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Ehe und Partnerschaft

Inhaltsverzeichnis

  1. Ehe als Partnerschaft. Magdalene und Balthasar Paumgartner aus Nürnberg (Quelle)
  2. Anna Wecker ,,Ein Hochzeit Spruch'' (Quelle)

1. Ehe als Partnerschaft. Magdalene und Balthasar Paumgartner aus Nürnberg

Kurzbeschreibung

Wohlhabende Deutsche gaben zum Andenken an ihre Eheschließung häufig Diptycha (zweigeteilte Portraits) in Auftrag. Die Partnerschaft von Mann und Frau stand im Zentrum der Hausgemeinschaft des 16. Jahrhundert, welche wiederum die elementare soziale Zelle der Zeit bildete. Der Hausstand stellte die wesentliche zivilisatorische Instanz dar, den Ort, wo Kindern gleichermaßen Gehorsam wie Tischmanieren beigebracht wurden. Naturgemäß ist das häusliche Leben wenig dokumentiert, doch gelegentlich gewähren die Quellen einen äußerst seltenen Einblick darin, wie ein Ehepaar seinen Haushalt organisierte, verwaltete und dessen Auskommen sicherte. Die Korrespondenz zwischen Magdalena und Balthasar Paumgartner, eines wohlhabenden Nürnberger Paares, erlaubt einen solchen Einblick ins Familienleben. Die Paumgartners teilten sich die Verantwortung für ihren Haushalt, die Erziehung ihrer Kinder sowie ihre Geschäfte. Die Korrespondenz beginnt kurz nach ihrer Verlobung und wurde über den Tod ihres Sohnes im Kindesalter hinaus fortgeführt. Sie berichtet von Freuden und Sorgen, von intimer Zuneigung und pragmatischer Berechnung, sowie von Gläubigkeit und Alltagsweisheit.

1. Balthasar Paumgartner an Magdalena Behaim.

1582, 15. December

Laus Deo. 1582 adi 15. December hieigem calender nach inn Luccha.

Erbare, tugendreyche, gethreüe, freunndtliche, hertzliebe, verthrauhtte braud.

Dein schreibenn vom 11. November hab ich auff 12 ditz nachtts mit grossem verlangen wol empfangen. Demnach ich aber wol gewüest unnd ausgerechnett gehabtt, bey solcher post widerumb anttwortt von dir auf mein ahn dich gethon schreiben kommen werd müessen, hab ich solcher brieff den vergangnen sontag mitt begyrden gewartt, derowegen den gantzen tag nichtt auß dem hauß kommen. Wie rechtt würd mir aber gescheen sein, wann nichtt allsbald widerumb geschrieben hettest! Auß solchen deinem sonnst eurer aller gesunndheytt von hertzen gern vernohmmen: wiß mich sambtt den meinigen allhie, Gott lob, auch noch wol auff sein; der selwige wölle unns inn seinen gnaden also langwyrig erhalttenn, unnd bald widerumb glückhselig inn unnser freüdengärttlin widerumb zusam helffen. Amen.

So vernimb ich fast gern, du mein altte mum Scheürlin schon ettlich mal heymgesuchtt hettest unnd sie so freunndlichen gegenn dir, daran ich nye gezweyflett. Bitte dich freunndlich, wöllest mitt gelegenheitt also forttfahrenn unnd ihrs rahtts inn ettlichen sachen pflegenn, der ich wol wayß, ihr wol damitt ist unnd sonnderlich wol gefeltt, wann man ein guett verthrauen inn sie setztt und auch ihrem rahtt volgtt. Wollt unns solche mum auch gern wo müeglichen wol gewogen unnd zu freundin erhaltten. Dann ob wir ihr schon wennig zu geniessenn, wird sie unns doch auch nymmer kein schad nichtt sein. Wirst dich also zu verhaltten unnd ihr den fuchsschwantz wol zu streichen wissenn, daran gar nichtt zweyfle.

Das ich dir, hertzliebe verthrauhtte, so langsamb unnd eher unnttrwegen nichtt geschriebenn hab, dessen ursach unnd mein enttschuldigong darnebenn wol vernohmmen wirst habenn. Soviel ich aber aus deinem yetzigenn vermercke, nimbstu solche von mir nicht also ahn. Nun ist dem einmal nichtt annderst, dann da ich dir schon hin unnd wider untterwegenn auß wol hett schreiben können, hette ich dir doch wennig freüd, aber viel mehr bekhümmernus mitt gemachtt, alleweil ich diese rayß nun auf guett glückh gewagtt, unnd biß nichtt inn unnser hauß herkommen, schier selber nichtt glauben können, man mich des strengen ergangnen verbotts der sterbsleufft halber bey euch herein werde lassenn, dich demnach mitt solchen viel umbstenden weytter nichtt betrübenn mügenn.

Bystu aber offt gefragtt, unnd sich verwundertt worden, du kheine brieff von mir nichtt hast gehabtt, so hatt es mir allhie gewießlichen nicht gemanglett; des fragens all sonntag, da die brieff allher zu kommen pflegenn, kein end nichtt ist gewest, mich gleichermassen verwundertt unnd doch darneben gedachtt hab, werdest mir eher nichtt schreiben, biß nicht zuvor brieff von mir habest. Wöllen demnach den zorn zwischen unns zugleich aufgehen lassenn!

Anttwort ditz will ich, hertzallerliebste, noch allhier von dir gewerttig sein; nach solchem aber darffst mir weitter nichtt allher schreiben. Dann ich unngefehrlich auf den letztten Jenner an andern ortt unnd stäed als gen Modona unnd Reggio inn unnsers hanndels geschäfften zu verraysen werd habenn, innmassen das mich deine brieff vielleichtt nichtt mehr allhie ahntreffen möchtten. Doch khan ichs bißhero gewieß noch nichtt wissenn, dann es ihm nun zuviel gleich sihett, ich so bald, wie gern woltt, von hinnen nichtt abgeferttigtt werd werdenn, von vielen über mein willen nun allzuviel unnd lang verhindertt werde. Wann ich doch nuhn eins, daran unnserm handel am mainsten unnd ja nichtt wennig gelegenn, rechtt unnd meins gefallens verrichttett, wie bald woltt ich das annder meinem brueder unnd den dienern hie befellhenn, mich dann gewießlichen nichtt lang mehr allhie saumen! Bin aber zu Gott dem allmechttigen tröstlicher hoffnung, mir nichtt mangln soll, das ich dann den khünnfftigen monatt Jenner bald gewahr will werdenn.

Inndessen wird mir zu thon allhie nichtt manglen, wie ich dann diese feurtag genn Florentz, so 8 teütsch meil von hinnen, verrayse, aber inn ein tag 3 oder 4 widerumb allher khomme. Unnttrdessen mach dein rechnong, es seye oder gehe mir sonnst gesundheitt halber Gott lob woll, mich meiner langweyligen rayß, von deren ich dann dürr unnd mager gnug allher kommen, zimlich widerumb erholett hab. Sihe unnd trachtte du yetz nuhn, dir mitt deinen vielfälttigen vergebnen sorgen, mitt denen du im end doch nichtts anders erhaltten khannst, nichtts ärgers zurichttest, unnd mach dein gewiese rechnong, ich mich nach verrichttong meiner sachen kein stunnd allhie nichtt saumen, sonndern (ob Gott will) noch eher, alls du unnd ich selber vermaynen, bey dir daussenn sein wölle, wölle der lieb Gott bald unnd mitt freuden gebenn.

Die langweyligen betrübtten sterbsleufft bey euch vernimb ich zwar ungern: demnach mir aber von andern geschrieben wird, es zimlich nachgelassen hab, unnd die kältt auch vor der thür gewest, verhoffe ich zu Gott dem allmechttigen, es weytter nicht nohtt gehabtt soltt habenn. Allhie ist es bey 5 wochen her fast schöen hell wetter gewesen, dergleichen nichtt viel leütt gedencken, wann es sonnst dieser zeytt des jars mehrenthayls unnd nuhn stettigs zu regnen pflegtt, derowegen sich meniglichen ahn dem schöenen wetter verwundertt.

Des guetten unnd frommen Sebastian Im Hoffs töedlichen abgang zu Lion allhie vor diesem unnd auch vom vetter Endreß Im Hoff auß Venedig vernohmmen, Willhelm Kreß, so bey ihm zu Lion gewest, nichtt wennig mittleiden mit ihm gehabtt hatt. Der allmechttige seye ihm wie unns allen gnedig unnd barmhertzig unnd verleyhe nach diesem das ewige lebenn! Amen.

Das der altt Mattheus Fetzer ein preüttigam ist, vor diesem vernohmmen; sein braud aber sowol als des D. Wolffen Rosina sind mir unbekand.

Der Wilhelm Kreß, den ich allhie inn ein guette kost unttrgebracht hab unnd mein brueder Jörg lassen dich beede widerumb fleyssig grüessen, und dastu ihrer auch gedenckest, gantz freunndlichen dannckenn.

Wann du zu der fraw Lochnerin kompst, wöllest ihr anzaigen, mitt dem rottcremasin futtrattlas unnd zwyfärbigen dd. daffatt sie aufs best versehen wölle; den futtrattlas vor diesem schon besteltt gehabtt.

Sonnst hab ich ausserhalb meiner geschäfft warlichen ein langweylige zeitt unnd kein kurtzweyl gar nichtt allhie, ausserhalb das ein 14 tag hero comediantten hier gewest unnd all abendts biß umb 4 uhr inn die nachtt comedyen gehaltten haben. Ein weybsbyld gehabtt, die reden unnd reihtten (wie man pflegtt zu sagen) könd hatt; woltt Gott dichs auch zu sehen wünschen hett können, dich gewießlichen darob verwundertt wirst haben. Die zeitt ein weil mitt den comedyen zusehen zugebrachtt, mitt solchen aber auch schon ein end hatt. Nach den weyhenachtt feyrtagen aber sollen anndere herkommen, sind aber gegen eurn spyeln in s. Martha unnd prediger closter nichtt zu vergleichenn. Wie aber die weyber, sonderlich diese, so yetz hie gewest, bered seind unnd sich darein zu schicken wissen, khan ich dir gnugsam nichtt erschreiben. Kannst es auch, biß selber nichtt sehest, nichtt glauben; sonnder zweivel inn viel hystorybuchern gestudirtt habenn unnd also nun wol gelehrtt sein müessenn.

Du meldest unnttr anderm inn deinem brieff, ich soll dich mitt schreibenn nichtt mehr so lang [warten] lassenn: wer wyß, ob ich dich bey den böesen bey euch regirenden leüfften mehr finnde! Mitt solchem hastu mir nichtt wennig ahnfechttonng unnd allerlay seltzame gedanncken gemachtt. Dann ob der lieb Gott dich unnd mich ebenn so bald alls kein annders nichtt finnden khan, so bin ich yedoch getröester hoffnunng, er werde unnser ditzmal noch verschonen unnd zuvor mitt freuden inn unnser stüblein oder plomen gärttlin widerumb zusammen helffen, sonnst seind wir all in seinen henden unnd, wann mein gentzliche hoffnung nichtt zu ihm setzett, müest ich mich stettigs besorgen, mir auf dem weg ein unglückh widerfahrenn könnd. Aber ich hoffe des bessern; also solstu ihm auch thon, im ende ihne walttenn lassenn.

Ich wayß dir, hertzliebe, verthrauhtte, für ditzmal sonnst ein mehrers nichtt zu schreibenn, thue mich allein der übrsandtten plümlein aus unserm gartten gantz freundlichen bedancken unnd die deinettwegen fleyssig auffhebenn, gantz freunndlich bitten, dein bruedern Pauluß, schwestern und Hoff Kätterlin, auch die Held Magdel fleyßig meinettwegen zu grüessen, ihnen allen viel guetts zu sagen. Unnd sey du auch, hertzliebste Magdale, zu viel hundertttausennd mal freündlich unnd fleyssig von mir gegrüest, dem lieben Gott zu gnadenn inn treühenn befollhenn.

D. gethreüer l. preüttigam

Balthasar Paumgartner der jönger.

2. Magdalena Paumgartner an ihren gatten.

1591, 9. December.

Erberer, freundlicher, herzlieber Paumgarttner.

Ich kon nit underlasen, dir ale acht tag zu schreiben, wiewol du mir kein ursach gibst. Dan nun in der driten wogen keins von dir gehabt, vileicht bis samstag aug keins, welgs mich kleinmutig genug machen wiert. Und mus eben dem alten sprigwort nachdencken: „aus den augen, aus dem sin!“, wiewol dein pruter sagt, du ser vil in den handelspriefen schreibst heraus, desen ich, denck ich, engelten mus. Hat mir aber doch vil nachdenckens gemacht, als ob du vileicht nit wolauf seist und er mir, der Yerg, solgs zu verstien gebst, du schreibst so vil in die schreibstuben. Hab in iedoch wol ermond, das ich im lezlich hab glauben musen, es gescheh aus keiner andern ursach, den das du so vil zu thun habst. Sagt aug, wie er in deinem schreib[en] wol mercke, du dich noch vor der mes herausbegeben werst, desen ich mich von herzen frey und mit verlangen deines schreibens wart bis samstag, da ich solgs aug von dir vernim mit freuden. Mit uns stedt es, Got sey lob und donck, noch im alten wesen und guter gesundheit, der erhalte uns noch ferner zu beden theiln! Amen.

Und geschicht dis schreiben, herzlieber Paumgartner, wegen des puben, der nor imer mond an mir, wan dir schreib, sol dir schreiben, das du ime ein kleid mitpringst. So schick dir gleich hiemit ein mas, wie long das wames und wie weit, aug wie long die erbel und das geses mus sein, dan ichs reilich nach dem alten pubensameten gemesen hab, welgs im am gerechten ist, und hab im zugeben aug. Welst also nor etwas schbarz nemen dazu, dan er vor 2 gefarbter hat. Doch sted es zu dir, was dir gefeld.

Und der alte Peir ligt noch imer hin, wie vor acht tagen, das mon imerzu meind, er kin es nit 3 aber 4 tag antreiben. Man schneid im iez ale tag faul fleichs aus dem schaden, und thut im dennoch nit weh, fragt nach nimund mer. So redt er nit mer, den so in dierst oder etwas esen wil, macht in aln ein ser langweilge zeit. Got der herr ende es balt mit im!

Die Dobias Kastnerin hat dich aug fleisig grusen lasen, ist alhie bei irer muter in der Lienhart Grundherin haus obenauf im driden gaden und ist mit irer muter hereingefarn auf 3 tag und hat sy das pluten angehebt zum mund aus und ist so schbag, das ich nit weis, ob sy es lang andreiben wiert. Besug sy oft, dan sy zuvor bey uns hat einkern soln, ist sy nun 3 wogen hie kronck. Hab sorg, wan schon heimkum, nit lang andreiben wer. Got helf uberal!

Herzeter schaz, bit, wolst aug meins welschen rocks nit vergesen, wie der Wilhelm Im Hoff seinem beib ein mit von Venedig mit hat pracht, so mon vir pelz dregt. Und welst mir nitt vir ubel haben, das ich dir in meinem schreiben imer etwas abbedele. Wil dich sunderlich biten, wan du etwa ein drum oder 2 röten und safelorfarben atlas wolfel bekumst, welst etwas mit herauspringen. Verhoff, der zeig zum pristla sol underwegen sein, weil schbager Yerg sagt, es kum in einer kisten ein packal an mich, welgs ich gar wol bedarff.

Mus heut abermal zu gast esen bey der alten Kleweinin, so die yungfrau ir schnur heimledt und behelt sy ferner bey yr. So haben wir heutt uber acht tag des pruder Paulus sein hondschlag, wolte Got, wo miglich du aug dabey solt sein. Nun, der almechtige Gott pring uns nach langweiliger zeit widerum zusam mit freuten, da wir uns als ergezen weln mit Gotes hilf!

Weis dir sunst, freindlicher, herzeter schaz, vir dis mal ein merers nit zu schreiben, den das du von mir zu vil maln freundlich und fleisig gegrust wolst sein in dein treies herz und Got dem hern in genaden befoln. Es lasen dich vil, vil grusen, die ich nit ale erschreiben kinde, die Gröserin, Scheirly, her Paumgartner — haben gester bey im zum hondschlag angeschriben, ist er selbst bey uns gewesen und dich grisen lasen —, Lognerin, Remerin, Wilhelm Im Hoff, Plaben, er und sy: es wir zu lang. So vil ir die wogen an des Pfinzings hachzeit mit mir gedanzt haben, haben dein im besten gedacht und gefragt, wan schreiben von dir gehabt. So hab ich aber gedeuchst und gesagt, vor acht tagen, wan schön 3 wogen! Nun auf dis mal nit mer!

Dadum den 9 Dezemer 1591 yars.

Madelena Balthaser Paumgarttnerin

d. l. h.

3. Magdalena Paumgartner nach Frankfurt an ihren gatten.

1592, 13. September.

Erberer, freundlicher, herzliebster Paumgarttner.

Dein schreiben ist mir vergang samstag wol zukumen, daraus mit herzensfreuden vernumen dein wolhinabkunft und dan nunmer in groser mue und arbeitt. Got helf, es ales wol zugehe und verrichtet werte, und wir mit freuten wider zusamenkumen, wiebol uns Got ein schmerzlichen ris dorch unser freudt hat thun, die wir zuvor alzeit freudenreicher zusam sein kumen, als leider iez geschehen wiert. Doch dorch die starcke hofnung zu Got, so wir haben, kon es wider dazu kumen. Amen.

Herzlieber Paumgartner, hab in deinem schreiben die zeitungen gern gelesen, und das aug die kiten nit geraden sein. Wolst du doch sehen, das wir nor ein 300 haben kinen, wan ir nit mer sein kinen. Wan du aug vir dich nach regelpirn gefragt hetest, hest du wol thun und am hinabziehen meser kauft vir das gesindlich oder schlechte kres. Wolest aug des zuckers nit vergesen.

Hab heut der alten Köplin aug geschriben gen Schlackenwalt, das sy mein nit verges mit dem flax; schick ir ein duzet leckiegla, das sy desto ehr dron denckt.

Aug so hat herr Kres heut wider ein sun bekumen, hat ir nun 5 sun, kind uns wol einen mitdeiln, wens gilte. Hat in der Finolt gehebt, heist Yochum Friderich. Bin gleich zur kindauff gangen.

Morgen fru sol ich mit dem Christof zum meien auf sein fogelhertt farn.

Mus dirs gleich vir ein neie zeitung schreiben, dieweil wir Gott lob iezund ein 3 tag schön weder wider haben, da wir seid deinem verreisen nor stedichs regenweter gehabt, welges, wan es lenger gewert het, balt etwas erwecken het terfen.

Dan es nort geregnet umber hat, das es gepachsz hat. Und hab aug heut gehert, das es drunden anfange zu sterben. Bit dich derhalben, herzliebster schaz, wolest dein wol in acht nemen und nit niechtern ausgehn, eh den du was esest.

Ist mir aug die wogen leid gewesen wegen deines vadern, der aber nit wolauf gewesen ist. Ab[er] Got lob, heut haben wir potschaft, das er wider ein wenig feiner ist. Hat mir leid gemacht, das du nit hie bist, und das wir nit hinaus zu im sein, weil es nunmer imer zum ende get.

Iez gleich, so ich dir gar schreiben wil, kumpt ein fas wein; so ichs einlegen las, kumpt mir ein brieff von dir, des ich erfreuet bin. Wirst mein schreiben vordem aug nunmer wol empfangen haben. Und das fas wein, so kumen, helt bey 4 aeimer.

So hab ich seid deinem verreisen von Adam Stuzer nichts gehört, so ist er nit da gewesen. Wiert villeicht der pot von Salzporg noch nit kumen sein, derhalb ich dir nit wol röten kon zu kaufen. Wan du villeicht 4 rös zusamprechst, wir mon dir vir die zbien praun desto weniger geben woln. Doch stedt es zu dir; wie es dir gefelt, so mir aug.

Ich hab dir aug, herzlieber Paumgartt[n]er, in meinem ersten brieff umb 2 eln oder 3 leinwad vir mich zu kresen [geschrieben]; mein ich und zbeifel doch, das ichs nit vergesen hab. So welst nor ungefer eine umb 10 oder 12 pazen nemen, dan ich ir zu golern aug darff.

Und weis dir sunst, herzlieber schaz, auf dis mal nit mer zu schreiben, dan das unser meinstes gefeng von fegeln ist am sundag 15 gewesen. Heut 6 hebet gleich wider an zu regnen. Got geb palt wider schön weder!

Wolst also von mir, herzliebster Paumgartner, freundlich und fleisig gegriest und Got dem hern in genaden befoln sein.

Dadum 13 Septemer zu nacht 1592.

Magdalena Baltthaser Paumgarttnerin.

Quelle: Briefwechsel Balthasar Paumgartners, des Jüngere mit seiner Gattin Magdalena, geb. Behaim. (1582–1598). Herausgegeben von Dr. Georg Steinhausen. Gedruckt für den literarischen Verein in Stuttgart. Tübingen, 1895, S. 6–10, 141–43, 174–75. Online verfügbar unter:https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=mdp.39015018633506&view=1up&seq=5&skin=2021.

2. Anna Wecker ,,Ein Hochzeit Spruch''

Kurzbeschreibung

Diese Hochzeitsrede aus dem Jahr 1586, verfasst von Anna Wecker, einer Kochbuchautorin, anlässlich der Hochzeit von Jacob Pommern und Barbara Löffelholtz, bietet einen Einblick in die frühneuzeitlichen Ansichten über die Ehe. In ihrem Hochzeitsgedicht hebt Wecker geschlechtsspezifische Erwartungen an die Ehe und die zentrale Bedeutung von Glaube und Religion für die Ehe hervor. Sie verwendet biblische Themen von der Schöpfungsgeschichte bis hin zu den Ermahnungen des Paulus in den Apostelbriefen, um die Harmonie in der Ehe und die familiären Pflichten beider Ehepartner zu betonen. Der Ehefrau schreibt sie Bescheidenheit und Tugendhaftigkeit vor, dem Ehemann Sanftmut und Fürsorge für seine Familie. Wecker rät dem Paar, eine liebevolle Bindung anzustreben, die auf Glauben und Pflichtgefühl beruht.

Quelle

Ein Hochzeit Spruch/ zu Ehren und glücklicher Wolfart. Dem Erbarn und Vesten Junckhern/ Jacob Pommern/ und seiner Erbarn und Tugentsamen Braut/ Jungfrawen Barbara Löffelholtzin: Gestellet Durch/ Anna Kellerin: Doctor Hannß Jacob Wecker seligen hinderlassene Wittfraw. Gedruckt zu Nürmberg/ durch Nicolaum Knorrn.

Anfangs als Got hat der Welt volend

Und alle ding für gut erkent/

Nach dems war baschlossen in seim Rat

War es als sehr gut durch sein Wort/

Da hat er auch den Menschen gmacht/

Auß eim Erdenkloß wol betracht.

Nach seiner Bilnuß schuff er jhn/

Ein lebend Athem bließ jm ein.

Daraus ward ein lebende Seel/

Nach dem vnd sie Gott woll gefiel/

Als er nun von Gott wol gformiert

Hat er jhn in den garten gfiert/

Den er auch hatt bereitet wol/

Zu allm das dem Mensch dienen sol/

Es solt als wachsen vnd sich mehrn.

Daß sich der Mensch davon möchrt nehrn/

Er schuff das Vieh groß vnd auch klein/

Darzu die Vögel Fisch als rein/

Welchs alles der Mensch solt Regiern/

Darumbs jm Gott thet selbs zufuhrn/

Auch solt er essen alle frucht/

Ohn von dem Baum deß Lebens nicht/

Dadurch guts und böß wird erkandt/

Sunst sturben sie deß Todts zu hand/

Eim jedn gab er seinen Namen/

Da fand sich nichts seines Stammen/

Ein jeder art fand sich ein Paar

Seins Gleichen noch nichts gschaffen war/

Da sprach Gott/ es wird nicht gut sein/

Daß der Mensch sollte sein allein/

Wir wölln jhm ein gehüllfen machn/

Der jhm zu nechst stand in sein sachn/

Da ließ Gott auff den Menschen falln/

Ein tieffen schlaff/ Nam in dem alln

Ein Ripp auß seinem Eygen leibe

Darauß bawete er das Weib/

Thet die stat mit Fleisch zufüllen/

Brachts Weib zu Jhm/ Nach seim willen/

Mit deren Er die Welt solt mehrn/

Darin auch seinen schöpfer Ehrn/

Auch das sie lebten Ewiglich/

Sie waren gschaffen unsterblich/

Er sprach das ist bein von meim bein/

Ein hülff der Nechst bey mir wird sein/

Männin wird man heissen jhrn Nam/

Darumb das sie gnommen vom Mann/

Derhalb der Mensch verlassen wird/

Vatter/ Mutter wies sich gebürt/

Vnd anhangen seinem Ehe Weib/

Die werden sein zwo Seel ein Leib/

Jst also die Erst Ehe gemacht/

Weh dem Menschen der sie veracht/

Gott will daß der Welt also werd gmehrt/

Vnd sein ordnung mit nicht verkehrt/

Demnach dann wir auch haben heut/

Solcher zweyer Junger Eheleuth/

An Ehrn Reich und gutes Namen/

Von jhrn Eltern gutes Stammen/

Welche zur Ehe jetz griffen hand/

Nach löblichen seeligen stand/

Den Gott allein hat auffgesetzt/

Er bhüt sie das sie vnuerletzt/

Darinnen also mögen walln/

Vnd jhrem schöpffer wolgefalln/

Daß sie auch jn mehren sein Reich/

Mit seim Sohn Christo Erben gleich/

Gott geb jhn frucht von ihrem Leib/

Darumb er sie schuff Mann vnd Weib/

Er bhüt sie daß sie unbefleckt/

Rein leben/ was schon Creutz zutregt/

Vnd segne sie wie Abraham/

Auch im Glauben groß werd jr Nam/

Zu Lob dem Herrn Jesu Christ/

Durch den der Ehestand heilig ist.

Sich selber mit der Kirch vergleicht/

Nennt sie sein Gspons vnd Himelreich/

Wil jhm jhr thun gefallen lohn/

So sie bleibt in seiner forcht schon/

Weil jhr denn jetzt das Freudmal halt.

Vnd darzu kommen Jung vnd Alt/

So thund Christum dazu auch ladn/

Wolt jhr das jhr kein mangel habn/

Davids Psalmen thutt wol lessen/

Wie der Gottesförchtig mag genesen.

Es zeigt an das Bach der Weißheit

Was nutz Gottsforcht den Frommen treidt

Auch was die Schälck von hinnen tragn/

Sie hie nach allem wollust jagn/

Paulus der gibt uns gute Lehr/

Das jederman der Ehe hab in ehr/

Der Mann das Weib sol halten wol/

Wie sein Seel er sie achten sol.

Niemandt hat ghasst sein eigen Fleisch/

Drumb sagt er das der Ehe lieb erheisch

Mit bescheidenheit bey jhr wohnen/

Als deß schwächern jhr verschonen/

Kein bochen/boldern mit jhr treib/

Sie ist ein Ripp von seinem Leib/

Zunechst gnommen vnter dein Hertzen/

Gott gab sie dir ohn allen schmertzen/

Darumb veracht jhm nicht sein gab/

Voraus wenn sie hat Weiber lob/

Die Liebe viel verdecken thut/

Die Liebe macht viel ungschmackts gut/

Was die an jhren fehlen wil/

Straffs mit sanfftmut Heimlich vnd still.

Jn der Ehe wirds nit alls süß sein/

Das Creutz laufft jmmer mit hinein/

Trags nach dem herrn mit gedult/

Denck das die Sünd wol hab beschuld/

Für Weib vnd Kind dein Leben setz/

Auff das jhr Ehr nicht werd verletzt/

Hülff trost solls Weib beym Mann finden/

Das sie nicht vrsach hab zu sünden/

Vor seim Gesind auch Christlich wandln/

Nit wie ein Tyrann mit jhn handln/

Nicht wie ein Heyd schehren und fluchn/

Gottes wort allzeit fleissig suchn/

Seine Kinder auch ziehen recht/

Das er von jhnen nicht werd schmecht/

Ein gut Exempel allzeit geben/

Wie das Weib/ Kind/ vnd Gsind soll lebn/

Gewinnen sol der Mann das Brot/

Seinem Alter schaffen vorrath/

Das so er Scheid von Weib vnd Kindn/

Sich nach jhm jhre Narung findn/

Vnd das mit Gott vnd billigkeit/

Auff das der Nechst nicht werd beleidt.

Das Weib sol auch in Gottsforcht lebn/

Dem Mann mit gwalt nicht widerstrebn/

Wenn er sie nicht von Gott weisst ab/

Mit fleiß sie jhn in ehren hab/

Wol mercken was er heissen thut/

Hat sie denn etwas nicht für gut/

So suche sie gelegenheit/

Das sies wend mit bescheidenheit/

Sanfftmütig sol sie gegen jhm sein/

Dencken er ist der Herre dein/

So hats Gott glegt auff dein rücken/

Das dich vor deim Mann solt dücken/

Bey der Sara wir sollen lernen/

Die heist Abraham einen Herren.

Der Töchtern all die worden sind/

So man wie sie im Glauben find/

Thut er denn nicht alls was er sol/

Laß sie jhn doch jhr gefallen wol/

Bey leib kein bitterkeit sich find/

Die Lieb all schmertz vnd leid verbind/

Gegn jhm sol sie nicht brauchen gwalt/

Mit freundlichkeit dein sach erhalt/

Ein Christlichs Weib zeucht auch ein Mann/

Wenn sies mit Gott greifft flüglich an/

Ein vernünfftigs verstendigs Weib/

Jst deß Manns ehr/ erhelt sein Leib/

Jhr Gmüt geb sie der hoffart nicht/

Paulus der gibt ein guten Bricht/

Was der Weiber geschmuch sol sein/

Vnd das sie schön gehen herein/

Nicht in Haarflechten Gold gezirt

Doch lest er nach was sich gebürt/

Zucht/ scham die steht eim Weib wol an/

Mit guten Wercken angethan/

Ein närrisch/ hädrichs/ zennckisch Weib/

Erregt viel haß vnd grosses Eib/

Jammer vnd Mord/bringt auch vmb der Seel/

Wie die Gottlose Jsabel/

Ein Weib sol sein auff Frieden gricht/

Den Mann zu zorn anrichten nicht/

Secht wie sich Abigael halt/

Da sich Nabal so heßlich stalt/

Als David speiß von jhm begert/

Vnd Nabal seine stimm nicht hört/

Redt si nicht noch bösers darzu/

Sprach nicht warumb solten wirs thun/

Sondern so bald jhr der sach fürkam

Nicht lang sie sich zubdencken nam/

Fragt auch nicht darumb jhren Mann/

Sein vnuerstand sah sie doch an/

Schnell vnd behind macht sie sich auff/

Lud jhre Esel saß selbst drauff/

Fleisch Brot vnd Tranck hat sie wol breit/

Fuhr hin mit Zucht vnd Erbarkeit/

Stallt ab deß Königs zorn vnd grim/

Das Nabel nicht kem vmb von jhm/

Mit jhm auch das vnschuldig Blut/

Das sie mit jhr Demut verhut

Also lißt man von der Judith/

Jhr Tugend/Ehr/ rett Land vnd Leut/

Auch habn viel Christlich Frawn gwunnen/

Jhr Mann das sie zum Glauben kommen

Deß gleich Lamuels Mutter lehrt/

Was einm frommen Weib zu gehört/

Liß wol schick dich nach jhrer Lehr

So wirstu haben Rhum vnd Ehr/

Jhr Kinder wirds zur Gottsforcht ziehn/

Auff das sie schand vnd Laster fliehn/

Durch kinder gbern wird selig sein/

Das Weib wanns bleibt im Glauben rein/

Ein fromb Weib ist ein gutter theil/

Dem sie Gott gibt wird haben heil/

Die erfrewt den Mann in der nöth/

Wenn die mit der Weißheit umbgeht

Wem Gott ein solche hat beschert/

Der ist von Gott vnd Menschen gehrt/

Gleichsfals wir jetzund eine habn/

Zu dern wir das vertrawen tragn/

Das sie werdt in jhrm standt Gott ehrn/

Sein Reich weittern vnd helffen merhn/

Dieweil sie ist gar wol erzogn/

Wie sie menniglichen thut lobn/

Jhr habet beyd das Beyspil wol/

Wie ein recht Christlich Ehe sein sol/

Greifft nur in der Gottes furcht an/

So werd jhr auch sein Segen han/

Gottes lob sucht in allen dingen/

So wirds euch hie vnd dort gelingen/

Auch liebet sein Word allezeit/

Das man sehn mög weß Kind jhr seid/

Sein Gbot habt allezeit vor augen/

Keinem andern gebet glauben/

Betrachtet das jhr sterblich sind/

Vnd alles hie ein ende nimbt/

An schöne/ Ehre/ Gut vnd Gelt/

Mangelt euch nichts in dieser Welt/

Das aber nicht in Himel fehrt/

Ein anders der Herr Christus lehrt/

Das wir nichts sollen lieber han/

Denn jhn/ wölln wir in sein Reich gahn/

Reichthumb er euch wol gönnen thut/

So fern jhr sucht das ewig gut/

Denn wer was mehr liebet denn jhn/

Derselbe wird sein nicht werd sein.

Hiemit wünsch ich euch glück vnd heil/

Das euch Gottes Geist werd zutheil/

Wenn jhr volbringet ewren lauff/

Vnd Gott gebend das Leben auff/

Das er euch führe an die stat/

Da die Ehe jhren Vrsprung hat/

Zu Christo in das Paradeyß/

Mit den Engln singn Gott Preyß/

Ein Frewd die ewiglichen werdt/

Amen wer es von hertzen bgert.

ENDE

Verlinkungen:

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Quellen:

Internetquellen

-> Ehe als Partnerschaft—Magdalena und Balthasar Paumgartner aus Nürnberg (Briefwechsel, 1582, 1591 und 1592), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, <https://germanhistorydocs.org/de/von-den-reformationen-bis-zum-dreissigjaehrigen-krieg-1500-1648/ghdi:document-3712> [24.09.2026].

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Sekundärliteratur

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