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Persönlichkeiten

Inhaltsverzeichnis

  1. Nero Claudius Drusus
  2. Agrippina die Jüngere

1. Nero Claudius Drusus

(* 14. Januar 38 v. Chr. in Rom, + 14. September 9 v. Chr. irgendwo zwischen der Saale und dem Rhein; beigesetzt wurde er in Rom)

Drusus hatte einen um vier Jahre älteren Bruder, den späteren Kaiser Tiberius. Beide waren die Söhne von Tiberius Claudius Nero und Livia Drusilla. Während der zweiten Schwangerschaft zwang Kaiser Augustus die Eltern zur Scheidung, weil er selbst Livia Drusilla heiraten wollte. Drei Monate nach der Hochzeit kam dann Drusus zur Welt. Der Stiefvater der Beiden, Kaiser Augustus, bevorzugte Drusus. Dennoch erhielten beide die beste Ausbildung, die man sich denken kann. Schon in jungen Jahren übernahmen sie wichtige politische und militärische Aufgaben.

Im Jahr 15 v. Chr. unterwarfen Tiberius und Drusus als Befehlshaber römischer Legionen erfolgreich die schwer zu erschließenden Alpen und das Alpenvorland bis zur Donau. Durch ihren Erfolg erhielt das Römische Reich eine neue Provinz, die sie ‚Rätien‘ nannten. Schon zwei Jahre später wurde Drusus Statthalter der drei gallischen Provinzen. Damit war er für ein sehr großes Gebiet, das das heutige Frankreich, Belgien, die Niederlande und das linksrheinische Deutschland umfasste, zuständig. Sein Amtssitz war Lyon.

Kaiser Augustus wollte zunächst den nordöstlichen Abschnitt der Grenze des römischen Reiches sichern und die rechtsrheinischen Gebiete bis hin zur Elbe militärisch und politisch kontrollieren. Umgehend ordnete Drusus den Bau eines Kanals zwischen dem Rhein und der Zuiderzee an, damit die am Rhein stationierte römische Flotte schneller die Nordsee erreichen konnte. Mit gerade einmal 25 Jahren ließ er ab dem Jahre 13 v. Chr. das linke Rheinufer mit 50 Kastellen befestigen. Besonderen Wert legte er auf die Legionslager in Mainz und Xanten. In Mainz ließ er ein großes Lager für zwei Legionen errichten. Neben den 12.000 Legionären musste das Lager auch noch Hilfstruppen aufnehmen können. Besonders geeignet erschien ihm die Anhöhe gegenüber der Mainmündung. Das Lager nannte er nach dem keltischen Gott Mogon Mogantiacum.

Um keine Zeit zu verlieren, wurde hinter einem Graben ein Erdwallaufgeschüttet und mit Palisaden versehen. Dieser Wall umfasste das Gebiet der heutigen Universitätskliniken bis hin zur heutigen Kupferbergterrasse. Die Unterkünfte waren zunächst sehr einfach; der Bau steinerner Kasernen musste warten. Aber Lazarett, Magazine, Stallungen für die Pferde, Werkstätten und Verwaltungsgebäude ließ Drusus von Anfang an aus Stein errichten. Unterhalb des Lagers bildeten sich schnell kleine Siedlungen – sog. Canabae legionis – mit Geschäften, Werkstätten und Tavernen. Neben Händlern und Handwerkern zogen in diese Siedlung auch einige Familien der Legionäre. Hier drückte Drusus ein Auge zu, weil die Legionäre offiziell ledig bleiben mussten.

In den folgenden Jahren führte Drusus insgesamt drei Feldzüge gegen die Germanen; zunächst gegen die aufständischen Friesen und im Jahr darauf gegen die an der Lippe siedelnden Sugambrer und andere Stämme. Bei diesem Feldzug stießen seine Legionen bis zur Weser vor. Im Spätherbst mussten sie sich allerdings wieder zurückziehen – jedoch nicht wegen der Cherusker, in deren Gebiet sie sich befanden, sondern aufgrund ernsthafter Versorgungsprobleme. Seine ca. 30.000 Legionäre und eine noch größere Anzahl von Hilfstruppen waren auf den Nachschub von der linken Rheinseite angewiesen. Die Römer sahen ihre militärische Überlegenheit gefährdet, da sie offensichtlich nicht in der Lage waren, während des Feldzuges jederzeit Verpflegung, Waffen und Kleidung für eine so große Armee zu beschaffen.

Also ordnete Drusus an, dass in Germanien schnellstens befestigte Lager errichtet werden sollten, in denen Proviant gespeichert werden konnte. So wurden z. B. in dem römischen Lager in Rödgen in der Wetterau große Lagerhäuser errichtet, in denen mehr als 60.000 Zentner Getreide gespeichert werden konnten. Im Jahre 10 v. Chr. reiste Drusus nach Rom, um dort zum Konsul ernannt zu werden. Übrigens: Das Reisen auf den gut ausgebauten Straßen im römischen Reich war recht angenehm.

Als er nach Mainz zurückkam, waren die Vorbereitungen für den dritten Germanien-Feldzug bereits abgeschlossen. Bei diesem Feldzug erreichten die Römer unter Drusus die Elbe. Die Nachschublager in der Etappe hatten sich bestens bewährt. Aber beim Rückmarsch scheute das Pferd und warf Drusus ab. Bei dem Sturz wurde er so stark verletzt, dass er auf einer Trage transportiert werden musste. Die Ärzte konnten die Entzündung seines gebrochenen Beines nicht heilen. Auf dem Weg nach Mogontiacum erlag er am 14. September 9 v. Chr. seinen Verletzungen. Sein Bruder Tiberius eilte, als er von dem Tod seines Bruders erfuhr, sofort nach Mainz und leitete einen imposanten Trauerzug bis Pavia. Von dort begleitete Kaiser Augustus selbst den Trauerzug bis Rom. Beigesetzt wurde Drusus mit allen Ehren im Mausoleum des Kaisers.

In Mainz haben die Legionen ihrem beliebten Feldherrn ein Denkmal errichtet – den Drususstein. [Anm. 1] Die Reste dieses gewaltigen Turmes kann man heute noch in der Zitadelle sehen. Am Drususstein haben sich in den folgenden Jahrhunderten – einmal im Jahr zum Gedenken an Drusus – Abordnungen der in Gallien und Germanien stationierten Legionen getroffen. Für diese Gedenkfeiern wurde in Mainz das größte Bühnentheater nördlich der Alpen errichtet.

 

2. Agrippina die Jüngere

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Agrip­pi­na die Jün­ge­re, auch Iu­lia Agrip­pi­na, gilt als Stadt­grün­de­rin von Köln. Ih­re Be­deu­tung für die Stadt­ge­schich­te ver­deut­licht die 1989 über­ge­be­ne Sta­tue auf dem Rat­haus­turm (Bild­hau­er: He­ri­bert Cal­le­en). Ihr Na­me schmückt ei­ne Ufer­stra­ße und ei­ne Werft. Ei­ne Ver­si­che­rung grün­de­te sich 1844 mit ih­rem Na­men. Die Lis­te ih­rer Spu­ren in Köln lie­ße sich er­wei­tern. Der rö­mi­sche Au­tor Sue­ton (um 70-130/140) sag­te über sie, sie sei ein „hef­ti­ges und herrsch­süch­ti­ges Weib" ge­we­sen, Ta­ci­tus (um 58-um 120) be­schrieb sie als „ent­brannt in völ­li­gem Ver­lan­gen nach Schre­ckens­herr­schaft". Am En­de be­fahl ihr ei­ge­ner Sohn ih­ren Tod. 

Am 6. No­vem­ber ver­mut­lich 15 nach Chris­tus wur­de Agrip­pi­na die Jün­ge­re im Zen­tra­lort des Ger­ma­nen­stam­mes der Ubier, dem op­pi­dum Ubio­rum, dem heu­ti­gen Köln, ge­bo­ren. Sie war in di­rek­ter Ab­stam­mung Ur­en­ke­lin des ver­gött­lich­ten Au­gus­tus (27 vor Chris­tus-14 nach Chris­tus), über das dy­nas­ti­sche In­stru­ment der Ad­op­ti­on En­ke­lin des am­tie­ren­den Kai­sers Ti­be­ri­us (Re­gie­rungs­zeit 14-37). Ihr Va­ter war Ger­ma­ni­cus Iu­li­us Cae­sar (15 vor Chris­tus-19 nach Chris­tus) Ad­op­tiv­sohn und Nef­fe des Ti­be­ri­us, der wie­der­um über ei­ne na­tür­li­che Ver­bin­dung zu Au­gus­tus ver­füg­te: sei­ne leib­li­che Mut­ter An­to­nia die Jün­ge­re (36 vor Chris­tus-37 nach Chris­tus) war ei­ne Nich­te des Au­gus­tus. Agrip­pi­na wur­de al­so in höchs­te herr­schaft­li­che Krei­se hin­ein­ge­bo­ren.

Als Agrip­pi­na zur Welt kam, be­fand sich Ger­ma­ni­cus mit sei­ner Fa­mi­lie am Rhein, wo­hin ihn Au­gus­tus im Jahr 12 hin be­or­dert hat­te. Er führ­te mi­li­tä­ri­sche Straf­ak­tio­nen öst­lich des Flus­ses durch und ver­such­te das im Jahr 9 ver­lo­re­ne Ter­rain in meh­re­ren Kam­pa­gnen zu­rück zu er­obern. Das op­pi­dum Ubio­rum be­her­berg­te der­weil sei­ne hoch­schwan­ge­re Frau Agrip­pi­na die Äl­te­re (14 vor Chris­tus-33 nach Chris­tus) und sei­nen klei­nen Sohn, den spä­te­ren Kai­ser Ca­li­gu­la (Re­gie­rungs­zeit 37-41). Nicht lan­ge nach der Ge­burt Agrip­pi­nas be­en­de­te Kai­ser Ti­be­ri­us die Un­ter­neh­mun­gen öst­lich des Rheins und be­rief Ger­ma­ni­cus zu­rück. Agrip­pi­na kehr­te nie­mals in ih­re Ge­burts­stadt zu­rück.

Im Jah­re 28, als Agrip­pi­na zwölf oder 13 Jah­re alt war, ver­hei­ra­te­te sie Ti­be­ri­us mit Gna­eus Do­mi­ti­us Ahen­o­bar­bus (ge­stor­ben 40). Die­ser ge­hör­te zum er­wei­ter­ten Kreis der Fa­mi­lie, und so stell­te die Hei­rat ein Mit­tel dar, Fa­mi­li­en­st­rän­ge zu­sam­men­zu­füh­ren und die An­zahl der mög­li­chen An­wär­ter auf die Macht zu be­gren­zen. Die Herr­schaft des Ti­be­ri­us war mit Tra­gö­di­en im engs­ten Fa­mi­li­en­kreis Agrip­pi­nas ver­bun­den. Ihr Va­ter Ger­ma­ni­cus er­hielt ei­nen Son­der­auf­trag im Os­ten des Rei­ches: Sy­ri­en, Iudäa und wei­te­re Pro­vin­zen wur­den ihm un­ter­stellt. Im Jah­re 19 ver­starb er plötz­lich un­ter nie ge­klär­ten Um­stän­den. Sei­ne Gat­tin Agrip­pi­na die Äl­te­re ver­mu­te­te ei­nen Gift­an­schlag durch den Statt­hal­ter von Sy­ri­en, Gna­eus Cal­pur­ni­us Pi­so (ge­stor­ben 20) und ver­däch­tig­te in­di­rekt den Kai­ser selbst, der zu Pi­so ein freund­schaft­li­ches Ver­hält­nis pfleg­te. Ein Ver­fah­ren vor dem Se­nat ent­las­te­te Cal­pur­ni­us Pi­so; Agrip­pi­na die Äl­te­re je­doch wur­de im Jahr 29 auf die In­sel Pan­da­te­ria ver­bannt, wo sie 33 den Hun­ger­tod wähl­te. Dies blieb je­doch nicht der ein­zi­ge Schick­sals­schlag in der Ju­gend Agrip­pi­nas der Jün­ge­ren. Bis 33 ver­lor sie zwei ih­rer Brü­der, un­ter an­de­rem Dru­sus Cae­sar (ge­stor­ben 33), als Op­fer der ge­fähr­li­chen po­li­ti­schen La­ge un­ter Ti­be­ri­us. 

Der Tod des Kai­sers im Jah­re 37 brach­te ei­ne Wen­de für Agrip­pi­na. Der drei bis vier Jah­re äl­te­re ver­blie­be­ne Bru­der wur­de zum Nach­fol­ger ge­kürt. Ca­li­gu­la hob sei­ne drei Schwes­tern, ne­ben Agrip­pa wa­ren dies Drusil­la und Li­vil­la (18-42), eh­rend her­vor. Er ließ so­gar Mün­zen mit ih­nen in Ge­stalt von Göt­tin­nen prä­gen. Am 15.12.37 brach­te Agrip­pi­na ei­nen Sohn zur Welt: Lu­ci­us Do­mi­ti­us Ahen­o­bar­bus, bes­ser be­kannt als der spä­te­re Kai­ser Ne­ro (Re­gie­rungs­zeit 54-68). Das Ver­hält­nis zu ih­rem Bru­der muss sich in der Fol­ge­zeit grund­sätz­lich ge­än­dert ha­ben. 

Im Jah­re 39 be­tei­lig­te sie sich an ei­ner Ver­schwö­rung ge­gen Ca­li­gu­la, die je­doch auf­ge­deckt wur­de. Der Mann ih­rer Schwes­ter Drusil­la, Mar­cus Ae­mi­li­us Le­pi­dus (6-39), mit dem sie ein Ver­hält­nis hat­te, wur­de ne­ben wei­te­ren Be­tei­lig­ten be­sei­tigt. Von ih­rem ei­ge­nen Gat­ten ist in die­sem Zu­sam­men­hang nichts über­lie­fert. Er starb An­fang des Jah­res 40. Of­fen­sicht­lich war er be­reits län­ge­re Zeit vor­her krank ge­we­sen. Agrip­pi­na wur­de ge­zwun­gen, die Asche „ih­res" Le­pi­dus nach Rom zu brin­gen, wie einst ih­re Mut­ter die Asche des Ger­ma­ni­cus aus Sy­ri­en über­führt hat­te. In letz­te­rem Fal­le je­doch frei­wil­lig. 

Als Fol­ge der Ver­schwö­rung wur­de Agrip­pi­na auf die Pon­ti­schen In­seln ver­bannt, ih­re Gü­ter wur­den ein­ge­zo­gen. Auch in die­sem Punkt schien sie das glei­che Schick­sal zu er­ei­len wie ih­re Mut­ter, doch es soll­te über­ra­schend an­ders kom­men. Am 24.1.41 wur­de Ca­li­gu­la um­ge­bracht. Un­er­war­tet wähl­ten die Prä­to­ria­ner Clau­di­us zum Kai­ser (Re­gie­rungs­zeit 41-54). Agrip­pi­na war sei­ne Nich­te. Er ließ die Ver­bann­te zu­rück­keh­ren und stat­te­te sie mit ih­rem Ver­mö­gen aus. Auf der Su­che nach ei­nem ge­sell­schaft­lich ein­fluss­rei­chen Ehe­mann hei­ra­te­te sie den Se­na­tor C. Sal­lus­ti­us Cris­pus Pas­si­e­n­us (ge­stor­ben 47/48), der 44 zum zwei­ten Mal das Kon­su­lat be­klei­de­te, aber bald dar­auf starb. Da­bei bleibt un­klar, ob Agrip­pi­na ihn mög­li­cher­wei­se er­mor­det hat, wie spä­ter über­lie­fert wur­de. Je­den­falls erb­te sie ein gro­ßes Ver­mö­gen und war zu je­nem Zeit­punkt im Jah­re 48 Wit­we, als Clau­di­us nach der Hin­rich­tung sei­ner Gat­tin Mes­sa­li­na (um 20-48) frei für ei­ne neue Bin­dung war. In der Aris­to­kra­tie be­gann ein Wer­ben um die va­kan­te Stel­le der Kai­ser­ge­mah­lin, wo­bei Agrip­pi­na selbst ein nicht zu un­ter­schät­zen­der Macht­fak­tor war, da sie im Ge­gen­satz zu Clau­di­us in di­rek­ter ver­wandt­schaft­li­cher Li­nie zum Grün­der des Prin­zi­pats stand. Sie war Ver­tre­te­rin der macht­volls­ten Fa­mi­li­en Roms und als sol­che ein un­ab­hän­gi­ges Macht­zen­trum. Dies muss­ten die Be­ra­ter um Clau­di­us ab­wä­gen. Agrip­pi­na selbst war hung­rig nach Macht und ge­willt, den fa­mi­liä­ren An­spruch gel­tend zu ma­chen. Sie setz­te sich durch und wur­de Kai­se­rin, wo­bei das Ver­bot ei­ner Hei­rat zwi­schen On­kel und Nich­te kein Hin­der­nis bil­de­te. Die­se Re­ge­lung wur­de durch ei­nen Se­nats­be­schluss rasch be­sei­tigt. 

Die Hei­rat zwi­schen Clau­di­us und Agrip­pi­na fand An­fang des Jah­res 49 statt. Da­mit war sie im Schalt­zen­trum der Macht an­ge­kom­men; es reich­te ihr je­doch nicht, die Ge­mah­lin des Kai­sers zu sein, und ih­ren Ein­fluss über Clau­di­us wir­ken zu las­sen, ihr Macht­hun­ger ging dar­über hin­aus. Wie an den Münz­prä­gun­gen der Zeit ab­zu­le­sen ist, woll­te sie sich ei­ne Po­si­ti­on schaf­fen, in der sie di­rekt Macht aus­üben konn­te – und dies, ob­wohl sie for­mal le­dig­lich die Gat­tin des Kai­sers war. Sie ver­füg­te über kei­ne staats­recht­li­chen Zu­stän­dig­kei­ten und konn­te sol­che Kom­pe­ten­zen auch nie er­lan­gen, da es die Po­si­ti­on ei­ner Kai­se­rin im recht­li­chen Sin­ne nicht gab und Frau­en von der Po­li­tik aus­ge­schlos­sen wa­ren. Den­noch ver­schaff­te sie sich ei­ne po­li­ti­sche Macht­po­si­ti­on: Als ers­te Frau er­hielt sie zu Leb­zei­ten ih­res Man­nes den eh­ren­den Na­mens­be­stand­teil Au­gus­ta und wur­de schon da­durch be­son­ders her­vor­ge­ho­ben. Auch nach au­ßen hin stell­te sie ih­re Po­si­ti­on über prunk­vol­le Klei­dung her­aus. Ihr Por­trät auf Mün­zen ver­rät ih­ren Ein­fluss bei Kai­ser und Se­nat. Über den kai­ser­li­chen Frei­ge­las­se­nen Pal­las (ge­stor­ben 62), der Für­spre­cher ih­rer Hei­rat mit Clau­di­us und en­ger kai­ser­li­cher Be­ra­ter war, hat­te sie Zu­griff auf die Staats­fi­nan­zen, über Pro­zes­se und Mor­de ver­mehr­te sie ihr ei­ge­nes Ver­mö­gen. Bei of­fi­zi­el­len An­läs­sen war sie stets – schein­bar gleich­be­rech­tigt – an der Sei­te von Clau­di­us zu fin­den. Auch fak­tisch ver­grö­ßer­te sie ih­ren Ein­fluss: Sie setz­te durch, dass ihr Sohn Do­mi­ti­us Aher­no­bar­bus (Ne­ro) von Clau­di­us ad­op­tiert wur­de. Clau­di­us hat­te ei­nen ei­ge­nen Sohn aus der Ehe mit Mes­sa­li­na na­mens Bri­tan­ni­cus (41-55), der zu­nächst als Er­be und Nach­fol­ger vor­ge­se­hen war; nun wur­de ihm der äl­te­re Ne­ro an die Sei­te ge­stellt. Da­bei be­ließ es Agrip­pi­na je­doch nicht.

In den Pro­vin­zen such­te sie eben­falls Ein­fluss zu ge­win­nen. Auf ih­re In­itia­ti­ve hin wur­de im Jah­re 50 der Zen­tra­lort der Ubier im Rechts­sta­tus zu ei­ner Co­lo­nia er­höht. Da­mit wur­de die Gat­tin des Clau­di­us zur „Stadt­grün­de­rin" von Köln. Zu die­ser Zeit be­deu­te­te ei­ne sol­che Grün­dung die An­sied­lung von rö­mi­schen Bür­gern, zu­meist Ve­te­ra­nen der Le­gio­nen; in­fol­ge des dar­aus re­sul­tie­ren­den Kul­tur­trans­fers hat­te die ein­hei­mi­sche Ober­schicht in Köln schon längst rö­mi­sche Sit­ten an­ge­nom­men und war mit dem rö­mi­schen Bür­ger­recht aus­ge­stat­tet wor­den. Köln wur­de zum Ab­bild Roms in der Frem­de mit Stadt­rat, zwei Bür­ger­meis­tern und wei­te­ren Ma­gis­tra­ten. Dies al­les war in ei­nem Stadt­ge­setz fest­ge­legt, das of­fi­zi­ell für Köln er­las­sen wur­de. Die Be­weg­grün­de für die Aus­zeich­nung ih­rer Ge­burts­stadt sind je­doch nicht in ei­ner emo­tio­na­len Ver­bun­den­heit zu su­chen, son­dern sie stell­te sich da­mit gleich­be­rech­tigt an die Sei­te des Kai­sers, der sei­ne Ge­burts­stadt Ly­on be­reits vor­her zur Co­lo­nia er­ho­ben hat­te. Bei­de Städ­te wa­ren kul­ti­scher und ad­mi­nis­tra­ti­ver Mit­tel­punkt. Zu­dem de­mons­trier­te Agrip­pi­na mit der Er­he­bung Kölns zur Co­lo­nia ihr Durch­set­zungs­ver­mö­gen in der Pro­vinz. 

Auf dem Hö­he­punkt ih­rer Macht be­rei­te­te sie ih­rem Sohn den Weg zur Kai­ser­herr­schaft. Clau­di­us hob ihn öf­fent­lich ge­gen­über sei­nem ei­ge­nen Sohn her­vor. Ziel ge­rich­tet ver­folg­te Agrip­pi­na den Plan, über ih­ren Sohn im Reich zu herr­schen. Sie hat­te sich mitt­ler­wei­le im Kai­ser­haus und im Mi­li­tär ein Netz­werk ge­schaf­fen, das sie un­an­greif­bar er­schei­nen ließ. Po­ten­ti­el­le Wi­der­sa­che­rin­nen und Wi­der­sa­cher wur­den be­sei­tigt, wo­zu schlie­ß­lich auch ihr Mann Clau­di­us ge­hör­te, der – ver­gif­tet von Agrip­pi­na – am 13.10.54 starb. Doch der Er­folg war nur von kur­zer Dau­er; bald schon be­gann ihr Stern zu sin­ken. Im Jah­re 55 kam es zum Bruch mit ih­rem Sohn, Kai­ser Ne­ro. Die ers­te Lo­sung an die Sol­da­ten hat­te op­ti­ma ma­ter (die bes­te al­ler Müt­ter oder die vor­treff­lichs­te Mut­ter) ge­lau­tet und da­mit ver­deut­licht, wem Ne­ro die Macht zu ver­dan­ken hat­te. Fak­tisch führ­te sie auch zu­nächst die Re­gent­schaft für den 17-jäh­ri­gen. Doch schon bald eman­zi­pier­te sich die­ser von sei­ner Mut­ter und de­ren Um­feld. Längst war ei­ne Gren­ze über­schrit­ten, weil in der rö­mi­schen Ge­sell­schaft ei­ne di­rek­te Aus­übung von Macht für Frau­en un­vor­stell­bar er­schien. Als Agrip­pi­na die­se Ent­wick­lung auf­hal­ten woll­te, be­wirk­te sie das Ge­gen­teil. Schritt für Schritt ent­zog Ne­ro ihr die Pri­vi­le­gi­en wie ei­ne ei­ge­ne Leib­gar­de oder die Re­si­denz im kai­ser­li­chen Pa­last. Vie­le Geg­ne­rin­nen und Geg­ner wag­ten sich nun aus der De­ckung.

Im Jah­re 59 fand Agrip­pi­na ein ge­walt­sa­mes En­de. Ne­ro ent­schloss sich, sei­ne Mut­ter be­sei­ti­gen zu las­sen, was je­doch zu­nächst miss­lang. Ein prä­pa­rier­tes Schiff soll­te sie nach ei­ner Ver­söh­nungs­fei­er mit ih­rem Sohn zu ih­rer Vil­la nach Baiae, dem heu­ti­gen Ba­co­li, brin­gen und auf dem Weg dort­hin auf of­fe­ner See sin­ken. Das fin­gier­te Schiffs­un­glück ge­schah ver­spä­tet in Ufer­nä­he, so dass sich Agrip­pi­na ver­letzt an die Küs­te ret­ten konn­te. Dar­auf­hin be­fahl Ne­ro den of­fe­nen Mord, der von Flot­ten­sol­da­ten aus­ge­führt wur­de. Ihr Leich­nam wur­de ver­brannt und auf ih­rem Land­gut bei­ge­setzt. Das An­denken an Agrip­pi­na wur­de of­fi­zi­ell ge­tilgt, ihr Ge­burts­tag zum Un­glücks­tag er­klärt. Und doch reicht ih­re Wir­kung, ins­be­son­de­re in der von ihr ge­grün­de­ten Stadt, un­ge­bro­chen bis heu­te. 

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/aufsaetze/stumme-drusus.html, zuletzt geprüft am 24.07.2026.

-> Schmitz, Dirk, Agrippina die Jüngere, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/agrippina-die-juengere/DE-2086/lido/57a9dcf66c7362.93193527 (abgerufen am 24.07.2026)

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Sekundärliteratur

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