach Mittags, und dessen Einlegung in den Sarg mit observiert.“
Den Prinzen selbst begnadigt der König zu verschärftem Stumpfsinn. Seine Erzieher werden angewiesen, ihn keine Minute mehr allein zu lassen, darauf zu achten, dass er außer seinem Vater „an keinen Menschen in der Welt“ Briefe scheibt, „keine andere Sprache als Deutsch“ spricht, weder unerlaubte Bücher liest noch Musik hört oder spielt. Und tatsächlich: Friedrich spielt fortan die Unterwerfung, geht mit Begeisterung zur Jagd, trinkt Bier an Stelle des geschätzten Weins, beteuert seine Liebe zur Uniform. Bei einem Besuch des Vaters fällt er dreimal vor dem König auf die Knie, küsst ihm die Stiefel. Friedrich Wilhelm bleibt überzeugt, dass „nichts Gutes“ an seinem Sohn ist – „aber seine Zunge ist gut, da fehlet nichts daran“.
Es gibt Historiker, die in den Heucheleien des Kronprinzen nur Notwehr gegen väterlichen Zwang sehen. Doch vielleicht ist hier auch schon Kunstwollen im Spiel – die Liebe zur Maskerade, die Friedrichs unterdrückte Sehnsucht nach Genie jetzt stillen soll. Später wird er sich in verräterischer Wortwahl mit einem „Dorfschauspieler“ vergleichen, der durch die Welt zieht, um seine „blutigen Tragödien aufzuführen“. Jedenfalls ist „die Kunst, seine Gedanken zu verbergen, auch Verstellung genannt“, wie er sagt, „für jeden Mann unerlässlich, der bedeutende Dinge vollbringen will“.
SO WIRD ER zum Virtuosen der Illusion. Zeit seines Lebens wird sein Rollenspiel Freund und Feind verwirren, wird er kalt Fronten und Freunde wechseln, wird er Verbündete verraten, wenn sie zu siegreich sind – gleich zweimal lässt er die Franzosen im Stich. Nicht einmal auf seine Augenfarbe kann man sich verlassen: Es gibt Biografen, die seine „dunkelblauen Strahlenaugen“ beschreiben; andere sprechen von „graublauen Augen“ oder von „Augen mehr schwarz als braun“, wieder andere von „blauen Augen, bald dunkler, bald heller“. Als der Vater ihm eine schlichte, wenig reizvolle Nichte des österreichischen Erzherzogs und deutschen Kaisers Karl VI. zur Frau aussucht und damit die preußisch-englischen Heiratspläne der Mutter zunichte macht – „nicht hässlich, auch nicht schön“, so beschreibt der König die Braut, aber „ein gottesfürchtiger Mensch“ –, schwört der Kronprinz „blinden Gehorsam“. Dem Ersten Minister des Königs schreibt er jedoch, er werde die Prinzessin „verstoßen, sobald ich der Herr bin“, droht gar mit Selbstmord. Und tritt dann doch am 12. Juni 1733 mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern vor den Altar.
Dass die Ehe jemals vollzogen wird, ist nicht sehr wahrscheinlich. Das väterliche Drängen nach einem Thronfolger weist Friedrich zurück: „Ich kann mit meiner Frau nicht aus Leidenschaft zu Bett gehen.“ Leidenschaft sei gar nicht nötig, erklärt ihm sein Mentor, der Graf Ernst von Manteuffel: Er müsse es nur machen wie die Bauern, die regelmäßig bei ihren Frauen lägen. Doch Friedrich glaubt, nicht zum Vater zu taugen: Eine Operation nach einer Geschlechtskrankheit habe ihn einst, so fürchtet er, impotent gemacht. „Königreiche finden immer Nachfolger“, sagt er jetzt – und bestimmt, um alle Erwartungen für immer auszuräumen, seinen jüngeren Bruder August Wilhelm zum „Prinzen von Preußen“. Dafür dichtet er ohne Unterlass – obwohl er weder das Deutsche noch das Französische vollkommen beherrscht. Doch seine Erlebnislyrik liegt enger am Zeitgeist, als er wohl denkt: Zwar wird er die deutschen Dichter seiner Epoche, die Klopstock, Herder, Lessing und Wieland, zeitlebens mit Missachtung strafen, wird er Shakespeares Dramen als „absonderliche Verirrungen“ tadeln und Goethes „Götz“ als „abscheuliche Nachahmung dieser schlechten englischen Stücke“.
Doch im Bestreben, „sein eigenes Empfinden, sein Sinnen und Trachten, den inneren Menschen zum Gegenstand der Poesie zu machen“, ist er den Poeten seiner Zeit, wie sein Biograf Reinhold Koser urteilt, „entschieden voraus“. Die Fiktion ist ihm längst zur zweiten Natur geworden. Während er heimlich den Tod seines Vaters ersehnt, der sich mit Gicht, Koliken, geschwollenen Beinen und Atemnot durch seine Tage quält, ergeht er sich öffentlich in zärtlichen Elogen: „Ich hätte nie geglaubt, dass ich ihn so lieb habe.“ Gleichzeitig schreibt er an einen Jugendfreund: „Ich muss ihn als meinen schlimmsten Feind betrachten.“ Seiner Schwester prophezeit er, „dass ich bei seinen Lebzeiten keine guten Tage haben werde“.
Drei Tage vor Friedrich Wilhelms Tod liegt er dann in den Armen des Vaters und nimmt tränenreichen Abschied von dem nicht einmal 52-jährigen Monarchen. Am 31. Mai 1740 stirbt Friedrich Wilhelm. Preußens neuer König heißt: Friedrich II. Und dessen Abscheu vor dem „Sterbekittel“, wie der Kronprinz die Uniform einst genannt hat, hält nicht lange vor. Es ist, als habe er nun eine Paraderolle gefunden, die sein ersehntes Genie noch besser zur Geltung bringt – den Part des wagemutigen Streiters. Schon einige Jahre vor dem Tod des Vaters hat er sich für die Staatsgeschäfte zu interessieren begonnen und sich bald „kriegerische Taten“ gewünscht, die der Soldatenkönig tunlichst vermieden hat – denn für Friedrich Wilhelm war die Armee ein kostbares Instrument, das man pflegt, nicht aber im Feld einsetzt.
Für den Sohn dagegen ist sie ein Requisit zum Heldenspiel. In einer Schrift hat der Kronprinz 1739 den Ruhm des Fürsten beschworen, „der mit Gewandtheit, Klugheit und Tapferkeit seine Staaten vor Invasionen schützt“ – auch durch einen Angriffskrieg. So rückt Friedrichs Armee schon im Jahr seiner Thronbesteigung in Schlesien ein: in jenes verlockend reiche Land, das den österreichischen Habsburgern gehört. Für den Friedrich-Biografen George P. Gooch gehört dieser Handstreich „zu den sensationellsten Verbrechen der Geschichte der Neuzeit“. Für Friedrich aber ist er das „kühnste, schnellste und größte Vorhaben“, das „jemals ein Fürst aus meinem Hause unternommen hat“, kurz: „das schönste Spiel der Welt“.
DENN GELEGENHEIT MACHT nicht nur Diebe, sondern auch Helden. Am 20. Oktober 1740 ist in Wien Kaiser Karl VI. gestorben – mit ihm endete die männliche Linie der Habsburger. Europa hadert nun über die Erbfolge im Hause Österreich: Ist die 23-jährige Prinzessin Maria Theresia die rechtmäßige Regentin – oder hat Albrecht von Bayern das Vorrecht, der Ehemann einer Tochter von Karls Vorgänger Joseph I.?
König Ludwig XV. von Frankreich unterstützt den Münchner Kurfürsten. Friedrich aber wartet nicht ab. Das finanziell und militärisch zerrüttete Wien kann den 90 000 preußischen Soldaten höchstens 80 000 Mann entgegenstellen, meist fern von Schlesien stationiert – und so eilt Friedrich ohne Skrupel zum „Rendezvous des Ruhms“, um Schlesien den Österreichern abzunehmen. Zwar ist der Krieg im 18. Jahrhundert selbstverständlicher Bestandteil der Politik. Zwar werden Thronfolgen regelmäßig auf dem Schlachtfeld geklärt, werden Länder ohne Skrupel geteilt und getauscht. Zwar hat Friedrich bei seinem Außenminister eine Rechtfertigungsschrift bestellt, die seinen Anspruch auf Schlesien mit windigen Argumenten stützen soll – „die Arbeit eines trefflichen Scharlatans“, wie der König lobt. Doch nicht Habgier oder Staatsräson sind es, die den 28-jährigen Preußenkönig zum Einmarsch drängen, sondern die Triebkräfte des Genies: „meine Jugend, die Glut der Leidenschaft, die Begierde nach Ruhm“.
Entweder, so Friedrich, Schlesien bleibt mein, oder es mag alles untergehen
Es ist der Wille zum Melodram, der ihn befeuert. Die Sehnsucht nach Ausnahmezuständen. Ununterbrochen steht er jetzt auf der Bühne, gibt den Heldentenor, kämpft, wie er selbst formuliert, um „das Vertrauen des Publikums“. Höchstpersönlich führt er die Truppen ins Gefecht. Die nüchterne Kriegswissenschaft der Ingenieure und Landvermesser lehnt Friedrich, der Militär- Romantiker, ab. Dafür bringt er immer wieder den Sieg in Gefahr, „weil er nicht kaltblütig genug“ ist, wie sein Adjutant Georg Heinrich von Berenhorst findet, und stattdessen „die Einbildungskraft eines Poeten“ ins Treffen führt.
Schon in der Schlacht gegen die Österreicher bei Mollwitz, am 10. April 1741, reitet Friedrich ohne Rücksicht auf sein Leben mitten ins Getümmel, weicht erst auf Drängen eines Feldmarschalls vom Schlachtfeld, entgeht nur knapp der Gefangennahme. Mehr als zehnmal wird ihm sein Pferd unter dem Leib weggeschossen, direkt neben ihm fallen seine Leute, dann wieder prallt eine Kugel an seiner Tabaksdose ab. Bei Torgau trifft ihn eine Musketenkugel am Brustbein – doch die dicke Winterkleidung dämpft den Aufprall. Als Friedrich aus der Ohnmacht erwacht, sagt er heldenhaft: „Es ist nichts.“ Immer wieder hält er den königlichen Leib in die Schusslinie feindlicher Kugeln: „Ich bin nicht hier, um ihnen aus dem Wege zu gehen“, belehrt er seine Offiziere.
Ein Vierteljahrtausend später wird der Psychoanalytiker Ernst Lürßen Friedrichs Kamikaze-Dramen als remakes jenes Traumas deuten, das ihm der Konflikt mit dem Vater beschert hat: Sein „provokantes Risikoverhalten“ sei der Versuch, die Bedrohung „in der Inszenierung des eigenen Schicksals immer neu zu wiederholen“. Und so ist er nicht mehr nur Schauspieler, sondern sogar Regisseur seines Lebens. Im Bündnis mit anderen beutegierigen Mächten, mit Frankreich, Bayern und Spanien, zwingt er Österreich, ihm Schlesien zu überlassen. Im Juni 1742, nach einer siegreichen Schlacht, schließt er mit Maria Theresia den Frieden von Breslau – einen Frieden, den er „heilig“ und „unverbrüchlich“ nennt.
Doch schon zwei Jahre später, als Wien gerade militärisch im Elsass beschäftigt ist, besetzt er, um Habsburgs Machtzuwachs und einer möglichen Rückeroberung Schlesiens vorzubeugen, im Handstreich das schutzlose Böhmen. In einem Leben, das ein Kunstwerk sein soll, geht es schließlich um alles oder nichts. Friedrich malt sich Götterdämmerungen aus, grandiose Zusammenbrüche. Immer wieder kündigt er an, „lieber in Ehren untergehen“ zu wollen, „als für mein ganzes Leben Ruhm und Reputation zu verlieren“. Weder sich selbst noch seine Soldaten wolle er schonen, „um zu siegen oder zu sterben“. Entweder Schlesien bleibt sein – „oder es mag alles zugrunde gehen“.
Zunächst kann Preußen seine Beute halten, trotz Nachschubproblemen, trotz feindseliger Bauern, die ihr Getreide vergraben und mit ihrem Vieh in die Wälder fliehen. Doch die österreichischen Truppen kehren in Eilmärschen vom Rhein zurück, zermürben die Aggressoren mit Ausweich- und Hinhaltestrategien, zwingen sie zum Rückzug über regendurchweichte Straßen. Rund 17 000 Soldaten – ein Viertel der meist aus ausländischen Söldnern zusammengerauften Preußenarmee – tauchen in den böhmischen Dörfern unter oder laufen zum Feind über. Es ist eine der größten Desertionen der Kriegsgeschichte. Und schon schlagen sich Großbritannien, Russland und Sachsen auf die Seite Habsburgs. „Kein General beging mehr Fehler in diesem Feldzug als der König“, wird Friedrich später selbstkritisch in der dritten Person resümieren. Doch ist nicht eben das, gemäß der „Enzyklopädie“, die Qualität des Genies? „Es erstaunt“, heißt es dort, „noch durch seine Fehler.“
Und so schlägt sich auch das Schicksal 1745 auf Friedrichs Seite. Der österreichische Feldmarschall, wird nach Italien abberufen – und dessen Nachfolger kann Friedrich in drei Schlachten bezwingen. „Ich bin in der Suppe gewest bis über die Ohren“, schreibt er hinterher seinem Kammerdiener nach Berlin: „Siehst du wohl, mir tut keine Kugel was.“ Am 25. Dezember 1745 erklärt Maria Theresia im Frieden von Dresden zum zweiten Mal den Verzicht auf Schlesien. Im Gegenzug erkennt Preußen ihren Gatten Franz I. als rechtmäßigen deutschen Kaiser an. Drei Tage später kehrt Friedrich siegreich nach Berlin zurück. Erstmals hört er die Rufe, die seinen neuen Beinamen verkünden: „Es lebe Friedrich der Große!“ Sieht die Aufschriften auf den Häusern: „Vivat Fridericus Magnus!“
DABEI IST ER NUR von mittlerer Statur, etwa 1,65 Meter groß; der Rücken ist krumm, der Kopf schief vom vielen Flötenspiel. „Er neigt ziemlich zum Starkwerden“, notiert ein französischer Diplomat, „und obwohl er sehr schlecht auf den Beinen ist, die dick und hässlich sind, ist sein Gang nicht ganz ohne Anmut.“ Doch nach den Schlesischen Kriegen ist er ein Großer. Und in seinem neuen Sommerschloss Sanssouci errichtet er sich einen „Tempel großer Männer“.
Es ist ein Olymp der Künste. Keine Architektur der Gewalt, keine einschüchternden Magistralen, keine ausladenden Innenhöfe wie in Versailles oder Schönbrunn bezwingen den Anblick – alles ist Heiterkeit, Spiel, arkadischer Hain. Der einstöckige, zierliche, kuppelgekrönte Bau ist umkränzt von Rebstöcken, Feigen- und Orangenbäumen, von marmornen Nymphen und Göttinnen. An der Südseite geht der Blick vom Terrassenhang mit seinen 132 Stufen über die Stadt Potsdam und den Lauf der Havel. Die Säle erstrahlen von den Gemälden Rubens’, van Dycks und Correggios, von galanten Rokoko-Reigen, von den luftigen Sinnestäuschungen Antoine Watteaus, des größten Illusionisten seiner Zeit. Französischer Mode folgend, spielt der Monarch diskret mit dem Aroma der Homosexualität: Gleich vor den Fenstern seiner Bibliothek lässt er die Statue des „Betenden Knaben“ aus Rhodos aufstellen, die den Lustknaben des Kaisers Hadrian darstellen soll – eine unmissverständliche Anspielung.
Denn sein Leben lang sieht sich Friedrich im Kampf gegen Frauen. Maria Theresia, Zarin Elisabeth und die Marquise de Pompadour, die mächtige Mätresse des französischen Königs: „Die drei Erzhuren Europas“ nennt er sie. Nur seine Schwester Wilhelmine nimmt er aus – sie gehört für ihn „nicht zu diesem Geschlecht“. Seinen Offizieren rät er von der Ehe ab, untersagt sie ihnen sogar bisweilen. Frauen haben in Sanssouci keinen Zutritt. Ein „Kloster“ nennt es Friedrichs Schwester Wilhelmine. Nicht einmal des Königs Gattin darf den Musenhain betreten: „Glücklich, wer einmal dort sein könnte“, seufzt sie vergebens. In Sanssouci führt Friedrich das Leben, das er erträumt. Um vier Uhr morgens steht er auf, im Winter auch um fünf; nimmt eine Tasse Kaffee mit Senf, erledigt die Staatsgeschäfte – und widmet sich nach dem Frühstück der Kunst und dem schönen Gespräch.
Hier teilt er den Alltag mit seinen Gästen, seinem Sekretär, seinen Vorlesern und nicht zuletzt seinem Kammerdiener Michael Gabriel Fredersdorf, dem er in rührendem Deutsch wahre Liebesbriefe schreibt: „Wohr [wenn] heute Mittag die Sone Scheint, so werde ich ausreiten. Kome doch am fenster, ich wolte Dihr gerne sehen!“ Die Tafelrunden parlieren im ewigen Lächeln der Kunst, unter gemalten Nymphen, Satyrn, Amouretten – und den spöttischen Augen des großen Voltaire. Schon 1736 hat sich Friedrich erstmals schriftlich und ehrerbietig an den „ingeniösen Schöpfer“ gewandt. Voltaire huldigte zurück. Mehr als 500 Briefe folgten, voll mit Versen, Schmeicheleien: „Monseigneur, der Gedanke an Sie erfüllt mich Tag und Nacht“, schreibt Voltaire. „Ich träume von meinem Prinzen, wie man von seiner Geliebten träumt.“
Es sind geistreiche Flirts, Koketterien, Werbungen, die da zwischen Preußen und Frankreich hin- und herfliegen: „Sie sind Philosoph, ich bin es auch“, schreibt Friedrich. „Was ist natürlicher und selbstverständlicher, als dass zwei Philosophen miteinander leben?“ Und wieder Täuschungen, wieder Maskerade: Einem französischen Bischof spielt der König einen kompromittierenden Brief Voltaires in die Hände – mit dem Ziel, „einen Bruch zwischen Voltaire und Frankreich herbeizuführen, so dass ihm nichts zu tun übrig bleibt, als zu uns zu kommen“. Doch der Plan scheitert. Erst nach dem Tod seiner Geliebten ist der Dichter zum Umzug bereit. Friedrich ernennt Voltaire zu seinem Kammerherrn.
Das Zusammenleben der beiden Philosophen steht unter schlechten Zeichen. Voltaire, der Literat, möchte am liebsten Politiker sein – eine Rolle, die ihm in Frankreich Hof und Kirche verwehren. Friedrich aber, der König, möchte ja als Künstler gelten: Er gedenke keineswegs, lässt er den Franzosen wissen, mit ihm über Fragen des Staates zu sprechen. „Ich meine, es wäre schicklicher, mit Ihnen über Poesie zu plaudern.“
Voltaire hat eigentlich vorgehabt, sich für immer an Friedrichs Hof niederzulassen – er bleibt keine drei Jahre. Er korrigiert des Königs Verse, erhält den Orden Pour le Mérite – und fühlt sich doch einsam, missachtet und zum Höfling degradiert. Wenn der König „mein Freund“ sage, schreibt er seiner Nichte, so meine er damit: „mein Sklave“. Die Sehnsucht des Gastes nach Einfluss führt ihn schließlich zur Intrige. Voltaire beginnt einen Kleinkrieg mit Friedrichs Protegé Pierre-Louis Maupertuis, dem Präsidenten der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Er lanciert Gerüchte über den Größenwahn seines Landsmanns, der seinerseits ein riskantes Bonmot des Literaten kolportiert: „Wird er denn nie müde, mir seine schmutzige Wäsche zum Waschen zu schicken“, soll Voltaire angesichts der königlichen Gedichte einmal ausgerufen haben.
Voltaire lässt eine Satire auf Maupertuis drucken – die einzige Schrift, die Friedrich in seiner Regierungszeit öffentlich vom Henker verbrennen lässt. Der König ist gekränkt: Voltaires Werke seien zwar Denkmäler wert – „Ihr Verhalten verdient jedoch, dass man Sie in Ketten legt“.
Die Disziplin der Preußen wird den Armeen Europas zum Vorbild
So weit kommt es nicht. Im Frühjahr 1753 verlässt Voltaire den Hof, nimmt noch Gedichte des Königs mit, die, wie Friedrich fürchtet, ihn kompromittieren könnten: Vorsichtshalber lässt er den Freund in Frankfurt verhaften und zur Herausgabe der Schriften zwingen. Doch ihr Leben lang werden die beiden Schöngeister nicht voneinander lassen können, werden einander beschimpfen und sich mit süßen Worten versöhnen: „Sie sind das verführerischste Wesen, das ich kenne“, lobhudelt der König.
„Sire, großer Mann, der Sie mich bilden, der Sie mich trösten“, psalmodiert der Literat. Eine fruchtbare Beziehung, zu der es keine Frauen braucht.
WIE FRIEDRICHS SCHLOSS ist ja auch sein Staat ein Männerreich, dominiert von einer Armee, die er mit der fanatischen Unbedingtheit des Genies modelliert. War das Heer bei seiner Thronbesteigung 76 000 Mann stark, wird es zu seinem Tod mit 190 000 Soldaten die drittgrößte Streitmacht Europas sein – hinter Österreich und Russland. Und ein Wunder an Disziplin: Stundenlang müssen die Krieger in pfeilgeraden Reihen marschieren, müssen schnelle Bewegungen aus dem Effeff ausführen und dabei die blauweiße Uniform fleckenlos sauber halten.
Selbst im Krieg marschieren sie „so nach der Schnur“, wie ein feindlicher Offizier schwärmt, „als ob es auf dem Paradeplatz wäre“. Jedes Haar, das am falschen Platz liegt, ist eine Tracht Prügel wert; und so abstrakt, so ästhetisch, so sprichwörtlich ist die Disziplin der Preußen, dass sie den Armeen Europas zum Vorbild wird: „Beinahe alle wollen so werden wie die Friedrichs“, sagt bewundernd ein österreichischer Heerführer. Auf Murren und Widerstand gegen Vorgesetzte, verfügt der König, steht die Todesstrafe – denn „die geringste Lockerung der Disziplin würde zur Verwilderung führen“. Unmissverständlich macht er klar, dass „der gemeine Soldat vor dem Offizier mehr Furcht als vor dem Feinde“ haben soll.
Desertion ist das Kapitalverbrechen Nummer eins in dieser Soldatenwelt. Um sie zu verhindern, dürfen Lager nicht in der Nähe von Wäldern aufgeschlagen werden, sind Nachtmärsche zu meiden, gehen Soldaten nur in Gruppen zum Wasserholen. Dennoch wagen immer wieder Verzweifelte die Flucht, verkleiden sich als Handwerker, Schiffer oder Frauen, verstecken sich in Tonnen und Fässern – trotz der barbarischen Strafen, die im Fall der Entdeckung drohen: Tod oder das gefürchtete Spießrutenlaufen.
„Da mussten wir zusehen“, wird der Schweizer Zwangssöldner Ulrich Bräker erzählen, „wie man sie durch zweihundert Mann achtmal die lange Gasse auf und ab Spießruten laufen ließ, bis sie atemlos hinsanken, wie sie des folgenden Tags aufs neue dran mussten, die Kleider vom zerhackten Rücken heruntergerissen, und wie frisch wieder drauflos gehauen wurde, bis die Fetzen geronnenen Bluts ihnen über die Hosen hinabhingen.“
RIGOROS IST DER KÖNIG, ein Unbedingter in einer Welt der Kompromisse, der Diplomatie. Nach dem Schlachten in Schlesien sieht er zwar ein, „dass der Krieg ein in mancher Hinsicht sehr unnützes Blutvergießen war“, dass „Preußen durch eine Kette von Siegen nichts weiter erreicht hatte als die Bestätigung des Besitzes von Schlesien“ und dass der bittere Triumph schließlich „acht Millionen Taler“ kostete.
Doch Kriege sind ja keine Geschäfte, sondern „Träumereien“, wie Friedrich seine Annexionspläne nennt, Werke der Fantasie, L’art pour l’art. „Wer hätte gedacht“, frohlockt er, „dass die Vorsehung einen Poeten ausersehen hätte, um das politische System Europas umzustürzen und die Berechnungen seiner Könige vollständig auf den Kopf zu stellen?“ Drei Jahre nach Voltaires Abschied, im August 1756, fällt Friedrich in Sachsen ein und beginnt damit den Siebenjährigen Krieg. Die Schuldfrage wird Historiker noch lange beschäftigen. Preußens König rechtfertigt seinen Angriff als Präventivschlag gegen den drückenden Ring, den Europas Großmächte um sein kriegerisches Land zu bilden im Begriff sind. Noch vor seinem Einfall in Sachsen beteuert er, „unschuldig an diesem Krieg“ zu sein – dabei hat er vier Jahre zuvor bereits mit der „Abrundung“ seiner Staatsgrenzen durch sächsisches Territorium geliebäugelt.
Und schon 1749 hat er angesichts der Rüstungsanstrengungen der verbündeten Russen und Österreicher mit dem Säbel gerasselt: Wenn jetzt auch noch Großbritannien dem Bündnis beitrete, sei „der Krieg unvermeidlich“. Um diese „furchterregende Liga“ zu verhindern, schließt Friedrich ein Defensivabkommen mit dem englischen König – und treibt damit die bislang mit ihm verbündeten Franzosen in die Arme Habsburgs: Im Mai 1756 unterzeichnen Wien und Paris ein Neutralitätsbündnis, das im folgenden Jahr zu einem Offensivbündnis umgewandelt wird. Das nun ist tatsächlich eine Gefahr für Preußen und die Umkehr des europäischen Kräftefelds. Im Sommer 1756 glaubt Friedrich, dass „allein das Schwert diesen gordischen Knoten durchhauen kann“. Zwar bietet er nur 200 000 preußische Soldaten auf gegen mehr als 400 000 Feinde. Doch schon der erste Sieg gegen österreichische Truppen bei Lobositz ist ein strahlender Triumph für Friedrich.
„Die frische Angriffslust der preußischen Infanterie“, die „in starr ausgerichteten Linien, Mann neben Mann, im Gleichschritt und mit Trommelschlag“ vormarschierte und nach einer Reihe von Salven mit gesenkten Bajonetten vorwärts stürmte, „war und blieb das eigentliche Geheimnis ihres Erfolgs“, wie ein konservativer Friedrich-Biograf 200 Jahre später bilanzieren wird.
Für Friedrichs Männer ist das Schlachten freilich die Hölle. „Wie sausten da die Eisenbrocken ob unsern Köpfen hinweg“, berichtet der Schweizer Zwangssoldat Bräker, „fuhren bald vor, bald hinter uns in die Erde – bald mitten ein und spickten uns die Leute weg, als wenn’s Strohhalme wären. Da mussten wir über Hügel von Toten und Verwundeten hinstolpern. Preußen und Panduren lagen überall durcheinander; und wo sich einer von diesen letzten noch regte, wurde er mit dem Kolbe vor den Kopf geschlagen, oder ihm ein Bajonett durch den Leib gestoßen.“ Nach nur sechs Wochen kapitulieren die Sachsen bei Pirna. Doch in den ersten Monaten des Jahres 1757 schmiedet die österreichische Diplomatie eine große Koalition gegen den Aggressor, der sogar Schweden beitritt. Jetzt ist Friedrich wirklich umstellt. Er wählt die Flucht nach vorn, wühlt sich im Mai tief ins böhmische Kernland, steht bald vor Prag.
DER 6. MAI 1757 ist ein strahlender Tag, der Himmel klar – und der König stürzt sich in die Schlacht wie in einen Ritterroman. Bald schlägt eine Kugel dicht neben ihm in die Erde, mähen die Salven der Österreicher ganze Reihen seiner Infanterie nieder, wird sein General Hans Karl von Winterfeldt am Hals getroffen, reißt ein Kartätschengeschoss dem Feldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin den halben Kopf weg: „Das ist weiter nichts“, sagt der König nonchalant, „eine Folge seines Eigensinns.“ Und drängt zur Attacke: „Marsch, marsch!“ Gegen Mittag gelingt es den Preußen, die österreichische Hauptstellung von der rechten Flanke her aufzurollen. Die Luft ist dick und schwarz von Staub und Pulverdampf. Und mitten im Artilleriefeuer der König; sein Pferd tänzelt im Kugelregen zwischen aufstiebenden Erdfontänen. Friedrich hält das Fernrohr ans Auge und, so berichten Beobachter, amüsiert sich glänzend. Als die Österreicher gegen 15 Uhr geschlagen abziehen, haben sie fast 14 000 Mann verloren, die Preußen 14 287. „Es hat nie eine berühmtere und blutigere Schlacht gegeben“, wird Friedrich sich noch im Alter mit stolzem Schauder erinnern.
Doch sein Kriegsglück bleibt wechselhaft. Im Juni wird sein Heer geschlagen, zum Jahresende siegt es. Im August des folgenden Jahres trifft er bei Zorndorf auf die Russen. Noch am Vorabend schreibt er wie besessen Gedichte: „Da ich nicht trinken mag, zerstreut mich nur das Versemachen, und solange diese Ablenkung währt, spüre ich mein Unglück nicht“. Die Schlacht, ein neunstündiges Gemetzel an einem glühenden Augusttag, ist die grausamste aller Schlachten des Siebenjährigen Krieges. Preußen und Russen steigern sich in einen Blutrausch, gehen mit Flintenkolben, Säbeln und bisweilen wohl sogar mit blanken Zähnen aufeinander los.
Preußen verliert 12 800 Mann, die Russen 18 000. Friedrich sieht dem Schlachten abwesend zu, wie durch einen Nebel; er scheint das Grauen nicht zu spüren. Er verharrt nur kurz, als er den feierlichen Marsch einer vorbeiziehenden Regimentskapelle hört: „Was ist das“, fragt er einen General. Der Offizier nennt ihm den Namen des Liedes, und Friedrich wiederholt ihn, voll Rührung: „Ich bin ja, Herr, in deiner Macht!“
UND TATSÄCHLICH IST ES bisweilen so, als führe Friedrich diesen Krieg nicht gegen die Feinde Preußens, sondern gegen die eigenen düsteren Triebe, seinen lebenslangen Flirt mit dem Grab.
Der Tod der Zarin rettet Friedrichs Herrschaft – und Preußens Existenz
Faire la culbute , „Purzelbaum schlagen“, ist sein Kosename für den Selbstmord – der doch in der preußischen Armee als überaus schändliches Vergehen gilt. Mit seiner Schwester Wilhelmine tauscht er Briefe voll schwärmerischer Todessehnsucht. „Einen Schauspieler, der auf der Bühne bleibt, wenn er nichts mehr zu sagen hat“, schreibt er, den „pfeift man aus.“ In einer Schlacht, so wird berichtet, ruft er laut aus: „Gibt es denn heute keine verwünschte Kugel für mich?“ Um den Hals trägt Friedrich stets eine kleine goldene Dose mit 18 Opiumpillen – für einen Abgang in eigener Regie: „Hier, mein Freund“, sagt er seinem Vorleser Henri de Catt, „ist alles, was man braucht, um dem Trauerspiel ein Ende zu machen.“
Doch die Tragödie hat er selbst ersonnen – und fasst sie entschlossen in Reime. „Mein Freund, mit mir ist’s aus, der Würfel fiel“, dichtet er an Voltaire, „Zum Sterben müde steh’ ich schon am Ziel.“ Oder: „Ich bin einem schäumenden Eber gleich / Der sich wütend wehrt in dem wilden Bereich /Der stürmenden, fletschenden, tollkühnen Meute.“
Ohne Umschweife strebt die Handlung dem letzten Akt zu: „Ich schwöre Ihnen“, schreibt er seinem Etatminister, „dass man nicht mehr aufs Spiel setzen kann, als ich es tue.“ Am 12. August 1759 scheint das Spiel endgültig verloren. Bei Kunersdorf erleben die Preußen eine verheerende Niederlage, die Friedrich 19 000 Mann kostet. Die Sonne brennt vom Himmel, doch weder die Glut, Durst und Müdigkeit seiner Soldaten noch die Mahnungen seiner Generäle können den König vom Angriff abhalten.
Nach der Schlacht tobt ein Gewitter über den Leichenbergen, aber kein gnädiger Regen vertreibt den Staub, den Pulverdampf und die Hitze des Tages. Blitze tauchen Tote, Verwundete und Überlebende in grelles Licht. „Mein Rock ist von Schüssen durchlöchert“, schreibt der Monarch an seinen Etatminister, „zwei meiner Pferde sind getötet; mein Unglück ist, dass ich noch lebe.“ Doch die Sieger können sich nicht über das weitere Vorgehen einigen. So ziehen die Russen nach der Schlacht südwärts ab, statt in einer zweiten Bataille den Krieg endgültig für sich zu entscheiden. Friedrich gewinnt Zeit, kann seine versprengten Truppen sammeln – und schwärmt vom „Mirakel des Hauses Brandenburg“.
Fortan schleppt der Krieg sich schwerfällig dahin. Wie Landstreicher streifen die Soldaten durch Sachsen und Schlesien, schlagen Lager auf, weichen aus, warten ab, harren aus. Im Winter 1759/60 sterben Tausende am Frost im „Eislager“ bei Wilsdruff in Sachsen; andere überleben, indem sie in den Zelten übereinander liegen oder sich in der Asche der Wachtfeuer wälzen. 1761 erobern die Russen Kolberg in Hinterpommern – und eine der wichtigsten Bastionen in Oberschlesien fällt. Die mit Berlin verbündeten Briten stellen die Hilfszahlungen ein, Preußens Kräfte sind erschöpft. Das Ende scheint wieder einmal nah.
Da stirbt am 5. Januar 1762 die Zarin Elisabeth. Ihr Neffe und Thronfolger Peter III., ein glühender, wenn auch geistig labiler Verehrer Friedrichs, schließt umgehend Frieden mit Preußen – der auch dann nicht wankt, als dessen Frau Katharina den Thron besteigt und Peter ermorden lässt. Als im Jahr darauf auch Frankreich das Kriegsbündnis verlässt, sieht Österreichs Maria Theresia keine Hoffnung auf Sieg. Am 15. Februar 1763 beendet der Friede von Hubertusburg den Siebenjährigen Krieg.
PREUSSEN IST JETZT in den Kreis der Großmächte aufgestiegen. Doch der Krieg hat zwischen 300 000 und 400 000 Mann getötet, hat Städte verwüstet, Dörfer in Schutt und Asche gelegt. Und auch der König ist nicht mehr der, der er vorher war. Er ist „halb lahm vor Gicht“, leidet an Koliken, Hämorrhoiden und faulenden Zähnen.
Im Regen kehrt er in das mit Triumphbögen, Ehrenpforten und Transparenten geschmückte Berlin zurück, „grau, von Kummer zerfressen, von Krankheit heimgesucht, mit einem Wort, reif für den Schindanger“. Siegesfeiern meidet er, und seine Gattin begrüßt er nach sieben Jahren Trennung nur mit den Worten: „Madame sind korpulenter geworden.“ Mit Anfang 50 ist er schon der „Alte Fritz“, den die Legende kennt. Überall in den Häusern seiner Untertanen hängt sein Porträt: der hängende Mund, die blauen Augen, der Krückstock, die Kanonenstiefel und der dreieckige Hut.
Er lässt die Magazine mit Waffen und Proviant auffüllen, bringt die Armee allmählich wieder auf mehr als 190 000 Mann. Und am westlichen Ende des Schlossparks von Sanssouci lässt er das plump proportionierte Neue Palais bauen, das nichts Apollinisch-Verspieltes mehr hat, sondern nur noch eines ist: eine Festung der Macht. Seiner Umgebung bringt er nun nichts als Misstrauen, Spott und Sarkasmus entgegen. „Hat dieser Heros“, schreibt Maria Theresia an ihren Sohn, „einen einzigen Freund? Muss er nicht aller Welt misstrauen? Welch ein Leben ist das noch, wenn die Menschlichkeit daraus verbannt ist!“
Friedrich traktiert Diener und Beamte mit Flüchen und Stockschlägen, verzärtelt dafür seine Windhunde, die er zum Schlafen mit ins Bett nimmt, mit Kalbsbraten füttert, in sechsspännigen Kutschen spazieren fahren und schließlich in kleinen Särgen bestatten lässt. Seine Minister arbeiten, wie sein Kabinettsrat Anastasius Ludwig Mencken später verraten wird, „nie ohne Ängstlichkeit“. Wenn der König die Zeit zwischen Neujahr und seinem Geburtstag am 24. Januar im Berliner Stadtschloss verbringt, erstarrt die sonst heitere Gesellschaft in Furcht vor dem kränkelnden, reizbaren Monarchen. Seine Mittagsmahlzeiten nimmt Friedrich mit ausgewählten Gästen ein, die er mit rauen Tischmanieren und endlosen Monologen traktiert, bis sie befangen schweigen – oder sich in den Schlaf flüchten. Bei den seltenen Diners mit der Königin besteht er darauf, sich nicht mit ihr unterhalten zu müssen.
DOCH MUSS NICHT das Geniale, folgt man der „Enzyklopädie“, „manchmal nachlässig sein“? Ist nicht „ein unregelmäßiges, schroffes, wildes Aussehen“ sein Markenzeichen? Inmitten preußischer Manneszucht und preußischer Tugenden gibt der König jetzt den schlampigen Musensohn. Der österreichische Gesandte berichtet von Friedrichs „Nachlässigkeit in der Kleidung, die bis zur Unsauberkeit geht“.
Ständig trägt er seinen abgenutzten alten Rock, seine gelbe Weste, seine wirre Perücke mit dem langen Zopf. Tagein, tagaus krönt seinen Schädel ein alter Hut mit ergrauten Federn. Die Hose ist mit Flicken übersät; seine weiten, schmutzigen Stiefel, in denen er zuweilen zu Bett geht, dürfen nicht gewichst werden: „Sehe ich nicht“, fragt er seinen Vorleser Henri de Catt, „ein bisschen wie ein Schwein aus?“ Er verzichtet auf die höfische Etikette, verspottet „die unnützen, lachhaften Zeremonien“, „all die Scherereien königlicher Hoffart“. Kirchliche Feiertage ignoriert er, lehnt selbst für sein Begräbnis alle Förmlichkeiten ab, die für gekrönte Häupter in Europa üblich sind: Man solle ihn „still nach Sanssouci bringen und in meinem Garten begraben lassen“.
Die Menschheit ist in seinen Augen dumm, verächtlich, tückisch. Über seine Untertanen macht er sich keine Illusionen. Da von zehn Millionen Menschen „kaum 1000 Personen gebildet sind“, schreibt er dem Aufklärer d’Alembert, sei es „verlorene Mühe, die Menschheit aufklären zu wollen“. Also muss er sich um alles und jedes höchstselbst kümmern. Um die Lieferung von Mauersteinen und Luchsbälgen; um die Einstellung von Pfarrern und während der Schonzeit zu schießende Hirsche; um die Unart von Dienstmägden, welche „die besten Lumpen zu Zunder verbrennen, um Feuer zu machen“.
Persönlich mischt er sich in Zivilprozesse ein, lässt schon mal Richter verhaften, einen Regierungspräsidenten und einen Großkanzler entlassen, um einem vermeintlich bedrängten Wassermüller zu seinem Recht zu verhelfen. Und es ist vielleicht die Allmachtsfantasie eines Künstlers, die ihn treibt, sich auch um Dinge zu kümmern, von denen er nichts versteht. Denn der Künstler träumt seine eigene Welt, setzt sich kühn über Realitäten hinweg. Schon während des Siebenjährigen Krieges hat ein britischer Sondergesandter, der Friedrichs Feldzüge begleitete, dessen „Mangel an Bereitschaft“ bemerkt, „Nachrichten irgendwelchen Glauben zu schenken, die nicht mit seinen Einbildungen übereinstimmen“. Sein Charakter sei es, die Wirklichkeit stets seinem Willen zu unterwerfen.
Jetzt soll auch die Ökonomie den Träumen des Herrschers folgen. Schon sein Vater hat den Staat zum Unternehmer gemacht, hat mit dem „Königlichen Lagerhaus“ die größte Tuchmanufaktur Europas ins Leben gerufen. Jetzt soll die „Königliche Porzellan- Manufaktur“ das Land im Devisen verschlingenden Luxussektor autark machen – und wird vom Staat mit Kräften gefördert (siehe Seite 60). Seine Hochrüstung finanziert Friedrich zum Ende des Siebenjährigen Krieges mit gestreckten Silbermünzen – und nimmt dafür Teuerung, Bankrotte und Massenelend in Kauf. Doch seine merkantilistische Staatswirtschaft, die den Import mit Schutzzöllen drosselt und den eigenen Wohlstand vorzugsweise durch Schädigung der Nachbarn zu mehren sucht, erstickt auf lange Sicht Gewerbe und Handel: „eine verfehlte Politik von so flagranter Art“, wie ein britischer Reisender notiert, „dass man meinen möchte, seine Talente beschränkten sich allein auf die eines Kriegers“.
Friedrich selbst fehlt die Einsicht: Den Geheimen Finanzrat Erhard Ursinus, der Kritik an der königlichen Zwangsökonomie äußert, schickt er für dessen „impertinente Relation“ zur Festungshaft nach Spandau. „Die genialen Menschen“, lehrt ja die „Enzyklopädie“, sind „eher dazu geschaffen, Staaten umzustürzen oder zu gründen, als sie aufrechtzuerhalten“.
AUCH BEIM WIEDERAUFBAU des Landes legt der König selbst Hand an. Er reist durch das Land mit Fragebögen und Statistiken, vernimmt und überprüft Beamte, gibt den Bauern Ratschläge gegen Viehseuchen: „Braucht nur fein fleißig Steinsalz!“ Er verpflichtet Bauern zum Kartoffelanbau, fördert die Kleesaat, die Haltung des Merinoschafs. Streng ruft er Kammerpräsidenten zur Ordnung, wenn der Deichbau an der Oder zu „schläfrig betrieben wird“ oder die kurmärkischen Bauern die Winterabende „mit Faulenzen zubringen“, anstatt sie mit Spinnen und Weben zu nutzen. Er lässt das Oderbruch zwischen Lebus und Oderberg trockenlegen, lässt Anbauflächen in den Warthe- und Netzeniederungen urbar machen, lässt 900 Kolonistendörfer gründen.
Alles will der Monarch selbst regeln, nichts überlässt er seinen Untergebenen
Denn Preußen braucht Menschen – und selbst der „aufgeklärte“ Absolutismus sieht seine Untertanen vor allem als Nutzmasse, als „Population“. Friedrich gelingt es, zwischen 300 000 und 350 000 Einwanderer nach Preußen zu locken. Und die rund 356 000 Einwohner von Westpreußen und dem Ermland, die Friedrichs Staat bei der Ersten Polnischen Teilung 1772 hinzugewinnt, nimmt der König ebenfalls gern in Kauf – auch wenn er die Polen darunter in jeder Hinsicht verachtet.
Zwar kostet der Siebenjährige Krieg seinen Staat fast eine halbe Million Menschen, die den Kämpfen zum Opfer fallen oder das Land verlassen. Dennoch wächst Friedrichs Volk dank seiner hohen Geburtenrate schneller als jedes andere im Deutschen Reich. Zu Friedrichs Thronbesteigung hatte Preußen rund 2,24 Millionen Einwohner – am Ende seines Lebens regiert er über 5,43 Millionen. So vermehrt sich ein Mann, der im Glauben lebt, keine Kinder zeugen zu können.
Schon Friedrichs Vorfahren haben verfolgte Hugenotten und Salzburger Protestanten ins Land geholt, um Wirtschaftskraft und Steuereinnahmen zu gewinnen. In ihrer Regie ist konfessionelle Toleranz zum Standortvorteil geworden, den selbst der religiös indifferente Friedrich nicht gefährden will – zumal er auch die katholischen Untertanen, die er mit der Eroberung Schlesiens gewonnen hat, dem Staat verpflichten muss. Und so gibt er das berühmte Motto aus: „Hier muss ein jeder nach seiner Fasson selig werden.“
Doch die sprichwörtliche Toleranz, mit der er auch die „Gazetten“ versichert, sie sollten „nicht genieret werden“, endet auf den politischen Seiten der Blätter. Über Angelegenheiten des Staates, tut Friedrich kund, sollen die Untertanen sich nicht verbreiten – da es ihnen „an der vollständigen Kenntnis der Umstände und Motive fehlt“. Jedes Buch muss der Zensur vorgelegt werden. Die berühmte berlinische Meinungsfreiheit, klagt der Dichter Gotthold Ephraim Lessing, beschränke sich „auf die Freiheit, gegen die Religion so viel Sottisen zu Markte zu bringen, als man will“ – ansonsten sei Preußen „bis auf den heutigen Tag das sklavischste Land von Europa“.
Zwar hat Friedrich als erster europäischer Fürst die Folter abgeschafft, hat mildere Strafen für Kindsmord und Diebstahl eingeführt. Zwar verhängt Preußen weniger Todesurteile als Frankreich oder England, enthauptet keine Hexen wie noch 1782 die Schweizer. Doch im Ganzen bleibt Preußen unter Friedrichs Herrschaft, was es war – „ein Feudalstaat“, so der Historiker George P. Gooch, „mit den alten Schranken zwischen den Ständen, mit Bauern, die Leibeigene waren, mit einem Adel, der von den Steuern befreit war“. Der Adel ist auch unter Friedrich II. unantastbar. Nach dem Siebenjährigen Krieg sondert der König fast alle bürgerlichen Offiziere aus und ersetzt sie durch „Edelleute aus fremden Landen“.
Seinen Aristokraten verbietet der Monarch die Heirat mit Nichtadeligen, um deren Heldenblut nicht zu gefährden: „Denn ihre Söhne sind es, die das Land defendieren [verteidigen]“, schreibt er, „davon die Rasse so gut ist, dass sie auf alle Weise meritieret [es wert ist], konserviert zu werden“. Eine „Rasse“, die zum Heldentod taugt – weil sie, wie der König instinktsicher erkennt, kein größeres Kapital hat als ihre „Ehre“.
1778 SETZT FRIEDRICH, obwohl geplagt von Krankheit und Alter, noch einmal seine Streitkraft in Gang. Wieder fehlt der äußere Grund. Zwar beanspruchen die Österreicher nach dem Tod des Münchner Kurfürsten das Land Bayern, doch Friedrichs Interessen sind kaum bedroht. Dennoch fällt im Juli seine 150 000 Mann starke Preußenarmee, unterstützt von 21 000 Sachsen, in Böhmen ein.
Bald jeder bei Hofe sehnt das Ende des vergrämten alten Fürsten herbei
Gegen Ende August fällt bereits Schnee. Die Soldaten winden sich unter der Ruhr, sterben zu Zehntausenden. Auch der König bleibt nicht verschont. Schwermütig tappt das Heer durch düstere, neblige Tannenwälder, über aufgeweichte Straßen, zwischen Heiligenstatuen und feindselig schweigenden Bauern hindurch.
Die Kampfhandlungen selbst fordern dagegen kaum Opfer – „man wusste nie, ob Friede oder Krieg war“, wird Friedrich sich später erinnern. Der „Kartoffelkrieg“, wie das Volk ihn nennt, endet für Preußen ergebnislos. Zu Hause erwarten Friedrich jetzt nur noch seine Windhunde und die Krankheit. Gicht und ausgefallene Vorderzähne machen ihm bald das Flötenspiel unmöglich; nach einem Schlaganfall kommen die Symptome der Wassersucht hinzu. In den letzten Wochen seines Lebens lässt der 74-Jährige keine Angehörigen mehr in seine Nähe. Er vegetiert in Schmutz und Unordnung, weigert sich, die Wäsche zu wechseln, bekommt Fieber.
Die Atemnot verbietet ihm, im Bett zu liegen. Tag und Nacht brütet er jetzt in seinem Lehnstuhl, Stiefel an den Füßen und den abgetragenen Hut mit der weißen Feder auf dem Kopf, Hände und Gesicht mager und gelb. Ein geschwollenes Bein liegt auf einem Schemel, das andere hängt herab. Er isst unmäßig und leidet unter Brechanfällen und Koliken. Am 17. August 1786 gegen zwei Uhr morgens stirbt Friedrich II., den sie den Großen nennen. „Es herrscht Totenstille, aber keine Trauer“, notiert Graf Gabriel Honoré de Mirabeau, Geheimbotschafter im Dienst des Franzosenkönigs. „Man sieht in kein Gesicht, das nicht den Ausdruck von Erleichterung, von Hoffnung trüge. Kein Bedauern wird laut, man hört keinen Seufzer, kein lobendes Wort!“ Und: „Alle Welt wünschte das Ende herbei – alle Welt beglückwünschte sich!“
Dem König wird sein Gartengrab in Sanssouci verwehrt. Nach den hergebrachten Gesetzen höfischer Repräsentation wird er in der Potsdamer Garnisonskirche beigesetzt, wo schon sein Vater liegt. Viel später, im Zweiten Weltkrieg wird sein Leichnam vor den Luftangriffen in einem Bunker und bald in einem Kalibergwerk in Sicherheit gebracht und schließlich von US-Truppen in den Westen transportiert, wo er 1952 seine Ruhestatt auf der Hohenzollern-Burg im schwäbischen Hechingen findet. Erst 1991 bekommt er seinen Willen und wird in sein „Philosophengrab“ umgebettet, auf der oberen Terrasse des fröhlichen Weinbergs von Sanssouci. Mehr als 200 Jahre nach seinem Tod setzt er sich so noch einmal über die Regeln hinweg, in die ihn der Brauch seiner Zeit gezwängt hat. Doch so ist es nun einmal: Das Genie, sagt schon die „Enzyklopädie“, „ist seinem Jahrhundert voraus“.
2. Preußenkönig Friedrich der Große. Der erste Untertan
Zeitgenossen verehrten ihn als den "Großen", in der Nachwelt ist er als Kriegsherr und absoluter Herrscher umstritten. Friedrich II. fasziniert die Deutschen auch 300 Jahre nach seiner Geburt. Kein anderer Preußenkönig war so gebildet, so widersprüchlich - und sah sich so sehr als Diener seines Volks.
Von einer schweren Jugend zu sprechen, wäre untertrieben. Was Friedrich, Prinz von Preußen, geboren 1712, mit seinem Vater erlebt, ist reiner Horror. Der Junge interessiert sich für Philosophie und Musik und ist ein leidenschaftlicher Leser. Der Vater, König Friedrich Wilhelm I., zieht ihn deswegen an den Haaren, beschimpft ihn, prügelt ihn mit einem Stock. Der "Soldatenkönig" will dem Thronfolger die Flausen austreiben. Doch das ist aussichtslos. Willensstark bleibt Friedrich seinen geistigen Interessen treu, ein Leben lang. Gute Bücher und kluge Gesprächspartner sind sein Lebenselexier. Doch als König ist der Hohenzoller kein weltabgewandter Schöngeist. Der Herrscher, klein im Wuchs und groß im Denken, will die Welt der Deutschen verändern.
Aus Preußen, einem mittleren Fürstentum, schafft er eine europäische Großmacht, aus einem Volk von Analphabeten eines, das zu Lesen beginnt. Als aufgeklärter Monarch setzt er Wissen gegen Unbildung, Disziplin gegen Schlendrian und Gesetze gegen die Willkür der Wohlhabenden. Dabei wird seine Leistung nicht unangefochten dastehen. Er führt Kriege, die furchtbare Opfer und Verwüstungen mit sich bringen. Den Schrecken des Todes erlebt er schon als 18-Jähriger im November 1730 aus nächster Nähe. Da lässt sein Vater Friedrichs Jugendfreund Hans Hermann von Katte hinrichten. Die beiden jungen Leute hatten nach England fliehen wollen, um sich der Erziehungsgewalt des Königs zu entziehen. Ein verzweifelter Friedrich schaut dem Freund auf dem Gang zur Richtstätte zu. Er ist selbst Gefangener auf der Festung Küstrin östlich der Oder. Zehn Jahre später stirbt der despotische Vater, Friedrich wird mit 28 Jahren König.
Der musische Monarch, der Flöte spielt und als Prinz Briefe schon mal launig mit "Frédéric le Philosophe" unterschreibt, erweist sich als Machtmensch. Er modernisiert die Armee und lässt sie in 20 Jahren von 80.000 auf 160.000 Mann aufstocken. Die Truppe verschlingt mehr als 70 Prozent der Staatseinnahmen Preußens. Zugleich propagiert der junge König eine Einwanderungspolitik, verbunden mit religiöser Toleranz. In Preußen soll "ein jeder nach seiner Façon selig werden", so Friedrich. Vor allem französische Migranten integrieren sich rasch und machen Karriere bei Hofe. Der zweisprachige König korrespondiert mit dem französischen Philosophen Voltaire. Der junge Friedrich ist aufgeschlossen gegenüber den Ideen der Aufklärung. EthnischerNationalismus, der später den Deutschen und ihren Nachbarn zum Verhängnis werden wird, ist ihm fremd.
Hauptgegner Habsburg
Sein Hauptfeind ist eine katholische Monarchie, die den Aufstieg des protestantischen Preußen beargwöhnt: das Haus Habsburg. Im Dezember 1740 marschiert der Preußenherrscher mit 28.000 Soldaten in Schlesien ein, ohne Kriegserklärung. Mit dem Gewaltstreich annektiert er die Provinz, deren Protestanten ihn als Befreier begrüßen. Das wirtschaftlich entwickelte Schlesien erhöht Preußens Gewicht. Mit dem Besitz dieser Provinz steht Friedrich den Habsburgern auf Augenhöhe gegenüber. Der schlesische Feldzug erweist sich als Auftakt zu zwei folgenden Kriegen. Um eine Revanche der Habsburger-Kaiserin Maria Theresia zu verhindern, besetzt Friedrich im August 1744 das neutrale Sachsen und versucht, nach Böhmen vorzudringen. Doch die Offensive bleibt bei Prag stecken. Friedrich muss sich zurückziehen. 1745 gelingt es ihm aber in der Schlacht von Hohenfriedeberg, den Österreichern eine schwere Niederlage zu bereiten, und den zweiten Schlesischen Krieg zu beenden. Der König versteht es, seine Soldaten weit stärker zu motivieren, als der Gegner es vermag.
Friedrich ist, ungewöhnlich für einen Fürsten, täglich unter seinen Soldaten, trotz seiner Gicht. Nicht Wohlleben und Wollust wie im französischen Herrscherhaus, sondern Pflicht und harte Arbeit sind das Credo dieses Königs. So entsteht der Nimbus des unbesiegbaren preußischen Heeres. Dabei weiß Friedrich, dass er viele Feinde hat, vor allem in der Wiener Hofburg. Um zu erfahren, was die Gegner vorhaben, schafft er sich einen Auslandsgeheimdienst, der an fremden Fürstenhofen spioniert. Auf diese Weise erfährt er 1755, dass die Habsburger, durchdrungen von Rachsucht, mit Hilfe Russlands und Frankreichs Preußen vernichten wollen. Daher entschließt sich Friedrich 1756 zu einem Präventivkrieg. Er lässt, wieder ohne Kriegserklärung, 60.000 Soldaten in Sachsen einrücken. So beginnt der Siebenjährige Krieg. Er bringt Preußen große Siege, etwa in der Schlacht bei Leuthen 1757, aber auch schwere Niederlagen. In der Schlacht von Kunersdorf im August 1759 werden 19.000 seiner Soldaten getötet oder verwundet.
Vom Philosophen zum Falschmünzer
Des Königs Kleidung wird "von Schüssen durchbohrt", wie er seinem Kabinettsminister schreibt. Doch Friedrich gibt auch in scheinbar aussichtsloser Lage nicht auf. Dabei sind seine riskanten Rettungsmethoden nicht immer seriös. So verringert er 1758 mit Hilfe des dubiosen Geschäftsmannes Veitel Heine Ephraim den Edelmetallanteil der Münzen. Der Philosoph wird zum Falschmünzer. Friedrich ist nicht mehr der junge Hasardeur, der 19 Jahre zuvor in Schlesien einmarschierte. "An den Staat denke ich, nicht an den Ruhm", schreibt er acht Tage nach der Schlacht bei Kunersdorf. Der Staat, das ist nicht nur die Armee, sondern auch ein kulturelles und soziales Aufbauwerk.
Erstes deutsches Wirtschaftswunder
Dem kann er sich ab 1763 nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges widmen: Da ist die Akademie der Wissenschaften, deren Sitzungsberichte er durch eigene Publikationen bereichert. Da ist das Opernhaus Unter den Linden in Berlin, 1743 fertiggestellt, das rasch zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt wird. Da sind die Siedlungen in trockengelegten Flussniederungen an Oder, Netze und Warthe, wo Familien Land zur Bewirtschaftung erhalten. Preußen fördert den Aufbau von Betrieben der Metall- und Textilindustrie. Der am Fortschritt interessierte Staatslenker schafft, so der Friedrich-Biograf Wolfgang Venohr "das erste deutsche Wirtschaftswunder". Der König, der sein Leben auch in den Kriegsjahren immer mit Büchern verbrachte, möchte, dass auch seine Landeskinder lesen. Er lässt Schulen bauen, in den ersten sechs Friedensjahren ab 1763 sind es rund 750 allein in Schlesien. Er treibt die Arbeit an einem Gesetzbuch voran. Dabei bleiben seine Entscheidungen im Rahmen des absolutistischen Systems, das er nicht verlassen will und wohl auch nicht verlassen kann. Zwar sorgt er dafür, dass die Landwirte keine Frondienste mehr leisten müssen. Doch die Grundherren bleiben privilegiert und die Bauern ihnen erbuntertänig.
Sein Reformwerk ist von Anfang an widersprüchlich. Friedrich schafft die Folter ab, gestattet sie bei Verdacht auf Hochverrat oder Massenmord jedoch zunächst weiter. Auch behält er das barbarische "Spießrutenlaufen" in der Armee bei. Er hebt die Zensur weitgehend auf für Zeitungen, deren Auflage 200 Exemplare selten übersteigt - und führt sie schon 1740 wieder ein, als er seinen ersten Krieg beginnt. Doch so sehr er auch als absoluter Monarch agiert, weisen seine späten Schriften schon über das Ancien Régime hinaus. Im Alter von 65 Jahren schreibt er 1777 über "Regierungsformen und Herrscherpflichten". In dieser Schrift fordert der Preußenkönig, der Fürst müsse "für die gesamte Gemeinschaft sehen, denken und handeln". Er wendet sich gegen die "Meinung, es genüge, Besitz zu haben, um zu Ansehen zu gelangen". Der Fürst, so Friedrich, sei "nur der erste Diener des Staates und ist verpflichtet, rechtschaffen, klug und völlig uneigennützig zu handeln, wie wenn er seinen Mitbürgern in jedem Augenblick Rechenschaft über seine Verwaltungstätigkeit abzulegen hätte."
"Alle Monarchien durch Reichtum verderbt"
Nie zuvor hat ein europäischer Herrscher derart den Anspruch erhoben, ein Treuhänder des Volkes zu sein. Auch deshalb wird er verehrt, wenn er in einer Kutsche über die Lande oder durch Berlin fährt. Die Zuneigung des Volkes gilt einem einsamen Herrscher in einer abgetragenen Uniform. Körperlich verfällt der König mehr und mehr. Wie ein Einsiedler streift er mit seinen geliebten Hunden durch den Park des für ihn erbauten Schlosses Sanssouci in Potsdam. Doch der "Philosoph auf dem Thron", wie er auch genannt wird, ist geistig noch voll auf der Höhe und zieht ein sozialkritisches Fazit seiner Zeit. Im Dezember 1781, siebeneinhalb Jahre vor der Französischen Revolution, schreibt er seinem Bruder Heinrich, "dass alle Monarchien durch den Reichtum verderbt worden sind". Die Gesetze, fordert er, seien dazu da "die Schwachen vor der Bedrückung durch die Starken zu schützen".
Er warnt vor "Selbstbetrug im Verein mit Begehrlichkeit", hält "die großen Reichtümer für sittengefährdend" und empfiehlt "die Arbeit" als "die sicherste Hüterin der Tugend" - hundert Jahre später wird der preußische Sozialist August Bebel mit ähnlichen Gedanken die Herzen von Millionen deutschen Arbeitern erobern. Friedrich hofft am Ende seines Lebens, dass Nachgeborene sein Werk fortsetzen. In einem Brief an seine Schwester Charlotte am 10. August 1786 schreibt Friedrich : "Das Alter muss der Jugend weichen, damit jede Generation ihren Platz findet." Sieben Tage später stirbt er in Sanssouci, im Alter von 74 Jahren. Unter den Hohenzollern erweist sich Friedrich II. als außergewöhnliche Persönlichkeit. Schon mit seinem Nachfolger, der zu einer Marionette seiner Minister gerät, beginnt der Niedergang. Und nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 geht Preußen in einem imperialistischen Machtstaat auf. Dieses Reich treibt schließlich durch Maßlosigkeit, Selbstüberschätzung und ein rassistisches Delirium in den Untergang - vom Geist Friedrichs II. hatte es sich dabei weit entfernt.
Verlinkungen:
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Quellen:
Internetquellen
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Sekundärliteratur
-> Albig, Jörg-Uwe: Friedrich der Große. Feldherr und Philosoph, in: Preußen 1701-1871 (GEO Epoche, Jg. 2006, Heft Nr. 23), Hamburg 2006.
-> Klußmann, Uwe: Preußenkönig Friedrich der Große. Der erste Untertan, in: SPIEGEL online, online verfügbar seit 07.11.2011 unter: https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/preussenkoenig-friedrich-der-grosse-der-erste-untertan-a-795988.html, zuletzt geprüft am 14.09.2026.
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