Skip to main content

Die Weimarer Klassik

Inhaltsverzeichnis

1. Am Hof der Musen. Goethe und Schiller in Weimar

1. Am Hof der Musen. Goethe und Schiller in Weimar.

Das geistige Zentrum Deutschlands ist um 1800 nicht Wien, Berlin oder Hamburg, sondern ein verwinkeltes Städtchen in Thüringen. Ausgerechnet in Weimar, dem Regierungssitz eines unbedeutenden Herzogtums, versammeln sich einige der größten Dichter und Philosophen ihrer Zeit. Sie nutzen die beispiellose Freiheit, die ihnen die kunstsinnige Herrscherfamilie gewährt. Und zwei Männer übertreffen sie alle: Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller.

In Bronze gegossen: Dieses Doppelstandbild der Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller steht seit 1857 in Weimar

Bei schönem Wetter, wenn Weimar in diesen Septembertagen 1794 herbstlich leuchtet, treten die beiden Herren aus dem Haus am Frauenplan. Sie meiden die engen Gassen und spazieren in den Park und die Gärten vor dem Städtchen, zu den Flussauen der Ilm. Der eine, ein langer, dürrer, rotblonder Mann mit ungesundem Teint und gelben Tabakflecken unter der Nase, spricht den nasalen Dialekt seiner schwäbischen Heimat und gestikuliert lebhaft.

Der andere ist kleiner, korpulent, hält in gemessener Würde die Arme auf dem Rücken verschränkt. Höflich grüßt er Passanten in Frankfurter Hessisch, ohne jedoch das Gespräch zu unterbrechen – während sein Begleiter so ins Gespräch vertieft ist, dass er die Menschen nicht einmal wahrnimmt. Es handelt sich um den 34-jährigen Friedrich Schiller, einen Arzt und Philosophieprofessor an der nicht weit entfernten Universität Jena. Der vornehmer dahinschreitende Mann ist der zehn Jahre ältere sächsisch-weimarische Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe.

Zwei Erfolgsautoren – die einander über Jahre beargwöhnt, beneidet und gemieden haben. Die auf den ersten Blick alles trennt: Herkunft und Auftreten, Denkstil und Arbeitsweise, politische und Moralvorstellungen. Nun hat sie die Idee zu einer neuen Zeitschrift zusammengeführt, von der beide zu profitieren hoffen. Schiller bezieht für zwei Wochen eine Suite von drei Zimmern in Goethes großzügigem Haus am Frauenplan.

Vorab warnt der Gast den Hausherrn: Seine angegriffene Gesundheit, chronische Krämpfe, Schlaflosigkeit, Blähungen machten ihm einen geregelten Tagesablauf fast unmöglich. Tatsächlich aber quälen ihn die Beschwerden in der Folgezeit kaum; in einem Brief führt er dies auf das „ordentliche Abendessen“ im Hause Goethe zurück, den Verzicht auf Obst, Kaffee, Tee und Bier; stattdessen trinke er nun mehr Wein als sonst.

Möglicherweise aber trägt vor allem der intellektuelle Austausch mit Goethe zu Schillers Wohlbefinden bei. Denn die 14 Tage werden zu einem einzigen, nicht endenden Dialog. Über Erlebnisse, Theorien, Projekte, Beobachtungen. Die beiden lesen sich gegenseitig aus ihren Texten vor, zeigen einander Manuskripte. Die Gemeinsamkeiten, stellt sich heraus, sind größer, die Unterschiede weniger trennend als gedacht – oder sie ergänzen sich gar. Anderes lässt sich übergehen. So erspart der Gastgeber dem sittsamen Schiller eine Begegnung mit seiner Haushälterin Christiane Vulpius – von der jeder weiß, dass sie Goethes Geliebte ist, das Paar einen vierjährigen Sohn hat.

Sie bleibt im Hintergrund, sorgt dafür, dass Schillers Zimmer in Ordnung sind, das Essen auf den Tisch kommt, der Wein. Vorgestellt wird sie dem Besucher nicht. Kein Wort des Grußes oder Dankes von Schiller an sie, auch später nicht, in dem intensiven Briefwechsel mit Goethe, der nun einsetzt. Der Kontakt wird nie mehr abreißen. In diesen zwei Wochen schließen Schiller und Goethe Freundschaft. Mehr noch: Sie schließen einen Pakt. Ein Bündnis, das Literaturgeschichte machen, beide zu ihren größten Leistungen anregen und ihnen gewaltigen Ruhm eintragen wird. Und bittere Missgunst.

Zehn Jahre wird der Bund halten, bis zu Schillers Tod 1805. Er wird Weimar zu einem legendären Ort der Geistesgeschichte machen. Und damit eine Entwicklung krönen, die fast ein halbes Jahrhundert zuvor eingesetzt hat: den Aufstieg des thüringischen Residenzstädtchens zu einem Zentrum gelehrten Lebens von europäischer Bedeutung.

Weimars Verwandlung zur Kulturmetropole beginnt im Februar 1755 mit einem Brief. Darin fragt ein Hofbeamter des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach beim Fürsten von Braunschweig-Lüneburg an, ob er bereit sei, dem 17-jährigen, noch unmündigen Weimarer Herzog Ernst August eine seiner Töchter zur Frau zu geben. Der Braunschweiger schickt als Angebot ein Porträt nach Weimar. Das zeigt aber nicht dessen geliebte älteste Tochter, sondern die eher unscheinbare, knapp 1,55 Meter kleine und leicht bucklige zweite Tochter Anna Amalia. Für Sachsen-Weimar muss das reichen: Der dortige Jungherzog ist überaus kränklich und auf eine baldige Hochzeit angewiesen, will er seinem Haus noch einen Erben verschaffen.

Alles beginnt mit einer fremden Braut

Im Frühjahr 1756 zieht Anna Amalia als neue Herzogin in Weimar ein, eine 16-Jährige in einem blauen, golddurchwirkten Kleid. Nach anderthalb Jahren bringt sie den ersehnten Stammhalter zur Welt und wird bald abermals schwanger. Kurz darauf stirbt Herzog Ernst August so plötzlich wie erwartet. Am 24. Oktober 1758, ihrem 19. Geburtstag, wird die Witwe als Regentin des Herzogtums anerkannt. Ein wenig mag sie sich fühlen wie gestrandet.

Denn Anna Amalia ist in Braunschweig und Wolfenbüttel an einem der kultiviertesten und wohlhabendsten deutschen Fürstenhöfe aufgewachsen, einem Zentrum der frühen Aufklärung. Weimar hingegen ist ein mittelalterlich verwinkeltes, schäbiges Landstädtchen. Die Tage beginnen mit Hahnenschreien und Entengeschnatter. Schweine und Ziegen laufen umher, der Stadthirte treibt die Kühe der Bürger die Gassen hinab. Über Straßen, durch die offene Kanäle und Bäche voller Dung und Kehricht fließen; stellenweise führen nur Trittsteine von Haus zu Haus.

Die Ratten sind eine Plage, ebenso tollwütige Hunde, Wanzen, Flöhe und anderes Ungeziefer sowieso.

Die Mehrheit der rund 6000 Einwohner lebt karg oder ärmlich in ein- oder zweistöckigen, mit Stroh oder Schindeln gedeckten, schlecht gebauten, noch schlechter verputzten Häuschen. Diebstähle sind verbreitet, viele Menschen wildern, andere betteln.

Abends werden die Tore geschlossen, doch die Stadtmauer ist baufällig und leicht zu überklettern. Die wenigen Wandlaternen sind oft defekt, oder es ist der Fischtran ausgegangen, der sie leuchten lässt. Zweimal pro Woche erscheint eine Lokalzeitung von einer Doppelseite, der etwa zu entnehmen ist, wann wieder ein Zahnarzt durchreisen wird. Wer es sich leisten kann, bestellt Fisch, Butter, Wein von außerhalb, weil die Ware der örtlichen Händler schlecht ist.

Die Landstraßen nach Erfurt im Westen und Jena im Osten sind in einem so erbärmlichen Zustand, dass zuweilen selbst die Bauernkarren ausbleiben und das Getreide knapp wird. Das herzogliche Schloss immerhin ist ansehnlich, verfügt über einen Komödiensaal und eine gut ausgestattete Bibliothek. Doch selbst das übersteigt eigentlich die Mittel: Der Staat, den Anna Amalia übernimmt, ist massiv verschuldet, kann von höchstens 100000 Untertanen Steuern einfordern, fast alle einfache Bauern und Handwerker.

In Sachsen-Weimar-Eisenach – das aus mehreren unverbundenen Gebieten und Ämtern besteht und mit einer Fläche von knapp 2000 Quadratkilometern zu den kleineren deutschen Fürstentümern zählt – gibt es weder nennenswerten Handel noch Manufakturen, kaum Bodenschätze, wenig Reichtum. Dennoch lässt Anna Amalia den Etat des Hofes erhöhen und weiter Schulden machen, um ein wenig Glanz zu entfalten. Zwischen 1761 und 1765 baut sie für die von ihr besonders geliebte, stetig wachsende Büchersammlung ein eigenes Palais prunkvoll um – und öffnet diese neue Bibliothek auch bürgerlichen Lesern. So kennt sie es aus dem heimatlichen Wolfenbüttel; in Mitteldeutschland ist derlei noch unüblich.

Ähnlich steht das Hoftheater, das an drei Abenden in der Woche ein Potpourri aus Musik, Drama, Ballett bietet, jedem offen, der an eine der kostenlosen Karten gelangt. Die Herzogin setzt eine bessere Ausstattung für die Landesuniversität Jena durch, höhere Professorengehälter, eine strengere Studienordnung. 1772 gelingt ihr ein besonderer Erfolg: Aus dem benachbarten Erfurt kann sie den Dichter und Philosophieprofessor Christoph Martin Wieland abwerben, als Erzieher ihrer Söhne.

Wieland hat sich mit sinnenfrohen Romanen und Versen einen Namen gemacht, zudem als Shakespeare-Übersetzer. Er ist ein hagerer Mann mit einer schwarzen Pockennarbe auf der spitzen Nase. Zuweilen wankelmütig, meist freundlich, oft enthusiastisch, aber auch aufbrausend und im Jähzorn ungerecht. Anna Amalia engagiert ihn, damit die heranwachsenden Söhne den Geist der Aufklärung aus erster Hand empfangen. Zudem soll er als Hofdichter und geistreicher Gesellschafter an ihrer Tafel glänzen, kurz: als intellektuelles Statussymbol. Dafür erhält der Autor ein gutes Gehalt und nach Volljährigkeit des Thronerben eine lebenslange Pension.

Seine freie Zeit nutzt Wieland, um einen lang gehegten Plan zu verwirklichen: die Gründung einer Zeitschrift nach dem Vorbild des französischen „Mercure de France“. In dem literarisch-politischen Journal „Der Teutsche Merkur“ publiziert er ab April 1773 Erzählungen, Gedichte und Buchbesprechungen, politische und wissenschaftliche Beiträge, Vermischtes und Leichtes.

Die erste Ausgabe bringt die Übertragung eines französischen Liedes sowie eines englischen Gedichts, gehobene und unterhaltsame „poetische Kleinigkeiten“ deutscher Dichter, ausführliche Betrachtungen zu Wielands Singspiel „Alceste“, eine anmutige Erzählung aus der Antike sowie die umfassende Rezension eines Pariser Literaturjournals.

Als Erzieher bewirkt Wieland, dass Anna Amalias älterer Sohn Karl August zu einem selbstbewussten, freisinnigen, eigenwilligen jungen Mann heranwächst.

Ende 1774 wird der junge Herzog auf eine Bildungsreise an den Rhein und nach Paris geschickt. Einer der Begleiter, ein kunstbegeisterter Offizier, besteht darauf, in Frankfurt am Main den jüngsten literarischen Star des Landes zu besuchen: Johann Wolfgang Goethe, den erst 25-jährigen Autor des „Götz von Berlichingen“ und der „Leiden des jungen Werthers“.

In einem Gasthof kommt es zu der Begegnung, aus der Weimars Weltruhm hervorgehen wird. Der 17-jährige Thronerbe und der Dichter finden auf Anhieb Gefallen aneinander: die gleiche Lebenslust, ähnlich ungestüme Temperamente, geistige und politische Nähe.

Karl August lädt Goethe zu einem Besuch an seinen Hof ein, wiederholt den Vorschlag mehrmals über das folgende Jahr und lässt den Gast schließlich mit einer Kutsche in Frankfurt abholen.

Am 7. November 1775 trifft Goethe in Weimar ein. Zwei Monate zuvor hat der inzwischen volljährige Karl August die Regierungsgeschäfte von seiner Mutter übernommen. Bald sind die beiden jungen Männer zu sehen, wie sie in den gefrorenen Auen Schlittschuh laufen – ein zuvor verpöntes Vergnügen, das nun Mode wird. Viele bei Hof, auch Anna Amalia und Wieland, sind entzückt von dem Neuankömmling, der so witzig erzählen kann, Verse improvisiert, bereitwillig aus seinen Werken und Entwürfen vorliest.

Im Frühjahr und Sommer bemüht sich Karl August, den berühmten Freund länger an Weimar zu binden: Er schenkt Goethe ein Gartenhaus in den Weinbergen vor der Stadt, verleiht ihm gar den Titel eines Geheimrats mit Sitz im Kabinett sowie einem üppigen Gehalt. Den Herzog bewegen Sympathie und Faszination, die Hoffnung auf intelligenten Rat, nicht zuletzt Renommierstreben: Ähnlich wie der bewunderte Friedrich II. von Preußen den Philosophen Voltaire möchte auch er einen großen Geist an seiner Seite haben. Unter den übergangenen Beamten weckt die willkürliche Berufung Unmut. Und nicht nur dort. Manche Bewohner Weimars sind abgestoßen von den oft derben Belustigungen, zu denen sich Goethe und Karl August animieren.

So knallen die Kumpane auf dem Marktplatz schon mal mit Peitschen um die Wette. Sie laufen auf Stelzen, raufen und boxen, liefern sich wilde Pferderennen. Zerreiten bei ihren Jagden den Bauern die Felder, zechen, würfeln, bändeln auf den Dörfern mit Mädchen an.

Etliche Unternehmungen sind reine Schindereien, bei denen die Übermütigen sich selbst in fremde Häuser einladen, ihre Gastgeber verhöhnen, Tapeten zerstechen, Gemälde zerschneiden, Weinfässer einen Hang hinabtreten. In den deutschen Landen spricht sich schnell herum, wie locker das geistige Klima in Weimar ist. Junge Intellektuelle reisen von überall her an und beginnen in der Stadt ein wüstes „Genietreiben“: Allenthalben werden Theaterbühnen improvisiert und Szenen gespielt, wird gelärmt, getrunken, anstößiges Zeug geredet und lustvoll gegen Sitte und Konventionen verstoßen.

Auch die örtlichen jungen Männer machen bei dem wilden Gebaren mit, kleiden sich in das modische Werther-Kostüm (siehe Seite 49), tragen hohe Stulpenstiefel, gelbe Beinkleider aus Leder, gelbe Weste und blauen Frack, gern ohne Kragen, die langen Haare offen. Karl August hält es zeitweilig für en vogue, sich kaum noch zu waschen und zu kämmen, ist voller Schmutz und Ungeziefer. Sein Intimus Goethe flucht ordinär und kraftmeiert im Gossenjargon „Scheißerei“, „scheißig“, „Scheißkerl“

Doch anders als die meisten Angereisten hat Goethe ein feines Gespür für Grenzen. Er versteht, wann und wo es geboten ist, sich zu fangen, einfühlsam, ja galant aufzutreten. Bündnisse zu schließen. Etwa mit Wieland, dessen gezierte Sprachkunst er einst in einem Pamphlet verhöhnt hat. Der 16 Jahre Ältere verzeiht es ihm rasch, ja verliebt sich geradezu intellektuell in den „göttlichen Menschen“. Zumal der um Entschuldigung gebeten hat und Wieland mit Achtung und Vertrauen begegnet. Schon früh werben sie gemeinsam dafür, einen weiteren klugen Kopf an die Ilm zu ziehen: Johann Gottfried Herder. Der studierte Theologe ist ein Großtalent, enzyklopädisch gebildet, hat mit literaturgeschichtlichen, theologischen und philosophischen Schriften Aufsehen erregt. Goethe kennt und achtet ihn seit einer ausgedehnten Begegnung einige Jahre zuvor.

Nun, mit Anfang dreißig, versauert Herder als Hofprediger des Grafen von Schaumburg-Lippe im winzigen Bückeburg, ohne Gesprächspartner und Perspektive. In Weimar aber ist die Stelle des Generalsuperintendenten, Oberhofund Stadtpredigers unbesetzt. Goethe und Wieland schlagen vor, Herder auf den Posten zu berufen. Die Pastoren des Herzogtums wehren sich erbittert: Wozu einen Auswärtigen holen? Noch dazu einen Freigeist, der im Zweifel viel zu gelehrt ist, um verständlich zu predigen? Karl August aber setzt sich über die Einwände hinweg.

Am 20. Oktober 1776 hält Herder seine Antrittspredigt – und gewinnt die Zuhörer mit warmherziger Klugheit: „so wahr, so simpel, so fasslich, und doch alles so tief gedacht, so rein gefühlt“, wie Wieland jubelt.

Bald schart der begnadete Redner eine begeisterte Gemeinde um sich. Doch all jene, die engeren Umgang mit Herder haben, lernen einen herrischen, unleidlichen Menschen kennen, bei dem die Ungeduld des Hochbegabten zu intellektuellem Dünkel wird (und das Leid des häufig Kranken zu Hypochondrie). Und so groß und zahlreich Herders Talente auch sind: Zufriedenheit gehört ebenso wenig dazu wie Takt. Kaum eingetroffen, nennt er seine neue Heimat Weimar ein „unseliges Mittelding zwischen Hofstadt und Dorf“. Ganz unrecht hat er damit nicht. Selbst die wohlhabenden Bürger leben eher einfach. Besucher in Goethes Gartenhaus mögen eine Weinsuppe erhalten, Eierkuchen – oder selbst gewilderten Fisch aus der Ilm.

Zuweilen sendet Charlotte von Stein, die Frau des herzoglichen Oberstallmeisters (und Goethes platonische Geliebte), eine Wurst oder einen kalten Braten als Gruß zu ihm, wofür Goethe sich mit selbst angebautem Spargel, Pfirsichen oder Blumen revanchiert. Sachsen-Weimar-Eisenach ist eine kleine, bescheidene, provinzielle Welt. Aber auch eine liberale, und darin liegt ihr Reiz für wache Geister. Hier können sie freier leben als in den Residenzstädten Berlin, Wien oder Dresden. Hier werden sie nicht bedrängt vom Absolutismus eines großen Gebieters, der den Ton vorgibt, Propaganda verlangt und kalt auf Etikette hält. „In Weimar“, wird ein Reisender später schreiben, „war es licht und geistig warm.“

Bei Anna Amalia und Karl August finden Künstler und Gelehrte Wertschätzung, etliche von ihnen ein Auskommen – während fast überall im Reich begabte Männer zu Hungerlöhnen Kanzleidienste leisten und hochnäsigen Adelsnachwuchs unterrichten. Und oft zugrunde gehen. Zudem bietet der abgelegene Intelligenzler-Hof seinen Mitgliedern Anregung untereinander sowie mit den Professoren der wenige Kilometer entfernten Universitäten Erfurt und Jena – und über Besucher, Briefe, Journale und die Bibliothek auch mit der ganzen Welt. In der thüringischen Provinz versammelt sich ein Häuflein geistiger Kosmopoliten.

Es ist eine Schar vielseitig begabter und interessierter Männer und Frauen, zu denen unter anderem der Gymnasiallehrer, Märchensammler und Schriftsteller Johann Carl August Musäus gehört, der ursprünglich Pfarrer war, dann aber bei einem Dorftanz gesehen und aus dem Amt gejagt wurde. Oder die Sängerin und Schauspielerin Corona Schröter, die Karl August aus Leipzig an sein Hoftheater geholt hat, wo ihr Goethe die Rolle der Iphige- nie in seinem gleichnamigen Stück auf den Leib schreibt. Sowie der Bibliothekar und Italienforscher Christian Jagemann, der Bildhauer Martin Gottlieb Klauer, der Maler Georg Melchior Kraus, der philosophische Sonderling und bekennende Atheist August von Einsiedel.

Und schließlich Friedrich Justin Bertuch, der Theaterstücke schreibt, den „Don Quichote“ ins Deutsche übersetzt, an Wielands „Teutschem Merkur“ mitarbeitet – dann aber sein Talent auf der kaufmännischen Seite des Literaturbetriebs entdeckt, Verleger wird, später weitere Unternehmen gründet. Goethe selbst stellt in diesen Jahren die Kunst hintan. „Regieren!!“, notiert er am 8. Oktober 1777 ins Tagebuch, unterstrichen, mit zwei Ausrufezeichen. Und meint damit zugleich sich und Karl August. Für beide scheint es Zeit, erwachsen zu werden. Es ist ein eigenwilliger, radikaler Schritt: Der Dichter entsagt dem Literatentum, um sich in der praktischen Welt zu beweisen. Zwar schreibt er weiter, doch fast nur für den Gebrauch bei Hof.

Nun also die Politik . Als herzoglicher Rat kümmert sich Goethe um die Trockenlegung von Sümpfen, den Brand- und Hochwasserschutz; er bedrängt Karl August, sich persönlich einzuschränken, die Steuern der überlasteten Bauern zu senken, die verheerenden Parforcejagden über ihre Äcker zu verringern, neue Bewässerungsmethoden einzuführen. Er versucht in Ilmenau den Silberbergbau wiederzubeleben und reduziert die sächsisch-weimarische Armee (ein weitgehend nutzloses, überaus teures Fürstenspielzeug); vom Artilleriekorps bleibt einzig eine Haubitze zum Salutschießen. Kleine Schritte. Mehr entspräche auch nicht Goethes politischem Naturell. Scharfe Brüche widerstreben ihm. Ebenso abstrakte Ideale.

1782 überträgt Karl August ihm die Oberaufsicht über die Finanzen des Herzogtums und lässt den Freund vom Kaiser in den Adelsstand erheben. Im selben Jahr siedelt Goethe in ein geräumiges Haus am Frauenplan über, eines der schönsten Weimars. Vor allem Herder tut sich schwer mit Goethes Vorrang. Selbst betont bürgerstolz, ätzt der alte Gefährte nun gegen den „baronisierten“ Goethe, die vornehmen „Assembleen“ in dessen „adlig Haus“, seine „Anbetung“ durch die Fürsten nicht nur der Weimarer Residenz, sondern auch der benachbarten Höfe.

Auch Wieland empfindet, dass Goethe zunehmend karg zu ihm wird, schroff, „politischer Frost um ihn her“. Doch besitzt er die Gabe, neidlos anerkennen zu können, was anderen gelingt. Wieland vermag Goethe gleichzeitig zu schelten und zu verehren. Das liegt vermutlich auch daran, dass er seit Karl Augusts Volljährigkeit das gut dotierte Leben eines Pensionärs führt, produktiv ist, mit dem „Teutschen Merkur“ Erfolg hat. Das Journal lockt mit Fortsetzungsgeschichten, gefällig gemischten Essays, Unterhaltung, Nachrichten, aber auch vernichtenden Rezensionen, „weil das liebe Publikum von Zeit zu Zeit gern jemanden hängen oder geköpft sieht“. Viele Leser verbinden mit Weimar in diesen Jahren vor allem den Namen Wieland.

Goethe ist mir im Weg, notiert Schiller

1783 nähern Herder und Goethe sich wieder an. Herder plant eine philosophische Natur- und Kulturgeschichte der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart zu verfassen, die den Geheimrat fasziniert. Der Grundgedanke: Die Menschen sind Teil der Natur, nicht von Gott über diese gesetzt. Dennoch entwickeln sie sich zu etwas Höherem, zur „Humanität“, das heißt zur Herrschaft von Vernunft und Gemeinsinn. Dass innerhalb dieser Entwicklung jede Nation ihren eigenen (etwa durch das Klima beeinflussten) Weg einschlägt, folgt nach Herder einem tiefen Sinn und darf nicht von anderen oder aus späterer Zeit verurteilt werden. Die „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“, Herders mehrbändiges Hauptwerk, werden Generationen von Philosophen und Historikern beeinflussen.

Goethe, der sich zu der Zeit mit naturkundlichen Studien beschäftigt, steuert Beobachtungen und Anregungen bei. Als ihm jedoch ein Verleger im Sommer 1786 eine Werkausgabe seiner gesammelten Schriften vorschlägt, wird ihm schmerzhaft bewusst: Während Wieland und Herder publizieren, Ruhm ernten, hat er seit über zehn Jahren nichts von Gewicht veröffentlicht. Er hat auch wenig geschrieben. Nur Anfänge, nichts künstlerisch Vollendetes. Als Autor ist er tot. Abermals trifft er eine radikale Entscheidung. Am 3. September 1786 packt er einen Stapel unfertiger Manuskripte zusammen und macht sich ohne Abschied davon. Anfang November meldet er sich per Brief – aus Rom. Italien: Sehnsuchtsort aller Gebildeten. Wer nie dort war, kann nicht mitreden. Hier hofft Goethe, sich als Künstler wiederzufinden.

Karl August ist verschnupft. Aber er versteht den Ausbruch auch. Der Herzog gewährt dem Freund nachträglich bezahlten Urlaub, aus dem am Ende fast zwei Jahre werden; Goethe nutzt sie zum Schauen, Genießen – und um die Dramen „Iphigenie auf Tauris“ und „Egmont“ zu vollenden, „Torquato Tasso“ voranzutreiben. Als er am 18. Juni 1788 nach Thüringen zurückkehrt, erwarten ihn sein Fürst, der Hof, die gelehrten Freunde. Und: Friedrich Schiller. Der 28-jährige gelernte Militärarzt, der als Regimentsmedikus aus dem Dienst des Herzogs von Württemberg desertiert ist, um Bühnenautor zu werden, sucht einen Mäzen, aber auch nach Kontakt zu den „Weimarischen Göttern“, wie er sie in einem Brief nennt.

Die Uraufführung seines ersten Dramas „Die Räuber“ hat Mannheims Theater im Jahr 1782 in ein „Irrenhaus“ verwandelt, so ein Zeuge: „Rollende Augen, geballte Fäuste, stampfende Füße, heisere Aufschreie. Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Tür.“ Schiller versteht sich auf Effekte. Und er hat keine Hemmungen, sie einzusetzen, stellt größte Bosheit und riesige Gemeinheit, Verzweiflung und Leidenschaft ungebremst auf die Bühne, legt den Figuren drastische Bilder und Worte in den Mund, steigert die Handlung durch grausame Wendungen zu aufwühlender Wucht.

Ebendas stößt Goethe an den „Räubern“ ab. Sie sind ihm zu laut, zu wüst, zu sehr Kopfgeburt, maßlos in ihrem Freiheitspathos und Tyrannenhass. Außerdem geht ihm auf die Nerven, dass jedermann in Weimar von Schiller zu schwärmen scheint. Während Wieland, Herder, Anna Amalia den Neuen freundlich aufnehmen, begegnet Goethe ihm kühl, hält ihn auf Distanz. Schiller, der nicht weit von Goethe entfernt wohnt, sieht die Gäste am Frauenplan kommen und gehen, ohne selbst je eingeladen zu sein. Er dürstet nach Beachtung – und mokiert sich zugleich über den Kult, den Goethes Jünger um den Bewunderten treiben. Macht sich in Briefen erbittert Luft: Goethe sei „ein Egoist in ungewöhnlichem Grade. Ein solches Wesen sollten die Menschen um sich herum nicht aufkommen lassen.“

Und: „Ich betrachte ihn wie eine stolze Prüde, der man ein Kind machen muss, um sie vor der Welt zu demütigen.“ Und: „Dieser Mensch ist mir im Weg.“ Im Herbst 1788 veröffentlicht er in Leipzig eine fast 550 Seiten starke Abhandlung über den Freiheitskampf der Niederlande zwei Jahrhunderte zuvor. Eigentlich ein Abfallprodukt: Schiller, der bevorzugt historische Quellen nach Stoff für seine Dramen durchsucht, will auch Material lukrativ verwerten, das für die Bühne nicht taugt. Also schreibt er Geschichte auf wie niemand sonst in Deutschland: für ein großes Publikum, zugleich wissenschaftlich gehaltvoll und literarisch unterhaltsam.

Goethe erfasst den Wert der neuen Arbeit schnell – und den des populären Autors für Sachsen-Weimar-Eisenach. Ohne seine persönliche Distanz zu mildern, bewirkt er, dass Schiller eine Professur in Jena angeboten wird. Der Autor nimmt an. Und erfährt anschließend, dass die Stelle unbesoldet ist, er allein von den Hörergeldern der Studenten leben muss, die er anzieht. Grollend (und nur halb im Scherz) schreibt er einem Freund: „Könntest du mir eine Frau von 12 000 Talern verschaffen, die Akademie in Jena möchte mich dann im Arsch lecken.“ Das von Weimar nur 20 Kilometer entfernte Jena, mit 5000 Einwohnern noch kleiner als die Goethe-Stadt, hat an seiner Universität rund 800 Studenten.

Viele tragen lange Haare, farbige Jacken und hohe, bunte Mützen oder große Hüte, die sie demonstrativ und unhöflich aufbehalten, wenn sie einem ihrer Professoren begegnen. Sie rauchen auf der Straße, streiten und lärmen in den Wirtshäusern, schlagen sich und verschrecken die Bürger. Zuweilen rollen sie im Wagenkorso durch die Stadt, sturzbetrunken und außerstande zu gehen. Und sie verehren rebellische Geister, Männer wie den Verfasser der „Räuber“. Am 26. Mai 1789 ist Schillers Antrittsvorlesung für 18.00 Uhr angekündigt. Um 17.30 Uhr fasst der Hörsaal keine Besucher mehr; ein neuer Saal wird ausgerufen, der größte der Stadt. Die Wartenden springen auf, rennen und drängen die Straße hinab, um einen Platz zu ergattern. Anwohner glauben erschreckt, es sei ein Feuer ausgebrochen.

Als Schiller das Gebäude erreicht, ist der mehr als 300 Menschen fassende Saal überfüllt, der Vorraum ebenfalls, selbst unter den offenen Fenstern stehen Zuhörer. Donnerndes Beifallklopfen empfängt den neuen Professor. Schiller spricht leidenschaftlich, gedankenstark über wissenschaftliches Ethos, den Zweck der Geschichte und ihres Studiums. Es wird ein Triumph. Die Studenten ehren ihn mit einem Konzert und Fackelzug, dem dreifach ausgebrachten Ehrenjubel: „Vivat!“ Im Sommer wird er sich verloben, im Winter heiraten: Charlotte von Lengefeld ist zwar keine Frau von 12 000 Talern, dafür von Verstand, freundlichem Wesen und altem Adel, mit Verbindungen zum Weimarer Hof.

Während Schiller sich eine bürgerliche Existenz aufbaut, gerät Goethe ins Gerede. Erst wird bekannt, dass er ein Verhältnis hat; dann, dass die Geliebte schwanger ist; schließlich, dass er sie und das Kind zu sich nehmen, aber nicht heiraten will. Vor dem Gesetz ist das Hurerei und strafbar. Doch sind Paragrafen für die kleinen Leute gedacht, nicht für die großen; Mätressen und uneheliche Kinder gehören zum höfischen Leben. Anstoß erregt, dass Goethe offen in wilder Ehe zu leben gedenkt. Und dass die Verbindung nicht standesgemäß ist. Christiane Vulpius ist die Tochter eines unehrenhaft entlassenen, herzoglichen Angestellten; für ihren Lebensunterhalt arbeitet sie in einer Kunstblumen-Manufaktur. Sie ist hübsch, aber nicht eigentlich schön, kaum gebildet. Es mag ihre Ausstrahlung sein, das Unkomplizierte, das Goethe anzieht.

Karl August scheint die Angelegenheit gelassen zu nehmen. Doch die Frauen am Hof sind empört, namentlich die selbst fortwährend betrogene Gemahlin. Und da Schicklichkeit und Recht auf ihrer Seite sind, muss Goethe zumindest das repräsentative Haus am Frauenplan räumen; sein herzoglicher Freund weist ihm ein bequemes Domizil etwas außerhalb zu. Offiziell wird Christiane als „die von-Goethesche Haushälterin“ geführt. Oft sitzt der Dichter nun in dem Häuschen vor der Stadtmauer, vergnügt, eine weiße Fuhrmannsmütze auf dem Kopf, lange Flauschhosen und abgetretene Pantoffeln an den Beinen, auf den Knien der kleine Sohn August. Christiane daneben mit dem Strickstrumpf. Geht er in Gesellschaft, bleibt sie meist daheim.

Weimar ist reich an Gelegenheiten zu kultivierter Geselligkeit, bei denen vorgelesen, kritisiert, musiziert und gesungen, debattiert wird. Ihr Vorbild ist die „Tafelrunde“, die Anna Amalia nach dem Ende ihrer Regentschaft eingerichtet hat, immer montags, in ihrem Stadtpalais, im Sommer auch auf dem Landsitz Tiefurt. Die Herzoginmutter schreibt selbst Gedichte, malt, komponiert. Bei ihr gilt der Stand wenig, Talent viel, ein geistreicher Niemand mehr als ein wohlgeborener Langweiler. Alle Koryphäen der Stadt sind geladen – und verpflichtet. Wieland, der älteste unter Weimars Großen, bewegt sich hier mit selbstverständlicher Zwanglosigkeit und genießt das Recht, bisweilen auf dem Sofa neben Anna Amalia einzuschlafen. Legendär aber auch die heftigen, lautstarken Wortgefechte, bei denen sich Goethe, Herder und er intellektuell messen. Seit 1789 kommt ein ideologischer Konflikt hinzu: Während Wieland und Herder die Französische Revolution anfangs begrüßen, lehnt Goethe sie früh ab, ist erschüttert von dem Aufruhr (was ihn freilich nicht hindert, dem Sohn eine Spielzeugguillotine zu kaufen).

Doch trotz aller Differenzen sorgt er dafür, dass Herders Gehalt erhöht, die Arbeitslast gesenkt und dessen Schulden diskret getilgt werden, um den schwierigen Freund davon abzuhalten, einem Ruf an die Universität Göttingen zu folgen. Zum Undank lässt Herder keinerlei Zweifel daran, dass er Goethes Privatleben für hochgradig unmoralisch hält. Herder ist ein aufgeklärter Kleriker, aber eben doch ein Kleriker und sittenstreng. Die Schüler des örtlichen Gymnasiums etwa warnt er vor dem Theater: „Sich mit dieser Bande einzulassen, mit Komödianten Umgang zu haben, ist einem Gymnasiasten durchaus unanständig, niederträchtig und abscheulich!“

Das führt abermals zu Streit, denn Goethe, der das Theater leitet, rekrutiert die Gymnasiasten häufig als Chorsänger und Statisten. Herder beschwert sich beim Herzog, erreicht aber nur, dass die Proben außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden. Wieland wiederum stichelt angesichts Christianes Gewohnheit, sich weiterhin Demoiselle, also „Fräulein“ rufen zu lassen, Goethe habe wohl gewisse poetische Momente, in denen er Christiane für die Jungfrau Maria, sich selbst für den Heiligen Geist und den gemeinsamen Sohn für das Jesuskind halte.

Er selbst wird wegen seiner 13 Kinder „Papa Wieland“ genannt, führt ein auskömmliches Leben als kommerziell erfolgreicher Autor von heiteren Versepen und satirischen Schwänken – deren eingängige Leichtigkeit die Mühe nicht ahnen lässt, mit der Wieland seine Texte oft über Jahre immer neu bearbeitet. Herder nennt ihn Schiller gegenüber einen flachen und frivolen Geist. Schiller teilt das im Grunde und denkt ähnlich von Anna Amalia, behält es aber für sich. Das kleine Weimar mag Deutschlands heimliche Kulturhauptstadt sein, über irdisches Geplänkel erhaben ist es nicht.

Friedrich Schiller ist erst 31 Jahre alt , als sein Körper den Dienst zu versagen beginnt. Zu viele Jahre hat der Dichter ihn mit Aufputschmitteln und Rosskuren traktiert, nur für den Geist und über den Leib hinweggelebt. Am Abend des 3. Januar 1791 bekommt er heftiges Fieber, hat Hustenanfälle, dann verliert er das Bewusstsein. Es folgen Wochen, in denen er Blut spuckt, unter Atemnot, Schüttelfrost und Magenkrämpfen leidet. Seine Studenten halten bei ihm Nachtwache. Die Ärzte reinigen den gebeutelten Körper mit Abführ- und Brechmitteln, lassen ihn zur Ader, setzen Blutegel an.

Der Herzog schickt einige Flaschen Madeira zur Stärkung. Schiller erholt sich, übersteht im April einen schweren Rückfall. Vermutlich handelt es sich um eine Organtuberkulose, die Lunge und Darm befallen hat. Schiller ist Mediziner genug, um zu begreifen, dass die Krankheit ihn nicht mehr verlassen, sondern immer wiederkehrend quälen und schließlich töten wird. Seine Zeit ist begrenzt. Was er noch schaffen will, muss er nun angehen.

Im Jahr darauf schließt er sein zweites großes historisches Werk ab, eine knapp 500-seitige Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs. Sie erzielt enorme Auflagen, fehlt bald in kaum einem gebildeten Haushalt. Schiller darf sich zu Recht als einflussreichster Historiker deutscher Sprache fühlen. Doch das ist es nicht, woran er seine befristete Existenz setzen will. Vielmehr wendet er sich wieder der Kunst zu, diesmal endgültig. Er beginnt ein Theaterstück über den Feldherrn Albrecht von Wallenstein, den wichtigsten General des Dreißigjährigen Krieges. Und er versucht noch einmal eine Annäherung an Goethe.

Gemeinsam mit dem jungen, ehrgeizigen Verleger Johann Friedrich Cotta in Stuttgart will Schiller ein neues literarisch- philosophisches Journal auf den Markt bringen, das die besten Schriftsteller, Denker, Publizisten aus Deutsch- land zusammenführt. Das aber bedeutet auch: Goethe. Am 13. Juni 1794 lädt Schiller „Euer Hochwohlgeboren“, den Herrn Geheimrat, brieflich zur Mitarbeit ein. Goethe zögert. Und sagt schließlich zu, nicht ohne Kalkül: Seine Werkausgabe samt der neuen Stücke ist wenig erfolgreich, mancher Leser empfindet ihn bereits als ausgeschrieben. Der Literaturmarkt ist größer geworden, aber auch rauer und kommerzieller. Schiller kombiniert Qualität mit Publikumserfolg. Da mag sich etwas gewinnen lassen.

Wenig später das erste längere Gespräch in Jena. Ein zweites. Anfang September lädt Goethe Schiller nach Weimar ein: Der Hof gehe für einige Zeit nach Eisenach, da lasse sich doch einmal ausgiebig reden. Inzwischen hat Karl August den Bann gehoben und Goethe mit Christiane an den Frauenplan zurückkehren lassen. Einen Bau aus ursprünglich zwei Häusern, im Inneren verwinkelt, voller Treppen und enger Durchgänge. Gewachsen, nicht geplant. Im Oberstock und in der Mansarde gibt es knapp 30 Zimmer, zu ebener Erde Wirtschaftsräume, im Hinterhaus Kammern für die Dienstboten. Ein Hausgarten dient der Erholung und liefert Obst, Artischocken, Kräuter, Gemüse, bietet Goethe Raum für botanische Experimente. Am 14. September 1794 bezieht Schiller hier eine Suite von drei Gästezimmern.

Es scheint unwahrscheinlich, dass diese beiden Männer sofort Gefallen aneinander finden. Goethe lässt während des Dichtens mitunter im Nebenzimmer Musiker spielen, um sich in die rechte Schreibstimmung zu versetzen, betrachtet die Kunst als Teil eines glücklich gelingenden Lebens. Schiller stimuliert sich mit dem Geruch fauler Äpfel in der Schreibtischschublade, raucht und schnupft, putscht sich mit Kaffee, Likör, Wein und beißendem Arrak auf, ruiniert seinen Körper, um dem Leben Kunst abzutrotzen.

Er denkt abstrakt, moralisch, prinzipiell – Goethe bevorzugt die konkrete Anschauung, liebt und respektiert in allen Dingen die Natur. Er ist ein Empfangender, dem das Gelingen zufliegt, und ähnlich geht er mit seinen Figuren um, lässt sie etwa im Schlaf mit sich ins Reine kommen. Schiller könnte so etwas nie akzeptieren. Er verlangt dem Personal seiner Stücke freie, bewusste Handlungen ab – so wie er selbst um Szenen und Worte kämpft. Goethe, der von sich sagt, er brauche das Dunkle, die Ahnung, Intuition, ist immer wieder verblüfft, wie durchdacht Schiller zu Werke geht.

Weimar wird zur Kapitale der Kunst

Und wie grausam, so empfindet es Goethe: gegen mühevoll hervorgebrachten Text, aus dem Schiller mitleidlos alles streicht, was die Komposition stört, ablenkt, mildert. Und gegen seine Figuren, denen er nichts erspart, die er ohne Gnade ihre Schicksalswege hinabzwingt. Doch die Unterschiede stoßen sich nicht ab. Sondern ziehen sich an. Beide spüren, dass der andere etwas geben kann, was einem selbst fehlt. Und beide sind sich einig in einem ernsthaften, sehr hohen Anspruch an ihre Kunst. Es ist dieses Interesse am Werk, das die beiden grundverschiedenen Charaktere verbindet und das sie im September 1794 aneinander entdecken. Schiller wird ihre Freundschaft später ein „auf wechselseitige Perfektibilität gebautes Verhältnis“ nennen. Von den Weimarern neugierig beäugt und betuschelt, wird sein Besuch bei Goethe am Frauenplan zum Einschnitt in beider Leben. Und in der deutschen Literaturgeschichte.

Als Schiller nach zwei Wochen abreist, haben er und Goethe einen Freundschafts- und Arbeitsbund geschlossen. Von nun an besuchen sie sich regelmäßig, dazwischen gehen Briefe und Manuskripte hin und her. Botenfrauen bewältigen die rund 20 Kilometer zwischen Jena und Weimar für wenige Groschen in vier Stunden. Die geplante Zeitschrift wird gegründet und erscheint ab 1795 monatlich; nach einer Gruppe griechischer Göttinnen heißt sie „Die Horen“. Als sie im Herbst Goethes erotische „Römische Elegien“ bringt, schimpft Herder, der Titel müsse fortan mit einem u gedruckt werden. Doch das Heft verkauft sich reißend.

Im Jahr darauf dann ein Rundumschlag. Unter dem Titel „Xenien“ („Gastgeschenke“) veröffentlichen Goethe und Schiller eine Sammlung Zweizeiler, die den Literaturbetrieb und dessen Großtuer und Kleingeister verspotten; beim Verfassen in Schillers Jenaer Arbeitszimmer lachen die beiden so laut, dass Charlotte der Schicklichkeit wegen die Fenster schließt. Abermals ist der Erfolg ansehnlich. Die Zahl neuer Feinde auch. Etwa zur gleichen Zeit erscheint Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, ein Schauspieler- und Bildungsroman. Viele Kritiker schmähen ihn als langweilig, andere als unzüchtig – doch jüngere Leser feiern das Buch begeistert: Es entspricht ihrem Wunsch nach Subjektivität und subtiler Ironie. „Romantiker“ nennen sich diese auf ihr Ich, ihr Erleben versessenen jungen Leute: weil auch das Leben selbst erregend wie ein Roman sein soll. Fast zwei Jahrzehnte hat Goethe daran gearbeitet – erst mit Schillers Hilfe und Kritik ist der Abschluss gelungen. Goethe schreibt ihm: „Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht, welches zu sein ich so gut als aufgehört hatte.“

1797 gehen die Freunde einen Balladen-Wettstreit ein: wer wohl in kurzer Zeit die besseren dieser Erzählgedichte ersinnen könne. Goethe liefert unter anderem den „Zauberlehrling“, doch Schiller setzt sich mit dem „Taucher“, „Die Kraniche des Ibykus“, „Der Handschuh“, „Der Ring des Polykrates“ klar durch. Kleine Meisterwerke, mit leichter Hand hingeworfen. Und eine erholsame Ablenkung von dem Monumentalwerk, an dem Schiller sich abarbeitet, dem „Wallenstein“-Drama. Düster, gewaltig. Goethe schlägt eine Aufteilung des Stoffes auf drei Stücke vor. Seinen Hinweisen verdankt Schiller es wohl auch, dass sich seine intellektuell brillante Konstruktion mit Natur und Leben füllt. Angesichts des beglückenden Zusammenwirkens nimmt er es ruhig hin, dass die „Horen“ nicht genug renommierte Autoren finden und wieder eingehen.

Im April 1799 kommen alle drei „Wallenstein“-Teile in Weimar auf die Bühne. Die Trilogie schildert den Sturz eines skrupellosen Aufsteigers, eine Welt der politischen Kämpfe, verstörend trostlos: dramaturgisch höchst raffiniert, meisterhaft in Verse gebracht. Es ist sofort klar, dass Schiller mit diesem Werk zukünftigen deutschen Dramatikern den Maßstab gesetzt hat. Goethe inszeniert es persönlich – und in erlesener Form: Beide Dramatiker wenden sich entschieden gegen ein Theater, das möglichst naturgetreu sein will. Um zu wirken, lautet ihre Maxime, muss Kunst als Kunst erkennbar sein, aus dem Gewöhnlichen herausragen. Deshalb Reime und Rhythmus und langes Üben mit den Schauspielern, bis sie den komplizierten Text wunschgemäß wiedergeben. Zu dieser hohen Form von Kunst wollen Goethe und Schiller das Publikum erziehen. Doch sie scheitern.

Denn auch wenn Schiller gefeiert wird wie noch kein Bühnenautor vor ihm – der meistgespielte Weimarer Dramatiker bleibt August von Kotzebue, dessen Rührstücke etwa über Ehebruch und Reue ungemein populär sind. Und kein Autor findet so viele Leser wie Goethes Schwager Christian August Vulpius mit seinen spannenden Serienerzählungen um den Räuberhauptmann Rinaldo Rinaldini. Unter den jüngeren Intellektuellen ist dagegen die Ironie verbreitet sowie ein Widerwille gegen den hohen Ton – der Philosoph Friedrich Schlegel etwa erklärt, er sei bei Schillers „Lied von der Glocke“ vor Lachen vom Stuhl gefallen. Ende 1799 siedelt Schiller nach Weimar über. Das Leben dort ist teurer als in Jena, doch er hat einen Plan: jedes Jahr ein Stück. Und beinahe hält er das durch. 1800: „Maria Stuart“. 1801: „Die Jungfrau von Orleans“. 1803: „Die Braut von Messina“. 1804: „Wilhelm Tell“.

Wie ein absterbender Baum, der sich noch einmal an Früchte verausgabt, stößt der von Kopfschmerzen, Rheumaschüben, Magenkrämpfen gequälte Schiller Meisterwerke aus. Schon Zeitgenossen empfinden sie als Klassiker, mustergültige, kaum zu übertreffende Leistungen, universal. Bald wird daraus so etwas wie eine Marke: „Weimarer Klassik“, ähnlich der „Wiener Klassik“ in der Musik – der Ära Haydns, Mozarts und Beethovens.

Längst hat Goethe eine fast zärtliche, fürsorgliche Zuneigung zu dem kranken Freund entwickelt. 1802 bringt er Herzog Karl August dazu, Schiller in den erblichen Adel erheben zu lassen. Der so Geehrte freut sich vor allem für seine Frau Charlotte, die nun „mit ihrer Schleppe am Hof herumschwänzelt“.

Er überwindet seine Vorbehalte und verbringt auch einmal einen Abend mit Christiane Vulpius, aber hinter Charlottes Rücken. Denn so herzlich sie Goethe auch verbunden ist – noch mehr hält sie auf gesellschaftliche Formen: Christiane wird ignoriert, nie eingeladen. Im Sommer 1804 verschlimmern sich Schillers Koliken. Im Herbst melden süddeutsche Zeitungen bereits seinen Tod. Als bekannt wird, dass dies falsch ist, schickt sein Verleger Cotta vor Freude 40 Flaschen Portwein und zehn Flaschen teuren Malaga. Das Frühjahr kommt. Der Arzt rät zu mehr Bewegung. Schiller kauft sich ein Pferd.

Am Abend des 1. Mai 1805 begegnet er Goethe auf dem Weg ins Theater. Doch der Freund kehrt um, ihm sei unwohl. Schiller geht allein weiter, bezieht seine Loge. Ein belangloses Unterhaltungsstück. Da bricht er zusammen. Schüttelfrost. Abtransport. Über eine Woche quält er sich, will Märchen und Rittergeschichten vorgelesen bekommen. Möchte über den Unterschied zwischen Komödie und Tragödie reden. Zum Schluss erkennt er die Menschen um sein Bett nicht mehr. Am 9. Mai 1805 gegen Abend stirbt Friedrich Schiller mit 45 Jahren. Eine knappe Stunde später erreicht die Nachricht das Haus am Frauenplan. Christiane verheimlicht sie dem kranken Goethe. Erst am nächsten Morgen bringt sie es ihm vorsichtig bei.

Erschüttert zieht Goethe sich zurück. Weder verabschiedet er sich von dem aufgebahrten Freund, noch geht er zur Beerdigung. Goethe kann den Tod nicht ausstehen; er will grundsätzlich nichts mit ihm zu tun haben. Und dieser Tod ist wie ein Riss in seinem Leben, als hätte sich etwas von ihm selbst abgetrennt. Er versucht ein unfertiges Drama zu vollenden, das Schiller hinterlassen hat. Es gelingt ihm nicht. Er nimmt die Arbeit an seiner großen Tragödie „Faust“ wieder auf, zu der Schiller ihn stets so entschieden gedrängt hat. Auch damit kommt er nur mühselig voran.

Da findet am 14. Oktober 1806 auf dem Territorium Sachsen-Weimar-Eisenachs jene Schlacht statt, die das Ende der alten Ordnung in Deutschland besiegelt: Bei Jena und Auerstedt schlägt eine französische Armee unter Napoleon Bonaparte das preußische Heer.

Am Abend erreichen die Sieger Weimar, fallen plündernd und sengend ein. Auch am Frauenplan dringen Soldaten ein, randalieren, fordern Wein und Essen. Goethe ist schon zu Bett gegan- gen. Er wirft einen Morgenmantel über, kann die Lage wohl beruhigen. Was später in der Nacht geschieht, ist ungewiss. Bruchstückhaften Berichten zufolge marodieren zwei betrunkene Schützen durch die Zimmer, gelangen in Goethes Schlafkammer und bedrohen ihn mit Degen oder Bajonett. Christiane geht dazwischen, laut, verzweifelt, ruft geistesgegenwärtig Hilfe herbei, während der 57-Jährige in sich zusammenfällt, alle Nerven verliert. Vermutlich rettet Christiane sein Leben.

Fünf Tage später heiraten die beiden in der Sakristei der Jakobskirche. Eine Mesalliance, die in der Stadt noch mehr giftige Kommentare provoziert als ihre wilde Ehe zuvor. Einzig die zugezogene Schriftstellerin Johanna Schopenhauer – Mutter eines 18-jährigen Sohnes namens Arthur, der später als Philosoph berühmt werden wird – zeigt sich bereit, Christiane ohne Vorbehalte in ihrem Salon zu empfangen: „Wenn Goethe ihr seinen Namen gibt“, schreibt sie in einem Brief, „können wir ihr wohl eine Tasse Tee geben.“

Am 10. April 1807 stirbt Anna Amalia an einem Schlaganfall. Ihr Leichnam, in ein Kleid aus weißem Atlas und einen karmesinroten Mantel mit Hermelinaufschlag gekleidet, wird im Paradebett ihres Palais aufgebahrt; mehrere Stunden dauert der Vorbeizug der Trauernden. Abermals fehlt Goethe. Und auch als sechs Jahre später Wieland beerdigt wird, bleibt er fern. Nun ist er endgültig ein Überlebender, ein Übriggebliebener. Zunehmend auch ein Unverstandener: Seine Bereitschaft, Napoleons Hegemonie als Friedensordnung hinzunehmen, die Verachtung für patriotische Phrasen, sein kosmopolitischer Vorbehalt gegen den Kult der Nation machen ihn bei vielen Zeitgenossen suspekt.

Später sucht er nach Verbindungen zwischen der klassischen und der nun herrschenden romantischen Kunstauffassung. Spielerisch kombiniert Goethe Textsorten vom Märchen bis zum Sachbericht, erlesene mit einfacher, fast naiver Sprache, bettet alles in komplexe, scheinbar ziellos kreisende Strukturen, den Romantikern nicht unähnlich. Ein wenig wirkt es, als habe ihn der Tod Schillers, dem er für den Rest seines Lebens nachtrauern wird, auch befreit. Goethe hält nun regelrecht Hof, selbst Fürsten pilgern herbei, etwa Ludwig I. von Bayern. Mit der Zeit aber fühlen sich Besucher in Weimar an ein Museum erinnert. Goethe wird bewundert und gefeiert – aber kaum noch gelesen oder abgelehnt.

Er weiß es und schreibt für spätere Generationen: den Roman „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ etwa oder die Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“. Das größte und fantastischste, sein Lebenswerk hält er sogar bis zu seinem Tod zurück: den zweiten Teil des „Faust“. Der erste Teil ist 1808 erschienen, ein sperriges Meisterwerk, das erstmals 1829 aufgeführt wird – wohl als Hommage in Goethes 80. Geburtsjahr. Am 22. März 1832 gegen Mittag schläft Johann Wolfgang von Goethe friedlich ein. Ein writers’ writer : ein Poet, der Generationen von Schriftstellern inspirieren wird – ansonsten aber häufiger zitiert als gelesen wird, bis heute.

Das klassische Weimar ist da bereits Vergangenheit, die epochale Rolle des Städtchens in der Literaturgeschichte ausgeklungen: Eine kreative Explosion wie die Begegnung Goethes und Schillers lässt sich nicht beliebig wiederholen. Das klassische Weimar ist da bereits Vergangenheit, die epochale Rolle des Städtchens in der Literaturgeschichte ausgeklungen: Eine kreative Explosion wie die Begegnung Goethes und Schillers lässt sich nicht beliebig wiederholen. Dennoch, Weimars Nimbus als Ort, an dem sich deutsche Provinz und Weltgeist verbunden haben, wird bleiben. Jene heitere Aura – die Goethe, der sich auch für einen einfachen Reim nie zu schade war, einst mit den Worten pries: „Spiel und Tanz, Gespräch, Theater, Sie erfrischen unser Blut; Lasst den Wienern ihren Prater: Weimar, Jena, da ist’s gut.“

 
 
 
 
Verlinkungen:

->

Quellen:

Internetquellen

->

->

->

Sekundärliteratur

-> Miesenhöller, Mathias: Am Hof der Musen. Goethe und Schiller in Weimar, in: Deutschland um 1800 (GEO Epoche, Jg. 2016, Heft Nr. 16), Hamburg 2016, S. 100-115.

->

->