Die Täuferbewegung
Inhaltsverzeichnis
1. Münsteraner Täufer: Das neue Jerusalem
1. Münsteraner Täufer: Das neue Jerusalem
Anhänger der radikalen Täuferbewegung bringen 1534 die westfälische Stadt Münster in ihre Gewalt. Sie gründen dort ein Königreich und erwarten das nahe Ende der Welt. Hunderte gehen für ihren Glauben in den Tod
ie Menschen im belagerten und ausgehungerten Münster feiern ausgelassen. Ihr König sitzt an einem reichlich gedeckten Tisch. Er ist eine prunkvolle Erscheinung: in Samt gehüllt, geschmückt mit einer goldenen Krone und einer Goldmünzenkette. Seine 16 Ehefrauen umschwärmen ihn. Die Stadtbewohner dagegen, allesamt Angehörige der radikal-religiösen Täufergemeinschaft, müssen sich mit einem kargen Mahl aus Brot und Bier begnügen. Sie tragen schmucklose Kleider, wie es ihr Herrscher befohlen hat. Nach dem Mahl lässt der König Trommeln und Lauten spielen und eröffnet mit seiner Hauptfrau den Tanz. Es sei Gottes Wille, lässt er ausrichten, nun fröhlich zu sein. Und wieder einmal glauben die Menschen ihrem charismatischen Führer. Sie singen und tanzen, als drohe keine Gefahr.
Es ist ein Totentanz. Denn in diesen Apriltagen des Jahres 1535 rüstet eine Übermacht von Feinden zum Angriff. Die Lage der Eingekesselten ist aussichtslos. Doch sie glauben noch immer, dass Gott ihnen, seinem auserwählten Volk, beistehen wird. Dass Christus vom Himmel herabsteigen wird, um über die Gottlosen zu richten – die Gerechten in diesem Neuen Jerusalem aber verschont. Und sie glauben an ihren König, Jan van Leiden, einen 26-jährigen früheren Schneider, der ihnen Gottes Gnade versprochen hat und innerhalb weniger Monate zu ihrem unumschränkten Herrscher wurde. Der Glaube der Täufer von Münster ist schwärmerisch und bedingungslos. Hunderte werden ihn mit dem Tod bezahlen.
SEIT ETWA 1525 spalten sich von der Reformationsbewegung immer mehr radikale Gemeinschaften ab, denen die Neuerungen Martin Luthers und des Zürichers Ulrich Zwingli nicht weit genug gehen. Sie streben nach einer Gesellschaft ohne kirchliche und weltliche Obrigkeit, nach einer Wiederherstellung des biblischen Urchristentums. Und sie sind davon überzeugt, dass nur die Taufe eines erwachsenen Gläubigen dem Willen Gottes entspricht; dagegen halten sie die Taufe von Säuglingen für nicht durch die Bibel belegt und somit für ungültig. Die anderen Gläubigen, auch Protestanten, nennen sie daher verächtlich „Wiedertäufer“.
Die verschiedenen Täufergruppen haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Erneuerung der Welt. In der Schweiz entstehen Gemeinschaften, die der Obrigkeit immer dann den Gehorsam verweigern, wenn sie sonst die Gebote ihres Glaubens brechen würden, etwa durch Kriegsdienst. In Mähren leben die nach ihrem Anführer benannten Hutterer auf Brüderhöfen in Gütergemeinschaft. In Süddeutschland bilden sich Gemeinden, die alle Ehen auflösen und ihre Mitglieder mit neuen Partnern verheiraten. Überall dort, wo die Täufergruppen auftreten, stehen sie schnell in dem Verdacht, Aufruhr gegen die Obrigkeit zu schüren. Obwohl die meisten ihrer Gemeinden strikt gewaltlos sind, werden sie verfolgt. Und 1529 verfügen Katholiken und Lutheraner auf dem Reichstag in Speyer die Todesstrafe gegen die Täufer. Auch in den Niederlanden werden die Täufer verfolgt. Ihr Anführer ist Jan Matthijs, ein Bäcker aus Haarlem und besonders radikaler religiöser Prophet, der das unmittelbar bevorstehende Ende der Welt und die Wiederkehr Christi voraussagt. Nur die Gerechten, die die Erwachsenentaufe empfangen haben, würden errettet. Im November 1533 gewinnt er den Leidener Jan Bockelson (den die Deutschen später Jan van Leiden nennen werden) für die apokalyptische Lehre.
Jan van Leiden, 1509 geboren, hat als wandernder Schneidergeselle in Flandern und England gearbeitet, später ist er als Kaufmann bis nach Lübeck und Lissabon gereist. Er ist weltoffen, redegewandt und schlagfertig, weiß die Menschen zu beeindrucken. Nach seiner Taufe gehört er zu den engsten Vertrauten von Jan Matthijs, der ihn zu einem seiner Apostel ernennt. Predigend und taufend reisen der Prophet und seine Apostel durch die Niederlande und finden rasch Anhänger. In dieser Notzeit voller Kriege, Seuchen und Hunger, die viele Menschen als Vorboten der Apokalypse deuten, versprechen Matthijs und seine Anhänger den Christen, sie könnten auf Gnade hoffen beim bevorstehenden göttlichen Strafgericht – wenn sie sich von ihnen taufen ließen. Matthijs sagt den Weltuntergang für Ostern 1534 voraus. Nun suchen er und van Leiden nach der rettenden Stadt, dem Neuen Jerusalem, in dem Gott alle Rechtschaffenen sammeln werde: Denn nur in der sicheren Stadt der Auserwählten könne man das Jüngste Gericht überstehen.
Anfang Januar 1534 schickt er zwei Missionare ins westfälische Münster. Dort bekennen sich die meisten Bürger zum Protestantismus. Nur in den Klosterkirchen und im Dom des Landesherrn Bischof Franz von Waldeck lesen katholische Priester die heilige Messe; die Pfarrstellen der sechs Gemeindekirchen hat der Rat hingegen mit Lutheranern besetzt. Die aber sind gespalten – manche Gläubige lehnen die Kindertaufe ab und wollen die Pastoren nicht durch den Rat einsetzen, sondern durch die Gemeinden wählen lassen. Doch bislang hat der Rat die Rebellen unterdrücken können. Nun aber wenden sich viele Gläubige der neuen Heilslehre aus den Niederlanden zu.
ALS JAN VAN LEIDEN einige Tage später von seinem Propheten nach Münster befohlen wird, ist die Stadt zu einer Hochburg der Täufer geworden: 1400 Anhänger zählt die Gemeinschaft bei der Ankunft des Apostels, etwa ein Fünftel der Stadtbevölkerung. Sollte Münster das Neue Jerusalem sein? Van Leiden organisiert die Gemeinde, lässt Andachten in Privathäusern abhalten und verbietet seinen Getreuen den Kirchgang – für ihn sind Lutheraner wie Katholiken gottlos. Doch als das Gerücht kursiert, der Rat wolle die Täufer den Soldaten des Fürstbischofs übergeben, geraten auch Lutheraner in Aufruhr. Eilig versichert die Stadtregierung daraufhin, sie werde die Täufer als dritte Konfession dulden. Wenige Tage später ist der letzte Zweifel ausgeräumt: Münster wird die neue Heimstatt des Gottessohns – denn mehrere Gläubige behaupten, sie hätten in den Wolken einen Reiter auf einem weißen Pferd mit einem Schwert in der Hand gesehen.
Nun bereitet der Bischof die Belagerung der Stadt vor. Aus Angst fliehen immer mehr Katholiken und Lutheraner. Wohl auch deshalb verlieren die gemäßigten Protestanten bei der Ratswahl vom 23. Februar 1534 die Mehrheit an die Radikalen. Jan Matthijs, inzwischen auch in Münster, errichtet gemeinsam mit van Leiden ein Täuferregiment. Ihre aufgehetzten Anhänger stürmen in die Kirchen, zerschlagen Altäre, durchlöchern Heiligenbilder, um sie als Aborte zu verwenden, werfen Reliquien auf die Straße, zertrümmern Taufsteine und schänden die Grabmäler der Bischöfe – für sie allesamt gotteslästerliche Götzenbilder. Doch der Bildersturm allein reicht ihnen nicht. Am frühen Morgen des 27. Februar laufen Männer mit Spießen und Hellebarden durch die Straßen der Stadt, stoßen Türen auf, drohen, Gott werde alle Ungetauften strafen. Mehr als 2000 Münsteraner fügen sich und empfangen auf dem Marktplatz von Predigern die Taufe. Andere verlassen die Stadt. Sie müssen ihren Besitz zurücklassen, selbst der Proviant für die Reise wird ihnen genommen.
Die verbliebenen Münsteraner tragen Kupferplaketten als Erkennungszeichen um den Hals, in die sind die Buchstaben „DWWF“ eingraviert. Sie verweisen auf ein Bibelzitat aus dem Johannes-Evangelium, „Das Wort ward Fleisch“. Es ist der programmatische Satz der Täuferherrschaft: Das Wort Gottes soll in Münster Wirklichkeit werden, indem Christus abermals auf der Erde erscheint. Das neue Stadtregiment verbietet, die Haustüren zu verriegeln, weil im Neuen Jerusalem, von dem die Johannes-Offenbarung berichtet, die Tore Tag und Nacht offen stehen sollen. Geld ist abgeschafft, ein jeder soll nach Vorgabe der biblischen Apostelgeschichte so viel besitzen wie der andere. Münzen, Silber und Gold werden eingesammelt und für die Gemeinschaft ausgegeben, um Lebensmittel und Waffen aus dem Umland zu kaufen.
Die Täufer verbrennen auf dem Markt Schuldscheine, Rechnungsbücher, Gerichtsakten und Besitzurkunden. Viele schreiben Briefe an Verwandte im Umland und fordern sie auf, schnell nach Münster zu kommen. Hier fänden sie ihr Seelenheil, hier würden sie vor Gottes Gericht gerettet. Mehr als 2000 Menschen suchen Zuflucht in der Stadt. Doch ihr Reich Gottes ist bedroht: Bischof Franz von Waldeck verstärkt den Belagerungsring, der aber immer noch äußerst lückenhaft ist, errichtet Reiterlager vor den Toren der Stadt und organisiert ein Söldnerheer. Geschütze werden aufgefahren. Der Bischof ist fest entschlossen, den Ort zu stürmen – und die Täufer, ihn zu verteidigen.
Die Bürgermeister regeln einen lückenlosen Wachdienst. Mit den zerschlagenen Statuen und Grabplatten aus den Kirchen verstärken Männer und Frauen die Befestigungsanlagen. Sie brechen die Spitzen der Kirchtürme ab, stellen Geschütze auf die so entstehenden Plattformen. Zugleich wird Jan Matthijs immer radikaler; Kritik duldet er nicht. Einen Mann, der es wagt, zu sagen, der Täuferführer habe wohl den Teufel im Leib, schießt er nieder. Viele aber folgen dem Propheten mit Begeisterung. Je näher Ostern rückt, desto ausgelassener wird die Stimmung. Am Karfreitag zieht die Gemeinde mit Glockengeläut und Fackeln durch die Straßen, um die nahende Wiederkunft Christi zu feiern.
Am Ostersonntag predigt Matthijs auf dem Marktplatz: Er sei der neue Gideon, einer der Richter aus dem Alten Testament, die einst als Heerführer Israel vom Joch der Knechtschaft befreiten. Anschließend zieht er, begleitet von einer kleinen Schar Getreuer, laut betend und singend vor die Stadt – mitten in die Reihen der feindlichen Söldner. Glaubt Matthijs, dass er als Prophet und Richter unbesiegbar ist? Oder zweifelt er an seiner eigenen Weissagung von der Wiederkunft des Heilands? Die Söldner jedenfalls haben leichtes Spiel mit den kaum bewaffneten Gottesmännern: Unter den Augen der Täufergemeinde machen sie fast alle nieder. Ein Landsknecht durchbohrt Matthijs mit dem Speer, schneidet ihm den Kopf ab und spießt diesen vor der Stadt auf.
NOCH AM ABEND tritt Jan van Leiden vor die verstörte Gemeinde und erklärt: Ihm sei bereits eine Woche zuvor in einer Vision Matthjis’ Tod offenbart worden; dessen Aufgabe sei erfüllt, nun sei es Gottes Wille, dass er selbst sein Nachfolger werde. Ein neues Datum für die Wiederkehr des Herrn nennt er nicht. Doch beauftragt seine Gemeinde ihn mit der Errettung möglichst vieler Menschen: Die Münsteraner sollen ihren Glauben über die ganze Welt verbreiten. Am Ende der Predigt sind die Täufer überzeugt: Gott hat Jan van Leiden zum neuen Propheten erkoren. Sie geraten in Ekstase, einige rufen „Oh Vater, gib die Liebe“ und tanzen auf den Straßen. Männer laufen mit gezücktem Schwert umher und rufen, der Herr habe ihnen die Waffe in die Hand gegeben, um Ungerechtigkeit zu strafen.
Bald darauf ernennt van Leiden zwölf Männer, die er „Älteste der Stämme Israels“ nennt. Sie treten an die Stelle des Rates, der sich freiwillig auflöst. Die Ältesten schaffen ein neues Recht, das sich nach biblischen Gesetzen richtet und nun auch Gotteslästerung, Geiz sowie Neid in schweren Fällen unter Todesstrafe stellt. Bescheidenheit ist Pflicht, die Ältesten regeln, wie viele Kleidungsstücke ein jeder besitzen darf. Gewänder der Reichen werden von Diakonen eingesammelt und an die Armen verteilt. Mitte Mai befiehlt der Bischof den ersten Angriff. Vier Tage lang versuchen die Belagerer, die Stadt mit Geschützen sturmreif zu schießen. Doch der Widerstandswille der Täufer ist ungebrochen, nachts bessern die Frauen Schäden an den Wällen aus. Ein Sturmversuch scheitert, die Belagerer verlieren mehr als 100 Soldaten.
DER ERFOLG BESTÄRKT JAN VAN LEIDEN. Er drängt zu immer radikaleren Reformen, um die vollkommene Christengemeinschaft zu erreichen. Im Alten Testament, predigt er, hätten Männer mehrere Gattinnen gehabt. Und so führt auch er die Vielehe ein, heiratet die Witwe des toten Propheten sowie im Verlauf weniger Monate 15 weitere Frauen. Auf einem Holzbrett sind die Namen seiner Frauen verzeichnet, daneben sind Löcher gebohrt. Mit einem Stab markiert er, welche Frau jeweils das Lager mit ihm teilen soll. Die Vielehe hat vor allem pragmatische Gründe: In der Täuferstadt herrscht Männermangel. Hier leben weit mehr als 5000 Frauen, aber nur 2000 Männer. Denn etliche der Geflüchteten haben ihre Ehefrauen in der Stadt zurückgelassen, in der Hoffnung, dass sie Haus und Hof bewahren können.
Doch die Polygamie sorgt für Unruhe in der Stadt. Selbst elfjährige Mädchen werden verheiratet, Frauen flüchten vor Zwangsehen, Streit unter den Gattinnen bricht aus. Der Unmut gegen das radikal-religiöse Regime und gegen die Vielehe wächst. In der Nacht des 29. Juli 1534 schlägt eine Gruppe von mehr als 150 Verschwörern zu. Sie nehmen van Leiden gefangen und plündern das Rathaus. Doch die loyalen Täufer sind in der Überzahl, drängen in harten Kämpfen die Aufständischen ins Rathaus, wo sie sich geschlagen geben müssen. 47 Verschwörer werden auf dem Domplatz erschossen oder enthauptet. Weit größere Gefahr als aus den eigenen Reihen droht dem Täuferreich von den Truppen vor der Stadt. Der Bischof hat ein Heer von 8000 Söldnern angeheuert, und am 31. August beginnt der nächste Angriff. Gegen sechs Tore gleichzeitig rücken die Soldaten diesmal vor, doch erneut gelingt es den Münsteranern, die Attacke abzuwehren.
Kurz darauf erhebt ein Goldschmied bei einer Versammlung das Wort. Gott habe ihm offenbart, dass Jan van Leiden ihr König sein solle. Eigentlich wolle er lieber Schweinehirte sein, verkündet der Prophet seiner Gemeinde, aber er müsse nun wohl Monarch werden, weil Gott ihn dazu auserkoren habe. Und so lässt sich der einstige Schneider zum König erheben. Der frisch gekürte König der Täufer erschafft sich eine prunkvolle Gegenwelt. Er residiert in einem Herrenhof auf dem Domplatz, der nun „Berg Zion“ heißt. Die Königin und die Nebenfrauen leben im Nachbarhaus. Seine Kleider sind aus reich verzierten Stoffen genäht, er lässt sich Krone und Zepter schmieden. 148 Bedienstete umfasst sein Hofstaat.
Meist erscheint er vor seinen Untertanen hoch zu Ross, Sattelbeschläge und Sporen vergoldet, umgeben von seinem Gefolge in prächtiger Uniform. Bei Gottesdiensten thront er auf einem imposanten erhöhten Sessel, zu seinen Seiten zwei Jungen, die eine Bibel und ein Schwert halten. Er habe nun den Stuhl Davids eingenommen, verkündet van Leiden, und sei ein König der Gerechten. Längst ist die Täuferstadt im ganzen Reich bekannt. Begierig werden die Flugschriften gelesen, die Gerüchte von Vielehe und Unkeuschheit verbreiten. Martin Luther verfasst eine wütende Polemik gegen die „elenden Leute zu Münster“ und schreibt: „Muss man’s doch an der Wand greifen, dass der Teufel daselbst leibhaftig Haus hält, ein Teufel auf dem anderen, wie die Kröten sitzen.“
Im Frühjahr des Jahres 1535 wird die Niederwerfung der Täuferherrschaft zu einer Angelegenheit des Reiches: Fürsten und Städte – Katholiken wie Lutheraner – beschließen auf einer Versammlung, einen Teil der Belagerungskosten zu übernehmen. Das ist eine Kriegserklärung an die Täufer. Schon zuvor hat Bischof Franz von Waldeck mit dem Bau von neuen befestigten Lagern und Palisaden begonnen. Im April ist Münster völlig von der Außenwelt abgeschlossen. Keine Lebensmittellieferung erreicht mehr die Stadt, in der nun eine Hungersnot ausbricht. Die Menschen essen Pferde, Hunde und Katzen. Jan van Leiden ist in diesen Tagen oft melancholisch, wirkt auf öffentlichen Veranstaltungen teilnahmslos. Doch Anfang Mai organisiert er die Verteidigung der Stadt neu, verteilt die Befehlsgewalt auf mehrere Kommandeure, lässt einen Oberbefehlshaber durch das Los bestimmen. Und er versucht die Gemeinschaft zu festigen, indem er bislang verpönte Vergnügungen mit Musik und Tanz organisiert. Gegen Abweichler aber lässt er harte Strafen aussprechen, enthauptet mit eigener Hand eine seiner Frauen, als die ihn kritisiert. Weil jedoch der Brotvorrat zur Neige geht, muss er zulassen, dass Hunderte Menschen, darunter viele wehrfähige Männer, aus der Stadt fliehen.
DER ENTSCHEIDENDE ANGRIFF auf Münster beginnt in der Nacht auf den 25. Juni 1535. Verräter haben den Belagerern die Schwachstellen der Verteidigung gezeigt. Landsknechte stürmen nun die Stadt, zerren die Täufer aus den Häusern und töten sie auf den Straßen. Erst am dritten Tag der Eroberung endet das Morden, bei dem 650 Menschen sterben. Der Bischof Franz von Waldeck zieht in die Stadt ein, Münster wird wieder katholisch. Ein halbes Jahr später werden Jan van Leiden und zwei weitere Täuferführer auf dem Markt an Pfähle gebunden. Vier Stunden lang reißen die Henker ihnen mit glühenden Zangen das Fleisch von den Knochen. Ihre toten Körper binden sie in Eisenkörbe und hängen sie zur ewigen Abschreckung an den Turm der Lambertikirche. Das Täufertum in Münster ist damit vernichtet. Das Scheitern bestärkt den friesischen Prediger Menno Simons, dessen Bruder einer der zwölf Ältesten in Münster war, eine neue Täufergemeinschaft zu gründen, die zum Grundsatz der Gewaltlosigkeit zurückkehrt. Heute gehören die Mennoniten zu den größten freikirchlichen Gemeinden der Welt. Vom Ende der radikalen Täufer aber künden noch immer die eisernen Käfige am Münsteraner Lambertiturm.
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Quellen:
Internetquellen
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Sekundärliteratur
-> Büchse, Nicolas: Münsteraner Täufer. Das neue Jerusalem, in: Martin Luther und die Reformation (GEO Epoche Jg. 2009, Heft Nr. 39), Hamburg 2009.
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